Autor: Babs
Kontakt: BabsOdi@web.de
Spoiler: How the Ghosts stole Christmas (ein bisschen)
Rating: NC-17 (aber nicht sooo arg)
Kategorie: MSR, etwas Angst
Disclaimer: Die Charaktere gehören nicht mir, sondern Chris Carter, 20th Century Fox und 1013 Productions. Ich habe sie mir nur geliehen.
Short-Cut: Mulder hat einen dummen Unfall, und danach ist alles anders...

Anmerkung: Diese Story hat keine besonderen Höhepunkte oder Action. Mir gefiel einfach die Idee. Ich hoffe, ihr findet sie nicht langweilig und mögt sie trotz dem unerwarteten Ende!
Freue mich über Feedback! Babs

 

Verlorene Erinnerungen

 

Fox Mulder fluchte und gab seinem Mülleimer einen Tritt. Seit 3 Tagen hatte er Urlaub und es gab nichts, was er mehr hasste. Klar, natürlich wollte er sein Geld, das ihm zustand, nicht dem Staat schenken. Logisch, er musste auch mal ausspannen. Grummelnd rief er sich die Argumentation seines Chefs, Assistant Director Skinner ins Gedächtnis.
Tatsache war aber: die Arbeit war für ihn Freizeit. Der Zugang zu sämtlichen Möglichkeiten des FBI um Phänomenen nachzugehen, die ihn interessierten, das machte sein Leben und auch seine gesamte Freizeit aus. Soziale Kontakte waren ihm nicht wichtig, ebenso mal an den Strand zu fahren und nichts zu tun.
Seufzend nahm er den Schlauch, den er an seinem Wasserhahn befestigt hatte und spülte nochmals sein Aquarium aus, das schon einige merkwürdige Lebensformen entwickelt hatte in der Zeit, in der er es nicht gereinigt hatte.
Es war kurz nach Weihnachten und er hatte zusammen mit seiner Kollegin Dana Scully vor ein paar Tagen ein skurriles Abenteuer in einem Spukhaus erlebt. Lächelnd dachte er daran, wie sie den Abend gemeinsam verbracht hatten und sah auf das kleine Ufo für sein Aquarium, das sie ihm geschenkt hatte.
`Was sie wohl gerade tut?`, überlegte er. Ob sie auch in ihrer Wohnung klarschiff machte? Kurz blickte er zum Telefon, doch dann verwarf er den Gedanken wieder. 3 Tage und schon wieder wollte er sie anrufen. Er hatte ja nichtmal einen Grund.
Während er langsam warmes Wasser in das Glasbassin laufen ließ, schweiften seine Gedanken weiter. Diana war wieder aufgetaucht. Verdammt, Diana. Noch immer fand er sie attraktiv. Scully hasste sie und misstraute ihr. Wegen ihrer heftigen Reaktion auf Diana fragte Mulder sich, ob auch Eifersucht im Spiel war. In Bezug auf Diana war mit Scully überhaupt nicht zu reden.
Als das Aquarium vollgelaufen war, hievte Mulder es aus dem Waschbecken, aber es war schwerer als er dachte. Stöhnend spürte er ein Stechen im Kreuz, zwang sich aber, das Ding hochzuheben.
Eine Wende schaffte er auch noch, doch dann spürte er, dass er das Gleichgewicht verlor.
Er machte verzweifelt ein paar Schritte rückwärts und versuchte, das Ganze aufzuhalten, doch dann kippte er nach hinten, ein ohrenbetäubendes Krachen explodierte in seinem Kopf, als er gegen die Kante seiner Spüle knallte und dann war alles schwarz.

"Mulder? Mulder, hörst du mich?" Leise drang eine Stimme durch den Nebel, der Mulders Schädel umschwamm. Er drehte leicht den Kopf und wollte die Augen öffnen. "Ohhhh!", entfuhr ihm ein Stöhnen. Diese Schmerzen! Was war bloß passiert?
Er spürte eine Hand auf seinem Arm. Vorsichtig blinzelte er und sah in ein hübsches Gesicht, das ihn anlächelte. Sie hatte strahlend blaue Augen, eine prozellanene, fast durchsichtige Haut und leuchtendes rotes Haar. Was machte diese heiße Braut an seinem Bett? "Hi!", meinte sie freundlich, "Wie geht es deinem Kopf, Mulder?" Vorsichtig tastete er mit der Hand nach einem Verband. "Was... was ist passiert?", krächzte er verwirrt. Die Frau lächelte, nicht ohne einen Hauch Spott.
"Du wolltest wohl was putzen, so wie’s aussah... und das ging nicht gut", meinte sie, "Aber keine Sorge, du hast keine Schädelfraktur, nur eine schlimme Gehirnerschütterung. Schließlich liegst du schon seit gestern Vormittag hier."
Mulders Kopf brummte. Geputzt? Ach, sein Aquarium... was noch? Irgendwas stimmte hier nicht. "Und wer sind Sie, wenn ich fragen darf, schöne Dame?", fragte er schließlich und das Gesicht der Frau erstarrte. "Wie bitte?" Mulder versuchte ein Lächeln. "Ich möchte gerne wissen, wie meine Retterin heißt."
"Mulder, was soll dieser dumme Scherz?" "Wieso Scherz? Soll das heißen, wir kennen uns?" Mulders grünbraune Augen sahen so ehrlich wie nur möglich drein. Trotzdem dämmerte ihm so mit der Zeit, dass wirklich etwas nicht stimmte. Er sah es am Gesicht der Frau. Sie beugte sich vor und Mulder roch ihren Duft. Wundervoll.
"Mulder!" Ihre Stimme hatte etwas drohendes und er fuhr zusammen. Oh, eine Gefährliche! "Was denn?", er bemühte sein charmantestes Grinsen. "Hör jetzt auf damit! Du weißt doch, wer du bist?" "Ja, Fox Mulder, FBI!" Es klang wie auswendig gelernt. "Und ich bin...?" "Äh...." Mulders Kopf tat wieder ziemlich weh. FBI. Skinner. Ein Kellerbüro. Und eine Frau.... "Diana Fowley?"
Die Frau sprang auf. Aus ihren Augen sprühten Funken der Wut. Ihre Lippen hatte sie zu einem Strich zusammengepresst. "Das ist nicht witzig!", fauchte sie, stolzierte hinaus und knallte die Tür zu. Mulder zuckte bei dem Knall unter Schmerzen zusammen und fragte sich, was er jetzt falsch gemacht hatte.

Die folgende Nacht konnte Mulder kaum schlafen. Er merkte wohl, dass irgendetwas in seinen Erinnerungen fehlte, und dazu gehörte diese rothaarige Frau. Er war froh, dass er am nächsten Tag entlassen wurde, denn dann würde er diesem ganzen Mist ein Ende bereiten!
Er wußte aber auch, dass ihn diese Frau nicht kalt ließ und sie in seinem Leben ein Rolle spielte. Nur welche? Und diese Diana Fowley?
Als er am nächsten morgen seine Sachen zusammenpackte, ging die Tür auf und ein großer Mann mit Glatze und Brille betrat das Zimmer. "Lassen Sie mich raten: Mr. Skinner?", sagte Mulder und der Mann machte ein fragendes Gesicht. "Agent Scully sagte mir schon, dass sie eine leichte Amnesie haben, Mulder", erwiderte er. "Wieso? Sind Sie nicht Skinner?" Scully! DAS war es! "Doch. Natürlich", seufzte Skinner. "Geht es Ihnen gut, Mulder?" "Aber ja!", strahlte Mulder ihn an. "Ich kann es kaum erwarten, wieder zur Arbeit zu gehen. Aber vorher fahre ich noch nach Kalifornien, ein bisschen Sonne tanken! Schließlich habe ich ja Urlaub, oder nicht? Vielleicht möchte Scully ja mitkommen!"
Skinner sah verwirrt drein. "Scully?" "Ja! Wäre doch nett!" Mulder schloss seine Tasche und zog die Jacke an. "Sie verfolgen aber keinen Fall privat, oder Mulder?", wollte Skinner wissen. "Fall? Wieso Fall?" Mulder staunte. "Ach, nichts, schon in Ordnung. Erholen Sie sich gut!" Skinner ging wieder und Mulder sah sich nochmal in dem Zimmer um, ob er nicht etwas vergessen hatte. Er hatte das dumme Gefühl, er hatte eine ganze Menge vergessen!

