Autoren: spookydogstar und Blue

Kontakt: spookydogstar@gmx.de

Rommie1982@aol.com

Beta: Sarah

Spoiler: Ein unbedeutender Niemand, Der große Mutato

Rating: R-16

Kategorie: MSR

Disclaimer: Die Charaktere von Mulder und Scully gehören leider nicht uns, sondern Chris Carter, 20th Century Fox und 1013 Productions. Wir haben sie uns nur ausgeliehen.

Short-Cut: Wozu ein Klassentreffen doch gut sein kann.J J J

Feedback: Los her damit. Unsere Online-Briefkästen verhungern sonst noch. *gg*

 

 

Ein Klassentreffen mit Folgen

 

Montag, 16.04.

FBI Hauptquartier; am Morgen

 

Scully war schon seit gut einer Stunde im Büro und von Mulder war immer noch nichts in Sicht. Das war eigentlich sonst nicht seine Art. Selbst wenn er einmal zu spät kommen sollte, die Betonung liegt auf sollte, würde er Scully auf jeden Fall anrufen. Da die Zeit immer mehr verging und von Mulder immer noch nichts zu sehen war, machte Scully sich langsam Sorgen. Gerade als sie sich auf den Weg zu Skinner machen wollte sprang die Tür mit einem kräftigen Stoß auf und Mulder stand im Türrahmen. "Mulder, wo hast du denn so lange gesteckt?" "Tut mir Leid Scully. Ich wollte dich eigentlich anrufen und dir sagen, dass ich heute später komme, aber der Akku vom Handy war leer." "Schon gut, aber wo warst du denn nun?"

"Ein alter Schulfreund hat mich heute Morgen angerufen und mich zu unserem Klassentreffen eingeladen." "Und was hat dabei so lange gedauert?" "Ich habe versucht abzulehnen, aber er hat mich nicht gelassen und nebenbei hat er mich noch über mein Leben ausgefragt. Eigentlich ist er auch kein Freund, er hat die Highschool Zeit damit verbracht, mir jedes Mädchen auszuspannen, dass mich mochte. Jetzt wollte er wissen, ob ich in Begleitung komme. Wahrscheinlich wollte er wieder jedem zeigen, was ich doch für ein Loser bin." "Mulder! Das reicht! Du bist kein Loser, sondern ein verdammt guter FBI Agent. Seit wann interessiert es dich, was andere denken?" "Ich weiß auch nicht, Scully! Alle anderen sind erfolgreich und haben jemanden der sie liebt, eine Familie... Ich will einfach nicht alleine dort hingehen!" "Wann ist denn das Treffen?" "Nächstes Wochenende, warum?" "Ich werde dich begleiten! Und dein Freund wird mich dir ganz gewiss nicht ausspannen." Mulder dachte kurz über ihre Äußerung nach. Was sollte das heißen? Er würde es sicher bald herausfinden. "Wirklich? Danke! Das bedeutet mir sehr viel, ich werde mich auch benehmen!" Mulder lächelte Scully glücklich an und bekam ein genauso schönes Lächeln von ihr zurück. In Gedanken fragte sie sich, warum sie das getan hatte. Warum wollte sie unbedingt für Mulders Freundin gehalten werden? Sie versuchte sich einzureden, dass sie ihm nur einen Gefallen tun wollte. Er sollte sich endlich auch einmal wohl fühlen.

 

Sonnabend, 21.04.

Marthas Vinyard; Abends

Das Klassentreffen fand in einem Hotel außerhalb der Stadt statt. Scully trug ein langes schwarzes Kleid mit Spaghetti-Trägern, das sich eng an sie schmiegte. Sie war extra noch einkaufen gegangen, schließlich wollte sie gut aussehen und das hatte sie auf alle Fälle geschafft. Denn als Mulder sie abholte, starrte er sie einige Sekunden lang an, ehe er sich von ihrem Anblick, den er für nichts auf der Welt eingetauscht hätte, erholte. Er selbst hatte sich für eine schwarze Hose mit passendem Oberteil und, wie sollte es auch anders sein, seine Lederjacke entschieden.

Auf dem Weg hinein in den Festsaal schwiegen beide. Sie waren in Gedanken versunken und versuchten, sich über die Gefühle klar zu werden, die sie auf einmal verspürten. Als sie das Foyer betraten, wurden sie von zwei Frauen in mittleren Jahren begrüßt, die an einem Tisch saßen. "Fox! Wie schön das du gekommen bist!" rief eine von beiden, als sie Mulder erkannte. "Hi, Debbie! Du hast dich kaum verändert!" stellte er fest. Debbie lächelte ihn an und blickte dann fragend zu Scully. Mulder wusste nicht so recht, wie er sie vorstellen sollte, als seine Freundin, Partnerin? Doch bevor er auch nur irgendetwas sagen konnte streckte sie bereits die Hand aus und meinte nur: "Hi, ich bin Dana! Freut mich, Sie kennen zu lernen." Da in diesem Moment noch andere Gäste eintrafen wurden die beiden in den Saal hineingedrängt. Mulder beugte sich zu Scully hinunter und flüsterte ihr ins Ohr: "Danke, das du ihr nicht gesagt hast, dass ich dein Partner bin. Debbie ist schon immer eine Tratschtante gewesen, eigentlich konnte sie mich nie leiden. Sie war mehr damit beschäftigt, Gerüchte über mich in Umlauf zu bringen."

"Mulder, nichts zu danken. Mein Name ist nun mal Dana. Heute Abend bin ich nicht deine Partnerin, sondern einfach nur deine Begleitung!" Was auch immer das für die beiden bedeuten mochte.

