Autor: Pat
Kontakt: XMyselfX@t-online.de
Titel: Lovestory
Teil: (1/1) (jedoch in mehrere Kapitel geteilt)
Spoiler: Staffel 9 (zur Vorsicht mal komplett, auch wenn ich sie selbst noch nicht gesehen habe), Detour,
Rating: PG-13, vielleicht auch einen Anflug von NC-17, kommt noch auf ;)
Kategorie: MSR, Angst, Scully POV,

Short-Cut: Scully und Mulder haben es geschafft und sich ein neues Leben, am anderen Ende der USA aufgebaut. Doch haben sie wirklich alles überwunden, was sie hinter sich gelassen haben? Und ist ihre Liebe stark genug, um alle Hürden zu passieren?

Disclaimer: Da ich nicht denke, dass diese Story jemals in die Hände von Chris Carter, David Duchovny oder Gillian Anderson, noch sonst jemandem, der irgendwelche Rechte von Akte-X besitzt, fallen wird, und wenn sie es täte, wohl keiner ein Wort verstehen würde, muss ich hier wohl auch nicht gestehen, dass Scully, Mulder und der gute Rest nicht meine Erfindung sind, oder?!? *bg*

Widmung: Ich widme diese Story alten, verlorenen und neu gefundenen Freunden. Krümel, die mich wohl nie im Stich lassen wird. Ich weiß, dass Du immer ganz scharf auf neue Fanfics bist, deswegen dachte ich, ich überrasche Dich mit einem kleinen, aber feinen Geschichtchen, dass Dir hoffentlich gefallen wird.
Yasmin, die mich durch ihre ständigen Komplimente aufbaut und mich jeden Tag mit sämtlichen Mails oder Pics beehrt. Freu mich schon, wenn wir uns bald wieder sehen, große Schwester J
Marion, mit der ich gerade an einer sehr interessanten Story arbeite und hoffe, sie bald mal wieder in ICQ zu treffen, um diese Geschichte zu Ende zu bringen und die ich außerdem ganz doll lieb habe und zurzeit echt vermisse L
Tini, die Webmasterin des besten, deutschen Gillian Anderson Fan-Clubs der Welt ;)

Nadine, die ich zwar erst seit kurzem kenne, aber schon unheimlich lieb gewonnen habe.
Alex, mein Sonneschein in dunkler Nacht, mit der es so schön ist, über eine gewisse, Rothaarige zu schwärmen und die ich NIE mehr hergeben werde ;)
… und allen anderen GAGS, X-Philes, Shippern, DAGS/Snogger, und natürlich vor allem denen, die ich hier vergessen habe!

Anmerkung: Natürlich hab ich mal wieder keine Ahnung von gar nichts und ich bitte diejenigen, die Ahnung haben, etwas Rücksicht zu nehmen und alles so zu akzeptieren, wie es meine Fantasie aufgebaut hat ;)

 

 

 

Lovestory

 

1. Kapitel

William

Ich schloss meine Augen erneut, um einen weiteren Versuch zu starten, weiter zu schlafen. Es war 3 Uhr morgens und ich hatte bereits die letzten Wochen keine einzige Nacht durchgeschlafen. Der mangelnde Schlaf ließ mich tagsüber von der einen Sitzgelegenheit zur anderen wandern und hoffen, wenigstens im Laufe des Tages übermannt zu werden und einfach irgendwo einzuschlafen. Doch jede Hoffnung war um sonst, wie ich gelernt hatte.

Auch jetzt öffneten sich meine Augen wieder und ich drehte mich genervt zur Seite. Mein Blick fiel auf die leuchtend roten Zahlen des Radioweckers, der auf dem Nachtkästchen neben meinem Bett stand. Wow, es waren ganze zwei Minuten vergangen, seitdem ich das letzte Mal auf die Uhr gesehen hatte.

Ich schlug leise die Bettdecke zurück und versuchte aufzustehen, ohne ihn zu wecken.
Ein kurzes Zucken durchfuhr mich, als meine Füße den kalten Boden berührten. Automatisch tastete ich nach dem Bettvorleger, der wir meistens, bis kurz vor die Tür verrutscht war.

Meine Hand suchte den Morgenmantel, der irgendwo auf einem Stuhl gegenüber des Bettes liegen musste und kniff ihn, als ich ihn gefunden hatte, unter meinen Arm.

Leise verließ ich das Zimmer und schaffte es, ohne die Tür zum Quietschen zu bringen, hinaus zu schleichen.

Hier war es um einiges heller und es fiel mir leicht, mich Richtung Balkontüre zu bewegen, die etwas offen stand um die Hitze hinauszulassen, die sich tagsüber im Wohnzimmer angesammelt hatte.

Wie oft hatte ich das in letzter Zeit getan? Hatte mich nachts hier raus geschlichen um die vollkommene Ruhe um mich herum zu genießen und um nachzudenken. Ich war mir sicher, ich könnte Tage damit verbringen, mein ganzes Leben Revue passieren zu lassen und noch sicherer war ich mir, dass mir klar werden würde, dass ich einfach zu viele Fehler in den letzten Jahren begangen hatte.

Ich trat näher an das Geländer des Balkons heran und ließ meinen Blick in die Ferne schweifen. Hinauf zu den Sternen, die glücklich vor sich hinstrahlten. Dem Mond entgegen, der in seiner hellsten Pracht auf mich schien und die Kleinstadt unter mir zum Leuchten brachte. Wie unendlich weit das alles war.

Kurz bildete ich mir ein, zu sehen dass sich der Himmel am Ende der Stadt wölbte und mir zeigte, dass die Erde eine Kugel war.

Als mich ein sachter Windstoß traf, trat ich einen Schritt zurück und streifte mir den Morgenmantel über, um ihn schließlich fest um meine Hüften zu ziehen und in ein sofortiges, wohlig warmes Gefühl zu verfallen.

Es war kein übler Gedanke, heute Abend mich gleich hier zu platzieren und die Spiele der Natur zu beobachten. Den Geräuschen des Nachtlebens zu lauschen. Aber ich wollte ihm keine Sorgen bereiten.

Ich konnte hören, wie sich etwas hinter mir bewegte, doch hielt ich meinen Blick gerade aus auf den Mond gerichtet. Es konnte schließlich nur eine Person sein, die das Licht im Wohnzimmer angeschaltet hatte und sich nun zu mir auf den Balkon gesellte.

"Du konntest wieder nicht schlafen?"

Die Luft in meinen Lungen sammelte sich, bis ich sie schließlich ausstieß und mich zu ihm drehte.

"Nein, " es war ein leises Flüstern, "habe ich dich geweckt?"

Er trat etwas näher an mich heran, um in meinen Augen lesen zu können, doch war es zu dunkel, als dass er hätte irgendwas erkennen können.

