Disclaimer: Akte X und die Figuren daraus gehören Fox, 1013 und Chris Carter
Spoiler: Ein wenig How the Ghost stole christmas
Genre: X-Akte, Scully PoV
Rating: PG-13
Autorinnen: Steffi Raatz ( SteffiSTD@aol.com) & Marion Kirchner (Marion.Death@t-online.de)
Feedback: Wie sollen wir besser werden, wenn man uns kein Feedback gibt??? Also her damit!
Short-Cut: Mulder und Scully ermitteln in einem mysteriösen Fall auf Hawaii. Ein alter Mann behauptet ein grausames Ereignis stände bevor. Mulder ist vollkommen fasziniert von den Theorien und Beweisen, die der Mann ihnen vorlegt um seine Ängste zu untermauern…Scully jedoch hält das ganze wie üblich für Schwachsinn, bis sie eines Abends unangenehmen Besuch erhält und von nun an von seltsamen Begebenheiten regelrecht verfolgt wird.




Lost in Paradise

Es war ein wunderschöner Frühlingsmorgen. Ich lehnte mich aus dem Fenster und versuchte möglichst viel der frischen und klaren Luft in mir aufzunehmen.
Schon seit Wochen hatte ich keine Nacht mehr so gut geschlafen und ich vermutete, es lag am Wetter, welches sich über Nacht schlagartig geändert hatte.
Lächelnd hörte ich dem Vogelgezwitscher zu und beobachtete die wenigen Menschen, die sich zu dieser frühen Zeit bereits unterwegs befanden.
"Gut geschlafen?" hörte ich hinter mir eine vertraute Stimme. Ich hatte nicht bemerkt, daß jemand den Raum betreten hatte. Eigentlich ein schlechtes Zeichen, dennoch war ich nicht erschrocken.
"Besser denn je!" erwiderte ich und umarmte schwungvoll meinen Gast, um mit ihm durch den Raum zu tanzen.
"Besser ist scheinbar nicht der richtige Ausdruck!" lachte er, während er uns zum Stehen brachte.
"Ich hol nur schnell meine Jacke, dann können wir los!" flötete ich noch immer gutgelaunt und folgte ihm anschließend zum Wagen, spielte jedoch mit dem Hintergedanken, ihm den Wohnungsschlüssel abzuknöpfen.

"Woher kommt die gute Laune?" lächelte er mich an, während wir uns auf dem Weg zur Arbeit mal wieder im Stau wiederfanden.
"Das Wetter, schätze ich. Ich brauchte mal wieder ein wenig Sonnenschein, sonst wäre ich wahrscheinlich depressiv geworden," entgegnete ich immer noch fröhlich grinsend.
"Sie haben gehört, wo uns unser nächster Fall hinführt?" brachte er die Arbeit in unsere Unterhaltung ein.
"Nein, ausnahmsweise bin ich mal völlig desinformiert! Was für eine Akte haben Sie aufgetan? Wohin soll's denn gehen?" neugierig blickte ich ihn an.
"Hawaii, Partnerin, Hawaii!" trällerte er, während sein Mund sich zu einem breiten Grinsen verzog.
Ich sah ihn ungläubig an. Hawaii war zwar der 52. Bundesstaat der USA, dennoch waren wir noch nie in das Inselparadies beordert worden.

***

Dunkle Wolken brauten sich über Mauii zusammen. Hatok betrachtete besorgt den Himmel. Um diese Jahreszeit regnete es fast nie, und wenn, dann waren es kleine Schauer, die innerhalb von Sekunden bereits wieder versiegt waren. Doch dieser Himmel deutete auf ein Unwetter. Irgendwer mußte die Götter entzürnt haben, dachte der alte Hawaiianer mit einem Anflug von Furcht, was ihn jedoch nicht davon abhielt, auf seiner Terrasse sitzen zu bleiben und in den Himmel hinauf zusehen, während die Menschen um ihn herum, noch immer ahnungslos ihrer Wege gingen.

***

"Sonne, Meer und Strand! Scully, das ist doch mal endlich ein Auftrag, der mir gefallen könnte."
"Ich weiß wirklich nicht, ob ich die tropische Hitze beim Arbeiten so wundervoll finde, da ich nicht annehme, daß wir großartig Ferien machen können," erwiderte ich skeptisch, wenn auch immer noch guter Laune.
Mulder hatte mir erklärt, daß ein alter Hawaiianer das FBI informiert hätte, weil er glaube, eine unglaublich jähzornige Macht sei zum Leben erwacht. In einer alten Akte hatte Mulder dann auch noch Hinweise auf merkwürdige Wetterschwankungen und das Verschwinden von Menschen entdeckt, die sich alle auf den Inseln von Hawaii zugetragen hatten. Alles in allem war das nicht viel - durchaus nicht genug, aber meinem Partner reichte es natürlich wie immer.
Wenngleich mir Mulders Enthusiasmus nicht unbedingt gefiel - hatte ich doch schon des öfteren dessen Auswirkungen miterleben müssen - so war ich doch sehr gespannt, welche Geister oder Außerirdischen wir diesmal wohl treffen würden und beschloß, mich kommentarlos in das Ungewisse zu stürzen.
<Letzter Aufruf zu Flug 342 nach Mauii....die Passagiere werden gebeten, sich an Gate 2 einzufinden... Letzter Aufruf zu...>
Wir lauschten der Durchsage, griffen nach unseren zwei Taschen, die wie immer nur mit dem Nötigsten gefüllt waren und brachen zum Flieger auf.
"Aloah, Scully!" feixte Mulder, als wir die Maschine betraten.
"Noch nicht, Partner, noch nicht! Warten Sie noch ab, wer weiß, welche Überraschung uns auf Mauii erwartet!" entgegnete ich und reichte der Stewardeß mein Ticket...

***

Der Sturm war noch nicht losgebrochen, die Wolken hatten sich jedoch, gleich seinen Vermutungen, verdichtet und reflektierten das wenige Sonnenlicht, das sie noch durchdrang in atemberaubenden Farbfacetten. Es wurde Zeit, daß die beiden Agenten auftauchten, ging es ihm durch den Kopf, während sein Blick wieder gen Himmel stieg.
Mo Jang grüßte ihn von der Straße her und kam auf ihn zu. Der alte Wäschereibesitzer war schon lange auf der Insel und kannte die alten Götter und Mythen der Gegend, wenngleich sein Wissen nicht so ausgeprägt war, wie Hatoks, der das alte Wissen noch von seinen Vorfahren erworben hatte.
"Sei gegrüßt, alter Weiser!"
"Mo, wie geht es den alten Knochen?" lächelte Hatok seinen alten Freund an.
Ein Kichern drang aus Mo Jangs Kehle: "Vermutlich besser als Deinen!"
Er klopfte mit seinem Gehstock auf das Geländer der Terrasse und deutete gen Himmel.
"Welcher der Götter mag verstimmt sein?"
"Ein sehr alter. Ich hatte bisher geglaubt, er wäre in Vergessenheit geraten." seufzte Hatok und sah erneut auf seine Uhr.
"Wen erwartest du?"
Hatok blickte die Straße hinunter und murmelte Verwünschungen. Dann sah er den Jeep seines Sohnes die Straße herauf kommen und entspannte sich ein wenig.
"Jetzt warte ich nicht mehr, Mo. Warte, ich werde sie dir gleich vorstellen."