Ohne ein weiteres Wort gingen die beiden zu einem Tisch, der ganz in der Nähe stand und setzten sich. Kurze Zeit später spürte Mulder auf einmal eine Hand auf seiner Schulter. Er drehte sich um und sah einen alten Kumpel von damals. "Das ist ja vielleicht eine Überraschung." sprudelte es aus John Martin heraus, als er in Mulders erstauntes Gesicht schaute. "Dich hätte ich hier in tausend Jahren nicht erwartet. Und wie ich sehe, bist du auch nicht alleine gekommen." stellte John fest, während ihm ein kurzes Lächeln über die Lippen huschte, als er Scully anschaute. "Willst du mir denn nicht mal deine hübsche Begleitung vorstellen?" fragte er, als er sich wieder zu Mulder umdrehte.

Leicht stotternd und etwas zögerlich schaffte Mulder es dann doch noch ein paar Worte aus seinem Hals heraus zu quälen. "Dana, darf ich dir John Martin vorstellen. Der wohl verrückteste Mensch, der frei rumlaufen darf." Sie erhob sich ein Stück von ihrem Stuhl und gab John die Hand: "Freut mich, Ihre Bekanntschaft zu machen." Anschließend warf sie Mulder einen flüchtigen Blick zu und meinte trocken mit einem Lächeln auf den Lippen: "Ich dachte eigentlich, dass ich den verrücktesten Menschen schon kenne!"

"Wenn Ihr beiden nichts dagegen habt, würde ich mich gerne zu Euch setzen." "Warum sollten wir denn etwas dagegen haben." erwiderte Scully. "Sie dürfen übrigens nicht alle Geschichten glauben, die Fox Ihnen über mich erzählt hat. Das heißt, wenn er überhaupt was über mich erzählt hat." sagte John, während er sich auf einen der freien Stühle setzte. "Bisher noch nicht, aber für ein paar kleine Geschichten aus alten Highschool Tagen bin ich immer zu haben" erwiderte Scully während sie mit einem Grinsen, welches sie sich in diesen Moment nicht verkneifen konnte, zu Mulder schaute.

"Ich glaube nicht, dass du das hören willst." versuchte Mulder die Unterhaltung in eine andere Richtung zu lenken. "Wieso denn nicht? Gibt es etwa so schlimme Geschichten über dich und die Highschool? Wenn es dich beruhigt, dann erzähl ich später auch ein paar kleine Geschichten aus meiner Schulzeit. Und ich kann dir schon jetzt versprechen, dass du dich bei manchen Storys nicht mehr halten kannst vor Lachen."

Alleine der Gedanke daran, was Scully in ihrer Schulzeit angestellt haben könnte brachte ihn zum Schmunzeln. Solch eine Chance würde er wahrscheinlich nie wieder bekommen. Sie wussten zwar viel von einander, aber dies bezog sich bisher immer auf Angelegenheiten, die mit ihrer Arbeit zu tun hatten. Sobald es nämlich persönlicher wurde, versuchte immer einer von ihnen, das Thema zu wechseln, nur um nicht allzu viel von seinem Innersten preiszugeben. In solchen Situationen wünschte er sich manchmal, dass er über seinen eigenen Schatten springen könnte, um ihr von seinem Kummer und Schmerz, den er des öfteren empfand, zu erzählen. Doch so sehr er es manchmal auch versuchte, im entscheidenden Augenblick verlor er immer wieder den Mut, sie an seinem tiefsten Inneren teilhaben zu lassen. Genau wie bei Scully, ließen sich die Mauern, die beide über die Jahre hinweg errichtet hatten, nicht so einfach einreißen.

So verging die nächste Stunde wie von selbst. Scully freute sich, endlich mal etwas mehr von Mulder zu erfahren. Obwohl sie ihn über die Jahre schon recht gut kennen gelernt hatte, war sie erstaunt, wie viel sie noch nicht über ihn wusste. Gleichzeitig bestätigten sich ihre Vorahnungen, dass Mulder schon immer häufig von anderen verletzt worden wahr. Nach Samanthas Verschwinden war er bei den anderen nicht gerade sehr beliebt gewesen, denn nur wenige wollten etwas mit ihm zu tun haben. Die meisten Mädchen waren nur daran interessiert, Wetten zu gewinnen oder einen gutaussehenden Jungen zu treffen. Keine von ihnen war wirklich an Mulder selbst interessiert. Die Jungen seiner Klasse waren immer damit beschäftigt, ihm zu zeigen, dass sie ihn für einen Außenseiter hielten. Gleichzeitig beneideten sie ihn darum, dass er so ein guter Sportler war und allein durch sein Aussehen bei den Mädchen gut ankam. So wie es schien, hatte Mulder nur wenige Freunde. John war die Ausnahme, obwohl er zu den beliebteren Schülern zählte, mochte er Mulder. Dadurch wurde Mulder wenigstens etwas integriert und vor der Boshaftigkeit der anderen beschützt. Nicht, dass ihn das gestört hätte.

Als die Band einige Zeit später damit anfing, Tanzmusik zu spielen, tauchte plötzlich eine hübsche Frau, etwa in John und Mulders Alter, an ihrem Tisch auf. "Foxie! Wie schön dich mal wieder zu sehen, du hast dich ja kein bisschen verändert." Mulders Reaktion auf sie blieb recht kühl, er warf Scully einen verzweifelten Blick zu, bevor er sich zu ihr umdrehte. "Alison, du hast dich auch kein bisschen geändert." sagte er trocken, während Alison ihren Blick zu John und Dana wandern lies. "Ich habe mir schon gedacht, dass du alleine gekommen bist. Wer wäre auch so verrückt, dich zu wollen? Ich verstehe durchaus, dass du nie über mich hinweg gekommen bist und habe mir schon gedacht, dass du versuchen würdest, mich zurück zu gewinnen. Aber so gutaussehend wie du auch bist, das ist leider das einzige an dir, was Frauen anzieht. Du konntest noch nie mit anderen konkurrieren. Deshalb habe ich dich auch damals verlassen."

