Nicht schuldig!
Alles um ihn herum war dunkel. Dunkel und kalt. Er versuchte, die Augen zu öffnen, doch das Resultat war ein Schmerz wie ein Messer durch seinen Kopf. Still blieb er liegen und lauschte. Doch in seinen Ohren nur ein Rauschen, so schien es.
Er konzentrierte sich auf seinen Körper. Wo waren seine Gliedmaßen? Konnte er sie bewegen? Wie war der Untergrund auf dem er lag beschaffen? Doch selbst das Denken bereitete ihm Schmerzen.
Plötzlich ein Geräusch. Ein Knarren oder Scharren. Schritte. Wieder versuchte er die Augen zu öffnen, doch eine Explosion in seinem Kopf ließ ihn wieder in Bewusstlosigkeit versinken.
Dana Scully schreckte hoch als das Telefon klingelte. Sie saß am Schreibtisch ihres Partners Fox Mulder und wartete auf ihn. In der Woche in der sie beide frei gehabt hatten, hatte er schon nicht angerufen, was außergewöhnlich war. Doch sie war beschäftigt gewesen und hatte dem Drang widerstanden IHN anzurufen. Sie hatte allerdings für sich selbst zugeben müssen, wie sehr sie es gewohnt war, wenigstens einmal am Tag mit ihm zu telefonieren.
Oft tauschten sie nur Belanglosigkeiten aus oder Mulder tischte ihr irgendwelche Dinge auf, die er gelesen oder gehört hatte und denen er gerne auf den Grund gehen würde.
Tatsache war, dass sie ihn richtig vermisste und nun langsam besorgt wurde, weil er nicht auftauchte. Er war zwar nicht die Pünktlichkeit in Person, aber nun war immerhin schon nach 10 Uhr und sie sollten auch mal bei Skinner zurückmelden.
"Mulder?", rief sie fast atemlos ins Telefon. "Nicht Mulder," meldete sich eine ihr gänzlich fremde Stimme. "Bist du Scully?" "Und wer sind sie?" schnappte sie und ihre Sorge steigerte sich noch."Ich bin dein Schicksal und ihre Qual. Dein schlimmster Albtraum", leises Lachen. Scully war versucht aufzulegen, denn solche Anrufe erreichten das FBI nicht selten. Dennoch ließ sie etwas zögern. So vorsichtig sie konnte schaltete sie das Band zum Mitschneiden ein. Ein Knacken war jedoch.deutlich zu hören. "Noch da, kleine Scully?", kicherte die Stimme.
Scully fragte nicht nach Mulder. Sie wartete. "Was wollen sie?" fragte sie nur. "Ich glaube eher, du willst etwas von mir!" meinte die Stimme nun rauh. "Kann ich mir nicht vorstellen", erwiederte sie kalt, innerlich bebte sie jedoch.
Im Hörer klapperte es und dann hörte sie ganz leise: "Hallo? Ist da wer? Hallo?" Es war Mulder. Und er klang garnicht gut. Sie schluckte. "Und was bedeutet das?" Ihr Gegenüber schien die Geduld zu verlieren. "Das bedeutet, dass ich ihren hübschen Partner hier habe, du dumme Schlampe und nun fang mal schön an zu suchen, denn seine Lebensenergie hält nicht mehr sehr lange!!" Er legte auf.
Scully saß da und starrte den Hörer an. Eine tonnenschwere Last legte sich auf ihre Schultern und um ihr Herz. In ihrem Gehirn arbeitete es fieberhaft. Was sollte sie nur tun?
Mulder wachte wieder auf. Diesmal schaffte er es endlich seine Augen zu öffnen. Er sah nicht viel und zwang sich, sich auf den Rücken zu wälzen. Schmerzen! Er stöhnte auf und wusste nicht, wo es am meisten wehtat. Sein Atem ging rasselnd und er vermutete, dass Rippen verletzt waren.
Er lag auf dem Boden einer Art Kammer, wahrscheinlich in einem Keller. Er trug eine Jeans und einen Pulli, seine Schuhe waren verschwunden. Er richtete sich ein wenig auf. Gefesselt war er nicht, aber als er sich auf seine Hand stützen wollte, schrie er auf und fiel zurück. Der Schmerz war unerträglich und ließ ihn schwindlig werden. Er war sicher, dass die Hand gebrochen war. Verdammt, was war nur passiert?
Keuchend lag er da und zwang sich, nachzudenken. Er hatte Urlaub. Er war nach Wheeling gefahren, denn er hatte gelesen, dass es dort um diese Jahreszeit viele Leuchterscheinungen und angebliche Ufo-Sichtungen gab. Er hatte auf einer Lichtung eine Gruppe von Leuten getroffen, die ein Happening abhielten. Eine Weile hatte er sich mit einem Mann unterhalten und dann... er schloss wieder die Augen. Was war dann passiert? Ein Ufo war es nicht, das war sicher.
Assistant Director Skinner saß hinter seinem Schreibtisch und sah Scully ernst durch seine Brille an. Sie rutschte nervös auf ihrem Stuhl hin und her und wartete. "Sind sie sicher, dass er verschwunden ist? Sie wissen doch, dass es auch möglich ist, dass er etwas oder jemandem auf der Spur ist." "Sir, er hat die ganze Woche nicht angerufen." Sie senkte rasch den Blick, denn seine Augen schienen sie zu durchbohren. "Ich meine, wir telefonieren oft, auch wenn wir keinen Fall untersuchen. Heute Morgen kam er nicht, und ich kann ihn auch nicht erreichen. Nicht zu Hause, nicht auf dem Handy. DAS finde ich sehr beunruhigend. Und dann kam dieser Anruf...." Skinner stand auf. "Ein Anruf? Wann? Von wem?" Scully reichte ihm das Band. "Vor einer Stunde. Ich habe es mindestens 10 mal angehört, aber ich kenne diesen Mann nicht." Ihre Stimme zitterte. Skinner legte die Cassette in einen Recorder und hörte sie sich an. Sein Gesicht verdüsterte sich und seine Kiefer malten nervös. Scully schluckte schwer als man Mulders schwache Stimme hörte.
"Ich werde das sofort ins Stimmlabor geben, die lassen es zum Vergleich durch die Dateien laufen! Ich werde ein Fandungsteam zusammenstellen! Das Ganze gefällt mir garnicht!", rief Skinner als das Band zu Ende war. "Viele Leute kennen Mulder! Er ist streitbar! Dieser Verrückte kommt sicher bald mit einer Forderung!" Er sah Scully an und ahnte ihre Gedanken. Er zwang sich, ruhiger zu werden. "Agent Scully. Bleiben sie am Telefon. Zeichnen sie alles auf. Ich werde einen Agent zu ihnen runterschicken zur Untersützung! Und melden Sie sich, wenn es etwas Neues gibt!"
Sie nickte stumm und stand auch auf. Er sah, wie es in ihren Augen glitzerte und sagte nichtsmehr. Legte ihr nur kurz die Hand auf die Schulter.
Als die Tür aufging richtete sich Mulder auf, so gut er konnte. Er versuchte, seine verletzte Hand zu schonen, doch es schmerzte trotzdem.
Den Mann der hereinkam kannte er nicht. Er war nicht derjenige, mit dem er gesprochen hatte. War der auch dort gewesen? Er war groß, schlank, hatte jugendliche Gesichtszüge und sehr helle blaue Augen. Eigentlich gutaussehen, eine eher auffällige Erscheinung. An ihn hätte Mulder sich erinnert. "He!", krächzte er, "was wird das hier? Wer sind sie?" Der Mann trat ihn zur Antwort in die Seite und Mulder schrie auf. Seine verletzten Rippen verursachten ihm Höllenqualen und er schnappte hustend nach Luft. "Ich bin hier der Einzige, der Fragen stellt, ist das klar?" Die rauhe, grobe Stimme passte überhaupt nicht zu seinem Äußeren. Fast hätte man meinen können es stecke jemand anderes in dieser Hülle. Der Mann kniete sich nieder zu Mulder, packte ihn bei den Haaren und ließ ihm etwas Wasser in den Mund laufen. Mulder konnte kaum schlucken vor lauter Atemnot, dennoch zwang er sich dazu. Oh Gott, wie sollte er hier nur rauskommen?
