Autor: Isa
Titel:
Lost Along The Way
Spoiler:
Eigentlich die achte Staffel. Denk ich.
E-Mail:
incredibly_moooo@gmx.net
Rating: R- 16
Keywords:
DSR, Scully POV
Disclaim:
*grummel* Nein, gehören alle nicht mir. Noch nicht mal Doggett gehört mir! Was soll man machen... That’s life!
Zusammenfassung: Was passiert, wenn die Liebe plötzlich einen anderen Weg einschlägt und du nicht mehr weißt, was richtig und was falsch ist?
Anmerkung:
Stellt euch jetzt einfach mal vor, die Sache mit der achten Staffel ist ein klein wenig anders verlaufen. Sprich, Mulder ist zwar entführt worden, Scully hat Doggett kennen gelernt und die zwei haben gemeinsam Fälle bearbeitet, ABER Scully ist nicht schwanger.
Autorenbemerkung:
Ja, nun hat es auch mich erwischt! Es ist nur einfach mal eine gelungene Abwechslung, nicht immer von Scully und Mulder zu schreiben. Das ständige liebgeeiere geht einem mit der Zeit ein klein wenig auf die Nerven... NEIN! Das heißt nicht, dass ich dem MSR- Genre untreu geworden bin! Es tut nur einfach mal so richtig gut, etwas anderes zu schreiben!
Widmung: Diese Story möchte ich vier ganz besonderen Leuten widmen.
Einmal Sunny, die mich ständig damit genervt hat, endlich wieder mal eine Story zu schreiben. Als sie dann erfahren hat, dass ich wieder angefangen hab zu schreiben, war sie ganz dem Häuschen! *knuddel*
Dann möchte ich diese Story einer ganz besondern Freundin widmen. Katrin. Vertrau mir, du schaffst das schon! *inarmnehm*
*räusper* Trinity... *lach* Du alter Honigtopf! Danke, für die endlosen Gespräche und Chattstunden! Du entlockst mir immer wieder ein Lachen... oder einen Lachkrampf! *lol*
Und die vierte Person ist eine der wichtigsten in meinem Leben. Ich denke, diese Person weiß, dass sie hiermit gemeint ist: luv ya!



Das Leben mancher Menschen bildet einen vollkommenen Kreis.
Das anderer nimmt Formen an, die wir nicht vorhersehen können
und die wir auch nicht immer verstehen werden.
Das hat mir auch diese Liebe gezeigt, für die ich auf ewig dankbar bin.
 

- Message In A Bottle –



Lost Along The Way

 

"Weißt du, ich bin einfach nicht bereit dazu! Immer geht es um dich! DU hast keine Zeit. DU würdest lieber etwas anderes machen...! Ich bin es stets, die die Kompromisse eingeht. Zu einer Beziehung gehören zwei! Und das heißt, dass nicht nur einer ständig nachgibt!", schreie ich mein Gegenüber an. Langsam reicht es! In einer jeden Beziehung kommt es zu dem Punkt, an dem der letzte Tropfen das Fass zum überlaufen bringt! Eben dieser Tropfen hat soeben das Fass erreicht.
Das selbstsichere Grinsen, dass seine Lippen säumt, bringt mich noch mehr auf die Palme.
 
"Komm schon Dana! Ich hab’ einfach keine Lust!" Mit gespielter Müdigkeit lässt er sich auf die Couch hinter sich fallen. "Wir können doch ein anderes mal ein Picknick machen!" Die langen Arme landen hinter ihm und er verschränkt die Hände hinter seinem Kopf.
 
"Können wir nicht! Wie war das letzte Woche: ‚Dana, Schätzchen. Ich kann heut unmöglich Zeit mit dir verbringen! Ich muss noch soooo viel arbeiten!’ Oder wie wär’s mit dem Zitat der Woche davor: ‚Liebling, ich hab keine Zeit! Denn ich muss unbedingt Joggen gehen!’" Meine Stimme wird immer lauter. Doch ich kann nichts dagegen tun. Die Wut, die nun in mir emporsteigt, ist kaum in Worte zu fassen. Die nächste Aussage, die ich zu hören bekomme, ist zu viel.
 
"Ich hab nie gesagt, dass ich keine Zeit habe, mit dir Zeit zu verbringen! Ich hab lediglich gesagt, dass ich Arbeiten muss und keine Lust dazu..." Mulder wirkt ruhig, doch bevor er diesen Satz zu einem Ende bringen kann, unterbreche ich ihn.
 
"Du hast keine..." Ich unterbreche mich selbst, senke meine Stimme und versuche es erneut. "Du hast keine Lust. Wenn es aber darum geht, zu irgend einem Basketball Spiel zu gehen, muss ich schon Lust haben. Oder wie verstehe ich das?" Als Antwort bekomme ich ein leichtes Nicken.
 
"Basketball ist etwas anders." Auch seine Stimme wird etwas ruhiger. Dennoch ändert es nichts an der Aussagekraft.
 
Wie benommen lasse ich mich auf den Boden sinken, starre auf meine Hände und blicke dann wieder zu Mulder. "Basketball ist etwas anderes, ja?" Eine Träne rollt meine Wange hinunter und ich versuche ein Schluchzen zu unterdrücken. "Und... seit wann arbeitest du?" Es scheint mir, als würde er die zuletzt gesagten Worte als Witz verstehen, denn er fängt an zu lachen. In meinen Augen aber, ist dies durchaus kein Witz. Mulder und ich haben sieben Jahre lang Seite an Seite gearbeitet und ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass ICH die jenige war, auf die das Arbeiten zutraf.
Schnell wird es in der Wohnung wieder still und Mulders Miene wird ernst.
"Zu Beginn schien alles so wunderbar, so vollkommen. Wir konnten kaum die Finger voneinander lassen. Weißt du noch, als uns Skinner beinahe... inflagranti erwischt hätte?" Ich halte Inne, denn nun ist es an mir zu lachen. Das Bild, welches nun vor meinem inneren Auge erscheint, Skinners Gesichtsausdruck, ist einfach unbeschreiblich. Auch der Mann, der mir gegenübersitzt, grinst verschmitzt. "Wo ist das alles geblieben? Du kannst mir nicht ernsthaft sagen, dass all dies in zwei Monaten verschwunden ist. Du willst mir doch nicht ernsthaft weiß machen, dass das Kribbeln verflogen ist, oder?" Ich ertappe mich dabei, wie ich ein Stück näher an ihn heran rutsche. "Früher da... da hast du mich in einer Weise angesehen, die mein Herz Luftsprünge machen ließ. Jetzt sind diese Momente selten. Du hast mich im Büro oft Minuten lang angesehen und es schien mir so, als würdest du in meiner Seele lesen. Wo sind diese Augenblicke hin?" Ich habe nicht wirklich eine Antwort erwartet, aber dennoch blicke ich ihn für einen kurzen Zeitraum schweigend an. "Nachts hast du mich schützend in deine Arme genommen, hast mich mit leisen Worten in den Schlaf gewiegt. Es ist nicht so, dass mir deine Umarmungen jetzt nicht mehr gefallen... aber sie sind anders und auch die lieben Worte, die du mir ins Ohr geflüstert hast, scheinen eine Reise angetreten zu haben, von der es keine Wiederkehr mehr gibt. Verstehst du, was ich meine?" Vorsichtig und zögernd lege ich eine Hand auf sein Knie und warte. Seine Augen schließen sich für einen Moment und er atmet hörbar aus. Die Wärme, die von dem Stoff unter meiner Hand ausgeht, scheint meinen ganzen Körper zu durchfließen und letztlich schließe auch ich meine Augen.
Ich kann es immer noch nicht glauben. Eine Liebe, die für die Ewigkeit geschaffen schien, droht zu zerbrechen. Die Zärtlichkeiten sind beinahe erloschen. Genauso wie das Feuer, welches nur wenige Wochen zuvor so hell loderte. Ich kann einfach nicht begreifen, warum er nicht bereit dazu ist, einmal meinen Wünschen nach zu gehen.
Eine Eigenschaft... eine der wenigen Eigenschaften, die ich an Mulder nicht wirklich als positiv abtun kann, ist seine Arroganz. Auch wenn dies jetzt absurd klingen mag, aber er kann einen manchmal mit seiner selbstgefälligen Art wirklich in den Wahnsinn treibt!
 
Als ich die Augen wieder öffne, sehe ich zu ihm auf. Aber Gott, ich liebe diesen Mann...
"Dana, hör zu." Er klingt bedrückt. Sollte meine kleine Ansprache wirklich etwas bewirkt haben? Zart legt er seine Hand auf die meine.
"Ich hab zur Zeit einfach wahnsinnig viel zu tun. Wir können das Picknick doch einfach auf nächste Woche verschieben. Und ich verspreche dir, ich werde die besten Sandwichs machen, die du je..."
 
Lautstark unterbreche ich ihn während ich mich wieder aufrichte und meine Hand von der seinen löse. "Gott, Fox!" Die Worte zischen nur so aus meinem Mund und Mulder zuckt zusammen. Selbst nachdem wir ein Paar waren, vermied ich es, ihn bei seinem Vornamen zu nennen. Außer in solchen Situationen. Und von denen gab es in letzter Zeit wahrlich viele. Leider... "Du bist ein selbstgefälliges kleines... Ach, vergiss es einfach." Wütend stampfe ich durch die Wohnung, reiße meine Jacke von der Garderobe und stürme auf die Tür zu. Er hat doch wirklich die Frechheit, mir so etwas ins Gesicht zu sagen! In den Ohren mancher mag das jetzt kindisch klingen, aber summa summarum ist das einfach zu viel. Ich kann einfach nicht mehr. Und ich will auch nicht mehr. Vielleicht brauche ich ja einfach nur ein wenig Abstand. Aber im Moment droht mir die Situation aus den Händen zu gleiten.
 
"Dana! Wo willst du hin?", ruft Mulder, als ich die Hand bereits am Türknauf habe.
"Weg. Einfach weg!" Mit diesen Worten lasse ich den sichtbar verwirrten Mann hinter mir im Wohnzimmer zurück und stürme aus unserem gemeinsamen Appartement. Als die Tür hinter mir ins Schloss fällt tue ich einige Schritte und atme schließlich aus. "Dieser grrrrr....", zische ich.
 