Scully schreckte auf, als das Telefon läutete. Rasch schaltete sie den Fernseher aus, in den sie gedankenverloren hineingestarrt hatte und nahm den Hörer. "Scully?" "Hallo, äh, Scully! Ich bin’s, Mulder!" "Aha, du erinnerst dich also wieder?", wollte Scully wissen, innerlich kochte sie noch immer. "Aber ja, Scully. Natürlich! Es tut mir leid, dass ich dich verwechselt habe!" "Das hoffe ich!" Scullys Wut verrauchte langsam. Immerhin hatte er sich gewaltig den Kopf angestoßen. "Scully, ich wollte dich etwas fragen. Hast du Lust ein bisschen Sonne zu tanken? Kalifornien, L.A. Na, wie klingt das? Sicher wird mir das helfen, die Gedächtnislücken wieder aufzufüllen!"
Scully schluckte. Und die waren größer, als sie geglaubt hatte! "Äh, L.A.? Gibt es dort etwas Besonderes?", fragte sie vorsichtig. Mulder lachte. "Sonne! Strand! Laue Nächte! Urlaub!", zählte er auf. "Ich wette, wir waren schon lange nichtmehr so richtig ausspannen! Immer nur... äh, ermitteln und so.." "Mulder, ich glaube, ich muss mal mit dir reden..", begann Scully, doch er unterbrach sie. "Ich hole dich morgen früh ab. Sei fertig um 9.00 Uhr, okay?" Klick. Aufgelegt.

Scully starrte wie betäubt den Hörer an. Mulder wollte mit ihr in den Urlaub fahren? Das konnte Probleme geben! Sie beschloss, zu ihm zu fahren und die Sache klarzustellen.

Mulder war gut gelaunt. Die Flüge waren gebucht und er stopfte vor sich hinsummend einige Sachen in seinen Koffer. Mann, er hatte echt eine coole Freundin. Leider wollte ihm der Vorname von Scully nicht einfallen, das passte ihm nicht. Also sah er rasch in seinem Addressbuch nach: Scully. Toll. Und sie? Sie nannte ihn doch auch Mulder. Vielleicht ein Spiel von ihnen beiden! Oder vielleicht hielten sie ihre Beziehung geheim? Direktor Skinner schien nicht gerade einer von der lockeren Sorte zu sein! Naja, bald würde sich alles aufklären!
Gerade als er geduscht und sich T-Shirt und Jogginghose angezogen hatte, klopfte es an der Tür.
"Scully!", strahlte er, als er öffnete. "Komm doch bitte rein!" Sie ging an ihm vorbei und musterte ihn misstrauisch. Sie suchte nach einem Zeichen in seinem Gesicht dafür, dass er sie veräppelte, doch sie fand keines.
Plötzlich durchfuhr sie ein Schock. Mulder zog sie an sich und küsste sie stürmisch. Sie war so erschrocken, dass sie ruckartig zurückwich und ihm eine gesalzene Ohrfeige ins Gesicht schmetterte!
Beide standen atemlos da und starrten sich an. In Mulders Augen spiegelte sich ein riesiges Fragezeichen ebenso wie Verletztheit. Sie konnte diesem Blick nicht standhalten und sah zu Boden.
"Dana?", sagte er leise. Ihr Name kam ihm selbstverständlich von den Lippen in diesem Augenblick, da er ihm wieder eingefallen war. "Was ist los?" Scully hatte sich wieder einigermaßen gesammelt und hob die Augen. "Tut mir leid, Mulder", murmelte sie.
"Es ging dir zu schnell, oder?", fragte er unsicher, "Ich...ich dachte nur, du freust dich auch so und...und..." "Mulder, wir sind kein Paar." Ihre Stimme klang nun wieder ganz sicher. Innerlich jedoch tobte es in ihr. "Und wir waren es auch nie."
Mulder wandte sich ab von ihr und suchte rasch einen Stuhl, auf den er sich setzen konnte. "Ich war so sicher...meine Gefühle..." Er stockte verlegen und machte ein Geste. "Tut mir auch leid." Das klang aber nicht sehr überzeugend.
"Was ist mit deinen Gefühlen?", fragte Scully leise und mit klopfendem Herzen. Er knetete seine Hände. "Als ich dich sah... ich...war mir sicher, da ist was zwischen uns." Er brach plötzlich ab und lachte. "Blöd von mir, wirklich. Der Schlag auf den Kopf war wohl zu stark gewesen! Darf ich dir trotzdem was anbieten?" Er stand auf.
"Mulder...", begann Scully, doch er winkte ab. "Vergiss es, ok?" Sie klappte den Mund zu und seufzte. Der Geschmack seiner Lippen brannte noch immer auf ihrem Mund.

Es wurde spät. Scully saß neben Mulder auf dessen Couch und versuchte, ihm alles zu erklären was ihm anscheinend verloren gegangen war. Sie merkte bald, dass es viele Lücken gab. Die X-Akten zum Beispiel, sein Lebenswerk. Daß sie seit 6 Jahren Kollegen und enge Freunde waren. Was alles geschehen war. Mulders Theorien.
Er saß meistens stumm da und knetete seine Hände. Als Scully eine längere Pause machte, nahm er plötzlich ihre Hände und sah sie an. "Und niemals haben wir uns geliebt?" Sie zog ihre Hände weg. "Nein." "Warum nicht?" "Mulder, du bist so verändert. Was ist nur passiert?" Scully rückte ein Stückchen von ihm weg. "Ich möchte dich küssen." Sein Gesicht kam näher. Scully schuckte und schob ihn weg. "Mulder, hör auf." "Ich heiße Fox." "Nein." Mulder lachte. "Willst du mir etwa Hoffnungen machen, dass ich einen richtigen Namen habe?"
Scully stand auf. "Ich gehe jetzt, Mulder. Das hier führt zu nichts. Du weißt jetzt Bescheid, vielleicht normalisiert sich in ein paar Tagen ja alles. Jedenfalls wünsche ich mir das."
Er erhob sich ebenfalls und nahm sie bei den Armen. "Dana, was heißt normalisiert? Daß ich dich nichtmehr liebe?" Scully senkte den Blick. Einen liebeskranken Mulder war das letzte, was sie brauchen konnte. Sie wollte sich ihm entziehen, aber sein Griff wurde fester. "Du glaubst nur, dass du mich liebst!", sagte sie scharf. Oh Gott, dieser Blick!! "Ich weiß, was ich fühle! Und du fühlst garnichts? Das glaube ich nicht!" Er klang flehend.
"Mulder, laß mich los, das tut weh!" Scully wand sich. "Und was glaubst du, was du tust? Reißt mir das Herz raus...." Scully riß sich los. "Jetzt reicht’s aber, Mulder! Was soll dieser Quatsch? In all den Jahren haben wir respektvolle Distanz gewahrt. Du bist mir sehr wichtig, aber..." "Was, aber?" Mulder trat wieder näher, wollte ihren Blick einfangen. "Es würde niemals gutgehen. Und das wissen wir beide." Sie seufzte. Es fiel ihr nicht leicht, ihn wegzustoßen. Aber es war besser so.
Mulder ließ sich auf die Couch fallen. Er sagte nichtsmehr. Schweren Herzens verließ Scully das Appartment.

Die halbe Nacht wanderte Mulder in seiner Wohnung hin und her. Ein dicker Knoten hatte sich in seinem Inneren zusammengeballt und schmerzte. Er war sich so sicher, dass seine Gefühle echt waren! Daß er diese Frau liebte. Und zwar schon lange. Wieso war sie so abweisend? Hatte er sie je verletzt?
Wütend auf sich selbst packte er seine Sachen wieder aus und stornierte die Flüge nach L.A. Er musste dringend etwas unternehmen, um seinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen.