Als der zweite Anruf kam, hatte Scully schon so viel Kaffee getrunken, dass ihr fast schlecht war. Der Agent, der mit ihr im Büro wartete hieß Liam Wilks und war eine angenehmer und ruhiger Mann. Er schwafelte sie nicht voll oder löcherte sie mir neugierigen Fragen, wie es oft Agents aus anderen Abteilungen taten.
Das Telefon klingelte und er nickte Scully kurz zu, dann nahm sie langsam den Hörer. "Ich glaube, Mulder betet jetzt darum, dass du ihm eine hübsche Spritze Morphium in den Hintern jagen würdest!", blaffte die Stimme ohne Einleitung. "Der liegt nur da und winselt." Wieder Lachen. Scully bemühte sich, ihre Stimme fest klingen zu lassen. "Sagen sie mir jetzt, was sie wollen?" Ganz so fest gelang es ihr nicht. "Ich möchte, dass du herkommst. Und zwar alleine. Ich will, dass du mit mir das gute alte Frage- und Antwortspiel spielst!! Das FBI, besonders ihr beide, ist verlogen, korrupt und voller Arroganz. Wird Zeit, dass das ein bisschen anders wird!" "Wer sind sie!?", schrie Scully verzweifelt und Agent Wilks legte ihr die Hand auf den Arm um sie zu beruhigen. Er starrte auf den Monitor, wo der Anruf zurückverfolgt wurde. Noch ein paar Sekunden... "Ich bin deine Wahrheit." Klack. Aufgelegt. Scully starrte auf Wilks und er schüttelte nur den Kopf.
Nachdem sein Peiniger wieder gegangen war, zwang Mulder sich wieder, seine Gedanken zu ordnen. Er musste jetzt handeln, egal, wie angeschlagen er war. Aus dem Kerl war nichts herauszubekommen, der würde ihn nur weiterfoltern. Ganz langsam, so gut es ging setzte Mulder sich auf. Eine Kammer. Gut. Ein Tisch, eine Liege mit Metallgestell, eine Holztüre, durch deren Ritzen Licht durchschimmerte. Mulder hob seine heile Hand und tastete sich vorsichtig übers Gesicht. Schien alles okay zu sein. Seine Jacke konnte nicht entdecken, ebensowenig seine Schuhe. Ob es Tag war oder Nacht war auch nicht zu erkennen.
Doch da hörte er ganz dumpf eine Stimme durch die Wand. Mulder kroch in ihre Richtung und merkte bald, dass es ein Fernseher war. Trotz aller Anstrengung verstand er nichts von dem was geredet wurde! Da er keinerlei nützliche Gegenstände im Zimmer entdecken konnte, ließ er sich schießlich wieder müde und mit schwindender Hoffnung zurücksinken. Er konnte nur auf Scully hoffen!
"Wir können den Radius in dem er sich befindet zumindest eingrenzen", meinte Agent Wilks als er und Scully Skinner Bericht erstatteten. "Wir kennen den Bundesstaat, ungefähr die Stadt. Nun, genaugenommen könnten es 6 Städte sein, die in Frage kommen." Er seufzte. "Keine Forderungen?", fragte Skinner. Scully sah ihn an. "Ich soll kommen. Alleine." Oh, er kannte diesen entschlossenen Gesichtsausdruck. Keine Chance, dagegen anzukommen. "Nun," meinte er, "wir werden versuchen, das Risiko zumindest zu minimieren! Kugelsichere Weste, Funkpeilsender, Mikro. Ist das klar?" Scully staunte, wie schnell er einverstanden war und musste fast lächeln. "Danke, Sir. Bis er nächste Anruf kommt, sollte alles vorbereitet sein." Skinner nickte und verließ das Büro.
Die Tür flog auf und der Mann kam herein, packte Mulder und zerrte ihn hoch. Dann schleppte er ihn zu der Liege und warf ihn darauf. Mulder schrie und biss sich dann auf die Lippen. Er starrte seinen Entführer hasserfüllt an. "Ich kriege dich, verlass dich drauf!!!" keuchte er. "Deine kleine Scully spielt Spielchen mit mir!" fauchte der Mann. "Das mag ich nicht. FBI-Spielchen!" "Scully?" Mulder war entsetzt. Der Kerl wusste genau über ihn bescheid! "Wieso?" er wurde am Pullover gepackt und geschüttelt. "ICH STELLE DIE FRAGEN! ICH
ZEIGE EUCH ARROGANTEN SCHWEINEN, WAS ICH VON EUCH HALTE!!!"
Jetzt wusste Mulder, das hier war ernst. Verdammt ernst. Er versuchte es anders. "Du hast schlechte Erfahrungen mit uns gemacht? Das FBI kann ein verdammter Mistladen sein, da hast du recht! Sogar ich hatte mit denen schon Ärger." Den Mann beeindruckte das nicht. Ohne etwas zu erwiedern rannte er hinaus.
Auf der Liege zurückgelassen döste Mulder mit der Zeit etwas ein. Doch bald krachte wieder die Tür auf. Der Mann kam herein, diesmal in Begleitung. "Das ist er.", grinste er. Der Kerl, den er mitgebracht hatte grinste auch. Mulder gefiel das nicht. Ganz und garnicht. "Hättest ihn für mich ja ein bisschen heiler lassen können", meinte der zweite Kerl. Selbst unverletzt hätte Mulder es mit dem nicht aufnehmen können. Er war ein Schrank von einem Mann und sah aus wie ein erfahrener Knast-
bruder. Mulder wich automatisch zurück. "Wie heißt er?", fragte der Kerl. "Fox Mulder", antwortete der andere nicht ohne Hohn. "Fox?", lachte der Große und kam noch näher. "Unheimlich süß." Er zog seine Jacke aus. "Vielleicht sollte ich auch zum FBI gehen!" Er lachte. "Hallo, Fox", sagte er anzüglich, "jetzt hättest du wohl lieber deine kleine Schlampe von Partnerin hier, oder? Aber keine angst, ich bin auch ganz zärtlich."
"FASS MICH AN UND DU STIRBST!", schleuderte Mulder ihm entgegen. "Das würde ich doch zu gerne mal sehen", knurrte der Kerl und packte Mulders verletztes Handgelenk. Riss ihn zu sich her. Warf ihn bäuchlings auf die Liege. "Das alles passiert nicht", zwang Mulder sich zu denken, "das passiert nicht. Ich bin nicht hier. Er ist nicht hier. Alles nicht real." Er hörte das Lachen der beiden Männer. Er schloss die Augen, als sein Pullover zerriss und rauhe Hände ihm wehtaten. "Scully", dachte sein Gehirn. "Scully. Scully. Scully." Oft, so oft hätte er sie gerne umarmt, geküsst, geliebt. Wieso hatte er es nie getan? Wenn er jetzt sterben sollte, war alles umsonst gewesen. Und das, was er sich am meisten wünschte, würde nie geschehen. Er spürte kaltes Metall an den Beinen, als der Mann ihm mit der Schere die Jeans aufschnitt. In seinem Kopf breitete sich Schwärze aus, als er immer weniger Luft bekam, denn der schwere Körper des Kerls presste ihn auf die dünne Matratze und Mulders gebrochene Rippe bohrte sich in seine Lunge. Er wünschte sich die Ohnmacht, er wünschte sich Dunkelheit als er den scharfen Schmerz spürte. Und dann kam sie endlich.
Während Scully auf den Anruf des Entführers wartete war sie kaum ansprechbar. Die Kollegen tuschelten und Skinners Gesicht wurde immer mehr zu Stein. Auch er fürchtete das Schlimmste und er ahnte, was in Scully vor sich ging.
