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Autorennotiz:
Jack the Ripper
Trahnfisch
Trahnfisch@gmx.de
NC-17 aufgrund von Gewalt, detaillierter Schilderung von Verletzungen und sexueller Handlung
MSR, Angst, X-Akte
Ich bin mir sicher, wenn es welche gibt, dann findet ihr sie!!
In DC werden mehrere Morde begangen und der Täter fordert Mulder heraus ihn zu finden
Mit großem Bedauern muss ich zugeben, dass weder Scully, noch Mulder oder eine der anderen Personen meine Erfindung sind. Sie sind Eigentum von David, Gill und Mitch, allen anderen großartigen Schauspielern, die eine feste Rolle in dieser brillanten Serie haben, Chris Carter, 1013 Productions, 20th Century Fox.
Nur ganz kurz, weil es eh keiner liest. Diese Story spielt etwa in der Mitte der achten Staffel, so rein von der Zeit gesehen, aber in meiner kleinen bescheidenen Akte X - Welt gibt es keinen Doggett, weil ich den doof finde. Und Mulder ist auch nie verschwunden! So, jetzt kann es dann auch endlich losgehen.



Jack the Ripper



31. August 2001

Das Telefon riss sie aus ihrem wohlverdienten Schlaf. Noch bevor Scully das Licht anknipsen konnte, hatte Mulder bereits den Hörer abgenommen.
"Hallo." nuschelte er undeutlich und warf einen Blick auf den Wecker. Gerade erst 3 Uhr 55.
"Mulder?" hörte er die Stimme seines Vorgesetzten.
"Ja." antwortete er knapp.
"Ich bin es, Skinner. Ich bin gerade von einem Officer angerufen worden. Es wurde eine Leiche gefunden und ihre Präsenz bei dem Fall scheint wichtig zu sein. Ich möchte, dass sie unverzüglich zum Tatort fahren.", sagte der Mann streng.
"Wieso gerade ich?", wollte Mulder wissen.
"Das wird ihnen Officer Santara dann erklären.", erwiderte Skinner.
"Also gut. Wo soll ich hinkommen?", gab Mulder nach.
Sein Vorgesetzter nannte ihm die Adresse. Nachdem Mulder aufgelegt hatte, drehte er sich langsam auf den Rücken und fuhr sich mit seinen Händen über das Gesicht.
Scully beugte sich zu ihm rüber und legte ihr Kinn auf seine Brust. Mulder beobachtete mit einem Hauch von Belustigung, wie sich ihre linke Augenbraue langsam nach oben schob.
"Wer war denn das?", wollte sie wissen.
"Skinner. Er hat mir aufgetragen zu einem Tatort zu fahren. Allerdings wollte er mir nicht sagen, warum ausgerechnet ich dort erscheinen soll." Sagte er müde. Sie drehte sich nun ebenfalls auf den Rücken und dann weiter aus dem Bett hinaus.
"Na dann lass es uns mal rausfinden." Meinte sie, für Mulders Geschmack viel zu wach, und griff nach ihren Sachen.
"Du musst nicht mitkommen. Du kannst noch etwas schlafen und wir treffen uns dann nachher im Büro.", meinte er.
"Und dann rufst du mich in einer halben Stunde an, um mich zu bitten, dir aus irgendeiner Misere zu helfen. Da kann ich auch gleich mitfahren.", erwiderte sie und er grinste nun tatsächlich.

~~~~~

Eine halbe Stunde später erreichten sie die Straße, die Assistent Director Skinner Mulder am Telefon genannt hatte. Es handelte sich um eine abgelegene Seitenstraße, die nun jedoch sehr belebt war. Schon von weitem konnten Scully und Mulder die blinkenden Blaulichter der Polizeiautos erkennen.
Etwa ein Dutzend Polizisten liefen scheinbar planlos hin und her. Hier und da flackerte ein Blitzlicht und erhellte so, für den Bruchteil einer Sekunde, die Nacht. Dieses Szenario machte sofort deutlich, was hier geschehen war. Sie befanden sich am Schauplatz eines Mordes und nun wurde sowohl die Leiche fotografiert, als auch die Menschen, die sich trotz der unmöglichen Tageszeit neugierig an der Absperrung drängten.
Scully und Mulder zeigten ihre Ausweise und konnten so ohne Probleme das abgesperrte Gebiet betreten.
"Wo finde ich Officer Santara?", erkundigte Mulder sich bei einem der vielen Polizisten.
"Der ist dort drüben. Der Mann mit Halbglatze.", entgegnete der Gefragte.
"Danke sehr." Während Mulder auf den Mann zuging, musterte er ihn eingehend. Es handelte sich um einen Mann in den Fünfzigern. Er war nicht besonders groß, jedoch gut beleibt und über seinem Mund wucherte ein beachtlicher Schnurbart. Selbst bei diesem schummerigen Licht war die spanische Abstammung des Mannes deutlich zu erkennen. Als Mulder bei dem Officer angekommen war, reichte er ihm die Hand.
"Mulder.", stelle er sich knapp vor und deutete dann auf Scully. "Das ist meine Partnerin, Special Agent Scully."
Officer Santara nickte ihr zu und reichte ihr dann ebenfalls die Hand.
"Tut mir leid, dass sie sich um diese Zeit hier her bemühen mussten, Agent Mulder, aber ich denke, es ist unumgänglich.", meinte der untersetzte Mann.
"Was ist denn überhaupt passiert?", wollte Mulder nun wissen.
"Wir sind um zwanzig vor vier von einem Mann angerufen worden, der die Leiche gefunden hatte. Er steht dort hinten. Die Leiche liegt dort drüben." Santara deutete auf einen etwa drei Meter entfernt liegenden Körper.
"Darf ich mir die Leiche ansehen?", schaltete sich Scully ein.
"Wenn sie wollen. Aber ich kann sie nur warnen, es sieht überhaupt nicht gut aus. Vier meiner Männer haben bereits ihren gesamten Mageninhalt neben einem Laternenpfahl geparkt." Der Officer verzog angeekelt das Gesicht.
"Ich komme schon klar.", beruhigte sie ihn und entfernte sich von den beiden Männern. Mulder beobachtete, wie sie, noch während sie auf die Leiche zuging, ihre Latexhandschuhe aus der Jackentasche zog und sie überstreifte. Schließlich hockte sie sich neben den Körper und zog das Tuch, welches bereits aus Taktgefühl über der Leiche ausgebreitete war, zur Seite. Er sah, wie sie einen kurzen Blick über ihre Schulter zu ihm rüber warf und sich dann die Leiche für eine oberflächliche Untersuchung ansah.
"Was hat sie dazu veranlasst, nach mir zu fragen?", wandte Mulder sich wieder an den Mann in der Uniform.
"Dieser Brief, der neben der Leiche lag." Santara reichte ihm eine Tüte in der sich ein weißer Zettel befand.
Mulder drehte die Tüte so, dass er auch im schwachen Licht der Autolampen erkennen konnte, was auf dem Zettel zu sehen war.
Es war eine Nachricht, sein Name und sein Aufgabengebiet beim FBI standen oben in der linken Ecke des Zettels. Sie war handschriftlich verfasst und lautete:




>>Dies ist die Rache für Ihre großkotzige Art! Sie hätten sich damals besser überlegen sollen, was Sie tun. Und weil Sie Sich ja so gut mit Serientätern auskennen, können Sie versuchen einen zu jagen, der ein großes und geniales Vorbild in der Geschichte der Serienmörder hat.<<


Mulder schluckte schwer. Er warf einen unsicheren Blick auf Scully, die immer noch neben der Leiche kniete. Wer war die Frau, die dort in ihrem Blut lag? fragte er sich.
Langsam senkte er seinen Blick wieder auf die Nachricht.
Die Schrift war klar und geschwungen, doch nicht sehr ordentlich. Er würde sie zur Analyse bringen müssen.
"Haben sie bereits eine Idee, von wem diese Nachricht stammen könnte?" Mulder wirbelte erschrocken herum und sah sich Assistent Director Skinner gegenüber. Er fing sich schnell wieder und warf einen weiteren Blick auf den Brief.
"Nein, Sir, bisher noch nicht. Sie könnte vielleicht von jemandem stammen, den ich ins Gefängnis gebracht habe. Ich werde der Sache gleich nachgehen.", sagte er.
Er sah auf, als Scully auf sie zu trat. Sanft berührte sie ihn am Arm, erschrocken, dass er so blass im Gesicht war. Sie warf Skinner einen vorsichtigen Blick zu und nickte ihm dann grüßend zu.
"Ich werde die Leiche jetzt obduzieren. Wir sehen uns dann nachher im Büro, okay.", meinte sie an Mulder gewandt.
"Alles klar. Bis später." Er drückte leicht ihre Hand, die seinen Arm hinab geglitten und an seinen Fingern hängen geblieben war.
"Haben sie sich die Leiche bereits angesehen?", fragte Skinner seinen Untergebenen, als Scully ins Auto stieg und dem Leichenwagen folgte. Mulder konnte ein leichtes Unbehagen im Gesicht seines Chefs entdecken. Es war immer sehr unangenehm für das FBI, wenn ein Agent so offensichtlich mit einem Fall in Verbindung gebracht wurde, wie es durch diesen direkten Brief geschehen war.
"Nein, Sir, dazu hatte ich bisher noch keine Gelegenheit. Ich werde jetzt mit dem Mann reden, der die Leiche gefunden hat und dann ins Labor fahren und die Schrift analysieren lassen. Vielleicht finden unsere Jungs ja auch Fingerabdrücke auf dem Zettel.", antwortete Mulder.
"Tun sie das. Haben sie etwas dagegen, wenn ich ihnen bei dem Gespräch Gesellschaft leiste?", wollte Skinner wissen.
"Nein, nur zu." Mulder drehte sich um und ging auf den Mann zu, der allem Anschein nach unter Schock zu stehen schien. Sanitäter hatten ihm eine warme Decke umgelegt, obwohl es nicht kalt war. Schließlich hatten sie gerade erst den 31. August, und die Temperaturen waren sogar recht hoch in diesem Sommer.
"Guten Tag, Sir. Mein Name ist Mulder. Ich bin vom FBI. Das hier ist Assistent Director Skinner. Wir würden ihnen gerne einige Fragen stellen. Meinen sie, dass sie mit uns reden können?", sprach Mulder den Mann an. Er musterte ihn aufmerksam, als dieser den Händedruck, den Mulder ihm anbat, erwiderte. Der Mann war etwa 1, 80 groß und Mulder schätzte ihn auf ungefähr 45 Jahre. Er hatte braune Haare, trug eine Brille und war kräftig gebaut. Sein Händedruck war locker und seine Augen flitzten unstet von einer Seite zur anderen.
Nun nickte er leicht.
"Wie ist ihr Name?", erkundigte Mulder sich.
"Peter Bower.", antwortete der Mann leise.
"Mr. Bower, warum waren sie um diese Zeit überhaupt hier unterwegs? Das ist ja nicht gerade eine sehr lebendige Gegend hier.", wollte Mulder wissen.
"Ich arbeite in der Firma in der nächsten Straße. Nachtschicht! Wissen sie, wir verpacken dort Möbel und machen sie für den Transport am nächsten Tag fertig. Ich hatte gerade Pause und wollte nur schnell in den Laden unten an der Ecke, um mir Zigaretten zu holen, als ich sie fand. Sie lag unter einer großen Segeltuchplane.", erklärte Bower.
"Wie sind sie darauf gekommen, dass da irgend etwas nicht stimmt?", fragte Skinner erstaunt.
"Naja, als ich näher kam, sah ich eine Ratte, die verzweifelt versuchte unter die Plane zu kriechen. Da bin ich halt stutzig geworden. Ich bin dann hin, und habe nachgesehen, was da drunter war und da lag sie." bei dem Gedanken an das, was er dort entdeckt hatte, begann der Mann am ganzen Körper zu zittern und Mulder fasste ihn vorsichtig am Oberarm.
"Kommen sie, setzten sie sich erst einmal hier auf die Treppe. Ich werde sehen, ob ich irgendwo einen Becher Kaffe für sie auftreiben kann.", sagte er beruhigend, während er ihn zum nächsten Hauseingang führte und ihm dabei half, sich auf die Treppe zu setzen. Bower nickte ihm dankbar zu. Skinner folgte Mulder ein Stück und hielt seinen Agenten dann am Arm fest.
"Mulder, ich möchte, dass sie mich auf dem Laufenden halten. Melden sie sich, wenn sie Ergebnisse aus der Analyse haben.", sagte Skinner und drehte sich um, nachdem Mulder zustimmend genickt hatte.

~~~~~

Sechs Stunden später saß Mulder konzentriert über mehrere Akten gebeugt am Schreibtisch in seinem Büro. Er hatte den Brief auf Fingerabdrücke untersuchen lassen, doch es waren keine gefunden worden. Nun verglich er die Schrift, die laut eines Analytikers auf jeden Fall von einem Mann stammte, mit anderen Schriftstücken in alten Akten. Er hoffte auf Übereinstimmungen in Schrift und Ausdrucksweise, um so einen Hinweis auf den Täter zu erhalten.
Er nahm gerade die fünfzehnte Akte zur Hand und begann diese akribisch auf Formulierungen durchzusehen, als sich die Tür öffnete. Erschrocken zuckte er zusammen und sein Kopf schoss hoch. Scully betrat das Büro und kam auf ihn zu.
"Hey.", grüßte sie und sah ihn müde an. Mulder wusste, dass Autopsien immer sehr anstrengend waren, und in der vergangenen Nacht hatten sie beide auch noch viel zu wenig Schlaf bekommen. Die Berichte von ihrem letzten Fall, hatten sie erst um kurz vor zwölf Uhr fertig gehabt. Knapp drei Stunden Schlaf waren einfach viel zu wenig. Sogar für ihn.
"Hey. Willst du einen Kaffee? Du siehst aus, als wenn du einen gebrauchen könntest.", sagte er und lächelte sie liebevoll an.
"Oh ja, ist noch einer da?" Sie ging Richtung Kaffeemaschine, um sich eine Tasse voll einzuschenken. Als sie wieder an seinen Schreibtisch trat, hatte sie auch für ihn einen Becher mitgebracht und reichte ihn ihm.
"Du siehst auch nicht viel besser aus.", meinte sie und musterte ihn. Er zuckte mit den Achseln.
"Was hat die Autopsie ergeben?", wollte Mulder wissen, nachdem sie sich auf ihrem Stuhl niedergelassen hatte.
Sie kramte in ihrer Aktentasche, nahm schließlich eine Mappe heraus, die sowohl den Autopsiebericht als auch einige Fotos enthielt und reichte sie ihm über den Tisch hinweg.
"Der Name der Frau war Samantha Walters.", begann sie und Mulder betrachtete die Fotos. Alle Farbe wich aus seinem Gesicht, angesichts der schrecklichen Bilder.
"Der Frau fehlten fünf Zähne und ihre Zunge war verletzt. Alles deutet auf einen kurzen, aber heftigen Kampf hin. Sie hat am Unterkiefer eine kleine Narbe und Quetschungen an Kinn und Wange. Die Kehle war von links nach rechts durchtrennt. Sowohl die Luft- als auch die Speiseröhre waren durchtrennt und auch die Wirbelsäule war fast durchtrennt. Am Leib konnte ich tiefe Stich- und Schnittwunden feststellen, an denen an einigen Stellen schon innere Organe austraten. Der Bauchbereich und die Vagina wurden aufgeschlitzt. Sie wurde von vorne gewürgt, bis sie bewusstlos war und der oder die Täter fielen dann mit dem Messer über sie her. Die Tatwaffe war offensichtlich ein sehr scharfes Messer. Ich nehme an, es handelt sich dabei um ein Skalpell. Die Frau war erst sehr kurze Zeit tot, vielleicht zehn oder fünfzehn Minuten bevor sie gefunden wurde. Ich habe einige Haare und Fasern von Kleidungsstücken an der Leiche gefunden und es in die Analyse gebracht.", erklärte sie.
Mulder blätterte immer noch die Fotos durch, die in der Mappe lagen. Es handelte sich sowohl um Bilder vom Tatort, als auch um Fotos die während der Autopsie gemacht wurden.
Schließlich blickte er auf und sah Scully an.
"Was sagtest du, wie die Frau hieß?", fragte er.
"Samantha Walters.", erwiderte sie.
Mulder atmete tief durch. Er presste seine Kiefer aufeinander, was seine Wangenknochen hart aussehen ließ. Seine Nasenflügel zitterten leicht. Wenn sie nicht gewusst hätte, auf was für Zeichen sie bei ihm achten musste, hätte sie diese Reaktion auf seine Müdigkeit geschoben. Doch so wurde sie wachsam.
"Mulder, was ist denn?", fragte sie besorgt.
Mulder kramte den Berg Akten durch, der vor ihm auf dem Tisch lag und zog schließlich die Beweismitteltüte mit der Nachricht hervor.
"Das hier wurde am Tatort neben der Leiche gefunden. Das ist der Grund, warum wir überhaupt heute Nacht los mussten.", meinte er und reichte ihr die Tüte über den Schreibtisch hinweg.
Scully blickte aufmerksam auf den Zettel und las die Nachricht.
"Hast du einen Verdacht?", wollte sie schließlich wissen und erhob sich. Langsam kam sie um den Schreibtisch herum und setzte sich auf die Kante des Tisches.
"Ich habe jetzt bereits vierzehn Akten durchgesehen von Leuten, die ich geschnappt habe, aber ich habe nichts gefunden, was mich irgendwie weiter gebracht hätte. Die Analyse des Zettels hat ergeben, dass die Nachricht von einem Mann geschrieben worden ist, aber es waren keine Fingerabdrücke drauf.", meinte er und fuhr sich mit Daumen und Zeigefinger über den Nasenrücken.
"Naja, was erwartest du? Dann hätte er sich ja auch gleich stellen können.", erwiderte Dana und grinste leicht.
"Ja, du hast ja Recht.", murmelte Mulder leise und erhob sich. Unruhig begann er im Büro auf und ab zu wandern. Scully beobachtete ihn besorgt. Seine Körperhaltung drückte nicht nur Müdigkeit, sondern auch Schuldgefühle und Sorge aus.
"Verdammt. Diese Frau musste nur sterben, weil sich irgend so ein Arschloch an mir rächen will, und ich weiß noch nicht einmal warum.", fluchte er schließlich und trat gegen den Mülleimer.
Sie stand auf und trat auf ihn zu. Sanft fasste sie ihn an der Hand und blickte zu ihm auf.
"Fox, es ist nicht deine Schuld. Lass uns zusehen, dass wir diesen Mistkerl ganz schnell kriegen.", sagte sie leise und streichelte leicht seine Wange. Mulder nickte.
Das Telefon ließ sie auseinander fahren. Mulder lächelte sie noch einmal leicht an und griff dann nach dem Hörer.
"Mulder!" meldete er sich und fuhr sich ein weiteres Mal mit Daumen und Zeigefinger über den Nasenrücken.
"Agent Mulder? Assistent Director Skinner möchte sie und Agent Scully unverzüglich in seinem Büro sehen.", flötete Skinners Sekretärin.
"Wir sind gleich da.", murmelte Mulder und legte den Hörer wieder auf die Gabel.
"Der Big Boss will uns sprechen." Er verzog leicht das Gesicht.
"Sollte ich irgendetwas wissen, bevor wir da hoch gehen?", erkundigte Scully sich.
"Ich denke nicht. Außer, dass ich mich bei ihm melden sollte, es aber bisher noch nicht getan habe." Er grinste schief.
"Das ist ja nichts Neues. Wann hältst du schon mal einen Termin ein?" Sie grinste ebenfalls.
"Ich hatte ja keinen Termin. Ich sollte mich melden, wenn ich was rausgefunden habe, aber ich habe bisher noch nichts herausgefunden.", seufzte er und schob sie aus dem kleinen Kellerbüro zum Fahrstuhl.

~~~~~

"Sie können direkt reingehen. Director Skinner erwartete sie bereits." Die Sekretärin lächelte leicht. Mulder meinte sogar eine Spur Mitleid in ihrem Blick zu erkennen.
"Danke, Kimberley." Dana lächelte zurück und klopfte einmal leise an die Tür bevor sie sie öffnete. Sie trat ein, sich darüber bewusst, dass Mulder direkt hinter ihr war, vielleicht ein kleines Stück dichter bei ihr, als es sich für einfache Partner gehörte, doch es störte sie nicht. Sie war nicht so naiv zu glauben, dass Skinner noch nichts von der Veränderung in ihrer Beziehung gemerkt hätte. Schließlich waren sie schon seit beinahe vier Jahren mehr als nur Partner oder gute Freunde. Trotzdem schien er es zu tolerieren. Zumindest hatte er nie den Versuch unternommen, sie zu trennen.
"Sie wollten uns sprechen, Sir?" Scully sah ihren Vorgesetzten mit einer hochgezogenen Augenbraue fragend an.
"Ja, in der Tat. Setzen sie sich, Agents." Der Assistent Director deutete auf die beiden Stühle auf der gegenüberliegenden Seite des Schreibtisches. Scully blieb gleich vor dem ersten Stuhl stehen, während Mulder hinter dem Sessel herging und sich mit einer geschmeidigen Bewegung auf dem zweiten Stuhl niederließ. Auch Dana setzte sich nun und blickte den Mann mit der Halbglatze immer noch offen an.
"Agent Mulder, ich hatte sie gebeten, mich auf dem Laufenden zu halten.", sagte Skinner schließlich und griff nach einem Kugelschreiber.
"Ja, Sir, ich weiß. Leider hatte ich noch keine Zeit, mich mit ihnen in Verbindung zu setzen. Ich war bis gerade eben damit beschäftigt, herauszufinden, von wem diese Nachricht stammen könnte.", erklärte Mulder ruhig.
"Und, was haben ihre Nachforschungen diesbezüglich ergeben?", wollte Skinner wissen.
Mulder hob die Achseln in einer unsicheren Geste.
"Leider bisher noch nichts. In der Analyse konnten keine Fingerabdrücke gefunden werden. Fest steht nur, dass die Nachricht von einem Mann geschrieben wurde. Ich habe einige Akten auf ähnliche Formulierungen und Handschrift durchgesehen, konnte bisher jedoch noch keine Übereinstimmungen finden.", antwortete er.
"Wissen sie, wer das Opfer ist?", fragte ihr Vorgesetzter und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.
"Ihr Name war Samantha Walters. Sie war 37 Jahre alt. Das ist jedoch zu diesem Zeitpunkt alles, was wir von ihr wissen.", erklärte Scully ruhig.
Skinner nickte nachdenklich.
"Haben sie eine Ahnung, wer ein solches Spielchen mit ihnen spielen wollte, Agent Mulder?", erkundigte er sich. Mulder sah unsicher auf seine Hände, die er in seinem Schoss gefaltete hatte und schüttelte langsam den Kopf.
"Nein Sir, nicht die Leiseste.", erwiderte er schließlich und sah seinen Vorgesetzten an.
"Also gut. Ich möchte, dass sie beide vorübergehend in der Abteilung für Gewaltverbrechen mitarbeiten und zusehen, dass dieser Irre möglichst schnell geschnappt wird.", meinte Skinner endlich und erhob sich.
"Aber Sir, können Scully und ich nicht unsere eigenen Ermittlungen führen. Der Typ hat sich doch mit irgendeiner Absicht an mich gewandt. Ich verstehe nicht, warum wir dazu die Abteilung wechseln müssen." Mulder sprang ebenfalls auf und trat dem Assistent Director in den Weg.
"Agent Mulder, sie wissen genauso gut wie ich, dass dieser Fall in die Abteilung für Gewaltverbrechen gehört, also denke ich nicht, dass wir hier noch lange diskutieren müssen. Ich verlange von ihnen, dass sie sich in der Abteilung melden. Der Chef der Abteilung, Special Agent Dinnley, weiß bereits Bescheid und wartet wohl schon auf sie. Ich erwarte, dass sie sich zusammenreißen und mit den Jungs da unten zusammen arbeiten. Außerdem erwarte ich nach wie vor, dass sie mich über neue Erkenntnisse auf dem Laufenden halten. Ist das klar?", erwiderte Skinner streng und schob sich an Mulder vorbei. Scully erhob sich nun ebenfalls und trat neben Mulder.
"Ja, Sir.", meinte Mulder knapp und drehte sich abrupt um. Dana nickte ihrem Vorgesetzten zum Abschied noch einmal zu und folgte Mulder dann hinaus auf den Flur.

