Autor: Babs
Kontakt: BabsOdi@web.de
Spoiler: keiner, glaub ich
Rating: NC-17
Kategorie: MSR, Humor, etwas X-Akte
Disclaimer: Die Charaktere gehören nicht mir, sondern Chris Carter, 20th Century Fox und 1013 Productions. Ich habe sie mir nur geliehen.
Short-Cut: Scully lässt sich auf eine Wette ein, die sie zunächst bereut..

Die Wette

"Dana, komm schon! Du kannst diesmal einfach nicht nein sagen!" Sheilas Stimme am Telefon klang drängelnd. Scully drehte die Augen zur Decke und seufzte. Mulder, der am Schreibtisch saß, blätterte in irgendwelchen Akten, doch sie wusste genau, dass er lauschte.
"Ich bin nun mal keine Party-Löwin!" Scully drehte sich vom Schreibtisch weg und machte ein paar Schritte in dem kleinen Büro. "Das weißt du genau!" "Dana, hör mal, immer sitzt du in diesem Kellerloch oder bist irgendwo unterwegs! Du musst mal ein bisschen unter Menschen kommen! Und wenn ich heirate, will ich dich eben auf meiner Junggesellinnen-Party dabeihaben! Bitte!!"
Sheila Benson arbeitete in der Nachrichten-Recherche. Scully hatte ab und zu mit ihr geplaudert und einmal nach Dienst einen Drink mit ihr genommen, mehr nicht. Sheila war in ordnung, aber nach einer Party, auf der es bestimmt einen Männer-Strip und Spiele wie "Wahrheit oder Pflicht" gab, stand ihr einfach nicht der Sinn.
Vor hatte sie am Samstag natürlich nichts, aber sie wollte mal wieder gründlich ihren Schreibtisch daheim ausmisten! Und ihren Kleiderschrank. Und... "Na schön!", hörte sie sich sagen, "wieso nicht?" "Klasse!" Sheila war ganz aus dem Häuschen und Scully fühlte regelrecht Mulders neugierigen Blick auf ihrem Rücken brennen. "Sei einfach so um 8.00 bei mir, okay? Ich freue mich!" "Bis dann." Mit summendem Kopf legte Scully auf und drehte sich langsam zu ihrem Partner um.

Mulder blätterte noch immer in derselben, langweiligen Akte. "Na? Hast du ein Date?", fragte er beiläufig. Scully seufzte. "Nicht direkt", antwortete sie ausweichend. Mulder sah sie an, ein leichtes Lächeln umspielte seine Lippen. "Warum so einsilbig? Ist es geheim?" "Es ist eine Junggesellinnen-Party, okay?", antwortete sie leicht gereizt und sein Lächeln wurde zum Grinsen. "Wird doch sicher amüsant?" "Mh." Sie setzte sich ihm gegenüber. "Wenn ich nicht hingehe, zerreißen sie sich wieder die Schnäbel, was wir hier unten wohl treiben", entfuhr es ihr und als sie sein Gesicht sah, wurde sie rot. "....ich, ich meine natürlich unsere Arbeit", schob sie rasch nach. Mulders dunkle Augen funkelten und Scully wünschte sich ein großes Loch, in das sie verschwinden konnte.
"Ach ja?", fragte er, "nur unsere Arbeit? Da bin ich mir aber nicht so sicher. Solche Gerüchte gibt es doch überall. Und hier unten sind wir ja auch so richtig ungestört, oder? Ich meine, den Aufzug würde man sofort hören und wäre immer gewarnt!" "Was ist den mit dir los, Mulder? Solche Themen interessieren dich doch sonst nicht? Was ist das für eine Akte?"
Mulder entzog ihr das Dokument. Er fand es richtig schön, sie aufzuziehen. Endlich mal ein Thema, zu dem sie keine Naturwissenschaftliche Litanei loslassen konnte. "Glaubst du etwa, ich habe noch nie Klatsch gehört? Ich sehe vielleicht manchmal dämlich aus, aber ich lebe noch auf dieser Welt", sagte er. "So? Und was besagt dieser Klatsch?", wollte Scully wissen. Mulder musste lachen. "Lassen wir das, Scully. Geh auf deine Party. Da wirst du sicher etwas zu hören bekommen." Zähneknirschend starrte Scully auf ihre Hände und schwieg.

 
Samstag, 8.00 Uhr abends

"Hallo, Dana!!", Sheila trat zu Seite und ließ Scully eintreten. "Pünkltlich wie die Uhr! Komm schon rein, es sind schon einige da!" Scully lächelte und folgte Sheila. Die Wohnung war groß und hübsch eingerichtet. Die Miete war sicher hoch. Naja, sie lebte schließlich nicht alleine.
Im Wohnzimmer saßen 5 Frauen, die sie nicht alle kannte. 3 davon waren vom FBI. Alle begrüßten sie freundlich aber Scully hatte das Gefühl, dass man schon über sie geredet hatte.
Der Abend wurde jedoch lustiger als Scully erwartet hatte. Die peinlichen Spiele blieben aus, es gab Musik und ein leckeres Buffet. Die Mädchen tauschten Geschichten über Sheila aus und diese Zeigte Fotos aus ihren Kinder- und Jugendtagen. Scully sprach mehr als sonst dem Wein zu und wurde immer lockerer und gesprächiger. Ab und zu erwähnte sie Mulder und sofort spitzten alle die Ohren. Das entging Scully jedoch in ihrer Party-Laune.

Gegen später gingen die meisten Gäste und zurück blieb die Clique vom FBI. Scully fand sich plötzlich inmitten lauter neugieriger Augenpaare und sah sich erstaunt um. "Ist was?", kicherte sie. Sheila legte ihr die Hand auf den Arm. "Wir sind alle schrecklich neugierig", begann sie, "wegen Mulder." Scully nahm rasch einen Schluck Wein. "Wieso? Was ist mit ihm?", fragte sie scheinheilig. "Stimmt es, daß er noch nie was versucht hat?" Gespanntes Warten der anderen. Scully fühlte, wie ihre Wangen brannten. Doch sie lachte. "Warum sollte er? Wir sind Partner." "Komm schon, Dana!" Sheila. "Wir sind unter uns. Beinahe jeder geht mal mit seinem Partner ins Bett! Ist doch nichts dabei! Dan war auch mein Partner und jetzt heiraten wir! Du bist sei über 5 Jahren tagtäglich mit Mulder zusammen! Er sieht gut aus! Nichts? Weißt du, ob er eine Freundin hat?"
"Nein", antwortete Scully und schenkte sich noch mehr Wein ein. "Und du auch nicht?", wollte Tina aus der Telefonzentrale wissen. Scully schüttelte den Kopf und durch den Alkohol kam mit einem mal ein schreckliches Gefühl der Verlorenheit über sie. Der Einsamkeit. Verdammt, sie war noch nicht einmal 30. Sie sah nicht schlecht aus. Diese Mädchen amüsierten sich, hatten Spaß, hatten Sex.... und sie? Sie saß seit Jahren im Keller mit einem Mann, der wahrscheinlich garkeiner war! Sie lachte plötzlich auf, doch es war ein bitteres Lachen, fast ein Schluchzer.