Mulder starrte sie nur entgeistert an. Wovon sprach diese Frau eigentlich? Er würde sie nicht einmal dann wieder haben wollen, wenn sie die letzte Frau im Universum wäre. Schon gar nicht nachdem er die Frau getroffen hatte, die die Welt für ihn bedeutete.

Scully war ebenfalls reichlich entsetzt. Sie wusste ja, dass Mulder bei Frauen ein schlechtes Händchen hatte. Aber diese arrogante Ziege? Mit wachsender Eifersucht fragte sie sich, ob Mulder tatsächlich die Absicht hatte, sie zurück zu gewinnen. Er wurde ja immer von Frauen angezogen, die schlecht für ihn waren. Andererseits hätte er wohl kaum ihr Angebot angenommen, wenn er dies vorhätte. Oder war das nur ein Versuch, Alison eifersüchtig zu machen? Scully wurde immer unsicherer und war schon fast so weit, das Treffen zu verlassen, als John sich zu ihr beugte. Er hatte mitbekommen, was in ihr vorging und versuchte sie zu beruhigen: "Sie war schon immer so eingebildet. Sie ist der Typ Frau, der nur gut aussieht und nichts im Kopf hat. Es war nämlich so, dass Mulder sie nach ein paar Dates abserviert hatte und sie daraufhin alles versuchte, sich an ihn ran zu machen. Verständlicherweise ohne Erfolg."

Diese Aussage veranlasste Scully Mulder anzusehen. Es war schon von Vorteil, dass die beiden so perfekt ohne Worte kommunizieren konnten. In seinen Augen sah sie die Wahrheit. Wie hatte sie nur an ihm zweifeln können, sie kannte ihn doch wirklich besser?! Nun wusste Mulder allerdings nicht, wie er darauf reagieren sollte. Sie kannte diesen hilfesuchenden Blick nur zu gut. Er setzte ihn immer dann auf, wenn er mal nicht weiter wusste und verlies sich darauf, dass sie ihm, als seine Partnerin, den "Rücken decken" würde.

Auch diesmal lies sie ihn nicht im Stich. Während Alison noch auf Mulder einredete, erhob Scully sich von ihrem Platz und trat auf die beiden zu. Sie schlang einen Arm um Mulders Hüfte, während sie mit ihrer anderen Hand nach seiner griff und ihre Finger ineinander verschlang. "Hi, ich bin Fox Freundin Dana. Es wundert mich, dass ich bisher noch nie etwas von ihnen gehört habe. Schließlich erzählt mir Fox sonst eigentlich immer alles wichtige und ich weiß auch über jede Person bescheid, die ihm jemals wichtig war oder gar etwas bedeutet hat. Doch ihren Namen habe ich eben zum ersten Mal gehört."

<Schade, das ich keinen Fotoapparat dabei habe> dachte sich Mulder beim Anblick von Alison. Ihre Augen waren geweitet und das Kinn hing ihr fast bis in die Kniekehle. "Sie ... sie sind seine Freundin?" brachte Alison als einziges über die Lippen. Zu mehr schien sie durch den Schock, den sie erlitten hatte, nicht mehr fähig zu sein.

Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen drückte sich Scully näher an Mulder heran und gab ihm einen sanften Kuss auf die Wange. Mulder lief ein kalter Schauer über den Rücken als er Scullys weiche Lippen auf seiner Wange spürte. Er hatte das Gefühl zu fliegen. "Schatz, alles in Ordnung mit dir?" fragte sie ihn, als sie sah, was der Kuss, diese eine kleine Berührung, bei ihm ausgelöst hatte. "Natürlich geht es mir gut. Schließlich bist du bei mir." entgegnete er und drückte sie näher an sich ran.

"Na, wenn das keine Überraschung ist." stellte eine Stimme hinter ihnen fest. Mulder und Scully drehten sich um und sahen in das Gesicht von Charles Monroe. Charles war damals der Football-Kapitän der Highschool Mannschaft und einer der beliebtesten Schüler bei den Mädchen. Er war es auch, der Mulder anrief und ihn dazu überredete, am Klassentreffen teilzunehmen. Mulder musste mit Bestürzung feststellen, dass er noch genauso aussah wie damals beim Abschlussball. Das einzige, was sich verändert hatte, waren die Haare. Sie hingen ihm jetzt nicht mehr bis zur Schulter, sondern wurden von ihm mit einer Hand voll Haar-Gel nach oben geknetet. Seine sportliche Figur hatte auch im Laufe der Jahre nicht gelitten. Es sah so aus, als ob er immer noch jeden Tag joggen würde, so wie er es damals auch immer getan hatte. "Wen hast du uns denn hier eigentlich schönes mitgebracht Fox? Willst du uns denn nicht mal miteinander bekannt machen!?" fragte Charles, während er Scully schöne Augen machte. "Stell dir vor, das ist Fox Freundin Dana.!" warf Alison voller Enthusiasmus ein. "Deine Freundin? Davon hast du bei unserem Telefonat gar nichts erwähnt. Wie lange seid ihr denn schon zusammen, wenn man fragen darf!?!" Auf solch eine Frage war er nun überhaupt nicht vorbereitet und fühlte sich in diesem Augenblick völlig überrumpelt. Was sollte er nur antworten? Für ihn sah es nun so aus, dass die ganze Sache auffliegen würde, doch auch diesmal schaffte es Scully gekonnt, die Kurve zu kriegen. "Das müssen doch jetzt bestimmt schon sieben Monate sein. Nicht wahr mein Schatz?" fügte sie hinzu und schaute Mulder etwas fragend an. "Ja genau, Liebling. Aber wir kennen uns schon mehr als sechs Jahre." antwortete Mulder und schaute Charles dabei genau an. Er wollte unbedingt seine Reaktion sehen. Doch Charles war das alles völlig egal, denn kaum hatte die Band wieder angefangen zu spielen, platzte Charles auch schon mit der nächsten Frage raus: "Du hast doch bestimmt nichts dagegen, wenn ich mit deiner liebreizenden Begleitung tanze, oder?" <Du hast dich überhaupt nicht verändert du verdammter Mistkerl> waren die einzigen Gedanken, die ihm in diesem Moment durch den Kopf gingen. Durch ein "Die Dame wird doch bestimmt so höfflich sein und mir den nächsten Tanz widmen." von Charles wurde Mulder wieder in die Wirklichkeit zurückgeholt. Nach dieser Aussage blieb Scully nun nichts weiter übrig, als seiner Bitte nachzukommen. Mulder konnte den beiden nur hinterher sehen, als sie sich auf den Weg zur Tanzfläche begaben. Insgeheim wünschte er sich, er hätte den gleichen Mut gehabt wie Charles. Aber wenn es um die Annäherung zwischen ihm und Scully ging, blieb die ganze Welt vor seinen Augen stehen. Für ihn lief dann immer alles in Zeitlupe ab und so sehr er es auch versuchte aus dieser Erstarrung zu entkommen, er schaffte es einfach nicht. Und genau das gleiche war nun auch wieder der Fall gewesen. Denn am liebsten hätte er Scully auch danach gefragt, ob sie mit ihm tanzen würde. Doch im entscheidenden Augenblick waren seine Lippen wie versiegelt, als ob jemand sie mit Kleber verschweißt hätte. Aber was war diesmal anders, als bei dem Cher Konzert vor einem Jahr? Dort konnte er sie doch auch einfach auffordern.

