Titel: Ditched again
Autorin: Galloway
Spoiler: Zerbrochene Spiegel, Millennium, Tausend Stimmen, Fight the Future
Rating: PG 13, NC-17 (extra Warnung)
POV: Mulder, Scully
Disclaimer: Alle Personen gehören Chris Carter und ich mache kein Geld mit diesen Geschichten.
Short-Cut: Nachdem Mulder Scully einfach bei einer Observierung hat sitzen lassen, um einen eigenen Fall zu bearbeiten, entschuldigt er sich auf seine Art und das Ganze artet etwas aus.
Autorenbemerkung: Hier meine neue FanFic. Irgendjemand hat mich darauf gebracht, dass es ja noch viele Szenen in den Episoden und zwischen den Episoden gibt, die ich füllen kann. Und so habe ich mir nach meinem ersten Versuch mit einer FanFic, die in "Tithonus" spielt, dieses Mal den Teil "Zerbrochene Spiegel" herausgesucht. Dass ist ja bekanntlich die Folge, die direkt vor "All Things" spielt. Also, wo die beiden schon ziemlich weit in ihrer Beziehung sind, ohne aber jemals die nackte Brezel gemacht zu haben. Ich hoffe es gefällt euch ein wenig. Ist ja erst mein zweiter Versuch und nicht ganz so einfach. Nur zum Verständnis: All Things ist für mich der Teil, in dem die beiden das erste Mal intim werden.
_________________________________________________________
Mulder bahnte sich seinen Weg durch die Menschenmassen am Washingtoner Fughafen. Rechts hatte er einen Koffer in der Hand, über der rechten Schulter hingen seine 2 Anzüge in einer eigens dafür vorgesehenen Tasche und in der linken Hand trug er sein Handgepäck. Zum x-ten Mal rammte ihn aus Unachtsamkeit irgendein Tourist und dieses Mal schickte er einen Fluch hinterher. Langsam aber sicher kam er seinem Ziel, dem Taxistand, näher. Er war gerade aus Vermont zurückgekehrt. Allein. Seine Partnerin hatte er daheim gelassen und sie musste sich ihre Nächte in einem Abbruchhaus bei der Observierung eines Straßenstriches um die Ohren schlagen. Allein gelassen, war noch ziemlich neutral ausgedrückt. Er hatte es wieder getan. Er hatte sie versetzt. Sie in einem absolut schäbigen Haus, in dem die Heizung defekt war und man gelegentlich das Piepsen und Scharren von Mäusen hören konnte, sitzen gelassen. Na, so ganz stimmte das auch nicht. Schließlich war er von Skinner höchstpersönlich zu diesem Fall beordert worden. Und während er Kapernsoße und selbstgemachtes Frühstück genoss, sowie seine Hemden am Morgen gebügelt vorfand, hatte sie sich von abgestandener Pizza und kalten Kaffee ernährt.
Er steckte in wahnsinnigen Schwierigkeiten. Wenn am Ende des Tages sein Kopf noch auf seinen Schultern ruhen würde, dann könnte er sich glücklich schätzen. Sie würde das Ganze wieder so verdrehen, als wäre es seine Schuld. Was hatte sie am Telefon gesagt? Wenn ich tot bin, sollst du nur wissen, dass meine letzten Gedanken dir galten und dass ich dich am liebsten umbringen würde. Und Scully meinte meist was sie sagte. Er würde büßen müssen. Fragte sich nur wie und wann.
Er hatte den Taxistand erreicht, stieg in das erste freie Fahrzeug, gab dem Fahrer seine Adresse, legte seinen Kopf zurück und schloss die Augen. Seine Gedanken kehrten zurück zu dem Fall. Er hatte bei den Adderlys gewohnt, die nach außen hin den amerikanischen Traum einer Kleinstadtfamilie verkörperten. Ein glückliches Ehepaar, ein Kind und ein wunderschönes Haus in einer freundlichen Nachbarschaft. Alles, was er sich immer für Scully erhofft und gleichzeitig zerstört hatte. Schwachsinn, er hatte sich das Ganze nie für Scully erhofft. Denn, dann würde er in ihrem Leben nicht mehr vorkommen und dass würde ihm das Herz zerreißen.
Eines Morgens, als ihm Ellen Adderly Frühstück gemacht hatte, war ihr aufgefallen, dass er keinen Ehering trug und hatte ihm daraufhin eine entscheidende Frage gestellt Haben sie eine Lebensgefährtin?
Hatte er? Er wusste es selber nicht. Wie sollte er die Beziehung zu Scully beschreiben. Darüber hatte er sich schon mehr als einmal Gedanken gemacht. Für Außenstehende war die ganze Sache zu kompliziert. Nein, eigentlich war sie das sogar für ihn. Und deshalb hatte er nur gesagt: Nicht, was man im landläufigen Sinn darunter versteht.
Wie sollte man erklären, dass man seit sieben Jahren mit jemanden zusammenarbeitete, gemeinsam durch die Hölle gegangen war, viele Familienangehörige verloren hatte, nebenbei Aliens jagte und Regierungsverschwörungen aufdeckte, mehr für den anderen empfand, als der bloße Begriff Liebe jemals ausdrücken konnte, versuchte durch künstliche Befruchtung ein gemeinsames Kind zu bekommen, aber niemals, wirklich niemals, diese unsichtbare Linie überschritten hatte und miteinander intim geworden war. Oh nicht, dass sie sich niemals berührten. Nein, er legte oft die Hand auf ihren Rücken, hielt, wenn es nur möglich war ihre Hand, küsste sie auf die Wange oder auf die Stirn, strich ihr zärtlich Haarsträhnen aus dem Gesicht und hatte sie zu Neujahr sogar auf den Mund geküsst. Aber er wollte mehr. Viel mehr. Er wollte eine wirkliche Beziehung mit ihr. Er wollte nachts neben ihr einschlafen und morgens neben ihr aufwachen. Er wollte alles über sie wissen. Doch eigentlich wusste er schon alles über sie. Welches Shampoo sie bevorzugte, welches Parfüm sie trug, wie sie ihren Kaffee am liebsten trank. Er kannte sogar ihre Zahnpastamarke. Dass sie ab und zu einen Gesundheitsanfall hatte und dann Blütenpollen in ihren Joghurt gab oder Tofueis aß. Aber ihm war das nicht genug. Er wollte Alles. Er wollte, dass sie sein war. In allen Beziehungen. Sie machte ihn verrückt. Manchmal löste sie so ein großes Verlangen in ihm aus, dass er sich nur schwer zusammenreißen konnte.
Aber was sollte er tun? Er hatte ihr schon so viele klare Hinweise auf seine Intentionen gemacht, aber sie reagierte nicht. Er hatte ihr sogar schon seine Liebe gestanden, aber sie war einfach davon gegangen und hatte alles auf die Morphiumspritze geschoben, die er erhalten hatte. Er hatte schon zweimal versucht sie zu küssen. Einmal im Gang vor seinem Apartment, als ihnen eine Biene dazwischengefunkt hatte und einmal nach seiner Gehirn-OP, als sie im letzten Moment zurückzuckte und ihn stattdessen auf die Stirn küsste. Nur um ihm im nächsten Moment mit ihren Daumenspitzen über die Lippen zu streichen. Und das war wohl das erotischste, was er je gespürt hatte. Sie brauchte ihn nur zu berühren und alle Gedanken setzten bei ihm aus. Am Silvesterabend hatte er es dann gewagt und sie auf den Mund geküsst. Als er dann zu ihr sagte, dass die Welt nicht untergegangen sei, hatte sie ihn angelächelt und ihm zugestimmt. Dr. Scully, die Mysteriöse.
Aber er würde warten können. Wenn es sein musste auf ewig. Doch er wusste nicht, ob er sich noch auf ewig zusammenreißen könnte. Es wurde jeden Tag schlimmer und jeden Tag überkam ihn immer mehr auch das körperliche Bedürfnis sie zu spüren.
10 Dollar 40, bitte.
Der Taxifahrer riss ihn aus seinen Tagträumen und verwundert stellte er fest, dass sie vor seiner Wohnung angekommen waren. Er bezahlte, nicht ohne ein angemessenes Trinkgeld zu geben, schnappte sich seine Taschen und machte sich auf den Weg in seine Wohnung. Eine kalte Dusche wäre jetzt genau das richtige um ihn wieder auf andere Gedanken zu bringen. Und so schmiss er seine Koffer achtlos in eine Zimmerecke, entkleidete sich, schnappte sich ein Handtuch, stieg in die Dusche und drehte sie auf Kalt. Er wagte es nicht warm zu duschen, denn seine Gedanken an Scully waren immer noch gegenwärtig. Seinen Plan für den weiteren Verlauf des Tages hatte Mulder schon vor seinem Abflug gemacht. Nach der Dusche würde er sie sofort anrufen. Sie würde sauer sein, weil er sie wieder mal hat sitzen lassen, zugegebenermaßen auch noch mit einem ziemlich miesen Auftrag. Wenn sie im Büro war, sah sein Plan vor, dass er sie in ihr Lieblingsrestaurant einlud. Sollte sie daheim sein, umso besser, dann konnte er was zu Essen von Unterwegs mitnehmen und den Abend bei ihr verbringen. Vielleicht hatte er Glück und sie hat sich bis nach dem Essen abreagiert, dann würden sie ein Video schauen. Er würde unauffällig aber bestimmt seinen Arm um sie legen. Sie würde so tun, als hätte sie nichts bemerkt, doch irgendwann würde sie ihren Kopf an seine Schulter legen und wenn er ganz viel Glück hatte, würde sie einschlafen. Dann konnte er sie ohne Hemmnisse betrachten. Wenn sie wieder aufwachte, würde sie feststellen, dass es für ihn zu spät war nach Hause zu fahren und würde ihm ihre Couch anbieten. Und dann war es einer jener perfekten Abende, die sie zu selten miteinander verbrachten, da sie meistens irgendwo im Outback von Amerika unterwegs waren, um ungelöste Fälle aufzuklären.
