Titel: Adam & Eve

Autor:               Kat

E-mail: Amasayda@aol.com

Disclaimer:       Das ist echt mein Lieblingsteil! Okay, also: Leider, leider, 

leider gehören Mulder, Scully, Skinner und die Gunmen nicht mir, denn sie waren Chris Carters geniale Erfindung. Deshalb gehören sie ihm, seiner Produktionsfirma 1013 Productions und der Fox Broadcasting Company! Ich leihe mir unsere beiden Lieblingsagenten und die anderen nur aus und gebe sie nach dieser Geschichte ganz sicher unbeschadet zurück! Versprochen!!!

Rating:             PG-13

Category:          MSR, H 

Spoiler:             keine

Summary:         Ein FBI-Ball, eine brünette Pamela Anderson und ein 

                        sabbernder Special Agent vom Land gemischt mit unseren 

                        beiden Lieblingsagenten und einem Schuss Romantik!

Dedication:       Diesen Teil liebe ich auch! Ich weiß, die meisten werden das hier schon gar nicht mehr lesen, aber das ist mir relativ egal.

                                   Derjenige, für den dieser Teil bestimmt ist, der wird es auch lesen! 

                        Also, Isabelle, ich hoffe, du liest ihn! Da ich irgendwie niemand anderen habe, dem ich diese Geschichte widmen möchte, musst du mal wieder herhalten! Tut mir leid! Ich hoffe, sie gefällt dir, denn nur auf dein Drängen hin habe ich sie weitergeschrieben, ansonsten würde sie jetzt wahrscheinlich immer noch auf meiner Festplatte vergammeln! Also, das hier ist - mal wieder - eine Geschichte, die ich dir widmen möchte! 

                        Aber diese Geschichte widme ich auch denen, die mir für meine vorherigen Geschichten Feedback geschickt haben! Ihr glaubt nicht, wie sehr sich jemand wie ich über Feedback freuen kann!

                                   Danke!

                        Jetzt habe ich genug geredet! Also, viel Spaß bei dieser Geschichte! Und vergesst nicht: Ich sterbe für Feedback!

Amasayda@aol.com

 

 

Adam & Eve

von Kat

 

 

Ein gewisses Kellerbüro im FBI-Gebäude an einem sonnigen Wintermorgen, Freitag 

„Wo bleibt denn Agent Scully?“, fragte Special Agent ADAM Stern sichtlich besorgt, als er Mulder die Akten reichte, und dann vorsichtig seine babyblaue Krawatte glatt strich. 

Mulder hatte diesen kleinen Super-Agenten, der gerade frisch aus einer anderen Abteilung kam, so satt. 

„Tja, Agent Scully ist klug, und kommt wenigstens zu spät“, gab Mulder zurück und riss dem Goldjungen die Akten aus der Hand. 

Es gefiel ihm gar nicht, dass sich ADAM ganz offensichtlich für Scully interessierte. Und dieses Interesse äußerte sich nicht nur in seiner ständigen Besorgnis um ihr Wohlergehen, sondern auch immer dann, wenn ADAM eine Aufgabe zu erledigen hatte und er diese dann so perfekt wie möglich erledigte, um auch ja ein Lob von seiner Angebeteten zu bekommen. Natürlich lobte man jemanden, wenn dieser jemand etwas gut gemacht hat, aber ADAM wurde dabei rot. ROT!!! Wie ein Teenager verhielt er sich in ihrer Gegenwart.

Mulder warf schnell einen Blick zur Uhr, die Scully ihm mal geschenkt hatte. Je länger Scully nicht da war, desto länger konnte man wenigstens etwas mit <Special Agent Stern> anfangen.

„Was meinen Sie, Agent Mulder, wo ist sie gerade?“, fragte ADAM verträumt und drehte sich auf seinem quietschenden Drehstuhl hin und her.

* Vielleicht kann man doch nichts mit ihm anfangen. *

Mulder schloss die Augen, um nicht auszurasten, doch seine Hände ballten sich trotzdem zu Fäusten. Allein die Stimme dieses Kerls brachte ihn auf die Palme. 

* Ganz ruhig! *, sagte er sich und atmete ruhig aus.

