Titel: Der Hase
Autor: Phoebe
Kontakt: TheOneandonlyPhoebe@t-online.de
Kategorie: 500-Worte-Challenge, Character Death
Rating: R
Spoiler: nope
Short-Cut: Manchmal kann ein Moment alles verändern...
Disclaimer: Was glaubt ihr denn, natürlich gehören sie mir. Schließlich heiße ich Daniel Küblböck, wohne auf Wolke 007 und verspeise Werwölfe zum Frühstück. Soweit alles klar?
Autorenbemerkung: *heul* ja... ich habe es nicht geschafft... es sind 533 Worte... 33 verdammte Worte zu viel... aber tut mir das nicht an... ich hab diese Story so dermaßen radikal gekürzt... mehr geht nicht... biiiitte *fleh*
Der Hase
Manchmal kann ein Moment alles verändern.
Eine einzige Variable, oder auch mehrere, enthalten in einem Spektrum unendlicher Möglichkeiten, schlagen einen falschen, einen fatalen Weg ein. Nicht fatal für das gesamte System, es wird weiter existieren, unendlich, bis in alle Ewigkeiten. Aber fatal für zwei Individuen, die Opfer dieses Moments wurden.
Ein Moment löscht sie aus dem Bewusstsein des Systems, lässt die Erinnerungen an sie verblassen.
Eine verregnete Nacht, dunkel, dichter Nebel, das ist die erste Variable. Es hätte Vollmond sein können, seine Sicht hätte durch nichts getrübt werden können, dann wäre vielleicht nichts geschehen.
Doch die grauen Schwaden krochen auf dem Dickicht der die Straße umgebenden Wälder wie stumme, weiß schimmernde Geister. Gelenkt durch das ausgeklügelte System des Zufalls verbreiteten sie sich überall, wie eine weiße Mauer des Vergessens bauten sie sich vor ihm auf. Diese Mauer erschien undurchdringlich, obgleich sie nur aus schwebenden Wassermolekülen bestand.
Konnte Wasser undurchdringlich sein?
Er wusste, dass es nicht so war, und er entschloss sich, ihm zu trotzen. Keine derart lächerliche Naturgewalt konnte ihn von seinem Weg abbringen. Seine Aufmerksamkeit war die zweite Variable, wäre sie konstant auf ihrem derzeitigen Level geblieben, hätte er sein Schicksal, ihr Schicksal, ändern können.
Aber die trübe, wabernde Dunkelheit vermochte seine Aufmerksamkeit nicht zu fesseln. Vielmehr tat es sie, wie sie auf dem Beifahrersitz saß, von dem monotonen Geräusch des Regens langsam in den Schlaf gewiegt wurde. Als ihre Augenlieder zu schwer wurden, senkte sie den Kopf, legte ihn auf seinen Schultern ab.
Ihr Kopf war kein schweres Gewicht, welches zu halten ihm Anstrengung gekostet hätte, aber seine bloße Anwesenheit in seiner Halsbeuge, die rötlich schimmernden Haare, die angenehm seine Wange streiften, hielten seine komplette Aufmerksamkeit gefangen.
Er war gebannt, fasziniert von ihrem Anblick, nicht in der Lage, sich davon abzuwenden. Hätte er es gekonnt, so wäre die Möglichkeit, dass er die Gefahr, die von der dritten Variable ausging, rechtzeitig erkannt hätte, gegeben gewesen.
Ein dunkler Pickup bahnte sich seinen Weg durch den Regen. Der Fahrer starrte angestrengt in die Dunkelheit, nur um über das plötzliche Auftauchen eines schemenhaften Umrisses erschrocken, das Lenkrad herumzureißen. Eine Sekunde zu spät sah er die grellen Lichter des entgegenkommenden Fahrzeuges.
Ein metallisches Kreischen ging der Erschütterung voraus, nur verschwommen nahmen sie eine Veränderung in der sie umgebenden Nacht wahr. Das unnatürliche, blendende Licht war nicht mehr in geordneten Kegeln auf die Straße gerichtet, es war plötzlich überall und nirgendwo. Ihre Welt war ein Chaos aus Licht und Dunkelheit. Sie drehte sich, war unendlich laut und wurde still.
Schon die Schockwelle, die sie in ihrer Heftigkeit kaum wirklich wahrgenommen hatten, raubte ihnen das Bewusstsein. Sie sahen nicht das Blut, nicht das zersplitterte Wrack das einmal ein Ford Taurus gewesen war.
Als der Innenraum gnadenlos zusammengestaucht wurde, keinen Platz mehr zum Leben ließ, war ihr Bewusstsein schon längst ausgelöscht, auch das Feuer konnte sich nur noch an leblosen Hüllen nähren.
Der Schatten inmitten dieses Haufens aus Blech und Flammen begann sich zu bewegen, Gestalt anzunehmen. Verschreckt durch das Chaos, in das sich seine Umgebung verwandelt hatte, blickte sich die 4., die tödliche Variable, um. Ein kleiner Hase. Mit zuckender Nase hoppelte er in den Wald davon, wusste nichts von den Menschenleben, die er in dieser Nacht genommen hatte.
Ende