Die Mädchen sahen sich vielsagen an. Sheila legte ihr den Arm um die Schulter. "Weißt du was, es ist nicht deine Schuld! Wir wissen bescheid über ihn! Er ist nämlich impotent!" Scully zuckte zusammen und starrte sie an. "Ja! Ist doch logisch! Ein paar Mädels wissen es aus nächster Erfahrung! Der Typ KANN garnicht, also tut er so, als wollte er nicht! Und du versauerst!" Scully entzog sich ihr. "Ihr spinnt ja. Woher wollt ihr wissen, ob ich überhaupt will? Wisst ihr überhaupt, vieviel Arbeit wir immer haben? Glaubt ihr, da ist das das Einzige, was mich interessiert?" "Nicht das Einzige", meinte Tina, "aber es ist doch ganz normal. Du hast keinen Freund, erzählst alles ihm. Bist andauernd mit ihm zusammen, auch unterwegs, immer Tür an Tür! Ist doch vollkommen normal, dass man da auch mal kuscheln will!"
Sheila sah Scully an. "Blick mir in die Augen und sag mir, dass du nie daran gedacht hast!", meinte sie beschwörend. Scully sah weg. Sie konnte nichtmehr klar denken und war depremiert. Mit hängenden Schultern sagte sie: "Klar habe ich schon daran gedacht. Aber es schien nie ein Thema zwischen uns zu sein. Nie auch nur die leiseste Anspielung!" Sie verschwieg den Fast-Kuß vor einem Jahr auf Mulders Flur. Danach hatte er sich ihr nichtmehr genähert. Ob es stimmte was die Mädchen erzählten?
Jana, die am Empfang arbeitete sagte: "Dana, wir haben gewettet. Eine von uns wird versuchen, Mulder rumzukriegen. Außer Sheila natürlich. Diejenige die beweist, dass Mulder impotent ist, hat gewonnen!" Scully starrte sie mit brennenden Wangen an. "Und wer soll das sein?", fauchte sie. Die Mädchen wechselten einen Blick. "Eine Freiwillige", lächelte Jana. Scully stand auf. "An so einem Mist beteilige ich mich nicht. Ich respektiere Mulder. Er würde auf so etwas nie eingehen!" "Klar, weil er nicht kann!", erwiederte Sheila. "Nicht jeder Mann hat nur Sex im Kopf!", Scullys Argumente gingen ihr langsam aus. "Das stimmt", antwortete Tina, "aber kein Mann hat NIE Sex im Kopf!!! Außer er ist kastriert oder..." "Hört auf!", rief Scully wütend, "Sheila, ruf mir bitte ein Taxi."
"Dana, du kannst gegen uns wetten", säuselte Sheila, "du kannst gegen uns wetten, und uns das Gegenteil beweisen!" Scully schluckte. Sie war leicht betrunken und unsicher und auch wütend. Wäre sie nur nicht hierher gekommen! Diese dummen Ziegen! Doch ganz hinten in ihrem Kopf meldete sich ein Teufelchen, das fragte, ob sie nicht doch recht hatten? Es wäre eine Erklärung für vieles! Auch, dass er praktisch kein Privatleben hatte und auch anderen Frauen aus dem Weg ging. Sie fuhr herum.
"In Ordnung! Ich halte dagegen! In 2 Wochen werde ich dieses Gerücht aus der Welt geschafft haben!" "Eine Woche!", entgegnete Sheila. "Nächsten Samstag, selbe Zeit. Und wir wollen Beweise!" Scully nickte und nahm ihr Handy. "Ich warte draußen auf das Taxi. Bis dann also." Sie stiefelte davon und hörte genau, wie die Mädchen hinter ihr kicherten.

 
Nächter Morgen, Scullys Appartment

Ein Presslufthammer donnerte auf Scullys Kopf herum und sie zog sich stöhnend die Decke über den Kopf. Nur langsam registrierte sie, dass es das Telefon war. Sie wollte nicht hingehen, doch schließlich schälte sie sich aus der Decke und nahm den Hörer. "He, Scully, ich bin’s!", schrie Mulder oder kam es Scully nur so vor? "Mpf", brachte sie nur heraus. "Du bist doch nicht noch im Bett?", wollte Mulder wissen, "es ist schon 10.00 Uhr." "Mulder, es ist Sonntag." Scully ließ sich zurück in ihr Kissen sinken. "Bist du krank?", bohrte Mulder weiter. "Was ist los? Wieso rufst du überhaupt an?", brummelte Scully und langsam kamen die Erinnerungen an den gestrigen Abend und die Wette wieder hoch.
"Du wirst es nicht glauben", ereiferte sich Mulder und hatte Scullys Gesundheit anscheinend schon wieder vergessen, "in Ohio ist ein Mädchen aufgetaucht, das 5 sehende Augen hat!" Scully bekam einen Hustenanfall und richtete sich wieder auf. "Mulder!" Ein Lachen am anderen Ende. Mulder verkohlte sie und ihr war überhaupt nicht nach Humor. "Ich lad dich zum Frühstück ein." Klick. Er hatte aufgelegt.

Scully zwang sich, aufzustehen und kaum kam sie aus dem Bad, die Haare noch feucht, donnerte es schon an ihrer Tür. Verdammt, so viel hatte sie doch nicht getrunken! Ihr Schädel brummte jedoch. Sie zog den Bademantel enger um ihren Körper und ging zur Tür. "Mach schon auf, Scully, die Brötchen sind noch warm!", rief Mulder. Scully zog die Tür auf und er drängelte sich an ihr vorbei in ihre Wohnung. Verdammt, was wollte er? Wieso war er so gut drauf? Steckte er mit diesen Tussis unter einer Decke?
"Na los, Scully, mach Kaffee!" Mulder sah sie an. "Nicht gut drauf heute? War’s ’ne wilde Party gestern?" "Ja, war ganz lustig", brummelte Scully und schlurfte zur Kaffeemaschine. Der Duft der frischen Brötchen stieg ihr in die Nase und sie sagte: "Danke für das Frühstück, Mulder. Was verschaftt mir die Ehre? Die fünfäugige Schönheit?" Mulder lachte und legte einen stapel Fotos auf den Tisch. "Hier!"
Scully sah ihn misstrauisch an und kam näher. Sie strich sich das Haar aus der Stirn und ärgerte sich, dass sie so miserabel aussah. Mulder sah blendend aus. Die Haare dicht und leicht verstrubbelt, die dunklen Augen sprühten Funken. Sein Grinsen war ansteckend. Eines seiner langen Beine lag auf dem Stuhl. "Na? Was guckst du denn so? Oh, ja, ich habe heute morgen meine Bürste nicht gefunden." Er fuhr sich durchs Haar. Dann tippte er auf die Bilder und Scully konnte es nicht glauben: die Fotos zeigten allesamt ein dunkelhaariges Mädchen mit 5 Augen!
"Sie heißt Catherine", erläuterte Mulder, währen Scully sich setzte. "17 Jahre alt. Geboren wurde sie völlig normal! So mit 10-11 Jahren bekam sie plötzlich diese Beulen auf Stirn und Wangen. Es wuchsen 3 weitere Augen! Cool, oder? Sie sieht jetzt sozusagen 5-dimensional!", er lachte und sah sich suchend auf dem Tisch um. "Keine Marmelade? Oder vielleicht Butter?"
Scully wusste nicht, was sie sagen sollte. Nie, niemals konnte sie Mulder anbaggern! Mein Gott, was würde er sagen? Sollte er doch meinetwegen impotent oder sonstwas sein, was ging es sie an? Das ganze würde nur Ärger geben!
Andererseits, wenn diese intriganten Ziegen ihn vor allen Kollegen bloßstellten? Konnte sie als seine Freundin das zulassen? Wenn er herausfinden würde, dass sie bescheid gewußt hatte, würde er es ihr sicher nie verzeihen. Verdammte Zwickmühle.

Während sie stumm zuckerfreie Marmelade und fettarme Butter vor Mulder abstellte und er das Gesicht verzog, beschloss sie, ihn ein bisschen auszufragen.
"Hast du nichts ungesünderes?", brummelte Mulder und beäugte das Marmeladeglas. Scully schüttelte den Kopf und schaffte es, ihn anzulächeln. Dann nippte sie an ihrem Kaffee.
"Sag mal, Mulder, wieso gehst du denn nie auf Parties? Sicher sind doch einige Mädchen hier scharf auf ein Date mit dir?" Mulder sah sie total verständnislos an und biss in ein Brötchen. Dann zuckte er die Schultern. "Kann ich mir nicht vorstellen", meinte er dann gleichgültig, "neulich habe ich sie sogar tuscheln hören, ich sei impotent!" Er lachte. "Diese Jana Thomson, weißt du, die Kleine vom Empfang, wollte mir mal Frühstück machen. Ich hatte keine Zeit! Was soll ich mit dieser Frau reden?"
Scully verschluckte sich beinahe! Mulder wusste das alles? Und es war ihm egal? "Mulder, mit Frauen kann man auch mehr als nur reden."
Mulders Blick ließ sie erschaudern. Sie konnte ihn nicht ergründen. Es lag Neugierde darin und unverholenes Erstaunen. Und auch ein warmes Lächeln. "Scully, sag bloß, daß dich interessiert, was ich unter meiner Bettdecke mache!?"
Scully wurde rot bis unter die Haarwurzeln. Sie brachte keinen Ton heraus. Kannte sie Mulder wirklich so schlecht? Er hatte sich sicher schon ganz andere Sachen als so ein dämliches Gerücht anhören müssen! Er stand ganz einfach darüber! Es war ihm schlicht egal.
"Ich.. äh... ich muss mich mal anziehen und mir die Haare trocknen. Frühstücke nur weiter!" Sie sprang auf und lief aus dem Zimmer.

