Autor: VancouverX9

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Kategorie: MSR

Rating: PG-13

Disclaimer: Kein Charakter gehört mir, alle nur geliehen, aber ich verdien ja auch kein Geld mit ihnen.
Rating: Schnulleralarm
Short-Cut: Was nach dem Kuss in Existence geschah, und es tut mir leid, aber zur Zeit bringe ich nur so traurigen Kitsch zustande...mh...sollte vielleicht mal zum Psychiater gehen :0)

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Before Sunrise

Leise klopfte ein Zweig ans Fenster, der Regen pochte im Takt dazu gegen die Scheiben. Aber im Schlafzimmer war es still und dunkel. Alles schlief. Alles bis auf einen Vater, der seinen Sohn in den Armen hielt.

* * * * *

„In meinen Armen wirkst du so winzig, dass ich kaum glauben kann, dass du da bist. Ich hatte ja auch nur drei Monate Zeit, es zu begreifen. Denn die sechs Monate zuvor, die werden für immer verloren sein...
Du siehst mich mit den blauen Augen deiner Mutter an. Klar, offen, neugierig die Welt zu erforschen. Bereits jetzt liebe ich dich wie ich sie liebe. Weil ein Teil von ihr in dir wohnt.
Aber was gebe ich meinem Sohn auf den Weg, womit begrüße ich ihn in einer Welt, die ich selbst nicht mehr verstehe?
Woher soll ich wissen, dass du nicht all das schon längst weißt, dass du nicht derjenige bist, der mir die Dinge erklären sollte.
Die letzten Monate waren nicht einfach für mich. Während Du im Körper deiner Mutter herangewachsen bist und sie auf allen Wegen begleitet hast, auch auf ihrer Suche nach mir, war ich mehr tot als lebendig. Verloren in Raum und Zeit jenseits dieser Wirklichkeit.

Blinde Wut kochte damals in mir hoch, als ich bei meiner Rückkehr feststellen musste, dass die Welt sich weitergedreht hatte. Dass ich nicht dabei sein durfte, als deine Mutter von dir erfahren hat, als wäre ich ausgesperrt worden aus meinem eigenen Leben. Ich war wütend, dass ich nicht teilhaben durfte an diesem Wunder. Dass ich nicht für sie da sein konnte. Dass ich sie nicht lieben durfte, wie ich es mir gewünscht hätte. So, wie ich sie in der einen Nacht, in der du gezeugt wurdest, lieben durfte.
Bis heute weiß ich nicht, warum es gerade diese eine Nacht war. Nach sieben Jahren. Nie werde ich den Ausdruck in ihren funkelnden Augen vergessen, wie eine stumme Einladung. Nie werde ich vergessen, wie nahe ich mich ihr gefühlt habe, wie sehr ich sie in diesem Moment geliebt habe.
Warum war es erst so spät geschehen? Denn ehe wir uns darauf eingestellt hatten, dass es möglich war, dass wir nach so langer Zeit diesen Schritt gewagt hatten, war es auch schon vorbei.
Ich wäre endlich bereit gewesen für diese Liebe. War bereit für alle Konsequenzen, für die volle Intensität dessen, was da auf uns zugerollt kam. Und dann nahm man mich fort. Fort aus meinem Leben, das erstmals seit über vierzig Jahren einen Sinn für mich ergab.

Aber ist das das, was ich dir erzählen will?
Dass mein Leben so verkorkst ist?

Geht es nicht vielmehr darum, dir zu sagen was wichtig in deinem Leben sein wird? Dass es nichts Wichtigeres gibt, als jemanden zu finden der dich versteht? Der dir gleichermaßen folgen wie vorangehen kann? Der bereit ist, sein Leben für dich zu verwerfen, der dir alles gibt, selbst seine eigene Zukunft?
Ich durfte diesen Menschen kennen lernen. Und egal, wie schmerzhaft es sein kann, wie sehr es einen manchmal auffrisst, so sehr erfüllt es mein Leben mit Reichtum. Ich wünsche mir für meinen Sohn nichts sehnlicher, als dass er in seinem Leben diese Liebe erfahren darf. Weil sie sich über all den Zynismus dieser Welt hinwegzusetzen weiß und weil sie einen Glauben an eine Zukunft schaffen kann, der selbst in der hoffnungslosesten Zeit noch Bestand hat.

Ich werde fortgehen müssen. Nichts könnte mir in diesem Moment mehr Schmerz bereiten als diese Aussicht. Ich habe mich erstmals in meinem Leben gefunden, fühle mich sicher, geborgen, zuhause. Bei dir und mit deiner Mutter an meiner Seite.
Aber wenn ich weg bin, möchte ich, dass du für mich auf sie aufpasst.
Dass du ihr die Liebe erweist die ich für sie empfinde. Dass du für mich in ihre leuchtenden Augen siehst wenn sie dir Geschichten erzählt, dass du bei ihr bleibst und immer darauf achtest, dass ihr Herzschlag ruhig und lebendig bleibt. Ich muss wissen, dass sie nicht alleine ist, dass sie auf dich zählen kann, denn ich habe sie bereits viel zu lange alleine gelassen und weiß nicht ob ich den Schmerz und all die Entbehrungen, die sie erleiden musste, jemals wieder gut machen kann. Weiß nicht, ob ich zurückkehren werde...
Aber vielleicht kannst du es in meinem Namen versuchen. Vielleicht kannst du einige von den Wunden mit deiner süßen kindlichen Seele verschließen. Denn mir fehlt dazu die Kraft.