"Agent Mulder!" Skinners Stimme klang erstaunt und leicht ärgerlich. "Was machen Sie hier?" Mulder sah auf. "Guten Morgen, Chef!", lächelte er, "Wie geht es Ihnen?" "Sie haben Urlaub und hier nichts verloren!", sagte Skinner energisch. "Gehen Sie heim. Sie sind erst gestern aus dem Krankenhaus entlassen worden!"
"Ja, genau, und da ist einiges, was ich mir zusammenreimen muss. Was ist das überhaupt für ein Saustall hier? Das soll mein Büro sein?" Er stopfte haufenweise Papiere in den Aktenvernichter. "Mulder! Das sind doch ihre Aufzeichnungen!" Skinner war mehr als erstaunt.
"Aufzeichnungen?" Mulder hielt ihm ein Bündel Notizen unter die Nase. "Aufzeichnungen? Das ich nicht lache! Hier: Ufo gesichtet über Quebec. Und hier: Hinweise und Angaben über die Entwicklung eines Mensch-Alien-Hybriden! Das soll ich geschrieben haben? Geradezu lächerlich!"
Skinner setzte sich. "Mulder, Sie haben eine Amnesie erlitten. Es kann eine Weile dauern bis Sie sich wieder an alles erinnern, darum rate ich Ihnen, gehen Sie nach Hause und tun Sie nichts Unüberlegtes!"
"Sie könnten mir einen Tipp geben, Chef", meinte Mulder, während er das Poster mit dem Ufo und der Unterschrift "I want to believe" abhängte. "Haben Sie eine Ahnung, welche Blumen Dana mag? Ich meine, Agent Scully." Er grinste. "Blumen? Hat sie Geburtstag oder was?" Skinner war gänzlich verwirrt. Mulder lachte und zerriss das Poster. "Nein! Nur so. Als Zeichen meiner Zuneigung." Er beugte sich vor und sah Skinner an. "Ich hatte doch eine Beziehung mit ihr, oder?"
Skinner schluckte und wand sich. Den Verdacht hatte er ja schon öfter gehegt, die beiden jedoch verhielten sich vollkommen korrekt und unauffällig. Wenn da je etwas gewesen sein sollte, so musste es heimlich geschehen sein. "Agent Mulder, Ihr Privatleben geht mich nichts an und ich weiß auch nichts darüber. Das sollten Sie lieber Agent Scully fragen."
"Mh. Sie streitet es ab", meinte Mulder. "Aber ich weiß, was ich fühle." Er sah sich rasch um. "So geht es einigermaßen. Nächste Woche werde ich mir diese Akten da vornehmen!" Er zeigte auf den Schrank mit den X-Akten. "Also, wirklich, Chef, was habe ich nur verbrochen, dass ich diesen Quatsch bearbeiten musste?" Skinner war nur sprachlos. "Ich verspreche Ihnen, ich werde mich redlich bemühen, dass ich aus diesem Loch hier schnellsten wieder rauskomme!"
Mulder nahm seine Jacke und ließ einen völlig perplexen Skinner zurück.

Scully wollte gerade losgehen, ein paar Sachen besorgen und öffnete ihre Tür. Da kam ihr ein Blumenstrauß mit zwei Beinen entgegen! "Miss Dana Scully?", hörte sie eine atemlose Stimme dahinter. "Äh, ja?", antwortete sie und machte dem Blumenboten platz. "Die sind für Sie." Keuchend stellte der junge Mann das Blumengebinde auf den Tisch. "Da ist auch eine Karte." "Danke!", staunte Scully und gab dem Jungen rasch etwas Trinkgeld. Als er abgezogen war, stand sie vor dem Blumen-Ungetüm. Dann fand sie die Karte. "Dana, gehst du mit mir aus? Heute Abend, halb 8. Fox."
Scully musste sich setzen. Fox! Oh Gott, was sollte sie nur tun? Mulder war vollkommen verändert! Er machte ihr den Hof, unglaublich.
So ganz tief in ihrem Inneren fand sie es ja süß. Es war so garnicht Mulder. Aber es schmeichelte ihr. Seine Gefühle, die er erwähnte, waren vielleicht schon tief in ihm dagewesen! Sollte sie sich einfach darauf einlassen? Das gab sicher nur Probleme! Tief seufzend beschloss sie, den Abend einfach auf sich zukommen zu lassen.

Nachdem Mulder seine Wohnung aufgeräumt hatte, duschte er und kramte in seinem Kleiderschrank. Was Dana wohl mochte? Sicher nicht zu aufgebretzelt. Kein Anzug, das sah zu sehr nach Arbeit aus. Er war ganz aufgeregt und verschwendete keinen Gedanken daran, dass alle ihn behandelten, als wäre er total verrückt geworden! Genausowenig dachte er an die Arbeit, sie war ihm vollkommen egal. Er wunderte sich über Zeitschriften und Bücher, die er besaß und in denen es um Ufos ging.
Er blätterte in alten Fotoalben und lachte über Kinderbilder von ihm und seiner Schwester. Was Samantha wohl heute so trieb? Er könnte sie mal wieder anrufen! Rasch kramte er sein Adressbuch heraus und blätterte es durch.
Er stieß auf mehrere Namen, die ihm garnichts sagten, aber Samantha fand er nicht.
Nach einem Weilchen beschloss er, seine Mutter anzurufen. "Hi, Mom!", rief er als sie sich meldete, "Ich bin’s, Fox!" "Fox, Junge, wie geht es dir?", freute sich Teena Mulder. "Oh, ganz gut. Ich hatte nur einen kleinen Unfall und weiß ein paar Sachen nichtmehr. Kannst du mir helfen?" "Geht es dir auch wirklich gut?" Teena war sofort besorgt. Sie wußte, dass er stets untertrieb.
"Ja, Mom! Ich gehe heute mit Dana aus und sie ist mir auch eine Hilfe bei meiner Genesung. Ich wollte nur mal wieder Samantha anrufen und finde ihre Telefonnummer nicht!"
Jetzt war Mrs. Mulder alarmiert. "Fox? Ist es nicht besser, wenn du vorbeikommst? Du weißt doch noch, wo ich wohne?" "Klar, was denkst du denn? Aber heute kann ich nichtmehr nach Rhode Island fahren, ich gehe doch nachher aus. Gib mir einfach die Nummer."
Mrs. Mulder beschloss, es direkt zu machen. "Fox, Samantha ist doch seit 1973 vermisst! Seit du 12 Jahre alt bist! Weißt du das denn nichtmehr?" Mulder schwieg. Sein Herz begann zu rasen und ihm wurde ganz schwindlig. Hier stimmte etwas ganz Gewaltiges nicht! "Mom, kannst du mir mal Dad geben?" Teena schluckte schwer. "Dein Vater ist doch tot, Fox..." "Oh Gott", flüsterte Mulder, "wie.... wie konnte ich all das nur vergessen?" "Fox... komm doch her! Wir reden!", versuchte es Mrs. Mulder verzweifelt. Doch Mulder legte auf.
Ganz betäubt und mit bebendem Körper schlich Mulder nun durch seine Wohnung und versuchte das Chaos, das sich langsam in seinem Kopf zusammenbraute zu ordnen. Seine Fäuste schlossen und öffneten sich und ihm brach der Schweiß aus. Er tigerte immer schneller hin und her und blieb schließlich vor dem Badezimmerspiegel stehen. Irritierte Augen starrten ihn an. "Wer bist du?", brüllte er sein Spiegelbild an, "Verdammt, wer bist du???" Dann schmetterte er die Faust in den Spiegel und brach weinend zusammen.

Als die Uhr gegen 8 Uhr Abends rückte, machte Scully sich langsam Sorgen. Sie hatte sich möglichst nicht zu schick angezogen, sah aber doch elegant aus. Wo blieb nur Mulder? Hatte er es sich anders überlegt? Oder sich vielleicht erinnert? Rasch nahm sie das Telefon. Mulder nahm nicht ab und auch der Anrufbeantworter sprang nicht an. Sollte sie noch warten? Hier stimmte etwas nicht!

