Titel: Winged
Autor: SpookyStar
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Rating: weiß noch nicht
Kategorie: MSR, Scully POV (kursiv)
Timeline: zwischen Season 5 & 6 (sprich FTF)
Disclaimer: Nur die Idee gehört mir
blablabla...ihr wisst,
was ich meine.
Short-Cut: ...Ein Engel, der dem Menschen als Beistand und Hilfe
zur Seite gestellt wurde...
Hütet
euch davor, einen von diesen Kleinen zu verachten! Denn ich sage
euch: Ihre Engel im Himmel sehen stets das Angesicht meines
himmlischen Vaters.
WINGED
Zum ersten Mal seit zwei Wochen genoss ich meine freie
Zeit, wenn ich sie als eine solche überhaupt bezeichnen durfte.
Es war in letzter Zeit so viel geschehen. Dinge, die ich nicht
vergessen und auch nicht missen möchte, doch bin ich mir nicht
sicher, ob es das war, was ich in meinem Innersten auch wirklich
wollte.
Meine Finger legte ich um den Griff einer kleinen Kaffeetasse,
während ich die Menschen beobachtete, die an diesem kleinen
Café vorbeigingen. Manche waren hektisch, andere waren die Ruhe
in Person. Manchmal kamen Mütter oder Väter mit ihren Kindern
herein um sich selbst Kaffee zu holen und die Kinder mit einem
Stückchen Kuchen zum Schweigen zu bringen. Zumindest für einige
Minuten, denn kaum war der Kuchen weg, quengelten sie schon
wieder oder wollten weiter, da ein paar Minuten entfernt jemand
auf dem Spielplatz warten könnte.
Ich wünschte, ich könnte das Leben an mir vorbeiziehen lassen,
so wie es diese Menschen taten. Doch ich konnte es nicht und kann
es immer noch nicht. Ich werde es nie können. Es wird auf Ewig
so sein, dass alles um mich herum lebt und stirbt...und dass ich
nicht mit ihm leben und sterben kann. Ich kann weder das
eine...noch das andere. Scheinbar gefangen in dieser Welt, die
mir so viel gibt aber auch wieder so viel nimmt. Es war ein
Gefängnis...in einem gewissen Sinn. Ein Gefängnis, das ich
selbst gewählt habe...vor Jahren. Ich weiß noch nicht einmal
mehr, vor wie vielen Jahren. Es sind einfach schon zu viele.
Ich habe schon so viel Leid gesehen. So viel Leid, dass ich
hätte verhindern können. Doch ich bin nicht Gott und habe nicht
diese Befugnis, alles Leid von den Menschen fern zu halten. Ich
bin dazu da, sie zu beschützen, aus welchem Winkel
man das auch immer betrachten mochte.
Wenn ein Kind zum Beispiel aus dem ersten Stock fiel und auf
seiner Windel landete, dann war ich da. Dann war ich diejenige,
welche dafür sorgte, dass dieses Kind bloß ein paar blaue
Flecken davon trug.
Oder wenn ein junger Mensch aufgrund eines frischen
Führerscheins eine Böschung runterfiel ...mit dem Auto und sich
dieses mehrfach überschlägt und dennoch beinahe unverletzt aus
dem Wrack geborgen werden kann, dann war ich das.
Jedoch kann ich...oder können wir nicht immer und
überall sein. Wenn eine Mure abgeht und dabei mehrere Menschen
unter sich begräbt, welche dann nur mehr tot geborgen werden
können, dann war er das. Auch er, der
Herr der Fliegen, muss seine Chance bekommen, sonst
würde ein Ungleichgewicht herrschen, so sehr die Menschen das
auch nicht verstehen würden.
In manchen Fällen jedoch, so wie in diesem, werde ich
beauftragt, mich wie ein Mensch zu verhalten, wie einer zu sein.
Zwar auf Erden wandeln, doch für alle, bis auf meinen
Schützling, unsichtbar.
Nein, nicht auf die Weise, wie ihr nun denken mögt. Die Menschen
sehen mich. Sie bringen mir Kaffee, wenn ich ihn mir bestelle,
beziehen Steuern oder bekommen Trinkgeld von mir. Aber für sie
bin ich eine x-beliebige Frau dieser Stadt. Eine unter vielen.
Einfach irgendjemand. Nur für meinen Schützling nicht. Für ihn
bin ich Freundin oder Nachbarin, die nette Frau von der anderen
Straßenseite. Jemand, dem die Menschen gerne vertrauten.
Für gewöhnlich werde ich von meinen Schützlingen nach einigen
Jahren oder Jahrzehnten vergessen, so wie auch ich sie nach
einiger Zeit vergesse. So lauten die Spielregeln: du kennst mich
nicht mehr, ich kenne dich nicht mehr.
Es war schon immer so und es wird auch immer so bleiben.
Wäre da nicht dieser junge Mann, dessen Gesicht sich in mein
Gedächtnis und in meine Seele gebrannt hätte. Ja, auch wir
haben eine Seele. Die meiste Zeit bestehen wir auch nur
daraus...ohne Körper.
Ich kann ihn nicht vergessen, wobei das vielleicht etwas zu stark
ausgedrückt wäre. Immerhin wurde ich erst vor anderthalb Jahren
von ihm abgezogen, da er mich nicht mehr brauchte. Laut Gott. Na
ja, aber ich hatte mich diesem Befehl zu fügen und so sehr es
mir auch gefallen hatte, als Partnerin dieses FBI-Agenten durch
das Land zu fahren, um mit ihm Abenteuer zu erleben, so sehr ist
dieses Spaß nun auch zu ende. Alles hat ein Ende, heißt es oft.
Ich hatte schon oft Polizisten oder Regierungsbeamte als
Schützlinge, was nicht immer leicht war, da ich eine Frau bin.
Ja, ich bin tatsächlich eine Frau. Nicht nur im Geiste, sondern
auch mein Körper. Ich fühle mich also nicht nur wie eine...
Mein Körper ist immer der Selbe.
Er wird nicht älter, Narben verblassen und man sieht keine
Veränderungen daran. Immerhin kann ich ja nicht an
Altersschwäche sterben.
Nichts Irdisches kann mich umbringen, dafür hatte Gott gesorgt
und ich war dankbar dafür. Die Abenteuer, die ich mit diesem
Mann erlebte, waren oft sehr gefährlich und vermutlich hätten
wir beide schon oft ins Gras gebissen, wenn ich nicht auf ihn
aufgepasst hätte...und wenn ich auf diese Weise sterben könnte.
Der Einzige, der mir jemals wirklich gefährlich wurde, war ein
Dämon im Körper eines Mannes mit dem Namen Donnie Pfaster.
Mein Schützling wusste nichts von ihm. Er sah bloß einen
Verbrecher in diesem Mann. So aber nicht ich. Ich konnte hinter
diese Hülle blicken und sah, wer er wirklich war.
Vielleicht war ich ihm auch aus diesem Grund aufgefallen, weil
auch er durch meine Hülle sehen konnte und sah, wer
ich wirklich war. Wer ich wirklich bin.
Na ja, zurück zu diesem FBI-Agenten. Er hat durchaus Potential
und wenn er dieses geschickt einsetzen würde, so würde einer
Beförderung nichts im Wege stehen. Tja, wäre da bloß seine
Schwäche für Übernatürliches nicht. Dieser Mann
hatte ja keine Ahnung, was da draußen tatsächlich alles vor
sich ging, doch wahrscheinlich war es besser. Sonst würde sein
Verstand endgültig durchdrehen...
Ich musste bei dem Gedanken daran schmunzeln. Er hatte so oft
versucht, mich zu überzeugen, mich zu bekehren...oder wie auch
immer man das nennen wollte.
Er hat dunkle, braune Haare und grüne Augen. Seine Augen...ich
bekomme Bauchkribbeln, wenn ich bloß daran denke...wie er mich
mit diesen Augen manchmal angesehen hatte. So, als würde er
mehr, als nur eine Freundin in mir sehen. Doch das durfte er
nicht.
Ich wusste schon immer, dass es gefährlich war, als Frau einen
Mann zum Schützling zu bekommen, da die Gefahr von Liebe
bestand.
So wie die ungeschrieben Regeln des FBI gab es auch bei uns
Regeln und die Beziehung zu einem Schützling, und ich meine
hiermit wirklich eine Beziehung, die aus der Liebe beider Seiten
entstehen könnte, war strikt verboten. Es kostet einem die
Flügel.
Natürlich hatten es schon einige gewagt, aber die Beziehung ging
zu Bruch und die Flügel waren dafür geopfert worden. Für eine
Beziehung zu einem Sterblichen...war es das wirklich wert?
In der heutigen Zeit, in welcher die Menschen von Kapitalismus
und Materialismus geleitet werden? In der es keine Werte mehr
gibt, keine Nächstenliebe?
Ich schwor mir, niemals so nahe auf einen Menschen einzugehen.
Ich habe mir geschworen, diese Schützling-Beziehung
niemals so tief gehen zu lassen. Es ist schon schmerzhaft genug,
wenn man eine Freundschaft zerbrechen lassen muss aufgrund
dessen. Aber eine Liebe aufgeben, die nur schmerzt, wenn sie
erfüllt werden würde?
Nein, das wollte ich mir ersparen.
Ich wollte nie so fühlen.
Doch nun kam es anders.
Ich habe mich verliebt. So schwer es auch ist, das zuzugeben, ich
habe mich tatsächlich verliebt. In einen Sterblichen, in einen
Menschen, in einen FBI-Agenten...
Ich habe mich in Fox Mulder verliebt.
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Detroit; 23. Juli 1999, ca. 16:30 Uhr
Mit einem Seufzen legte die rothaarige Frau einen Dollarschein
unter ihre Tasse, stand auf, knöpfte sich ihre Weste zu und
verließ das Café, welches an einer belebten Straßenecke lag.
Ein lauer Wind umspielte ihre Haare, die nun in der sinkenden
Nachmittagssonne golden leuchteten und einige neidische Blicke
auf sich zogen.
Mit einer fahrigen Handbewegung strich sie sich ein paar
Haarsträhnen hinter ihr Ohr und wartete darauf, dass die Ampel
grün werden würde, sodass sie die Straße überqueren könnte.
Sie verlagerte ihr Gewicht auf ein Bein, während sie das andere
ein wenig anwinkelte. Ein schneller Blick auf ihre Armbanduhr
verriet ihr, dass sie später dran war, als sie es sich gedacht
hatte.
Sie musste zu Steve.
Ihrem neuen Schützling...seit anderthalb Jahren. Er
war ein Arbeitsloser gewesen, dessen Miete bereits am Ablaufen
war und er in Gefahr lief, seine Wohnung zu verlieren. Es ging
nur indirekt um sein Leben, in erster Linie ging um seine
Existenz und auch da kamen sie zum Einsatz.
Immerhin brauchte doch jeder Mensch irgendwann einen Schutzengel,
oder?
Sie war seine Nachbarin, mehr oder minder. Sie wohnte in der
Wohnung gegenüber. Eine drei Zimmer Wohnung. Zwar nicht
besonders groß, aber es reichte ihr. Sie hatte keine besonders
hohen Ansprüche. Solange sie eine funktionierende Heizung und
ein Dach über dem Kopf hatte, war sie vollauf zufrieden.
Als die Ampel auf grün sprang, hastete sie über den
Zebrastreifen und ging weiter in Richtung Norden, um so zu ihrem
Apartmenthaus zu gelangen. Sie hatte mehr oder weniger ein
Treffen mit Steve. Nicht in dem Sinn, wie manche denken würden.
Sie trafen sich, um zu reden oder Tee zu trinken. Sie waren
Freunde.
Und sie musste dafür sorgen, dass er soweit selbstständig
wurde, sodass er ihre Hilfe in Zukunft nicht mehr benötigen
würde. Danach würde sie woandershin versetzt
werden. Vielleicht in die Südstaaten oder allgemein nach
Südamerika. Wer wusste das schon?
Ein Schützling folgte dem nächsten. Kaum lief einer nicht mehr
in Gefahr, sich selbst zu richten oder auf einen Pakt mit dem
Teufel einzugehen, war ihre Aufgabe erfüllt.
Auf diese Weise hatte sie schon die ganze Welt kennen gelernt. Na
ja, fast die ganze. Natürlich waren asiatische Schutzengel in
Japan, China und die restlichen ostasiatischen Ländern lieber
gesehen, als eine westliche Frau mich flammend roten Haaren...
Ihre Schuhe machten klackende Geräusche, als sie auf dem Flur
des Apartmenthauses in Richtung der Treppen ging. Zwar hatte
dieses Haus einen Aufzug, der aber schon dermaßen alt war, dass
sie sich nicht traute ihn zu benutzen. Schließlich hatte sie
keine Lust darauf, stundenlang in einer kleinen Kabine
festzusitzen.
Überrascht, dass ihre Kondition bereits mehr schlecht als recht
war, kam sie keuchend im vierten Stockwerk an. Mit einem Mal
stand sie vor Steves offener Wohnungstüre. Er selbst stand an
den Türrahmen gelehnt und sah zu ihr, in seiner rechten Hand
eine Zigarette.
Der Qualm und der Geruch von verbranntem Tabak schlugen ihr
entgegen, als sie langsam auf ihn zuging. Sein Blick ruhte auf
ihrem Körper, ehe er in ihre Augen blickte.
Du weißt, dass Rauchen schlecht für Gesundheit ist...
sagte sie leise und nahm ihm die Zigarette aus der Hand, wobei
sie den Filter an ihre eigenen Lippen führte, um einen Zug zu
nehmen.
Ja, weiß ich, Doc... war seine nüchterne Antwort
und ein leichtes Lächeln umspielte seine schmalen Lippen. Seine
aschblonden Haare fielen ihm ins Gesicht und seine blauen Augen
musterten sie interessiert.
Komm rein... sagte er schließlich und machte einen
Schritt zur Seite, sodass sie eintreten konnte und er ihr die
Zigarette wieder abnahm.
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Als sie in seinem Vorzimmer stand, dass auch
mehr oder weniger sein Wohnzimmer war, zog sie sich ihre Schuhe
aus und reichte ihm somit nur bis zur Schulter.
Coke, Eistee oder Bier? fragte er sie, seine Stimme
drang zu ihr aus seiner Kochnische. Erstaunt sah sie auf und
hängte ihre Weste auf seinen Kleiderständer.
Eistee... rief sie zurück und blickte sich ein wenig
um. Er schien sich einen neuen Kasten gekauft zu haben, da seine
gesamten Bücher sonst immer irgendwo herumlagen. Nun aber
standen sie fein sortiert in einem Regal des Kastens...
Sag mal, Doc. Hast du dich nicht nur gegen Männer
verschworen, sondern auch gegen Alkohol? fragte er sie
erneut, als sie in Richtung der Kochnische ging, um ein kaltes
Glas Zitroneneistee entgegenzunehmen.
Wieso fragst du? sie tat so, als ob sie nicht
wüsste, von was er sprechen würde. Sie lehnte sich gegen seinen
Herd. Sie wusste durchaus, von was er sprach, doch sie konnte ihm
wohl schlecht sagen, dass Alkohol etwas war, das von oben
nicht gerne gesehen wurde. Es war nicht direkt verboten, aber
eben nicht gerne gesehen. Man könnte ja im trunkenen Zustand
etwas ausplaudern...
Na ja, bisher hast du in meiner Gegenwart noch nie Alkohol
getrunken. Noch nicht mal zu deinem Geburtstag. Wie kommt das?
Ich meine...ist das so eine Art Racheschwur? Oder ein Gelübde?
nun wurde er neugierig und nahm einen Schluck aus der braunen
Bierflasche, seine Zigarette hatte er in den Aschenbecher gelegt.
Ich habe einmal zu sehr gefeiert und wurde mit 17 Jahren
aufgrund einer Alkoholvergiftung in ein Spital eingeliefert. Zu
dem Zeitpunkt schwor ich mir, nie wieder einen Tropfen Alkohol zu
gönnen und dabei ist es geblieben. Und das ich nicht auf Männer
stehe, hat nichts damit zu tun, dass es ein Racheschwur ist oder
sonstiges. Es ist halt so... war ihre ernüchternde
Antwort. Aber ich denke nicht, dass es heute nur darum
gehen sollte, wie mein Sex- oder Liebesleben aussieht...
sie lächelte ihn ein wenig an, ehe sie ihre Hand auf seine
Schulter legte und ihn somit zu seiner Couch schob.
Wie ich sehe, hast du dir ein Bücherregal zugelegt. Find
ich toll. Nun laufe ich nicht mehr in Gefahr, über deine
Schmöker zu stolpern... begann sie mit einem Thema, das
weniger mit ihrem Privatleben zu tun hatte.
Sie saßen den gesamten Nachmittag beisammen, redeten und lachten
über Gott und die Welt, ehe Scully sich daran machte, nach Hause
zu gehen.
Hey Dee... er hielt sie vorsichtig am Arm, als sie
sich ihre Weste fertig übergezogen hatte. Fragend blickte sie zu
ihm auf. Obwohl sie ihre Schuhe bereits wieder anhatte,
überragte er sie, was bei ihrer Körpergröße nicht gerade ein
Wunder war.
...woher willst du wissen, dass Männer nicht das Richtige
sind, wenn du es noch nie mit einem versucht hast? In
seiner Stimme lag etwas, dass sie noch nie gehört hatte.
Unverzüglich machte sich Unmut in ihr breit, ein ungutes Gefühl
in ihrer Bauchgegend. Er nahm seine Hand nicht von ihrem Arm und
blickte ihr in ihre Augen.
Oder hast du es bisher noch nie versucht, weil du vor
Jahren von deinen Freundinnen vollgeheult wurdest, wie böse wir
doch wären?
Ihr Rücken berührte das kühle Holz seiner Eingangstüre, als
sie einen Schritt zurück machte. In seinem Blick lag etwas, dass
sie noch nie zuvor darin gesehen hatte und sie wusste, dass es
nichts Gutes verhieß.
Nein, ich wurde damals nicht vollgeheult. Ich habe mich
bloß noch nie zu Männern hingezogen gefühlt. Das ist alles...
versuchte sie ihn, mehr oder weniger zur Vernunft zu bringen. Sie
musste ihn davon abbringen, das zu denken oder das zu fühlen,
was er scheinbar dachte oder fühlte.
Aber du hast es noch nie versucht. Und Vorurteile sind
nicht richtig, das hast du selbst gesagt...
Sie wusste, was er meinte, jedoch gingen ihr nun die Argumente
aus. Was sollte sie ihm noch sagen?
Steve, du würdest doch ohnehin nichts mit mir anzufangen
wissen...erspar es dir und lass es, wie es ist. Lass uns Freunde
bleiben, denn zu mehr kannst du mich nicht brauchen...
versuchte sie zu argumentieren und hob abwehrend ihre Hände. Er
war angeheitert und der Alkohol schien ihn lockerer zu machen.
Sie wusste, dass er sie akzeptierte, so wie sie war, auch wenn
sie wohl nicht wirklich die war, die er in ihr sah...
Ach Danaaaa... maulte er und legte seine Stirn auf
seine Schulter, wobei sie ihm leicht über den Rücken strich.
Was denn? Ich bin ich und du bist du. Und wir sollten es so
lassen, wie es ist, da ich das okay finde. Zumal du angetrunken
bist und zum Schluss Dinge sagst, die du gar nicht willst...also,
geh ins Bett und schlaf dich aus. Wir reden morgen weiter...
Sie drückte ihn ein wenig von sich und sah in sein Gesicht. Sein
Blick hatte sich nicht geändert...
Plötzlich legte er seine Hände unter ihren Hintern und hob sie
hoch, sodass ihre Gesichter auf gleicher Höhe lagen. Sein
Gesicht war so nahe an ihrem, dass sie den Alkohol aus seinem
Atem riechen konnte.
Steve... seine Stimme glich einem heiseren Flüstern,
ihr Herz schlug ihr bis zum Hals und sie musste schlucken. Das
durfte nicht passieren...er durfte es nicht.
Seine Nase rieb über ihren Hals, seine Lippen streiften ihre
Haut.
Tu das nicht...du weißt, dass es nicht in Ordnung ist...
sagte sie heiser, ihre Stimme klang rau. Doch anstatt ihr eine
Antwort zu geben, leckte er mit seiner Zunge über ihren Hals.
Du riechst so gut...so schön... nuschelte er gegen
ihre Haut und trennte seine Lippen von ihrem Hals, um in ihr
Gesicht zu sehen.
Sie konnte nicht nur sehen, was er wollte, sondern es auch
spüren, was ihr noch mehr Unbehagen bereitete.
Steve, lass mich bitte runter...bitte lass mich runter...du
willst das nicht... versuchte sie ihn erneut zur Vernunft
zu bringen.
Woher willst du wissen, was ich will? fragte er sie
und war kurz davor, sie auf ihre Lippen zu küssen. Du
sagst, du stehst auf Frauen, doch ich habe dich noch nie mit
einer gesehen. Wie kommt das?
Sein Blick war ernst und wirkte auch ein wenig verletzt. Er kam
sich verarscht vor, dennoch war es nun der Alkohol, der seine
Gedanken vernebelte und ihn steuerte.
Ich sagte doch schon, dass das hier nichts zu suchen hat,
Steve. Und nun lass mich runter und leg dich ins Bett. Geh
schlafen. Morgen sieht die Welt wieder anders aus und du wirst
eine Frau kennen lernen, die dich lieben wird...
Und wieso liebst du mich nicht? Was habe ich dir getan,
dass du mich nicht liebst, Dana?
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Sie wusste wirklich nicht mehr, was sie ihm
noch alles antworten sollte. Sie wusste nur, dass sie sich beide
auf dünnem Eis begaben, wenn er sie nicht bald wieder
runterlassen würde.
Lass uns morgen darüber reden, okay? .... Komm einfach
morgen früh bei mir vorbei und wir trinken zusammen Kaffee...nur
lass mich jetzt bitte runter...
Sie war schon knapp davor, aufzugeben, ihn verbal zu bitten, sie
in Ruhe zu lassen, als ihre Worte nun scheinbar doch durch ihn
durchdrangen, und er sie wieder auf den Boden stellte.
Oh Gott, Dana...ich...es tut mir leid. Ich wollte nicht...
begann er stotternd, doch sie legte ihm ihren Zeigefinger auf die
Lippen.
Ssssht. Schon okay. Lass es. Worte helfen nun nicht...geh
ins Bett und leg dich schlafen...
Mit einem zermürbten Gesichtsausdruck nickte er und fuhr sich
mit seinen Händen durchs Gesicht, während sie sich umdrehte und
mit einem tiefen Atemzug aus der Wohnung verschwand.
Ihr Herz begann nun wieder, ein paar Takte langsamer zu schlagen
und auch der Boden unter ihren Füßen bebte nicht mehr so, wie
noch einige Augenblicke zuvor. Mit einem Gefühl von Sicherheit
schloss sie ihre Wohnung auf und ging im Dunkeln in ihr
Schlafzimmer. Sie wusste, dass schon bald jemand geschickt werden
würde, um ihr zu sagen, dass sie ihre Aufgabe mit Bravour
gemeistert hatte und dass sie nun woanders gebraucht werden
würde.
Mit einem Seufzen packte sie einige Sachen zusammen, auch wenn es
unnötig war. Wofür brauchte sie zusammengepackte Sachen? Oder
gar einen Umzugswagen?
Ihr Umzug würde von Oben geplant werden
und sie musste nichts tun, als einfach dort hinzugehen...
Na das war ja wirklich sehr knapp, meine Liebe...
holte mich eine mir sehr bekannte Stimme aus meinen Gedanken.
Erschrocken drehte ich mich um und blickte in das Gesicht jenes
Seraph, der mir des Öfteren schon erschienen war.
ER war sozusagen mein Umzugswagen. Oder mein Immobilienmakler.
Jedenfalls war er immer derjenige, der mir sagte, wohin ich nun
gehen sollte.
Hör auf, mich ständig zu erschrecken. Du weißt,
dass ich das nicht leiden kann...
Er wusste es, aber scheinbar machte es ihm Spaß, mich zu
erschrecken.
Nun hab dich nicht so. Du müsstest nach so vielen
Jahren bereits wissen, wann ich komme und wann nicht...
antwortete er mir und es gab Momente, wie diesen, in denen ich
ihm am liebsten das Grinsen aus dem Gesicht schlagen wollte.
Ja, ich weiß es durchaus schon oft im Voraus. Aber du
kommst immer aus dem Dunkel und dann noch dazu so...überraschend
und von hinten. Also hör endlich auf damit. Ich kann es
nicht leiden... keifte ich ihn an, obwohl ich wusste, dass
ich überreagierte.
Ich hatte ja nichts dagegen, endlich mal wieder mit einem von uns
zu sprechen, da ich so alle Karten offen liegen lassen durfte,
ohne daran zu denken, was ich sagen durfte und was nicht.
Wohin muss ich nun, Seraph? meine Stimme klang immer
noch missmutig und ich setzte mich auf die Matratze meines
Bettes. Ich war erst seit anderthalb Jahren hier, also eigentlich
relativ kurz, wenn man hernahm, dass ich 5 Jahre an der Seite des
FBI-Agenten eingesetzt war. Aber manche Aufträge ließen sich
leichter und schneller erledigen, als andere. Das hier war eben
einer der anderen Fälle, die, die man leicht und
schnell hinter sich bringen konnte.
Anfangs hatte mir dieser Job wirklich Spaß gemacht. Ich mochte
es, so viele verschiedene Menschen kennen zu lernen; so viele
unterschiedliche Charaktere. Es faszinierte mich einfach, wie ein
und dieselbe Rasse so anders sein konnte.
Nun hatte sich einiges ins Gegenteil umgeschlagen und ich ging
mit weniger Elan an diese Aufträge ran, als noch einige Jahre
zuvor. Vielleicht war es aber auch einfach nur eine Phase, die
wieder vergehen würde...so wie es andere auch taten...
Phasen kamen und gingen und man vergaß sie schnell wieder.
Du musst nicht allzu weit weg... Er ging in meiner
Wohnung herum und das fahle Licht des Mondes brachte seine
perfekten, weiße Flügel zum leuchten. Du musst nach Los
Angeles...
...die Stadt der Engel, huh? Was für eine Ironie...
seufzte ich und ließ mich in meinem Bett zurückfallen. Ich fuhr
mit meinen Händen über mein Gesicht und atmete tief durch,
machte meinem Unmut freien Lauf. Ich weiß selbst, dass es
einfach zu meinem Job gehörte, aber ich wollte nicht
in einer Tour umziehen. Vielleicht hatte ich Glück und bekam
einmal eine Aufgabe, bei der ich gleich mehrere Jahre blieben
könnte.
So wie bei Mulder...
Mulder...
Ich seufzte erneut und erntete einen schiefen Blick von meinem
Vorgesetzten (ich weiß nicht, ob er es ist...aber er
ist so etwas in der Art...)
Ich antworte ihm nicht auf seinen fragenden Blick, sondern hing
einfach weiter meinen Gedanken nicht.
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Ich wusste, dass ich ihn niemals wieder
sehen würde. Vermutlich würde er eine Frau finden und mit ihr
eine Familie gründen. Vielleicht nicht so wie in Soaps, aber ich
denke, er würde mit ihr glücklich werden...
Sag deinem Schützling, dass du aufgrund eines Jobwechsels
umziehen musst...oder aufgrund einer Beziehung... er zuckte
gleichgültig mit seinen Schultern und betrachtete sich selbst in
einem Spiegel.
Ja, ich muss zugeben, dass wir ein wenig eitel sind. Wir
betrachten uns gerne in Spiegeln und pflegen unsere Flügel
stundenlang. Oft zur Mauser...was wirklich sehr unangenehm ist,
da es juckt und kratzt...aber das hindert uns nicht daran, dass
wir eitel sind.
Ich werde es ihm morgen sagen. Das heißt, dass du nun
wieder gehen kannst... ich versuchte ihm, ohne viele Umwege
klar zu machen, dass er nun wieder verschwinden konnte. Ich
wollte alleine sein und er verstand den Wink, denn als ich einmal
kurz blinzelte, war er wieder verschwunden.
Ich legte mich zur Seite, zog meine Beine an meinen Körper und
kugelte mich so klein zusammen, wie ich nur konnte. Mein Blick
glitt aus dem Fenster.
Wir hatten endlich wieder Vollmond und die Nacht war so klar, wie
selten zuvor. Meist lag im Sommer eine Dunstglocke über der
Stadt, die es einem nicht erlaubte, einen Blick auf den Mond zu
erhaschen. Oder zu den Sternen.
Doch diese Nacht?
Ich schloss meine Augen und sah plötzlich Mulders Gesicht vor
mir...es war, als ob er neben mir liegen würde...als ob er mit
seiner Hand über meine Wange streicheln würde, ehe ich
bemerkte, dass es bloß der Wind war, der mich durch das halb
geöffnete Fenster berührte. Ich weiß noch, dass seine
Berührungen oft nicht mehr waren, als eben jener laue Luftzug.
Doch sie waren so vertraut...so anders, als die Berührungen der
Menschen zuvor.
Er war so anders, als all die Menschen zuvor. Manchmal schien es
mir, als ob auch er wüsste, was meine Aufgabe war...und wer ich
war. Wer ich wirklich war.
Wer sich tatsächlich hinter diesem Menschen verbarg, den ich
spielte.
Mein Leben glich einem riesigen Rollenspiel und manchmal hatte
ich das Gefühl, mich selbst verloren zu haben, da ich oft nicht
wusste, wer ich wirklich war. Ich versank in diesen Figuren, die
ich spielte, glaubte schon oft, dass ich tatsächlich ein Mensch
war.
Doch bei ihm...da fühlte ich mich nicht, wie eine Spielfigur. Da
fühlte ich mich als das, was ich wirklich war, ohne ihm jemals
die Chance gegeben zu haben, mich kennen zu lernen.
Mich richtig kennen zu lernen...
Ich spielte eine Frau, die ihre Gefühle hinter einer hohen Mauer
versteckte. Doch nach einiger Zeit wurde aus diesem Spiel
ernst...ich musste meine Gefühle verstecken. Wenn er bemerkt
hätte, wie viel er mir tatsächlich bedeutete, dann wäre alles
dahin...
Hin und wieder gab ich ihm die Chance, in mein Innerstes zu sehen
und ich denke, dass es ihm gefiel. Und es machte mir auch nichts
aus...
Immer öfter ertappte ich mich selbst dabei, wie ich daran
dachte, ihn zu küssen. Wie es wäre, ihn zu küssen...seine
warmen Lippen auf meinen zu spüren, ihn zu umarmen und zu
halten. Von ihm umarmt und gehalten zu werden...
Nach der Entführung von Donnie Pfaster...als Mulder mich in
letzter Sekunde gefunden hatte, heulte ich mich bei ihm aus. Ich
dachte, mich noch nie in meinem Leben so sehr gefürchtet zu
haben. Ich weiß noch, als er mich zwang, in seine Augen zu sehen
und ich daraufhin zerbrach. Ich wollte nicht so schwach gesehen
werden, vor allem nicht vor ihm. Schließlich musste ich ihn doch
beschützen, ich war doch sein Schutzengel.
Doch in Momenten wie diesen gab er mir das Gefühl, dass nicht
ich ihn, sondern er mich schützen konnte. Dass auch ich schwach
sein durfte...dass auch ich mich beschützen lassen durfte.
Ich legte meine Arme um mich selbst, um mich zu halten, so
seltsam das auch klingen mochte...aber ich brauchte es einfach.
Und wenn schon niemand hier war, der mich halten konnte, so
musste ich nach einer anderen Möglichkeit greifen.
Meine Fingerspitzen berührten etwas Weiches, etwas Flaumiges.
Das Gefühl von Daunen...
Ich öffnete meine Augen und sah ein wenig zurück. Mein Blick
blieb auf meinen Flügeln haften. Jetzt, da ich endlich alleine
war, konnte ich so sein, wie ich war...
Eine kurze Träne rollte über meine Wange und ich wischte sie
trotzig weg. Mit Hilfe meiner beiden weißen Flügel setzte ich
mich wieder auf, um ins Badezimmer zu gehen. Ich hatte eine Art
Lotion für meine Flügel, sodass meine Federn weich bleiben. Man
kann sich gar nicht vorstellen, dass Flügel so pflegebedürftig
sein können, aber sie haben etwas von Haaren. Und Haare muss man
auch pflegen.
Meine Finger glitten durch die kurzen und flauschigen
Daunenfedern, bis hin zu den langen Schwungfedern. Ich konnte
auch fliegen, wobei ich immer noch Probleme bei den Landungen
hatte.
Tja, das Schwierigste am Fliegen war das Landen. Aber ich hatte
ja noch Zeit...ich hatte die Ewigkeit...
Bei dem Gedanken daran, dass noch eine Ewigkeit vor mir
lag...eine Ewigkeit, in der ich Leben kommen und wieder gehen
sehen würde...
Ein mulmiges Gefühl machte sich in meinem Bauch breit, doch ich
ließ es nicht lange zu. Ich durfte mich von solchen Gedanken
nicht unterbringen lassen. Es war mein Leben ich war zufrieden
damit. Zumindest dachte ich das...bis eben.
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Ich sollte mich auf andere Gedanken
bringen. Ich wusste, dass es nichts Gutes verhieß, wenn sie in
diese Richtung abdrifteten...in den letzten Monaten kam es öfter
vor. Um ehrlich zu sein, erst seit den letzten anderthalb Jahren,
doch darüber sollte ich besser auf keine Gedanken
verschwenden...
Mit einem genüsslichen Seufzen streckte ich meine Schwingen aus
und hörte das leise Knacksen in den Gelenken. Ich sollte meine
Flügel vielleicht doch öfter trainieren, doch ich kam in
letzter Zeit einfach nicht zu so etwas. Wann denn auch?
Zumal ich auch nicht in einfach in ein Fitnesscenter gehen
konnte, um Sport zu treiben...zumindest nicht mit meinen
Flügeln.
Ich band meine Haare mit einem schwarzen Haargummi zusammen, doch
da meine Haare nicht unbedingt die günstigste Länge dafür
hatte, fielen einzelne Strähnen heraus und umrahmten mein
Gesicht.
