Wie schnell doch die Zeit vergeht. Jetzt ist es schon fast acht Jahre her, dass dieser hellblaue LKW meinem Leben ein Ende setzte. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie Scully meinen Kopf in ihrem Schoß bettete und verzweifelt versuchte meine Blutungen zu stoppen.
So traurig es auch ist, erst im Angesicht des Todes habe ich den Mut aufgebracht und ihr meine Liebe gestanden. Ich konnte den Schmerz in ihren Augen sehen, da sie wusste, dass dies meine Art war ihr Lebwohl zu sagen. Als Antwort bekam ich einen hauchzarten Kuss. Es war nicht mehr als ein sanftes Streicheln ihrer Lippen, aber diese Berührung sagte mir, dass meine Gefühle erwidert wurden. Dass ich nicht allein war.
Wehmütig denke ich heute an diesen Tag zurück. Die anderen hier oben schütteln schon bemitleidenswert den Kopf über meine grenzenlose Liebe zu Scully. Was? Ach, ja, ich hab euch ja noch gar nicht erzählt wo ich mich überhaupt aufhalte. Ich befinde mich im Himmel. Die Meisten haben bestimmt damit gerechnet, dass Fox Mulder ewig in der Hölle schmort, aber aus irgendeinen unerfindlichen Grund haben sie sich meiner erbarmt. Hier oben ist es eigentlich gar nicht so schlecht. Aber um euch erst einmal aufzuklären, das weit verbreitetste Gerücht ist wohl, dass Engel weiße Gewänder tragen und überhaupt sehr fromme Wesen sind. Das trifft nun weiß Gott nicht zu. Hier oben kleidet sich jeder wie er will und die Engel kann man auch nicht gerade als brav bezeichnen. Engel Marion zum Beispiel hat kurze, feuerrote Haare und, wie ich finde, ein ziemlich loses Mundwerk. Es könnte wirklich alles so schön sein....
Gedankenverloren starre ich in die gläserne Kugel die es mir ermöglicht Scully zu beobachten. Sie war ein Geschenk von Engel Marion und ich bin ihr mehr als dankbar dafür.
Heute ist der 24. Dezember... Heiligabend.... Ich beobachte Scully, wie sie sich ihren Weg durch die verschneite Landschaft zu meinem Grab bahnt. Vorsichtig wischt sie den Schnee von dem Stein und ihre schlanken Finger zeichnen die darin gemeißelten Buchstaben nach. Für eine ganze Weile sitzt sie einfach nur da, berichtet ab und zu was sie bedrückt, bis sie schließlich eine Kerze anzündet und sie auf mein Grab stellt.
" Damit du auch etwas Licht hast, mein Schatz!" Dann bückt sie sich und gibt dem Grabstein einen kleinen Kuss. " Frohe Weihnachten, Mulder."
" Frohe Weihnachten, Scully..." murmele ich. Es tut so weh sie zu sehen und doch nicht berühren zu dürfen. Wenn ich sie doch wenigstens wissen lassen könnte, dass ich da bin...
Am Anfang war es sehr schlimm. Scully trauerte mir sehr lange nach und ich weiß, dass sie es bis heute nicht überwunden hat. Es gibt einfach Wunden, die nie heilen. Jedes Mal wenn sie weinte, trieb es mich fast in den Wahnsinn nichts für sie tun zu können. Vielleicht bin ich egoistisch, aber ich kann nichts gegen meine Freude tun, dass sie die ganzen Jahre über keinen neuen Mann hatte. Scully blieb mir treu. Bis über den Tod hinaus...
Eine einsame Träne kullert an meiner Wange hinunter. Am liebsten würde ich mich umbringen, aber selbst das geht ja nicht mehr!
" Hey, Fox, alles klar?"
Vorsichtig lässt sich Marion neben mir nieder. Nur ein Blick in mein Gesicht reicht ihr um zu wissen was los ist.
" Das wird schon wieder..." etwas unbeholfen streichelt sie mir über die Wange. Ich schüttle nur den Kopf.
" Ich vermisse sie so...sie war die einzige die ich je wirklich geliebt habe. Verstehst du? Ich war nicht nur verliebt in sie... sie...war meine zweite Hälfte..."
Marion nickte. Sie schien nachzudenken. Schließlich begann sie zu sprechen.
" Fox, ich mag dich sehr gerne. Ich möchte dir deinen Wunsch erfüllen." Ich schaue sie verständnislos an. Was meinte sie?
" Du weißt doch, dass jeder Engel einmal auf die Erde darf, damit er die Chance hat, eine gute Tat zu vollbringen... Ich möchte, dass du an meiner Stelle gehst."
