Titel: A twist of fate
Author: Jumago piccolinus@online.de
Rating: softe NC-17
Kategorie: MSR
Spoiler: 8 Staffel
Disclaimer: Sie gehören Chris Carter, leider nicht mir......
Short introduction: Das Leben ist die Krankheit, die
unweigerlich zum Tode führt. Doch auch das Schicksal hat seine
Launen und manchmal geschieht ein Wunder.
A twist of fate
Stundenlang waren sie im OP, jetzt lag Mulder regungslos in
seinem Bett. Sein Gesicht war immer noch aschfahl und diese
schrecklichen Narben stachen wie ungute rote Flecken von seinen
bleichen Wangen. Auch seine Hände waren gezeichnet, so wie der
ganze Rest seines geschundenen Körpers. So viele Verletzungen an
einem Körper..., aber die kleine rothaarige Frau gestattete es
sich nicht daran zu denken. Nach allem, was passiert war, gab es
jetzt nur noch sie beide in ihrem Kopf. Sie und Mulder, die
wieder einmal gegen das Unerklärbare kämpften.
Fügung des Schicksals oder nur eine Laune desselben? Wie auch
immer, manchmal geschah eben doch ein Wunder. Und im Moment war
es ihr völlig gleichgültig, wem sie letztendlich dafür danken
sollte. Gott selbst oder dem Satan persönlich. Hauptsache es
geschah.
Oh Gott - Wem oder was konnte man eigentlich noch glauben?
Sie wusste nach all der Zeit und all den unerklärbaren Fällen,
die sie die letzten Jahre gemeinsam bearbeitet hatten, dass man
den Tod manchmal schlagen konnte. Oder wenn schon nicht schlagen
so konnte man ihn doch manchmal betrügen. Wie auch immer.
Mulders ungesunde Farbe beunruhigte Scully zwar noch immer, aber
er atmete und sie wusste, dass sie alles nur menschenmögliche
für ihn getan hatte. Mehr war nicht drin.
Sie war Ärztin geworden um Leid zu lindern. Aber jetzt, wo ihr
Freund und Partner mehr tot als lebendig in den weißen Laken vor
ihr lag; jetzt konnte sie nur noch eines tun Warten! Wie
jede andere Frau.
Nein, nicht ganz.
Sie kannte sich aus. Die Geräusche. Die Gerüche. Sie kannte die
Instrumente, die Maschinen und den Schweiß nur allzu gut.
Schließlich war sie selbst Ärztin und hätte alles bis ins
Detail genau erklären können.
Die Rippenbrüche, die schweren inneren Verletzungen, die Muskel-
und Nervenschäden, alles... bis auf die Tatsache, dass Mulder
noch, oder besser, wieder lebte. Aber wie sollte auch dieses Mal
das Unmögliche erklärbar sein?
Sie wusste, dass sein Blutdruck immer noch zu niedrig war, aber
er hatte eine ruhige Nacht verbracht und ein kurzer Blick auf die
regelmäßig ausschlagenden Monitoren zeigten ihr, dass er sie im
Moment jedenfalls medizinisch gesehen - nicht brauchte.
Das war doch ein ganzes Stück Hoffnung.
Scully selbst fühlte sich ausgelaugt. Doch hinter ihren nun
müden Augen lag ein eiserner Wille und den brauchte sie jetzt
auch. Für sich selbst, für ihr ungeborenes Kind, am meisten
aber für Mulder. Wäre es ihr möglich gewesen ihn durch reine
Willenskraft zurückzubringen, sie hätte es getan. Sie wusste
zum Heilen gehörte mehr als nur Medizin und ärztliches Können.
Er wird es schaffen! Er muss es einfach schaffen!,
sagte sie sich immer wieder, auch wenn sie am liebsten endlos
geweint hätte.
Während sie jetzt Mulders Hand hielt, hörte die Agentin das
Klingeln von elektronischen Piepen; das monotone Ausschlagen des
EKGs; das Knirschen von Gummisohlen auf Linoleum: Krankenhäuser.
Die Zeit, die sie selbst in Krankenhäusern verbracht hatte,
machte ihr zum Teil Spaß, zum Teil war es frustrierend.
Vielleicht hatte sie sich deshalb für die Gerichtsmedizin
entschieden. Und hier war sie gut. Sehr gut.
Mulder hatte verstanden welche Befriedigung allein das Wissen ihr
verschaffte dazuzugehören. Zu dieser Welt des Forschens und
Helfens. Ihre Liebe zur Medizin und der Drang, die Geheimnisse
des Lebens und des Todes so weit wie möglich zu entschlüsseln;
ihre Neugier für die Wissenschaft, die letztendlich ihre
Bestimmung besiegelte.
Hier war sie genauso zu Hause wie in dem kleinen, engen
Kellerbüro beim FBI, das Mulder und sie 7 Jahre lang miteinander
geteilt hatten und bisher hatte sie sich immer wohlgefühlt; war
stets zuversichtlich, in den keimfreien, sterilen Räume.
Jetzt aber war sie seit mehr als 36 Stunden auf den Beinen und
fühlte sich ausgebrannt und vollkommen hilflos. Das Baby, sein
Baby, trat energisch gegen ihre Bauchdecke anscheinend war
es jetzt schon seine Natur - dieses ständige In-Bewegung-Sein.
Wie sein Vater.
Unser Sohn, sagte sie in Gedanken, als versuchte sie
so mit Mulder zu kommunizieren, Wir haben es gut gemacht,
Mulder. Scully schloss die Augen. Nur einen Moment. Einen
kurzen Moment durfte sie sich das erlauben. Du würdest
mich doch jetzt nicht ganz allein diese Freude genießen
lassen... Nicht nach all dem?