Eines Tages werde ich hoffentlich zu euch beiden zurückkehren. Ich wünschte, dies geschähe in einem anderen Leben, in einer anderen Welt, in der ich mich getrost fallen lassen könnte in ein normales Leben, in dem ich zusehen kann, wie du aufwächst und wie deine Mutter Tag für Tag schöner wird. So wie sie es in den letzten acht Jahren geschafft hat, immer schöner zu werden.
Lieber würde ich sterben, als fortgehen zu müssen, mit euren Bildern in meinen Herzen, aber so lange ich lebe, trage ich wenigstens die Hoffnung in mir, euch noch einmal in meine Arme schließen zu dürfen.

Schlaf gut mein Sohn, träum von einer besseren Welt und vergiss schnell die Worte deines verrückten verlorenen Vaters wieder, denn ich bezweifle, dass sie dir die Hoffnung geben konnten die du brauchen wirst.“

* * * * *

Eine salzige Träne löste sich von seinen Wimpern, fiel auf die zarte rosige Wange des kleinen Säuglings in seinen Armen, ehe er ihn in seine Wiege zurücklegte. Seine blauen Augen fielen nach einem letzten ernsten Blick in das Gesicht seines Vaters zu.
Behutsam deckte Mulder ihn zu, stupste das kleine Mobile über seinem Bettchen an und sah zu wie sein Sohn, erschöpft von den Strapazen geboren zu werden, einschlief.

Er drehte sich um. Wenn er in das Bett zurückkehren würde, wenn er sich an sie schmiegen würde, würde er dann die Kraft aufbringen, sie am Morgen zu verlassen?
Er wusste es nicht, aber er wusste, er brauchte diese Nacht, weil sie vielleicht die letzte sein würde, in der er an ihrer Seite sein durfte.
Sanft legte er seine Arme von hinten um sie und drückte ihren leichten zierlichen Körper an seinen. Sie war ganz warm und ihr Haar duftete wie das Versprechen nach Rückkehr. Zärtlich küsste er ihre Wange.
Es waren neun Monate vergangen seit sie einander das letzte Mal so nahe gekommen waren. Neun Monate, seit er das letzte Mal ihre Lippen auf seinen gespürt hatte.
Würde er jemals genug davon bekommen um diese Lücke schließen zu können? Um sein Herz zu beruhigen? Und um seine Sehnsucht nach ihrer Nähe zu stillen?
Vorsichtig strich er mit seiner Hand eine Haarsträhne aus ihrem Gesicht, sie kitzelte ihre Wange und er sah, dass sie ihre Augen öffnete.
Einen Moment lang orientierte sie sich. Dann drehte sie sich zu ihm. Lange sahen ihre Augen in seine, versuchten die Traurigkeit darin zu begreifen, versuchten seine Seele zu wärmen.
Dann lächelte sie. Nahm seine Hand in ihre und drückte sie.

In ihrem Gesicht konnte er lesen, dass sie wusste, was in ihm vorging. Sie wusste es immer. Aber er begriff ihre Stärke nicht, er begriff so vieles nicht und begrub verzweifelt seinen Kopf in ihrer Schulter. Beruhigend fuhr ihre Hand durch sein Haar.

„Ich liebe Dich“, wisperte sie kaum hörbar in die Stille hinein.

Es versetzte ihm einen Stich, ließ ihn mehr nach ihr verlangen als je zuvor. Noch nie in seinem Leben hatte er diese Worte so gehört, nie waren sie für ihn bestimmt gewesen. Es war, als würde er ihre Bedeutung kaum erfassen können.
In einer wortlosen Antwort legte er seinen Arm um sie, hielt sie innig fest und er lehnte seine Stirn an ihre, verlor sich in ihren Augen, bis er nicht mehr wusste, wo er war. Ihr Atem strich warm und leise über sein Gesicht. Und er wollte nie wieder etwas anderes als diese Augen sehen, weil sie sein ganzer Horizont waren.
Seine Finger streichelten über ihre Lippen, blieben an ihrer Wange liegen, während ihre Arme sich um ihn schlangen und sie ihn festhielt, als hoffte sie dadurch das Schicksal überlisten zu können.

Im Kinderbett bewegte sich etwas, gluckste, nieste und schlief still weiter.
Die jungen Eltern sahen sich lächelnd an, stolz, verlegen. Unfähig, über dieses Menschgewordene Wunder sprechen zu können.
Aber es gab ihnen Hoffnung.
Denn dieses Kind war Symbol all dessen wofür sie kämpften. Es war der Beweis dafür, dass es Dinge gab, die niemand vorhersehen konnte, die sich allen Wahrscheinlichkeiten zum Trotz ereignen konnten wenn niemand mehr an sie glaubte.
Und es stand für jene unsichtbare Verbindung zwischen ihnen, die tiefer reichte, als ihre Seelen erfassen konnten. Es war entstanden in einem Moment ihrer Schwäche und Stärke zugleich, in einem Augenblick, in dem sie sich einander geöffnet hatten und bereit gewesen waren, sich ineinander fallen zu lassen um für immer eins zu werden.
So lange es dieses Kind gab, so lange würden sie nicht zulassen, dass man sie trennte. Sie waren entschlossen, dies selbst dem Tod begreiflich zu machen. Dem Tod, den sie beide bereits zu besiegen gewusst hatten.

Als brauchten sie nicht einmal Luft zum Atmen verharrten sie in dieser Umarmung, kosteten den unendlichen Moment aus, der vor ihrem nächsten Kuss lag, kosteten den Moment aus, der nach diesem Kuss lag und schliefen erst ein, als der Morgen sich bereits scheu und zart am Horizont ankündigte.

Mulder würde zurückkehren und die Ewigkeit würde ihnen gehören.
Aber das wusste in diesem Augenblick nur das kleine Wesen, das in seiner Wiege tatsächlich von einer besseren Welt träumte, von einer Welt, wie sie sich der Vorstellungskraft aller entzog.


* Ende *