Scully starrte auf das Telefon. Rührte sich nicht von der Stelle. Sollte nun wirklich alles zu Ende sein? Sie dachte an die vielen Augenblicke mit Mulder. Die vielen Momente in denen sie glaubte: jetzt. Er liebt mich. Er wird etwas sagen, etwas tun, was dies zeigte. Sie selbst, so sehr sie sich diesen Moment auch herbeisehnte, wagte es nicht, einen Schritt zu tun. Zu groß war die Angst, das sie sich vielleicht doch irrte. Doch ihr Herz sagte ihr: sie irrte sich nicht. Was hätte sie nun dafür gegeben, wenn sie ihn einfach nur mal geküsst hätte, richtig geküsst. Um zu sehen, was geschehen würde. Viele freundschaftliche, geschwisterliche Küsse hatten sie ausgetauscht. Dennoch war jede Berührung von ihm für sie wie der Himmel. Die Telefongespräche. Die gemeinsamen Abende in Motels. Viele Situationen, in denen der eine das Leben für den anderen gegeben hätte. Was sonst ausser Liebe sollte das sein? Sie konnte sich ein Leben ohne Mulder einfach nichtmehr vorstellen. Alleine der Gedanke, dass sie ihm nun vielleicht niemals die Wahrheit sagen konnte, brachte sie fast zur Verzweiflung.
Da klingelte das Telefon.
"Hallo, Schlampe", krächzte der Mann, "wie geht’s denn so?" Man sah Skinner an, der gemeinsam mit Agent Wilks alles mitanhörte, dass er seine Wut nur mühsam beherrschte. Er nickte Scully zu. "Wo treffen wir uns?", fragte sie ohne Umschweife. "Willst wohl garnicht wissen, wie es deinem Hübschen geht!" Die Stimme des Mannes klang anzüglich. Scully bekam eine Gänsehaut. "Sagen sie es mir?", fragte sie so kühl es ging. Lachen am anderen Ende. "Oh, er erholt sich gerade von einem kleinen Schäferstundchen. Hat ihm wohl nicht so viel Spaß gemacht wie seinem Partner. Ich glaube nicht, dass er gerade was sagen kann." Scully wollte schreien, den Kerl fertigmachen. Doch sie sagte: "Wo also?" Der Kerl hatte wohl eine andere Reaktion erwartet und klang etwas ärgerlich. "Hör zu, du Hexe. Geh nach Hause und schau mal in den Briefkasten!" Es wurde eingehängt.
"Das klingt nicht gut." sagte Skinner tonlos. "Wilks?" Der Agent schüttelte wieder den Kopf. "Der Kerl telefoniert wohl mit der Stoppuhr neben sich." meinte er.
Skinner wandte sich an Scully und wollte etwas sagen, doch sie hatte das Büro bereits verlassen.
Als Skinner an der Tür zu Scullys Appartment anklopfte, dauerte es eine Weile, bevor sie öffnete. Er erschrak. Sie stand da, tränenüberströmt. Sie zitterte, Schluchzen schüttelte ihren Körper. "Agent Scully", sagte Skinner behutsam und führte sie sachte zurück in ihre Wohnung. "Sie bringen ihn um, Sir. Er hat keine Chance." Skinner sah, dass der Fernseher eingeschaltet war und erkannte das Standbild eines Videos. Er ging näher heran und erkannte einen Körper auf einer Liege. Es war Mulder. "Was..." begann er. "Sie wollen dieses Video nicht sehen", schluchzte Scully. "Ist er...." - "Nein. Aber beinahe." Scully sank auf einen Stuhl und weinte. Skinner spulte das Band zurück. Sah es sich an. Während er entsetzt verfolgte, was der Mann mit Mulder machte, verließ Scully den Raum und knallte die Türe hinter sich zu.
Mulder kam zu sich, als er ein Geräusch hörte. Doch er rührte sich nicht. Am besten tot stellen, dachte er nur. Mehr nicht. Ich bin tot, ich bin tot, ich bin tot.... "He, aufwachen jetzt!" Grob wurde er angestoßen. Ein einziger Schmerz sein gesamter Körper. Verletzt. schmutzig, geschunden. Tot.
Er wurde hochgerissen. "Wir brauchen deine Visage." Mulders Kopf fiel nach hinen zurück und noch immer hielt er die Augen geschlossen. Mühsam atmete er. Tot, tot. Scully....
Nun blinzelte er doch und starrte in das Objektiv einer Video-Kamera. "Mulders Story, Teil zwei." höhnte der Kerl. Er warf ihm einen Zettel hin. "Ließ das. Und keinen Zauber." Tot. Dachte Mulder nur. Alles sinnlos. Tot. Er schwieg.
Skinner verließ mit dem Videoband Scullys Wohnung, nachdem er es sich komplett angesehen hatte. Denn nach der Demonstration an Mulder kam noch eine maskierte Person vor die Kamera und machte eine Erklärung. Und das war nur endlich ein Hinweis auf den Täter. Vielleicht konnten seine Spezialisten auch mit dem Raum und Hintergrund etwas anfangen. Man wusste ja nie. Natürlich musste er sensibel mit dem Band umgehen und nur ein ausgewählter Kreis durfte mit ihm arbeiten. Das war er Mulder und Scully schuldig.
Trotz all ihrer Verzweiflung schlief Scully schließlich ein, schreckte aber mitten in der Nacht hoch, als die ihre Briefklappe hörte. Ihr Wecker zeigte 3.35 Uhr. Sie fuhr aus dem Bett, schnappte sich ihre Waffe, lief zur Tür und riss sie auf. Niemand zu sehen. Langsam ging sie zurück und stolperte fast über ein weiteres Band.
Schon früh am Morgen herrschte in AD Skinners Büro Hochbetrieb. Scully hatte ihn aus dem Bett geklingelt und ihm das neue Band gezeigt. Und nun musste gehandelt werden, mit allen Risiken! Scully wurde ausgestattet mit allen Sicherheitsvorkehrungen und modernster Technik der Kommunikation. Eine halbe Armee von Einheitstruppen stand in Bereitschaft, ebenso etliche Agenten. Skinner selbst instruierte Scully und die anderen. Er stand unter Hochspannung denn er wusste die Zeit lief ab.
Scully saß mühsam beherrscht vor dem Monitor in der Ecke und sah sich das Video schon zum x-ten mal an.
Mulder, wie er schwach einen aufgeschriebenen Text stammelte: "He, du Schlampe. Mir geht’s nicht gut, wie du siehst. Es wird Zeit, dass du mal herkommst und dich mit meinem Kumpel hier unterhältst. Wenn du das siehst, kann ich vielleicht schon nichtmehr sprechen, also beeil dich." Mühsam beschrieb er dann einen Weg, den Scully fahren sollte. Immer wieder stockte er, schuckte und sein Kopf fiel nach hinten. Eine Hand packte ihn dann bei den Haaren und zog ihn grob wieder hoch. Bevor das Band endete sagte er noch ganz leise: "Scully." Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit schwangen in seiner Stimme und Scully konnte nicht verhindern, dass ihr doch eine Träne über die Wange lief. Sie schreckte auf, als sie eine Hand auf ihrer Schulter spürte. "Sind sie sicher, dass sie das durchstehen?" fragte Skinner behutsam. Sie nickte. "Ich muss. Es gibt keinen anderen Weg." Sie stand auf, um sich ausrüsten zu lassen.
Mulder kam zu sich und hörte Stimmen. Er frohr und traute sich nicht, sich zu bewegen. Das Atmen schmerzte ihn und er merkte, dass er Fieber hatte. Es stand nicht gut. "Wenn das so weitergeht, macht er’s nichtmehr lange, Steve.", sagte der eine, "zieh’ ihm wenigstens etwas an." "Gefällt der dir?", meinte der andere höhnisch", "willste noch ein bisschen Spaß mit ihm haben?" "Von Mord war nicht die Rede. Der Kerl ist vom FBI, oder nicht? Wenn du ausflippst bin ich draußen, dass das klar ist." Mulder hörte Schritte, die näher kamen. Noch immer stellte er sich bewusstlos. Er wurde am Arm gepackt und herumgedreht und ein Stöhnen entfuhr ihm. "Verdammt, der sieht schlimm aus", meinte der Mann, "haste nicht ein paar Klamotten da?" Steve schnaubte. "Die FBI-Schweine lassen keinen von den Ihren hängen. Bald wird seine Partnerin auftauchen. Dann wird’s erst richtig lustig!" Er warf seinem Kumpel etwas zu und dieser zog Mulder ein stinkendes Sweatshirt über den Kopf. Dann eine Jogginghose. "Er hat Fieber.", meinte er dann und stand auf, um Wasser zu holen, "hörst du, wie schwer er atmet?" Steve wurde echt sauer! "Verdammt, was soll das? Spielst du jetzt auch noch Krankenschwester? Wir beide wollten es dem FBI zeigen, diese beiden haben uns in den Knast gebracht und jetzt kneifst du! Wenn Scully erstmal hier ist haben wir genug in der Hand um noch ein hübsches Sümmchen rauszuschlagen! Ob dieser Kerl draufgeht ist mir scheißegal! Ich sehe, du bist ein Weichei, Tom, und ich nehme das Geld auch gerne alleine!"
