One night in
Autoren: VancouverX9
Kontakt: ScullyX9@aol.com
Rating: PG-13, als ob die unter 13-Jährigen von heute nicht wüssten, was abgeht !
Kategorie: MSR
Spoiler:
Disclaimer: They are not mine, nor yours but
I promise Ill give them back to Fox and Chris
Short-Cut und Kontext: Es geht darum, wie Mulder und Scully die
FBI-Kreditkarte des Skinman in
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One night in
Also, was genau machen wir jetzt eigentlich? , drang
es erwartend an sein Ohr.
Scully löste ihre Hand aus Mulders und sah sich ein wenig
überfordert um. Außerhalb des Hotels war nämlich ziemlich
genau überhaupt gar nichts, außer ein paar anderen Hotels. Noch
dazu war es verdammt warm dafür, dass es schon nach zehn Uhr
abends war. Mulder sah sich ebenfalls ratlos um und zuckte mit
den Schultern.
Er sah auf ihre Schuhe.
Spazierengehen fällt wohl flach, was?
Ehe sie darauf antworten konnte, sah sie jedoch, dass er etwas
entdeckt hatte und folgte seinem Blick. Er hatte eine
Stretch-Limousine im Visier und griff erneut ihre Hand, um sie
dorthin zu ziehen.
Was, wir mieten uns `ne Limo? fragte sie skeptisch
und ließ sich von ihm mitziehen. Sie konnte sich noch nicht ganz
entscheiden, ob sie das lustig oder eher peinlich finden sollte.
Aber dann sah sie das geräumige und luxuriöse Innere der
Limousine und entschied sich, dass ihr Mulders neueste Idee
verglichen mit einem Spaziergang auf Absatzschuhen um das
Hotelgelände wesentlich besser gefiel. Der Chauffeur war beim
Anblick ihrer FBI Kreditkarte sofort Feuer und Flamme für den
Auftrag und zündete den Motor.
Sie warfen sich gegenüber voneinander auf die Ledersitze der
Limousine und Scullys Mund verzog sich zu einem vergnügten
Grinsen. Mulder registrierte das und sah aus dem Fenster, ein
zufriedenes Lächeln unterdrückend.
Scully konnte strahlen wie ein Kind, dem man Zuckerwatte und
einen Ponyritt auf einem Jahrmarkt spendiert hatte. In letzter
Zeit geschah das allerdings so häufig, dass Mulder sich langsam
fragte, was für Tabletten sie einzunehmen begonnen hatte.
Oder lag das an etwas anderem? Bevor er sich dieser Möglichkeit
öffnete, lenkte er sich ab und räusperte sich. Wenn er erst
einmal anfangen würde, sich in diese ganze Angelegenheit
hineinzusteigern, dann würde er es heute ganz bestimmt nicht
schaffen, sich von ihr fernzuhalten. Und schon gar nicht nachdem
man ihm vorgeworfen hatte, Skinners Taschenlampe sei größer als
seine.
Ein empörtes Schnauben entwich ihm.
Was denn? Immer noch sauer wegen der Taschenlampe?
Scully stupste ihn mit ihrem Fuß an und grinste noch immer. Sie
wusste ja gar nicht, wie Recht sie hatte!
Also, wo soll es denn hingehen? meldete sich eine
Stimme. Scully drehte sich um und blickte durch die
heruntergefahrene Trennscheibe zum Fahrer nach vorne.
Wie lange stehen Sie uns denn zur Verfügung?
Na ja, drei Stunden sind das Minimum. Und das macht 100 $
die Stunde.
Scully und Mulder warfen sich einen rebellischen Blick zu.
Okay, dann kümmern wir uns jetzt erst einmal um Proviant,
beschloss Scully und nickte dem Fahrer zu.
Innerhalb der nächsten Stunde hielten sie
an zwei Supermärkten, einem Fast Food Drive-Through und drei
ziemlich teuer aussehenden Restaurants und jedes Mal sprang
Scully heraus, um kurz danach mit einer Tüte voller Leckereien
wiederzukehren. Beim letzten Mal jedoch nahm ihr Mulder den
Vortritt, klaute ihr die Kreditkarte und verschwand in einem
Getränkeladen. Als er wieder in die Limousine einstieg, kramte
er aus einer braunen Papiertüte eine Flasche hervor.
Wie konnten Sie denn den Champagner vergessen? schalt
er Scully mit einem ernsten Blick und begann, am Flaschenkorken
herumzufummeln, während Scully den Tisch an ihrem Sitz
ausklappte und das Essen darauf aufbahrte wie ein Festtagsbuffet.
Als sie fertig war, merkte sie, dass Mulder sie die ganze Zeit
ungläubig angestarrt hatte.
Sie haben wohl ziemlichen Hunger, was? bemerkte er
knapp, als sich ihre Blicke über dem thailändischen,
japanischen, italienischen und einheimischen Essen in Form
von Hamburgern - wieder trafen.
Mulder, unterschätzen Sie nicht die Weiten von L.A., Sie
werden mir noch danken, gab sie unbeeindruckt zur Antwort
und streckte ihm eine kleine Pappschachtel mit einem großen
gelben M darauf entgegen.