Und so stand ich vor dem Spiegel, der über meinem Waschbecken
hing: müde, ausgelaugt.
Vielleicht sollte ich auch wieder einmal Urlaub nehmen, doch das
hätte ich mir früher überlegen sollen, denn in ein paar Tagen
würde ich in L.A. sein und mich dort erneut einem Menschen
anzunehmen.
Ich würde mich einfach duschen gehen und dann sehen, was der
Abend noch so bringen würde. Vielleicht lief ja etwas
Interessantes im Fernsehen, doch da war ich mir ziemlich
unsicher, da es in letzter Zeit ohnehin nur Müll spielte.
Nach zwanzig minütiger Dusche und ausgiebige Pflege ihrer
Flügel, legte sie sich, bloß mit einem Handtuch bekleidet, auf
ihr Bett und starrte an die Decke. Der Wind hatte nachgelassen
und nun schien die Luft bewegungslos über der Stadt zu schweben,
so als ob alles Leben angehalten hätte. Nicht einmal die
Geräusche von Autos drangen an ihr Ohr. Alles schien
bewegungslos zu sein, wie sie...
Zum zweiten Mal an diesem Abend zog sie ihre Beine an ihren
Körper, wodurch sich der Knoten ihres Handtuches löste und den
Blick auf ihren Körper freigab. Ihre Haut schien im Licht des
Mondes wie eine Mischung aus Milch und Seide.
Ihre Arme lagen gekreuzt über ihrer Brust und ihre Augen waren
geschlossen. Sie wollte nichts sehen, sie wollte nichts hören.
Sie wollte einfach Nichts...
Missmutig beugte er sich über die Akte, seufzte hörbar aus und
rieb sich mit seinen Fingern über seinen Nasenrücken. Unter
seinen Augen machten sich erneut dicke Augenringe breit und er
stützte seinen Kopf auf seiner Hand auf.
Seine Wohnung war in Finsternis gehüllt und nur seine
Schreibtischlampe schien die einzige Lichtquelle zu sein. Die
Möbel warfen schwarze Schatten auf die sonst so hellen Wände
und ließ seine Wohnung beinahe gespenstisch aussehen. Sein
Aquarium blubberte zwar noch vor sich hin, doch war es beinahe
leer, nur noch hier und dort konnte man einen Blick auf einen
noch lebenden Fisch erhaschen.
Über sein gesamtes Apartment verstreut lagen Kleidung,
Essensreste, Zeitschriften und Dinge, die schon beinahe lebendige
Züge annahmen.
Die Luft war abgestanden und warm, es roch, als wäre schon seit
Wochen nicht mehr gelüftet worden.
Mulder seufzte und er sah auf, sein Blick fiel auf ein Foto,
welches vor zwei Jahren gemacht worden war. Langsam griff er nach
dem hölzernen Rahmen, seine Finger spürten die Kälte des
Glases. Als er langsam näher zu sich nahm, schien sein Blick auf
die zierliche Person neben ihn zu kleben. Sie hatte rote Haare
gehabt und Augen, so tief und blau wie das Meer.
Vor sechseinhalb Jahren war sie ihm zugeteilt worden, um seine
Arbeit zu entlarven, doch anstatt ihm in den Rücken zu fallen,
wuchsen sie zusammen und wurden zu einem perfekten Team. Aus
einer Partnerschaft wurde eine so tiefe Freundschaft, dass Mulder
schon nicht mehr wusste, wo die Grenze zwischen Freundschaft und
Liebe war. Inzwischen war er sich sicher, dass es mehr als
Freundschaft war, dass ihm mit dieser Frau verband.
Aber sie war nicht mehr bei ihm. Seit sie ihm vor anderthalb
Jahren mitteilte, dass sie nach Utah gehen würde aufgrund einer
Strafversetzung. Nur, weil er sich wieder einmal über die Regeln
hinweggesetzt hatte. Nur weil er wieder einmal geglaubt hatte, er
wüsste es besser.
Zwar hatten sie Leben gerettet, aber was war der Preis dafür?
Erst nach einigen Minuten stellte er das Photo wieder auf seinen
angestammten Platz zurück und hing noch ein wenig seinen
Gedanken nach, ehe ihn das Piepen seiner Digitaluhr zurück in
die Realität brachte. Und die Realität bestand darin, dass er
diesen letzten Bericht fertig schreiben und Skinner abliefern
musste. Nach einer weiteren Stunde setzte er mit einer
schmerzenden Hand seine Unterschrift unter den Bericht und atmete
tief durch. Er war fertig. Sowohl mit dem Bericht, als auch mit
seinen Nerven. Er rieb sich über seine müden Augen und blickte
daraufhin auf seine Armbanduhr. Es war kurz vor Mitternacht, und
so müde und ausgelaugt er auch war, er wusste, dass es nicht
schlafen könnte. Es gelang ihn schon seit langem nicht mehr, in
einen ruhigen Schlaf zu driften, ohne Alpträume, Monster und
Dämonen.
Seine Träume begannen immer anders, das Ende war jedoch das
gleiche: er sah Scully, streckte ihr seine Hand entgegen, sodass
sie ihm helfen würde. Doch sie schloss ihre Augen, drehte sich
um und verschwand in der Dunkelheit.
Ein Schauer durchlief seinen Körper bei dem Gedanken an diesen
Traum. Er nahm einen tiefen Atemzug, stand auf und schlurfte in
sein Badezimmer. Das helle Licht, welches von dem weißen
Fließen reflektiert wurde, ließ ihn seine Augen zusammenkneifen
und beinahe blind nach seiner Zahnbürste greifen.
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Er hatte Skinner mehr als einmal gebeten,
ihm Scullys neue Adresse in Salt Lake City zu geben, doch dieser
verweigerte. Anfangs. Als er dann doch bereit war, seinem Agenten
die Adresse zu geben, war sie nicht mehr vorhanden. Es war so,
als hätte Scully niemals beim FBI gearbeitet, was Mulder doch
sehr verwunderte. Er wusste, dass Scully diesen Job liebte und
nicht einfach so aufgeben würde...
Schlimmer als die plötzlich nicht mehr vorhandene Adresse war
die Tatsache, dass sie sich kein einziges Mal bei ihm gemeldet
hatte. Er war davon ausgegangen, dass es eine
Selbstverständlichkeit war, dass sie sich bei ihm melden würde,
sobald sie angekommen war. Und sei es nur ein Telefonat...einmal
im Monat. Doch sie hatte sich nicht bei ihm gemeldet, hinterließ
keine Telefonnummer oder eine Adresse.
Hatte er sie so sehr verletzt, dass sie ihn nicht mehr wieder
sehen wollte? Oder hatte der nichtvorhandene Kontakt einen
anderen Grund?
Natürlich hatte Mulder auch mit dem Gedanken gespielt, dass sich
Scully irgendwo abgesetzt haben könnte. Mit einer kleinen,
eigenen Praxis, einem Haus mit Garten, das sie mit einem Mann und
vielleicht mit einem adoptierten Kind teilte.
Es schien das Natürlichste der Welt zu sein, aber so unwirklich.
Er konnte sich Scully in einem solchen Leben nicht vorstellen. Es
würde so unwirklich erscheinen, darum hatte er sie weiter
gesucht, hatte auch die Schützen gebeten, ihm bei der Suche zu
helfen. Doch es blieb alles negativ, keine Spur von Scully oder
einer Frau, die auf ihre Beschreibung passen würde.
Auch seine Freunde hatten ihm Nahe gelegt, dass Scully vielleicht
einfach den Dienst quittiert hatte und da sie nicht vorbestraft
war, war es ein Ding der Unmöglichkeit, sie zu finden.
Eine letzte Möglichkeit wäre auch, dass sie ausgewandert war...
Mit einem leeren Blick und frischgeputzten Zähnen schlurfte er
in sein Schlafzimmer, welches er seit einigen Monaten auch als
ein solche benutzte, und ließ sich auf die Matratze sinken, die
unter seinem Gewicht nachgab. Der Wecker auf seinem Nachttisch
zeigte in roten Zahlen die Uhrzeit an und er ließ sich einfach
zur Seite fallen. Dass er mit Jeans und Shirt in seinem Bett lag,
war ihm egal, er wusste ohnehin, dass er nicht gut schlafen
könnte, wozu sich also umziehen?
Er rieb sich ein letztes Mal über seine müden Augen, ein
Gähnen folgte und schließlich schloss er seine Augen; seine
Gedanken waren leer und nur mehr die Angst vor dem bevorstehenden
Alptraum schien vorhanden zu sein...
Kalter Schweiß stand auf seiner Stirn, perlte ihm teilweise
über seine Nase. Sein Atem ging schnell und flach, sein Herz
raste und er musste einige Male schlucken, bis er sich wieder
orientieren konnte. Mit einem Seufzen ließ er sich in die
Polster zurückfallen, ehe er seinen Kopf schüttelte und sich
erneut aufrichte. Es war zwar erst kurz vor vier, aber er wusste,
dass an Schlaf nun nicht mehr zu denken war.
Manchmal hatte er Glück und er wachte kurz vor sechs Uhr auf,
sodass er nicht so lange wach bleiben musste, aber in Nächten
wie diesen war es schließlich Langeweile, die ihn bereits um
fünf Uhr joggen gehen ließen, sodass er bereits um sieben Uhr
vor der Türe zu seinem Kellerbüro stand.
Und so begann er auch diesen Tag; er zog sich seine Joggingsachen
über und verließ seine Wohnung. Die Sonne dachte noch nicht
daran, aufzugehen und so begann Mulder zu laufen, während die
Stadt um ihn herum noch schlief.
Pünktlich um sieben Uhr stand er vor seinem Büro, suchte den
Schlüsselbund in seiner Hosentasche und zuckte erschreckt
zusammen, als auf einmal A.D. Skinner neben ihm stand.
Sir...? fragte Mulder verwundert nach und drehte sich
so, dass er seinem Chef direkt gegenüberstand.
Was machen Sie denn schon hier, Mulder? fragte
Skinner und bemerkte die dunklen Augenringe unter den Augen
seines Agenten, welche er bereits zu Mulders Accessoires zählte.
Er wusste durchaus, was der Auslöser deren gewesen war, doch
hoffte er, dass es mit der Zeit aufhören würde. Was auch immer
Mulder von seinem Schlaf abhielt...
Na ja, da ich nicht mehr daran dachte, zu schlafen...,
gleichgültig zuckte er mit seinen Schultern. ...da dachte
ich, ich fahre schon mal her und bringe Ihnen auch gleich die
fertigen Akten...
Skinner nahm die Antwort des Agenten stumm zur Kenntnis.
Und was machen Sie hier unten, Sir? Wenn Sie dachten, ich
sei noch gar nicht hier... fragte Mulder nach und sah
seinen Gegenüber an.
Tja, ich weiß auch nicht so recht... nun war es an
Skinner, mit den Schultern zu zucken. Ich erhielt einen
Anruf von einem leicht nervösen Polizeibeamten, der meinte, ein
wenig außerhalb von Detroit UFOs gesehen zu haben. Er hat von
Ihnen gehört, aber da er Sie nicht erreichen konnte, rief er
mich an. Ich habe zwar auch keinen blassen Schimmer, wie er an
meine Nummer kam, aber das wird wohl ein Rätsel bleiben.
Jedenfalls wollte ich Ihnen eine Notiz hier unten lassen, sodass
Sie diesen Mann anrufen können.
Das heißt, dass ich womöglich nach Detroit fliegen soll
aufgrund dieses Anrufes...?
Er wollte Sie sprechen. Der A.D. zuckte erneut mit
seinen Schultern. Fliegen Sie kurz rauf und sehen Sie nach
dem rechten. Vielleicht hat der Mann ja wirklich irgendwas
gesehen, vielleicht nicht direkt ein UFO, aber vielleicht etwas,
dem nachzugehen ganz in Ordnung wäre...
Ehe Mulder Widerspruch einlegen oder auch nur ansatzweise
nachfragen konnte, warum Skinner ihn so mir nichts, dir nichts
nach Detroit fliegen ließ, schloss sich die Aufzugstüre hinter
Skinner und Mulder stand wie bestellt und nicht abgeholt vor
seinem, immer noch verschlossenem, Büro.
Keine fünf Sekunden darauf stand Mulder in seinem Büro, ging
auf seinen Schreibtisch zu, um dort beim Flughafen anzurufen. Es
kam ihm immer noch seltsam vor, dass er sich darum kümmern
sollte, denn für gewöhnlich bearbeitete er solche Fälle immer
heimlich, sodass ihm niemand draufkommen würde. Doch nun wurde
er darum gebeten, scheinbar Zeit und das Budget des FBIs zu
verschwenden.
Im Nu hatte er ein Flugticket bekommen; sein Flug würde in vier
Stunden gehen. Er hatte also noch genug Zeit, nach Hause zu
fahren, um zu packen und zu duschen. Er würde, während er seine
Sachen packte, diesen fragwürdigen Zeugen anrufen. So hatte er
zwei Fliegen mit einer Klappe und konnte sich sofort darum
kümmern, wenn er in Detroit ankam. So machte er kehrt, als er
den schwarzen Hörer wieder aufgelegt hatte, sperrte die Türe
hinter sich zu und ging zurück zu seinem Wagen, der in der
Tiefgarage des FBIs stand.
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Ein sachtes Klopfen riss sie aus ihrem
Schlaf, ließ sie sich verwirrt umsehen. Erst nach einigen
Sekunden bemerkte sie, dass es an ihrer Türe geklopft hatte und
ein Blick auf ihren Wecker verriet ihr, dass es bereits kurz vor
zehn Uhr vormittags war.
Dana? Bist du da? drang Steves leise Stimme an ihr
Ohr und sie konnte sich dunkel daran erinnern, ihn diesen Morgen
zum Kaffee eingeladen zu haben. Mit einer schnellen Handbewegung
strich sie sich eine Haarsträhne nach hinten und stand auf,
wobei das blaue Handtuch auf den Boden fiel. Die Tatsache, dass
sie nun nackt inmitten ihrer Wohnung stand, schien sie nicht
unbedingt zu überraschen, dennoch holte sie sich ihren
Morgenmantel und streifte sich ihn über, ehe sie die Türe
öffnete.
Steve stand bereits in Jeans und Shirt vor ihr, in seiner Hand
hielt er eine gelbe Sonnenblume. Überrascht blickte sie von der
Blume in Steves Gesicht, der sie nun mit einem entschuldigenden
Blick ansah.
Dana, es tut mir leid, was gestern Abend passiert ist. Ich
weiß, dass ich mich unmöglich verhalten habe und auch das tut
mir leid. Ich...ich akzeptiere und respektiere dich, so wie du
bist. Ehrlich...ich wollte nicht so...
...dämlich? ergänzte sie ihn. Er nickte.
Ich wollte nicht so dämlich rüberkommen. Tut mir wirklich
Leid...
Um seine Worte zu bestärken, hielt er ihr die Blume entgegen,
sodass sie nicht umhin konnte, auf das Braune in der Mitte der
Blüte zu sehen.
Wieder Freunde? fragte er versöhnend nach.
Ein Lächeln umspielte ihre Lippen, als sie nach der Blume griff
und diese fest hielt.
Ja, wieder Freunde. Sie machte einen Schritt zur
Seite. Komm rein...Kaffee gibts noch keinen...
Ich hab dich wohl geweckt, hm? meinte Steve und
deutete auf ihre Haare, welche ihr Strähnenweise vom Kopf
abstanden. Ein schüchternes Lächeln ihrerseits folgte, als sie
die Türe hinter ihm schloss und leicht nickte.
Ja, irgendwie scheine ich diese Nacht wirklich gut
geschlafen zu haben...und fest...
Sie ging quer durch ihr Wohnzimmer, um eine Vase zu holen, welche
sie mit Wasser füllte, sodass sie die Blume hineinstellen
konnte. Während sie einem geeigneten Platz für die Vase suchte,
macht sich Steve in ihrer Küche tätig und begann, Kaffee zu
kochen.
Zum Essen habe ich nichts hier...da muss ich dich
enttäuschen... sagte sie leise und hob das Handtuch auf,
dass immer noch vor ihrem Bett lag.
Macht nichts. Tut uns beiden sicher nicht schlecht, einmal
nichts zu essen... er grinste sie frech an, was nur dazu
führte, dass sie ihm mit ihrem Handtuch auf den Hintern klopfte.
So, während du hier wartest, bis der Kaffee fertig ist,
werde ich mich im Bad fertig machen...
Alles klar, Doc...
Du sollst mich nicht immer Doc nennen... grinste sie
und verschwand daraufhin in ihrem Badezimmer. Ein leises Klick
verriet ihm, dass sie die Türe hinter sich abgeschlossen hatte.
Tief durchatmend blickte er wieder zu der Kaffeemaschine. Er war
glücklich darüber, dass sie ihm scheinbar nicht mehr böse war.
War sie das überhaupt jemals gewesen?
Mit einer kurzen Bewegung kratzte er sich am Kopf.
Seitdem diese junge Frau in der Wohnung gegenüber seiner
eingezogen war, schien sie niemals wirklich böse auf ihn gewesen
zu sein. Natürlich hatte sie ihn schon das ein oder andere Mal
angekeift, aber das aus verständlichen Gründen.
Einige Minuten später goss er die dunkelbraune Flüssigkeit in
zwei Tassen, gab in ihre Tasse Milch und in seine sowohl Milch
als auch Zucker. Als seine Nachbarin wieder aus dem Badezimmer
kam, kam er ihr mit den zwei Tassen entgegen und hielt ihr ihre
hin.
Sag mal, Dee...es ist Sommer, wir haben warmes Wetter...wie
wäre es, wenn wir beiden den heutigen Tag im Schwimmbad
verbringen? er musterte sie gespannt und nahm einen Schluck
aus seiner Tasse. Dana sah ihn überrascht an, ehe auch sie an
ihrer Tasse nippte. Als sie ihm keine Antwort gab, setzte er
erneut an: Komm schon...vielleicht finden wir dort ja beide
die Frau fürs Leben...
Ein kurzes Kichern entwich ihren Lippen, ehe sie zu ihm aufsah.
Klingt wirklich viel versprechend, solange es nicht ein und
dieselbe Frau ist...sonst endet das in einer
Dreiecksbeziehung...aber ich muss trotzdem passen. Sie
befeuchtete mit ihrer Zungenspitze ihre Unterlippe, ehe sie
fortfuhr. Mein Chef hat mich gestern Abend noch angerufen.
Ich muss weg...also, umziehen. Er hat für mich bereits eine
Wohnung in New York City gefunden und auch schon gemietet. Ich
habe also nicht viel Zeit, um lange Auf Wiedersehen
zu sagen... ihre Stimme war leise, als sie zu ihm aufsah.
Oh... war das Einzige, was Steve in diesem Moment
hervorbrachte. Er sah sie starr an, unfähig irgendwas zu sagen
oder anders zu reagieren.
Es tut mir Leid...aber es geht nicht anders. Du kennst
meinen Beruf und du weißt, wie flexibel ich sein muss...
Er nickte, dennoch entkam nichts seiner Kehle. Er wollte etwas
sagen, doch er wusste nicht, was er sagen könnte. Es schien ihm
wie ein Traum.
Hör mal, ich ziehe doch bloß in eine andere Stadt,
nicht auf einen anderen Planeten... sie versuchte ihm ein
wenig der Last abzunehmen, die mit einem Mal wieder auf ihm zu
liegen schien.
Okay... sagte er leise und schien auf einmal wie ein
Kleinkind. Das heißt, du meldest dich mal, wenn du dort
angekommen bist...? fragte er sie und ließ sie schlucken.
Das fragte jeder...auch Mulder hatte sie das gefragt.
Sie nickte. Und log.
Ja, ich werde mich melden, sobald ich angekommen bin...
Kay...wann wirst du denn weg müssen?
Schon übermorgen...
Was? in seiner Stimme lag nicht nur Überraschung,
sondern er war auch schockiert. Schon übermorgen? Und das
sagen dir die erst gestern?
Sie nickte matt und strich sich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr.
Ja, is öfter so und nicht nur bei mir...aber ich
werde dort auf mich aufpassen, keine Sorge. Vielleicht bin ich in
ein paar Jahren ja wieder hier in der Nähe... versuchte
sie, ihn aufzumuntern, doch es gelang ihr nicht. Er stand immer
noch betröppelt vor ihr und sah aus, wie sieben Tage Regen.
Schau doch nicht so...ich habe ja eben gesagt, dass ich
nicht auf einen anderen Planeten ziehen werde...Ich bleib
ja auf der Erde...
Ich weiß ja. Aber dass die dir das so kurzfristig sagen,
finde ich seltsam. Ich weiß, dagegen kann ich nichts machen und
schließlich ist es dein Job. Ich kann nicht von dir verlangen,
bloß wegen mir zu kündigen oder so...
Sie nickte und schloss für einen kurzen Augenblick ihre Augen.
Es ist also das vorletzte Mal, dass wir zusammen
frühstücken, hm?
Das nennst du frühstücken? fragte sie ihn und sah
ihn belustigt an, wobei sie ihre Tasse etwas anhob.
Na ja, oder eben das vorletzte Mal, dass wir zusammen
Kaffee trinken... sagte er leise und seufzte.
Nun mach nicht so ein Gesicht....ich werde dich anrufen und
während mir ich in New York City den Arsch aufgrund meiner
Arbeit aufreiße, wirst du die Richtige kennen lernen und
glücklich werden...
Na ja, versuchen kann mans ja mal... gab er nun
kleinlaut von sich. Sie wusste, wie schmerzlich es für Menschen
war, wenn sie ging, aber sie hatte keine andere Möglichkeit. Sie
musste es tun...
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Mit einem leicht angesäuerten
Gesichtsausdruck setzte sich Mulder auf seinen Platz am Gang. Er
wusste, dass er nicht lange fliegen würde, dennoch verspürte er
kein Bedürfnis danach, nun herumzufliegen, um mit jemandem zu
sprechen, der aufgrund Übermüdung Dinge sah, die nicht
vorhanden waren.
Seitdem Scully aus seinem Leben verschwunden war, interessierte
er sich immer weniger für solche Phänomene. Er hatte sich daran
gewöhnt, dass ihm jemand dauernd versuchte, vom Gegenteil zu
überzeugen, sodass es für ihn nun keinen Reiz mehr ausübte,
wenn er zu einem solchen Schauplatz fuhr oder flog. Doch er
musste es tun, denn es war sein Job und er wurde dafür bezahlt.
Er lehnte seinen Kopf auf seine Hand und beobachtete einige
Familien, die scheinbar Probleme damit hatten, ihre Kinder auf
den Sitzen zu halten oder sie anzugurten. Wenn das Flugzeug
abgehoben hatte, würde auch die eine oder andere Stewardess
vorbeikommen, um Essen und Getränke anzubieten.
Mulder schnallte sich an und lehnte sich zurück, als einige
Minuten später auch schon die Durchsage kam, dass man sich
anschnallen sollte, da der Abflug nur einige Minuten bevorstand.
Erst jetzt schienen die Eltern ihre Kinder so weit gebracht zu
haben, ihre Kinder anzuschnallen, da diese hin und weg waren,
dass da jemand zu ihnen sprach. Bestimmt wussten sie, wie das im
Bus oder in der Bahn funktionierte, aber immerhin flog man nicht
jeden Tag.
Als alle angeschnallt waren und noch einige Minuten vergingen,
rollte das Flugzeug schließlich los. Neben Mulder saß eine Frau
Anfang zwanzig, welche auch gespannt aus dem Fenster sah und sich
anschließend Mulder zuwandte.
Schon aufregend, wenn man fliegt, finden Sie nicht?
fragte sie ihn auf einmal, ohne vorher ein Zeichen zu geben, dass
sie mit ihm reden wollte. Verwundert sah Mulder sie an und
brauchte einige Sekunden, ehe er das, was sie gesagt hatte,
verarbeiten konnte.
Ehm...ja...toll... sagte er leise und hoffte, dass
sie ihm eine Ruhe geben würde. Doch diesen Gefallen tat sie ihm
nicht und so versuchte sie den gesamten Flug über, mit ihm ins
Gespräch zu kommen.
Gott, ich danke dir... dachte Mulder bei sich, als er
endlich aufstehen und den Flieger verlassen konnte. Noch nie
zuvor war ihm ein einziger Mensch so dermaßen auf die Nerven
gegangen, wie diese junge Frau eben. Schnellen Schrittes stieg er
aus dem Flugzeug und joggte daraufhin beinahe zum Flughafen, wo
er seinen Koffer holen konnte. Wie konnte ein Mensch bloß so
lange reden, ohne auch nur einmal Luft zu holen? Und dann auch
noch über ein und dasselbe Thema...
Ein Blick auf seine Uhr verriet ihm, dass es kurz nach Mittag
war, er würde also rechtzeitig bei diesem Treffen sein und
vermutlich am darauf folgenden Tag wieder zurück nach Washington
fliegen.
Was für eine Zeitverschwendung...
Missmutig nahm er seinen Koffer in die rechte Hand und ging durch
die große Halle, umgeben von Musik, den Geräuschen von Schuhen
auf dem marmorierten Boden und die Stimmen hunderter Menschen.
Menschen, die eilig mit ihrem Gepäck nach dem Ausgang suchten
oder nach ihrem Gate; Menschen, die ihre Familien in die Arme
schließen, sei es aus Wiedersehensfreude, sei es aus Abschied.
Oder Menschen, die alleine durch die Halle schlenderten, als ob
es nichts Anbetungswürdigeres geben würde, als diesen
Flughafen.
Er ignorierte seine Umwelt und steuerte die Mietwagenabteilung
an, um dort den Wagen abzuholen, den er schon in Washington
vorbestellt hatte. Scheinbar einer der Vorteile, wenn man für
die Regierung arbeitete. Es waren nicht viele, aber einige...
Der Agent nahm einen tiefen Atemzug, als er das große Gebäude
verließ und der Wind begann, mit seiner Krawatte zu spielen. Der
Himmel war klar und die Sonne brannte hinunter.
Mulder verfluchte sich auf der Stelle, den klimatisierten
Flughafen verlassen zu haben, als ihm eine Wand aus Hitze und
Luftfeuchtigkeit entgegenschlug. Aber er war hier in einer Stadt
und es war typisch für eine solche...
Man hatte ihm gesagt, wo sein Mietwagen stehen würde und so ging
er auf den Parkplatz, auf dem ein Auto neben dem anderen stand.
Binnen einiger Sekunden hatte Mulder seines ausfindig gemacht und
sperrte mit dem Schlüssel den silbernen Ford auf. Den Kopf
schmiss er in den Kofferraum, ehe er sich hinter das Steuer
setzte und eine Landkarte herausnahm. Zuerst würde er in das
Motel fahren, in dem er ein Zimmer gebucht hatte und erst
anschließend würde er zu diesem Treffpunkt fahren.
Die Sonne brannte weiter erbarmungslos auf die Erde und Mulder
schaltete die Klimaanlage ein, um sich zumindest ein bisschen
Luxus zu gönnen. Sein Jackett war bereits seit einiger Zeit auf
dem Beifahrersitz gelandet und dennoch schien sein Hemd an seinem
Oberkörper zu kleben. Auch die Klimaanlage konnte nicht viel
dazu beitragen, dass es kühler werden würde. Scheinbar war der
Wagen ohnehin zu lange in der Sonne gestanden, sodass sich der
Innenraum nun anfühlte, als würde man in der Vorhölle
sitzen...
Er hielt gerade an einer roten Ampel, als sein Handy zum klingeln
und vibrieren begann. Ohne auch nur auf die Nummer des
vermeintlichen Anrufers zu achten, hob er ab und hielt sich das
Mobiletelefon an sein Ohr.
Mulder? seine Stimme schien belegt.
Agent Mulder? Hier ist Detective Graig Morris. Ich habe bei
ihrem Chef aufgrund dieser UFO-Sichtungen angerufen...
Mulder musste ein genervtes Seufzen unterdrücken und rieb sich
stattdessen mit seiner freien Hand über seine Augen, ehe er
diese wieder auf das Lenkrad legte, da die Ampel von rot auf
grün sprang und er weiterfahren konnte.
Ja, ich bin auf dem Weg zu meinem Motel und danach werde
ich zu dem ausgemachten Treffpunkt kommen... antwortete er
und versuchte, seine Langeweile so wenig als möglich bemerkbar
zu machen.
Das ist der Grund, warum ich Sie anrufe. Ich wollte Sie
fragen, ob es auch in Ordnung geht, wenn wir dort gemeinsam
hinfahren? fragte der Anrufer zaghaft nach und Mulder
wollte schon die rote Auflegtaste drücken, als er
dann doch zustimmte.
Okay. Geben Sie mir Ihre Adresse.
Der Polizist gab Mulder seine Adresse durch, die der Agent
versuchte, sich zu merken. Mit einem knappen Dankeschön
legte er auch wieder auf und schmiss sein Handy zurück auf den
Beifahrersitz. Nun würde er also nicht aus der Stadt fahren,
sondern in dieser Hitze weiterhin verweilen und durfte dazu auch
noch nach dem Apartment dieses Polizisten suchen, was nicht
sonderlich positiv zu seinem Gemütszustand beitrug.
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Kommentarlos holte er sich seinen
Zimmerschlüssel ab, ging zu der braunen Holztüre mit der
Beschriftung 5 und trat ein. Es war ein gemütliches
Zimmer, bestehend aus einem Schlaf- und Wohnraum und einem
Badezimmer.
Das Zimmer war heimelig möbliert und machte auf Mulder einen
sehr sauberen Eindruck; quasi eine Wohnung, die den Kontrast zu
seiner eigenen bildete.
Er stellte seinen Koffer neben das Bett, da er ihn vermutlich eh
nicht aufmachen würde. Wozu auch, denn er würde am nächsten
Tag wieder abreisen...
Dennoch nutzte er die Chance, sich zu duschen, ehe er sich wieder
auf den Weg machte, um diesen, scheinbar verrückten, Polizisten
einen Besuch abzustatten.
Frisch geduscht und sich bereits wesentlich besser fühlend,
schnappte sich Mulder sein Jackett und verließ das Zimmer. Er
würde binnen einer viertel Stunde bei dem Apartmenthaus des
Polizisten ankommen.
Er hatte auf eine Stadtkarte geschaut, um sich so den ungefähren
Weg zu diesem Haus einzuprägen, sodass er nicht lange durch die
Stadt pendeln würde.
Zwar war er in der Zwischenzeit kein bisschen kühler geworden,
aber dunkle Wolken am Horizont verrieten, dass es in den
kommenden Stunden abkühlen würde. Zumindest ein wenig. Oder
auch nur Regen...
Sie hatte bereits den einen oder anderen Koffer begonnen zu
packen, auch wenn sie es nur tat, um das Bild der umziehenden
Karrierefrau zu mimen. Sie wusste, dass Steve eventuell wieder
kommen könnte, wenn auch nur, um ein paar Worte mit ihr zu
wechseln. Doch dabei musste auch alles so aussehen, als wäre sie
dabei, umzusiedeln.
Anderthalb Koffer hatte sie bereits gepackt, ihre Kästen waren
leer und ihre Wohnung machte einen Eindruck von Hektik. Immer
wieder sah sie sich um, dachte an die Zeit, die sie hier
verbracht hatte.
Vielleicht war es nicht gerade die schönste Zeit, aber dennoch
hatte sie begonnen, sich hier zu Hause zu fühlen, was es ihr
nicht gerade leichter machte, von hier wegzugehen.
Seraph hatte mir eine Nachricht zukommen lassen. Natürlich
konnte ich Steve nicht sagen, dass ich nach L.A. ging, denn das
ließ die Gefahr, dass er dort zufällig einmal
hinfahren könnte, steigen. Wenn er dachte, ich sei in New York,
dann könnte er dort zwar hinfahren und mich suchen, aber die
Chance mich zu finden sank auf ein Minimum.
Ich würde erst wieder in die Nähe von Detroit versetzt werden,
wenn Steve mich wieder vergessen hatte. Wie seine Zukunft aussah,
wusste ich nicht, aber sie würde so gut sein, dass ich hier
nicht mehr gebraucht war.
Mein neuer Schützling war eine schwarze Frau. Und ich? Tja, es
war auch so gut wie jedes Mal etwas anderes, was meinen Beruf und
mein bisheriges Leben anbelangte. Aber ich war wieder Ärztin.
Es wurden oft Berufe ausgesucht, bei denen unsere Schützlinge
nicht lange nachfragten, wenn wir umziehen mussten. Welcher
Kindergärtner zog schon aus beruflichen Gründen um? Bestimmt
weniger, als es Ärzte oder Manager taten. Und deswegen waren
unsere Berufe eben begrenzt. Doch in der Zwischenzeit wusste ich
genug über die menschliche Anatomie, dass ich tatsächlich als
Ärztin durchging.
Was genau allerdings die Probleme meines Schützlings waren,
wurde mich noch nicht gesagt. Oft kam es auch schon vor, dass ich
das alleine herausfinden musste. Natürlich sah ich es ein, es
gehörte zu meinem richtigen Job, aber oft war es einfach nur
nervig, wenn man dort ankommt und eigentlich genau keine Ahnung
von nichts hat.
Man hatte mir auch ein Flugticket gegeben, das mich angeblich
nach New York City bringen sollte. Wohl auch als weiteres
Beweismaterial, dass ich das, was ich tat, wirklich tat. Menschen
waren so einfach zu beeindrucken...
Ein leises Klopfen brachte mich aus dem Konzept und verwirrt
strich ich mir meine Haare zurück. Ich hoffte, dass es nicht
wieder Steve war, der sich nach mir erkundigte. Er tat das
öfter, auch wenn ich nicht wusste, warum...
Steve, ich hab dir doch gesagt, dass ich... begann
ich, wurde aber jeher unterbrochen, als ich sah, wer wirklich vor
der Türe stand. Es war nicht Steve, sondern ein anderer Nachbar,
den ich zwar schon das ein oder andere Mal gesehen hatte, aber
noch nicht so wirklich wusste, was ich mit ihm sprechen sollte.
Guten Tag, Ms. Scully.
