Titel: Was für ein Happy End... (1/4)
Autor: Kel
Kontakt:
Waage14@aol.com
Rating: PG-13
Kategorie: V, MSR
Spoiler: Hm, ich würde mal sagen, dass alles ein wenig mit Scullys Entführung zu tun hat. Es gibt auch ein ganz kleines Wörtchen zu Emily... aber nur ganz, ganz klein.
Short-Cut: Es gibt Menschen, die wissen, was einem anderen Menschen fehlt, ohne, dass diejenigen es zeigen oder sagen. Ein kleine Operation und die Welt ist in Ordnung? Ich denke nicht so...
Disclaimer: Diese hier verwendeten Personen sind Eigentum von 20th Century FOX, Chris Carter und Ten Thirteen Productions. Alle anderen Personen, die in der Fernsehserie Akte X nicht vorkommen sollten, sind aus meinem eigenen genialen Gehirn entsprungen. Falls ich einen Namen aufgegriffen haben sollte, der euch bekannt vorkommt, zeigt mich bitte nicht an! Denn das wusste ich ja nicht, oder???
Eine kleine Autorennotiz noch am Anfang: Ich würde mich sehr über Feeback freuen. Glaubt mir, es ist echt deprimierend, wenn man etwas schreibt und keiner Kritik sendet. Zum Glück war das bei mir noch nie der Fall, dennoch weiß ich, dass es ein paar Leute mehr da draußen gibt, die diese oder vielleicht schon eine andere Geschichte von mir gelesen haben und einfach kein Feedback geschrieben haben. Grrr..... Das macht mich irgendwie traurig. Hey, ein rasches Danke noch an meine erste Internetfreundin, die diese Geschichte als allererstes gelesen hat! Sorry, dass ich nicht zurückgeschrieben habe, aber ich habe deine eMail Adresse verlegt ;) Bitte melde dich, wenn du dich hier erkennen solltest!!! Und noch an alle ein dickes Lob und ein fettes Küsschen, die mich kennen sollten.
Was ein Happy End
1/4
Eines Abends war Mulder bei mir, mein Partner und mein bester Freund. Ich kenne ihn nun schon seit mehr als ein paar Jahren. Ich kann meine Gefühle für ihn gar nicht in Worte fassen. Er ist einfach ... unglaublich. Was mich am meisten stolz macht, ist die Tatsache, dass ich seine einzige Vertraute bin. Woher ich das weiß? Er hat es mir gesagt. Aber ich wusste es schon vorher. Es war einfach immer ein Band zwischen uns dagewesen, welches uns in schwierigen Situationen zueinander finden ließ. Es ist so leicht zu sagen, dass man einen Menschen vertraut. Aber in meinem Falle ist es wirklich so. Ich vertraue ihm so sehr, denn er ist der Einzige auf der Welt, mit dem ich schon in manchen brenzligen Situationen gesteckt habe und er es immer wieder geschafft hat, mich zu retten. Sein Ehrgeiz und sein Mut haben mich befreit und jedes Mal, wenn ich danach in seinen Armen lag und meinen Kummer, aber auch meine Freude über seine Anwesenheit aus mich heraus geschluchzt habe, wusste ich mit einer Sicherheit, die man nur einmal in seinem Leben haben kann, dass er das einzige männliche Geschöpf ist, von dem ich nicht getrennt sein möchte. Er ist etwas, das ich nicht hergeben möchte. Und das ich auch nie werde. Mulder ist mein Freund. Und daran wird sich auch nichts ändern, nie.
Er war nun bei mir an diesem bestimmten Abend. Ich sah durch meinen Spion und öffnete dann die Tür.
"Hey", lächelte er und ich bat ihn herein. Er hatte vorher angerufen und so konnte ich mich noch schnell fertig machen. Ich hatte eigentlich vorgehabt, früher ins Bett zu gehen, da ich an diesem Tag wirklich ausgepowert nach Hause kam, aber er hatte wohl etwas dagegen gehabt und mir versichert, dass es auch nicht lange dauern würde. Also zog ich mich wieder um und nun stand ich vor ihm. Ich war neugierig, wirklich sehr neugierig.
"Nimm es mir nicht übel, Mulder", fing ich an und stocherte nach den Worten, "aber ich kann mir kaum vorstellen, dass du hergekommen bist, um mit mir über irgend einen Fall zu sprechen, schließlich haben wir dafür immer das Telefon benutzt. Also was gibts?",, fragte ich und sah ihn in die Augen.
Auf seinem Mund machte sich der Anfang eines Lächelns breit und bevor ich mich versah, griff er nach meiner Hand und gab mir meine Winterjacke. "Was wird das?",, fragte ich lächelnd und ich konnte den Glanz in seinen Augen sehen. "Zieh sie einfach nur an, Scully", forderte er mich auf und ich schlüpfte ohne Widerworte in die Ärmel. Stumm holte ich meine Stiefel und zog sie an. Es muss dazu gesagt werden, dass es an diesem Abend geschneit hatte und es war draußen wirklich sehr, sehr kalt. Er öffnete die Wohnungstür und ich folgte ihm.
Mulder wartete, bis ich meine Wohnungstür abgeschlossen hatte, bevor er sich in Bewegung setzte. Wir liefen ein Stück nebeneinander, bis ich es wirklich nicht mehr aushielt. "Mulder?", fragte ich etwas unsicher, ich wollte ihn nicht verletzen. Ich blieb stehen und er drehte sich fragend um. "Scully?", "Mulder, was wird das, hm? Mir ist wirklich kalt und ich ..." Seufzend gestikulierte ich mit meinen Händen. Ich fand die passenden Worte nicht.
Er kam einen Schritt auf mich zu und sah wieder erstaunlich tief in meine Augen. "Ich weiß nicht, wo ich das hier einordnen soll, Mulder. Mir ist nicht wohl dabei und ich..." "Wovor hast du Angst, Scully?", fragte er mich mit einer sanften Stimme und ich starrte ihn an. Sag du es mir, Mulder, dachte ich bei mir und schaute verunsichert auf dem von Schnee bedeckten Boden.
"Keine Angst", flüsterte er vor meinem Gesicht und umschloss es mit seinen warmen Händen. Im Gegensatz zu ihm hatte ich eiskalte. Er war nicht aufgeregt, kein bisschen. "Hab` keine Angst, Scully. Ich will dir nicht weh tun. Ich möchte dich wieder glücklich machen, also vertrau mir. Bitte." Mich wieder glücklich machen? Mulder, ich ... Ich konnte plötzlich seine Daumen auf meinen Wangen kreisen fühlen, zart und einfühlsam, wenn auch nur kurz. Er streichelte über sie, bevor er mich an die Hand nahm. Wir liefen stumm die Straße weiter entlang.
Das einzigste, was ich in dem Moment fühlen und spüren konnte, war meine Hand in seiner. Und als wir unsere Schritte weiter verfolgten, kam mir nur dieser eine Gedanke: Hier und jetzt waren wir für andere Leute ein Paar. Und ich versuchte, dem gleich zu fühlen.
***
Ich öffnete langsam meine Augen und erkannte rasch, dass ich wieder in meiner Wohnung war. In meinem Bett, mit einem Schlafanzug bekleidet, allein ... Allein! Ich war allein! Aber gestern, da ... rasch stand ich auf. Was war gestern nur passiert? Eine schmerzvolle Welle fuhr durch meinen Unterleib. Ihn krampfhaft festhaltend sank ich zurück auf mein Bett. Ich versuchte mich trotz der Schmerzen an gestern zu erinnern und mit jeder Sekunde, die verstrich, kamen mir die einzelnen Gedanken, die in Bilder vor meinen Augen widergespiegelt wurden, in Erinnerung.
Da war ... nein! Tränen schossen in meine Augen und ich wandte mich auf meinem Bett. Ich war von einem beißenden Licht umgeben und wie damals ... als ich entführt wurde ... ich lag auf einem kalten, matten Gegenstand. Einer Liege. Männer in weißen Kitteln starrten auf mich herab und ich bemerkte schmerzhaft, dass ich ... halb nackt war. Ein weißes Hemd bekleidete meinen Oberkörper, der Rest war frei. Ich wollte mich aufrichten, wollte NEIN schreien, immer wieder, aber ich konnte nicht, so sehr ich mich auch anstrengte.
Ich presste die Tränen aus meinen Augen, ich hatte furchtbare Angst. Sahen sie denn nicht, dass ich Angst hatte? Dass ich weinte, weil ich nicht wusste, was sie mir antun wollten?! Ich starrte an die Decke, konnte meinen schnell rasenden Puls spüren, konnte mein Herz spüren, wie es immer schneller gegen mich schlug. Meine Hände zitterten, ich wollte mich losreißen, wollte mich befreien, aber ich war an dieser Liege gefesselt und ich konnte mich nicht bewegen!
Weinen ... weine mehr, Dana, sagte ich mir. Immer mehr weinen, dann werden sie schon merken, was sie mir antun. Aber sie hörten nicht auf. Hatten die denn keine Gefühle? Durfte man so etwas jemanden antun? Durfte man?! Kreischend hob ich meinen Kopf. Ich konnte die Hitze in meinem Körper spüren. Die Schweißperlen, die durch meine Angst, durch meine schreckliche Angst entstanden waren. Ich blickte in dunkle Augen, die keinen Schmerz nachempfinden konnten. Die eiskalt waren. Die nicht wussten, wie es ist, auf einem solchen Stuhl zu liegen, angeschnallt.
Ich sank erschöpft auf die Lehne zurück. Drehte meinen Kopf in beide Richtungen, hoffte auf jemanden, der mir helfen konnte. Der dem ein Ende setzen würde. Tränenverschmiert schaute ich auf die linke Seite. Dann auf die rechte. Und noch einmal. Und dann setzte endgültig mein Herz aus. Fassungslos schaute ich auf dem Mann, der sich an die Wand gedrückt hatte, mir mit großen Augen zusah, der nachempfinden konnte, wie groß meine Angst war!! Der wirklich nachempfinden konnte, wie groß diese gottverdammte Angst war!! Er drückte die Tränen aus seinen Augen und flüsterte kaum hörbar meinen Namen. Keine Angst, hörte ich ihn sagen. Keine Angst ... Hab` keine Angst ... "Mulder", flüsterte ich kopfschüttelnd. "Ich will das nicht ..." Ich streckte meine Finger nach ihm aus, nur meine Finger und er starrte auf sie. Ich konnte sehen, wie er seine Hände zu einer Faust ballte, sie schmerzlich an die Wand drückte. Er drehte seinen Kopf von mir weg und ich erstarrte. Hatte er etwa die ganze Zeit zu tun gehabt mit den Männern? Mit den Männern, die für all die Lügen verantwortlich waren, die mir so viel Schmerz in der Vergangenheit zugefügt hatten? Hatte er die ganzen Jahre hinweg für sie gearbeitet? Geschockt ließ ich die Spannung von meinen Fingern ... war er gar nicht der Mann, mit dem ich die ganze Zeit zu tun gehabt hatte? Dem ich an manchen Tagen private Dinge von mir erzählt habe?
Meine Augen starrten auf das Gegenüber, wanderten von seinen Schuhen auf sein schmerzverzerrtes Gesicht. Ich starrte auf seine Augen, die immer noch Tränen bildeten. Und dann drehte ich mich weg von ihm ... konnte wieder diese Männer sehen. Konnte dieses komische Gerät sehen, was über meinen Bauch schwebte und ihn langsam anhob. Wie ein Magnet blies sich mein Bauch auf. Ich konnte ihn im Liegen sehen und mir wurde bewusst, dass ich das schon einmal gefühlt hatte. Doch jetzt war es anders. Jetzt sah ich es.
Und dann dieser Schmerz ... dieser körperliche Schmerz, den ich jetzt haargenau in meinem Unterleib fühlen konnte. Was machten die da? Mulder, bitte hilf mir ... Ich schrie, wölbte meinen Kopf nach hinten, spürte diese kalten Geräte in mir und ich schloss schmerzverzerrt meine Augen. Ich versuchte mich irgendwo festzuklammern, aber ich hatte keinen Halt. Meine Finger konnten sich nur zu einer Faust zusammenballen, meine Lippen konnten sich nur zu einer festen Linie zusammenschließen und ... mein Gott, bitte Mulder!! Ich drehte mich zu ihm, schrie nach ihm ... aber er war weg. Er hatte mich allein gelassen. Das werde ich ihm niemals verzeihen.
***
Zwei Stunden später ...
Ich lag auf meinem Bett und starrte auf den Boden. Ich hatte kein Bedürfnis mich zuzudecken, ich brachte es auch nicht fertig. Immer noch liefen mir die Tränen die Wangen hinunter und tausend Mal stellte ich mir dieses "Warum". Ich fand keine Antwort darauf. Ich fand keine Antwort auf die Fragen, die ich mir über Mulder stellte.
Ich fühlte mich schäbig, weil ich dachte, er hätte mich benutzt über all die Jahre. Aber ich konnte es nicht glauben. Und auch wenn ich es wollte, wenn ich jemanden brauchte, der Schuld daran trug, er würde es niemals sein. Ich konnte es nicht hundertprozentig sagen, aber ich konnte auf mein Herz hören, wenn auch nur dieses eine Mal. Er war es nicht. Er war es einfach nicht. Meine Augenlider bedeckten meine Pupillen und ich versank in einen tiefen Schlaf. Was hatten die mit mir nur gemacht?
Ich lag den ganzen Tag in meinem Bett, überlegte und überlegte. Ich stellte mir wieder diese tausend Fragen, auf die ich keine Antwort zu finden vermochte. Leider musste ich gegen Abend auf die Toilette. Mir war auch nicht mehr so schwindelig wie vorher, aber immer noch drehte sich mein Magen. Langsam und vorsichtig stand ich auf und ging Schritt für Schritt meinem Badezimmer entgegen. Eine Hand musste ich unweigerlich an meinem Bauch halten. Ich lief mit einem krummen Gang dem Bad zu, hielt mich dabei an jedem Gegenstand fest, der mir über den Weg kam. Als ich aus dem Badezimmer wieder rausgehen wollte, knickte ich mit dem rechten Fuß um und schlug hart auf den Boden auf. Dabei schmiss ich die Lampe und die Blumenvase auf der Kommode neben dem Badezimmer um. Zum Glück ist mir nichts weiter passiert, dennoch musste ich anfangen zu weinen. Stöhnend rappelte ich mich wieder auf und suchte an der Lehne meiner Couch Halt, den ich auch fand. Und da sah ich es: Ein kleines Paket. Es stand auf meinem Tisch, genau in der Mitte. Ich ging um die Couch herum und setzte mich langsam auf dem bequemen Sitz. Ich wischte meine Tränen fort, als ich das Paket in meine Hände nahm und es leicht schüttelte. Es war nicht schwer und ich machte es vorsichtig auf. Es beinhaltete einen karierten Zettel ... mit der Unterschrift meines Partners. Ich began zu lesen.
***
Ich wusste nicht, was mich erwarten würde, als ich den Pakt mit den Männern geschlossen hatte, die damals Scully entführt hatten. Ich weiß nur, dass ich auf Hilfe hoffte. Sie hatten ihr damals etwas weggenommen, was sie jetzt vielleicht schon haben könnte. Ich meine damit nicht Emily, die außerhalb von Scullys Körper "gezüchtet" wurde. Ich spreche von einem eigenen Baby ... einem Kind, das sie, wie andere Frauen auch, durch eine ganz natürliche menschliche Geburt hätte bekommen wollen. Ich wusste, dass es sie bedrückte. Dass sie nachts weinte, weil sie nicht schwanger werden konnte. Und deshalb hatte ich versucht, mit jemanden Kontakt aufzunehmen, der mir vielleicht helfen könnte. Und ich hatte ihn gefunden. Mir war klar, dass er ohne Gegengift einen solchen Eingriff nicht vorgenommen hätte. Er war derjenige, der sagte, dass sie es machen könnten. Dass sie Scully wieder ihre Fruchtbarkeit geben könnten. Ich willigte daraufhin ein, ohne mir vorher anzuhören, was ich dafür hergeben musste. Nun wusste ich es. Ich sollte meinen Job aufgeben und für ihn arbeiten, meinen angeblichen Vater. Ich hatte mir das aber schon denken können. Er hatte mir so etwas schon einmal vorgeschlagen, als Scully sehr krank war. Doch damals verneinte ich diesen Vorschlag. Jetzt nahm ich ihn an. Und das aus guten Gründen. Es tat mir nicht leid, nein. Ich wollte, dass sie wieder glücklich war. Dass sie endlich das bekommen konnte, was sie schon so lange haben wollte. Sie würde nun das Leben leben, was sie ohne mich schon lange gelebt hätte. Ich stand ihr immer nur im Weg und durch mich und meine verdammte Suche nach außerirdischen Leben in den Sternen, hatte sie das verloren, was eine Frau zu einer Frau machte. Ich wollte es wieder gutmachen. Das musste sie wissen und das stand auch in dem Brief, den ich ihr geschrieben hatte, bevor ich sie angerufen hatte an dem Abend. Er hatte mir deutlich zu verstehen gegeben, dass der Eingriff schmerzhaft für sie war. Dass sie danach für ein paar Stunden außer Gefecht gesetzt sein würde und am nächsten Morgen mit unangenehmen Unterleibschmerzen aufwachen würde. Aber er hatte mir auch versichert, dass sie danach jederzeit wieder schwanger werden könnte. Das gab mir Mut und deswegen bat ich ihn ja auch um Hilfe. Er sollte sie wieder schwanger werden lassen. Das war mein wirklicher Wunsch für mein restliches Leben. Das hatte ich ihr auch geschrieben. Sie sollte wissen, was ich für sie fühlte, was ich über all die Jahre für sie empfand. Ja, natürlich, es hatte seinen Preis. Aber er war es mir wert. Wenn ich der Frau das wiedergeben konnte, was sie vermisste, dann war es das für mich wert. Sie musste das einfach verstehen.