Mit der rechten Hand hielt sie die Finger ihres Partners fest,
mit der linken streichelte sie sanft ihren runden Bauch.
Keine Angst mein Kleiner, er wird es schaffen. Er ist stur
und er ist stark. Meinst du etwa er würde sich ein solches
Familientreffen entgehen lassen? Scully lächelte
gedankenverloren. Familie, Fortbestand, Mulder. Immer wieder
Mulder.
Die FBI Agentin hatte dunkle Schatten unter den Augen und eine
Blässe, die schlaflose Nächte verriet. Wann hatte sie
überhaupt das letzte mal geschlafen? Ihre Augen von einem hellen
blau, waren glasig vor Müdigkeit.
Irgendwie fühlte sie sich wie betäubt.
Dann plötzlich, Mulders Hand zuckte in
ihrer. Scully war nicht zerbrechlich, doch jetzt bebten ihre
Lippen. Sie holte tief Luft und stieß sie zitternd wieder aus.
Ihr Magen verknotete sich. Es dauerte einen Moment bis sie den
aufkommenden Sturm in ihrem Inneren wieder soweit unter Kontrolle
hatte, dass sie einen klaren Gedanken fassen konnte. Mühsam rang
sie um Fassung und in ihre Augen trat ein warmer, dunkler Glanz:
Mulder?!.
Er träumte. Trotz der Medikamente wusste Mulder, dass er
träumte. Es war eine Welt aus fantastisch bizarren Bildern,
durchzogen von vielen Erinnerungen. Schlimmen Erinnerungen. Das
weiße Licht, die schrecklichen Schmerzen, Angst. Heiße Angst...
und Blut. Sein Blut. Blut schmeckte wie Entsetzen. Ganz genau so!
Das war kein Traum. Das war Realität.
Die zerren ihn auf diesen Stuhl. Er ist
fast nackt. Er kann sich nicht mehr bewegen. Ein heißer Schmerz
durchzuckt ihn. Kalter Schweiß rinnt über seinen Rücken und
bedeckt schließlich seinen ganzen pulsierenden Körper. In
seinem Kopf hämmert es so heftig, als würde sich ein
Schlagbohrer darin austoben. Das schrille Geräusch eines Bohrers
schneidet wie ein Skalpell durch seinen Kopf. Fast hätte er
aufgeschrieen. Sein Blut rausch wie verrückt in seinen Ohren und
der stechende Geruch von Angst und Schrecken liegt in der Luft.
Ein dicker Blutstrom schießt aus einer klaffenden Wunde auf
seiner Brust und fließt ihm warm über die Haut. Innerhalb von
Sekunden ist er mit Blut besudelt. Seinem Blut und er empfindet
nur Schmerzen. Schreckliche Schmerzen.
Er will weg hier. Sofort... Er weint... Jetzt schreit er. Scuuuuully!
Er wird halb bewusstlos. Sein Blutdruck sackt ab. Doch selbst in
diesem Dämmerzustand spürt er genau, wie der Bohrer durch seine
Knochen bricht und wie die rasiermesserscharfe Klinge seine Haut
weiter durchtrennt.
Es tut weh, so entsetzlich weh. Ein ganzes Feuerwerk explodiert
in seinem Kopf. Das Messer schneidet, aber es ist fast noch
schlimmer, wenn Die ihn durch diesen dichten, weißen Nebel
ansehen.
Er fleht sie lautlos an und bittet, betet um Linderung... Lasst
es endlich vorbei sein. Aber Die machen weiter. Immer
weiter.
Endlich wird er bewusstlos. Flieht aus diesem allgegenwärtigen
sengenden Schmerz, der ihn erbarmungslos in den Wahnsinn treibt.
Sein Überlebenswille ist stärker als sein Elend und wenn er
noch weiter bei Bewusstsein bliebe, wäre er tot. Mulder klammert
sich an die einzige Hoffnung, die einzige Konstante in seinem
Leben um nicht komplett den Verstand zu verlieren, denn... Wunder
geschehen immer wieder...!
Er hatte sich immer vorgestellt, dass es wie eine Explosion
vonstatten gehen würde, wenn er sich wieder in eine Frau
verliebte; eine Explosion von wiedererkennender Leidenschaft,
Lust und Wahnsinn. Aber was er bei Scully spürte, war ein
stetiges, sanftes Ziehen, das ihn schleichend wie eine süße
Droge in gänzlich unerforschte Gefilde zog.
Die künstliche Befruchtung - ihre letzte Chance - hatte nicht
funktioniert und die Verzweiflung, die jetzt in ihren verdächtig
glitzernden Augen stand, machte ihm Angst. Plötzlich stand er am
Abgrund, sah die Zerbrechlichkeit und die Verletzbarkeit, die
dieser intime Moment mit sich brachte. Sie sprachen nicht, keinen
Ton. Die Qual, die sie empfand, tat ihm körperlich weh und zog
ihm das Herz zusammen. Sie stand direkt vor ihm und senkte ihren
Blick, weil ihr erneut Tränen in die Augen traten. Schweigend
zog er sie in die Arme, hielt sie ganz fest. Es kam ihm wie eine
Ewigkeit vor. Und während sie sich an ihm festhielt, sich an ihn
drängte und ihr Gesicht an seinem Hals vergrub, empfing er von
ihr den gleichen Trost. Das gegenseitige Festhalten war von
großer Zärtlichkeit geprägt und er verspürte das Bedürfnis,
mit den Händen durch ihre Haare zu fahren, ihr Gesicht zu
streicheln und das kleine Muttermahl über ihrer Oberlippe zu
erforschen. Es war seltsam, dass auf einmal all jene Gefühle mit
dieser Macht in ihm aufstiegen und Teile seines Seins besetzten,
die er bislang immer erfolgreich unterdrückt hatte. Oh Gott, es
war mittlerweile weit mehr als Freundschaft. Anfangs hatte
vielleicht nur die Chemie zwischen ihnen beiden gestimmt.
