Autor: Stefan
Rackow
Kontakt: stefan.rackow@web.de
Kategorie: POV,
evtl. Mythologie
Rating: G-6
Spoiler: /
Disclaimer: Fox
Mulder sowie alle anderen Akte X Charaktere, die in dieser
Geschichte vorkommen, gehören nicht mir, sondern 20th Century
Fox, 1013 Productions und Chris Carter.
Short Cut: Wollte ihm das Schicksal damals etwas sagen? Ihm irgendwelche Zeichen geben? Sollte er an diesem Tag etwas erkennen?
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Zeichen
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An diesem Tag hatte es geregnet, das wusste er noch. Sturzbäche fielen vom Himmel herab, so als ob sie alles Unrecht dieser Welt auf einmal fortspülen wollten, und er war an diesem Tag mit dem Rad die Hauptstraße entlang gefahren.
Jetzt, da er sich der vergangenen Ereignisse erinnerte, meinte er, den Regen immer noch auf seiner Haut zu spüren. Einbildung, das wusste er, und ebenso war ihm noch das Bild vor Augen geläufig: Er, der kleine Junge, nass bis auf die Haut; die Kapuze seines Anoraks tief ins Gesicht gezogen; keuchend aufgrund des hohen Tempos, das er an den Tag legte, um Kinderglaube nicht allzu schnell nass zu werden. Heute wusste er, dass er damals einem gewaltigen Irrtum unterlag.
Der Junge überquerte darauf acht gebend, dass kein Auto in unmittelbarer Nähe war - die Kreuzung vor dem Blumengeschäft, nahe dem Kino, zu dem er zu gelangen versuchte. Seine Freunde waren bestimmt schon da, und er hasste nichts mehr, als derjenige zu sein, auf den die Anderen zu warten hatten. Der Unzuverlässige haftete ihm schon als Beinamen an, ebenso Treulose Tomate und Derjenige, dem Zeit ein Fremdwort ist. Im Grunde lachte er darüber. Auch heute noch. Denn wenn man schon nicht berühmt sein konnte, dann wenigstens berüchtigt. Nichts war einfacher zu bekommen als ein schlechter Ruf. Er wusste, wovon er sprach.
Doch auch heute sollte etwas dazwischen kommen. Die Sirenen, die er erst dann vernahm, als es fast schon zu spät war, deuteten es an. Nicht unweit von ihm schoss ein Rettungswagen mit quietschenden Reifen und Blaulicht über die Kreuzung. Wäre er nicht etwas zur Seite gesprungen, hätte er die Rückfahrt gleich in dem Wagen antreten können, soviel war sicher.
Der Junge landete unsanft auf der rechten Schulter, während der Rettungswagen einen Häuserblock weiter zum Stehen kam und zwei Ärzte aus dem vorderen Teil des Fahrzeugs sprangen.
In die erste Etage, schnell!, rief der eine und hastete in ein dreigeschossiges Haus.
Rufus, Chris, bringt die Trage mit!, befahl der andere und folgte seinem Kollegen. Ein, zwei Sekunden später verließen die beiden anderen Ärzte den Wagen, eine Krankentrage fest umfasst.
Der Junge betrachtete das Geschehen mit angespannter Miene und konnte nicht vermeiden, dass ihn ein seltsames Gefühl überkam. Er kannte das Haus. Und er wusste, dass jemand in der ersten Etage wohnte, den er kannte. Er hoffte, dass es nicht...
Doch da kamen die Ärzte schon wieder aus dem Haus, diesmal langsamer und bedächtiger, zwei von ihnen mit der Trage, auf der ein leblos erscheinender Körper lag. Einer der Ärzte maß den Blutdruck und machte einen alles oder nichts sagenden Gesichtsausdruck.
100 zu 68. Schwach, aber regelmäßig. Und zu dem Patient gewandt: Haben Sie irgendwelche Schmerzen verspürt, bevor Sie das Bewusstsein verloren haben?
Nein. Es passierte einfach so, antwortete eine schwache weibliche Stimme.