***

Die hohe Luftfeuchtigkeit traf uns wie ein Schlag ins Gesicht. Mein Kostüm war sofort feucht bis auf die Haut, was bewirkte, daß ich mich vom ersten Moment an unwohl fühlte. Ein Blick auf den Himmel verdarb selbst Mulder die Urlaubsstimmung und das Aloah der Inselschönheiten wurde zu einer albernen Farce. Wir hatten beide nur ein müdes Lächeln für die Stewardeß übrig, als wir die Gateway verließen. Insgeheim hatte ich ja doch gehofft, wenigstens ein wenig Urlaubsstimmung mitzubekommen und dachte an meinen Badeanzug in der Reisetasche.
"Haben sie den Himmel gesehen?" hatte Mulder mich gefragt. Ja, ich hatte den Himmel gesehen, vielmehr die Wolkenformationen, die in mir die Erinnerung an eine bösartige Kreatur weckten. Was natürlich absoluter Schwachsinn war, sich aber dennoch irgendwo in meinem Kopf festzusetzen schien.
Ein junger Hawaiianer, Manou, erwartete uns mit seinem Jeep vor dem Flughafengebäude und erklärte, er würde uns zu seinem Großvater Hatok bringen. Wir stiegen also in den Jeep ein und mußten feststellen, daß man uns scheinbar sehr dringend erwartete. Manou lenkte seinen Wagen mit solch einer Geschwindigkeit durch die kleinen Straßen, daß mein Partner und ich uns mit aller Kraft festhalten mußten, um nicht aus dem offenen Gefährt zu fallen.
Als wir unserem Ziel scheinbar näher kamen, wurde unser Chauffeur ein wenig langsamer. Mir war schlecht. Die Schunkelei im Jeep, der Flugzeugfraß, es war einfach zu viel für meinen Magen gewesen.
Als Manou abrupt stoppte, hatte ich das Gefühl, mein Magen würde mir gleich entgegen kommen. Ich krallte mich am Sitz fest und ließ erst locker, als Mulder mir freundlich aber bestimmt zu verstehen gab, daß wir am Ziel waren..
"Noch so eine Fahrt überlebe ich nicht!" gab ich ihm leise zu verstehen, während ich Halt bei ihm suchte.
"Ich hab nicht mal geglaubt, daß wir diese überleben!" grinste Mulder mich an.
Ich ließ meinen Blick hinüber zu Manou wandern, der einen älteren aber soliden Mann in die Arme schloß, der Schimpftriaden auf den jungen Hawaiianer niedersausen ließ.
Mulder folgte meinen Blicken. "Hoffentlich beschimpft er ihn nur wegen seines Fahrstils."
Ich knuffte meinem Partner in die Seite und befreite mich aus seinem Arm. Langsam ging es mir besser und ich wollte wieder zu meinem Gleichgewicht zurückfinden.
"Ah, sie sind die FBI Agenten?" Der Ältere kam auf uns zu und reichte Mulder die Hand
"Jep, Agent Fox Mulder und Agent Dana Scully. FBI Washington. Sie haben angerufen?" Mulder kam direkt zur Sache.
Ich reichte Hatok, wie wir ihn schlicht nennen sollten, die Hand und stellte zu meinem Erstaunen fest, daß der alte Hawaiianer mehr Kraft besaß, als ich gedacht hatte.
"Ich freue mich, daß Sie endlich hier sind!" erwiderte er freundlich und machte eine einladende Gestik in die Richtung seines Hauses.
"Ha! Der Kerl war so ungeduldig, der hätte seinen Enkel liebend gern den Fluch der alten Götter an den Hals gewünscht," ertönte eine krächzende, kichernde Stimme von der Terrasse.
Mulder und ich blickten zugleich auf und entdeckten einen fröhlichen alten Vietnamesen, der mit seinem Stock auf Hatok deutete. Unser Blick wanderte wieder zu Hatok, um dessen Reaktion zu sehen, doch dieser schüttelte nur gleichgültig mit dem Kopf:
"Der neugierige Besserwisser, den Sie da oben sehen, ist Mo Jang, mein alter Freund und Besitzer der Wäscherei in der Hauptstraße."
Wir nickten dem alten Kauz zu und erklommen die Terrasse, wo bereits mehrere Stühle bereit standen und uns zum Setzen einluden.
Mein Kreuz schmerzte, nicht zu schweigen von meinen Armen, die mir bei der Höllenfahrt zu Hatoks Hütte bei dem Versuch mich festzuhalten, fast ausgerissen worden waren und so ließ ich mich erschöpft auf das Sitzkissen gleiten.
Ein wohliger Seufzer entrang sich meiner Kehle und brachte mir einen schiefen Seitenblick von meinem Partner ein.
"Ist Ihnen die Reise hierher gut bekommen?"
Hatok reichte uns Gläser mit Getränken und deutete Mulder an, auch Platz zu nehmen.
"Mehr oder weniger!" grinste mein Partner und warf dabei einen Seitenblick auf mich. Ich lächelte gequält und nahm einen kräftigen Schluck des leicht alkoholischen Getränks. Mehr oder weniger war gut. Ich spürte jeden Knochen, mal ganz davon abgesehen, daß ich mich vor wenigen Augenblicken noch übergeben hätte können.
"Warum haben Sie uns angerufen?" begann Mulder erneut und stellte sein Glas unberührt auf das kleine Beistelltischchen.
Mo Jang kam seinem alten Freund zuvor und deute wild fuchtelnd mit seinem Spazierstock Richtung Himmel: "Warum? Das fragen Sie noch?"
Ich richtete meinen Blick gen Himmel und erschauerte. Es konnte höchstens fünf Uhr abends sein, doch es fiel mir schwer, die gegenüberliegende Seite klar zu erkennen.
"Reichlich finster für diese Uhrzeit, oder?" grinste mich der Alte an und fuchtelte mit seinem Stock direkt vor meiner Nase herum.
"Hör auf damit, Mo. Du verschreckst unsere Gäste!" schaltete sich Hatok ein, während er Mo Jangs Stock in die Tiefe drückte und mir vermutlich das Leben rettete. So ganz vertraute ich den Gleichgewichtskünsten des alten Vietnamesen nicht mehr.
"Ich würde sagen, ein Sturm kommt auf!" erwiderte Mulder emotionslos und lehnte sich zurück.
Ich war erstaunt, ausgerechnet aus seinem Mund diese Gleichgültigkeit zu hören. Ja, sah er denn nicht, was da vorging. Selbst mir kam es sehr merkwürdig vor und ich konnte nun wirklich von mir behaupten, daß ich eine Skeptikerin war.
"Richtig, das ist ein Sturm, Agent Mulder. Doch sehen Sie ihn sich lange und genau an, sie werden sehen, es ist kein gewöhnlicher Sturm."
Hatok stand von seinem Stuhl wieder auf und rief seinen Enkel zu sich.
"Bring die beiden Agenten in ihre Hütte. Ich werde ihnen Bedenkzeit geben und sie morgen früh zu den Höhlen führen."
Mit einem flüchtigen Nicken ließ der alte Hawaiianer uns in der Obhut seines Enkels zurück und schritt ins Haus.
Manou grinste uns an und deutete zu seinem Wagen. Mein Blick folgte seiner Armbewegung und ein leichtes Übelkeitsgefühl überkam mich erneut.
Mulder hievte sich aus seinem Stuhl und half mir auf. "Sie sollten nicht so viel trinken, Scully!"
Mit zusammengebissenen Zähnen blickte ich ihm ins Gesicht und wollte gerade anfangen mich zu verteidigen: "Ich habe nicht zuviel...", da zog er mich schon mit sich und schob mich in den Jeep.

Kurze Zeit später taumelte ich regelrecht aus dem Fahrzeug und hielt mich erneut an Mulder geklammert fest, damit meine Übelkeit und der Schwindel mich nicht vollends überkamen.
"Erinnern Sie mich nächstes mal daran, daß ich nie wieder in ein Fahrzeug steige, wenn dieser Manou am Steuer sitzt."
"Sie werden es überleben, Scully. Sie haben mich überlebt, da sollte sie doch so eine kleine Spazierfahrt nicht klein kriegen!"
"Sie sind ein leichtes dagegen, Mulder. Selbst unsere verrückten UFO-Verfolgungen ziehe ich dem vor!"
Seine Augenbraue schoß erstaunt in die Höhe, aber er enthielt sich eines ausgesprochenen Kommentars. Ich wußte auch so, was er dachte. Statt mich jedoch darüber zu ärgern, überging ich die Angelegenheit geflissentlich und richtete mein Augenmerk viel mehr auf die Korbsessel auf der vorderen Veranda, die mir im Zuge meiner Verfassung wie das Paradies erschienen.
Ich ließ mich schließlich glücklich auf einen der Sessel sinken und mußte ein Seufzen unterdrücken, da ich Mulders zynischen Blick wieder vor meinem inneren Auge sah.
Er ließ sich neben mir im Sessel nieder und lächelte mir zu. Zum erstenmal seit unserer Ankunft sah ich ein warmes Lächeln bei ihm - kein Grinsen, keine Ironie - ein einfaches Lächeln. Auch er wirkte mit einem Male erschöpft, während er seinen Mantel abstreifte und seine Füße auf dem Geländer der Terrasse drapierte.
"Haben Sie sich den Himmel mal genauer angesehen, Mulder?"
"Unheimlich, nicht wahr? Kein einziger Stern ist zu sehen, obwohl wir in der Karibik sind."
Ich drehte mich leicht zu ihm hin und stützte mein Kinn auf meine Hand: "Dann ist es Ihnen ja doch aufgefallen!"
"Sicher." Sein Blick schweifte zum Himmel, während ich aufmerksam auf den Geräuschen in der Dunkelheit lauschte. "Meinen Sie, daß Hatok vertrauenswürdig ist?"
"Sie haben uns nach Hawaii verfrachtet. Es liegt bei Ihnen. Meine Meinung über Götter und Außerirdische kennen Sie ja."
Sein Kopf ruckte herum. Eindringlichen Blickes beobachtete er meine Gesichtszüge.
"Warum kommen Sie dann jedesmal mit? Halten Sie Hatok für nicht vertrauenswürdig, bin ich es doch augenblicklich auch nicht mehr!" Seine Stimme klang leicht gereizt, doch zugleich hörte ich die Unsicherheit der eigenen Courage gegenüber heraus.
"Oh Mulder, ich vertraue Ihnen soweit es mein Verstand zuläßt. Manchmal sogar weit darüber hinaus. Unterdessen sollten Sie das doch auch wissen. Wenn dann eben eine fixe Idee Ihnen den Verstand vernebelt, dann heißt es nicht, daß Sie mit einem Male unglaubwürdig in meinen Augen erscheinen."
Seine Gesichtszüge blieben hart, obwohl ich mir bei der Wahl meine Worte sehr viel Mühe gegeben hatte. "Sicher?"
Ich nickte leicht.
Sein Blick glitt wieder gen Himmel und verweilte dort eine ganze Weile.
Ich lauschte wieder den merkwürdigen Geräuschen des tropischen Waldes, der uns umgab und versuchte mich innerlich zu beruhigen. Das Windlicht schwankte in einer leichten Brise, ließ das Licht tanzen und bizarre Schatten auf das Buschwerk unweit der Hütte zaubern. Fasziniert beobachtete ich das Ganze eine Weile, doch das unheimliche Gefühl, beobachtet zu werden, machte sich in mir breit und ließ auch mich zum Himmel hinauf blicken.
Mulder verharrte noch immer in seiner nachdenklichen Position und ich glaubte schon, er schliefe, als ich seinen Blick auf meinem Gesicht verspürte und ein leises Räuspern vernahm.
"Sie spüren auch, daß hier irgendwas vorgeht, oder?"
Ich wandte mich ihm zu und sah ihm direkt in die Augen: "Mulder." Eine kurze Pause verstrich, ehe ich weiter redete. Unsere Augen fixierten einander. Ich spürte eine gewisse Spannung zwischen uns. Mein Herz schlug schneller. Es war alles so vertraut, doch in dieser Umgebung auch so fremd. Erstaunt registrierte ich das weiche Funkeln in seinen Augen.
Ein Windstoß versetzte das Windlicht in schlingernde Bewegungen. Ich zuckte leicht zusammen und ein kalter Schauer lief meinen Rücken hinab. Ein Frösteln durchlief meinen Körper.
"Ich möchte rein gehen."
Irgend etwas hatte meine Sinne in Aufruhr gebracht. Es war nicht Mulders Anwesenheit gewesen, es war etwas, was durch das Unterholz gehuscht war. Dieser Windstoß war ein Vorbote gewesen. Ich spürte es genau. Und dieses Wissen, daß ich es voraussah und ahnte, machte mir am meisten Angst. Ohne Rücksicht auf meine geschundenen Muskeln, hievte ich mich schwungvoll aus dem Korbsessel und packte meine Tasche, die ich bei unserer Ankunft achtlos neben mir fallen gelassen hatte.
Mulder richtete sich ebenfalls auf und starrte mich einen Augenblick forschend an.
"Also gut, lassen sie uns rein gehen!" Er ergriff ebenfalls seine Tasche und folgte mir.
Die Tür klemmte und ich benötigte mehrere Anläufe, ehe ich sie öffnen konnte. Mulder stand hinter mir und besah sich meine Bemühungen, griff aber nicht ein.
Als die Tür endlich nachgab und ich mit einem erleichterten Seufzen den Innenraum betreten wollte, spürte ich Mulders Hand auf meiner Schulter. "Alles in Ordnung, Scully?"
Ich nickte, wenngleich mir das Herz bis zum Halse schlug.