Mittlerweile war es mehr. Viel mehr.
Überflutet von Gefühlen lehnte er seine Stirn gegen ihre. Sie
war für ihn auch nach all dieser gemeinsamen Zeit noch ein
Rätsel und als sie endlich, nach endlosen Minuten, zu im aufsah
füllten sich ihre Augen erneut Tränen und ihre Lippen bebten.
Ein weitere Welle der Gefühle überrollte ihn, wie eine Lawine.
Er hatte ihr noch nie gesagt, dass sie schön war. Er hatte noch
nie ihr Gesicht mit den Händen umrahmt und sie langsam und innig
geküsst. Doch jetzt in diesem Moment trieben seine Gefühle
genau das an die Oberfläche und sein Herz schimmerte in seinen
Augen.
Scully stockte der Atem, als sie in seinen Augen las. Ein
heftiger Schauer überraschte sie und der hatte nun rein gar
nichts mit Kälte zu tun. Ihr Körper ließ ihr keine Wahl, als
ihn sich weiter anzusehen und einen Moment lang fühlte sie sich
völlig hilflos. Spannung baute sich auf und all ihre Nervenenden
vibrierten. Panik mischte sich mit dem Schmerz, den sie immer
noch empfand und verwandelte sich im selben Moment in Erregung;
bewirkte dass ihre Haut anfing zu kribbeln. Sie hatte nicht
erwartet, dass ein langer brennender Blick aus diesen intensiven
grünen Augen sie derart aus dem Gleichgewicht bringen würden.
Zeit und Ort spielten keine Rolle mehr.
Scully war Mulder in vieler Hinsicht immer noch ein Geheimnis und
dem konnte er nun nicht mehr widerstehen, er musste es
enthüllen. Lage für Lage, bis er das Herz gefunden hatte und
sie trösten konnte. Er hatte sie seit Jahren gewollt und sein
Begehren immer mit Sarkasmus und Freundschaft getarnt. Seit eh
und je, das wurde ihm jetzt schlagartig klar. Seit immer. Es war
immer da gewesen. Schlummerte tief in ihm und hatte Wurzeln
geschlagen. Und jetzt, nachdem sie sich soweit aufeinander
eingelassen hatten, war es ihm unmöglich zu leugnen, dass er
sich in sie verliebt hatte.
Er berührte mit der Hand ihre Wange, zog mit dem Daumen den
Schwung ihrer bebenden Lippen nach, dann streiften seine Lippen
endlich die ihren.
Er vertiefte mit quälender Langsamkeit den Kuss, wobei er noch
immer nur ihr Gesicht berührte. Er war dabei, sie an einen Ort
mitzunehmen, an dem sie bisher noch nie gewesen war und die
ersten Schritte dahin waren schwindelerregend.
Ihr Puls beschleunigte sich als er seine Lippen an ihren Hals
presste. Seine Augen waren dunkel und intensiv. Und ihr Herz
schlug einen doppelten Salto in ihrer Brust , als er sie in seine
Arme nahm und hochhob.
Es war bereits dunkel. Das Bett war
aufgeschlagen und nur sanfte Lichtstrahlen drangen wie Honig
durch die halb geschlossenen Vorhänge. Hier gab es keine Zeit.
Keine Welt. Und keine Menschen, außer ihnen beiden und keinen
Schmerz.
Scully vertaute ihm und diese Welt, die er für sie erschaffen
hatte, war die einzige Wirklichkeit, die sie heute nacht wollte.
Sie hob die Arme, legte sie um seinen Nacken und ließ sich in
seine Umarmung hineingleiten.
Sein Mund war in einem Moment geduldig, überredend und im
anderen besitzergreifend. Sie schwankte und ihr schwindelte es
von dem Anschlag auf ihre Sinne.
Berühr mich! Als ob sie es laut ausgesprochen
hätte, glitten seine Hände an ihren Seiten nach unten,
zeichneten ihre perfekten Kurven nach.
Mehr! Sie wollte vergessen. Einfach vergessen.
Sein Mund wanderte an ihrem Hals nach unten, saugte dort sanft
und langsam - Zentimeter für Zentimeter - zog er den
Reißverschluss an ihrem Rock auf, um eine erste Kostprobe von
ihrer Haut zu nehmen. Noch mehr!
Samt und Seide, dachte Mulder. Er musste sich keine
Mühe geben, behutsam zu sein, sich Zeit zu lassen. Die Sehnsucht
nach ihr war ebenso stark, wie sein Bedürfnis zu geben. Er
drehte sie, bis sein Mund die wundervolle Linie ihres Nackens
auskosten konnte und als sie den Arm hob und um ihn legte, floss
sein Blut noch ein bisschen schneller durch seine Adern. Aber
sein Mund blieb geduldig, seine Hände blieben sanft.
Sie erschauderte, bog sich zurück, als er ihre Brüste umfing,
als seine Daumen die Wölbung liebkosten. Bitte viel
mehr.