„Agent Stern, was Miss Scully in ihrer Freizeit tut, geht uns überhaupt nichts an, denken Sie nicht auch?“ , fauchte Mulder feindlich zurück und bekam dafür von ADAM einen ratlosen Blick mit seinen unschuldigen, blauen Augen, die perfekt zu seiner Krawatte passten.

„Ähm, . . . ja . . . natürlich, Agent Mulder!“

Mulder atmete geräuschvoll aus und markierte dann einige Stellen in einer Akte, die vor ihm lag, als plötzlich die Tür aufging und Special Agent EVE Vaughn das Büro betrat. Sie war zusammen mit ADAM zu Mulder und Scully versetzt worden, um gemeinsam mit den beiden erfahreneren Agenten an einem Fall zu arbeiten.

„Guten Morgen!“, trällerte sie mit ihrer hellen Stimme. Ihr ganzes Gesicht verschwamm beim Anblick ihrer unglaublich weißen Zähne. „Ich habe Kaffee und Donuts mitgebracht. Ich dachte mir, dass wir etwas essen sollten!“ EVE zauberte einige Tüten hinter ihrer Wespentaille hervor und platzierte sie auf Mulders Schreibtisch, wobei sie ihm noch einmal ein ganz besonderes Lächeln schenkte. „Sind Sie schon weitergekommen?“, fragte EVE und schlug ihre schlanken Beine übereinander, als sie sich neben ihren blonden Kollegen auf einen anderen quietschenden Drehstuhl setzte. 

ADAM schüttelte den Kopf und legte einen Bleistift zurück, um sich über die Donuts und den Kaffee herzumachen, als erneut die Tür aufschwang und Scully lächelnd den Raum betrat. Nicht nur Mulder lächelte, als er sie endlich sah, sondern auch ADAM strahlte wieder über das ganze Gesicht.

„Es tut mir leid, dass ich zu spät bin!“, sagte sie freundlich lächelnd und holte hinter ihrem Rücken ein Tablett mit Kaffee und Donuts hervor, bemerkte jedoch, dass schon Kaffee und Donuts auf Mulders Schreibtisch standen. „Oh!“, gab sie enttäuscht zurück und das wunderbare Lächeln auf ihrem Gesicht verschwand, während ADAM ihr das Tablett vorsichtig aus der Hand nahm.

„Eve, ähm, ich meine, Agent Vaughn war so nett und hat uns schon etwas mitgebracht, Scully!“, sagte Mulder und beobachtete ADAM, wie er Scully von der Seite anhimmelte.

„Was Sie nicht sagen!“, entgegnete Scully mit einem desinteressierten Ton in ihrer Stimme und warf EVE ein zuckersüßes Lächeln zu. 

* Seit wann hat <Agent Vaughn> denn einen Vornamen? Immerhin arbeite ich doch schon fast sieben Jahre mit Ihnen, Mulder! * 

Scully hasste diese eingebildete Ziege mehr als alles andere. Bemerkte Mulder etwa gar nicht, wie sehr sich EVE an ihn ranschmiss? 

* Gott, alleine schon der Name. EVE. Sie ist wirklich wie Eva. Die Sünde im Paradies. Verdammte Hexe! * 

„Hätte ich gewusst, dass Sie etwas mitbringen, Agent Scully, dann . . .“, versuchte es EVE gespielt freundlich und stand auf, um Scully den Stuhl anzubieten.

Scully lächelte EVE nur höflich an und ließ sich dann auf den freien Stuhl fallen. Doch am liebsten hätte sie dieser Schlampe die Haare ausgerissen. Das Büro war ja so schon ziemlich klein und jetzt mit vier Leuten war es definitiv zu voll. 

Wieder warf Scully einen Blick in EVEs Richtung, die jetzt mit ihren 

ach so perfekt manikürten Händen hinter Mulder stand und sich von ihm etwas erklären ließ, als Scully plötzlich durch ADAMs Stimme aus ihrer Traumwelt zurückgeholt wurde.

„Ihre Donuts sehen viel besser aus!“

* ADAM... *, seufzte Scully in Gedanken. 

Das war ihr anderes Problem. Ein Problem hätte natürlich nicht gereicht. Als ob EVE nicht schon genug wäre. Dieser blonde Junge war vielleicht sogar noch das größere Problem von beiden.