"Ich habe deine Wärme vermisst."


Dies lies mich kurz gespielt auflachen. Ich liebte es, wenn er so was zu mir sagte und mir war bewusst, dass er das wusste. Seit jener Nacht, in der alles begonnen hatte, sagte er oft solche Dinge zu mir und seine Seele strahlte, wenn ich ihn danach anlächelte.

Es handelte sich nur um einige Augenblicke, in denen ich glücklich zu sein schien, dann kehrte mein sorgenvoller Gesichtsausdruck zurück, der immer zu sehen war, wenn mich etwas traurig stimmte. Meine Gedanken schwirrten um sämtliche Ereignisse zurück. Dinge, die ich in den letzten neun Jahren erlebt hatte, die ich verloren hatte um sie nie wieder zu finden. Nur eine Sache konnte mir nie genommen werden und dass war er.

Dieses mal ging ich ihm einen Schritt entgegen und lehnte mich gegen den Rand des Gitters am Balkon, drehte mich wieder der Stadt zu und ließ meinen Blick zurück in die endlos scheinende Weite des Himmels fallen.

Seine Bewegung hinter mir, nahm ich nur teilweise war und richtig bewusst dass er da war, wurde mir erst, als sich seine Arme von hinten um mich legten und seine Brust sich gegen mich presste. Sofort lies ich mich fallen, gegen ihn, mein Kopf an seine Schulter gelehnt und das Gefühl genießend, wenigstens ihn bei mir zu haben.

"Ich vermisse ihn, " sagte ich schließlich und musste ein Schluchzen unterdrücken. Eigentlich gingen wir diesem Thema bewusst aus dem Weg, aber ich konnte es ihm nicht antun. Er musste einfach wissen, warum ich nicht schlafen konnte, was es mir unmöglich machte, unser neues Leben zu genießen.

Meine Hände verstrickten sich mit den seinen, worauf sich sein Griff um mich verstärkte.

"Ich vermisse ihn auch, " gab er schließlich zurück und atmete schwer. Ja, ich wusste dass ich nicht die einzige war, die unter all dem litt. Aber ich war die jenige, die Zeit mit William verbracht hatte, die eine kurze, aber schöne Zeit mit ihm erleben durfte. Das Heranwachsen eines Kindes zu erleben, war seit je mein Traum gewesen. Ich hatte bereut, so lange auf ein Privatleben verzichtet zu haben. Auf alles, was damit zu tun hat. Früher hätte mich die Erkenntnis treffen müssen, dass ich Mutter sein und eine Familie gründen wollte. Aber wie alles im Leben kam auch diese Einsicht zu spät. Wir hatten alles verloren, alles was jemals wichtig in unser beider Leben erschien.

"Ich… ich weiß, du glaubst nicht daran. Aber warum sollte es kein zweites Mal klappen, wenn wir es doch schon einmal geschafft haben?"

Meine Schultern hoben sich kurz an, nur um gleich darauf wieder schlaff an meinen Seiten zu hängen. Ich zweifelte nicht… nicht mehr. Nicht mehr seit ich all das gesehen hatte, was ich früher einfach nicht sehen wollte.

"Ich hätte ihn einfach nicht weggeben sollen. Ich hätte es nicht tun dürfen, ohne vorher mit dir darüber zu sprechen. Es hätte bestimmt eine andere Lösung gegeben, Mulder."


Er drehte mich in seinen Armen zu sich, küsste mich auf die Stirn und ließ die seine schließlich an der meinen ruhen.

"Du hast das getan, was jede Mutter getan hätte… du wolltest dein Kind schützen und hast somit die einzig wahre Möglichkeit ergriffen, ihm diesen Schutz zu bieten. Er hat es gut, wo er ist."

Ich nickte stumm und versuchte die Tränen zu verdrängen die in meinen Augen anstiegen.

"Du denkst wirklich, dass wir eine zweite Chance haben? Ich meine dass uns all das noch einmal gelingen könnte?"


Mulder nahm mein Gesicht in seine beiden Hände und zwang mich so, ihm in die Augen zu sehen.

"Ich weiß es nicht. Aber wir sollten uns vor dieser Möglichkeit nicht verschließen. Immerhin wissen wir immer noch nicht, wie du damals schwanger geworden bist, entgegen jeder Meinung der Ärzte, die sich alle sicher zu sein schienen, was deine Unfruchtbarkeit betraf."

Ich drehte mich erneut dem Dunkel des Himmels zu, den grellen Sternen und dem runder als sonst scheinenden Vollmond, dessen Strahlen deutlich auf Mulder und mich fielen.

"Trotzdem werde ich ihn nie vergessen."

"Ich denke, das werden wir beide nie und das ist gut so. Wir behalten ihn in unseren Herzen, in unserem Gedächtnis und lieben ihn weiterhin so, wie wir es bisher getan haben."

Mein Kopf sank auf meine Brust, ich schloss meine Augen und überließ mich meinen Gedanken, die wild durch meinen Kopf schossen.

Wir waren hier. Wir waren seit einigen Monaten hier und alles lief perfekt. Es machte den Anschein, als ob unser Plan funktioniert hätte. Als ob wirklich alle Welt dachte, dass wir umgekommen wären und sich die Probleme, die lediglich durch uns entstanden waren, von alleine gelöst hätten. Keiner ahnte auch nur im Entferntesten, dass wir hier lebten. Mulder und ich. Zusammen. Es war schwer gewesen, sämtliche Staaten zu durchreisen, einen Ort zu finden, der so unscheinbar war, dass wir keinesfalls auffallen würden. Ein Ort, in dem wir uns niederlassen konnten, in einem schicken Appartement eines Mehrfamilienhauses, lebend, wie alle anderen um uns herum. Noch schwieriger war es gewesen, Jobs zu finden, die uns über Wasser hielten und einigermaßen in unsere Bereiche fielen.

Eigentlich hatte es Mulder lediglich seinem mehr als erfolgreichen Abschluss zu verdanken, dass er diese Position, die er ausübte, bekommen hatte. Manche würden es als Glück bezeichnen, ich sprach hierbei viel mehr von etwas, dass er seinen eigenen Leistungen zuzuschreiben hat. Ich meine wer hat schon das Glück von heute auf morgen, ohne bisherige Erfahrungen Lektor an einer Hochschule zu werden? Lektor der Psychologie, versteht sich. Es hatte mich stolz gemacht, als er nach Hause kam, mit diesem, mehr als erfreulichen, Angebot.