Ihrer beider Stöhnen vermischten sich, als er ihr die Bluse
über die Schultern schob und achtlos zu Boden gleiten ließ. Der
Anblick, der sich ihm bot, nahm ihm den Atem. Er war auf ihren
Körper nicht vorbereitet; auf das Wunder, das er darstellte; auf
den Fausthieb des Begehrens, der ihn mitten ins Herz traf.
Der plötzlich aufblitzende sinnliche Hunger in diesen
rauchgrünen Augen lösten dumpfes Herzklopfen bei Scully aus.
Als sein Blick den ihren los lies und langsam an ihr nach unten
wanderte, spürte sie, wie ihre Haut heiß und ihr Kopf endlich
leer wurde.
Wie konnte er sie so sanft berühren, wo doch in seinen Augen so
unübersehbar die Wildheit lauerte?
Ihre Hand zitterte, als sie seine Krawatte löste und er sah die
flatternden Nerven seiner Partnerin. Winzige Flämmchen der Angst
züngelten in ihren Augen, auch wenn sie sich nichts anmerken
lies. Aber ihr Anblick und das Zittern dieser geschickten Hände
zu spüren hatten zur Folge, das er kopfüber in die Liebe
stürzte.
Schau mich an, murmelte er, während sie ihm den
blauen Pulli über den Kopf zog. Ich will sehen, was du
fühlst, wenn meine Hände auf dir sind. So wie jetzt.
Er fuhr ihr mit der Hand sachte über den Rand ihrer hauchdünnen
Strümpfe. Scullys Augen wurden groß und ihr stockte der Atem. Gott...
lass mich nicht nachdenken. Mulder drückte sie sanft
aufs Bett und legte sich auf sie. Es brachte ihn bald um den
Verstand, seine starke, selbstbewusste Partnerin so weich und
nachgiebig zu erleben. Es machte ihn schwach und es machte ihn
stark. Sie schien Stück für Stück mit ihm zu verschmelzen, bis
es keinen Raum mehr für nichts anderes gab als sie. Sein Mund
presste sich auf ihren und vermittelte ihr eine Ahnung von
dunklem und gefährlichen Begehren. Dann wurde er wieder sanft
und ließ sie verwirrt und unruhig zurück.
Wenn die ersten Schritte in diese Welt, die er für sie
erschaffen hatte, schwindelerregend waren, so kam sie nun
endgültig ins Taumeln. Seine Lippen wanderten an ihr nach unten,
elektrisierten sich an ihrer Haut. Es war ein großartiges
Gefühl. Gleichzeitig ließ er seine Hände nach oben gleiten.
Eine glühende Lanze schien sie zu durchbohren, als er ihren
schwarzen BH wegschob und Besitz von ihren Brüsten ergriff. Doch
gleich darauf machte die sengende Hitze einer angenehmen Wärme
Platz.
Niemand hatte sie je so berührt. Niemand hatte je in ihr solch
wiederstrebende Gefühle entfacht. Er flüsterte ihr Worte ins
Ohr, seine Stimme schlug sie in seinen Bann. Irgendwie hatten es
seine sanften Hände geschafft - seine Hände... Oh, seine Hände
waren erbarmungslos - ihren Puls wie eine Trommel schlagen zu
lassen und sein Mund, der den ihren immer wieder heiß streifte,
nahm ihr den Atem und die Angst. Er wollte ihr alles geben, was
er zu geben hatte. Er wollte sie vergessen lassen. Und er wollte
von ihr alles nehmen, was sie zu geben hatte. Er streifte ihr die
Stümpfe mitsamt dem Slip über die schlanken Schenkel und als
ihr Atem schwer und ihre Bewegungen rastlos wurden, durchzuckte
ihn schmerzhaft die Erregung.
Als sie ihn mit diesen kleinen kompetenten Händen tastend auszog
und berührte, musste er ihren Mund wieder nehmen oder sterben.
Sie stöhnte leise, während sie sich immer wieder an ihm rieb.
Scully schlang die Arme um Mulders Taille, wälzte sich mit ihm
übers Bett, tastend, suchend, entdeckend. Sie fühlte wie er
erbebte, presste die Lippen auf seine Haut und schmeckte nichts
als Verlangen. Ihre gemeinsame Lust war warm und seidig und sie
hüllten sich darin ein und vergaßen.
Er wusste, dass sie sich jetzt endlich treiben ließ. Ihr träges
Aufseufzen ließ ihn ein weiteres Mal vor Lust erschaudern und in
ihren blauen Augen entdeckte er etwas das ihn erneut erschaudern
ließ. Liebe. Sie klammerte sich an ihn, während er sie dorthin
entführte, wo Verstand und Vernunft keinen Zutritt hatten. Genau
dort wollte sie bleiben und alles andere vergessen.
Ihr Körper war so zart und schmal, dass er ihr Gewicht kaum
spürte.
Langsam steigerte er ihre Erregung; bis sich ihre zarten Seufzer
in ein heiseres Keuchen verwandelten; bis sich ihre Augen
weiteten. Ihr Körper bäumte sich unter ihm instinktiv auf und
verlangte deutlich nach mehr.
Empfindungen reihten sich an Empfindungen. Einmal schüttelte sie
den Kopf, als könnte sie das, was mit ihr geschah, nicht fassen.
Sein Blick lag auf ihrem Gesicht; ihre Augen waren von einer
Leidenschaft verhangen, die sie wohl genauso überraschte wie
ihn. Intensiv konzentrierte er sich auf jede Gefühlsregung, die
sich dort spiegelte. Sie sagte kein Wort.