Scully lächelte hilflos und warf dann einen Blick zu Mulder, der anscheinend seine Bestimmung darin gefunden hatte, EVE etwas zu erklären. 

Scully hatte gehofft, Agent Stern würde Ruhe geben, nachdem sie nicht geantwortet hatte, doch sie wurde enttäuscht. Dieses Kind war wirklich hartnäckig. Er gab keine Ruhe und ging ihr so auf die Nerven. ADAM benahm sich ja schlimmer als ein liebeskranker Teeny. Bekam Mulder das etwa auch nicht mit? Anscheinend nicht, denn EVEs langes, dunkles Haar war wohl anscheinend sehr faszinierend. 

„Ich mag nämlich Donuts mit Zuckerguss viel lieber als welche mit Schokoladenüberzug!“

* Oh Gott, ADAM, halten Sie einfach Ihren Mund! * 

Warum bekam sie immer die Schwachköpfe als Verehrer? Scully nickte, lächelte freundlich und betete, dass er einfach nur aufhören würde.

„Sehr gut, Adam, dann greifen Sie zu!“ , sagte Scully und sah weg, als sie den ersten Anflug von Röte in ADAMs Gesicht zu erkennen glaubte.

Mulder hatte alles ganz genau gesehen. Konnte dieser blonde Affe Scully nicht einfach in Ruhe lassen? 

* Scully, Sie lächeln ihn ja auch noch an! * 

Sie brauchte sich gar nicht wundern, dass die Männer ihr bei diesem Lächeln zu Füßen lagen. Ärgerlich sah er wieder zu EVE auf, die sich durch ihr langes, dunkles Haar strich und ihm irgendetwas erzählte. Er hatte ihr die ganze Zeit nicht zugehört, sondern immer ADAM im Auge behalten. Und was war denn das überhaupt für ein Name? ADAM?

Da ging wieder die Bürotür auf und der hausinterne Postbote kam herein.

„Morgen!“, grüßte der ältere Herr freundlich und zog mit seinen zitternden Fingern vier Umschläge aus dem Wagen, den er vor sich herschob. „Special Agent Eve Vaughn?”, fragte er und sah mit seinen grauen Augen durch den winzigen Raum. 

EVE hob, sehr auf ihr Aussehen bedacht, die Hand und bekam dann den Umschlag ausgehändigt.

„Agent Fox Mulder?“

Mulder hatte gerade den Umschlag in der Hand, als EVE einen verzückten Laut von sich gab, so dass jeder zu ihr hinüber sah.

„Ein FBI-Ball! Und schon morgen!“, sagte sie ganz hin und weg und war dabei vollkommen in die Einladung versunken, die sie in ihren Händen hielt. 

Auch Mulder war gerade dabei seinen Umschlag zu öffnen, als der Postbote Scully und ADAM auch ihre Umschläge ausgehändigt hatte und wieder verschwand.

„Ein Ball?“, stieß Scully erstaunt aus, als sie auch endlich ihre Einladung in den Händen hielt. 

Mulder sah genauso erstaunt zu ihr hinüber und ADAM wurde wieder rot, während EVE noch immer aufgeregt quiekend neben Scully stand.

„Ein Ball!“, gab Mulder zurück und ließ sich synchron zu ADAM auf seinen Stuhl fallen, wobei ADAM an das Tablett mit Kaffee kam, das herunterfiel und Scullys und EVEs Anzüge versaute. 

EVE schrie erschreckt auf und fing sofort an rumzuschreien: „Adam, du Idiot! Du hast mein Kostüm ruiniert !“ Verärgert zog sie ihr Jackett aus und präsentierte Mulder den Rest ihres so vollkommenen Körpers, nur um dann aus dem Raum zu rauschen. 

Scully strich sich ärgerlich die kaffeenassen Haare hinter die Ohren und ging dann ebenfalls aus dem Raum, während ADAM entschuldigend anfing zu stottern.

„Miss . . . Agent . . . Scully, . . . ich, es tut mir . . .“

Doch Scully war schon längst verschwunden und hatte Mulder mit ADAM alleine gelassen.

 

In einem FBI-Badezimmer

Scully stieß die Türen zum Badezimmer auf und sah EVE nur in ihrem BH und im Rock vor dem kleinen, verschmierten Spiegel stehen. 