Hastig zog Scully Klamotten aus ihrem Kleiderschrank. Wieso war sie so nervös? Was wusste er? Verdammt! dachte sie zum wiederholten male. Als sie gerade an den Knöpfen einer Bluse herumnestelte, sah sie im Spiegel plötzlich Mulder im Türrahmen lehnen. Sie fuhr herum.
"Dana...", er machte einen Schritt auf sie zu, "glaubst du diese Gerüchte?" Irgendetwas in seinen Augen gefiel ihr nicht. "Ich kann mich zwar nicht gerade einen Frauenkenner nennen", fuhr er fort und kam noch einen Schritt näher, "aber ich weiß was auf solchen Partys geschwatzt wird. Ich bin mir sicher, die Mädchen haben dich über mich ausgequetscht, habe ich recht?" Langsam nickte Scully und mied seinen Blick. "Ein paar von ihnen sind sicher sauer, weil ich aus Prinzip nichts mit Kolleginnen anfange." Jetzt sah Scully hoch. Mulder las genau ihre Gedanken: Diana Fowley!
"Diana war meine Freundin, bevor wir zusammen arbeiteten. Das war etwas anderes."
Er blieb stehen, seine Augen unverwandt auf Scully gerichtet. Wieso tastete er sie mit Blicken so ab? Erotische Anspielungen hatten bei ihm stets etwas scherzhaftes, ungefährliches gehabt. Diesen Eindruck hatte sie jetzt nicht.
"Glaub mir, Dana, ich bin ein Mann und ich funktioniere." "Habe ich nie bezweifelt", brachte sie heraus. "Nein?" Scully wich vor ihm zurück und hielt verkrampft ihre Bluse vor der Brust zusammen. "Mulder, was du privat treibst, ist deine Sache. Ich gebe zu, es gibt Gerüchte. Aber solche Dinge sind mir egal."
Mulder kam noch näher. "Wirklich?" "Was willst du hier, Mulder?" Scully war um Fassung bemüht. "Vielleicht sollte man manche Gerüchte aus der Welt schaffen!" Er trat rasch vor und packte Scully an den Schultern. Sie erschrak. "Mulder?" Er sah auf sie herunter und ohne Schuhe fühlte sich Scully so unendlich klein und hilflos. "Ich habe dir immer vertraut", hauchte er in ihr Ohr und sie stand so nah, dass sie seinen Herzschlag fühlte. "Verrate mich jetzt nicht." Dann küsste er sie. Drängte ihre Lippen auseinander. Sie spürte atemlos seine Zunge, die in ihren Mund eindrang. Gottogottogott! Was tat er nur!?
Der Kuss schien ewig zu dauern und ihr ganzer Körper reagierte. Die Beine wurden ihr schwach. Ein lustvolles Ziehen wanderte zwischen ihre Schenkel. Sie wollte ihn umarmen, an sich ziehen, seinen Kuss erwiedern. Die Daumen auf ihren Oberarmen streichelten zärtlich. Und sie spürte auch die Härte seines Unterleibs, den er gegen sie presste. Dann gab er sie frei und ging einen Schritt zurück.
Sie wäre beinahe rückwärts umgefallen und sog scharf die Luft ein. Alles in ihr protestierte dagegen, dass er einfach aufhörte. Sie sah ihn an. Auch er atmete heftig. Seine Augen waren dunkel und pure Lust spiegelte sich darin. Er war für sie plötzlich ein völlig anderer Mann. Ein Mann, den sie haben wollte. Doch er drehte sich nur um und ging hinaus. Bevor sie auch nur ein Wort sagen konnte, hörte sie das Klappen ihrer Wohnungstür.

Als Scully am nächste Morgen das Bureau betrat, fühlte sie sich schrecklich. Sie hatte ganz alleine selbst Schuld an dieser Situation! Sich auf Gerüchte einzulassen! Oder steckte vielleicht mehr dahinter? Sie wusste es nicht. Sie wusste nur, dass sie Mulders Freundschaft nicht aufs Spiel setzen wollte. Zu wichtig war er für sie.
Gedankenverloren trat sie aus dem Fahrstuhl und lief direkt Tina in die Arme. "Hi, Dana! wie sieht’s aus?" Sie grinste vielsagend. Scully wurde sauer.
"Hör mal, ich will mit eurem Mist nichts zu tun haben. Was ihr über Mulder denkt, ist mir egal. Ich kenne ihn besser!" Tina nahm sie am Arm und zog sie zur Seite. "Das glaube ich aber kaum! Ich wollte dir nur sagen, dass du die Wette schon gewonnen hast!" Scully starrte sie an. "Was soll das den heißen?" "Mulder hat gestern Abend mit Jana geschlafen. Jetzt hockt sie unten und flennt nur noch." Scully wurde es heiß und kalt, fast schwindlig. Tina sah, wie blass sie wurde. "Tja, wir haben uns alle getäuscht. Er ist nicht impotent, sondern ein echter Mistkerl. Mach’s gut, Dana. Du tust mir echt leid. Such dir ganz schnell einen Freund, denn mit dem da im Keller wirst du bestimmt nicht glücklich!" Sie ließ Scully stehen und diese lehnte sich gegen die Wand. Das konnte nicht wahr sein! Was war mit Mulders Prinzipien geschehen?
"Agent Scully?" Skinners Stimme ließ sie hochfahren, "sind sie in Ordnung?" "Ja!" Sie richtete sich auf "Ja, Sir, alles klar." "Kommen sie bitte in mein Büro," sagte Skinner, der ihr nicht ganz glaubte, "Mulder wartet schon dort." Wortlos folgte sie ihm.

Als sie sich neben Mulder setzte, murmelte sie "morgen" und sah ihn nicht an. Er war freundlich wie immer und sie spürte seinen Blick.
Skinner begann: "Sie beide fliegen nach Seattle." "Seattle?", das passte Scully jetzt garnicht. Zu gerne hätte sie sich in Aktenarbeit gestürzt. "Ja, Seattle." "Ist Curt Cobain auferstanden?", witzelte Mulder. Skinner verzog das Gesicht. "Das ist...", begann Mulder. "Ich kenne Nirvana, Agent Mulder", knurrte Skinner. "Ich sehe vielleicht so aus, aber ich bin nicht von gestern. Nicht, dass das meine bevorzugte Musikrichtung wäre...Nun denn!"
Er nahm eine Aktennotiz und ignorierte Mulders breites Grinsen. "Es geht allerdings um Musiker. In den letzten 2 Monaten wurden 3 Mitglieder von Bands ermordet. Alles Gitarristen. Wir erkennen jedoch bisher kein Motiv. Der Grund weshalb ich sie schicke, ist die Todesursache: den Männer wurden die Hände abgehackt. Sie verbluteten." "Waren wahrscheinlich miese Gitarristen", grinste Mulder. "Was ist denn daran komisch?", fauchte Scully plötzlich, der die Witzelei auf die Nerven ging. "Sir, wann fliegen wir?" Skinner blickte sie misstrauisch an. "Sind sie wirklich okay, Agent Scully? Können sie fliegen?" Scully fuhr vom Stuhl hoch. "Natürlich, Sir. Ich bin vollkommen in Ordnung! Ich habe nur nicht so gut geschlafen." Skinner reichte den beiden die Tickets. "Ich hoffe, sie bringen bald Licht in die Sache. Zwei der Opfer hatten bereits einen Plattenvertrag und galten als hoffungsvolle Talente! Nehmen sie vor Ort Kontakt mit Agent Summers auf, er wird sie weiter informieren."
Scully schoss aus dem Büro, um Mulder nichtmehr in die Augen sehen zu müssen, und damit er nicht sah, wie aufgebracht sie war!

Sie trafen sich auf dem Flughafen, Mulder fragte sie jedoch nicht, was sie hatte. Er zeigte ihr lediglich ein paar Fotos, während sie auf den Start warteten. Scully hörte nur halb zu. Sollte sie ihn auf Jana ansprechen? Mein Gott, er hatte sie geküsst und war dann zu diesem jungen Ding gefahren und... sie wollte es sich garnicht vorstellen, aber es störte sie, dass er einfach weggegangen war.

Als sie im Flieger saßen und Mulder noch immer in den Unterlagen blätterte, fasste sie sich ein Herz. "Mulder? Was war das gestern?" Unschuldig blickte er sie an. Dann meinte er: "Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht anmachen. Kommt nicht wieder vor." Thema erledigt. Sie gab noch nicht auf. "Mulder, ich hörte heute morgen den allerneuesten Klatsch." Er schluckte kurz, dann räusperte er sich. "Ging verdammt schnell." "Was hast du erwartet? Du weißt doch, dass Jana auch auf der Party war? Wieso gerade sie?" "Sie wollte mich, also." Er zuckte die Schultern. "Mulder!!!" sie packte seinen Arm und ein paar Leute drehten sich um. "Was ist bloß los mit dir?" Jetzt blitzten seine Augen und er wurde langsam sauer.
"Was ist los mit MIR? Interessant. Jetzt sag ich dir mal was: ich war immer der Spinner im Bureau, der Ufo-Verrückte. Damit konnte ich leben. Aber dass nun alle über mein Sex-Leben quatschen, wird mir langsam zuviel! Das ist meine Sache, verstanden? Ich bin echt enttäuscht, Dana, dass ausgerechnet du dich daran beteiligst! Ich dachte immer, du nimmst mich ernst! Was soll diese Tour? Soll ich mit dir ins Bett, willst du das??" Noch mehr Leute guckten und Scully wurde rot. Sie schluckte. "Alle quatschten doch, ich sei impotent. Nun, ich bin es nicht, klar? Gestern abend war mir nach Sex und Jana war eben verfügbar. Ich will nichts von ihr, Pech für sie! Nenn mich einen Frauenfeind, einen Macho! Bin ich aber nicht! Ich bin ein Mann, aber nur weil ich keine Playmates im Büro hängen habe oder dauernd Frauen abschleppe, wird gleich gequatscht. Scully, ich respektierte dich immer. Mich enttäuscht es, wie du dich jetzt verhältst."
Scully wusste nicht, was sie sagen sollte. Doch sie wollte sich rechtfertigen. "Mulder, du bist mir nunmal nicht egal. Ich war wütend über diese Gerüchte. Und ausserdem dachte ich immer, Freunde dürfen auch privates bereden, oder nicht? Ich weißoft nicht, wie ich dich einordnen soll. Ich meine, ich weiß du magst mich, aber immer wenn du dich mir näherst, machst du einen Rückzieher! Und nun das mit dieser Jana..."
Mulder seufzte und sah sie an. Seine Augen blickten traurig. "Du hast mich nicht gerade ermutigt in meinen Annäherungen, Dana." Scully schuckte. Wie sollte sie das nun verstehen? Dass er mehr wollte als Freundschaft? Sie wagte nicht zu fragen. Die stets vorhandene Tabu-Mauer war zu stark. Mulder spürte das und schwieg.