***
Dana,
meine treue Partnerin. Es tut mir leid, was dir in den letzten Jahren widerfahren ist. Ich hatte dich oft in Situationen gebracht, die dir mehr als einmal das Leben gekostet hätten. Ich weiß, dass ich ein Dummkopf war; ein Paranoiker, auf der Suche nach einer Schwester, die irgendwo tief in seinemHerzen versucht hatte, zu überleben. Durch mich hast du Dinge verloren, die dir sehr viel bedeutet haben. Wie deine Schwester, die immer an dich geglaubt hat, als du so schwer krank warst. Ich war damals viel mehr damit beschäftigt, deine Peiniger zu finden, als bei dir zu sein und an deinem Krankenbett zu beten. Ich hatte Angst davor, dass du mir unter meinen Händen wegstirbst. Ich hatte Angst davor, dich zu sehen, zu wissen, dass ich der Verursacher der ganzen Sache war. Ich hatte Schuldgefühle, die mich zu einem anderen Menschen gemacht haben. Ich sitze hier weinend auf meiner Couch und versuche einen Brief an dich zu schreiben, um dir zu zeigen, warum ich das tat. Warum ich wollte, dass du das bekommst, was dir am Meisten fehlt. Dana, ich habe einen Kompromiss abgeschlossen, den ich nicht mehr rückgängig machen kann. Ich habe mich mit meinen angeblichen Vater in Verbindung gesetzt, der für deine damalige Entführung verantwortlich war, wenn auch nicht alleine. Ich habe die Männer gesehen, die diesen Eingriff unternommen haben. Ich sah in die Augen derer und wollte sie erschießen. Ich hasste sie, auch wenn sie nur unter den Befehlen höherer Mächte standen. Aber sie konnten etwas rückgängig machen, von dem du nachts in deinem Schlaf träumtest. Sie hatten es mir versichert. Und ich vertraute ihnen. Ich musste ihnen einfach vertrauen ... wie ich dir über all die Jahre vertraut hatte. Mehr, als in meinem bisherigen Leben zuvor....wenn du an einem Tag wieder zur Arbeit gehst, dann werde ich nicht mehr da sein. Ich möchte, dass du den Kündigungsbescheid in dem Päckchen zu Skinner bringst. Mir ist es egal, ob du ihm erzählst, für wem ich jetzt arbeite. Es ist deine freie Entscheidung. Ich wünsche mir nur, dass du dir deinen Traum jetzt erfüllen kannst. Ein eigenes Kind, Dana. Ich wünsche mir so sehr, dass du ein eigenes Kind haben kannst. Lebe dein Leben, bitte. Mach etwas daraus, solange du noch lebst. Es tut mir nur so wahnsinnig leid, dass der Eingriff ohne deine Zustimmung geschehen musste. Aber ich hatte keine Zeit mehr. Du hättest von dem Kompromiss erfahren und hättest mich davon abgehalten. Und das wollte ich nicht. Auf keinen Fall. Ich weiß nicht, ob du sauer auf mich bist, zornig, weil ich den Eingriff durch meine und nicht durch deine Zustimmung habe machen lassen. Ich weiß, dass du unerträgliche Schmerzen erleiden musstest, da du mit offenen Augen alles mitbekommen hast. Wenn es anders gegangen wäre, hätte ich mich für den anderen Weg entschieden. Leider ging es nur über diesen einen Weg ...
Bitte vergiss mich. Du musst es einfach tun und du darfst mich nicht suchen. Versprich mir das. Ich war nichts weiter als ein Spinner, der anderen Leuten nur Schmerz zuführen konnte.
Mulder
***
Glaubst du das, was er geschrieben hat, Dana? fragte ich mich in Gedanken und schaute weinend auf den Zettel. Es ... da waren alle Antworten. Antworten, nach denen ich gesucht hatte. Gründe für das, was man mit mir getan hatte. Alles war da. Mit einer leichten Feder aus Mulders Hand geschrieben. Ein Stück Papier, das mir sehr viel bedeutete. Er legte damit die Karten offen auf dem Tisch. Er schrieb geradeheraus, was ihn bedrückte, wofür er nur noch lebte, wem er vertraute ... Hatte ich ihn denn jemals das Gefühl gegeben, dass alles seine Schuld war?
Belasteten ihn diese Schuldgefühle so gewaltig, dass er nichts weiter wusste, als zu einem verlogenen Mann zu rennen, der mir durch eine Operation weiterhelfen konnte?
Hatte er denn das Gefühl gehabt, dass ich nicht auch ohne ein Kind glücklich sein konnte ... ?
Ich lüge, ich weiß. Ich wünschte mir ein Kind. Gott, ja, ich wünschte mir ein Kind so sehr. Sehnte mich nach einem Säugling, den ich in den Armen halten konnte, den ich nachts etwas vorsingen konnte, damit er wieder einschlafen konnte.
Sehnte mich nach diese kleinen zierlichen Finger, nach einem Gesicht, der meiner verstorbenen Tochter ähnlich sah. Ich sehnte mich nach einem Säugling, der sich 9 Monate lang in meinem Bauch entwickeln würde und der nachher gesund zur Welt gebracht werden könnte.
Doch ich hatte mich mit der Tatsache abgefunden, dass ich keine Kinder gebären konnte. Und jetzt ... jetzt war alles neu. Alles fremd. Ich konnte von vorn beginnen. Ja, Mulder, ich konnte von vorn beginnen.
Doch was wollte er? Wollte er, dass ich mir einen Mann suche, der mir nachher ein Kind machte? Dachte er wirklich so? Denn das konnte ich nicht. Niemals. Er hatte ja keine Ahnung, wie sehr es mich schmerzte, dass er nun fort war. Einfach so herausgerissen aus meinem Leben. Ich hätte damit leben können, keine Kinder zu haben. Ich hatte mich doch damit abgefunden, Mulder! Aber dass du ... den Mann, ohne den ich nicht leben kann, einfach so gehst ... weil du denkst, es wäre das Wichtigste für mich, ein Kind zu haben ...
Ich will schreien. Ganz laut, dass jede Welt hört, wie schlimm ich mich fühle. Wie schlecht es mir geht. Ich will schreien, dass ich nur diesen einen Mann liebe, dass er mir viel mehr bedeutet, als ich es jemals erahnen konnte. Ich will schreien, dass ich alles beide haben wollte Mann und Kind. Warum nicht, Gott?! Warum ging das nicht?! Ich hatte nun beides verloren. Einen Menschen, der nun für die Männer arbeitete, die mich erst entführt hatten und mir dann das zurückgaben, was sie mir einst vor so langer Zeit genommen hatten und ein Kind, das ich von diesem Mann haben wollte. Was ich nur mit diesem Mann haben wollte. Alle meine Träume sind zerstört. Ich weine. Ich habe alles beide verloren. Mulder, ich liebe dich. Komm wieder zurück zu mir! BITTE!!! WO BIST DU??? Meine Welt ist zerstört ...
***
Ich musste eine Entscheidung treffen. Ich hatte sie zu treffen, es war meine Pflicht. Was würde ich Skinner erzählen? Ich hatte keine Ahnung. Aber trotzdem bin ich in das Büro gefahren. Mir war klar, dass ich ihm eine Erklärung schuldig war. Ich hatte in den letzten Tagen, die ich fehlte, nicht angerufen oder mich für mein Nichterscheinen entschuldigt. Er würde Antworten wissen wollen, die ich ihn geben konnte. Geben konnte ... ja, ich wusste einfach nicht, was ich machen sollte.
Mit einem schlechten Gewissen stieg ich aus meinem Wagen und suchte in dem Gebäude nach dem Büro von AD Skinner. Seufzend klopfte ich an das Holz und ich hörte ihn hinter der Tür nach mir rufen. Er musste mich gesehen haben, als ich über dem Parkplatz gelaufen bin.
Mit pochendem Herzen öffnete ich die Tür und trat unsicher hinein. "Sir?", sagte ich und setzte mich auf dem Stuhl. "Agent Scully, schön, dass ich von Ihnen auch mal wieder etwas höre. Ich hatte Sie nicht vor ihren ersten Urlaub erwartet, wissen Sie?", Eine sarkastische Stimme meines Vorgesetzten ... er hatte ja noch keine Ahnung.
"Sir, ich möchte das alles erklären." "Dann fangen Sie mal gleich an, Agent Scully!", sagte er und verschränkte seine Arme vor der Brust. "Ich muss Sie ja wohl nicht darauf hinweisen, dass Sie deswegen Kündigungsgefährdet sind."
"Nein, Sir, das brauchen Sie nicht. Das weiß ich." Er starrte mich an. Ich wusste, dass er mehr als mein Vorgesetzter war. Er wurde zu einem Freund.
"Agent Scully", sagte er eindringlich und lehnte sich mir entgegen. "Ich habe keine Ahnung, was hier gespielt wird. Sie haben einer Arbeit nachzugehen und können nicht einfach so ein paar Tage ausspannen. Das funktioniert einfach nicht."
"Sir?", fragte ich und er nickte nach ein paar Sekunden beiläufig. "`Tschuldigung. Fahren Sie fort."
" ... vielleicht können Sie sich noch an den einen Fall erinnern, wo ich entführt worden bin. Von einem Mann. Duane Barry." Skinner nickte. "Natürlich, Agent Scully. Sie waren eine ganze Weile weg."
"Ja ... und wie Sie ... auch wissen müssen ... an mir wurden damals Experimente durchgeführt, die dazu führten, dass ich nicht mehr Kinder gebären konnte."
Skinner räusperte sich. "Auf was wollen Sie hinaus, Agent Scully?",
Ich schluckte. Ich konnte das nicht erklären. "Agent Mulder und ich wir sind in der Zeit, in der wir zusammengearbeitet haben, eng miteinander verwachsen. Was ich meine, ist, dass ... dass es zu einer engen Freundschaft zwischen uns gekommen ist."
Nervös strich ich mit meinem Finger über die Stuhllehne und ich hatte schwer damit zu kämpfen, nicht auch noch vor meinen Chef in Tränen auszubrechen. "Wir empfanden beide sehr viel füreinander und ..."
In meinen Augen wurde es nass, aber ich riss mich zusammen und holte ein Stück Zettel aus meiner Jackentasche hervor. Ich schob ihn über die Schreibtischoberfläche und er inspizierte ihn mit seinen wachen Augen. Dann öffnete er das Blatt und las den Zettel in Windeseile durch. "Ich verstehe nicht,", sagte er und hob den Kündigungsbescheid an. "Was hat das zu bedeuten, Scully?",
"Mulder hat sich für etwas entschieden, was er nicht mehr rückgängig machen kann."
"Ich verstehe nicht", stotterte er herum und sah mir in die Augen.
"Er glaubte, dass ich meine Fruchtbarkeit durch ihn verloren habe."
"Ja, aber was hängt das alles mit seiner Kündigung zusammen? Und wo ist er überhaupt?",
"Sir, er wird nicht wiederkommen. Nie mehr. Er hat sich mit jemanden in Verbindung gesetzt und hat einen sogenannten Pakt geschlossen."
Ich schloss meine Augen und meine Tränen fuhren mir über die Wangen.
" ... Er hat ... in seiner Zustimmung ... darum gebeten, dass man mich wieder "ganz" machen würde. Dass man mir wieder das zurückgeben würde, das ich damals verloren hatte."
" ... Ihre Fruchtbarkeit, Agent Scully?",
Ich nickte. "Ja ... und ich bin jetzt auch wieder gesund. Ich kann schwanger werden, Sir. Aber ... Mulder. Er wird nicht mehr zurückkommen. Er hat sich damit verpflichtet, unter den Befehlen der Männer zu arbeiten."
" ... wie ist das möglich, Agent Scully? Solche Technologien sind in unserer heutigen Zeit nur in den Fantasien unserer Wissenschaftler vorhanden."
Ich schüttelte ratlos meinen Kopf. "Ich weiß es nicht, Sir." Gelogen. Die Antwort hätte lauten müssen: Ich weiß es, aber ich kann es nicht glauben, Sir.
Skinner lehnte sich zurück und setzte seine Brille ab. "Agent Scully, ich glaube, das sind ganz besondere Umstände, nicht wahr?", Ich bewegte mich nicht. Skinner schüttelte seinen Kopf, als ob er daran nicht glauben konnte. "Und wenn ich ganz ehrlich bin ich weiß eigentlich nicht, was ich machen soll."
Ich nickte. Da war er nicht allein.
" ... Aber, aber wenn ich mir die Berichte ansehe, in denen Sie beide schon so viel durchmachen mussten da fällt es mir wirklich schwer, die unentschuldigten Tage als Grund für eine Kündigung anzusehen."
Ich sah auf und er schien sehr nachdenklich. "Sir, Sie wollen mich nicht kündigen?", fragte ich vorsichtig und er atmete tief durch.
"Obwohl es gegen jede einzelne Regel verstößt und der Angestellte eigentlich jeden Tag seine volle Arbeitspflicht erfüllen muss, so denke ich doch ... dass angesichts der Dinge, die in den letzten Tagen mit Ihnen passiert sind ... dass ich mich über jede weitere Regel hinwegsetzen werde und Sie Ihren Job als FBI-Agentin weiterhin ausführen können."
Mit offenem Mund starrte ich auf dem Mann vor mir. Ich konnte meinen Job behalten? Im ersten Moment freute ich mich, aber schon nach wenigen Sekunden stellte ich mir in Gedanken die Frage, ob ich das überhaupt noch wollte. Allein. Und ohne Mulder. Was war das für ein Leben?
"Es werden sicherlich noch ein paar Dinge geklärt werden müssen, was zum Beispiel aus den X-Akten wird und ob Sie sie ohne Weiteres so einfach übernehmen können."
"Sir?", unterbrach ich ihn, aber er redete weiter.
"Dann wird sich die Frage stellen, ob Sie einen neuen Partner bekommen, was ich sehr stark annehme."
"Sir?",
"Ich kann Ihnen das allerdings nicht hundertprozentig sagen, das steht alles noch in den Sternen."
"Sir, entschuldigung, dass ich Sie unterbrechen muss", began ich und sah ihn geradewegs in die Augen, "aber ich denke nicht, dass ich das noch will."
" ... Was?", fragte er irritiert und starrte mich an.
"Ich sagte, dass ich das nicht mehr will, Sir."
"Aber ... ", sah er mich an und ich zog meine Oberlippe in meinen Mund hinein. "Die Arbeit mit Mulder hatte für mich immer einen Sinn gehabt. Ich wollte ihn unterstützen, ich wollte ihn bei seiner verzweifelten Suche nach seiner Schwester eine Hilfe sein. Aber jetzt ist er fort und eigentlich hält mich nichts mehr an diesem Ort auf, um zu sagen, dass ich noch bleiben möchte."
"Sie gehen freiwillig?", Seine Stimme brach mit seinen Worten. Aber ich nickte bedächtig. "Ja, Sir, das ist es, was ich machen werde."