Nun konnte er Studenten lehren, ein eben so guter Profiler wie er zu werden, auch wenn ich das bis heute für unmöglich halte. Mulder hat eine einmalige Gabe, dass war mir von Anfang an bewusst gewesen. Er verdiente gut. Er verdiente so gut, dass es langte, wenn ich halbtags unterrichtete. Ja, auch ich war zu meinem alten Fach zurückgekehrt und lehrte anderen Menschen die Medizin. Wie gesagt gab ich wenige Vorlesungen, aber wenn, dann waren sie intensiv und sehr lehrreich. Es war ein Punkt an dem ich mich fragte, warum ich damals nicht etwas hatte studieren können, das auch an Grundschulen unterrichtet wird. Es wäre ein Traum gewesen, jeden Tag von zick kleinen Kindern umgeben zu werden, die einen mit Fragen nur so löcherten.

Und inzwischen war ich überzeugt davon, dass wir einen Fehler nach dem anderen begehen könnten, ohne jemals entdeckt zu werden.

"Kommst du wieder mit zurück ins Bett?"

"Ja, sicher, " gab ich gedankenverloren zurück.

Er ließ mich alleine hier draußen zurück. Sofort durchfuhr mich eine heftige Gänsehaut und mein Körper erzitterte. Es wurde langsam kalt. Ich spürte meine Füße kaum noch und folgte Mulder einige Sekunden später zurück ins Wohnzimmer.

Er hatte es sich mit einer flauschigen Decke auf der Couch bequem gemacht, doch sein Blick war keine Sekunde von mir gewichen.

Ich blieb ein paar Zentimeter von ihm entfernt stehen.

"Ich… ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass ich jetzt schlafen kann."

Ein leises Seufzen war zu vernehmen und Mulder öffnete die Decke, um mir zu deuten, ich solle mich zu ihm setzen.

Langsam ließ ich mich auf seinem Schoß nieder, lehnte mich gegen ihn und legte meine rechte Hand auf seiner Brust ab. Seine Arme schlossen sich um mich, hielten mich und wärmten mich.

"Ich werde dir auch ein gute Nacht-Lied singen, ja?"

Ein zweites Mal in dieser Nacht lachte ich sachte gegen ihn, schloss meine Augen und lauschte seiner Stimme. Er sang unser Lied. Ich hatte es unserem Sohn des Öfteren zum Einschlafen vorgesungen und Mulder, als wir damals im Wald festgesessen hatten. Heute bekam ich es ein weiteres Mal zu hören und es zeigte bereits nach kurzer Zeit Wirkung, als ich mich fallen ließ… tief, in die Welt der Träume. Es war Verlass darauf, dass ich schlafen konnte, so lange er mich in seinen Armen hielt und mich wiegte, wie eine Mutter es bei ihrem Baby tat.

 

 

2. Kapitel

Die Liebenden

Meine Hände waren flink, wenn es darum ging, Krawattenknoten zu binden. Ich hatte langsam Übung darin, obwohl ich wusste, dass Mulder das genau so gut alleine hätte tun können, fand ich immer wieder Spaß daran, ihm diese kurze Arbeit abzunehmen.

Schließlich kamen mir auch von ihm kleine Nettigkeiten entgegen. Dinge, wie das Schließen des Reisverschlusses meines Kleides oder das Zuknöpfen meiner Blusen. Einfach Sachen, die Verliebte teilten. Oh, ich weiß nicht, ob wir noch immer in diese Kategorie fielen. Ich dachte eigentlich, dass wir schon um einiges weiter waren. Nun gut, wir führten erst seit kurzem eine ernstzunehmende Beziehung, aber ich denke die neun Jahr davor kann man in gewisser Weise auch dazu zählen und somit sollte ich uns wohl eher als Liebende definieren. Ja, Mulder und ich waren Liebende. Liebende, die es genossen, Liebende zu sein.

Es war ein Traum von einer Beziehung und ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet ich das Glück haben würde, dies mit Mulder zu teilen.

Ich meine anfangs dachte ich, wir würden privat denselben Dingen erliegen, die sich beruflich zwischen uns stellten. Meinungsverschiedenheiten, Streits, dass er etwas tun würde, was mir nicht gefällt… Unerlaubtes. Aber bisher waren keine dieser Sachen aufgetreten. Ganz im Gegenteil. Er war ein liebevoller Partner der mir jeden Wunsch von den Augen ablas und es genoss, mich zu verwöhnen.

"Du hast wieder diesen verträumen Blick."


Ich lächelte ihn an, entließ die Krawatte aus meinen Händen und strich über seine Brust hinunter zu seinem Bauch.

"Ich… dachte an früher."

Meiner Stimme war ein Grinsen unterlegt, das er sogar wahrgenommen hätte, wenn er mich nicht gesehen hätte.

"An Früher? An welches Früher?"

"Nun ja, Mr. Psychologe, sagen Sie’s mir."

Er lockerte seine Krawatte etwas, eine Sache, die mir jedes Mal misslang. Ich erwürgte ihn beinahe immer… aber mein Dad hatte mich gelehrt, lieber alle Dinge zu fest zu binden, als sie zu locker zu nehmen.

"Nun ja, dein Lächeln sagt mir, dass es sich eigentlich nur um etwas Gutes handeln kann. Etwas Gutes verbinde ich mit Tagen, an denen wir Ruhe hatten, an denen wir genießen konnten Partner zu sein, außerdem verbinde ich etwas Gutes automatisch mit mir."


Mein Finger stieß sachte gegen seinen Bauch.

"Nicht so überheblich. Wenn ich lächle, heißt das noch lange nicht, dass ich über dich nachdenke. Vielleicht dachte ich durchaus an viel früher."

"Viel früher?"

Seine Augen hielten die meinen gefangen, sahen starr gerade aus, drangen tief in mich und versuchten mir weitere Tipps zu entziehen.

"Also wenn du an viel früher denkst, dann… hat das mit deinen Eltern zu tun. Deinen Eltern und deinen Geschwistern. Vielleicht denkst du an das Weihnachten, an dem du deine Kette geschenkt bekommen hast. Oder an den Tag, an dem du Bill endlich los hattest."


Er erntete einen weiteren Schlag in seine Bauchgegend von mir und bekam meinen Rücken zu sehen.

"Dein Talent als Profiler scheint doch nicht so überragend zu sein, wie ich bisher immer dachte… wie alle bisher immer dachten. Du enttäuscht mich."

"Eigentlich habe ich auch einige Hinweise mehr, als nur ein dumpfes *ich denke an früher*-Gerede. Ich bin mir, genau genommen, ziemlich sicher, dass du doch über uns nachgedacht hast. Über die Beziehung, die wir früher zueinander hatten."

Okay, er war würdig mich wieder von vorne zu sehen. Jedoch erschrak ich etwas, als ich mich umdrehte und sah, wie dicht er hinter mir gestanden hatte und ich war verwundert darüber, dass ich seinen Atem nicht gehört hatte.

"Du hast gewonnen, " sagte ich leise und warf über seine Schulter hinweg einen Blick in den Spiegel.