Ja, ich hatte auch noch immer diesen Namen, denn wozu sollte ich
alle paar Jahre meine Identität so arg wechseln? Manche Dinge
wurden bereits wieder aus Staatsakten gestrichen, dafür hatten
die von da Oben gesorgt.
Hallo... antwortete ich ihm, da ich nicht wusste, was
ich noch sagen sollte.
Ich wollte Sie fragen, ob ich mir von Ihnen ein bisschen
Zucker leihen dürfte. Ich bekomme gleich Besuch und will nun
nicht so ganz ohne Zucker da stehen...
Wozu genau dieser Mann, er war Polizist wohlgemerkt,
Kaffeekränzchen hielt, war mir zwar ein Rätsel, aber das ging
mich ja nun nichts an.
Klar...einen Moment bitte... mit ein paar Schritten
stand ich in meiner Küche und suchte den restlichen Zucker, den
ich noch übrig hatte, um ihn diesem Mann zu geben.
Hier bitte, Mr... ich musste ihn fragend ansehen, da
ich seinen Namen nicht wusste.
Morris...Graig Morris...
Ich nickte.
Okay
Mr. Morris... sagte ich nun leise und
drückte ihm mehr oder weniger das Päckchen Zucker in die Hand.
Können Sie sich behalten, ich brauche ihn nicht mehr...
und schon hatte ich die Türe geschlossen. Mir war nun einfach
nicht danach, mit jemanden zu sprechen. Vor allem nicht mit einem
Menschen...
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Der Türgriff lag kühl in meiner Hand.
Vermutlich das Einzige, was in dieser Wohnung kühl war. Man
gönnte mir selbstherrlich nicht den Luxus einer Klimaanlage,
denn immerhin hatte ich hier wie ein Mensch zu wohnen, der nicht
gerade ein sehr hohes Einkommen hatte. Diesbezüglich konnte ich
mir auch keine Klimaanlage leisten. War ja logisch. Aber da ich
in den nächsten Tagen ohnehin umzog, konnte es mir egal sein.
Vielleicht hatte ich dieses Mal ja Glück und ich würde in einem
Penthouse untergebracht sein, mit eingebauter Klimaanlage,
Whirlpool und alles, was sündig macht...
Aber da Sünden ja verboten waren, sanken meine
Chancen auf so ein Leben und vermutlich würde ich erneut eine
kleine Wohnung beziehen, gerade mal so viel, dass ich genug Platz
hatte. Tja, wir mussten eben genügsam sein, denn die größeren
Wohnungen waren für Menschen reserviert, die tatsächlich so
viel Geld besaßen, sich ein Penthouse zu mieten oder gar zu
kaufen.
Wozu ich arbeitete?
Tja, das fragte ich mich auch schon öfter. Vermutlich, dass ich
Steuern abgeben konnte es einem Schützling nicht seltsam vorkam,
wenn ich kein Geld hätte. Jedenfalls, das Geld, was ich bisher
verdiente...sei es als Krankenschwester, Arzthelferin,
FBI-Agentin... na ja, das kommt armen Menschen zugute. Menschen
in Afrika oder in anderen entlegenen Teilen der Erde. Wie genau
das von Statten ging, wusste ich nicht. Natürlich finde ich es
toll, dass man es diesen Menschen zukommen ließ, aber der Weg
interessierte mich nicht.
Mein Blick glitt durch meine Wohnung, die nun bereits leerer
wirkte, als noch einige Stunden zuvor. Auch wenn ich noch nicht
sonderlich viel gepackt hatte. Schon alleine der Gedanke daran,
dass ich hier wieder weg musste, schien sie leerer zu machen,
düsterer...
Ich verschränkte meine Arme vor meiner Brust und nahm einen
tiefen Atemzug der abgestandenen Luft. Es wäre gut, wenn ich
lüften würde, aber die Luft der Stadt war staubig und
schmutzig, zumal ohnehin keine erfrischende Luft hereinkommen
würde, da es draußen mindestens genauso heiß war, wie hier
herinnen. Im Großen und Ganzen also nicht gerade vorteilhaft.
Was also tun?
Im Grunde brauchte ich nur herumsitzen und darauf warten, dass
meine Wohnung gelehrt werden würde. Wie das zugange geht,
verrate ich an dieser Stelle nicht, denn auch ein Engel muss
seine Geheimnisse wahren.
Geheimnisse...
Ich hatte so viele vor Mulder.
Und Gott weiß, wie gerne ich ihm alle Karten offen gelegt
hätte, wie gerne ich ihm die Wahrheit erzählt hätte. Die
Wahrheit darüber, wer ich bin, warum ich bei ihm bin. Einfach
nur reden.
Es fällt einem schwer, zu jemandem so viel Vertrauen zu haben,
aber ihm dennoch nicht die Wahrheit erzählen zu können.
Er hat mir alles erzählt. Er hat mir immer alles erzählt, ob er
es nun gleich tat oder nach und nach. Die Geschichte mit seiner
Schwester hat er mir in der ersten Nacht erzählt, in der wir
zusammen in Oregon waren. Es war wunderschön, so skurril die
Tatsachen auch waren, unter denen wir dort zusammengekommen sind.
Natürlich war er auch oft in Lebensgefahr, aber oft werden wir
zu jemandem geschickt, der sich selbst das Leben nehmen will oder
einfach bloß sehr stark dazu tendiert. Bei Mulder
allerdings...ich weiß bis heute nicht, warum ich ihm zugeteilt
wurde. Oder warum er mir zugeteilt wurde, ohne sein Wissen.
Jedenfalls wurden wir zusammengeführt, um so zu einem
eingespielten Team zu werden, von dem ich wusste, dass es nicht
lange halten würde. Irgendwann würde ich die Nachricht
bekommen, dass ich mich um einen anderen kümmern müsste.
Wie ich es vorausgesagt hatte, war es dann nach fünf Jahren der
Zusammenarbeit auch soweit. Es tat mir weh, ihn so
niedergeschlagen zu sehen, als ich ihm mitteilte, dass ich gehen
müsste. Sein Blick. Seine Gestik...einfach alles an ihm.
Ich wünschte, ich hätte bleiben können...für immer...oder
zumindest solange, bis er sterben würde...ich hätte ihm schon
beigebracht, warum ich nicht altere...
Ein Schütteln durchlief meinen Körper, als ich an seine Augen
dachte, die mich so traurig musterten, bei den Worten Ich
muss gehen. Es waren zwar nicht diese Worte gewesen, aber
im Grunde sagten sie das Selbe aus, was ich ihm mitgeteilt habe.
Auf einmal fühlte ich mich, als würden mich Minusgrade umgeben.
Mein Körper erschauderte und ich fror, schlang meine Arme um
meinen Körper, um mir so selbst Wärme zu geben. Doch es hilft
nicht viel, ich spürte immer noch diese Kälte und drehte mich
mit einem Ruck um.
Niemand.
Da war niemand.
Und dennoch war es, als berührte eine kalte Hand meine Schulter.
Ich nahm einen tiefen Atemzug, um mich zu beruhigen und schloss
meine Augen. Irgendwie schien mich dieser bevorstehende Umzug
doch mehr aus meinen Bahnen zu werfen, als ich es mir eingestand,
denn noch nie zuvor fühlte ich mich so beobachtet und so
verletzlich. So, als ob noch jemand anders im Raum wäre, ich
aber nicht in der Lage bin, ihn zu sehen...
Ich mochte dieses Gefühl nicht, dieses Gefühl der Hilflosigkeit
und du kannst nichts dagegen tun, da nichts da ist, vor was man
sich fürchten müsste.
Einfach noch einmal tief durchatmen und dann hoffen, dass dieses
Gefühl geht. Ich sollte nach vorne sehen, daran denken, wie es
in L.A. sein wird. Ich war noch nie da und das will bei meinem
Alter schon etwas heißen.
Die Stadt der Engel hallt es in meinem Gedächtnis
wider und ich schmunzle ein wenig bei dem Gedanken daran.
Vielleicht war es wirklich wieder an der Zeit, dass ich in eine
andere Stadt zog...
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Mit einem hörbaren Seufzen stieg Mulder aus
dem Mietwagen aus, den er auf der gegenüberliegenden Seite des
Apartmenthauses geparkt hatte. Es hatte ihn überrascht, denn
für gewöhnlich waren in einer solchen Gegend nie irgendwelche
Parkplätze frei.
Sein Jackett hatte er locker über seine rechte Schulter
gehängt, in seinem Blick lag Langeweile.
Er fragte sich immer noch, was er in dieser verdammten Stadt
wollte, denn dieser Zeuge war sicherlich keiner von denen, die
tatsächlich daran glaubten, was sie gesehen hatten oder das, was
sie gesehen hatten, war nicht wirklich geschehen.
Dieser Mann schien ihm wie einer von denen, die bloß zu viel
Science-Fiction gesehen und eben einmal schlecht geträumt
hatten. Das war alles. Aber Mulders Ruf eilte ihm voraus und das
war scheinbar auch der Grund, weshalb er von diesem Polizisten
kontaktiert wurde und nicht ein anderer Agent.
Als er den Hausflur betrat, schlug ihm kühle Luft entgegen, so
wie es auch bei seinem Apartmenthaus war. Das Haus wurde durch
dickere Wände von der Hitze geschützt, aber er war sich sicher,
dass es in den Wohnungen anders sein würde. Vor allem in denen,
die in Richtung Süden ihre Fenster hatten, denn da brannte die
Sonne den lieben langen Tag hinein. Er hatte selbst eine solche
Erfahrung gemacht, als er in Oxford studierte. Seine
Studentenwohnung war, besonders sein Schlafraum, dem Süden
zugewandt. Auch wenn es in England nicht unbedingt heiß war, so
wurde die Sonne, schien sie durchs Fensterglas, dennoch ziemlich
hitzig und wärmte den Raum so sehr auf, dass er
nachts das Fenster offen lassen musste, um Schlaf zu finden.
Seine Schritte hallten auf dem langen, leeren Flur, ehe er vor
dem Aufzug stehen blieb und auf den kleinen Knopf drückte, der
sich neben einem Pfeil befand und mit einem Mal gelb leuchtete.
Auch wenn er keinesfalls lange auf den Lift warten musste, so
wankte er dennoch leicht nach vorne oder hinten, ehe ein Piepsen
verriet, dass der Aufzug im Erdgeschoss angekommen war.
Mit schnellen Schritten ging er in die kleine Kabine und sah auf
die vielen Knöpfe, welche ihn dazu einluden, auf sie zu
drücken. Er musste jedoch nur in ein Stockwerk und so drückte
er den vergilbten Knopf mit der Nummer 3. Die
metallenen Türen des Aufzuges schlossen sich und mit einem
leichten Rattern setzte sich die Kabine in Bewegung. Mulder ließ
seinen Blick durch den kleinen Raum gleiten. Über ihm waren zwei
kleine Glühbirnen angebracht, doch sie reichten aus, um die
Kabine zu beleuchten. Der Boden bestand aus einem Plastikbelag,
der aussehen sollte, wie Holz. Doch an manchen Stellen schlug es
Wellen, was diesen Versuch kläglich erscheinen ließ. An den
Wänden war ebenfalls Holz angenagelt, mit dem Unterschied, dass
dieses echt war.
Er hielt sein Jackett weiterhin über seiner linken Schulter, ehe
der Lift anhielt und seine Türen wieder öffnete. Vor ihm
erstreckte sich ein etwas längerer Hausflur, der auf die
ungefähre Länge seines eigenen kommen würde.
Mit einem Schritt verließ er die kleine Kabine, ein paar
Sekunden danach schloss diese wieder ihre Türen. Bis auf das
leise Schleifgeräusch, das Metall auf Metall verursachte, war
nichts zu hören. Kein Fernseher oder sonst etwas, dass
normalerweise Geräusche von sich geben würde. Vermutlich war
den Leuten einfach zu warm oder sie verbrachten die Zeit nicht zu
Hause, sondern in einem Schwimmbad...
Seufzend setzte Mulder seinen Weg fort, suchte in seiner
Hosentasche nach einem kleinen Zettel, auf den er die genaue
Adresse des Polizisten geschrieben hatte.
Scully würde mir nun sicher wieder einer ihrer Standpauken
halten, dass ich mich wieder auf so etwas eingelassen hätte und
uns unsere freie Zeit rauben würde... dachte er an seine
ehemalige Partnerin, doch ehe er seine Gedanken zu weit in der
Vergangenheit schwelgen lassen konnte, riss das Schließen einer
Türe seine Aufmerksamkeit zurück in die Realität. Überrascht
sah er auf und erkannte einen hellhaarigen Mann, der gerade auf
ihn zuzukommen schien. Einige Schritte hinter ihm war scheinbar
die Türe, die eben zugemacht wurde.
Mulder steckte den Zettel zurück in seine Hosentasche, ehe er
auf den Mann zuging.
Entschuldigen Sie? Mein Name ist Fox Mulder. Ich bin auf
der Suche nach einem Graig Morris. Wissen Sie, wo ich ihn finden
kann? fragte er ihn höflich. Was Mulder nicht wissen
konnte war, dass der Mann vor ihm derjenige war, den er suchte.
Ja, ich bin Graig Morris... grinste ihm sein
Gegenüber entgegen, ehe er eine Packung Zucker in seine eine
Hand gab, um ihm seine rechte Hand entgegenzustrecken.
Mulder lächelte etwas höflich und schüttelte die Hand des
Mannes, der nun voller Euphorie zu ihm sah.
Ich bin so froh, dass Sie nun hier sind. Man sagte mir, Sie
seien der Einzige, der mir glauben würde... sagte er und
gab dabei Acht darauf, dass sich seine Stimme nicht überschlug.
Mit freudiger Erwartung fischte er seine klappernden Schlüssen
aus seiner Hosentasche, ehe er in die Richtung ging, aus der
Mulder eben gekommen war. Mit einem letzten Augenschlag blickte
Mulder in Richtung der Türe, die eben geschlossen wurde. Er
musste schlucken, als sich ein seltsames Gefühl in seinem Innern
auszubreiten schien. Er wusste nicht, woher es kam und weshalb
auf einmal da war, doch mit einem leichten Kopfschütteln schien
es auch wieder der Vergangenheit anzugehören...wie so vieles in
seinem Leben.
Agent Mulder? fragte der junge Polizist nach, der nun
in der offenen Türe zu seiner Wohnung stand, ehe Mulder sich zu
ihm umdrehte und ihm folgte. Er hoffte, dass dieser Fall bald
abgeklärt sei und er somit auch wieder zurück nach D.C fliegen
konnte, auch wenn er nicht wusste, was ihn dort noch hielt.
Vielleicht war es die Hoffnung, das ihm so bekannte und vertraute
Geräusch von Absätzen im Kellerflur des FBIs zu hören, die nur
einer Person zuzuschreiben waren...
Mulder betrat die Wohnung von Graig Morris, welcher, nachdem er
selbst eingetreten war, die Türe hinter sich schloss.
Kaffee oder Tee? fragte er ihn höflich und deutete
Mulder, dass er sein Jackett auf den kleinen Kleiderstand hängen
konnte, der einen Meter neben der Eingangstüre stand. Mulder
nickte ein wenig und als er sein Jackett auf einen der hölzernen
Arme des Kleiderstands hängte, schüttelte er seinen
Kopf.
Aber Dankeschön für das Angebot... schob er sofort
ein und drehte sich vollends zu dem Bundesbeamten. Wenn Sie
nichts dagegen haben, dann würde ich gerne ihren Bericht über
die Dinger hören, die sie gesehen haben...
Für den Bruchteil einer Sekunde schien ein Schleier von
Enttäuschung über die Augen von Morris zu huschen, ehe er sich
wieder fing und den Zucker auf die Kredenz seiner Küche legte.
Sicher... sagte er und ging in einen der angrenzenden
Räume, aus dem Mulder das Rascheln von Papier vernahm. Er atmete
tief durch und ließ einen kurzen Blick durch den Raum schweifen,
ehe er sich zurück rief, dass wohl noch ein sehr unangenehmer
Aufenthalt sein würde...hier in Detroit.
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In weniger als 72 Stunden würde ich
wieder in einer anderen Stadt sein. Tja, schon wieder. Manchen
Menschen bereitete es Freude, durch die Weltgeschichte zu reisen,
andere Städte zu besuchen... so lernen sie nie, ihr zu Hause zu
würdigen und zu schätzen. Wie schön es doch ist, nach einer
Reise wieder zurück zu kommen in seine eigenen vier Wände.
Ich selbst hatte dieses Gefühl noch nie. Im Durchschnitt war
mein zu Hause alle fünf Jahre ein anderes und, in Anbetracht
meines Alters, habe ich mein zu Hause schon mehrere Male
gewechselt. Wobei auch das Wort mehrmals eine
Untertreibung der Tatsachen wäre. Doch was sollte ich tun?
Natürlich hatte ich auch schon oft die Gelegenheit bekommen, als
Sterbliche auf die Welt zu kommen, jedoch ohne jegliche
Erinnerung als mein Leben als Schutzengel. Ich würde als kleines
Mädchen irgendwo auf dieser Welt geboren werden, zuvor neun
Monate in einem menschlichen Leib ausgetragen. Und dann? In eine
ungewisse Zukunft blicken?
Ich weiß, dass es oft nicht fair ist, aber so bleibe ich dennoch
bei meinem Beruf als das, was ich eben mache.
Vielleicht sollte ich anfangen, mein Leben nicht so negativ zu
sehen. Immerhin gab es auch viele Lichtblicke und positive
Aspekte, von den Erfahrungen einmal abgesehen. Mein Leben war
nicht immer leicht, aber welches war das schon? Das Leben bestand
nicht immer nur aus Zucker und rosefarbenen Brillen.
Ich setzte mich auf mein Bett, welches ich wohl schon bald nicht
mehr haben würde. Dieses Mal war es ein Bett, das nur für eine
Person war.
In D.C hatte ich so eine Art Ehebett, auch wenn ich Single
war. Da fragt man sich doch, warum in meiner Wohnung ein solches
Bett stand? Noch dazu, da ich ja mein Leben lang nur Single
war....
Ich zuckte ein wenig mit meinen Schultern bei der
Selbstbeantwortung meiner Frage und ging anschließend in die
Küche, um den Wasserkocher ein letztes Mal seinen Dienst
verrichten zu lassen. Vielleicht würde mich eine Tasse Tee ja
auf andere, wesentlich positivere Gedanken bringen. Zumindest
hoffte ich das. Sicher war es nicht...
Meine nackten Füße berührten die kühlen Fließen meiner
Küche und für einen kurzen Augenblick durchfuhr ein Schock
meinen Körper, doch ich genoss diese Kälte. Zwar
waren die Fließen im Winter kälter...ist ja logisch, aber
dennoch boten sie mir jetzt eine willkommene Abwechslung zu der
stetigen Hitze in meiner Wohnung.
Ich wusste, das mein Nachbar...dieser Polizist, ebenfalls eine
scheinbare Schwäche für Paranormales hatte, wie auch schon der
Mann mit dem ich einige Jahre zuvor einen Kreuzzug geführt
hatte. Es war klar gewesen, dass meine Gedanken unverzüglich in
die Vergangenheit driften würden, sobald mir dieser Mann
eröffnet hatte, dass er hier, in der Nähe von Detroit,
angeblich irgendwelche fliegenden Untertassen gesehen hatte.
Mein Herz schlug einige Takte schneller, als ich an diesen
vergangenen Kreuzzug denke, die Männer, die dachten, sie
könnten an mir herumexperimentieren...wenn sie bloß gewusst
hätten, wen und vor allem was sie da wirklich vor
sich hatten?
Sie glaubten ebenfalls an außerirdisches Leben. Sie glaubten
daran, mit diesen Retikulanern einen Deal zu haben,
ganz vergessen sind dabei die Möglichkeiten, was tatsächlich
dahinter stecken konnte. Es waren keine Außerirdischen, diese
Retikulaner. Es waren Dämonen, aber Menschen konnten das mit
bloßem Auge nicht sehen. Sie sahen nur das, was sie wirklich
wahr haben wollten. Sie würden echte Außerirdische ohnehin
nicht ansehen können, also gaben die von Unten ihnen
etwas, das sie sehen konnten...
Manchmal bedarf es einen billigen Jahrmarktstrick, damit die
Menschen das erkennen, was wirklich ist, auch wenn es eine Lüge
ist.
Ergab das nun Sinn?
Mit meiner rechten Hand griff ich mir auf meine Stirn und atmete
tief durch. Diese paar Jahre mit diesem FBI-Agenten scheinen
meine heile Welt irgendwie durcheinander gebracht zu haben und
nur Gott alleine wusste, wie er das bewerkstelligt hatte. Seine
Augen gingen mir einfach nicht mehr aus dem Sinn, ich konnte sie
nicht vergessen. Nicht, dass ich das gewollt hätte. Ich wollte
mich bis in die Ewigkeit an seine Augen erinnern, an seine
Umarmungen und die traurigen aber auch amüsierten Blicke.
Er war so einzigartig...
Nur allzu gut habe ich seinen Blick in Erinnerung, als ich ihm
erzählt habe, dass ich Krebs hatte. Ich wusste, dass ich nicht
sterben würde. Aber er dachte das. Und meine Familie
dachte es.
Es war das erste Mal für mich, dass ich eine solch große
Familie bekam. Immerhin waren wir vier Kinder und
zwei Elternteile...
Meine Mutter wusste nun schon gar nichts mehr von
mir. Sie wohnt nun in Missouri, zumindest hat man mir das gesagt.
Weit weg aus Mulders Reichweite, sodass er sie nicht kontaktieren
konnte. Sie konnte sich ohnehin nicht mehr an mich erinnern.
Was meine Brüder anging, so hatte Mulder ohnehin
wenig Chancen, sie zu kontaktieren. Mit Bill kam er nicht aus und
Charles hat er nie kennen gelernt. Zu meinem Glück.
Ich fühlte mich seltsam und zum ersten Mal in meinem Leben
tatsächlich einsam. Es war ein komisches Gefühl, aber was
sollte ich dagegen machen? Ich konnte ja nicht einfach nach D.C
fliegen und auf einmal auf Mulders Türmatte stehen.
Rein theoretisch konnte ich es, aber was würde er dazu sagen?
Würde er sich freuen oder sich ärgern? Vermutlich Zweiteres,
immerhin hatte ich ihn so einfach alleine gelassen. Aber da es
mir verboten war, ein weiteres Mal Kontakt mit ihm aufzunehmen,
war es eine Sache, über die ich mir keine Gedanken machen
sollte. Ich sollte es einfach so hinnehmen, wie es war und damit
zufrieden sein. Aber konnte ich das wirklich?
Vielleicht sollte ich auch einfach aus dieser Wohnung. Irgendwo
hin essen gehen oder Kaffee trinken. Oder ins Kino, Theater....
Es boten sich so viele Sachen an, sodass ich mir eine aussuchen
konnte. Vermutlich sollte ich es auch, da mir hier langsam aber
sicher die Decke auf den Kopf fiel.
So packte ich mir eine kleine Tasche zusammen, in der ich meinen
Ausweis und Geld verstaute. Mehr brauchte ich nicht...na ja,
vielleicht noch meine Schlüssel...
Mit dem kühlen Metall in meiner Hand verließ ich meine Wohnung,
zog hinter mir die Türe zu und schloss ab. Einem freien Tag
stand nun nichts mehr im Wege...zumindest für ein paar Stunden.
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Hier sind die Photos, die ich gemacht
habe...von diesen UFOs... sagte Morris aufgeregt, wobei er
seine Hände unter Kontrolle halten musste, nicht zu zittern. Er
war so aufgeregt, nun endlich seine Trophäen herzuzeigen und
zwar jemandem, der ebenfalls an das glaubte, was er gesehen
hatte.
Mulder hatte einige Schritte auf den nervösen Mann zugemacht,
der nun auf ihn wirkte wie ein aufgeregtes Nagetier. Seine Hände
schien er von ruhelosen Bewegungen abhalten zu wollen, sodass er
ihm die Photos ohne Zittern zeigen konnte.
Der Agent warf einen Blick auf die fünf verschiedenen Bilder,
die auf A4 Format vergrößert worden waren, sodass man sie
besser erkennen konnte. Doch anstatt euphorisch auf die Bilder zu
starren und nach jedem Fünkchen Etwas zu suchen, dass darauf zu
sehen war, nahm Mulder die Photos eher passiv entgegen. Er wusste
selbst nicht, was er darauf sehen sollte. Er sah ein Licht, dass
er auf zu vielen Bildern gesehen hatte. Auf Bildern und Filmen,
der vor ein paar Jahren noch sein Ein und Alles gewesen waren.
Doch heute?
Es war ihm egal, wenn er es einmal milde ausdrücken sollte.
Seitdem niemand mehr da war, der ihn an allem hinderte, was er
machen wollte, hatte nichts mehr einen Reiz für ihn. Wozu sollte
er gegen die Regeln verstoßen, wenn da niemand mehr war, dessen
blaue Augen funkelten, wenn sie es erfuhren.
Was halten Sie davon? fragte der quirlige Polizist
aufgeregt. Ihm schien Mulders Meinung sehr wichtig zu sein.
Der Agent hingegen wusste nun nicht, ob er ihm die Photos
seufzend zurückgeben sollte, oder ob er einfach so tun sollte,
als ob ihn das alles brennend interessieren würde.
Wo sagten Sie noch mal, hatten Sie diese Photos geschossen?
Mulder sah von den Photos in das Gesicht des Mannes, dessen Augen
auf einmal noch mehr aufleuchteten.
Nicht weit von hier...ungefähr eine halbe Stunde. Auf
einem kleinen Hügel. Mir wurde gesagt, dass sie jeden Abend dort
oben tanzen würde. Ich habe sie jedoch erst einmal gesehen...
Jeden Abend? Und Sie haben sie erst einmal gesehen?
fragte Mulder skeptisch nach. Seine Laune sank mit jeder
verstreichenden Sekunde.
Ja, ich weiß auch nicht, wieso ich erst einmal das Glück
hatte, sie tanzen zu sehen. Jedenfalls war es atemberaubend...Sie
müssen wissen... begann er, doch weiter konnte Mulder ihm
nicht folgen.
Früher wäre dieser Mann sicherlich ein Zeuge gewesen, dem
Mulder hinterhergelaufen wäre, doch jetzt war es ihm
tatsächlich egal, was er gesehen hatte und was seine Vermutungen
waren. Er schaltete auf Durchzug, nickte hin und wieder und gab
einige M-hms von sich. Er wollte nicht, dass Morris
merkte, dass er ihm schon seit einiger Zeit nicht mehr zuhörte.
Er wusste, dass das unhöflich war, aber was sollte er dagegen
tun? Er hatte nicht die Geduld, den Hirngespinsten dieses Mannes
weiter aufmerksam zuzuhören.
Ja.
Er, Fox Mulder, empfand die Geschichte seines Gegenübers als ein
Hirngespinst. Woran er die Jahre über geglaubt hatte, hatte in
seinen Augen zwar immer noch ein wenig Bestand, aber es war nicht
mehr so essentiell für ihn als noch zwei Jahre zuvor. Er hatte
nun die Freiheit, tun und lassen zu können, was er wollte. Es
übte bloß keine Faszination aus, denn wen sollte er damit auf
die Palme jagen?
Nach schier endlichen Minuten atmete Morris tief durch und Mulder
sah für einen kurzen Moment wieder auf die Photos.
Wissen Sie, Mr. Morris, vielleicht haben Sie das Glück
gehabt, einen dieser seltenen Tänze zu sehen, denn da Sie ja
sagten, wie oft Sie schon auf dem Hügel gewartet hatten...sehen
Sie es als einen Glücksfall an...
Und Sie? Wollen Sie sie nicht auch sehen? Ich meine, man
hat mir gesagt, Sie wären der richtige Agent dafür. Und dass
Sie sie sicherlich auch sehen wollen...
In den Augen des jungen Polizisten schien sich ein wenig Panik
breit zu machen. Scheinbar wollte er seinem Vorbild
diesen Hügel höchst persönlich zeigen, um zu beweisen, was er
fotografiert hatte.
Ich glaube Ihnen schon, dass Sie das gesehen haben, was sie
behaupten gesehen zu haben. Deswegen brauchen Sie sich keine
Gedanken zu machen. Ich denke bloß nicht, dass ich etwas Neues
sehen werde, verstehen Sie mich? fragte Mulder leise und
doch etwas zaghaft. Er wollte keinesfalls die Gefühle dieses
Mannes verletzen, dennoch war ihm einfach nicht danach, nach UFOs
Ausschau zu halten.
Durch das Zufallen einer Türe blickte Mulder sich um. Morris
hingegen schien es keinesfalls aus den Gedanken zu reißen.
Vermutlich meine kleine, rothaarige Nachbarin. Sagte
er leise und kam nicht umhin, seinen Unmut für Mulders
Entscheidung Luft zu machen. Die ist in letzter Zeit öfter
unterwegs und manchmal schmeißt sie die Türe fester zu, als sie
eigentlich sollte...
Nachdem er die Worte klein und rothaarig
ausgesprochen hatte, schien jegliche weitere Information an
Mulder vorbeizuziehen.
Seit dem Verschwinden seiner Partnerin schien er des Öfteren auf
Frauen zu stoßen, die entweder Scullys Statur oder ihre
Haarfarbe hatten. Vermutlich war es auch einfach nur Einbildung,
dass ihn solche Menschen verfolgten, doch noch nie
zuvor war ihm aufgefallen, wie viele Frauen rote Haare hatten.
Mit dem einen Unterschied, dass diese gefärbt waren. Aber
trotzdem. Sie erinnerten ihn alle an die zierliche Person, mit
der er für die Wahrheit gekämpft hatte.
¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤
Ich legte meinen Zeigefinger auf das
kleine, goldene Kreuz, das ich um meinen Hals hängen hatte und
dachte noch einige Minuten nach, in denen ich in Richtung
Stiegenhaus ging. Die Luft war wesentlich kühler als in meinem
kleinen Apartment, dennoch war sie für mich noch nicht kühl
genug. Vermutlich würde ich heute Abend wieder kalt duschen und
morgen...tja, mal sehen. Ein Engel kann immerhin auch nicht in
die Zukunft sehen...
Meine Schuhe machen die üblichen Geräusche auf dem steinernen
Boden, ließen mich an eine Zeit jenseits von Detroit
zurückdenken.
War ich damals glücklich?
Es war eine seltsame Frage, aber ich denke nicht, dass ich sie
beantworten könnte. Vielleicht sollte ich es auch gar nicht erst
versuchen, aber was blieb mir anderes übrig, als an die Zeit an
der Seite dieses Agenten zurückzudenken?
Ich hatte ja sonst nichts von ihm...nur meine Erinnerung.
Und seine an mich?
Die würde vermutlich bald verblassen und erloschen sein, bis ich
einfach nur ein kurzer Wegbegleiter seines Lebens sein werde.
Ich wusste nicht, ob ich mich darüber freuen oder traurig sein
sollte. Ich habe keine Familie und nur sehr wenige Freunde, die
mir blieben. Auch wenn ich mich sehr oft sehr intensiv mit meinen
Schützlingen anfreundete, so war es mir dennoch verboten,
Kontakt mit ihnen zu halten.
Das tat weh.
Sehr weh sogar.
Ich versuchte zwar, mich weitestgehend dahin zu trainieren, keine
Gefühle für Menschen zu entwickeln, aber ich konnte mich doch
nicht mehrere Jahrhunderte verschließen und dabei einen guten
Job machen. Das ließ sich nicht vereinbaren.
Mit einer beängstigenden Gedankenlosigkeit strich ich mir eine
meiner Haarsträhnen hinter mein linkes Ohr, ehe ich vor meinem
Apartmenthaus zum stehen komme.
Wohin genau ich wollte, wusste ich nicht. Das irgendwo und
nirgendwo also...in einer Stadt wie dieser, in der einem
wirklich ein breites Medium an Unterhaltung geboten wurde.
Ich warf einen kurzen Blick an mir herunter, um zu bemerken, dass
ich zwar angezogen war, aber irgendwie doch nicht das richtige
trug. (habe ich schon einmal erwähnt, dass wir Engel sehr eitel
sind?)
Seufzend drehte ich mich um und trat den Rückweg an. Nachdem ich
die Treppen hinuntergegangen war, durfte ich sie nun wieder
hinaufsteigen. Natürlich, ich war ja selbst dran schuld, aber
was konnte ich dagegen tun, wenn mir meine Einfälle immer
später kamen, als es mir lieb war?
Erneut stand ich vor meiner Wohnungstüre, schnappte mir den
Schlüssel und trat ein. Es war immer noch mörderisch heiß, es
musste also auf alle Fälle etwas Kürzeres her... hm...ich hatte
da doch mal diesen Jeansrock...
Nachdem ich mich einige Minuten im Spiegel betrachtet hatte
(Eitelkeit!), gab ich einen zufriedenen Laut von mir. Ich war
tatsächlich zufrieden mit meinem Aussehen.
Der Jeansrock ging mir nicht ganz bis zur Mitte meiner
Oberschenkel, die weiße Bluse ging mir ein wenig über meinen
Bauchnabel und gab so den Blick auf meinen Bauch frei. Über
meinen Hüften glänzte ein silbernes Bauchkettchen.
Die Bluse hatte keine Ärmel und ich strich mir den Träger
meines BHs wieder auf meine Schulter, sodass er nicht mehr
sichtbar war. Meine Haut hatte in den letzten Tagen doch etwas an
Bräune zugenommen, was bei mir selten vorkam, da vor der Bräune
erst der Sonnenbrand kam.
Meine Haare gingen mir bis zur Schulter, aber ich wollte sie
nicht hochstecken oder so. Zurzeit gefiel es mir, wie sie
fielen...
Das kleine, goldene Kreuz an meinem Hals war besonders dann
sichtbar, wenn Licht in einem bestimmten Winkel drauf fiel.
Und Schuhe? ... Das waren welche mit Stiftabsatz und im Grunde
bestanden sie nur aus Schnüren, die meine Füße dort hielten,
wo sie hingehörten. Sehr luftige Angelegenheit...Sie waren auch
weiß...
Nun brauchte ich nur noch diese kleine Handtasche, die ich so gut
unter meinen Arm klemmen konnte (so konnte auch niemand
hineingreifen) und damit war ich eigentlich auch schon fertig.