Ich stand auf. Für mich war diese Unterhaltung beendet. "Scully!", sagte er streng und stand ebenfalls auf. Ich sah zu ihm fragend auf. Hatte er nicht genug gehört? "Scully, und das nur, weil ihr Partner ... gegangen ist?",
Ich sah ihn an und antwortete langsam: "Er war nicht nur mein Partner, Sir. Er war ... der einzige Mensch auf der Welt, mit dem ich nicht getrennt sein wollte, den ich nicht verlieren wollte."
Ich überlegte noch ein paar Sekunden, ob ich vielleicht noch etwas hinzufügen sollte. Aber letztendlich hatte ich damit alles gesagt, was er von mir verlangt hatte. Somit drehte ich mich um und verließ sein Büro. Es lag nun nicht mehr in meiner Hand, was aus den X-Akten werden würde.
***
"Guten Tag, mein Name ist Fox Mulder. Ich bin FBI-Agent." Tja, diese Äußerungen würde ich wohl in absehbarer Zeit nicht mehr sagen können. Ich war nun meinem Job los. Ich arbeitete jetzt für die Männer, die ich über meine Grenze hinaus abscheulich hasste.
Aber ... sie würde wieder schwanger werden können ... dieser Gedanke schwirrte schon seit ein paar Tagen in meinem Kopf herum. Immerzu dieses eine Wort: Schwanger. Ich konnte es eigentlich immer noch nicht ganz fassen. Ich fragte mich, ob es vielleicht doch Fehler bei der Operation gegeben hätte, aber Sie schüttelten nur mit den Köpfen. Keine Fehler. Keine Komplikationen. Alles ist glatt gelaufen.
Wie sollte ich Ihnen glauben, wenn ich nicht wusste, ob Sie wirklich die Wahrheit sagten? Ich erinnerte mich rasch an das Gespräch mit dem Raucher, das ich vor ein paar Tagen mit ihm führte, nachdem der Eingriff abgeschlossen war ... bevor ich den Brief in meiner Wohnung geschrieben hatte ... nämlich wenige Stunden später
... ich war in einem Raum, der kaum beleuchtet wurde, störte mich das aber eigentlich wenig. Ich konnte von hier oben Scully sehen, die immer noch erschöpft und müde auf der Liege lag. Die hatten ihr nach dem Eingriff ein Betäubungsmittel gegeben und nun würde sie ein paar Stunden schlafen. Ich war froh, dass die Männer wenigstens ein wenig Herz besaßen und die Güte hatten, sie mit einer warmen Decke zuzudecken.
Da stand ich nun ... an dem Glasfenster, schaute herunter auf meine schlafende Partnerin, die auf dem Rücken lag und ihre Augen fest zusammengeschlossen hielt. "Agent Mulder?", hörte ich plötzlich eine Stimme und ich drehte mich aus Verwunderung um.
Der Kettenraucher ging zum Tisch und setzte sich auf einen der Stühle. "Bitte nehmen Sie Platz, Agent Mulder. Wir müssen noch etwas besprechen."
Zu dem Zeitpunkt hatte ich immer noch keine Ahnung, was ich zu tun hatte. Mir war nur bewusst, dass sie Scully operiert hatten und ich jetzt mit dem CSM sprechen musste, um zu klären, was ich als verantwortlicher Teil für den Eingriff zu bezahlen hatte. Ich drehte mich zu Scully zurück und sah auf sie herab. "Ist sie nun geheilt?", fragte ich und bemerkte die schnell aufkommenden Tränen, als ich sie von hier oben ansah.
Er zündete sich seine Zigarette an und zog erst einmal kräftig, bevor er mir antwortete. "Was denken Sie denn, Agent Mulder?", fragte er mich und fügte hinzu, "Gehen Sie doch zu ihr hinunter und probieren Sie es aus. Wenn in 9 Monaten kein kleiner Mulder geboren wurde, dann könnte man durchaus annehmen, dass der Eingriff nicht richtig vorgenommen wurde."
Ich drehte mich zu ihm um. Benahm sich so der Cigarette Smoking Man; sagte er so etwas Abartiges?
"Was soll -- !",
"Beruhigen Sie sich, Mulder. Das war mein trockener Humor, der mich manchmal auf gemeinste Art und Weise überfällt."
Ich schaute ungläubig auf und wurde schnell sauer. "Was glauben Sie eigentlich, wer Sie sind?!", fauchte ich ihn an und wendete mich ihm zu. "Ich habe Sie gebeten, Scully durch einen Eingriff ihre Fruchtbarkeit zurückzugeben! War der Eingriff nun erfolgreich oder nicht!?",
Beherrsche dich, Mulder, beherrsche dich. Ich versuchte mich zu beruhigen, aber wenn es um so eine ernste Sache ging, wie die von Scully, dann konnte ich kaum ruhig bleiben.
"Agent Mulder, natürlich war der Eingriff erfolgreich, was denken Sie denn?",, seufzte der Cigarette Smoking Man und blies den übriggebliebenen Rauch aus seiner Lunge. "Ich habe Ihnen meine Unterschrift gegeben, mein Wort. Was wollen Sie mehr?",
"Warum hatte sie so dolle Schmerzen?", fragte ich sehr ernst klingend. Er sah mich an. "Das habe ich Ihnen schon vor der Operation gesagt. Ein Eingriff in einem solchen Maße hatte nun bestimmte ... Dinge, die Ihre Partnerin halt ertragen musste wie gesagt, hätte man sie mit Narkose behandelt, wäre die Operation nicht erfolgreich gewesen und sie wäre wahrscheinlich unter den Händen meiner Leute gestorben."
"Warum tun Sie das? Warum haben Sie mir geholfen?",
"Sie haben mich darum gebeten."
"Seien Sie ehrlich. Ich bitte Sie." Ich sah ihn an und ich wusste, dass er das Flehen in meinen Augen sehen konnte. Aber ich hatte die Hoffnung schon "Ich kenne Sie nun schon seit meinem ganzen Leben, Agent Mulder. Ich habe Sie beobachtet, studiert, ich bin Ihrer Arbeit nachgegangen."
" ... Ja, aus Angst, ich würde dahinter kommen, was Ihr Schweine mit den Frauen macht, die für eure perversen Experimente nichts weiter als Laborratten sind!!", "Sachte, sachte, Agent Mulder", sagte er und seine ruhige, aber provozierende Stimme brachte mich nur noch mehr auf Hundertachtzig.
"Verdammt, Sie haben ein Kind außerhalb ihres Körpers gezüchtet, das aus IHREN Eizellen stammte. Ein Kind, das nachher an den Folgen IHRER Tests gestorben ist! Und Gott weiß, wie viele Kinder noch!", "Agent Mulder, beruhigen Sie sich."
Ich hielt es nicht mehr aus. Voller Wut zog ich meine Waffe aus dem Holster und schnappte mir diesen Mann. Ich drückte die Waffe an seinem Hals und drückte sie so tief in seine Haut, dass es ihn Angst machte. Dass es ihn Angst machen musste! Aber er regte sich nicht; er zog an seiner Zigarette so ruhig und so bedacht wie vorher. "BEANTWORTEN SIE MIR ENDLICH DIESES WARUM!!!", schrie ich ihn aus Verzweiflung an. "Warum musste Scully das ertragen?! Warum haben Sie EIN KIND GEZÜCHTET, DAS NACHHER STERBEN MUSSTE!??",
Er atmete den Rauch ein weiteres Mal aus seiner Lunge und sah mich dann mit seinen Augen an. "Tut mir leid, Agent Mulder, aber ich glaube, dass Sie nur Ihre Zeit verschwenden." Ich betrachtete diesen Mann bestürzt und bemerkte kaum, wie ich meine Waffe von ihm lockerte. "Ich hatte mit dieser Sache nichts zu tun. Die Befehle kamen von oben."
" ... warum arbeiten Sie nicht alleine?", fragte ich mit einer trockenen Stimme. "In dieser Angelegenheit, nein. Ich hatte Befehle, die ich aus Angst vor meinem Leben ausführen musste."
"Sie waren also nicht für die Entführung Scullys 1994 verantwortlich; für die Experimente, die diese Typen mit ihr gemacht haben?", Ich konnte meinen Worten kaum Glauben schenken. Er beantwortete meine Frage mit einer Gegenfrage. "Waren Sie denn das etwa, Agent Mulder?",
Ich starrte ihn an. Er wusste, dass ich mir deswegen Vorwürfe machte. "Ich denke, Sie wissen, von wem diese Befehle kamen und warum diese Männer sie ausführen mussten. Und warum ich sie ausgeführt habe."
Ich zog meine Waffe zurück und ging langsam zu dem Platz, wo ich vorher stand. Ich drehte mich zur Glaswand und sah hinunter ... auf ein leeres Bett. "WO IST SIE??!", kreischte ich ihn an und drehte mich zu ihm. "WAS HABEN DIE MIT IHR GEMACHT?!",
"Sie wird gerade untersucht."
"Untersucht? Von wem, verdammt?! Wo ist sie, ich will sie sehen!", Er packte mich am Arm, als ich an ihm vorbei stürmen wollte.
"Mulder, bleiben Sie doch mal einen Moment ruhig!", rief er laut und starrte mich eindringlich an. "Ich kann nicht!! Ich will wissen, wo sie ist!!!",
"Es ist nur eine Nachuntersuchung, um Himmels Willen! Sie ist nur in einem anderen Raum verlegt worden!", "Und wer führt das durch, he??!!! Ich hoffe nicht, Ihre kleinen grünen Männchen, denen wir das alles zu verdanken haben!",
Ich riss mich aus seinem Griff los und starrte ihn ebenfalls an. Nach ein paar Sekunden jeglicher Stille, setzte ich mich auf dem Stuhl am anderen Ende des Tisches. "Sagen Sie mir, was ich machen soll. Ich halte das hier drinnen nicht mehr aus." Er nickte und drückte auf einen kleinen Knopf, der nach binnen kürzester Zeit einen Mann mit Unterlagen in das von den anderen Räumen abgetrennte Zimmer bringen ließ. Er gab ihm den Stapel von Zetteln und verschwand dann wieder. "Wir hatten uns vor der Intervention nur verständigt, dass ihre Partnerin Schmerzen haben würde usw. Kommen wir nun zu dem geschäftlichen Teil."
Er zückte ein Blatt und überreichte es mir mit einem Kugelschreiber. "Hier wird vereinbart, dass Sie von nun an keinen Kontakt mehr mit ihrer Partnerin haben dürfen. Verstoßen Sie gegen diese Abmachung, so werden Sie aus dem Weg geräumt." Ich schaute auf. "Warum?", "Weil es so ist. Sie werden von jetzt an ausschließlich für uns arbeiten, da ist Ihnen jeglicher Kontakt mit Ihrer Partnerin und Ihren Arbeitskollegen verboten. Das gilt ebenso für Ihre Familie, für ehemalige Zeugen, für Kunden, die Sie in den Knast gebracht haben. Einfach für alle Menschen, mit denen Sie in der Vergangenheit auch nur ein Wort gewechselt haben."
"Wie wollen Sie so schnell herausfinden, dass ich es doch getan habe?",
"Das ist eine schwierige Frage, nicht wahr, Agent Mulder?",
"Wollen Sie etwa Ihre Typen losschicken, um mich Tag und Nacht zu überwachen?", Ich spielte absichtlich ein wenig Humor und Nichtglauben in meine Stimme hinein. Er sollte wissen, dass es mir durchaus gelingen würde.
"Unterschätzen Sie meine Männer nicht, Agent Mulder. Sollten Sie jemals in Kontakt mit jemanden aus Ihrer Vergangenheit geraten, ich schwöre Ihnen nicht nur Sie werden um Ihr Leben fürchten müssen, sondern auch die Menschen, mit denen Sie sich unterhalten haben."
Ich lachte. Er unterbrach mich mit seiner ernsten Stimme, die keine Widerworte duldete. "Gehen Sie den Menschen aus dem Weg, Agent Mulder. Ich mache keine Scherze. Auch nur ein Wort mit der Frau, die Sie nicht belügen können; die Sie mehr als alles andere auf der Welt verehren und lieben ... ein gezielter Kopfschuss und sie ist tot."
Ich schluckte und mir wurde bewusst, dass ich es nicht auf die Spitze treiben konnte. Die ich liebe ... liebte ich sie? Die Sekunden verstrichen, bis ich bemerkte, dass er wartete. Ich nahm mir den Kugelschreiber und unterschrieb mit schweren Herzens den Vertrag. Fox Mulder / 23.09.2000 Seufzend gab ich ihm das Stück Papier zurück und er gab mir daraufhin ein Weiteres. Ich verhielt mich stumm, ich unterschrieb nur, dass ich jetzt für immer unter seiner Macht stehen würde, unter seinen Befehlen; dass ich verpflichtet wäre, für jede Arbeit aufzukommen; dass ich auch notfalls jemanden umbringen müsste, wenn er es von mir verlangte. Er machte mich zu einem Mörder. Einem unschuldigen Mörder. Ich würde immer dann gerufen werden, wenn man mich brauchte. Solange musste ich aus der Stadt raus, musste ich mich auf Deutsch verdünnisieren. Ich musste in ein anderes Land ohne etwas aus meinem alten Leben preiszugeben. Ich hieß von nun an nicht mehr Fox Mulder. Ich hatte keinen richtigen Namen mehr, nur noch einen Codenamen und der lautete: Eden.
Er sagte, ich hätte nur noch wenig Zeit, um Sachen in meine Tasche zu quetschen, die ich mitnehmen könnte. Mein Flug würde in zwei Stunden gehen, ich sollte mich beeilen. Er gab mir eine Adresse, die ich aufsuchen sollte. Ich würde in einem Apartment leben. Ich werde Geld zugeschickt bekommen, hieß es. Ich musste nur für ihn arbeiten, einzige Bedingung. Sollte ich lachen oder weinen?
" ... Lassen Sie mich Dana noch einmal sehen, bevor ich gehe. Ich möchte mich von ihr verabschieden."
"Wie Sie wollen." Er stand auf und ich machte es ihm nach. "Kommen Sie," befahl er mir und ich gehorchte. "Sie liegt nebenan. Erschrecken Sie sich nicht, wenn Sie ihren Bauch sehen. Wir mussten ihn mit Luft füllen, damit der Eingriff erfolgreich werden konnte."
Ich fragte mich, woher er das alles wusste und mir wurde klar, dass sie nicht die einzigste Frau auf der Welt war, bei der dieser Eingriff vorgenommen wurde. Aus welchen Gründen auch immer. Er öffnete die Tür und ich blickte hinein. "Sie haben drei Minuten, Mulder. Machen Sie sich aber keine so große Hoffnung, sie wird Sie nicht hören können."
Ich nickte. Das hatte ich verstanden. Ich bemerkte, wie hinter mir die Tür ins Schloss fiel und ich erschrak ein wenig. Jetzt war ich hier mit ihr allein in diesem kühlen Raum und ich hatte keine Ahnung, warum ich das tat.
War es nicht leichter, einfach zu gehen und sie ihr Leben leben zu lassen? Ich hatte drei Minuten. Verdammt, was wollte ich bloß hier? In mir bildete sich die Verzweiflung und der Kummer, sie nie wieder sehen zu können. Ich weinte leise. Und ich schämte mich nicht meiner Tränen, als ich ihr entgegen trat. Ich stand vor ihrem Bett und sah auf sie herab. Ich sah unter der Decke ihren aufgeblasenen Bauch und ich fürchtete mich davor. Ich hörte meine Stimme, die so leise wie der Wind war; die versuchte, Wörter aus sich herauszubekommen, die ich in meinem bisherigen Leben schon ein paar Mal gesagt hatte ... jedes Mal aber ohne Bedeutung. Ich hörte diese Stimme jedoch nur in meinen Gedanken. Ich konnte nichts sagen, ich war sprach- und bewegungslos. Ich hatte Angst davor, sie zu berühren, sie auch nur einmal kurz anzufassen. Ich sah sie nur an und versuchte, jeden Muskel und jede kleine Besonderheit in ihrem Gesicht festzuhalten. Ich zitterte und dann ging ich. Das war meine Art Auf Wiedersehen zu sagen. Verzeih mir.
2/4
Ein Traum ... wohin führt dieser Weg? Haben wir jemanden, der das Schicksal vorherbestimmt? Der weiß, was jeden Tag, jede Stunde und jede Minute passieren kann? Der es nicht verhindern kann, geschweige denn will? Habe ich denn gewollt, dass man mir meine Fruchtbarkeit zurück gibt? Habe ich denn gewollt, dass ich von jetzt an nun wieder Kinder gebären kann? Hat mich denn da draußen irgend jemand gefragt?