"Guten Abend, Miss Scully!" Die Frau aus der Wohnung 7C, die, am Rande bemerkt, als Klatschtante das ganze Haus auf dem Laufenden hält, kommt mir auf dem Gang entgegen. "Wie geht es Ihnen denn, Miss Scully?" Wenn ich dieses lang gezogene Sculleeee schon höre, wird es mir ganz anders. Normalerweise komme ich, trotz der Umstände, recht gut mit Misses Guggenberg aus. Heute allerdings ist das etwas anderes. Ich bin zu aufgebracht, um eine normale Konversation zu führen.
"Bitte verschonen Sie mich, Misses Guggenberg!" Wütend drehe ich mich um und gehe auf das Treppenhaus zu.
"Aber Miss Scully! Was ist denn heute mit Ihnen los?"
"Um Himmels Willen! Lassen Sie mich doch einfach in Ruhe, okay? Und damit Sie morgen etwas zu tun haben: Mulder und ich haben uns gestritten, ich werde jetzt gehen und weiß nicht, wann ich wieder komme! Schauen Sie auf die Uhr! Es ist Freitag und ich habe um Punkt 21.07 Uhr das Haus verlassen! Guten Abend!" Mit diesen Worten wende ich mich von ihr ab und flüchte aus dem Mietsgebäude.
 
Als ich ins Freie trete kommt mir eine kühle Brise entgegen und ich werde unsanft daran erinnert, dass es bereits Mitte November ist. Andererseits ist dies auch eine gute Möglichkeit um meinem überhitzten Gemüt ein wenig Abkühlung zu verschaffen. Ich halte in meiner Bewegung inne und schließe meine Jacke. Ein unbändiges Verlangen überkommt mich und ich blicke gen Himmel. Die Nacht hat sich bereits über Washington D.C. gelegt und alles scheint bereits schon dem Bann der Dunkelheit verfallen. Nur der Mond, der voll und rund am Firmament hängt, hilft der Straßenbeleuchtung, die Umgebung zu erhellen. Tausende kleiner Lichtpunkte funkeln am nachtschwarzen Himmel und ich kann ein Seufzen nicht mehr unterdrücken.
Wie oft habe ich mir früher die Frage gestellt, ob da draußen nicht doch etwas sein könnte? Und wie oft habe ich diese wieder als "unmöglich" abgestempelt?
Ich weiß es nicht mehr. Wahrscheinlich einfach schon zu oft.
 
Mein Blick wandert zurück zum Boden und ich beginne, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Plötzlich, ohne mein Einverständnis, schleichen sich Gedanken in meinen Kopf, die ich bis jetzt erfolgreich verdrängen konnte.
Gedanken, die meine Beziehung zu Mulder in Frage stellen.
 
Ich weiß nicht, was zur Zeit mit ihm los ist. Irgendetwas hat sich verändert. Oder hat sich an mir etwas verändert?
Vor nun schon fast zwei Monaten haben wir es endlich geschafft, uns unsere wahren Gefühle zu offenbaren. Gefühle, dir wir beide seit Jahren versuchten zu verdrängen.
Es war eigentlich mehr ein Anflug von Spontanität, als dass ich geplant hätte, ihm meine Liebe an diesem besonderen Abend zu gestehen. Vielleicht war es auch einfach die Zeit, die wir getrennt waren, die dies verursachte. Ich weiß nur, dass mich so sehr nach seiner Umarmung sehnte.
Der Zeitraum, in dem Mulder verschwunden war, in dem er Qualen durchlitt, schien mir wie eine Ewigkeit. Tag und Nacht konnte ich nichts anderes tun als daran zu denken, wo ich ihn nur finden könnte... wo ich anfangen sollte, nach ihm zu suchen.
In dieser schweren Zeit war mir mein damals neu zugeteilter Partner John Doggett eine große Stütze gewesen. John war für mich da, half mir nach Mulder zu suchen. Und ich fand ihn. Überglücklich schloss ich ihn nach dieser langen Zeit der Enthaltsamkeit in meine Arme. Diese Umarmung hat bis heute angedauert.
 
Wenn ich genau darüber nachdenke glaube ich, dass sie das nicht getan hat.
Es scheint, als würden wir uns immer weiter von einander entfernen.
Im Grunde ist mir dies schon seit längerem bewusst. Bis jetzt wollte ich es aber nicht wahr haben...
 
Mulder hat kurz nach seiner Rückkehr beim FBI gekündigt und schreibt nun regelmäßig Kolumnen für ein UFO Magazin. Doch auch hier ist es, wie in unseren gemeinsamen Jahren zuvor. ICH bin es, die arbeitet. Meist bin ich die jenige, die ihm diverse Unterlagen besorgt; ich bin die jenige, die X-Akten aus dem Büro schmuggelt; und ich...
Nein, nicht wieder aufregen. Es ist im Grunde egal. Diese Beispiele sollen nur zeigen, dass stets ich diejenige bin, die alles für ihren Partner tut.
Und jetzt will er mir weismachen, er muss so viel Arbeit aufholen?
Ich versteh die Welt nicht mehr! Es erscheint mir einfach alles so ungerecht!
Zu Beginn unserer Beziehung schien alles so vollkommen, so unerschütterlich. Doch plötzlich zog eine Wolke auf, die all die Liebe unter sich begrub. Gewiss, nicht all die Liebe konnte verschwinden. Doch der Großteil hat dem ständig größer werdenden Druck nicht standgehalten. Ich fürchte, dass sie bald völlig zerstört sein wird, wenn alles so weiter läuft, wie bisher.
Stets habe ich geglaubt, unsere Liebe wäre etwas besonderes. Etwas, was für die Ewigkeit bestehen bleiben wird. Scheinbar habe ich mich darin aber getäuscht.
Nein, es geht mir nicht um das Picknick. Eigentlich ist mir diese blöde Picknick auch ziemlich egal. Es geht einfach nur darum, dass er jedes Mal, wenn ich etwas vorschlage, keine Zeit, keine Lust, oder sonst etwas hat. Und eben das erschreckt mich. Ich habe Angst davor, eines Morgens neben einem Mann aufzuwachen, der mir immer so vertraut war und plötzlich ein völlig anderer ist.
 
Als ich ausamte bilden sich kleine Wölkchen in der Luft und ich blicke ihnen nach, bis sie schließlich wenige Zentimeter vor meinem Gesicht wieder verschwinden. Während ich abermals zum Himmel aufblicke, stecke ich meine Hände in die Jackentaschen. Einige Wolken sind aufgezogen und jedes Mal, wenn sie am Mond vorüber ziehen, verleiht dieser ihnen einen kaum sichtbaren roten Rand. All das hat beinahe etwas gespenstisches an sich.
Ich befinde mich auf einer kleinen Straße in Richtung Park und die Blätter der Bäume, die den Rand säumen, rascheln leicht in dem aufkommenden Wind.
Ein Kältegefühl macht sich langsam in mir breit, aber dennoch setze ich mich auf eine Bank, als ich den Park endlich erreiche.
Es tut gut, einfach mal etwas Abstand zu gewinnen; Zeit für sich selbst zu haben.
Gedankenverloren kuschle ich mich in meine Jacke und starre zu Boden. All die Gedanken, die mich noch vor wenigen Minuten so beschäftigten, sind auf einmal verschwunden. All meine Sorgen, scheinen sich für den Bruchteil einer Sekunde in Luft aufgelöst zu haben. Hätte ich einen Wunsch frei, würde ich mir wünschen, dass dieses unbeschwerte Gefühl für immer anhalten würde. Doch ich weiß, dass dem nicht so ist. Sobald ich wieder in meine... unsere Wohnung zurück kehre, werden sie alle wieder über mich hereinbrechen und mich unter ihrer scheinbar untragbaren Last erdrücken.
 
"Dana?", reißt mich eine mir wohl bekannte Stimme aus meinem Gedankenlosen Tagtraum. Nur langsam sehe ich auf und blicke sogleich in die blauen Augen der vor mir stehenden Gestalt. "John. Hi." Ich frage mich, was John Doggett um diese Zeit in den Park treibt, aber innerlich bin ich irgendwie froh darüber. Stets konnte ich mit ihm über alles reden und er hat mir geduldig zugehört. Im Laufe der Monate ist er zu einem meiner engsten Freunde geworden. Und ich bin dankbar dafür.
"Ist der Platz hier noch frei?", fragt er, während er auf den leeren Fleck neben mir deutet. Ich sage nichts, sondern gebe einfach nur ein kleines Nicken als Antwort.
John Doggett... ein Mann, den ich nur schwer mit Worten beschreiben kann. Seine Art ist so einfühlsam und doch kann er im nächsten Augenblick das rettende Seil sein, das einen vor dem Fall bewahrt. Ohne den Blickkontakt zu brechen setzt er sich neben mich. Seine Gesichtszüge lassen ihn älter aussehen, als er in Wahrheit ist. Aber ich denke, dass kommt von all dem, was er bereits durchstehen musste. Der Tod seines Sohnes, die Trennung von seiner Frau... all dies hat tiefe Narben hinterlassen, die auch die Zeit nicht zu heilen vermochte.
Doch seine Augen spiegeln all das wieder, was auch die Augen eines jungen Mannes wiederspiegeln würden. Auf der anderen Seite aber, erzählen sie eine Geschichte, die Tausende von Jahren alt zu sein scheint. Eine Geschichte, die mir schon so oft das Herz gebrochen hat. Es ist eine Geschichte von Trauer, Verlust und von Schmerz. Insgeheim wünschte... wünsche ich mir oft, ich könnte der Mensch sein, der ihn all seine Sorgen und seinen Kummer vergessen lässt.
 