In seinem Inneren malte er sich inzwischen schon aus, wie der Tag heute enden würde. Für ihn sah alles danach aus, dass Charles, wie schon zur Highschool Zeit, der jenige sein würde, der den Kampf wieder einmal für sich gewinnen würde. Immerhin war er gut aussehend, charmant und intelligent, genau so, wie er sich immer Scullys Typ von Mann vorstellte.

Während Mulder die wildesten Gedanken durch den Kopf geisterten, hatte er nicht mitbekommen, dass das Lied inzwischen zu Ende war. Erst, als er von Scully einen leichten Stoß in die Seite bekam, kehrte er langsam wieder in die Realität zurück. "Wovon hast du denn gerade geträumt Fox?" "Ach nichts." "Wirklich? Ich hätte schwören können, dass du mit deinen Gedanken gerade Meilen weit von hier entfernt warst." "Na ja... ähm." "Was ist los?" "Ich ... ich wollte dich fragen, ob du Lust hast, mit ... ähm ... mit mir zu tanzen."

<Hat er das jetzt wirklich gesagt oder habe ich das eben nur geträumt> spukte es durch Scullys Kopf, als sie über die Worte von Mulder nachdachte. <Was soll ich denn jetzt nur sagen?> war ihr nächster Gedanke. Am liebsten hätte sie gesagt <Natürlich will ich mit dir tanzen. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie lange ich darauf gewartet habe.> Aber warum nur fiel es ihr immer so schwer, die Gefühle, die sie für ihn empfand, offen zu zeigen? Diese Aufforderung war ja kein Heiratsantrag oder etwas ähnlich verpflichtendes, sondern nur ein einfacher, harmloser Tanz unter Freunden.

Mulder schaute Scully in der Zwischenzeit schon fragend an. Schließlich stand sie einfach nur so vor ihm und hatte seit der Frage kein einziges Wort mehr gesagt. "Du wirst deinem Freund doch nicht etwa einen Korb geben, oder?" schaltete sich John ein, als auch er die Spannung mitbekam, die zwischen den beiden herrschte. Durch diese eine Frage blieb den beiden nun gar nichts anderes übrig als miteinander zu tanzen. Sonst wären sie sicher aufgeflogen. Obwohl sie es ja eigentlich auch beide wollten, hatten sie es nicht von alleine geschafft, dem anderen zu sagen, wie sehr sie sich darüber freuen würden.

Keine Minute nach Johns eingeworfener Frage fing die Band auch schon wieder an, ein langsames Lied anzustimmen. Mulder schaute Scully ein wenig verlegen in die Augen und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zur Tanzfläche. Dort angekommen legte sie ihre eine Hand sacht auf seine Schulter während er mit seiner Hand ihre Hüfte umschlang. Die Band hatte den ersten Refrain gespielt, als Mulder sich zu Scully runterbeugte und fragte: "Warum hast du eigentlich mit Charles getanzt?" "Du hast doch gehört, was er gesagt hat. Außerdem wäre es unhöfflich gewesen, es nicht zu tun." waren die einzigen Worte, die sie auf seine Frage erwiderte. "Oh. Verstehe." war alles, was er zum Besten gab. Das Lied ging immer mehr dem Ende entgegen, als Scully beschloss, all ihren Mut zusammen zu nehmen und Mulder deshalb mit einem undefinierbaren Blick anschaute und sagte: "Am liebsten hätte ich vorhin aber mit einem anderen getanzt." Mulder wusste in diesem Moment, dass er anscheinend damit gemeint war, doch ihm gefiel auf einmal der Gedanke, so zu tun, als ob er nicht wüsste, was sie gemeint hätte.[ Er hatte gerade einen Teil seines normalen selbst wieder gefunden.] Und so schaute er sie mit großen Augen an. "Und mit wem hättest du gerne getanzt?" fragte er, mit fast schüchtern klingender Stimme. "Mit dem gleichen Mann, mit dem ich im Moment tanze, mit wem auch sonst!?" sagte sie mit dem schönsten Lächeln, das Mulder je bei ihr gesehen hatte. Die Band spielte die letzten Akkorde vom Stück, während Mulder das Gefühl hatte, in Scullys wundervollen Augen zu ertrinken. Diese Augen, die es ihm schon vom ersten Augenblick an angetan hatten und in die er sich seit der ersten Minute, als Scully damals sein Büro betrat, verliebt hatte. Egal wie schwer die Arbeit ihm an den X Akten manchmal auch fiel, ein einziger Blick in ihre kristallblauen Augen zeigte ihm, dass es immer jemanden geben würde, auf den er zählen könnte.