Nein, das hat es nicht. Niemand hat gefragt. Es wurde einfach ausgeführt. Von Menschen, die ich nicht kenne, die ich aber gesehen habe. Ich bin durcheinander. Und zerrüttet. Ich weiß nicht, was ich denken, noch was ich fühlen soll. Gott, bin ich nun glücklich mit dem, was sie mir gegeben haben? Weiß ich jetzt ein besseres Leben anzufangen? Mit einem Kind? Oder vielleicht zwei? Auf diese Fragen ... werde ich nie eine Antwort zu wissen glauben. Auch wenn ich glücklich sein sollte, ich werde immer das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt. Dass etwas fehlt. Nach zwei Jahren fühle ich immer noch auf diesem Wege. Nein, ich bin nicht schwanger. Und nein, ich führe im Moment auch keine Beziehung.
Nach meiner Kündigung, die ich rückgängig gemacht habe, nach diesen schmerzvollen Erinnerungen an die damalige Operation in diesem kühlen Raum, habe ich versucht mein Leben umzugestalten, nach einem, dass ich niemals zu finden versucht habe. Mir wurde klar, dass ich so nicht war. Dass ich dieses andere, neue Leben nicht führen konnte. Ich wurde durch die Operation kein neuer Mensch, ich denke, ich bin nur etwas anders geworden. Vielleicht noch ein bisschen nachdenklicher und vorsichtiger in vielen Hinsichten. Aber durch dieses ganze Chaos führt immer ein Weg. Und ich habe ihn gefunden. Ich habe ihn zurück gefunden. Ich wusste, dass ich nicht mit meiner Arbeit aufhören konnte. Das war ein Teil von mir, der erhalten bleiben sollte. Danke, Skinner.
Ich denke, dass man ein altes Leben nicht so einfach aufgeben kann. Es gehört zu dir, es war mal du, und man kann es nicht einfach weggeben, auch wenn man wollte. Ich habe gelernt, mit diesen Dingen zu leben, mit meinen Träumen, die mich manchmal überfallen ... vom perfekten Glück und von jemanden, der in meinem Körper heranwachsen sollte. Ich bin ... etwas unsicher über diese ganze Babygeschichte. Ich weiß, dass ich mir zu viele Gedanken mache, aber ich kann sie nicht abstellen. Es ist wie ein Fluch, der mit den Kräften der Natur nicht wegziehen will. Es wäre so einfach jetzt ... ich müsste nur mit jemanden schlafen, der mir ein Kind zeugen kann. Aber ich kann es nicht. Und wenn ich mich dann selbst höre, wie ich zu mir sage, Dana, du kannst das nicht tun, dann stellt sich doch immer wieder dieses Warum.
Es ist nichts Schlechtes, ein Kind in die Welt zu setzen. Nein, das ist es ganz gewiss nicht. Das habe ich schon früh gewusst. Und niemand sollte glauben, dass es das ist. Aber ich ... mir fehlen die Worte. Ich weiß nicht, wie ich meine Gedanken sprachlich richtig korrekt ausdrücken kann. Ich meine, ich ... ich bin schon über dreißig. Und die Gefahr, ein ungesundes Kind zur Welt zu bringen, steigt im zunehmenden Alter. Aber es ist eigentlich nicht das. Es hat einen Grund, warum ich nicht mit einem Mann schlafe, der mich in kürzester Zeit schwängern könnte.
Ich vermisse den Menschen, den ich liebe und der mir alles gab, was ich brauchte, um zu leben. Der mein Leben umkrempelte, der mir aber eine innige Freundschaft bewies, die ich in meinem ganzen Leben noch nie spüren konnte. Ich vermisse ihn so sehr, dass es weh tut, wenn ich weine.
Ich habe vor zwei Jahren gesagt, kurz nachdem mir bewusst wurde, dass ich schwanger werden kann, dass der Vater meines Kindes niemand anderes sein sollte, als ... als Mulder.
Und ich denke, dass ich meine Meinung nicht ändern werde. Aber Selbstzweifel plagen mich. Zum einen ist es die Furcht und die Angst, dass ich nach jemanden suche, den ich niemals wiederfinden kann und zum anderen ist es Mulder selber. Ja, wie kann man denn von jemanden ein Kind erwarten, wenn man mit diesem Jemand noch nie geschlafen hat? Wenn man sich noch nie über die Gefühle des anderen sprachlich geäußert hat? Was bedeuten schon kleine Küsse auf die Wange oder auf dem Mund? Seine Hände, die mich stützten, wärmten und hielten waren wichtiger, bedeuteten sie mir doch viel mehr.
Ich suche nach ihn. Und ich kann immer noch nicht glauben, dass er sein eigenes Leben für meine Fruchtbarkeit jemand anderen überlassen hat. Für welchen Preis denn? Damit ich kleine Babys zur Welt bringen kann ... ja, das war es. Aber ... aber so einfach ging das alles nicht!
Gott, wie verzweifelt muss man sein, wenn man nicht mehr so genau weiß, was man schreibt, liebes Tagebuch? Ich wechsele von einem Thema zum nächsten und doch hängen sie so dicht beisammen ... ich muss ihn einfach wiederfinden. Und sei es nur, damit ich endlich meine Gefühle für ihn offenbaren kann. In diesem Moment will ich wirklich nichts anderes. Ich möchte kein Kind, ich möchte keine Akten, ich möchte keine Familie ... ich möchte nur ihn und mich, zusammen, vereint. Ich will mit ihm Sex, aber nicht, um mich von ihm schwängern zu lassen, nein, ich brauche ihn einfach. Er ist mein zweites Leben. Ich suche nicht nach Mulder, damit er mir ein Kind macht. Ich suche nach ihn, weil ich ihn liebe. Weil ich ihn
liebe ... Gott, weil ich ihn so liebe ... .
Und weil ich nicht ohne ihn sein kann. Und ... wie hört sich das jetzt an, wenn ich dir sage, dass ich in Tränen in meinem Bett liege und mit zittrigen Fingern versuche meine Gefühle und Gedanken aufzuschreiben? Es ist einfach alles so kompliziert ... und wenn ich meine Augen schließe, dann ist da dieses Bild von einem Mann, der irgendwo liegt und ich versuche ihm zu helfen, aber er liegt nur so da und ich schreie und ich weine, weil er von mir gegangen ist. Und es ist nicht nur ein Mann, es ist ... mein Liebster. Ich konnte ihm nicht helfen. Und er ist tot.
Diese Bilder scheinen mir so real. Wird diese Suche jemals enden? Werde ich ihn finden, werde ich ihn endlich in meinen Armen nehmen können, werde ich ihn endlich sagen können, dass ich ihn liebe?
Ich bete. Jeden Abend. Gott, lass es ihm gut gehen, lass ihn leben und lass mich ihn finden. Und ich bete noch mehr. Ich brauche ihn. Ich liebe ihn. Und ich kann ohne ihn nicht leben. Und ich weine. Er ist meine Zukunft, meine Hoffnung und der Vater meines ungezeugten Kindes. Und dann schreie ich. Denn ich weiß nicht, ob er in den zwei Jahren schon von mir gegangen ist.
***
"Agent Scully?",
Ich hörte diese Stimme, währendessen ich döste. Sie klang so fern und doch war sie so nah. Ich spürte meinen eigenen Atem auf meinem Gesicht, da ich meinen Kopf auf meine Oberarme gebettet hatte. Aber ich wollte mich nicht bewegen. Und doch musste ich es tun. Es war mein Chef, mein Vorgesetzter, mein Freund, der mich zurück in dieses Berufsleben gebracht hatte.
Ich hörte einen Seufzer meiner selbst, als ich meinen Kopf anhob. Ich durfte keine Müdigkeit zeigen. Schon gar nicht vor Skinner. So dachte ich.
"Sir?", Meine rauhe Stimme schallte in meinen Ohren wider und ich räusperte mich. Er stand an der Tür und hielt die Türklinge fest in seinem Griff. "Komme ich etwas ungelegen?", fragte er mich und ich schüttelte meinem Kopf, stand auf und trat zu ihm. "Nein, keineswegs. Ich war nur gerade in Gedanken."
"Sie sollten sich etwas ausruhen, Dana. Sie sehen krank aus."
Dana ... wenn ich diesen Namen hörte, fing ich an zu zittern. Eigentlich störte es mich nicht, denn AD Skinner benutzte diesen nur in ganz privaten Momenten. Aber eines Tages, da wollte ich, dass er damit aufhören würde. Denn er ist nicht derjenige, dem ich es erlaubt hatte, mich so zu nennen. In privaten Momenten ... nein, dachte ich mir, denke bloß nicht an ihn!
Und krank? Sah ich denn krank aus? Mir musste etwas entgangen sein ...
"Gibt es etwas Bestimmtes, Sir, warum Sie mich sehen wollten?", Heute war wieder einer dieser Tage, an denen ich meine Ruhe haben wollte, um nachzudenken. Um mich mit Mulders Suche weiter beschäftigen zu können.
"Ja, es gibt da etwas, worüber ich mit Ihnen reden sollte."
"Worum geht es?", Ich war mir nicht ganz sicher, ob ich es hören wollte.
Er schloss die Tür hinter sich und ich bemerkte nun, dass er eine A4 Mappe in der Hand hielt. Ich spürte seine Hand auf meinen Rücken, als er mich nickend zum Schreibtisch führte. "Setzen Sie sich, Scully." Scully ... ich wusste es.
"Was gibt es denn?", fragte ich und sank etwas beunruhigt in Mulders Stuhl nieder. "Ich weiß eigentlich gar nicht, wo ich da anfangen soll", beteuerte er, als er die Mappe öffnete, "aber ich glaube, dass Sie das sehen sollten."
Er schob ein großes Foto über die Schreibtischoberfläche und ich nahm es in meine Hände, starrte es an und formte ein paar Wörter, die nicht über meine Lippen kamen. "Dieses Foto wurde vorgestern Abend in Melbourne, Australien gemacht. Wie Sie erkennen können, zeigt es ein paar spielende Kinder."
Ich nickte.
"Aber wenn Sie genauer hinsehen, werden Sie die dunkle Gestalt hinter dem Spielplatz sehen können, nicht wahr?",
Ich nickte abermals.
"Seit gestern wird dieser kleine Junge vermisst." Er tippte mit seinem Zeigefinger auf das Kind, das sich Hand in Hand mit der dunklen Figur vom Spielplatz entfernte. "Besser gesagt, ist er verschwunden, seit er mit diesem Mann gegangen ist, aber man meldete das der Polizei erst gestern Nacht."
"Wer ist der Mann?", fragte Scully und sah Skinner durch seine Brille in seine Augen. "Das wissen wir nicht", gab er zu und seufzte, dann schüttelte er seinen Kopf. "Er ist nur groß, hat eine Vorliebe für schwarze Kleidung, trägt eine Sonnenbrille und einen Bart. Mehr konnten wir nicht erfahren."
"Was ist mit seinem Gesicht?", fragte Scully und schaute zurück auf das Bild. "Jemand muss ihn doch gesehen haben."
"Das ist leider alles, was ich Ihnen sagen kann, Agent Scully. Man hat ihn nur so beschrieben."
"Wer hat ihn nur so beschrieben?",
"Die spielenden Kinder auf dem Foto."
"Und wer hat das Foto gemacht?",
"Ein Passant. Er wollte seine Tochter beim Rutschen fotografieren."
Scully nickte nachdenklich. "Und hat somit ein Beweisfoto geschossen ..."
"Richtig. Der Junge heißt Jerry Hunter und ist 6 Jahre alt. Ich will, dass Sie den Fall übernehmen, Scully."
Sie nickte. "Können Sie mir die Adresse seiner Eltern und des Passanten geben?",
Skinner griff in seine Hosentasche und nickte, sagte dann aber: "Es gibt da nur noch ein kleines Problem, was sich leicht aus dem Weg räumen lässt."
Er gab ihr das Stück Papier, wo die Adressen, nach denen sie gefragt hatte, in klarer Schrift gestanden schrieben. "Was denn?", fragte sie und steckte sich den Zettel in ihre Jackentasche. Plötzlich klopfte es. Skinner nickte nur, stand sofort auf und ging zur Tür hinüber. "Aha", sagte er. "Das Problem ist schon gelöst."
"Direktor Skinner? Special Agent Lee Tommes. Man sagte, ich sollte hier runterkommen."
"Ja, Sie kommen gerade rechtzeitig."
Skinner bat ihn herein und führte ihn zu Scully, die ernst auf dem Schreibtisch nach etwas suchte, dass Sie ablenken würde. "Agent Scully? Das ist Special Agent Lee Tommes. Er wird Ihr Partner für den Fall sein."
"Freut mich, Sie kennenzulernen, Agent Lee Tommes."
Sie versuchte ein schmales Lächeln, als sie ihm ihre Hand gab. "Freut mich ebenfalls, Agent Scully."
"Sie sind schon über dem Fall aufgeklärt, Tommes?", fragte Scully und er nickte übereinstimmend. "Sicher."
"Fein."
Ihre Stimme war kalt und Scullys neuer Partner schluckte. Er sah kurz zu Skinner hinüber, der sich grübelnd in die Unterlippe biss und mit einem wachen Auge Scullys Bewegungen verfolgte. " ... Okay, dann scheint ja alles geklärt zu sein. Die Flugtickes liegen übrigens schon am Flughafen am Washington Airport vor." Er schaute auf seine Uhr. "Zeit um noch zu packen. Ihr beider Flug geht in einer Stunde und 25 Minuten."
Er starrte auf Scully, die nach ein paar Sekunden seinen Blick registrierte. "Sicher, Sir. Wir werden uns darum kümmern."
Skinner nickte und lief zur Tür, stoppte dann aber kurz vor dem Holzrahmen. "Melden Sie sich, wenn es etwas Neues gibt. Ich möchte auf dem Laufenden sein."
***
Kurz nachdem AD Skinner die Tür geschlossen hatte, atmete Scully auf. Sie wusste nicht warum, aber irgendwo musste es ja einen Grund dafür gegeben haben. Sie war zwar damit beschäftigt, die Sachen auf dem Schreibtisch zusammen zu suchen, aber trotzdem hielt sie ihren neuen Partner wachsam im Auge, als dieser sich das Büro anschaute. "I want to believe, feiner Spruch, meinen Sie nicht auch?",
Scully schaute auf und sah ihn an. Sie verzog keine Miene. "Es ist nicht mein Poster, falls Sie das wissen wollten."
Er zuckte seine Achseln. "Ich habe nicht danach gefragt."
"Woher kommen Sie, Tommes?",
"Man hat mich wegen diesem Fall aus Portland nach hierher, also Washington, D.C. geschickt."
"Also waren Sie auf der anderen Seite der Vereinigten Staaten tätig."
"Richtig." Er seufzte. "Allerdings hatte ich eigentlich nicht das Verlangen danach, wenn Sie verstehen, was ich meine. Ich werde auch wohl nie erfahren, warum gerade ich den weiten Weg nach Washington, D.C. antreten musste."
"Das ist unwichtig, Tommes. Wir werden nur unsere Arbeit erledigen müssen und dann können Sie wieder nach Hause fahren. Das ist einfach nur ein Fall, der gelöst werden muss."
"Ja", nickte er und lächelte, hoffend, dass sie es erwidern würde. Aber sie nahm sich ihre Aktentasche und ihren Mantel, beachtete ihn eigentlich nicht weiter und machte sich auf dem Weg zur Tür. "Ich werde jetzt nach Hause fahren. Wir sehen uns am Flughafen."
Bevor er irgend etwas sagen konnte, war sie auch schon verschwunden. "Sicher", murmelte er seufzend und folgte ihr nach wenigen Sekunden.
***
"Mrs. Hunter?", fragte Scully, präsentierte ihren FBI-Ausweis und wurde nach wenigen Sekunden freundlich in die Wohnung eingelassen. "Ich muss Ihnen leider noch einige Fragen wegen dem Verschwinden ihres Sohnes stellen."
"Eigentlich hatte ich doch der Polizei alles gesagt, was ich weiß", sagte Mrs. Hunter und Scully bekam das ungute Gefühl, dass sie jeden Moment in Tränen ausbrechen könnte.
"Das ist richtig", erwiderte sie deswegen äußerst vorsichtig, "trotzdem würde ich Ihnen gerne noch ein paar Fragen stellen. Es geht leider nicht anders."