Cheeseburger? fragte sie knapp und griff sich
gleichzeitig ihre Stäbchen, um sich über das Sushi herzumachen.
Mulder gab sich geschlagen und nahm an.
Schweigend saßen sie sich gegenüber und verdrückten eine
Köstlichkeit nach der anderen, während der Fahrer sich mit
ihnen auf den Weg zum Walk of Fame machte.
Mulder goss ihr Champagner ins Glas und sie hielt inne, legte ihr
Pizzastück zurück auf den Karton und griff nach dem Glas.
Also, worauf trinken wir? fragte sie und fügte
hinzu: Darauf, dass der Film ein Flop wird?
Mulder schüttelte den Kopf. Wir trinken auf die Toten. Und
darauf, dass sie nett zu uns sind, wenn wir ihnen irgendwann
einmal Gesellschaft leisten werden.
Na, ich hoffe, das wird nicht so bald sein, wehrte
Scully den Gedanken ab und setzte das Glas mit einem Glitzern in
ihren Augen, die Mulder ständig fixierten, an ihre Lippen. Sie
war dem Tod bereits öfter nahe gewesen, als sie hätte
verarbeiten können und so hatte sie sich eine gute
Verdrängungstaktik überlegt, die jedoch Lücken aufwies. Daher
wurde ihr an manchen Tagen bewusst, wie zerbrechlich ihr Leben
war. Wie endlich. Und wie unerfüllt trotz der Gefahren und
Abenteuer, denen sie ausgesetzt war.
Mit ihrem ersten Schluck des prickelnden kühlen Champagners
wusch sie diese Gedanken aus ihrer Seele heraus und konzentrierte
sich wieder auf den Moment. Denn dies war einer der wenigen
Augenblicke, die ihrem Leben Zauber verliehen und sie wollte ihn
nicht verderben. Sie wollte das, was sie und Mulder seit einigen
Wochen miteinander teilten, festhalten und darauf aufbauen.
Das, was sie getan hatten, konnte zwar genau so gut überhaupt
nichts bedeuten, immerhin war sie eine Frau und er war ein Mann
und sie hatten es sieben Jahre lang geschafft, ohne dass es
passiert war, aber nun war es eben doch passiert. Und es war
eigentlich nichts dabei. Theoretisch. Aber gerade weil sieben
Jahre vergangen waren, schien es doch mehr zu bedeuten als sie
sich damals zuerst hatte eingestehen wollen.
Schnell trank sie einen weiteren Schluck Champagner hinterher,
als sie merkte, wie trocken ihr Hals bei den Gedanken wurde.
Hitze stieg ihr in den Kopf und es begann zu kribbeln. Nervös
blickte sie aus dem Fenster und suchte nach irgendetwas, das sie
von diesen Erinnerungen ablenkte, die ihr plötzlich durch den
Kopf spukten. Dummerweise fuhren sie ausgerechnet in diesem
Moment durch ein Viertel für Erwachsenen-Unterhaltung.
Mulders Augen leuchteten und er nickte, als er die vielen Kinos
an ihnen vorbeiflitzen sah. Es hatte Zeiten gegeben, in denen
hatte er jedes Wochenende in solchen Kinos verbracht. Jetzt hatte
er das nicht mehr nötig. Denn jetzt saß er mit Scully in einer
Limousine und trank Champagner. Unweigerlich drängte sich ihm
eine Aschenputtel- Phantasie von sich in einer
Kürbiskutsche auf und er musste schmunzeln.
Er sah zu Scully hinüber. Sie war viel zu weit weg. Dafür hatte
er aber eine wunderbare Sicht auf ihre Beine, die von dem kurzen
Kleid nicht allzu effizient bedeckt wurden. Es waren recht kurze
Beine, aber sie waren durchtrainiert und schön geformt. Sie
hatte einen niedlichen Körper. Er schluckte, als er merkte, wie
seine Phantasie sich verselbständigte.
Als sie merkte, dass er sie ansah, erwiderte sie seinen Blick.
Was? fragte sie irritiert und er schüttelte den
Kopf. Nichts
, murmelte er und sah wieder aus
dem Fenster. Scully sah ihn noch einen Moment lang prüfend an,
fragte sich, was ihm durch den Kopf ging und stellte fest, dass
er viel zu weit weg saß.
Erschöpft und berauscht von all dem Essen
sanken sie schließlich beide in ihren Sitzen zurück und
schwiegen. Aber es war ein entspanntes Schweigen. Ihre Füße
stießen aneinander und sie ließen sie dort liegen, weil es sie
beruhigte, in ständiger Berührung zu bleiben.
Wessen Stern wollen Sie sich eigentlich ansehen?
fragte Scully, als sie um die Ecke des Hollywood Boulevards bogen
und langsamer wurden.
Es gibt nur den einen wahren Stern, war seine
schlichte Antwort, als sie zum Stehen kamen.
Mit einem geheimnisvollen Glühen stieg er aus der Limousine und
hielt ihr die Hand hin, um ihr ebenfalls herauszuhelfen.