Erst durch das Klatschen der anderen Gäste bemerkten die beiden, dass die Band mit dem Lied längst fertig war. In der Zwischenzeit waren noch mehrere ehemalige Schüler gekommen und der Saal war dadurch noch voller geworden, als er es ohnehin schon war. Überall standen ein paar Leute, die sich mit einander unterhielten und ab und zu hörte man einige der Anwesenden laut loslachen. Scully wollte sich eigentlich wieder auf den Weg zurück zu ihrem Tisch begeben, als Mulder vorsichtig nach ihrer Hand griff. "Was hälst du von einem kleinen Spaziergang an der frischen Luft? Die anderen werden bestimmt auch ohne uns auskommen." fügte er mit einem frechen Grinsen an. Mit einem Nicken zeigte sie ihm, dass sie von seinem Vorschlag begeistert war. Und so versuchten sie, sich einen Weg durch die Menschenmasse zu bahnen. Es dauerte fast geschlagene fünf Minuten bis sie den Ausgang des Saales erreicht hatten und Mulder ganz Gentleman-Like, wie immer, die Tür öffnete und beide nach draußen traten.

Die Hitze, die noch am Nachmittag über der Stadt hing, hatte sich in der Zwischenzeit abgekühlt. Durch einen Regenschauer, der vor ein paar Stunden niedergegangen war, lag noch immer ein angenehm frischer sommerlicher Duft in der Luft.

"Es gibt hier einen kleinen Park in der Nähe, in dem ich damals immer mit ein paar Jungen aus der Nachbarschaft Baseball gespielt habe. Wenn du willst, können wir ja dort hingehen." warf Mulder ein, nachdem er Scully seine Lederjacke über die Schultern gelegt hatte. Gegen seinen Vorschlag hatte sie natürlich nichts einzuwenden und so gingen sie schweigend nebeneinander die Straße zum Park entlang und genossen einfach nur die Ruhe, die hier draußen herrschte.

Nach einer Weile hatten sie den Park erreicht. In der Mitte des Parks war ein kleiner Teich, um den ein paar Bänke standen. Die Regentropfen, die die Bank zuvor abbekommen hatte, waren inzwischen schon wieder getrocknet, sodass sich die beiden ohne Bedenken setzen konnten. Es war seit langem eine der schönsten Nächte. Die Sterne am Himmel leuchteten hell in der Dunkelheit und der volle Mond spiegelte sich auf der Wasseroberfläche. Am anderen Ende des Teiches konnte man ein paar Enten schnattern hören.

Beide hatten in diesem Moment das Gefühl, als wären sie die einzigen Menschen im ganzen Universum. Alles um sie herum war friedlich und verlassen. Die Gedanken an das FBI, die Arbeit und die damit verbundenen Verschwörungen und Monster waren in diesem herrlichen Moment einfach vergessen. Es gab nur noch sie beide.

Sie genossen es einfach nur, für ein paar Minuten hier nebeneinander zu sitzen. Den vertrauten Geruch des anderen in sich aufzunehmen, das leise Atmen des anderen zu hören und sich davon beruhigen zu lassen.

Da die Stille mit der Zeit jedoch immer bedrückender wurde und Mulder auf keinen Fall die Idylle, die um sie herum herrschte, zerstören wollte, überlegte er, was er jetzt machen sollte. Er entschied sich dafür, Scully endlich zu zeigen, dass sie für ihn mehr war als nur seine Partnerin beim FBI, seine einzige Vertraute und seine beste Freundin. Deshalb legte er vorsichtig seinen rechten Arm über ihre Schulter.

Durch seine Berührung lief Scully ein sanfter Schauer über den Rücken. Und als sie in seine Augen schaute, war dort auf ein mal ein Leuchten, welches sie bisher noch nie zuvor bei ihm gesehen hatte. Ihr Magen fühlte sich auf einmal merkwürdig an. Das Kribbeln darin wurde immer stärker, je länger sie Mulder ansah, sein Aftershave und seinen ganz eigenen "Mulder – Duft" roch. Alleine schon der Gedanke daran, dass auch er mehr für sie empfinden könnte ließ ihr Herz schneller schlagen, als es dies ohne hin schon tat.

Obwohl die Sekunden, in denen sich die beiden ansahen, langsam vergingen, kam es ihnen so vor, als ob die Welt stillstehen würde. Stillstehen nur für sie beide, damit sich dieser eine Augenblick für immer in ihr Gedächtnis einbrennen würde, um dort für alle Ewigkeit abrufbar zu sein. Während Scully Mulder immer weiter in die Augen sah, merkte sie, wie er sich langsam ihrem Gesicht nährte. Das, was als nächstes passieren würde, hatte sich schon tausendmal in ihrem Kopf abgespielt, in der Hoffnung, dass es irgendwann einmal wahr werden würde. Und nun war dieser Zeitpunkt gekommen, in denen ihre geheimsten Wünsche in Erfüllung gehen sollten. Ohne den Blick von Mulder zu nehmen, nährte auch sie sich langsam seinem Gesicht und kurz bevor sie seine weichen und sanften Lippen auf den ihren spürte, schloss sie instinktiv die Augen. Aber mit dem, was sie verspürte, als Mulder ihre Lippen berührte, hätte sie nie gerechnet. Jede Faser ihres Körpers zog sich zusammen und die roten und weißen Blutkörperchen fuhren in ihrem Blutkreislauf auf einmal Achterbahn. Sie fühlte sich auf einmal, als ob sie schweben würde. So hatte sie sich bei einem Kuss noch nie gefühlt!!