***

Als wir uns ein wenig in der Hütte umgesehen hatten, entschloß ich mich nach oben zu gehen und meine Sachen auszupacken. Im zweiten Stockwerk befanden sich nicht mehr als ein kleiner Flur, unsere beiden Zimmer und ein Raum, der versperrt war.
In meinem Zimmer angekommen, warf ich mich erstmal auf das Bett und starrte an die Decke. Sämtliche Teile meiner Körpers tobten als hätte ich eine Extremsportart hinter mir. Erst nach einer viertel Stunde erhob ich mich und machte mich an die Arbeit. Hinter mit stand ein alter Schrank, der geradezu perfekt für mein Vorhaben war. Ich öffnete ihn und wurde ersteinmal überrascht. Er war über und über mit zerfledderten Büchern gefüllt, die noch dazu von einer Staubschicht überzogen waren.
<<<Wundervoll>>> war das einzige, was ich in diesem Moment denken konnte. Sekunden überlegte ich, ob ich meine Sachen nicht in meiner Tasche lassen könnte, entschied mich dann aber doch, das Ding auszuräumen. Stapel für Stapel hob ich nun die Leselektüre aus dem Schrank und versuchte dabei möglichst nicht zu niesen. Plötzlich fiel mir ein großes dickes Buch hinunter und ich war gezwungen auch den Rest fallen zu lassen und mich zu bücken. Schließlich hielt ich die Schwarte in meinen Händen und fragte mich, wie ein Mensch einen solchen Wälzer, ohne Muskelkater zu bekommen, lesen konnte. Leicht neugierig pustete ich die erste Staubschicht vom Deckel und laß etwas, das mich alles andere als beruhigte.
"Die Sturmmythen von Hawaii" war der Titel des Buches. Es schien ganz danach auszusehen, als hatte ich eine Lektüre für Mulder gefunden, ging es mir durch den Kopf. Meine Neugierde ließ mich das Ausräumen unterbrechen und ich sank samt dem Buch zurück auf das Bett. Vorsichtig hob ich den Deckel an, Millionen Staubpartikel kitzelten in meiner Nase und brachten meine Augen zum Brennen. Es dauerte eine Weile bis ich wieder klar sah und lesen konnte:

"Dieses Buch beschäftigt sich mit einer Mythe, einem Geheimnis, das den Ureinwohnern Hawaiis das Fürchten lehrte. Ich habe nun vor, mit Ihnen in die tiefsten Ebenen dieses Mysteriums einzudringen, Sie damit so bekannt zu machen wie einst die ersten Menschen auf dieser Insel. Wissen Sie jedes Volk auf dieser Welt folgt einem Glauben, etwas oft künstlich erschaffenen, das ihnen die Angst vor dem Tod und die Nutzlosigkeit ihres Lebens nimmt. Viele von ihnen schenken all ihre Kraft diesem Glauben. Doch oft wissen sie nicht, was sie sich und vor allem anderen Menschen damit antun.
Fast jede Person hatte einmal eine Erfahrung mit einer Sekte oder hat zumindest schoneinmal etwas von einer gehört. Sieht man diese Glaubensgemeinschaften, denkt man ihnen allerlei seltsame Dinge an, macht sie zu Sündern und Verrückten und das nur weil sie einen anderen Glauben haben, weil ihr Volk nicht groß genug ist. Sieht man aber eine Weltreligion glaubt man zwar auch nicht daran, akzeptiert sie aber, bringt ihr und ihren Folgern Respekt entgegen. Aber was ist denn eine Weltreligion weniger als eine Sekte? Oder besser gesagt mehr? Tatsächlich liegt der Unterschied nur in der Größe. So sind Menschen immer. Glauben viele Leute an eine Sache halten sie sie für möglich, glauben wenige Leute halten sie es für Unsinn.

Genau dies sollte den Hawaiianern zum Verhängnis werden. Einst war Hawaii eine der wohlhabendsten und funktionalsten Inselgruppen gewesen. Ihr Volk lebte wie in einem Märchen, in Friede und ohne Kummer. Bis eines Tages ein Mann an den Strand gespült wurde. Man fand ihn zu Beginn eines Gewitters und hielt ihn für einen Schiffbrüchigen. Eine reiche Familie bot ihm Obhut und pflegte ihn bis zu seiner Genesung. Doch kaum hatte der Mann die Fähigkeit zu sprechen wiedererlangt, begann er Unsinn von sich zu geben. Beschimpfte die Götter der Hawaiianer und erzürnte sie somit. Man erzählte, er litt noch an Schwäche, machte ihn unschuldig, doch je mehr Zeit verging, desto besessener verbreitete der Mann seinen Glauben. Er berichtete von Göttern, hohen Wesen die die Inseln bei Sturm heimsuchten und die ungläubigen Menschen zu Tode straften.
Der Mann behauptete sein Schiff wäre diesen Wesen begegnet. Man habe seine komplette Mannschaft vor die Wahl gestellt. Man hatte ihnen angeboten ihren Glauben abzulegen, Christi und Allah über Bord zu werfen und von nun an dem Weg der wahren Götter zu folgen. Die Mannschaft hatte die Götter verspottet, ihnen unterstellt Tricks zu verwenden, um sie auf ihre Seite zu ziehen. Die Mannschaft war ungläubig gewesen, darum hatten die Herren einen Sturm zu Meere geschickt und das Schiff zerstört. Ihn als einzigen hatten sie aus den tödlichen Fluten gezogen und zu ihrem Botschafter ernannt. Sie hatten sein gläubiges Herz erkannt und ihn zu ihrem Vertreter auf Erden gemacht.
Als Beweis für seine Erzählung brachte er ein Stück Kristall zu Tage in dessen Inneren ein glühender Stein gemeißelt war. Sein grünes Leuchten schrieb von Geisterhand eine Offenbarung in die Klippenwände. Die Bauern waren so beeindruckt, dass sie ihn mit Getreide und von ihren Weibern gefertigten Schmuck überhäuften, ihn zu einem König machten.
Doch die Höchsten sprachen gegen ihn. Sie verspotteten seine Worte und ließen ihn mit seinem Teufelsgestein in eine Höhle sperren. Kurz bevor sie ihn für die Ewigkeit in der Dunkelheit versinken ließen, schrie er: "Ihr ungläubigen Sünder, ihr habet der Väter Worte nicht erhört. Dies wird euch schlecht zugute kommen. Die Herren sind erzürnt und werden sich der Waffe des Sturmes bedienen."
Die Höchsten belächelten seine Worte, verschlossen die Höhle mit Geröll und waren froh die Inseln von dem "Ungläubigen Gottesschänder" befreit zu haben.
Doch kaum war eine Woche vergangen brauchten sich die Stürme erneut zusammen. Die Wolken bäumten sich zu monströsen Gestalten und ließen die Bauern in ihre Häuser rennen. Die dunkeln Augen des Sturmes schwebten über die Inseln und ließen alles Gute ersterben und alles Schlechte erblühen. So kamen die Mörder aus den Bergen, schnitten den Höchsten die Kehlen auf und tranken deren heiliges Blut. Sie schenkte ihr Fleisch den Kindern, die es in ihrer Hungersnot zu sich führten und sich verdarben. Selbst in dem Körper der Jüngsten brodelte nun die Frucht des Hasses und ließ sie morden. Ließ sie ihre Eltern erwürgen und ihre Geschwister ersäufen.
Diese wutentbrannte Saat wurde zuletzt von einer großen Sturmmacht zerstört, die die Erde zweimal umdrehte und die Häuser in das Universum blies.
Die einzigen Überlebenden dieser Apokalypse waren die Bauern, die die dem Schiffbrüchigen glauben geschenkt hatten.....