"Was machst du hier draußen?" Seine Stimme dringt beruhigend an mein Ohr. Doch ich antworte nicht sofort, sondern blicke erst wieder auf den Boden. Mit gespielter Heiterkeit gebe ich ihm schließlich die Antwort.
"Das gleiche könnte ich dich auch fragen!" Ich weiß, dass er mir diese Heiterkeit nicht abkaufen wird. Er kennt mich zu gut. Manchmal denke ich sogar, er hat in den wenigen Monaten mehr über mich erfahren, als Mulder in sieben Jahren. Zwar kann ich die Beziehung, die ich zu John habe, nicht mit der anfänglichen Beziehung zu Mulder vergleichen, aber dennoch ähneln sich die beiden. Obwohl ich mit John, im Gegensatz zu Mulder, anfänglich nicht wirklich gut auskam, fühlte ich mich in seiner Gegenwart irgendwie eigenartig. Und dieses Gefühl habe ich heute noch. Nicht eigenartig im negativen Sinne... vielleicht hätte ich mich mit ihm besser verstanden, wenn er nicht zu einem durchweg ungünstigen Zeitpunkt in meinem Leben aufgetaucht wäre. Während Mulders Verschwinden war ich von meiner Furcht kontrolliert und von den Stimmen in meinem Kopf, die mir dauernd sagten, ich würde Mulder niemals finden.
Nein, keine multiple Persönlichkeit!
Die Stimmen waren nicht wirklich da. Ich bildete mir nur einfach ein, ich würde ihn nie wieder finden. Und das ängstigte mich. Ich hatte Angst, den einzigen Mann verloren zu haben, den ich liebte.
Heute liege ich manchmal Nachts wach und denke darüber nach, was geschehen wäre, hätten die Mulder nicht wieder zurück gebracht. Doch jedes Mal, wenn ich diesen Gedanken hege, schließt sich der Arm des Mannes, der neben mir schon tief schlummert, ein wenig fester um mich und verscheucht sie. Manchmal bin ich froh darüber. Zu oft allerdings wünschte ich, ich könnte die Gedankenzüge vollenden.
 
"Ein Abendspatziergang. Du weißt schon... mal den Alltag hinter sich lassen und einfach frische Luft schnappen. Jetzt bist du dran." Bei dieser Aussage muss ich lächeln.
"Abendspatziergang", ist meine knappe Antwort. Am liebsten würde ich jetzt einfach mein Herz öffnen und ihm alles erzählen, was mich bedrückt. Doch das ist nicht die Agent Scully, die alle kennen. Es ist schon schwer, als Frau in einem Job tätig zu sein, der vorwiegend von Männern dominiert wird. Wenn man dann auch noch seine Maske fallen lässt, sein Image zerstört, das man sich über die Jahre hinweg so mühsam aufgebaut hat, ist man verloren.
Himmel, was versuche ich mir hier eigentlich einzureden? John kennt die wahre Dana Scully. Wie oft hat er mich getröstet, als Mulder es nicht konnte? Wie oft hat er mir beigestanden, wenn Mulder es nicht konnte? Wenn Mulder es nicht konnte... nein. Wenn Mulder nicht da war!
"Ich wollte einfach mal raus. Weg von allem und... jedem", korrigiere ich mich nach einer kurzen Pause. Ich bin mir sicher, er wird es verstehen.
"Mulder?", fragt John, während er ein kleines Stück näher zu mir rutscht. Ich kenne diese Geste nur zu gut. Auch dieses Szenario kommt mir sehr bekannt vor. In den letzen Monaten hat es sich oft wiederholt und ist schon beinahe zu einer Gewohnheit geworden. Ich nicke und lasse meinen Kopf auf seine Schulter fallen.
Während ich hörbar ausatme legt er vorsichtig seinen Arm um mich. So, wie er es schon so viele Male zuvor getan hat. Was mich bei dieser Berührung überkommt, wäre unnütz in Worte zu fassen. Es ist die Art von Gefühl, das einen tröstet und wieder neuen Mut macht. Aber es ist auch die Art von Gefühl, das einem Wärme spendet und das man nie wieder missen möchte.
"Möchtest du darüber reden?", fragt er, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Abermals nicke ich. Manchmal tut es wirklich gut, wenn man mit jemandem reden kann und derjenige nur zuhört. Worte sind nicht wichtig; nur die Gewissheit, dass man jemandem seine geheimsten Ängste und Sorgen anvertrauen kann. Und das bestimmte Gefühl, dass man verstanden wird.
 
"Wir... hatten einen Streit. Wieder einmal. Ich weiß nicht warum, aber Kleinigkeiten scheinen in letzter Zeit zu großen Problemen zu führen..." Verständnisvoll drückt er mich an sich und ermutigt mich so, weiter zu reden. "Ich fühle mich einfach so... so... unnütz. Und in gewisser Weise auch irgendwie verlassen."
"Bist du unnütz?", wendet er ein. Verwirrt blicke ich zu ihm auf und als ich in seine Augen sehen, verstehe ich die Bedeutung seiner Worte.
"Nein. Ich... ich denke nicht."
"Siehst du. Und aus eben diesem Grund brauchst du dich auch nicht so zu fühlen. Dana, du bist nicht überflüssig, wenn du das denkst."
Ich senke meinen Blick. "Aber er... Mulder gibt mir das Gefühl, unnütz zu sein. Nicht unnütz in dem Sinne, dass ich zu nichts zu gebrauchen bin. Das meine ich damit nicht. Es kommt mir nur einfach so vor, als wäre ihm meine Gegenwart nicht mehr angenehm... Nein, das ist es auch nicht. John, ich weiß nicht, wie ich es dir erklären soll. Es ist nur, dass er keine Zeit mehr für mich hat. Mulder ist dauernd mit irgendetwas beschäftigt, das ihm wichtiger ist, als ich es bin."
Ich spüre, wie sich sein Körper ein wenig hebt. Habe ich etwas falsches gesagt?
"John?", frage ich vorsichtig. Doch ich bekomme keine Antwort.
Einige Sekunden verstreichen und ich entschließe mich dazu, weiter zu reden. "Bevor wir ein Paar waren, habe ich mir sehnlichst gewünscht, in seinen Armen zu liegen, oder ihn einfach nur bei mir zu haben. Aber dieses Gefühl ist im Laufe der Zeit einfach verloren gegangen. Mulder hat sich verändert. Ich weiß, man kann einem Menschen nicht vorschreiben, wie er sich zu verhalten hat." Ich unterbreche mich selbst und blicke wieder zu dem Mann neben mir auf.
 
"Aber ich mag diese Veränderung nicht", füge ich hinzu. Noch immer ruhen seine Blicke auf den Sternen, die über uns alles tun, um die Nacht zu erhellen.
Ohne mir seinen Kopf zuzuwenden beginnt er zu sprechen. "Ich werde nicht sagen, dass ich nachvollziehen kann, was du zur Zeit durchmachst, Dana. Denn ich kann es nicht und ich will dir auch nichts vormachen. Das einzige, was ich mit Sicherheit sagen kann ist, dass ich diesen Mann nicht verstehen kann." Endlich reißt er seinen Blick vom Himmel los und sieht mir direkt in die Augen. "Er hat das Glück, mit einer wunderbaren Frau zusammen zu sein. Und er scheint sich dessen nicht bewusst zu sein. Er scheint nicht zu realisieren, dass ihm das wundervollste Geschenk auf Erden zuteil geworden ist. Liebe. Verstehst du, Dana? Liebe." John schließt die Augen und lächelt. "Es kommt mir beinahe so vor, als würde er dich als selbstverständlich ansehen. Und eben DAS kann ich nicht verstehen. Jemanden wie dich darf und kann man einfach nicht als selbstverständlich betrachten."
 
Abermals wendet er sich von mir ab und dem Himmel zu. Ich wage kaum, etwas zu sagen. Seine Worte hallen in meinem Kopf wieder und ich versuche ihre Bedeutung zu analysieren. Aber ich kann es nicht. Mein Verstand kann es nicht.
"Ich habe mir so lange gewünscht, dass Mulder endlich erkennt, was ich für ihn fühle. Doch jetzt, wo er die Gewissheit hat, dass ich ihn liebe... ist es nicht mehr das gleiche. Ich habe mir immer vorgestellt, dass wir den Rest unseres Lebens miteinander verbringen und sowohl Freud als auch Leid teilen. Vielleicht existierte dieser Wunsch einfach zu lange, um Realität zu werden. Vielleicht habe ich es mir anders vorgestellt und jetzt, da ich die Wahrheit kenne, hat es nicht mehr den selben Reiz. Ich denke, dass dieser Wunsch auch mein Hauptantrieb bei der Suche nach ihm war. Ich wollte ihn einfach wieder bei mir wissen. Und jetzt, da er hier ist..." Ich spreche nicht weiter, sondern greife nach Johns Hand, die noch immer auf meiner Schulter ruht, und drücke sie leicht. Sie scheint so groß im Vergleich zu meiner. Doch es geht eine unbeschreibliche Wärme von ihr aus, die sogleich meinen ganzen Körper durchströmt. "... weiß ich nicht, ob ich noch will, dass mein Traum in Erfüllung geht. Andererseits aber denke ich wieder daran, dass es ihm gegenüber nicht fair ist. Es ist Mulder gegenüber einfach nicht fair. John? Denkst du, dass es richtig ist, was ich denke?" Ich spüre plötzlich, wie er den Druck erwidert.
 
"Ich habe niemals daran gezweifelt, dass du weißt, was du tust, Dana. Und ich werde auch jetzt nicht daran zweifeln. Ich habe lange genug an deiner Seite gearbeitet um zu wissen, dass du immer den richtigen Weg findest und ihn mit Sicherheit auch immer finden wirst." Bei diesen Worten ist es nun an mir zu lächeln. "Niemals an mir gezweifelt?" Erst jetzt wird sich John über die Zweideutigkeit seiner Worte bewusst und fängt an zu lachen.
"Ich habe gesagt ‚niemals DARAN gezweifelt’. Aber schon gut! Ich muss zugeben, dass ich dich am Anfang etwas... seltsam fand. Deine Denkweise und deine Aufgeschlossenheit gegenüber dem Paranormalen war mir doch etwas befremdlich."
 