In Seattle im Motel bekam Scully einfach den Kopf nicht frei für den Fall. Mulder wollte Agent Summers anrufen und sie dann abholen. Sie packte inzwischen ein paar Sachen aus und machte sich etwas frisch. Immer wieder dachte sie an diesen Kuss am Sonntag. Mein Gott, wie sie ihn gewollt hatte! So gut kannte sie seinen Geruch, diesmal wollte sie ihn auch schmecken, ihn berühren, ihn zum stöhnen bringen... ein Klopfen riss sie aus ihren Gedanken und sie kniff sich energisch in die Wange. Reiss dich zusammen, Dana!
"Scully? Bist du fertig?" Es war Mulder "Ich komme, Moment."
Agent Summers war ein mittelgroßer, blonder Mann, etwa Ende 30. Er hatte blaue Augen und ein freundliches Lächeln. Ebenso ernsthaft wie kompetent hatte er seine bisherigen Berichte verfasst, war aber in einer Sackgasse geraten. "Ich bin froh, dass sie hier sind. Es ist verdamm nochmal pervers. Agent Scully?" Scully fuhr auf und Mulders Blick traf sie. "Ja, Agent Summers?" Sie räusperte sich und bemühte sich um ein professionelles Gesicht. "Ich fahre nun mit ihnen ins Leichenschau-haus, wo die drei Männer liegen. Agent Mulder, sie könnten ja noch einmal mit dem Manager Sam Hutchense reden. Der ist mir nicht ganz suspekt."

Es wurde ein langer, anstrengender Tag. Berichte durchlesen, Leichen anschauen, eine davon noch einmal obduzieren, endlose Fakten verarbeiten. Scully bekam einfach den Kopf nicht frei und wollte nur noch ausruhen. Ausruhen und nachdenken. Sie erschrak, als sie eine Hand auf ihrer Schulter fühlte und in Summers blaue Augen blickte. "Es ist spät", meinte er, "noch ein Drink vor dem Schlafengehen?" Sein Lächeln war ehrlich und offen. Langsam nickte sie. "In Ordnung. Nett von ihnen. Ich rufe nur noch rasch Mulder an."
"Nicht nötig, ich habe eben mit ihm gesprochen. Er fährt schon ins Motel, er wollte noch ein paar Daten gegenchecken." "Hat er etwas herausgefunden?" Scully war es nicht angenehm, dass sie mit Summers alleine gehen sollte. "Es könnte sein", antwortete Summers, "er will nur noch konkretere Fakten sammeln. Davon mehr morgen, okay?"
Scully nickte und sie fuhren in eine kleine Bar in der Nähe des Motels. Scully trank ein Glas Wein und hörte kaum auf das, was Summers redete.
"Mein Name ist übrigenz Michael, und ihrer war... Diana?" Scully fuhr hoch bei dem Namen, dann lächelte sie. "Entschuldigung, ich bin heute nicht so bei der Sache. Nein, ich heiße Dana." Michael nickte. "Manchmal hilft reden, Dana. Reden mit jemandem, den man garnicht kennt."
Scully sah ihn an. Er war wirklich attraktiv. Ob sie vielleicht etwas anderes brauchte als Reden? Wann war das letzte Mal gewesen? Sie wollte es lieber nicht nachrechnen. "Können wir nicht ins Motel gehen?", hörte sie sich sagen. Michael staunte. "Ins Motel?", fragte er nach, "sind sie sicher?" Sie nahm einfach seine Hand und lächelte ihn an. "Ganz und garnicht. Komm schon." Sie standen auf.
Als Scully die Tür zu ihrem Zimmer aufschloss, hoffte sie inständig, Mulder würde sie nicht hören. Sie wusste ganz genau, dass dies ein großer Fehler war. Vielleicht spürte Michael das auch. Als sie ihn hereinbat, zögerte er. "Dana, ich will hier keine Situation ausnutzen..." "Mach dir keine Gedanken. Bitte." Sie zog ihn herein und schloss die Tür.
Im Zimmer blieben sie unschlüssig stehen. Danas Herz hämmerte. Doch sie brauchte das jetzt. Sie wollte sich endlich mal wieder als Frau fühlen, begehrt werden. Entschlossen ging sie auf Michael zu und umarmte ihn und küsste ihn. Michael schien ebenso unsicher, doch er erwiederte ihren Kuss. Er zog sie eng an sich und es tat so gut, männlich Wärme zu spüren. Sein Kuss wurde stürmischer und sie spürte seine Zunge. Sie ließ sich völlig gehen.
Langsam zog sie ihn Richtung Bett, zerrte sein Hemd aus der Hose und fuhr darunter. Michael war gut in Form, und hatte warme, glatte Haut. Sie spürte, wie schnell sein Herz schlug und nervös nestelte er an ihrer Bluse.
Langsam aufs Bett sinkend wurstelten sie sich aus ihren Klamotten, klackend fielen ihre Dienswaffen auf den Boden.
"Dana, ich...", begann Michael, doch sie küsste ihn wieder, ließ sich nach hinten sinken, zog ihn zu sich her. Sie spürte seine Härte und zerrte an seiner Hose, streichelte ihn zwischen den Beinen. Sie benahm sich fast wie eine nervöse Anfängerin, die etwas Verbotenes tut. Doch sie wollte nicht denken, nicht jetzt.
Seine schüchterne Hand auf ihrer Brust elektrisierte sie und sie bog sich ihm entgegen. Keuchend waren sie schließlich nackt und Dana merkte, wie erregt Michael bereits war. Schnell richtete sie sich auf und setzte sie auf ihn, nahm ihn rasch in sich auf. "Dana, oh..." stöhnte er, dann war es auch schon vorbei.
Scully konnte es nicht glauben. Sie hielt ihn umarmt, spürte sein rasendes Herz. Eine große Leere breitete sich in ihr aus, doch sie konnte Michael nicht böse sein. Sie hätte sich einfach mehr Zeit lassen sollen. Mein Gott, sie war eine echte Niete im Bett!
"Es tut mir so leid", hauchte er an ihrem Hals. "Schon in Ordnung", brachte sie heraus und löste sich langsam von ihm. In seinen Augen schwamm es und er tat ihr leid. Offenbar war dies hier auch nicht gerade etwas Alltägliches für ihn.
"Mir tut es leid, Michael", sagte sie und zog die Decke um ihren Körper, "das hier war ein Fehler meinerseits." Sie streichelte seinen Rücken und er sah zu Boden. "Es ist ein Weilchen her bei mir..." begann er. "Du must dich nicht erklären. Wir alle haben unser verkorkstes Liebesleben, schätze ich." "Das muss am FBI liegen", seufzte Michael und Scully musste lachen. Da war was Wahres dran!

Plötzlich klopfte es. "Scully? Schläfst du schon?" Es war Mulder! Michael und Scully sahen sich an. "Und jetzt?", fragte er. "He, Scully!" wieder klopfte Mulder. Entschlossen stand Scully auf, zog sich hastig etwas über und öffnete die Tür einen Spalt. "Was ist?" Mulder hielt einen Stapel Blätter in der Hand und machte Anstalten, reinzukommen, doch Scully ließ ihn nicht. "Ich war schon im Bett." sagte sie. Er sah sie erstaunt an. "Aber jetzt bist du wach, oder? Ich muss dir was zeigen." "Morgen." Sie hielt die Tür fest. "Was ist denn, Scully? Ich tu dir schon nichts. Komm, lass mich kurz rein." "Nein." Scully zitterte leicht. Mulder starrte sie kurz durchdringend an als wollte er ihre Gedanken lesen. Dann zuckte er die Schultern. "Nun, dann eben morgen. Aber schlaf nicht zu lange, wir müssen noch wohinfahren." Er drehte sich um und ging. Rasch schloss Scully die Tür.