Mulder hörte ein metallisches Klicken und höffnete die Augen einen Spalt. Bevor er den Knall überhaupt einordnen konnte, war er schon mit Blut bedeckt.
Scully fuhr durch die Nacht und nestelte ab und zu nervös an dem Mikro herum, das an ihrem BH festgesteckt war. Sie zwang sich, rational zu denken und professionell zu agieren. Nur so konnte sie Mulder noch retten. Sie wusste, das FBI verfolgte genau wo sie war, denn das Auto hatte einen Funkpeilsender.
Als sie jedoch am vereinbarten Ort ankam, war sie irritiert. Nichts als eine alte Lagerhalle und davor eine Telefonzelle. Sie ahnte, dass das Ganze nicht so einfach sein würde. Sie stieg aus und näherte sich der Telefonzelle, die prompt auch klingelte. "Hallo, Schlampe. Ich musste deinen Schatz ein bisschen mit Blut besudeln, der Plan bleibt aber der Gleiche. Unter der Telefonzelle liegt der Schlüssel für die Halle. Drinnen steht ein Wagen. Unter dem Fahrersitz liegt ein Zettel mit weiteren Instruktionen. Der Schlüssel steckt." Klick.
Scullys Herz raste. Verdammt, ein Wagenwechsel! Egal. Mulder mit Blut besudelt? Sicher eine perverse Metapher! Sie holte den Schlüssel und rannte kurz entschlossen zu der Halle.
Lange hörte Mulder nichts. Er merkte schnell, das Blut war nicht seines, sondern das von diesem Tom. Er musste unbedingt handeln, denn sonst würde er hier sterben, das war sicher! Bestimmt arbeiteten Skinner und Scully mit hochtouren an seiner Rettung, und er selbst musste ebenfalls dazu beitragen. Er sammelte seine gesamten ihm verbliebenen Kräfte und richtete sich auf. Langsam öffnete er die Augen und sah sich um. Vor der Liege lag der tote Tom. Ansonsten war er alleine im Raum. Im Nebenzimmer hörte er wieder den Fernseher. Verschwommen sah er auf dem Tisch etwas liegen und beugte sich leicht vor. Sofort wieder dieser Schmerz in der Lunge, der ihm fast die Sinne schwinden ließ. Er hustete und stöhnte, zwang sich dann langsam zu atmen.
Tatsächlich lag auf dem Tisch ein Handy!
Langsam, ganz langsam schob er seine Beine auf den Boden. Verharrte wieder. Versuchte, aufzustehen um gleich darauf zusammenzubrechen. Dann eben kriechen. Meter für Meter eine einzige Qual. Vor dem Tisch musste er wieder verschnaufen. Dann zog er sich am Tischbein hoch, fasste über die Kante und...
Die Tür wurde aufgestoßen. "Mulder!"
SIE! Sie war da! "Scu..." mehr brachte er nicht heraus, dann landete er wieder auf dem Boden.
Steve stieß Scully vor sich her und lachte dicht an ihrem Ohr. "Glücklich vereint, was? Jetzt ziehst du erstmal deine Bluse aus, Schlampe!", knurrte Steve und hinderte Scully daran, zu Mulder zu laufen.
Als sie die alte Farm erreicht hatte, hoffte Scully, dass ihr Mikro noch alles übertragen konnte. Ihr Handy hatte hier in dieser Pampa jedenfalls keinen Empfang mehr. Im Haus brannte Licht und wusste, sie war am Ziel. Dennoch zögerte sie, das Haus zu betreten, doch dann kam schon dieser Kerl heraus und grinste sie an.
Schwach röchelnd sah Mulder vom Boden aus, dass Steve Dana die Bluse herunterriss und ihr das Mikrophon wegnahm. Dann schubste er sie auf die Liege und baute sich vor ihr auf. "Jetzt sind wir so schön privat zusammen und bevor wir ein nettes Video für Skinner machen, werden wir ein kleines Verhör machen. Darauf steht ihr Idioten doch, oder? Verhöre, Verhöre, Verhöre. So lange, bis einem das Gehirn aufweicht und man alles unterschreibt! Ich saß euretwegen 4 Jahre im Knast, unschuldig!" Seine Stimme wurde allmälig lauter und Scully starrte entgeistert auf die Leiche zu ihren Füßen. Dann sah sie ihn an. "Wie heißen sie?", fragte sie und kam sich sehr dumm vor. Sie frohr so ohne Bluse, regte sich aber nicht. Ihr Herz tat direkt weh, als sie Mulder so liegen sah und sie wusste es stand nicht gut um ihn.
"Steve Harmon", antwortete der Kerl wider erwarten und sein Blick war reiner Hass. "Erinnerst dich wahrscheinlich nicht. Buchtest ja täglich Leute ein, die sich keinen guten Anwalt leisten können!" Er spuckte vor ihr aus. Scully konnte sich tatsächlich nicht erinnern und vermutete, dass es kein sehr wichtiger Fall gewesen war. Sicher keine X-Akte! An die erinnerte sie sich alle. "Wessen wurden sie beschuldigt?", fragte sie deshalb. Steve kam näher heran und sie schluckte. "Weißt es echt nichtmehr, was? Ich soll meine Stieftochter vergewaltigt und ermordet haben!! Dabei hat sie sich selber umgebracht! Und gefickt hat sie mein Bruder! Aber sie wollte es! Sind doch alles Schlampen!!!" Er schrie nun und packte Scully, zerrte sie hoch und war dicht vor ihr.
"Du hast die Autopsie und die DNA-Analyse gemacht! Dein dämlicher Partner das Verhör! Euch beiden war es scheiß-egal, meine Unschuld zu beweisen! Ich war abgestempelt, die DNA stimmte weitgehend überein und mein Bruder hatte sich verdünnisiert! Ich hatte keine Beweise, kein Alibi!" Sein Griff wurde härter, er schüttelte Scully und warf sie wieder auf die Liege. "Und jetzt werden wir ein kleines Frage-Spiel machen!" "Nicht lange, denn das FBI mag es nicht so gerne, wenn seine Agenten entführt werden!", fauchte Scully, "und das FBI ist überall. Die tauchen bald hier auf, darauf können sie wetten." Steve lachte. "Bis dahin haben wir noch sehr viel Zeit."
Skinner tobte, als sie endlich Scullys Auto gefunden hatten. Alles war schiefgelaufen! Bei solchen Aktionen waren immer hohe Risiken dabei, aber so eine Spur zu verlieren, war unerträglich. "Fordern sie Helikopter an!", schrie er den leitenden Officer an, "es muss eine Spur geben, ES MUSS!" Auch die Untersuchung des Videos hatte noch nichts ergeben und die Zeit lief ab.
Um es sich gemütlich zu machen, wie er es ausdrückte, hatte Steve Toms Leiche aus dem Raum geschafft und Mulder zu Scully auf die Liege befördert. Sie fühlte seinen Kopf und merkte wie er glühte. Sagen konnte er nichts und bekam schlecht Luft. Sie versuchte, ihn so zu betten, dass er besser atmen konnte, doch das bereitete ihm Schmerzen. Hilflos strich sie ihm durchs verschwitzte Haar.
Steve hatte sich auf einen Stuhl ihr gegenüber hingesetzt und grinste. Ihre Bluse hatte Scully nicht zurückbekommen.
