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Titel: After All Things
Autorin: Galloway
Spoiler: All Things
Rating.
PG 17 (zur Sicherheit, es ist wirklich nichts Anstößiges enthalten)
Kategorie. MSR
Inhalt: Die Story beginnt da, wo All Things aufhört und Scully und Mulder führen ihre Partnerschaft auf ein neues Level
POV: Scully
Disclaimer: Alle Personen gehören Chris Carter und ich mache kein Geld mit diesen Geschichten

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Tief in ihrem Unterbewusstsein vernahm sie das rhythmische Schlagen von Ästen. Die tropfenden Geräusche von Regen der gegen ein Fenster peitscht. Die Klänge von Wind, der sich in den Ecken fängt, nur um unmittelbar gegen eine Wand zu preschen bahnte sich den Weg in ihre Träume. Träume ohne Gesichter, die nach dem Aufwachen sofort wieder vergessen sind. Sie vernahm einen leichten Schmerz in ihrem Genick, wie man ihn hat, wenn man zu lange in derselben Stellung verharrt. Dieser zwang sie, sich leicht zu drehen und sie spürte ein leichtes Kratzen auf der Haut. Noch halb im Schlaf tastete sie mit ihren Händen nach dem Ursprung. Eine Decke. Nicht ihre Decke, denn sie bevorzugte weichen Stoff. Und es war auch nicht ihr Bett in dem sie lag. Schlagartig wurde sie vollends wach und öffnete leicht panisch die Augen, nur um sich im nächsten Moment wieder zu beruhigen. Sie war auf Mulders Couch eingeschlafen. Langsam gewöhnten sich ihre Augen an die Dunkelheit, die nur von den Strahlen des Mondes durchdrungen wurde. Sie war mit einer Decke zugedeckt. Ein leichtes Lächeln spielte um ihre Lippen, hervorgerufen von dieser einfachen Geste.
Ihr Blick fuhr zu seiner Wanduhr. Sie musste mehrmals blinzeln, bis sie die Zeiger genau erkennen konnte. Sie hatte zwei Stunden geschlafen. Es war bis auf die Geräusche der Außenwelt und das Blubbern der Pumpe im Aquarium völlig still im Apartment. Friedlich. Sie drehte ihren Nacken leicht hin und her, um den Schmerz zu verdrängen und bei jeder Bewegung ließ er ein bisschen mehr nach. Allmählich wurde sie völlig wach. Es war so warm unter der Decke, so gemütlich, so dass sie entschied nur einen weitern kurzen Moment unter dieser zu verharren. Doch sie musste sich früher oder später entscheiden. Sie blickte Richtung Tür. Draußen wartete Sturm und Regen auf sie. Kälte. Und in Mulders Apartment das Gegenteil. Wärme.
Ihr fiel die Diskussion wieder ein, die sie noch vor kurzer Zeit geführt hatten. Vielleicht führten alle Wege zu einem Ziel. Und vielleicht war ihr Ziel heute Nacht dieses Apartment gewesen. Der vergangene Tag schien schon so weit weg. So unreal. Daniel war nur noch eine ferne Erinnerung, an die sie keinen weiteren Gedanken verschwenden wollte. Wie einem das Schicksal doch manchmal mitspielt. Sie musste erst einen vergangenen Liebhaber treffen, um zu verstehen, welchen Platz ein anderer Mann in ihrem Herzen und in ihrer Seele eingenommen hatte. Ein Lächeln, so strahlend wie tausend auf einmal eingeschaltete Glühbirnen trat auf ihr Gesicht. Automatisch erhob sie sich von der Couch und ihre Füße führten sie eigenmächtig zur Tür seines Schlafzimmers, die einladend offen stand.