Als sich die beiden nach dem Kuss langsam voneinander lösten, sah Scully, dass auch Mulders Gedanken, die ihm nach diesem Kuss im Kopf herum geisterten, völlig durcheinander waren. Sie sah ihn einfach nur mit einem liebevollen Lächeln an und lehnte sich an seine Schulter, um ihm auch jetzt noch immer so nah wie möglich zu sein.

Nach einer Weile nahm Mulder Scullys Hand und streichelte sanft über ihren Handrücken während er sagte: "Wir sollten lieber zurück zu dem Treffen gehen, bevor es vielleicht noch mal anfängt zu regnen." Anstatt ihm mit Worten zu antworten, gab sie ihm nur einen sanften Kuss auf seine weichen Lippen und erhob sich von der Bank.

Nachdem die beiden sich noch einmal den klaren Sternenhimmel angeschaut hatten, gingen sie Hand in Hand wieder zurück in den Festsaal, in dem das Klassentreffen noch immer in vollem Gange war.

Nach dem sie das Foyer betraten hatten, entschuldigte Scully sich kurz bei Mulder mit den Worten: "Ich bin gleich wieder bei dir. Lauf ja nicht weg!" und grinste ihn bei ihrer letzten Äußerung an.

Sie war gerade auf dem Weg in den Waschraum der Frauen, als ihr Charles über den Weg lief. "Da hat unser kleiner Fox ja richtiges Glück gehabt und den Hauptgewinn gezogen." sagte er zu Scully, die ihn daraufhin mit einem irritierten Blick ansah. "Wenn wir uns früher über den Weg gelaufen wären, hätte Fox sich in Acht nehmen müssen, denn ich hätte alles versucht, um mit dir zusammenzukommen. Aber ich schätze, ich hätte damals genauso wenig Chancen gehabt wie heute. Ich hoffe, dass ich irgendwann einmal auch eine Frau finde, die mich so anschaut, wie du Fox." stellte er mit einer hörbaren Enttäuschung in seiner Stimme fest und nach einer kleinen Pause meinte er nur noch: "Ich weiß zwar noch immer nicht, was so eine tolle Frau, wie du, mit einem Loser wie Fox will..." <Anscheinend verändern sich Menschen wie Charles doch nicht.> dachte Scully bei sich und setzte ihren Weg fort.

Während Scully sich auf den Weg zum Waschraum gemacht hatte schaute ihr Mulder hinterher und bekam auch die kurze Unterhaltung zwischen Scully und Charles mit. Er konnte jedoch nicht verstehen, worüber die beiden sich unterhielten. Und als er Scully, nach einer Äußerung von Charles, lächeln sah, wusste er nicht so recht, was er nun denken sollte. Was, wenn Scully auf einmal eine Sympathie für Charles empfinden sollte!?! Alleine schon der Gedanke daran brachte sein Herz zum schmerzen und ihm wurde dadurch wieder einmal mehr ersichtlich, wie viel er doch für Scully empfand. Beruflich gesehen war sie noch immer seine Partnerin, doch aus privater Sicht war sie die Liebe seines Lebens. Und für diese Liebe würde er alles riskieren und alle noch so großen Hürden überwinden, nur um mit ihr zusammen zu sein. Da er jetzt auch wusste, dass Scully für ihn ebenso empfand, würde er sich deshalb keine Sorgen machen müssen. Und so ging er zurück an den Tisch, wo er und Scully am Anfang des Treffens gesessen hatten. John hatte in der Zwischenzeit andere Kumpel von damals getroffen und unterhielt sich mit ihnen.

Es waren inzwischen ein paar Minuten vergangen, seitdem Scully sich auf den Weg in den Waschraum gemacht hatte. Um zu gucken, wo sie so lange blieb, drehte Mulder sich auf seinem Stuhl um und konnte kaum glauben, was er im hinteren Teil des Saales sah. Charles stand engumschlungen und küssend mit einer rothaarigen Frau neben dem Notausgang. Der Anblick, welcher sich ihm bot, ließ sein Herz in zwei Teile zerspringen. Anscheinend hatte es Charles wieder einmal geschafft und sich die Frau, die er über alles liebte unter den `Nagel´ gerissen. Wie schon damals zur Highschool Zeit machte er anscheinend auch jetzt keine Ausnahme. Das war eindeutig zu viel für ihn. Wie konnte sie das nur tun? Nie hätte er damit gerechnet, dass sie ihn so hintergehen würde, ihn so verletzen könnte. Das hatte sie doch in all den Jahren noch nie getan. Mit gebrochenem Herzen erhob er sich von seinem Stuhl und ging zielstrebig Richtung Ausgang.

Kurz bevor er diesen jedoch erreichte, spürte er auf einmal eine vertraute Hand an seinem Arm, die ihn festhielt. Als er sich umdrehte schaute er in wunderschöne kristallblaue Augen, die ihn mit einer Inbrunst voller Liebe anschauten. "Wo willst du denn hin?" fragte Scully ihn besorgt. <Was ist denn das für eine blöde Frage> schoss es ihm durch den Kopf. Schließlich hatte er sie gerade dabei beobachten können, wie sie mit Charles rumgeknutscht hatte. In diesem Moment schaute er noch einmal in Richtung Notausgang. Er rieb sich noch einmal die Augen, bevor er erneut in die Richtung schaute. <Da stimmt doch irgend etwas nicht> sagte er zu sich selbst, als er immer noch Charles mit der rothaarigen Frau sah.