Hitze durchschoss Scully wie ein Kugelblitz. Ihre Kehle fühlte
sich wie zugeschnürt an. Die Lust war plötzlich rein und
scharf, eine endlose Spirale der Leidenschaft und die Agentin
hörte ihr eigenes kehliges Stöhnen. Sie schoss geradewegs auf
den Gipfel zu, darüber hinaus und rutschte langsam den steilen
Hang hinab.
Er wollte sie nicht zu Atem kommen lassen; er gab ihr keine Zeit
zum Nachdenken, sie sollte vergessen und ohne den Blick von ihrem
Gesicht zu nehmen, trieb er sie der nächsten Welle direkt in die
Arme. Und als er sich sicher war, das sie bereit war schwang er
sich selbst mit hinauf. Es gab nur noch Scully.
Er war in ihr, füllte sie aus und sich mit ihm im selben
Rhythmus zu bewegen war so natürlich wie atmen.
Sie gab alles was sie hatte. Als sein Mund sich wieder auf den
ihren legte, begegnete sie ihm gierig. Als seine Hände sich um
ihre schlossen, ergriff sie fest und machte die Vereinigung
vollständig.
Ihre Körper waren eins, sie waren sich ebenbürtig und in seinen
Augen sah sie ihr eigenes Wunder. Ein Geheimnis, das nach all den
Jahren entschlüsselt wurde.
Mühsam, beinahe widerwillig trieb er
zurück an die Oberfläche. Der Schmerz war weg, komischerweise
erinnerte er sich daran, wie er auf sich selbst heruntergeschaut
hatte, während Ärzte, Schwestern und Scully hektisch
herumliefen. Dann war es ihm erschienen, als würde er wieder in
seinen Körper zurückgezogen werden, aber dieses Gefühl war zu
verschwommen, um es überhaupt zu beschreiben. Und dann, immer
wieder Scully.
Wie sie sich über ihn beugte, ihn verfluchte und seine Hände
küsste. Danach hatte er nur noch geträumt. Langsam öffnete er
jetzt die Augen, dann sah er sie und in diesem einen kurzen
Moment brauchte er nichts anderes mehr. Die Wärme die ihn
durchlief, war ebenso intensiv wie zu dem Zeitpunkt, als er sie
in seinen Armen gehalten hatte. Er konnte noch immer ihren Duft
warnehmen. Sie war wunderschön, wie immer.
Mulder sah sie erstaunt an.
Wer sind Sie.
Spezial Agent Dana Scully hatte in der Nacht kaum geschlafen, war
nur hin und wieder eingenickt. Sie hatte sich auch nicht auf die
Liege gelegt, die man ihr gebracht hatte, sondern blieb auf dem
Stuhl an Mulders Bett sitzen. Wortlos machte sie ihm immer wieder
Mut und sprach leise mit ihm.
Neue Schwestern traten ihre Schicht an. Jemand brachte ihr
Kaffee. Der Mond ging langsam unter, die Sonne wieder auf. Sie
dachte an den Mann den sie liebte, und an alles was sie schon
miteinander durchgemacht hatten. Sie wollte die Erste sein, die
er sah. Wenn er erwachte und jetzt das.....
Oh, mein Gott. Bitte tun Sie mir das nicht an.
Sie sah sehr erschöpft aus.
Mulder sah ihren Schmerz, die aufsteigende Panik.
Doch gleich nach dem ersten Schock sah Scully das Funkeln in
seinen Augen, es mochte zwar nicht so stark wie sonst sein, aber
es war da. Zweifellos. Und in seiner Mine sah sie einen schwachen
Anflug des Humors den sie so an sehr an ihm liebte und
.....hasste.
Wissen Sie eigentlich, was Sie durchgemacht haben?
Es kostete ihn Kraft doch er brachte ein Lächeln zustande.
Sie schloss ihre Finger um seine und er sah alle die Gefühle,
die in Sekundenbruchteilen über ihr Gesicht huschten. Angst,
Erleichterung, Trauer, unendliche Sorge und Stärke und er fragte
sich wie er die letzten Stunden ohne ihre Stärke hätte
durchstehen sollen.
Ich weiß was ich in Ihrem Gesicht sehe....Hat mich
jemand vermisst?
Die Ironie seiner Worte hallte in ihrem Kopf und ihre
Willenskraft hinderte sie daran, den Kopf auf seine Brust fallen
zu lassen und in Tränen auszubrechen.
Auch Mulder schloss die Augen. Nie hatte Scully schöner
ausgesehen. Leidenschaft, Sehnsüchte, Liebe, Träume. Das alles
war sie. Sein Herz gehörte bereits ihr, auch wenn er sich davor
fürchtete, es ihr zu gestehen. Es gehörte der starken,
energischen, intelligenten Frau, die er erst respektiert, dann
bewundert und schließlich geliebt hatte. Er würde nie aufhören
sich nach ihr zu sehnen. Dana Scully war die Frau, die ihm
zweifellos von Anfang an unter die Haut gegangen war.
Als die Tür des Appartement, mit der Nummer
42, leise hinter ihnen ins Schloss viel war es still. Zu still.
Absolut still. Totenstill.
Seit er wieder da war, war er anders. Er war höflich blieb aber
distanziert. Sehr distanziert. Er wirkte wie jemand, der mit
etwas kämpfte und verlor. Da war etwas, das an ihm nagte, ihn
innerlich auffraß. Und um ehrlich zu sein, es grenzte auch an
ein Wunder das er wieder hier war, denn unter welcher
neurologischen Störung er auch gelitten hatte, sie war nicht
mehr nachweisbar. Die Behandlung mit Transfusionen und
antiviralen Mitteln hatten seinen Körper von dem Virus befreit
der ihn infiziert hatte. Die Narben auf seinem Gesicht, seinen
Händen, seinen Füssen, auf seiner Brust, sie schienen wie von
selbst zu heilen.