Sie verharrte im Türrahmen. In der Dunkelheit konnte sie nur seine Umrisse ausmachen. Der Ansatz seiner breiten Schultern, die wie sie wusste, in starke Arme übergingen. Arme, die sie einerseits mit aller Kraft vor allen Gefahren zu schützen versuchten und andererseits so viel Halt und Trost für sie bieten konnten. Unter dem Bettlaken zeichnete sich der weitere Verlauf seines Körpers ab. Seine Brust und seine langen schlanken Füße. Ob er wusste, dass er auf sie diese unwiderstehliche Wirkung hatte, diese magische Anziehungskraft. Und genau diese übte er in diesem Moment aus. Sie musste ihn berühren, musste wissen, dass dies kein Traum war. Auf leisen Zehenspitzen, um ihn nicht zu wecken schlich sie sich zu ihm und setzte sich vorsichtig auf sein Bett.
Bei dem Anblick seines friedlichen Gesichtes schmolz ihr Herz. Wie sie diesen Mann liebte. Auf eine Weise, die sie nur langsam begann zu verstehen. Da war die reine körperliche Anziehungskraft, da war tiefe Freundschaft und das gegenseitige Vertrauen, da war die Kommunikation mittels Körpersprache und da war noch so viel mehr, dass sich niemals in Worten beschreiben lassen würde. Wie von selbst fand ihre Hand den Weg in seine Haare und strich ihm zärtlich durch diese. Spielte mit ihnen. Begann die Konturen seines Gesichtes nachzufahren. Die Züge abzutasten. Über die markante Nase, nach außen über seine Wange zu seinem Ohr und verharrte anschließend kurz auf seinen Lippen. Mit ihrem Daumen fuhr sie über diese. Prägte sich jedes Detail ein. Dann beugte sie sich nach vorne und legte ihren Kopf in dieser altbekannten Geste an seine Stirn. Sie konnte seinen Atem auf ihrem Gesicht spüren. Ihr Blick wanderte zu seinen Lippen und eine Erinnerung trat vor ihre Augen. Das Gefühl, als er ihr an Sylvester diesen Kuss gegeben hatte.
Sie konnte nicht widerstehen und küsste ihn ihrerseits. Nur kurz. Nur ein Hauch. Ein intensives Gefühl breitete sich bei dem Kontakt in ihrem Körper aus und sie wusste, dass sie gehen musste, oder sie würde die Kontrolle vollends verlieren. Sie drehte sich herum und war bereits halb erhoben, als sie spürte wie eine starke Hand ihren Arm umschloss. Scully schloss kurz die Augen bei dem Gedanken, seit wann Mulder wohl wach war. Dann ertönte seine tiefe, noch von Schlaf durchtränkte Stimme.
„Bleib!“
In diesem einen Wort lag soviel Bedeutung. Das Schicksal hatte sie wieder an eine Weggabelung geführt. Welche Abzweigung sie nahm, würde den weiteren Verlauf ihres Lebens bestimmen. Aber eigentlich war der Weg schon vor sieben Jahren festgelegt worden. Und wenn sie auch unterwegs vielleicht einmal die falsche Strasse genommen hatten, waren sie am Ende wieder hier. Standen hier. Und das unausweichliche war eingetreten. Und wenn sie es auch heute aufschob, so würde das Schicksal sie doch irgendwann wieder hierher führen. Es war ihre Bestimmung. Und Mulders. Wenn sie in den letzten zwei Tagen zu einer Einsicht gekommen war, dann war es diese. Nur war sie sich nicht bewusst, dass die unmittelbare Entscheidung noch heute Nacht folgen würde. Immerhin hatten sie sich sieben Jahre mehr oder weniger umkreist. Gewartet, gelitten und gehofft. Und im letzten Jahr waren die Anzeichen immer größer geworden. Die Spannungen waren ins unermessliche gestiegen. Wie ein Gewitter, dass unendlich viel Elektrizität aufgestaut hatte, nur um es an einem Tag zu entladen. Alles Aufgestaute loszuwerden. War heute der Tag? Oder war es noch zu früh? All diese Gedanken flogen an ihr vorbei im Bruchteil einer Sekunde und auch für ihre Entscheidung benötigte sie nur einen Wimpernschlag.