" A-aber.." stottere ich. " Dann wirst du doch nie deine Flügel bekommen...und ich weiß doch wie sehr du dir welche wünschst..."
Sie schüttelt nur den Kopf. " Ich kann auch ohne Flügel leben, Fox.... aber du würdest sonst nie glücklich werden..."
" Danke." Hauche ich nur.
" Nichts zu danken." Sie grinst. " Es ist doch Weihnachten." Ein Blick auf die Uhr. " Du solltest jetzt gehen, Fox. Wir erwarten dich dann heute Nacht um 12 zurück."
Ohne ein weiteres Wort führt sie mich zu einer riesigen Himmelspforte. Langsam gehe ich hindurch... ich kann es gar nicht mehr erwarten sie wieder zu sehen.
Ich stehe nun direkt vor Dana Scullys Wohnungstür. Warum ich nicht gleich in ihrer Wohnung gelandet bin, weiß ich nicht. Wahrscheinlich fanden die da oben es höflicher erst einmal anzuklopfen. Und genau das werde ich jetzt tun. Nicht auszudenken, was für einen Schock Scullys alte Nachbarin bekäme, wenn sie ihren toten Partner im Treppenhaus erblicken würde.
Klopf! Klopf!
" Ich komme!" ertönt ihre liebliche Stimme. Die Tür öffnet sich und ich stehe ihr gegenüber. Ein paar kleine Fältchen zieren ihr Gesicht, aber für mich hat sie nie schöner ausgesehen.
Ihre Augen weiten sich ungläubig.
" Fox?"
Ich grinse wie ein Idiot... wie ein bis über beide Ohren verliebter Teenager..
" Oh, mein Gott!"
Ehe ich ihr etwas sagen kann, liegt sie auch schon in meinen Armen. " Du lebst. Du lebst..." flüstert sie immer wieder. Jetzt bin ich endlich im Stande etwas zu erwidern. Zärtlich dirigiere ich sie zu ihrer Coach, ziehe sie in meine Arme und berichte ihr alles.
" Das heißt, ich werde dich in ein paar Stunden wieder verlieren?"
Ich schüttele den Kopf. " Du wirst mich nie verlieren, Dana. Ich bin immer bei dir."
Die Zeit geht schneller um als erwartet. Die ganze Zeit über küssten wir uns, sprachen über belanglose Sachen. Plötzlich ertönte ein dumpfer Gong. Es war soweit. Zeit zum Abschied nehmen. Schon wieder...
" Ich liebe dich, Dana. Ich werde auf dich warten, bis das Schicksal uns wieder zusammen führt."
Ich weine, wie sie.
" Bye Fox. Ich liebe dich auch." Ein zärtlicher Kuss. " Frohe Weihnachten..."
Langsam öffne ich meine Augen. Ich bin wieder zurück. " Frohe Weihnachten..."
" Fox!" Marion kommt auf mich zu. Zwei goldene Flügel ragen hinter ihrem Rücken hervor.
" Wie...?" bringe ich nur hervor. Sie grinst mich an. " Die waren so beeindruckt, dass ich dir meinen Gang zur Erde geschenkt habe, dass ich meine Flügel bekommen habe. Stark, oder?"
" Ich freue mich für dich." erwidere ich wahrheitsgemäß. " Entschuldige mich..." Ich drehe mich um und gehe wieder zu meiner Kugel. Ich will sehen, wie es Scully geht... ob sie immer noch weint.........
Doch ich sehe nichts.
" Was zum-?" Langsam werde ich wütend. Wieso zeigt mir dieses Ding nicht meine Scully?
" Suchst du jemanden?" Ich fahre herum.
" Scully?" ich starre sie an. Kann es nicht fassen. " Was..wie?"
" Überdosis Schlaftabletten." Erklärt sie mir nüchtern. Langsam muss ich aussehen wie ein Trottel, doch ich kriege meinen Mund einfach nicht mehr zu.
Lächelnd kommt sie auf mich zu und verteilt sanfte Küsschen auf meinem Gesicht.
" Das hättest du nicht tun sollen..." versuche ich ihr, nicht sehr überzeugend, zu erklären.
" Ach, halt die Klappe." Sie zieht mich zu sich hinunter. In einen langen leidenschaftlichen Kuss. Ich bin so glücklich wie noch nie. Und nun weiß ich, dass es stimmt:
An Weihnachten können doch noch Wunder geschehen............
Ende
Hoffe, dass es euch gefallen hat und ich euch ein bisschen in Weihnachtliche Stimmung bringen konnte. Was ich mir zu Weihnachten wünsche? Feedback!!!
Wünsche allen ein Frohes Fest.
HEGDL Steffi