Doch mit jeder Stunde die verging wuchs in Scully die Angst in
bereits wieder verloren zu haben.
Es muss schön sein wieder nach Hause zu kommen.
Ja
Spannung lag wie Elektrizität in der Luft und als sie seine
Stimme hörte hatte sie das Gefühl auf Treibsand zu stehen.
Verunsichert ging sie langsam ins Schlafzimmer, stellte sie die
große schwarze Tasche ab.
Und dennoch wurde sie von Wärme erfüllt wenn sie an ihn dachte.
Sie wünschte sich so sehr, dass er sich ihr öffnete und schloss
für einen kurzen Moment die Augen, versuchte ihre Sehnsüchte zu
vertreiben.
Sie fühlte sich, als ob sie hoch in der Luft über ein sehr
dünnes und schwankendes Seil liefe.
Es sieht irgendwie anders aus.
Aber sie würde damit fertig werden. Sie musste sich und ihre
Gefühle wieder in den Griff bekommen und sie war fast erfreut,
dass ihre Stimme so fest und ruhig klang. Sie würde dieses
Wiedersehen durchstehen, weil sie es musste. Schließlich hatte
sie ein starkes Rückrad und einen scharfen Verstand.
Ihr Herz pochte laut und schmerzhaft. Scully biss die Zähne
zusammen und erschrak, weil die Versuchung so groß war, trotz
seiner unterkühlten Art, einfach zu ihm zu laufen und die Arme
um ihn zu legen.
Ja, es ist ordentlich.
Sie rang sich ein Lächeln ab und um ihre aufkeimende Traurigkeit
abzuschütteln redete sie sich ein. `Es spielt keine Rolle. Denk
an die Zukunft, nicht an die Vergangenheit.....´
Es funktionierte nicht und es gelang ihr nur mühsames ein mattes
Lächeln. Heiße Tränen schossen in ihre Augen, reflexartig
schluckte sie hart, bekämpfte sie und versuchte ihren rasenden
Herzschlag zu kontrollieren.
Ich vermisse Molly?
Die hatte nicht soviel Glück wie Sie....Mulder?
Sie hatte gekämpft und auf ihn gewartet und jetzt war sie auch
bereit zuzugeben, dass sie seit 8 Jahren nichts anderes getan
hatte. In letzter Zeit schweiften ihre Gedanken immer wieder ab.
Das passierte ihr jetzt oft, seit Mulder wieder da war. Immer
wieder ertappte sie sich dabei, wie sie Tagträumen nachhing. Sie
ging zwar jedes Mal streng mit sich ins Gericht und zerstob ihre
Gedanken wie Sand, doch nun ergriff Verzweiflung von ihr Besitz
und ließ ihre Stimme brechen...
Ich weiß nicht, ob Sie je verstehen werden, wie das
gewesen ist. Zuerst von Ihrer Entführung zu erfahren, sie dann
zu suchen und tot aufzufinden.....und Sie jetzt wiederzuhaben.
Der Satz endete mit einem mit einem leisen Aufschluchzen.
Während er weg war, hatte sie endgültig ihre Entscheidungen
getroffen. Sie hatte bisher ihr Leben alleine gemeistert. Obwohl
es nicht immer einfach gewesen war. Ja, er hatte sie
zurückgelassen aber er hatte ihr ein Geschenk zurückgelassen.
Oft hatte sie Angst vor der Zukunft, aber jedes Mal, wenn sie
spürte, wie das Baby, sein Sohn, sich in ihr bewegte und wuchs,
erinnerte sie sich daran, wie sehr sie ihn liebte und schöpfte
neuen Mut. Im Laufe dieser Zeit wuchs ihr Glaube, ihre Hoffnung
und sie wusste, dass sie stark genug war den kommenden, ihren Weg
auch zu zweit zu gehen. Es war an der Zeit sich nicht mehr davor
zu ängstigen wie es sein würde. Aber jetzt war er wieder hier,
bei ihr, und sie liebte ihn noch immer.
Doch im Moment konnte Scully mit den Gefühlen, die auf sie
einstürmten nichts anfangen. Bitterkeit, Angst, Panik ihn erneut
zu verlieren. Sie wollte ihm alles geben, aber er ließ ihr
einfach keine Gelegenheit dazu. Sie war unfähig, sich zu rühren
und sie hatte das Gefühl in der Falle zu sitzen. Ihr Herz
klopfte zum Zerspringen.
Sie tun ja gerade so als ob sie überrascht wären.
Fast..... hätte sie gelächelt. Ihre Lippen zuckten. Er machte
ihr Angst und wieder spürte sie das jähe Aufflammen von
Emotionen. Erneut schloss sie kurz die Augen und rang um Fassung.
Nervös rangen ihre Finger miteinander. `Verdammt noch mal, das
konnte doch nicht wahr sein.....´
Alles an ihr wurde kalt. Ihre Haut, ihr Herz, ihre Seele.
Tränen brannten in ihren Augen und ihre Stimme klang brüchig.
Ich habe viel gebetet...
Der Schmerz in ihrer Stimme war nicht zu überhören. Ihre Finger
waren eiskalt, sie zitterten. Angst und Trauer wallten
gleichzeitig in ihr auf und trafen auf eine unerschütterliche
Mauer aus Willenskraft. Nein, sie würde nicht die Beherrschung
verlieren. Nicht jetzt. Ihr Gesicht hatte durch die Anspannung
der letzten Tage alle Farbe verloren doch ihre Augen blickten
erwartungsvoll und voller Angst auf ihn.