Mrs. Hunter nickte übereinstimmend. Anscheinend hoffte sie, dass das FBI mehr tun könnte, als die örtliche Polizei. "Können Sie uns vielleicht noch einmal alles genau erklären? Also, wann Jerry zum Spielen runtergegangen ist und ob er sich irgendwie anders verhalten hat? Ob er vielleicht eine kleine Konversation mit Ihnen oder jemand anderen gehabt hat? Es ist wichtig, dass Sie uns nichts verheimlichen."
"Mein kleiner Jerry", flüsterte sie abwesend. "Er ist doch erst 6 Jahre alt."
Scully atmete tief durch. "Mrs. Hunter? Es ist wirklich wichtig."
Mrs. Hunter wartete und dachte nach. Ihre von Tränen durchnässten Augen sahen aus dem Fenster und sie hielt ihre Hände, die sie zu einer Faust gepresst hatte, fest an ihr Kinn. Scully sah das Zittern ihrer Finger und betrachtete sich die Frau ganz genau. Sie war nicht gerade ein Stück größer als sie; hatte dunkelblonde Haare und lange Wimpern. An der Körperhaltung wusste Scully, dass sie sehr verzweifelt und deprimiert war. Wer würde das nicht, dachte sie wütend. Ein Kind zu verlieren ist das Schlimmste, was jemanden je passieren könnte. Und in dem Falle waren meistens die Eltern die Opfer und nicht die Kinder.
" ... ich war in der Küche", sagte sie leise, ihre Augen immer noch nach draußen starrend. "Ich hörte durch das offene Küchenfenster helle Schreie, die von den Kindern kamen. Ich wusste, dass mein Junge auch darunter war. Es waren ganz positive Schreie. Sie spielten Fange und schrien und kreischten und klatschten in die Hände. Ich weiß noch ... dass ich lächelte, als ich das Geschirr abwusch. Kinder sind Werke Gottes. Unantastbar, verletzbar, höllisch süß."
Scully drehte ihren Kopf und schaute nachdenklich auf die eine Seite. Es war nicht gut, wenn diese Frau so ins Detail ging. Es bereitete ihr viel mehr Schmerzen, als sie vertragen konnte. Andererseits war es für den Fall notwendig. Und hier war nun mal der Fall das Allerwichtigste.
"Mrs. Hunter, als Ihr Sohn zum Spielen hinunter gegangen ist, hat er sich da mit Ihnen gestritten?",
"Nein." Sie schüttelte ihren Kopf. "Warum wollen Sie das wissen?",
"Nun, wir dürfen nicht nur von einem Entführungsfall ausgehen, sondern auch davon, dass Ihr Sohn möglicherweise weggelaufen ist."
"Oh nein!", Ein sarkastisches Lachen entsprang ihrer Kehle. "Nicht mein Jerry."
Wenn Sie wüssten, wieviele Mütter das schon sagten und völlig falsch lagen ... Scully seufzte. "Gut", sagte sie dann und überreichte ihr das Foto, dass sie noch gestern Abend in den Händen gehalten hatte. "Um ehrlich zu sein, gehen wir davon auch nicht aus."
"Nicht?", fragte Mrs. Hunter und begutachtete das Foto. "Warum haben Sie mir dann erst diese Frage gestellt?",
Standartfrage, dachte Scully und schüttelte bloß ihren Kopf. "Mrs. Hunter, kennen Sie vielleicht diesen Mann?",
"Wer ist das?", fragte sie im selben Augenblick und Scully schloss für einen Moment ihre Augen. "Dieses Foto wurde gestern zufällig auf dem Spielplatz aufgenommen. Hinter der Rutsche, sehen Sie", sagte Scully und deutete auf einem Mann, der Mrs. Hunters Sohn an der Hand hielt. "Wir gehen davon aus, dass er ihren Jungen entführt hat."
"Oh mein Gott", flüsterte diese und Scully sah, wie sich eine dicke Träne aus ihren nassen Wimpern löste und auf das Beweisstück tropfte. "Oh mein Gott", wiederholte sie sich und gab mir das Foto zitternd zurück. "Nein", schüttelte sie sich und lief rasch zum Fenster zurück. "Jerry ... das würde er nicht tun, verstehen Sie? Wir haben öfters darüber gesprochen und ich habe ihm tausend Mal gesagt, dass er nicht mit Fremden mitlaufen soll."
"Das ist ja gerade der Punkt, Mrs. Hunters", erwiderte Scully leise und hielt ihren Blick auf dem Boden gerichtet. "Durch den Bericht, den ich gelesen habe, ist mir stark der Eindruck vermittelt worden, dass ihr Junge zwar ein sehr aktives Kind gewesen sein muss, er aber dennoch keine Kontakte zu anderen Menschen knüpfen wollte, die er nicht hundertprozentig kannte. Es wurde aber berichtet, dass er mit dem Spielen aufhörte und... sofort zu dem Mann rannte und sich an seiner Hand festklammerte. Wollen Sie sich das Foto nicht doch noch einmal ansehen? Vielleicht fällt Ihnen wieder ein, wer dieser mysteriöse Mann ist?",
"Sie glauben mir nicht, nicht wahr?", fragte diese und drehte sich zu Scully um. Ihre Augen funkelten. Scully wusste nicht, ob es Hass, Wut oder Zorn war. "Mrs. Hunter, ich möchte doch nur..." "Es ist mir egal, was Sie möchten, Mrs. Federal Bureau of Investigation!! Mein Sohn ist irgendwo da draußen und Sie stehen hier herum und stellen mir irgendwelche Fragen, die ich schon längst der Polizei beantwortet hatte!!", Sie schrie und sie weinte. Scully wusste nicht, wie sie darauf reagieren sollte. Sonst hatte Mulder immer die Betroffenen und Angehörigen beruhigt. "Ich kenne diesen Mann nicht, gottverdammt!! Ich habe ihn nie zuvor gesehen und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich ihn jemals sehen will!!! Was ich aber will, ist, mein Kind zurück! Und wenn Sie mir nicht helfen können, dann ... dann tut mir das auch leid! Aber ich werde nicht tatenlos zusehen, wie der Kerl meinen Jungen betatscht oder sonst etwas mit ihm anstellt!",
"Mrs. Hunter, ich möchte, dass Sie sich beruhigen. Bitte." Scully hoffte, dass sie mit diesen Worten die Frau etwas besänftigen konnte. Am liebsten hätte sie sich neben sie gestellt und genauso wie sie angefangen zu weinen. "Ich möchte, dass Sie sich setzen, okay?", sagte sie dann und nahm die Frau am Arm und führte sie zur Couch zurück. Scully wusste nicht, was es war, aber anscheinend war sie so in Gedanken über ihren Sohn, dass sie ihre übertriebenen Dinge, die sie zu ihr gesagt hatte, an irgend einem Punkt vergaß und Scully einfach gehorchte.
"Ich will doch nur meinen Sohn zurück", jammerte sie und Scully tätschelte ein wenig ihren Rücken, als sie die Frau auf die Couch gleiten ließ. "Wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um den Vorfall aufzuklären, Mrs. Hunter. Aber dabei ist es nun einmal wichtig, dass wir auch eine gewisse Unterstützung von den Leuten bekommen, die mit den vermissten Personen verwandt waren oder sie auch nur kannten." Sie machte eine kurze Pause und fuhr dann weiter fort. "Ich will genauso wie Sie, dass Jerry gesund nach Hause zurückkehrt und ich tue wirklich alles, um das Geschehene so schnell wie möglich zu beenden. Aber dafür brauche ich nun einmal Ihre Hilfe, verstehen Sie?", Scully atmetet tief durch. "Es könnte sein Leben retten."
Mrs. Hunter nickte schluchzend. "Ich weiß, ich weiß", sagte sie flüsternd und schaute dann zu Scully auf. "Aber ich halte das einfach nicht mehr aus. Ich kann hier einfach keine Fragen beantworten, wenn ich weiß, dass er da draußen ist und die Polizei oder Sie mir Fragen stellen, in der Zeit, in der sie schon längst auf der Suche sein könnten."
Ein weiterer Tränenschwall brach über sie herein. Es machte Scully emotional krank. In dem Gespräch mit der Mutter, die ein Opfer ihrer Selbstverzweiflung war, ist ihr nachher klar geworden, dass sie damals, vor 3 oder 4 Jahren nicht so reagiert hätte. Sie hätte sie womöglich angeschrien, weil es halt so wichtig war, dass keine Zeit verloren ging. Aber heute löste sie diese Dinge auf anderer Art. Sie versucht mit den Menschen zu reden und manchmal, ganz unbedacht, offenbarte sie sogar selbst ein Geheimnis von ihr selbst, um verstehen zu geben, dass sie nachempfinden konnte.
"Mrs. Hunter, ich will, dass Sie jetzt noch einmal scharf nachdenken. Sie sagten, und ich glaube Ihnen auch, dass Sie diesen Mann nicht kennen, ist das jetzt korrekt?",
Sie nickte.
"Wenn das so ist, vielleicht kennen Sie ja jemanden - es muss ja nicht unbedingt derselbe Mann auf dem Foto sein -, der Ihnen in letzter Zeit aufgefallen ist? Vielleicht jemand ganz Bernales wie zum Beispiel ein Eisverkäufer oder ein Lastwagenfahrer? Halt nur jemanden, der Ihnen durch sein Auftreten stutzig gemacht hat."
Sie verneinte mit einem Kopfschütteln.
"Es kann auch jemand aus der Familie sein, der sich bei Ihnen in der letzten Zeit vielleicht öfters aufgehalten hatte und nun plötzlich nicht mehr kommt."
"Nein, es tut mir leid." Mrs. Hunter stand auf, kramte ein Taschentuch aus ihrer Hosentasche und schniefte hinein. "Agent Scully, ich kann Ihnen dazu wirklich nicht mehr sagen. Meine Kräfte sind am Ende. Ich habe in der letzten Zeit nichts dergleichen beobachten können und ich wäre Ihnen nun dankbar, wenn Sie meine Wohnung verlassen könnten. Ich möchte etwas schlafen. Bitte."
Scully stand auf und lief zur Tür. Mrs. Hunter begleitete sie mit schweren Schritten. "Aber falls Ihnen vielleicht doch noch etwas einfallen sollte", began Scully, drehte sich um und zückte ihre Visitenkarte aus ihrer Jackentasche und überreichte ihr diese, "wäre ich sehr für einen kleinen Anruf verbunden."
Damit überquerte sie die Türschwelle und trat hinaus ins Freie.
***
Agent Lee Tommes saß auf einer Bank, als ich mich endlich zu ihm gesellte. Ich nahm an, dass er auf mich schon seit ein paar Stunden gewartet hatte. "Und? Haben Sie etwas herausfinden können?", fragte er mich und musste blinzeln, als seine Augen zu mir aufsahen und das Sonnenlicht trafen.
Eigentlich hatte ich keine Lust darauf, ihm groß zu erzählen, was im Hause bei den Hunters los gewesen war, dass zum Beispiel die Mutter von Jerry vor sich hin geweint hatte und mir mit ihren Worten zu verstehen gab, dass ich lieber nach draußen gehen und dort nach ihrem Sohn fanden sollte. "Sie meinte, dass sie den Mann auf dem Foto nicht kennen würde", erwiderte ich und blieb wieder still. Dieser Mann hatte es nicht einfach mit mir.
"Haben Sie denn überhaupt nichts erreichen können? Einen kleinen Anhaltspunkt? Irgend etwas, dass uns ermöglicht, weiter voran zu schreiten?",
Ich schüttelte meinen Kopf und fragte dann, "Haben Sie denn etwas herausfinden können, Agent Tommes?", Eigentlich wollte ich ganz neutral danach fragen, aber mein sarkastischer Unterton war wohl kaum zu überhören.
Er öffnete sein Jackett und drückte mir einen Notizblock in die Hand. "Ich habe mit Edgar Marx gesprochen. Der Vater einer fünfjährigen Tochter, der das Foto gemacht hat."
"Was haben Sie herausfinden können?", unterbrach ich ihn rasch und warf dabei einen Blick in seinem Notizblock. Ja, da war sie wieder. Du gute, alte Ermittlungskunst, die immer in mir gesteckt hat.
"Oh, eigentlich konnte er mir dazu keine weiteren Angaben geben. Er sagte, er wäre mit seiner Tochter viel zu viel beschäftigt gewesen, als das er darauf geachtet hätte, was in seinem Umfeld passiert. Aber dafür konnte ich eine andere Person ausfindig machen. Ihr Name ist Diana Rose und sie ist Bankangestellte. Hat ebenfalls eine Tochter, die aber wesentlich jünger ist."
Ich frage mich, weshalb es Menschen gibt, die Kinder zur Welt bringen können und Menschen, die nicht mal dazu in der Lage sind, sie in ihrem Innern heranwachsen zu lassen.
"Wo ist der springende Punkt?", frage ich ihn und er lächelte etwas matt.
"Sehen Sie, Scully, ich habe mit ihr ein paar Worte gewechselt und sie erzählte mir, dass ihr dieser Mann schon von Anfang an sehr merkwürdig vorkam."
"Also war er schon eine Weile auf dem Spielplatz?",
"Naja, sie wüsste es nicht so genau. Aber er stand anscheinend ein paar Meter weiter weg, an einem Baum gelehnt, beobachtete die vielen Kinder."
"Sind Sie sich sicher? Es kann auch ein Vater oder sonst wer gewesen sein."
"Nein, nein", erwiderte er mir und holte eine Kopie des Beweisfotos aus seiner Tasche. "Sehen Sie, ich habe ihr das Dia gezeigt und sie meinte, dass er es ist. Sie erzählte mir von seiner Sonnenbrille und dem langen Mantel, obwohl es hier nun wirklich nicht gerade kühl ist, oder?",
"Also fein. Anscheinend hat ihn jemand beobachtet. Konnte sie auch etwas über den Jungen sagen, über Jerry? Wie er sich verhielt und ob er den Mann sofort erkannt hatte?",
"Ja und nein. Jerry sei ihr nicht besonders aufgefallen. Sie wissen ja, wenn Kinder spielen, dann sind Sie in ihrem Element, aber sie erzählte mir von seinem Gesichtsausdruck, als er den Mann erkannte hatte. Er ließ alles stehen und liegen und rannte zu ihm hinüber. Sie sagte, dass er für einen Moment total schockiert aussah, er wäre ganz weiß angelaufen.... aber dann hastete er so eilig von dem Klettergerüst hinunter, als ob er sich vor etwas fürchten würde. Und das Sonderbare an der ganzen Sache war, dass der Junge freiwillig die Hand nach unserem Verdächtigen ausstreckte."
" ... vielleicht kannten sie sich doch", sprach ich meine Gedanken laut aus.
"Vielleicht", erwiderte Tommes. "Aber vielleicht auch nicht. Warum sollte ein 6-jähriger Knabe einen Mann entgegen sprinten, vor dem er sich anscheinend fürchtete?",
Ich blickte auf dem Boden. Ja, auf diese Frage hatte ich auch noch keine Antwort finden können.
"Wir sollten noch einmal zum Tatort zurückkehren. Zu dem Baum, an dem unsere Zielperson stand", überlegte ich und stand auf. "Irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir dort noch etwas finden werden."
Agent Tommes zuckte seine Schultern und folgte mir. Ich wusste, dass er da anderer Meinung war. Er wollte mir widersprechen, aber tat es nicht. Ich war froh, dass er sein Mundwerk zügelte. Hätte er mit mir ein Gespräch angefangen, so wäre ich ihm wahrscheinlich sprichwörtlich an die Gurgel gegangen.
***
Als wir auf dem Spielplatz ankamen, tummelten sich ungefähr 5 Kinder in dieser Gegend herum. Ohne Eltern. Es waren schon ältere. Ich war froh darüber.
"Also, wo hat sie gesagt, stand der Typ?", fragte ich und Tommes führte mich weiter weg vom Spielplatz. Wir liefen ein paar Sekunden, bis er anhielt und einmal um dem Baum lief. "Genau hier", murmelte er und ich sah mir das Prachtstück an einer Eiche näher an. "Hier also?", murmelte ich ebenso und ging auf die Knie, um den Boden zu untersuchen. Rasen. Wäre ja auch zu schön, um wahr gewesen zu sein.
"Fußspuren können Sie hier ja wohl vergessen", hörte ich seine Stimme und ich schüttelte leicht meinen Kopf, konzentrierte mich mehr auf das, was ich tat. "Nein, Tommes, ich suche nach etwas anderem", sagte ich gerade laut genug, dass er es hören und verstehen konnte. "Was denn?", fragte er und kniete sich neben mir.