Seine rechte Hand legte sich auf meine Wange und zog mich langsam Richtung seiner Lippen.

"Dafür haben wir jetzt keine Zeit, Mulder. Wir müssen los."

"Hat man dafür nicht immer Zeit?" fragte er, ohne mich loszulassen oder sich von mir fort zu bewegen.

Dafür lächelte ich ein weiteres Mal, stützte mich sanft mit meinen Händen auf seiner Brust ab und küsste ihn. Es war wirklich ein Geschenk des Himmels, von Mulder geküsst zu werden. Ja, er war wirklich ein guter Küsser. Er küsste auf eine ganz eigene und besondere Art. Ich meine, ich habe wirklich schon viele Männer geküsst, zumindest genug, um sagen zu können, dass niemand mehr Leidenschaft beim Küssen aufbrachte, als Mulder. Er war nicht stürmisch, eher zurückhaltend und zart. Er mochte es, mich während des Kusses zu erregen, in dem er seine Zunge mit sehr viel Gefühl über die meine streichen ließ, sie schließlich zurückzog und wartete, bis ich seine Zunge aufforderte, das Spiel zu wiederholen, ohne den Kuss je zu beenden. Außerdem setzte er seine Zunge oft ein, ohne seine Lippen zu benutzen und, ich gestehe, auf diese Art habe ich das erste Mal mit ihm geküsst. Er tat das auch nur, wenn wir wirklich alleine waren, ich meine es war nicht sonderlich schön anzusehen, aber dafür brachte es mehr Gefühle in einem auf, als alles andere.

Ich stieß einen undefinierbaren Ton aus, als er sich von mir löste und das Bad verließ.

"Wir haben keine Zeit, Dana, " rief er mir aus dem Wohnzimmer zu und ich ließ mich mürrisch, wie ein kleines Kind, auf den Klodeckel fallen. Wenn er wollte, dass ich mitkam, musste er mich schon hier abholen.

Sein Kopf zeigte sich in dem Spalt der Tür und Mulder sah mich auffordernd an.

"Du weiß, dass ich es hasse, wenn du das tust."


Er wusste es besser als alles andere und tat es doch immer und immer wieder, nur um mich zu necken. Eigentlich, machte es mich nicht wirklich wütend und hassen tat ich es auch nicht. Ich konnte es nur nicht leiden, wenn ich wusste, dass wir in ein paar Minuten irgendwo hin mussten, wo wir keines Falls zu spät kommen durften (warum auch immer) und wir nicht das tun konnten, was sein Kuss eigentlich erforderte.

Mulder trat zurück ins Bad, vor den Spiegel und benutzte das Parfüm, das ich ihm zu unserem sechsmonatigen Jubiläum geschenkt hatte. Ich liebte diesen Duft und hatte ihm dieses Geschenk eigentlich aus gänzlich eigenem Interesse gemacht. Nun ja, es war ja nicht wirklich was Schlechtes, wenn man jemandem etwas schenkte, das man hin und wieder selbst benutze. Um genau zu sein wollte Mulder sogar, dass ich es benutze. Ich hatte ihn einmal gefragt, warum… aber ihm war nicht wirklich was Passendes eingefallen, also hatte er einfach gesagt, dass sich das Parfüm wunderbar mit meinem Duft vermischen würde und ihn das Endergebnis in den Wahnsinn treiben würde. Das war tatsächlich seine Wortwahl gewesen… er machte öfter solche übertriebenen Aussagen, wenn wir dabei waren, neue, sexuelle Praktiken zu studieren. Yeap!


Ich beobachtete, wie er etwas von diesem Parfüm auf seine Finger sprühte, sich zu mir drehte, mir eines seiner nettesten Gesichter schenkte und schließlich die mit Parfümduft eingesprühte Hand auf meinen Hals legte, langsam daran herab fuhr und sie sanft in meinen Ausschnitt gleiten ließ, um etwas davon zwischen meinen Brüsten zu verteilen.


Sein Spiel wurde skeptisch von mir beobachtet, auch wenn ich seine Berührung äußerst genoss.

"Bist Du fertig?"

"Bin ich."

Seine Hand verweilte noch immer dort, wo sie zuletzt gelegen hatte und ich spürte geradezu, wie er mich mit seinem Blick auszog.

"Dazu haben wir aber nun wirklich keine Zeit. Lass uns gehen und später zu den Dingen kommen, die einen perfekten Abschluss für einen Abend sind."

Ich strich über sein glatt rasiertes Gesicht, erhob mich, indem ich mich an seinem Hals festhielt, mich daran hochzog und ihn ein weiteres Mal küsste.

 

 

 

 

 

 

3. Kapitel

Dinge des Lebens

Mulder saß neben mir. Gelangweilt stützte er seinen Kopf in seine rechte Hand und sah Richtung Nirgendwo. Es gab tatsächlich nichts Interessantes zu sehen, in dieser Richtung, egal wie sehr ich mich auch anstrengte, etwas zu finden.

Am Liebsten würde ich ihm einen Vortrag darüber halten, dass er mich überredet hatte, hier her mit ihm zu gehen. Er dachte, wir müssten uns darum kümmern, Leute kennen zu lernen und Freunde zu finden. Ja, es gab hier wirklich Menschen, die nett zu sein schienen, die sich um uns kümmerten und uns mit sämtlichen Dingen bewirteten. Essen und Trinken, bequemen Plätzen nahe dem Lagerfeuer. Rein theoretisch müssten wir uns bestens amüsieren.

Die Praktik sah allerdings ganz anders aus. Ich stocherte höchst interessiert in den Restfrüchten meiner Bowle herum und warf immer wieder einen sehnsüchtigen Blick auf die Tanzfläche. Pärchen tanzten eng umschlungen auf irgendwelche öden Lovesongs, küssten sich, dass man befürchten musste, sie würden sich gegenseitig aufessen, oder sahen sich so tief in die Augen, dass sie beinahe ineinander versanken.

Ein Obststück fand schließlich den Weg in meinen Mund und ich hatte etwas, das mich kurze Zeit ablenkte. Bei Mulder musste ich jedoch befürchten, dass er jede Sekunde vom Stuhl kippen würde, weil er eingeschlafen war.

Also schob ich das Bowleglas beiseite, suchte mit meiner Linken nach seinem Bein und legte meine Hand darauf. Augenblicklich sah er mich an und lächelte mir gespielt entgegen.

"Wirklich toll hier, " seine Stimme klang weniger ironisch als ich erwartet hatte und sein Lächeln wirkte kurzzeitig richtig echt.

Ich brachte meinen Körper näher an den seinen, schmiegte mich an ihn, umfasste schließlich seinen Arm mit meinen beiden und legte meinen Kopf auf seiner Schulter ab. Ein langer Atemzug folgte und Mulder schenkte mir den niedlichsten Blick, den ich jemals in seinem Gesicht entdecken konnte.