~~~~~

"Special Agent Dinnley? Ich bin Special Agent Mulder, das ist meine Partnerin , Special Agent Scully. Director Skinner sagte, dass sie uns schon erwarten würden." Mulder streckte dem großen, stabilen Mann die Hand entgegen, als er sich und Dana vorstellte.
Dinnley musterte erst ihn und schließlich auch Scully eingehend und erwiderte dann die Geste.
"Ja, in der Tat. Der Assistent Director hatte sie angekündigt und uns mit wenigen Worten in den Fall eingewiesen. Ich habe hier ein kleines Team zusammengestellt, das mit ihnen zusammen den Fall bearbeiten wird." Der Agent führte sie in einen etwa dreißig Quadratmeter großen Raum. Acht Personen standen und saßen dort und unterhielten sich angeregt miteinander. Mulder verschaffte sich schnell einen Überblick über den Raum. Es handelte sich um einen typischen Scherz eines Architekten, denn das Zimmer war so verwinkelt, dass es sehr viel weniger Platz bot, als es eigentlich sollte. Es waren insgesamt fünf Tische untergebracht. Zwei davon sehr groß, der Rest als einfache Schreibtische zu nutzen. Ein Diaprojektor stand an einer Seite des Raumes, direkt neben einem Overheadprojektor. Zwei Wände waren ganz frei. Die eine konnte sowohl für Tatortfotos, als auch für Diavorführungen genutzt werden, die andere war eigentlich für nichts wirklich zu gebrauchen, da sie sehr klein war und dann abknickte, wodurch der Raum im hinteren Bereich sehr schmal aber lang war. In der dritten Wand war die Tür durch die sie hineingekommen waren und zwei große Glasfenster, die eine Verbindung zum angrenzenden Raum darstellten. Mulder hatte sich immer schon gefragt, warum die Räume immer durch diese Fenster miteinander verbunden waren, doch ihm war nie wirklich ein plausibler Grund eingefallen. In der vierten Wand war nicht nur eine nicht zu gebrauchende Einbuchtung, sondern auch noch zwei weitere Türen, die vermutlich zum Kopierraum und in eine Abstellkammer führten.
"Leute, das hier sind Special Agent Mulder und Special Agent Scully. Sie sind aus der Abteilung X-Akten und sie werden den Fall leiten." Stellte Dinnley sie vor. Mulder nickte mit unbeteiligter Miene den Agenten zu und Scully brachte ein leichtes Lächeln zustande.
Dinnley stellte die Crew vor und Mulder musterte die dazugehörigen Personen kurz, jedoch gründlich.
"Das ist Agent William Bones..." dabei deutete Dinnley auf einen relativ kleinen Mann mit dunkler Hautfarbe. Der Agent wirkte irgendwie gedrungen, obwohl Mulder nicht genau sagen konnte, was an dem Anfang Fünfzig Jährigen Mann diesen Eindruck erweckte.
Dinnley deutete auf den nächsten Mann in der Runde.
"Agent Steven Peters.", stellte er ihn knapp vor. Der Agent war durchschnittlich groß, gut beleibt und ebenfalls von schwarzer Hautfarbe. Mulder erinnerte sich, dass er fast zehn Jahre älter war, als er selbst. Peters hob kurz grüßend die Hand, was Mulder erwiderte. Sie hatten vor mehr als zehn Jahren in dieser Abteilung zusammen gearbeitet.
"Thomas Smith." Die Vorstellung ging weiter. Smith hob gleich beim erwähnen seines Namens grüßend die Hand und lächelte den Agenten freundlich zu. Er hatte ebenfalls mit Mulder zusammen gearbeitet. Agent Smith war, abgesehen von Scully, wohl die kleinste Person in der Runde. Mulder schätzte, dass er nicht größer als ein Meter achtundsechzig war. Er hatte blonde, kurzgeschnittene Haare und einen durchtrainierten Körper.
"Agent Leonard Spangler. Er war früher mal bei der Bombenkommission.", stellte Dinnley den vierten im Bunde vor.
Spangler war ein durchschnittlich großer, sehr muskulöser Mann von Ende dreißig. Seine braunen Haare trug er streng nach Vorschrift, also sehr kurz und als Dinnley seinen Namen genannt und auf ihn gedeutet hatte, nahm er tatsächlich Haltung an. Mulder hatte Mühe, sich ein Grinsen zu verkneifen.
"Das ist Agent Jonathan Bears.", riss ihn die Stimme des Abteilungsleiters aus seinen Gedanken. Bears war ein recht großer Mann, bestimmt einen Meter fünfundneunzig groß. Seine Arme hatte er demonstrativ vor der Brust verschränkt und er blitzte Mulder durch seine Brillengläser hindurch herausfordernd an. Es würde nicht leicht werden mit diesem Mann.
"Agent Philipp Green." Dinnley wies auf einen blassen Mann mit roten Haaren. Er war durchschnittlich groß und auffallend schlank. Mulder schätzte ihn auf Ende vierzig und vermutete, dass der Mann Brite war.
"Agent David Walsh."
Der Mann nickte ihnen freundlich zu. Agent Walsh war nicht besonders groß und von fortgeschrittenem Alter. Mulder war sich sicher, dass er die sechzig schon überschritten hatte. Er war von schwarzer Hautfarbe und auf seinem Kopf kräuselten sich graue Locken.
"Und zum Schluss noch Agent Robert Miller." Dinnley deutete auf einen fast zwei Meter großen und sehr schlaksigen jungen Mann. Er war mit Abstand der Jüngste in der Crew und er erwiderte Mulders Blick unsicher.
"Die Männer werden mit ihnen zusammen diesen Fall bearbeiten.", meinte der Leiter der Abteilung Gewaltverbrechen abschließend.
"Ich hoffe, sie wissen noch wie man richtige Mörder schnappt und haben nicht alles verlernt, während sie hinter kleinen grünen Männchen hergejagt sind.", meinte Dinnley und drehte sich mit einem Lachen in Gesicht um, um wieder in sein Büro zu gehen. Die Männer lachten oder grinsten zumindest ebenfalls über den geistreichen Spruch ihres Vorgesetzten und Mulder verzog leicht das Gesicht.
"Witzig!", hörte Scully ihn murmeln.
Langsam beruhigten sich die Männer wieder und schließlich erhob sich der große, schlaksig aussehende Mann und reichte Mulder die Hand
."Bobby Miller.", stellte er sich vor und sah ihn ehrfürchtig an.
"Ich schlage vor, sie erzählen uns erst einmal worum es hierbei eigentlich geht. Wir wissen nämlich noch gar nichts, außer dass wir dem berüchtigten Fox Mulder hier zur Hand gehen sollen.", meinte schließlich ein anderer Agent. Mulder erinnerte sich, dass er als Agent Bones vorgestellt worden war.
Scullys Kopf schoß hoch und sie warf Mulder einen forschenden Blick zu, doch er zuckte nur die Achseln.
"Also gut.", meinte Mulder endlich und ging hinüber zum Overheadprojektor. Er entwirrte das Kabel und steckte es in die nächste Steckdose. Während er das Gerät ausrichtete erklärte er
"Wir sind letzte Nacht um kurz vor vier von Assistent Director Skinner zu einem Tatort gerufen worden. Ein Officer vom 19. Revier hatte ihn angerufen und ihn um meine Unterstützung gebeten."
"Wieso? Hatte er kleine grüne Männchen gesehen, die ihn entführen wollten?", hörte Scully einen der Männer leise murmeln. Die anderen lachten prustend auf und Scully sog scharf die Luft in die Lungen. Das konnte ja heiter werden. Glaubten die Männer, Mulder sei taub?
Mulder zeigte mit keiner Reaktion, dass er den Mann gehört hatte, ging zum Lichtschalter und löschte das Licht. Wieder am Projektor angekommen legte er die Nachricht auf und schaltete das Gerät ein.
"Diese Nachricht wurde bei der Leiche gefunden. Wir wissen noch nicht von wem sie stammt. Es wurden keine Fingerabdrücke gefunden, sicher ist nur, dass sie von einem Mann stammt.", führte er weiter aus.
"Sie ist der Grund, warum wir zu dem Fall hinzugezogen wurden.", erklärte er. Er ließ den Zettel einen Moment liegen, damit die Agenten genug Zeit hatten, die Nachricht in Ruhe zu lesen, ehe er ihn durch eines der Tatortfotos ersetzte.
"Die Leiche ist weiblich. Ihr Name war Samantha Walters." Übernahm nun Scully die Berichterstattung. Sie erzählte mit knappen Worten, was die Obduktion ergeben hatte und Mulder wechselte von Zeit zu Zeit das Foto. Als sie geendet hatte, schaltete er das Licht wieder ein.
"Gibt es einen Zeugen?" erkundigte sich Thomas Smith.
"Wir konnten das bisher nicht überprüfen. Aber die Leiche wurde von einem Mann namens Peter Bower gefunden. Er arbeitete letzte Nacht in der Firma um die Ecke und wollte sich schnell ein paar Zigaretten holen. Ich habe die Angaben heute morgen überprüft, sie sind korrekt." erklärte Mulder.
"Was ist über die Leiche bekannt?", wollte Bones wissen.
"Das wäre das Nächste auf der Liste. Außer dem Namen, Alter und Wohnsitz haben wir noch nichts von der Frau. Es wäre gut, wenn das mal jemand in die Hand nehmen könnte." Sagte sie ruhig.
"Wollen wir das übernehmen, Jon?", wandte sich Bones an einen der anderen Agenten. Ein relativ großer, schwarzer Mann mit Brille nickte ihm zu.
"Sicher, können wir machen.", meinte er, allerdings wenig begeistert. Er erhob sich. Scully erinnerte sich daran, dass er der Mann gewesen war, der vor wenigen Minuten den Spruch über die kleinen grünen Männchen gebracht hatte.
"Agent Scully, können sie uns die Adresse geben?", wandte er sich an Dana. Sie nickte.
"Ich habe sie hier vorne, Agent...?" Sie sah ihn fragend an.
"Bears.", half ihr der Mann aus und lächelte falsch.
"Es tut mir leid, Agent Bears. Das ging eben alles so schnell.", meinte sie kühl und ging zu dem Tisch hinüber, auf den Mulder die Akte gelegt hatte. Nachdem sie die Fotos zur Seite geschoben hatte, die Mulder einfach oben auf gelegt hatte, nannte sie dem Agenten noch einmal den Namen der Frau.
"Sie war 37 Jahre alt.", erklärte sie und gab ihm die Adresse, die sie vom Führerschein der Toten erfahren hatte.
Agent Bears drehte sich ohne ein weiteres Wort um und machte sich mit Agent Bones auf den Weg.
"Die Leiche wurde in einer Seitenstraße entdeckt. Es gibt dort nicht viele Anwohner. Die meisten Gebäude stehen leer. Ich denke, wenn sich vier Mann darum kümmern mit den Menschen dort zu sprechen, müsste das reichen.", meinte Mulder gerade und vier Agenten standen spontan auf und machten sich auf den Weg.
"Was sollen wir tun?", wollte Agent Miller wissen und deutete auf sich und Agent Spangler.
"Es wäre gut, wenn sie in die Firma fahren könnten, in der Peter Bower arbeitet, um sich mal umzuhören, was das für ein Mensch ist. Er ist im Moment die einzige Person, an die wir uns halten können.", erwiderte Mulder nach einem kurzen Moment.
"Und was werden sie tun?", wollte Spangler wissen.
"Wir werden uns noch mal einige Akten vornehmen und sie auf ähnliche Formulierungen und Handschrift durchsehen. Irgendwo muss es einen Hinweis auf den Täter geben.", entgegnete Mulder.
Spangler nickte und machte sich ebenfalls mit Miller auf den Weg, um mit einigen Mitarbeitern der Firma zu reden.

~~~~~

Mulder rieb sich müde die Augen und legte die Akte zur Seite. Er hatte bereits 47 Akten durchgesehen und auch Scullys Stapel mit den schon bearbeiteten Akten wuchs unaufhörlich, und doch hatten sie bisher nichts gefunden, was ihnen irgendwie weiter helfen konnte. Nur einmal hatten sie ihre Arbeit unterbrechen müssen, als eine Dame aus dem Labor ihnen die Fotos der Schaulustigen vom Tatort gebracht hatte. Noch mehr Arbeit. Dir Fotos mussten genau studiert werden. Mulder wollte sie sich später vornehmen, um nach einem oder mehreren bekannten Gesichtern zu suchen. Manche Mörder wurden vom Tatort wie magisch angezogen und kehrten später als Schaulustige wieder zurück, sich still darüber freuend, dass sie so eine Aufmerksamkeit bekamen.
Er erhob sich und streckte den Rücken dabei durch, die Hände im Nacken gefaltet. Scully sah auf und lächelte ihm leicht zu.
"Möchtest du einen Kaffee?", wollte Mulder wissen und sah sie liebevoll an.
"Ich könnte glatt jemanden dafür töten.", erwiderte sie und streckte sich nun ebenfalls.
"Das wird, glaube ich, nicht nötig sein.", grinste er und verließ den Raum, um sich und Scully einen Kaffe zu besorgen.
Nur wenig später kam er mit zwei Bechern beladen wieder und reichte ihr einen.
"Danke.", murmelte sie geistesabwesend und senkte ihren Kopf wieder in die Mappe.
"Hast du was?" Mulder trat neugierig hinter sie und schaute über ihre Schultern.
Seine Augen zu zwei Schlitzen verengt, las er eine markierte Stelle in einem Bericht. Schließlich schüttelte Scully seufzend den Kopf.
"Nein, das ist nichts. Ich dachte, ich hätte hier was, aber ich habe mich getäuscht.", meinte sie.
Mulder nickte und setzte sich wieder auf seinen Platz, ihr gegenüber. Mit einem tiefen Seufzer langte er nach der nächsten Mappe und öffnete sie.