"Also, wir fangen an", sagte Steve, "ich habe mich gut informiert. Wage es also nicht, zu lügen, ist das klar? Wir werden dich nicht nur äußerlich sondern auch innerlich ausziehen, Miss FBI." Scully starrte ihn nur an.
"Mir wievielen Männern hast du es schon getrieben?" Scully schluckte. Verdammter perverser Verbrecher! Wollte sich hier nur aufgeilen! Noch immer erinnerte sie sich nicht an ihn, so wußte sie auch nicht, wie sie ihn einschätzen sollte. Aber unterschätzen durfte sie ihn auf keinen Fall. "Vier." sagte sie deshalb schließlich. "FALSCH!", schrie Steve, "du hast Mulder vergessen!" "Ich habe nie..." begann sie, doch sie sah seinen Blick. "Na gut, fünf", sagte sie. In Gedanken tausendmal... fuhr es ihr durch den Kopf und sie erschrak über sich selbst.
"Wieviele Menschen hast du erschossen?" "3." "Machst du es dir oft selbst?" "Nicht so oft." Sie sah zur Seite und erkannte, dass Mulder sie anblickte. Sie konnte seinen Blick nicht recht einordnen. War da etwas Neugierde dabei?
"Bist du eifersüchtig auf Frauen, die sich Mulder nähern?" Scully schwieg. "ANTWORTE!", schrie Steve. "Ja", kam es leise von Scully. "Wie oft hast du es mit ihm schon gemacht?" "Ich sagte doch..." "Fresse! Wie oft??? Ich will eine Zahl!" Mulders Blick schien auf Scullys Gesicht zu brennen. "Vielleicht so 20 mal?" Sie schluckte. Steve lachte. "In 6 Jahren? Wer soll das glauben?" "Ich arbeite mit Mulder, sie Idiot, wir gehen nicht ins Bett!", rief sie. "Seid ihr krank?", knurrte er", oder sterilisiert man euch, bevor ihr zum FBI dürft? Wenn nicht, würdest du gerne?" Scully starrte auf ihre Hände. "Ich habe mich gut über dich informiert! Ich habe ein paar Leute ausgequetscht! Seit du mit Mulder arbeitest, hast du kaum einen Mann nur angesehen! Also, verarsch mich bloß nicht!!" "Ja", flüsterte sie. "Was ja?" "Ja, ich würde gerne!" Sie fühlte, wie Mulders Hand ihre berührte, ganz leicht. Sie sah ihn an und ihr Herz begann schneller zu schlagen, denn was sie in seinen Augen sah war Zärtlichkeit.
Steve lachte sich halbtot. "Mein Gott, sowas von süß!!!! Sie wollen, aber sie trauen sich nicht! Das übertrifft ja all meine Erwartungen!"
"Kann ich ihm nicht etwas Wasser geben?", bat Scully. "Du kannst ihm ja was anderes geben!", lachte Steve, "dann stirbt er wenigstens mit einem Lächeln auf den Lippen."
Dann geschah es ganz schnell. Mit allem, was Mulder an Kräften noch aufbieten konnte, ließ er seine Beine vorschnellen und traf Steve in die Brust. Der kippte rükwärts um mit seinem Stuhl. Scully reagierte sofort, stürzte vor, rammte ihm ihr Knie in den Magen und ließ voll von Wut und Verzweiflung Schläge auf sein Gesicht niederprasseln. Steve war so überrumpelt, dass er erstmal keine Gegenwehr leistete. Blut lief aus seiner Nase. Doch dann besann der sich und packte Scully an den Armen. Doch sie stieß ihm mit all ihrer Kraft das Knie zwischen die Beine. Er schrie auf und krümmte sich.
Scully sprang auf, schnappte ihre Bluse und fesselte damit Steves Arme auf seinem Rücken. Währenddessen trat sie ihm immer wieder brutal in den Magen. Steve wimmerte nur.
Schließlich stopfte sie ihm noch einen Lumpen in den Mund und erhob sich ausser Atem. Sie lief zu Mulder. Er lag da, sein Atem war nurmehr ein Röcheln und sein Puls war sehr schwach. "Mulder, kannst du mich hören? Mulder?" Zärtlich strich sie ihm über die Wange, das Haar. Er bewegte die Lippen, brachte jedoch keinen Ton heraus. "Ich bringe uns hier raus", flüsterte sie.
Scully lief zum Tisch und nahm das Handy. Eine Welle der Erleichterung überflutete sie, als sie es anschaltete. Es war ein Satelliten-Telefon, das überall funktionierte. Zitternd wählte sie die Nummer des FBI.
Als die Kollegen eintrafen, lagen Mulder und Scully auf der Liege und Scully war verzweifelt dabei, Mulder zu beatmen. "Schnell, die Sanitäter!", brüllte Skinner, der daran glücklicherweise gedacht hatte. Behutsam half er Scully hoch und ein anderer Agent reichte ihr eine Decke. Sie hatte nur Augen für Mulder. Vor etwa 5 Minuten hatte er aufgehört zu Atmen und sie fragte sich, ob sie wohl je wieder in seine Augen blicken oder sein Lächeln sehen würde. "Kommen sie." Skinner führte Scully hinaus und widerstrebend folgte sie ihm, denn hier konnte sie im Augenblick nichts tun.
24 Stunden später
Nach eingehender Untersuchung konnte Scully die Klinik verlassen und ihr erster Weg war zu Mulder. Er lag auf der Intensivstation und war nach seiner Operation in ein künstliches Koma versetzt worden. Seine schwer mitgenommene Lunge musste sich erholen, so wurde er beatmet. Als Scully den medizinischen Bericht las, schnürte es ihr sie Kehle zu.
Ein gebrochenes Handgelenk, drei gebrochene Rippen. Perforation des rechten Lungenflügels, Verletzung des Zwerchfells. Dazu noch verschiedene Verletzungen, die eindeutig auf eine Vergewaltigung hinwiesen. Wie sollte er damit fertigwerden? Scully wusste, dass er sich verschließen würde, sich einkapseln, es nicht rauslassen. Mulder hasste Psychiater. Er vertraute ihnen nicht, nachdem er mit verschiedenen Hypnoseverfahren gescheitert war, um seine Erinnerung wachzurufen an frühere traumatische Erlebnisse. Scully hoffte, dass sie an ihn herankommen würde.
"Was macht sein EEG?" fragte sie eine Schwester, die hereinkam. "Scheint in Ordnung zu sein." meinte sie und musterte Scully misstrauisch. "Sind sie seine Frau?", wollte sie wissen. Scully schüttelte den Kopf. "Ich bin seine Partnerin und Ärztin." Die Schwester nickte und ging wieder hinaus. "Und ich liebe ihn" , fügte Scully in Gedanken hinzu.
2 Tage später
"Sie holen ihn heute aus dem Koma", sagte Scully am Telefon zu Skinner, "ich hoffe, sie können ihn Extubieren." "Agent Scully, sie sollten sich etwas Ruhe gönnen", erwiederte Skinner, "sie sind ja nur noch im Krankenhaus." "Ich muss bei ihm sein", sagte sie nur. "gibt es etwas Neues wegen Harmon?" "Ich denke, die Beweise und ihre Aussage reichen für Lebenslänglich. Wissen sie noch, wer er ist?" Scully seufzte. "Ich habe die Akte herausgesucht und weiß es jetzt wieder. Damals haben wir diesem Fall keine große Bedeutungs beigemessen. Meinen sie, er war wirklich unschuldig?" Skinner antwortete nicht gleich. Dann sagte er tonlos: "Wir haben den Bruder aufgetrieben. Die DNA-Analyse erhalten wir morgen. Aber es spricht einiges dafür, dass er es war!"