_______________________________________________________
Mulder stand vor Scullys Apartmenttür und klopfte nun das zweite Mal an selbige. Dann legte er sein Ohr an das Holz und versuchte irgendein Geräusch im Innern zu erhaschen. Aber es war nichts zu hören. Wo war sie nur? Er hatte fünfmal probiert sie anzurufen, aber niemand nahm ab. Im Büro war sie auch nicht gewesen. Er überlegte kurz, entschloss sich dann aber sich selbst in ihre Wohnung zu lassen und einfach auf sie zu warten. So könnte sie ihn nicht länger ignorieren, was sie ja offensichtlich tat. Sorgfältig balancierte er die Nudeln und den Salat mit einer Hand, er glaubte, dass sie wohl für die nächsten zwei Wochen keine Pizza mehr sehen konnte, und fingerte in der Hosentasche seiner Jeans nach Scullys Zweitschlüssel für ihre Wohnung. Dann schloss er die Tür auf und blickte sich kurz um. Niemand war zu sehen. Er stellte das Essen auf ihren Couchtisch und machte es sich liegend auf ihrem Sofa bequem.
Plötzlich wurde die Schlafzimmertür aufgerissen und Scullys Stimme drang an sein Ohr.
Nein, Mum, ich hab die letzten Stunden geschlafen und hatte deshalb das Telefon ausgesteckt.
Es folgte eine kurze Pause, die Mulder dazu nutzte über die Lehne der Couch zu lugen. Doch mit dem Anblick, der sich ihm bot hatte er wirklich nicht gerechnet und sein Körper reagierte sofort. Besser gesagt sein Unterleib. In seiner Hose bildete sich eine kleine Ausbuchtung. Scully stand nur in Unterwäsche bekleidet in der Tür zu ihrem Schlafzimmer. Den Rücken hatte sie entspannt an den Türrahmen gelehnt, ihre Brüste waren von einem Seiden-BH bedeckt und hoben sich nach vorne ab und mit einem ihrer makellosen Beine fuhr sie auf der anderen Seite den Holzstock unbewusst auf und ab. Sie hatte anscheinend gerade geduscht, denn ihre Haare waren noch feucht und klebten rund um ihr Gesicht. Alle seine Wünsche schienen sich auf einmal verwirklich zu haben. Dieser Anblick würde sich für immer in sein Gedächtnis einbrennen und er konnte als glücklicher Mann sterben.
Sie hatte ihn nicht gesehen, da sie, völlig in das Gespräch vertieft, ihr Bein bei seinen gleitenden Bewegungen beobachtete. Mulder konnte den Blick einfach nicht abwenden, auch wenn er sich noch so sehr bemühte. Er wollte seine Augen auch eigentlich gar nicht abwenden, denn er wusste ja nicht, wann er wieder so eine Gelegenheit erhalten würde. Die Ausbeulung in seiner Hose war mittlerweile auf ein höchst ansehnliches Maß angewachsen. Oh Shit, wenn sie ihn jetzt entdeckte, während er mit einer Latte auf ihrer Couch lag und sie halbnackt in ihrer Unterwäsche beobachtet, war es um seine Gesundheit geschehen. Er wollte gar nicht daran denken, dass sie sowieso schon sauer auf ihn war. Also tat er das in seinen Augen vernünftigste. Er legte sich möglichst leise zurück auf die Couch und versucht nicht zu atmen und vor allem seine Erektion in der Hose wieder unter Kontrolle zu bringen. Anscheinend hatte Scullys Mutter am anderen Ende der Leitung aufgehört zu sprechen, denn Scully fuhr fort.
Nein, ich bin nicht krank. Ich hatte nur einen Überwachungseinsatz, der ziemlich lange gedauert hat. Jetzt hab ich die nächsten zwei Tage Überstundenfrei.
Wieder Pause, in der Mulder mit dem leisen Mantra Denk nicht an Scully in Unterwäsche Denk nicht an Scully in Unterwäsche in seinem Kopf fortfuhr.
Keine Ahnung. Mister Superpartner hat es vorgezogen, mich in dieser schäbigen Baracke alleine zu lassen und stattdessen irgendwelchen Abenteuern in Vermont nachzujagen.
Oh Gott, jetzt redete sie auch noch mit ihrer Mutter über ihn. Er wollte den Rest gar nicht mehr hören, konnte sich jetzt aber auch nicht mehr zu erkennen geben. Erstens, da die Ausbuchtung in seiner Hose immer noch vorhanden war und zweitens, weil sie wissen würde, dass er gelauscht hatte. Er saß in der Zwickmühle. Vielleicht würde sie ja wieder irgendwann ins Schlafzimmer zurückkehren und er konnte die Gelegenheit zur Flucht nutzen und so tun als wäre er nie hier gewesen.
Was heißt, er wird schon seine Gründe gehabt haben?
Ja, das war Mrs. Scully, seine Beschützerin und Verteidigerin in Notlagen. Ihm wurde bei dem Gedanken, dass sie ihn anscheinend wirklich mochte, warm ums Herz. Er hatte einfach eine Schwäche für alle Scullyfrauen.
Auf welcher Seite stehst du überhaupt? Er hat mich, deine Tochter, wenn ich dich erinnern darf, alleine in einem abbruchreifen Haus zurückgelassen und ich musste stundenlang den Abschaum der Gesellschaft bei seinen mehr als anrüchigen Betätigungen beobachten.
Ja, die FBI-Arbeit brachte einem immer wieder an die schönsten Plätze. Das hatten sie im Vorstellungsgespräch vorsorglich nicht erwähnt. Scully schien sich nun wirklich in Rage zu reden und in ihm stieg langsam so was wie ein leichtes Angstgefühl auf. Was wiederum einen kleinen positiven Nebeneffekt hatte. Das Problem in seiner Hose hatte sich soeben von selber gelöst.
Weißt du, Mum, dass macht er ständig. Er haut einfach ab. Und wer darf seine Extratouren immer unseren Vorgesetzten erklären? Ja genau. Scully wirds schon machen. Oh Gott, jetzt red ich schon von mir als Scully. Und dann kann ich mir wieder stundenlang Sorgen um ihn machen, wie es ihm geht oder ob ihm was passiert ist.
Scully machte sich Sorgen? Bei dem Gedanken musste er unweigerlich lächeln. Schöne Vorstellung. Vielleicht war sie deshalb immer so sauer auf ihn, weil sie sich eigentlich Sorgen um ihn machte, und er dafür bezahlen sollte. Ach komm Mulder, da ist wieder der Wunsch, der Vater des Gedanken. Scully war wieder von ihrer Mutter unterbrochen worden, denn es folgte eine weitere kleine Pause. Und dann ein entsetzter Aufschrei.
Mum.
Ihre Mutter musste irgendetwas Dramatisches gesagt haben, um so eine Reaktion bei Scully auszulösen.
____________________________________________________
Wieder kurze Pause.
Müssen wir das jedes Mal wieder durchkauen?
Was muss Scully ständig mit ihrer Mutter durchkauen? Ungewollt hörte er noch genauer hin. So langsam wurde er neugierig. Um was ging es hier eigentlich?
Also nur mal fürs Protokoll. Mulder und ich sind Partner, nicht mehr und nicht weniger.
Schlagartig liefen all seine Sensoren auf Hochleistung. Jetzt wurde es interessant. Vielleicht bekam er nun endlich die Chance auf die er schon so lange Zeit wartete. Die Möglichkeit, aus Scully rauszukriegen, was sie für ihn empfand. Gleichzeitig kam er sich schäbig vor. Einfach so bei einem Privatgespräch zu lauschen. Aber nein, die Gelegenheit war einfach zu gut. Wie oft hatte Scully eigentlich schon mit ihrer Mutter über dieses Thema gesprochen? Anscheinend nicht zum ersten Mal. Und er dachte immer, sie wäre total immun in dieser Sache. Aber am liebsten würde er nochmals einen Blick über die Couch riskieren, nur um ihren Gesichtsausdruck zu sehen, aber die Gefahr, dass sie ihn dann sehen würde, war einfach viel zu groß, also blieb er in seiner Haltung und bewegte sich keinen Millimeter. Auch wenn schon langsam sein Rücken wehtat. Immerhin war er nicht mehr der allerjüngste. Scullys nächster Satz klang höchst empört.