Lange verdrängte, geheim gehaltenen Gefühle kämpften gegen
ihre Willenskraft an und wurden gewaltsam von ihr unterdrückt.
Nur die Art wie sich ihre Finger ineinander verkrampften
verrieten ihre innere Aufruhr.
Am liebsten wäre sie zu ihm gegangen und hätte ihn in die Arme
geschlossen und nie wieder losgelassen. War darüber hinaus
überhaupt noch etwas anderes wichtig? Die Leere in ihrem Inneren
verlangte danach ausgefüllt zu werden. Fragen mussten
beantwortet werden, hinter denen sich Zweifel und Angst
versteckten. Vertauen und Verständnis mussten wieder
zusammenfinden, denn ohne sie war auch keine gemeinsame Zukunft
möglich. Doch wo anfangen?
Und ihre Gebete sind erhört worden. Auf mehrfache
Weise...Ich freue mich für Sie, ich glaube ich weiß wie viel
Ihnen das bedeutet.
Die tonlose Kälte in seiner Stimme kroch ihr langsam wie eine
giftige Schlange den Rücken hinauf. Nichts bohrte sich einer
Frau mehr ins Herz der scharfe Sarkasmus in diesen Worten. Die
Zeit lief nicht rückwärts, sonder blieb in diesem Moment, in
der Gegenwart stehen. Ihr Magen knotete sich zusammen und der
warme Strom der durch ihr Herz floss, wurde ruckartig
unterbrochen. Ihr Herz, das, seit er wieder da war, in ihrer
Brust vor Freude zu hüpfen schien, zersprang in diesem Moment in
tausend Stücke. Ihre Finger erstarrten.
Das konnte doch nicht wirklich wahr sein. Wie konnte er ihr das
nur antun? Wieder schloss sie kurz die Augen, bis sie sicher sein
konnte, dass sie ihre Verbitterung unter Kontrolle hatte.
Genau dass war ihre größte Angst, den Traum, der vor Monaten
begonnen hatte, erneut, doch nun endgültig zu begraben. Sie sah
ihren Partner direkt an und ihr Herz kollabierte. Ihr Hals war
staubtrocken, das Schlucken tat weh und für einen Moment war sie
unfähig sich zu bewegen. Sie sah in unentwegt an. Langsam stieß
sie den angehaltenen Atem aus.
Mulder?!...
Sein erneutes Zögern war deutlicher als alle Worte, er zog sich
noch weiter von ihr zurück, und doch, hätte sie einen Wunsch
frei gehabt, dann den, die Hand auszustrecken und ihn anzufassen.
Ihn nur einmal zu berühren und sich daran zu erinnern, wie es
gewesen war ihn festzuhalten.
Immer noch bemüht, ruhig zu bleiben, hielt sie weiter seinem
Blick stand. Dieser Blick war immer noch der gleiche
eindinglich und geduldig.
Ich möchte nicht kalt oder unnahbar erscheinen....ich
weiß nur im Moment nicht, wo ich hingehöre. Ich kann das....er
fällt mir schwer, dass, was passiert ist einzuordnen....
Er blieb auf der Schreibtischkante sitzen und schaute zu ihr
in Wirklichkeit jedoch durch sie hindurch.
Scully suchte in seinen Augen vergeblich nach einer Regung.
Dabei wollte er nichts lieber als das. Er brauchte das jetzt
unbedingt. Doch alle Wärme, die er je empfunden hatte, schien
sich in irgendeinem abgelegten Winkel seiner Seele verkrochen zu
haben und hatte ihn leer und taub zurückgelassen. Er atmete tief
ein, sperrte bewusst in seinem Bewusstsein all das aus, was je
zwischen ihnen geschehen war. Es war und blieb auch weiter ein
Geheimnis. Für ihn jedenfalls.
Auch wenn er es damals beinahe zugelassen hätte. An diesem
Morgen, als er neben ihr aufgewacht war. Fast wäre er in dem
warmen Bett liegen geblieben, neben ihrem warmen Körper, der
sich im Schlaf an ihn geschmiegt hatte. Sie hatte so zart
ausgesehen, dachte er jetzt. So einladend und das Gefühl,
dass auf ihn einströmte, als er sie so im Dämmerlicht
betrachtet hatte, war ein ganz anderes geartetes Verlangen
gewesen. Eine Sehnsucht, sie zu halten, sie zu beschützen, ein
Bedürfnis sich all die unausgesprochenen Wünsche von der Seele
zu reden und fest an Träume zu glauben. Die ganze Nacht hindurch
hatte er sie nicht losgelassen, sie erregt, hatte nicht genug von
ihr bekommen können. Genauso wenig wie sie von ihm. Es hatte
Momente gegeben, unzählige Momente, in denen sie sich so sehr in
Einklang bewegt hatten; eine solche Einheit gebildet hatten, dass
es schien als würde sein Herz in ihrer Brust schlagen. Doch
Stunden später wachte sie auf. Allein.
Sie wusste, es sollte ihr nicht wehtun, dass er nicht neben ihr
lag, nicht mit ihr zusammen aufwachte.
So würde es nicht zwischen ihnen stehen. Sie wusste das. Sie
hatte es akzeptiert. Man würde sich nicht gegenseitig zärtliche
Nichtigkeiten ins Ohr flüstern, sich einander nicht das Innerste
der Seele offenbaren. Sie durften nicht damit anfangen sich
nacheinander zu sehnen und sich in den Nächten danach zu
verzehren den Atem des anderen zu hören. Sie hatte ihn gebraucht
und er war für sie da gewesen... Doch Träume waren irrational.