~~~~~

Die Männer trudelten nach und nach wieder ein. Die vier, die sich um die Anwohner rund um den Tatort kümmern sollten, waren um kurz nach vier die letzten, die sich in das Büro begaben und erschöpft auf die Stühle sinken ließen.
Scully und Mulder hatten bis zu dieser Minute Akten durchgesehen und waren über das Eintreffen der Männer noch mehr als glücklich, bedeutete es doch eine Abwechslung in der langwierigen und anstrengenden Arbeit.
"Also gut, Leute. Ich schlage vor, dass wir der Reihe nach unsere Ergebnisse zusammen tragen, oder hat jemand etwas dagegen einzuwenden?" Mulder erhob sich, und sah in die Runde.
"Also ich weiß ja nicht, wie es euch geht, Jungs, aber ich habe einen verdammten Kohldampf. Wollen wir nicht erst eine Pause machen?" Agent Green sah seine Kollegen an. Allgemeine Zustimmung wurde laut. Auch Scully fiel ein, dass sie noch nicht einmal gefrühstückt hatten, geschweige denn, Mittag gegessen.
Mulder nickte leicht.
"Nun ja, ich hatte kurz darüber nachgedacht, aber ich bin mir sicher, dass wir den
Fall heute sowieso nicht lösen können und wollte eigentlich vorschlagen, dass wir nach dieser Besprechung hier Feierabend machen.", meinte er.
Damit waren alle einverstanden und so begannen Bones und Bears mit ihrem Bericht über das Opfer.
"Also, Samantha Walters, 37 Jahre alt und, wie wir feststellen konnten, ledig. Sie war zurzeit in keiner festen Beziehung. Wir haben mit ihren Eltern und ihrem Bruder gesprochen, nachdem wir uns in der Wohnung umgesehen hatten. Wir konnten keinen Drohbrief finden, weder bei der Post von Gestern, noch in der aktuellen Post. Auch im Mülleimer war nichts dergleichen. Mrs. Walters, Samanthas Mutter, meinte, dass ihre Tochter nie erwähnt hätte, dass sie sich bedroht fühlte.", erzählte Bears und sah in die Runde.
"Konnten sie feststellen, wie der Mörder auf sie aufmerksam wurde?", warf Mulder ein.
"Eine Freundin, die mit Samantha zusammen wohnte, kam gerade, als wir uns in der Wohnung umsahen und erzählte, dass Samantha eine sehr kontaktfreudige junge Frau gewesen sei. Sie habe in einer Bar gekellnert, was auch erklären würde, warum sie um diese Zeit alleine unterwegs war. Sie kam von der Arbeit nach Hause, als sie vom Mörder überrascht wurde. Sie hatte mehrere Termine in der Woche, wie zum Beispiel einen Tanzabend, mehrere Volkshochschulkurse, und ein Nachmittag im Schwimmbad. Da hätte der Täter ohne weiteres auf sie Aufmerksam werden können.", führte Bones auf.
"Was waren das für Kurse?", wollte Scully wissen.
Bears sah auf seinen Zettel.
"Kulturelles Leben in China, Töpfern und der Literaturkurs für Fortgeschrittene.", zählte er auf. Mulder nickte.
"Das heißt also, der Mörder könnte überall lauern. Es könnte aber auch genauso gut sein, dass er einfach nur in einem Hauseingang gestanden hat und auf die nächste Frau, die ihm über den Weg laufen würde, gewartet hat, und ihr dann in eine Seitenstraße gefolgt ist. Wir können unmöglich alle Männer überprüfen, die Kontakt zu der Toten hatten.", seufzte er.
Agent Miller ergriff das Wort.
"Leonard und ich waren in der Firma und haben mit den Kollegen von Bower gesprochen.", begann er. "Die Männer dort haben ihn als ruhigen, friedlichen Menschen beschrieben, der seine Arbeit tut. Sie gaben uns die Adresse von Kollegen, die in der letzten Nacht mit dem Mann gearbeitet hatten und wir konnten so das Alibi überprüfen, das Bower letzte Nacht gegeben hat. Er war tatsächlich die ganze Zeit am Arbeitsplatz, ist erst um halb vier losgegangen, um Zigaretten und für einen Kollegen einen Schokoriegel zu besorgen.", meinte er.
"Dann kann er unmöglich der Mörder sein. Die Frau wurde ziemlich genau um zwei Uhr fünfzehn getötet.", erklärte Dana.
Mulder nickte.
"Das habe ich auch nicht vermutet. Ich wollte nur sicher gehen.", meinte er. "Und, was hat die Befragung der Anwohner ergeben?", wollte er schließlich wissen.
Agent Peters schüttelte resigniert den Kopf.
"Nichts. Auf der ganzen Linie eine Pleite. Nicht einer der Anwohner hat auch nur ansatzweise etwas mitbekommen.", meinte er.
"Verdammt!" Mulder trat mit dem Fuß an eines der Tischbeine. Er stemmte seine Hände in die Hüften und lief unruhig auf und ab.
"Also gut.", fuhr er schließlich fort. "Machen wir für heute Feierabend. Gehen sie nach Hause, Agents. Vielleicht haben wir morgen mehr Glück." Die Männer erhoben sich und gingen langsam aus dem Büro hinaus. Mulder konnte hören, wie Walsh einen seiner Kollegen fragte, ob sie noch einen trinken gehen wollen. Der Vorschlag fand große Zustimmung. Scully seufzte und langte nach einer Akte.
Sie hatte sie gerade aufgeschlagen, als ein Klopfen am Fenster neben der offenen Tür sie aufsehen ließ.
Agent Peters sah von Mulder zu Scully und wieder zurück.
"Kommt ihr nicht mit?", wollte er wissen.
Mulder schüttelte leicht den Kopf.
"Nein, ich möchte noch einige Akten und die Fotos durchsehen, Steven.", antwortete er.
"Braucht ihr Hilfe?", erkundigte sich der Agent.
"Nein! Du und die Jungs, ihr habt genug getan für heute. Genießt euren Feierabend." Mulder lächelte ihm zu.
Steven sah rüber zu Scully, die sich wieder ihrer Akte gewidmet hatte, und zuckte die Achseln.
"Also gut. Wie du meinst.", nuschelte er und drehte sich schließlich um.
Mulder ließ sich schwer auf seinen Stuhl fallen und griff sich eine Akte. Sorgsam blätterte er sie durch und verglich die handschriftlichen Dokumente mit der Nachricht.

~~~~~

Es war bereits kurz nach elf Uhr, als Scully der Kopf wegrutschte und auf der Tischplatte liegen blieb. Mulder sah von seiner Akte auf und betrachtete sie einen Moment. Ihre gleichmäßige Atmung zeigte ihm, dass sie eingeschlafen war.
Leise stand er auf und trat neben sie. Nachdem er sich langsam in die Hocke gleiten lassen hatte, fuhr er ihr sanft mit einem Finger über die Wange.
Langsam schlug sie ihre Augen auf und blinzelte ihn an. Es dauerte einen Moment bis sich ihre Augen auf ihn eingestellt hatten. Als sie ihn erkannte, setzte sie sich langsam auf und lächelte ihn verlegen an.
"Lass uns nach Hause fahren.", flüsterte Mulder und fasste sanft nach ihrer Hand.
Sie nickte leicht.
"Kannst du noch fahren?", wollte sie wissen.
"Ich denke schon.", erwiderte er und zog sie hoch und direkt an seine Brust.
Besitzergreifend schloss er seine Arme um ihren schlanken Körper und lächelte. Scully hob ihren Kopf und sah ihn an.
"Wie spät ist es?", erkundigte sie sich und schlang ebenfalls ihre Arme um seine Hüften.
"Kurz nach elf. Wir sind jetzt seit neunzehn Stunden auf. Nach nur drei Stunden Schlaf in der letzten Nacht ist das ein viel zu langer Arbeitstag gewesen.", erwiderte er und löste sich von ihr. Er griff nach seinem Jackett und dem dünnen Mantel und sah sich dann nach Danas Sachen um. Stumm reichte er ihr ihren Mantel und die Tasche. Sie gingen zum Ausgang und Mulder löschte das Licht. Nachdem er die Tür abgeschlossen hatte, legte er seine Hand sanft und führend auf ihren Rücken und dirigierte sie zum Fahrstuhl.

Eine halbe Stunde später schloss Scully müde die Tür zu ihrem Apartment auf. Sie ließ ihren Mantel auf die Lehne des Sofas fallen und stellte ihre Tasche ab. Ein Blick über ihre Schulter zeigte ihr, dass Mulder seine Schuhe abgestreift hatte und diese nun mitten im Weg liegen blieben. Ein Lächeln bildete sich auf ihrem Gesicht und sie drehte sich ganz herum und sah ihn an.
Verwirrt blickte Mulder sie an und dann an sich hinunter.
"Was ist denn?", wollte er wissen, lächelte jedoch ebenfalls.
Scully schüttelte nur den Kopf und lächelte immer noch. Mulder trat auf sie zu, griff nach ihrer Hand und sah ihr tief in die Augen.
"Warum grinst du so?", erkundigte er sich unsicher.
"Ich habe nur gerade gedacht, wie sehr diese Schuhe dort drüben zur Wohnung gehören. Ich glaube, ich würde es vermissen, wenn ich nicht über sie stolpern könnte.", erwiderte sie und stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihn zu küssen.
"Soll ich sie zur Seite stellen?", fragte er und zog sie an sich.
Sie schüttelte schnell den Kopf.
"Nein, das sollst du nicht. Du sollst jetzt mit mir zusammen ins Bett kommen. Sonst schlafe ich nämlich gleich hier im Stehen ein. Und dann müsstest du mich ins Bett tragen, und du weißt ja, der menschliche Körper ist im Schlaf doppelt so schwer wie sonst.", grinste sie und zog ihn mit sich in Richtung Schlafzimmer.
"Du meinst also, ich könnte dich nicht tragen?", wollte er wissen und folgte ihr bereitwillig.
"Oh, normalerweise sicherlich. Aber nicht wenn du vollkommen müde und erschöpft bist.", meinte sie.
"Na, das wollen wir doch mal sehen." Grinste er und griff sowohl in ihren Rücken als auch in ihre Kniekehle und hob sie hoch. Ohne großartige Anstrengung trug er sie zum Bett und legte sie dort ab.
"Siehst du, ich habe es geschafft.", griente er.
"Ich habe ja auch nicht geschlafen.", erwiderte sie und rollte sich aus dem Bett heraus. Sie knöpfte ihre Bluse auf, während sie sie aus dem Bund ihres Rockes zog und streifte sie schließlich ab.
Auch Mulder begann damit, sich auszuziehen und zehn Minuten später lagen sie aneinander gekuschelt im Bett und driftete in den wohlverdienten Schlaf.

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Obwohl die gesamte Mannschaft praktisch ununterbrochen arbeitete, hatten sie auch nach acht Tagen noch keinen Hinweis darauf, wer der Mörder war. Es hatte keine weiteren Nachrichten gegeben, die Fasern und Haare konnten zwar analysiert werden, doch fand der Computer keinen dazu passenden Mann. Sie hatten mittlerweile einen Großteil der Akten durchgesehen, jedoch keine Übereinstimmungen gefunden und auch die Befragung von Mitgliedern des Sport- und Schwimmvereins, sowie der von Samatha Walters belegten Volkshochschulkurse brachte keine Hinweise auf den Mörder.
Obwohl Mulder auf den Fotos kein bekanntes Gesicht entdecken konnte, hatten Scully und Mulder Tage damit zugebracht, die Menschen zu überprüfen, die in jener Nacht neugierig an der Absperrung gestanden hatten, doch auch dort kamen sie nicht weiter. Offensichtlich kehrte der Mörder nicht an den Tatort zurück, um sich an der Aufregung, die er verursacht hatte, zu ergötzen.
Scully konnte beobachten, dass Mulder immer nervöser wurde, je mehr Zeit verging.
Die Männer schienen dies ebenfalls zu merken, denn sie warfen sich immer wieder wissende Blicke zu.
Sie konnte hin und wieder Andeutungen vernehmen, in denen die Männer meinten, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis Mulder zusammenbrach oder aber ausrasten würde.
Mulder schien in der Abteilung Gewaltverbrechen tatsächlich einen besonderen Ruf zu genießen.

~~~~~

08. September 2001

Mulder stand gerade unter der Dusche, als das Telefon klingelte.
"Dana? Kannst du ran gehen?", rief er laut. Sie grinste und stolperte dann halb angezogen zum Telefon.
"Hallo?", meldete sie sich schnell.
"Agent Scully?", hörte sie Skinners Stimme am anderen Ende der Leitung.
"Ja.", erwiderte sie knapp.
"Ich bin es, Skinner. Es hat einen weiteren Mord gegeben. Ich möchte, dass sie beide sofort zum Tatort fahren.", meinte ihr Vorgesetzter.
"Ja, Sir. Wir sind in einer halben Stunde da.", sagte sie, nachdem Skinner ihr die Adresse genannt hatte. Nachdem sie den Hörer aufgelegt hatte, ging sie langsam ins Badezimmer. Mulder hatte das Wasser mittlerweile abgestellt und stand nun, ein Handtuch um die Hüften geschlungen vor dem Spiegel und putzte sich die Zähne.
Neugierig sah er auf und sie direkt an. Als er ihren Gesichtsausdruck sah, legte er die Zahnbürste zur Seite und trat einen Schritt zurück.
"Fox, es hat einen weiteren Mord gegeben. Wir sollen sofort zum Tatort kommen.", sagte sie und griff nach seiner Hand.
Er sah sie einen Moment lang an und Scully konnte beobachten, wie sich seine Gesichtszüge verhärteten. Seine Kiefer waren fest aufeinander gepresst und seine Nasenflügel bebten leicht.
"Verdammter Mist!", schrie er und schlug mit der Hand gegen den Schrank, der neben der Tür stand.
"Fox, komm schon. Wir wussten alle, dass es vermutlich wieder passieren würde, und wir haben schon beinahe rund um die Uhr gearbeitet. Mehr saß einfach nicht drin. Wir müssen jetzt zu sehen, was wir finden können.", sagte sie ruhig und legte ihre Hand an seine Wange.
Langsam nickte er.
"Ja, du hast ja Recht. Aber ich kann mir nicht helfen. Dieser zweite Mensch ist nur gestorben, weil ich irgendwann mal jemanden verärgert habe, und ich konnte es noch nicht mal verhindern.", seufzte er schwer.
Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und gab ihm einen Kuss.
"Diese Person ist gestorben, weil irgend so ein Irrer es wollte, nicht weil du ihn verärgert hast.", sagte sie leise.
"Und jetzt zieh dich an, wir müssen los. Je weniger Leute am Tatort herum getrampelt sind, desto mehr Spuren wirst du finden." Sie drehte sich um und ging zurück ins Schlafzimmer, um sich fertig anzuziehen.

~~~~~

Bei dem Tatort handelte es sich um einen dreckigen Hinterhof von einem schäbigen Wohnhaus. Der Platz war weiträumig abgesperrt und obwohl es bereits hell war, konnte man doch von weitem das Blitzlichtgeflacker sehen. Skinner empfing sie, als sie unter dem gelben Absperrband her krochen und begrüßte sie knapp.
"Morgen Agents."
"Sir." Mulder nickte ihm zu.
"Wurde wieder eine Nachricht bei der Leiche gefunden?", kam er gleich zur Sache. Der Assistent Director schüttelte den Kopf.
"Was lässt sie dann glauben, dass es der gleiche Mörder war?", wollte Scully erstaunt wissen.
"Sehen sie sich die Leiche an, Agent Scully, dann werden sie wissen, wie wir auf die Idee kamen.", murmelte ihr Vorgesetzter. Scully warf Mulder einen kurzen Blick zu. Dieser nickte kaum merklich und sie drehte sich um und trat an den mit einem weißen Tuch bedeckten Körper heran. Sie war um die Leiche herum getreten und hockte sich nun hin. Nachdem sie ein Paar Latexhandschuhe aus ihrer Manteltasche gefischt und diese übergezogen hatte, hob sie das Tuch an. Mulder konnte die Leiche nicht erkennen, sah jedoch Scullys Reaktion. Sie verzog kurz erschrocken und leicht angewidert ihr Gesicht.
"Wer hat die Leiche gefunden?", wandte er sich an Skinner.
"Der Mann dort drüben. Er war nicht einmal in der Lage, selber die Polizei zu informieren, so geschockt war er." Skinner deutete mit dem Kopf auf einen kleinen Herren mit Halbglatze. Mulder schätzte ihn auf Ende sechzig. Er hatte einen dieser kleinen Cäsar-Hunde auf dem Arm und redete ununterbrochen auf das Tier ein.
Mulder seufzte und ging zu dem Mann herüber. Seine linke Hand fischte nach seinem Ausweis in der Tasche, während er ihm die rechte hinstreckte. Zögernd ergriff der Mann die angebotene Hand und sah dann auf den FBI-Ausweis.
"Guten Morgen. Mein Name ist Fox Mulder und ich bin vom FBI. Ich würde ihnen gerne einige Fragen stellen.", stellte Mulder sich vor.
Der Mann nickte langsam.
"Mein Name ist Dennis Silver. Und das hier", er deutete auf den kleinen Hund "ist Bonger."
"Also gut, Mr. Silver. Können sie mir sagen, was sie hier gemacht haben?", erkundigte Mulder sich.
"Ich wollte mit Bonger spazieren gehen. Wissen sie, wir gehen jeden Tag hier unten raus. Dort hinten ist der Zaun ein wenig beschädigt und da quetschen wir uns dann durch, dann ist man schneller an dem kleinen Fluss, der da hinten fließt, als wenn man erst einmal halb um den Block laufen müsste.", erklärte Silver.
"Gehen sie und Bonger immer zur selben Zeit hier her?", wollte Mulder wissen.
"Ja, immer um kurz vor sechs. Wissen sie, durch meine Arthritis kann ich nicht so lange liegen und Bonger ist auch ein Frühaufsteher. Wir gehen jeden Morgen um kurz vor sechs weg und kommen um halb sieben wieder. Dann Frühstücken wir. So geht das jeden Tag." Der Mann nickte lebhaft.
"Wie haben sie die Leiche entdeckt?", fragte Mulder.
"Bonger hat so schrecklich gekläfft und an der Leine gerissen und so habe ich nachgesehen, was er hat. Es war ein schrecklicher Anblick. Ich hätte fast einen Herzinfarkt bekommen!" Silver griff sich anschaulich an die Brust.
"Ist ihnen sonst irgendetwas aufgefallen? Haben sie irgendetwas gesehen oder gehört, bevor sie mit Bonger rausgegangen sind? Oder haben sie vielleicht jemanden weglaufen sehen?", fragte Mulder nach.
"Nein! Nein, da war niemand. Meinen sie etwa, der Mörder hätte vielleicht noch hier sein können?" Silver verlor nun auch den letzten Rest Farbe aus seinem Gesicht. Mulder schüttelte beruhigend den Kopf.
"Ich kann es zwar nicht ganz sicher ausschließen, aber ich denke es eigentlich nicht. Mr. Silver, ich danke ihnen, dass sie mir ihre Zeit geopfert haben. Falls noch Fragen auftauchen sollten, melden wir uns bei ihnen.", verabschiedete er sich und ging zurück zu seinem Vorgesetzten.
Er trat gerade neben Skinner, als einer der Polizisten auf die beiden Männer zutrat.
"Agent Mulder?" Er sah fragend von einem zum anderen. Mulder nickte leicht.
"Was gibt es?", wollte er wissen.
"Sir, wir fanden eine Lederschürze, und dachten uns, dass sie sich die vielleicht ansehen wollten.", meinte der Mann. Mulder nickte wieder und folgte dem Polizisten. Der Mann blieb schließlich stehen und deutete auf eine hellbraune Lederschürze, die nicht weit von der Leiche entfernt auf dem Boden lag. Mulder ließ sich in die Hocke gleiten und kramte in seiner Manteltasche nach einem Paar Handschuhen, die er sich schließlich überzog. Vorsichtig zog er die Schürze auseinander, konnte jedoch auf den ersten Blick nichts Auffälliges daran entdecken, außer, dass sie über und über mit Blut bespritzt war.
"Ich nehme an, dass der Mörder sie bei der Tat getragen hat, um seine Kleidung zu schützen.", murmelte er. Aus irgendeinem Grund kam ihm das ganze Szenario merkwürdig bekannt vor, doch konnte er im Moment noch keine Verbindung zu einem früheren Fall herstellen.
"Könnte die Schürze von einem Schuster oder einem Schmied sein?", hörte er Skinner fragen. Mulder zuckte die Achseln.
"Ich bin mir nicht sicher. Ein Schuster vielleicht. Schmiede gibt es nur noch selten, und dann auch eher in ländlichen Gegenden. Wir werden die Schürze auf Fingerabdrücke und Rückstände untersuchen lassen." Mulder erhob sich und bedeutete dem Polizisten, dass er die Schürze einpacken konnte.
"Mulder, komm mal hier rüber!", hörte er Scully rufen. Sie stand noch immer bei der Leiche und winkte ihn zu sich.
"Können wir uns nicht darauf einigen, dass ich mir später die Bilder ansehe? Ich habe noch nicht gefrühstückt.", wollte Mulder wissen und verzog angewidert das Gesicht bei dem Gedanken an das Bild, das sich ihm gleich bieten würde.
"Ja, sicher, trotzdem gibt es hier etwas, das du dir ansehen solltest.", meinte sie, als er und auch Skinner zu ihr getreten waren.
"Was denn?", erkundigte Mulder sich.
Scully hob an der einen Seite das Tuch an, und Mulder konnte die Füße der Leiche sehen. Es handelte sich um Frauenfüße. Doch neben den Füßen lagen auch noch andere Gegenstände.
"Der Täter hat offenbar die Taschen der Toten durchwühlt, und deren Inhalt hier abgelegt.", meinte sie und deutete auf die Gegenstände. Es handelte sich um einige Münzen, einen Kaugummi und eine Busfahrkarte.
"Ist das fotografiert worden?", wollte Mulder wissen, nachdem er sich in die Hocke nieder gelassen hatte.
"Ja, Sir. Die Fotos sind bereits alle gemacht.", antwortete ein Polizist, der sich zu ihnen gesellt hatte.
"Gut.", murmelte Mulder und griff nach der Fahrkarte.
"Die Karte ist von Gestern. Möglich, dass der Täter die Frau in dem Bus getroffen hat.", überlegte er. Ein Griff in die andere Manteltasche brachte mehrere kleine Beweismitteltüten zum Vorschein und er packte die Gegenstände hinein.
Langsam erhob er sich und sah Scully an.
"Wirst du die Leiche jetzt obduzieren?", fragte er. Sie nickte.
"Ich habe schon einen Leichenwagen gerufen. Er müsste jeden Moment hier sein.", meinte sie.
"Gut, ich bringe die Sachen hier in die Analyse. Wir sehen uns dann nachher im Büro.", nickte Mulder und wandte sich um.