Scully bekam eine Gänsehaut. "Oh Gott!" hauchte sie. "Agent Scully, machen sie sich jetzt keine Vorwürfe. Nicht sie, sondern die Staatsanwaltschaft und die Richter haben ihn verurteilt. Solche Dinge geschehen jeden Tag. Nennen wir es... eine Panne." "Und Mulder? Sie wissen, was mit ihm passiert ist! Wenn er nie darüber hinweg kommt? Wenn er nichtmehr arbeiten kann? Alles nur wegen diesem..." Scully brach ab. Skinner zeufzte. "Scully, ich befehle ihnen jetzt, dass sie ausspannen. Es reicht mir, dass Agent Mulder für eine Weile ausgefallen ist. Er ist eine starke Persönlichkeit., ich bin sicher, dass er wieder auf die Beine kommt, körperlich und seelisch!" Ganz überzeugend klang es jedoch nicht. "In Ordnung, Sir", sagte Scully und legte auf. Dann machte sie sich auf den Weg ins Krankenhaus.
Als die Ärztin Mulder den Tubus aus der Luftröhre zog, hielt Scully seine Hand. Er hustete und röchelte, dann holte er tief Luft. Scully war erleichtert; der erste Schritt war getan. Sie drückte seine Hand und er sah sie an. "Wie geht es dir, Mulder?", fragte sie leise. Er verzog schmerzhaft das Gesicht, als er versuchte zu sprechen. "Es wird noch eine Weile wund sein vom Tubus", erklärte Scully. "Wie... wie lange..." krächzte er schwach. "Fast 4 Tage", sagte sie, "jetzt bist du aber über den Berg. Du bist hier in guten Händen." "In deinen", flüsterte er, "du hast mich gerettet. Wieder." Er drehte den Kopf weg, als die Erinnerungen an das Geschehene hochkamen. Scully erzählte ihm alles und versicherte ihm, dass Harmon für immer sitzen würde. "Er... war... unschuldig?" Mulder konnte es nicht fassen. Am Monitor konnte Scully sehen, dass er sich aufregte. Sie streichelte seinen Arm. "Ruhig. Das ist lange her! Fehler können geschehen!" "Dieser Tom... ist er..." Mulder bekam einen Hustenanfall. Rasch nahm Scully ein Glas Wasser und gab ihm etwas. "Er ist tot. Harmon hat ihn abgeknallt, wir wissen aber nicht warum." "Er wollte mir helfen", sagte Mulder. "Aber Mulder, er hat...." sie bekam es nicht über die Lippen.
Den Schmerz, den sie nun in Mulders Augen sah, konnte sie kaum ertragen. "Woher weißt du das?" "Mulder, du bist verletzt. Ausserdem gibt es ein Video." Der Monitor mit Mulders EKG piepte beängstigend. "Ein Video?" Wieder ein Hustenanfall. Die Schwester kam herein. "Hören, sie ich dachte, sie sind Ärztin. Sehen sie nicht, wie er sich aufregt? Sie müssen jetzt bitte gehen." Scully nickte, sie hatte recht. Schuldbewußt stand sie auf. "Ich komme morgen wieder. Schlaf jetzt, Mulder."
2 Wochen später
Scully war ratlos. Mulder war zu Hause und da seine Hand noch in Gips war, konnte er noch nicht wieder arbeiten. Ausserdem nahm er für seine verletzte Lunge noch Medikamente. Sie rief ihn ab und zu an und fragte, ob er Hilfe brauchte. Immer sagte er nein. Er war kurz angebunden, sagte, er ruhe sich aus.
Einmal besuchte sie ihn. Er lag auf der Couch, hatte fast schon einen Bart und starrte in den Fernseher. Sagte kaum ein Wort. Wollte alleine sein. Eine Weile saß sie ihm gegenüber und sah ihn an, doch dann ging sie wieder. Er war nichtmehr derselbe und sie fragte sich, wie lange das noch so gehen sollte.
Einmal rief sie an und er ging garnicht ran.
Nachdem das eine weitere Woche so gegangen war beschloss sie, die FBI-Psychiaterin aufzusuchen, die einmal im Krankenhaus mit Mulder gesprochen hatte. Danach hatte er sich geweigert, wieder mit ihr zu sprechen. Weder mit ihr noch irgendjemandem sonst.
Die Psychiaterin war sehr erfahren und Scully vertraute ihr. Zunächst wollte sie Scully nichts über Mulder sagen, denn sie meinte, das verstoße gegen das Arztgeheimnis. Doch als sie Scullys Verzweiflung sah, bat sie sie doch, sich zu setzen.
"Agent Mulder verweigert Hilfe. Er hat ein schweres Trauma erlitten. Sie müssen wissen, dass Männer solche Erlebnisse viel schwerer verkraften als Frauen", erläuterte sie. Scully sah sie verwundert an. "Ja," meinte die Frau, "für Männer, vorausgesetzt natürlich sie sind heterosexuell, ist dieser Vorgang an sich undenkbar. Gewalt in dieser Form zu erleben ist eine der schlimmsten körperlichen und seelischen Erniedrigungen. Fast 95 Prozent der Selbstmorde in Gefängnissen gehen auf Vergewaltigungen zurück!"
Scully schluckte. "Was kann ich tun?" "Dana," sagte die Ärztin, "ich kenne sie schon lange und ziemlich gut, denke ich. Ich weiß um ihre Gefühle zu Agent Mulder, auch wenn sie es nie ausgesprochen haben. Weiß er davon? Haben sie sich ihm je offenbart?" Scully schluckte. Es war ihr unangenehm. "Nein", sagte sie, "aber ich glaube, dass unsere Beziehung, auch wenn sie platonisch ist, tiefer geht als manche Liebesbeziehung." Die Frau nickte. "Ja, das glaube ich auch. Dennoch würden sie auch gerne eine körperliche Beziehung mit ihm haben?" Das Gespräch nahm eine Wendung, die Scully nicht gefiel. Ging es hier um sie? "Dana? Sie wollen Mulder helfen, oder? Sind sie bitte offen, wenn wir weiterkommen sollen." "Okay." Scully holte tief Luft. "Ja, ich wünschte es mir schon." "Haben sie das Gefühl, dass Mulder es auch will?" "Das eine oder andere Mal, vielleicht." sagte Scully vorsichtig. "Ich glaube aber, er hat zu viel Respekt vor mir... und er möchte, dass die Arbeit nicht beeinträchtigt wird", fügte sie rasch hinzu.
"Ich denke," sagte die Ärztin "dass es in der jetzigen Situation nicht um die Arbeit geht." "Die Arbeit ist Mulders Leben. Etwas anderes hat er nicht", rief Scully, die ahnte, was kam. "Doch. Er hat SIE." erwiederte die Ärztin. "Ich gehöre zu seiner Arbeit." "Sie gehören zu seinem Leben. Er ist psychisch aus der Bahn geworfen. Ich weiß aus seinen Akten, dass sie viel öfter Kontakt haben, als die Arbeit es erfordert. Dana! Wehren sie sich nicht dagegen. Agent Mulder ist gefährdet. Er braucht jetzt genau sie. Seelisch und körperlich."
"Er läßt mich nicht an sich ran. Ich habe es versucht", sagte Scully leise. "Versuchen sie es anders." meinte die Frau und sah Scully an. "Handeln sie nur nach ihren Gefühlen. Dann helfen sie ihm und sich!" Sie lächelte. Scully schluckte. "Ich werde es mir überlegen. Danke." "Sie wollten meinen Rat. Überlegen sie nicht zu lange. Männer in seinem Zustand haben schnell eine Waffe zur Hand."
Wie recht die Psychiaterin hatte, ahnte Scully nicht.
Mulder saß auf der Couch. Seit Tagen, wie festgenagelt. Er starrte vor sich hin. Er aß nichts, rasierte sich nicht. In seinem Inneren war es leer. Leer und kalt. Ein riesiger Stein saß in seinen Eingeweiden und verhinderte jede Bewegung. Oh Gott, er konnte so nicht weiterleben! Er wollte dass es aufhörte, einfach aufhörte!
Nachts kam Tom zu ihm. Sein Gewicht auf seinem Körper. Seine Hände auf seiner Haut. Sein Atem an seinem Hals. Schreiend wachte Mulder auf und bekam Hustenanfälle.
Jetzt saß er da und in der Hand fühlte er das kühle Metall seiner Pistole. Einfach nur Nacht, Dunkelheit, Nichts. Wie schön das wäre. »Scully?« ganz unten in seinem Bewußtsein rief etwas nach ihr. Aber es war zu schwach um hochzukommen.