Das habe ich nie gesagt?
Komm schon, weiter, betete Mulder auf seiner Couch. Was hat sie nie gesagt? Aber anscheinend doch, sonst würde ihre Mutter sie jetzt nicht darauf hinweisen.
Na gut, dann hab ich halt gesagt, dass er einen unglaublichen Körper und die schönsten Augen hat, die ich je gesehen habe.
Mulder musste sich zusammenreißen nicht loszuprusten. Was hatte sie da gerade gesagt? Er konnte es nicht fassen. Sie fand, dass er scharf war? Na ja, so hatte sie das zwar nicht direkt ausgedrückt, aber man könnte das so verstehen. Dann waren sie zumindest in diesem Punkt einer Meinung. Er fand sie nämlich auch unglaublich scharf. Doch Scully war noch nicht fertig.
Hat Bratt Pitt auch. Ich meine den Körper, die Augen weiß ich nicht. Und was soll das beweisen?
Das war die Frage. Wahrscheinlich nichts. Gut sie war vielleicht physisch von ihm angezogen, aber dass hatte bei Scully noch nicht viel zu sagen. Scully war keine oberflächliche Person, wenn sie sich auf jemanden einließ, dann aus ganz anderen Gründen. Doch in seinem Hinterkopf spielte sich immer wieder folgender Satz, begleitet von Jubelmusik ab. Sie findet mich scharf, sie findet mich scharf, sie findet mich scharf. Langsam wurde ein achtstimmiger Chor daraus. Mulder komm wieder runter. Erneut holte ihn Scullys Stimme in die Realität zurück.
Was soll dass heißen, ich bin total schlecht drauf, wenn ich ihn mal ein paar Tage nicht sehe? Ich bin ein selbstständiger Mensch und ganz gewiss nicht davon abhängig, ob ein gewisser Mulder da ist oder nicht.
Woho. Ein Luftsprung wäre jetzt die angebrachte Reaktion gewesen. Aber das ging ja wahrlich nicht. Aber es ging noch weiter.
Letztes Weihnachten? Das ist gar nicht wahr.
Mulders Magen schlug langsam Purzelbäume vor Freude. Konnte es sein, dass die berechnende, undurchschaubare, auf ihre Selbstständigkeit pochende Dana Scully ihn vermisste, wenn er nicht da war. So wirklich vermisste. So wie er sie, wenn sie getrennt waren. Mit Herzschmerz. Das war zu schön um wahr zu sein.
Ich hab nicht ständig aufs Telefon gesehen und auf seinen Anruf gewartet.
Das musste ein Traum sein. Kneif mich! Sie hatte auf seinen Anruf gewartet. Dabei hatte er extra nicht angerufen, um sie nicht zu nerven. Ich bin im Wunderland. Scully hat gerade gesagt, dass sie mich scharf findet, mich vermisst, wenn ich nicht da bin und auf meine Anrufe wartet.
Konnte das Leben noch schöner werden? Vor lauter Freude über sich , die Welt im allgemeinen, über Scully und über ihre Mutter, die gerade jetzt angerufen hatte, und über die Tatsache, dass er sie auch noch in Unterwäsche gesehen hatte, hätte er fast verpasst, dass ihre Stimme leiser wurde, ganz so als würde sie sich wegbewegen. Vorsichtig schaute er um die Ecke und tatsächlich sie war in ihr Schlafzimmer gegangen und telefonierte von da aus weiter. Er erhob sich ganz leise von der Couch, bewegte sich leicht auf die Seite und konnte erkennen, dass sie vor ihrem Schrank stand und ihre Anziehsachen betrachtete. Ganz leise rückte er die Kissen auf der Couch wieder zurecht, schnappte sich den Salat und die Nudeln und machte sich auf den Weg zur Tür. Dann hörte er das Geräusch einer Schranktür und ihre Schritte. Oh Scheiße. In einem wahnsinnig schnellen Tempo öffnete er die Tür ohne ein Geräusch zu machen, dabei kippten jedoch seine Nudeln und die Soße bewegte sich gefährlich Richtung Rand. Er schaffte es gerade noch die Tür wieder ohne Lärm hinter sich zu schließen, konnte jedoch nicht mehr verhindern, dass die Nudelsoße nun endgültig überschwappte und mitten auf seiner Hose landete. Und da das ganze ziemlich heiß war, entglitt ihm ein lauter Schmerzensschrei.
__________________________________________________________
Was war das? Scully war sich sicher jemanden gehört zu haben. Und zwar vor ihrer Tür. Sie kam gerade aus dem Schlafzimmer und trug nun ein lässiges Oberteil und eine Jeans.
Mum, warte mal schnell, da ist jemand vor der Tür.
Ja sicher, Liebes. Ich hoffe nur, du versuchst nicht, mich vom Thema abzubringen.
Scully konnte das Stöhnen, dass ihr entfuhr einfach nicht verhindern. Warum unterstellte ihr ihre Mutter in mindestens jedem dritten Gespräch, dass sie und Mulder mehr als nur Partner waren? Das war absolut lächerlich. Sie und Mulder. Der Mann lebte nur für seine Arbeit. Und außerdem war sie überhaupt nicht sein Typ. Da hatte sie schon zu viele anderweitige Erfahrungen gemacht. Er stand eher so auf den vollbusigen, blonden, Beine-bis-zum-Himmel aber Ich-kann-nicht-bis-zehn-zählen Typ. Jetzt tat sie ihm Unrecht. Das Letzte nahm sie gedanklich zurück, nicht aber den Rest. Ihrer Mutter hatte sie schon zigmal versucht diese Tatsache klar zu machen, aber da konnte sie ja gleich mit einer Wand reden. Ich hab doch die Blicke gesehen, die er dir immer heimlich zuwirft. Manchmal dachte Scully, dass ihre Mutter mehr Fantasien hatte als Mulder. Die Zwei würden sicherlich ein prima Team bei den X-Akten bilden. Noch dazu schien sie ihn zu vergöttern. Auf ihre Art und Weise. Immer, wenn sie wieder eine von Mulders schlechten Eigenschaften aufführte, war ihre Mutter sofort auf seiner Seite. Dabei müsste sie doch zu ihr halten. Schließlich war sie ihre Tochter. Zum Beispiel hatte Mulder sie sitzen gelassen, so wirklich auf die miese Art. In einer beschissenen Wohnung, in der die beschissene Heizung nicht funktionierte und es nur beschissene alte Pizza und eine beschissene Aussicht gab. Und was sagte ihre Mutter zu dieser wirklich eindeutigen Sachlage? Er wird schon seine Gründe gehabt haben. Ja, so wie er immer seine Gründe hatte, wenn er wieder mal verschwand und tagelang nicht auftauchte. Sie war sauer auf ihn. Wirklich sauer und er würde bezahlen müssen.
Sie hatte nun die Tür erreicht und öffnete sie recht schwungvoll, mit dem Telefonhörer an ihrem rechten Ohr. Im nächsten Moment entglitt ihr ein Mulder, während sie versuchte den Telefonhörer nicht fallen zu lassen und gleichzeitig all ihre Sinne zusammennahm um nicht loszulachen.
Mulder stand vor ihrer Tür, in halbgebückter Haltung, auf dem Boden lag etwas, dass nach Nudeln aussah, daneben ein Salat und Mulder war intensiv mit dem Zentrum seiner Hose beschäftigt. Sie hatte ihn für kurze Zeit aus seinem Kampf gerissen, er blickte zu ihr hoch, wodurch sie einen genauen Blick auf sein Problem bekam. Mulder brachte nur ein Wort raus.
Heiß, Heiß, Heiß.
Bei Scully setzte in diesem Moment der Ich-bin-auch-Ärztin-Trieb ein, sie klemmte sich den Telefonhörer zwischen Kopf und Schulter, während sie im Hintergrund mitbekam, dass ihre Mutter irgendetwas sagte, was jetzt jedoch zweitrangig war und trat zu Mulder.
Wir müssen dir die Hose ausziehen!
Mulder blieb gar keine Zeit zu reagieren, denn Doktor Scully war für ihre schnellen Reflexe und ihr entschiedenes Eingreifen bekannt. Bevor er noch etwas erwidern konnte, öffnete sie seinen Gürtel, sowie den Knopf und den Reißverschluss seiner Hose, zog diese nach unten und der rationelle Teil ihres Gehirns setzte in dem Moment wieder ein, als ihre Mutter am Telefon geradezu schrie.
Du ziehst ihm WAS aus?
Scully schoss die Röte ins Gesicht. Sie stand halbgebeugt vor Mulder, spürte in dem Moment auch seine Hände auf ihren Schultern, hatte immer noch seine Hose in beiden Händen und den Telefonhörer zwischen Schulter und Kopf geklemmt und hatte einen direkten Blick auf sein bestes Stück in Unterhosen. Nein falsch, in absolut scharfen Unterhosen. Im selben Moment ging auch noch die Tür der Nachbarwohnung auf, ihre etwas ältere Nachbarin blickte heraus, sah die beiden, in dieser zugegebenermaßen ziemlich zweideutigen Stellung und pflaumte sie an.