Noch immer war die Nacht lau und Scully holte einen Moment lang
Luft und orientierte sich. Es war so hell und bunt um sie herum.
Aber Mulder war bereits auf dem Walk of Fame verschwunden und
rannte von Stern zu Stern auf der Suche nach dem King.
Scully machte sich gar nicht erst die Mühe, ihm nachzulaufen,
sondern schlenderte gemütlich hinterher. Irgendwann hatte sie
ihn eingeholt und blieb hinter ihm stehen. Mulder drehte sich zu
ihr um.
Und haben Sie auch jemanden gefunden? fragte er sie.
Scully nickte. Burt Reynolds hat hier auch einen Stern,
wussten Sie das?
Doch Mulder hörte kaum zu. Wie ein Kind schwirrte er um den
Stern von Elvis Presley herum.
Es gibt einen satanischen Kult, der behauptet, die Stars,
deren Namen hier auftauchen, seien die Widergeburten der
gefallenen Engel, erklärte er ihr, während er sich nach
rechts und links umsah und den Anblick der zahlreichen Sterne auf
dem Boden auf sich wirken ließ.
Scully hakte sich bei Mulder unter, lehnte sich gegen seinen Arm
und spottete mit einem prophetischen Blick gen Himmel: Los
Angeles, die Stadt der gefallenen Engel.
Er sah an ihr herunter. Sie war so klein, wenn sie sich so nah an
ihn schmiegte.
Irgendwie hab ich das Gefühl, Sie nehmen das hier nicht so
richtig ernst, beschwerte er sich, als er sich schließlich
wieder in Bewegung setzte und, über die Sterne zahlreicher
anderer Berühmtheiten hinwegspazierend, auf die Limousine
zusteuerte.
Als sie wieder im Wagen saßen, griff er sich einen Glückskeks
von ihrem Limousinenbuffet.
Hatten Sie denn nie ein Idol? fragte er sie, als er
den Schnipsel aus dem Keks zog.
Ich fand Kate Jackson von Drei Engel für Charlie
toll, gab sie nachdenklich zu.
Klar, das war auch die Intelligenteste von allen." Er
schüttelte den Kopf. "Ich war allerdings eher auf Farrah
Fawcett scharf.
Sie rollte mit den Augen und sah lächelnd weg.
Mulder las seinen Glückskeksspruch. Er grinste und hielt Scully
seinen Zettel hin.
Ich glaube, wir haben unsere Kekse vertauscht,
bemerkte er dabei.
Scullys Augenbraue zuckte und sie las seinen Zettel.
'Wenn Du Deine Türen allen Irrtümern verschließt,
schließt Du die Wahrheit aus.' Nein, ich glaube schon, dass Sie
damit gemeint sind", antwortete sie vergnügt und reichte
ihm seinen Schnipsel zurück. Herausfordernd öffnete sie ihren
Glückskeks und fühlte sich bestätigt.
Yup, die Kekse wurden definitiv NICHT vertauscht!
grinste sie und drehte ihren Spruch um, so dass Mulder ihn sehen
konnte.
'Du bist ein Gewinner!' las er und schnaubte. Pah,
schmollend griff er den nächsten Keks, doch Scully schnappte ihn
sich und nahm ihn ihm weg.
Hey! beschwerte Mulder sich. Hat Ihre Mutter
Ihnen nicht gesagt, dass Mundraub verboten ist?
Scully lehnte sich in ihrem Sitz zurück und zerbrach ihren
nächsten Keks. Die Krümel rieselten in ihren nicht sehr tiefen
Ausschnitt und Mulder wünschte sich einen Moment lang, sie ihr
dort herausfischen zu dürfen.
Das Lächeln auf ihrem Gesicht verschwand für eine Sekunde, als
sie ihren Spruch las. Doch in der Hoffnung, dass er es nicht
bemerkt hatte, befreite sie ihren Gesichtsausdruck wieder von dem
ernsthaften Schatten, der darüber gehuscht war.
Und was steht drauf? fragte Mulder nun erst recht
neugierig.
Scully zuckte mit den Schultern. Einer von den
Glückskeksstandardsprüchen, wehrte sie beiläufig ab und
gab ihm den Zettel.
Er las laut vor: "'Die Liebe ist die Quelle aller
Gewissheit, aller Wahrheit, aller Realität.'"
Einen Moment lang hielt er inne und dann legte er den Schnipsel
auf den Tisch zu dem dort bereits angehäuften Müllberg.
Stimmt doch, zuckte er mit den Schultern und sah sie
an.
Doch die Ausgelassenheit war verflogen. Schüchtern senkte sie
den Blick und erhob ihr Glas, um den letzten Schluck Champagner
verschwinden zu lassen, auf dass er diese Schmetterlinge in ihrem
Bauch möglichst bald am Weiterfliegen hindern würde. Für den
Moment erschien es ihr allerdings eher, als würde der Alkohol
diese Schmetterlinge auch noch ermutigen.
Sie holte tief Luft.
Wohin fahren wir eigentlich jetzt? fragte sie wieder
ganz ernst und gefasst.