"Ich gehe jetzt besser." Michael hatte ich bereits angezogen. "Hier ist ein Hinterausgang, dann sieht er mich nicht." Er verstand Scully genau und sie war ihm dankbar. Sie nahm seine Hand. "Michael..." "Schon gut", sagte er warm, strich ihr eine Haarsträne aus dem Gesicht. "Ich weiß, du liebst ihn, nichtwahr?" Scully wurde rot und schluckte schwer. "Ich weiß nicht... es ist so kompliziert!" "Das ist es immer. Gute Nacht, Dana. Ich hoffe, Mulder hat etwas herausgefunden und wir lösen schnell diesen Fall. Mach dir keine Gedanken über das hier." Er verschloss sich mit den Fingern die Lippen und lächelte. "Mulder ist zu beneiden." Dann ging er.

Dana setzte sich auf Bett und seufzte tief. Wieso konnte sie nicht so einen Mann lieben? Michael war freundlich, gutaussehend und führte sicher keinen so verrückten Kreuzzug wie Mulder. Und dennoch... konnt sie sich überhaupt noch ein Leben denken ohne Mulder? Ohne es zu merken war auch sie zu einer sozialen Außenseiterin geworden. Selbst frühere Freundinnen meldeten sich nicht mehr, denn was sollte sie mit denen reden? Aus was bestand ihr Leben? Wie oft hatte sie versucht, auszubrechen? Sie schaffte es einfach nicht. War das was sie für diesen Mann empfand wirklich Liebe oder nur eine irrationale Angst ohne ihn völlig alleine und isoliert zu sein?
Sie ging unter die Dusche und brütete dort lange vor sich hin. Wie kam sie da nur wieder raus? Schließlich nahm sie eine Tablette und ging ins Bett.

Als Mulder wieder an ihre Tür hämmerte fuhr sie aus einem tiefen, traumlosen Schlaf hoch und fühlte sich sofort wieder elend. Sie stand auf und rief: "Mulder, bist du das?" "Ja! Mach rasch, ich warte schonmal im Wagen!" "Mulder, ich bin noch nichtmal angezogen!" Was hetzte er nur so? Ein Blick auf den Wecker zeigte halb sieben. Mulder gab keine Antwort, also nahm sie an, dass er zusammen mit seiner Theorie schon im Auto saß. Was für ein Rücksichtsloser Kerl. Naja, sie wußte ja, es war keine böse Absicht, nur Gedankenlosigkeit.

Mit Mulder im Wagen saß Michael Summers. Er bgrüßte sie freundlich und sie war sich sicher, Mulder hatte keine Ahnung.
Während er losfuhr und Scully kaum Beachtung schenkte, redete er drauflos: "Sie hatten recht, Agent Summers, an diesem Manager war etwas faul. Ich habe gestern noch einiges herausgefunden. Erstmal: er war nicht immer Musikermanager. Er leitete Strip-Shows in Diskoteken und organisierte Miss-Wahlen. Allerdings scheiterte das schließlich daran, dass er nur rothaarige Frauen nominierte." Er grinste Scully im Rückspiegel an.
"Naja, sein Werdegang ging weiter. Er verschwand eine Weile von der Bildfläche. Die Spur führt nach Maine wo in den Jahren ’85 bis ’87 6 rothaarige Frauen ermordet wuren! Und jetzt kommt’s: er kam in den Knast, aber die Morde konnten ihm nicht nachgewiesen werden. Nun, seit 1993 ist er hier aufgetaucht und begann junge Bands zu managen. Einige schafften es sogar in die Charts. Wir treffen jetzt seine Exfrau, die wohl mit einem Musiker durchgebrannt ist...."
"Der Fall hört sich gelöst an!", meinte Summers anerkennend. "Naja, wir müssen ihm die Morde ja noch nachweisen", gab Mulder zu bedenken. "Ich frage mich nur, Agent Summers, wieso haben sie uns gerufen? Sie hatten den Kerl doch auch in Verdacht! Dies hier ist eigentlich kein Fall für uns, sie müssen wissen wir arbeiten...." "ja, ich weiß, Agent Mulder", unterbrach ihn Summers, "sie arbeiten an unerklärten Phänomenen. Ich hatte Sam Hutchense in Verdacht, das ist richtig. Dennoch hatte er für alle drei Morde ein Alibi und ausserdem die verschwundenen Hände..."
"Womöglich als Racheakt weil er verlassen wurde", schaltete sich Scully ein. "Das amputieren der Hände als mögliches Symbol, weil seine Frau angefaßt wurde. Der Mann ist ja wohl hochgradig gestört, wenn er damals diese Frauen umgebracht hat!"
"Hallo, das habe ich ja richtig vermisst!", meinte Mulder und sah Scully im Rückspiegel an. "Bist du wieder munterer?" "Mir geht’s gut." murmelte sie.

Als sie vor dem kleinen Haus hielten, sahen sie eine zierliche Frau mit flammend roten Haaren, die hastig ein paar Koffer in ein Auto stopfte. Als sie die Agenten aussteigen sah, erstarrte sie zunächst, dann seufzte sie resigniert und kam auf sie zu. "Sie sind schon da? Hatten wir nicht 8 Uhr ausgemacht?" Mulder und Summers warfen sich Blicke zu. "Na, da hätten wir sicher Pech gehabt, oder?" grinste Mulder. "Können wir reingehen, Mrs Hutchense?" Die Frau nickte und sie folgten ihr ins Haus.

Nach einigem hin und her erfuhren sie, dass Angie Hutchense von ihrem Mann bedroht worden war. Sie wollte abhauen. Sie behauptete, dass seine Alibis getürkt waren und er der Täter sei. Summers machte sich zufrieden Notizen, Scully saß gedankenverloren daneben, aber Mulder wanderte unruhig im Haus umher. Irgendetwas stimmte hier nicht. Er zog ein paar Schubladen auf, blickte hinter Türen, sah die Treppe hoch, betrachtete Bilder. Sein Gefühl für ungewöhnliches führte ihn schließlich zu einer kleinen Klappe unter der Treppe, die sich nicht öffnen ließ.

"Vielen Dank, Angie", sagte Scully gerade und stand auf, als Mulder wieder ins Zimmer kam, "aber es wäre schön, wenn sie hierblieben, bis wir ihren Exmann dingfest gemacht haben." "Könnte ich einen Blick in diesen Treppenschrank werfen?", wollte Mulder wissen. Angie fuhr zusammen. "Wie? Ach, das, da ist nur Gerümpel drin. Ich weiß auch garnicht, wo der Schlüssel ist." Sie lachte nervös. Mulder konnte penetrant sein. "Ich würde gerne reinsehen", forderte er ruhig.
Summers sah ihn fragend an, doch er folgte wortlos Angie, die in die Küche lief.

"Wie geht es dir?", flüsterte Michael zu Scully, "du siehst müde aus." "Ja, ich hatte eine Tablette genommen. Ist schon in Ordnung. Danke, Michael." Sie legte ihm die Hand auf den Arm, als sie einen Schrei hörten: "Scully! Summers! Schnell!"
Sie liefen in den Flur. Mulder kniete vor der Öffnung und starrte in eine Schachtel, die er in der Hand hielt. Ein verdächtiger, moderiger, brechreizerregender Geruch entströhmte ihr. Mit verzogenem Gesicht hielt er den Beiden die Box entgegen.
"Oh mein Gott!" rief Summers aus. In der Box lagen menschliche Hände!

"Wo ist sie?", Scully griff nach ihrer Waffe. Mulder sah sie an und sprang auf. Als Scully Richtung Küche lief, schrie Mulder ihr noch nach: "Pass auf!" Da sah sie den Schatten und duckte sich automatisch.
Das Beil sauste herab und streifte noch ihren Arm, dann donnerte es in den Boden. Angies Gesicht war wahnsinnig verzerrt, als sie sie Arme wieder hob. Mulder schoss vor und warf sich über Scully, während Summers geistesgegenwärtig einen Schuss auf Angie abgab.
Alles passierte rasend schnell und Scully spürte nur einen pochenden Schmerz im Arm. Ebenso fühlte sie Mulders starke Arme um sie und sie hob den Kopf.
"Bist du verletzt?", fragte er sanft und gab sie langsam frei. "Dana, du blutest ja!" rief jetzt Agent Summers aus. Angie lag stöhnend auf dem Boden und Mulder sah Summers merkwürdig an. Er fragte jedoch nichts, sondern griff nach seinem Handy um einen Krankenwagen und Polizei zu rufen.