"Ich war nicht immer so... aufgeschlossen, wie du es nennst", beginne ich zu erzählen, als ich mein Lachen endlich wieder unter Kontrolle habe. Eine eigenartige Traurigkeit mischt sich in meine Worte. "Bevor Mulder... verschwand, war ich es, die mit allen Mitteln versuchte, Mulders Theorien zu verwerfen. Ich war die stets logisch denkende, immer auf die Wissenschaft zurück greifende Partnerin. Mulder war stets derjenige von uns beiden, der an kleine grüne Männchen glaubte. Das soll jetzt nicht heißen, dass ich mittlerweile an extraterrestrische Wesen von einem andern Planeten glaube! Ich hatte nur einfach das Gefühl, ich müsse Mulders Arbeit... sein Denken übernehmen. Und weiß Gott, ich habe es wirklich versucht. Sieben Jahre ziehen nicht einfach spurlos an einem vorüber. Nun war ich bereit, mich dem... Unmöglichen zu öffnen. Doch ganz kann ich meine Skepsis immer noch nicht ablegen. Ich bin nun mal Wissenschaftlerin. Und da kann ich nicht von heute auf morgen alles für PARANORMAL abtun, was ich mir nicht erklären kann. Aber dennoch gibt es Dinge, an die ich glaube. In den letzen Jahren hab ich viel gesehen und auch viel erlebt. Vieles von all dem kann ich mir bis heute noch nicht erklären. Und deswegen bin ich bereit zu glauben. John, glaub mir. Wenn du nur die Hälfte von all dem gesehen oder erlebt hättest, was ich erlebte, würdest du auch anders denken."
 
John weiß von meiner Entführung und auch von all meinen Erfahrungen. Wir haben oft darüber geredet. Wenn ich ehrlich bin, haben wir über viele Sachen geredet. Dinge, die ich noch nicht mal Mulder anvertraut habe. Ich weiß nicht warum, aber bei John fühle ich mich geborgen und er gibt mir immer wieder Kraft, wenn ich diese verloren habe.
Er ist zu einem meiner engsten Vertrauten geworden. Und er ist zu jemandem geworden, dem ich mein Leben anvertrauen würde...
In einer Welt wie dieser ist es schwer jemanden zu finden, dem man bedingungslos vertrauen kann. Ich dachte, ich hätte diesen jemand schon vor langer Zeit gefunden. Erst jetzt wird mir bewusst, dass ich ihn in John gefunden habe. Gewiss, ich kann Mulder vertrauen und es gab Zeiten, in denen ich für ihn gestorben wäre. Ob ich dies immer noch tun würde, weiß ich nicht. In den zwei Monaten unseres Zusammenseins hat sich vieles geändert. Durch seine unterschwelligen Zurückweisungen hat er mein Vertrauen zu ihm erschüttert. Er hat ein unsichtbares Band zerstört, das uns immer so fest verbunden hat. Eben dieses Band hat John wieder aufgebaut. Er gibt mir Halt, wenn ich Halt brauche. Er gibt mir Schutz, wenn ich Schutz brauche. Und er ist immer für mich da. IMMER. Einen Großteil des Vertrauensbruchs löste Mulder durch sein Verschwinden aus. Früher einmal hatte er mir geschworen, immer an meiner Seite zu sein und mich zu beschützen, was immer auch auf uns zukommen würde. Doch er hat sein Versprechen nicht gehalten. Er hat mich einfach alleine gelassen. Er ist mit ihnen mitgegangen, ohne dabei an mich zu denken. Ohne daran zu denken, dass mein Vertrauen gebrochen war. Das Vertrauen, das manchmal das einzige war, was uns am Leben erhielt. Das blinde Vertrauen, das uns in unserer Partnerschaft lang begleitete.
Bevor ich Mulder meine Liebe gestand, hatte ich Angst, dieses Vertrauen zu brechen, oder unserer Freundschaft, die zu einem wichtigen Bestandteil meines Lebens geworden war, zu zerstören. Aber ich wagte den Schritt... und ich gebe zu, dass ich es bereue. Manchmal zumindest. Was wäre, wenn die drei Worte niemals gefallen wären? Würden wir jetzt immer noch Seite an Seite arbeiten, mit unausgelebten Phantasien zwischen uns? Würde dann immer noch dieses Knistern in der Luft liegen, was ich so schmerzlich vermisse?
Ich weiß es nicht. Im Grunde ist es mir sogar egal. Ich kann nicht mehr rückgängig machen, was geschehen ist. Vielleicht ist es besser so.
Ohne Mulders Abwesenheit hätte ich John niemals kennen gelernt. Und ich hätte niemals fühlen können, was ich nun fühle. Vollkommene Zufriedenheit. Ich muss lächeln. Zufriedenheit. Eben dieses Gefühl empfand ich, als Mulder mich das erste Mal richtig küsste und doch ist es anders. Ich bin zufrieden, wenn ich neben John sitze. Ich bin zufrieden, wenn ich nur mit ihm rede... dies fehlte bei Mulder. Ich war zufrieden, wenn er mich im Arm hielt. Ich war zufrieden, wenn er mich küsste... aber war ich jemals zufrieden, wenn ich nur mit ihm redete? Ich kann es nicht mit Gewissheit sagen, aber ich glaube nicht.
 
"Ja, vielleicht würde ich dann anders denken", gibt John die Antwort auf eine Frage, die ich schon vor scheinbar Tausenden von Stunden gestellt habe. Der Tonfall seiner Stimme lässt meinen Körper Alarm schlagen. Ich habe keine Erklärung dafür. Es hat sich etwas verändert. Die Art, wie er die Worte betont. Und die Art, wie sie über seine Lippen kommen. Plötzlich kommt es mir so vor, als hätte ich ein leises Seufzen gehört. "John? Versprich mir, dass du immer für mich da sein willst. Versprich mir, dass du mich immer so festhalten wirst, wie du es jetzt tust." Wo sind diese Worte her gekommen? Ohne dass ich es bemerkt habe, haben sie sich in meinem Mund geformt. Oh Gott, was wird er jetzt von mir denken? Was soll ich jetzt von mir denken?
Langsam, beinahe im Zeitlupentempo, lässt er meine Hand los und zieht seinen Arm von meiner Schulter zurück. Die ach so vertraute Wärme ist plötzlich verschwunden. Fragend sehe ich ihn an. Versuche eine Antwort für sein Verhalten zu erlangen. Doch ich kann nicht in seine Augen sehen, die mir sonst immer so viel verraten haben, denn sie sehen in den schier immer heller werdenden Mond.
"Dana...", beginnt er. Er klingt traurig. "Du glaubst nicht, wie gerne ich dir all das versprechen würde. Ich würde dir einen Stern vom Himmel holen, wenn ich einen Weg nach dort oben wüsste." Er deutet mit seinem Fingern auf den hellsten Stern. "Doch ich kann nicht. Ich respektiere dich und ich respektiere Mulder. Du kannst nicht von mir verlangen, dass ich Mulder hintergehe. Und du weißt auch, dass ich so etwas niemals tun würde." Abermals pausiert er und sieht mich an. Seine Augen. Das Blau, welches dem meinen gleicht, ist fast vollkommen schwarz. "Ich würde alles dafür tun, dich jeden Tag in meinen Armen halten zu dürfen. Und ich würde alles in meiner Macht stehende tun, um dich zu beschützen. Vor Monstern, Aliens und... was weiß ich alles." Ein Lächeln umspielt seine Lippen, als er die letzen Worte gesagt hat. "Doch ich kann es nicht. Ich kann es nicht, weil all dies einem anderen Mann als mir vergönnt ist."
 
Mit einer fließenden Bewegung steht er auf, und setzt einen Fuß vor den anderen. Er beginnt sich immer weiter von mir zu entfernen. Eine befremdende Panik beginnt sich in mir auszubreiten. Abermals muss ich die Angst ausstehen, mit meinen Worten den Mann verloren zu haben den ich... den ich liebe. Das erste Mal, dass ich mir selbst eingestehe, dass ich John Doggett liebe. Einerseits fühle ich mich wie auf Wolken schwebend, wenn ich diese Worte höre. Andererseits aber bekomme ich ein schlechtes Gewissen Mulder gegenüber. Er hat es nicht verdient, dass ich ihn so behandle. Doch habe ich es verdient, dass er mich so behandelt? Mulder wurde schon so oft verletzt und es hat ihn eine Menge Kraft und Überwindung gekostet, wieder einen Menschen an sich heran zu lassen. Er brauchte lange, um wieder einen Menschen lieben zu können. Kann ich diese teure Gabe, die er mir zu Füßen gelegt hat einfach so zurückweisen? Ich befinde mich in einem inneren Konflikt, den ich nicht zu schlichten vermag. Ohne dass es mir bewusst ist, stehe ich auf und beginne den Weg zurück zu legen, der zwischen John und mich gekommen ist. Er sieht mich nicht an, als er merkt, dass ich wieder neben ihm bin. Unbekümmert setzt er seinen Weg fort und ich habe gewisse Schwierigkeiten bei seinem Tempo mitzuhalten.
 