An den Strand von Malibu, antwortete er und wackelte
mit den Augenbrauen. Es ist eine sternklare Nacht.
"Klar, aber in Wahrheit hoffen Sie doch nur, Pamela Anderson
in ihrem orangefarbenen Badeanzug dort anzutreffen.
Mulder schüttelte den Kopf. Nah, die ist nicht mein
Typ." Und nach einer winzigen viel sagenden Pause fügte er
hinzu: "Das wissen Sie doch.
Wieder wackelte er zweideutig mit den Augenbrauen und Scullys
Schmetterlinge tanzten beschwipst und ausgelassen durch ihren
Magen.
Es dauerte eine ganze Weile bis sie am
Strand angekommen waren, ihre Glieder waren schwer und steif
geworden vom langen Sitzen und die Luft hatte sich sehr
abgekühlt.
Scully fröstelte, als sie aus dem Wagen stiegen. Endlich hatte
die Wirkung des Alkohols nachgelassen.
Ist Ihnen kalt? fragte Mulder, als er sah, dass sie
die Arme vor der Brust verschränkte. Tapfer schüttelte sie den
Kopf, aber er ließ es sich dennoch nicht nehmen, ihr sein
Jackett umzulegen und Scully hätte ihn dafür am liebsten
geküsst.
Nach fünf Metern sah sie ein, dass es ein sinnloses Unterfangen
war, mit Absatzschuhen durch den Sand laufen zu wollen und so
streifte sie sich ab und lief barfuss weiter. Mulder tat es ihr
nach und nutzte die Gelegenheit, seine Fliege endlich zu lockern,
die ihm schon seit Stunden die Luft abzuschnüren schien.
Eine frühlingshafte Brise blies Scully durch ihr Haar und die
Wellen überschlugen sich übermütig und aufbrausend. Scully
konnte den knisternden Meeresschaum auf der Wasseroberfläche
sich kräuseln sehen. Sie liebte das Meer. Immerhin war es ein
Teil ihrer Kindheit gewesen.
Zwei verlassene Liegen standen wie eine Einladung in der
Dunkelheit herum und dankbar ließ Scully sich auf einer von
ihnen nieder. Mulder ließ sich neben ihr fallen, legte sich der
Länge nach auf seine Liege und verschränkte die Arme hinter dem
Kopf.
Sagte ich doch: eine sternklare Nacht, bestätigte er
sich selbst zufrieden, als er die funkelnden diamantgleichen
Punkte am schwarzen Himmel sah.
Scully sah ihn an. Offenbar hatte er nicht vor, sobald wieder zur
Limousine zurückzukehren, also legte sie sich seufzend ebenfalls
hin.
Je länger man hinsieht, desto mehr erkennt man,
stellte sie nach einer Weile fest.
Mulder nickte. So wie im richtigen Leben, antwortete
er und sie merkte, dass er sie ansah. Erleichtert, dass die
Dunkelheit die Röte auf ihren Wangen versteckte, ignorierte sie
seine Anspielung und kramte ihr Astronomiewissen aus ihrem
Gedächtnis.
Sehen Sie die Plejaden und wie unglaublich viele einzelne
Sterne sie enthalten? Und selbst die Andromedagalaxie ist heute
nicht nur als Punkt, sondern als richtiger elliptischer Fleck zu
sehen... staunte sie und suchte den Himmel weiter nach
bekannten Mustern ab.
Mulder warf sich auf die Seite und stützte seinen Kopf in die
Hand.
Es fällt Ihnen schwer, die Dinge jenseits der Ihnen
vertrauten Systematiken zu betrachten, oder?
Scully seufzte. Vielleicht. Vielleicht ist es aber auch
einfach meine Art mit der Schönheit unserer Welt umzugehen.
Indem ich sie in Kategorien einordne und sie systematisiere wird
sie für mich begreifbarer. Und in den Systemen liegt wiederum
eine eigene Ästhetik. Ich finde nicht, dass dadurch der
ursprünglichen Schönheit der Natur etwas genommen wird.
Aber die Faszination des Unbekannten geht flöten. Und
indem man alles mit der Vernunft zu erfassen versucht, wird es
auch nicht unbedingt leichter, erwiderte er wieder so
zweideutig, dass sie sicher war, dass er es auf etwas anderes als
die Sterne bezog. Ohne jedoch darauf einzugehen, starrte sie stur
die Sterne an und verlor sich in der Weite des Alls, bis sie
immer ruhiger wurde.
Er konnte aber den Blick nicht von ihr abwenden, die Sterne mit
all ihren Mysterien konnten ihn heute nicht fesseln. Sie waren
seit Jahrmillionen dort oben, aber dieser Moment war einzigartig
und neu. Denn es war einfach nur schön, sie zu betrachten, ihr
Profil mit den Augen zu umfahren, das sich von der Dunkelheit so
klar abhob. Das Funkeln in ihren hellblauen Augen zu sehen,
während sie den Nachthimmel absuchte nach Linien, die die
Menschen willkürlich zwischen Sterne gelegt hatten, damit ihnen
das Chaos nicht mehr so unerträglich vorkam.