Dieses Grauen wird wiederkehren, jedes Mal werden die Bauern in der Lage sein es zu verhindern. Doch eines Tages werden die Inseln dem Untergang geweiht sein, dann werden nur noch zwei Fremde die Rettung sein können....

Folgen sie mir nun nach dieser kleinen Einführung in die tiefsten Geheimnisse dieser Geschichte. Lassen sie sich die Namen der Götter nennen..."


Ich schlug das Buch tief durchatmend zu. Die Einführung hatte mir gereicht.... Etwas verwirrt ließ ich mich auf das Bett sinken. Es begann langsam richtig dunkel zu werden und ich verspürte Müdigkeit. Der lange Flug und vor allem die wilden Autofahrten hatten mich geschwächt. Am liebsten hätte ich mich sofort in die Laken gekuschelt und wäre eingeschlafen. Doch die Unordnung in meinem Zimmer ließ mich nocheinmal aufstehen. Ich räumte den Schrank fertig aus und legte mit den letzten Kräften meine Sachen hinein. So gefiel mir das kleine Zimmer gleich viel besser und ich warf mich todmüde auf mein Bett.

***

Die Nacht war ein einziges Grauen. Ich habe keine Ahnung warum, aber kurz nachdem ich an diesem Abend einnickte, wurde ich durch etwas aufgeschreckt. Als ich erwachte war ich vollkommen verwirrt, wusste nichteinmal wo ich war. Ich schwang mich torkelnd aus dem Bett und versuchte verzweifelt die Orientierung wieder zu gewinnen. Es war dunkel, so dunkel, dass ich nichteinmal meine eigne Hand vor Augen erkennen konnte. Ein mulmiges Gefühl kroch in mir hoch, es war als ob ich unterbewusst etwas erwartete. Eine plötzlich aufkommende Kälte ließ mich erschauern. Ich schwenkte meinen Kopf zum Fenster, sah wie sich die Gewitterwolken aufbäumten und auf mich zuzukommen schienen. Es wurde immer kälter, so kalt, dass ich das Gefühl hatte zu erfrieren. Mein Atem rasselte. Ich versuchte mich verzweifelt unter Kontrolle zu behalten und mir einzureden, dass ich bloß verschlafen war.
Plötzlich vernahm ich ein Pochen. Etwas war hinter mir, ich fuhr herum. Versuchte meine Augen zwanghaft an das schwache Licht zu gewöhnen. Ich erkannte nichts. Ich hatte fast gedacht ich hätte mir das Pochen nur eingebildet, als es wieder einsetzte, diesmal lauter, bedrohlicher. Ich ging näher darauf zu, was auch immer es verursachte, es musste sich hinter dem Schrank befinden. Tief durchatmend und versuchend meine kindliche Angst zu belächeln, näherte ich mich dem Schrank. Ein Blitz erhellte für Sekunden das Zimmer. Ich schreckte zurück. Hatte dort nicht eben ein Augenpaar aufgeblitzt?
<<<Nein, das war alles nur Einbildung>>>; war das, was mir mein Gewissen einredete.
Ich atmete nocheinmal tief durch, und stand nun direkt vor dem Schrank. Von der Kälte immernoch zitternd, schob ich ihn unter großer Anstrengung ein wenig nach vorne. Plötzlich, erneut ein Blitz. Ich hätte beinahe aufgeschrien, als ich das erkannte, was sich hinter dem Schrank befand. Es war groß, schielte mich mit seinen glühenden Schlitzaugen an.
<<<Das ist nur ein Traum Dana>>>
Ich hechtete zurück, sah es eine Weile nur an. Versuchte zu überlegen, wer mir hier einen Streich spielte. Plötzlich hielt ich den Atem an, es kam auf mich zu. Seine Augen durchbohrten mich, dass ich beinahe Schmerzen verspürte. Ich spürte wie sein eiskalter Atem meine Wange streifte. Ich schluckte.
<<<Das ist alles nur ein Traum>>>
In dem Moment, als ich dies dachte, sprang es auf mich zu, packte meine Schulter und drückte mich auf das Bett. Ich war zu geschockt um zu schreien, mein Körper schien wie eingefroren.
"Was...?" flüsterte ich. Es schenkte mir keine Beachtung, sah mich nur an. Ich wollte nach Mulder schreien, doch es ging nicht. Verzweifelt versuchte ich einen Laut herauszubekommen, doch das einzige was ich fertigbrachte war ein seltsame Stöhnen. Es starrte mich weiter an. Drückte meine Schultern so fest, dass ich glaubte meine Knochen könnte jeden Moment zerspringen. Wieder durchzuckte ein Blitz den Himmel. Ich glaubte für einen Moment sein Gesicht zu sehen, erschauerte. Auf einmal schwang es zurück und zog mich hoch. Es schien zu zittern, Angst zu haben. Ein heulendes Murren durchbohrte meine Ohren, als es mich fallen ließ. Ich knallte mit voller Wucht gegen den Bettpfosten und verlor das Bewusstsein.

***

"He Scully, war Ihnen das Bett zu weich?"
Verschwommen nahm ich am nächsten Morgen Mulders Gesicht wahr. Er war über mich gebeugt und schielte mich schräg an. Ich merkte, dass ich vor meinem Bett auf dem Boden lag. Benommen zog ich mich an der Bettkante hoch und sah ihm in die Augen. Mein Kopf dröhnte und ich hatte das Gefühl mich jeden Moment übergeben zu müssen.
"Ist alles in Ordnung Scully?" fragte er besorgt und musterte mich von allen Seiten.
"Ja, ich.. ich glaube ich habe mir irgendwo den Kopf gestoßen. Ist nicht weiter schlimm."
"Ok," er schien mir nicht ganz zu glauben, "können Sie aufstehen?"
"Natürlich," ich hievte mich auf das Bett und rieb mir verschlafen die Augen, "warum sind Sie in mein Zimmer gekommen, Mulder?"
"Weil Hatok und sein Enkel vor der Hütte auf uns warten. Sie möchten uns etwas zeigen." Mulders Augen glitzerten.
"Doch nicht etwa mit dem Auto, oder?" Ich hätte jetzt wirklich alles getan, nur nicht nocheinmal in diese Höllenmaschine zu steigen.
"Nein," er grinste, "wir können die Strecke nur zu Fuß zurücklegen."
Ich atmete erleichtert aus.
"Kommen Sie?"
"Ja." Ich merkte, dass ich immernoch die Sachen vom Vortag trug und bat Mulder kurz das Zimmer zu verlassen, damit ich neue Kleidung auflegen und mich frisch machen konnte. Es war wirklich eine verrückte Nacht gewesen.
Kurz vor dem Verlassen des Zimmers, bemerkte ich, dass der Schrank vorgeschoben war. Ich verdrehte die Augen und ging aus dem Zimmer. <<<Es war nur ein Traum>>>

***

Hatok führte uns über eine enge Straße, die aus nicht mehr als einem Trampelpfad bestand, eine kleine Klippe am Strand hinauf. Er erzählte von Mythen und Legenden die Rund um die Inseln geschehen waren.
Während Mulder ihm interessiert zuhörte, stellte ich meine Ohren mehr oder minder auf Durchzug und genoß die frische Meeresluft. Der Tag hatte wunderbar begonnen. Wärmende Sonnenstrahlen tanzten auf meinem Gesicht und wirbelten gute Stimmung in mir auf. Ich fühlte mich wohl. Die ersten Meter unserer Wanderung waren angesichts meines Muskelkaters eine Qual gewesen, doch mittlerweile tat die Bewegung mir richtig gut und lockerte meine steifen Gelenke.
Wir waren schon um einige Meter gestiegen und die Aussicht war fantastisch. Unter uns ruhte des tiefblaue Meer und über uns kreisten die verschiedensten Arten von Vögel, die in den Klippen brüteten.
Ab und an wuchsen seltene tropische Pflanzen aus dem Klippengestein und leuchteten in allen nur erdenklichen Farben in meinen Augen.
Plötzlich blieb Hatok abrupt stehen. Wir waren vor drei großen Höhlen angekommen, aus denen,
durch den Wind erzeugte, seltsame Geräusche drangen. Hatok stand vor der kleinsten der Höhlen und sank voller Anmut auf die Knie. Er schien zu beten und sprach wie in Trance einige Hawaiianische Wörter, die weder ich noch Mulder verstanden. Sein Enkel hingegen lungerte auf einem Stein herum und schien das Verhalten seines Großvaters zu belächeln.
Nach einigen Minuten, erhob sich der alte Mann und gesellte sich zu uns.
"Ich werde Ihnen beiden nun etwas zeigen, das eines unserer größten Heiligtümer darstellt. Dies sind die drei Höhlen des Hiibis. Sie wurden einst verwendet, um die schlimmsten Verbrecher der Inseln einen grausamen Hungertod sterben zu lassen. Auch unser Heiliger, etwas, das Sie als Messias bezeichnen würden, wurde einst in einer dieser Höhlen zu Tode gestraft. Man erzählt, dass sein Geist hier immernoch sein Unwesen treibt, um die Ungläubigen zu bestrafen. Ich werde Ihnen jetzt zeigen, was er während seines Ablebens in der Höhle hinterlassen hat."
Mulder und ich tauschten vielsagende Blicke. Mir war ein wenig mulmig, weil mich die Erzählung Hatoks zu sehr an die Geschichte erinnerte, die ich gestern Abend in den "Sturmmythen von Hawaii" gelesen hatte. Ich beschloß Mulder nichts davon zu erzählen, weil ich mir in diesem Moment wie eine Idiotin vorkam.
Mulder folgte Hatok, ohne ein Wort mit mir zu wechseln, in die erste der drei Höhlen des Hiibis. Ich stockte eine Weile und wünschte mir, ich hätte dieses Buch niemals gefunden. Auf der einen Seite verspürte ich den Drang, Mulder von meinem Fund zu erzählen, auf der anderen Seite war mir meine in meiner Sicht übertriebene Angst peinlich.
Ich sah zur Seite und blickte direkt in die Augen von Hatoks Enkel, der mich schüchtern anlächelte. Ich schenkte ihm ein verkrampftes Lächeln und sah schnell wieder zum Höhleneingang.
Nachdem ich einmal tief durchgeatmet und mir eingeredet hatte, dass dies nur alte Männer waren, die an eine Sage glaubten, setzte ich mich in Bewegung.