Langsam hob er die Waffe zu seinem Kopf.
Scully saß zu Hause und zerbrach sich den Kopf. Was die Psychiaterin gesagt hatte stimmte sie nachdenklich. Jetzt sollte alles an ihr hängen? Wie würde Mulder reagieren, wenn sie sich ihm körperlich näherte? Würde sie es aushalten, wenn er sie wegstöße? Warten sie nicht zu lange! Die Verantwortung und Sorge lastete schwer auf ihr. Dennoch: was wollte sie? Sie wollte Mulder! Und wenn er tatsächlich an der Sache zerbrach, was hatte sie dann davon? Wie würde ihr Leben weitergehen? Entschlossen stand sie auf.
Vor Mulders Tür zögerte sie und lauschte. Sie hörte der Fernseher. Dann klopfte sie. "Mulder?" Keine Antwort. "Mulder, mach auf!" Immernoch nichts. Kurzerhand zog Scully den Schlüssel, den sie zu seiner Wohnung hatte heraus und schloss auf.
Zunächst sah sie ihn garnicht und geriet in Sorge. "Mulder?" Ein leises Geräusch. Sie ging auf die Couch zu und da sah sie ihn. Er lag auf dem Boden und seine Schultern bebten. Seine Faust war um seine Pistole verkrampft. Scully sah, dass die Waffe entsichert war. Langsam ging sie in die Knie und berührte seinen Rücken. Er fuhr hoch und starrte sie aus leeren, tränennassen Augen an. "Geh bitte!", rief er und hustete. Scully wollte ihm die Waffe aus der Hand nehmen, doch er richtete sie auf sie. "Hau ab, verschwinde, Dana!" "Nein", sagte sie nur "gib mir die Waffe, Mulder. Mach keinen Blödsinn." Nun presste er den Lauf gegen seine Schläfe. "Das ist das einzig Vernünftige, was ich tun kann!", brachte er hervor. "Du willst einfach verschwinden? Abhauen? Und ich?", erwiederte Scully. "Du? Du bist doch viel besser dran ohne mich. Und alle anderen auch. Das FBI. Der Steuerzahler. Ich selber. Wer wird mich schon vermissen?" Sein Finger am Abzug zitterte. "Ich halte dich nur vom richtigen Leben ab. Verdammt, ich bin so dumm gewesen!"
Scully schluckte. "Fox, tu das nicht! ICH würde dich vermissen, ganz schrecklich." Irgendetwas in ihrem Tonfall ließ ihn zögern und Scully packte blitzschnell seinen Arm und entwand ihm die Waffe. Sie warf sie weit weg. Dann beugte sie sich vor und küsste Mulder. Lange. Zärtlich. Nahm sein Gesicht in ihre Hände. Dann ließ sie ihn los.
Mulder saß schlaff da und starrte ins Leere. "Nichteinmal das kriege ich fertig", murmelte er tonlos und Tränen liefen ihm übers Gesicht. Scully war verunsichert. Was sollte sie nun tun?
Sie stand auf und ging in der Wohnung auf und ab. Ihr Herz schlug wie wild. Nicht die kleinste Reaktion auf ihren Kuss. Schließlich bückte sie sich und hob die Pistole auf. Vielleicht brauchte er einfach mal eine Dusche!
Entschlossen räumte sie die Waffe weg und zerrte Mulder hoch. Willenlos ließ er sich ins Bad schieben. Scully zog ihn aus. Es war schon ein bisschen komisch für sie, doch sie überwand sich und zerrte ihm sie Hose herunter. Dann den Slip. Verschämt riskierte sie einen Blick. Dann schob sie ihn unter die Dusche und drehte heißes Wasser auf. Mulder starrte sie an und in seinen Augen sah sie tiefe Abgründe. Schweigend seifte sie ihn ab. Sie fand seinen Körper sehr attraktiv für einen Mann um 40. Sie fand es auch erregend, ihn abzuseifen. Sie machte es länger als nötig und wartete auf ihrgendeine Reaktion von ihm.
Als sie ihn umdrehte und die vielen Blutergüsse auf seinem Rücken und Po sah, schluckte sie schwer. Was musste er durchgemacht haben! Sie wurde von einer riesigen Welle der Zärtlichkeit für ihn überrollt. Sie wollte ihn retten! Sie wollte ihren alten scherzenden, manchmal bissigen, manchmal todernsten oder fanatischen Mulder wiederhaben!
Kurz entschlossen zog auch sie sich aus. Dann stieg sie zu ihm in die Dusche. Er drehte sich wieder zu ihr um, seine dunklen Augen ruhten auf ihr und sie meinte ein Fünkchen Erstaunen darin zu sehen. Dana ging näher zu ihm. Dann schlang sie ihre Arme um ihn und presste sich unter dem heißen Wasserstrahl an ihn. Zumindest sein Körper reagierte jetzt und sie erschrak fast. Mit hängenden Armen stand er da und sah sie an.
Sie nahm seine Hände und legte sie sich auf die Brüste. Sein Blick veränderte sich. War es Erregung? Langsam fuhr Scully ihm mit den Händen über die Brust und berührte mit dem Unterleib seine Erektion. Sie schluckte, denn Erregung durchflutete sie. Die Spannung war fast unerträglich. Sie drückte ihn gegen die Duschwand und strich an seinem Rücken hinunter zu seinem Po. Sie schloss kurz die Augen, so gut fühlte sich das an. Plötzlich merkte sie, wie Mulders Daumen über ihre Brustwarzen strichen und sie seufzte leise. Drückte sich dagegen. Ihre Hände glitten nach vorne und umfassten sein Glied. Jetzt schloss er die Augen und schluckte. Sie streichelte ihn, es war unglaublich. Sie küsste seine Brust, seine Brustwarzen. Sein Glied pulsierte.
Scully stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihn zu küssen. Da endlich beugte er sich ihr entgegen. Streichelte mit seinen Lippen die ihren. Öffnete den Mund und suchte erregt keuchend ihre Zunge. Scully ließ seinen Penis los und presste sich eng, eng gegen ihn. Sie küssten sich endlos. Mulders Hände auf ihrem Po. Er zog sie ein Stück näher her zu sich. Sie winkelte ein Bein an und sein Glied glitt zwischen ihre Beine. "Ohhh..." enfuhr es ihr. Sein Herz hämmerte gegen ihres. Jetzt drückte er sie gegen die Wand, schob die Hände unter ihren Po und hob sie etwas hoch. Scully schlang die Beine um seine Hüften und er drang in sie ein, plötzlich, heftig. Sie schrie leise auf, doch es war so schön!
Die Arme um seinen Hals nahm sie ihn vollkommen auf in sich und entgegnete seine langsamen Bewegungen. Noch immer sagte er nichts, seufzte leise an ihrem Hals. Das warme Wasser prasselte auf seinen Rücken, sein Mund suchte wieder ihren, sie waren eins, eins und es war so richtig!
Lass es nie enden dachte sie bei sich, als sie spürte, dass seine Stöße hektischer wurden. Sie konzentrierte sich vollkommen auf seine Bewegungen und ihren Körper. Sie merkte, dass sie sich dem Höhepunkt näherte und ließ sich ganz fallen. Laut stöhnte er auf als er kam und für Scully verschwand für einen endlosen Augenblick alles um sie herum.
Vorsichtig ließ Mulder Scully zu Boden gleiten und setzte sich selbst hin. Er atmete noch immer heftig und Scully fragte sich, ob das Ganze überhaupt gut für seine angeschlagene Lunge gewesen war. Doch in seinen Augen sah sie Wärme. Zärtlichkeit. Leben. Sie lächelte ihn an. Dann erhob sie sich, drehte das Wasser ab und nahm ihn bei der Hand.
Noch immer schwieg er, doch sie wußte, dass sie einen Schritt weiter gekommen waren. Dennoch fragte sie sich, was er von dem Ganzen hielt.