Ihre Lippen wirkten so dunkel und weich und Mulder fragte sich,
was an diesem Abend noch auf sie warten würde, wenn sie so
weitermachten.
Ach, was solls, dachte er
bei sich und beugte sich, ehe sie begreifen konnte, was er tat,
zu ihr hinüber, um ihr einen zarten aber flüchtigen Kuss auf
ihre Lippen zu geben, deren Einladung er nicht hatte widerstehen
können.
Überrascht und fast schon verstört darüber, so überrumpelt
worden zu sein, sah sie ihn an, als er seine Lippen wieder von
ihren nahm und sein Gesicht wenige Zentimeter über ihrem
verharrte. Er war ganz warm und duftete so gut, dass sich die
Sterne über Scullys Kopf im Kreis zu drehen begannen. Ihre Zunge
nahm den Kuss, den er auf ihren Mund gehaucht hatte, auf und sie
nahm ein wenig von seinem Geschmack wahr. Zu wenig.
Sie griff nach seinem Jackettumschlag und zog ihn langsam wieder
zu sich. Ihr Herz klopfte so schnell, dass sie befürchtete es
könne jederzeit aus Trotz über so viel Stress aufhören. Aber
sie musste einfach noch mehr haben und schloss die Augen, als sie
erneut seine Lippen auf ihren fühlte. Der Liegestuhl knackte
unter ihrer beider Gewicht und Mulder hatte Mühe die Balance zu
halten, um nicht mit dem ganzen Gewicht auf ihr zu landen.
Dennoch hielt ihn das nicht davon ab, sie mit seinem Kuss
vollkommen um den Verstand zu bringen. Der sanfte Druck seines
Körpers auf ihrem machte alles nur noch schlimmer. Sie krallte
sich in den Stoff seines Jacketts, als sie merkte, dass sie die
Kontrolle über sich verlor. Erinnerungen an diese eine Nacht
kamen in ihr auf, betörten sie, säuselten ihr Versprechungen
ins Ohr, von denen sie wusste, dass Mulder sie halten würde,
wenn sie ihn nur ließ.
In was sollte das hier denn münden?
Ihre Hand verselbständigte sich als letzte Instanz ihres
Körpers, die noch der Vernunft gehorchte, und schob ihn dann
sanft und vorsichtig von sich weg.
Aus Angst, dass er das missverstehen könnte, fixierte sie seine
Augen, die voller Erregung über ihr Gesicht huschten und seinen
inneren Kampf nach außen trugen. Es war derselbe Kampf, den sie
ausfocht.
Sie zitterte und in ihren Augen lag ein Ausdruck von Verzweiflung
ehe sie ganz zaghaft den Kopf schüttelte.
Ich kann das nicht. Nicht so lange ich nicht weiß, was es
bedeutet, entschuldigte sie sich und fast schon bereute sie
es, weil sie soeben einen perfekten Augenblick verschenkt hatte.
Aber sie konnte sich nicht einfach wieder so da hineinstürzen.
Dadurch, dass sie nie darüber geredet hatten, wusste sie
überhaupt nicht, wo sie standen.
An einigen Tagen glaubte sie, dass es ihr in der einen Nacht um
die pure körperliche Leidenschaft gegangen war, um Nähe und
vielleicht auch nur um das Vergnügen an sich. Und an anderen
Tagen glaubte sie, dass es doch aus ganz anderen Gründen
geschehen war.
Beide Möglichkeiten jagten ihr auf ihre Weise Angst ein. Sie
würde diese Nacht niemals missen wollen, aber zugleich warf sie
jetzt so viele Fragen auf, über die anscheinend nur sie
nachzudenken schien, während Mulder das alles so
selbstverständlich hinnahm und fortzuführen beabsichtigte.
Doch er schien sie zu verstehen, denn er nickte, wenn auch ein
Hauch von kindlicher Enttäuschung in seinen Augen aufblitzte.
Frauen! Verschenkten Einladungen auf Partys, von denen sie nicht
einmal wussten, ob sie selbst erscheinen wollten.
Aber vielleicht hatte sie Recht, vielleicht überstürzten sie
es. Nun, da die Schwelle einmal überschritten worden war, war es
leicht, es wieder zu tun. Und auch er wollte beim nächsten Mal
Klarheit darüber haben, wohin sie damit steuerten. Er für
seinen Teil wusste das, aber offenbar war es ironischerweise sie,
die unsicher war. Sie, die damals die Zügel in die Hand genommen
hatte.
Verständnisvoll zog er sich zurück, nicht ohne zärtlich über
ihren Arm zu streicheln, so dass sich ihre Härchen darauf sofort
aufstellten.
Er verstand ihre Zurückhaltung nicht als Zurückweisung. Weil er
sie kannte. Er wusste, er musste ihr Raum und Zeit lassen. Sie
hatte diesen Schritt damals gewagt. Er hatte sie nicht dazu
gedrängt, allerdings hatte er sich auch nicht gewehrt. Warum sie
es getan hatte, wusste er nicht, aber er wusste, warum er nicht
gezögert hatte, ihr zu folgen.