Ich kräuselte meine Stirn in Anstrengung, als ich mit festen Griffen versuchte, ein Stück Rasen aus dem Erdreich zu lockern. "Irgend etwas. Ein Anhaltspunkt."
"Ach, und Sie glauben, dass Sie so etwas in einem Stückchen Boden finden können, ja?",
Ich bemerkte, wie er wieder aufstand und sich umsah. "Hören Sie, Scully, ich weiß zwar nicht, was Sie da tun und es ist mir im Grunde genommen auch egal, aber ich finde, wir sollten etwas Sinnvolleres mit unserer Zeit anstellen. Vielleicht finden wir noch eine Zeugin."
Wozu? fragte ich in meinen Gedanken, aber sprach es nicht laut aus. "Noch eine Minute", murmelte ich dagegen und tastete den Baum ab. Etwas musste doch da sein! Ich hatte so das Gefühl gehabt, vielleicht eine Intuition, die mich veranlasste, hierher zu kommen. Aber ich fand nichts. Rein gar nichts. Ich stand auf und wollte schon etwas wie "Ja, Sie haben vielleicht doch recht" sage n, aber mein Blick klebte nun auf das Klettergerüst, auf dem die 5 Kinder ihre Spiele tätigten. "Warten Sie mal", flüsterte ich und lief hastig auf das Spielgerät zu.
"Was haben Sie denn jetzt schon wieder vor?", hörte ich seine Stimme hinter mir, aber er rannte mir dennoch hinterher. "Tommes, ich weiß, dass hier etwas ist! Sie müssen nur gründlich danach suchen. In welchem Bereich des Klettergerüstes hatte Jerry gespielt?", fragte ich und drehte mich zu ihm um. Er kam gerade angerannt. "Ich habe keine Ahnung", sagte er und ich bezog seine Antwort auch auf die von Diana Rose. "Also schön. Sie werden den rechten Teil übernehmen. Ich den linken", sagte ich und stieg die Treppen hinauf.
"Und wonach soll ich bitte schön suchen?", fragte er mich und gestikulierte mit seinen Händen. "Was Sie da mit dem Rasen gemacht haben, kann ich wohl schlecht mit dem Holz anstellen."
"Tommes, einfach nach irgend etwas. Sie werden das schon hinkriegen."
Ich war nun beinahe oben angelangt, als ich ein Teil seiner brummenden Selbstgespräche hörte. In dem Augenblick wurde mir klar, wie Mulder sich immer gefühlt haben musste, als er Aufträge wie diesen mir zu verstehen gab. Es war herrlich, über jemanden die höhere Macht zu besitzen. Und ich genoss dieses Gefühl in vollen Zügen.
Als ich mich unter eine Stange in das kleine Spielhäuschen zog, registrierte ich ein Gesicht, dass mich neugierig anstarrte. Es war eines der fünf spielenden Kinder, doch sie war die einzigste, die hier oben war. Ich schätzte sie auf 8 Jahre, vielleicht noch jünger. "Hey!", kam mir die knappe Begrüßung aus dem Mund geflossen, da sie mich ein wenig erschreckt hatte. Ich hatte nicht erwartet, dass hier oben jemand sein würde. Sie erwiderte mir nichts, sondern dachte sich ihren Teil. Ja, Dana Scully sah ja heute so gespenstisch aus ...
"Warum bist du nicht bei deinen Freunden?", fragte ich und richtete mich auf. Sie hatte es sich auf eine kleine rote Sitzbank bequem gemacht und schaute mich mit ihren großen Augen an, die mehr als neugierig waren. "Ich darf nicht mit Fremden reden", sagte sie letztendlich und ich nickte. "Mami hat gesagt, dass man fremden Menschen nicht trauen darf. Sie können etwas mit dir anstellen und man weiß dann nicht, wie man sich dagegen wehren soll."
Da stimmte ich mit ihr überein. Das wusste man wirklich nicht. Die Erfahrung hatte ich ja schon gemacht. "Deine Mami ist sehr klug, Kleines. Man sollte immer vermeiden, mit fremden Menschen zu reden, besonders wenn man allein und noch so klein wie du bist."
Ich seufzte und sah mich um. Ich genoss wirklich die Anwesenheit eines Kindes, aber wenn es um das Geschäftliche ging und ich war nun einmal gerade im Dienst, dann konnte es ziemlich belastend werden. "Mami sagt auch, dass kleine Kinder nicht mehr alleine auf die Straße gehen sollten. Das wäre zu gefährlich."
Ich atmete tief durch. Langsam ging mir ihre Mutter auf die Nerven. Ich schüttelte meinen Kopf und kniete mich auf das Holz, untersuchte die Unterfläche der Bank gegenüber von dem Mädchen. "So etwas sagt deine Mami, ja?", fragte ich, aber sie antwortete mir nicht. Im nächsten Augenblick kniete sie sich neben mir und legte ihren Kopf auf dem Boden, um unter die Bank zu schauen. Ich sah verwundert zu ihr hinüber. "Kleines, was machst du denn da?", fragte ich und lächelte ein wenig. Kinder konnten ja so neugierig sein, so neugierig ...
"Ich mache das, was du machst", sagte sie lapidar und sah mich an. Sie lag nun auf dem Rücken und wand ihren Kopf etwas nach hinten, um mich sehen zu können. "Hast du etwas verloren?", fragte sie und ich war im Begriff meinen Kopf zu schütteln, aber dachte dann einen Augenblick lang nach. Okay, es war etwas ... unfair, wenn man das Vertrauen eines Kindes ausnutzen würde, aber vielleicht konnte sie mir doch eine Hilfe sein. "Ja, ich habe etwas verloren", log ich sie an, aber sie bemerkte es nicht. Im Grunde genommen stimmte es ja. Irgendwie.
"Und was?", fragte sie mit leuchtenden Augen und drehte sich auf ihren Bauch, stützte ihren Kopf auf ihre Handflächen und ließ ihre angewinkelten Beine hin und her schwanken. Das sah süß aus. Ich lächelte. "Nun ja, ich weiß es nicht so genau, weißt du? Es kann ein Stift, ein Blatt Papier oder vielleicht ein Taschentuch sein, alles ist möglich."
Sie stand abrupt auf und strahlte übers ganze Gesicht. "Ich suche mit!", beschloss sie und fing sogleich an, etwas aufzuheben. Ein leeres und zerknülltes Trinkpäckchen wedelte nun plötzlich vor meinen Augen. "Nein", sagte ich sanft und kam mir dabei total lächerlich vor. Warum beachtete ich dieses Mädchen einfach nicht und versuchte, meine Arbeit alleine zu vollenden, als dass ich ein kleines Mädchen zu erklären versuchte, nach was sie suchen musste?
"Nein, schau mal, so etwas habe ich nicht gemeint. Hier, siehst du", sagte ich, nahm ihr das Trinkpäckchen aus den Händen und drehte es einmal um seine eigene Achse. "Das ist kein Zeichen. Es ist nur ein Trinkpäckchen, nichts weiter. Vielleicht kannst du nach einem Stück Zettel Ausschau halten, wo etwas drauf geschrieben wurde. Auch wenn es nur ein Taschentuch ist, okay?",
Sie nickte, war aber doch schon wieder bei anderen Gedanken. Schnell lief sie über die Hängebrücke und ich sah ihr hinterher. Ein Versuch war es ja wert, dachte ich bei mir, wurde aber sogleich wieder überrascht. Sie war kurz in einer Ecke verschwunden und tauchte dann mit einem Stück Papier in der Hand wieder auf. Sie strahlte übers ganze Gesicht, als sie einen Schritt zurück auf die Hängebrücke setzte. Vorsichtig, Kleines, dachte ich noch so bei mir, als sie über das quietschende und schaukelnde Gefährt rannte und plötzlich stolperte.
Ich war schon längst aufgestanden und eilte zu ihr. Sie war mit ihrem Kiefer auf die Bretter aufgekommen, konnte sich aber zum Glück noch mit ihren Armen ein wenig abstützen. Den Zettel, den sie in der Hand gehalten hatte, flatterte genüsslich zu Boden. Ich bemerkte meinen neuen Partner Lee Tommes, der wahrscheinlich durch das Kreischen und Weinen des Mädchens angelockt wurde.
"Hast du dir weh getan, Kleines?", fragte ich besorgt und packte sie sanft bei den Armen, um sie hochzuziehen.
"Was ist passiert?", hörte ich etwa zur selben Zeit Tommes sagen und ich antwortete nur, "Sie ist gestolpert." Dann wand ich mich dem Mädchen wieder zu. "Ist dir etwas passiert? Tut dir irgend etwas weh?",
Ich ließ meine Finger vorsichtig über das Kinn des Mädchens gleiten, fühlte, wie sie unter meinen Fingern zitterte und konnte eine rote Flüssigkeit nahe ihrer Lippen ausmachen. Sie schluchzte jetzt nur noch, aber ihre Tränen waren immer noch da. Sie legte ihre Handflächen um meine beiden Handgelenke und ich versuchte, sie zu beruhigen. "Ich bin Ärztin, Kleines. Lass mich mal sehen." Sie ließ mich gewähren, vertraute mir anscheinend. "Tut dir etwas an den Zähnen weh? Bist du mit deinen Zähnen aufgekommen?", fragte ich nun und sie schüttelte ihren Kopf. Gott sei dank.
Ich holte ein Taschentuch aus meiner Jackentasche und legte es ihr vorsichtig an die Lippen. "Deine Unterlippe blutet ein wenig, aber das ist halb so schlimm. Wird schon wieder", erklärte ich ihr in meinen zartesten Tönen und lächelte. "Nächstes Mal ein bisschen langsamer, okay?", Ich stupste ihr auf die Nase und sie nickte nur. Ich glaube, sie stand immer noch unter Schock.
"Ist alles in Ordnung mit ihr?", fragte nun Tommes und ich nickte. "Ja, es geht ihr gut."
Ich sah, wie sich die anderen vier Kinder unter der Hängebrücke verteilten und mit besorgten Gesichtern aufschauten. "Was ist passiert?", fragte die eine. Dann die andere, "Natalie, bist du in Ordnung?", und eine andere wiederum, "Deine Hose hat ja ein Loch!",
Ich schaute zu dem Mädchen, dessen Namen ich nun kannte und lächelte sie an. "Sind das deine Freunde, Natalie? Sie scheinen sehr besorgt um dich zu sein." Sie unterbrach mich plötzlich mit einer lauten Stimme. "DER ZETTEL!!", rief sie und starrte in ihre Handflächen. "Er ist weg", flüsterte sie dann und ich beruhigte sie augenblicklich ein weiteres Mal. "Nein, du hast ihn verloren, als du gefallen bist. Er liegt jetzt unten im Sand."
Sie lehnte sich ein wenig über den Holzbalken und schaute erleichtert hinunter. "Ist doch nicht so schlimm", sagte ich und legte eine Hand auf ihrem Rücken. "Wir können ihn ja jetzt holen gehen."
Ich kletterte auf dem selben Weg, den ich gekommen war, hinunter und Natalie bevorzugte die Rutsche. Wäre ich 20 Jahre jünger, hätte ich es vielleicht auch getan.
Als ich unten ankam, rannte sie auf mich zu und drückte mir den Zettel in die Hand. Ich faltete ihn rasch auseinander und las über die Buchstaben, die offensichtlich aus einer Kinderhand geschrieben wurden. Agent Tommes gesellte sich zu mir und ich überreichte ihm ihn wortlos.
"Aber woher wusstest du, dass er dort versteckt war, Natalie?", fragte ich. Hatte sie etwa mit dem kleinen Jerry zu tun und wusste sie vielleicht schon etwas von seinem Verschwinden?
"Ich sollte ihn da hintun", antwortete sie mir und ich kniete mich vor ihr nieder.
"Wer hat dir das gesagt?", fragte ich mit einer sehr ernst klingenden Stimme. Gott, das war ernst!
"Ein Junge namens Steffen."
"Der hat dir gesagt, dass du den Zettel dort verstecken sollst?",
"Hm", nickte sie und deutete sogleich mit ihrem Zeigefinger auf ein Hochhaus nicht weit entfernt von hier. "Der wohnt da oben."
"Hat er dir auch gesagt, warum du den Zettel verstecken sollst?",
Sie schüttelte ihren Kopf. Schade, ich hatte gehofft, dass sie mir mehr Antworten geben konnte, aber sie hatte mir wirklich sehr, sehr doll geholfen. "Kennst du vielleicht auch die Hausnummer, wo der Steffen wohnt?", "Ja", sagte sie und streckte mir alle Finger entgegen. "Er wohnt in der Nummer zehn, ja?", vergewisserte ich mich und sie nickte abermals. "Okay, ich danke dir, Natalie." Ich strich ihr kurz über die blonden Haare und sagte dann noch, "Du warst mir wirklich eine große Hilfe."
Ich wandte mich zu Tommes, der das Stück Papier skeptisch in seinen Fingern betrachtete und zog ihn ein wenig weg von den Mädchen, die uns nun neugierig anstarrten. Sie tuschelten. Und Natalie auch.
"Okay, also ein Steffen hat das anscheinend geschrieben", sagte ich und warf noch einmal einen Blick auf die Schrift. Hilfe! Lagerhalle Sechs. 23:00 Uhr. Donnerstag. Washington, D.C. "Das hat irgend etwas zu bedeuten, Tommes. Donnerstag ist schon morgen. Wir sollten mit diesen Steffen reden."
"Ja, aber was hat das denn alles mit dem Verschwinden von Jerry Hunter zu tun, Scully? Vielleicht ist es nur ein böser Streich von einem Jungen, der Aufmerksamkeit erregen will, und..."
Ich bemerkte, wie mir jemand an meiner Jacke zupfte. Erstaunt stellte ich fest, dass es Natalie war. Sie bat mich mit ihren Händen, dass ich meinen Kopf nach unten senken sollte, an ihre Lippen, damit ich sie verstehen konnte, was sie sage wollte. Sie legte ihre Hände schützend um eines meiner Ohren und als sie dort hinein flüsterte, konnte ich ihren warmen Atem an meiner Ohrmuschel spüren.
"Ich muss dir etwas sagen", began sie und ich nickte still. "Ich kenne auch einen Jerry." Ich wand meinen Kopf überraschend zu ihr hin und sie sprach leise weiter. "Hm, der wohnt hier auch in der Nähe. Ich spiele manchmal mit ihm. Aber meistens ist er auch oben bei Steffen. Ich glaube, das ist sein Freund."
Ich sah sie an und richtete mich wieder auf. "Tommes", sagte ich und konnte meinen eigenen Worten kaum glauben. "Ich glaube, die Verbindung zu Jerry ist nun doch hergestellt."
3/4
Ich kam gestern mit dem Flug 307 der FlyFlighters auf dem Stadtflughafen in Washington, D.C. an. Endlich, nach über 20 Monaten konnte ich meine Stadt wieder sehen und riechen! Ich war alleine, aber ich wusste, dass man mich beobachtete. Vielleicht saß sogar einer der Männer mit mir im Flugzeug und ich habe es nicht bemerkt. Im Grunde genommen war es auch egal. Ich durfte mich nur nicht als Fox Mulder ausgeben und mit Leuten sprechen, die mich kannten. Alles zum Schutz der Gruppe und ihrer Taten. Ich musste ihnen glauben.
Zwei Jahre meines Lebens habe ich nun in Melbourne verbracht; zwei Jahre, die ich anders hätte gestalten wollen. Man hatte mir nie gesagt, warum ich mich um die Kinder kümmern sollte, die bei uns eingeliefert wurden. Ich bekam immer nur einen Brief unter meiner Tür durch geschoben und musste mich dann auf dem Weg machen, um zu dem Ort zu gelangen, an dem die Experimente mit den Kindern durchgeführt wurden.
Es waren nicht solche Experimente und Tests, die sie bei Scully durchgeführt hatten; ich weiß es selber nicht einmal, was sie da taten. Die Tests fanden meistens an einem Tag im Monat statt. Immer wieder in der selben Lagerhalle, immer wieder dasselbe Spiel.
Die Kinder kannten uns nun schon mittlerweile. Manche sprach ich sogar mit ihren Namen an. Einige von ihnen waren schon von Anfang an mit dabei. Von Anfang an, das heißt, als ich als Neuankömmling in ihrer Truppe dazu gestoßen war, waren sie auch schon da.