Das Innere der Höhle war wirklich beeindruckend. Sie war gigantisch und war schon fast zu einem Touristenzentrum ausgebaut worden. Unter meinen Füßen glänzte im Licht von silbernen Fackeln ein geschliffener Marmorboden, die an den Wänden hängenden Fackeln, tauchten die Höhle in sein seltsam mystisches Licht.
Hinter einer kleinen Biegung entdeckte ich schließlich Mulder. Er stand mit Hatok auf einer kleinen Plattform. Die beiden Männer unterhielten sich und bemerkten mich erst, als ich neben sie auf die Erhebung trat.
"Wo waren Sie denn so lange, Scully? Hatok hat mir ein paar sehr interessante Dinge erzählt," begann Mulder.
"Ich habe mich nur draußen ein wenig ungesehen," antwortete ich und versuchte dabei möglichst überzeugend zu wirken.
"Na ja, Sie haben aber etwas verpasst Agent Scully. Sehen Sie das kleine Loch dort oben?" fragte mich Hatok mit kindlicher Begeisterung.
"Ja," ich steckte mich ein wenig und erkannte eine seltsam geformte Öffnung, in die das Sonnenlicht eintrat und die Höhle ein wenig erhellte.
"Von dort aus, erzählte Hiibis, könne man direkt auf das Reich seiner Götter blicken.", sprach Hatok weiter.
Ich stellte mich auf die Zehenspitzen, um genauer hinsehen zu können; das einzige was ich entdeckte waren Wolken. Ich sah etwas schräg zu Mulder, der von diesem Anblick schlicht begeistert wirkte.
"Entschuldigen Sie, wenn ich jetzt aus dem Rahmen falle, aber was ist daran so besonders?" flüsterte ich Mulder zu.
"Die Vorstellung, Scully."
"Schön, ich habe mir die ganze Zeit vorgestellt, dass dort oben ein paar Götter wohnen, aber Fakt ist, dass ich trotzdem nur Wolken sehe."
Mulder zuckte mit den Schultern und wir beide lächelten. Ich glaube, ich hatte, damals einfach noch nicht genug Gefühl für das Phantastische.
"So, nachdem ich Ihnen ein kleines Bild von unserem Reich gemacht habe, werd ich Ihnen nun zeigen woher ich die Informationen bezüglich dieses Fernrohrs in die Welt der Macht habe," er sprach vermutlich von dem "Loch" und trat hinüber zu den steinernen Wänden. Nachdem er nach einer Fackel gegriffen hatte, rief es uns zu sich.
"Dies sind die Worte, die der Stein der Hoffnung in dieser Höhle hinterlassen hat. Für uns ist es so etwas wie für Sie Ihre heiligen Bücher. Es ist eine Offenbarung, die Offenbarung Hiibis. Es wurde in alt Hawaiianisch verfasst und ist somit nur für uns lesbar. Der Stein der Hoffnung spricht von einer großen Apokalypse, die jedes 50igste Jahrzehnt stattfindet. Wir waren 22 Mal in der Lage dieses Grauen zu beenden, doch ich spüre, dass es dieses Mal nicht so sein wird."
Fragen Sie mich nicht, wie ich in diesem Augenblick ausgesehen habe. Ich denke, mein Gesicht wurde zu einer weißen Maske. Mein Partner jedenfalls, starrte mich an, als ob er in Sorge sei, mich auffangen zu müssen.
"Alles okay, Scully?" seine Hand berührte vorsichtig meinen Arm.
"Ja... ja, alles in Ordnung!" erwiderte ich und versuchte mich darauf zu konzentrieren, die Aussagen Hatoks neutral zu beurteilen und auf keinen Fall noch einmal an das Buch zu denken. Doch augenblicklich wurde mir klar, daß ich das nicht würde können.
Manou, der bisweilen auf den Steinen vor der Höhle gewartet hatte, kam mit einer weiteren Fackel zu uns und während die Augen der anderen auf dem jungen Mann ruhten, verfolgten meine Blicke die tanzenden Lichter an den Felswänden.
Irgendwas war dort los, ich kann es nicht mehr genau beschreiben, aber ich war mir sicher, daß ich dort Zeichen lesen konnte. Keine Zeichen, die in den Fels eingemeißelt waren. Auch keine Zeichen, die gemalt waren. Nein, es erschien mir fast so, als ob das flackernde Licht der Fackel Zeichen auf die Wände schrieb.
Irritiert wischte ich mir über die Augen und versuchte mich anderweitig zu konzentrieren, doch es gelang mir einfach nicht. Ich hörte zwar mit halben Ohr zu, was Hatok und Manou erzählten, doch mein Blick wanderte immer wieder zu den Wänden.
Einen Augenblick lang überlegte ich sogar, ob ich Mulder fragen sollte, was er von den Lichtern und Zeichen hielt und ob er sie überhaupt sah, aber dann ließ ich es doch. Ich kam mir dumm vor, dumm und neurotisch.
Da war nichts! Nur, weil mich schon vom ersten Augenblick auf dieser Insel ein ungutes Gefühl erfaßt hatte, ich dieses Buch gelesen hatte, mir im Traum ein Wesen erschienen war und ich nun Zeichen in den Lichtern sah, konnten das doch alles Zufälle sein. Einen Moment mal! Was versuchte ich mir eigentlich zu beweisen? Die Fakten sprachen doch eindeutig für sich. Entweder war ich unmerklich dem Wahnsinn verfallen, oder aber der alte Hawaiianer hatte Recht und ich war die einzige, die das wirklich erkennen konnte.
Doch warum sollte ausgerechnet ich mit einer derartigen Fähigkeit gesegnet sein? Ich glaubte doch nicht an diese Dinge!
Ohne eine Vorwarnung nahm ich Manou seine Fackel aus der Hand und rauschte an den anderen Anwesenden vorbei. Ich mußte raus, raus aus dieser Höhle, raus an die frische Luft.