Als der Sanitäter gegangen war, saß Scully auf ihrem Bett im Motel und hielt ihren bandagierten Arm fest. Mulder und Summers waren nochmal losgefahren, um nach Hutchense zu suchen, aber es war eindeutig, dass Angie die Täterin war. Wie doch Liebe und Wahnsinn nah beieinander lagen! Dachte Scully. Sie wußte auch, sie musste jetzt endlich etwas ändern an ihrer Beziehung zu Mulder. Sie musste sich Klarheit schaffen, egal, wie es ausging.

Als sie Autotüren-klappen hörte, fuhr sie hoch. Sie war doch tatsächlich eingedöst! Sie erhob sich und wartete, dass Mulder anklopfen würde. Doch nichts dergleichen geschah. Scullys Arm schmerzte und sie ging zum Fenster. Eindeutig ihr Mietwagen da draußen.
Kurz entschlossen fuhr sie sich durch die Haare und ging hinüber zu seinem Zimmer.

Erst nach mehrmaligem Klopfen öffnete Mulder ihr. Er trug ein TShirt und Shorts und sah aus, als wollte er schon ins Bett gehen. "Was ist?", fragte er und sie konnte seinen Blick nicht ergründen. "Mulder, willst du mir nicht erzählen, was ihr noch herausgefunden habt? Hat Angie gestanden? Was ist mit Hutchense?" Mulder machte einen Schritt zur Seite und bedeutete ihr, hereinzukommen.
"Hutchense ist unschuldig, zumindest in diesem Fall", erläuterte er währen sie sich aufs Bett setzte. "Seine Ex hat einen ziemlichen Wahn seit sie mit ihm zusammen war. Er muss sie ziemlich gequält und auch geschlagen haben. Als der Typ mit dem sie durchgebrannt ist etwas grob wurde, ist wohl eine Sicherung bei ihr durchgebrannt. Ein paar Bandmitglieder haben bestätigt, dass sie die Gitarristen regelrecht angebaggert hat, aber nach dem dritten Mord, wurde sie gemieden. Es kann natürlich sein, dass Hutchense mitgemacht hat, aber das ist unwahrscheinlich. Summers verhört ihn noch.
Du kannst ihn ja morgen anrufen, er wird dir sicher Bericht erstatten."
Sein letzter Satz klang mehr als zynisch und Scullys Blick fuhr hoch. Dann schluckte sie. "Eine gute Idee. Summers ist ein guter Agent." "Auch ein guter Liebhaber?" entfuhr es Mulder und er klang sogar sauer. "Weiß ich doch nicht", nuschelte Scully und wollte plötzlich gehen. Was wurde aus ihrem Vorsatz, Klarheit zu schaffen?
"Scully, ich bin kein Blödmann und taub bin ich auch nicht", meinte Mulder. "Wieso hast du das getan?" "Gestern war mir nach Sex und Michael war verfügbar!" fauchte Scully. Mulder sah erschrocken drein. "Hat es dir so viel ausgemacht, ich meine, das mit Jana?", fragte er. Irgendwie lag jetzt überhaupt kein Zynismus mehr in seiner Stimme. Er setzte sich neben sie.

Scully sah ihn an. Wie warm seine Augen dreinblicken konnten. Sie wollte diesen Mund küssen. Sie wollte seine Brust an ihrer spüren... ohne nachzudenken beugte sie sich vor und presste ihre Lippen auf seine. Sie fühlte, wie er scharf den Atem einzog, doch er wich nicht zurück. Scully wurde intensiver. Sie schob zart ihre Zunge vor, drang in seine Mund ein. Sein Atem ging schneller und sie legte ihre Hand auf seinen nackten Oberschenkel. Strich daran hinauf.
Ihre Zungen begegneten sich, heiße Erregung durchfuhr Scullys Körper und konzentrierte sich zwischen ihren Beinen. Ihre Hand hatte einen Punkt erreicht, an dem sie zögerte, doch nun spürte sie seine Hand die sie weiter führte zu einer sehr warmen, harten Stelle.
Ein stöhnen entfuhr ihm. "Scully...Dana..." hauchte er und löste sich von ihrem Mund. Sah ihr in die Augen. Das Verlangen in seinem Blick machte Scully vollenz schwach. "Sag jetzt bitte nichts", flüsterte sie und schlang die Arme um ihn. Sie ließ ihre Küsse über seinen Hals bis zu seinem Ohr wandern und knabberte zärlich daran. Sie spürte, wie sich die Haare in seinem Nacken sräubten und seine Hände zogen langsam die Bluse aus ihrer Hose.
Seine schlanken Finger wanderten ihren Rücken hinauf und berührten genau die richtigen Stellen, um ihr ein Seufzen zu entlocken. Er schien Zeit zu haben. Genoss den Augenblick.
Scully wollte ihn spüren, ganz und gar. Sie zerrte an seinem TShirt, hatte es ihm bald über den Kopf gezogen. Sie bedeckte seine Brust mit kleinen Küssen, er schmeckte einfach wunderbar. Sie fuhr mit der Zunge über seine Brustwarzen. Wieder stöhnte er.
Geschickt hatte er ihre Bluse augeknöpft und berührte ihren Busen über dem dünnen BH. "Tut der Arm sehr weh?", fragte er leise, als er ihren Verband berührte. "Es geht schon", flüsterte sie und ließ ihre Hand zu seinem Hosenbund wandern. Ob sie sich wieder so dumm anstellen würde wie bei Michael? Ob sie wieder alles verpatzte? Ausgerechnet jetzt?
Sie bekam plötzlich angst und zögerte. "Was ist denn?", keuchte er und nahm wieder ihre Hand. "Ich ich..", stotterte sie. "Schon gut. Entspann dich einfach." Seine Stimme klang sehr zärtlich. Er drückte sie sanft zurück in die Kissen und befreite sie von ihrer Bluse. Dann von ihrem BH. Sie schauderte. Wie er sie ansah! Fand er sie überhaupt attraktiv? "Ohh!" entfuhr es ihr, als er seine Lippen auf ihre Brustwarzen senkte, zärtlich daran saugte und sie küsste. "Du bist wunderschön", flüsterte er dabei. Seine Küsse wanderten tiefer, über ihren Bauch, umkreisten ihren Bauchnabel, küssten immer tiefer, wärend er ihr die Hose und den Slip über die Beine streifte.
Ihre Hände versanken in seinem dichten Haarschopf. Leise stöhnte sie. Diese wahnsinns-Lippen wanderten wieder hoch, verweilten kurz in ihrem Schamhaar. Seine Hände waren überall an ihrem Körper, dann zog er sich wieder hoch und küsste sie wieder auf den Mund. Durch seine Boxershorts konnte sie genau seine pochende, drängende Härte spüren und sie wollte nichts mehr, als diese in sich zu haben.
Entschlossen schob sie ihm sie Shorts über den Po und er gab kurz einen überraschten Laut von sich. Völlig nackt war er nun über ihr und schien zu warten. Er bedrängte sie nicht, ließ ihr Zeit. Ihre kleine Hand wanderte seinen Bauch hinunter, feine Haare verdichteten sich unter seinem Bauchnabel und sie umschloss seinen Penis und streichelte ihn schüchtern. Er drängte nun erregt gegen sie und sie zog rasch die Hand zurück. "Was ist?", hauchte er und küsste ihre Augenlider. "Ich will nicht, dass...", stotterte sie unsicher. Küsse am Ohr, am Hals. "Keine angst, ich kann noch etwas warten", flüsterte er. "Komm bitte her, jetzt", sagte sie atemlos und nahm seine Hüften, zog in näher zu sich.
Sie öffnete ihre Schenkel und hielt kurz den Atem an als sie spürte, wie groß er war. "Ich tu dir nicht weh", sagte er leise. "Führ mich doch..." Er nahm ihre Hand und sie umfasste ihn, leitete ihn zärtlich zum richtigen Punkt.
"Es ist so wunderschön, Dana, du bist wunderschön", hauchte er, als er vorsichtig in sie eindrang. Sie bog sich ihm entgegen und stöhnte auf. Mein Gott, sie fühlte, fühlte so intensiv!
"Ist es in ordnung so?" fragte er. Zur Antwort zog sie ihn noch näher her, nahm ihn auf in einem langsamen Rythmus. Ihr ganzer Körper wollte ihn verschlingen! Bei jeder seiner Bewegungen merkte sie, dass es diesmal ganz anders sein würde, es würde richtig sein, perfekt. Ein leichter Schweißfilm bildete sich auf seinem Rücken, Scully selbst war es auch heiß, aber es war eine erregende Mischung. Sie fühlte leichte Schauer durch seinen Körper fließen, doch er hielt sich zurück, ging ganz auf sie ein.
Ihre Fingernägel zeichneten Spuren auf seinem Rücken und sie spürte sich eine Welle durchspülen, die von ihrem Unterleib ausging und ihren gesamten Körper mitriss, so daß sie nicht anders konnte als laut aufzuschreien. Immer und immer wieder und sie versank völlig in diesem Gefühl, das sie ihr komplettes Bewusstsein ausklinken ließ, wie sie es noch nie erlebt hatte.
Wie von weiter ferne fühlte sie wie Mulder sich aufbäumte und in pochenden Kontraktionen kam, keuchend sank er auf sie nieder und vergrub sein Gesicht in ihrer Halsbeuge.