Es gab Kinder, die am frühen Morgen herkamen und dann nach 20 Minuten wieder an ihrem Heimatort zurückgebracht wurden. Es gab aber auch solche, die den ganzen Tag blieben und manche wiederum, die über Jahre hinweg bei den Männern verharrten. So auch ein kleiner Junge, den ich kurz auf einem Foto gesehen hatte.
Ich malte mir aus, wieviele Vermisstenanzeigen schon bei der Polizei eingegangen sein mussten; wieviele Eltern sehnsüchtig hofften und beteten und vielleicht selber die Initiative ergriffen, weil sie es nicht mehr aushielten. Ich hoffte, dass irgend jemand von den Kerlen einmal einen Fehler machen würde. Dass sie vielleicht an einer Stelle mal unachtsam wären und dadurch ins Netz der grünen Beamten tappen würden, damit dieser Spuk hier endlich ein Ende hätte! Aber so sehr ich auch hoffte, betete und Gott weiß, was sonst noch alles, ist es nie geschehen.
Morgen würde es wieder soweit sein. Donnerstag. Eine Stunde vor Mitternacht. Die Kinder würden kommen und die Männer würden an ihnen Tests vornehmen. Ich fragte mich schon vor sehr langer Zeit, warum sie den Kleinen vertrauten. Es könnte ja gut möglich sein, dass sich einer von ihnen bei seinem Elternteil aus Versehen versprechen würde, aber ich bekam sehr schnell mit, dass Ihnen danach die Erinnerung an alles, was geschehen war, genommen würde. Es war nur komisch, dass sich immer noch ein paar an meinem Zweitnamen erinnern konnten, wenn sie mich sahen. Wahrscheinlich lag es daran, dass man ihnen nur in diesem Zeitraum (!) etwas gegen das Erinnerungsvermögen spritzten.
Die Kinder waren vor und nach dem Eingriff wie ausgewechselt. Ich meine, sie waren nicht mehr sie selbst. Sie schwiegen nur und starrten geradeaus. Ich hoffte, dass sie keine Schmerzen spüren würden. Manchmal war es auch meine Aufgabe, sie von den komischen Schläuchen, Sonden und den Apparaten, von denen ich noch nie etwas in meinem Leben gehört hatte, zu befreien. Manchmal war es auch meine Aufgabe, sie wieder zu Hause abzusetzen. Manchmal war es aber auch meine Aufgabe, einfach still zu sitzen, zuzusehen und mir ein paar Notizen zu machen. Das war das Schlimmste von allen.
Es gab mehrere Männer meiner Sorte. Wir redeten nie. Zumindest fast nie. Ich kannte manche Namen von ihnen, aber nicht viel. Meistens versuchte ich meine ganze Aufmerksamkeit den Kindern zu widmen. Ich wusste, dass sie das spürten. Manchmal, wenn niemand zusah, legte ich für einen Augenblick meine Hand auf die ihren und versuchte dadurch Trost zu spenden. Besonders bei den jüngeren. Es war schwierig zu glauben, dass es auch Zwei oder Dreijährige gab. Es machte mich krank.
***
Scully betätigte zwei Mal die Klingel, als endlich jemand aufmachte und sie erschrocken ansah. "Guten Abend, Dana Scully vom FBI", stellte sie sich vor und hielt ihren Ausweis der Frau unter die Nase. "Das ist mein Partner, Agent Lee Tommes. Dürften wir vielleicht rein kommen? Es ist sehr wichtig."
"Was gibt es denn?", fragte die Frau und drückte ihre Tür wieder ein Stück zu.
"Warten Sie", sagte Scully rasch und legte ihren Fuß an die Tür. "Wohnt hier ein gewisser Steffen? Wir müssen mit ihm reden."
"Ich wüsste nicht, was es da zu reden gibt. Steffen hat nichts angestellt."
Sie wollte die Tür wieder schließen, aber Tommes verwehrte ihr dieses. "Mrs. Seifert, es ist wirklich sehr dringend. Wenn Sie glauben, dass er nichts angestellt hat, dann beantworten Sie uns wenigstens eine Frage." Er holte ein Passfoto aus seiner Hosentasche und gab ihr diese. "Kennen Sie vielleicht diesen Jungen hier? Sein Name ist Jerry Hunter."
Die Frau seufzte leise und nickte dann in gewisser Weise ihren Kopf. "Ja, ich kenne ihn ... Vielleicht sollten Sie doch lieber hereinkommen."
Damit öffnete sie ihre Tür und ließ die beiden Agenten in ihre Wohnung treten. "Jerry war ein Freund meines Sohnes. Ganz schlimme Sache, was da passiert ist. Haben Sie ihn schon ausfindig machen können?", Ohne, dass sie ihnen die Möglichkeit gab, auf ihre Frage zu antworten, beantwortete sie sich diese selber. "Nein, natürlich nicht. Das war ja ganz klar. Hier läuft nichts mehr in diesem verdammten Staat."
Sie zündete sich eine Zigarette an und setzte sich auf einem Küchenstuhl. "Was wollen Sie wissen?",
"Mrs. Seifert, wir würden gerne mit Ihrem Sohn sprechen. Er kann uns vielleicht weiterhelfen."
"Das bezweifle ich." Sie blies den Rauch aus ihre Lungen, stand auf und sagte nur, "Kommen Sie mit."
Die Agenten folgten ihr, als sie einen schmalen Flur entlang ging und kurz darauf an eine Tür klopfte. Sie öffnete diese und trat an ihren Jungen heran. "Mein Schatz, dass sind zwei FBI-Agenten, die dich gerne sprechen würden." Sie fuhr dem Jungen über seinen kahlen Kopf und küsste ihn auf seine Stirn. "Mami wartet draußen. Wenn du Hilfe brauchst, dann rufe nach mir, okay?",
Sie stand wieder auf und blickte den beiden Agenten funkelnd in die Augen. "Und jetzt erzählen Sie mir noch einmal, dass er Ihnen helfen kann." Ihre Stimme war ein heiseres Flüstern, sie zischte regelrecht, aber sie verließ dann das Zimmer. Scully drehte sich nach ihr um und wartete, bis sie die Tür geschlossen hatte, bevor sie sich zu dem Jungen bewegte, der in einem Bett lag und zur Decke starrte. Tommes folgte ihr leise.
"Steffen?", fragte Scully und setzte sich vorsichtig auf die Bettkante seines Schlafplatzes. "Ich bin Special Agent Dana Scully und das ist mein Partner Special Agent Lee Tommes. Wir sind hier, um dir ein paar Fragen zu stellen."
Der Junge bewegte seinen Kopf und schaute Scully in die Augen. Er hatte Krebs.
"Wir wissen von deiner Mom, dass du einen Jerry kanntest. Er war dein Freund, nicht wahr?",
Steffen versuchte sich aufzurichten, aber er kippte augenblicklich wieder nach hinten. Dann öffnete er seinen Mund und versuchte etwas zu flüstern, was aber weder Scully noch Tommes verstehen konnten. Er hob seine Hand und schloss seinen Daumen und Zeigefinger zusammen. "Er will etwas schreiben!", sagte Scully rasch und schaute erwartungsvoll zu Tommes hinauf. Dieser kramte schon in seiner Tasche und übergab ihm dann seinen Notizblock und einen Kugelschreiber.
Der Junge malte jeden Buchstaben einzeln auf und Scully wusste, dass er dafür sehr viel Kraft aufbringen musste. Sie fragte sich, wie es zu einer Freundschaft zwischen ihm und Jerry jemals kommen konnte.
Steffen reichte Scully den Zettel und sie las leise vor. "Zettel. Spielplatz."
Sie überlegte einen Moment und nickte dann. "Ja, wir haben einen Zettel gefunden. Der hier." Sie gab ihm ein zerknülltes Blatt Papier und er nickte. Sie glaubte, ein Lächeln gesehen zu haben. "Steffen, hast du das geschrieben?", fragte sie und er bat wieder um den Kugelschreiber und ein weiteres Stück Papier. "Ist es der Ort, an dem Jerry hingebracht wurde?",
Er konzentrierte sich auf das Schreiben und Scully und Tommes warteten solange, bis er wieder fertig war. "Morgen. Jerry ist da. Die haben ihn da hingebracht. Aber woher weißt du das, Kleiner? Hat dir das Jerry erzählt?",
Er schrieb weiter. "Er wusste, sie kommen und ihn abholen. Er sagte, viele Kinder da."
Damit sank er zurück in die Kissen und atmete tief durch. Scully sah zu Tommes auf. Sie hatten eine Spur.
***
"Das ist Ihr Beweisstück, Agents? Ein beschmierter Zettel von einem Krebskranken Kind? Das kann doch nicht Ihr Ernst sein." Skinner starrte auf seine beiden Special Agents und schüttelte seinen Kopf. "Tut mir leid, aber ich hatte mehr von Ihnen erwartet."
"Sir, wir haben in Australien unser Bestmögliches getan. Ich vertraue diesem Kind. Er sagte die Wahrheit und ich bin mir ganz sicher, dass wir dort auch Jerry finden werden."
"Sind Sie derselben Meinung wie Agent Scully, Tommes? Glauben Sie auch daran?",
"Nun, was dieser Junge sagte, war nicht von der Hand abzuweisen. Ich denke schon, dass wir ihm vertrauen sollten. Es ist vielleicht unsere einzigste Spur, die wir in diesem Fall haben werden."
Skinner seufzte und blätterte noch einmal die Mappe durch, in denen Notizen geschrieben waren. "Okay, wie es aussieht, hält sich der Junge wahrscheinlich in dieser Lagerhalle auf. Und? Was gedenken Sie zu tun?",
"Wir werden heute Nacht da hinfahren und es überprüfen, Sir."
"Alleine oder was? Das ist viel zu gefährlich. Aber ich kann hier auch keinen Aufstand machen und meine ganzen Agenten zusammen trommeln, nur weil es wahrscheinlich eine kleine Spur gibt."
Die Agenten schwiegen, währendessen Skinner angestrengt nachdachte. Natürlich hatte er die Wahl und könnte ein Team aufstellen. Aber um welchen Preis? Was wäre, wenn die ganze Sache nach hinten losgehen würde?
"Sir, das sind Menschenleben. Steffen erzählte uns auch, dass dort viele Kinder sein würden. Wenn das wahr ist, wenn das wirklich wahr ist, dann steckt vielleicht viel mehr dahinter, als wir es am Anfang vermutet haben."
Skinner schwieg wieder. Dann ließ er laut die Luft aus seinen Lungen. "Also schön. Sie haben mich überzeugt. Ich werde das SWAT - Team zusammenrufen und Sie beide werden sich in Bewegung setzen und zu dieser Lagerhalle fahren. Ich hoffe nur, dass Sie Recht haben, ansonsten sitze ich nämlich ganz schön in der Scheiße."
***
Alles ist umstellt. Wir befinden uns nur wenige Meter von der Lagerhalle entfernt und warten darauf, dass etwas passiert. Tommes und ich, sowie die anderen Agenten und das SWAT Team tragen Kugelsichere Westen. Sie liegen am Boden, hinter ein paar Büschen, manche sind sogar auf ein paar Bäumen geklettert und haben somit die gesamte Lagerhalle gut in Sicht. Skinner ist auch da. Das hat mich ein wenig verwundert. Wahrscheinlich wollte er sich selbst ein Bild über die Situation verschaffen.
Hier draußen ist alles ziemlich ruhig. Nur noch wenige Minuten, dann ist es um 11. Mein Herz pocht laut, dass ich es fast hören kann. Neben mir ist Agent Tommes. Er scheint sehr konzentriert. Das gefällt mir irgendwie. Es erinnert mich an Mulder.
Ich schaue mich wieder um. Wir haben hier mindestens 30 Agenten. Ich bete, dass Steffen die Wahrheit gesagt hat, dass wir nicht enttäuscht werden. Der arme Junge. Ich hatte Mitleid mit ihm.
Ich weiß nicht, was es ist, aber im Moment habe ich es sehr schwer, mich zu konzentrieren. Meine Gedanken schweifen andauernd zu anderen Dingen, die hier niemand interessiert. Das darf nicht passieren! Ich weiß das! Aber ich habe keinen Knopf an meinem Körper, den ich betätigen kann, damit er meine Gedanken abstellt. Ich habe wieder Sehnsucht. Am liebsten würde ich anfangen zu heulen.
Ich kann meinen Atem vor meinem Gesicht sehen, wie er aus meinem Mund strömt und dann mit der Luft eins wird. Es ist schon erstaunlich, wie tief die Temperaturen über Nacht sinken können.
Plötzlich spüre ich Agent Tommes neben mir. Er duckt sich und ich mache es ihm einfach nach. Wie schief hätte das ins Auge gehen können. Ich hatte die zwei Wagen nicht gesehen, die an uns vorbei gefahren und ein paar hundert Meter weiter zum Stehen kamen. Konzentriere dich bloß, verdammt!!
Es steigen etwa 5 Männer aus. Sie sind alle groß, schlank und sportlich. Sie zerren drei Kinder aus dem Wagen. "Jerry ist nicht dabei", sagt Tommes und ich nahm mir mein Fernglas, um mich selbst davon zu überzeugen. Er hatte Recht. Vielleicht würde er noch kommen.
Einer der Männer schaut auf seine Uhr. "Zwei Minuten vor um 11", sagt er laut und sieht sich kurz um. "Wir sind schon wieder die ersten! Wo bleiben die bloß, die Arschlöcher!?",
"Rege dich nicht so künstlich auf, Idiot! Die wissen schon, was sie tun! Lass uns lieber reingehen und schon mal alles vorbereiten."
Sie packen die Kinder bei den Armen und laufen zum Eingang der Lagerhalle. "Sollen wir eingreifen?", höre ich eine Stimme durch ein Mikrofon sagen und schaue hinüber. Neben Skinner sitzt ein dunkelhäutiger Mann, der anscheinend die Führung über das SWAT Team übernimmt. "Nein, nicht eingreifen, SWAT Team!! Beobachten Sie weiter und halten Sie Ausschau nach einem eventuell dritten oder vierten Wagen!",
Wir sehen, wie die Männer die schweren Eisentüren öffnen und ihnen zwei andere Männer entgegen kommen. Sie strecken ihre Hände nach den Kindern aus und diese nehmen sie ohne große Worte an und lassen sich von ihnen in die Lagerhalle führen. Ich bin erstaunt. Vielleicht stehen sie unter Drogen.
Meine Hand gleitet hinunter zu meiner Waffe. Ich gehe nur noch einmal sicher, dass sie jederzeit bereit ist, wenn der Befehl kommt. Es sind schon neun Stück. Vielleicht sind in dieser Halle noch mehr und Gott weiß, wieviele noch kommen werden.
Plötzlich hören wir Autoreifen quietschen und es kommt schon die nächste Truppe. "Ja, ihr Schweine, kommt nur alle", sagt der SWAT Team Führer und ich kann auf seiner Stirn Schweißperlen ausmachen. Gott, lass diese Sache nur glimpflich verlaufen.
Es ist diesmal nur ein Wagen. Wieder drei Kinder. Und diesmal ist auch Jerry dabei. Er sieht erschrocken aus, als er aussteigt, aber er vermittelt mir nicht den Eindruck, dass er Angst hat. Er hätte weglaufen können, da er für einen Moment ganz alleine vor dem Wagen steht, aber er tut es nicht. Er schaut in meine Richtung. Ich habe das Gefühl, als ob er weiß, dass wir da sind.
Dann wird er von der Seite gepackt und man schleift ihn in die Lagerhalle. Die Tür schließt sich mit einem lauten Knall. Es ist um 11. Das Spiel hat begonnen.
"SWAT Team, nähern!", befahl der Anführer seinen Leuten und langsam huschten Gestalten über den Boden zu dem Eingang der Lagerhalle. Ich ergreife meine Waffe und schleiche mich ebenso an. Ein paar weitere Agenten und ich übernehmen den Hintereingang. Wir bleiben durch eine moderne Sprechanlage, die hinter unseren Ohren verankert ist, mit den anderen in Kontakt.
Wir haben jetzt nun schon das große Gebäude erreicht und schleichen uns wie Katzen um die alten Gemäuer der Lagerhalle 6. Über mir ist ein Fenster, das mit Brettern zugenagelt wurde und ich stehe vorsichtig auf und riskiere einen flüchtigen Blick ins Innere. Durch ein paar Ritzen kann ich noch ganz genau erkennen, was da drinne vor sich geht. "Special Agent Dana Scully", spreche ich leise in mein Mikrofon. "Befinde mich beim Hinterausgang. Zwei Männer stehen am Eingang, die restlichen befinden sich inmitten des Raumes, aber... aber ich weiß nicht, ob es noch eine Treppe nach oben gibt."