 

Sie setzte sich wieder aufs Bett, das unter ihr leicht nachgab und drehte sich seitlich zu Mulder um. Er hatte sich auf seinen Ellenbogen gestützt und schaute ihr nun tief in die Augen. Die Zeit schien stehen zu bleiben. Ihre Atemzüge wurden tiefer und ruhiger. Die Nervosität, die sie noch vor ein paar Sekunden verspürt hatte, war verflogen. Alles schien so surreal und doch so vertraut. Als wäre es nie anders gewesen. Sie spürte wie Mulders Hand ihren Arm hochfuhr. Sie zog ihre Luft scharf ein. Er fasste ihren Blazer und zog ihn langsam an ihrem Rücken herab. Seine Augen verließen nie die ihren. Wie um sie um Erlaubnis zu bitten. Und sie gab sie ihm. Der Blazer wurde achtlos auf das Fußende seines Bettes geworfen. Dann erhob er sich und setzte sich vor sie auf die Bettkante. Seine Füße umschlossen sie von beiden Seiten.
Sie schloss die Augen und lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Er roch so intensiv nach Mulder, dass es ihr fast die Sinne vernebelte. Mulder fuhr unter sie und hob sie mühelos auf seinen Schoß, zog sie näher an sich. Dann umschloss er sie mit beiden Armen und vergrub sein Gesicht in ihrem Nacken. Im Raum war nichts anderes als die Atemzüge der Beiden zu hören. Der Regen peitschte durch den Sturm getrieben weiterhin gegen das Fenster. Scully hatte ihre Augen immer noch geschlossen und genoss nur den Moment. Sie legte eine ihrer Hände auf seine Brust und fuhr wie zuvor seine Konturen nach. Wanderte über seine Brust hinab zu seinen Bauchmuskeln. Mulder erschauderte unter ihr und zog scharf die Luft ein. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht bei dem Gedanken, was sie in ihm auslösen konnte. Sie vernahm Mulders leise Stimme in ihrem Ohr.
„Warum jetzt?“
Auch sie flüsterte bei ihrer Antwort bloß.
„Weil ein anderer Moment auch nicht besser oder schlechter ist. Weil sich auch morgen die Welt weiter drehen wird, egal was hier heute geschieht. Weil alle unsere Entscheidungen irgendwie zu diesem Moment führen. Weil nur das passiert, was schon so lange unumstößlich ist.“
Sie spürte Mulders Lippen auf ihrem Nacken. Wie ein Hauch fuhr er über ihre Haut und hinterließ an allen Stellen, die er berührte eine Gänsehaut. Seine andere Hand legte sich auf ihr Knie und fuhr langsam, aber unaufhörlich unter ihren Rock. Sie seufzte bei seinen Berührungen auf. Er löste ein Kribbeln in ihr aus, das sich allmählich von ihrem Bauch über ihren ganzen Körper verteilte. Das passierte jedes Mal, wenn er sie berührte, aber es war noch nie so intensiv gewesen. Die ganze Szene war magisch. Der Regen, die Äste, der Wind, das Mondlicht, das durchs Fenster fiel und alles in dieses unglaublich weiche Licht tauchte. Mulders Geruch, sein Atem auf ihrem Nacken, seine Hand die immer höher glitt. Seine andere Hand fuhr nun hinter ihren Nacken und drehte ihren Kopf in seine Richtung. Sie öffnete ihre Augen und sah Mulders Blick, der so voller Offenheit war. So intensiv, dass sie unwillkürlich erschauderte.
Dann fiel sein Blick auf ihre Lippen und durch Scully zuckte ein Blitz, bei dem Gedanken, was jetzt passieren würde. Doch er bewegte sich nicht, ließ ihr einen letzten Fluchtweg. Und so schloss sie die Distanz zwischen ihnen. Es begann zart, fast schon ängstlich. Ihre Lippen berührten sich nur leicht. Doch schon bald wurde der Kuss intensiver und alle aufgestauten Gefühle der letzten Jahre kamen an die Oberfläche und entluden sich. Ihre Hände tanzten über seinen Körper, berührten ihn überall, wo es nur möglich war. Um sie herum vernebelten sich alle Gedanken, bis nur noch Mulder und die Bewegungen seines Mundes existierten. Nach einigen Minuten lösten sie sich voneinander.
„Wenn du aufhören willst, dann musst du es jetzt tun, oder ich werde nicht mehr in der Lage dafür sein.“
Das hatte sie schon lange gemerkt. Schließlich saß sie auf seinem Schoß. Sie antwortete ihm nicht, sondern streifte nur ihr grünes Oberteil über ihren Kopf und ließ es auf den Boden fallen. Das Letzte was sie noch bewusst wahrnahm, waren Mulders aufgerissene Augen und seine geschmeidige Bewegung, als er sie in einem Zug von seinem Schoß auf das Bett beförderte.
Als Scully wieder erwachte verspürte sie ein Gefühl, dass sich so seit Jahren nicht mehr bei ihr eingestellt hatte. Sie war einfach glücklich. Hinter ihr lag Mulder und hatte sie mit seinen Armen umschlungen. Er schnarchte leicht, was keine Überraschung war, da sie schon öfters zumindest gemeinsam im Zimmer geschlafen hatten. Draußen tobte noch immer der Sturm. Doch er hatte ein wenig abgeflaut. Langsam wand sie sich aus seinen Armen. Es war noch nicht ganz Morgen, aber bald würde die Sonne den Mond verdrängen und dann sollte sie hier verschwunden sein. Auch wenn sie noch so gerne gemeinsam mit ihm aufgewacht wäre. Aber auch dafür würde irgendwann der richtige Moment kommen. Ab hier war alles nur noch eine Frage der Zeit. Sie ging zu seinem Schreibtisch und kramte einen Zettel und einen Stift hervor.

Mulder,

wir müssen reden. Darüber, wie es weitergeht. Wie wir uns in der Öffentlichkeit und in der Arbeit verhalten. Ich bereue nichts.

In Liebe,
Dana


Diesen trug sie zurück und legte ihn auf sein Nachtkästchen. Sie konnte sich schon jetzt vorstellen, wie enttäuscht er sein würde, wenn sie weg wäre. Was er als erstes vermuten würde. Aber sie musste nach Hause und sich umziehen. Sie wollte beim FBI keinen Verdacht erregen, sondern erst alles mit Mulder durchsprechen. Er hatte sich auf den Rücken gelegt und seine langen Beine lugten unter der Decke hervor. Langsam, um ihn nicht aufzuwecken, sammelte sie ihre Sachen ein und ging in sein Bad um sich fertig zu machen. Als sie in sein Schlafzimmer zurückkehrte, um ihre Jacke zu holen, verharrte sie einen Moment und widerstand der Versuchung, ihn zu küssen. Sie wollte ihn nicht aufwecken, und sie war noch nicht bereit für die Diskussion über ihre Beziehung und wie viel sie davon preisgeben wollten. Längst hatte sie ihren kühlen Blick aufgesetzt, als wollte sie schon imaginär ihre professionelle Haltung in der Arbeit einnehmen. Dann zog sie sich ihre Jacke über, ging durch sein Apartment und trat in die Kälte, die draußen auf sie wartete. Mit dem Schließen der Tür verdrängte sie auch das letzte bisschen Wärme.

The End