Müssen sie ihre perversen Spielchen denn hier draußen auf dem Flur veranstalten. Wo leben wir denn? Früher wäre das nicht passiert. Ich werde mich beim Hausmeister beschweren.
Damit flog die Tür mit einem lauten Bums zu und Scully wäre am liebsten im Boden versunken.
___________________________________________________________
Es dauerte ungefähr fünf Sekunden, bis wieder jede Faser ihres Gehirnes durchblutet wurde und ihre Reflexe einsetzten. Dass führte dazu, dass sie einen Meter nach hinten sprang und Mulder mit einem mehr als anzüglichen Grinsen und heruntergelassenen Hosen vor ihr stand.
Aber Scully, wenn es dass ist, was du willst, hättest du nur zu fragen brauchen!
Scully nahm alle ihre Beherrschung zusammen und sprach mit möglichst neutraler Stimme in den Telefonhörer: Mum, ich muss jetzt auflegen.
Auf die Erwiderung wartete sie gar nicht mehr, sondern drückte auf den roten Knopf und versuchte nicht daran zu denken, dass der letzte Satz, den ihre Mutter gehört hatte, der war, in dem sie zu Mulder sagte, dass sie nun seine Hosen ausziehen würde. Sie war vorher schon sauer auf ihn gewesen, aber jetzt war sie kurz vorm Explodieren. Auch , wenn der rationale Teil ihres Gehirnes sagte, dass er eigentlich nichts dafür konnte. Ach Scheiß, auf den rationalen Teil, sie war gerade so was von gedemütigt worden und er hatte nichts Besseres zu tun, als auch noch eine anzügliche Bemerkung zu machen. Aber sie konnte ihn ja schlecht so auf dem Flur vor ihrer Wohnung stehen lassen, wer wusste schon, welche Nachbarn sich sonst noch entschieden aus ihren Apartments zu kommen. Also fuhr sie ihn mit ihrer schärfsten Navy-Stimme an. Ihr Vater wäre stolz auf sie gewesen.
Sofort rein hier!
Natürlich musste Mulder, wie sollte es auch anders sein, wieder seinen Senf dazu geben.
Dein Wunsch ist mir Befehl.
Konnte er nicht einmal, nur einmal, seine Klappe halten und einfach tun was sie sagte. Er zog seine Hosen ganz aus, nahm sie in seine Hand, machte zwei Schritte auf sie zu, sodass er nur noch wenige Millimeter von ihr entfernt stand, blickte auf sie herab, in diesen Momenten hasste sie es, dass er so viel größer war als sie, und hauchte dann ein leises Hey in ihr Gesicht.
Oh, dieser Mistkerl. In ihrem Bauch machte sich ein mehr als angenehmes Kribbeln breit. Sie konnte Mulders Atem auf ihrem Gesicht spüren, während er ihr in die Augen schaute und ihren Blick geradezu magisch festhielt.
Hast du mich vermisst?
Hatte sie ihn vermisst? Natürlich in jeder Stunde, in jeder Minute, in jeder Sekunde. Aber schließlich hatte er sie sitzen lassen. Sie nahm all ihre noch vorhandene Widerstandfähigkeit zusammen, drehte sich um und ging Richtung Küche, während sie sprach.
Ich bin nicht abgehauen und hab meinen Partner zurückgelassen.
Dann öffnete sie eine Schranktür, nahm einen Putzeimer heraus, füllte ihn mit Wasser, schmiss einen Lappen hinein und machte sich wieder auf dem Weg zur Tür. Mulder war derweil Richtung ihres Schlafzimmers unterwegs.
Ich zieh mir nur was anderes an.
Und damit verschwand er durch die Tür, wobei er nicht im Mindesten daran dachte, diese zu schließen. Mistkerl. Sie sah, wie er in Richtung seines Schubladens ging und diesen öffnete. Im Laufe der Jahre hatte er so einige seiner Sachen bei ihr deponiert, genauso wie sie einige ihrer Anziehsachen bei ihm hatte. Scully ging mit ihren Putzutensilien bewaffnet Richtung Flur und begann die Überreste des Essens aufzuwischen. Oh, er hatte ihre Lieblingsnudeln besorgt. Davon war jetzt aber nichts essbares mehr übrig. Sie brannte darauf zu erfahren, wie das ganze passiert war, aber sie konnte sich gedulden. Aus ihren Augenwinkeln sah sie, wie sich Mulder, der mit dem Rücken zu ihr stand, sein T-Shirt auszog. Sie konnte nicht verhindern, dass sie hinsah. Sie hatte nicht übertrieben, als sie ihrer Mutter gesagt hatte, dass er einen absolut phänomenalen Körper besaß. Seine Schulterblätter zeichneten sich von seinem Rücken ab. Sie konnte seine kräftigen Oberarme erkennen und seine Finger, die so zärtlich und magisch sein konnten. Dass hatte sie schon bei der ein oder anderen Rückenmassage, die sie ab und zu von ihm bekam, festgestellt. Plötzlich und ohne Vorwarnung drehte er sich um, und ertappte sie beim Starren. Es folgte wieder ein anzügliches Grinsen. Scully senkte schnell den Blick Richtung Putzeimer und merkte, wie sie das zweite Mal an diesem Tag errötete.
Jetzt krieg dich wieder unter Kontrolle. Es ist schließlich Mulder. Und vergiss nicht, dass du sauer auf ihn bist. Er hat dich zurückgelassen bei diesem gottverdammten letzten Fall. Er sollte für jede einzelne Schweinerei, die du durch das Fernglas beobachtet hast, büßen müssen. Und für die Erklärung, die du jetzt dem Hausmeister liefern musst, erst recht. Das war alles nicht wonach es ausgesehen hat. Ich habe meinem Partner nur die Hosen runter gezogen, weil ich nicht wollte, dass sein bestes Stück irgendeinen Schaden nimmt, von der heißen Nudelsoße, die er sich aus, keine Ahnung welchen Gründen über die Hose geschüttet hatte. Und nein, ich konnte das ganze nicht erst in meiner Wohnung tun, denn mein Gehirn hat bei dem Anblick dieses Mannes, wie er an seiner Hose rumfummelte einen kleinen Stromausfall erlitten, der mich jeglichen Verstandes beraubte. Und als ich dann noch Auge in Auge mit seinem Ding in dunkelroten Satinunterhosen war, da ist leider mein ganzes Blut von meinem Gehirn weggeflossen, wodurch ich kurz vor einer Sauerstoffunterversorgung war, was zur völligen Bewegungsunfähigkeit führte. Sie verstehen also, das ganze hatte rein gar nichts mit Perversion zu tun. Oh ja, sie war sich sicher, der Hausmeister würde diese Erklärung schlucken.
Sie drückte den Lappen zwischen ihren Fingern bis die weißen Knöchel ihrer Hand hervortraten und stellte sich dabei vor, dass es Mulders Kopf war. Oh, das machte richtig Spaß, tat langsam aber auch ein bisschen weh, wodurch sie ihre Bemühungen wieder einstellte, den Rest der Schweinerei auf dem Boden aufwischte und sich in die Küche begab, wo sie den Eimer mehr oder weniger in die Spüle pfefferte. Hinter ihr ertönte seine tiefe Stimme.
Sauer?
Sauer? Ich? Nein wie kommst du denn da drauf? Ich bin die Beherrschung in Person, sonst würde ich dich jetzt deinen Kopf durch die nächste Wand rammen.
Dabei drehte sie sich um, um ihn einen ihrer gefürchteten Leg-dich-nicht-mit-mir-an-oder-du-bist-Matsch-Blicke zuzuwerfen. Er zuckte leicht zusammen, grinste sie dann aber schamlos an.
Ich war nicht diejenige, die nicht warten konnte, ihrem Partner die Hosen vom Leib zu reißen. Du musst ja in meiner Abwesenheit ganz schön was aufgestaut haben.
Und ob sie was aufgestaut hatte. Doch nicht dass, was er meinte. Doch eigentlich schon, aber das war jetzt nicht gerade ein Argument, dass für ihn sprach.
Mulder halt einfach die Klappe! Ich hab jetzt absolut keine Lust auf deine Spielchen. Und wie kam es überhaupt zu diesem...diesem...diesem Nudelunfall?
Scully hatte wieder mit einem mehr als dämlichen Spruch gerechnet, doch stattdessen schaute Mulder nur sehr betreten. Oh, sie kannte diesen Blick. Den hatte er immer, wenn er etwas verbergen wollte oder etwas sehr Dummes angestellt hatte. Er konnte vielleicht die Leute im Büro täuschen oder ihre Bosse, aber nicht sie. Sie verschränkte die Arme vor ihrem Körper, lehnte sich gegen ihr Spülbecken und setzte ihr Ich-krieg-es-doch-aus-dir-raus-Gesicht auf. Und Mulder, dass wusste sie, kannte dieses Gesicht.