Es war so viel Gefühl darin zu erkennen. Liebe, Sorgen, Geborgenheit, Leidenschaft und all das auf einem Haufen. Es baute mich etwas auf, ließ mich ihn anlächeln und ihn auf die Wange küssen.

"Vielleicht sollten wir uns aktiv beschäftigen."

Mein Vorschlag klang sexistisch und ich konnte Mulder ansehen, dass er das Gleiche dachte.

"Wolltest du damit nicht warten, bis wir wieder zu Hause sind?"


Ich vergrub meinen Kopf automatisch in seiner Halsbeuge, um ihm das Rot, dass mein Gesicht annahm, vorzuenthalten.

"Ich dachte dabei eher an etwas anderes," sagte ich gegen seine Schulter, "wie tanzen, uns unter die Leute zu mischen, den Garten ansehen, Dinge entdecken, die wir von hier aus bisher noch nicht gesehen habe," mein Kopf hob sich an und ich sah ihm in die Augen, "solche Dinge, Mulder."

"Oh, " es klang enttäuscht. Aber da seine Augen weiterhin diese Glückseligkeit ausstrahlten, stand ich von der Gartenbank auf und bat ihn, es mir gleich zu tun.

Er zog mich von hinten gegen sich selbst, legte beide Hände auf meinen Bauch und schob mich langsam am Lagerfeuer vorbei, bis hin an den Rand der Tanzfläche.

Darauf tanzten die Pärchen noch immer in der gleichen Art wie ich es vorher beobachtet hatte. Langsam, eng aneinander geschmiegt, erregend.

Solche Abende liefen immer auf dasselbe hinaus. So lange man sich auf der Party wusste, riss man sich zusammen, versuchte den Drang, Sex zu haben, von sich zu schieben… tat jedoch alles, um die Erregung zu steigern. Es war lächerlich und vermutlich war der Alkohol der einzige Grund dafür. Ich war mir sicher, würden Mulder und ich hier alles auf den Kopf stellen, aus reiner Neugierde versteht sich, würden wir wohl über mehrere, ineinander verstrickte Personen stolpern, die sich durch uns ihre Laune nicht verderben ließen.

In diesem Bezug war ich stolz auf Mulder und mich. Wir hatten es bisher zumindest immer bis in unser Auto geschafft und dass auch nur ein einziges Mal. Es… war einfach zu unbequem und ich musste mich tagelang mit einer Prellung an der Hüfte herumschlagen, da ich dummerweise zwischen die Sitze gerutscht, und mich bei jeder Bewegung an der Schaltung oder der Handbremse angeschlagen hatte. Einmal und nie wieder. Vielleicht waren unsere Gedanken damals vom Alkohol zu benebelt, um einfach auf die Rückbank zu steigen und dort fort zu fahren.

Mulders Griff verstärkte sich um mich herum und er begann, sich langsam im Rhythmus der Musik hin und her zu bewegen. Mein Kopf fiel gegen seine Schulter, ich schloss meine Augen und gab mich ganz seinen Bewegungen hin. Einen Moment lang vergaß ich alles um uns herum. Die Musik verklang in meinen Ohren, die Gespräche verhallten und es gab nur noch Mulder und mich, wie wir sachte schaukelten. Ein Gefühl, als würde man abheben und fliegen.

"Wollt Ihr dazu nicht auf die Tanzfläche gehen?"


Die Stimme drang von hinten an uns heran und wir drehten uns gleichzeitig in ihre Richtung. Ein Lächeln verzog mein Gesicht, als ich Ally glücklich strahlend, mit einem Cowboyhut auf dem Kopf erblickte, die mit ihren beiden Händen wild in der Luft fuchtelte, um uns den Weg zu weisen.

"Nein. Nein. Wir halten uns immer nur am Rand auf, das ist… ein persönlicheres Gefühl, als in das Blickfeld der Zuschauer zu fallen, die von den Bänken aus zu sehen und sich ihre Gedanken dazu machen."


Ich zwinkerte ihr zu. Nun ja, warum sollten andere Menschen nicht dieselben Gedanken hegen, wie ich es tat? Ich wollte nicht als sexgeile Tänzerin angesehen werden, die das nur tat, um sich und ihren Partner über Wasser zu halten, bis man übereinander herfallen konnte.

"Rick und ich denken da ähnlich. Tanzen ist nur dann gestattet, wenn man sich ungestört fühlt oder auf einer besonderen Veranstaltung ist, die tagsüber stattfindet. Abends kann tanzen tödlich sein."

Wir brachen alle drei in Gelächter aus, das erst verstummte, als eine uns bekannte Stimme durch die Lautsprecher hallte. Ally lief sofort rot an und trat hinter Mulder und mich, um sich zu verstecken. Sie überreagierte vielleicht etwas. Ich meine würde Mulder auf der Bühne stehen, sich das Mikro schnappen und um die Aufmerksamkeit der Gäste bitten, wäre ich wirklich gespannt, was er zu sagen hätte.

Ally jedoch brachten keine zehn Pferde hinter uns hervor. Sie blickte lediglich scheu über die Schulter von Mulder und bekam abwechselnd von uns, dann von ihrem Freund auf der Bühne, einen Blick geschenkt.

"Ally? Kommst du bitte hier hoch zu mir?"

Man konnte Rick seine Nervosität regelrecht anhören. Seine Stimme zitterte und seine rechte Hand ebenso, die er nach vorn gestreckt hatte, um Ally zu empfangen.

Diese löste sich langsam aus ihrer Erstarrung, in die sie gefallen war, als sie ihren Namen hörte, lächelte schließlich sogar und trat Schritt für Schritt auf die Bühne zu. Man konnte für kurze Zeit meinen, sie würde sich in Zeitlupe bewegen, da es eine Ewigkeit erschien, bis sie letztendlich nach Ricks Hand griff und sich von ihm auf die Bühne ziehen ließ.

"Es tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken."


Die Gäste, deren Aufmerksamkeit nun vollkommen auf das Paar auf der Bühne gerichtet war, lachten laut auf.

"Ich… ich dachte nur, dass heute eine passende Möglichkeit dafür wäre, dir dass zu sagen, was ich dir schon lange hätte sagen sollen. Ich denke du weißt, dass ich dich liebe. Dass ich dich wirklich liebe und versucht habe, dir all den Schmerz zu nehmen, den dir dein Ex-Mann angetan hat, " Rick holte tief Luft und lächelte Ally an, "und obwohl du soviel Negatives in deinem Leben erlebt hast, bist du der liebenswürdigste Mensch auf Erden. Du kümmerst dich nicht nur rührevoll um mich, sondern auch um meine beiden Kinder und unsere gemeinsame Tochter. Du bringst so viel Liebe auf, um allen um dich herum etwas davon abzugeben und dafür liebe ich dich."