In Ordnung, wir fahren jetzt ins Krankenhaus und untersuchen Sie noch mal eingehend. Machen Sie sich keine Sorgen.
Die Frau atmete einmal tief aus, wandte den Kopf und sah ihm dem Jungen direkt ins Gesicht. Sie lächelte. Fox, heute musst du leider auf Kaffee und Kuchen verzichten.
Der Junge trat näher an sie heran und umfasste ihre rechte Hand. Was ist passiert?, fragte er. Geht es Ihnen gut, Miss Romin? Sie werden doch wieder gesund?
Sicher, mein Junge, sicher. Sie schloss die Augen Manchmal geschehen gewisse Dinge, die man sich nicht erklären kann. Und unsereins steht fassungslos, fragt sich, was das alles zu bedeuten hat. Und warum das sein muss. Manchmal ist es die bittere Wahrheit, die die Antwort liefert. Sie lachte etwas. Aber mach dir keine Sorgen.
Sind Sie krank, Miss Romin?, fragte er, doch er sollte keine Antwort mehr erhalten, da in diesem Augenblick die Ärzte die Trage in den hinteren Bereich des Krankenwagens hievten. Währenddessen stand die Sonne derart tief, dass sie den Jungen blendete. Er sah nur noch die Umrisse von Miss Romin; die weiße Trage wurde fast zur Gänze vom Sonnenlicht verschluckt. Es schien ihm fast so, als würde Miss Romin schweben, als würde sie an unsichtbaren Fäden hängen und sich langsam von ihm entfernen.
Kurz darauf holte in die Realität wieder ein.
Geh nach Hause, Kleiner, wir werden uns um deine Oma kümmern.
Sie ist nicht meine Oma, sie ist ... Er verstummte, da er sich plötzlich unwohl in seiner Haut fühlte. Ihm war, als würde er eine Wahrheit leugnen, obwohl dies nicht der Fall war. OK, danke..., sagte er daher mit leiser Stimme und sah dem Krankenwagen nach, wie er davon brauste.
An diesem Tag traf er sich nicht mehr mit seinen Freunden. Er harrte vor dem Haus aus und erwartete, dass sie irgendwann später wieder vor ihm stehen würde, lächelnd, lachend und ihm anbietend, zu ihr raufzukommen, um Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen.
Doch sie kam nicht.
Und trotzdem harrte er aus.
Fox William Mulder musste eine Träne unterdrücken, als er sich die Erinnerung zurück ins Gedächtnis rief. Dieser Tag war nun schon fast 30 Jahre alt, und ihm kam es vor, als wäre es gestern gewesen.
Bedächtig betrachtete er die Todesanzeige in seiner Hand und ließ seine Tränen gewähren. An diesem Tag, damals, war Miss Romin im Krankenhaus friedlich eingeschlafen. Einfach so.
Und unsereins steht fassungslos, fragt sich, was das alles zu bedeuten hat. Und warum das sein muss, hatte sie ihm damals gesagt, und er fragte sich damals wie heute genau das. An diesem Tag hatte sich so vieles angedeutet, das Schicksal hatte angefangen, seine Arme auszustrecken, sein Spiel zu spielen. Und er war heute immer noch der kleine Junge von damals, der all das nicht verstehen konnte. Er wollte es so gerne verstehen, sich die Ausmaße des menschlichen Seins begreiflich machen, das Warum beantworten. Doch er war dazu nicht in der Lage.
Wollte ihm das Schicksal damals etwas sagen? Ihm irgendwelche Zeichen geben? Sollte er an diesem Tag etwas erkennen?
Die Frage schwebte genauso im Raum wie das Warum, und Fox Mulder sah noch einmal auf die Anzeige. Es hatte sich damals am 26. November 1973 zugetragen. Das Schicksal hatte angefangen, Schicksal zu spielen.
Es trug sich alles einen Tag vor dem Tag zu, als Samantha Mulder aus ihrem Elternhaus in Chilmark, Massachusetts entführt werden sollte...