Die warme, schwüle Luft schlug mir entgegen, als ich die Höhle verließ, dennoch tat sie gut und verschaffte mir für einen Augenblick einen klaren Kopf. Ich steckte die Fackel in eine Halterung am Höhleneingang und setzte mich auf einen der Felsen, auf denen Manou vor unserem Betreten der Höhle gesessen hatte.
Um Auszuspannen starrte ich eine Weile auf das Meer hinaus und mich nur auf meinen Atem zu konzentrieren. Ein- und ausatmen... ein- und ausatmen...
Schnell beruhigte ich mich wieder, seufzte einmal und wollte mich zur Höhe umdrehen, da erschrak ich fürchterlich, weil Mulder hinter mir stand und mich anstarrte.
Mein ganzer Körper schien zu erzittern, mein Herz schien stehen zu bleiben und alles nur, weil ich augenblicklich so schreckhaft war.
"Mulder, ich... mein Gott!" keuchte ich nur und hielt mir die Hand in Herzhöhe.
Mulder ging vor mir in die Hocke und sah mich besorgt an. Ich denke, er spürte ganz genau, daß irgendwas nicht mit mir stimmte.
"Sie sind seit heute morgen so schreckhaft und auch gestern abend haben sie so eigenartig reagiert, was ist mit Ihnen los?"
Seine Frage traf genau ins Schwarze und obwohl ich es nicht wahrhaben wollte, stimmte ich ihm instinktiv zu: "Sie haben ja Recht. Ich bin..." ich wußte wirklich nicht wie ich es formulieren sollte, "ich habe..." und wieder suchte ich nach den richtigen Worten, "ach es ist diese Insel, ich weiß nicht, sie macht mich..." ich sah ihn fragend an, als ob ich eine Bestätigung suchte, "nervös?"
Er verzog sein Gesicht zu einem vorsichtigen bedrückten Lächeln: "Nervös ist vielleicht ein wenig zu optimistisch ausgedrückt."
"Ja..." seufzte ich und versuchte mich aus der Situation zu lotsen, in dem ich mich an meinen Schuhen zu schaffen machte.
"Scully," seine Stimme forderte keinen Widerspruch und ich wußte, ich war ihm Antworten schuldig.
"Können wir... ich meine...bitte nicht hier," murmelte ich und sah auf.
Mein Blick streifte kurz Mulders, dann erfaßte ich Hatok und Manou mit meinen Augen, die die Höhle verließen.
Augenblicklich wurde ich wieder ruhig, gelassen nach außen hin. Nichts hätte darauf schließen lassen, daß ich irritiert, gar nervös war.
"Agent Scully, Sie sind so schnell gegangen, ich konnte Ihnen gar nicht mehr von dem Buch erzählen..." begann Hatok und von einer Sekunde auf die nächste erblaßte ich. Wiedermal...
"Buch!" keuchte ich nur und holte tief Luft.
<<< Ganz ruhig, Dana >>>
Ich konnte förmlich mein Herz bis zum Hals klopfen spüren, ich konnte es in meinen Ohren dröhnen hören. So knapp wie ich vor einer Ohnmacht stand, war es im Endeffekt ein Wunder, daß ich stehen blieb und noch Worte hervorbrachte. Nun ja, meine Worte waren mehr ein Stammeln, dennoch blieb ich stehen und schaffte es, tapfer gegen die Ohnmacht an zu gehen.
"Scully?" Mulder faßte mich beim Arm und hielt mich fest.
"Schon... schon okay!" stammelte ich und löste mich von ihm, nur um auf Hatok zu zugehen und ihn forschend anzusehen, "Buch?"
"Oh ja," begann Manou eifrig, seinem Großvater zuvor kommend, "es soll der Legende nach ein Buch geben, welches das Schicksal der Hawaiianer beschreibt sowie das Erscheinen unseres Messias. Wir kennen diese Informationen natürlich nur vom Hörensagen... eine Generation gibt's an die nächste.." er gestikulierte wild mit den Händen und grinste schief, "und so weiter!"
"Manou!" Hatok unterbrach den Jungen und schob ihn beiseite, "erzähl keinen Unsinn! Dieses Buch hat nie existiert! Es ist eine Legende!"
Ha! Eine Legende? Ich wollte gerade anfangen zu protestieren, als mir in den Sinn kam, daß es vielleicht einen Grund gab, weshalb ich das Buch gefunden hatte.
"Ach, alter Mann, natürlich gibt es das Buch!" murrte Manou, "dort steht geschrieben, wie man den Geist besiegen kann!"
"Wir haben es 20 Mal auch ohne Hilfe des Buches geschafft! Erzähl keinen Unsinn!" brummte Hatok und wandte sich von Manou ab.
Da hatte ich meinen Grund. Das Buch enthielt die Lösung unseres Problems? War es so einfach? Warum nicht?
"Mulder, ich..." begann ich und sah mich um.
Wo zum Teufel war mein Partner geblieben?
Mein Blick schweifte wieder zu Hatok und Manou, die noch immer diskutierten.
"Haben Sie..." ich machte eine wegwerfende Bewegung, als ich realisierte, daß mich die beiden nicht wahrnahmen. Sie waren viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
Also machte ich kehrt und starrte noch einmal die Stelle an, wo mein Partner gestanden hatte. Warum hatte ich nicht bemerkt, daß er weg gegangen war? Wo zum Teufel steckte er?
Hatte er sich unbemerkt wieder in die Höhle geschlichen?
Eigentlich gab es keine andere Möglichkeit. An mir vorbei gegangen war er nicht und das war der einzig andere weg, vorausgesetzt... ich sah die Klippe hinunter... unwahrscheinlich... und doch sah ich noch einmal die Klippe hinunter... nichts.
Schließlich griff ich mir die Fackel am Eingang der Höhle und lugte vorsichtig in den Eingang. Gut, es war für Touristen zurecht gemacht, es war nicht unheimlich, es war... verdammt, ja, ich fand es unheimlich, sehr unheimlich sogar. Wieso passierte mir so was?
Ich glaubte nicht an Geister, schon gar nicht an tote Abgesandte von Göttern. Heyho, ich war Scully, die Wissenschaftlerin.
Okay, momentan war ich Scully, die Ängstliche und das war ein Zustand, der mir gar nicht zusagte. Wieso gelang es Mulder auch immer wieder, mich dazu zu kriegen, etwas zu tun, was ich nicht wollte. Und ich wollte diese Höhle definitiv kein zweites Mal betreten. Definitiv!
Seufzend und allen Mut zusammen nehmend, betrat ich die Höhle dennoch und versuchte gleichzeitig die tanzenden Lichter an den Wänden zu ignorieren und auf Schritte oder Geräusche meines Partners zu achten.
"Mulder, sind Sie hier?" meine Stimme hallte von den Wänden wider und obwohl ich versuchte meine Angst unter Kontrolle zu bekommen, liefen mir kalte Schauer den Rücken hinunter.
Es war leise, zu leise. Das Rauschen des Meeres schien von den Höhlenwänden regelrecht verschlungen zu werden und das, obwohl ich nur ein paar Meter hinter dem Eingang stand. Etwas tief in meinem Hals schien mir qualvoll langsam die Kehle zuzuschnüren. Ein stechender Schmerz bohrte sich in meine Lungen. Ich spürte wie eiskalte Schweißperlen sich einen Weg meine Stirn hinunter bahnten.
"Mulder, bitte, wenn Sie hier sind dann..." pfeifender Wind zog an meinem Körper vorbei. Es schien als rieselten tausende Eissplitter auf meine Haut hinab. Am liebsten wäre ich einfach umgedreht und weggerannt. Aber ich konnte nicht wegrennen, das war dumm und kindisch. Ich war dumm und kindisch. Was um Gottes Willen konnte schon in dieser Höhle sein? Ein Dämon, der mich zähnefletschend verschlang? Mit Sicherheit nicht...
Ich setzte meinen Weg fort. Meine Beine fühlten sich an wie Gelee. Ich stützte mich an der Wand, um nicht umzufallen, da ich bedrohlich durch die Höhle schwankte.
"Mulder!?!" versuchte ich es erneut. Nichts. Hier war niemand. Aber wo zum Teufel konnte er hingegangen sein? Wollte er mich etwa erschrecken? Wenn er das tat konnte er sicher sein, die nächsten Tage seines Lebens in der Hölle zu verbringen. Schwor ich mir.

Plötzlich hörte ich etwas. Erst leise, dann immer lauter und durchdringender. Das Pochen, es war mir gefolgt. Oder besser gesagt, mein Irrsinn war mir gefolgt. Ich atmete rhythmisch ein und aus, versuchte mich zu beruhigen. Es funktionierte nicht. Wieder tickte das Pochen in meinen Ohren. Ich versuchte herauszufinden aus welcher Richtung es kam, doch sosehr ich mich auch drehte, es schien von überall zu kommen. Immer tiefer und lauter hallte es durch meine Ohren. Es war wie radioaktive Wellen, die sich von außen in meinem Hirn trafen. Sie schienen meinen Kopf zu zersprengen. Tiefe Schmerzen in meinem Hinterkopf ließen mich die Zähne zusammenbeißen. Mir war leicht schwindelig, alles um mich herum begann sich zu drehen. Ich sackte auf die Knie und betete in Ohnmacht zu fallen, damit dieser Alptraum endlich vorbei war. Ich betete in Washington aufzuwachen und festzustellen, dass dies alles bloß ein Traum war.
Doch dem war nicht so. Sekunden später ließ der Schwindel nach. Meine Augen waren auf einen Ritz in der Wand gerichtet. Poch, Poch, das Geräusch drang direkt aus diesem Schlitz. Es schien mir als sei dort unten jemand gefangen, als wolle dieser jemand, dass ich ihn befreite. War es bloß Mulder der mich unbeabsichtigt an diesem Traum erinnerte? Oder war es.... <<<Nein Dana daran wirst du jetzt nicht denken!>>> befahl ich mir und kroch auf allen Vieren auf den Spalt zu. Die Fackel, die neben mir auf den Boden gefallen war, leuchtete genau in den Schlitz, auf etwas blaues, rauh aussehendes: Jeansstoff.
"Mulder sind Sie das, der da klopft?" fragte ich in der Hoffnung, der Spuk habe nun ein Ende. Doch meine Hoffnung lief durch meine Finger wie Sand, keine Antwort.
Ich war jetzt direkt vor dem Spalt. Meine Augen gruben sich durch das Loch und ich erkannte eine alte verschlissene Jeans, die von Staub bedeckt war. Mulders Jeans war auch verschlissen gewesen, aber der Staub?
Vorsichtig streckte ich meine Hand aus, mein Herz pochte, als ich die Steinwand berührte, meine Finger in den Schlitz gleiten ließ. Vorsichtig zog ich daran. Das Material war mehlig, ähnlich wie Gips bröckelte es durch meine Berührung. Kaum hatte ich zwei Sekunden daran gezogen spürte ich wie die Wand nachgab. Erschrocken zuckte ich zurück, als sich das Material vor mir auf den Boden in Staub auflöste. Die Fragmente wehten durch die Höhle und trieben mir Tränen in die Augen. Hustend versuchte ich mir die Sicht freizumachen, doch spätestens seit diesem Moment wusste ich, dass ich das hätte nicht tun sollen. Das was sich hinter der Wand befunden hatte, ließ mein Herz bis zum Hals schlagen, Ich hatte das Gefühl von einer riesigen Flutwelle überrollt zu werden. Dort lag er, seine Hände gefaltet, seinen Mund weit aufgerissen. Sein Gesicht war von Maden zerfressen, nur noch leichte Hautfetzen hingen von seinem Schädelknochen. Ein kleines Haarbüschel ragte von seinem Kopf, von Blut und Gehrinflüssigkeit durchtränkt sah es aus wie ein Wurm, der sich durch seine Schädelbasis fraß. In seinem durchlöcherten T-Shirt krochen Maden auf und ab, die beinahe seinen kompletten Brustkorb zerfressen hatten. Es stank erbärmlich und ich fragte mich warum ich den Gestank nicht die ganze Zeit bemerkt hatte. Als ich mich näher über ihn beugte erkannte, ich dass er genau die gleichen Sachen anhatte wie Mulder. Moment, stopp, das hatten wir schonmal, genau das gleiche war vor ein paar Jahren passiert. Das war verrückt. Ich war verrückt...