Ein Blick auf meine Uhr verriet mir, dass es bereits später
Nachmittag war. In einigen Stunden würden die Nachtklubs dieser
Gegend aufmachen, mal sehen, ob heute Nacht was los war. Ich
musste mich ablenken, egal wie...
¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤
Zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit
verließ ich mein Apartment und innerlich hoffte ich immer noch
darauf, dass es kühler werden würde. Doch mein Verstand
beharrte darauf, dass es nicht so sein würde. Es würde
weiterhin so warm bleiben, vielleicht würde die Luftfeuchtigkeit
sinken, aber nicht die Temperatur ...
Ich genoss die letzten kühlen Momente in diesem Hausflur, ehe
ich die große Ein- und Ausgangstüre öffnete und mir eine Wand
aus heißer, abgestandener Luft entgegenschlug. Es war ein
Alptraum...
Das war der Nachteil an einer dieser riesigen Städte...die
Häuser speicherten über den Tag die Wärme der Sonne und in der
Nacht, in der es eigentlich wirklich angenehm kühl sein sollte,
gaben sie diese Wärme wieder ab, sodass die Temperatur bloß um
einige wenige Grad sank. Wenn überhaupt.
Mit einem, etwas missmutigen, Gedanken, ging ich die kleinere
Straße entlang, die zu meinem Glück nicht allzu befahren war.
So war es nachts wenigstens angenehm still, wenn schon nicht
kühl.
Vielleicht würde ich demnächst...sprich in den nächsten 15
Jahren oder so...in die Arktis versetzt. Oder zumindest nach
Alaska oder Grönland. Irgendwohin, wo es mehr Winter als Sommer
gab, oder dort, wo die Temperaturen die 25°C Grenze nicht
überschreiten würden.
Ein lauer Wind spielte mit einigen meiner Haarsträhnen und ließ
sie so wirken, als ob sie tanzen würden. Ich mochte es und
schloss für einen kurzen Augenblick meine Augen, um das Gefühl
zu genießen, ehe ich mich wieder dem Ernst des Lebens widmen
konnte. Ich trat auf eine Kreuzung mit einer Hauptstraße,
Autoschlangen fuhren an mir vorbei, in einiger Entfernung hupte
eines dieser Schlangenteile, ein Bus zog an mir vorbei, eine
Straßenbahn meldete sich bereits von weitem an, indem sie ein
wenig vor sich hinbimmelte.
Es war Stress pur.
Ich verlagerte mein Gewicht auf ein Bein, meine Arme legte ich
verschränkt über meinen Bauch, mein Blick glitt ein wenig über
die Straßen. Menschen hetzten sich über Zebrastreifen,
schlängelten sich durch andere durch und schienen zu hoffen,
noch rechtzeitig anzukommen.
Doch anstatt sich tagein, tagaus bloß zu hetzen sollten sie sich
ein wenig Ruhe gönnen. Einfach einmal aussteigen und das Leben
Leben sein lassen...
Meine Ampel sprang auf Grün und schnellen Schrittes überquerte
ich die stark befahrenen Straßen. Leider lagen so ziemlich alle
Läden und Bars an solchen Strassen. Schade drum, andererseits
machten sie so viel mehr Gewinn. Gut für sie.
Nachdem ich den Zebrastreifen überquert hatte, sah ich mich um.
Wohin ich gehen sollte, wusste ich nicht. Mir bot sich
tatsächlich ein breites Medium an, doch wofür ich mich
entscheiden sollte...das war die Qual der Wahl.
Doch ein sonniges, in warmen Farben gehaltenes Aushängeschild
zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich ging einfach näher darauf
zu um zu sehen, welches Lokal sich dahinter verbarg.
Einige Meter bevor ich vor der Türe der Bar zum stehen kam, las
ich den Namen: Salud.
Es klang Spanisch, vermutlich war es das auch. Aber es klang okay
und freundlich und so sah ich mir die aufgestellte Tafel vor dem
Lokal an.
Scheinbar war hier Happy Hour von 17 20 Uhr .... Und da
wir kurz nach siebzehn Uhr hatten, bedeutete das, dass diese
großen Cocktails statt 12$ nur 7$ kosten würden. Das war
tatsächlich ein Angebot und nur, weil es von Oben
nicht gerne gesehen wurde, so gab es dennoch keine schriftliche
Regel, die besagte, dass es uns tatsächlich und strengstens
verboten war, Alkohol zu konsumieren. Immerhin wollte ich mein
Leben doch auch ein wenig genießen. Zumindest so weit ich es mir
selbst erlauben konnte.
Mit einer Hand stemmte ich die Türe quasi auf und betrat das
Innere des Gebäudes. Es war klimatisiert und wirklich...ziemlich
angenehm. Vielleicht sollte ich mir doch einmal eine Klimaanlage
beschaffen. Wie ich spüren konnte, hatte sie tatsächlich einen
Vorteil, falls er zu warm sein sollte. Zumindest für mich.
Ich war noch keine Minute in dem Raum, dessen Wände mit sonnigen
Farben ausgemalt wurden, als auch schon ein großer,
dunkelhaariger Kellner auf mich zukam und mich höflich fragte,
ob ich alleine sei, oder in Begleitung.
Verdutzt sah ich ihn wohl einige Zeit an, ehe ich mich wieder
fand und ihm antwortete, dass ich alleine gekommen wäre. Er
nickte und deutete mir, wohin ich mich setzen konnte.
Kurzerhand entschloss ich mich, mich einfach an die Bar zu
setzen, so würde ich auch niemandem den Platz wegzunehmen.
Der Hocker war mit einem roten Leder überzogen, ob echt oder
nicht interessierte mich nicht. Binnen einiger Sekunden wurde mir
eine Karte gereicht und ich stellte fest, dass man dort auch
warme Speisen bestellen konnte, alles Mexikanisch.
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Mit einem Händewacheln versuchte Morris
sein Gegenüber wieder in die Realität zurückzuholen. Mit einem
Mal schien der Agent in einer gänzlich anderen Sphäre zu
schweben, sein Blick glitt ins Leere.
Agent Mulder? Ist alles in Ordnung mit Ihnen? die
Stimme des Mannes drang nur gedämpft bis zu Mulder durch, ehe
dieser mit einem leichten Kopfschütteln zurück ins Hier und
Jetzt kam.
Was haben Sie gesagt? fragte er ein wenig verwirrt
nach, ehe er sich dessen bewusst wurde, was er gesagt hatte. Er
stand inmitten der Wohnung dieses Polizisten und machte sich zum
Trottel, indem er zu Tagträumen anfing aufgrund der Worte rothaarig
und klein. Und er war dafür berühmt berüchtigt,
dass er paranormalen Ereignissen auf die Spur kam.
Ich habe Sie gefragt, ob alles in Ordnung mit Ihnen sei.
Sie schienen auf einmal meilenweit weg. Hatten Sie eine Eingebung
oder etwas in der Art?
Eine Eingebung? wiederholte Mulder und fragte sich,
wie er wohl ausgesehen haben mochte. Vermutlich hatte er
Ähnlichkeit mit einem Zombie gehabt.
Ja. Ich meine, bei den Dingen, die Sie bereits gesehen
haben... sagte Morris leise, legte die Photos allerdings
noch nicht aus seiner Hand, bereit, sie Mulder ein weiteres Mal
in seine Hände zu drücken.
Ach so...nein, nein... für einen Kurzen Moment
huschte ein schwaches Lächeln über Mulders Lippen. Ich
weiß nur nicht, ob ich mich von rothaarigen Frauen in letzter
Zeit verfolgt fühlen soll oder nicht... sagte er und
versuchte so, noch ein wenig Information über die Unbekannte
herauszufinden. Er wusste, dass es Zeitverschwendung sein würde
und das es absolut keinen Sinn hatte, nun alle rothaarigen aus
allen Staaten zu kontrollieren, nur um zu sehen, ob seine
Rothaarige dabei sein würde...
Das kann ich Ihnen auch nicht beantworten... Morris
zuckte ein wenig mit seinen Schultern. Ich weiß auch
nicht, von welchem Typ Rothaarige Sie sich verfolgt vorkommen.
Meine Nachbarin ist ca. so groß... er deutete mit seiner
Hand auf die ungefähre Körpergröße der jungen Frau. ...hat
ab und an Sommersprossen und blaue Augen...
Schnellen Schrittes verließ Mulder die Wohnung des
Bundesbeamten. Er war keineswegs unhöflich gewesen, dennoch
hatte er die Wohnung so schnell verlassen, wie er nur konnte. Die
Beschreibung des Mannes schien so perfekt auf seine ehemalige
Partnerin zu treffen, dass er schon beinahe glaubte, zu träumen
oder bloß in einer Illusion an diesem Ort zu sein.
Seine Gedanken drifteten zurück zu einem Gespräch, das er einst
mit Scully geführt hatte. Sie hatten über Stau und
Wassermoleküle gesprochen und irgendwie waren sie auf das Thema
Schicksal und höhere Mächte gekommen.
Sie beide hatten darüber diskutiert, ob ein Mensch nicht nur
sein Leben sondern auch das seiner Umgebung so weit verändern
konnte, dass es Konsequenzen für die Zukunft haben könnte.
Eines seiner Argumente war gewesen, dass man zwar durchaus in der
Lage war, sein Leben gründlichst zu planen, das Schicksal einem
aber oft einen Strich durch die Rechnung machte, denn auch eine
Kleinigkeit konnte ein Leben so verändern, dass es weitestgehend
so weit beeinflusst wurde und so vom ursprünglichen Ziel dieser
Person abwich.
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Nun fragte er sich, ob diese beiden Worte
solche Auslöser gewesen waren, die nun sein Leben beeinflussen
konnten. Natürlich könnte es auch sein, dass er einem Irrlicht
nachlief, denn seine Chancen waren gering. Nichtsdestotrotz waren
sie vorhanden und das alleine war Ansporn genug für ihn.
Er hatte sich bereits ausgemalt, wie sein Leben ohne Scully
weitergehen würde und da sie ohnehin schon seit geraumer Zeit
nicht mehr an seiner Seite war, erlosch auch die Hoffnung in ihm,
dass sie jemals wieder zu ihm zurückkommen würde. Natürlich
niemals ganz und sobald er rote Haare in Wind tanzen sah, keimte
eine Zuversicht in ihm auf. Zuversicht, die ihn weiter daran
glauben ließ, dass es doch immer wieder Wunder geben sollte.
Seine eiligen Schritte hallten auf den steinernen Treppen, als er
diese hinunterhastete, jedoch darauf achtete, nicht zu stolpern.
Vergessen waren die UFOs, der junge Polizist, den er in seiner
Wohnung zurückgelassen hatte und auch sein Jackett, das immer
noch auf dem Kleiderständer des kleinen Apartments hing. Er kam
erst zum stehen, als er auf einer Türe die Nummer 1 erkannte;
hier wohnte der Hauswart, welcher wohl auch eine Liste der
Bewohner dieses Hauses hatte.
Er musste einfach nachsehen.
Er musste es wissen, brauchte diese Klarheit.
Das Klopfen klang so befremdet in seinen Ohren, auch wenn es ein
ihm vertrautes Geräusch war. Plötzlich fühlte er Nervosität
in sich aufkommen.
Wieso war er nervös?
Was war schon dabei, wenn er als Bundesagent nach der Liste der
Bewohner dieses Hauses nachfragte?
Erst als die Türe vor ihm geöffnet wurde, schien er sich dessen
bewusst zu sein, was er einige Sekunden zuvor getan hatte. Er
hatte an die Türe dieses Mann es geklopft und dieser erwartete
sich nun eine Antwort darauf, warum er um diese Zeit von seinem
Fernseher geholt wurde. Er blickte aus grauen Augen zu ihm auf,
nicht wissend, was sein Gegenüber von ihm wollen würde.
Mein Name ist Fox Mulder und ich bin vom Federal Bureau of
Investigation... begann Mulder, als ihm auch schon einfiel,
dass sich sein Ausweis oben in seinem Jackett befand. Wie also
sollte er sich ausweisen?
Der ältere Herr würde sich sicherlich nicht von seinen bloßen
Worten überreden lassen, ihm das zu geben, was er haben wollte,
auch wenn es nicht unbedingt ein Geheimnis war, wer in diesem
Haus wohnte.
Haben Sie einen Ausweis, Mister? Den sollten Sie mir
nämlich zeigen, wenn Sie sich als Bundesagent ausgeben...
meinte der ältere Herr trocken und war scheinbar nicht gewillt,
eine gewisse Freundlichkeit an den Tag zu legen. Man konnte ihm
förmlich ansehen, dass es diese, scheinbar unerträgliche, Hitze
war, die ihn so reagieren ließ und dass es keinesfalls seinem
Gemüt entsprach. Doch wo er Recht hatte, hatte er recht...
Wissen Sie, ich habe meinen Ausweis in meinem Jackett und
das habe ich...
Mulder wurde von jeher unterbrochen, als eine ihm bekannte seine
Stimme seinen Namen rief. Er drehte sich um und erkannte den
jungen Polizisten, welchem er Augenblicke zuvor alleine gelassen
hatte. In dessen rechter Hand flatterte Mulders schwarzes
Jackett, welches er schon dachte, nun holen zu müssen.
Das haben Sie bei mir vergessen, als Sie aus der Wohnung
gestürmt sind... meinte der junge Mann und warf dem
älteren Hauswart einen kurzen Blick zu, ehe er sich nickend
verabschiedete und die Treppen wieder hinaufstieg. Nach einigen
Sekunden war im Haus kein weiterer Mucks mehr zu hören.
Erleichtert über die Tatsache, dass er nun doch seine Ausweis
hatte, griff er in die Innentasche seines Jacketts und holte das
kleine, schwarze Rechteck heraus, um es aufzuklappen und dem
Hauswart seinen Ausweis entgegenzuhalten.
Der Mann vor ihm blickte einige Sekunden auf seinen Ausweis, ehe
er nickte und somit zu verstehen gab, dass Mulder nun seine Bitte
aussprechen dufte; was auch immer es sein mochte.
Ich wollte Sie fragen, ob ich eine Liste der Mieter dieses
Hauses haben könnte... Mulders Stimme hatte nichts an
Freundlichkeit verloren, auch wenn ihm nicht im Geringsten danach
war, freundlich zu sein. Doch es ging um eine unbekannte Frau,
welche er nicht mehr länger unbekannt sein lassen wollte.
Warum? Ist einer von ihnen in Verdacht geraten, etwas
verbrochen zu haben? fragte der Hauswart skeptisch nach und
hob seine Augenbrauen.
Was? Nein, nein, Sir. Auf keinen Fall. Ich würde einfach
nur gerne die Namen wissen... Mulder gestikulierte ein
wenig und hoffte, dass der Mann ihn verstehen würde. Er wollte
tatsächlich nur eine Liste der Namen haben; nicht mehr und auch
nicht weniger.
Nach anfänglichem Zögern drehte sich der ältere Mann dann
jedoch um und Mulder konnte Papier rascheln hören. Sein Herz
schien auf einmal ein paar Takte schneller zu schlagen.
Als seine Finger das Blatt Papier berührten, wurde er noch
nervöser, als er es ohnehin schon war. Die Zeit schien an ihm
wie in Zeitlupe vorbeizuziehen, eine Sekunde schien drei Sekunden
zu dauern. Mit einem letzten Blick sah er zu dem Hauswart, der
sich nun lässig an seinen Türstock lehnte, ehe Mulder einen
letzten tiefen Atemzug machte und auf das Papier sah. Seine Augen
flogen über die verschiedenen Nummern, ehe er an einer
besonderen stehen blieb. Diese befand sich vor der Hausnummer des
Polizisten.
Mit seinem Zeigefinder deutete er auf die Nummer, sodass er sie
nicht wieder verlieren konnte und fuhr anschließend die Zeile
entlang, ehe sein Herz für einen Atemzug aussetzte.
Unter der Kategorie Namen stand definitiv....... Dana
K. Scully.
Mulder schluckte hart und hoffte, dass er nicht beginnen würde,
zurückzutaumeln oder gar ohnmächtig zu werden. Konnte es
tatsächlich die Wahrheit sein?
Seine, vom Erdboden verschluckte, Partnerin, hier in Detroit?
Erneut vom Schicksal zusammengeführt oder war es bloß der
Zusammenstoß mehrerer Ereignisse, die zu diesem Zufall führten?
Oder hatte er einfach einmal das Glück, zur richtigen Zeit am
richtigen Ort zu sein?
Fragen über Fragen, die seinen Geist und seine Gedanken
umnebelten, sodass er Probleme damit hatte, diese neu gewonnene
Information zu verdauen.
Er nahm einen tiefen Atemzug und schloss für einige Sekunden
seine Augen. Als er sie wieder öffnete, stand ihr Name immer
noch in derselben Zeile und in derselben Spalte. Wie viele Dana
K. Scullys könnte es in Detroit geben? Noch dazu mit roten
Haaren und scheinbar nicht allzu großer Körpergröße?
Er prägte sich ihre Wohnungsnummer genau ein und nahm ein
letztes Mal einen tiefen Atemzug, ehe er dem Hauswart die Liste
zurückgab. Seine Hände zitterten zwar nicht, dennoch fühlten
sich seine Hände an, als ob er sie in einem Ameisenhaufen gelegt
hätte. Sie kribbelten und für einen kurzen Augenblick dachte er
schon, dass er anfangen würde zu zittern.
Dankeschön... sagte er mit belegter Stimme und
atmete tief durch. Er nickte seinem Gegenüber noch ein letztes
Mal zu, ehe er sich umdrehte und die Treppen wieder
hinaufsprintete. Mit einem Mal schien er seinem Ziel so
unglaublich nahe zu sein, dass es ihm wieder unwirklich erschien.
Wieso sollte sie ausgerechnet hier her gezogen sein?
Sein Atem beschleunigte sich und er spürte den kalten Schweiß,
der sein Hemd plötzlich auf seinem Körper kleben ließ. So sehr
er sich auch zurückerinnerte, es fiel ihm kein Augenblick ein,
in welchem er derart nervös gewesen war. Wie kam das? Es war
vielleicht bloß Scully.
Seine langjährige Partnerin und beste Freundin, die ihm mit
einem Mal hatte sitzen lassen und der er nun, nach langen
Monaten, endlich wieder gegenüberstehen konnte.
Erst da kam ihm der Gedanke, wie er sich ihr gegenüber verhalten
sollte, sollte ihm nun wirklich seine Scully die Türe öffnen.
Sollte er sie einfach umarmen? Natürlich war ihm danach, sie
einfach in seine Arme zu schließen, doch wie würde sie darauf
reagieren? Sie würde ihre Gründe haben, warum sie sich nicht
bei ihm gemeldet hat, dessen war er sich sicher. Aber sollte er
ihr Verständnis entgegenbringen oder sollte er wütend auf sie
sein? Sicherlich, er war auch wütend auf sie. Wütend, dass sie
einfach gegangen und ihn alleine gelassen hatte, nach allem, was
sie gemeinsam durchgemacht hatten. Andererseits, würde sie aus
ihren kristallblauen Augen unschuldig zu ihm aufblicken, würde
er wahrscheinlich gar nicht anders können, als ihr zu verzeihen.
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Ich hatte beschlossen, nichts zu essen.
Stattdessen hatte ich mir einen Hurrikan-Cocktail bestellt und
sah zu den Menschen, die hier noch saßen. Einige saßen zu zweit
an einem Tisch, andere in einer ganzen Gruppe. Sie alle lachten
oder grinsten, unterhielten sich und genossen die Gesellschaft
des oder der anderen.
Und ich?
Tja, ich saß alleine auf einem roten Lederhocker und trank
alleine einen Cocktail. Nicht gerade das, was ich unter einem
amüsanten Abend verstand, aber es war besser, als zu Hause bei
lebendigem Leibe gekocht zu werden.
(Manchmal neigten wir auch zu maßlosen Übertreibungen....)
Mit meinen Fingerspitzen fuhr ich um den kühlen Rand des Glases
und sah dabei auf die gelblich-orange Flüssigkeit im Inneren. Es
schmeckte nicht sonderlich viel nach Alkohol, dennoch wird mir
wärmer.
Ananasblätter, eine Orangenscheibe und auch eine Cocktailkirsche
waren am Rand des Glases mithilfe eines kleinen, rosa
Zahnstochers, oder etwas in der Art, befestigt beziehungsweise
zusammengehalten.
Ein Blick auf meine Uhr verriet mir, dass ich erst seit einer
knappen halben Stunde in dem klimatisierten Raum saß
und...eigentlich nichts anderes tat, als vor mich hinzustarren.
Na ja, vielleicht nicht direkt starren, aber ich saß einfach
bloß stumm auf dem Hocker.
Ein tatsächlich amüsierender Abend.
Vielleicht sollte ich doch öfter unter Menschen kommen. Einfach
mit irgendjemanden reden und auch außerhalb meines Schützlings
Freundschaften gründen, selbst, wenn ich wusste, dass diese
nicht von langer Dauer sein konnten. Zumindest in Anbetracht
dessen, dass ich irgendwie andauernd den Wohnsitz wechselte.
Natürlich war ich mit meinem Leben teilweise auch zufrieden,
aber in manchen Momenten fand ich es
schlichtweg...unbefriedigend. Was tat ich schon, außer Menschen
wieder auf den rechten Weg zu bringen oder sie zu beschützen?
Es war ein wundervoller Beruf, selbst wenn ich oft nicht die
Anerkennung bekam, die ich sehr gerne entgegenbekommen würde.
Doch dagegen ließ sich ohnehin nichts machen...
Dreieinhalb Stunden und noch einen Cocktail später saß ich
immer noch auf diesem Barhocker. Die Bar war weder voller noch
leerer geworden und damit sich der Alkohol nicht allzu sehr in
meiner Blutbahn bemerkbar machte, hatte ich mir doch etwas zu
Essen bestellt. Es waren Potato Wedges mit irgendeiner Soße. Was
genau wollte ich eher nicht wissen, aber es schmeckte gar nicht
mal so übel.
Hin und wieder hatte ich mich mit dem Barkeeper unterhalten oder
auch mit meinem Sitznachbarn, doch die hatten sich in den
vergangenen Stunden oft abgewechselt...
Nachdem mein Hunger gesättigt war und ich meine Rechnung bezahlt
hatte, blieb ich noch einige Minuten auf dem Hocker sitzen, ehe
ich aufstand und auf wackeligen Beinen den Raum verließ. Ich war
nicht so arg betrunken, sodass ich nicht mehr gerade stehen bzw.
gehen könnte, sondern waren diese Schuhe einfach nicht zum gehen
geeignet. Das war wohl auch der Grund, warum sie als Cocktail-Schuhe
angepriesen wurden. Man kann mit ihnen bloß Cocktail trinken
gehen, da man dort die ganze Zeit nur saß.
Der Himmel war bereits dunkel, doch die Straßenlaternen ließen
einem im Glauben, dass es noch immer helllichter Tag war. Motten
und andere Insekten flogen um das Licht herum, als würden sie es
anbeten wollen.
Durch das künstliche Licht sah meine Haut irgendwie unnatürlich
aus. Sie war nie besonders dunkel, in der Sonne schien sie dafür
heller, als sie es war. Doch nun?
Mit einem Mal legte sich ein mir bekannter Arm um meine Schulter
und ich sah überrascht nach links, als eine schwarzhaarige Frau
mich angrinste.
Wie macht sich Detroit? fragte sie mich mit einem
gewissen Unterton, den ich nur allzu kannte. Im Grunde war sie
eine wirklich gute Freundin, doch manchmal kam sie nicht umhin,
mich zu ärgern.
Das weißt du doch. Wieso fragst du mich? antwortete
ich ihr und atmete die warme Nachtluft ein. Sie grinste mich
weiterhin schadenfroh an und lehnte anschließend ihren Kopf an
meine Schulter. Ich mochte es, wenn sie das tat.
Wieso schickst du mich nach L.A.?
Die Stadt der Engel, weißt du das denn nicht? war
ihre ernüchternde Antwort und ich wusste nicht, ob ich mich
damit zufrieden geben sollte bzw. konnte. Ich wusste auch, dass
sie mich mit Absicht neckte, dennoch, man gewöhnte sich auch
nach Hunderten von Jahren nicht daran.
Oh doch, das weiß ich durchaus, aber warum nicht
mal...nach Kanada oder in diese Gegend?
Weil ich mir dann dein Geraunze über das schlechte Wetter
und den Schnee anhören dürfte. Also genieß die Sonne, und die
Wärme und...
Du weißt ganz genau, dass ich es nicht leiden kann, wenn
das Quecksilber auf über 36°C klettert und dabei eine
Luftfeuchtigkeit wie in den Tropen herrscht... unterbrach
ich sie. Meine Stimmlage war zwar freundlich, aber sie wusste,
dass ich keinesfalls wirklich glücklich gestimmt war.
Na eben. Dann sei glücklich darüber, dass ich dich nicht
nach Brasilien geschickt habe. Denn, wie du weißt, es könnte
noch schlimmer sein...
Ich seufzte und setzte den Weg zu meinem Apartmenthaus fort,
während sie immer noch an mir hing.
Wieso schickst du mich schon wieder weg? fragte ich
sie leise und hoffte, dass sie den Kummer in meiner Stimme nicht
vernahm; weit gefehlt, denn sie wusste auch, wie ich mich
fühlte, wenn sie nicht bei mir war.
Süße, das ist dein Job. Ich weiß das und du weißt das.
Aber ich habe dir schon öfter angeboten, dass du als Mensch auf
diesem Planeten leben kannst...
Ich weiß, aber dafür...würdest du mir meine Erinnerungen
nehmen...und mein bisheriges Leben. Ich wäre das Kind
irgendwelcher Menschen, die ich nicht kenne...
Du würdest sie kennen lernen. Was spricht also dagegen?
Ich warf ihr einen schnellen Blick zu und sah anschließend
wieder auf den Boden. Ich wusste, dass sie meine Gedanken nicht
lesen konnte, worüber ich sehr erleichtert war. Wenn sie
wüsste, wie meine Gedanken manchmal aussahen, dann würde sie
mir vermutlich die Entscheidung abnehmen, was das bleiben und
gehen betraf.
Eine Antwort war ein einfaches Schulterzucken. Was sollte ich ihr
antworten?
Wir kamen vor meinem Apartmenthaus zum Stehen. Sie stand ruhig
neben mir und blickte die Hausfassade entlang.
Dein neues Wohnhaus ist so ein Neubau. Also, nicht so was
Altes wie das hier, falls du es wissen willst.
Was bleibt mir auch anderes übrig? Aber früher oder
später hätte ich es schon gesehen, keine Sorge...
Als ob ich mir um dich Sorgen machen müsste...
Lächelnd blickte sie mich an und gab mir noch einen Kuss auf
meine Wange.
Schließlich müssen wir beide deinen Ruf wahren...
hauchte sie mir ins Ohr und nahm ihren Arm von meiner Schulter.
Ich blickte ihr ein letztes Mal in ihre braunen Augen, ehe sie
sich umdrehte und um die Ecke bog. Ich wusste, würde ich nun um
diese Hausecke gehen, würde ich sie nicht sehen können. Es
wäre so, als ob sie nie um diese Ecke gegangen wäre.
Auch die Straßen um uns herum waren wie leer gefegt gewesen,
keiner war auch nur in die Nähe von uns beiden gekommen.
Wahrscheinlich hatte uns auch niemand gesehen, als wie die
Straße hier herunter gegangen waren. Das war immer schon immer
sie mich besuchte. Vielleicht konnte man es auch Kontrollgang
benennen...
Meine Armhärchen stellen sich auf, als eine Gänsehaut meinen
Körper überzog. Ich wusste nicht, warum. Aber irgendwie war
irgendwas anders und ich war erleichtert, als ich das kalte
Metall meines Schlüssels an meinen Fingern spürte und ihn in
das Schloss steckte, sodass ich die Haustüre öffnen konnte.
Erst, als die Türe hinter mir zurück ins Schloss fiel, atmete
ich tief durch und drückte auf einen Lichtknopf, sodass am Flur
das Licht angehen würde. Es war zwar noch nicht so spät, aber
die meisten Leute gingen um diese Uhrzeit weder ein noch aus. Es
war eine ausgestorbene Zeit. Entweder man ging erst weg oder man
kam erst nach Hause.
Meine Schuhe machten klackernde Geräusche auf dem Boden, doch
ich schenkte ihnen wenig Beachtung. Weswegen auch? Mein Blick war
auf den Boden gerichtet und ich suchte nach meinem
Wohnungsschlüssel, der sich auch irgendwo auf diesem
Schlüsselbund befinden sollte. Aber das war wieder eine Sache
von suchen und finden.
Als ich dann endlich das gefunden hatte, was ich (schon beinahe
verzweifelt) gesucht hatte, atmete ich tief durch und merkte,
dass ich bereits in meinem Stockwerk angekommen war. Die Wände
waren so fahl wie immer und im hintersten Teil des Flurs war eine
Glühbirne eingegangen. Vermutlich durften die Mieter dieses
Hauses nun eine Woche lang warten, ehe eine neue Glühbirne
hineingeschraubt werden würde. Da ich zu diesem Zeitpunkt
ohnehin nicht mehr da sein werde, konnte es mir egal sein.
Ich blickte auf und mir war, als würde mir der Boden unter den
Füßen weggezogen werden. Ich fiel in ein schwarzes Loch, das
keine Grenzen kannte und wurde wieder ausgespuckt. Tausend
Gedanken schossen mir auf einmal durch meinen Kopf und am
liebsten wollte ich mich umdrehen und weglaufen. Doch es war zu
spät. Durch das Geräusch meiner Absätze auf dem Boden hatte er
mich bereits kommen gehört. Ich hatte mich tatsächlich verraten
und nun verfluchte ich mich dafür. Es war doch unmöglich, dass
er ....
Ich schluckte, nahm einen tiefen Atemzug und hörte dann, wie er
meinen Namen flüsterte. Gott, am liebsten wäre ich in seine
Arme gesprungen und hätte ihn nie mehr wieder gehen lassen, doch
es war regelwidrig und verboten und zu allem Übermaß fühlte es
sich noch nicht einmal falsch an.
Er stand auf, sein Jackett über seine Schulter gehängt und ich
konnte sehen, dass auch ihm zu warm war. Sein Blick glitt meinen
Körper hinunter, ehe er wieder in meine Augen sah.
Sein Blick war zwar müde, aber mit einem Mal schien so viel
Freude in ihm zu stecken. Mit wenigen Schritten stand er mir
direkt gegenüber und ich konnte sogar noch sein Aftershave
riechen. Zwar nur mehr sehr schwach, aber der Geruch war
vorhanden.
Meine Knie wurden immer weicher...
Scully... sagte er noch einmal, mit einer Sanftmut,
die ich eigentlich nicht von ihm gewohnt war.
Vor mir stand wahrhaftig Fox Mulder.
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Außer Atem kam er vor ihrer Haustüre zum
Stehen und klopfte zaghaft an das Holz. Doch hingegen seiner
Vermutungen und Hoffnung tat sich auf der anderen Seite nichts.
Er klopfte ein weiteres Mal, diesmal stärker. Doch auch dieses
Mal blieb die Antwort aus.
Mit einem Seufzen lehnte er seine Stirn an das kühle Holz und
schloss seine Augen. Er hatte gehofft, sie in ihrer Wohnung
anzutreffen, doch scheinbar war ihm das Glück nicht hold.
Natürlich hatte er auch gehört, wie sie angeblich ihre Wohnung
verlassen hatte. Er sah kurz auf seine Armbanduhr, um
festzustellen, dass es noch nicht mal achtzehn Uhr abends war.
Wenn sie tatsächlich erst vor einer Viertelstunde das Haus
verlassen hatte, dann würde er vermutlich noch einige Zeit vor
ihrer Türe warten müssen.
Mulder dachte sogar daran, in der Zwischenzeit einfach in sein
Motelzimmer zu fahren, doch die Gefahr, dass er sie verpassen
würde, wäre für ihn einfach zu groß gewesen. Zumal, wenn er
vor ihrer Türe wartete, konnte sie ihm eben jene nicht vor der
Nase zuknallen, sollte sie mit seinem Besuch nicht einverstanden
sein.
Mit einer beinahe verzweifelten Geste fuhr er mit seiner linken
Hand durch seine Haare, seine Augen hatte er geschlossen.
Pochender Schmerz machte sich bei seinen Schläfen breit, sodass
er mit Zeige- und Mittelfinger seiner rechten Hand seine Schläfe
massierte. Doch der Schmerz blieb.
Zu seinem pochenden Schmerz machte sich auch das Schlagen seines
Herzens auf sich aufmerksam. Er hatte das Gefühl, als ob man das
stetige, jedoch aufgeregte Klopfen auch in der Wohnung gegenüber
hören würde, da sein Muskel hart gegen seine Rippen hämmerte.
Was für ein alberner Gedanke schallte er sich selbst
und schüttelte über seinen absurden Gedanken den Kopf.
Scully würde diesen Gedanken vermutlich selbst amüsierend
finden, würde er ihr diesen mitteilen.
Bei dem Gedanken an seine ehemalige Partnerin schien sein Herz
auf einmal nicht mehr am rechten Fleck zu schlagen, sondern zu
seinem Hals gewandert zu sein.
Er schluckte hart und hoffte so, dass dieses seltsame Gefühl
enden würde, doch dem war nicht so. Sein gesamter Körper schien
aufgeregt und nervös zu sein, obwohl es noch Stunden dauern
könnte, ehe sie wieder kommen würde.
Wie würde er dann reagieren, würde er ihr erst einmal
gegenüberstehen?
Würde er in Ohnmacht fallen oder einfach den Coolen mimen?
Er lehnte seinen Rücken gegen die fahl angemalte wand und ließ
sich langsam auf den Boden gleiten, wobei der Stoff seines Hemdes
ein markantes Geräusch von sich gab, als der Stoff über die
Mauer glitt.
Seinen Kopf legte er, soweit er konnte, in den Nacken, als dieser
ebenfalls an der Mauer lehnte. Sein Blick glitt zu der Decke, die
einst einmal weiß gewesen sein musste. Nun glich es eher
vergilbtem Pergament, versehen mit Rissen unbestimmten Alters.