Scully aber wollte nun endlich von ihm wissen, was los sei. Schließlich war sie nur ungefähr fünf Minuten weg gewesen. Deshalb fragte sie ihn noch einmal, doch diesmal vergas sie völlig, wo sie waren: "Mulder, nun sag mir doch endlich was los ist und wo du hin willst?" "Ich ... ich dachte du und Charles..." brachte er stotternd hervor und zeigte dabei mit einer Hand in Richtung Notausgang. Ohne ein Wort zu verlieren schaute Scully, was er ihr versucht hatte zu zeigen. Und als sie sah, was er meinte, wusste sie genau, was noch vor ein paar Minuten in ihm vorging. "Oh Mulder! Hast du das tatsächlich geglaubt?" sprudelte es aus Scully heraus.

"Ich dachte wirklich, dass Charles es wieder einmal geschafft hätte, mir die Frau, die ich liebe, auszuspannen."

Als Mulder seine letzten Worte noch einmal in Gedanken nachsprach und Scully dabei anschaute, war ihm auf einmal klar, warum sich in ihren Augen Tränen gebildet hatten. Zum ersten Mal hatte er ihr gesagt, was er für sie empfand und das, ohne auch nur einmal ins stottern zugeraten und diesmal stand er noch nicht einmal unter dem Einfluss von Medikamenten. Es fühlte sich ganz natürlich an, diese drei Worte zu sagen.

Mit der Reaktion, die seine Worte bei Scully auslösten, hatte er nicht gerechnet. Er hatte nicht einmal zu hoffen gewagt, dass Scully seine Gefühle erwiderte. Selbst nach dem Kuss im Park war er noch unsicher gewesen. Vielleicht hatte sie sich einfach von der Stimmung und ihrem kleinen "Betrug" mitreißen lassen.

Überwältigt nahm er sie in seine Arme und drückte sie, so fest er nur konnte, an sich. Er würde diese Frau nie wieder gehen lassen! Und während er mit seiner einen Hand sachte über ihre Haare streichelte sagte er immer wieder ganz sanft "Sschhhhh." um sie zu beruhigenden.

Nach ein paar Sekunden löste Scully sich aus seiner Umarmung und sah ihn mit ihren feuchten Augen an, in denen sich das Licht spiegelte. Als sie sich so ansahen wussten sie, dass sie einander endlich gefunden hatten. Während Mulder Scully in die Augen sah, erkannte er, dass sie ihm unbedingt etwas wichtiges sagen wollte. Dadurch war ihm mal wieder einmal bewusst, wie sehr sie den anderen doch eigentlich wirklich kannten. Denn seit dem Beginn ihrer gemeinsamen Arbeit an den X-Akten wussten sie genau, was der andere gerade denkt, und das nur durch einen Blick in die Augen des anderen. Er beugte sich langsam zu Scully hinunter und wollte wissen, was sie ihm zu sagen hatte. Bevor Scully jedoch etwas sagte, schaute sie ihn verliebt an und wischte sich eine noch übriggebliebene Träne von der Wange. Nachdem sie sich noch kurz versichert hatte, dass auch niemand sie hören konnte, sagte sie mit ihrer lieblichen Stimme, die Mulder, neben ein paar anderer Sachen, über alles an ihr liebte: "Ich hatte dir doch schon am Montag im Büro gesagt, dass es dein Freund nicht schaffen würde, mich dir auszuspannen. Weißt du auch warum? Weil ich dich viel zu sehr liebe und es keinen Menschen auf Erden gibt, der dir das Wasser reichen könnte. Ich habe noch nie für einen Mann das empfunden, was ich für dich empfinde. Ich wusste nicht einmal, dass ich so fühlen kann!" Als er diese Worte aus ihrem Mund hörte schaute er sie nur kurz an, legte anschließend vorsichtig seine Hände auf ihr Gesicht und nährte sich langsam ihren roten, sanften Lippen. War der Kuss vorhin im Park noch schüchtern, so als wären beide erst Teenager, war dieser Kuss das genaue Gegenteil. Was langsam und sachte begann wurde mit der Zeit immer leidenschaftlicher und intensiver. Nachdem Scully vorsichtig ihren Mund geöffnet hatte tanzten ihre Zungen zusammen, als ob sie noch nie etwas anderes gemacht hätten. Und während ihre Zungen immer leidenschaftlicher anfingen miteinander zu tanzen schmiegten sich die beiden enger aneinander. Als sich ihre Lippen kurz trennten, fragte Mulder schelmisch: "Nur auf Erden? Da muss ich ja doch vorsichtig sein!" Lächelnd zog Scully an seiner Krawatte und erstickte jeden weiteren Kommentar von ihm in einem weiteren Kuss.

In diesem Moment war Mulder froh darüber, dass Charles es bei ihrem Telefonat geschafft hatte ihn dazu zu überreden, zu diesem Klassentreffen zu erscheinen.

 

Kurz vor Mitternacht,

Irgendwo in Washington, D.C.

Als sich die beiden wenig später von der Party verabschiedeten, da sie endlich alleine sein wollten, waren sie in Gedanken versunken. Nie hätte Scully sich vor sieben Jahren träumen lassen, dass der Tag, an dem sie Spooky Mulder traf, ihr Leben für immer verändern würde. Doch das hatte er, in beruflicher Hinsicht wie auch in privater. Egal, was inzwischen alles passiert war, es waren gute Veränderungen (zumindest meistens). Er hatte sie viel offener gemacht und ihre emotionalen Barrieren durchdrungen. Das, was vor ihm noch keiner geschafft hatte.

Auch Mulder war überrascht, dass er dieser Frau nicht nur als Partnerin vertraute, sondern sich auch in sie verliebt hatte. Sicher, es war von Anfang an eine gewisse Anziehung da gewesen, aber so...? Nachdem ihn so viele Menschen verlassen und andere sein Vertrauen missbraucht hatten, hatte er nicht mehr daran geglaubt, jemals die Richtige zu finden. Sie war die einzige, mit der er sein weiteres Leben verbringen wollte und sogar der Gedanke daran, Scully vielleicht zu heiraten, machte sich in ihm breit.