Plötzlich zuckte ich zusammen. Jemand hatte mich an der Schulter gepackt. Völlig orientierungslos stieß ich mich vom Boden ab und taumelte durch die Höhle. Meine vom Staub immernoch benebelten Augen, ließen mir nicht die Möglichkeit, den Jenigen zu erkennen der mich berührt hatte.
Er kam wieder auf mich zu, ich presste mich an die Wand. Hätte vor Angst und Panik beinahe einen spitzen Schrei losgelassen.
"Lassen Sie mich in Ruhe, verschwinden Sie!" schrie ich und hörte wie mein Echo unheimlich durch die Höhle hallte.
"Scully, kommen Sie zu sich..." ertönte eine männliche Stimme.
Ich kannte diese Stimme, das war die Stimme meines Partners und doch... nein, ich hatte ihn doch eben dort am Boden... ich schalt mich einen Idioten und rieb meine Augen. Selbst wenn Mulder tot gewesen wäre, er war nur knapp fünf Minuten weg, seine Leiche hätte niemals so aussehen können.
"Mulder, sind Sie das?" ich rieb weiter meine Augen bis ich schließlich ein wenig klarer sehen konnte.
"Scully, ist alles in Ordnung? Sie benehmen sich so eigenartig!" er schüttelte mich leicht bis ich wieder zu mir kam.
"Ja... ja..." atmete ich tief durch und spürte wie sich mein Herzschlag normalisierte. Ich war okay, keiner brauchte sich Sorgen um mich zu machen, Sorgen mußten wir uns nur um... ich drehte mich um und starrte auf den Boden.
Mein Gott, was war nur mit mir los? Eben noch hatte dort doch eine Leiche gelegen, jetzt lag da nur noch ein Strauch, ein alter verknöcherter Strauch.
Mulder mußte wohl meinen eigenartigen Blick gesehen haben, denn er schob mich beiseite, ging in die Knie und hob den Strauch an.
"Ich weiß wirklich nicht, was mit Ihnen los ist," er sah zu mir auf und sein kritischer Blick traf mich.
"Wieso, ich meine... phhhh..." ich suchte nach Worten und sog die Luft ein.
Mulder richtete sich wieder auf, deutete auf den Strauch und versuchte so nett wie möglich zu formulieren, was er in diesem Augenblick von mir dachte: "Ich habe Sie auf den Knien liegend vorgefunden, wie Sie diesen Strauch aus der Felsnische heraus zerrten. Beim besten Willen Scully, langsam glaub ich, irgendwas war in dem Flugzeugessen."
"Machen Sie sich noch lustig," zischte ich und starrte weiter auf den Strauch. Ich wußte, was ich gesehen hatte. Da gab es nichts zu zweifeln. Dort hatte eine Leiche gelegen, die Mulder ähnlich sah. Ob er sie nun sehen konnte oder nicht, ob ich sie noch sehen konnte oder nicht, sie war da gewesen. Dessen war ich mir sehr sicher! Genauso sicher wie das Buch existierte, das Hatoks Enkel erwähnt hatte.
Für einen kurzen Augenblick gewann die Ärztin und Wissenschaftlerin in mir die Oberhand. Was wenn das alte Buch Pilzsporen enthalten hatte und ich dadurch unbewußt Halluzinationen ausgesetzt war? All das hatte es schon mal gegeben, in Ägypten. Dort hatten diese Pilzsporen nicht nur zu Halluzinationen geführt, teilweise waren sie tödlich gewesen und Grabräuber hatten ihren Tribut gezollt. Aber war ich eine Grabräuberin? Nicht wirklich. Und es gab auch nicht entsprechende Lebensbedingungen für diese Sporen. Hier war es alles andere als trocken.
"Scully?" scheinbar wartete mein Partner auf eine plausible Erklärung für meine Handlungen, doch die konnte ich ihm nicht liefern.
So sehr ich mich auch anstrengte, ich konnte nicht verhindern, daß ein Gedanke durch meinen Kopf kreiste: << Scully, Du wirst verrückt! >>
"Ähm, Mulder, ich…ich denke wir sollten raus gehen.", stammelte ich, meinen Blick immer noch auf den Busch gerichtet. Plötzlich verdrehte ich die Augen. Irgendwie sah der Staub auf dem Boden seltsam aus, nicht wie Fels, nicht wie Lehm, nein, er sah wirklich aus wie Gips.
Ich ging darauf zu, kniete mich hin und ließ die Bröckchen durch meine Finger rieseln. Ich sah wieder auf die Felswand und erkannte nun eine deutliche Linie, die den Rest des Stoffes von der Felswand unterschied, unnatürlich unterschied.
"Mulder, ich glaube, diesen Strauch hat jemand dort eingemauert."
Er sah mich ernst an, kniete sich neben mich.
"Was glauben Sie ist das?", fragte ich ihn. Sein Blick veränderte sich, ja, er schien etwas seltsam zu finden und diesmal war mir diese Reaktion durchaus willkommen.
"Ich habe keine Ahnung, auf jedenfalls nichts, was in eine Höhle hineingehören würde. Hmm… es sieht so ähnlich aus wie Gips, aber irgendwie riecht es wie…wie…"
"Verbranntes Holz?"
Er nickte mit dem Kopf.
"Scully ich glaube wir sollten das mitgehen lassen." Er zog einen der kleinen durchsichtigen Plastikbeutel aus seiner Jeanstasche und kehrte vorsichtig etwas von dem Staub hinein.
"Mulder, warum glauben Sie, sollte man einen Strauch in eine Felswand einmauern?"
"Vielleicht als Ritual? Hatok sagte doch dies sei für die eine Huldigungsstätte, möglicherweise ist dieser Strauch eine Art Opfergabe."
Ich nickte mit dem Kopf, seine Theorie gefiel mir, dennoch verstand ich nicht, wie mein Gehirn aus diesem Strauch hatte eine Leiche machen können.
"Was haben Sie eigentlich eben gesehen?", fragte er neugierig.
"Nichts, ich denke, ich… es war nur eine Halluzination.", konterte ich schnell, "Was haben Sie eigentlich hier gemacht und wo waren Sie?"
"Ich habe etwas gehört."
"Und was?" Bitte lass ihn jetzt nicht ebenfalls verrückt werden.
"Es klang wie ein Schrei, der von dem Rauschen des Meeres getragen wurde. Ich bin um die Ecke gebogen und bin ihm gefolgt, er erlosch jedoch plötzlich und ich ging wieder zurück. Darauf bin ich dann in die Höhle gegangen, um es Ihnen zu erzählen." Ich sah ihm eingehend in die Augen. Ein Schrei? Urplötzlich dachte ich an die Mannschaft, die vor der Küste ertrunken war, doch ich verwarf diesen Gedanken gleich wieder. Mulder hörte und sah sehr viele ungewöhnliche Dinge, wenn er mit einem Fall beschäftigt war.
"Scully, ich glaube jemand hat um Hilfe geschrieen.", sprach er plötzlich weiter.
Ich atmete tief durch.
"Mulder Sie sagten doch der Schrei kam aus dem Meer. Haben Sie dort jemanden gesehen?"
Er schüttelte den Kopf, nahm eine Fackel von der Wand und richtete sie gezielt auf die Stelle, die zuvor auch Hatok beleuchtet hatte. Wie durch eine unsichtbare Welle zog sich die Schrift über die Wand und leuchtete in den verschiedensten Farben.
"Hatok erwähnte, dass dies Schreie derer seien, die gerade eine schlechte Tat begehen, oder die, die die Ruhe des Hibiis stören." Er zeigte auf eine Zeile des Textes. Ich beugte mich vor und erkannte die seltsamen Zeichen, die vor meinen Augen hin und herschaukelten. Es lief mir eiskalt den Rücken hinunter.
"Was ich eigentlich sagen will ist, dass der Schrei nicht verklang, es war plötzlich eine andere Stimme die schrie Scully, Ihre Stimme."
Ich sah ihn schief an, meine Augen weiten sich.
"Mulder, ich habe nicht geschrieen, Sie haben sich das eingebildet."
Er sah zur Wand, als plötzlich eine laute Stimme in die Höhle eindrang. Sie sprach in fremder Sprache, der Mensch von dem sie ausging, war außer Atem. Er keuchte, als renne er um sein Leben und ein leises Rutschen verkündete, dass er genau vor der Höhle zum Stehen gekommen war.
Sein wildes Gerede, wurde von einer ruhigen alten Stimme unterbrochen, Hatok, sprach zu ihm.
Mulder sah mich an, wir beide nickten und verließen schnellen Schrittes die Höhle.