Er begehrte sie. Und er liebte sie schon lange. Das Körperliche
war nur hinzugekommen, als die natürliche und unausweichliche
Konsequenz dessen, was sie verband und es war gut, dass sie
diesen Schritt getan hatte und nicht er.
Es hatte rein gar nichts daran geändert, was er für sie
empfand, im Gegenteil: Es hatte ihm sogar gezeigt, wie tief seine
Gefühle für sie waren. Aber aus irgendeinem Grund schien sie
das alles zu verwirren und er befürchtete, dass sie nicht so
richtig wusste, was sie wollte. Geflirtet hatte sie mit ihm von
Anfang an, seit sie sich kannten. Und er hatte zurückgeflirtet,
jahrelang, während sich zwischen ihnen etwas viel tieferes als
ein Flirt entwickelt hatte, ohne dass sie es bewusst wahrgenommen
hätten.
Vielleicht irritierte es sie, dass es ausgerechnet jetzt
nach sieben Jahren und allem, was hinter ihnen lag
geschah.
Weil zu ihrer altbekannten Vertrautheit jetzt etwas Neues hinzu
gestoßen war, das sie beide verunsicherte. Weil auch er jetzt
plötzlich wegen der kleinsten zufälligen Berührung schon
Herzrasen bekam, weil ihm jetzt schon der Schweiß ausbrach, wenn
sie nur neben ihm saß.
Er setzte sich auf und sah sie gespielt beleidigt an.
Es liegt doch an Skinners Taschenlampe, nicht wahr?
Sie kicherte und erhob sich ebenfalls. Erleichtert darüber, dass
er über das Geschehene so leicht hinwegsehen konnte.
Es ist spät. Fahren wir zurück, beendete er diesen
Ausflug und hielt ihr seine Hand hin, die sie dankbar annahm.
Bedauernd warf er einen Blick über seine Schulter zurück auf
die beiden Liegen, die nun so verlassen am Strand standen und
Scully senkte in demselben Bedauern den Blick und betrachtete die
Schatten im Sand. Doch sie ließ seine Hand nicht los.
Während der einstündigen Rückfahrt zum
Hotel saßen sie nebeneinander. Wieder schweigend. Ihre Hand
ruhte die ganze Zeit in seiner und ihr Kopf fiel irgendwann müde
gegen seine Schulter bis sie einschlief. Dabei versuchte sie sich
eigentlich die ganze Zeit daran zu hindern, aber so war das nun
mal mit Champagner: Erst kratzte er einen mit lauter
Schmetterlingen im Bauch auf und dann ließ er einen hängen. Die
bunten Lichter der Stadt zogen erneut an ihnen vorüber und
Mulder ließ sich von den Farben betören, verlor sich in
Gedanken, über die er ganz vergaß, wo er war und wer neben ihm
saß. Obwohl der Abend anders verlaufen war, als er gedacht
hatte, war er glücklich und fühlte sich angenehm entspannt.
Abgesehen von dem warmen Kribbeln, das ihr rechtes Bein, das
ständig gegen seines stieß, auslöste. Er leerte das letzte
Glas Champagner und schloss ebenfalls die Augen.
Als die Limousine vor dem Hotel zum Stehen kam, entzog er seine
Schulter vorsichtig ihrem Kopf, krabbelte durch die Limousine zum
Fahrer und hielt ihm die FBI - Kreditkarte hin, um zu bezahlen.
Er kramte ein paar Dollarnoten für das Trinkgeld aus der Tasche
und stupste Scully dann an, um sie aufzuwecken.
Hey! Geschlafen wird aber im Hotel! neckte er sie bis
sie wach war und sich ihre zerzausten Haare wieder glatt
gestrichen hatte.
Sie hatten Zimmer direkt nebeneinander. Wie immer. Zu wissen,
dass es lediglich eine Wand war, die sie beide trennte, hatte auf
beide eine beruhigende Wirkung. Allerdings fürchtete Mulder,
dass diese Tatsache ihn heute erstmals weniger beruhigen als
quälen würde. An Scullys Tür blieben sie schließlich stehen,
kramten beide in ihren Taschen nach den Schlüsselkarten und
versuchten Zeit zu schinden.
Dies war der Moment, an dem Mulder eine Menge Zurückhaltung
aufbringen musste, aber eigentlich war er ohnehin viel zu müde
für irgendwelche Abenteuer.
Dachte er.
Bis er merkte, wie wach Scully plötzlich wieder war. Das kurze
Nickerchen im Auto hatte offenbar ihre Lebensgeister
zurückgebracht. Aber sie wäre nicht Scully, wenn sie nicht
ständig ihre Vernunftmaschinerie eingeschaltet hätte und so
räusperte sie sich ein wenig verlegen und sah unsicher auf ihre
Füße.
Eigentlich wollte sie nur noch aus diesen Schuhen raus. Und aus
dem Kleid.
Aber was genau wollte sie in Bezug auf ihn?
Sie ging einen Schritt auf Mulder zu, fuhr mit ihren Fingern an
der Knopfleiste seines Jacketts entlang und dachte nach.
Warum musste sie immer über alles nachdenken? verfluchte sie
sich selbst während Mulder innerlich darum flehte, dass sie
damit aufhörte, ihn ständig anzufassen.