Die Fahrt über den Highway und die Landstraßen verging für die beiden fast wie im Flug und ehe sie sich versahen, waren sie auch schon bei Scullys Appartement angekommen.

Sie schafften es kaum bis zur Haustür, da sie sich ständig leidenschaftlich küssten und ihre Hände überall auf dem Körper des anderen waren. An der Tür angekommen versuchte Scully den Schlüssel ins Schloss zu stecken, was sich als äußerst schwierig gestaltete, da Mulder von hinten die Arme um sie gelegt hatte und ihren Nacken küsste. Nach ein paar Minuten, in denen sie über diese ganze Situation lachen mussten, schafften sie es schließlich doch noch, die Tür zu öffnen und stolperten dann auch förmlich in die Wohnung hinein.

Mit einem kräftigen Schwung von Mulder gegen die Tür landete diese mit einem lautem Knall wieder im Schloss. Immer noch leidenschaftlich küssend bahnten sich die beiden den Weg ins Schlafzimmer. Kaum waren sie dort angekommen landeten sie auch schon auf der weichen Matratze ihres Bettes. Behutsam und voller Gefühl küsste Mulder ihre weichen Lippen. Nach einer Weile voller Hingabe und Leidenschaft, lösten sie sich voneinander, um erst einmal ein wenig Luft zu schnappen.

Während Mulder Scully in die Augen schaute, versuchte er eine von ihren roten Strähnen zubändigen, indem er sie zärtlich hinter ihr Ohr strich. Danach beugte er sich wieder herunter zu ihr und küsste sie erneut. Mit der Zeit wanderte sein Mund über ihren Hals und verharrte dort eine Weile. Er wollte diesen Augenblick bis ins letzte Detail unvergesslich für sie machen und nichts überstürzen. Doch das unbändige Verlangen nach ihr schien stärker zu sein. Denn nachdem er mit seinen Küssen zärtlich von ihrem Hals wieder zu ihren weichen Lippen wanderte machte sich seine linke Hand, wie von selbst, auf Wanderschaft und kam unter ihrem Kleid zum Stillstand. Ihre Haut war so zart und weich und duftete zugleich nach Pfirsichblüten. Am liebsten hätte er sie in diesem Moment mit Haut und Haaren verschlungen, so groß war sein Verlangen nach ihr. Bevor er jedoch weitermachte, schaute er Scully noch einmal in die Augen, um sich auch sicher zu sein, dass sie alles, was gerade passierte, genauso sehr wollte wie er.

Keine Sekunde, nachdem er sie angeschaut hatte, musste Scully auf einmal loslachen. "Was ist denn so lustig?" fragte er etwas irritiert. "Ich musste nur gerade an eine Unterhaltung mit meiner Mutter denken!" antwortete sie, während sie immer noch in sich hinein lachte. "Na das ist ja vielleicht toll. Der Mann deiner Träume liegt neben dir und du musst an deine Mutter denken." war alles, was er daraufhin lachend von sich gab. "Nein, das ist es nicht. Meine Mutter hatte nur vor Jahren, irgendwann mal gesagt, dass ich immer auf meine Gefühle hören sollte, wenn es in unseren Unterhaltungen um dich und mich ging. Aber ich glaube nicht, dass sie das damit im Sinn hatte."

"Woher willst du das wissen?" fragte Mulder grinsend. Seine Gedanken wanderten in diesem Moment zu Mrs. Scully. Sie hatte ihm schon damals sofort angesehen, was er für ihre Tochter empfand. Selbst, als es ihm noch nicht so recht bewusst war. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, hatten das viele Menschen gesehen...

"Sie wäre sicher froh, dass wir endlich zusammen gefunden haben, allerdings würde sie es sicher lieber sehen, wenn wir verheiratet wären, bevor wir dein Bett für etwas anderes als zum schlafen nutzen." "Genau das wollte ich damit ausdrücken, wobei das mit der Hochzeit mehr zu Bill passen würde. Andererseits, er findet gar nichts gut, was mit dir zu tun hat. Also, vergiss es!"

"Würdest du dich besser fühlen, wenn wir verheiratet wären? Ich meine, wäre es besser wegen deiner Familie?"

"Oh, Mulder! Ich würde gerne heiraten, aber nur wegen der damit verbunden Gefühle und Schwüre. Aber ich fühle mich seit Jahren so, als wäre ich mit dir verheiratet, mein Herz gehört dir. Egal was passiert, und unabhängig von einem Trauschein. Daran kann nichts und niemand etwas ändern. Ich bin sicher, dass meine Mutter das auch weiß. Sie benimmt sich schon seit Jahren so, als wäre ich mit dir verheiratet und du ihr Schwiegersohn. Dass du bereit bist, mich sofort zu heiraten, nur damit ich und meine Familie sich eventuell besser fühlen, zeigt mir, was ich wissen muss!" Bei diesen Worten beugte Mulder sich vor und küsste sie leidenschaftlich. "Ich fühle auch, dass ich zu dir gehöre. Aber wenn du es dir anders überlegst... Du bist die einzige Person, die ich heiraten würde, um den Rest meines Lebens mit dir zu verbringen und eine Familie zu gründen. Ich weiß, du kannst keine Kinder bekommen, aber wir könnten welche adoptieren..."

"Mulder! Können wir diese wichtigeren Diskussionen auf ein anderes Mal verschieben? Wir wissen doch im Moment alles was nötig ist." Statt weiter zu reden kuschelte sie sich auf seinen Schoß und presste sich dicht an ihn. Sanft küsste sie seinen Hals, während ihre Hände seine Brust entlang streichelten. Bald waren alle Worte vergessen, keiner von beiden war mehr in der Lage etwas zu sagen. Außer vielleicht "Ich liebe dich!"

 

F I N