"Mulder und ich sind für lange Zeit einen schier unendlichen Weg entlang gegangen. In der Mitte dieses Weges war eine Gabelung und wir entschlossen uns gemeinsam für einen Weg. Einen Pfad, den wir gemeinsam bezwingen wollten. Doch irgendwann haben wir uns verloren. Irgendwo auf diesem unendlichen Weg blieb einer von uns zurück, weil er des Gehens müde war. Der andere aber ging weiter und ließ mich... und ließ seinen Partner alleine zurück." Ich bleibe stehen und auch John tut es mir gleich. Erst jetzt sieht er mir in die Augen. "Es gibt Tausende von Menschen, die eben diesen steinigen Pfad betreten, sich jedoch bei der Wegzweigung für die andere Richtung entscheiden und es gab viele, die, so wie ich, zurück blieben. Ich allerdings hatte Glück, denn es kam jemand an mir vorüber, der genau die selbe Richtung gewählt hatte, für die ich mich zuvor entschied. Du hast mich dazu veranlasst, weiter zu gehen." Schweigend sieht er mich an. Es sieht beinahe so aus, als würde er auf etwas warten. Und insgeheim warte auch ich auf etwas. Eine unbeschreibliche Spannung hat sich zwischen uns aufgebaut und wenn jetzt nicht gleich etwas passiert, drohe ich zu zerspringen.
"Gehen wir noch ein Stück zusammen?"
"Was?" Habe ich ihn das gerade wirklich gefragt? Was habe ich mir eigentlich erhofft? Das er mich nach diesem Geständnis einfach küsst? Dana, du müsstest John mittlerweile wirklich besser kennen, denn er... bevor ich diesen Gedanken zu ende führen kann sehe ich, wie sich sein Körper mir entgegen beugt. Im nächsten Augenblick spüre ich nur noch seine Lippen auf meinen. Es ist ein beinahe elektrisierender Kuss. Und dennoch ist er zart und unaufdringlich. Nach einer viel zu kurzen Zeit löst er sich wieder von mir und stellt seine Frage von neuem. "Ich habe gefragt, ob wir noch ein Stück gehen." Meine Augen, die bis jetzt noch geschlossen blieben, öffnen sich langsam wieder und ich blicke geradewegs in die seinen. "Gerne." Das einzige, was ich dem entgegen bringen kann.
Ohne ein weiteres Wort, ohne eine weitere Geste, setzt er seinen Weg fort. Ich bleibe ein kleines Stück hinter ihm zurück, bevor ich meine Beine ebenfalls in Bewegung bringe. War das jetzt einfach nur eine kleine Geste? Sozusagen zur Aufmunterung? Bitte, lieber Gott, lass es nicht so sein. Sollte ich ihm mein Herz zu Füßen gelegt haben, ohne dass er es beachtet, würde etwas tief in mir zerbrechen. Gerade in diesem Moment hält er Inne und wartet, bis ich ihn eingeholt habe. Als er nun abermals losgeht, kommt es mir so vor, als hätte er sein Tempo gedrosselt. Langsam schlendert er neben mir her. Unbemerkt rücke ich ein Stückchen näher zu ihm und meine beinahe, seine Wärme zu spüren.
 
Ein Windhauch zerbricht die Stille der Nacht. Ich hätte niemals gedacht, dass es in den Straßen von Washington so leise sein kann. Die Blätter der Bäume beginnen in einem konstanten Rhythmus zu schaukeln und geben dabei ein Rascheln von sich. Ohne Vorwarnung durchfährt mich ein unangenehmes Gefühl der Kälte und ich erzittere. Frierend stecke ich meine Hände wieder in die wärmenden Taschen.
"Ist dir kalt?", fragt John besorgt. Ich verneine und dennoch legt er seine Hand auf meinen Rücken. Langsam wandert sie an dem Stoff der Jacke hinab, bis mich schließlich sein ganzer Arm umgibt. Seine Hand, die zuvor noch warm auf meinen Rücken lag, vergräbt sich in meiner Jackentasche. Beinahe reflexartig schließe ich meine Hand um seine, als diese mich an einem Finger berührt. John beginnt mit seinem Daumen kleine Kreise auf meinen Handrücken zu zeichnen und abermals durchfährt mich ein Schauder. Dieses Mal allerdings nicht wegen der Kälte.
Ich kann seinen Körper neben mir spüren, kann spüren, wie er mich fester an sich drückt. Ich verschränke meine Finger, in der Tasche, in die seinen und atme mit einer unbeschreiblichen Erleichterung aus. Die kleine Wolke, die von der ausströmenden Luft gebildet wird, wirkt wie eine geisterhafte Gestalt, die langsam zum Himmel aufsteigt. Immer weiter gleitet sie nach oben und ich blicke ihr nach, bis sie sich schließlich zerteilt und verschwindet. Es waren meine Ängste, die da gerade davon geflogen sind. All meine Furcht ist mit diesem Hauch von mir genommen worden.
 
Ohne es zu wollen finden wir uns plötzlich vor dem Mietsgebäude wieder, in dem sich Mulders und mein Appartement befindet. Ich blicke nach oben und erkenne, dass aus dem Fenster, das zu unserer Wohnung gehört, noch Licht dringt. Mulder ist also noch wach. Ob er auf mich gewartet hat?
Doch ohne auch nur einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden, wende ich mich wieder zum gehen. John sieht mich fragend an. "Ich will noch nicht nach Hause. Lass uns irgendwo anders hin gehen", entgegne ich, bevor ich mich auf meine Zehenspitzen stelle und ihn küsse.
Es ist diesmal nicht der zärtliche Kuss von vorhin. In diesem Kuss liegt viel mehr verborgen. Ich bin mir sicher, John hat erkannt, dass meine zuvor gesprochenen Worte aus meinem Herzen kamen und nicht einfach nur daher gesagt waren. Und ich bin froh darüber. Warm und weich liegen seine Lippen auf den meinen und mein Herzschlag beschleunigt sich. Ich dachte bis gerade eben nicht, dass eine Beschleunigung noch möglich ist. Aber wie man sieht... Ich muss lächeln und John tritt einen Schritt zurück. Ungern lasse ich ihn gehen. "Warum lachst du?", will er wissen. Jetzt beginne ich schon zu kichern. Gott, was dieser Mann mit mir anstellt. "Ich habe nur gelächelt." Ja, das ist eine gute Antwort, Dana!
"Verrätst du mir auch, warum?", bohrt John nach, während er mich wieder in seine Arme schließt. Dieses Mal ist es an mir, den Weg fortzusetzen. Langsam löse ich mich von ihm, strecke meine Hand aus, ergreife die seine und gehe auf die Nacht zu. Still gehen wir nebeneinander her und es baut sich abermals eine nahezu elektrisierende Spannung zwischen uns auf. Sie ist beinahe mit der zu vergleichen, die zwischen Mulder und mir bestand und dennoch ist sie grundverschieden...
Ich weiß nicht, wie lange wir gegangen sind, oder ob einer von uns überhaupt wusste, wohin uns unser Weg führt, aber ich finde mich vor Johns Wohnung wieder. Und plötzlich ist dieses Kribbeln wieder da, welches meinen Körper nur Minuten früher heimsuchte.
Erst jetzt fühle ich den richtigen Zeitpunkt gekommen, um ihm zu sagen, warum ich vorhin lächelte.
"Ich hab mich zuvor nur gefragt, ob es wohl normal ist, dass mein Herz so schnell schlägt." Noch während ich ihm diese Antwort gebe, deute ich mit meiner freien Hand auf die Stelle, wo sich mein Herz befindet.
"Ich denke, es ist normal", sagt er lächelnd und legt seine Hand über die meine, die nun über meinem Herz ruht. Vorsichtig aber dennoch konstant ziehe ich meine Hand unter seiner hervor und lege sie darauf. "Und du bist der Grund dafür." Abermals halten wir inne und sehen einander einfach nur an, genießen die Nähe des anderen. Nun sehe ich etwas in seinen Augen, was mir bis jetzt noch gar nicht so aufgefallen ist. Oder war es schon immer da und ich wollte es nicht sehen? Doch jetzt, da ich bereit dazu bin, kann ich all die Liebe darin sehen und ich hoffe, dass er in meinen Augen das gleiche erblicken kann. Fast zögernd bewegt sein Kopf sich auf meinen zu. Diesmal ist es etwas anderes. Obgleich wir uns schon zuvor geküsst haben, sind seine Bewegungen diesmal anders, fast ängstlich. Ebenso zögernd bewege ich mich auf ihn zu und als sich unser Lippen schließlich treffen, lasse ich mich in seine Arme fallen. Alles um mich herum verschwindet. Die Bäume, die Lichter und selbst der Vollmond, der die Nacht fast Tag hell erscheinen lässt. Nur noch unserer beider Lippen existieren in einer Welt, in der die Liebe Hunderte von Gefahren überdauern muss, um dann letztendlich doch zu Grunde zu gehen. Doch ich weiß, dass diese Liebe nicht einfach erlöschen wird. Ich habe keinen Grund für diese Annahme und es gibt auch keine wissenschaftliche Erklärung dafür. Ich glaube einfach daran, dass sie für lange Zeit existieren wird. In der nächsten Sekunde spüre ich, wie seine Zunge zart über meine Lippen streicht. Mit einem leisen Ton der Zufriedenheit lasse ich ihn eintreten und als unsere Zungen aufeinander treffen entflammt ein Feuer, das schon seit langer Zeit verloren geglaubt war. Zuerst spielen unsere Zungen miteinander, scheinen sich zu necken. Kurz darauf aber, wird ihr Tanz immer intensiver und ich merke, dass meine Knie bald ihren Dienst versagen werden. Und dennoch lasse ich nicht von ihm. Zu schön ist dieses Gefühl... Das Gefühl ihn so nahe bei mir zu haben. Ich habe zu lange darauf warten müssen, um es jetzt so einfach wieder verschwinden zu lassen.
 
Irgendwann aber müssen wir diesen Kuss beenden, was mir von Sekunde zu Sekunde mehr bewusst wird. Erst als wir beide nahezu zugleich nach Luft ringen, wird der Kuss unterbrochen.
"Kommst... kommst du noch mit rein?", fragt John und deutet mit dem Kopf auf das Gebäude. Abermals scheint mein Herzschlag sich zu beschleunigen und ein Lächeln huscht über meine Lippen. "Ich wäre beleidigt, wenn du nicht gefragt hättest", entgegne ich.
 