_________________________________________________
Er hatte unter diesem Blick schon Mörder zusammenzucken, Arbeitskollegen die Flucht ergreifen und Vorgesetzte weichen sehen. Und auch bei ihm war die Wirkung ähnlich. Scully konnte sehr überzeugend sein, wenn sie wollte und dann stand nichts mehr ihr und ihrem Ziel im Weg. Schlecht wenn das Ziel er war. Noch schlechter, wenn er dadurch noch größeren Ärger kriegen würde und am allerschlechtesten, falls es da überhaupt noch eine Steigerung gab, war es, wenn er, so wie jetzt, absolut keine Chance sah, ihr die Wahrheit zu sagen. Denn dass würde ihn in noch größere Schwierigkeiten bringen. Er saß in der Falle. Er hätte sie nicht reizen sollen. Aber er konnte einfach nicht anders. Zuviel hatte er bei seinem heimlich Mitgelauschten Telefongespräch gehört. Und überhaupt, wie sollte ein Typ noch ruhig bleiben, wenn ihm die Frau seiner heimlichen und nächtlichen Träume, plötzlich die Hosen runter zog. Er hatte in diesem Moment nur gebetet, dass sich nichts in seiner Hose bewegen würde. Und er hatte es geschafft. Und für diese wahninnige sportliche Leistung hätte er normal eine Auszeichnung verdient. Nur schade, dass er dass keinem erzählen konnte. Würde bei seinen FBI-Kollegen bei einer kleinen Gesprächsrunde im Männerklo bestimmt richtig gut ankommen. Und einigen Agenten würde er bestimmt eine Freude machen, wenn sie den Bürojackpot absahnen durften.
Scully räusperte sich kurz und machte ihn wieder auf seine missliche Lage aufmerksam.
Weißt du, ich muss dringend den Fleck aus der Jeans waschen, sonst trocknet der ein und dann, du weißt schon, muss ich für die Reinigung wieder soviel zahlen.
Er hatte sich schon auf den Weg zu seiner Hose gemacht, die irgendwo in der Nähe der Tür liegen musste, so genau wusste er das nicht mehr, da er ja in diesem Moment anderweitig beschäftigt war und versuchte einfach möglichst unauffällig weiter zu labern.
Tja, und bei dem Gehalt, das das FBI so zahlt, tja, da muss man sparen wo man so kann. Schließlich hab ich ja auch noch ein paar Fische zu versorgen und die Putzfrau zu bezahlen, da du dich ja immer noch nicht bereit erklärt hast, dies für mich zu tun. Und überhaupt....
Er war fast da. Nur noch ein winzig kleiner Schritt trennte ihn von ihr. Doch weiter ließ ihn Scully nicht kommen.
Mulder, du schwafelst. Zurück zum Punkt.
Der Jeansversuch war hiermit wohl ziemlich gescheitert. Trotzdem hob er sie auf und nutzte die Zeit nachzudenken. Wie komme ich hier raus? Er versuchte es mit der letzten Möglichkeit, die ihm spontan einfiel.
Wie gehts deiner Mutter? Habt ihr über irgendwas Interessantes gesprochen?
Er stellte mit Befriedigung fest, dass nun Scully leicht rot wurde. Wenn sie in diesem Tempo weiter machte, dann würde das womöglich noch ein Dauerzustand werden und sie vielleicht einen neue Gesichtsfarbe erhalten. Scully löste die Verschränkung ihrer Arme, wofür er sich gedanklich schon mal einen Punkt gab. Die Angriffsstellung war aufgelöst. Stattdessen griff sie mit beiden Armen nach der Küchenzeile hinter sich und stütze die Hände darauf. Er konnte Scully lesen wie ein Buch. Er war wieder im Vorteil. Er brauchte ihr nur noch den Todesstoß zu versetzen.
Zum Beispiel über mich?
Scully schoss nun noch mehr Farbe ins Gesicht, bevor sie ihre Stimme wieder zu finden schien. Er bewunderte ihren neutralen Tonfall. Wenn er vorher nicht gelauscht hätte, würde er ihr die ganze Geschichte fast abkaufen. Ja, seine Scully, war die Meisterin der Täuschung.
Über dich? Nein. Dabei zog sie noch ein möglichst unschuldiges Gesicht und schüttelte den Kopf. In Gedanken macht er schon den Vertrag mit Hollywood klar, denn diese meisterliche schauspielerische Leistung war kaum noch zu übertreffen.
Wir haben nur so über allgemeine Sachen gesprochen. Das Wetter. Letztes Weihnachten. Und so. Du weißt schon. Worüber Töchter so mit ihren Müttern sprechen.
Sie war ihm schon wieder in die Falle gegangen, ohne dass sie es wusste. Das Ganze konnte noch ein ziemlicher Spaß werden. Zumindest jetzt, da er wieder im Vorteil war. Ja er wusste, dass er grausam war. Aber das lag wohl in der dunklen Natur seiner Seele begründet. Er hatte nicht zu oft die Möglichkeiten, Scully in die Ecke zu manövrieren. Denn meistens tat sie genau das mit ihm.
Und worüber sprechen Frauen mit ihren Müttern? Männer?
Bei diesem Satz verschluckte sich Scully und musste leicht husten. Was war an der ganzen Sache dran? Warum war es ihr gar so peinlich? Hatte ihre Mutter doch Recht, und Scully empfand mehr für ihn, als nur Freundschaft und wenn ja, wie viel mehr. Er ging wieder auf sie zu, während sie sprach, ganz langsam, aber doch mit einem Ziel im Auge. Unterwegs schmiss er die Jeans im Vorbeigehen auf die Couch.
Tja, ab und zu geht es auch um Männer. Du weißt schon, so im Allgemeinen.
Er stand nun ganz dicht vor ihr und sie drückte sich noch mehr an die Küchenzeile, doch viel weiter kam sie nicht zurück. Dann beugte er sich leicht nach vorn, so dass ihre Gesichter nur noch wenige Zentimeter voneinander entfernt waren, stütze seine Arme ebenfalls auf die Küchenzeile, so dass er ihre Hände leicht berührte. Sie war zwischen ihm und der Küchenzeile gefangen. Und dann flüsterte er in seiner erotischsten Stimme
Und auf welche Männer stehst du so im Allgemeinen?
____________________________________________________________
Er war so nah, dass sie seinen Atem auf ihrem Mund spürte. Sie konnte seinen typischen Duft riechen. Eine Mischung aus Deodorant, Duschgel und dem Körperduft, der von Mulder ausging. Seine Daumen fingen an über ihre Hände zu streicheln. Langsame, kreisende Bewegungen, die ihr Blut allmählich in Wallung brachten. Ihr Pulsschlag beschleunigte sich in ihren Ohren und das angenehme Kribbeln, dass in ihrem Bauch begonnen hatte breitete sich aus, durchfuhr ihren ganzen Körper. In ihrem Kopf fing alles an sich zu drehen, die Zeit blieb stehen und alles um sie herum verstummte. Er nahm, bewusst oder unbewusst, sie konnte es nicht sagen, seine untere Lippe in seinen Mund und ließ sie wieder los. Immer, wenn er das tat, fiel ihr Blick geradezu magisch angezogen auf diese. Die Bewegung ihrer Augen war ihm nicht entgangen. Er näherte sich ihr. Sie sah, wie sich seine Augen schlossen und auch ihre Augenlider fielen zu. Sie spürte wie seine Lippen ihren Mund streiften, ganz sanft, ganz leicht, nur ein Hauch. Er fuhr leicht über sie, berührte sie ganz zärtlich, wie um sie um Erlaubnis zu bitten. Sie wollte mehr. Der Schwindel, den er mit dieser leichten Berührung auslöste, drohte sie zu übermannen.
Ring, Ring, Ring. Das Telefon.
Mulder tat vor Schreck einen Satz rückwärts. Wer immer da am Telefon war, sie würde ihn erschießen. Sie wusste nicht, wie sie den nächsten Satz überhaupt über ihre Lippen brachte, denn ihre Gedanken waren immer noch bei ihm. Und was beinahe passiert wäre.
Ich sollte wohl besser ran gehen.
Auch er brachte nicht viel mehr als ein leises Ja heraus.
Wie sie zu dem Telefon kam, wusste sie nicht mehr. Zu sehr war sie noch in dem tranceähnlichen Zustand gefangen. Sie hob den Hörer ab und ihr Scully entglitt ihr viel schärfer, als sie es beabsichtigt hatte.
Hier ist Assistent Director Skinner.
Auch das noch. Nun war die Stimmung zerstört.
Ja Sir.
Ist zufällig Agent Mulder bei Ihnen. Ich kann in daheim nicht erreichen und sein Handy ist ausgeschaltet. Warum ging immer alle Welt davon aus, dass Mulder sich ständig in ihrer Nähe herumtrieb?
Ja er ist hier. Einen Moment bitte.
Sie drehte sich zu Mulder, sah ihn das erste Mal nach diesem Beinahkuss an und hob das Telefon in seine Richtung. Während er näher kam, artikulierte sie das Wort Skinner mit ihren Lippen. Er nickte ihr kurz zu und nahm den Telefonhörer, wobei er seine Hand kurz auf der ihren ruhen ließ.