Rick blickte hinunter in das Getümmel, das erwartungsvoll auf die Bühne sah und gespannt war, was als nächstes passieren würde. Auch Mulder und ich traten etwas näher an die Bühne heran, um die beste Sicht zu genießen und warteten.

Rick griff in seine Tasche, suchte zittrig nach etwas und holte es schließlich hervor. Dann sank er langsam auf seine Knie, Tränen spiegelten sich in seinen Augen genau so wie Angst und Aufregung. Seine Hand griff nach der Rechten von Ally und hielt sie fest.

"Ich weiß, dass deine erste Erfahrung nicht gerade dafür spricht, einen zweiten Versuch zu wagen. Ein zweites Mal den Bund der Ehe einzugehen, aber die letzten sieben Jahre, die ich gemeinsam mit dir erleben durfte, bringen den Mut in mir auf, dir diese Frage zu stellen und ich werde jede Antwort akzeptieren. Du bist die einzige, mit der ich mir vorstellen kann, den Rest meines Lebens zu verbringen. Meine Kinder lieben dich und haben dich als Mutter akzeptiert. Wir sind eine kleine Familie und ich möchte, dass das für immer so bleibt, " ein kurzes Räuspern war zu hören, "deswegen frage ich dich jetzt und hier vor all unsere Freunden: willst du mich heiraten?"

Rick hielt einen kleinen, silbrig glänzenden Ring in die Höhe und sah Ally fragend an.

Es war kaum zu glauben, wie schnell absolute Ruhe eingekehrt war. Kein Hüsteln, kein nervöses Getratsche in den hinteren Reihen, einfach nur Stille.

Allys Hand zuckte vor ihren Mund und sie holte tief Luft, vor lauter Überraschung. Ich konnte mir gut vorstellen, dass sie nicht einmal die leiseste Ahnung von alle dem gehabt hatte. Sie warf den Hut von ihrem Kopf, der schließlich an einem Strick um ihren Hals baumelte, und schließlich nickte sie, kaum sehbar. Ich konnte erkennen, dass Tränen der Freude sich auf ihren Wangen den Weg Richtung Boden bahnten, und ihre Hand die von Rick fand.

Ein erneutes Nicken.

"Ja,… ja."


Rick erhob sich schließlich und streifte Ally mit immer noch zitternden Fingern den Ring über. Es war ein herrliches Bild. Mein Leben lang wollte ich dabei sein. Wollte erleben, wie jemand einen anderen darum bat, den Rest des Lebens mit ihm, oder ihr, verbringen zu dürfen. Mein Herz machte einen Freudensprung und voller Emotionen zog ich Mulder, der sich etwas von mir gelöst hatte, wieder an mich, nahm seine Hände ganz fest in die meinen und hoffte, dass er derjenige sein würde, mit dem ich glücklich sein würde. Glücklich bis ans Ende unserer Tage.

Ally war Rick inzwischen um den Hals gefallen. Die beiden küssten sich, tauschten ein paar Worte aus, küssten sich wieder um anschließend erneut in ein kurzes Gespräch zu tauchen.

Jetzt stand die Party in einem komplett neuen Licht da. Die Musik wurde wieder, leiser als zuvor, aufgedreht und Songs aus den 80ern begannen aus den Boxen zu dröhnen. Die Menschen begannen aufgeregt über das eben geschehene Erlebnis zu reden und manche fanden zurück zu ihrem Tanz.

"Wollten wir nicht die Umgebung erkunden?"

Mulders Stimme riss mich abrupt aus meinen Gedanken.

"Ja, du hast recht."

Ein Nicken unterstrich meine Antwort. Mulder nahm meine Hand und langsam entfernten wir uns von alle dem. Von Ally und Rick, die noch immer, sich umarmend, auf der Bühne standen und ihr Glück feierten. Von den Tanzenden, die wieder in ihr Spiel vertieft waren, sich zu küssen, zu streicheln… sich überall zu berühren, wo es sittlich war. Vom Lagerfeuer, dass in seinen schönsten Farben vor sich hinknisterte und in das hin und wieder neue, große Holzstücke geworfen wurden. Von den Leuten, die sich bereits wieder mit Essen und Trinken versorgt hatten und nun nicht mehr auf den heutigen Abend, sondern auf die baldige Hochzeit von Ally und Rick anstießen. All das blieb hinter uns.

"Sieh an, es gibt hier tatsächlich etwas, wo man sich ungestört zurückziehen kann."

Hier hinter dem Haus war es dunkel. Lediglich der fahle Schein des Mondes brachte ein klein wenig Licht zwischen den Bäumen hindurch. Das Licht der Laternen wurde von dem dichten Gebüsch abgeschirmt, von dem wir nun umgeben waren.

"Ja, aber das war eigentlich nicht unser Plan."

Ich wusste nicht, warum ich flüsterte und Mulder war wohl genau so überrascht davon.

Es war wirklich schön hier hinten. Nur leise war das Dröhnen der Musik zu hören, dass von dem Zirpen der Grillen und dem Gesang eines Nachtvogels übertönt wurde. Ein sachter Wind blies durch das Gras und die Äste der Bäume, und der wundervolle Ausblick auf den wolkenlosen Himmel war uneingeschränkt.

Wir fanden eine alte, rostige Hollywoodschaukel, die unter unserem Gewicht laut knarrte. Ich hoffte, sie würde uns aushalten.

"Du hast die letzten Wochen durchgeschlafen."

Mulders Stimme war eintönig und ruhig, beinahe etwas erotisch. Ich lachte leise.

"Ja."

Er schob mich soweit zur Seite, bis ich am Rande der Hollywoodschaukel ankam. Neugierig wartete ich, was er vorhatte und war etwas überrascht, als er sich hinlegte und seinen Kopf in meinem Schoß platzierte.

"Ich denke dass liegt daran, dass ich dir jeden Abend ein Schlaflied singe."

"Da bin ich mir sicher."

Seine linke Hand fuhr zu meinem Rücken und verweilte dort. Die Wärme, die von ihm ausging, ließ mich frösteln. Alles um mich herum war kalt. Der Wind sorgte dafür, dass sich die Haare an meinen Armen aufstellten und sich Gänsehaut bildete.

"Dir ist kalt?"


Seine rechte Hand fuhr während dieser Frage mein Bein entlang, bis sein Handgelenk es ihm unmöglich machte noch weiter nach oben zu fahren. Also stoppte er, zog einige Kreise und seine Hand glitt zurück nach unten.

"Ja, etwas. Das Lagerfeuer war einfach zu warm."


Er lachte leise. Sein Blick ruhte auf meinem Gesicht und wartete, erwidert zu werden. Ich kam diesem stillen Wunsch nach.