Ein Schauer läuft über meinen Rücken, als ich inmitten des Wohnzimmers stehe. Wie oft war ich schon hier? Sicher unzählige Male, aber diesmal ist es etwas anderes. Ich weiß nicht warum, oder weshalb. Ich sehe mich um während ich nach dem Reißverschluss meiner Jacke greife und diesen langsam nach unten ziehe. Der Raum, in dem ich stehe, ist hell erleuchtet, da John wenige Sekunden zuvor, den Lichtschalter betätigt hat. Mein Herz scheint mir bis zum Hals zu schlagen, als er mich ansieht. "Möchtest du etwas zu trinken?" Abermals eine Frage, die ich so nicht erwartet hätte.
Ich schüttle meinen Kopf und gehe einige Schritte auf ihn zu, bis ich schließlich vor ihm stehe. "Ich will nur dich", antworte ich ihm. Worte, dir wie von Geisterhand aus meinem Mund kommen.
Wie oft habe ich mir diese Zeile in meinen Gedanken zusammen gereimt? Wie oft habe ich ihm dies in meinen Gedanken gesagt? Jetzt, da die Worte ausgesprochen sind, ist das Gefühl überwältigender, als ich es mir je erträumt hätte. Und erst jetzt erkenne ich, was sich an seinen Augen verändert hat. Erst jetzt wird mir klar, was ich schon zuvor darin gesehen habe. Verlangen. Und Vertrauen. Ein Vertrauen, das ich schon so lange vermisse. Die Art von Vertrauen, die sich zwei Liebende schenken.
Ich lasse meine Jacke, die ich noch immer in Händen halte, auf den Boden fallen und lege meine Hände zögern auf seinen Brustkorb. Bei diesem Kontakt durchfährt etwas eigenartiges unser beider Körper. Beim besten Willen kann ich nicht sagen, was es ist; ich weiß nur, dass es sich unglaublich gut anfühlt. In diesem Bruchteil einer Sekunde ist Mulder vergessen, ja sogar schon beinahe aus meiner Erinnerung gestrichen. Vergessen sind all die Dinge, vor denen er mich nicht beschützen konnte, als ich meinen Kopf über meinen Händen platziere. Ich kann Johns Herzschlag hören und spüre, wie er seine Arme um mich schlingt und seinen Kopf in meinen Haaren vergräbt. Sein Herz, das an mein Ohr trommelt, bringt mich weit weg. Weg von allem, was ich durchstehen musste. Weit weg in eine Welt, in der die letzen sieben Jahre nicht passiert sind. In denen der Schmerz, die Ängste und der Kummer vergessen sind. Ich weiß nicht, wie lange wir so dort stehen, aber es ist eine viel zu kurze Zeit. Leise unterbricht seine Stimme die wohlige Stille.
"Dana. Du glaubst nicht, wie sehr ich mir das hier wünsche. Und dennoch habe ich Zweifel. Ich zweifle daran, dass du es ehrlich mit mir meinst. Ich weiß, dazu habe ich kein Recht. Aber wenn mir dies hier nur für eine Nacht, für eine einzige Nacht zu Teil werden sollte, würde ich dieses Geschenk nicht annehmen. Du weißt, dass ich es nicht ertragen könnte, dich dann für immer verloren zu haben."
Seine Worte hallen wie ein Echo in meinem Kopf wieder. Nur für eine Nacht. Eine Nacht... Plötzlich weiß ich nicht mehr, was richtig und falsch ist. Es wäre nicht richtig, mich Mulder gegenüber so zu verhalten. Aber es wäre auch nicht richtig, John zu enttäuschen, nach all dem, was bereits geschehen ist.
Ich kann nicht mehr leugnen, dass ich nichts für meinen Partner empfinde... Gott, diese Worte kommen mir so vertraut vor. Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit, als mich dieser Gedanke das letzte Mal durchfuhr. Bin ich nicht schon einmal an der gleichen Stelle gestanden? Mein Partner mir gegenüber? Habe ich meinem Partner nicht schon einmal meine Liebe gestanden und bin ich dabei nicht schon einmal enttäuscht worden?
Schlagartig wird mir bewusst, dass ich das eine nicht mit dem anderen vergleichen kann. Ich sehe in seine Augen und sehe Liebe. Ich höre auf sein Herz und höre, wie es sich nach mir sehnt. Und ich spüre seine Arme, wie sie mich immer näher an ihn drücken.
Es ist Mulder gegenüber nicht fair, erinnert mich eine innere Stimme abermals. Ja, es ist Mulder gegenüber nicht fair. Dies wird mir von Minute zu Minute bewusster. Aber ist es von ihm fair, mich hinter seine Arbeit zu stellen? Auf einmal schaltet sich mein Gewissen ein. Ist das nur ein Racheakt Mulder gegenüber? Auch diese Frage kann ich nicht beantworten. Oder doch. Ich kann es. Es ist kein Racheakt und es ist auch kein Versuch, Mulder wieder für mich zu gewinnen...
Ich bin stets durch die Welt gerannt auf der Suche nach meinem Ebenbild. Nach dem Mann, dem ich mein Herz schenken könnte. In Mulder dachte ich diesen Mann gefunden zu haben. Doch es stellte sich als Lüge heraus. Er war nicht derjenige, nach dem sich mein Herz sehnte. Gewiss, es mag im ersten Moment.. in den ersten Jahren den Anschein gehabt haben. Aber unsere Liebe blieb auf der Strecke und dies sollte ein Zeichen für mich sein. Ein Zeichen dafür, dass ich mich wieder auf den Weg machen sollte.
Und ich habe gehorcht, wenn auch unbewusst. Und auch im Unbewussten habe ich jemanden gefunden, der mich auf meiner weiteren Suche begleiten wollte. Erst jetzt erkenne ich, dass er nicht mein Wegbegleiter auf der Suche nach einer neuen Liebe ist, sondern die Liebe, die mich auf der Suche nach einem neuen Weg begleitet.
 
Mit einem Mal sind alle Unsicherheiten beseitigt und ich lege eine Hand auf seine Wange. In solchen Momenten wird mir immer wieder seine schroffe Gesichtsform bewusst. Und dennoch liebe ich es, über seine Wang zu streichen. Auch wenn mir dies zuvor nur als Geste von Trost vergönnt war. John dreht seinen Kopf, um so meine Handfläche küssen zu können. Als er seinen Kopf wieder abwendet, streiche ich zart mit meinem Daumen über seine Lippen. Das weiche Fleisch gibt bei meiner Berührung nach und er schließt seine Augen. Von Sekunde zu Sekunde beschleunigen sich unsere Atemzüge und ich kann nun deutlich die Luft spüren, die über meinen Daumen streicht. "Ich liebe dich", höre ich mich selbst sagen. Es ist nicht mehr als ein Flüstern doch ich bin mir sicher, John hat es gehört, denn schlagartig öffnen sich seine Augen wieder.
"Dana, du brauchst..." Ich unterbreche ihn, in dem ich meinen Zeigefinger auf seinen Mund lege. "Ich liebe dich", wiederhole ich meine Worte. Diesmal aber etwas lauter, um ihm die Bedeutung zu verdeutlichen. Ja, ich liebe ihn. Und dies ist das erste Mal, dass ich es laut ausspreche. Es fühlt sich an, als hätte sich eine tonnenschwere Last von meinem Herzen gerollt. Irgendwie bin ich erleichtert und verängstigt zugleich. Obwohl ich mir eine Zurückweisung nach den letzen Geschehnissen nicht vorstellen kann, ist da immer noch etwas Angst. Ich glaube, es ist die Angst vor dem Ungewissen. Angst vor dem Unbekannten, das nun auf einen zukommt.
Ich weiß, dass ich in seiner Nähe keine Angst zu haben brauche, denn John wird mich auffangen, wenn ich falle. Er wird da sein um mich zu halten, wenn ich mein Gleichgewicht verliere. Eben deshalb bin ich jetzt endlich bereit dazu, mich fallen zu lassen. In der Gewissheit, dass er mich auffangen wird.
 
Als er sich diesmal zu mir herunter beugt und sich unsere Lippen berühren, scheinen diese förmlich zu brennen. Ein unbeschreiblicher Hunger überkommt mich und ich presse meinen Körper an den seinen. Meine Hände in seinen Haaren vergrabend ziehe ich ihn näher zu mir, auf das ich jeden Zentimeter seiner Lippen und seines Gesichtes erreiche. Nun scheint all die Zeit des Wartens in mir empor zu steigen und es scheint ihm nicht anders zu ergehen. Immer tiefer stößt er mit seiner Zunge in meinen Mund vor und ich lasse ihn mit seufzenden Tönen gewähren. Meine Hände gleiten unter den Stoff des dunkelblauen Hemdes und ich kann zum ersten Mal ertasten, was ich sonst nur erahnen konnte. Seinen Muskeln sind hart und fest und spannen sich bei jeder Berührung an. Auch seine Hände haben den Weg unter meine Bluse gefunden und beginnen meinen Rücken auf und ab zu streichen. Es scheint mir beinahe so, als würde ich in seinen Händen zu Wachs werden, denn jede seiner Berührungen sendet ein Alarmsignal an alle Bereiche meines Körpers.
 