Sie suchte nach Handtüchern und trocknete sich und ihn ab. "Wir müssen etwas gegen dieses Sauerkraut tun!", sagte sie und strich ihm über die Wangen, "möchtest du dich nicht rasieren? Dann bist du gleich wieder menschlicher!" Er lächelte und nahm den Bademantel, den er ihr reichte. "Mulder, willst du nichts sagen? Wie fühlst du dich?" Verunsichert sah Scully ihn an, während sie sich in dem großen Handtuch einwickelte. "Ich danke dir", sagte er nur und wandte sich dem Waschbecken zu.
Scully beschloss, ihn in Ruhe zu lassen. Nach einer Weile kam er aus dem Bad und sah schon wieder recht manierlich aus. Seine feuchten Haare standen jedoch wild von seinem Kopf ab, manchmal waren sie einfach nicht zu bändigen! Er hatte sich Sweatshirt und Jogginghose angezogen. "Ich habe etwas von dir übergezogen, ich hoffe, es stört dich nicht", sagte Scully, weil ihr sonst nichts einfiel.
Mulder setzte sich zu ihr auf die Couch. Er nahm ihre Hand und ließ zärtlich seine Lippen darüberstreifen. Scully schloss die Augen. Lehnte ihren Kopf gegen seine Schulter. Da begann er zu reden. "Dana, ich suche die ganze Zeit nach Worten und finde keine. Denn es gibt keine um auszudrücken, was ich dir sagen will. Wie oft hast du mich gerettet und warst da, wenn ich Blödsinn gemacht habe? Ich kann es nichtmehr zählen. Du hast nie was für dich gefordert, im Gegenteil, meine Hilfe oft abgelehnt. Das war mir nun passiert ist, stellt alles in den Schatten, wirklich. Ich weiß, dass viele Männer auf vergewaltigte Frauen ein bisschen misstrauisch herabsehen. Sie denken vielleicht manchmal, die ist doch selber schuld, was zieht sie sich so an. Oder, die wollte es doch. Keiner kann sich auch nur entfernt vorstellen, was es heißt, wenn..." er brach ab, denn seine Stimme wurde zittrig. "Mulder, du mußt nicht..." Scully legte ihre Hand auf seine Brust und fühlte, wie schnell sein Herz schlug. "Doch!", rief er heftig, "ich bin es dir schuldig!" Scully wartete. Wütend wischte er sich über die Augen und fuhr fort "...wenn etwas in einen reingesteckt wird! Ich glaube, nackt in der Öffentlichkeit aufgehängt zu werden kann nicht erniedrigender sein! Der Körper wird zum Gegenstand! Man ist nichts weiter mehr als ein Gegenstand für ein dreckiges Spiel. Danach wird man ausgespuckt und weggeworfen! Oh Gott!"
Scully ließ ihn weinen und schluckte. Mein Gott, er hatte schon so viel durchgemacht, war belogen, gefoltert, verprügelt worden. Doch sie hatte noch nie gesehen, dass ihn etwas so aus der Bahn warf. Wie sollte er je wieder der alte werden?
"Es war schön, was wir in der Dusche taten", flüsterte er, "es gab mir wieder das Gefühl ein Mensch zu sein." "Mulder," hauchte Scully, "ich tat es nicht nur für dich. Ich wollte es auch. Ich will es schon so lange." Seine feucht glitzernden Augen ruhten auf ihr. "Das weiß ich doch", sagte er, "ich hab’s dir auch nicht gerade leicht gemacht." Er hob die Hand und streichelte ihre Wange, ihre Lippen. Dann küsste er sie. Zärtlich. Dann fester. Suchte ihre Zunge. Dana erwiederte erregt den Kuss. Mulder zog sie auf seinen Schoß, dann blickte er sie an. Sie fragte: "Meinst du, du kannst weitermachen?" "Ich weiß nicht. Ich denke schon. Aber ich werde manches in einem anderen Licht sehen." "Wirst du die Psychiaterin aufsuchen?" Er seufzte. "Ich kann es ja mal versuchen, wieso nicht."
Seine Hände waren auf ihrem Rücken und fuhren unter den Stoff, um ihre Haut zu streicheln. Scully schloss die Augen und genoss es. Sie setzte sich rittlings auf ihn und presste ihren Unterleib gegen seinen. Sie spürte, dass er hart wurde und küsste ihn stürmisch. "Ich will dich ja nicht umbringen", hauchte sie in sein Ohr, "bist du sicher...?" Zur Antwort zog er ihr das Sweatshirt über den Kopf und sah sie an. "Du bist so schön", sagte er, küsste sachte ihre Brüste. Scully drückte sich noch mehr an ihn und er stöhnte leise. "Wir haben zuviel an", murmelte er an ihrem Busen. Scully zog auch ihm den Pulli aus. Streichelte seine Brust, küsste sie.
"Ich liebe dich", enfuhr es ihr. Mulder sah sie an. "Ist das wahr?" Jetzt musste sie lächeln. "Mulder, manchmal bist du so blind..." auch er lächelte nun und sein Gesicht veränderte sich auf wundervolle weise. "Dana, wenn ich blind bin, dann bist du es auch." Was das bedeutete, konnte sie nur raten, denn seine Hände fuhren an ihrem Rücken hinunter und über ihren Po und nahmen die Shorts mit, die sie trug. Er streifte sie ihr ab und zerrte auch sich die Jogginhose herunter. Dann zog er Scully wieder zu sich her. Seine Erektion drängte sich gegen sie und ihre Erregung steigerte sich schlagartig. "Mulder..." "ist was? Bin ich dir zu schnell?", fragte er leise, seine Lippen schienen überall zu sein. Als Antwort ließ sie sich auf ihn sinken, nahm ihn in sich auf, ganz langsam. "Ohhh..." er schloss die Augen und stöhnte tief. Scully sah in sein Gesicht und ihr wurde noch heisser, als ihr bewusst wurde, dass sie es war, die diesen Ausdruck des Genusses bei ihm verursachte. Sie küsste ihn und erforschte seinen Mund mit ihrer Zunge. Beide bewegten sich sachte, damit es nicht zu schnell ging. Es war wundervoll. Scully kam sehr bald, und dann nochmal. Ihre Körper waren schon mit Schweiß bedeckt und schienen sich nie mehr voneinander lösen zu wollen. Dann ließ auch Mulder sich fallen. "Ich liebe dich so sehr, Dana." hauchte er dabei.
Scully schreckte hoch, als es heftig an der Tür pochte. Einen Augenblick musste sie sich orientieren, dann sah sie neben sich den nackten Mulder und lächelte. Er schlief erschöpft und glücklich und leise stand sie auf, hoffend, dass dieses Geklopfe ihn nicht wecken würde.
Sie suchte hastig einen Bademantel und lief barfuß zur Tür. Skinner stand davor. Als er sie sah, zeigten seine Augen eine Mischung aus Irritation, Verwunderung und Verlegenheit. "Agent Scully? Darf ich reinkommen?" Scully trat zur Seite. "Sir? Was führt sie her?" "Ist Mulder in Ordnung?", fragte er zurück, obwohl er die Antwort schon wusste. Scully setzte sich und schlang den Bademantel enger um sich, sich bewußt werdend, dass sie nackt darunter war.
"Ja, Sir. Aber um das zu erfahren hätten sie doch anrufen können!" "Es war immer belegt", knurrte Skinner. Scully sah zum Telefon. "Der Hörer ist heruntergerutscht", meinte sie und legte richtig auf. "Dr. Miller hat mich angerufen und ihre Besorgnis ausgedrückt. Sie meinte, Agent Mulder sei womöglich Selbstmordgefährdet." "Ich war bei ihr. Sie deutete es an", erwiederte Scully. "Darum bin ich hier." Skinner räusperte sich. "Sie haben ihn umgestimmt, nehme ich an?", fragte er überflüssigerweise. "Das hat sie!" Mulder stand, nur mit seinem Slip bekleidet in der Schlafzimmertür. "Und nicht nur einmal." "Mulder!" Scully wurde feuerrot.
Skinner wusste nicht, wohin er sehen sollte. "In Ordnung. Dann gehe ich lieber wieder. Schön, dass es ihnen besser geht, Mulder." "Danke der Nachfrage, Sir." Scully hörte in seinem Tonfall, dass der alte Mulder noch da war. Sie lächelte glücklich.
- Ende -