Mulder
Es folgte eine kurze Pause, dann ein entsetztes Jetzt? und anschließend ein Bin schon unterwegs.
Dann legte er auf, drehte sich zu ihr um sah sie mit einem dieser gequälten Gesichtsausdrücke an.
Ich muss sofort zu Skinner ins Büro. Er will meinen Bericht vom letzen Fall. Hat wohl was damit zu tun, dass die Tochter eines Senators darin verwickelt war.
Sie war nicht fähig, nur den leisesten Ton von sich zu geben und zuckte stattdessen nur mit den Schultern. Daraufhin drehte er sich um und verließ ihre Wohnung ohne ein weiteres Wort, während sie sich auf die Couch fallen ließ und den Kopf in beide Hände nahm.
Was hatte sie sich nur dabei gedacht? Sie hätte ihn fast geküsst. Oh, nein, dass stimmte nicht. Er hätte beinahe sie geküsst. Aber sie war dabei es zuzulassen. Wenn das Telefon nicht geläutet hätte, dann wäre es passiert. Aber was dann? Sie waren Arbeitskollegen, beste Freunde, es gab FBI-Regeln, die diese Dinge zwischen Partnern nicht erlaubten, obwohl, dass nur ein weiterer Verstoß auf einer langen Liste wäre. So viele Gedanken und Gefühle stürzten auf sie ein. Was empfand sie für ihn? Was er für sie? Doch das war fast schon zweitrangig.
Sie wusste nicht einmal, wie sie ihre Gefühle für ihn einordnen sollte. Vor nicht allzu langer Zeit, hatte ihr verhasster Feind, Spender, ihr ins Gesicht gesagt, dass sie zwar für Mulder sterben würde, sich aber nicht erlaubte ihn zu lieben. War es so? Oh, sie war sich sicher, dass sie wirklich für Mulder ihr Leben geben würde. Was hatte ihr Leben noch für einen Sinn, wenn er nicht mehr da war. An ihrer Seite. Aber was war mit Liebe? Es stand fest, dass sie seit Jahren keinen anderen Mann mehr getroffen hatte. Und es stand fest, dass sie mehr für ihn empfand als reine Freundschaft. Viel mehr sogar. Und ja sie liebte ihn. Aber war sie in ihn verliebt? Er war so anders, als wie sie sich immer ihren Traumprinzen vorgestellt hatte. Sie konnte nicht hoffen mit ihm eine Familie zu gründen. Aber auch das war nur die halbe Wahrheit. Immerhin versuchte sie gerade ein Kind mit Hilfe einer künstlichen Befruchtung zu bekommen. Und wer war wohl der Samenspender? Ja, Mulder. Wer sonst? Sofort als sie erfahren hatte, dass es noch diese kleine Chance auf ein Kind gab, war er der Erste und Einzige, der für sie als Vater in Betracht kam.
Sie war durcheinander. Sie dachte an die Zeitpunkte zurück, als andere Frauen in seinem Leben aufgetaucht waren. Phoebe, Detective White, Bambi und dann auch noch Fowley. Sie hatte immer eifersüchtig reagiert, gestand sie sich jetzt ein. Immer wenn die Gefahr bestand, dass jemand anders zwischen sie und Mulder kam, reagierte sie zutiefst verletzt und ja, auch etwas zickig. Er bedeutet alles für sie. Sie wollte ihn nicht teilen, sie wollte ihn alleine für sich. Aber war sie auch bereit den ganzen Weg zu gehen? Sie wusste es nicht. Mulder war nicht der Typ, der sich irgendwann niederließ, sich mit einer bloßen Bürotätigkeit zufrieden gab und pünktlich um fünf Uhr Feierabend machte. Mit ihm war es ein Leben auf der Überholspur. Immer in Gefahr, immer neuen Verschwörungen auf der Spur und immer auf der Jagd nach neuen Monstern und kleinen grauen Männchen. Sie konnte nicht erwarten, dass er das für sie aufgab. Nein, dass würde er nicht, denn Mulder war Mulder. Und das war ein Teil seiner faszinierenden Persönlichkeit.
Was war nur mit ihr los? Er hatte sie so durcheinander gebracht und dabei hatte sie nur den Hauch seiner Lippen auf den ihren gespürt. Hatte er das ernst gemeint oder war das nur wieder eines seiner Spielchen? Wenn sie darüber nachdachte, hatten sich seine anzüglichen Bemerkungen in letzter Zeit gehäuft. Wo er nur konnte, machte er irgendeinen anzüglichen Kommentar. Und was machte sie? Das was sie am besten konnte. Ihn ignorieren. Was wollte er? Er hatte ihr einmal seine Liebe gestanden. Aber da stand er unter der Nachwirkung von Morphium. Oder nicht? Bei einem Baseballspiel hatte er sie eng umschlungen in seinen Armen gehalten. Aber er wollte ihr nur zeigen, wie man den Schläger schwingt. Oder nicht? Dann hatte er sie geküsst. Aber das war nur ein Kuss unter Freunden an Sylvester. Oder nicht?
Sie war verwirrt. Mulder war so schwer zu durchschauen. Konnte es wirklich sein, dass er mehr für sie empfand? Dass er mehr wollte? Sie wollte nicht länger darüber nachdenken. Sie wollte ihre Gedanken wieder in den Griff kriegen. Wieder Herrin ihrer Sinne werden. Abschalten. Und dass konnte sie am besten bei körperlicher Betätigung. Also ging sie in ihr Schlafzimmer, zog sich Sportsachen an und machte sich auf den Weg zum Fitnessraum im Hoover Building.
__________________________________________________________
Dana Scully schwang die Hanteln mit wesentlich mehr Schwung wie üblich. Doch jede Kontraktion ihrer Muskeln schien das aus ihrem Hirn zu bannen, was noch vor kurzer Zeit in ihrer Küche passiert war. Besser gesagt, beinahe passiert wäre. Ihr Verstand klarte bei jeder weiteren Kraftanstrengung ein wenig mehr auf. Je mehr Schweiß ihren Körper hinunter rann, umso sicherer war sie sich, dass das Ganze ein nicht ganz ernst gemeinstes Spiel von Mulder war, um sie von ihrer Wut auf ihn abzubringen. Was ihm vollauf gelungen war. Schließlich saß sie nun seinetwegen an ihrem freien Tag im Kraftraum und konnte an nichts anderes denken, als an ihn, seine Berührungen und den Hauch seiner Lippen auf den ihren.
Und ob sie es zugeben würde oder nicht, sie sehnte sich nach seinen Lippen. Sogar jetzt und hier. Sie wollte ihn küssen. Sie wollte, dass seine Hände sanft über ihren Körper strichen. Dass er mit seinen Fingern, die so zärtlich sein konnten, jede Faser berührte. Und sie wollte ihn berühren. Sie wollte wissen, wie sich sein trainierter Oberkörper unter ihren Händen anfühlte. Wollte fühlen wie sich die Muskeln ganz leicht bei ihren Bewegungen zusammenzuckten. Manchmal abends im Bett, auch wenn sie dies niemals, niemals jemanden erzählen würde war ihre Einsamkeit so groß, dass sie ihn bei sich haben wollte. Er schlich sich nachts in ihre Träume und ihrem Unterbewusstsein tat sie, was ihr ansonsten so rationaler Verstand nie zuließ. Sie ließ ihn heran. In ihren Träumen hatte sie schon längst alle Sünden begangen die es zu begehen gab. Hatten diese unsichtbare Linie schon längst überschritten. Doch die nächtlichen Fantasien ihres Unterbewusstseins sorgten zwar für schöne Träume, waren aber nur ein schlechter Ersatz für die Realität.
Noch mehr sehnte sie sich nach dem so genannten normalen Leben, dass sie schon lange nicht mehr führte. Nach einem Partner, der abends neben ihr einschlief und morgens neben ihr aufwachte. Der ihr an besonderen Tagen Frühstück ans Bett brachte oder einen Strauß Blumen mit nach Hause. Und sie wollte, dass Mulder dieser Partner war. Sie konnte sich niemand anderen mehr an ihrer Seite vorstellen. Wie hatte sie vor einem Jahr zu einer Frau gesagt, deren bester Freund sich in sie verliebt hatte? Nun, mir scheint, dass die besten Beziehungen - diejenigen, die andauern - häufig der Freundschaft entspringen. Wissen Sie, eines Tages sieht man den Freund an und sieht plötzlich mehr als in der Nacht zuvor. Es ist wie ein unerwarteter Wechsel. Und derjenige, der nur ein Freund war, ist plötzlich die einzige Person, mit der man sich jemals vorstellen kann, zusammen zu sein. Sie wusste nicht, wann dieser Wechsel sich bei ihr vollzogen hatte. Aber es war geschehen. Mulder war tatsächlich der einzige mit dem sie sich vorstellen konnte, zusammen zu sein. Doch es war so kompliziert. Sie beiden hatten eine so vertrackte Beziehung, dass sie nicht beschrieben werden konnte. Nicht in Worte gefasst. Mulder würde sich nie in ein Schema pressen lassen. Mit ihm an ihrer Seite würde sie nie dieses normale Leben führen können, von dem sie früher so geträumt hatte. Doch war das auch jetzt noch ihr Ziel.