Sie waren sich immer über die Grenzen bewusst. Sie konnten
zusammen sein, miteinander arbeiten, Zeit miteinander verbringen,
einander genießen, solange bestimmte Linien nicht überschritten
wurden. Doch das änderte nichts an den grundlegenden Tatsachen.
Es war besser gewesen sie nicht zu wecken. Besser für sie beide.
Er fand einfach keinen Frieden, solange er den Grund, das
`Warum´, nicht kannte. Wieder sah er ihre Verzweiflung und ihre
Verletzlichkeit, er war weder blind noch dumm, aber der Verlust
seiner Selbst griff mit eisernen Klauen nach seinem Herzen und
machten ihn vollkommen taub.
Erneut kam es ihm vor, als würden ihre blauen Augen ihn mit
Fragen und Erwartungen durchbohren. Fragen, auf die er selbst
keine Antworten wusste. Erwartungen, die er im Moment einfach
nicht erfüllen konnte.
Sein Glaube, den er immer für einen wichtigen Wesenszug von sich
gehalten hatte, war gebrochen worden. Er fühlte sich in seinem
eigenen Körper fremd. Bruchstückhafte, schreckliche
Erinnerungen sprangen ihn immer wieder unvorbereitet und
unkontrollierbar an. Und angesichts dessen, was ihm wieder
einfiel, drehte es ihm beinahe den Magen um. Die Narben heilten
und sein Herz schlug wieder, doch dieses Erkennen wiedersprach
einfach jeder Logik.
Doch wie sollte man vor etwas fliehen das man im Blut hatte, in
jeder einzelnen Körperzelle? Denn da war Scully. Ganz gleich,
wovon er sich auch zu überzeugen versuchte genau da war
sie.
Doch was, wenn es wieder passierte?
Oder schlimmer, wenn es ihr passierte?
Konnte er es dann aufhalten?
Konnte er sie und sein ungeborenes Kind dann schützen?
Sie hatte schon genug gelitten seit sie mit ihm zusammen war.
Ihre Schwester. Ihr Krebs. Die Sorge um ihn selbst. Wie viel
Schmerz konnte sie ertragen? Sie war ständig in Gefahr wenn sie
mit ihm zusammenwar und das konnte er kaum ertragen.
Sein Haar schimmerte dunkel im einfallenden Licht, doch seine
Augen blieben dunkel. Augen, die seit jeher ihre Geheimnisse vor
ihr bewahrt hatten, sprachen jetzt zu ihr, mehr als tausend
Worte, und Scully beobachtete ihn so eindringlich, dass er sich
fragte, ob seine stummen Erklärungen ihr irgendetwas sagten.
Doch er tat ihr nur weh und er wusste es. Er hasste sich selbst
für sein Verhalten. Dafür, dass er den einzigen Menschen, dem
er vertrauen konnte, so enttäuschte und ihm weh tat. Er brauchte
sie so sehr und immer war sie dagewesen. Er hatte immer gewusst,
dass sie für ihn da war. Immer. Selbst ihre sture Art, wie sie
sein Tun und Handeln stets hartnäckig hinterfragte, hatte er
schätzen und lieben gelernt. Und jetzt schlug er ihr mit seiner
ablehnenden Art mitten ins Gesicht.
Aber verdammt noch mal, er fühlte wie ein Außerirdischer, wie
eine fremde Lebensform in seinem eigenen Körper...
Scully taxierte Mulder noch einen Moment lang, dann ließ ihr
Blick ihn los. Es schmerzte zwar immer noch, doch die Tatsachen
sprachen für sich. Alle Antworten auf ihre Fragen standen in
seinen Augen zu lesen und sie fühlte Mitleid mit ihm.
Er hatte das Geschehene noch längst nicht verkraftet.
Wie gerne hätte sie ihn in den Arm genommen, ihn getröstet,
aber in seinem Blick, in seiner Stimme lag nicht Trauer sondern
Verbitterung. Diese Erkenntnis war aufreibend. Noch schlimmer als
das, war allerdings, was für sie davon abhing. Ihr
Glücklichsein. Ohne ihn war sie zwar jetzt zufrieden mit ihrem
Leben, doch sie war sich nicht sicher, ob sie ohne Mulder in
ihrem Leben auch wirklich glücklich sein konnte.
Aber sie wusste, was er durchgemacht hatte, hatte es am eigenen
Leib erfahren und....sie verstand ihn sogar.
Sie atmete tief durch und der Knoten in ihrem Bauch löste sich
langsam wieder auf. Jetzt hatte sie sich wieder unter Kontrolle,
auch wenn das Fundament nicht ganz so fest war, wie es hätte
sein können. Er würde Zeit brauchen bis er wieder vertrauen
konnte, bevor er sich erlauben würde, wieder etwas zu fühlen.
Irgendwann würde sie alle Antworten auf alle Fragen bekommen, da
war sie ganz sicher. Sie würden auch darüber hinwegkommen.
Märchen mit einem glücklichen Ausgang hatten leider nicht immer
mit der Realität zu tun und vielleicht hatten auch Wunder ihren
Preis. Das war ihr Schicksal, war es immer gewesen. Von allen
Fragen, die in ihrem Kopf schwirrten, einer Antwort war sie sich
absolut sicher. Die Sehnsucht nach ihm würde nie schwinden.
Alles war möglich das wusste sie und sie würde das Beste daraus
machen. Sie konnte warten.
END