Mulder schreckte hoch, als es klopfte. "Mulder, ich bin’s, Scully!", hörte er dumpf ihre Stimme. "Mach doch auf, bitte!" Mulder konnte sich nicht bewegen. Er saß zusammengekauert neben der Toilette, als Scully schließlich aufschloss und eintrat. "Mulder, bist du hier?" Sie wanderte durch die Wohnung und sah dann endlich die Scherben, die zum Teil vor der Badezimmertür lagen. Und Blut.
Rasch rannte sie ins Bad. "Mulder! Was ist passiert?" Sie kniete sich zu ihm hinunter und erkannte seinen elenden Zustand. Seine rechte Hand blutete, er hatte wohl den Spiegel zerschlagen. Eindeutiges Identitätstrauma. "Kannst du aufstehen?" Sachte wollte sie ihm unter die Arme greifen, doch er zuckte zurück.
"Bist du auch nicht echt, Dana? Wie alles hier?", flüsterte er nach einer Weile und schniefte. "Natürlich bin ich echt. Willst du ein Glas Wasser?" "Was ich will, ist die Wahrheit!", rief er, "Lieben wir uns?"
Scully seufzte tief. Wie sollte sie es nur formulieren? "Ich liebe dich als einen Freund. Meinen besten. Ich vertraue dir. Du hast mich schon oft gerettet, mir beigestanden. Ich denke, umgekehrt ist es ebenso. Diese Liebe beruht auf tiefstem Respekt und Vertrauen." Sie sah ihn an. Seine grünbraunen Augen schwammen und er wischte darüber.
"Aber nicht auf mehr", murmelte er schließlich und es klang so unendlich hoffnungslos. "Nichteinmal das habe ich."
Scully brach es fast das Herz und alles in ihr schrie danach, ihm zu helfen. Sie beugte sich vor und nahm ihn sachte in die Arme. Er roch nach Schweiß und leicht nach Rasierwasser und sie fühlte, wie schnell noch immer sein Herz schlug.
Er schlang beide Arme um ihre Taille und barg sein Gesicht an ihrem Hals. Sie spürte seine Tränen und wie er sich schwer gegen sie lehnte. Zart strich sie ihm durch sein dunkles Haar und atmete seinen Mulder-Duft tief ein. Die Uhr in der Diele trickte leise, doch die Zeit schien stillzustehen. Scully hatte das Gefühl, Mulder noch nie so nahe gewesen zu sein. Dieses Gefühl war schön.
Doch schließlich riss sie sich zusammen und sagte leise: "Ich muss nach deiner Hand sehen. Du bist verletzt."
Widerwillig ließ Mulder sich von ihr auf die Beine ziehen und Scully suchte im Badschränkchen nach Verbandszeug. Schlimm war die Schnittwunde nicht, aber es blutete noch immer. Sie fand schließlich etwas und nahm Mulder bei der Hand, führte ihn ins Wohnzimmer zu seiner Couch. Er sah sie unverwandt an.
Scully war es unwohl unter diesen Augen. Sie sagte nichts und beschäftigte sich mit seiner Hand. "Ich denke, es muss nicht genäht werden", meinte sie und mied noch immer seinen Blick. Während sie ihm umständlicher als nötig ein großes Pflaster aufklebte, spürte sie plötzlich seine andere Hand ihren Rücken hinaufstreichen, langsam, zärtlich.
Eine Gänsehaut kroch hinterher und sie schluckte. Mulders Hand wanderte höher zu ihrem Nacken, massierte sie dort leicht und strich wieder hinab. Dann schob sie sich unter ihre Bluse und wanderte wieder nach oben.
Scully schluckte wieder und blickte auf. Sein Gesicht war so nah, zu nah. Doch sie schaffte es nicht zurückuweichen. Sie fühlte seine Lippen, die sich sachte auf ihre legten. Der Kuss war leicht, fast schüchtern. Mit seiner Hand, die unter ihrer Bluse war zog er sie näher zu sich her und küsste sie wieder. Sein Mund öffnete sich leicht und sie spürte seine Zunge über ihre Lippen streichen.
Ihr Herz raste und sie war nicht fähig, ihn wegzustoßen. Währen er mit seiner Zunge ihre Lippen öffnete und die ihre suchte, wanderte seine Hand unter der Bluse nach vorne auf ihre Brust.
Scully entfuhr ein Keuchen.
Mulders Kuss wurde nun drängender und er drückte Scully leicht nach hinten. Sein Atem ging schneller während er ihre Brust streichelte und ihre harten Brustwarzen spürte. Sein Daumen wandere unter ihren BH, berührte elektrisierend nackte Haut. Immer näher schob er sich an sie heran und an ihrem Schenkel fühlte sie seine Härte durch die Hose.
‚Das darf einfach nicht geschehen!’ zwang sie sich zu denken, doch etwas Anderes in ihrem Gehirn genoß die aufsteigende Lust und konzentrierte sich mehr auf das Gefühl zwischen ihren Beinen, das immer intensiver wurde.
Mulders Küsse bedeckten nun ihr Gesicht, ihren Hals, wärend er ihr die Bluse aufknöpfte.
Er selbst wusste nichtmehr, was in seinem Kopf vorging, alles, was er wusste, war, dass er diese Frau haben wollte! Seine Körperreaktion sagte ihm, dass es richtig war und seine Erregung steigerte sich mit jeder neuen Berührung ihres Körpers.
Er fühlte sich wundervoll an. Er merkte, wie auch sie erregt wurde und ließ seine Hand ihren Schenkel hinaufgleiten, währen seine Küsse stürmischer und hungriger wurden. Ihre Erwiderung kam zögerlich, sie benahm sich eher passiv, doch das hielt ihn nicht ab, weiterzumachen. Als seine Hand ihr Höschen berührte, zuckte sie zusammen und stieß ihn plötzlich von sich. "Nein!"
Keuchend sprang sie auf und zog hastig ihren Rock zurecht. Mulder starrte sie atemlos an. "Warum?", war alles, was ihm einfiel. Sein Körper schmerzte fast vor Erregung und alles in ihm schrie danach, sie zu packen und an sich zu ziehen.
Scully ging zwei Schritte rückwärts. "Ich.... es.... ich kann das einfach nicht! Ich gehe jetzt." Sie sah ihn bewußt nicht an, denn sie kannte diesen Blick, den er jetzt draufhatte.
Rasch nahm sie ihre Jacke und lief zur Tür, doch Mulder folgte ihr. "Doch, du kannst! Du willst es, ich habe es gespürt!", rief er drängend und fasste ihren Arm. Jetzt sah sie ihn doch an. "Mulder, du bist nicht du selbst! Du weißt nicht, was du da tust!" Sie wollte sich ihm entwinden, doch er packte sie fester.
"Ich weiß sehr wohl, was ich tue! Etwas, das ich all die Jahre, die ich nichtmehr recht zusammenbekommen, schon längst hätte tun sollen! Etwas, das ich schon lange wollte, jedoch immer hinter diesen komisch Ufo-Fantasien versteckt habe! Ich möchte eine wundervolle Frau lieben! Ich möchte dich spüren, Dana!" "Laß mich los, du weißt ja nicht, was du sagst!", fauchte Scully, die nun richtig Angst bekam.
Mulders Hand war wie ein Schraubstock. "Meine Schwester ist fort! Mein Vater ist tot! Ich habe niemanden! Das ist die Realität, die ich heute entdeckt habe! Und sie gefällt mir nicht! Diese Akten, die in meinem Büro herumliegen, sind die eines gestörten, einsamen Mannes! Dieser Mann gefällt mir aber nicht!! Was hat dich so lange bei mir gehalten, Dana? Was hat dich bei mir gehalten??"
Er ließ sie los und Scullys Augen füllten sich mit Tränen. Ein so großer Schwall an Gefühlen für Mulder kamen in ihr hoch, dass sie erbebte. Sie senkte den Kopf und ein Schluchzer entfuhr ihr. Doch sie konnte nicht über ihren Schatten spingen. Sie konnte es einfach nicht.
"Ich gehe jetzt, Mulder. Schlaf ein bisschen." Rasch verließ sie ihn.
Mulder war vollkommen ratlos. Er konnte sich nicht erinnern, sich je so verloren gefühlt zu haben. Wo gehörte er hin? Was sollte er tun? Vielleicht half die Flucht nach vorne.
Er schnappte seine Jacke und verließ ebenfalls die Wohnung.

Zurück im FBI-Hauptquartier ging er direkt zur Nachrichtenzentrale. Dort, so wußte er, hatte er Zugang zu Daten, die für seinen Computer gesperrt waren. Er suchte sich ein freies Terminal und beantragte unter seiner ID-Nummer erweiterten Zugang. Ein Weilchen dauerte es, doch dann konnte er alles abrufen, was er brauchte: sein Leben, seine Vergangenheit.

Scully war ebenfalls total durcheinander. Sie konnte mit so einer geballten Konzentration von Zuneigung und Leidenschaft überhaupt nichtmehr umgehen! Mein Gott, waren ihre Gefühle schon so abgestorben? Konnte sie nur noch rational und wissenschaftlich denken? Es tat ihr richtig weh, diese Erkenntnis. Dennoch wußte sie, wovor sie am meisten Angst hatte: sich auf diese Gefühle einzulassen und dann verletzt zu werden. Verletzt dadurch, dass Mulder sich erinnerte und das Ganze dann bereute. Sie würde das nicht verkraften können und ihre Partnerschaft würde am Ende sein. Nein, das konnte sie nicht zulassen.
Was war dann noch von ihrem Leben übrig?
Andererseits, wenn sie Mulder so abwies, ihn verletzte, was hatte sie dann davon? Dies war eine Sache, die zu emotional war und ihr fiel keine Lösung ein.