Als EVE Scully bemerkte, fing sie freundlich an zu lächeln und machte etwas Platz vor dem Spiegel. „Dieser unfähige Schwachkopf!“, knurrte sie und fuhr sich durch ihr Haar. Wahrscheinlich zum tausendsten Mal an diesem Tag. „Der hat meinen Gucci-Zweiteiler ruiniert! Verstehen Sie? Meinen Gucci-Zweiteiler!“

Scully lächelte mitfühlend und zog dann auch ihr Jackett aus. Übrigens kein Gucci-Jackett. Ihre ganze Bluse war durchweicht, aber sie würde sie nicht ausziehen und sich vor EVE lächerlich machen, die sich die Nase puderte und ihren Lidstrich nachzog. Als Scully sich die Haare wieder ordentlich hinter die Ohren legte, spürte sie die ganze Zeit EVEs Blicke auf ihrer Haut und dann brach EVE endlich die Stille.

„Werden Sie zum Ball kommen, Dana?“, fragte EVE ganz unschuldig. 

Doch Scully kannte diesen Ton. Sie würdigte EVE keines Blickes. Wann hatte sie dieser Schlampe eigentlich erlaubt sie mit dem Vornamen anzusprechen? 

„Vielleicht. Wieso fragen Sie, Agent VAUGHN???“

EVE rückte ihren BH zurecht und formte ihre Atomlippen zu einem Kussmund. „Na ja, denken Sie, Agent Mulder wird kommen?“, fragte EVE ganz unschuldig und knöpfte ihr Jackett zu, um dann Scully anzusehen, die glaubte, sich verhört zu haben. 

* Diese verdammte Schlange. * 

Oh, wie sie EVE hasste. Sie wollte mit Mulder auf den Ball? Sie durfte nicht mit ihm auf den Ball! Scully musste schlucken, doch sie versuchte nicht die Fassung vor EVE zu verlieren.

„Agent Scully?“, fragte EVE.

Scully blinzelte, fasste sich aber sofort wieder. „Vielleicht sollten Sie ihn das selber fragen, Agent Vaughn!“, sagte Scully mit einem feindlichen Ton in der Stimme und verließ wütend das Bad.

In Mulders Büro

Mulder hatte sich zurückgelehnt und betrachtete die Einladung:

           Samstag, ab 20.00 Uhr im Festsaal des FBI Building, 

als sich ADAM räusperte. Mulder hatte schon gehofft mal Ruhe vor ihm zu haben, doch das war anscheinend nicht möglich.

„Agent Mulder?“, piepste ADAM vorsichtig mit seinem ländlichen Dialekt.

„Was?“, fauchte Mulder genervt zurück.

„Ähm . . . hier steht: Erscheinen Sie bitte in Begleitung, ich . . . ich muss eine Begleitung haben?“

Mulder lachte sich innerlich tot. War der Kerl wirklich so dumm? Wie war der denn bloß zum FBI gekommen? „Adam, wenn das da so steht, dann wird das auch so sein!“

Ein Lächeln legte sich auf ADAMs beruhigtes Gesicht und er schien verträumt. 

Mulder schüttelte den Kopf und sah wieder auf die Karte.

„Meinen Sie, Agent Scully hat schon eine Begleitung?“

Mulders Kopf schoss in die Höhe und er sah verstört zu ADAM. „Was?“, keuchte Mulder, weil sein Hals auf einmal so trocken war.

„Ich fragte, ob Agent Scully wohl schon einen . . .“

„Ich habe verstanden, was Sie gefragt haben.“

„Na, und?“

Mulder schluckte. Was zur Hölle sollte er denn antworten? JA? NEIN? Vielleicht? „Tja, ich . . . ähm, na ja, eigentlich, . . . ich habe keine Ahnung, Adam“, musste er zögernd zugeben.

„Sehr gut!“ ADAM strahlte über das ganze Gesicht. 