Warum sollte Scully in ein Haus wie dieses ziehen?
Mulder erinnerte sich an die stilvoll eingerichtete Wohnung
seiner Freundin zurück, die nichts unversucht ließ, ihr zu
Hause so gemütlich wie möglich zu gestalten. Auch das Wohnhaus,
in dem sie gelebt hatte, hatte so viel Stil wie sie gehabt. Es
war immer sauber und der Hausmeister hatte stets darauf geachtet,
dass alles in Ordnung war.
Auch wenn sie nicht beim FBI geblieben war, so hätte sie wohl
eine Stelle als Ärztin oder Pathologin annehmen können; in
beiden Berufen verdiente man genug, um sich auch ein kleines
Vorstadthäuschen zu mieten oder gar zu kaufen.
Hoffnungsvoll warf er einen weiteren Blick auf seine Armbanduhr
um festzustellen, dass gerade fünf Minuten vergangen waren. Es
waren zwar mehr, als er erwartet hatte, dennoch war er sich nicht
sicher, wie lange er hier nun auf dem Flur neben ihrer Haustüre
sitzen würde.
Er konnte das Zuschlagen einer Türe vernehmen, die wohl einen
Stock höher oder tiefer liegen musste. Gefolgt war dieses
Geräusch von Schritten auf dem aufgewärmten Linoleumfußboden.
Es waren wohl zwei Menschen, die Schritte verebbten und das,
Mulder bereits vertraute, Ping des Aufzuges ertönte.
Erst in diesem Moment wurde Mulder bewusst, dass Scully durchaus
auch in Begleitung wieder nach Hause kommen könnte bzw.
vielleicht war sie bereits in Begleitung fortgegangen. Ein
Verehrer, der vor der Haustüre mit einem Strauße Rosen bereits
auf sie wartete...
Der Agent wollte diesen Gedanken erst gar nicht weiterspinnen und
hoffte, dass sich dieser durch das Schließen seiner Augen
verflüchtigen würde. Doch stattdessen zeigte sich ihm ein Bild,
dass er noch weniger sehen wollte...vielleicht war seine
zierliche Partnerin ja aufgrund einer Beziehung umgezogen. Es war
in seinen Augen zwar unwahrscheinlich aber nicht unmöglich. Sie
war eine wunderschöne, junge Frau. Weswegen sollte sie also ihr
Leben in seinem Kellerbüro verbringen, wo sie doch
eigentlich so viel mehr haben konnte?
Immer mehr Zweifel keimten in ihm auf, ob es denn überhaupt
richtig sei, dass er nun dort saß und auf sie wartete, oder ob
alles bloß Zeitverschwendung war, weil sie diese Nacht
vielleicht gar nicht mehr zurückkommen würde.
Er stellte eines seiner Beine auf, stütze seine Stirn in seine
rechte Hand und lehnte seinen Ellbogen an sein Knie. Verzweiflung
und Panik machten sich in ihm breit, sodass er schon beinahe so
weit war, aufzustehen und die Sache so bleiben zu lassen, wie sie
war. Scully sollte weiterhin hier in Ruhe wohnen können, ohne
irgendwie Angst davor haben zu müssen, er könne auf einmal vor
ihrer Türe stehen und er würde sich damit zufrieden geben, dass
sie scheinbar nichts mehr von ihm wissen wollte.
Fragen drängten sich ihm auf; weshalb war sie damals
tatsächlich gegangen? Hatte sie ihre Arbeit satt? Ihr Leben?
Ihn?
Wenn es tatsächlich so war, weshalb hat sie dann mehr als einmal
ihr Leben für ihn riskiert, wenn er ihr nichts bedeutet hatte?
Wenn ihr Job ihr nichts bedeutet hatte....
Sie hätte jederzeit kündigen können...tja, bis sie es dann
wahrgemacht hatte. Sie war versetzt worden, doch scheinbar hatte
sie beim FBI gekündigt und war nach Detroit gezogen, um dort ein
neues Leben beginnen zu können. Ohne ihn.
Sie hatte sich nicht bei ihm gemeldet, obwohl sie es ihm
versprochen hatte. In seiner Ratlosigkeit hatte er auch bei ihrer
Mutter angerufen, doch diese Nummer schien es nicht mehr zu
geben. Er hatte auch nach ihrer Mutter gesucht, doch nirgends war
eine Margarete Scully gemeldet, zumindest nicht die, die er
kannte. Oder geglaubt hatte zu kennen.
Natürlich hatte er auch daran gedacht, dass die sie
vielleicht haben verschwinden lassen, aber was würde ihnen das
bringen?
Die Sekunden wurden zu Minuten, die Minuten zu Stunden, ehe er
nach eine, wie es ihm schien, Ewigkeit auf seine Armbanduhr sah
und bemerkte, dass es bereits kurz nach einundzwanzig Uhr war.
Wie lange sie wohl noch fort sein würde?
Er hatte seine Stirn auf seine Knie gelegt, als ihn ein Geräusch
aus seinen Gedanken schreckte. Es hörte sich an wie die schwere
Holztüre unten im Parterre, die einem Zugang zu diesem Haus
gewährte. Als das Krachen der Türe still war, konnte er das
Klacken von Schuhen mit Absatz ausmachen. Er wartete und sah in
Richtung des Aufzuges.
Der Takt, in dem diese Klackgeräusche an sein Ohr drangen, kam
ihm vertraut und ziemlich bekannt vor, sodass sein Herz einen
weiteren Sprung machte. Immer wieder hörte er es, auf einer
Ebene gehend, die Treppen hinaufsteigen.
Erneut schien sein Herz zu schnell für seinen Körper zu
schlagen.
Er stand auf, hängte sich sein Jackett über seine Schulter und
wartete. Die Schritte kamen immer näher und je näher diese
kamen, desto lauter schien sein Herz zu schlagen. Er hatte schon
Angst, dass er auf diesem Flur kollabieren würde.
Sein Blick traf sie, wie sie einige Meter von ihm entfernt auf
dem Flur stand, einen Jeansrock und eine weiße Bluse tragend.
Unter ihrem Arm hatte sie eine Handtasche eingeklemmt und in
ihrer Hand hielt sie einen silbernen Schlüsselbund, der im
Flurlicht glitzerte.
Ihre Augen waren vor Überraschung und Schreck geweitet, ihre
Pupillen verengt. Langsam trat er einige Schritte auf sie zu und
vernahm aus der Ferne eine ihm bekannte Stimme; seine eigene. Er
hatte ihren Namen gesagt, ohne es wirklich zu bemerken.
Scully... sagte er noch einmal sanft und wollte schon
ihre Wange berühren, hielt sich selbst dann jedoch ab. Er hatte
Angst, dass sie eine bloße Halluzination sei, die von ihm in
seinem Gehirn vorgetäuscht würde, aufgrund seiner langen Suche
nach ihr.
Seine rothaarige Ex-Partnerin stand weiterhin regungslos vor ihm,
ehe ein Geklimper sie beide aus ihren Gedanken riss. Sie sahen
nach unten und bemerkten Scullys Schlüsselbund, denn sie in
ihrem Schock hatte fallen lassen.
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Ich schluckte und hoffte, dass ich Herrin
meiner Sinne bleiben würde. Mich beschlich das dringende
Bedürfnis, ihm einfach um den Hals zu fallen und ihn nie mehr
wieder gehen zu lassen.
Nach all dieser Zeit stand er nun vor mir, kam aus dem Nichts und
ich hoffte, dass er nicht wieder gehen würde, auch wenn ich
diejenige war, die ihn verlassen hatte und einfach verschwunden
war.
Mit einer langsamen Bewegung machte er einen weiteren, den
letzten, Schritt, auf mich zu. Ich vernahm das Rascheln seines
Jacketts, als es auf den Boden segelte und dort unberührt liegen
blieb. Alles schien auf einmal wie in Zeitlupe abzulaufen, seine
Bewegung, mein Atemzug, mein Herzschlag. Mir war fast so, als
könnte ich seinen Herzschlag synchron mit meinem schlagen
hören. Mein Körper versteifte sich, mein Blick schien für
einen kurzen Moment ins Leere zu gleiten, ehe ich seine Nähe und
Wärme so intensiv wie noch nie zuvor spüren konnte. Seine Arme
schlangen sich um meinen Rücken, hielten mich mit einem
bestimmten Druck an sich gehalten, sodass ich nicht gehen konnte,
selbst, wenn ich es gewollt hätte. Doch das wollte ich nicht.
Wie könnte ich es wollen?
Sein Körper war auf einmal so nahe an meinem. Ich konnte sein
Herz tatsächlich schlagen fühlen, als ich meine Hand auf seine
Brust legte, jedoch nicht, um ihn wegzuschicken. Sein Gesicht
legte er an die rechte Seite meiner Halskuhle und ich spürte
seinen regelmäßigen, warmen Atem an meiner Haut, die ebenfalls
aufgewärmt von der Außentemperatur war.
Seine Nase drückte ein wenig gegen meine Haut und ich spürte
seine Lippen, die auf einmal ebenfalls auf mir lagen.
Er küsste meinen Hals!
Wenn auch nur für einen kurzen Augenblick, aber er hat es getan.
Vermutlich riss ich meine Augen auf und starrte ins Leere, doch
so richtig bemerken tat ich es nicht. Ich schien erstarrt in
seinen Armen zu stehen, gefangen von der Magie dieses Moments.
Ja, Magie. Ich weiß nicht, wie ich es sonst beschreiben sollte.
Seine Hände auf meinen Schulterblättern, er selbst einfach so
nahe bei mir. Mit einer langsamen Bewegung trennte er sich wieder
von mir, ließ mich jedoch nicht los. Seine Hände wanderten von
meinen Schulterblättern hinauf zu meinen Schultern, verweilten
dort einen kurzen Moment, ehe sie über meinen Hals strichen und
schließlich auf meinen Wangen zum liegen kamen. Seine Daumen
strichen ein wenig über meine Haut und hinterließen ein
feuriges Kribbeln. Ich wusste, dass ich nicht so fühlen, dass
ich nicht so empfinden durfte, aber was sollte ich gegen meine
Gefühle schon ausrichten?
Wie konnte er mich eigentlich finden?
Es war doch ein Ding der Unmöglichkeit, dass er mich hier hätte
finden können. Ich war nicht gemeldet, zumindest nicht so, dass
er es herausfinden könnte. Ich wusste, dass die von Oben
immer dafür sorgten, dass uns unsere Schützlinge nicht folgen
bzw. finden können.
Haben sie dieses Mal schlechte Arbeit gemacht?
Nein.
Das konnte nicht sein.
Die letzten Jahrhunderte über haben sie niemals einen Fehler
gemacht. Seit Anbeginn der Zeit, in der sich Schutzengel auf
diese Art und Weise um Menschen kümmerten, machten sie ihren Job
gut und verhinderten weiteren Kontakt.
Oder war Mulder aufgrund einer bestimmten Sache hier? Bestimmt
von Oben? Wieso hatte mir das niemand gesagt, wenn es
so war?
Verwirrt blickte ich in seine Augen und hoffte, eine Antwort
darin finden zu können. Irgendeinen Anhaltspunkt, der mir zeigen
würde, dass ich mit meiner Vermutung richtig lag. Oder einfach
eine Gefühlsregung, die mich wissen ließ, was hier los war.
Warum dieser Mann, den ich die letzten Monate so schmerzlich
vermisst hatte, nun in dem Flur dieses alten Hauses stand und
mein Gesicht in seinen Händen hielt.
Ich konnte Gefühle in seinen Augen erkennen und sie ließen mich
schlucken, als ich Tränen in ihnen glitzern sehen konnte. Gott,
er weinte ja oder zumindest war er kurz davor.
Ich konnte ihm nur allzu gut nachempfinden, wie er nun fühlen
musste, denn ich fühlte genauso. Ich wünschte bloß, dass ich
ihn umarmen und nie wieder loslassen müsse. Doch ich wusste es
besser, ich habe es all die Male zuvor besser gewusst, mit dem
Unterschied, dass ich mir bei ihm eine Schwäche erlaubte, in der
ich es mir selbst gestattete, ihn zu lieben.
Liebe war keine Schwäche. Liebe war eine Stärke, die sich
allerdings schneller als man oftmals glaubte, in eine Schwäche
verwandeln konnte. Es ist etwas, über das niemand gerne sprach,
aber Liebe tat oft weh und ich wollte diesen Schmerz nicht, wer
will ihn schon?
Ein Engel will ihn mit Garantie nicht, darum war ich all die
Jahre stets bemüht, das Verhältnis zu meinen Schützlingen zwar
auf Freundschaft basieren zu lassen, jedoch niemals darüber
hinaus zu schreiten.
Bei ihm habe ich dieses, mein inneres, Gesetz, nicht eingehalten.
Ich habe angefangen, ihn zu lieben und zwar auf eine Art, die mir
nicht genehmigt war.
Als ich gegangen bin, hatte ich das Gefühl, wieder Herrin meines
Handelns und meiner Gedanken zu sein, doch das hielt nicht lange.
Ich hätte es ja eigentlich wissen müssen. Immer öfter schlich
er sich in meine Gedanken, ja selbst in meine Träume. Ich habe
so oft davon geträumt, ihn endlich wieder zu sehen; habe davon
geträumt, niemals gegangen zu sein.
Mit einem Mal schienen diese Träume bzw. Alpträume von einer
Nichtigkeit, von der ich nie wusste, dass ich sie empfinden
würde, denn in diesem Moment waren sie egal; nun waren sie
Vergangenheit, denn ich war mir sicher, dass er es nicht zulassen
würde, dass ich in ein paar Stunden nach Los Angeles fliegen
würde.
Mulder, was tust du hier? hörte ich meine Stimme
flüstern und ich wusste, dass das die falsche Frage war. Doch er
würde sie nicht in den falschen Hals bekommen, dessen bin ich
mir sicher. Ich wusste bloß einfach nicht, was ich ihm sagen
sollte. Schließlich konnte ich ihm nicht meine Liebe gestehen.
Ein absurder Gedanke, denn er dürfte ja eigentlich gar nicht
hier bei mir sein.
Ist das alles? fragte er betrübt. Ich konnte den
Schmerz in seiner Stimme hören, denn auch wenn er wusste, dass
ich ihn viel lieber tausend andere Sachen gefragt hätte, so war
in dieser Frage eine gewisse Distanz, die ich immer noch zu
wahren bemüht war.
Meine Nase fing an zu kribbeln und ich wusste ganz genau, dass
das ein Zeichen dafür war, dass auch ich den Tränen nahe war.
Um meine Ruhelosigkeit und Aufgewühltheit zu überspielen, griff
ich mit meinen Händen nach oben und legte sie auf seine, die
immer noch auf meinen Wangen lagen. Seine Hände fühlte sich so
angenehm warm an...
Lass uns in meine Wohnung gehen... meine Stimme war
weder lauter noch kräftiger geworden, aber ich hatte immer noch
das Gefühl, als ob der Boden unter mit wackeln und beben würde.
Ich schluckte hart und konnte ein Nicken von seiner Seite
registrieren.
Der erste Schritt war scheinbar schon einmal getan und so löste
er sich langsam von mir, um mir so den Weg zu meiner Wohnung frei
zu machen.
Mit einer flüssigen Bewegung hob ich meinen Schlüsselbund auf
und drückte das Metall in meine Handinnenfläche, sodass ich den
Schmerz fühlen konnte, den das gezackte Eisen auf meiner Haut
verursachte. Es war ein Zeichen von Leben. Ich konnte mir also
sicher sein, dass ich nicht träumte.
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Vorsichtig setzte ich einen Fuß vor den
anderen, um so zu meiner Wohnungstüre zu kommen, die sich auf
einmal immer weiter nach hinten bewegte. Wie eine Fata Morgana...
Ich nahm erneut einen tiefen Atemzug und warf einen kurzen Blick
hinter mich. Mulder hob gerade sein dunkles Jackett wieder vom
Boden auf und folgte mir unverzüglich, sodass ich meinen Blick
wieder nach vorne richtete, um festzustellen, dass sich meine
Türe in den vergangenen Hundertstelsekunden nicht weiter von mir
fort bewegt hatte.
Meine Finger zitterten mehr als mir lieb war und ich dankte Gott
im Inneren, dass ich es schaffte, meinen Wohnungsschlüssel
gleich beim ersten Versuch in das vorgesehene Schloss zu stecken.
Ich wusste, dass Gott meine Gebete durchaus auch hören konnte,
selbst, wenn ich sie nicht laut aussprach. Sie war eben Gott und
genau das machte sie aus...(was sie nicht dazu befähigte, meine
privaten Gedanken zu hören...so eine kleine Notiz am Rande)
Meine Wohnungstüre ging lautlos auf und gab den Blick auf meine
kleine Wohnung frei, die im vollkommenen Dunkel lag. Es war eine
wirklich kleine zwei Zimmer Wohnung, in der das Wohn- und das
Schlafzimmer ein und derselbe Raum waren, eine Küche war
angrenzend und das Bad samt WC extra.
Ich hatte mein Fenster gekippt, ehe ich gegangen war und ein
lauer Luftzug, entstanden dadurch, dass ich die Eingangstüre
geöffnet hatte, ließ den weißlich durchsichtigen Vorhang
tanzen. Es war ein gespenstischer Anblick, wenn ich so darüber
nachdachte, aber die Hand, die sich auf einmal auf meinen Rücken
legte, ließ mich zurück in die Realität kehren und war auch
dafür verantwortlich, das tausend Schmetterlinge in meinem Bauch
zu tanzen schienen.
Ich spürte seine Blicke in meinem Rücken, ehe er sich umsah.
Erst da fiel mir bewusst auf, wie leer meine Wohnung bereits
wieder war und Mulder war keinesfalls ein Mensch, der dieses
Zeichen missverstehen würde. Mit einem Mal spürte ich ein
Schamgefühl in mir aufkommen; er musste vermutlich sonst was von
mir denken.
Sind Sie erst vor kurzem hier eingezogen? hörte ich
seine Stimme, näher bei mir, als mir lieb war. Ich schluckte und
drehte mich langsam um. Wenn er glaubte, dass ich erst vor kurzer
Zeit hier eingezogen war, dann würde er es mir vielleicht doch
nicht so übel nehmen, wenn ich bald in L.A. bin.
Andererseits...konnte ich ihm das ein weiteres Mal antun? Ihn
einfach so alleine lassen, ohne eine Nachricht?
Ja... na ja, noch nicht so kurz, aber bisher hatte ich noch
keine Zeit, mich hier wirklich einzurichten...
Seine Blickte schweiften prüfend durch den Raum, ehe er in meine
Augen sah. Es war dunkel im Raum und so sahen seine Augen beinahe
schwarz aus. Was er wohl gerade dachte?
Wusste er, dass ich log? War er deswegen wütend?
Oder glaubte er mir?
Ich seufzte und strich mir gedankenverloren eine Haarsträhne
hinter mein linkes Ohr. Ich hoffte so sehr, dass er keine
weiteren Fragen stellen würde. Das würde bloß zu
Unannehmlichkeiten führen.
Wieso haben Sie einfach gekündigt? Ich meine, weshalb
haben sie komplett beim FBI aufgehört und warum haben Sie sich
niemals bei mir gemeldet?
Ich konnte die Wut in seiner Stimme hören, die aufzukeimen
begann. Das konnte ich ihm noch nicht einmal verübeln, denn er
hatte allen Grund, wütend auf mich zu sein. Aber musste er mir
ausgerechnet nun eine Standpauke halten? Ich war bereits verwirrt
genug über die Tatsache, dass er vor mir stand und mich mit
diesem Blick ansah.
Mulder, ich war damals in Salt Lake City...und mir wurde
einfach bewusst, dass ich diese Arbeit dort nicht tun konnte.
Dass diese Arbeit nicht die war, die mich...erfüllte. Darum habe
ich gekündigt.
Ich schluckte, dennoch schien mein Mund so trocken wie die
Katakama. Oder die Sahara...
Das erklärt natürlich auch, warum Sie sich nie bei mir
gemeldet haben, oder? fragte er mit einem gewissen
Zynismus. Ich sah auf den Boden, konnte ihm einfach nicht in
seine Augen sehen. Er würde sofort erkennen, was in mir los war;
was ich dachte.
Halten Sie mir keine Vorschriften, wie ich mein Leben zu
leben habe, Mulder... ich wusste, dass ich nicht fair war.
Aber ich konnte ja wohl schlecht sagen Hey, Mulder. Sorry,
dass ich mich nicht gemeldet habe, aber ich war dein Schutzengel
aber ab nun darf ich keinen Kontakt mehr zu dir haben...
Wie haben Sie mich gefunden? fragte ich ihn nun in
einem neutralen Tonfall, sodass er mich vielleicht nicht
anschnauzen würde. Weit gefehlt. Von der Sanftmut und
Gutmütigkeit meines ehemaligen Partners war nichts mehr zu
spüren. Nun war nur mehr der blanke Hass auf mich übrig
geblieben, der sich zwar wieder verziehen würde, doch nun
herrschte er vor.
Wie ich Sie gefunden habe?! Ist das alles? Ist das, bei
Gott verdammt, noch mal alles, was Sie interessiert? Vor zig
Monaten sind Sie einfach gegangen, haben sich einfach aus dem
Staub gemacht. Zuerst habe ich ja noch geglaubt, dass Sie wieder
kommen würden, aber als Sie sich dann nicht gemeldet haben, dann
habe ich gehofft, dass Sie in Salt Lake City bleiben, aber mir
vielleicht trotzdem einmal alle Schaltjahre eine Nachricht
zukommen lassen! Himmel, Herrgott, Scully, ich wäre schon mit
einem Brief zufrieden gewesen, in dem hätte stehen können
Ich lebe!
Seine letzten Worte schrie er mir so sehr entgegen, dass ich
zusammenzuckte und einen Schritt rückwärts machte. Dass er mir
Angst einjagte, schien er zu bemerken, denn augenblicklich
seufzte er und als ich aufsah, schluckte er und strich sich mit
seinen Händen über sein Gesicht.
Tut mir leid...Scully, es tut mir leid... hörte ich
ihn zwischen seinen Händen nuscheln, ehe er sich umdrehte und
mit seiner rechten Faust gegen eine Wand schlug. Ich zuckte
erneut zusammen.
Er hatte Recht.
Er hatte definitiv Recht.
Ich würde auch sauer auf mich sein, aus seinem Blickwinkel
betrachtet. Doch mir waren damals die Hände gebunden, wie sollte
ich denn anders handeln? Wie konnte ich anders handeln, wenn
meine Befehle von ganz oben kamen? Von einer Macht, von der
dieser Mann noch nicht mal zu träumen wagte?
Mulder? ich flüsterte seinen Namen, da ich nicht
wusste, in wie weit er ansprechbar war. Vermutlich noch gar
nicht.
Ich nahm an, dass er wahrscheinlich sogar zu wütend war, um mich
überhaupt wahrzunehmen. Nun wünschte ich, dass er mich niemals
gefunden hätte, dass er einfach in D.C. geblieben wäre, um dort
seinen grauen Männchen nachzujagen. Das wäre uns beiden
leichter gefallen, selbst, wenn wir uns dann nie wieder gesehen
hätten.
Langsam machte ich einige Schritte auf ihn zu, sodass ich ihm
zwar näher sein konnte, aber nicht in Gefahr lief, seine Faust
womöglich in mein Gesicht zu bekommen. Ich würde es ihm nicht
zutrauen, aber ich wusste, wenn er wütend war, dann konnte er
unberechenbar sein.
Erst, als ich neben ihm zum stehen gekommen war, traute ich mich,
meine linke Hand auf seine Schulter zu legen, und übte ein wenig
Druck auf seine warme Haut unter meiner Handinnenfläche aus,
sodass er mich ansehen musste. In seinem Blick lagen Trauer und
Schmerz, aber auch Wut und etwas, dass nach Erlösung aussah.
Augenblicklich schien er wie ausgewechselt.
Nun wurde ihm scheinbar bewusst, was er getan hatte, wie er sich
verhalten hatte, sodass er seinen Kopf ein wenig schüttelte und
erneut eine leise Entschuldigung nuschelte. Als ob ich ihm
deswegen böse sein könnte, konnte ich es ihm doch so gut
nachempfinden. Mit einem leichten Augenverdrehen signalisierte
ich ihm, dass es bei weitem nicht so schlimm gewesen war,
schließlich wusste ich um sein Temperament, vor allem, wenn ich
der Grund dafür war. Umso mehr entschädigte er mich mit seinem
Verhalten, als er erneut seine Arme um mich legte, diesmal jedoch
ohne Druck auf meinen Körper auszuüben, der neben seinem so
klein zu sein schien.
Seine großen Hände strichen meinen Rücken auf und ab,
verweilten eine Weile an meinem Steiß, ehe er sie auf meine
Hüften legte und seine Stirn an meine legte. Ich wusste diese
Geste durchaus zu schätzen, da ich wusste, wie sich ein Fox
Mulder verhielt, wenn er sich wirklich ernsthaft entschuldigen
wollte. Und so hatte ich ihn noch nie gesehen. Zumindest hatte er
sich noch nie auf eine solch intensive Art und Weise bei mir
entschuldigt. Damit konnte man sogar mich noch überraschen.
Lassen Sie sich uns setzen, Mulder, hm? meine Stimme
wirkte ein wenig zittrig, was ich auf meine weichen Knie
zurückführte. Ich war einfach immer noch ein wenig ...
benommen. Er nickte kurz und so leicht, dass ich für einen
kurzen Moment gedacht hatte, ich würde mir diese Bewegung bloß
einbilden.
Bedacht ging ich mit ihm zu meinem Bett, das die einzige
Sitzfläche in meiner Wohnung bot, da mein Tisch und meine Sessel
bereits weg waren. Mit einem leisen Seufzen ließ er
sich auf meiner Matratze nieder und sah mit einem
herzzereissenden Blick zu mir auf, den ich ebenfalls nur zu gut
kannte. In meinem Inneren hatte ich diesem Blick den Namen Dackel-
bzw. Hundeblick gegeben, weil es der Blick war, mit dem er
mich für gewöhnlich zu allem rumkriegen konnte.
Die Nacht ist noch jung, Mulder. Wollen Sie etwas zu
trinken? Ich kratzte mich ein wenig am Handgelenk. Ich
habe schon meinen Wasserkocher, ein paar Tassen und Teebeutel.
Leider keinen Zucker, den habe ich heute...
...dem netten Officer-Nachbarn gegeben, ich weiß...
unterbrach er mich und entlockte mir dadurch ein kurzes Lächeln.
Dieser Mann vor mir war in der Tat immer wieder für eine
Überraschung gut.
Erwischt. Also, haben Sie Lust auf ungesüßten Tee?
Ich hob provokant eine Augenbraue, die ihm normalerweise ein
Signal von Herausforderung übermittelte. Ich hatte auch mein
skeptisches Augenbrauenheben, aber das war nun nicht angebracht.
Na dann immer her mit diesem übergesunden Gesöff...
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Sich eine lose Haarsträhne hinter ihr Ohr
streichend, richtete Scully sich auf und schlurfte in Richtung
Küche. Sie goss Wasser in den weißen Wasserkocher und drückte
anschließend auf den roten Knopf.
Während sie aus der Kochnische ging, um sich ihre Schuhe
auszuziehen, stützte sich Mulder an seinen Armen auf die
Matratze und sah sich weiterhin um. Die Wände der Wohnung waren
weiß und so wenig erinnerte ihn an die heimelige Gemütlichkeit
von der Wohnung, die Scully in D.C. bezogen hatte. Dort hatte man
sich sofort zu Hause gefühlt, die Wohnung war in warme Farben
gehüllt und bot genug Plätzchen, um es sich bei einem guten
Buch mit einem Glas Wein gemütlich zu machen.
Das Apartment, in welchem er sich nun befand erinnerte ihn eher
an eine Zwischenstation, sodass sie wenigstens ein Dach über den
Kopf hätte, ehe sie weiterreisen würde.
Vielleicht würde sie das auch, verheimlichte es ihm aber, aus
Gründen, die er nicht bestimmt war zu wissen. Mit einer fahrigen
Bewegung fuhr er sich über seinen Unterarm, ehe er sich wieder
nach Scully umsah, welche ihre weiße Handtasche gerade auf das
bisschen Arbeitsfläche der Kochnische legte. Innerhalb des
weißen Wasserkochers konnte Mulder es bereits kochen hören, was
ihn dazu bewegte, aufzustehen und ebenfalls in die kleine Küche
zu gehen. Schließlich konnte er hier nicht einfach auftauchen
und sich dann von vorne bis hinten bedienen lassen.
Wo sind die Tassen? Seine Stimme hatte wieder einen
normalen Tonfall angenommen, wodurch er Scully ein weiteres,
scheues Lächeln entlocken konnte.
Sie sind oben... sie deutete mit ihrem Kopf auf einen
Küchenkasten, der ein wenig oberhalb hing. Mulder öffnete die
weiße Flügeltüre und holte zwei weiße Tassen heraus. In
dieser Wohnung schien alles weiß zu sein...dachte er bei sich,
ehe er die Tassen auf die Arbeitsfläche abstellte und Scully
zwei Teebeutel hineinhängte, deren Inhalt schon jetzt rötlich
aussah.
Wieso bist du hier, Mulder? fragte sie ihn leise und
erhoffte sich nun eine Antwort auf ihre Frage. Es war ihr
wirklich wichtig, seine Beweggründe zu kennen. Er hatte sie in
den letzten Monaten nicht gefunden, warum war er ausgerechnet
jetzt hier aufgetaucht?
Dass sie ihn mit einem Mal duzte, fiel ihr nicht sonderlich auf.
Es schien plötzlich so normal, ihn zu duzen, als ob sie ihr
Leben lang nichts anderes getan hätte.
Na ja, ich habe monatelang nach dir gesucht...und auch
suchen lassen. Deine Mum konnte ich nicht erreichen und auch
sonst warst du nirgendwo gemeldet. Die Jungs hatten dann die
Idee, dass du das FBI verlassen hättest und nun ... irgendwas
anderes machen würdest. Sie lagen damit scheinbar ziemlich nahe
an der Wahrheit...
Das erklärt nicht, weshalb du hier bist...
unterbrach sie ihn und goss das bereits kochende Wasser in die
beiden weißen Tassen. Augenblicklich verfärbte es sich rot,
glich einem See, in den Blut gegossen wurde.
Nein...nein, das tut es nicht... haspelte er und
räusperte sich. Ich...ich bin hier, weil Skinner mir einen
Fall gegeben hat. UFOs. Dein Nachbar. Dein Nachbar hat beim FBI
angerufen, dieser Officer...Graig Morris. Er hat angerufen, weil
er hier in der Nähe UFOs gesehen hat und darum...darum bin ich
hergeflogen...
Sie musterte ihn, um in seinen Augen zu lesen und zu erkennen,
dass er ihr die Wahrheit sagte. Er hatte sie nicht weiter
verfolgt gehabt, denn es wäre ihm nicht möglich gewesen, sie in
Detroit zu finden. Das hätten die von oben mit
Garantie nicht zugelassen; weshalb also konnte er sie finden? Wie
konnte er in Kontakt mit einem Mann treten, der ihr Nachbar war?
Es war ihr unverständlich und sie versuchte weiterhin, hinter
dieses Geheimnis zu kommen, wollte ihm jedoch nicht das Gefühl
geben, dass sie über etwas nachdachte.
Nimm deine Tasse und lass uns zurückgehen...
Ohne auf seine Antwort zu warten, griff sie mit ihren Händen
nach ihrer Tasse, um die Wärme, die durch das Porzellan drang,
in sich aufzunehmen. Es war keineswegs kühl in der Wohnung,
dennoch genoss sie diese Wärme...
Erst als sie sich beide ohne Worte auf die Matratze
niedergelassen hatten, ergriff Mulder das Wort.
Weißt du, dass wir uns nun geduzt haben?
Es war eine einfache Frage, aber dennoch wog sie mehr, als ein
Außenstehender erahnen könnte. Die gemeinsamen Jahre über
hatten sie sich niemals das Du angeboten, aus Angst vor
Zurückweisung. Es wäre einfach zwischen ihnen aufgrund dessen
zu persönlich geworden, auch wenn sie vieles miteinander erlebt
hatten. Das unpersönliche Sie ließ sie einfach den nötigen
Abstand wahren, somit konnte es keine Verletzten geben. Doch nun?
Niemand hatte es dem anderen angeboten, sie hatten es einfach
verwendet.
Ja...ich weiß. Ich weiß auch nicht, es war...
begann Scully, doch Mulder unterbrach sie mit einem sanften
Sssshhhh...
Sie sah zu ihm und konnte das leichte Lächeln auf seinen Lippen
erkennen. Er hatte Recht; es war irrelevant, weshalb sie sich nun
duzten. Wichtig war, dass sie sich nun scheinbar wieder gefunden
hatten, selbst wenn es besser war, das Mulder nicht wusste, was
ihre Aufgabe war.
Was wäre aber, wenn sie nach L.A. gehen würde?
Würde er sie auch dort wieder finden? Würden ihre Leute ihr in
den Rücken fallen und es Mulder ermöglichen, sie erneut zu
finden? Oder war das hier einfach nur ein Glücksfall gewesen?
Ein Streich?
Was hast du all die Monate gemacht? fragte er sie mit
beinahe flüsternder Stimme und nippte dabei an seiner weißen
Tasse. Das rote Getränk schien ihm fast seine Lippen zu
verbrennen, doch er spielte den Schmerz hinunter. Er war zu sehr
von der Magie des Moments gefangen, den er mit dieser
wunderschönen Frau teilen durfte. Er war nicht gewillt, sie
erneut gehen zu lassen. Dafür hatte er zu lange nach ihr
gesucht.
Na ja, ich bin...Ärztin. Hier in einem Krankenhaus. Nichts
Spezielles...
Mulder lächelte sie an und erntete einen verwirrten
Gesichtsausdruck ihrerseits.
Was ist los? Warum siehst du mich so an?
Angesteckt von seinem Lächeln, verzog auch sie ihre Mundwinkel
nach oben.
Weiß du, es überrascht mich nicht, dass du Ärztin bist.