Wie betäubt nahm Mulder all die Informationen auf, die da über den Bildschirm flimmerten. Eltern geschieden, kurz nach dem Verschwinden seiner Schwester. Seine zunächst vielversprechende Karriere beim FBI. Die Entdeckung der X-Akten 1990. Scully war bei ihm seit 1993. Scullys Entführung. Seine Verschwörungstheorien. Der Tod seines Vaters. Der Tod von Scullys Schwester. Scullys Krankheit. Der Raucher.... Mulder keuchte, sein Herz raste, seine Hände waren feucht.
Das konnte unmöglich sein Leben sein. Das durfte nicht sein Leben sein!!! Das war alles viel schlimmer als er es sich vorgestellt hatte. Und Scully!! Was hatte sie seinetwegen alles erduldet! Er wunderte sich nun nichtmehr, dass sie ihn nicht an sich heranließ. Er zog nur Elend und Unglück an. Aber warum, zum Teufel, war sie noch immer an seiner Seite?
Mulder beschloss, sich langsam an Scully heranzuarbeiten. Er beschloss, alles, was er ihr seiner Meinung nach angetan hatte, wieder gut zu machen.

Als es an der Tür klingelte, waren Bill Scullys Frau und seine kleine Tochter gerade spazieren. Er wunderte sich, denn sie erwarteten keine Besuch. Als er kurz aus dem Fenster sah, erstarrte er. Was wollte dieser Kerl?
Er riss die Tür auf und ignorierte Mulders freundlich hingestreckte Hand. "Was wollen Sie?", schnauzte er ihn an.
Mulder war völlig perplex. Mal mit Danas Familie zu reden, war für ihn eine gute Idee, mehr über Scully und ihn herauszufinden. Nun, ihr Bruder war wohl von der Auswahl her nicht so glücklich getroffen. Er räusperte sich und zog seine Hand zurück. "Ich... äh, entschuldigung, dass ich so unangemeldet vorbeikomme, aber ich hätte mit Ihnen gerne über Dana gesprochen.", sagte er so freundlich wie möglich.
Bill Scully war ein großer Mann mit kalten Augen und starrte auf Mulder herab. Doch dann trat er wortlos zur Seite und ließ Mulder eintreten.
Nachdem er ihm einen Platz angeboten hatte, fragte er geradeheraus: "Welche Probleme haben Sie ihr diesmal aufgehalst?"
Mulder sah auf seine Hände. Irgendwie hatte er ein Déja-vu, dass er schon einmal so dagesessen hatte, diese Augen auf ihn gerichtet.
"Ich... ich hatte einen Unfall, Mr. Scully. Ich habe einen Teil meiner Erinnerungen verloren. Ich konnte einen Teil zurückholen, aber Danas Verhalten gibt mir Rätsel auf."
"Danas Verhalten gibt mir Rätsel auf, Mr. Mulder." Bill spuckte seinen Namen nur so aus. "Dass sie Ihnen immernoch zur Seite steht. Wissen Sie eigentlich, dass Sie praktisch keine Freunde mehr hat? Selbst wenn wir sie einmal überreden, uns zu besuchen, telefoniert sie ständig und ist total abwesend! Vor zwei Wochen war Weihnachten! Wir haben mit dem Essen über eine Stunde gewartet. Sie hat nichtmal angerufen und am nächsten Morgen erführen wir, dass SIE sie überredet hatten, in einem verrotteten Haus herumzuschüffeln! In dem es rein garnichts zu sehen gab! Ich könnte diese Liste endlos fortsetzen!!!"
Mulder sah auf und Bills Blick hätte ihn getötet, wäre dies möglich gewesen.
"Dana erzählt nicht viel von sich", redete Bill sich in Fahrt, "Ich habe keine Ahnung, ob sie überhaupt in den letzten 6 Jahren Kontakt zu anderen Männern hatte, außer Ihnen! Sie, Mr. Mulder, die die Loyalität meiner Schwester schamlos ausnützen, ohne je die Verantwortung für sie zu übernehmen!" Mulder schluckte. Hörte der Kerl je auf?
"Ich weiß, daß Dana eine starke Frau ist.", fuhr Bill fort, "Sie redet nicht über ihre Gefühle, ihre Ängste. Aber sie ist dennoch eine Frau! Auch sie braucht Zuneigung, Zärtlichkeit, verstehen Sie? Eine Schulter zum anlehnen, Geborgenheit! In den letzten Jahren kommt es mir vor, als wären Danas Gefühle vollkommen erstarrt! Was sind Sie nur für ein Mensch!!" Bill schrie nun fast und Mulder stand auf.
Dieser Besuch war eindeutig ein Fehler gewesen. Scullys Familie hasste ihn also. Das wußte er jetzt auch.
"Haben Sie garnichts zu sagen, Mr. Mulder?", knurrte Bill.
Mulder sah ihm ins Gesicht. "Ich kann nur sagen, dass es mir leid tut, dass Sie einen solchen Eindruck von mir haben. Sie werden mir wahrscheinlich nicht glauben, aber ich liebe Dana."
Bill lachte bitter auf. "Sie lieben Dana? Eine komische Liebe ist das, die dort aufhört, wo es zur persönlichen Verantwortung kommt!"
"Persönliche Verantwortung?" Bill stand nun auch auf und starrte Mulder in die Augen. "Ja, persönliche Verantwortung. Eine stabile, echte Beziehung. Ein Heim. Familie. Nun, das haben Sie ihr ja auch genommen."
Mulder schwante Schlimmes. "Wieso?", fragte er. Wieder lachte Bill. "Echt praktisch, so eine Amnesie, oder? Oh Gott, ich weiß nichtsmehr!! Ich bin unschuldig!" Er packte Mulder an den Oberarmen. "Ihretwegen ist Dana fast gestorben! Wegen Ihres sinnlosen, dummen Kreuzzuges! Ihr wurde die Möglichkeit genommen, Mutter zu werden! Wenn ich könnte, ich würde Ihnen die Eier abschneiden!", schleuderte er Mulder ins Gesicht.
Dann ließ er ihn los. Mulder keuchte. "Gehen Sie jetzt! Ich kann Sie nichtmehr sehen! Und glauben Sie ja nicht, dass alles gut und vergessen ist, nur weil Sie sich nicht erinnern! Ich jedenfalls werde Sie sicher nicht vergessen und das, was Sie meiner Familie angetan haben!"

Bevor Bill doch noch handgreiflich werden konnte, verließ Mulder das Haus. Er wollte endlich aufwachen aus diesem furchtbaren Alptraum, der sein Leben sein sollte! Er wußte nicht, wen er um Rat fragen sollte!
Er setzte sich in sein Auto und fuhr eine Weile herum. Irgenwann merkte er, dass er in Georgetown genau vor Scullys Wohnung gelandet war. Es brannte Licht, sie war also zu Hause. Sollte er reingehen, es noch einmal versuchen? Dennoch, mit seinen Annäherungen hatte er sie so verschreckt, sicher wollte sie ihn nicht sehen.
Am Besten war es, zu verschwinden. Das würde für alle Beteiligten besser sein.