~~~~~

Es war bereits mittags, als Scully das Büro in der Abteilung Gewaltverbrechen betrat. Außer Mulder war kein anderer Agent da.
"Hey!", grüßte sie erschöpft und legte die Akte auf dem nächsten Tisch ab.
Mulder sah auf und musterte sie eingehend.
"Selber hey. War es sehr schlimm?", meinte er.
"Schlimm genug. Sind die Fotos schon fertig?", entgegnete sie.
"Ja, die aus dem Labor haben vor fünf Minuten angerufen, ich habe es nur noch nicht geschafft die Bilder zu holen.", meinte er.
"Dann mache ich das schnell. Wo sind denn die anderen alle?", wollte sie wissen.
"Ein Trupp von sechs Mann ist unterwegs, um die Anwohner in diesem Haus zu befragen und die anderen beiden reden mit den Angehörigen. Ich habe hier einen Bericht durchgesehen.", erklärte er.
"Willst du was zu essen haben? Ich könnte schnell in der Kantine vorbei gehen und einige Doughnuts besorgen.", erbot sie sich.
"Oh, das wäre toll. Ich sterbe fast vor Hunger.", lächelte er und griff nach ihrer Hand. Sie lächelte ebenfalls, sah sich jedoch leicht erschrocken um, ob sie auch niemand sah. Kein Mensch kümmerte sich um sie und Mulder führte ihre Hand blitzschnell an seinen Mund und küsste sie leicht. Er lächelte immer noch, als er ihre Hand wieder los ließ.
Scully drehte sich um und ging auf die Tür zu, kam dann jedoch noch einmal zurück
"Fox, bei der Autopsie musste ich feststellen, dass die Gebärmutter fehlte. Ich meine, neben vielen anderen wirklich widerlichen Dingen, war das mit Abstand das Schlimmste an dieser Autopsie und ich finde, dass du es wissen solltest, bevor ich hier gleich vor allen Leuten die Ergebnisse vortrage.", meinte sie leise.
Mulder blickte sie erschrocken an und sprang auf.
"Und wie geht es dir?", wollte er wissen und fasste wieder nach ihrer Hand. Einen engeren Körperkontakt konnten sie hier im Büro nicht aufnehmen.
Dana sah zu Boden schluckte hart.
Mulder legte zwei Finger unter ihr Kinn und hob sanft ihren Kopf an. Sie sah kurz in seine Augen, sah die Sorge um sie darin und blickte dann auf einen Punkt, der nur ein kleines Stück über seiner rechten Schulter lag.
"Ich bin in Ordnung.", sagte sie leise.
"Nein, das bist du nicht. Diese Tatsache hat dich wirklich getroffen, nicht wahr?", erwiderte er.
Sie senkte ihren Kopf wieder.
"Gott, Dana, es tut mir wirklich leid.", murmelte er. Er wünschte sich, dass er sie in den Arm nehmen und trösten könnte.
Sie machte sich von seinem Griff los und ging aus dem Büro.
"Ich werde jetzt die Fotos und die Doughnuts holen.", meinte sie. Mulder blickte ihr hinter her.


Zwanzig Minuten später reichte Scully Mulder eine Tüte mit Doughnuts und legte die Fotos in die Mappe. Mulder griff gierig nach einem Doughnut.
"Lass mal sehen.", nuschelte er mit vollem Mund. Sie reichte ihm die Mappe und stellte sich hinter ihn, um ihm über die Schulter sehen zu können.
"Uh!", stöhnte er, als er die Tatortfotos betrachtete.
"Ja, es war wirklich nicht schön.", kommentierte sie.
"Verdammt, dieses ganze Szenario kommt mir so bekannt vor. Ich kann mich nur nicht daran erinnern, woher ich es kenne.", sagte er mit einem verzweifelten Unterton.
Er runzelte die Stirn und sah weiter die Bilder durch.
Plötzlich sprang er auf.
"Was hast du?", fragte Dana erstaunt und sah zu, wie er in den Nebenraum ging und in einem Aktenschrank wühlte.
Mulder reagierte nicht auf ihre Frage und zog schließlich eine Mappe aus dem Schrank hervor. Noch bevor er die Schublade wieder geschlossen hatte und an den Tisch zurückgekommen war, schlug er sie auf und begann darin zu lesen.
"Hier ist es. Ich wusste doch, dass ich es schon mal gesehen hatte. Auf den Zeichnungen hier. Ich habe selber vor Jahren eine Abhandlung über den Mörder geschrieben. Noch in meiner Grundausbildung in Quantico.", murmelte er.
Scully trat hinter ihn. Während sie ihm über die Schulter sah und die Bilder betrachtete, trudelten nach und nach die anderen Agenten ein.
"Was haben sie da, Mulder?", erkundigte sich Agent Miller.
"Das Drehbuch für die Morde.", murmelte er, ohne jedoch von seiner Lektüre aufzusehen. Miller sah verwirrt zu Scully auf, doch die zuckte nur die Achseln.
Mulder riss sich von der Akte los und erhob sich. Er sah sich einmal im Büro um und registrierte, dass alle Agenten wieder da waren.
"Also, Leute, können wir mit dem Zusammentragen der Fakten beginnen?", fragte er laut und die Männer nickten. Scully konnte in den meisten Gesichtern eine gewisse Neugierde entdecken. Sie alle waren gespannt, was es neues gab.
"Gut. Ich denke mal, es wäre das Beste, wenn Scully anfangen würde.", meinte Mulder und begab sich zum Overheadprojektor um die Fotos aufzulegen. Scully löschte das Licht und begann, als das erste Foto an die Wand geworfen wurde, mit ihrem Bericht.
"Also. Der Name des Opfers ist Pheobe McCarthy. Sie war 35 Jahre alt. Der Zeitpunkt des Todes lässt sich ziemlich genau auf vier Uhr fünfzig festlegen. Der Frau wurde die Kehle durchtrennt. Wie hier auf dem Foto zu erkennen ist, hat sich neben ihrer linken Schulter eine große Blutlache gebildet. Offenbar hatte der Mörder versucht sie zu enthaupten, was ihm jedoch nicht gelang. Ihr Leib war aufgeschlitzt, die Gedärme über den Schultern verteilt. Auch ihre Vagina wurde aufgeschlitzt und der Täter hat die Gebärmutter entfernt. Diese konnte nicht bei den Organen gefunden werden, die er ihr über die Schultern gelegt hat, was den Schluss zulässt, dass er sie mitgenommen hat. Die Schnitte sind, wie auch bei dem ersten Mord mit chirurgischer Präzision geführt worden, was auf einen Arzt oder zumindest medizinkundigen Mann als Täter hindeutet.", berichtete sie.
Die Männer tuschelten leise miteinander.
"Wir haben uns mit dem Umfeld des Opfers beschäftigt.", übernahm Agent Smith. "Pheobe McCarthy war nicht verheiratet oder geschieden und lebte in keiner festen Beziehung, was eine Gemeinsamkeit mit dem ersten Opfer, Samantha Walters darstellt. Sie lebte alleine in einer Wohnung, die nicht weit vom Fundort der Leiche entfernt liegt. Es handelt sich jedoch nicht um das Haus, in dessen Hinterhof sie gefunden wurde. Ihre Eltern konnten uns nicht viel über die Gewohnheiten ihrer Tochter mitteilen, denn sie hatten sie lange nicht gesehen. Ihr Vater sagte aus, dass die Beziehung zu Pheobe nicht einfach gewesen wäre, und sie den Kontakt auf das Nötigste beschränkt hätten. Sie konnten uns jedoch die Namen von einigen Freundinnen nennen, mit denen wir uns dann in Verbindung gesetzt haben. Pheobe McCarthy wurde von ihren Freundinnen übereinstimmend als sehr ruhig und zurückhaltend beschrieben. Sie war Krankenschwester und im Memorial Hospital tätig. Offensichtlich war sie unterwegs zur Arbeit, als sie von dem Mörder überrascht wurde. Neben ihrer Arbeit hatte sie keine Hobbies. Die Busfahrkarte passte übrigens mit dem Wohnort einer der Freundinnen überein. Diese sagte aus, dass Pheobe sie gestern besucht habe.", erzählte Smith.
Mulder nickte.
"Danke, Tom.", meinte er und wandte sich an Agent Miller.
"Agent Miller, was hat die Befragung der Anwohner ergeben?", wollte er wissen.
Miller schüttelte den Kopf.
"Niemand hat etwas gesehen oder gehört. Genau wie beim letzten Mal. Wenn der Täter nicht hier rein marschiert und uns sagt , dann können wir das wohl vergessen. Schätze ich.", erklärte der große Mann bedauernd.
"Nun gut.", nickte Mulder.
"Viel habe ich auch nicht, aber wenigstens etwas. Die Namen der Opfer geben mir ganz deutlich zu verstehen, dass er sich die Frauen sehr genau aussucht. Das könnte auch der Grund sein, warum zwischen den Morden so viel Zeit liegt. Samantha war der Name meiner Schwester, und Pheobe ist der Name einer Mitschülerin aus Oxford, mit der ich befreundet war.", erklärte er.
"Ach ja, die berühmte Samantha Mulder und die eiskalte Pheobe Green.", murmelte Thomas Smith dazwischen.
"Ich denke jedoch nicht, dass das der einzige Grund ist, warum acht Tage vergangen sind, bis der zweite Mord geschah. Der Täter hat in dem Brief, den er bei der ersten Leiche hinterließ, angedeutet, dass er sich nach einem großen Vorbild richten wird. Auch dieses Vorbild steht mit mir im Zusammenhang und ist daher nicht zufällig gewählt. Es handelt sich um Jack the Ripper, den berüchtigten Schlitzer aus England, der dort 1888 sein Unwesen trieb und London in Angst und Schrecken versetzte. Ich habe während meiner Grundausbildung in Quantico eine Abhandlung über den Mörder geschrieben. Der Täter führt die Morde genauso aus, wie auch der Ripper es getan hat. Allerdings habe ich nicht die leiseste Ahnung, woher der Täter von dieser Verbindung wissen kann.", brachte Mulder seine Ausführungen zu Ende.
"Sie meinen also wirklich, dass wir es mit einem zweiten Jack the Ripper zu tun haben?", fragte Agent Bones noch einmal nach. "Das wäre aber ein verdammt schlechter Scherz!", grummelte er.
"Niemand hat gesagt, dass das hier ein Scherz ist, Agent Bones!", wies Scully ihn kühl zurecht.
"Oh, da war gerade die Eisqueen!", nuschelte Bears undeutlich und Scullys Lippen wurden zu zwei schmalen Strichen in ihrem Gesicht. Mulder ging zum Lichtschalter und stellte das Licht wieder ein. Der Projektor wurde wieder an seinen angestammten Platz zurück geschoben und die Männer sahen sich ratlos an.
"Und, was bedeutet das nun für uns, dass sie wissen, dass der Täter Jack the Ripper kopiert?", wollte Agent Spangler schließlich wissen.
"Wir wissen, wann der nächste Mord geschehen wird. Das heißt, wenn der Täter sich auch weiterhin an das Skript hält.", erklärte Scully.
"Genau genommen werden sogar zwei Morde geschehen. Der Ripper tötete beim dritten Mal zwei Frauen. Es wird allgemein vermutet, dass er bei dem ersten Mord gestört wurde und ihn daher nicht so vollenden konnte, wie er es gerne getan hätte, woraufhin er nur wenige Stunden später eine weitere Frau tötete, und dieses Mal verstümmelte er die Leiche wieder genau so, wie auch schon die Male zuvor.", ergänzte Mulder. Die Männer sahen betreten zu Boden.
"Und wann wird er wieder zuschlagen?", fragte Steven Peters schließlich.
"Am 30. September.", antwortete Mulder, ohne noch einmal in die Akte sehen zu müssen.
"Uns bleiben also zweiundzwanzig Tage um den Mörder zu fassen.", meinte Scully und fuhr sich mit der Hand über die Stirn.
"Na dann, an die Arbeit, Jungs!", murmelte Agent Walsh und die Männer machten sich daran, einige Akten einzusehen oder Berichte von den Vernehmungen zu schreiben.

Etwa anderthalb Stunden später wurden sie von einem jungen Mann unterbrochen, der unsicher in der Tür stand.
"Entschuldigen sie bitte, ist hier ein Special Agent Fox Mulder?", fragte er und blickte in die Runde.
"Dort drüben. Der große mit den dunklen Haaren. Der, der neben der Frau dort steht.", deutete Agent Miller auf einen Tisch.
Mulder stand mit Scully am Tisch. Auf der Tischplatte waren die Fotos ausgebreitet und sie diskutierten gerade über die Tatsache, dass die Gegenstände an den Füßen des zweiten Opfers angeordnet waren. Mulder war der festen Überzeugung, dass es etwas zu bedeuten hatte, doch Scully war der Meinung, dass es sich lediglich um einen Zufall handelte.
"Mulder, ich nehme an, dass der Mörder die Taschen der Frau durchsucht hat und sich an ihre Füße gestellt hat, als er die Sachen fallenließ. Zumindest war es damals sicher so. Unser Mörder hat lediglich den Ripper kopiert, und hat die Dinge daher so angeordnet. Ich denke nicht, dass er uns damit einen Hinweis geben wollte.", erklärte sie gerade. Mulder fuhr sich mit Daumen und Zeigefinger über den Nasenrücken und schüttelte den Kopf.
"Ich weiß nicht, Scully...", begann er, wurde jedoch von dem jungen Mann unterbrochen.
"Entschuldigung, sind sie Agent Mulder?", fragte der dunkelhaarige Mann und sah ihn unsicher an.
"Ja, der bin ich. Was kann ich für sie tun?" Mulder sah ihn neugierig an.
"Hier ist, ähm, ein Paket für sie, Sir." Der Mann überreichte ihm das Paket und wollte sich gerade umdrehen, als Scully ihn mit einem raschen Griff am Unterarm festhielt.
"Wer hat das bei ihnen abgegeben?", wollte sie wissen.
"Niemand, Ma`am, es ist mit der Post gekommen.", antwortete er erschrocken und wich zwei Schritte zurück.
"Danke sehr.", nickte Dana und sah dann zu Mulder rüber, der das Paketband bereits entfernt hatte.
Vorsichtig öffnete er den Kasten und blickte hinein. Ein weiterer rechteckiger Behälter war darin, zusammen mit einem Umschlag und Mulder hob beides aus dem Paket hinaus. Der Behälter war aus einem undurchsichtigen Plastik und Mulder betrachtete ihn argwöhnisch. Er legte den Briefumschlag zur Seite und griff behutsam nach dem Deckel des Gefäßes, um ihn abzuheben. Nach einem kurzen Moment legte er ihn zur Seite und blickte in den Behälter hinein. Ein lautes Keuchen entwich ihm, als er eine rote, fleischige Masse anstarrte und er wich automatisch zwei Schritte zurück.
Scully verzog leicht das Gesicht und machte ein angewidertes Geräusch.
"Was ist das?", wollte Agent Green wissen, der durch das Verhalten von Scully und Mulder aufmerksam geworden war.
"Wenn ich mal eine wilde Vermutung anstellen soll, würde ich sagen, dass ist die Gebärmutter von Pheobe McCarthy.", murmelte Mulder und hielt sich angesichts des Geruches, den das Organ verströmte, die Hand vor die Nase.
"Genau werden wir das erst wissen, wenn ich eine DNA-Analyse durchgeführt habe.", warf Scully ein und zog sich ein Paar Latexhandschuhe über, um die Masse genauer in Augenschein zu nehmen. Sie nahm das Organ aus dem Behälter heraus und betrachtete es von allen Seiten.
"Das ist auf jeden Fall eine Gebärmutter.", sagte sie bestimmt, als sie das Organ wieder in den Behälter legte. Sie zog sich die Handschuhe aus und warf sie in den Mülleimer, während Mulder sich welche anzog und den Briefumschlag öffnete.
Er zog einen Brief hervor und faltete ihn auseinander. Einige Fotografien fielen dabei aus dem Umschlag heraus.
Agent Miller wollte danach greifen, doch Scully hielt ihn zurück.
"Nicht ohne Handschuhe, bitte. Vielleicht finden wir Fingerabdrücke darauf.", meinte sie und deutete mit dem Kopf auf die Bilder.
"Entschuldigung!", murmelte Miller und angelte sich einen Handschuh.
Scully trat neben Mulder und sah ihm über die Schulter während er den Brief las.

>>Ich hoffe dieses kleine Präsent von mir zeigt Ihnen, dass ich diese Aufgabe sehr ernst nehme. Schließlich haben Sie mir immer vorgeworfen, dass ich nicht in der Lage wäre, mich auf etwas zu konzentrieren. Ich nehme an, dass Sie mein großes Vorbild in der Geschichte gefunden haben. Dann wissen Sie ja, wie es in einigen Wochen weiter geht. Bis dahin wünsche ich Ihnen viel Erfolg bei der Suche nach mir. <<