Seine Hände liegen nun ruhig und warm auf meinem Rücken. Es scheint, als würde John auf ein weiteres Zeichen warten. Ein Zeichen der Zustimmung. Ein Zeichen dafür, dass ich wirklich will, was ich begonnen habe. Und ich gebe es ihm. Langsam erhebe ich mich auf meine Zehenspitzen und beginne jeden Zentimeter seines Gesichts zu erkunden. Ich platziere überall dort meine Lippen, wo ich ihn erreichen kann. Auf seine Wangen, seine Augen, seine Nase, sein Kinn... Letztendlich verharre ich wieder vor ihm, in seine Augen blickend. Eine Ungewissheit macht sich in mir breit, denn ich kann nicht erkennen, ob mein Handeln Zeichen genug war. Im nächsten Augenblick aber spüre ich seine Lippen auf den meinen, spüre, wie er mich fest an sich drückt und ich habe die Gewissheit, dass er nun bereit dazu ist, mir alles zu geben.
Ich weiß, dass sein Herz bereits meinem gehört. Jetzt kann ich aber mit Sicherheit sagen, dass sich nun auch seine Seele mit der meinen vereint hat.
Mit der gleichen Ungeduld, die nun in seinem Kuss liegt, küsse ich ihn zurück. Immer leidenschaftlicher beginne ich mich in seinen Armen hin und her zu wenden, bis er mich schließlich zu sich empor hebt. Schnell schlinge ich meine Beine um seinen Körper, immer noch unwillig, den Kuss zu unterbrechen. Erst jetzt kann ich zum ersten Mal spüren, dass ich den gleichen Effekt auf ihn zu haben scheine, wie er auf mich. Seine Erektion drückt hart und fest gegen meine Mitte und eine unbeschreibliche Wärme fließt dorthin, wo sich diese beiden Punkte vereinen. Vorsichtig beginnt John sich den Weg in das Schlafzimmer zu bahnen. Doch ich scheine ihm das Gehen zu erschweren. Nicht, dass ich ein solches Gewicht hätte! Ich weiß, dass er mich ohne Anstrengung über weite Strecken hinweg halten könnte. Viel mehr ist es die leichte Vor- und Zurückbewegung die ich bei jedem Schritt von ihm ausübe.
Scheinbar erleichtert, lässt er mich, als wir das Schlafzimmer erreichen, auf das Bett sinken. Obwohl wir nur wenige Sekunden voneinander getrennt sind, scheint sich eine unendliche Leere in mir auszubreiten. Mein Körper sehnt sich nach der Wärme seines Körpers und so ziehe ich ihn an dem offenen Hemd wieder zu mir herunter. Es ist mir völlig unklar, wie ich dies vollbracht habe, aber innerhalb weniger Minuten liegt er unbekleidet vor mir und ich lasse meine Augen über seinen Körper gleiten und kann mir sogleich ein Seufzen nicht verkneifen. Bereits im nächsten Moment finde ich mich unter John wieder, dessen Stimme an mein Ohr dringt: "Gleiches Recht für alle!" Ich spüre, wie er lächelt, während er sich daran macht, auch meine Kleider zu ihrer Ruhestätte auf dem Boden zu befördern. Der erste Kontakt von nackter Haut auf nackter Haut lässt mich erschaudern. Wärme scheint meinen ganzen Körper zu umgeben und auch mein Inneres scheint förmlich zu brodeln.
Ich weiß nicht, wie lange wir den Körper des jeweils andern erkundeten. Ich weiß auch nicht, wie lange wir uns in einem Rhythmus bewegten, der die Zeit verschwinden ließ. Ich weiß nur, dass unsere Körper sich im Einklang bewegen, bis mich plötzlich, beinahe unvorbereitet, eine Welle von Gefühlen überkommt. Eine Welle, die mich weit weg trägt und der John nur wenige Momente später folgt. Ein beinahe berauschendes Gefühl überkommt mich und ich stürze in eine Schlucht, die keinen Boden zu haben scheint. Der freie Fall allerdings ruft eine ungeheure Befreiung in mir hervor und seit vielen Wochen fühle ich mich das erste Mal wieder richtig frei. Als ich aber endlich doch den Boden der Schlucht erreicht habe, werde ich von einer mir wohl bekannten Kraft aufgefangen. Es ist die Kraft jener Arme, die mich Minuten, oder sogar Stunden zuvor trösteten.
 
Mein Atem scheint sich langsam wieder zu beruhigen. Als ich meine Augen allerdings öffne, wird mir bewusst, dass ich noch weit von dem Stadium der Erholung entfernt bin. Kleine bunte Punkte tanzen auf schwarzem Hintergrund vor meinen Augen umher. Diese verschwinden aber so schnell wie sie gekommen sind, als ich Johns Lippen auf meinem Mund spüre. "Ich liebe dich", flüstert er, bevor er mich erneut küsst.
"Liebe dich auch", erwidere ich. Als er sich wieder in sein Kissen zurück sinken lässt, bette ich meinen Kopf auf seinen Brustkorb und atme hörbar aus. Eine meiner Hände streicht behutsam über seine Brust und ich zeichne mit meinen Fingernägeln kleine Kreise darauf. Plötzlich beginnt er zu lachen und ich richte mich ein kleines Stück auf, um den Grund dafür heraus zu finden. "Kitzlig?", will ich wissen.
Sein Lachen verstummt und er nimmt mein Gesicht in seine Hände. "Nur wenn du mich kitzelst." Seine Stimme klingt so sanft und dennoch strahlt sie so viel Stärke aus. Nein, ich bereue nichts, denke ich bei mir, als ich in seine Augen sehe, die mich voll Zufriedenheit ansehen. Langsam beuge ich mich zu ihm nach unten und küsse ihn. Wie schon so viele Male zuvor an diesem Abend. Und es ist immer wieder ein wunderbares Gefühl, seine Lippen zu spüren, sie zu schmecken. Wenn ich daran zurück denke, welche Zweifel ich an der Richtigkeit dieser Sache doch hatte, muss ich Lächeln. Es war dumm von mir zu denken, dass John mich verletzen, mir weh tun würde.
Mit einer schnellen Bewegung rolle ich auf ihn und lege meinen Kopf abermals auf seine Brust. Ich will jedes Stück seiner Haut auf meiner spüren, will nichts davon in meinem Schlaf missen. Als er seine Arme um mich legt bin ich mir sicher, dass er, ebenso wie ich, den anderen bei sich wissen will. Nun kann ich jeden seiner Atemzüge spüren, höre sein Herz zugleich mit meinem schlagen.
Ich glaube nicht, dass ich nach dem noch sehr lange wach gewesen bin. Ich weiß nur noch, dass mich das Schlagen seines Herzens in den Schlaf gesungen hat. Ich hatte den schönsten Traum seit langem. Und ich weiß auch, wem ich eben diesen zu verdanken habe. Als ich nun meine Augen öffne, finde ich John schlafend vor, eine Hand immer noch beschützend um mich geschlungen. Meine Augen haben sich schnell wieder an die Dunkelheit gewöhnt, die in dem Zimmer herrscht, und ich blicke mich um. Schließlich erhasche ich einen Blick auf die Digitaluhr direkt neben seinem Bett.
4:37 Uhr. Ich schließe meine Augen wieder, doch die Umrisse der Zahlen haben sich in mein Gedächtnis gebrannt und ein Gedanke, den ich bis jetzt verdrängen konnte, schleicht sich wieder in meinen Kopf. Ob Mulder mich vermisst? Ob er auf mich wartet, oder sich fragt, wo ich bin?
Ohne es zu wollen, mache ich mir plötzlich wieder Vorwürfe, die Gewissensbisse kehren zurück.
Mit einer vorsichtigen Bewegung gleite ich von John herunter und richte mich auf. Bevor ich das Bett verlasse, streiche ich ihm nochmals zart über die Wange. "Verzeih mir." Als meine Finger beinahe zitternd seine Lippen berühren, füge ich noch etwas hinzu. "Ich komme wieder. Aber ich muss es ihm wenigstens sagen. Ich muss ihm sagen, dass ich dich liebe." Ohne ein weiteres Wort erhebe ich mich aus dem Bett und suche meine Sachen zusammen. So leise wie möglich versuche ich mich anzuziehen und das Zimmer zu verlassen. Als ich endlich den Flur vor dem Schlafzimmer erreicht habe, schließe ich die Türe. Meine Gedanken kehren nochmals zu dem Zeitpunkt zurück, als ich dieses Zimmer zum ersten Mal betrat. Erneut huscht ein Lächeln über meine Lippen und ich lasse meine Augen für einen kurzen Augenblick zufallen.
 
Ich weiß nicht, ob es aus Schlaftrunkenheit war, oder einfach so schnell wie möglich wieder zurück sein wollte, aber im nächsten Moment hatte ich bereits meine Jacke in der Hand, die ich zuvor unachtsam auf den Boden im Wohnzimmer geschmissen hatte. Mit einer schnellen Bewegung streife ich sie mir über und öffne leise die Eingangstür. Erst als ich im Freien stehe, ziehe ich den Reißverschluss nach oben. Es ist kalt. Dennoch scheint mir die Kälte nichts auszumachen und als ob sie selbständig wären, setzen sich meine Beine in Bewegung. Auf dem Weg zurück zu unserem... Mulders... meinem... zum Appartement, in dem ich mit Mulder wohnte... Gott, ich weiß noch nicht einmal, wie ich die Wohnung betiteln soll, in der ich glücklich war... jedoch nicht so glücklich, wie ich es jetzt bin. Mein Herz macht einen kleinen Sprung, als ich wieder an die letzen Stunden zurück denke. Ja, ich glaube, ich bin das erste Mal in meinem Leben wirklich glücklich und von einer unsagbaren Zufriedenheit umhüllt.
Auf meinem Rückweg zu Mulder sehe ich oft zum Himmel auf und versuche in Gedanken die Sterne zu zählen. Ich weiß, dass dies ein Ding der Unmöglichkeit ist und dennoch versuche ich es. Die Straßenbeleuchtungen von D.C. lassen viele Sterne erlöschen, oder machen sonst hell strahlende zu kaum sichtbaren Punkten. Nichts desto trotz ergötze ich mich immer wieder gerne an dem prachtvollen Himmelsgebilde. Ob es nur mir so vorkommt weiß ich nicht, aber ich habe das Gefühl, als würden die Sterne im Winter viel heller erstrahlen als in der Sommerzeit und...
Als ich wieder vor mich auf die Straße blicke, stehe ich vor dem Mietsgebäude, aus dem ich Stunden zuvor geflüchtet bin. Ich sehe nach oben und erblicke ein einziges noch brennendes Licht. Ich weiß, zu welcher Wohnung es gehört. Ich blicke zurück auf die Erde und dann zu der Tür, die sich nur wenige Meter von mir entfernt befindet. Zögernd greife ich in eine meiner Jackentaschen, hole den Schlüssel heraus und Stecke ihn in das Schloss. Bevor ich ihn allerdings herum drehe und somit zurück in ein vergessenes Leben trete, versuche ich mich noch einmal zu konzentrieren. Konzentrieren auf das, was ich ihm sagen werde; auf die Worte, die sich in meinem Kopf zu einem unentwirrbaren Bündel verflochten haben.
 