* Verdammt, dieser Halbstarke kann doch nicht mit Scully zu dem Ball gehen. Das darf er nicht. * 

Verzweifelt sah er zu ADAM rüber, der sich anscheinend die Rede mit Scully schon im Kopf ausdachte. Mulder würde sie nur eher fragen müssen als dieser Schwachkopf. Wenn er nicht wollte, dass ADAM mit Scully auf diesen Ball ging, dann müsste er selbst den Mut haben und Scully fragen, ob sie ihn begleiten würde. Sein Herz raste unglaublich schnell bei dem Gedanken daran, dass jemand anderes mit Scully ausgehen würde. Dieser Ball könnte seine Gelegenheit sein, endlich Scully das zu sagen, was er für sie empfand, und zum ersten Mal mit ihr auszugehen. Es war seine Bestimmung, mit ihr zu diesem Ball zu gehen. 

Im Kellerflur

Scully lehnte draußen im Flur an der Wand und versuchte sich zu beruhigen. Wäre sie noch eine Minute länger in diesem Raum zusammen mit EVE geblieben, dann wäre wahrscheinlich ein Unglück passiert. Und EVE hätte dabei ganz sicher nicht gewonnen. Was hatte diese Frau an sich, dass Scully aus ihrer gewohnten Selbstbeherrschung riss? Nichts war mehr so wie früher. Was war denn nur passiert? Sie betrachtete EVE tatsächlich als eine potentielle Feindin, und das zu Recht. EVE mit ihrem einzigartigen Körper. Sie war groß, schlank und hübsch. Und Scully war klein, normal und Mittelmaß. Es machte sie verrückt zu sehen, wie sie sich an Mulder ranschmiss. Das war abstoßend und es war schrecklich von EVE gefragt zu werden, ob Mulder wohl auch zum Ball kommen würde. Vielleicht würde er kommen, vielleicht auch nicht, aber wenn er käme, dann ganz sicher nur mit Scully, denn das hatte sie nach fast sieben Jahren Partnerschaft doch wohl verdient. 

Plötzlich ging hinter ihr die Tür auf und EVE kam auf ihren Pfennigabsätzen herausgestolpert. „Oh, Agent Scully! Was machen Sie denn noch hier? Geht es Ihnen etwa nicht gut?“

Scully holte tief Luft und sah dann zu EVE auf. Sie fühlte sich tatsächlich nicht sehr gut und wenn sie jetzt noch wieder mit EVE und ADAM in diesen kleinen Raum musste, dann könnte sie für nichts mehr garantieren. 

Warum konnte nicht wieder alles so sein wie früher? Sie und Mulder und eine schöne X-Akte? Gott, was würde sie für eine X-Akte geben!!!

* Hör dich doch nur mal selber an, Dana! Was ist denn bloß los mit dir? *

„Nein, ich fühle mich wirklich nicht sehr gut! Ich werde nach Hause gehen! Sagen Sie den anderen, dass ich gegangen bin, bitte!“

„Aber mit Vergnügen!“, sagte EVE mit einem gespielt mitleidigen Lächeln und verschwand, während Scully noch eine Weile im Flur stehen blieb und ihr nachsah.

Mulders Büro

EVE betrat das Büro und sofort sahen die beiden Männer zu ihr auf.

„Wo ist Scully?“, fragte Mulder und sah, dass EVE den Raum alleine betreten hatte. 

ADAM wurde sofort hellhörig, als der Name Scully erwähnt wurde.

„Oh, ach ja, Agent Scully. Sie sah nicht so gut aus, ihr ganzes Gesicht war so komisch weiß, ein wirklich hässlicher Teint, wenn Sie mich fragen, und dann sagte sie mir, dass sie nach Hause gehen würde“, bemerkte EVE, als sei es reine Nebensache.

Mulder schluckte und stand gleichzeitig mit ADAM auf, der sich entschuldigte und dann aus der Bürotür rannte. Als Mulder das sah, wollte er sofort hinterher, doch EVE hielt ihn zurück.

„Agent Mulder, ich . . .“

„Nicht jetzt!“, sagte Mulder mit fester Stimme, schob sich an EVE vorbei und näherte sich der Tür, um so zu sehen, was ADAM vor hatte.

Im Kellerflur

ADAM hatte Scully am Ende des Flures eingeholt und stand jetzt neben ihr. „Eve hat mir erzählt, dass es Ihnen nicht sehr gut geht!“

Scully atmete tief ein und drückte den Knopf der Aufzüge. „Das stimmt. Ich werde nach Hause fahren, mich ins Bett legen und mich schonen! Dann bin ich ganz sicher schnell wieder gesund!“

ADAMs Gesicht hellte sich auf. „Dann, . . . dann darf ich Sie fragen, ob Sie mich morgen auf den Ball begleiten?“

Scullys Augen weiteten sich spontan. „Was?“

„Würden Sie meine Begleitung sein?“

Scully schluckte. Sie wollte auf keinen Fall. Um alles in der Welt nicht. 