Darauf habe ich auch getippt. Schließlich ist es das, was du am
besten kannst. Und da du beim FBI aufgehört hast, schein das die
einzige Arbeit zu sein, die du machen wollen würdest...
Mit geröteten Wangen blickte sie auf ihre Tasse hinunter und
beobachtete etwas die rote Flüssigkeit, die darin
herumschwappte.
Du bist also immer noch der Profiler, hm? sagte sie
mit schüchterner Stimme und blickte erneut zu ihm auf, um seinen
Blick zu begegnen. Er lächelte sie immer noch an, ehe er ein
wenig nickte.
Na ja, was sollte ich denn sonst sein? fragte er sie
und zuckte mit einer Schulter. Sie tat es ihm gleich und um ihre
Gedanken zu ordnen, trank sie einen Schluck Beerentee. Sie
spürte Nervosität in sich aufkommen und wunderte sich darüber.
Sie war selten in seiner Gegenwart nervös gewesen, vor allem in
einem solchen Moment. Wie oft hatten sie schon bei einer Tasse
Tee oder einer Flasche Bier zusammengesessen und über belanglose
Dinge gesprochen?
Unzählige Male.
Vielleicht ist es auch gut so. Manche Dinge sollten sich
einfach nicht ändern...
Sie sprach mehr zu ihrer Tasse, als zu ihrem Gegenüber, aber sie
fand sich nicht imstande, in seine Augen zu sehen, nicht, nachdem
sich dieses ungewöhnliche Bauchkribbeln bemerkbar gemacht hatte.
Durch einen weiteren sanften Windstoß bewegte sich der Vorhang
sachte hin und her, ließ Scully aufblicken, deren Gedanken durch
die sanften Bewegungen jeher unterbrochen wurden. Sie fand es
seltsam, dass eine so leichte Bewegung bereits ihre
Aufmerksamkeit auf sich zog, doch an diesem Abend schien nichts
so, wie es sonst immer war. Sie spürte, dass ihre Handflächen
feucht wurden und strich sich zur Ablenkung eine lose
Haarsträhne hinter ihr Ohr.
Du trägst deine Haare wieder länger, hm? schien
Mulder erneut ein Gespräch mit ihr anfangen zu wollen. So sehr
mit ihm auch gesprochen hätte, ihre war partout kein Thema
eingefallen, das sich nicht wie Small Talk angehört hätte.
Mit einem verwirrten Gesichtsausdruck blickte sie zu ihm, was ihn
widerrum zum schmunzeln brachte. Noch nie zuvor hatte er diese
Frau dermaßen durch den Wind erlebt.
Eine Haarsträhne zwischen Zeigefinger und Daumen eingeklemmt,
sah sie kurz hinunter, ehe sie erneut in seine Augen sah.
Ja...ich war bisher immer zu faul, zum Friseur zu gehen.
Und da ich keinen Haarspliss habe oder so etwas... ohne
ihren Satz zu beenden, zuckte sie mit ihren Schultern und ließ
die Strähne wieder los.
Steht dir...
Augenblicklich schien das Blut ihres gesamten Körpers in ihre
Wangen zu fließen und die Gefahr, wie eine rote Glühbirne zu
leuchten wurde immer größer. Sie hatte in ihrer gemeinsamen
Zeit so gut wie nie Komplimente von ihm bekommen, zumindest
nicht, was ihr Aussehen anbelangte. Schon alleine das war ein
Grund für sie, rot zu werden.
Dankeschön... brachte sie mit Mühe heraus und war
bemüht, nicht zu stottern oder zu haspeln.
Ihre Finger schienen sich wie von Geisterhand enger um die Tasse
zu schließen und erst, als ihre Fingerknöchel weiß
hervortraten, lockerte sie den Griff um das Porzellan.
Alles okay? fragte Mulder nun besorgt, da er durchaus
mitbekommen hatte, wie verkrampft sie ihre Tasse gehalten hatte.
War etwas nicht in Ordnung mit ihr?
Ja. Ja, es ist alles okay. Mach dir keine Sorgen...es ist
nur...ich bekomme nicht sehr oft Komplimente... mit einem
schüchternen Blick, den Mulder noch nie auf ihrem Gesicht
gesehen hatte, sah sie zu ihm. ...schon gar nicht von dir.
Mit einem letzten Augenaufschlag sah sie in seine Augen, ehe sie
ihren Blick auf den Boden richtete.
Die Frau, die ihn vor anderthalb Jahren verlassen hatte, hatte
nicht mehr sehr viel gemein mit der Frau, die ihm nun
gegenübersaß. Würde er es nicht besser wissen, würde er
glauben, sie sei nicht die Selbe.
Nicht so schüchtern, Scully. So kenne ich dich ja gar
nicht. Versuchte er die Stimmung aufzulockern, was ihm
allerdings bloß ein schwaches Lächeln von seiner Gegenüber
brachte. Sie strich sich erneut eine Haarsträhne hinter ihr Ohr,
ehe sie wieder zu ihm sah.
Da ist so viel, das ich dir gerne erzählen würde, weißt
du? Einfach reden. Aber das haben wir noch nie getan. Und
vermutlich werden wir das auch nie, Mulder. Ich weiß nicht, ob
es das Richtige war, dass du mich hier gefunden hast...
In ihrer Stimme lag ein gewisses Maß an Trauer, doch Mulder
konnte seinen Ohren dennoch nicht trauen. Meinte sie das etwa
ernst?
Wieso sagst du das? fragte er nun betrübt und sah
traurig zu ihr. Für gewöhnlich war er nicht ein Mensch, der
alles viel zu persönlich nahm, selbst, wenn es sich dabei um ein
persönliches Gespräch handelte. Aber das er Scully scheinbar
egal war, verletzte ihn zutiefst.
Wie soll ich ihm denn beibringen, dass dieses Treffen ein
Versehen war? Ein Fehler von oben. Inwieweit würde er mir
glauben schenken?
Ich wusste, dass er immer noch an diese Verschwörung mit diesen
grauen Retikulanern glaubte, aber er war kein Gläubiger in dem
Sinne. Er glaubte nicht an Gott, die zehn Gebote oder Sünden.
Nicht, dass Gott heutzutage noch so streng wäre zumal sich die
Menschen auch sehr oft selber helfen, in dem sie die Gesetze
verfasst haben. Manche mögen zwar dennoch bedenklich sein, aber
trotzdem.
Ich konnte diesem Mann, der mir gegenüber saß, sehr schlecht
sagen, dass meine Vorgesetzten einen Fehler gemacht haben und er
überhaupt nicht neben mir sitzen dürfte.
Mit einem Seufzen versuchte sie, ihre Gedanken zu ordnen und
schüttelte dabei ein wenig ihren Kopf.
Es ist nicht so, dass ich mich nicht freuen würde, dass du
hier bist, okay? Ich meine, ich bin wirklich froh darüber, dass
du hier bist und das ich mit dir reden kann...
...das tun wir doch überhaupt nicht, denn du lässt es
nicht zu. Ich muss gestehen, dass ich für den Bruchteil einer
Sekunde geglaubt habe, dass du dich so dermaßen verändert hast,
sodass du nicht die Dana Scully bist, die mich im Dunkeln
zurückgelassen hat. Aber da habe ich mich scheinbar geirrt...du
bist immer noch die Gleiche...und du lässt niemanden an dich
heran...
Mit einem traurigen Lächeln auf den Lippen stand er auf, trug
seine Tasse zurück in die kleine Küche, ehe er sich erneut sein
Jackett nahm.
Es war nicht so, dass er es ihr jemals vorgehalten hätte, sie
sei unnahbar, da er wusste, was der Job beim FBI ihr abverlangt
hatte. Sie war eine Frau inmitten einer Männerdomäne und es war
sicherlich schwer für sie gewesen, sich in einer solchen als
weiblicher Agent zu behaupten. Mit Stolz konnte er von seiner
Partnerin jedoch behaupten, dass sie es geschafft hätte. Nun
allerdings hätte er sich gewünscht, dass sie als Mensch mit ihm
reden würde und nicht als FBI-Partner, die sie nun nicht mehr
waren.
Ich denke du hast Recht...vielleicht war es doch nicht das
Richtige, das wir uns getroffen haben...
Seine Hand griff nach dem Türknauf, ehe er eine Hand auf seiner
Schulter spürte.
Warte...bitte...geh nicht. Bitte...
Überrascht blickte er über seine Schulter. Er hatte sie nicht
kommen hören noch hatte er gehört, wie sie aufgestanden oder
ihre Tasse ebenfalls in die Küche getragen hatte. Er sah auf ihr
Gesicht, dass von einem milchigen Licht beschienen wurde und
konnte erkennen, dass sie sich auf ihre Unterlippe biss. Für
gewöhnlich tat sie dies nur, wenn sie nachdachte.
Wieso? Wieso sollte ich bleiben? Du willst mich ohnehin
nicht hier haben. Da kann ich doch gehen, oder? Zum Schluss sagen
wir Sachen zueinander, die wir gar nicht wollen. Das will ich
vermeiden. Also lass mich gehen. Versuchte er sie
umzustimmen, so sehr es ihm auch gegen den Strich ging. Im Grunde
wollte er überhaupt nicht gehen, doch was für eine Alternative
blieb ihm?
Nein, das werde ich nicht. Ich nehme nicht an, dass es
Zufall war, dass du nach Detroit zu einem Fall geschickt worden
bist. Ich glaube auch nicht daran, dass es Zufall war, dass mein
Nachbar dich kontaktiert hat. Es ist auch kein Zufall, dass wir
uns nun gegenüberstehen. Ich kann dich nun nicht mehr gehen
lassen...ich denke, dass ich dir einiges erklären muss.
Sie wusste, dass das eine Aussage war, die sie nicht
zurückziehen konnte. Sie hatte nun einen Weg gewählt, den sie
bis zum Ende gehen musste, auch wenn das bedeutete, dass er ihr
den Rücken kehren würde...oder sie in eine Irrenanstalt
einliefern würde.
¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤
Er starrte in ihre Augen, ohne es zu
bemerken, ehe er seinen Blick von ihrem Gesicht abwandte und auf
den Boden sah. Mit einem Seufzen ließ er den Türknauf los und
sah auf ihre Hand, welche immer noch auf seiner Schulter lag.
Langsam nahm sie sie runter und ließ ihre Arme bewegungslos
neben ihren Körper hängen.
Bitte lass es mich dir erklären...vielleicht verstehst du
dann meine Beweggründe. Oder zumindest wird dir der Weg gezeigt,
sie zu verstehen.
Ihre Stimme schien kurz davor zu sein, zu brechen und Mulder war
nicht gewillt, diese wunderschöne Frau vor ihm zum Weinen zu
bringen. Scheinbar war sie wirklich sehr daran interessiert, ihm
die vergangenen Geschehnisse zu erklären und näher zu bringen.
In was hatte ich mich da wieder hineingeritten? Natürlich
wollte ich es ihm erzählen, wollte mir alles von der Seele
reden, was ich die letzten tausend Jahre erlebt und gesehen
hatte. Auf der anderen Seite war es eine Entscheidung, die mein
restliches Leben beeinflussen würde.
Vermutlich würde ich nie wieder zurückkönnen. Sie werden mich
nicht mehr sehen wollen, denn es war uns nicht erlaubt, Menschen
von unserer wahren Existenz zu erzählen. Alles hatte seinen
Grund, denn was wäre, wenn die Menschen über uns bescheid
wussten? Viele von uns würden bestimmt in Labors landen, unter
Schmerzen gepeinigt, weil die Menschen hinter das Geheimnis des
himmlischen Lebens kommen wollten.
Ich kenne die Menschen, habe beinahe ihre gesamte Entwicklung
miterlebt. Ich wusste, wozu sie fähig waren und dass sie
skrupellos waren. Und Gott konnte nichts dagegen ausrichten.
Sie könnte natürlich einen Kriegsengel schicken, der Seuchen
oder etwas Derartiges verbreiten würde, schicken, doch die
Menschen glaubten heute nicht mehr an Gott.
Und den Menschen machte eine kleine Feuersbrunst
nichts aus, oder ein paar Heuschrecken. Heutzutage wussten sie
sich zu helfen. Sie hatten keine Ehrfurcht mehr vor einem
allmächtigen Gott.
Um was geht es denn nun? fragte Mulder gespannt, als
er sich wieder auf die Matratze gesetzt hatte. Da ich ja keine
anderen Möglichkeiten hatte, worauf wir uns setzen konnten,
gesellte ich mich zu ihm. Ich sah auf meine Hände, welche ich zu
kneten begann. Ich war nervös, das war unverkennbar und dennoch
hatte ich mich dazu entschieden, endlich reinen Tisch mit ihm zu
machen.
Für gewöhnlich war das nicht der Engel, der ich sonst immer war
und auch schon immer gewesen bin. Ich hatte mich stets an Regeln
gehalten, war darum bemüht gewesen, sie niemals zu brechen. Das
führte bloß zu Ärger und Missständen.
Und jetzt?
Nun war es so, als ob ich begonnen hatte, zu leben. Als ob mein
Zombie-artiges Dasein ein jähes Ende gefunden hätte, denn ich
habe begonnen zu lieben.
Nachdem ich erneut einen tiefen Atemzug genommen hatte, zog ich
meine Beine an meinen Körper, um mich so im Schneidersitz
hinzusetzen. Mein Blick ruhte für einen kurzen Moment immer noch
auf meinen Händen, ehe ich zu Mulder aufsah, welcher mich immer
noch gespannt musterte. Ich konnte ihn ja verstehen, aber er war
mich Sicherheit nicht darauf gefasst zu sein. Wie sollte ich
einen Menschen schon darauf vorbereiten, auf das, was nun kam.
Mulder, du wirst mich für verrückt halten und mich
vielleicht sogar in eine Anstalt einliefern wollen...
begann ich, sodass er wusste, wie verquer das sein würde, was
darauf folgte.
Wieso sollte ich das tun? Schließlich bin ich derjenige
von uns beiden, der an Aliens und UFOs glaubt. Weshalb also
sollte ich dich irgendwo einliefern lassen?
Ein belustigter Gesichtsausdruck musterte mich und ich atmete
tief durch. Er konnte es ja noch nicht einmal ahnen.
Das schon, aber es wird nicht gerade das sein, was du dir
wünschst, von mir jetzt zu hören. Das weiß ich einfach. Ich
habe das...bisher auch noch niemandem gesagt, darum fällt es mir
noch schwerer. Ich meine, mein Leben wird danach nicht mehr so
sein, wie die Jahre zuvor...
Es war besser, dass er nicht wusste wie viele Jahre
zuvor.
...also, bitte unterbrich mich nicht...
Ich schluckte, ehe mir ein Einfall kam. Etwas, an das ich bisher
noch nicht gedacht hatte. Es war eine seltsame Idee, aber
wesentlich besser, als es ihm einfach trocken zu servieren, wer
bzw. was ich war.
Mulder nickte, sah mich an und wartete gespannt darauf, dass ich
weiterfahren würde, doch diesen Gefallen würde ich ihm nicht
tun. Er musste es sehen, konnte nicht einfach meinen Worten
lauschen, denn er würde mir ja doch nicht glauben.
Mulder, steh auf und tanz mit mir... forderte
ich ihn auf und stand auf. So konnte ich auch meine Nervosität
überspielen, zumindest hoffte ich es. Versichern konnte ich es
mir selbst nicht.
Seine Augen sahen verwundert zu mir auf, als ich bereits vor ihm
stand und ihm meine Hand entgegenstreckte. Natürlich war es
nicht mein übliches Verhalten, welches ich sonst an den Tag
legte, doch an diesem Abend war ohnehin alles anders, wozu sich
nun also noch wundern? Mit einer zaghaften Bewegung griff er nach
meiner Hand und stand auf, ich führte ihn in die Mitte des
Raumes. Wir hatten genug Platz. Nicht, dass wir ihn wirklich
brauchen würden, dennoch war das Wissen angenehm, nicht irgendwo
dagegen zu stolpern.
Was ist mit dir los, Scully? fragte er mich leise,
doch ich konnte ihm noch keine Antwort geben. Er würde es sehen,
würde es fühlen können. Ich hoffte es.
Ohne ihm eine Antwort zu geben, legte ich einen Arm um seine
Hüften, deutete ihm, dass er es mir gleichtun sollte. Er tat es,
ohne zu fragen. Vorsichtig sah ich zu ihm auf, legte ihm meinen
Zeigefinger auf seine Lippen, sodass er verstehen würde.
Mit einer sanften Bewegung legte ich meine zweite Hand auf seine
Schulter, begann, mich langsam mit ihm zu einem nicht vorhandenen
Takt zu bewegen.
Es war ein ungewohntes Gefühl, so nahe an ihm zu stehen, ihn so
nahe an meinen Körper zu spüren. Erneut tat ich einen tiefen
Atemzug, konnte sein Aftershave riechen. Ein vertrautes Gefühl
kroch in mir auf und ich fühlte mich mit einem Mal so geborgen,
mehr, als ich es in den letzten Monaten getan hatte.
Ich wusste nicht, wie lange wir tanzten, aber ich wusste, dass er
nicht mehr lange mit geschlossenen Augen seinen Kopf auf meiner
Schulter ruhen lassen sollte.
Mulder? ich flüsterte seinen Namen und bekam somit
seine Aufmerksamkeit. Er sah in meine Augen und ich konnte nicht
umhin, ihn ein wenig anzulächeln. Ich versuchte mir gerade
seinen Gesichtsausdruck vorzustellen, wenn er mitbekommen würde,
was in den letzten Minuten passiert ist.
Mit einem fragenden Blick sah er in ihre blauen Augen, wunderte
sich, weshalb sie ihn aus seinen Tagträumereien holte. Sie
befeuchtete ihre Lippen mit ihrer Zunge, ehe sie ihren Blick auf
den Boden richtete, was Mulder keinesfalls nachvollziehen konnte.
Vorsichtig ließ auch er seinen Blick auf den Boden gleiten,
stieß einen überraschten Laut aus und klammerte sich mit einem
Mal an die zierliche Frau vor ihm fest. Seine Arme schlangen sich
um ihren Rücken, er wagte es nicht, sich zu bewegen.
Er bemerkte, dass sowohl Scully als auch er ungefähr vierzehn
Zentimeter über den Boden schwebte, dennoch schien er fest mit
beiden Füßen auf dem Fußboden zu stehen. Scully hingegen
schien deshalb keineswegs Bedenken zu haben, denn anstatt
überrascht zu schauen, lächelte sie ihn an. Ein Lächeln,
welches er bisher noch nie auf ihren Lippen gesehen hatte. Es
schien geheimnisvoll und rätselhaft.
Als er merkte, dass er nicht fallen würde, lockerte er seinen
Griff um ihren zarten Körper, ehe er sie erdrücken würde.
Wa-was... brachte er stotternd heraus und räusperte
sich, als sich seine Stimme wie bei einem 14-jährigen im
Stimmbruch. Er konnte nicht fassen, was er da sah, was er
spürte. Er spürte unter ihm etwas, dass sich anfühlte, wie der
feste Boden, auf dem er bisher gestanden hatte. Doch er stand in
der Luft.
Bist du eine von denen? zwar hatte er
seine Stimme wieder im Griff, so richtig Herr seiner Sinne war er
jedoch nicht mehr. Er konnte einfach nicht glauben, was Scully
ihm hiermit zeigen wollte.
War sie ein Alien?
Eine Außerirdische?
War es das, was sie ihm mitteilen wollte?
Ich bin kein Retikulaner, wenn du darauf anspielst...
sagte sie mit leiser Stimme und versuchte ihn somit zu
besänftigen. Sie wusste um seine Gefühlswelt und war darauf
bedacht, sie nicht zu sehr zu strapazieren. Sie hatte diesem
Moment innerlich entgegengesehnt und nun, da er wahr geworden
war, wollte sie Mulder nicht verlieren...
...aber ich bin auch kein Mensch... flüsterte sie
nun, legte ihre Hand auf seine Wange und versuchte, ihm so ein
Gefühl der Vertrautheit zu geben, ein Gefühl, dass ihm ihr
glauben und weiterhin so vertrauen ließ, wie er es die letzten
Jahre über getan hatte.
In seinen Augen stand sowohl Angst als auch Mistrauen geschrieben
und sie konnte es ihm noch nicht einmal verübeln.
Was bist du dann? fragte er verunsichert und
beobachtete seine Gegenüber, als sie beide langsam wieder auf
den Boden zurückkamen.
Setz dich mit mir wieder auf das Bett, ich zeige es dir...
Für den Bruchteil einer Sekunde machte sich Panik in seinem
Gesicht breit, doch mit einem beruhigenden Atemzug schien er sich
wieder unter Kontrolle zu haben. Er nickte ein wenig.
Okay... seine Stimme war immer noch leise und er
folgte ihr mit ein wenig Abstand zum Bett.
Erst, als er sich gesetzt hatte, schien auch sie im Inneren mit
sich einig zu sein. Mit einer gleitenden Bewegung setzte sie sich
auf seinen Schoß. Immer noch ein wenig geschockt sah er zu ihr
auf, traute sich jedoch nicht, sich zu bewegen.
Schließ deine Augen... bat sie ihn mit sanfter
Stimme. Obwohl er nicht wusste, was er erwartete, so konnte er
nicht umhin, ihr einfach zu vertrauen. Wie konnte diese Frau ihm
schon etwas Böses tun, vor allem dann, wenn sie ihm mit einer
solchen Stimme um etwas bat. Welcher Mann würde dieser Bitte
nicht nachkommen?
Langsam schloss er seine Augen, spürte einen kurzen, kalten
Luftzug und etwas, dass sich nach dem Rascheln von Stoff
anhörte, es aber mit Sicherheit nicht war.
Gib mir deine Hand... ertönte ihre Stimme erneut und
er hob einen Arm an, spürte ihre kleinen, zarten Finger auf
seinen. Sie führte seine Hand über ihre Schulter, wenn er ihre
Position richtig im Gedächtnis hatte. Mit seinen oberen
Schneidezähnen fuhr er sich über seine Unterlippe, die Spannung
in seinem Inneren stieg immer mehr.
Die Frau, die er jahrelang als Partnerin gehabt hatte, die Frau,
die jahrelang mit ihm einen Kreuzzug geführt hatte, war nicht
mehr dieselbe, die nun auf seinem Schoß saß. Irgendwie schien
sie sich verändert zu haben, oder war sie über all die Jahre so
gewesen und hatte sich nur bei ihm verstellt?
Seine Fingerspitzen berührten mit einem Mal etwas Weiches, das
sich im ersten Moment nach Daunen anfühlte. Er zuckte ein wenig
zurück, doch sie hielt seine Hand weiterhin fest in ihrer,
führte ihn weiter, zu etwas, dass sich zwar immer noch weich und
glatt, aber nicht mehr flauschig anfühlte. Es war länger und
schien irgendwo ein Ende zu haben. Wenn Mulder sich ehrlich war,
dann fühlte es sich an wie Federn, doch weshalb sollte sie ihm
Federn entgegenhalten.
Verwundert zog er seine Augenbrauen zusammen und sie schien
seinen Blick zu bemerken, lächelte ein wenig und unterdrückte
ein Kichern. Er sah einfach zu niedlich aus, als er mit seiner
Hand ihre weißen Flügel berührten, die im fahlen Mondlicht
einen Perlmutt-Schimmer annahmen.
Du kannst deine Augen wieder aufmachen, aber nur dann, wenn
du dir sicher bist...
Die weitere Ausführung ihres Satzes gefiel ihm nicht, dennoch
öffnete er seine Augen zu einem Schlitz und schließlich ganz.
Plötzlich riss er sie zur Gänze auf, zog seine Hand zurück und
starrte auf das Bild, welches sich ihm nun bot. Seine ehemalige
Partnerin saß auf seinem Schoß (dass sie mit gespreizten Beinen
und einen Rock auf seinen Oberschenkeln saß, bemerkte Mulder in
diesem Augenblick nicht) und lächelte ihm freundlich und
schüchtern zu. Sie schien sogar ein Kichern unterdrücken zu
müssen, als sie seinen Gesichtsausdruck bemerkte.
Scully, was... begann er, ehe er abbrach. Er konnte
seinen Augen nicht trauen.
Zwei weiße Flügel schienen aus ihren Schulterblättern zu
kommen, schimmerten Perlmutt und schienen weiß zu leuchten.
Würde er es nicht besser wissen, so würde er vermuten, dass sie
ein Engel war. Oder eine Mischung aus Mensch und Vogel.
Schließlich musste nicht jede Mensch/Vogel Mischung ein Engel
sein. Immerhin fehlten ihr eine Harfe, ein Heiligenschein und ein
weißes Gewand, wofür Engel im Großen und Ganzen bekannt waren.
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Immer noch total perplex von dem, was er da
sehen konnte, brachte Mulder kein einziges Wort über seine
Lippen. Noch nicht einmal ein urzeitliches Geräusch verließ
seine Lippen.
Stumm wie ein Fisch saß er vor ihr, oder besser gesagt, unter
ihr, ließ seinen Blick erstaunt über ihre Flügel gleiten.
Die Existenz von Außerirdischen war für ihn so klar, wie für
andere eine chemische Formel oder andere, abstraktere Dinge. Doch
das auf seinem Schoß tatsächlich ein Engel sitzen sollte, ein
Wesen, an dessen Dasein er nicht eine Sekunde in seinem Leben
geglaubt hatte, war sogar für einen Fox Mulder zu viel.
Scully ihrerseits sah ebenfalls leise und ohne Worte zu ihrem
Partner. Sie wusste, dass es ein Schock für ihn sein musste, nun
diese Flügel aus ihrem Rücken wachsen zu sehen, doch sie wollte
ihn nicht einfach wieder gehen lassen. Nicht, nachdem sie
begonnen hatte, Gefühle für ihn zu entwickeln.
Sie wusste, dass die Beziehung zu einem Menschen strafbar war und
bisher hatte sie alle Engel verpönt, welche sich auf eine solche
Beziehung eingelassen hatte, da dies ja ein Verbot war. Sie
konnte es nicht verstehen, weshalb Engel sich mit Menschen
einlassen sollten. Sie waren zwar ihre Beschützer, aber
keinesfalls ihre Liebhaber.
Bis Armors Pfeil sie selbst in ihr Herz traf und sie nun
wusste, was wahre Liebe war. Und das dieses Gefühl wunderschön
sein konnte.
Anfangs hielt sie es für eine Nichtigkeit, als sie zum ersten
Mal in seiner Gegenwart ein flaues Gefühl in ihrer Magengegend
bekommen hatte. Sie tat es ab, kümmerte sich nicht weiter darum.
Weshalb denn auch?
Sie hatte sich schon bei manchem Fall einfach ein wenig anders
gefühlt, als beim Fall davor; aus welchem Grund hätte sie sich
also sorgen müssen?
Ihre Besorgnis wuchs erst, als dieses flaue Gefühl nicht wieder
verschwand, sondern, im Gegensatz zu ihren Hoffnungen, immer
stärker wurde und gen Ende tatsächlich einem Schwarm von
Schmetterlingen glich, die sich in ihrem Bauch tummelten und ein
Feuerwerk veranstalteten. Ihr Bauch kribbelte, an manchen Tagen
bekam sie sogar feuchte Hände, wenn er charmanter als sonst war.
Auch seine Blicke und kurzen Berührungen waren ihr keinesfalls
entgangen, ließen ihre Knie weich werden.
Oft schon hatte sie in seinen Armen gelegen, hatte geweint, hatte
ihrer Angst freien Lauf gelassen, doch wie wohl hatte sie sich
gefühlt, als er seine Arme um ihren zierlichen Körper
geschlungen hatte? Ein Gefühl von Behaglichkeit durchflutete
ihren Körper jedes Mal aufs Neue, ließ sie innerlich Zittern
und Schaudern. Äußerlich wurde ihr Körper von Weinkrämpfen
geschüttelt.
Vermutlich hatten auch ihre Arbeitgeber diese bestimmte Beziehung
zu ihrem Schützling bemerkt, was widerrum der Grund war, weshalb
sie nach Detroit versetzt worden war. Hätte sie niemals diese
mädchenhaften Gefühle zugelassen, so könnte sie womöglich
auch an diesem Abend immer noch an seiner Seite gegen Dämonen
und Aliens kämpfen.
Ohne auch nur einen Luftzug zu bewegen, beugte Mulder sich nach
vorne, war immer darauf bedacht, keine allzu schnellen Bewegungen
zu machen, da er glaubte, sie würde sich sonst in Luft
auflösen. Es war für in einfach irreal, dass die Frau, die er
so lange gesucht hatte, nun einfach so wieder in sein Leben
getreten war und ihm womöglich etwas beichten würde, für das
er noch unter keinen Umständen bereit war. Wie sollte er sich,
als nicht religiöser Mensch, mit dem Gedanken anfreunden, dass
seine beste Freundin doch tatsächlich ein Engel war? Ein
Geschöpf, dessen Existenz auf der einen Seite bestritten, auf
der anderen Seite als etwas Allgegenwärtiges dargestellt wurde?
Er hatte sich nie sonderlich um Religionen gekümmert, doch er
wusste durchaus, dass Scully eine katholisch erzogene Frau war.
Plötzlich erschien ihm dieser Gedanken in einem völlig neuen
Licht, da sie scheinbar nicht nur so erzogen worden war, sondern
eventuell auch ein Teil dieser Erziehung war, ein Teil dessen,
was die Kirche so weit verbreitet hatte.
Womöglich war so an der Geschichte von Jesu und seinen Jüngern
aber auch an der Legende des allmächtigen Gottes etwas dran, was
Mulder noch nie in Erwägung gezogen hatte.
Er hob seine Hände in die Höhe, bemerkte, dass sie zitterten.
Er war nervös; noch niemals zuvor war er derartig nervös in
ihrer Gegenwart gewesen. Bisher war er immer der Coole gewesen,
der sich durch nichts erschüttern ließ, welche Sprüche sie ihm
auch entgegen geknallt hatte. Und nun konnte er seine Hände noch
nicht einmal mehr so still halten, sodass er wenigstens nach
außen hin so wirken würde, als ob er die Ruhe in Person wäre.
Seine kalten Finger legte er auf ihre Schultern, strich ihr Haar
ein wenig zur Seite, sodass er einen klaren Blick auf ihren
Rücken werfen konnte. Selbst jetzt, da sie auf seinem Schoß
saß, war sie immer noch ein wenig kleiner als er.
Er sah Federn, strahlend weiße Federn, welche scheinbar aus
ihrer Bluse kamen. Er konnte sich zwar keinen Reim darauf machen,
wie das möglich war, doch inzwischen hatte er es aufgegeben,
sich über irgendetwas zu wundern. Mit seinem Zeigefinger hob er
den Kragen ihrer weißen Bluse etwas von ihrer samtigen Haut ab,
blickte so auf ihren nackten Rücken. Ein seltsames Gefühl
durchflutete ihn, als ihr Parfüm ihm in seine Nase stieg. Für
einen kurzen Moment schloss er seine Augen, ehe er erneut
hinunter blickte und erkennen konnte, dass ihre Flügel scheinbar
aus ihren Schulterblättern herauswuchsen.
Scully, ich... begann er, als er seine Worte endlich
wieder gefunden hatte, doch sie ließ ihn noch aussprechen,
schüttelte ihren Kopf, um ihn zum Schweigen zu bringen. Egal,
was er nun zu ihr sagen wollte, seine Worte waren fehl am Platz.
Sie legte ihre Hände auf seine Wangen, hob seinen Kopf soweit
an, sodass er in ihre Augen blicken musste und ehe er es sich
versah, waren ihre Flügel auch wieder verschwunden, so als ob es
sie niemals gegeben hätte; als ob er fantasiert hätte.
Bevor du etwas sagst...würde ich dich bitten, mir
zuzuhören, okay? Ihre Stimme war leise, klang aber nicht
so rau, wie sie es manches Mal tat, sobald sie so leise zu ihm
sprach.
Er war zu nichts anderem in der Lage, als zu nicken; löste seine
Hände von dem warmen Stoff ihrer Bluse und setzte sich wieder so
regungslos hin, wie er auch schon zuvor gesessen war. Zu sehr war
er nun in ihren Bann gezogen worden, zu groß waren die
Überraschungen, auf welcher er binnen kürzester Zeit stieß.
Nun hoffte er auf eine Erklärung von ihrer Seite, die ihm das
Gefühl geben würden, dass er dieses verstrickte Netz aus
Zufällen verstehen und auch herausfinden würde, was sie in
Wirklichkeit war.
Mulder, ich bin vermutlich gar nicht die Frau, für die du
mich fünf Jahre lang gehalten hast. Es tut mir leid, dass ich
dich die gesamte Zeit unserer Zusammenarbeit belügen musste,
aber ich hatte meine Gründe, genauso wie du deine Gründe
hattest, immer auf der Hut zu sein und nicht jedem zu trauen. Ich
hatte einfach meine Befehle, meinen Job, den ich einfach nur gut
machen wollte, weil ich ihn so liebte. Vielleicht liebe ich ihn
immer noch, doch das tut nun nichts mehr zur Sache...
Im Licht einer Straßenlaterne konnte Mulder den feuchten
Schleier erkennen, der sich auf Scullys Augen legte und welchen
sie vermutlich nicht mehr lange halten konnte; er kannte sie
bereits zu gut, um zu wissen, dass sie kurz davor stand, ihre
ersten Tränen laufen zu lassen.
Jedenfalls ist es so, dass ich...ich hab dich einfach zu
nahe an mich herangelassen und das, obwohl ich das eigentlich gar
nicht darf. Es ist uns allen verboten, dass ihr uns zu nahe
kommt. Wahrscheinlich auch, dass wir euch zu nahe kommen,
zumindest auf der emotionalen Ebene. Ich wurde aus einem
bestimmten Grund zu dir geschickt...
Sie presste ihre Lippen aufeinander. Einerseits um zu verhindern,
dass Tränen ihre Wangen benetzen würden, zum anderen, weil sie
genau wusste, dass sie gegen ihre Gesetze verstieß. Kein Mensch
durfte wissen, wer sie in Wirklichkeit war.