"Wieviele Männer?", höre ich jemanden fragen und ich schätze ganz grob. "Zehn. Vielleicht zwölf. Die Kinder sind auf irgendwelchen Stühlen festgeschnallt, die mitten im Raum stehen...es sind insgesamt 8 Kinder, die ich von hier aus erkennen kann. Die Männer sind bewaffnet. Was ist Ihr Auftrag?",
"Hört zu, Agents. Die mittlere Gruppe von meinen Jungs bleibt da, wo sie ist. Meine zweite Gruppe postiert sich vorne am Eingang, überall. Die erste Gruppe beim Hintereingang. Ihr 5 auf den Bäumen, habt ihr freie Sicht?",
"Ja", antwortet einer. "Die oberen Fenster sind nicht verschlossen."
"Gut", höre ich wieder die Stimme unseres Bosses, der hier die Anweisungen gibt. "Ich gebe Kommando. Schießt den fünf Männern, die mehr in der Mitte stehen, auf die Beine. Die restlichen Männer übernehmen die erste und zweite Gruppe. Auf Kommando aber nur!", wiederholt er sich augenblicklich noch einmal. "In Position!",
Neben dem Hintereingang stehen auf jeweils einer Seite zwei Agenten. Ich bin die zweite, die in die Lagerhalle eindringen wird. Alles ist hier konzentriert. Wir warten bloß noch auf das eine Wort. Und dann ist es endlich soweit. "UND LOS!!!", kommt der Befehl und wir stürmen die Tür.
Hier ist plötzlich nichts mehr von Stille zu hören. Als ich hinein renne, liegen die ersten fünf Männer schon am Boden. Ungefähr einhundert Meter vor mir, da, wo ich den Vordereingang erkennen kann, stürmen die anderen Agenten nacheinander in das Gebäude und schreien die verdutzten Männer an, dass sie sich auf dem Boden legen sollen. Ich renne zu jemanden, der mit dem Rücken zu mir steht.
"AUF DEM BODEN!!", schreie ich ihn an und er will seinen Kopf zu mir drehen, aber ich halte ihn davon ab. "BLEIBEN SIE DA, WO SIE SIND UND JETZT AUF DEM BODEN!!!",
Ich erkenne, dass er immer noch mit sich selber ringt. Er will sich umdrehen, aber ich verweigere ihm das. "HÖREN SIE SCHWER, ODER WAS?!! ICH SAGTE, AUF DEM BODEN!!",
Endlich tut er es. Ich nähere mich ihm vorsichtig. Dann betaste ich seinen Oberkörper und seine Beine, falls er eine Waffe tragen sollte. Aber er hat keine an sich. Das verwundert mich ein wenig.
Ich knie mich so schnell wie es geht neben ihm nieder und packe seine Arme, überkreuze sie auf seinem Rücken und lege ihn Handschellen an. "Alles, was Sie sagen, kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden. Falls Sie sich keinen Anwalt leisten können, wird Ihnen einer gestellt. Sonst noch Fragen?",
Ich stehe auf, lasse aber einen Fuß noch auf seinem Rücken und will meine Waffe wieder in den Holster zurückstecken, als meine Augen von seinen Beinen zu seinem Kopf wandern und ich mir diese Person zum ersten Mal richtig betrachte.
Mein Herz bleibt stehen.
Ich bücke mich langsam hinunter, meine Hand wandert zu seinem Gesicht und ich streiche mit meinen Fingern ein paar Haarsträhnen weg.
Meine Finger fangen an zu zittern.
Er schließt seine Augen und schüttelt sachte seinen Kopf. Dann öffnet er seine Augen wieder und sieht mich von der Seite an.
Ich lasse meine Waffe fallen, vor Schreck, ich weiß es nicht. Es kommt mir wie in Zeitlupe vor. Dann stehe ich auf. Ich, ich weiß nicht, was ich sagen soll.
Plötzlich strömen drei Agenten an mir vorbei und packen sich ihn. Er wird hoch gerissen und man lässt ihn einen Moment gegenüber von mir stehen. Vor meinem Gesicht wedelt ein anderer Agent herum, untersucht ihn nach einer Waffe.
Ich starre ihn an, nicht fähig zu sprechen, mich zu bewegen oder gar irgend etwas zu machen. Er sieht mich nicht an. Seine Augen kleben auf dem Boden.
Ich muss die Tränen hinunter schlucken. Warum, Mulder? Gott, warum nur?
4/4
Es ist mittlerweile früh um 5.00 Uhr. Ich bin auf dem Weg ins Polizeirevier, auf dem man schon längst das hoffe ich zumindest die 10 Männer verhört hat. Ich bin mir nicht sicher, ob ich hören will, was Mulder zu sagen hat. Ich fürchte mich davor.
Die 8 Kinder, darunter auch Jerry, wurden ins örtliche Krankenhaus gebracht, wo man sie ausgiebig untersucht hatte. Es wurde nichts festgestellt, rein gar nichts. Allerdings sah ich das Ganze ein wenig anders. Die Kinder waren auf Stühlen festgebunden, konnten sich nicht bewegen und hingen an Maschinen, die ich in keinster Weise definieren konnte. Auch wenn die Männer jegliche Schuld von sich abweisen würden und man bei den Kindern keine Abnormitäten feststellen würde, so weiß ich doch, was ich gesehen habe! Den Kindern wurde etwas angetan ... und wer auch immer Schuld daran trug, musste dafür bestraft werden.
Das wussten die Männer, als auch Mulder oder ich. Jeder wusste es. Jetzt war nur noch die Frage, ob man es beweisen konnte.
Als ich aus meinem Wagen stieg und zu dem Gebäude aufsah, überkam mich ein ungutes Gefühl. Ich war im Begriff mit Mulder zu reden, das machte mich irgendwie nervös.
Ich stieg ein paar Stufen hinauf und öffnete dann eine Glastür, die rasend schnell hinter mir wieder in die Angel flog. Dann sprach ich mit ein paar Beamten, die, nachdem sie meinen Ausweis gesehen hatten, mich in den ersten Stock führten. Dort wurden die Verhöre durchgeführt, die schon seit gestern Nacht laufen mussten. In dem Flur traf ich auf Skinner. Er erzählte mir von den Ergebnissen, die uns nicht weiterbringen würden.
"Wir sind sozusagen am Ende angelangt, Agent Scully. Die Männer geben alles zu, ja, sie hätten die Kinder an den Maschinen angeschlossen und hätten sie beobachtet, aber sie standen angeblich unter dem Einfluss eines mächtigen Mannes, der es ihnen nicht erlaubte, zurück in ihre eigene Welt zu gehen. Und sie sagen selber, dass den Kindern nichts fehlt."
"Ja, aber Sir, dennoch muss diese Tat gerichtlich verfolgt werden..."
"Das wird es, Agent Scully, das wird es. Aber nur, wenn man Beweise findet."
"Sir, die Beweise stehen in der Lagerhalle 6..."
Skinner zog mich plötzlich in die nächste Ecke und atmete tief durch. "In der Zeit, in der Sie ins Krankenhaus gefahren sind und wir uns um die Beschuldigten gekümmert haben, wurde diese Lagerhalle in Brand gesetzt. Es ist alles zerstört. Wir stehen vor dem Nichts."
Ich konnte in seinen Worten keinen Sinn erkennen. "Was meinen Sie damit?",
"Sie haben schon richtig gehört, was ich gesagt habe. Es ist alles zerstört. Das kleinste Beweisstück eines Beweises."
"Aber dann..."
"Dann ist alles vorbei, Agent Scully."
Ich musste mich setzen. Irgendwo hin.
"Die Kinder sind unsere Beweise, ganz klar, aber wenn sie sich an nichts erinnern können, dann wird uns das auch keinen Schritt weiterbringen. Ich habe im Krankenhaus die Unterlagen angefordert und ich kann mir nicht vorstellen, dass den Ärzten ein kleiner Fehler bei den Untersuchungen unterlaufen ist. Die Kinder sind gesund. Als ob sie niemals an diesem Ort gewesen sind."
"Sir, ... das, das ist alles richtig und ich möchte keinen Zweifel an ihren Worten hegen, aber.... aber wer wird dann dafür bestraft werden? Ich meine, die Kleinen wurden schließlich entführt."
Er nickte. "Richtig. Aber nicht von den Leuten. Es tut mir leid, Agent Scully, aber vielleicht sollten Sie es einsehen. Es gibt nichts, dass man den Männer anhängen könnte. Sie sind frei. Ganz einfach." Er machte eine lange Pause und sprach dann ruhig weiter. "Wir haben darüber nachgedacht, die Männer als Köder für das Überführen des wahren Schuldigen einzusetzen, aber es hat keinen Sinn. Es ist, als würde man in den Sternen nach fremden Wesen suchen. Sie und ich wissen das. Dieser Kerl ist unsichtbar. Eine Fahndung nach ihm wäre zwecklos."
Ich schloss für einen Augenblick meine Augen und versuchte mich zu konzentrieren. "...Also, um das jetzt noch einmal kurz zu fassen: Den Kindern geht es gut und..."
"Und niemand wird beschuldigt. So ist es. Damit ist der Fall abgeschlossen. Agent Tommes ist schon wieder auf dem Flug zurück nach Portland, man hatte ihn dringend gebraucht. Obwohl ich Anfangs ein wenig enttäuscht von Ihnen beiden war, muss ich mich dafür jetzt wohl aufrichtig entschuldigen. Sie haben Ihre Sache wirklich gut gemacht, Agent Scully. Ich bin sehr stolz auf Ihnen."
Er nickte und wollte gehen. "Sir!", wand ich schnell ein und er drehte sich um, schaute mich fragend an. Dann sprach er, bevor ich etwas sagen konnte. "Nein, Agent Scully. Sie brauchen den Bericht nicht schreiben. Diese kleine Angelegenheit hat Agent Lee Tommes für Sie übernommen."
Ich kräuselte meine Stirn. Das war eigentlich nicht das, was ich wissen wollte. Und bevor ich meinen Mund aufmachen konnte, hatte er wieder als Erster das Wort ergriffen. "Ich gebe Ihnen Urlaub, Agent Scully. Zumindest solange, bis Sie meinen ehemaligen Agenten davon überzeugt haben, dass es richtig wäre, zurück ins FBI zu kommen."
Damit ließ er mich stehen. Es bedurfte einige Zeit, bis ich begriff, was er da eben gesagt hatte. ....bis Sie meinen ehemaligen Agenten davon überzeugt haben, dass...dass es richtig wäre, zurück ins FBI zu kommen. Meinen ehemaligen Agenten davon... OH. MEIN. GOTT. Er meinte es nicht so, wie er es da gesagt hatte, oder?
Ich schloss meine Augen und lehnte mich an die Wand hinter mir. Und dann atmete ich tief durch. Es war vorbei, Dana, sagte ich mir mindestens Tausend Mal. Es war vorbei.
Ich fühlte mich unendlich frei in diesem Augenblick. Am liebsten wäre ich aufgesprungen und hätte irgend etwas geschrien, um zu zeigen, wie glücklich ich war. Die Kinder waren wieder zu Hause, Tommes war auf dem Flug zurück nach Portland, Skinner gab mir Urlaub ... und Mulder war wieder da. Er war frei und er war in meiner Nähe. Ich merkte, wie diese Zufriedenheit in meinem Körper immer größer wurde und mein zartes Lächeln zu einem größeren heranwuchs.
Ich merkte, wie mein Atem schneller ging, wie meine Tränen vor Freude hinter meinen Augen schon brannten. Ich spürte diese plötzliche Gelassenheit und das Bedürfnis, hier einfach stehen zu bleiben. Ich war unendlich glücklich, denn ich hatte meine Arbeit gut gemacht und hatte gleichzeitig meinen besten Freund wiedergefunden. Ich kicherte leise vor mich hin, war nun wieder im Einklang mit mir selber und verdrängte die Traurigkeit, die ich über zwei Jahre hinweg gefühlt hatte.
Und dann, nachdem mir klar geworden ist, dass ich nicht für immer an dieser Wand bleiben konnte, öffnete ich meine Augen, trat einen Schritt vorwärts und merkte, wie mich meine Umwelt wieder in die Realität zurückzog. Aber ich war noch wie in Trance, lächelte nur und versuchte die lauten Geräusche von den Polizeibeamten durch meine eigene innere Musik zu übertönen.
Plötzlich sahen sie zu mir auf und grinsten mich an. Meine innere Musik verschwand ein wenig und die Welt, in der ich für einen Moment leben durfte, wurde wieder zu einer ganzen. Ich bemerkte, wie mein Lächeln von meinen Lippen wich, als ich mir vorstellte, dass sie mich vielleicht auslachen würden. Ich meine, wie sah das denn schon aus, als ich an dieser Wand stand und vor mich hin kicherte?
Aber dann sah ich diese Frau vor mir, in Uniform und wie sie ihren Daumen in eine andere Richtung deutete. Sie grinste mich an und nickte mit ihrem Kopf nach rechts. Ich folgte ihren Bewegungen, langsam, Schritt für Schritt. Zeitlupe. Das war eindeutig Zeitlupe! Mein Körper zitterte, ja, sogar mein Herz hatte eine Gänsehaut, als ich meinen Blick über diese Gestalt am anderen Ende des Flurs von unten nach oben gleiten ließ!
Ich bewegte meine Lippen, versuchte, etwas zu sagen, nur zu sprechen, aber es gelang mir nicht. Ich war zu glücklich, zu aufgeregt, als das ich hätte Wörter formulieren können. Ich bemerkte, wie sich meine Beine in Bewegung setzten. Ich hatte keine Ahnung, woher diese Kraft kam, sie war einfach da und ich war dankbar dafür. Meine Schritte waren langsam, als ich mich dem Mann näherte, der da stand und weinte.
Ich spürte nun meine eigenen Tränen in mir aufkommen, sie flossen mir über das Gesicht als ob ich von einem heftigen Regen überrascht worden wäre. Ich lief. Immer schneller. Ohne Kontrolle. Einfach aus dem Gefühl heraus, weil ich es für richtig empfand. Ich zeigte meine Zähne, indem ich lächelte und dann wieder weinte. Mein Kinn zitterte, ich spürte meine Haare um meinem Gesicht herum, als ich nun rannte.
Dann hörte ich lautes Gebrüll um mich herum; jemand klopfte laut auf seinem Schreibtisch, aber ich nahm es kaum mehr wahr. Mein Blickfeld war nur auf ihm gerichtet. Meine Gedanken waren nur mit ihm gefüllt. Uns trennten nur noch wenige Meter. Dann schüttelte er seinen Kopf, ließ dieses Schild fallen, auf dem drauf stand, dass es ihm leid tat und er rannte ebenfalls zu mir. Ich hörte, wie die Leute anfingen zu klatschen, wie sie anfingen zu jubeln und zu schreien.
Uns trennte nun nichts mehr. Nicht einmal die Luft zwischen unseren bebenden Körpern. Ich schlang meine Arme um seinen Hals, hängte mich regelrecht an ihn heran und spürte, wie er ebenfalls die Arme um meinem Körper legte und mich vom Boden abhob. Wir drehten uns ein oder zwei Mal, bevor ich wieder etwas Festes unter meinen Füßen spüren konnte. Ich hörte ihn weinen und drückte mich noch dichter an ihn heran. Mein Gesicht war in seiner Schulter gebettet und ich spürte seine weichen Haare an meiner Wange.
Ich wollte etwas sagen, wollte mich von ihm losreißen und wollte ihm direkt ins Gesicht schreien, dass ich ihn liebte und dass ich ihn vermisst hatte. Dass ich mich die ganze Zeit nach ihm gesehnt hatte und dass er mein Mann war!
Aber wir ließen nicht voneinander los, bis er es fertig brachte und seinen Kopf zu mir drehte. Wir sahen uns nun an, nach all dieser Zeit. Ich spürte, wie ein neuer Tränenschwall über mich hereinbrach und konnte auf seinen Wangen die halb getrockneten, halb neu dazu gekommenen Tränen erkennen.
Ich hörte eine Männerstimme in einer Ecke, die schrie, dass er mich endlich küssen sollte.
Und er tat es. Ohne zu zögern.
Wir hatten uns endlich wiedergefunden.
Was für ein Happy End.