"Verdammt, der Mann macht sich über uns lustig!", fluchte Mulder und warf den Brief wütend auf den Tisch. Dana fasste ihn sanft am Unterarm, woraufhin er ihr einen verzweifelten Blick zuwarf.
"Dies hier wird ihnen auch nicht gefallen, schätze ich.", murmelte Miller und reichte ihm die Fotos. Mulder nahm sie ihm ab und sah sie durch.
Sie zeigten die beiden Opfer während der Täter auf sie zusprang, als sie bereits blutend am Boden lagen und um ihr Leben kämpften und als sie tot waren. Wieder keuchte Mulder angesichts der Angst und des Unglaubens, die er auf den Gesichtern sah.
Dann drehte er die Fotos um und sah sich das Papier an.
"Gibt es einen Stempel auf dem Paket?", wollte er gedankenverloren wissen. Agent Bears nahm den Kasten zur Hand und untersuchte ihn eingehend.
"Nein, hier ist nichts.", meinte er und legte ihn wieder auf den Tisch.
"Also gut. Ich werde jetzt die Gebärmutter nehmen und eine DNA-Analyse durchführen.", meinte Scully und nahm den Plastikbehälter zur Hand.
"Agent Green, könnten sie bitte den Brief und die Fotos in die Analyse bringen. Die Leute sollen nach Fingerabdrücken suchen und die Schrift mit der Schrift von der ersten Nachricht vergleichen. Außerdem brauchen wir eine Analyse des Fotopapiers, vielleicht können wir so herausfinden wo die Bilder entwickelt wurden.", bat Mulder.
"Sie können anschließend Feierabend machen, denn wir können zurzeit nichts weiter tun. Das gilt selbstverständlich auch für sie, meine Herren.", fügte er hinzu.
Da es mittlerweile schon fast sieben Uhr war, murmelten die Männer ihre Zustimmung und räumten ihre Sachen zusammen.

~~~~~

"Fox, wir arbeiten jetzt seit fast vier Wochen an der Sache, und wir sind noch keinen Schritt weiter. Es wird sicher auch nicht besser, wenn du wie ein gefangener Tiger hier im Schlafzimmer auf und ab läufst.", sagte Dana eines Abends sanft zu Mulder.
Abrupt blieb er stehen und sah sie an. Sie lag bereits im Bett und blickte ihn aus müden Augen an.
"Es tut mir leid. Ich versuche nur die ganze Zeit diese Puzzleteile zu einem Bild zusammen zu bringen. Ich bin ganz nahe dran, ich habe es im Gefühl.", erwiderte er.
Sie klopfte mit der Hand auf die Matratze und winkte ihn mit dem Kopf zu sich. Langsam kam er auf sie zu und lächelte.
"Versuch einfach mal, einen Moment nicht darüber nachzudenken. Du musst abschalten und dann wirst du morgen vielleicht klarer sehen.", meinte sie, während er sich zu ihr setzte und sie begann seine verspannten Schulter- und Nackenmuskeln zu massieren.
Mulder ließ das Kinn auf seine Brust fallen und brummte zufrieden.
Scully setzte sich auf ihre Knie und ließ ihre Arme über seine Schultern nach vorne zu seiner Brust gleiten. Sanft streichelte sie ihn durch das T-Shirt, welches er trug, hindurch.
Fox hob seinen Kopf und knabberte zärtlich an ihrem Ohr, das direkt neben seinem lag, da sie ihr Kinn auf seiner Schulter aufgestützt hatte.
Ein Stöhnen entwich ihrer Kehle und Mulder merkte, wie dieses Geräusch sofort Auswirkungen auf ein weiter unten gelegenes Körperteil hatte. Er grinste und drehte sich um, wobei er sich nach vorne lehnte und sie so unter sich auf das Bett drückte.
"Verfolgen sie hier irgendwelche Absichten, Agent Scully?" fragte er grinsend und schob ihr Schlaf-T-Shirt hoch, um ihren Bauch zu küssen.
"Ja, ich denke, dass könnte man so sagen, Agent Mulder. Ist es so offensichtlich?", erwiderte Scully und lachte leise. Mulder grinste und nickte.
"Ist das ein Ablenkungsmanöver?", wollte er zwischen zwei Küssen wissen.
"Ich glaube hier muss die Antwort ebenfalls ja lauten.", stöhnte sie und vergrub ihre Hände in seinen Haaren.
"Lernt man das als Frau auf der FBI-Akadmie?", nuschelte er, während seine Zunge um die Narbe auf ihrem Bauch kreiste, die ein weiteres Zeichen ihres nie enden wollenden Kampfes war. Sie wäre fast gestorben, damals.
"Nicht zu meiner Zeit. Aber meine Ausbildung liegt auch schon ein paar Jahre zurück. Ich habe es mir selber beigebracht.", meinte sie.
"Selber beigebracht? In welchem Zusammenhang?", verlangte er zu wissen, ohne jedoch seine Lippen wirklich von ihrem Bauch zu heben.
"Nun ja, ich habe da so einen fürchterlich ehrgeizigen Partner, der mit seinen Gedanken viel zu oft bei der Arbeit ist. Irgendwie muss ich ihn ja daran erinnern, dass ich auch noch da bin." Wieder stöhnte sie unter seinen Küssen auf und wand sich vor Wohlbehagen. Seine Hände arbeiteten sich langsam nach oben und griffen nach ihren Busen, um sie sanft zu kneten.
"Ich denke, du hattest Erfolg." Nun hob er seinen Kopf doch und grinste sie an. Sie sog zischend die Luft in die Lungen, als eine kühle Brise ihren feuchten Bauch streifte. Mulder rutschte ein Stückchen höher und verschloss ihre Lippen mit seinen. Seine Zunge strich sanft über ihre Lippen und bat um Einlass, den sie ihm nur zu gerne gewährte.
Ihre Zungen spielten ein verliebtes Spiel miteinander und Scully schickte ihre Hände auf Wanderschaft.
Sanft strich sie ihm über den Rücken, genoss das Gefühl seiner arbeitenden Muskeln unter ihren Fingerspitzen, auch wenn das T-Shirt die Empfindung dämpfte, und wanderte langsam hinab zu den Hüften. Sie fuhr unter sein T-Shirt und schob es langsam nach oben. Als sich ihre Lippen voneinander lösten, schob sie es ihm über den Kopf und warf es zur Seite. Sie drückte ihn zur Seite und rollte ihn herum, so dass er nun unter ihr lag. Mit einem überlegenen Grinsen sah sie auf ihn hinab.
"Da hast du`s. Du brauchst immer die Kontrolle!", neckte er sie. Scully grinste immer noch und nickte.
"Es erstaunt mich, dass es dir erst jetzt auffällt. Ich denke nicht, dass es schon mal anders war.", erwiderte sie und senkte ihren Kopf um seinen Bauch zu küssen. Mulder fühlte schon bald die rauhe Struktur ihrer Zunge, die um seine Brustwarzen spielte und ein Schauer des Verlangens jagte durch seinen Körper. Er stöhnte leise auf und das Grinsen auf ihrem Gesicht wurde noch breiter.
Langsam arbeitete sie sich tiefer und ihre Hände glitten unter den Bund seiner Boxershorts. Als sie nach ihm griff, keuchte er leise und hob ihr seine Hüften entgegen.
"Ich liebe es, wenn du die Kontrolle hast!", flüsterte er und streichelte ihre Oberarme. Scully lachte leise und zog ihm die Shorts aus. Sie plazierte ihre Lippen auf seiner Spitze und nahm ihn schließlich in den Mund. Ihre Zunge spielte um seine Länge, fühlte die pulsierenden Adern und sie begann vorsichtig an ihm zu saugen.
Sein Stöhnen wurde lauter und er griff ihr in die Haare, verflocht seine Hände darin und legte den Kopf in den Nacken. Seine Augenlieder klappten zu, als Scully das Tempo steigerte. Er brachte keine zusammenhängenden Silben mehr zustande, als sein Geist und sein Körper über die Klippen katapultiert wurden und er unter den Wellen des Orgasmus zitterte. Nachdem auch der letzte Schauer des Vergnügens verklungen war, zog er Dana nach oben und küsste sie leidenschaftlich. Seine Hände schoben sich nun unter ihr T-Shirt und er streifte es locker ab, als sie sich voneinander lösten. Scully lächelte leicht, als sie ihm in die Augen sah, die sie liebevoll und verlangend musterten.
Er beugte sich vor und saugte an ihrem Ohrläppchen, was ihr erneut ein Stöhnen entlockte. Scully drehte sich auf den Rücken und sah ihm zu, wie er etwas tiefer rutschte. Nur wenig später merkte sie, wie sich seine Lippen um ihre Brustwarze legten. Er knabberte leicht an ihr und merkte, wie sie prompt darauf reagierte und sich verhärtete. Scully stöhnte leise. Seine Lippen wanderten tiefer und er schob ihr Höschen ihre Beine hinunter. Mit Vergnügen sah er, wie feucht sie bereits war und er knabberte leicht an ihren Rippen, wohl wissend, wie empfindlich sie dort war.
"Fox!" stöhnte sie und er hob kurz seinen Kopf.
"Hmh?" er sah sie fragend an.
"Du bringst mich um den Verstand!" murmelte sie und grinste. Auch auf seinem Gesicht breitete sich ein Grinsen aus und er senkte den Kopf wieder. Dana schlang ihre Beine um seine Hüften, verhakte ihre Knöchel in seinem Rücken und spürte seine Erregung, die an ihrem Eingang pulsierte.
Sie stieß ihre Hüften ungeduldig gegen ihn und er sah mit einem spöttischen Glitzern in den Augen auf.
"Sei doch nicht so ungeduldig.", neckte er. Sie sah hinreißend aus. Ihre Wangen und auch die Haut über ihren Brüsten war rot angelaufen. Ihre Lippen leicht geschwollen und ihre Augen vor Verlangen verhangen.
"Bitte!", flüsterte sie und wie immer konnte er nicht anders, als ihr diesen Wunsch zu erfüllen. Mit einem vorsichtigen Stoß glitt er in sie und begann, sich langsam in ihr zu bewegen. Sie passten so perfekt zusammen, dass ihm ein Schauer über den Rücken jagte. Scully zog sich an ihm hoch und schlang ihre Arme um seinen Nacken, während sie ihm hungrig auf seine Bewegungen antwortete.
Fox beobachtete, wie sie sich auf ihre Unterlippe biss und vergrub schließlich seinen Kopf in ihrer Halsbeuge. Seine Hände lagen locker auf ihrer Hüfte.
Langsam führte er seine rechte Hand an ihren Rücken. Wie schon hunderte Male vorher, fand er auch jetzt, ohne hinschauen zu müssen, ihr Tatoo und ließ seine Finger darüber gleiten. Scully hatte diese Stelle nicht unwillkürlich gewählt, als sie sich die Schlange in die Haut stechen ließ. Es war der empfindlichste Punkt auf ihrem Körper und sie reagierte auf Berührungen an dieser Stelle sofort.
Als Mulder seinen Kopf wieder hob, seine Bewegungen den schneller werdenden Bewegungen seiner Geliebten anpassend, sah er, wie sie ihren Kopf in den Nacken warf und ihre Augen schloss. Sie stöhnte ungehemmt und wand sich unter den Berührungen auf ihrem Rücken. Ein leiser Schrei kündigte an, dass die Wellen des Orgasmus sie erreicht hatten und beflügelt durch das Gefühl sie glücklich gemacht zu haben, ließ auch Mulder sich ein weiteres Mal in eine Welt aus explodierenden Farben reißen.
Erschöpft lagen sie wenig später eng umschlungen unter der Decke. Mulder streichelte in großen sanften Bewegungen ihren Rücken und genoss das leise Brummen, welches sie vor Wohlbehagen ausstieß.
"Deine Taktik hat funktioniert. Ich bin abgelenkt.", murmelte er müde. Sie hob ihren Kopf, der auf seiner Brust gelegen hatte und grinste.
"Na, dann bin ich ja beruhigt.", erwiderte sie.
"Du solltest vielleicht ein Patent darauf anmelden. Jede Frau, die vorhat, es bei ihrem Mann anzuwenden, muss dann einen Haufen Geld an dich zahlen. Du wärest im Handumdrehen eine reiche Frau.", meinte er nachdenklich.
"Nein, ich denke, kein anderer Mann sollte in so einen Genuss kommen. Das hier ist nur für dich!", sagte sie und räkelte sich.
"Mmh, die Vorstellung gefällt mir. Kann ich noch mehr davon haben?" Mulders Bewegungen wurden langsamer und seine Stimme war ein kaum mehr zu hörendes Flüstern.
"Sicher, aber nicht mehr heute. Sonst schläfst du wohlmöglich dabei ein." Sie lachte leise und schloss dann ihre Augen. Es dauerte nicht lange, und sie fielen in einen tiefen Schlaf.

~~~~~

Mulder saß an dem größten Tisch, der in dem Büro zu finden war und hatte alle vorhandenen Fotos auf dem Tisch verteilt. Er sah konzentriert ein Bild nach dem anderen an, griff zwischenzeitlich nach den Autopsieberichten und den Beweismitteltüten und legte sie dann wieder zur Seite.
Er hatte sich an diesem Morgen direkt an die Arbeit gemacht und den Tisch so weit wie möglich von den anderen weg gerückt, um sich in Ruhe ein Bild machen zu können.
Scully saß bei den anderen Agenten. Sie hatte sich aus dem X-Akten-Büro weitere Akten geholt und sah diese auf Übereinstimmungen in Handschrift und Formulierung durch, denn die Zeit lief ihnen davon. Wenn sie den Mörder nicht heute schnappen würden, dann würden in der kommenden Nacht zwei Frauen getötet.
Mulder hatte sich vorgenommen, ein Täterprofil zu erstellen. Agent Miller, Agent Smith, Agent Spangler und Agent Bears hatten sich bereit erklärt, noch einmal mit den Angehörigen der Opfer zu sprechen, in der Hoffnung, noch irgend einen Hinweis zu bekommen, und die anderen Agenten schrieben in der Zwischenzeit ihre Berichte zu Ende.
Scully hob ihren Kopf und rieb sich die Augen. Es war bereits halb fünf und sie hockte nun seit über sechs Stunden über diesen Akten und konnte nichts finden. Ihre Augen brannten und ihr Kopf dröhnte, und doch konnten sie es sich nicht leisten, jetzt Schluss zu machen.
Sie warf einen Blick zu Mulder rüber. Er hatte sein Jackett schon vor Stunden ausgezogen. Auf dem Tisch stand eine Tasse mit Kaffee, doch Scully würde jede Wette eingehen, dass das Getränk schon eiskalt war.
Er hatte seine Hemdärmel aufgekrempelt und seine Krawatte gelockert, eine Angewohnheit, die er hatte, so lange sie ihn kannte. Gerade lehnte er sich zurück und legte seine Hände im Nacken zusammen, während er seine Augen schloss. Sie wusste, dass er versuchte, sich den Mann, der diese Frauen getötet hatte, bildlich vorzustellen. Nur wenige Minuten später öffnete er die Augen wieder und schüttelte den Kopf. Er seufzte und erhob sich. Gedankenverloren griff er nach der Tasse und nahm einen Schluck von dem kalten Kaffee, verzog jedoch im selben Moment, in dem das Getränk seinen Gaumen berührte, angewidert das Gesicht.
Ohne ihn aus den Augen zu lassen, erhob sie sich und trat auf ihn zu. Wortlos nahm sie ihm die Tasse aus der Hand und besorgte ihm neuen Kaffee.
Als sie ihm den vollen Becher auf den Tisch stellte, immer noch ohne ihn anzusprechen, blickte er kurz auf und schenkte ihr ein rasches Lächeln. Sie nickte nur und zog sich wieder an ihren Platz zurück.
Mulder umrundete den Tisch und griff sich ein weiteres Foto. Mit der anderen Hand langte er nach der Tasse und nahm einen Schluck des warmen Getränkes, stellte den Becher wieder ab und führte das Bild näher an die Augen heran.
"Mir ist aufgefallen, dass sie Mulder nicht angesprochen haben, als sie ihm die Tasse aus der Hand nahmen. Hat das einen bestimmten Grund? Haben sie Ärger mit ihrem Partner?", wurde Scully aus ihren Gedanken gerissen.
Sie riss sich mühsam von Mulders Anblick los und wandte sich Agent Peters zu. Langsam schüttelte sie den Kopf.
"Sie kennen das doch, mit den Profilern. Wenn sie dabei sind, sich in die Köpfe irgendwelcher Bestien zu begeben, um herauszufinden, was für Menschen das sind, die solche Dinge mit anderen Menschen tun, dann sollte man sie besser nicht ansprechen.", erwiderte sie. Sie sah wieder zu Mulder hinüber, der offensichtlich ein Detail auf dem Bild besonders genau betrachtete und sich dafür die Lupe zu Hilfe genommen hatte und meinte dann
"Ganz davon abgesehen, könnte jetzt eine Bombe neben ihm explodieren, er würde es nicht mitbekommen. Er hat wahrscheinlich nicht einmal richtig registriert, dass ich ihm neuen Kaffee gebracht habe." Sie hob die Hand, als Peters etwas erwidern wollte und schüttelte den Kopf.
"Ich weiß, er hat mir sogar zugelächelt, als ich ihm die Tasse wieder auf den Tisch gestellt habe, aber glauben sie mir, daran kann er sich jetzt schon nicht mehr erinnern. Er hat es nur oberflächlich wahrgenommen, aber nicht wirklich registriert." Sie lächelte leicht.
"Sie kennen ihn ziemlich gut, nicht wahr?", wollte der beleibte schwarze Mann wissen.
Scully zuckte die Achseln.
"Ich arbeite seit mehr als acht Jahren mit ihm zusammen, und habe ihn in so ziemlich jeder Situation erlebt. Ich denke schon, dass ich meinen Partner gut kenne.", meinte sie ausweichend. Wieder blickte sie zu Mulder rüber. Seine Augen waren jetzt undurchdringliche schwarze Seen, die ohne Leben zu sein schienen. Im nächsten Moment blinzelte er und sie konnte Hass in seinen Augen lodern sehen.
Sie fröstelte leicht und brauchte einen Moment, um sich die Liebe, die sie sonst in den Augen sehen konnte, wieder ins Gedächtnis zu rufen.
Wieder blinzelte er und schüttelte seinen Kopf. Er fuhr sich mit den Händen in einer müden und verzweifelten Geste über das Gesicht. Wieder nahm er sich eines der Fotos und studierte es. Er sog seine Wange nach innen und kaute nachdenklich darauf herum als er das Bild zur Seite legte und nach einer Beweismitteltüte griff.
Gedankenverloren drehte und wendete er sie und sah dann auf und direkt in ihre Augen. Scully wusste, jetzt hatte er das Puzzle gelöst, welches er seit zwei Wochen versuchte zusammen zu setzten. Sie erhob sich und ging zu ihm rüber. Er lächelte matt und hielt ihr das Beweismitteltütchen hin und legte das Bild vor sie auf den Tisch.
Verwirrt betrachtete sie das Kaugummi in der Tüte und das Foto, welches die Gegenstände aus Pheobe McCarthys Tasche, vor ihren Füßen ausgebreitet, zeigte.
Sie zog eine Augenbraue in die Höhe und blickte ihn an.
"Ich sehe es nicht.", sagte sie nur und Mulder nickte verständnisvoll.
"Es ist Pfefferminzkaugummi.", sagte er schlicht.
"Ja, das kann ich erkennen. Viele Menschen kauen es. Was ist hier anders?", wollte sie wissen.
"Pheobe McCarthy reagierte allergisch auf Pfefferminze.", erklärte er.
"Warum hatte sie es dann bei sich?", fragte sie nachdenklich.
"Hatte sie nicht. Es ist von unserem Mörder. Und die Münzen ebenfalls. Nur die Fahrkarte für den Bus ist von dem Opfer.", meinte er.
"Aber warum? Ich meine, warum legt er ein Kaugummi und Geld zu ihren Füßen nieder? Und wie kommst du auf die Idee, dass es vom Mörder ist?" Scully konnte Mulders Gedanken nicht folgen.
"Weil er diese Kaugummis immer kaut. Und bei den Münzen handelt es sich um genau den Betrag, den er mir noch schuldete. Das es nun gerade Münzen waren, dass liegt einzig und alleine daran, dass Annie Chapman damals Münzen in ihrer Tasche hatte und der Mörder diese zu ihren Füßen verteilt hatte.", erklärte er.
"Bist du dir sicher?", fragte sie leise.
"Ziemlich. Aber der Schriftvergleich wird schnell Gewissheit bringen.", antwortete er.
"Wer ist er?", erkundigte sie sich.
"Ein ehemaliger FBI-Agent. Samuel Delight.", meinte er.
"Ein ehemaliger Agent? Mulder, weißt du, was du gerade gesagt hast?" Sie sah ihn erschrocken an.
"Besser als jeder andere, fürchte ich.", gab er zu.
"Wie kommst du darauf, dass er es ist?", wollte sie wissen.
"Wir haben damals in dieser Abteilung zusammen gearbeitet. Ich war etwa ein halbes Jahr hier, als ich ihm als Partner zugeteilt wurde.", sagte er und griff nach seinem Handy. Mit fliegenden Fingern wählte er eine Nummer und wartete, ungeduldig auf seinen Zehenspitzen wippend, darauf, dass das Gespräch entgegen genommen wurde.
"Hallo?", hörte er die weibliche Stimme am anderen Ende.
"Agent Mulder hier. Ich möchte bitte Director Skinner sprechen.", meldete Mulder sich. Scully griff wieder nach dem Foto und betrachtete es.
"Einen Moment bitte. Ich verbinde sie.", flötete Kimberley.
"Hallo!", dröhnte Skinners Stimme durch die Leitung.
"Sir, ich denke ich weiß wer der Mörder ist.", kam Mulder ohne Umwege zur Sache. Er bekam nur am Rande mit, dass die Köpfe von allen Agenten, die sich im Büro aufhielten, hoch flogen und er von vier Augenpaaren angestarrt wurde.
"Wer?", fragte sein Vorgesetzter knapp.
"Samuel Delight.", erwiderte Mulder. Peters atmete lautstark aus und Scully konnte Unglaube auf seinem Gesicht erkennen.
"Ich brauche seine Personalakte um einen Vergleich der Handschriften vornehmen lassen zu können.", sagte Mulder gerade.
"Ich werde das veranlassen. Kommen sie in fünf Minuten in mein Büro und holen sie sich die Akte ab.", meinte Skinner.
"Danke, Sir." Mulder legte auf und blickte in die Runde.
"Das ist nicht dein Ernst, oder?" Steven Peters trat auf Mulder zu und sah ihn durchdringend an.
"Doch, das ist mein Ernst. Ich denke Samuel Delight ist der Mann, nach dem wir suchen." Mulder nickte.
"Aber wie kommst du denn darauf?", verlangte Peters zu wissen.
"Das Kaugummi. Der Betrag den die Geldmünzen ergeben. Die Formulierungen auf den Nachrichten und die Tatsache, dass er die Abhandlung kannte, die ich über Jack the Ripper geschrieben habe.", zählte Mulder auf.
"Ich glaube das nicht. Du suchst nur verzweifelt nach jemandem, dem du die Schuld in die Schuhe schieben kannst und da greifst du einfach auf Delight zurück. Wahrscheinlich haben diese Räume hier unangenehme Erinnerungen wachgerufen. Ich habe es die ganze Zeit gesagt, du kannst hier nicht arbeiten, brichst zusammen. Nun haben wir den Beweis." Peters wurde immer lauter und gestikulierte wild, während er Mulder anblitzte.
"Steve, glaubst du wirklich, dass ich leichtfertig einen Namen aussprechen würde, ohne mir sicher zu sein, dass dieser Mann zumindest als Täter in Betracht gezogen werden kann? Du solltest mich besser kennen. Ich hatte kein Problem mit Delight. Es war anders herum. Delight hatte ein Problem mit mir.", sagte Mulder ruhig.
"Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich noch von dir halten soll!", meinte Peters seufzend. "Ich meine, du warst mal einer der besten Agenten, die das FBI hatte und dann bist du ..." er suchte nach dem passenden Wort. "...durchgedreht!" Peters deutete zur Decke.
"Du jagst kleinen grünen Männchen nach, oder anderen Monstern. Und Delight kam einfach nicht damit klar, aber deswegen ist er noch lange kein Mörder.", schnaufte der Mann.
"Wir werden sehen, was der Schriftvergleich sagt.", erwiderte Mulder kühl und drehte sich um.
Scully warf Peters einen eisigen Blick zu und folgte Mulder aus dem Büro.
Sie holte ihn am Lift wieder ein, der gerade auf ihrem Stockwerk hielt und trat direkt hinter Mulder hinein. Er lehnte sich gegen die Fahrstuhlwand und seine Schultern sackten in sich zusammen. Scully griff nach seiner Hand, glücklich darüber, dass niemand anderes mit in der Kabine war.
"Erzählst du mir, was zwischen dir und Delight vorgefallen ist?", fragte sie.
Mulder seufzte.
"Ich wurde Delight zugeteilt, als ich ein halbes Jahr bei dem Verein da unten war. Wir kamen gut miteinander aus, bis wir einen ziemlich heiklen Fall bearbeiteten. Ich habe ein Täterprofil erstellt, er auch, doch sie wichen voneinander ab. Wir waren beide ziemlich dickköpfig und wollten nicht nachgeben und so machten wir eine Wette daraus. Derjenige, dessen Täterprofil sich als falsch erweisen würde, musste ein Jahr lang die Donuts bezahlen. Meines war richtig. Delight hat es sehr persönlich genommen, dass so ein Greenhorn wie ich ihn ausgebootet hatte. Kurz bevor ich zu den X-Akten gewechselt habe, waren wir wieder an einem Fall. Sam war immer noch sauer, dass mein Täterprofil schließlich zur Ergreifung des Täters geführt hatte und ließ den Boss raushängen. Er behandelte den Fall nicht mit der nötigen Ausdauer und Konzentration. Ich habe ihn schließlich bei einer Observation alleine im Auto sitzen lassen und mich genauer umgesehen, gegen seinen Befehl. Naja, was soll ich sagen, ich habe den Typen, hinter dem wir her waren, auf frischer Tat ertappt und ihn festgenommen.", erzählte er und grinste leicht gequält.
"Du hast ihn abgehängt.", brachte Scully es auf den Punkt. "Wieso wundert mich das nicht?", murmelte sie.
"Du meinst also, Delight ist so sauer, dass er dir nach fast zehn Jahren immer noch eins auswischen will?", vergewisserte sie sich schließlich. Der Fahrstuhl hielt und sie stiegen aus.
Mulder zuckte die Achseln.
"Er hat damals versucht, seine Autorität wieder herzustellen, als ich mit dem verhafteten Mann ankam und fuchtelte wie wild mit der Waffe herum. Es löste sich ein Schuss, und der Mann wurde tödlich getroffen. Daraufhin ist Delight entlassen worden.", meinte Mulder und sah betreten zu Boden.
Scully sog geräuschvoll Luft in die Lungen.
"Scheiße.", murmelte sie.
"Das kann man wohl laut sagen. Ich habe mir große Vorwürfe gemacht, es gab einige unschöne Szenen und ich habe die Abteilung verlassen.", stimmte er zu und klopfte an der die Tür des Assistent Directors, nachdem Kimberley ihnen zugenickt hatte.
Langsam traten sie ein. Skinner saß an seinem Schreibtisch und blätterte durch eine Akte. Sein Gesichtsausdruck zeigte deutlich, wie angespannt er war. Nun sah er auf und erhob sich.
"Hier habe ich die Akte. Sind sie sich wirklich sicher, dass es Delight ist?", meinte Skinner und reichte Mulder die Mappe.
"Sicher kann ich erst sein, wenn der Vergleich der Handschrift meine Vermutung bestätigt hat.", erwiderte Mulder sachlich.
"Und sie sind sich sicher, dass sie sich hier nicht von ihren Gefühlen leiten lassen? Ich meine, sie stehen unter einem enormen Druck. Wenn sie Recht haben, und der Mörder sich an das Skript hält, dass Jack the Ripper erstellt hat, dann wird es in dieser Nacht zwei weitere Opfer geben.", meinte Skinner.
"Sir, sie sollten wissen, dass ich nie irgendwelche Vermutungen anstellen würde, nur um jemandem die Schuld in die Schuhe schieben zu können.", sagte Mulder ruhig.
"Ja, sie haben Recht. Es tut mir leid. Nun gehen sie schon, und lassen sie die Schriftstücke miteinander vergleichen, damit sie losgehen und den Mann festnehmen können, wenn sich ihr Verdacht bestätigt.", meinte Skinner und nickte seinen Untergebenen noch einmal zu.

~~~~~

Eine Stunde später hatten sie Gewissheit! Samuel Delight hatte die beiden Nachrichten geschrieben. Weder Mulder noch Scully hatten das Bedürfnis verspürt, wieder zurück in das Büro zu gehen, da sie beide wussten, dass Peters nur auf eine weitere Gelegenheit wartete, Mulder Vorwürfe zu machen oder ihn zu beleidigen. Also hatten sie im Labor gewartet, Kaffee getrunken und sich angeschwiegen, während sie, immer abwechselnd, ungeduldige Blicke auf die Uhr warfen.
Gemeinsam gingen sie zurück in das Büro der Abteilung Gewaltverbrechen, welches in den letzten vier Wochen zu ihrer Unterkunft geworden war. Die anderen Agenten waren bereits alle anwesend. Sie standen oder saßen in kleinen Gruppen zusammen und unterhielten sich.
"Jetzt mal ehrlich", hörten sie Bears gerade sagen "habt ihr sie auch nur einmal lächeln sehen in den vier Wochen? Ich nicht. Sie ist eiskalt und berechnend. Und ihren Spitznamen >Eisqueen< trägt sie offensichtlich zu recht."
Mulder sah, wie sich Scullys Gesichtszüge verhärteten und sie trocken schluckte. Trotzdem, so wusste er, würde sie sich weiterhin in der Gewalt haben und sich nichts anmerken lassen.
Er kannte sie jedoch gut genug, um zu wissen wie sehr sie unter solchen Sprüchen litt, auch wenn sie es nicht zeigte.
Agent Smith sprang auf, als Mulder, gefolgt von Scully, eintrat und einen wütenden Blick in die Runde warf.
Der Mann warf ihm einen unsicheren Blick zu.
"Und? Was hat der Vergleich ergeben? Steven hat erzählt, dass du Sam Delight verdächtigst.", fragte er schließlich.
"Er ist unser Mann. Die Handschriften sind hundertprozentig identisch. Das ist von drei unabhängigen Analytikern bestätigt worden und auch das Computerprogramm hat die Übereinstimmung zu hundert Prozent bestätigt.", erklärte Mulder mit distanzierter Stimme.
"Wie bist du nur auf ihn gekommen?" Smith sah ihn ehrfürchtig an.
"Das Kaugummi, welches bei dem zweiten Opfer lag war dasselbe, wie das, was Sam immer kaute. Du weißt schon, dieses teure aus Frankreich. Er lässt es sich doch immer von seinem Cousin schicken. Und der Betrag der Geldmünzen entspricht dem, den er mir noch schuldet. Außerdem war er damals wütend genug auf mich, um so etwas zu tun und er kannte die Abhandlung, die ich über Jack the Ripper geschrieben habe.", zählte Mulder die einzelnen Punkte nun schon zum zweiten Mal auf.
"Na dann." Der Agent hob in einer ergebenen Geste die Achseln.
"Wir werden ihn jetzt festnehmen. Ich möchte, dass sie alle schusssichere Westen anziehen. Es wird wahrscheinlich nicht einfach werden. Nach allem was Delight getan hat, wird er sich nicht so einfach ergeben.", wandte Mulder sich an die gesamte Gruppe. Die Männer nickten, nur Steven Peters sah ihn mit zusammengekniffenen Augen herausfordernd an.
Mulder ging nicht darauf ein und drehte sich um.
"Wir treffen uns in..." er sah auf die Uhr "...zwanzig Minuten in der Garage.", meinte er und legte Scully die Hand auf den Rücken, um sie in ihr Büro zu dirigieren, wo sich ihre Westen befanden.