"Ich… ich kenne da eine Methode die uns beiden warm werden lässt."

Mulder griff nach meiner linken Hand, verteilte Küsse darauf und rieb sachte meinen Arm, um mich zu wärmen.

"Wilder, hemmungsloser Sex, bis wir vollkommen verschwitzt und ausgepowert aufeinander liegen bleiben?"

Er schüttelte seinen Kopf.

"Glaubst du, die haben hier irgendwo Schlafsäcke?"

 

 

 

4. Kapitel

Allein

Es war ein einsamer Abend, den ich gemütlich, zusammen gekuschelt auf der Couch vor dem Fernseher verbrachte. Der Film der lief interessierte mich nicht sonderlich. Genau genommen wusste ich weder seine Handlung, noch seinen Titel.

Mulder hatte nachmittags angerufen und mir Bescheid gegeben, dass er Klausuren korrigieren musste und somit erst spät abends zu Hause sein würde. Ich hasste es, alleine zu sein. Es waren die Momente in denen ich nachdachte, über William und wieder und wieder meine getroffene Entscheidung bereute. Es machte mich, verdammt noch mal, depressiv und ich vermutete bereits jetzt, dass es wohl wieder eine schwere Nacht werden würde.

Es war nicht so, dass ich dafür Mulder die Schuld gab. Schließlich war ich eine erwachsene Frau und ich denke, dass er nicht einmal wusste, dass es noch immer so sehr an mir zerrte. Er war berufstätig, Gott sei Dank nicht ganz so besessen wie früher, aber er musste mich nun mal hin und wieder alleine zu Hause lassen.

Tagsüber fand ich genug Beschäftigungen, die mich abhielten, nach zu denken. Ich kochte, ging einkaufen, backte einen Kuchen oder räumte die Wohnung auf. War es hingegen abends, wenn die Dämmerung einbrach und ich nichts tun konnte, als zu lesen oder Fern zu sehen, tauchte ich in meine Traumwelt ein. In eine Traumwelt, die mein reinster Albtraum war. Oft saß ich hier, ließ meinen Gefühlen freien Lauf, begann zu weinen und zweifelte jede einzelne meiner bisher gefallenen Entscheidungen an. Ich hatte das Gefühl alles, was ich anlangte, zu verderben und mich somit selbst in ein Unglück zu stürzen.

Auch jetzt sah ich ins Leere, starrte einfach vor mich hin und bemerkte das kühle Nass, dass über meine Wange lief und anschließend auf dem Boden landete.

Mein Kopf hing in der Luft, über den Rand der Couch hinweg, meine Hände krallten sich an der Decke fest, die ich um mich gewickelte hatte und mein Hals war verschleimt.

Mir war kalt, trotz der ansteigenden Hitze um mich herum und geistesabwesend griff ich nach meiner Tasse Tee, erhob mich ein Stück, schlürfte langsam die heiße Brühe und legte mich zurück in die erstarrte Position. Ich hoffte Mulder würde bald kommen und mich hier herausholen. Heraus aus den Depressionen, um mich ruckartig aus meinen Gedanken zu reisen, in den Arm zu nehmen und zu trösten.

***

Ich zuckte zusammen als mich etwas berührte und schlug sofort meine Augen auf. Mulder kniete neben mir. Er sah besorgt aus und streichelte meine Wange.

Ich wusste nicht, wie lange ich so dagelegen hatte. Der Fernseher lief noch immer, bis Mulder in einer schnellen Bewegung nach der Fernbedienung griff und ihn abstellte.

"Was ist passiert?"

Sein Daumen strich eine Träne weg.

Anstatt ihm zu antworten, zog ich mich an ihn heran und umarmte ihn fest. Meine Augen schlossen sich und ich ließ mich fallen. Ich wusste, dass er mich auffangen würde und es mir bis morgen wieder bestens gehen würde. Er war der einzige, der mich aus diesem Tief wieder herausholen konnte und es gab nichts, dass ich ihm entgegenbringen konnte, außer ihn zu lieben. Ich liebte ihn. Ich liebte jede noch so kleine Geste, seine Bewegungen, seine Stimme, seinen Körper, seinen Charakter, einfach all seine Stärken und Schwächen und ich würde ihn nie wieder gehen lassen.

"Es ist okay, " flüsterte er leise gegen mein Ohr, als ich laut schluchzte und ihn noch enger an mich zog. Es war dieses Gefühl von Geborgenheit, das er mir gab. Es bekämpfte meine Depressionen und sofort fühlte ich mich um einiges besser. Er küsste meine Wange und sah mich schließlich an, als ich meinen Griff um ihn herum gelockert hatte.

"Es tut mir leid."

Nein. Nein. Nein. Es war nicht seine Schuld und ich wollte nicht, dass er so dachte. Ich alleine hatte es getan, ohne sein Wissen. Warum entschuldigte er sich? Verdammt, warum tat er dass?

"Warum entschuldigst du dich?"


Meine Stimme, die ich als verloren glaubte, war zurückgekehrt.

"Dass… sage ich dir ein anderes Mal, ja? Nicht heute. Du solltest jetzt erst einmal schlafen."


Sein Finger zeichnete meine Lippen nach, anschließend die Konturen meines Gesichts und landete in meinen Haaren, über die er sanft streichelte.

Danach zog er sich auf die Couch, legte sich hinter mich und hüllte mich in sich ein.

Wenn mir seine Umarmung vorher eine solche Geborgenheit geschenkt hatte, musste ich jetzt im Himmel sein. Es war, als würden alle Sorgen von mir genommen werden. Alle Vorwürfe die ich mir den Abend über gemacht hatte, verschwanden und meine Liebe wuchs erneut um Weiten.

Sein Atem war flach. Ich spürte jede Bewegung seines Brustkorbes an meinem Rücken, spürte den sachten Wind, den er verursachte, wenn er ausatmete. Seine Hand fuhr über meine Hüfte, meinen Bauch auf die andere Seite und er rückte so nah zu mir, dass ich befürchten musste, eins mit ihm zu werden. Seine andere Hand hob kurz die Decke an, damit er darunter konnte und deckte dann uns beide zu.

Seine Stirn berührte meinen Hinterkopf und seine Lippen für einen kurzen Augenblick meinen Hals, um leichte Küsse darauf zu verteilen.

Ein weiteres Mal lag ich in seinen Armen und lauschte seinem langsamer werdenden Atem, bis ich eingeschlafen war.

 

 

5. Kapitel

Trautes Heim

"Ich möchte die Romantik nicht kaputt machen, " sagte er, während er sich seinen Weg von meinem Bauch aus aufwärts küsste.

"Du kannst nicht einfach sagen, dass du eine Überraschung für mich hast und dann nicht damit herausrücken."