Draußen fuchtelte ein kleiner, dunkelhäutiger Mann wild mit den Händen vor Hatoks Gesicht herum. Er war jung, ich schätze ihn auf Mitte 20. Dicke Schweißperlen klebten auf seiner Stirn, ich weigerte mich zwar dies zu denken, aber ich spürte, dass es kalter Schweiß war, Angstschweiß. Seine Augen waren geweitet, er redete so schnell, dass sich seine Stimme mehrmals überschlug.
Hatok redete immer wieder stoßend dazwischen, während sein Enkel Manou mit offenem Mund und angsterfüllten Augen danebenstand. Dieses Szenario verfolgten wir eine Viertelstunde, bis Hatok den Fremden abrupt unterbrach und sich zu uns wendete.
"Ich denke wir werden unseren kleinen Ausflug beenden müssen. Im Dorf braucht man meine Hilfe. Manu wird sie zurückführen. Ich wünsche Ihnen noch viel Spaß.", verkündete er lächelnd, aber ein wenig gestresst. Noch ehe Mulder oder ich etwas hätten sagen können, war er schnellen Schrittes auf dem Weg nach unten. Der andere junge Mann folgte ihm und stolperte vor Hastigkeit ein paar Mal gefährlich.
Einige Sekunden standen wir nur da, warfen uns gegenseitig verwirrte Blick zu und gingen schließlich auf Manou zu, der immer noch wie gelähmt mitten auf dem Weg stand.
"Manou, könnten Sie uns vielleicht sagen, was sich hier eben zugetragen hat?", fragte Mulder langsam, aber bestimmt. Manou antwortete ihm nicht, starrte mich nur seltsam an, als sei ich nicht die Selbe wie zuvor.
"Manou?", sagte ich leise und stellte mich vor ihn. Seine Hände hingen schlaff nach unten, sein Blick war in die Ferne gerichtet. Mulder sah nun mich an.
"Was glauben Sie ist hier los Mulder?", fragte ich ihn vorsichtig.
"Ich weiß es nicht Scully." War das einzige das er mir antworten konnte. Wir standen noch eine Weile da und warteten auf eine Reaktion des jungen Mannes, doch er schien wie in Trance.
"Mulder ich denke wir sollten allein nach unten gehen, wir können nicht ewig hier warten." Ich wäre am liebsten auf der Stelle nach unten gerannt.
Dieser jedoch schien mal wieder aus irgendwelchen unerdenklichen Gründen gefallen an diesem Ort gewonnen zu haben. Er beobachtete fasziniert die Klippen, das Wasser das dagegen schlug und schien auf etwas zu lauschen.
Auf einmal tippte er mich an.
"Scully, hören Sie das?" Seine Augen waren zu Schlitzen zusammengezogen, als er sie schließlich ganz schloss.
Ich weitete meine Ohren ebenfalls, vernahm jedoch nur das Rauschen des Meeres und Manous rasselnden Atem.
"Nein", erwiderte ich schließlich.
"Schließen Sie die Augen.", befahl er und ich hatte das Gefühl als dulde er keine Wiederrede. Ich tat das gesagte und fand mich in der üblichen schwarzen Welt wieder, die sich hinter meinen Augenlidern befand. Ich fühlte mich irgendwie verloren am Rand einer Klippe zu stehen, ohne zu wissen wie weit der Abgrund entfernt lag. Ich presste mich leicht zitternd gegen die Felswand und bemerkte wohl zum ersten Mal meine panische Höhenangst. Das Rauschen des Meers wurde lauter und ich fühlte mich wie eine Blinde, deren andere Sinne sich weiter ausprägten. Gleichmäßig spritzen die Wellen gegen die Felswände, ein lautes Platschen, wieder ein lautes Platschen, Rauschen und… etwas anderes. Ich schreckte auf, konzentrierte mich vollkommen darauf, es klang wie ein Horn, ein tiefes Horn, das sich anhörte als sei es ein Signal. Plötzlich wurde es lauter, so laut, dass ich meine Augen öffnete, Mulder tat es ebenfalls. Manou schreckte auf einmal hoch und kam auf uns zu als wäre er schlagartig aus einer Hypnose erwacht.
"Kommen Sie, lassen Sie uns nach unten gegen. Es ist schon fast Mittag, die Sonne brennt, es wird heiß. Es tut nicht gut zu dieser Tageszeit hier oben zu sein, sonst fallen Sie noch die Klippen runter." Er grinste, versuchte wohl zu scherzen.
Er ging los, Mulder und ich folgten ihm. Uns beiden brannte dieselbe Frage auf der Zunge, was war eben geschehen?
Mulder beschleunigte nach einer Zeit seinem Gang, um direkt neben Manou zu gehen. Dieser pfiff fröhlich vor sich hin.
"Manou, was war eben los mit Ihnen?", fragte er endlich.
"Mit mir? Nichts, was soll los gewesen sein?" Er schien erstaunt über diese Frage.
Mulder sah nach hinten und zog in meine Richtung eine Augenbraue nach oben, ich zuckte mit den Schultern.
"Sie standen eben mitten auf dem Weg. Scully und ich dachten Sie seien geschockt. War die Nachricht des Mannes so schlimm? Was hat er überhaupt gesagt?"
"Wer?" Manou sah Mulder an als versuchte dieser ihn auf den Arm zu nehmen.
"Manou, hier ist vor gut einer halben Stunde ein junger Mann vorbeigekommen, der sich kurz darauf in eine wilde Diskussion mit Ihrem Großvater verwickelte."
"Ach, Kendu.", er lachte, "Der Gute hatte mal wieder einen seiner Anfälle. Er ist etwas, na ja, er hat einen an der Waffel, wenn Sie verstehen." Er deutete grinsend auf seinen Kopf. Mulder versuchte zu lächeln, doch ich spürte, dass er mit der Antwort des Mannes keineswegs zufrieden war.
"Manu, ich habe gesehen, wie Sie reagiert haben, als er mit Ihrem Großvater redete."
"He, ich war genervt. Kendu macht das jede Woche, immer auf die gleiche Art. Will einfach nicht einsehen, dass er verrückt ist. Keiner hört ihm mehr zu." Er legte an Tempo zu, was wohl verdeutlichen sollte, dass er genug von Mulders Fragerei hatte.

Es dauerte gute eine halbe Stunde bis wir unsere Füße wieder in den mittler Weile heißen Sand sinken ließen. Manou schien Mulder und mir keine rechte Beachtung mehr zu schenken und lief so weit voraus, dass wir beinahe Schwierigkeiten hatten ihm zu folgen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sich der Aberglaube seines Großvaters auf in abgefärbt hatte, was auch immer passiert war. Ich zittere ein wenig, obwohl die Sonne direkt auf meinen Kopf knallte und ich spürte wie Schweiß meine Stirn hinablief. Ich wollte es zwar nicht wahr haben, aber ich hatte Angst. Etwas war mir unheimlich, unangenehm an diesem Ort. Ich fragte mich immer wieder, was Mulder dazu gebracht hatte hierhin zu kommen. Nun gut, die Erzählungen Hatoks waren zwar beunruhigend, doch keinesfalls wirklich ernst zu nehmen, zumindest hatte ich das gedacht. Etwas stimmte hier nicht, dessen war ich mir momentan sicher. Meine Gedanken glitten plötzlich zu dem kleinen Tütchen zurück, dass Mulder in seiner Jeans mit sicher herumtrug. Ich hatte vor es ins Labor zu schicken.
Auf einmal tippte Mulder mich an.

"Hey Scully, was halten Sie davon, wenn wir gleich einen kleinen Ausflug ins Dorf machen. Vielleicht finden wir etwas mehr über diese Geschichten heraus, aus der Sicht von Außenstehenden versteht sich und vielleicht haben wir auch eine Chance Kandus Geheimnis aufzudecken." Er zwinkerte mir zu. Er hatte wohl bemerkt, dass ich mich ziemlich verloren fühlte. Ich nickte, beabsichtigte aber keine Richtige Reaktion auf seinen Vorschlag.
"Mulder, was hoffen Sie hier eigentlich zu erreichen. Ich meine, ich sehe dass hier etwas nicht ganz in Ordnung ist, dass dieser Manu uns etwas verschweigt…aber das ist doch kein richtiger Fall, nur eine Vermutung.", lenkte ich ein.
"Mehr als das Scully. Spüren Sie das etwa nicht?" Er deutete auf das Meer, "Es ist ruhig, gleichmäßig, es liegt einfach nur so da. Etwas wird kommen Scully."
"Nun, vielleicht sehen Sie das so, aber ich für meinen Teil bemerke gar nichts. Mulder, wenn sich nicht bald etwas ereignet, dass uns wirklich Grund zur Sorge gibt, sollten wir wieder zurück nach Washington fliegen. Ich denke nicht, dass das F.B.I. auf die Kosten der Sorgen eines alten Mannes eingeht…" Was redete ich da eigentlich? Ich hatte Angst…ich verhielt mich, als hätte ich die Schwelle der Verrücktheit überschritten und ich rede davon, dass hier nichts geschah, dass es keinen Sinn hatte hier zu ermitteln?
Mulder sah mich etwas enttäuscht an. Er hatte sich wohl mehr von mir erhofft, aber ich konnte mir selbst einfach nicht eingestehen was hier geschah. Ein dröhnender Kopfschmerz durchfuhr mich plötzlich als ich mit Mulder über den heißen Sand blickte und ich wankte leicht von einem Fuß auf den anderen.
"Scully ist…?" Mulder wollte mich wohl fragen, was mit mir los war, als auf einmal ein ohrenbetäubender Schrei erklang. Wir starrten uns beide verwirrt an, als plötzlich Schritte von Seiten der Straße erklangen. Manou kam wie verrückt abgelaufen und blieb erst keuchend stehen, als er die beiden Agenten erreicht hatte.
"Agent Mulder, Agent Scully, kommen Sie bitte sofort hinunter ins Dorf! Sie werden das nicht glauben!"


Fortsetzung folgt!