~~~~~

Die Aktion war ein absoluter Fehlschlag. Die Wohnung, in der Samuel Delight gemeldet war, stand leer und die abgestandene Luft und der modrige Geruch, der ihnen entgegen schlug, sagten ihnen, dass Delight nicht erst gestern ausgezogen war. Trotzdem hatten sie alle Räume gründlich durchsucht, jedoch nichts gefunden. Nun saßen Scully und er und vier der anderen Agenten im Büro und riefen alle Hotels der Stadt an, um zu überprüfen, ob Delight in einem eingecheckt hatte. Die anderen vier Agenten hatte er nach Hause geschickt, um am anderen Morgen die Schicht übernehmen zu können.
Mulder sah auf seine Uhr. Es war bereits halb drei. Die Frauen waren vermutlich bereits tot und in nur wenigen Stunden würden sie zwei weitere Leichen finden. Es gab praktisch nichts, was sie dagegen tun konnten.

"Ja!", brüllte Mulder ins Telefon, als sich der Hotelmanager endlich meldete.
"Hat bei ihnen ein Mann namens Samuel Delight ein Zimmer gemietet?", verlangte er zu wissen. Eine Pause entstand, in der er dem Mann am anderen Ende der Leitung lauschte.
"Hören sie, ich bin von FBI, und wenn sie mir die Auskunft nicht geben, dann werden sie dafür verantwortlich sein, dass zwei Frauen heute Nacht sterben. Also bewegen sie ihren Arsch, und schauen sie gefälligst nach, ob jemand mit diesem Namen ein Zimmer bei ihnen gemietet hat.", fauchte Mulder. Offensichtlich hatte das gewirkt, denn er konnte ein Rascheln im Hintergrund vernehmen, welches ihm zeigte, dass der Manager in der Gästeliste nachsah.
"Agent Mulder? Wir haben hier keinen Gast mit dem Namen.", sagte der Mann nur wenig später.
Mulder seufzte. Er bedankte sich und meinte dann:
"Ich werde ihnen ein Foto zufaxen. Wenn der Mann ein Zimmer bei ihnen belegt hat, dann melden sie sich bitte!" Damit beendete er das Gespräch und legte das Handy zur Seite. Um ihn herum hörte er, wie die anderen ebenfalls mit Hotelmanagern oder Angestellten sprachen und er seufzte erneut. Er nahm den Stift zur Hand, der auf dem Blatt Papier vor ihm auf dem Tisch lag und strich einen weiteren Hotelnamen auf der Liste durch.
Müde nahm er das Telefon wieder zur Hand und wählte die nächste Nummer, die auf der Liste stand.
Er erhob sich und begann unruhig im Büro auf und ab zu laufen. Ein Blick zu Scully zeigte ihm, dass sie völlig erschöpft war. Dunkle Ringe lagen unter ihren Augen, und doch war ihm klar, dass sie noch den schwersten Job von allen vor sich hatte. Sie musste am Morgen zwei Frauenleichen obduzieren. Jäh schüttelte er den Kopf und brachte seine Aufmerksamkeit wieder auf das Gespräch mit dem Hotelangestellten.
Zehn Minuten später und kein bisschen weiter, trat er neben Dana und legte ihr sanft eine Hand auf den Rücken. Sie hob ihren Kopf und sah ihn fragend an.
"Hast du ihn?", wollte sie wissen, doch Mulder schüttelte nur resigniert den Kopf.
"Nein. Aber du solltest dich etwas hinlegen.", erwiderte er.
"Was?" Sie blitzte ihn empört an. Wieso billigte er ihr einen Sonderstatus zu? Die anderen Agenten würden genauso wie er selbst die ganze Nacht durcharbeiten, als warum sollte für sie etwas anderes gelten?
"Du siehst müde aus.", sagte er nur.
"Mulder, so ziemlich alle hier sehen müde aus. Wirst du den anderen Agenten auch gleich sagen, dass sie schlafen gehen sollen?", wollte sie mit zorniger Stimme wissen. Er schüttelte den Kopf und fuhr mit gesenkter Stimme fort.
"Darum geht es nicht. Ich weiß, dass wir alle müde sind, aber keiner von uns wird morgen früh zwei Obduktionen vornehmen müssen. Die Männer gehen dann nach Hause und werden von ihren Kollegen abgelöst. Und ich werde sicher eine Möglichkeit finden, mich einige Minuten auszuruhen. Komm schon, Dana, du weißt genau, dass ich dich nicht anders behandeln würde, als einen männlichen Kollegen." Er grinste schief und fügte leise hinzu "Zumindest nicht im Büro!"
Nun musste auch Scully grinsen und sie nickte leicht. Er hatte ja Recht. Wenn nicht ein Wunder geschah, dann hatte sie tatsächlich einen anstrengenden Morgen vor sich.
"Also gut. Ich werde mal sehen, wo ich einen etwas ruhigeren Platz bekomme, um mich ein wenig auszuruhen.", gab sie schließlich leise nach und reichte ihm ihre Liste.
"Ich habe nur noch fünf Hotels übrig. An alle anderen habe ich vorsichtshalber zusätzlich ein Fax geschickt. Aber irgendetwas sagt mir, dass Delight sich in kein Hotel verzogen hat. Wer weiß, wo er untergekommen ist…", meinte sie müde. Mulder nickte. Er war der gleichen Meinung.
"Schlaf gut.", murmelte er und seine Augen übermittelten ihr noch einen anderen Satz.
"Danke. Ich dich auch.", flüsterte sie und ging, um sich einen stillen Ort zu suchen.

~~~~~

30. September 2001

Tatsächlich hatte Dana mit ihren Befürchtungen Recht, und Delight konnte nicht gefunden werden. Dafür klingelte um kurz vor fünf Uhr am Morgen Mulders Handy.
"Mulder!", meldete er sich müde.
"Es ist eine weitere Leiche gefunden worden. Die Polizei rief mich vor wenigen Minuten an." Skinner hielt es nicht einmal für nötig, sich zu melden.
"Ganz in der Nähe wird auch noch eine zweite Leiche sein.", murmelte Mulder müde. "Ich werde mich auf den Weg machen.", fügte er noch hinzu und rieb sich müde die Stirn.
"Also gut. Es ist eine weitere Leiche gefunden worden. Ich denke, dass wir in der Nähe noch ein zweites Opfer finden werden. Wahrscheinlich hat er die zweite Frau ein wenig versteckt, damit sie nicht als erstes gefunden wird, denn dann gäbe es ja eine Abweichung vom Original. Ich möchte, dass sie alle mitkommen und sich dort genau umsehen. Und sobald die zweite Leiche gefunden wurde, möchte ich, dass alle Anwohner und die Angehörigen verhört werden. Ich schlage vor, dass das die Anderen übernehmen.", erklärte Mulder, nachdem Skinner ihm die Adresse gegeben hatte.
Die Männer nickten.
"Ich werde noch schnell Agent Scully holen, und dann kann es losgehen.", meinte Mulder und wandte sich zum Gehen.
"Wo ist denn Agent Scully?", wollte Agent Miller wissen.
"Sie hat sich etwas hingelegt.", antwortete Mulder und drehte sich noch einmal zu den Agenten um.
"Ich habe es doch immer gesagt: Frauen sind zu schwach für diesen Job. Scully mag ja nach außen immer die starke und unnahbare Agentin spielen, aber offensichtlich ist sie doch nur eine kleine, schwächliche Frau, die sich aus dem Staub macht, wenn es anstrengend wird.", tönte Agent Bears und sah sich beifallsuchend im Büro um.
Mulder trat drohend zwei Schritte auf ihn zu und funkelte ihn an.
"Ich habe Agent Scully gebeten, sich ein wenig hinzulegen und auszuruhen. Wenn es nach ihr gegangen wäre, dann hätte sie die Nacht durchgearbeitet. Und sie hätte so einen Warmduscher wie sie, locker in Grund und Boden gearbeitet. Aber Scully ist diejenige, die gleich zwei Frauenleichen obduzieren wird. Eine Aufgabe, die einen ganzen Haufen Konzentration erfordert. Ich denke ehrlich gesagt nicht, dass sie noch in der Lage wären, jetzt eine vernünftige Beweismittelaufnahme zu machen, geschweige denn eine Obduktion durchzuführen.", zischte er.
"Lass gut sein, Mulder. Ich bin mir sicher, Jon hat es nicht so gemeint.", mischte sich Thomas Smith ein.
"Oh, ich bin mir sicher, er hat es ganz genauso gemeint. So, wie er es auch gestern so gemeint hat, als er sie "Eisqueen" nannte. Was glaubt ihr eigentlich? Das wir doof oder taub sind? Das sind wir nicht. Und ich wäre jedem einzelnen hier sehr dankbar, wenn er sich zumindest Agent Scully gegenüber ein wenig respektvoll benehmen würde, denn sie hat es verdammt noch mal verdient. Sie ist ein besserer Agent, als die meisten anderen, die das FBI zu bieten hat. Und jetzt werde ich gehen und sie suchen. Wir treffen uns dann am Tatort." Damit verließ er den Raum. Die Agenten sahen sich schweigend an.
"Mulder hat Recht. Wir waren nicht besonders freundlich.", murmelte Smith leise und verließ ebenfalls den Raum.

Mulder fand Scully im Vorzimmer von Skinners Büro. Sie hatte sich dort auf dem Sofa zusammengerollt und schlief tief und fest. Sanft streichelte er ihr einige Haare aus der Stirn.
Langsam schlug sie die Augen auf und blinzelte, bis sich ihr Blick auf ihn eingestellt hatte.
"Hey, hast du gut geschlafen?", wollte er leise wissen. Sie richtete sich langsam auf und fuhr sich mit den Händen über das Gesicht. Schließlich nickte sie.
"Wie spät ist es?", erkundigte sie sich murmelnd. Mulder sah auf seine Uhr.
"Kurz nach fünf.", entgegnete er.
"Es wurden zwei weitere Leichen gefunden?!", vermutete sie. Er schüttelte leicht den Kopf.
"Eine. Aber ich nehme an, dass die andere Leiche ganz in der Nähe sein wird, vermutlich ein wenig versteckt. Willst du mitfahren, oder in der Pathologie warten?", fragte er leise.
"Ich komme mit. Manchmal hilft es, wenn man den Tatort sieht.", entschied sie und erhob sich. Mit schnellen Bewegungen zupfte sie ihren Rock und ihr Jackett zurecht und warf ihm dann einen liebevollen Blick zu.
"Du siehst erledigt aus.", stellte sie fest und ihre Hand legte sich sanft an seine Wange.
Er zuckte die Achseln.
"Es war eine harte Nacht. Ich hoffe, dass ich gleich vielleicht zwei Stunden Zeit habe um etwas abzuschalten.", erwiderte er. Sie nickte und stellte sich nach einem vergewissernden Blick über die Schulter auf die Zehenspitzen und gab ihm einen schnellen Kuss.