Sie spürte ein leichtes Ziehen in ihrem Oberarm und merkte, dass sie es wohl, völlig in Gedanken versunken, ein bisschen übertrieben hatte. Na toll jetzt kann ich wieder drei Tage mit Muskelkater durch die Gegend laufen. Und es gab nur eine Sache auf der Welt, die Muskelschmerzen lindern konnte. Ihre heimliche Liebe. Schaumbäder bei Kerzenschein. Eine gute Idee, die sie sofort in die Tat umsetzen wollte und sich auf dem Weg nach Hause machte.
Zum zweiten Mal an diesem Tag stand Mulder vor Scullys Tür und klopfte erneut vehement dagegen. Und wieder gab es keine Antwort. Doch dieses Mal würde er sich nicht selbst hinein lassen, denn er wollte sein Glück nicht ein zweites Mal herausfordern. Eigentlich musste er lebensmüde sein, um wieder hier aufzutauchen. Schließlich hatte er sie das letzte Mal quasi gegen das Küchenregal genagelt und wollte gerade das Innere ihres Mundes mit seiner Zunge erkunden. Nur zu blöd, dass in diesem Moment das Telefon geläutet hatte. Skinner, der ihn unbedingt sprechen wollte. Er hätte sich keinen schlechteren Moment aussuchen können, denn sofort waren ihre Wände wieder errichtet. Uneinnehmbar wie die chinesische Mauer oder der Limes. Er hatte es an ihren Augen gesehen. Wozu sie noch eine Minute früher bereit gewesen wäre, war nur noch eine Erinnerung. Und sie würden das tun, was sie in solchen Fällen immer taten. Sie würden die ganze Sache ignorieren und zum Tagesgeschäft übergehen. Nur, dass dies in letzter Zeit immer häufiger der Fall war und immer schwerer wurde. Sie waren sich im letzten Jahr näher gekommen, wesentlich näher. Und er war der Meinung, dass die ganze Sache einen kleinen Anstoß verdient hatte. Er würde erkunden wie weit er gehen konnte. Und würde ihre Mauer Stück für Stück einreißen. Ja die chinesische Mauer war auch nicht beim ersten Versuch überwunden worden, aber irgendwann waren die Hunnen doch ins Reich der Mitte eingefallen. Und genau das hatte er auch vor. Und so hatte er sich in den letzten Stunden sorgfältig einen Plan zu Recht gelegt. Doch der war von vorneherein zum Scheitern verurteilt, wenn sie nicht da wäre. Und so klopfte er noch etwas heftiger an ihre Türe. Zum dritten Schlag kam er nicht mehr, da die Türe aufgerissen wurde und eine sichtlich genervte Scully vor ihm stand. Genervt und frisch einem Bad entstiegen, so wie es aussah. Nur in einen Bademantel gehüllt. Soviel zur Kontrolle über die Situation.
Störe ich?
Was an sich offensichtlich war. Nun bemerkte er auch den Grund warum sie ihn nicht gleich gehört hatte. Aus ihrem Badezimmer klang Musik. Er hatte aber keineswegs vor das Feld zu räumen.
Mulder, es ist mir egal, ob irgendwo ein Vampir sein Unwesen treibt, ein Monster in der Kanalisation wütet, ein Seeungeheuer gesichtet wurde oder gerade kleine graue Männchen vom Himmel gestiegen sind. Ich habe meinen freien Tag und ich werde mich bestimmt nicht zu einem Spontantrip ins Nirgendwo und einer Übernachtung in ein schäbiges Hotel begeben. Die Antwort ist Nein. Und jetzt: Tschüß! Auf mich wartet ein entspannendes Bad.
Er versuchte es. Wirklich. Er konnte nichts dafür. Sein Gehirn schaltete ungefähr eine Sekunde zu spät ein, was ja bei dem Anblick auch kein Wunder war. Aber die nächsten Worte rutschten ihm geradezu über die Lippen. Ganz ungewollt. Sie hatten sich eigentlich selbstständig gemacht.
Soll ich dich begleiten.
Er musste einen kleinen Satz rückwärts machen, um nicht von der Tür, die ihm entgegenkam getroffen zu werden. Die Antwort war offensichtlich nein. Aber ein Fox Mulder ließ sich von so einem kleinen Zwischenfall nicht aus dem Konzept bringen. Er klopfte noch mal gegen die Tür.
Ich bin nicht hier wegen eines Falles. Und ich weiß, dass du deinen freien Tag hast, aber es ist dringend.
Ihre Antwort kam prompt. Aha, sie war also noch in der Nähe der Tür, was an sich ein gutes Zeichen war.
Ist es nicht immer dringend?
Diesmal ist es wirklich so. Ich brauch dich als Ärztin. Ich hab mir beim letzten Fall ein paar Verletzungen zugezogen, die ich bisher noch nicht hab verarzten lassen und die jetzt aber höllisch wehtun.
Die Verletzungen hatte er wirklich. Immerhin war er von einer Frau durch die Luft geschleudert worden, nur um anschließend fast sein Leben durch Ertrinken auszuhauchen. Aber das sie höllisch weh taten war etwas übertrieben. Etwas mehr als leicht übertrieben.
Dafür gibt es Krankenhäuser.
Sie war immer noch da, er hatte sie fast soweit.
Ja, aber da muss ich wieder stundenlang warten und außerdem vertraue ich nur meiner Lieblingsärztin.
Das stimmte zumindest. Er schnaufte deutlich hörbar auf der anderen Seite der Tür ein. Und dann öffnete sich diese und Scully winkte ihn mit einem Warte auf der Couch, ich zieh mir nur etwas anderes an., herein.
Er grinste. Erster Teil des Planes erfüllt, nun folgt der zweite Streich. Auch dieser war sorgsam geplant. Er würde sie etwas aus dem Konzept bringen und sich die Tatsache zunutze machen, dass sie ihn, sagen wir mal nicht ganz unattraktiv fand.
_____________________________________________________________
Er setzte sich wie beordert auf ihre Couch und zog seinen Pullover und sein T-Shirt aus. Dann lehnte er sich lässig zurück und wartete. Aus dem Bad klang immer noch die Musik.
Kurz darauf kam sie aus ihrem Schlafzimmer und war dabei die Couch zu umrunden.
Also Mulder, was muss denn so dringend verarztet werden, dass es nicht bis...morgen warten kann?
Ihr kleiner Aussetzer war ihm nicht entgangen. Auch nicht das kurze aufreißen ihrer Augen, als sie gesehen hatte, dass sein Oberkörper nackt war. Vielleicht hatte auch sein schelmisches Lächeln seinen Teil dazu beigetragen. Aber Scully wäre nicht Scully, wenn sie nicht sofort die Situation wieder unter Kontrolle hätte. Sie blieb rund einen Meter vor ihm stehen und blickte mit einer angezogenen Augenbraue auf ihn hinab. Vielleicht war die chinesische Mauer doch höher, als er erwartet hatte, sie ging auf jeden Fall vorsorglich auf Sicherheitsabstand.
Also hier, und dabei deutete er auf seine Rippen und verzog leicht sein Gesicht, tut es bei jeder Bewegung weh. Könntest du dir das mal anschauen, nicht dass sie gebrochen sind.
Oh ja, er sah den kurzen Kampf in ihren Augen. Er hatte sie eindeutig dazu aufgefordert ihn anzufassen und sie wusste nicht wie sie darauf reagieren sollte. Also versuchte sie aus der ganzen Geschichte raus zu kommen.
Davon habe ich vorher aber nichts gemerkt?
Tja, da war ich abgelenkt. Du weißt schon der Nudelunfall und seine Auswirkungen.
Anscheinend wollte sie nicht näher auf den Nudelunfall und vor allem auf die Auswirkungen eingehen, denn sie trat einen Schritt auf ihn zu. Er lehnte sich so weit wie möglich nach hinten. Scully war gezwungen sich nach vorn zu beugen, wenn sie ihn näher begutachten wollte. Sie stand zwischen seinen Beinen und stütze eine Hand auf der Couch neben ihm ab, um ihr Gleichgewicht zu halten. Mit der anderen begann sie die Stelle abzutasten, die er ihr gezeigt hatte. Ihre warmen Fingerspitzen berührten seinen Brustkorb und fuhren leicht nach außen. Ihren Blick hatte sie konzentriert auf seine Rippen gerichtet und sie folgte mit ihren Augen ihren Fingern bei den Bewegungen. Ihr Kopf war zur Seite geneigt und war ganz nah an seinem, er konnte ihr Shampoo riechen und den Duft von Jasmin auf ihrer Haut. Sie roch so wunderbar. Er schloss kurz die Augen. Ihre leise Stimme erklang.
Tut es hier weh?
Er antwortete nicht sondern legte eine Hand über die ihre und fuhr mit dieser weiter nach unten, ganz langsam.
Hier.
Dann fuhr er quer über seinen Oberkörper, immer noch ihre Hand in der seinen, auf die andere Seite und ließ sie dort ruhen.
Und hier.