Fast wäre er blau angelaufen, so lange hielt er immer wieder die
Luft an, wenn sich ihre Finger Stellen näherten, an denen er
besonders sensibel war.
Schließlich hatte sie ihre Entscheidung getroffen und benetzte
ihre trockenen Lippen in Vorbereitung auf das, was sie ihm sagen
musste, damit sie beide diesen Abend beenden konnten. Doch ihr
fielen nicht die richtigen Worte ein. Ihr gesamter Wortschatz
schien ausradiert zu sein und seine Blicke hypnotisierten sie,
dass sie sich fast wie ein willenloser Androide fühlte. Sie
wusste, wenn sie nicht bald etwas sagte, würde er ihr
zuvorkommen und sie erneut küssen. Und wenn das geschah, würde
sie dieses Mal nicht anders können, als sich ihm hinzugeben und
dann konnte sie für nichts mehr garantieren.
Aber zu ihrer eigenen Überraschung, legte er seine Hand auf
ihre, hielt sie endlich an seiner Brust fest, auf dass ihre
flinken Finger ihm nicht weitere Stromstöße durch den ganzen
Körper jagen konnten und sagte etwas, das ihm sehr schwer fiel.
Hey, wir haben sieben Jahre gewartet. Also haben wir alle
Zeit der Welt.
Sie glaubte zu träumen, als sie diese Worte hörte und sah ihn
ungläubig an. Wieso schaffte er es, in so einem Moment die
richtigen Worte zu finden, während sie dagegen ankämpfen
musste, vor Nervosität tot umzufallen?
Er neigte den Kopf ein wenig zu ihr herunter. Ich bin immer
da. Und ich bin allzeit bereit. Er lächelte. Aber
das weißt Du ja.
Mit einem verlegenen Schnauben schubste sie ihn leicht von sich
weg, befreite ihre Hand aus seiner und schluckte dann den Kloß
herunter, der sich in ihrer Kehle in fast lebensbedrohlichem
Ausmaß niedergelassen hatte. Schüchtern wich sie seinem Blick
aus, der ihr das Gefühl gab, vollständig nackt vor ihm zu
stehen und gab mit belegter Stimme zu: Das weiß ich
allerdings. Selbst um halb zwei morgens mit einem Jet-Lag in den
Knochen.
Verstohlen lächelnd ließen sie die Erinnerung an dieses
gemeinsame kleine Geheimnis in der Luft zwischen ihnen hin- und
herschwingen und ihre Blicke spielten das Spiel zweier tanzender
balzender Schmetterlinge.
Also sehen wir uns morgen früh beim Frühstück?
strich er mit dem Zeigefinger noch einmal über ihre Wange, wo er
eine unsichtbare glühende Spur hinterließ.
Sie nickte und lächelte wieder. Mulder war sicher, sie würde am
nächsten Morgen einen Muskelkater in ihren Wangen haben, denn so
viel hatte er sie noch nie an einem Abend lachen sehen.
Morgen früh beim Frühstück, versprach sie ihm und
sich selbst und öffnete ihre Zimmertür, während ihr Herz ihr
zu Boden sank und sie kaum fassen konnte, dass sie es
tatsächlich geschafft hatten, getrennt in ihre eigenen Zimmer
zurück zu kehren.
Dennoch ließ sie es sich nicht nehmen, ihm noch hinterher zu
sehen und ihren Blick glasig an seinem breiten muskulösen
Rücken über seinen Po und seine Beine herunter gleiten zu
lassen. Es war vielmehr als körperliche Anziehung, die von ihm
ausging. Es war das schmerzliche Verlangen, ihm so nahe sein zu
dürfen, dass sie nicht mehr zwischen ihrem und seinem Herzschlag
unterscheiden konnte. So musste sich Besessenheit anfühlen,
dachte sie bei sich, als er sich noch einmal zu ihr umdrehte und
ihr einen Blick zuwarf, der als mathematische Formel
ausgedrückt, nur die Weltformel bedeuten konnte.
Als sie sich endlich auf der anderen Seite
ihrer Tür befand und diese ins Schloss gefallen war, kickte sie
mit einem erleichterten Seufzen die Schuhe von ihren Füßen und
holte tief Luft. Ihr Gehirn brauchte Sauerstoff, denn sie war
sich sicher, dass sie nun vollkommen übergeschnappt sein musste,
dass sie mit Mulder flirtete wie ein Teenager. Als ob sie nicht
eigentlich schon weit über dieses Stadium hinaus wären!
Über sich selbst den Kopf schüttelnd lief sie langsam durch den
flauschigen Teppich auf ihr Bett zu und legte sich auf die weiche
Matratze. Ihr Kopf fiel müde auf das Kissen und sie ließ das
Geschehene auf sich wirken.
Offenbar war es tatsächlich passiert, dass sich aus dieser
tiefen Freundschaft und Verbundenheit zwischen ihnen mehr
entwickelt hatte. Viel mehr. So viel mehr, dass es weit über das
bloße Liebesspiel zweier Partner hinausging. Es steuerte auf
etwas viel Größeres zu. Und es ließ sich nicht mehr aufhalten.