~~~~~

Nur wenig später trafen sie am Tatort ein. Es handelte sich wieder um eine enge, abgelegene Seitenstraße, von der zwei Hinterhöfe abzweigten. Es wimmelte nur so von Polizisten, die auf den ersten Blick wie planlos durch die Gegend liefen. Mulder hielt sofort den ersten Officer, der ihm über den Weg lief, an.
"Ich bin Agent Mulder, das ist meine Partnerin, Agent Scully. Können sie uns sagen, wo die Leiche ist?"
Der Mann deutete auf eine dunkle Stelle hinter einer Mülltonne ganz am Ende der Gasse.
"Hat es eine Nachricht gegeben?", wollte Mulder nun wissen.
"Nein, keine dieses Mal. Aber als wir die durchtrennte Kehle sahen, haben wir uns fast gedacht, dass das zu ihrem Fall gehört.", meinte der Mann. Mulder nickte.
"Wer hat die Leiche gefunden?", erkundigte er sich.
"Die Frau dort drüben. Sie war auf dem Weg zur Arbeit. Frühschicht in einem Büro. Sie arbeitet als Putzfrau." Der Polizist deutete auf eine kräftig gebaute Frau, die, eine Zigarette rauchend, an eine Hauswand gelehnt stand.
Während Mulder sich nun direkt an die Frau wandte, die die Leiche entdeckt hatte, ging Scully mit schnellen Schritten auf das Opfer zu. Wieder war es mit einem Tuch abgedeckt, was Scully sagte, dass die Fotos alle gemacht waren. Sie streifte die Latexhandschuhe über und sah mürrisch in den Himmel, als einige dicke Tropfen auf sie niederprasselten. Das hatte ihr gerade noch gefehlt, dass es jetzt auch noch regnete. Sie hockte sich neben die Leiche und hob langsam das Tuch an. Die Frauenleiche lag auf dem Rücken. Ihr linker Arm war ausgestreckt und die rechte Hand lag auf dem Unterleib. Ihre Kehle war aufgeschlitzt, ansonsten konnte Scully keine weiteren Verletzungen feststellen. Sie blickte wieder zum Himmel hinauf. Der Regen hatte zugenommen und es sah auch nicht so aus, als wenn es in absehbarer Zeit aufhören würde zu regnen. Wenn Mulder und die Männer von der Spurensicherung sich nicht beeilten, dann würden hier bald keine Spuren mehr zu finden sein, falls es überhaupt welche gab. Sie wollte gerade das Tuch wieder hinlegen, als ihr eine kleine Sprühflasche auffiel, die neben dem Arm der Frau lag. Scully beugte sich ein wenig näher und betrachtete das Fläschchen.
Es handelte sich um ein Mittel gegen Mundgeruch. Sie hob nachdenklich den Kopf und blickte zu Mulder rüber, der sich gerade auf den Weg zu ihr machte. Sie sah, dass er bereits völlig durchnässt war und nahm an, dass sie selber auch nicht besser aussah.
"Hast du was Interessantes gefunden?", fragte er sie schon von weitem. Sie zuckte die Achseln und deutete auf die kleine Sprühflasche. Als er zu ihr herumgekommen war, ging er neben ihr in die Hocke. Er zog einen Handschuh aus der Tasche und griff damit, ohne ihn sich über zu ziehen, nach dem Fläschchen.
"Gegen Mundgeruch. Er hält sich wirklich genau an das Drehbuch.", murmelte er und packte das Zeug in eine Beweismitteltüte.
Sie erhoben sich, nachdem Scully die Leiche wieder zugedeckt hatte. Ein Officer trat auf sie zu.
"Können wir die Leiche abholen lassen?", wollte er wissen.
Scully strich sich die nassen Haare aus der Stirn und nickte.
"Ja, ich bin hier fertig. Je eher ich mit der Autopsie beginnen kann, desto eher können wir nach Hause fahren." erwiderte sie. Der Mann nickte und griff nach seinem Funkgerät. Während er sich entfernte, bellte er einige Anweisungen an einen Kollegen hinein.
"Agent Mulder? Wir haben die zweite Leiche gefunden. Sie liegt nicht weit von hier in einem der Hinterhöfe." Agent Green kam auf Scully und Mulder zugerannt und blinzelte gegen den Regen.
Mulder seufzte und fuhr sich mit den Händen über das nasse Gesicht.
"Zeigen sie uns bitte, wo.", meinte Mulder und Scully und er folgten dem Mann.
"Es ist kein schöner Anblick!", warnte der Mann, als sie in den Hinterhof kamen, in der die Leiche abgeladen worden war.
"Wenn sie so zugerichtet wurde, wie Catherine Eddowes damals, dann ist das noch untertrieben.", erwiderte Mulder und ließ Scully den Vortritt.
"Gab es eine Nachricht?", wollte er wissen.
"Nein, hier war nichts." Green hob die Achseln und ließ sie wieder sinken.
Die Männer hatten die Leiche mit einem Mantel bedeckt und Scully ließ sich nun ein weiteres Mal in die Hocke sinken und hob den Mantel an. Ein Laut des Entsetzens entwich ihr, als sie einen Blick auf die Leiche geworfen hatte. Sie schluckte hart und sah zu Mulder auf. Dieser erwiderte schuldbewusst ihren Blick. Er hätte ihr schon in Vorfeld mitteilen müssen, was sie heute erwarten würde. Langsam erhob sie sich.
"Lassen sie sie bitte abholen!", sagte sie mit belegter Stimme und drehte sich um.
Mulder folgte ihr.
"Es tut mir leid. Ich hätte dich warnen sollen.", meinte er leise und sah sie von der Seite her an.
"Er hat sie regelrecht zur Schau gestellt. Und das er sie in einem Hinterhof getötet hat, zeigt nur, wie sehr er wollte, dass das Bild so auf uns wirkt.", erwiderte sie und blieb vor ihrem Auto stehen.
Mulder nickte.
"Du hast Recht. Delight wollte uns schocken, und doch ist es nur eine Kopie eines Verbrechens, welches vor langer Zeit begangen worden ist.", erklärte er.
"Wir müssen ihn kriegen, Mulder. Und zwar, bevor er das nächste Mal tötet.", meinte sie und stieg in den Wagen ein. Mulder rutschte hinter das Lenkrad und startete den Motor.

~~~~~

Die Agenten betraten um kurz nach zehn das gemeinsame Büro. Mulder hockte wieder einmal am Tisch und war über eine Akte gebeugt. Beim Eintreten der Männer hob er müde den Kopf und blickte ihnen entgegen.
Walsh schüttelte frustriert den Kopf. Mulder seufzte.
"Was lesen sie dort?", wollte Spangler wissen und trat neben ihn.
"Ich sehe gerade die Akte von Delight durch. Ich hoffe darauf, dass wir einen Hinweis auf den Aufenthaltsort von ihm finden. Irgendwie muss dieses Schwein doch zu kriegen sein!", erklärte er. Der Agent nickte leicht.
"Wollen sie nicht erst einmal nach Hause fahren und sich ausschlafen?", wollte Agent Bones wissen. "Wir könnten das ebenfalls ermitteln."
Mulder nickte. Er wusste, dass sie das konnten, und wenn er ehrlich war, dann wollte er nichts lieber, als in sein Bett. Trotzdem konnte er jetzt nicht nach Hause fahren.
"Ich weiß, dass sie das können. Ich warte auch nur noch auf Agent Scully. Das Ergebnis der Autopsien besprechen wir dann morgen, mit den anderen zusammen.", antwortete er.
Bones nickte ebenfalls.
"Wie lange wird Agent Scully noch brauchen?", fragte Agent Walsh.
"Ich weiß es nicht.", antwortete Mulder und senkte seinen Blick wieder auf die Akte.
Die Männer setzten sich hin und schrieben ihre Berichte.
Es war halb zwölf, als Scully mit dem Bericht unter dem Arm das Büro betrat. Sie steuerte direkt auf Mulder zu und ließ sich neben ihm auf einen Stuhl sinken.
Langsam sah er auf und blickte sie an.
"War es sehr schlimm?", wollte er wissen. Sie zuckte die Achseln.
"Wollen wir die Ergebnisse jetzt sofort besprechen?", fragte sie und sah sich im Raum um. Es saß nur noch Agent Spangler an einem der Tische, von den anderen drei Agenten fehlte jede Spur. Mulder schüttelte den Kopf.
"Nein. Ich schlage vor, wir fahren jetzt nach Hause und schlafen uns erst einmal aus. Agent Bones, Agent Peters und Agent Walsh sind etwas essen gegangen und die anderen liegen auch alle in ihren Federn. Wir werden morgen früh weitermachen. So hat es sowieso keinen Sinn. Wir sind vollkommen übermüdet.", meinte er und erhob sich.
"Agent Spangler, machen sie heute nicht mehr so lange. Delight wird erst im November wieder zuschlagen, und bis dahin kriegen wir ihn.", wandte er sich an den Agenten und folgte dann Scully, die schon auf den Flur gegangen war.
"Alles klar, Agent Mulder. Schlafen sie gut.", verabschiedete Spangler sich.

~~~~~

Mulder schaltete den Overheadprojektor an und legte das erste Foto auf. Scully begann sachlich ihre Ausführungen über das dritte Opfer.
"Ihr Name war Diana Brown und sie war 35 Jahre alt.", erklärte sie und wurde an dieser Stelle von Agent Peters unterbrochen.
"Die gute Diana Fowley. Sie hat Mulder das Herz gebrochen.", murmelte er.
"Ich habe gehört, es soll anders herum gewesen sein.", gab Agent Bears seinen Kommentar ab. Scully blickte die Männer wütend an, während Mulder sich gar nicht die Mühe machte, irgendwie zu reagieren.
"Kann ich fortfahren?", wollte Scully kühl wissen.
"Sicher, nur zu.", meinte Bears und grinste dämlich.
"Delight hat ausschließlich ihre Kehle durchtrennt. Ansonsten konnte ich keine weiteren Verletzungen finden. Neben ihr fanden wir ein Mundspray, gegen Mundgeruch. Das war aber auch schon alles.", erklärte sie. Mulder wechselte das Bild und nun war ein Tatortfoto vom vierten Opfer zu erkennen.
Die Männer stöhnten angesichts des Anblickes auf. Die Leiche war grausam zugerichtet. Die Wangen der Frau waren aufgeschlitzt, die Nase zum Teil abgeschnitten und die Augenlieder waren offenbar ebenfalls mit dem Messer bearbeitet worden. Die Eingeweide waren über ihre Schultern geworfen worden und ihre Kehle war durchtrennt.
"Der Name des Opfers war Teena Miles. Sie war 64 Jahre alt." Ein aufgeregtes Gemurmel entstand unter den Agenten angesichts des Alters der Frau. Mulder senkte betreten den Kopf. Er hatte keine Worte um das Gefühl, welches sich in ihm ausbreitete, zu beschreiben.
"Agent Mulder, können sie uns auch die Wahl dieses Opfers erklären?", sprach Agent Green die Frage aus, die allgemein in der Luft hing.
Mulder atmete tief durch und hob den Kopf. Er nickte abgehackt.
"Meine..." er musste sich räuspern, um seine Stimme zu festigen. Neben der ersten Leiche, die den Namen seiner Schwester trug, war das die schlimmste "Anspielung".
"Meine Mutter hieß Teena.", sagte er erstaunlich ruhig.
Green sog hörbar die Luft in die Lungen. Die Männer konnten deutlich sehen, wie nahe Mulder dieser letzte Mord ging und keiner der Agenten machte eine dumme Bemerkung.
"Wie man auf dem Foto deutlich erkennen kann, wurde der Frau die Kehle durchgeschnitten. Der Schnitt reichte von einem Ohr zum anderen. Sie hatte außerdem starke Verletzungen im gesamten Gesicht. Ihr Thorax wurde geöffnet, die Organe zum Teil über ihre Schultern verteilt und Delight hat ein Stück Darm, eine Niere und die Gebärmutter entfernt. Sie konnten nicht gefunden werden.", führte sie aus und Mulder wechselte zwischendurch die Bilder.
"Vielleicht sollte ich noch sagen, dass alle diese Morde mit einer chirurgischen Präzision durchgeführt wurden. Ich kenne Delight nicht, aber er muss eine medizinische Ausbildung haben. Ansonsten kann ich mir das nicht erklären. Die letzten beiden Frauen sind übrigens sogar in der Reihenfolge umgebracht worden, wie sie auch gefunden wurden. Er geht wirklich genau nach Plan vor." ergänzte sie ihre Ausführungen noch.
Die Männer waren nach wie vor sehr ruhig. Es war, als ob ihnen erst jetzt klar geworden war, mit was für einem Menschen sie es hier zu tun hatten.
"Weiß irgendjemand, mit wem Delight hier befreundet war? Er hält sich so genau an die Originalmorde, dass ich davon ausgehe, dass er eine Vorlage hat. Vielleicht hat ihm jemand, zu dem er nach wie vor Kontakt hat, meine Ausarbeitung kopiert.", meinte Mulder.
"Ich könnte mich darum kümmern.", bot sich Thomas Smith an. "Aber ich würde mir nicht zuviel davon versprechen, Mulder. Immerhin kann man im Internet an die fünfhundert Seiten über Jack the Ripper finden, und es gibt auch einige Bücher, die sich mit dem Thema beschäftigen."
"Das ist Richtig. Wir können leider nicht nachvollziehen, ob Delight sich im Internet nach Jack the Ripper umgesehen hat, aber wir können in den Buchhandlungen nachfragen, ob Delight dort Bücher über den Ripper gekauft hat. Er wird sicher nicht bis zum anderen Ende der Stadt fahren, um dort in eine Buchhandlung zu gehen. So können wir vielleicht das Gebiet, in dem wir suchen müssen, eingrenzen. Agent Walsh, Agent Miller und Agent Green würden sie sich darum kümmern? Und Agent Bears würden sie gemeinsam mit Agent Spangler und Agent Bones die Büchereien abklappern?" Mulder sah in die Runde.
"Steve, ich wäre dir sehr dankbar, wenn du Tom helfen könntest.", fügte er hinzu, als er merkte, dass Peters noch nichts zu tun hatte.
Die Agenten nickten. Sie wollten gerade aufbrechen, als ein junger Mann unsicher das Büro betrat. Er hielt einen großen Kasten in den Händen und sah sich suchend um.
"Hier ist ein Paket für Agent Mulder.", sagte er schließlich. Mulder sah auf und Scully konnte beobachten, dass sein Gesicht grau wurde.
"Das bin ich.", sagte er schließlich und hob seine Hand ein kleines Stückchen.
"Hier, bitte sehr, Sir." Der Mann reichte ihm das Paket und wollte sich schon wieder umdrehen, als Scully ihn zurück hielt.
"Warten sie kurz. Wissen sie, wer das Paket abgegeben hat?", wollte sie wissen.
"Nein, Madam. Es ist nur fälschlicherweise in unserer Abteilung gelandet. Wissen sie, ich bin in der Abteilung für Computerkriminalität.", erwiderte er. Sie nickte und der Agent drehte sich schnell um und verließ fast fluchtartig das Büro.
Mulder hatte das Paket inzwischen nach einem Stempel abgesucht, konnte jedoch keinen finden.
"Es sieht fast so aus, als wenn Delight tatsächlich hier im Bureau war und dieses Paket persönlich abgegeben hat.", meinte er.
"Oder er hat es vor der Tür einem Jungen in die Hand gedrückt.", spekulierte Thomas Smith. Mulder zuckte in Zustimmung die Achseln.
Langsam löste er das Paketband und klappte schließlich die Schachtel auf. Sie enthielt eine ähnliche Plastikschale wie auch schon das erste Paket, nur das diese hier größer war. Mulder atmete tief durch. Mit zitternden Händen nahm er den Behälter hinaus und den Deckel ab. Nachdem er einen Blick hinein geworfen hatte, wandte er sich entsetzt ab.
Scully sah sich schnell nach Gummihandschuhen um und zog sie dann über. Vorsichtig nahm sie die verschiedenen Organe nacheinander aus dem Behälter heraus und untersuchte sie.
"Das sind die Niere, die Gebärmutter und das Stück vom Darm, das bei dem letzten Opfer fehlte.", erklärte sie. "Ich werde das in die Pathologie bringen und eine DNA--Analyse durchführen lassen. In drei Tagen sollten wir dann den medizinischen Beweis haben, dass die Organe auch wirklich zu dem Opfer gehören."
Mulder nickte und schloss die Plastikschale wieder, nachdem Scully die Organe hineingelegt hatte. Dann griff er nach dem Umschlag und öffnete ihn. Seine Hände zitterten immer noch leicht, als er den gefalteten Briefbogen hinauszog.


>> Ich nehme an, dass Sie inzwischen herausgefunden haben, wer ich bin. Aber Sie müssen mich erst mal finden! Mein großes Vorbild ist niemals gefunden worden. <<


Mulder zerknüllte die Nachricht und warf sie wütend gegen die Wand.
"Dieses verdammte Schwein!", brüllte er und trat gegen den nächsten Tisch.
"Also gut, Leute, an die Arbeit!" Er klatschte in die Hände und die Männer verließen eilig das Büro.
"Ich bin in einer viertel Stunde wieder da. Dann können wir uns ja mal die Überwachungsbänder ansehen, und schauen, ob er es tatsächlich gewagt hat, hier einfach rein zu marschieren. Wenn er hier war, haben wir zumindest die Gewissheit. Und wir wissen, was er für Kleider trägt.", meinte sie und legte ihm sanft eine Hand auf den Unterarm.
"Wir haben in zwanzig Minuten einen Termin bei Skinner. Ich habe eben mit ihm gesprochen.", meinte er und sie nickte ihm zu und verließ dann das Büro. Mulder griff sich die Fotos und blätterte sie noch einmal nacheinander durch. Irgendwo musste doch noch was zu finden sein, was auf seinen Aufenthaltsort schließen ließ!