„Wissen Sie . . . Agent Stern,  . . . Adam . . . ich denke nicht, dass wir zusammen gehen sollten, ich . . . ich versuche stark zu trennen zwischen Privat- und Berufsleben, wissen Sie?“ 

Oh Mann, wie sehr sie sich doch gerade selbst belog.

Das Lächeln auf ADAMs Gesicht verschwand und er schien schwer getroffen. „Oh,  . . . das . . . das wusste ich nicht!“

Scully nickte und er tat ihr plötzlich irgendwie leid. „Tut mir leid, Sie sind sehr nett, aber . . .“

„Nein, ist schon gut, ist okay!“, sagte er fast kaum hörbar.

Die Türen des Fahrstuhls gingen auf und Scully betrat mit ADAM, dessen Gesicht nun vollkommen farblos war, den Fahrstuhl.

Mulders Büro

Mulder stand in der Tür seines Büros und hatte von weitem die Szene betrachtet, die sich ihm geboten hatte. Er hatte nichts daran ändern können. ADAM war ihm zuvor gekommen und hatte Scully gefragt, ob sie ihn begleiten wolle. Und dann waren beide verschwunden. ADAM hatte gewonnen. Er würde mit seiner Partnerin, seiner Scully auf diesen Ball gehen, also hatte er da nichts zu suchen. Plötzlich krampfte sich etwas in seinem Inneren zusammen. Er ging langsam zurück in sein Büro und bemerkte zuerst EVE noch gar nicht, die an seinem Schreibtisch saß, doch dann sah er auf. „Oh, Eve, was wollen Sie denn noch hier?“, fragte er lustlos und seufzte leise.

EVE strahlte ihn mit diesem aufgesetzten Lächeln, das er bei Menschen überhaupt nicht leiden konnte. „Ich habe eine Frage, Fox!“

Mulder schluckte und sah sie erstaunt an. Was konnte sie von ihm wollen? Und warum sprach sie ihn mit seinem Vornamen an? Er hoffte, dass sie nicht schon wieder einen seiner Vorträge hören wollte, denen sie in Wirklichkeit doch nur aus reiner Höflichkeit und vielleicht sogar Berechnung zuhörte.

„Was machen Sie morgen Abend?“, fragte EVE und kam langsam auf ihn zu, wobei sie ihre Hüften wohlbedacht hin- und herschwenkte. 

Mulder schluckte. Damit hatte er definitiv nicht gerechnet. „Ähm, ich?“, fragte er unsicher, als EVE vor ihm zum stehen kam. 

Sie fuhr sich mit einer Hand wieder durch ihr langes Haar und lächelte ihn dann an. „Ja, Sie. Ich habe mir gedacht, dass ich Sie fragen könnte, ob Sie nicht mit mir auf den Ball kommen wollen?“

Mulder schluckte wieder. Er war noch nie von einer Frau zu einem Rendezvous eingeladen worden, und wenn er ehrlich sein sollte, dann gefiel ihm das eigentlich nicht. „Agent Vaughn, ich denke . . .“

„Wieso so förmlich? Immerhin arbeiten wir jetzt schon seit fast zwei Wochen zusammen!“

Mulder musste innerlich wirklich grinsen. Fast zwei Wochen? Zwei Wochen? Er und Scully kannten sich schon seit einer Ewigkeit – so kam es ihm zumindest vor – und noch immer herrschte diese Förmlichkeit zwischen ihnen. Was waren zwei Wochen gegen eine Ewigkeit?

Scully und er. Es war nun wirklich so lange her, dass sie in dieses Büro kam und sein Leben verändert hatte. Warum konnte er nicht den nächsten Schritt tun? Wieso war er so ein Feigling? Er hatte gewusst, dass ADAM sie fragen würde, und so sehr er sich auch gewünscht hätte mit ihr auf diesen Ball zu gehen – obwohl er solche Feierlichkeiten hasste – hatte er einfach nichts unternommen. Irgendetwas hinderte ihn daran, doch er wusste nicht, was es war. Und dann war ADAM ihm zuvorgekommen. 