Plötzlich schreckte er hoch und sah in Scullys Gesicht, die zu seinem Wagenfenster hereinsah. War er eingenickt? "Mulder! Was tust du hier? Es ist kalt!" Mulder senkte die Augen. Er wußte nicht, was er sagen sollte.
Scully öffnete die Tür. "Mulder, komm doch rein." Sie erkannte seinen elenden Zustand und nahm ihn beim Arm. "Komm schon." Widerwillig folgte er ihr nach oben, sagte nichts. Ein dicker Kloß steckte in seinem Hals und er hatte Angst, würde er reden, würden auch Tränen kommen. Das wollte er auf keinen Fall.
In Scully Wohnung setzte er sich auf einen Stuhl und starrte an die Wand. Scully setzt sich ihm gegenüber hin, sah ihn an und betastete vorsichtig die genähte Wunde an seinem Hinterkopf. "Hast du Schmerzen? Fühlst du dich nicht wohl?" Sie fühlte seinen Puls am Hals, er war sehr schnell. "Wo warst du? Ich wollte dich anrufen."
Mulder schluckte, riss sich zusammen. "Ich... war... bei deinem Bruder", brachte er schließlich heraus. "Oh!", entfuhr es Dana und sie ahnte, was geschehen war. Eine leichte Wut auf Bill stieg in ihr auf.
"Ich hole dir Wasser, warte." Sie stand auf, stellte ihm ein Glas Wasser hin und ging dann ins Schlafzimmer, um Bill anzurufen.
Mulder fuhr sich durchs Haar und seufzte tief.
Leise hörte er Scullys Stimme von nebenan, die langsam immer lauter und wütender wurde. Jetzt kriegte sie sich auch noch mit ihrem Bruder in die Haare seinetwegen. Machte er eigentlich nur noch alles falsch? Hatte er sich früher nie darum geschert, was er auslöste mit seinem Verhalten? Wahrscheinlich nicht. Ein Paranoiker mit Ufo-Wahn hatte wohl keine Ahnung von Zwischenmenschlichkeit.
Nun stahl sich doch eine Träne aus seinem Auge, lief über seine Wange und blieb an seiner Nase hängen. Er schniefte und wischte sie rasch weg.
Er hörte, wie Scully den Hörer aufknallte und wieder reinkam. Mulder stand auf, sah auf den Boden. "Ich gehe, Dana. Ich mache alles kaputt. Ich kann nur sagen, wie leid mir alles tut, was ich dir angetan habe. Ich..." Scully legte ihm sachte die Hand auf die Lippen.
"Bill ist ein Idiot. Nie war ihm ein Mann gut genug für mich! Meinem ersten Freund schug er ein blaues Auge!" Sie lächelte ihn an. "Mulder, ich bin erwachsen. Die Arbeit mit dir bedeutet mir sehr viel. Du bedeutest mir sehr viel. Nur, weil ich bisher noch keinen zum Heiraten gefunden habe, heißt das nicht, dass ich unglücklich bin!"
Mulder sah sie an. Noch eine Träne kullerte über seine Wange. Er wollte sich Scully entziehen, doch sie zog seinen Kopf zu sich herunter und küsste ihm sanft die Träne weg. Dann küsste sie seinen Mund, zärtlich, sachte. Mulder schloss die Augen. "Stimmt es, daß du meinetwegen keine Kinder bekommen kannst? Was ist passiert?", fragte er leise. Scully ließ ihn los und setzte sich. Sie seufzte tief. "Das sind alles alte Geschichten, alles so lange her! Mulder, wir sind da in Sachen verwickelt, über die ich jetzt nicht sprechen will. Ließ einfach die Akten. Außerdem hast du mich nie gezwungen, mitzumachen. Es war stets meine eigene Entscheidung."
Mulder ging vor ihr in die Knie und sah sie an. "Du bist eine wundervolle Frau, Dana. Wenn ich nur wüßte, was ich für dich tun kann!"
Sie streichelte traurig über seine Wange. "Sei einfach Mulder", sagte sie sanft. Er nahm ihre Hände. "Das bin ich doch, Dana! Aber ich spüre genau, dass ich ohne dich nur die Hälfte wert bin!" Er küsste sachte ihre Finger. Scully schloss die Augen. "Der Mulder, den ich kannte, hatte ein Ziel, das er nie aus den Augen verlor. Natürlich kostete das Opfer. Aber es war sein Leben. Egal, auf welchen Widerstand er gestoßen ist, immer hat er weitergesucht. Ich weiß nicht, ob du ohne diese Suche existieren kannst!"
"Diese Suche hat aber auch viel zerstört! Was bringt es, wenn man am Ende vor dem Nichts steht? Wenn all das, was einem lieb ist, verloren ist? Was bleibt einem dann noch? Was ist mit der Liebe, Dana?"
"Liebe ist vergänglich", hörte Scully sich sagen.
"Aber wer sie nie gelebt hat, ist verloren", erwiederte er.
Scully lachte. "Wenn du dich nur reden hören würdest." "Ich weiß genau, was ich sage. Komm." Er stand auf und zog sie auch hoch. Dann führte er sie in ihr Schlafzimmer. "Hier bin ich schon einmal gewesen", sagte er. Scully war an der Tür stehen geblieben. Was sollte das schon wieder werden? Wie lange konnte sie noch Widerstand leisten? Sollte sie überhaupt?
Mulder begann sich auszuziehen und Scully schluckte. "Mulder..." Er drehte sich zu ihr herum. "Komm einfach her, bitte!" "Ich will nicht!", rief sie entschlossen. "Doch, du willst. Ich weiß es. Warum läßt du es nicht einfach geschehen?" Scullys Blick war jetzt auf Mulders nackte Brust geheftet. Er trug nur noch seine Unterhose.
Er kam einen Schritt auf sie zu. "Bitte, Scully. Du wirst es nicht bereuen." "Ich fürchte, doch." "Bin ich denn so häßlich?", rief er aus. "Mulder du weiß genau, wie attraktiv du bist!", schnaubte Scully.
"Nein, weiß ich nicht! Gut, ich versuche mich in Form zu halten und ich wasche mich regelmäßig, aber daß ich attraktiv sein soll, hast zumindest du mich noch nie spüren lassen!"
Scully lachte auf. "Was hätte es auch gebracht? Das war nicht unser Thema." "Und das war falsch." Er legte seine Hände auf ihre Schultern, massierte sie leicht. Sie roch seinen Duft als er so dicht vor ihr stand. Sie war versucht, seine nackte Brust zu berühren.
Mulder wartete. Die Spannung steigerte sich immer mehr und Scullys Herz hämmerte. Sie blickte auf und seine Lippen legten sich auf ihre. Diesmal gab sie den Widerstand auf und erwiederte seinen Kuss. Er erschrak beinahe über ihre plötzliche Leidenschaft. Sie schlang die Arme um seine Taille und presste sich an ihn während sie ihren Mund öffnete, um seine Zunge zu suchen. Dieser Kuss ließ ihr die Knie weich werden und ihr Atem beschleunige sich.
Mulders Hände waren jetzt unter ihrem Pulli und liebkosten ihre nackte Haut. Scully spürte, wie sich etwas Hartes gegen ihren Bauch drängte und bekam kurz Angst. Mein Gott, so lange war es her! Und jetzt mit Mulder?
Er hatte ihr den Pulli über den Kopf gezogen und sah sie an. Dann küsste er sie wieder und ließ seine Lippen über ihren Hals wandern, über ihre Schultern. "Du riechst so gut!", hauchte er und küsste ihre Brüste, streifte ihr den BH ab. Leise seufzend versenkte Scully ihre Hände in seinem dichten Haar.
Mulders Lippen wanderten nun tiefer. Er küsste ihr den Bauch hinunter, neckte ihren Bauchnabel, öffnete ihre Jeans und zog sie ihr die Beine hinab. Scully stieg heraus und schob ihn langsam Richtung Bett, wo sie ihn sanft hinunterdrückte. Dann schlüpfte sie unter die Decke und strampelte ihren Slip weg. Mulder näherte sich ihr langsam. Seine Augen blickten so zärtlich, so verlangend, daß sie ihn gleich wieder küssen musste. Diesmal wurde sie stürmischer, fordernder.
Ihre Hand wanderte über seinen wundervollen Bauch und schlüpfte schüchtern unter den Rand seiner Boxershorts. Sie streifte sein Glied und er zog scharf die Luft ein. Rasch zog sie die Hand zurück, doch er hielt sie fest. "Möchtest du nicht...?" Scully senkte die Augen. Dann fasste sie wieder hinunter und zog ihm die Shorts über die Beine.
Als beide völlig nackt waren, lagen sie ein Weilchen mit klopfenden Herzen nebeneinander. Keiner wußte so recht, was er als nächstes tun sollte.
Scully streichelte Mulders Jungengesicht und küsste ihn wieder. "Dumm, so ein erstes Mal, nicht?", flüsterte er leise. "Ich glaube dir jetzt, daß wir nie etwas hatten. Ich würde mich erinnern." So zärtlich er konnte legte er seine Hände auf ihre Brüste, liebkoste ihre Brustwarzen, worauf sie genüßlich seufzte und die Augen schloss. "Jetzt muss ich eben herausfinden, was dir gefällt!" Scully zog ihn näher zu sich. Seine Erektion streifte ihren Schenkel und diesmal traute sie sich und streichelte ihn dort.
Mulder stöhnte und drängte sich gegen sie. "Es muß sehr lange her sein...", hauchte er genüßlich. Seinen Körper so erhitzt, erregt und nah zu spüren war für Scully überwältigend. Noch nie hatte sie ihren Partner auf diese Weise gesehen und sie fand ihn wundervoll. Sie schob langsam ihr Knie über seinen Unterleib und rutschte auf ihn. Sein Penis drängte sich nun hart zwischen ihre Beine, wo sie vor Erregung bereits feucht war. Sie sah auf sein Gesicht hinunter, dann küsste sie ihn wieder, währen sie nach unten griff und seinem Glied den richtigen Weg wies.
Mulder umfasste ihre Hüften, als er langsam, langsam in sie eindrang. Ein langes Stöhnen entfuhr ihm und auch Scully konnte es kaum glauben, mit welcher Überwältigung ihr Körper reagierte. Alleine bis er in ihr war, hatte sie fast schon einen Orgasmus.
Wieder lagen sie ein Weilchen still und genossen dieses neue, wundervolle Gefühl. "Wollen wir jetzt so einschlafen?", scherzte Mulder leise und sie sah seinen feuchten, erregten Blick, der sie fast verrückt werden ließ.
Vorsichtig begann sie sich zu bewegen und er schloss die Augen. Mit jedem sanften Stoß ging ihr Atem heftiger. Allmälig steigerte sich ihr Rhytmus und beide konzentrierten sich auf ihre Körper, die ihrem Höhepunkt zusteuerten.
Mulder gab sich völlig diesem, sich langsam steigernden, Gefühl hin, seine gesamte Konzentration galt nun seinem Unterleib, all seine Existenz, sein Dasein galt seinem Körper und dieser unglaublichen Einrichtung der Natur, die alle Säugetiere zu einer Spezies machte und das unstillbare Verlangen nach dieser Fortpflanzungszeremonie auslöste.
Gerade spürte er die Wellen durch seinen Körper rollen und er stöhnte genussvoll auf, als es in seinem Kopf explodierte.
Der Schmerz war so unerwartet und überwältigend, dass er nur schrie. Voller Panik und entsetzen schrie er und schrie und wand sich unter Scully. Diese war zu Tode erschrocken, gerade noch ganz in ihrer Erregung aufgelöst und jetzt Mulders Körper unter sich, sich windend in Krämpfen und diesem entsetzlichen Schreien!
"Mulder!", rief sie ängstlich, "Mulder was ist los? Was hast du?"
Mulder trommelte mit seinen Fäusten gegen seinen Kopf und schrie ein unmenschliches Schreien, wollte, dass es aufhörte, diese endlose Flut an furchtbaren Bilder, Eindrücken, Emotionen und Erlebnissen.