Weshalb wurdest du zu mir geschickt, Scully? Ich wusste
doch bereits, dass die dich zu mir geschickt haben, um mich
auszuspionieren. Doch das hast du niemals getan, Dana... er
verwendete nun mit Absicht ihren Vornamen um ihr so nahe zu
legen, dass er keinesfalls böse auf sie war. Was natürlich
nicht ihre Flügel entschuldigen würde, welche plötzlich
aufgetaucht und wieder verschwunden waren.
Lass mich aussprechen, bitte. Du weißt gar nichts. Du hast
das vermutet und das war von denen so geplant, aber bitte....hör
mir doch bitte einmal zu...
¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤¤
Wusste er denn nicht, wie schwer es für
mich war, nun darüber zu reden? Ich hatte es über Jahrtausende
nicht getan und nun, auf einmal, sprach ich mit einem Menschen
über mein Dasein, über den Grund, weshalb ich existierte.
Mulder, ich wurde nicht von Blevins geschickt...das heißt,
ich wurde schon von ihm geschickt, aber derjenige, der mich
wirklich geschickt hat...war Gott...
Das weiß ich doch... gab er mir als Antwort, welche
mich auch zutiefst rührte, doch wusste er immer noch nicht, dass
hinter der Bibel mehr stand, als einfach nur irgendwelche
Geschichten?
Nein, Mulder. Ich meine dass wirklich so, wie ich es sage.
Gott hat mich zu dir geschickt. Im wahrsten Sinne des
Wortes...ich...ich bin zu dir geschickt worden, um auf dich
aufzupassen. Wirklich auf dich aufzupassen, nicht einfach bloß
darauf zu achten, dass du nicht vom Boden der Tatsachen
abhebst...weißt du was ich meine?
Ich blickte ihn fragend an und hoffte, dass er mich verstehen
würde. Sein Blick bohrte sich schon beinahe in meine Augen und
mich überkam ein ungutes Gefühl. War es wirklich die richtige
Idee gewesen, sich für die Wahrheit zu entscheiden?
Eine Wahrheit, die Mulder niemals zu suchen gewagt hatte, da er
noch nicht einmal annähernd daran glaubte. Wie also sollte sie
es bewerkstelligen, dass er ihr Glauben schenken würde?
Sagen wir so...ich versuche es. Sagte er leise und
atmete tief durch. Ich konnte mir nur zu gut vorstellen, dass er
sich den Verlauf des Abends ziemlich anders vorgestellt hatte,
denn schließlich hatten wir uns bereits anderthalb Jahre nicht
gesehen. Vielleicht hatte er sich vorgestellt, dass wir bei einem
Glas Rotwein und bei einem Film gemütlich auf meiner Couch
sitzen und über die vergangene Zeit sprechen. Doch damit konnte
ich im nicht dienen. Ich wollte endlich Klarheit zwischen uns
schaffen, denn schließlich konnte es zwischen uns nicht ewig so
weitergehen. Ich konnte ihm nicht länger etwas vorlügen.
Na ja, das ist einmal ein Anfang... sagte ich leise,
denn mehr konnte ich ihm zur Aufmunterung nicht sagen. Ich
wünschte, dass ich es könnte, doch was sollte ich ihm sonst
noch antworten?
Mit einer zaghaften Bewegung legte ich meine Hände auf seine
Wangen, streichelte ein wenig über seine Haut und konnte seine
Bartstoppeln unter meinen Fingerkuppen spüren. Wie ich dieses
Gefühl vermisst hatte.
Dass ich nun erneut dieses Kribbeln in meiner Magengegend
spürte, musste ich wohl hoffentlich nicht erwähnen. Ich nahm
einen tiefen Atemzug, um diesem Gefühl irgendwie entgehen zu
können, doch es wurde immer schlimmer.
Mulder, ich bin ein Engel... rutschte es förmlich
aus mir heraus. Ich bin ein Schutzengel. Und bis vor
anderthalb Jahren war ich deiner... Dass diese Worte so
schnell aus meinem Mund kamen, überraschte mich selbst, doch
scheinbar nicht so sehr, wie sie Mulder verblüfften. Seine Augen
nahmen einen eigenen Ausdruck an, den ich bisher noch nie bei ihm
gesehen hatte: Ungläubigkeit.
Ich wusste Bescheid über das, was er sich nun denken musste,
denn schließlich war ich diejenige von uns beiden, die jahrelang
mit ihm nach Aliens gesucht hatte, obwohl ich die Rolle der
Skeptikerin angenommen hatte.
Auf der einen Seite konnte ich mir vorstellen, dass er mich jeden
Moment auslachen und sagen würde, dass ich die Sache mit meinem
Glauben wohl ein wenig zu ernst nahm. Auf der anderen Seite
konnte ich ihn nicht einschätzen, denn schließlich hatte er
meine Flügel bereits gesehen. Und da diese nun wieder
verschwunden waren, gab ich ihm einen Grund mehr, mir glauben zu
schenken, zumal ich auch keinen Anlass hatte, ihn zu belügen.
Ohne auf eine Antwort von ihm zu warten, fuhr ich fort.
Vielleicht war es auch besser, wenn ich ihn nichts sagen ließ.
Vielleicht würde so seine Verwirrung weichen, denn schließlich
hatte ich noch mehr zu sagen.
Ich weiß, dass ich das unglaublich anhört, aber ich kann
nicht mehr tun, als dir die Wahrheit zu sagen. Ich wollte das
schon so oft tun, doch jedes Mal hielt mich etwas davon ab, denn
ich weiß, dass es strafbar ist.
Ein kurzes, aber trauriges Lachen entkam meiner Kehle. Ich wusste
mir nicht zu helfen. Es war verquer.
Wieso sagst du es mir dann, wenn es strafbar ist?
fragte er mich. Ich konnte mir nicht helfen, aber er klang nicht
gerade so, als ob er mir glauben würde. Ich konnte ihn
tatsächlich verstehen. Wie sollte ich ihm etwas erklären, an
das er nicht glaubte?
Ich schluckte und atmete tief durch. Ich war es ihm einfach
schuldig, schon alleine deswegen, weil ich mich in ihn verliebt
habe.
Weil ich noch etwas getan habe, was nicht ohne Folgen
bleiben wird. Zumindest für mich. Das ist der eigentliche Grund,
weshalb ich dir all das erzähle.
Ich hoffte, dass er mich bei diesem Part meines Geständnisses
nicht unterbrechen würde.
Mulder, ich bin vor sechs Jahren zu dir geschickt worden,
weil du dich in Gefahr befunden hast. Das ist der eigentliche
Grund, weshalb Schutzengel das tun, was sie eben tun. Wir werden
des Öfteren auf die Erde geschickt, nehmen dort die Identität
eines Menschen an und geben uns für diesen aus. Das kann für
ein paar Monate aber auch für ein paar Jahre sein. Je nachdem,
in wie weit dieser Mensch gefährdet ist. Wie lange ich bei dir
geblieben bin, weißt du ohnehin besser als ich, nehme ich an...
Mit einer fahrigen Bewegung strich ich mir eine lose Haarsträhne
hinter mein rechtes Ohr. Ich konnte immer noch nicht fassen, dass
ich ihm nun meine gesamte Lebensgeschichte erzählte. Oder
zumindest das, was ich nicht durfte, denn schließlich sollte
niemand von unserer Existenz erfahren.
Ich bin schon so oft zu Menschen geschickt worden, um auf
sie aufzupassen. Und so gut wie jedes Mal ist eine Freundschaft
aus dieser Beziehung geworden, so war es bei uns auch. Du wurdest
der wichtigste Mensch auf Erden für mich, ich konnte dir
vertrauen und über alles mit dir reden, bis auf dieses eine
Thema, welches nun eine Beichte für mich wird. Ich will, dass du
meine Beweggründe, zu gehen, verstehst und nicht weiter
hinterfragst.
Nun war er es, der tief durchatmete. Ob er ahnte, was folgen
würde? Ob er mir überhaupt Glauben schenkte?
Nervös begann ich, meine Finger zu kneten, war einen kurzen
Blick hinunter und befeuchtete mit meiner Zungenspitze meine
Lippen.
Das Kribbeln, welches zu Anfang nur in meinem Bauch war, hatte
sich nun auf meinen gesamten Körper ausgebreitet. Meine
Nackenhärchen stellten sich auf und meine Zehenspitzen
kribbelten: ich hatte sogar für den Bruchteil einer Sekunde die
Befürchtung, dass ich ohnmächtig werden würde.
Nach kurzer Zeit sah ich wieder auf, sah in seine Augen. Sein
Blick war so treuherzig. Ich hätte mir niemals erträumen
lassen, dass ein Mensch mich so ansehen könnte. Vor allem,
nachdem ich ihn so verletzt und im Stich gelassen hatte.
Wenn du nicht gewollt hättest, dass ich deine Beweggründe
zu gehen, hinterfrage, dann hättest du nicht gehen dürfen. Ich
habe so lange nach dir gesucht, habe nächtelang keinen Schlaf
gefunden, weil ich um dich besorgt war. Ich wusste nicht, ob du
tot bist, oder ob du noch lebst, oder warum du dich niemals bei
mir gemeldet hast...
Seine Stimme war traurig und ich legte als Trost meine Hände
erneut auf seine Wangen, streichelte mit meinen Daumen über
seine Haut.
Ich hatte meine Befehle und diesen musste ich gehorsam
folgen. Du weißt doch selbst, wie wichtig es ist, sich an die
Anordnungen eines Vorgesetzten zu halten, auch wenn du es nicht
sehr oft getan hast. Ich hätte meine Zulassung als Schutzengel
verloren, hätte ich nicht gehorcht und das wollte ich nicht
aufgeben, auch wenn ich heute das Gefühl habe, dass ich es
vielleicht hätte tun sollen. Den Rest des Satzes nuschelte
ich bereits vor mich hin und ich war mir nicht sicher, ob Mulder
mich verstanden hatte.
Aber jetzt bist du wieder hier, in meiner Wohnung und wir
können uns wieder von Angesicht zu Angesicht unterhalten. Das
bedeutet mir einfach so viel, dass ich nicht weiß, wohin mit
meinen Gefühlen. Ich bin nervös und da ist so viel, das ich dir
sagen will...ich weiß nur noch nicht, wo ich anfangen soll und
was genau ich dir eigentlich sagen soll...
Vorsichtig legte er seine Hände auf meine Hüften, übte ein
wenig Druck darauf aus. Ich wusste, dass ich nun seine Neugierde
geweckt hatte und dass er nun wissen wollte, was genau ich ihm
eigentlich mitteilen wollte. Ich wünschte bloß, es wäre so
einfach, wie er dachte.
Ich verstoße ja bereits gegen einer unserer Regeln, indem
ich dir das hier beichte. Für gewöhnlich darf kein Mensch von
unserem Dasein erfahren...zumal uns die meisten ohnehin nicht
glauben würden... erneut befeuchtete ich meine Lippen.
Mein Mund schien auf einmal so trocken wie eine Wüste. ...aber
ich habe noch gegen eine weitere Regel verstoßen...
Mulder lächelte mich an.
Ich wusste nicht, ob er es aus Belustigung tat, oder weil er mich
für verrückt hielt.
Du verstößt gegen Regeln? Das bin ich ja gar nicht
gewohnt von dir. Wie kommts?
Ohne auf sein Kommentar einzugehen, sprach ich einfach weiter.
Es war immer schwer für mich, meine Schützlinge nach
einer gewissen Zeit wieder alleine zu lassen, denn schließlich
gewöhnt man sich aneinander. Auf irgendeine Weise wird immer
eine Freundschaft aus dieser gezwungenen Beziehung, verstehst du,
was ich meine?
Ich war mir nicht sicher, ob er es verstand.
Jedenfalls war es bei uns anfangs nicht anders. Na ja, aber
eben nur am Anfang nicht, denn nach einigen Monaten bekam ich...
Gott, ich habe Bauchkribbeln bekommen, wenn du mir irgendwie zu
nahe gekommen bist. Oder wenn du mich berührt hast, auf welche
Art auch immer. Mein Herz schlug einfach viel schneller, als es
das sonst immer tat. Es war ein seltsames Gefühl, denn ich hatte
es noch niemals gefühlt und das will in Anbetracht meines Alters
schon mal was heißen. Ich meine, irgendwie wurde mir manchmal
einfach heiß und kalt, ich bekam eine Gänsehaut oder meine
Beine fühlten sich an wie Schwämme und das nur dann, wenn du in
meiner Gegenwart warst. Ansonsten schien mein Körper normal zu
sein.
Ich konnte sehen, wie er schluckte. Ich nahm an, dass er schön
langsam wusste, worauf ich hinauswollte. Wie sonst sollte ich es
ihm beibringen, was ich auch in genau diesem Moment fühlte?
Und wenn ich ehrlich sein soll, dann geht es mir gerade
eben nicht viel anders...
Für einen kurzen Moment knabberte ich auf meiner Unterlippe
herum.
Ich muss zugeben, dass ich lange...vielleicht sogar zu
lange gebraucht habe, um zu verstehen, was mein Körper mir mit
diesen ungewöhnlichen Gefühlen mitteilen wollte. Und zwar das
Selbe, was ich dir all die Zeit sagen wollte, aber es einfach
nicht konnte.
Es ist uns Engeln verboten, eine Beziehung mit euch Menschen
einzugehen und diesbezüglich wird es auch nicht gerne gesehen,
wenn wir beginnen, mehr für euch zu empfinden, als es von uns
verlangt wird. Freundschaft ist in Ordnung, aber nicht, was
darüber hinausgeht. Doch genau das ist eingetroffen. Genau das
ist das, was passiert ist. Ich habe nach einiger Zeit einfach
angefangen, mehr in dir zu sehen. Viel mehr als der Partner oder
der Freund, der du für mich hättest sein sollen.
Um nicht ohnmächtig zu werden, nahm ich erneut einen tiefen
Atemzug und versuchte, mein rasendes Herz ein wenig zu beruhigen.
Es klappte nicht.
Mulder, ich habe begonnen, mich in dich zu verlieben.
Anfangs dachte ich, es sei eine einfache Verliebtheit, der ich
einfach nachgehen wollte. Einfach so, weil es was anderes war,
als sonst. Doch aus dieser anfänglichen Verliebtheit wurde immer
mehr, als bloß Schmetterlinge im Bauch. Und jetzt...jetzt sitze
ich hier, auf deinem Schoß und fühle mich dir näher als jemals
zuvor...sodass ich dir jetzt auch endlich sagen kann...dass ich
dich liebe. Ich liebe dich...
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Oh man... war das Erste, was
Mulders Lippen nach diesem Geständnis verließ. Er hatte sich
für diesen Abend eine Menge Vorstellungen gemacht, als er
herausgefunden hatte, dass seine ehemalige Partnerin eine Wohnung
in diesem Apartmenthaus bezog. Dass es allerdings zu einer
solchen Eröffnung ihrer Gefühle kam wusste er nicht; er hatte
es noch nicht einmal zu hoffen gewagt. Doch nun war es geschehen,
sie hatte es ihm gesagt. Sie hatte ihm die drei kleinen Worte
entgegengebracht, welche ihm bereits mehr als einmal auf seiner
Zunge gelegen hatten, dennoch nie den Mut fand, sie ihr zu
gestehen.
Zu wichtig war ihre Freundschaft gewesen, das unsichtbare Band
zwischen ihnen, welches sie ohne Worte kommunizieren ließ.
Selbstverständlich hatte er oft davon geträumt, wie es sein
könnte, mit dieser Frau vor ihm zusammen zu sein, so wie viele
andere Pärchen auch. Aus diesem Traum wurde allerdings nie
etwas, weil sie beide zu feige gewesen waren, diese unsichtbare
Linie zu überschreiten, welche sie sich im Laufe der Zeit
gesetzt hatten.
Im Grunde waren sie mit der Freundschaft zueinander vollkommen
zufrieden, wenn auch manchmal ein wenig fehlte und sei es auch
nur das Kuscheln mit der Person, die man liebte.
Jetzt allerdings schien alles anders. Sein gesamtes Weltbild
geriet ins wanken, als ihre Worte in seinem Kopf erneut
widerhallten und die Bedeutung dieser immer mehr Gewicht bekamen.
Wie sollte er nun reagieren?
Eine Antwort à la Ich dich auch erschien ihm zu
plump und einfach zu Klischee-Haft. Wenn diese Frau schon den Mut
aufbrachte, ihm ihre Gefühle auf einem silbernen Tablett zu
servieren, so musste er ihr beweisen, dass er es wert war, von
ihr geliebt zu werden.
Mit einem herumkauen auf seiner Unterlippe versuchte er, die
Worte zu finden, um ihr zu zeigen, was er für sie empfand, was
sich in Anbetracht der Situation als nicht sehr einfach erwies.
Schon alleine die Tatsache, dass Scully, seine Scully, nicht die
Frau war, für die er sie all die Jahre über gehalten hatte. Sie
war kein Mensch oder sonst etwas, an das er glaubte. Sie war ein
Engel, ein Schutzengel und noch dazu war sie seiner gewesen.
Über fünf Jahre hinweg hatte sie ihn davor bewahrt, sein Leben
zu verlieren.
Neben dieser Tatsache schlichen sich tausende Fragen in seine
Gedanken, Fragen an ihre Entführung, ihre Unfruchtbarkeit und
ihren Krebs. War all dies wirklich geschehen? Hatte sie all das
wirklich miterleben müssen oder war es ein Mittel zum Zweck? Ein
Spiel, welches ihn davon abhalten sollte, über sie nachzudenken?
Scully, ich... begann er, verstummte jedoch im selben
Moment wieder, als er in ihre hoffenden Augen blickte. Er wusste,
was sie sich nun erwartete, was sie sich wünschte. Ihm selbst
ging es da nicht anders, denn auch er würde ihr nur zu gerne
sagen, was er für sie fühlte, was er für sie empfand. An ihrer
Stelle würde es ihm nicht anders ergehen, mit dem Unterschied,
dass er ein Mensch war.
Das sind ein bisschen viele Informationen auf einmal...
sagte er mit rauer Stimme und erhoffte sich, dass sie es ihm
nicht übel nehmen würde. Er nahm einen tiefen Atemzug und
lächelte sie schwach an, um ihr zu zeigen, wie es ihm im Moment
erging. Vielleicht hätte sie das alles doch in einem etwas
größeren Zeitraum von sich geben sollen, sodass er die Chance
hatte, alles was er hörte zu verdauen und zu verstehen.
Ich weiß. Aber ich weiß einfach nicht, wie viel Zeit wir
miteinander noch haben. Ich hätte nur schwer damit weiterleben
können, all das für dich zu empfinden, doch niemals mehr die
Chance zu bekommen, es dir zu sagen.
Wissend nickte er.
Aber du hast es in Kauf genommen, dass ich dir niemals das
sagen hätte können, was ich für dich empfinde...
antwortete er leise. ...weil du einfach gegangen bist und
mir somit meine Chance genommen hast...
Ich habe gehen müssen...ich hatte keine Wahl... Reue
lag in ihrer Stimme.
Man hat immer eine Wahl, Dana... flüsternd griff er
nach ihrer linken Hand, hob sie an und hauchte ihr einen zarten
Kuss auf die Fingerkuppe ihres Ringfingers, wobei er seinen Blick
nicht von ihren Augen abwenden konnte.
Ein Schauer nach dem anderen jagte über ihren Körper, ließ ihr
Innerstes erzittern. Ein Kribbeln durchzog ihren Finger, wanderte
über ihren Arm und sorgte schließlich dafür, dass ich ihre
feinen Nackenhärchen zu wiederholten Male an diesem Abend
aufrichtete.
Vorsichtig blinzelte sie, in der Angst, wenn sie ihre Augen zu
lange geschlossen lassen würde, dass Mulder mit einem Mal nicht
mehr vor ihr sitzen würde. So lehnte sie sich nach einigen
verstrichenen Sekunden nach vorne, ehe sie ihre Stirn an seine
lehnen konnte. Sie genoss dieses Neugewonnene, vertraute Gefühl
und hielt seine Hand fest, mit der er ihre bis vor kurzem noch
gehalten hatte.
Mit einem tiefen Atemzug drehte sie ihren Kopf ein wenig, sodass
sich ihre Nasenspitzen berührten und nach und nach begannen,
Eskimoküsschen auszutauschen. Die ungewohnte Nähe des anderen
verursachte in beiden Bauchkribbeln, ehe beide ihre Augen
schlossen. Ihre Hand verließ seine und legte sich, zusammen mit
ihrer anderen, an den Übergang von seinem Hals zu seinen
Schultern, während sich seine eine Hand auf ihre Schulter legte,
die andere strich durch ihre Haare, streichelte über ihren Kopf,
ehe sie in ihrem Nacken zum liegen kam. Dort streichelte er ihre
weiche Haut zärtlich weiter, zeichnete undefinierbare Muster.
Ihre Bewegungen wurden langsamer, verloren jedoch niemals an
Zuneigung. Zaghaft veränderte er die Position seines Kopfes,
ließ seine Augen jedoch geschlossen. Er spürte, wie sie
während des Austausches an Zärtlichkeiten, immer näher zu ihm
gerutscht war, sodass er ihren Herzschlag beinahe an seiner Brust
spüren konnte.
Ein vorbeifahrendes Auto ließ seine Scheinwerferlichter an der
Decke tanzen, ehe das Geräusch des Motors in der Ferne
verstummte.
Mit langsamen Bewegungen strich sie mit ihren Fingernägeln über
seine Haut, drehte ihren Kopf erneut, sodass sie ihre Positionen
änderten. Ihre Nasenspitze strich über seine Haut, welche sich
unter seinem rechten Auge befand, Lippen strichen sich und
hinterließen ein Gefühl von einem vorbeisegelnden
Schmetterling. Es war eine zarte Berührung, doch noch nicht
genug; für sie beide nicht. Mit einer liebkosenden Bewegung
dirigierte Mulder sie beide so, dass ihre Lippen länger
aufeinander liegen konnten.
Sein Herz raste und drohte, jeden Moment aus seinem Hals
geschlagen zu kommen. Vorsichtig legte er seine Hand, welche
zuvor noch auf ihrer Schulter gelegen hatte, auf ihre Wange,
spürte die Wärme ihrer Haut unter seiner Handfläche. Ein
kurzes Seufzen schien ihrer Kehle zu entkommen, als er ihren
Körper spürte, welcher anfing, sich sachte gegen ihn zu
drücken.
Es war ein scheuer Kuss, doch seine Bedeutung war wichtiger, als
alle Regierungsverschwörungen, die Mulder versuchte aufzudecken.
Er bedeutete mehr, als Dana Scullys Flügel oder die Gesetze der
Obrigkeit. Vergessen waren all der Schmerz und die Verluste, die
sie in den letzten Jahren gemacht hatten, denn nun zählte nur
mehr die Zukunft, welche durch diese ehrfürchtige Berührung
zwischen zwei Menschen eingeläutet wurde.
Die anfängliche Starre beider Seiten verschwand mit der Zeit,
wich sanften Bewegungen und zärtlichen Küssen, ehe Mulder
seinen Griff in ihrem Nacken festigte und sie so nicht mehr gehen
ließ. Langsam öffnete sie ihre Lippen, begann ein wenig an
seiner Unterlippe zu knabbern, ehe sie seine Zungenspitze an
ihrer Oberlippe fühlen konnte. Sie öffnete ihre Lippen weiter,
gewährte ihm so Einlass.
Sachte Küsse wurden durch tiefere getauscht. Jeder der beiden
versuchte seine Gefühle für den jeweils anderen mit einem
sanften Zungenspiel zum Ausdruck zu bringen.
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Sie vergaßen alles um sich herum, wollten
sich einfach bloß nahe sein und das vergessen, worüber ihre
Gedanken für gewöhnlich kreisten.
Erst nachdem sie sich beide aufgrund des Mangels an Sauerstoff
trennen mussten, wagte Scully es, ihre Augen erneut zu öffnen.
Selten hatte sie einen Menschen körperlich so nahe an sich
herangelassen, emotionell schon gar nicht. Vorsichtig lehnte sie
sich weiter nach vorne, ehe ihr Oberkörper seinen berührte und
sie ihren Kopf auf seine Schulter legen konnte. Seine Hand,
welche zuvor noch in ihrem Nacken gelegen hatte, legte er nun auf
ihren Hinterkopf, strich mit seinen Fingern durch ihr seidiges
Haar. Sein Blick glitt ins Leere, ehe er seine Augen zur Hälfte
schloss und einen kurzen Kuss auf ihren Haaransatz gab.
Regungslos saßen sie auf der Matratze, lediglich leise
Atemgeräusche waren zu vernehmen. Hin und wieder strich er ihr
mit einer langsamen Bewegung über ihre Haare, teilte einige
ihrer Strähnen auseinander.
Wie soll es jetzt weitergehen? fragte Mulder leise
und nuschelte seine Worte gegen ihre Stirn. Ich meine, ich
will morgen früh nicht aufwachen und feststellen, dass du schon
wieder über alle Berge bist...
Ich muss gestehen, dass ich den Auftrag bekommen habe, nach
Los Angeles zu fliegen, doch nun bin ich mir nicht mehr so
sicher, ob ich das wirklich tun soll. Klar, es ist mein Job, aber
irgendwie ist es nicht mehr das, was es einmal für mich war.
Zumindest wird mir das in dem Moment klar...
Fragend blickte er in ihre Augen und wartete darauf, dass sie
weitersprechen würde. Es kam ihm seltsam vor, dass sie ihm das
sagte. Vor allem war er sich nicht sicher, ob es Los Angeles die
Wahrheit war oder wieder nur ein Ziel, welches sie benutzte, um
eine falsche Fährte zu legen.
Ich weiß, dass du es nicht wissen kannst, weil du nicht
das gesehen hast, was ich sehen musste. Tausend Jahre
Menschheitsgeschichte sind länger, als man glaubt...
Tausend Jahre Menschheitsgeschichte? Mulders Stimme
war ungläubig und ein gewisser Spot lag ebenfalls in seiner
Frage. Du willst mir sagen, dass du bereits tausend Jahre
alt bist...?
Ich sagte nur, dass tausend Jahre Menschheitsgeschichte
anstrengend sind. Zumal man eine Frau nie nach ihrem Alter oder
Gewicht fragen sollte... versuchte sie, seiner Frage
auszuweichen. Es war ihr sichtlich unangenehm, darüber zu
sprechen.
Ich habe dich auch nicht danach gefragt...
entschuldigte er sich und ließ seinen Zeigefinger über ihren
Kieferknochen streichen. Mit einem leisen, genussvollen Seufzen
schloss Scully ihre Augen und hob ihre Hand an, sodass sie sie
auf Mulders legen konnte. Mit ihrem Daumen strich sie über
seinen Handrücken, ehe sie in seine Augen blickte.
Wärme und Liebe schienen sie zu empfangen, ließ ihr Innerstes
erneut erschaudern.
Wieso siehst du mich so an? ihre Stimme war ein
Flüstern. Selten hatte ein Mensch sie mit einer solchen
Intensität angesehen, schien mit seinen Augen in ihre Seele
blicken zu können.
Wie sollte ich denn sonst ansehen? seine Antwort war
nicht gerade das, was sie hören wollte, aber es war besser als
die Antwort, vor welcher sie sich gefürchtet hatte.
Ich weiß es nicht. Vielleicht so, wie du mich die letzten
Jahre über angesehen hast...
Wie habe ich dich denn die letzten Jahre angesehen?
Anders..
Für einen kurzen Moment umspielte ein leichtes Grinsen seine
Lippen, ehe er sich erneut zu ihr beugte, um sie noch mal zu
küssen. Kommentarlos ließ sie es geschehen, drückte sich ein
bisschen weiter gegen ihn und genoss die Zärtlichkeiten zwischen
ihnen.
Zwischen sanften Küssen immer wieder Atem holend, ließ er seine
Hände von ihrem Kopf hinunter zu ihren Schultern streichen, ehe
er sie an ihrem Steiß sanft kraulte. Nach und nach massierte sie
seine Oberarme, strich hinauf zu seinen Schultern und wieder
hinunter. Seine Lippen fanden ihren Weg von ihren Lippen hinunter
zu ihrem Kinn, streiften ihren Kieferbogen und fanden ihr Ziel
schließlich an ihrem Hals.
Ein Gefühl von Ungewohntheit durchströmte ihren Körper,
brachte ihre Nackenhärchen dazu, sich aufzurichten, ehe eine
Gänsehaut ihre Arme zu benetzen schien. Ein wohliges Brummen
verließ ihre Kehle, griff nach seinem Hinterkopf. Sie legte
ihren Kopf in ihren Nacken und ein wenig zur Seite, sodass sie
ihm den Zugriff zu ihrer empfindlichen Haut erleichtern konnte.
Nie hätte sie gedacht, sich von diesem Mann so berühren zu
lassen.
Mit langsamen Bewegungen schien seine Zungenspitze ebenfalls
über ihre Haut zu gleiten, hinterließ einen feuchten Film und
ließ das Kribbeln in ihrem Bauch immer stärker werden.
Was tust du da? anstatt einem Flüstern entkam ihre
Stimme einem Stöhnen gleich ihren Lippen, ihre Augen immer noch
genüsslich geschlossen.
Er gab ihr keine Antwort, war stattdessen damit beschäftigt,
ihre Halsschlagader hinunter zu ihrem Schlüsselbein zu küssen.
Seine Hände fuhren an ihren Seiten wieder hinauf.
Woran hast du gedacht, als du dieses Outfit gewählt hast?
nuschelte er gegen ihre warme Haut, ohne jedoch zu ihr
aufzusehen. Im Grunde genommen wollte er sie nur auf den Arm
nehmen, denn seine ehemalige Partnerin in so reizender Kleidung
zu sehen, war nicht etwas, wogegen er protestieren würde.
Hm, ich dachte an einen amüsanten Abend... gestand
sie ehrlich, auch wenn das, was gerade passierte, nicht gerade
das war, an das sie gedacht hatte.
Ein amüsanter Abend also? Erwartest du noch Besuch?
Langsam löste er sich von ihr, sah zu ihr auf, jedoch nur, um
danach ihre andere Halsseite mit Küssen zu versehen.
Nein, zumindest habe ich das nicht. Denn jetzt sitzt du ja
gerade auf meinem Bett... flüsterte sie leise und strich
über seinen Kopf. Sie konnte nicht glauben, dass das alles
passierte.
Mulder wiederholte dieses Spiel ein paar Mal, küsste ihren Hals
und ihr Schlüsselbein, strich ihren Rücken auf und ab. Seine
Gegenüber ihrerseits war damit beschäftigt, über seinen
Hinterkopf zu streichen und seinen Nacken zu massieren. Nach und
nach hob er sie von seinem Schoß, sie stützte sich mit ihrem
Knie auf der Matratze ab. Mit einer fürsorglichen Vorsichtigkeit
hob er sie über seine Oberschenkel und legte sie zurück auf die
Matratze.
Seine Hände strichen erneut über ihre Seiten, hinunter zu dem
Saum ihrer Bluse, ehe er seine Finger unter den Stoff schob und
über die weiche Haut ihres Bauches strich. Gemächlich beugte er
sich zu ihr, streifte dabei seine Schuhe ab und küsste das
Stückchen freie Haut, welches sich knapp über den
Blusenausschnitt befand.
Mulder...? Ihre Augenlider waren zur Hälfte
geschlossen, als sie ihn dabei beobachtete, wie er ihre Haut
liebkoste.
Hm?
Da ist noch etwas...das ich dir sagen sollte...bevor du
weitermachst... Sie war bemüht, ihre Stimme kräftig
klingen zu lassen, allerdings scheiterte sie an diesem Versuch.
Statt einer kräftigen Stimme verließ ein keuchendes Flüstern
ihre Lippen. Sie konnte sich allzu gut vorstellen, was das
Kribbeln in ihrem Bauch und ihrem Unterleib bedeutete, doch da
gab es noch diese Sache, die sie Mulder erzählen musste, ehe er
weiterfuhr und es vermutlich von selbst herausfinden würde.
Was ist da noch? fragte er halblaut und sah erneut zu
ihr auf, bevor er sich erneut zu ihr beugte und Küsse auf ihre
Nasenspitze setzte. Sie nahm einen tiefen Atemzug, füllte ihre
Lungen mit warmer Luft, als sie sich ihre Lippen befeuchtete. Sie
war gespannt auf seine Reaktion, denn sie nahm an, dass er nun
mit allem rechnete, bloß nicht mit dem, was sie ihm tatsächlich
sagen würde.
Na ja...also...die Sache ist die... begann sie, brach
jedoch wieder ab, blickte zur Seite.
Sachte griff er nach ihrem Kinn und drehte ihren Kopf wieder in
seine Richtung, sodass sie zu ihm sehen musste. Obwohl es mitten
in der Nacht war, spendete die Straßenlaterne genug Licht,
sodass man die Umrisse des anderen ohne Probleme erkennen konnte.
So schlimm kann es nicht sein, oder? fragte er leise
nach. Leichte, kaum spürbare Eskimoküsse folgten und traten
einer Stille voraus, die sie beide nun einzumummeln schien.
Keiner sagte mehr was, ehe Scully mit sich im Reinen war und sich
auch innerlich traute, es dem Mann gegenüber zu gestehen.
Ich bin noch Jungfrau...
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Mit einem scheuen Blick sah sie zu ihm auf,
schluckte und wartete auf eine Reaktion. Sie wusste, dass er nun
nicht mehr viele Möglichkeiten für eine Entscheidung hatte.
Entweder er blieb bei seinem Plan, oder wie auch immer man das
nennen sollte, oder er würde nun abblocken.
Sie seufzte tonlos und legte ihre Arme vorsichtig über seine
Schultern. So richtig wusste auch sie nicht, wie sie nun
reagieren sollte, denn bisher war sie noch niemals in dieser
Situation gewesen.
Ehm... war Mulders erstes Kommentar, als er sich
Scullys letzten Satz noch mal durch den Kopf gehen ließ. Er
hatte nun mit allem möglichen gerechnet, dass sie einen Freund
hatte oder in einer Beziehung lebte oder sonst was, aber nicht
das.
Vorsichtig beugte er sich zu ihrem Gesicht und gab ihr einen
zärtlichen Kuss auf ihre Stirn.