Seine Zunge berührte kurz meine Halsbeuge und schließlich war sein Gesicht über dem meinen und er lächelte.

"Ich dachte bisher immer, du seiest dieser romantische Typ. Du weißt schon, eine von jenen, die es liebt, nach dem Sex zu kuscheln. Aber jetzt bekomme ich einen ganz anderen Eindruck von dir."


Er strich mir zärtlich eine Strähne aus der Stirn und küsste diese anschließend.

"Ich gehöre auch zu diesen romantischen Typen, aber nicht, wenn auf mich eine Überraschung wartet. Mulder, ich liebe Überraschungen."

Meine Hand bahnte sich ihren Weg seine Wirbelsäule entlang. Ich hatte festgestellt, dass er dort extrem empfindlich ist. Es war die perfekte Art, etwas aus ihm heraus zu quälen, das er mir nicht sagen wollte. Also wiederholte ich dieses Spiel. Langsam in Richtung seines Kopfes, um kurz seine Haare zu verwuscheln, danach zurück zu seinem Hintern, den langen, durchgehenden Knochen immer unter meinen Fingern spürend.

"Ich denke nicht, dass das klappen wird."

Er war außer Atem und ich konnte mir sicher sein, dass ich ihn bald soweit haben würde. Ja, noch ein paar Mal und schon stand er ganz unter meinem Bann und würde mir einfach jeden Wunsch erfüllen und im Moment wollte ich einfach nur diese Überraschung wissen.

Die erste Wirkung zeigte sich, als er mich küsste. Nicht so, wie er es normal tat, nachdem wir miteinander geschlafen hatten… viel mehr auf die Art, wie wir uns küssten, bevor wir Sex hatten. Er berührte sachte mit seiner Zunge meine Lippen, versiegelte diese Berührung mit einem Kuss und vertiefte diesen, indem er zärtlich meinen Mund öffnete und meine Zunge aufforderte, sich seinem Spiel anzupassen.

Nun gut, einen Moment des Glücks konnte ich ihm schenken.

"Die Überraschung, Mulder, " sagte ich leise, als wir unseren Kuss beendet hatten.

Er schüttelte seinen Kopf, drehte sich von mir weg und blieb auf seiner Seite des Bettes auf dem Rücken liegen.

Ein kurzer, enttäuschter Laut kam von mir als Protest, dass er seinen Körper von dem meinen genommen hatte, doch dass schien ihn nicht zu interessieren.

"Komm schon, " meine Hand fand seine Brust, vollzog kleine Kreise darauf und fuhr schließlich in sein Gesicht, um es zu mir zu wenden, "wir haben zwei Uhr mittags. Ich denke wir haben unseren Körpern heute genug Anstrengung abverlangt und können uns jetzt anderen Dingen widmen."

"Anderen Dingen?"

Ich nickte.

"Ja, anderen Dingen. Wie, zum Beispiel, einer gewissen Überraschung… du weißt schon."

"Eigentlich gefällt es mir hier ganz gut. Ich meine was wünscht man sich Samstagmittag mehr, als mit einer wunderschönen Frau im Bett zu liegen und nicht anderes zu tun, als zu verwöhnen oder verwöhnt zu werden? Ich rede einfach zu viel beim Sex und verderbe mir dabei immer selbst alles. Jetzt denkst du an nichts anderes mehr, als an diese Überraschung."

Mein Kopf fand zurück in mein eigenes Kissen. Eigentlich konnte ich ja auch warten. Wenn er selbst nicht so besessen davon war, mir diese Überraschung zu zeigen, konnte es nichts wirklich Großartiges sein. Andererseits war ich einfach zu neugierig, um mich von ihm hinhalten zu lassen.

Ich startete einen Versuch, mich selbst aus dem Bett zu kriegen, aber irgendwie war ich zu schlaff um jetzt aufzustehen. Also entspannte ich all meine Muskeln und versuchte den Moment zu verdrängen, an dem Mulder diese Überraschung ausgeplappert hatte. Er hatte wirklich recht damit, dass er während dem Sex zu viel redete. Anfangs war das überhaupt nicht der Fall gewesen, inzwischen jedoch stöhnte er mir sämtliche Dinge entgegen. Entweder waren es Komplimente, kleine Geheimnisse, Nettigkeiten oder er sagte mir, welche Dinge ihn besonders ‚heiß’ machten.

"Ich habe Angst davor, dass sie dir nicht gefällt."

Mulders Stimme ließ mich zusammen zucken, da ich total in meinen Gedanken versunken war.

"Was?"

Ich drehte mich zu ihm, stützte meinen Kopf auf meine linke Hand und sah ihn erwartungsvoll an.

"Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sie dir gefallen wird."

"Du meinst die Überraschung?"


Er nickte mir zu, starrte unentwegt an die Decke und hatte seine Hände über seinem Bauch zusammen gefaltet.

"Ja. Anfangs hielt ich es für eine gute Idee, aber zwischenzeitlich… ich meine ich weiß, dass du es nicht tolerierst, wenn ich Dinge über deinen Kopf hinweg entscheide."

Langsam befürchtete ich das Schlimmste. Um was für eine Überraschung konnte es sich handeln, wenn er deswegen eine Entscheidung treffen musste, die ich eventuell nicht tolerieren konnte?

"Mulder, ich denke du weißt, dass ich jede deiner Entscheidungen akzeptiere und wenn diese Überraschung mit unser beider Leben zusammen hängt, vertraue ich dir voll und ganz. Ich weiß, dass du nur das Beste für mich… für uns beide willst und egal was du getan hast, es ist okay."

"Weißt du eigentlich, dass ich dich liebe?"

Ich versuchte meine Stimme so gleichgültig wie möglich klingen zu lassen.

"Nein."

Plötzlich richtete sich sein Blick auf mich, sein Gesicht war von einem herrlichen Strahlen erfüllt und mit einem Ruck lag er auf mir, hielt meine beiden Arme über meinem Kopf fest und lächelte.

"Ich wollte dich schon immer einmal wehrlos unter mir liegen haben."

"Tust du dass nicht immer?"

Ein weiteres Mal an diesem Tag bekam Mulder diesen seltsamen Ausdruck in seinen Augen. Ich konnte ihn nicht richtig deuten… er drückte so viel auf einmal aus, dass ich davon Gänsehaut bekam und ich mich noch mehr in ihn verliebte. Und genau an diesem Punkt fragte ich mich jedes Mal, für was wir eigentlich sieben Jahre gebraucht hatten.

Hätten wir den Schritt, miteinander zu schlafen, ein paar Jahre vorher getan, wäre alles anders. Wir würden eventuell gemeinsam, mit unseren Kindern in einem schönen Landhaus irgendwo bei Washington leben und von allen anderen beneidet werden.

***