Als Scully aufwachte, schimmerte das erste Tageslicht durchs Fenster. Ein diffuses unwirkliches Licht durchflutete den Raum. Sie wandte sich langsam um und betrachtete den schlafenden Mann neben sich. Es war ein völlig anderer als ihr Partner, den sie jahrelang kannte. Leidenschaftlich, zärtlich, verletzlich.
Sie fuhr ganz leicht die Konturen seiner Augenbrauen nach, die ihm diesen unschuldigen Blick verliehen. Dann beugte sie sich vor und küsste seine Augenlider, seine dunklen Wimpern. Mulder seufzte leise, wachte jedoch nicht auf. Ihr Mund wanderte über seine Wangenknochen, seinen etwas kratzigen Unterkiefer, streifte seine Lippen, die leicht geöffnet waren. Sie setzte einen Kuss auf seine markante Nase. Sie genoss es, auf diese Weise sein Gesicht zu erkunden, das sie in und auswändig kannte.
Ihre Küsse wanderten weiter über seinen Hals, sein Schlüsselbein, seine Brust, deren Haare sie in der Nase kitzelten. Sie genoss das langsame pochen seines Herzschlages und legte den Kopf darauf. Ihre Hand wanderte über den flachen Bauch, umkreiste seinen Bauchnabel, der eine perfekte, runde Vertiefung bildete. Sie konnte nicht widerstehen und beugte sich hinunter um auch ihn zu küssen und ihre Zunge hineinwandern zu lassen. Plötzlich sah sie, dass eine Gänsehaut, ausgehend von unten seinen gesamten Körper überzog.
Mulder machte eine träge, genießerische Bewegung und Scully musste lächeln. Er dachte wohl, er träumte! Die Reaktion unter der Decke war auch enstprechend und es war ihr nun fast peinlich, dass sie das Ganze angefangen hatte.
Dennoch fand sie es unglaublich reizvoll. Sie spürte, wie sein Herz schneller schlug und seine Hand unter die Decke glitt. Er würde doch nicht... atemlos sah sie ihn an, doch seine Hand verharrte und er schlief weiter.

Nachdem sie sich in der vorigen Nacht geliebt hatten, hatten sie nicht viel geredet. Beide waren erfüllt von dem Geschehenen und genossen einfach das Hier und Jetzt, eng aneinandergekuschelt. Mulder war als erstes eingeschlafen. Scully braucht noch etwas länger, doch diesen Mann neben sich zu spüren, den sie liebte, gab ihr ein Gefühl der Geborgenheit, das ihr so gefehlt hatte.

Gerade als Scully überlegte, ob sie einfach weitermachen sollte, klingelte ihr Handy in der Jacken-tasche. Rasch griff sie neben das Bett und holte es heraus, hoffend, dass Mulder nicht wach wurde. "Ja?", flüsterte sie hinein. "Hier ist Sam Hutchense", hörte sie eine Stimme. "Könnte ich sie vielleicht treffen, Agent Scully? Es ist wichtig! Es geht um Angie." "Haben sie nicht schon alles mit Agent Summers besprochen?", fragte Scully leicht misstrauisch und noch ganz auf Mulder konzentriert. "Ja, das stimmt. Ich wurde gerade nach Hause entlassen. Aber mir ist noch was wichtiges eingefallen und habe Agent Summers nicht erreicht." "Na schön. Wo?" Scully war neugierig, denn diesen Hutchens hatte sie noch nicht zu Gesicht bekommen. Er beschrieb ihr ein Café am Stadtrand in der Nähe einer Übungshalle und sie zog sich leise an. Ehe Mulder etwas merkte, war sie schon losgefahren.

In dem Augenblick als sie vorfuhr merkte Scully, dass es ein Fehler gewesen war. Sie ärgerte sich, dass sie Mulder nicht geweckt hatte! Rasch griff sie nach ihrem Handy und tippte gerade seine Nummer ein, als sich ein Arm von hinten um ihren Hals schlang. Bevor sie nach ihrer Waffe greifen oder schreien konnte, hatte Hutchense sie schon in den Wagen gestoßen, ihr die Faust ins Gesicht geschmettert, sich ans Steuer gesetzt und war davongerast.

Noch während der Fahrt kam Scully wieder zu sich. Sie war ja so dumm! Alle hatten die Wahrheit, die Zusammenhänge die Mulder herausgefunden hatte, ignoriert! Wieder einmal. Rote Haare! Hutchense hatte schon Angie umbringen wollen, es aber nicht geschafft. Sie war durchgedreht, hatte die Gitarristen gekillt. Was für eine kranke Welt!
Vorsichtig richtete sich Scully auf und schmeckte Blut an ihrer Lippe. Mistkerl elender. Sie wurde sauer. Sie wusste, der würde nicht so leicht fertig mit ihr! Trotzdem hoffte sie, dass Mulder und Summers schnell handelten. Summers kannte sich hier aus und würde sie vielleicht bald finden!

Michael Summers trommelte gegen die Moteltür und Mulder fuhr auf. Kurz musste er sich sammeln, sah sich suchend nach Scully um. "Mulder!", schrie Summers, "kommen sie schnell! Verdammt, Scully!" Rasend schnell zog Mulder sich an, riss währenddessen die Tür auf. "Was ist?" "Hutchense!" Summers sah gehetzt aus, "er hat Scully! Ein paar Jungs aus dem Sound-Café haben es gesehen, aber er ist zu schnell weg! Los, kommen sie!"
Mulder krallte sich nur noch seine Waffe und folgte Hutchense. Wie hatte das nur passieren können? Wieso hatte er nichts gemerkt?

Hutchense fuhr schnell. Scully merkte, sie waren auf dem Highway. Fieberhaft suchte sie im Wagen umher und überlegte, was sie tun konnte. Ihr Handy!! Es lag unter dem Fahrersitz! So vorsichtig sie konnte zog sie es mit dem Fuß zu sich her. Hutchenses bedrohliche Augen wanderten immer wieder in den Rückspiegel so bemühte sie sich, möglichst hilflos dreinzuschauen. Er fuhr noch schneller und sagte nichts. Darüber war Scully froh.
Endlich war das Handy nah genug und sie schnappte es sich blitzschnell, drückte auf Empfang. Dann auf die Stummschaltung. Dann 911.

Während Mulder, Summers und zwei Streifenwagen die Verfolgung aufgenommen hatten, kam ein Funkspruch rein. "Ein Notruf, aber es wurde nichts gesprochen! Der Anrufer hat aber nicht aufgelegt! Ich denke, es könnte Scully sein!", sagte der Officer. Er nannte auch die ungefähre Position des Anrufes und Summers gab noch mehr Gas.

Eben als Scully sich ziemlich in Sicherheit wiegte, bog Hutchense scharf ab, polterte über einen unbefestigten Weg, bog nochmals ab in einen kleinen Wald hinein. Nach ein paar hundert Metern hielt er an und sprang aus dem Wagen.
Er riss Scully heraus und schleppte sie zu einer kleinen Hütte, bei der er geparkt hatte. "He, Mr. Hutchense, wollten sie nicht mit mir reden?", versuchte sie den Kontakt mit ihm. "Sei blos still, Angie. Sonst schließe ich dir die Klappe!", knurrte er und stieß sie in die Hütte. "Ich bin Agent Scully, Sam!", rief sie, "Angie ist im Gefängnis! Wissen sie nichtmehr? Alles war vorbei, sie waren frei. Warum tun sie das jetzt?"
"Ihr alle!" schrie er "Habt mich betrogen! Alle! Das lasse ich mir nichtmehr bieten!" Scully ahnte, dass ein Gespräch zwecklos war, der Kerl war völlig von Sinnen. Brutal schlug er sie. Schlug sie wieder. Sie stolperte rückwärts, fiel hin. "Die Polizei weiß wo wir sind!", stöhnte sie, "Sie hätten davonkommen können! Sie machen alles kaputt!" Sam hielt inne und kniete sich zu ihr hinunter, packte sie an den Haaren. "Willst du mein Kind?", fragte er und sie bemühte sich, ihren Kopf nicht abzuwenden. "Aber natürlich, Sam", antwortete sie, "das weißt du doch." Er stieß sie zurück. "Du lügst! Ihr wollt alle nur eins: Geld! Ruhm! Rampenlicht! Und wenn ihr das habt, schmeißt ihr uns weg! Nichtmehr, verstehst du! Nicht anderes wollte ich, als eine Familie. Süße, rothaarige Kinderchen." Ganz kurz sah er hilflos und verzweifelt aus. Wie schwach die Männer doch sind, fuhr es Scully durch den Kopf, trotz all ihrer körperlichen Stärke.
"Sam", sagte sie so sanft sie konnte, denn ihre Nase tat entsetzlich weh. "Glaub mir, nicht alle sind so!" Er blitzte sie an. "Und ob!", brüllte er, "sieh dich doch an! Schicke Klamotten! Karriere beim FBI, ne Knarre! Hast du Kinder? Kannst du kochen? Wahrscheinlich fickst du deinen Partner zum Geburtstag, stimmst?" Er schlug sie wieder und ihr schwanden die Sinne. Verdammt, Mulder! Wo blieb er nur?