Eine dreiviertel Stunde später ging Mulder unruhig auf und ab. Scully hatte von fünfzehn Minuten gesprochen, nun war die Zeit schon drei Mal um und sie war immer noch nicht wieder da.
Er griff nach seinem Handy und wählte mit fliegenden Fingern ihre Nummer. Niemand meldete sich.
Gerade als er es wieder einstecken wollte, klingelte es und er meldete sich erleichtert.
"Dana?"
"Nein, ich bin es, Mulder! Ich musste leider feststellen, dass ihr mir dichter auf den Fersen seid, als ich dachte.", hörte er eine männliche Stimme am anderen Ende der Leitung.
"Delight?", keuchte Mulder.
"Ja, ich bins. Und ich habe noch jemanden bei mir.", erwiderte der Mann.
Hinter Mulders Stirn rasten die Gedanken nur so dahin. Konnte es wirklich sein und er hatte Dana?
Mulder rannte los. Er raste den Gang entlang, den auch Dana gegangen war, um zum Labor zu gelangen. Auf halbem Wege sah er die Plastikschale auf dem Fußboden liegen und er keuchte. Nur zwei Meter weiter war eine Tür, die zur Parkgarage führte.
"Wenn du ihr auch nur ein Haar krümmst, dann bist du nirgends sicher!", drohte er mit fester Stimme.
"Ach Mulder, versuch doch mich aufzuhalten.", erwiderte Delight.
"Wo bist du?", wollte Mulder wissen.
"Da, wo es angeblich immer noch am Schönsten ist.", sagte Delight und beendete das Gespräch. Mulder stieß die Tür zur Parkgarage auf. Er rannte zu seinem Auto, sprang hinein und raste nur wenige Sekunden später los.

~~~~~

Mulder hatte so ziemlich jede Verkehrsregel gebrochen und hatte es so geschafft, in nur zwanzig Minuten vom FBI-Gebäude bis zu ihnen nach Hause zu fahren.
Nun öffnete er leise die Tür und sah sich um. Die Wohnung lag in vollkommener Stille dort. Er schloss die Tür hinter sich und sah sich um. Es sah nicht so aus, als wenn jemand hier war. Trotzdem hielt er seine Waffe fester umklammert. Er würde nicht zögern, sie zu benutzen. Auf Zehenspitzen betrat er die Küche. Sie war leer. Langsam ging er weiter.
Als er vor der Schlafzimmertür stand, bohrte sich ein Messer in die Haut an seinem Hals und Mulder hielt mitten in der Bewegung inne.
"Die Waffe weg, Mulder!", hörte er die rauchige Stimme von Samuel Delight hinter sich und der Druck des Messers verstärkte sich ein wenig. Mulder entschied, dass es besser war, wenn er tat, was der Mann verlangte und ließ die Waffe fallen.
"Gib ihr einen Stoß, damit sie nicht so in der Nähe liegen bleibt.", bat der Mann. Mulder konnte hören, dass er grinste.
"Wo ist Dana?", wollte Mulder wissen und tat, was Delight ihm befohlen hatte.
"Sie liegt im Bett.", antwortete der Mann und stieß Mulder vor sich her ins Schlafzimmer. Mulder konnte nicht umhin, den Mann zu bewundern. Er hielt sich wirklich mit erstaunlicher Präzision an die Vorgabe, welche ihm die Geschichte lieferte. Auch das letzte Opfer vom Ripper war in ihrem eigenen Bett getötet worden.
Er zwang sich, die schrecklichen Details, die dieser letzte Mord mit sich brachte, zu verdrängen. Es war bei weitem der grausamste Mord von allen gewesen.
Als er im Schlafzimmer stand und Scully sah, merkte er wie kalte Wut von ihm Besitz ergriff.
Sie lag auf dem Bett, ihre Arme und Beine jeweils an die vier Bettpfosten gebunden. Delight hatte die Fesseln vollkommen gespannt, so dass Dana keine Möglichkeit hatte, sich zu Bewegen. Sie hatte ein wenig Blut unter ihrer Nase und eine Platzwunde an der Stirn.
"Dana! Bist du in Ordnung?", wollte Mulder erschrocken wissen.
"Ja, mir ist nichts passiert!", meinte sie, doch Mulder konnte hören, wie ihre Stimme vor Angst leicht zitterte.
Delight schubste Mulder auf den Stuhl, der links am Fußende neben dem Bett stand und griff mit der Hand, die nicht das Messer hielt nach dem Seil, welches auf der Kommode lag. Da das Schlafzimmer nicht riesig war, brauchte er dabei nicht einmal das Messer von Mulders Kehle nehmen. Mulder musterte ihn. Samuel Delight hatte sich nicht groß verändert. Er war sehr groß und kräftig, aber nicht dick. Seine dunkelblonden Haare waren länger, als sie es zu FBI-Zeiten waren und er trug keinen Schnurbart mehr. Er hatte ein kantiges Gesicht mit vorstehenden Wangenknochen und um seine kalten grauen Augen bildeten sich bereits die ersten Fältchen.
"Leg deine Arme auf die Stuhllehnen!", befahl Samuel und Mulder tat, was der Mann gesagt hatte.
Mit geschickten Fingern wickelte Delight das Seil einige Male um Mulders rechtes Handgelenk und die Stuhllehne und zog es fest. Dann zog er den Strick hinüber zum anderen Handgelenk, band es auf die gleiche Weise an der Lehne fest und machte schließlich einen festen Knoten. Dann griff er nach einem weiteren Seil, dieses Mal das Messer jedoch zur Seite legend und band auch die Füße von Mulder am Stuhl fest. Als er sich erhob, griff er wieder nach dem Messer und starrte gedankenversunken auf die blitzende Klinge hinab.
"Es tut mir leid, dass ich vom Protokoll abweichen muss, aber durch deine Blitzidee nicht nur nach Freunden im FBI zu suchen, sondern auch die Büchereien abzuklappern, warst du mir einfach zu dicht auf den Fersen. Du hättest mich gekriegt. Aber ich wollte mein Werk noch vollenden. Erinnerst du dich noch an den letzten Mord, den Jack the Ripper beging?", meinte Delight und lächelte kalt.
Mulder schluckte und Delight drehte sich langsam zu Scully um. Sie begann an den Fesseln zu ziehen, doch da sie zu wenig Bewegungsfreiheit hatte und die Fesseln zu fest um ihre Gelenke gebunden waren, erreichte sie lediglich, dass die Seile ihr ins Fleisch schnitten.
"Ich schwöre dir, Sam. Wenn du ihr etwas tust, dann werde ich dich töten. Und wenn es das letzte ist, was ich tue!", schnaubte Mulder.
Delight lachte auf.
Er trat um das Bett herum und beugte sich schließlich über Dana. So war er sich sicher, dass Mulder alles mit ansehen konnte. Mulder erkannte, dass Scullys Atem flach und stoßweise ging, die Angst hatte offenbar von ihr Besitz ergriffen, und auch in ihm breitete sich langsam Panik aus.
Delight hob das Messer und fuhr mit der Spitze an ihrer Wange entlang. Sofort bildete sich dort ein roter Streifen, aus dem langsam Blut sickerte. Dana keuchte vor Schreck und Schmerz und Mulder begann heftig an den Seilen zu zerren, die ihn am Stuhl hielten.
"Lass sie in Ruhe, du Schwein!", brüllte er, doch Delight ließ sein Messer tiefer wandern und ritzte auch die Haut an Danas Schlüsselbein auf. Ihr Atem beschleunigte sich und sie begann erneut an ihren Fesseln zu zerren.
Delight legte das Messer zur Seite und begann ganz langsam die Knöpfe an Scullys Bluse zu öffnen.
Mulder hörte, wie sie leise wimmerte.
Als er den letzten Knopf geöffnet hatte, nahm Delight das Messer wieder zur Hand und schlitzte genauso langsam die Ärmel von oben bis unten auf, so dass er ihr schließlich die Bluse ausziehen konnte. Dann schnitt er den BH auf und zog auch ihn schließlich von ihr weg und warf ihn zu Boden. Er strich ihr über ihre Busen und leckte sich dabei über die Lippen. Seine Hände wanderten langsam tiefer und schoben sich unter den Bund ihres Rockes.
Mulder schluckte hart und hörte wie Scullys Wimmern lauter wurde, als Delight den Reißverschluss des Rockes öffnete und schließlich nach quälenden Minuten sowohl den Rock, als auch ihren Slip mit dem Messer aufschlitzte und ihr beides auszog.
"Bitte nicht!", flüsterte sie und Mulder sah, wie sie am ganzen Leib zitterte. Delight lachte wieder und seine freie Hand grabschte nach ihrer Brust.
"Fass sie nicht an! Du perverses Schwein!", schrie Mulder und zerrte an seinen Fesseln. Delight hob seinen Kopf und sah Mulder an, während seine Hand von dem Busen hinunter zwischen Danas Beine wanderte.
"Nein! Bitte." Dana schrie jetzt auch und zerrte wieder an den Seilen.
Ihr Peiniger lachte und erhob sich. Er ging zurück zur Kommode und nahm das Isolierband, welches dort lag. Er ging zurück zum Bett, zog Isolierband von der Rolle und klebte es der sich windenden Dana auf den Mund. Scully blickte Mulder mit ängstlich geweiteten Augen an.
"Weißt du, dein Gejammer geht mir auf den Senkel.", sagte Delight schlicht, warf die Rolle weg und widmete sich wieder ihrem Körper. Das Messer hatte er neben sie auf den Nachttisch gelegt, wodurch er nun beide Hände frei hatte. Er strich ihr über ihre Brüste und griff zwischen ihre Beine. Er begann zu stöhnen, während Scully durch den Knebel hindurch wimmerte. Mulder schrie den Mann ununterbrochen an, dass er Dana in Ruhe lassen solle, doch Delight reagierte nicht mehr.
Nach einiger Zeit öffnete er seine Hose und holte seine Erektion heraus. Während er mit den Fingern der einen Hand unbarmherzig und brutal in sie eindrang, rieb er sich mit der anderen Hand seinen Schwanz. Als er schließlich kam, verteilte er den Erguss über ihrem ganzen Körper. Anschließend richtete er sich wieder auf. Scully wimmerte und schluchzte unterdrückt auf. Mulder stöhnte gequält. Er wusste, dass sich diese Szene für immer in sein Gedächtnis eingebrannt hatte und er sie vermutlich Nacht für Nacht wieder erleben würde, genauso wie auch Dana.
"Ich würde ja für mein Leben gerne damit weiter machen, aber ich bin jetzt schon zu lange hier. Ich denke nicht, dass ich noch viel Zeit habe. Wenn ich das vorhin richtig verstanden habe, dann erwartete euch doch der Assistent Director. Ich werde deshalb jetzt mein Werk beenden. Dann bin ich weg, bis ihr beide gefunden werdet und werde genauso wenig geschnappt, wie Jack the Ripper vor Einhundertunddreizehn Jahren.", meinte er.
"Woher weißt du von unserem Termin bei Skinner? Und wie konntest du wissen, dass ich die Büchereien abklappern lasse?", wollte Mulder mit belegter Stimme wissen. Er hoffte, dass er Delight hinhalten konnte.
"Ich war da, in eurem Büro und habe Wanzen angebracht. Schon vor drei Wochen. Ich wusste immer genau, was ihr tatet.", grinste der Mann und ging ins Wohnzimmer.
"Dana, mach dir keine Sorgen. Ich bin mir sicher, dass die Männer gleich kommen werden. Sie werden uns schon vermissen.", sagte Fox leise. Sie drehte ihm ihr Gesicht zu, und er konnte spuren von Tränen auf ihren Wangen erkennen.
Nach einiger Zeit hörten Scully und Mulder die ersten Töne eines Liedes. Als Scully erkannte, um welches Lied es sich handelte, stöhnte sie auf und schloss die Augen. Auch Mulder entwich ein verzweifeltes Stöhnen. Das war ihr Lied. So viele Erinnerungen hingen daran, und nun wurde es zum Inbegriff der Verzweiflung!
Delight betrat wieder das Schlafzimmer und weidete sich an der offensichtlichen Verzweiflung seines Opfers.
Während Chers "Walking in Memphis" bis ins Schlafzimmer drang, trat Samuel wieder neben Dana. Er hatte das Messer gegen ein Skalpell eingetauscht und setzte dieses nun an ihrem Bauch an.
Der Schrei, den Dana vor Schmerz ausstieß, als das Messer in ihren Körper eindrang, wurde von dem Isolierband gedämpft, doch Mulder war sich sicher, dass er dieses Geräusch niemals im Leben vergessen würde.
Es wurde jedoch vermischt mit einem weiteren Laut. Nur entfernt hörte Mulder wie die Wohnungstür aufgebrochen wurde. Erstaunt sah er, dass einige Männer in das Schlafzimmer stürmten. Sie trugen schusssichere Westen und Helme und hatten die Waffen im Anschlag. Delight setzte gerade sein Messer an und begann in Scullys rechte Brust zu schneiden, um diese abzutrennen, als ein Schuss fiel. Der Mann ließ das Messer fallen und griff sich schreiend an den Arm. Er taumelte zurück und nur einen Wimpernschlag später wurde er von zwei Männern zu Boden gedrückt.
Skinner betrat das Zimmer und sog scharf die Luft in die Lungen als er Scully auf dem Bett liegen sah. Eine große Blutlache hatte sich bereits neben ihr gebildet.
"Skinner! Machen sie mich los! Schnell!", schrie Mulder und sein Vorgesetzter war mit zwei Schritten bei ihm. Er griff sich ein auf der Kommode liegendes Skalpell und schnitt mit schnellen Bewegungen die Seile durch. Mulder sprang auf und ließ sich neben dem Bett auf die Knie nieder. Mit zitternden Fingern fuhr er Dana über die Wange und sie schlug ihre Augen auf. Mulder griff nach dem Isolierband und zog es ihr vom Mund.
Sie stöhnte leise auf und Mulder sah sie mit ängstlichem Blick an. Immer noch blutete der etwa fünfundzwanzig Zentimeter große Schnitt sehr stark und er sah, dass ein Teil des Darms aus der Wunde austrat. Er war sich nicht sicher, ob dieser ebenfalls verletzt war, aber was er sicher wusste war, dass Scully nicht mehr lange leben würde, wenn sie nicht sofort operiert würde.
Ohne wirklich zu wissen was er tat, schnitt er die Fesseln durch, die sie am Bett hielten und beugte sich anschließend wieder über sie. Sanft nahm er einen Arm und legte ihn neben sie.
Dana hatte ihre Augen wieder geschlossen und ihr Atem ging flach und stoßweise.
"Dana, bitte, du musst durchhalten!", flüsterte er an ihrem Ohr.
Langsam schlug sie die Augen wieder auf, doch es dauerte einen Moment bis sich ihr Blick auf ihn fokussiert hatte.
"Tut...weh...", flüsterte sie schwach. Mulder nickte abgehackt.
"Du blutest sehr stark. Ich werde mit deiner Bluse auf die Wunde drücken müssen. Das wird einen Moment noch mehr wehtun.", erwiderte er und griff nach der Bluse. Nun deutete sie ein Nicken an, zu mehr reichte ihre Kraft nicht mehr und Mulder drückte die Bluse fest auf den langen Schnitt in ihrem Leib. Sie stöhnte leise auf. Auch aus dem Schnitt an ihrem rechten Busen sickerte langsam das Blut, doch Mulder war sich sicher, dass die Verletzung nicht so schlimm war, wie die große Wunde in ihrem Bauch.
"Wann kommt denn endlich dieser verdammte Krankenwagen?", brüllte er mit kippender Stimme über die Schulter hinweg.
"Er wird in zwei Minuten hier sein!", antwortete Skinner und trat neben ihn.
"Wie geht es ihr?", wollte er besorgt wissen.
"Sie blutet so fürchterlich!", sagte Mulder erstickt und schluckte. Erst jetzt merkte er, dass ihm die ganze Zeit schon Tränen die Wange hinunter liefen und er versuchte sie mit seiner Schulter abzuwischen.
"Bitte Dana! Stirb mir hier nicht weg. Ich liebe dich, und ohne dich werde ich einfach aufhören zu existieren.", flehte er und sah auf ihr weißes Gesicht hinab. Ihr Kopf war zur Seite gerollt und ihre Augen waren geschlossen. Die Lider lagen wie dunkle Schatten über ihren Augen. Panisch tastete er nach ihrem Puls. Er war noch da, zwar nur sehr schwach, aber doch noch zu ertasten.
"Skinner, der Krankenwagen! Sie stirbt!", schrie Mulder wieder und sein Vorgesetzter trat an das Fenster und sah hinaus.
"Da kommt er! Nur noch eine Minute, dann ist der Notarzt hier!", sagte er und rannte zur Tür, um den Männern zu zeigen, wo sie hin mussten.

"Okay, Sir, wir übernehmen jetzt!", drang wenig später eine entschlossene Stimme an Mulders Ohr. Wie in Trance nickte er und erhob sich dann. Skinner war sofort an seiner Seite und half ihm dabei, zwei Schritte zur Seite zu gehen und sich schließlich auf den Stuhl zu setzten.
Immer noch hatte Mulder den Blick nicht von Scully gewandt und jetzt sah er ängstlich zu, wie der Notarzt die Bluse von ihrem Leib nahm und erschrocken Luft in die Lungen sog.
"Verdammt!", entfuhr es dem Mann und Mulder merkte, wie sich alle Muskeln in seinem inneren verspannten. Schnell wurde eine Infusion gelegt und Scully bekam eine Spritze in den anderen Arm. Mulder nahm an, dass es sich um ein kreislaufstabilisierendes Medikament handelte.
"Sie darf nicht sterben, Skinner!", brachte er gequält heraus und sein Chef sah mitleidig auf ihn hinab.
"Nein, Mulder. Und das wird sie auch nicht.", meinte er und legte ihm eine Hand auf die Schulter.
"Welche Blutgruppe hat sie?", wollte ein Sanitäter wissen.
"0 Positiv!", antwortete Mulder mechanisch.
"Frank gib einen Funkspruch durch. Wir brauchen eine menge Blut! 0 Positiv.", gab der Sanitäter Anweisung durch sein Funkgerät. Ein Knacken und ein Rauschen waren offensichtlich die Bestätigung von Frank.
"Okay, Leute. Rüber mit ihr auf die Trage. Sie muss so schnell es geht in die Klinik und auf den OP-Tisch. Auf drei!" Der Notarzt zählte bis drei und mit einem Satz wurde Scully hoch gehoben und dann auf die Trage gelegt.
"Kann ich mitfahren?", wollte Mulder mit belegter Stimme wissen und erhob sich.
"Wir sind voll. Haben sie die Möglichkeit, dass sie jemand ins Krankenhaus fährt?", erwiderte der Notarzt und rannte dann hinter den Sanitätern her, die die Wohnung schon verlassen hatten.
Mulder sackte in sich zusammen und stierte zu Boden.
"Kommen sie, Mulder, ich werde sie fahren!" Skinner griff nach dem Arm seines Agenten. Er hatte es immer gewusst. Wenn es um Scully ging, dann war der sonst so forsche Fox Mulder nur noch ein hilfloser, zerbrechlicher Mann.
Mulder sah seinen Chef dankbar an und folgte ihm dann schnell. Skinner griff im Vorbeigehen noch nach einem Pullover von Mulder, der über der Sofalehne lag. Das Hemd seines Untergebenen war über und über mit Scullys Blut beschmutzt und Skinner war der Meinung, dass es besser war, wenn er einen sauberen Pullover an hätte.

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Ein lautes Piepen war das Erste was Scully wahrnahm, als sie langsam aus der Schwärze, die sie umgab, auftauchte. Mit einiger Mühe schaffte sie es, ihre Augen zu öffnen und nachdem sie ein paar Mal geblinzelt hatte, erkannte sie den Raum in dem sie sich befand auch einigermaßen klar.
Sie drehte ihren Kopf zur Seite und sah in die haselnussbraunen Augen von Mulder, die sie glücklich musterten.
Ein Lächeln bildete sich auf ihrem Gesicht und sie öffnete ihren Mund um seinen Namen zu sagen, doch es kam kein Laut über ihre Lippen. Sie war noch zu schwach.
"Scht! Versuch nicht zu sprechen. Du musst dich noch ausruhen.", sagte er mit sanfter Stimme und strich ihr mit dem Rücken seines Zeigefingers liebevoll über die Wange.
Sie nickte leicht und hob ihre Hand an seine, um sie fester an ihre Wange zu drücken.
"Ich hatte eine ganz beschissene Angst um dich!", flüsterte er und strich ihr mit der anderen Hand eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
"Ich war nie wirklich in Lebensgefahr!", flüsterte sie und lächelte wieder.
"Das sah der Notarzt aber ganz anders!", protestierte er lachend.
"Wirklich? Ich kann mich nicht erinnern!", murmelte sie.
"Zu der Zeit warst du bereits bewusstlos.", erklärte er und seine Augen wurden schwarz vor Angst, als er sich an die schlimmsten Minuten seines Lebens erinnerte.
Sie nickte und schloss die Augen. Diese kurze Unterhaltung war schon fast zu anstrengend für sie gewesen.
Mulder dachte schon, dass sie wieder eingeschlafen war, als sich ihre Lider noch einmal hoben und sie ihn anblickte.
"Konnten sie ihn festnehmen?", wollte sie mit leiser Stimme wissen. Mulder nickte.
"Ja, sie haben ihn noch in unserem Schlafzimmer überwältigt. Delight wird vermutlich nie wieder auf freien Fuß kommen.", erwiderte er.
"Gut.", nuschelte sie.
"Schlaf jetzt Dana. Ich werde bei dir bleiben.", sagte er sanft und streichelte ihre Hand mit seinem Daumen.
"Ich liebe dich, Fox!", flüsterte sie und schloss wieder ihre Augen.
"Ich liebe dich auch!", erwiderte er und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Scullys Augen schnappten wieder auf, als er sich zurück lehnte und sie lächelte.
"Was ist?", wollte er wissen.
"Meinst du, dass mir das reicht?", fragte sie mit schwacher und müder Stimme, doch ihr Lächeln vertiefte sich noch.
Mulder grinste und lehnte sich wieder vor. Ihre Hand hob sich zu seinem Nacken und sie zog ihn zu sich runter, bis sich ihre Lippen sanft berührten. Als er seinen Kopf wieder hob, sah er, dass ihre Augen geschlossen waren und er legte ihre Hand vorsichtig wieder neben sie.
Sie hatten es mal wieder geschafft. Scully lebte, und sie würde wieder gesund werden.


Ende

Vielen Dank, dass ihr bis hier durchgehalten habt. Die Idee zu dieser Story kam mir, als ich im Kino den wirklich guten Film "From Hell" gesehen habe. Ich habe dann ein wenig im großen weiten Netz recherchiert und mich über Jack the Ripper schlau gemacht. Ich habe die Verletzungen der Opfer ziemlich genau übernommen.
Über Feedback würde ich mich übrigens ganz wahnsinnig freuen!

Trahnfisch@gmx.de