Mit zaghaftem Schritt betrete ich die Vorhalle und schreite die Stufen zu der Wohnung hinauf. Noch nie kam die Treppe mir so lang vor, wie sie es jetzt tut. Ich habe sie nicht so endlos lang in Erinnerung. Endlich oben angekommen bleibe ich noch einige Minuten ruhig vor der Tür stehen, bevor ich auch diese letzte Trennwand durchbreche. Ich trete ein, lasse die Tür zufallen und blicke zu dem Mann, der mit den Händen auf den Knien auf der Couch sitzt. Schweigend stehe ich in der Mitte des Zimmers und warte auf eine Reaktion. Mulder scheint mich noch nicht bemerkt zu haben. Sollte mich das wundern? Ich denke nicht. Ich räuspere mich und endlich sieht er zu mir auf. "Es tut mir leid!" Während er diese Worte spricht, tritt er immer näher an mich heran. Schließlich nimmt er mich in seine Arme und küsst mich. Ich stehe immer noch so da, wie zuvor. Ohne Reaktion, ohne Anstalten, seinen Kuss zu erwidern. Endlich lässt er von mir ab, als er dies bemerkt, und sieht mich fragend an. "Was ist los?" Er sagt diese Worte nicht laut. Gerade so, dass ich sie verstehen kann. "Ich... ich bin nur gekommen um... mich zu verabschieden."
Fragend sieht er mich an und tritt einen Schritt von mir zurück. "Was?", will Mulder wissen.
"Ich... ich habe erkannt, dass mein Herz einem anderen gehört. Mulder, ich weiß, dass es dir gegenüber nicht fair ist. Ich weiß, dass du lange gebraucht hast, um wieder jemanden in deine Nähe zu lassen. Und ich bin mir sicher, du weißt, wie sehr ich es schätze, dass ich diejenige sein konnte, die dir die Liebe gab, die du brauchtest, um wieder Vertrauen darin zu fassen. Dies ist aber der Punkt, an dem ich sage, dass mir dies nicht mehr genug ist. Dieses Gefühl reicht mir einfach nicht mehr. Ich brauche jemanden, der mir jeden Tag von neuem zeigt, dass er mich liebt. Nicht jemanden, der mich als etwas Selbstverständliches ansieht. Du gibst mir das Gefühl, selbstverständlich zu sein." Während ich spreche, trete ich näher an ihn heran, lege meine Hand auf seine Wange. "Ich bin für dich zu einer Selbstverständlichkeit geworden, nicht wahr?"
Eine unangenehme Spannung hat sich zwischen uns ausgebreitet, doch Mulder beantwortet meine Frage nicht.
"Du kannst nicht einfach so gehen, Dana! Was ist mit unserem Leben? Unseren Träumen? Es liegt noch so vieles vor uns, dass wir gemeinsam erleben können!" Langsam nehme ich meine Hand von seinem Gesicht und tue einen Schritt zurück, um so etwas Abstand zu gewinnen. Schließlich antworte ich: "Es gibt keine Träume mehr. Sie sind schon vor langer Zeit wie Seifenblasen zerplatzt. Und das weißt du!" Die Worte scheinen ihn zu schmerzen, genau so, wie sie auch tief in mir schmerzen. Dennoch versucht er es weiter, will nicht unversucht lassen, um mich zurück zu gewinnen. Das ist der Mulder den ich kenne... er gibt niemals auf, so ausweglos die Situation auch oft sein mag. "Dana, du kannst doch jetzt nicht einfach aufgeben!" Hat er gerade meine Gedanken gelesen? Nein, dafür gibt es womöglich eine einfache Erklärung. Mulder kennt mich lange genug, um zu wissen, was ich denke, wie ich fühle und wie ich mich verhalte. Diesmal aber hat er sich getäuscht. Denn nun bin ich an einem Punkt angelangt, an dem ich bereit bin aufzugeben. Ich bin bereit dazu, alles hinter mir zu lassen, nur um noch mal von vorne zu beginnen.
"Oh doch, ich kann. Mulder, ich weiß, dass wir noch viele Dinge vorhatten. Wir wollten noch so vieles gemeinsam erleben. Aber ich habe einfach nicht mehr die Kraft dazu. Ich möchte einfach nur jemanden haben, an den ich mich anlehnen kann und der für mich da ist, wenn ich ihn brauche." Diese letzten Worte, scheinen ihre Wirkung nicht verfehlt zu haben. Ich weiß genau, wo Mulders Schwachstellen sind und soeben habe ich eine getroffen. Ob es fair ist, mein Wissen als Waffe gegen ihn zu verwenden?
"Jemanden, der immer für dich da ist, hu?" Traurig sieht er mich an. Die nächsten Worte, die meinen Mund verlassen, besiegeln etwas, was sich schon seit langer Zeit angebahnt hat.
"Ja. IMMER."
Langsam lasse ich meinen Kopf sinken und meine Gedanken scheinen sich in alle Himmelsrichtungen zu zerstreuen. Nun ist es unwiderruflich. Die Worte, die schmerzlichsten Worte überhaupt, wurden ausgesprochen.
 
Als er antwortet klingt er traurig und verletzt. Ich kann es ihm nicht übel nehmen.
"Es war falsch. Ich hätte dir zeigen sollen, wie sehr ich dich liebe. Jeden Tag, jede Minute meines Lebens. Doch ich habe es nicht getan. Das ist die Quittung dafür." Erst jetzt sieht er mir direkt in die Augen.
"Es ist keine Quittung für irgend etwas, dass du oder ich falsch gemacht haben. So vieles ist schief gegangen. So viele Dinge blieben ungesagt, die danach schrieen, endlich gesagt zu werden. Jetzt hat mir jemand die Augen geöffnet. Es ist jemand, den ich, ohne es mir einzugestehen, schon vor langer Zeit lieben lernte." Erst jetzt habe ich die Kraft, mich von ihm ab zu wenden und einige Schritte auf die Tür zu zutun.
"Doggett?", hallt seine Stimme abermals an mein Ohr und ich drehe mich um. Nochmals treffen sich unsere Augen und ich nicke. Ich wende mich abermals zum gehen und als ich meine Hand am Türknauf habe, ruft mich Mulder mit einigen Worten noch mal zurück.
"Sag ihm, dass er Ärger mit mir bekommt, wenn er dich nicht gut behandelt."
 
Ich spüre, wie Tränen in meine Augen steigen. Schnell nicke ich und öffne die Tür. Ich will so schnell wie möglich hier raus. Als die Tür hinter mir zufällt, lasse ich den Tränen freien Lauf. Ich spüre, wie sie warm an meiner Wange hinunter laufen und schließlich vor mir auf die Erde fallen, um dort zu sterben. Niemals hätte ich gedacht, dass Worte so etwas in mir auslösen können. Ich lasse mich zurück fallen und treffe dabei auf das Holz der Wohnungstür. Ich höre ein Schluchzen und kann ein solches nun ebenfalls nicht mehr unterdrücken. Es tut weh einen Menschen zu verlieren, den man einst geliebt hat. Doch hat es noch einen Sinn weiter zu kämpfen, wenn die Liebe längst verloren ist?
 
So schnell mich meine Beine tragen können, lasse ich das Mietsgebäude und somit Mulder hinter mir. Noch immer rinnen Tränen über mein Gesicht und ich bin noch nicht willig dazu, diese zu stoppen.
Nun scheint selbst der Himmel zu trauern, denn es sind dichte Nebelschwaden aufgekommen. Nein, ich bereue nichts. Es war richtig so. Es war richtig, mich von Mulder zu verabschieden. Ich hoffe, dass er jemanden findet, der ihn genauso liebt, wie ich es getan habe. Wenn nicht noch mehr. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob dies überhaupt möglich ist. Ich hab ihm mit allem geliebt, was ich ihm geben konnte. Mit meinem Herz, meiner Seele. Dennoch hat diese Liebe nicht gehalten.
 
Gedankenverloren setze ich meinen Weg fort bis ich schließlich wieder vor Johns Türe stehe. Sie ist unverschlossen. So, wie ich sie zurückgelassen habe. Leise trete ich ein, entledige mich meiner Kleider und lege mich wieder zu ihm ins Bett. Bevor ich die Bettdecke über meinen kalten Körper bette, wische ich meine Tränen weg, die nun langsam dabei sind zu versiegen. Es ist richtig.
Als ich mich ins Kissen fallen lassen will, hält mich Johns Stimme davon ab. "Schön, dass du wieder da bist." Seine Hand greift nach meiner und zieht mich zu ihm hinüber.
"Woher weißt du..." Bevor ich meine Frage zuende stellen kann, gibt er mir eine Antwort. "Ich hab noch nicht geschlafen, als du gegangen bist. Ich habe gehört, wie du sagtest, dass du wieder kommst. Und ich habe gehofft, dass du es ernst meintest." Ich weiß, dass seine Worte ehrlich gemeint sind. Mein Herz weiß es.
"Ich konnte nicht hier bleiben, ohne ihm bescheid zu sagen..."
"Dana, ich verstehe es, glaub mir." Erst jetzt wage ich es, mich wieder auf seine Brust zu legen. Ich nehme seinen Duft tief in mich auf und kann bei seinen Worten, die sich wieder in meine Gedanken zurück schleichen, weitere Tränen nicht unterdrücken. Schluchzend drücke ich mich an ihn. Tränen beginnen sich wieder ihren Weg meine Wangen hinunter zu bahnen und ich lasse sie laufen, da ich weiß, dass er es mir nicht nachtragen wird. John wird nicht böse darüber sein, dass ich einem anderen Mann nachweine. Er weiß, dass ich mich für ihn entschieden habe, dass mein Herz nun ihm gehört.
Bestärkt durch seine Hände, die tröstend meinen Rücken auf und ab wandern, weine ich. Ich lasse all das heraus, was mich zuvor so bedrückte.

Ich ging verloren, auf dem langen Weg der Zeit und wurde jetzt wieder gefunden.



- The End -







Das war also meine aller erste DSR und ich muss sagen, ich fand das Gefühl gut. *g* Vielleicht steckt ja doch ein kleiner Dipper in mir. Nein, ich weiß, dass ein Dipper in mir steckt. Wie ich schon einmal sagte, ich gründe jetzt einfach die Gemeinschaft der SHIPPDIPPER! *lol*

Es würde mich natürlich freuen, wenn ihr mir sagen würdet, wie ihr diese Story fandet. Kritik, Anregungen, einfach nur ne Mail... HER DAMIT! Lasst mich jetzt bitte nicht betteln! *bettel*