Während Summers Hutchense hinterherjagte, konnte Mulder sich nicht verkneifen, zu fragen: "Wieso haben sie mit Scully geschlafen?" Michael wurde leicht rot. Er knetete das Lenkrad, dann sagte er: "Es.... es hat sich eben so ergeben." "Ach ja?", knurrte Mulder, "ich kenne Dana. Sie ist nicht so." Michaels blaue Augen blitzten ihn kurz an. "Sie meinen sie kennen sie, und dennoch bekennen sie sich sich nicht zu ihr!" Mulder war verwirrt. Was hatte Scully ihm wohl erzählt? "Was soll das heißen?", wollte er wissen. "Das soll heißen dass sie....hier!" schrie Summers plötzlich und legte eine Vollbremsung hin. Jetzt sah auch Mulder die Reifenspuren. Rasch bog Summers in den Feldweg ein.

Scully spürte, dass sie hochgerissen wurde. Dann schmetterte Hutchense sie gegen die Wand und presste seine Hand gegen ihre Kehle. "Ihr seid alles Hexen! Schade, dass es die Inquisition nichtmehr gibt!" Scully spürte, wie er ihr das Kettchen mit dem goldenen Kreuz vom Hals riss, während sie nach Luft rang. Hutchense lockerte seinen Griff und hielt das Kettchen hoch. "Ha! Reine Blasphemie!"
Da flog die Tür auf und Scully hörte erleichtert Mulder brüllen: "Keine Bewegung! Ich schieße, das ist mein Ernst!!"
Hutchense machte eine rasche Bewegung, da krachte ein Schuss. Sam fiel vor Scully zu Boden und auch sie konnte sich nichmehr auf den Beinen halten. Mulder sprang vor und fing sie auf, zog sie weg von Hutchense. Er hob sie hoch auf die Arme und währen die Polizeibeamten in die Hütte stürmten, trug er sie nach draussen und legte sie vorsichtig auf den Rücksitz seines Wagens. Es machte ihn total verrückt, sie so zerschlagen zu sehen und machte sich noch immer heftige Vorwürfe, sie nicht weggehen gehört zu haben.
"Dana", flüsterte er und streichelte ihr Haar, "ich liebe dich auch." Er küsste ihre Stirn und sah auf als Summers angelaufen kam. "Ist Hutchense tot?", fragte Mulder. Michael schüttelte den Kopf. "Zum Glück kann ich gut schießen. Wenigstens etwas, das ich kann", fügte er mit einem Blick auf Scully hinzu.
Mulder wusste nicht, was er davon halten sollte. "Sie braucht einen Krankenwagen, Agent Summers. Können sie einen anfordern?" "Ist sie schwer verletzt?" Summers griff nach seinem Handy. "Soweit ich sehen kann, nicht." Mulder berührte Scullys Hals, wo man noch immer die Abdrücke von Hutchenses Hand sehen konnte. Er strich ihr über die Wange, dann sah er hoch zu Summers. "Dank ihnen ist das hier nochmal gutgegangen, gut gemacht", sagte er. Summers nickte nur und wandte sich ab.

 
2 Tage später

"Hallo, Dana!" Als die Tür des Krankenhauszimmers aufging, drehte Scully den Kopf. Herein kamen Sheila, Tina und Jana, beladen mit Obst und Blumen. Jana legte ihr noch schüchtern ein kleines Päckchen auf die Decke. "Vielleicht muntert dich das auf, ein Buch!", sagte sie. Scully lächelte. "Solange ihr mir keinen Spiegel bringt!" "Na, Humor hast du ja noch!", meinte Sheila. "Mein Gott, wenn ich dran denke, während ich Hochzeit gefeiert habe, hast du dich mit einem Mörder geprügelt! Mann, ich möchte wirklich nicht mit dir tauschen!" "Ich glaube, die bekommt mal eine Tapferkeitsaus-zeichnung!" grinste Tina.
Scully setzte sich vorsichtig im Bett auf und betastete ihre verpflasterte Nase. "Sehe ich so schlimm aus?", fragte sie besorgt. Die Mädchen warfen sich Blicke zu. "Neeeiiinnn", riefen sie dann wie aus einem Mund. "Allerdings bekommst du jetzt sicher Probleme, deine Wette einzulösen!" "Die hatte ich doch schon gewonnen, dachte ich!", empörte sich Scully. "Außerdem habe ich sie eingelöst!"
Herausfordernd sah sie die Mädchen an. Alle drei klappten die Münder auf, besonders Jana. "Du hast..." begann Sheila, "mit Mulder...." "Ganz recht!", kam eine Stimme von der Tür her und die drei fuhren herum. "Hallo zusammen!" Mulder trat grinsend ein und ging selbstbewußt auf Scully zu. Dann küsste er sie vorsichtig und zärtlich auf den Mund.
"Mannoman!", rief Tina. "Ich glaube, wir gehen lieber", sagte Jana, die Mulder nicht in die Augen sehen konnte. "Tschüss ihr beiden!", fügte Sheila hinzu. "Viel Spaß noch!"
"Ich habe noch einen Vorschlag für euch Mädels", meinte Mulder, "legt doch eine Akte an mit den neuesten Gerüchten und stellt sie hier ins Intranet. Update bitte täglich, damit wir auch auf dem Laufenden sind! Ich wüsste zu gerne mal was über Skinner!" Er nickte den dreien zu, die nervös kichernd aus dem Zimmer liefen. Kaum waren sie draußen begannen sie hysterisch zu lachen und liefen quatschend zur Caféteria der Klinik.

"War das wiklich nötig?", fragte Scully. Mulder zuckte die Schultern und setzte sich zu Scully aufs Bett. "Ich habe hier etwas für dich. Agent Summers hat es schicken lassen." Er gab ihr ein kleines Päckchen. Verwundert sah sie ihn an und öffnete es. "Oh!", rief sie aus, "sieh nur." Sie zog ihre Goldkette mit dem Kreuz heraus. "Irgendwie findet es immer wieder zu dir zurück", lächelte er.
Er streichelte ihr Haar und küsste sie nochmals. Sie schloss genüsslich die Augen.
"Wie geht es dir?", fragte er. Wortlos wies sie auf ihre Nase. "Dieses Schwein hat mich ganz schön ramponiert! Sicher sehe ich jetzt aus wie eine Schlägerin oder sowas!" "Keine angst, ich bin sicher bald hast du dein perfektes Näschen wieder. Aber eins musst du mir versprechen." Seine Augen wurden ernst. Sie schluckte. "Was denn?" "Schleich dich nie wieder weg, okay? Beihnahe wärst du getötet worden, nur durch deinen Leichtsinn. Ich hätte dich verloren..." er brach ab. Scully strich ihm über die Wange. "Ich verspreche es", flüsterte sie. "Das war sehr dumm von mir. Aber diese Nacht hat mir ziemlich viel von meinem Verstand geraubt."
"Das wird unsere Arbeit in Zukunft vielleicht noch öfter erschweren!", lächelte er. Sie griff seine Hand und drückte sie ganz fest. Tränen schwammen in ihren blauen Augen. "Fox...", begann sie, doch er legte sachte seine Finger auf ihre Lippen. "Nenn mich bitte Mulder", sagte er leise, "so wie all die Jahre!" Scully nickte. Glück stieg in ihr hoch. Sie wusste nicht, was die Zunkunft bringen würde, doch er stand zu ihr und das gab ihr Sicherheit.
Sie wußte, so lange er bei ihr war, konnte ihr nichts geschehen.

---- Ende ----



Anmerkung:
In manchen NC-17 Geschichten wird der Sex ziemlich krass und extrem beschrieben. Klar, ist es jedem selbst überlassen, wie er die Sache darstellt. Ich glaube jedoch nicht, dass M & S sich so verhalten würden, irgendwie passt das nicht. Ich habe Scully deshalb etwas unbeholfen dargestellt, weil ich mir das eher vorstellen kann. Ich hoffe, euch gefällt diese Darstellung!

Bis bald wieder,
Babs