Wenn du deine Sachen nun packen und gehen willst, dann sehe
ich das ein... murmelte sie leise vor sich hin und schloss
ihre Augen. Sie erwartete eine rasche Bewegung seinerseits, mit
welcher er sich aus dem Bett schwingen würde. Doch entgegen
ihrer Vermutung bewegte er sich nicht, strich ihr mit einer Hand
eine Strähne aus ihrem Gesicht.
Und wieso sollte ich jetzt gehen, nachdem ich die
anderthalb Jahre gesucht habe? fragte er leise und
nuschelte seine Worte gegen ihre Haut.
Na ja, in Bezug auf Liebe machen habe ich keine Erfahrung
und wer will schon mit einer Jungfrau schlafen?
Niedergeschlagenheit lag in ihrer Stimme, ihre Augen waren immer
noch geschlossen. Sie traute sich nicht, in seine Augen zu sehen.
Für einen kurzen Moment entwich seiner Kehle ein Lachen, ehe er
wieder verstummte und über ihre Stirn strich.
Irgendwann war jeder mal Jungfrau, das ist nicht etwas, was
Abartig ist, oder wie auch immer du das nun hinstellst...
seine Stimme war ruhig und voller Geduld. Er schien es wirklich
keinesfalls eilig zu haben, was sie dazu bewegte, ihre Augen
wieder zu öffnen und zu seinen aufzusehen.
Denkst du denn, dass ich nicht auch einmal Jungfrau gewesen
bin? Überrascht hob er seine Augenbrauen und musterte sie
mit einer gewissen Belustigung. Natürlich hatte er nicht
erwartet, dass sie mit diesem Aussehen und mit ihrem Auftreten
noch niemals Sex gehabt hatte, dennoch konnte ihn, in Bezug auf
diese Frau, nichts mehr überraschen.
Irgendwann hat jeder sein erstes Mal...
Scully nickte zustimmend und begann daraufhin, seinen Hals zu
küssen. Anfangs vorsichtig, doch dann immer mutiger streifte sie
mit ihren Lippen seine Haut, spürte seine Bartstoppel.
...was nun nicht bedeuten soll, dass das hier nur in eine
Richtung verlaufen wird... versuchte er, ihr Einhalt zu
gebieten, griff nach ihren Schultern und drehte sich um, sodass
sie auf ihm zum Liegen kam.
Mit einem überraschten Ausdruck in ihren Augen blickte sie zu
ihm, zog ihre Unterlippe in ihren Mund. Oft hatte sie Menschen
abgewimmelt, aufgrund des Verbotes von Beziehungen zu ihnen. Nun
erlaubte sie sich, doch Gefühle zuzulassen und er schien sie
zurückzuweisen. Darum bemüht, nicht zu zeigen, dass sie doch
ein wenig gekränkt war, sah sie zur Seite. Augenblicklich
bemerkte er ihre scheue Geste und legte seinen Zeigfinger unter
ihr Kinn, sodass er ihren Kopf drehen konnte und sie ihn nun
ansehen musste.
Es gibt so viele Möglichkeiten, miteinander intim zu sein
ohne gleich Sex zu haben. Verstehst du? Und es gibt viele Wege,
dem anderen zu zeigen, dass man ihn liebt.
Ich muss gestehen, Schutzengel zu sein, doch in Sachen
Liebe habe ich wirklich keine Erfahrungen vorzuweisen. Es tut mir
leid, dass du mir nun scheinbar ein Lehrer sein musst...
Entschuldigend sah sie ihn an und ein scheues Lächeln legte sich
auf ihre Lippen. Die gesamte Situation war ihr wirklich mehr als
peinlich.
Dazu braucht man doch keinen Lehrer. So was tut man aus dem
Reflex heraus. Oder...ich weiß nicht, wie ich es nennen soll. Du
wirst schon wissen, wenn was nicht in Ordnung ist...vertrau
mir...
Langsam nickte sie und atmete tief durch. Sie wünschte, sie
hätte eine Antwort, die sie ihm geben könnte, doch irgendwie
schien in ihrem Kopf auf einmal gähnende Leere zu herrschen. Das
Einzige, was sie tun wollte, war sich an ihn zu kuscheln und
darauf hoffen, dass sie vielleicht doch eine Chance hatten. So
fasste sie all ihren Mut zusammen und legte ihren Kopf unter
seinen. Es war beinahe so, als ob ihre Körper dafür geschaffen
wurden, so zusammen zu sein, denn ihr Kopf passte genau unter
seinen, sodass sie sich eng an ihn schmiegen konnte.
Mit langsamen Bewegungen begann er, ihren Rücken auf und ab zu
streichen, lauschte ihrer ruhigen Atmung.
Minuten verstrichen, in welchem man einzig das Atmen beider
hören konnte, jeder hing seinen Gedanken nach und den
Erinnerungen der jüngsten Momente.
Mulder? durchbrach Scullys Stimme die Stille.
Hm? war seine einzige, brummende Antwort. Seine Augen
waren geschlossen, zu sehr genoss er das Gefühl ihres warmen
Körpers so nahe an seinem.
Komm mit mir nach Los Angeles... sprudelte es aus ihr
heraus, als sie ihren Kopf anhob und zu ihm aufsah. In ihren
Augen lag eine offene Frage, welche ihrer beider Zukunft
verändern könnte.
Nach L.A? fragte Mulder nach, in der Hoffnung, dass
er sich verhört hätte. Zu seiner Enttäuschung begann Scully zu
nicken und ihre Lippen mit ihrer Zungenspitze zu befeuchten.
Ja, ich...muss aus beruflichen Gründen dort
hin...und wäre froh darüber, wenn du mitkommen würdest. Ich
habe meine Tickets schon, aber ich bin sicher, dass es leicht
ist, an ein Zweites zu kommen.
Scully, ich... setzte Mulder an und seufzte. Ich
muss zugeben, dass ich Angst davor habe, dass du auf einmal
wieder weg bist. Wieso kommst du nicht mit nach D.C.? Wieso
kommst du nicht zurück?
Es war schwer für sie, diese Frage zu beantworten. Wenn sie
ehrlich zu sich selbst war, dann hatte sie Angst davor, zurück
nach D.C. zu gehen. So würde es noch viel eher auffallen, dass
sie nicht alleine war, vorausgesetzt, es war noch nicht bemerkt
worden, denn so sicher war sie sich diesbezüglich gar nicht
mehr. Würde Mulder mit ihr nach L.A. gehen, so konnte sie immer
noch ihrem Auftrag nachgehen und Mulder wäre dennoch bei ihr.
Das wäre viel zu kompliziert...die würden
dann zu schnell bemerken, was wirklich passiert...bzw. was
wirklich passiert ist... Scully seufzte leise und atmete
tief durch.
Die? wiederholte Mulder. Ich werde nicht
zulassen, dass die dich noch einmal holen. Das weißt
du doch...
Mit einer sanften Bewegung strich er über ihre Wange.
Wenn er wüsste....
Nein, ich meinte nicht diese die sondern die...
mit meinem Finger deutete ich nach oben und hoffte, dass die
Nachricht nun ankommen würde, denn ich sprach keinesfalls von
Aliens.
Nachdenklich musterte er sie, ehe er ratlos seine Augenbrauen
hob. Scheinbar redeten sie beide aneinander vorbei.
Ich meinte meine Arbeitgeber...mehr oder minder...
Gott...? fragte Mulder ungläubig nach, obwohl dessen
Existenz durch seine ehemalige Partnerin nun irgendwie bewiesen
wurde.
Ja, indirekt auch Gott, aber da gibt es so viele
Abteilungen, dass Gott nicht immer der direkte Auftraggeber ist.
Das würde sogar ihr langsam aber sich-
Sie? Nun war Mulder erst recht überrascht. Du
willst mir jetzt sagen, dass Gott eine Frau ist?
Grinsend sah Scully zu ihrem Gegenüber hinunter, senkte ihren
Blick für einen kurzen Augenblick, ehe sie wieder zu ihm sah.
Hast du jemals angenommen, dass Gott ein Mann wäre?
In ihrer Stimme schwang ein gewisser Spot mit, doch sie konnte es
ihm nicht übel nehmen, dass er das dachte, was auch viele andere
dachten. Doch wie sollte sie es schaffen, Millionen von Menschen
aufzuklären?
Und...wieso...reden dann alle von einem er?
Das ist einfach abgeklärt. Alle Schreiberlinge der Bibel
waren männlich...daher wurde sie nach einiger Zeit
automatisch zu einem er und nun Millionen von
Christen vom Gegenteil zu überzeugen wäre eine
Sisyphos-Arbeit...
Ihre Stimme war immer noch belustigt, während Mulder diese Worte
verdaute.
Hm...und wie...ist sie so? fragte er nach einiger
Zeit vorsichtig nach. Er dachte darüber nach, wie es sich
anhören musste, dass ausgerechnet Fox Mulder nachfragte, wie
Gott so ist.
Nun, wie ist sie so... über eine Antwort nachdenkend
strich sie sich ihre Haare zurück. Nun ja, sie ist
eigentlich...sehr höflich, meistens freundlich und eigentlich
auch immer für einen Spaß zu haben...
sie sprach noch einige Minuten weiter über das, was Christen als
ihren Gott ansahen.
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Leicht lächelnd schloss Mulder seine Augen,
als sie in Ruhe weiter erzählte. Es war eine neue Erfahrung für
ihn, solche Geschichten über Gott zu hören. Nachdem ein paar
Minuten vergangen waren, seufzte Scully leise und sah zu ihm auf,
fuhr mit ihrem rechten Zeigefinger seinen Kieferbogen nach.
Vielleicht sollten wir schlafen...es ist spät und es ist
viel passiert... ihre Stimme war leise und klang sehr nahe
an seinem Ohr, sodass er seine Augen wieder öffnete und in ihre
sehen konnte, ehe er etwas nickte. Langsam richtete er sich auf,
sodass auch sie sich hinsetzen musste und ihren Blick suchend
über das Bett schweifen ließ, ehe sie unter ihren Kopfpolster
griff und einen weißen Satinpyjama hervorholte. Seine Augen
verließen ihre Hände nie, als er zu ihrem Gesicht aufsah und
seine Hände auf ihre Hüften legte.
Erst da nickte er, beugte sich zu ihr und hauchte ihr einen Kuss
auf ihre Nase.
Darf ich dir deinen Pyjama anziehen? seine Stimme
brachte sie dazu, für einen kurzen Moment nervös auf ihre Hand
zu blicken, ehe sie lächelnd zurück in seine Augen sah.
Mit einem leichten Nicken ließ Mulder seine Hände von ihren
Hüften zu ihrem Kragen wandern, um dort anzufangen, ihre Bluse
langsam aufzuknöpfen. Er beobachtete ihren Brustkorb, welcher
sich bei jedem ihrer Atemzüge hob und wieder senkte, während
ihr warmer Atem sein Ohr streifte. Ein Kribbeln machte sich in
seinem Bauch breit, als er die Bluse fertig aufgeknöpft hatte
und seine Hände auf ihre Schulter legte, sodass er ihr den
weißen Stoff abstreifen konnte.
Geräuschlos fiel dieser aus dem Bett, bevor Mulder sich daran
machte, ihr silbernes Bauchkettchen zu öffnen, was sich in dem
dunklen Raum als durchaus schwierig herausstellte. Erst nach
einigen Momenten hielt er die beiden Enden in seinen Händen und
grinste siegessicher in sich hinein. Mit einer langsamen Bewegung
legte er es auf einen kleinen Hocker, welcher neben dem Bett
stand und scheinbar als Nachttisch diente, denn es lag ein Buch
darauf. Das Kettchen schien zu rascheln, als er es auf das Holz
legte und anschließend wieder in die Augen seiner Gegenüber
blickte. Daraufhin griff er nach dem Oberteil ihres Pyjamas und
zog ihr diesen über ihren Kopf, woraufhin sie ihn bloß
verwundert musterte. Ohne ein Wort von sich zu geben, griff er
hinter sie und schien auf der Suche nach dem Verschluss ihres BHs
zu sein, was widerrum ein unmögliches Vorhaben zu sein schien.
Hm... brummte er leise und lehnte ihre Stirn gegen
ihre. Ist schon eine Weile her, seitdem ich so ein Ding das
letzte Mal aufgemacht habe. Ist mir immer wieder ein Rätsel...
Ein leises Kichern von ihrer Seite folgte auf sein Kommentar, ehe
sie ihm zur Hand ging und ebenfalls nach hinten griff. Im Nu
hatte sie die Häkchen aus den Schlaufen gelöst. Leicht grinsend
schob Mulder ihr die Träger von den Schultern und legte ihren BH
auf ihre Bluse.
Ich sagte ja, es ist mir immer wieder ein Rätsel...
Mit einer fließenden Bewegung hatte sie ihre Arme in die
vorgesehenen Ärmel gesteckt und Mulder wollte sich daran machen,
ihr ihren Rock auszuziehen, ehe sie ihre Hände auf seine legte
und ihn somit stoppte. Fragend sah er zu ihr auf, während sie
ihren Kopf schüttelte.
Wie du mir, so ich dir...
Mit einem frechen Grinsen auf den Lippen begann sie, sein Hemd
aufzuknöpfen...
Fünf Minuten später lagen beide nebeneinander im Bett; Scully
in ihrem Pyjama und, da Mulder seine Sachen im Motel hatte liegen
lassen, in seiner Shorts. Mit einer vorsichtigen Bewegung hatte
sie ihren Kopf auf seine Schulter und ihren Arm um ihn gelegt.
Dass sie diese Nacht eventuell nicht sonderlich ruhig schlafen
würde können, was sie mit Garantie auf ihre Gesellschaft
schieben würde.
Durch einen tiefen Atemzug versuchte sie ihre Gedanken zu ordnen,
doch er machte ihren Plan zunichte, in dem er einen Arm um ihre
Schulter legte.
Wenn ich morgen aufwache...wirst du dann noch hier sein?
fragte er leise und sie wusste, dass er an die Decke sah. Langsam
nickte sie.
Klar werde ich dann noch hier sein. Ich werde nicht
gehen...zumindest nicht in den nächsten 18 Stunden, das kannst
du mir glauben...
Das Fenster war immer noch gekippt, kühle Nachtluft drang immer
in einer Art Stößen in das Zimmer, bewegte den Vorhang wie
durch Geisterhand. In einiger Entfernung hörte man ein Auto um
die Ecke biegen und anschließend einen absterbenden Motor, doch
wurde dieser von niemandem zur Kenntnis genommen. Genauso wenig,
wie jemand den betrunkenen Autofahrer wahrnahm.
Mit einem leisen Geräusch drehte Mulder sich um, sodass Scully
nun hinter ihm lag und ihre Hand auf seinem Bauch zur Ruhe kam.
Obwohl es Sommer war, so hatten sie sich doch ein wenig mit einer
dünnen Leinendecke zugedeckt, rein aus Gewohnheit.
Durch einen kühleren Luftzug zog Mulder die Decke höher, ehe er
eine Gänsehaut auf seinen Armen spürte. Langsam wachte er aus
seinem leichten Schlaf auf und blinzelte ein wenig. Er konnte
sich nicht vorstellen, dass es die Nachtluft war, welche ihm eine
Gänsehaut beschert hatte. Erst langsam konnte er Umrisse und
Gegenstände erkennen...und einen Mann, welcher anderthalb Meter
vom Bett entfernt stand. Er hatte eine Augenbraue gehoben und
seine Arme vor der Brust verschränkt.
Wohow... Binnen einer Sekunde saß Mulder aufrecht im
Bett, seinen Rücken gegen die Kopflehne. Er wusste nicht, wie
lange dieser Mann schon da stand, noch, weshalb er hier
war...oder wieso er der Zwillingsbruder von Alan Rickman sein
konnte.
Wer sind Sie? Und warum sind Sie hier? versuchte
Mulder sich mit ruhiger Stimme mitzuteilen, ohne, dass er Scully
weckte.
Mit einem Augenrollen seufzte sein Gegenüber und gab ein Seufzen
von sich, welches mehr als genervt klang.
Dass man bei euch Menschen aber auch immer einen Grund
braucht, um irgendwo zu sein... sagte er mit gedämpfter
Stimme und deutete mit seinem Kopf anschließend auf die
schlafende Frau. Eigentlich sollte sie ja aufwachen...doch
wie ich sehe, schläft sie wie ein Stein...
Vorsichtig blickte Mulder zu seiner schlafenden Partnerin, ehe er
zu dem fremden Mann zurücksah, als ein kurzer Schrei seine
Aufmerksamkeit wieder auf Scully lenkte. Mit einem erschreckten
Gesichtsausdruck saß sie nun ebenfalls aufrecht im Bett, die
dünne Decke hielt sie sich bis zur Brust. Ihr Gesicht glänzte
feucht, so als ob sie bis eben noch getaucht wäre.
Erst blickte sie sich verwundert um, sah zu Mulder und erblickte
anschließend den fremden Mann, welcher immer noch lässig
inmitten des Zimmers stand.
Du hier? Mitten in der Nacht? Ihre Stimme klang
gereizt und kein bisschen müde, so wie Mulder es erwartet hatte.
Bisher war dir das doch auch egal. Jedenfalls bist du nicht
alleine, so wie ich angenommen hatte. Er hatte nun beide
Augenbrauen gehoben und blickte mit einem gewissen Spott zu
Mulder.
Es geht dich gar nichts an, wer bei mir zu Besuch ist.
Also, was willst du? Warum bist du hier und weshalb weckst du
mich?
Etwas überfordert blickte Mulder zwischen den beiden Parteien
hin und her, versuchte abzuwägen, was er tun konnte und
entschied sich, einfach zu warten, da Scully diesen Mann zu
kennen schien.
Mit einem nervösen Blick sah Scully zu Mulder und befeuchtete
ihre Oberlippe mit ihrer Zunge. Sie wusste nicht so recht, wie
sie diese gespannte Situation wieder entschärfen konnte, doch da
Mulder bereits wusste, was sie war, würde es ihn
vielleicht nicht mehr allzu sehr überraschen, was er war.
Er ist der Metatron... sagte sie anschließend leise
und bekam das, was sie erwartet hatte: ein fragendes Gesicht. Sie
unterdrückte ein Lächeln und atmete tief durch, warf dem
dunkelhaarigen Mann einen kurzen Blick zu, ehe sie wieder zu
Mulder sah.
Er ist ein Seraphim...
Na ja, aber es sieht mir nicht danach aus, als ob er noch
einen Adlerkopf hätte...oder so was in der Art... kam es
daraufhin von Mulder. Er hatte einmal etwas von solchen Engeln
gehört, war sich aber nicht sicher, ob er sie richtig in
Erinnerung behalten hatte.
Sehr witzig... gab der zweite Mann tonlos von sich
und blieb weiterhin auf demselben Fleck stehen, ehe er begann,
sich selbst vorzustellen.
Wie der reizende Schutzengel schon sagte, bin ich der
Metatron...und ein Seraphim, was im Übrigen der höchste Rang
bei uns Engeln ist...
Seufzend rollte Scully ihre Augen. Sie wusste, dass er gerne
damit prahlte.
Ich bin...die Stimme Gottes... Wenn irgendwo geschrieben
steht, dass jemand mit Gott gesprochen hat, so hat er mit mir
gesprochen...oder...er hat Selbstgespräche geführt...
setzte er im Nachhinein noch an und atmete tief durch, hoffte,
dass der Mensch seine Message verstanden hatte. Skeptisch blickte
Mulder zu dem anderen Engel, war sich nicht sicher, ob er das,
was er gehört hatte, wirklich glauben sollte. Auf der anderen
Seite...wenn Scully ihn kannte, dann musste er die Wahrheit
sagen.
Wieso braucht Gott einen Engel, der in seinem Namen mit den
Menschen spricht? fragte Mulder und hoffte, dass nun
niemand glauben würde, er würde jemanden auf den Schlips treten
wollen. Es war ein Gedanken, ein kurzer Gedanke, welcher auf
einmal da war und ausgesprochen werden wollte.
Die Antwort ist ganz einfach...Menschen haben weder das
akustische noch das psychologische Fassungsvermögen, um die
wahrhaftig ehrfürchtige Stimme Gottes zu vernehmen. Wenn du sie
hören würdest, würde sich dein Verstand aufhängen und dein
Herz würde dir in der Brust zerspringen. Wir haben fünf Adams
verbraucht, bis wir das raus hatten...
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Mit einem verblüfften Blick sah Mulder zu
dem Mann, der ihm als Metatron vorgestellt wurde. Er konnte sich
nicht daran erinnern, sich jemals in einer solchen Situation
befunden zu haben. Stets war er derjenige gewesen, der an das,
was er untersuchte, geglaubt hatte. Scully war die Skeptikerin
gewesen, der Mensch, welcher ihm am Boden der Tatsachen gehalten
hatte, wenn er doch zu sehr abdriftete.
Doch jetzt?
Er saß auf ihrem Bett, überrascht von der Gelassenheit, welche
Scully ausstrahlte. Es war, als ob es für sie Routine war, dass
dieser Mann inmitten ihres Schlafzimmers stand, mitten in der
Nacht und ebenfalls kein Mensch war.
Schnell sah er zu ihr hinüber, bemerkte, wie sie eine Hand auf
seine Schulter legte, wo sie einen sanften Druck ausübte.
Daraufhin warf sie dem anderen Engel einen Blick zu, welcher
Bände sprach. Scheinbar funktionierte eine wortlose
Kommunikation auch zwischen ihr und diesem Mann. Ein leises
Seufzen ging durch den Raum, ehe er durch ein Nicken auf eine
stumme Frage zustimmte. Es ging ihm scheinbar gegen den Strich,
nun ihrem Willen zu folgen, doch was für eine Alternative hatte
er?
Eigentlich bin ich ja gekommen, um dich über deinen Los
Angeles Aufenthalt zu informieren. Du weißt schon, diese letzten
Informationen, die immer zu guter Letzt kommen, doch wie ich
sehe, wollen die beiden Turteltauben lieber alleine sein...
das letzte Kommentar konnte er sich nicht verkneifen, denn so
sehr er auch gegen die Beziehung zwischen einem Engel und einem
Menschen war, so wollte er ihr nun ihr Wiedersehen nicht
verderben.
Mulder zwinkerte und binnen einer Hundertstelsekunde war der
fremde Mann wieder verschwunden.
Ehm...wo ist er...? begann er und sah fragend zu
Scully, als sie ihm bereits ihren Zeigefinger auf seine Lippen
legte und ihn somit zum verstummen brachte.
Schon gut, denk nicht weiter über ihn nach...lass
uns...einfach weiter schlafen, okay? Ihre Stimme war ein
sanftes Flüstern, ehe ihr Kopf in Richtung der Polster deutete.
Seine Antwort war ein leichtes Nicken, ehe er sich wieder
hinlegte, tief durchatmete und kurz zu ihr sah, ehe er seine
Augen schloss und das Gefühl genoss, das ihr Körper
verursachte, als sie sich an ihn schmiegte. Langsam legte er
seine Arme um sie und hoffte, dass sie beide den Rest der Nacht
in Ruhe schlafen konnten, selbst wenn er sich sicher war, dass er
nach diesem Erlebnis einen eher leichten Schlaf haben würde.
Sanfte Sonnenstrahlen schummelten sich an einer Wolke vorbei,
drangen zu dem grauen Stadtbild durch, während Tauben erschreckt
aufflogen, um einen Radfahrer vorbeizulassen.
Obwohl die Sonne noch nicht sonderlich hoch stand und sich auch
die Temperaturen in Grenzen hielten, schien die Stadt bereits
seit Stunden auf den Beinen zu sein. Menschen mit Einkaufstüten
überquerten die Straße, manche davon waren darauf bedacht, dass
ihre Sprösslinge ihnen nicht abhanden kommen würden. Andere
liefen mit Aktentaschen und einem feinen Anzug über die Straße
und nahmen es hin, von Autofahrern wütend angehupt zu werden,
welche scheinbar zu spät zu einem Termin kamen.
Doch nichts von dem geschäftigen Treiben drang zu der kleinen
Wohnung im vierten Stock durch, in welchem der Vorhang durch eine
frühlingshafte Brise zu einer sanften Bewegung animiert wurde.
Zärtlich strich der Luftzug über Scullys nackte Schulter,
berührte ihre Nasenspitze und löste sich anschließend in der
Unendlichkeit der Stille auf, ehe ein, durch vorsichtige
Bewegungen ausgelöstes, Rascheln zu hören war.
Verschlafene blaue Augen blinzelten, geblendet vom Sonnenlicht,
ehe sie mit ihrer Handinnenfläche über ihre verschlafenden
Augenlider strich. Die Geschehnisse der vergangenen Nacht waren
beinahe vergessen, der neue Morgen schien einen fröhlichen
Anfang genommen zu haben.
Erst einige Sekunden später öffnete Scully ihre Augen erneut,
gefasst auf das helle Licht. Es dauerte einige Zeit, ehe sie ihre
Umgebung richtig wahrnehmen konnte, als sie in ein ihr bekanntes
Gesicht blickte. Braune Augen blickten geduldig in ihre, so als
ob sie sie bereits seit einigen Minuten mustern würden.
Voller Respekt blickten diese Augen in ihre eigenen, braunen
Haare umrahmten den geduldigen Gesichtsausdruck.
Hey.... Scullys Stimme war leise, darauf bedacht
ihren immer noch schlafenden Partner nicht wecken. Langsam setzte
sie sich auf, schloss den Körper ihrer Gegenüber in ihre Arme
und legte ihren Kopf auf ihre Schulter, schloss langsam ihre
Augen.
Es tut mir Leid... hauchte Scully in die lockigen
Haare der Frau, welche sich neben sie auf die Matratze gesetzt
hatte. Es tut mir so leid. Das weißt du...
Schon okay. Ich weiß es...
Mit einer zögernden Bewegung löste Scully die Umarmung, ehe sie
einen besorgten Blick auf Mulder warf.
Mach dir keine Sorgen um ihn, er kann mich nicht hören.
Dazu schläft er zu fest... mit einem Zwinkern und einem
belustigten Grinsen. Du weißt, warum ich hier bin...
sagte sie daraufhin mit fester Stimme und blickte in die Augen
des Engels, der ihr schon so lange unterstellt gewesen war.
Scully nickte.
Ja, das weiß ich. Du bist hier, weil ich mich entscheiden
muss. Ich muss mich entweder für ihn entscheiden oder ich muss
mit dir gehen...diesmal wird er seine Erinnerungen an mich jedoch
verlieren...
In ihrer Stimme schwang Traurigkeit mit, ehe sie ihre Arme
verschränkte und erneut einen Blick zu dem schlafenden Mann
gleiten ließ. Doch zu ihrer Überraschung schüttelte die Frau
gegenüber ihren Kopf.
Eigentlich...bin ich hier, um dir für die Zukunft alles
Gute zu wünschen...
Die Augenbrauen der jungen, rothaarigen Frauen wanderten zu ihrem
Haaransatz, ein überraschter Ausdruck lag auf ihrem Gesicht.
Du bist hier, weil du mir für die Zukunft alles Gute
wünschen willst...? Sie schluckte, atmete tief durch und
warf ihrer langjährigen Freundin und Chefin einen skeptischen
Blick zu.
Breit grinsend und nickend lehnte sie ihre Stirn an Scullys.
Denkst du denn, dass ich dich weiter zu trübselig durch
die Gegend laufen lassen konnte? Nach all den Jahren, in denen
ich dich kenne und weiß, dass das eigentlich gegen deine Natur
ist?
Erneut ein fragender Blick, die braunhaarige Frau seufzte.
Ich weiß doch, wie du drauf warst, als wir dich von ihm
wegversetzt haben. Du warst danach wie ausgewechselt. Darum habe
ich den ein oder anderen beauftragt, deinen Nachbarn UFOs sehen
zulassen... sie zwinkerte ihr zu ...sodass er
selbstherrlich irgendwie zu deinem Liebsten durchgeleitet
wurde...
Bei dem Wort Liebsten nahmen Scullys Wangen einen
ungewöhnlich starken Rosé-Ton an. Peinlich berührt blickte sie
zur Seite und versuchte, sich auf Staubkörner zu konzentrieren,
welche, durch den Luftzug angeregt, durch die Gegend tanzten.
Hey Scout, sieh mich gefälligst an, wenn ich mit dir
rede...
Das Grinsen ihrer Freundin wurde von Sekunde zu Sekunde größer,
Scully hingegen wünschte sich von Augenblick zu Augenblick mehr,
dass sie im Boden versinken könnte. Wie hatte sie nur glauben
können, dass sie es nicht wusste?
Das ihre Gefühle Mulder gegenüber einfach an Gott vorbeigehen
würden?
Sie kannten sich bereits länger, als ein normaler Verstand
hätte zählen konnten und dennoch war sie so naiv gewesen zu
glauben, dass diese Liebe zu einem Menschen einfach an diesem
allwissenden Gott vorübergehen würde, ohne, dass sie je Notiz
davon nehmen würde.
Mit einer sachten Bewegung streifte der Zeigefinger der
braunhaarigen Frau Scullys Kinn, sodass sie ihren Blick einfach
wieder aufrichtete und einen tiefen Atemzug nahm.
Das heißt, dass das alles beabsichtigt war? Keine
Zufälle, weshalb er hier ist? Das war alles ein Plan?
Gott nickte.
Ohne Scham nickte sie, grinste ihr weiterhin entgegen, ehe sie
eine rotschillernde Haarsträhne zwischen ihren Zeigefinger und
Daumen nahm, um sie ein wenig zwischen ihren Fingerspitzen hin
und herzudrehen.
Du wirst übrigens total niedlich wenn du verlegen wirst,
Dee...
Aber...ich hab ihm doch gesagt, wer ich bin...und...und wer
du bist und wer wir alle sind und...
Sssshhht... der Zeigefinger ihrer Gegenüber fand
sich mit einem Mal auf ihren Lippen wieder, als sie sie weiterhin
anlächelte. Du weißt doch, Ausnahmen bestätigen die
Regeln...und nun sieh zu, dass du endlich Land gewinnst und
glücklich wirst... Er wird dich nicht enttäuschen...
Ich weiß...
Ich auch...
Ein letztes Mal ließ Scully sich umarmen. Sie hatte nicht damit
gerechnet, dass so viele ihrer Bekannten und Arbeitgeber davon
wusste, dass Gott davon wusste und bewusst mitgespielt hatte.
Vermutlich war sie diejenige gewesen, welche die Fäden in der
Hand gehabt hatte.
Dankeschön...du hast was gut bei mir... flüsterte
Scully ihr entgegen und strich sich ihre Haare zurück.
Schon gut. Leb dein Leben. Wir sehen uns ja wieder
in...hm...ein paar Jahren. Aber nicht allzu bald...
So schnell wie sie gekommen war, so schnell schien Gott auch
wieder verschwunden denn zu sein. Keine Sekunde darauf vernahm
Scully ein leises Brummen und blickte zu dem Mann, welcher gerade
aus dem fernen Land der Träume in die Realität zurückkam und
sich scheinbar so gar nicht zurecht fand. Mit einem zufriedenen
Lächeln auf den Lippen zog Scully ihre Beine an ihren Körper
und legte ihre Arme darum. Sie hatte nicht geglaubt, dass sie so
glimpflich davon kommen würde, zumal sie auch noch ihre Flügel
hatte. Sie wurden ihr nicht genommen.
Blinzelnd und sich eine Hand vor seine Augen haltend, sah Mulder
fragend zu ihr auf.
Morgen... sagte er leise und setzte sich
anschließend ebenfalls auf. Er war sich sicher, dass er im
Schlaf gesprochen und sogar gesabbert haben musste, nachdem sie
ihn mit diesem seligen Lächeln beobachtete.
Habe ich was gesagt? Oder...? begann er, wurde von
einem Kopfschütteln ihrerseits unterbrochen.
Nein, du hast gar nichts gemacht...aber wir haben von
Gottes Segen...für unsere Zukunft... platzte es förmlich
aus ihr heraus, ehe sie sich an ihn lehnte.
Gott war hier? fragte er nun vorsichtig nach und
legte seine Arme um ihren zierlichen Körper. Ihre Antwort
bestand vorerst aus einem Nicken.
Ja, sie war hier...
Und da hast du mich nicht geweckt?
Na ja, sie musste wieder weg...du weißt...beruflich ist
sie sehr eingespannt... mit einem scheuen Lächeln sah sie
zu ihm auf. Daraufhin schloss sie ihre Augen und kuschelte sich
ein wenig enger an ihn.
Trotzdem...da hätte ich einmal die Gelegenheit gehabt,
Gott zu sehen und dann weckt mich keiner... Gespielt
beleidigt und traurig sah er zu ihr hinunter, woraufhin sie bloß
amüsiert kicherte.
Ach was, du glaubst doch ohnehin nicht an sie. Zumal ich
dich beruhigen kann...sie hat Ähnlichkeit mit Alanis
Morissette...ich hoffe, du kannst sie dir so ungefähr
vorstellen...
Sie hat Ähnlichkeit mit Alanis Morissette? fragte
Mulder ungläubig nach und zog seine Augenbrauen zusammen.
Eigentlich müsste man ja sagen, dass Alanis Morissette
Ähnlichkeit mit Gott hat...oder eben auch Alan Rickman mit
Metatron...
Scully atmete tief durch und sah anschließend zu ihm auf, wobei
der verunsicherte Gesichtsausdruck von Mulder sie beinahe in
schallendes Gelächter ausbrechen ließ. Er wirkte wie ein
kleines Kind, welches man mit einem Mal in einer Masse aus
Menschen stehen lassen würde und das alleine.
Gibt es auch jemanden, der mit dir Ähnlichkeit hat?
Hm...na ja, da war mal diese Theaterschauspielerin...Sie
spielt zurzeit in London, aber so richtig groß raus kam sie nie.
Sie heißt Juliane...oder Gillian oder so ähnlich. Aber sie ist
blond...
Kenne ich nicht...
Gut so...
Leicht lächelnd ließ Mulder sich zurückfallen, wobei Scully
nicht umhin kam, sich mitreißen zu lassen, sodass sie nun beide
wieder im Bett lagen und die gemeinsame Zeit in vollen Zügen
genossen.
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Ende