*Tja, Mulder, so wird es irgendwann sein. Ein anderer wird kommen und das tun, wovor du Angst hast. Wozu du noch nicht bereit bist, und dann wird sie dich verlassen.*

Mulder stand noch immer mitten im Raum, und vor ihm stand EVE, noch immer auf eine Antwort wartend. Sie wäre genau sein Typ gewesen. Früher. Doch jetzt hatte er einen ganz anderen Typ Frau im Sinn. Er musste lächeln, denn Scully war ja nun wirklich das genaue Gegenteil von EVE. Scully war klug, wunderschön, sanft und verständnisvoll. Nie hatte er sich zu irgendeiner Frau so hingezogen gefühlt. Vielleicht war das der Grund, aus dem er nicht den nächsten Schritt tun wollte. Vielleicht hatte er Angst davor, sie zu sehr zu lieben.

Wieder dachte er an Scully, an den Ball, an ADAM. Sie würden sich auf diesem Ball amüsieren. Ohne ihn, denn er würde zu Hause sein und seine Situation betrauern, so wie er es immer tat. Aber wieso? Warum sollte er denn nicht auch mal auf diesen Ball gehen? Mit EVE und nicht mit Scully als Begleiterin. Mit EVE an seiner Seite, war er sich ganz sicher, von den anderen Gästen beneidet zu werden. Na ja, wenn man auf so etwas stand.

Mulder würde sich theoretisch nur die ganze Zeit mit ihrem ununterbrochenen Mundwerk herumschlagen müssen, denn das stand wirklich nie still, aber ansonsten konnte er sich ganz auf Scully konzentrieren. 

„Na ja, ich hoffe, Sie haben nichts dagegen, dass ich gefragt habe, ich meine, ich weiß ja nicht, aber ich dachte mir, dass ich, als Frau, und vielleicht ist ja jetzt irgendwie Ihr Ego verletzt oder so, na ja . . .“

Und vielleicht wäre Scully auch etwas eifersüchtig. Er begann bei diesem Gedanken zu grinsen. Eine eifersüchtige Scully . . .

„Fox?“ EVEs sanfte Stimme und ihre Hand auf seinem Arm holten ihn aus seinen Überlegungen zurück.

„Wissen Sie was? Ich komme mit Ihnen! Ich hole Sie ab! Sagen wir so um acht?“

EVE nickte heftig und präsentierte ihm die weißen Zähne. „Einverstanden! Ich wusste, dass Sie mit mir kommen würden, wissen Sie, Sie sind genau der Typ, der zu solchen Veranstaltungen geht, Fox . . .“

Schon wieder fing er innerlich an zu grinsen und begleitete sie dann aus dem Büro, wobei ihr Mund keine Sekunde ruhig blieb. 

„ . . . außerdem finde ich, dass wir fantastisch zusammenpassen? Sie nicht? Also, das muss ich ja wirklich mal sagen, ich liebe es . . .“

Ihr Mund stand einfach nicht still.  Der Abend würde wahrscheinlich wirklich sehr amüsant werden. Scully würde eifersüchtig sein, EVE , ach EVE war ihm egal, sie würde schon irgend jemanden finden, den sie voll labern könnte. Er würde die ganze Zeit wissen, wo Scully ist. Das war ihm tausend Mal lieber als zu Hause zu sitzen und nicht zu wissen, was auf diesem Ball so vor sich ging.

„ . . . und ich denke auch, dass wir in einem Outfit auf dem Ball erscheinen sollten, dass farblich übereinstimmt. Versteht du, was ich meine? Ich denke, wir sollten Türkis tragen, das schmeichelt meinem Teint, denn in Weiß sehe ich immer so fett aus, und Männer wirken in Weiß immer irgendwie schwul!“

* In Türkis etwa nicht? * 

Mulder schüttelte leicht den Kopf und musste grinsen. Er würde ganz sicher nichts Türkisfarbenes tragen. Niemals.

„Hast du mir überhaupt zugehört, Fox?“

„Sicher!“, sagte er beiläufig und grinste in sich hinein.