Diese gemeinsame Nacht hatte es gezeigt, denn plötzlich war es
einfach so geschehen, als wäre es die selbstverständlichste
Sache der Welt. Sie wusste gar nicht mehr, wer damit angefangen
hatte, weil es plötzlich im Raum gestanden hatte. So, wie jetzt
diese neue Spannung zwischen ihnen aufgekommen war. Es passierte
alles einfach, entzog sich ihrer Kontrolle.
Aber sie sah auch keinen Grund dafür, es aufhalten zu wollen.
Nur warum gerade jetzt? drängte sich ihr immer wieder die Frage
auf. Waren sie etwa wirklich so blind gewesen, sieben Jahre lang
zu übersehen, dass da mehr war?
Zärtlich strichen ihre Finger über die dunkelrote Tagesdecke,
auf der sie lag. Verträumt geisterten ihre Blicke durch die
Dunkelheit und die Jahre zogen in Gedanken an ihr vorüber.
Es hatte in dieser Zeit immer nur diesen einen Menschen in ihrem
Leben gegeben. Sie hatte alles mit ihm geteilt. Es war im Grunde
genommen reiner Selbstbetrug zu glauben, dass es da noch
irgendwelche Schranken zwischen ihnen gegeben hatte. Aber das
alles bewegte sich so jenseits aller Weltlichkeit, dass ihr diese
körperliche Ebene nun so trivial vorkam, so verspätet.
Unsinn! dachte sie bei sich und sah sehnsüchtig zu der Wand
hinüber, die ihr Zimmer von seinem trennte.
Nichts an ihnen war trivial. Nicht einmal das. Im Grunde war es
perfekt so wie es war.
Langsam fielen ihr die Augen zu.
Es hatte sich doch eigentlich nichts geändert durch dieses eine
Mal. Und sie wollte, dass es so blieb. Sie wollte, dass sie es
fernhielten von allen Zwängen. Von der Routine, der
Alltäglichkeit, den X-Akten und dieser Welt voller Lügen und
Gefahren. Was geschehen musste, würde geschehen, so wie es sich
in jener Nacht ereignet hatte.
Moment für Moment würden sich die Dinge aneinander reihen und
nach und nach einen Sinn ergeben. Und irgendwie fühlte es sich
schön an, berauschend und verunsichernd auf eine aufregende,
verzaubernde Art. Sie wollte das auskosten, so lange es so war.
Sie wollte sich Hals über Kopf verlieben in jemanden, den sie
bereits seit Jahren mehr liebte als sie es jemals für möglich
gehalten hatte. Sie wollte herausfinden, wie weit es sich
steigern ließ, wie viel sie beide erreichen konnten. Aber es
sollte ihr gemeinsames kleines Geheimnis bleiben.
Nur dann hatten sie eine Chance.
Mit einem letzten ernsten Blick nach draußen in den dunklen
Sternenhimmel schlief sie ein, während Mulder im Nebenzimmer auf
den Balkon trat, um seinen von ihr berauschten Kopf an der
frischen Nachtluft abzukühlen.
Er schloss die Augen und spürte die Spannung, die seinen
gesamten Körper erfasst hatte und ihn nicht mehr loslassen
würde, so lange er sie an seiner Seite wusste.
Nachdenklich nickend stützte er sich an der Brüstung seines
Balkons auf und biss sich ungläubig auf der Unterlippe herum.
Er hatte sich tatsächlich in sie verliebt und erst das hatte ihm
die Augen dafür geöffnet, wie lange er sie eigentlich schon
liebte.
Er vertraute ihr mehr als sich selbst, würde sein Leben für sie
opfern und konnte sich keines mehr ohne sie vorstellen. Und über
all das war ihm vollkommen abhanden gekommen, dass sie einfach
perfekt war mit ihrem Witz, ihrem ihr ganz eigenen Charme, ihrer
intelligenten Sturheit und ihren durchdringenden blauen Augen,
die ihm vom ersten Moment an das Gefühl gegeben hatten, mehr in
ihm zu sehen als andere Augen das taten. In seinem Leben war vor
ihr nie Platz dafür gewesen und dann war sie einfach
hinzugekommen und hatte alles auf den Kopf gestellt.
Sie war der Grund, warum er überhaupt weitermachte. Und jetzt
war sie plötzlich der Grund für das Lächeln, das seit Wochen
auf seinem Gesicht lag, für die Leichtigkeit, die er jetzt
fühlte, wenn er morgens aufwachte.
Fassungslos sah er zu den Sternen auf, deren Licht vom Smog der
Großstadt wie durch einen dunklen Vorhang schimmerte.
Sieben Jahre lagen hinter ihnen, sieben Jahre Partnerschaft,
sieben Jahre lang hatte er nicht begriffen, dass ihm genau das
gefehlt hat, was sie nun endlich zuließen.
Und dabei wäre es die ganze Zeit zum Greifen nah gewesen.
Scully hatte schon Recht gehabt: Man musste nur länger hinsehen
bis man es erkannte.