Die Bewegung zwang Scully dazu sich noch mehr zu ihm vorzubeugen. Ihr Oberteil fiel nach vorne und er konnte ihre Brüste sehen. Perfekte Rundungen in einem rosa BH mit Spitze. Sie hoben und senkten sich mit ihren Atemzügen. Und jetzt passierte etwas, dass er trotz seiner Planungen nicht bedacht hatte, was er aber hätte wissen müssen. Sein Blut schoss nach unten und sein kleiner Freund meldete sich. Sie stand zu nah bei ihm. Genau zwischen seinen Beinen und wenn er nichts unternahm, dann würde sie bald spüren, was sie bei ihm auslöste. Er nahm seine zweite Hand, legte sie auf eine ihrer Hüften und drückte sie leicht nach hinten.
Ihr Kopf drehte sich zu ihm und sie sah ihm mit einem ihrer fragenden Gesichtsausdrücke an. Sie brauchte nur nach unten zu schauen um die Antwort auf ihre Frage zu finden. Er fuhr mit dem Daumen der Hand, die auf ihrer Hüfte ruhte unter ihr Oberteil. Nur ein wenig und begann über ihre Haut zu streicheln. Sie war so sanft und zart. Und noch ein wenig feucht von ihrem Bad. Spätestens jetzt war es zu spät. Auch wenn er noch gewollt hätte, er konnte nicht mehr zurück. Er hatte die Kontrolle über die Situation verloren und zwar vollständig.
Er führte ihre Hand, die in der seinen auf seinem Brustkorb ruhte zu seinem Mund, drehte sie, so dass die Innenfläche nach oben schaute und küsste sie. Nur ein Hauch. Dann küsste er sie noch einmal und schloss dabei seine Augen.
Ihr entfuhr ein leichtes Seufzen und er öffnete seine Augen wieder. Scully sah ihn nicht mehr an. Ihre Augen waren geschlossen. Auch sie schien die Kontrolle verloren zu haben. Sie zog ihre Hand aus der seinen und legt sie wieder auf seinen Oberkörper. Dann fuhr sie mit ihren Fingerspitzen die Linien seiner Muskeln ab. Nun war er derjenige, dem ein Seufzen entkam. Mulder legte seine zweite Hand auf ihre andere Hüfte und drückte Scully wieder leicht gegen sich. Es war ihm egal, ob sie seine Erregung spürte. Scully folgte dem Druck seiner Hände und ihr Kopf kam näher an den seinen. Er spürte ihren Atem auf seinem Mund. Er würde sie küssen. Hier und jetzt und nichts in der Welt würde ihn davon abhalten. Sie war so nahe. Er kam ihr auf halben Weg entgegen und ihre Lippen berührten sich. Ein wohlbekanntes Kribbeln fuhr durch seinen Körper. Er öffnete seinen Mund und ihr Atem drang in den seinen. Er drehte seinen Kopf um ihr noch näher zu kommen. Seine Lippen bewegte sich mit den ihren. Er musste unwillkürlich erneut seufzen. Es war überwältigend. Er hatte sich so oft ausgemalt, wie es sich anfühlen würde sie zu küssen, ihre Lippen auf den seinen zu spüren, doch nichts hatte ihn auf diesen Moment vorbereitet. Nichts. Ihre Zungen trafen sich und spielten miteinander. Ihr Kuss hatte zärtlich und langsam begonnen, doch nun wurde er leidenschaftlicher, intensiver, tiefer. Er drückte ihren Körper voll gegen den seinen. Eine Hand streichelte immer noch über seinen Oberkörper. Die andere war irgendwie in seinen Haaren gelandet. Das Gefühl von Scully auf seiner Haut, in seinen Haaren war überwältigend. Er konnte nicht mehr abbrechen. Alle Sinne waren nur noch auf sie gerichtet. Seine Leidenschaft wuchs mit jeder Sekunde.
Mit einer einzigen geschickten Bewegung hatte er sie auf die Couch manövriert und sich über sie gebeugt. Der Kuss wurde für keine Sekunde unterbrochen. Sie lag unter ihm und hatte ihre beiden Hände um sein Genick geschlungen. Sie waren sich so nah. Eine seiner Hände ruhte auf ihrem Kopf und die andere fuhr unter ihr Oberteil. Erklomm langsam den Weg nach oben zu ihren Brüsten. Er unterbrach den Kuss, aber nur um mit ihrem Nacken weiter zu machen. Langsam fuhr er mit seiner Zunge über ihre Haut. Seine Hand hatte eine ihrer Brüste erreicht und begann diese zu streicheln. Er fuhr mit dem Daumen über ihre Brustwarze und spürte sogar durch den Stoff, dass diese hart war. Er musste im Himmel sein. Sie stöhnte neben ihm auf und das Geräusch vernebelte endgültig seine Sinne. Sie fühlte sich so gut an.
Während der ganzen Zeit war noch kein Wort gefallen und Mulders Mmhh Scully waren die ersten Laute, die außer der Musik im Hintergrund zu hören waren. Mulder war immer noch mit Scullys Nacken beschäftigt, als er merkte, dass sie sich versteifte, dass ihr Körper hart wurde. Wie ein Brett. Er seufzte innerlich. Sie hatten den Punkt erreicht. Scullys Abwehr, ihre Wände waren wieder errichtet. Er beendete die Liebkosung ihres Nackens und stützte sich auf seine Unterarme. Er sah ihr in die Augen.
Tut mir leid. Und das meinte er so.
Sie flüsterte nur.
Was tut dir leid? Dass du deine Partnerin geküsst hast oder dass du sie unter dir auf die Couch genagelt hast?
Nein, nichts von beidem. Sondern, dass ich dich überrumpelt habe.
Sie schaute ihn an und sagte nichts. Doch er verstand sie auch so. Sie war sich ihrer selbst nicht sicher. Ihrer Gefühle. Und wahrscheinlich auch seiner Gefühle nicht. Er war nie der Meister der Worte gewesen, jedenfalls nicht, wenn es um Gefühle ging.
Scully, das war keine...wie soll ich sagen...Spontanaktion. Doch war es schon...aber...du weißt schon...also, ich würde dass nie mit jemand anderem machen...und schon gar nicht mit dir.
Oh Gott, was war nur los mit ihm. Das ging ja total in die falsche Richtung. Sie versteifte sich noch mehr unter ihm, was kein Wunder war, bei dem Stuss den er von sich gab.
Was ich eigentlich sagen will, ist folgendes: Ich werde nie etwas ohne deine Zustimmung tun. Okay?
Sie nickte kurz, was ihn dazu ermutigte fortzufahren.
Und ich würde dich nie dazu benutzen um meine Bedürfnisse zu befriedigen.
Er sagte ihr nicht, wie oft ihr Bild ihm in einsamen Nächten schon genau zu dem Zweck gedient hatte. Sie nickte wieder und er sah in ihren Augen, dass sie verstanden hatte. Er erhob sich von ihr und stand auf.
Es ist glaube ich besser, wenn ich jetzt gehe. Wir sehen uns am Montag im Büro. Sollte etwas Unvorhergesehenes passieren, ruf ich dich an.
Etwas Unvorhergesehenes. Sie lächelte. Sie wusste genau, dass spätestens heute Nacht etwas Unvorhergesehenes passieren würde. Zum Beispiel, dass Mulder ganz unvorhergesehen nicht schlafen konnte und ihre Stimme hören wollte. Er nahm sein T-Shirt und seinen Pullover von der Couch und zog sich wieder an, dann ging er zur Tür und öffnete diese. Er verharrte kurz auf der Schwelle ohne sich umzusehen, bevor ihm die Worte, die in seinem Hinterkopf waren, über die Lippen kamen.
Du weißt, Scully, wir werden immer nur so weit gehen, wie du willst.
Damit trat er in den Gang und schloss die Tür. Auf dem Weg zum Fahrstuhl fing er unfreiwillig das Pfeifen an. Wenn ihm der heutige Tag eines gezeigt hatte, dann dass alles nur eine Frage der Zeit war. Er wartete schon so viele Jahre. Sie würde eines Tages zu ihm kommen, da war er sich sicher. Die Mauern würden fallen und die Linie würde überschritten werden. Und so lange würde er sich mit der Erinnerung an das heutige Zwischenspiel zufrieden geben. Und seine erste Erledigung am nächsten Tag, würde der Kauf der CD sein, deren Musik die ganze Zeit im Hintergrund lief.
ENDE
_________________________________________________________
Das war nun der letzte Teil der Geschichte. Und für alle die traurig sind: Schaut euch ALL THINGS an, das ist nämlich der Teil, in dem nach meinem Verständnis der Akte X Welt, Scully zu Mulder gekommen ist, und sie beide die unsichtbare Linie überschritten haben. Also nicht traurig sein. Und vielleicht, wenn ich wieder Zeit habe, schreibe ich auch noch ne FF dazu.
Solange danke ich schon mal meinen fleißigen Lesern, denn ohne euch wäre das Ganze nur der halbe Spaß, denn es ist immer schön zu wissen, dass da draußen irgendwo Leute auf die Fortsetzung der Geschichte warten.