Scully rutschte rasch herunter von ihm aus Angst, er könnte sie mit seinen Fäusten treffen. Sie versuchte, seine Hände zu fassen, sie festzuhalten, doch seine Kraft in der Panik war einfach zu groß.
"Mulder!", schrie Scully, doch er beruhigte sich nicht.

Scully sprang schließlich aus dem Bett und lief zum Telefon, wo sie panisch einen Notarzt anrief. Dann stieg sie rasch in ihre Kleider, es schmerzte sie körperlich dieses schreckliche Schreien zu hören.
Sie schüttelte ihn. "Mulder! Hör auf! Ich bin’s, Dana! Ich bin bei dir! Was ist nur mit dir?" Ganz langsam ebbten die Schreie ab. Noch immer hatte Mulder die Hände in seine Schläfen gekrallt, die Augen fest zugekniffen und stöhnte laut und keuchend.
Die Schmerzen schienen ihm ins Gesicht gebrannt. "Es... soll... aufhören!", stammelte er vollkommen abwesend. "Nein! Nein! Nein! Aufhören!"
Dann schrie er wieder.

Bevor die Ambulanz eintraf, hämmerten schon die Nachbar gegen die Tür und riefen, was denn dieses Geschrei solle. Scully tigerte verzweifelt hin und her und hielt sich die Ohren zu. Dann hörte sie die erlösenden Sirenen des Krankenwagens.

Die zwei Sanitäter und der Notarzt brauchten all ihre Kraft um Mulder festzuhalten, um ihm eine Injektion zu geben. Sie gaben ihm eine hohe Dosis Beruhigungsmittel, die schnell wirkte und Scully war erleichtert, als Mulders Körper sich entspannte und schließlich erschlaffte. Ihm wurde eine Sauerstoffmaske übergestreift und die Männer hievten ihn auf die Trage.
"Ich werde mitkommen, ich bin seine Ärztin", sagte Scully und war sich nicht bewußt, wie das in dieser Situation klang.
Die Männer sagten aber nichts und nickten nur.

Als eine Stunde später Assistant Director Skinner den Flur entlangkam, zitterte Scully noch immer. Die Ärzte hatten ihr eine Menge unangenehme Fragen gestellt. Was denn kurz vor dem Anfall passiert sei? Ob es Anzeichen auf ungewöhnliches Verhalten gegeben habe? Ob sie als Ärztin und seine Vertraute dies nicht hätte erkennen können?
Es war Scully so peinlich und trotz ihrer Sorge um Mulder, war sie wütend, dass er sie tatsächlich herumgekriegt hatte. Sie hatte ja gewußt, dass das nur Ärger bringen würde!

Skinner setzte sich neben sie. "Alles in Ordnung, Agent Scully? Geht es Ihnen gut?" "Wer hat Sie denn angerufen?", fauchte Scully und er versteifte sich. Sie senkte den Blick. "Entschuldigen Sie, Sir. Ich... ich...habe nur...", sie brach ab.
Skinner seufzte. "Wenn immer ein Agent des FBI aus irgendwelchen ungeklärten Gründen in ein Krankenhaus eingeliefert wird, werde ich automatisch benachrichtigt. So läuft das noch mal. Big Brother, Scully. Was ist nun mit ihm? Liegt es an seiner Kopfverletzung?"
"Ich weiß nicht. Inzwischen ist er sediert und schläft. Sein EEG hat sich weitgehendst wieder normalisiert. Es war wie ein plötzlicher Ausbruch, ich denke, die Erinnerung hat schlagartig wieder eingesetzt und das hat zu dieser extremen Überreaktion geführt! Ich... ich weiß nicht, was es ausgelöst hat." Scully wurde rot.
"Haben sie über etwas gesprochen? Erinnern Sie sich an das Letzte, was er gesagt hat?" Ihr restliches Blut schoss Scully nun in den Kopf und sie leckte sich nervös über die Lippen. Lieber würde sie sich die Zunge abbeißen, als ihm zu sagen, dass Mulder kurz vor einem Orgasmus gewesen war! Und zwar mit ihr!
"Kann mich nicht erinnern.", murmelte sie.
Skinner ließ sie in Ruhe und stand auf, um einen diensthabenden Arzt zu suchen.

 
Als Mulder wieder zu sich kam, waren seine Kopfschmerzen noch ein dumpfes Dröhnen und er merkte, dass dies die Schmerzmittel waren, die alles nur betäubten.
Er blinzelte und sah sich um, schloss dann wieder die Augen. Er wußte alles ganz genau. Glasklar waren sämtliche Erinnerungen wieder da. Nicht nur das, sie peitschten auf ihn ein, quälten ihn. Wie wenn er von außen in seinen Kopf hineinsehen würde, sah er diese Dinge, die er getan und erlebt hatte.
Er wünschte sich, sie wären dort geblieben, wo sie gewesen waren: im Land des Vergessens. Trotz der Sedierung erkannte er nun, was für ein Mensch er war: einsam, besessen, stur, manchmal arrogant, sich über die Meinung anderer hinwegsetzend.
Er verstand nun auch, wieso er so war. Und obwohl es ihm nicht gefiel, er wußte, das war er.
Und er konnte nun mal nicht anders.
Nur ein Faktor war unverändert geblieben: Scully. Scully und seine Gefühle ihr gegenüber. Bei dem Gedanken an sie, erinnerte er sich auch an das, was in ihrem Schlafzimmer geschehen war und fragte sich erschrocken, wie es ihr wohl ging.
Er wußte nur noch, daß er beinahe kam und dann... verdammt, er mußte mit ihr reden!

Es klopfte leise an die Tür und Mulders Mutter kam herein. In ihren Augen spiegelten sich Sorge und auch ein gewisses Schuldgefühl beschäftigte sie wohl. "Mom!" Mulder streckte seine Hand aus und richtete sich ein wenig auf. Teena Mulder ging auf ihn zu und schloss ihn in ihre Arme. "Fox, wie geht es dir?" Sie hielt ihn eine Weile und Mulder genoss diese so seltene Geste der Zuneigung von ihr wie ein kleines Kind.
"Es ist schon okay, Mom, wirklich", meinte er leise. Sie ließ ihn los und setzte sich neben das Bett. "Draußen sitzt deine Partnerin, diese Miss Scully. Sie wollte mir nichts sagen. Sie schien ziemlich durcheinander. Was ist denn passiert?"
Mulder schluckte und griff nach einem Glas Wasser neben seinem Bett. "Warum will sie denn nicht reinkommen?", fragte er statt einer Antwort. "Ich weiß es nicht, Fox. Sie war sehr einsilbig." Ein leicht ungehaltener Ton schwang in ihrer Stimme mit. Mulder nahm ihre Hand.
"Mom, sie hat mir geholfen, mich zu erinnern. Es war etwas viel auf einmal, aber es ist alles wieder da. Ich komme in Ordnung." Teena strich ihm übers Haar. "Bitte, wirf dein Leben nicht weg wie dein Vater. Es ist es nicht wert, glaub mir. Lebe ein bisschen." Mulder lächelte schwach. "Aber ich bin doch zufrieden, Mom! Ich arbeite sogar für die Regierung! Das gibt mal ’ne sichere Rente!"
Teena seufzte tief. "Ich weiß, es klingt abgedroschen, aber du wirst bald 40. Manchmal wünschte ich mir, du würdest eine Familie gründen." "Hat dir es denn Glück gebracht?", fragte Mulder. "Wenn man niemanden hat, der einem nahe steht, verletzt man auch niemanden." Teena richtete sich auf. "Fox, wirst du nie aufhören, mir Vorwürfe zu machen? War ich so eine schlechte Mutter?"
"Nein, Mom. Ich liebe dich. Trotzdem schaffe ich es einfach nicht, eine Beziehung einzugehen. Lieber schade ich mir selbst als anderen." Mrs. Mulder schluckte. "Ich gehe jetzt. Diese Unterhaltung führt zu nichts. Nur noch eine Frage: Was ist mit dieser Frau da draußen? Mit Dana Scully? Sie steht dir doch nahe, oder nicht?"
Mulder senkte den Blick. "Ja, Mom, das tut sie." "Dann kann ich ihr nur viel Glück wünschen. Gute Besserung, mein Junge." Flüchtig strich sie ihm über die Wange, dann ging sie. Als sie das Zimmer verließ, war Scully nichtmehr da.

Zwei Wochen später konnte Mulder wieder arbeiten, worauf er auch ganz scharf war. Er hatte während seiner Genesung beschlossen, Scully nicht zu behelligen, ihr Zeit zu lassen. Zunächst dachte er, er müßte sie gleich anrufen und ausfragen, doch dann entschied er sich anders.
Irgendwie war ihm sein Verhalten auch peinlich, wenn er sich nun wieder mit anderen Augen sah. Hoffentlich hatte er nicht zuviele Leute vor den Kopf gestoßen!
Als er sein Büro betrat, erschrak er. Wer hatte hier gewütet? Wo waren seine Sachen, seine Bilder und Notizen und wo war sein Poster?
Er ließ sich auf seinen Stuhl fallen und seufzte tief. Natürlich. Er selbst, sein alter Ego, sozusagen, der Softie-Mulder hatte hier "aufgeräumt".
Eine Weile grub er im Papierkorb, dann gab er es auf. Nun, die Arbeit würde ihm nich ausgehen! Er ging nach hinten und setzte schonmal Kaffee auf, da hörte der die Tür klappen.
"Mulder? Bist du hier?" Es war Scully!
Rasch ging er zu ihr und lächelte sie an. "Hi!", rief er. "Hi. Wie gehts dir?" Scully sah verlegen aus. Mulder räusperte sich. "Erstmal Kaffee, okay?" "Okay."
Als Mulder mit den zwei Tassen zu ihr kam, pinnte sie gerade ein neues Poster an die Wand. "Mann, Scully! Wo hast du das nur aufgetrieben? Danke!"
Sie lächelte. "Dank deiner Akten, die du noch übrig gelassen hast, gibt es genug Adressen für passende Quellen", meinte sie und nahm ihm die Tasse aus der Hand.
"Das heißt wohl, der alte Mulder ist wieder da", sagte sie dann leise. Er setzte sich und sah ihr in die Augen. "Ja, das ist er. Schlimm?" Scully seufzte tief. "Ich weiß nicht. Wie ist es für dich?"
Mulder machte ein nachdenkliches Gesicht. "Ich denke, ganz in Ordnung. Ich sehe nur manche Sachen in einem neuen Licht!"
Scully räusperte sich. "Zum Beispiel?" Mulder drehte seine Kaffeetasse hin und her. "Uns", sagte er dann geradeheraus. Scully wartete. "Ich habe etwas nicht beendet." Herausfordernd sah er sie nun an und stellte befriedigt fest, dass sie rot wurde. "Mulder...." "Dir hat es, glaube ich, auch gefallen", fuhr er fort, "oder nicht?"
"Irgendwie war das ein anderer Mann da in meinem Bett", sagte sie schließlich, ohne ihn anzusehen. "Er hat mir Blumen geschenkt. War richtig romantisch. Wollte mich ausführen..." Sie blickte auf und Mulder lächelte vielsagend. "Da hatte dein Bruder also doch Recht, mh? Geborgenheit, Familie." "Ich weiß nicht... irgendwie ist das wohl in jeder Frau verwurzelt", gab sie zu. "Aber ich weiß, dass ich das von dir nicht bekommen kann."
Mulder ging einen Schritt auf sie zu. "Also, Blumen sicher nicht, Dana", sagte er leise. Seine Hand streichelte über ihre Wange, fasste sie dann unters Kinn, damit sie ihn ansehen musste. "Ich habe heute die Rechnung bekommen, ich muss echt von Sinnen gewesen sein!" Scully musste lachen. Dann verschloss Mulder ihr mit einem Kuss die Lippen und zog sie an sich, damit sie ihm nicht entwischen konnte.
Sie ließ es zu. Es war schön. Sein Kuss war nicht drängend, aber doch erregend. Als er sie wieder losließ, sagte er: "Davon kann ich dir aber mehr geben, wenn du das willst." Scully machte sich sanft los von ihm und ging einen Schritt zurück. "Nein, Mulder." "Nein?" Jetzt war er verwirrt. "Du meinst... nein?"
"Ich meine nein", bestätgte Scully und nahm wieder ihre Kaffeetasse. "Mulder, ich hatte zwei Wochen Zeit, alles zu überdenken. Ich habe es mir nicht leicht gemacht, wirklich. Du weißt, was du mir bedeutest. Glaub mir, bei Gott, ich hätte manchmal wirklich gerne jemanden zum kuscheln und anlehnen und.... Sex haben. Aber das kannst du niemals für mich sein!"
Mulder war sprachlos. Er ließ sich auf seinen Stuhl fallen. "Aber..." "Mulder, hör mir bitte zu!" Scully fiel es sehr schwer, angesichts seiner traurigen Augen. "Wenn ich mich auf eine Beziehung einlasse, ich meine, eine richtige Beziehung, dann muß das anders aussehen als das hier. Und vor allem: es darf nichts mit der Arbeit zu tun haben! So etwas ist noch nie gutgegangen!"
"Und was, wenn du das nie findest, was du dir vorstelltst?", wollte Mulder wissen, "Was, wenn das hier nun deine Bestimmung ist? Willst du lieber verzichten, als einen Kompromiss zu machen?"
"Mulder, ich will nicht, dass du mein Kompromiss wirst. Und du wirst es auch nicht wollen. Ein kleines Schäferstundchen zwischen den Akten oder im Motel. Nein, Mulder, das möchte ich nicht!"
"Willst du damit sagen, ich kann dich nicht haben, solange ich mit dir arbeite?" Mulder konnte es einfach nicht glauben.
"Nein, ich glaube, dass ich mit einem Mann wie dir mein Leben nicht teilen kann. Es wäre mir einfach zu gefährlich. Der Ruhepol, das Abschalten von allem, das Fallenlassen, das hätte ich mit dir nicht! Mulder, du bedeutest mir so viel. Aber ich kann dich einfach nicht lieben. Bitte, versuch das zu verstehen."
Nein, Mulder verstand ganz und garnicht. Er war sich so sicher gewesen, daß, wenn der erste Schritt mal getan war, alles wie von selber gehen würde! Verdammt, er hatte sich getäuscht!
Scully merkte, daß sie ihn verletzt hatte, aber sie konnte einfach im Augenblick nicht anders. Alles andere wäre eine Lüge gewesen!
"Wenn du einen anderen Partner beantragen möchtest, verstehe ich das. Bitte, vesuch,0 nicht böse zu sein", sagte sie.
Eine Pause entstand und Scully überlegte, ob sie gehen sollte. Dann sagte er:" Nein. Du hast Recht. Ich möchte keinen anderen Partner und das weißt du! Ich denke, ich werde lernen, damit zu leben."
Er lächelte sie an und sie fragte sich, was sie da eigentlich gerade tat. Sie stieß eine Chance von sich, die wahrscheinlich nichtmehr kommen würde. Denn sie kannte Mulder. Er war die Konsequenz in Person. Und Spielchen würde er nicht mir ihr spielen, das wußte sie. Sie selbst durfte es aber auch nicht tun. Denn dann würde sie sein Vertrauen und alles, was sie bisher hatten, aufs Spiel setzen.
Ein Weilchen hingen beide ihren Gedanke nach. Vielleicht war sie ja eines Tages soweit, überlegte Mulder. Es tat im Augenblick weh, aber er wollte ihre Entscheidung respektieren.
Wenn der Tag kommen sollte, an dem sie sich vielleicht doch für ihn entschied, würde er dann noch bereit sein?
Als das Telefon klingelte, sahen die beiden sich an. Dann lächelte Mulder und nahm den Hörer.

---- Ende ----