Dann betraten sie den Fahrstuhl und EVE begann schon wieder zu reden.

„ . . . ich habe mir auch noch gedacht . . .“

Scullys Apartment, Georgetown, an einem sonnigen Winternachmittag, Freitag

Scully schloss ihre Wohnungstür auf und betrat den sonnendurchfluteten Flur ihrer niedlichen Hauptstadtwohnung. Langsam pellte sie sich aus ihrem kamelfarbenen Mantel und atmete erleichtert aus, als sie ihre Schuhe endlich los war. Dieser Tag war einfach grauenhaft gewesen. Aber das hätte ihr eigentlich schon heute morgen klar gewesen sein müssen. Spätestens seit 4.35 Uhr, als einer ihrer neuen Nachbarn versucht hatte auf seinem Saxophon die amerikanische Hymne zu spielen. Immer noch schüttelte sie sich bei diesem Gedanken. Vielleicht hätte sie einfach zu Hause bleiben sollen, vielleicht wäre dann alles besser gelaufen.

Mit einem Seufzer ließ sie sich auf ihr weiches Sofa fallen und legte die Beine hoch, um sich zu entspannen und abzuschalten. Doch das wollte ihr einfach nicht gelingen. Immer wieder spukte ihr nur dieser eine Gedanken durch den Kopf. 

Der Ball!!!!

Wieder seufzte sie und stieß dann leise ein „Verdammt!“ aus. 

* Ein Ball ist doch etwas Positives! Etwas Tolles, Dana! *

Immer wieder versuchte sie sich das einzureden doch es gelang ihr einfach nicht. Ein Ball war ganz sicher nichts Tolles, und auch nichts Positives. Nicht wenn eine zweite – brünette – Pamela Anderson ihr in die Quere kam und ein kleiner Schuljunge vom Land jedes Mal anfing zu sabbern, wenn er nur ihren Namen hörte.

Wütend stand sie auf und lief in ihr Schlafzimmer, um sich bequemere Sachen anzuziehen. 

Der Ball.

Verdammt, was sollte sie denn nur machen? ADAM hatte sie zwar gefragt,

aber sie würde ganz sicher nicht mit ihm hingehen. Auf keinen Fall. Und Mulder? Tja, er hatte sie nicht gefragt. Und war vielleicht mittlerweile auch schon von EVE gefragt worden. 

Zornig stellte sie sich vor den Spiegel und ahmte die perfekte Kopie von EVEs „Hand-durchs-Haar“-Geste nach, nur um dann enttäuscht auf ihr breites Bett zu sinken. Es war vorbei. EVE hatte gewonnen, so weh ihr das auch tat. Denn sie hatte sich wirklich nichts sehnlicher gewünscht als einen Abend, nur diesen einen Abend, an der Seite des Mannes zu verbringen, in dessen Nähe sie sich einfach am wohlsten fühlte. Sie würde zu Hause bleiben und vielleicht einen Film ansehen, damit sie sich ablenken konnte. Doch Scully wusste, dass sie das nicht schaffen würde. 

Langsam stand sie auf und wanderte zu ihrem Kleiderschrank, um nach dem rostroten Satinkleid zu suchen, das seit einem Frustkauf vor ein paar Monaten auf seinen großen Auftritt wartete. Seufzend zog sie es hervor und breitete es auf ihrem Bett aus, wobei es anfing seidig zu schimmern. 

„Tja, der Auftritt wird wohl verschoben werden müssen“, sagte sie leise und strich langsam über das glänzende Material des wunderschönen Kleides. 

Der Auftritt würde verschoben werden! Denn sie würde Mulder ganz sicher nicht fragen, ob er mit ihr auf den Ball gehen würde, dazu war sie zu stolz und zu stur und zu katholisch. Und mit wem sollte sie sonst hingehen? Skinner?

Für einen kurzen Augenblick spielte sie wirklich mit diesem Gedanken, doch verwarf ihn dann ganz schnell wieder. Sie hatte sich jetzt, verdammt noch mal, damit abzufinden. EVE hatte gewonnen, und Scully würde zu Hause bleiben.

Dann ging sie ins Wohnzimmer und suchte die Fernsehzeitung, um das perfekte Fernsehprogramm für den Abend fest zu legen.

Mulders Apartment, Arlington, Samstagmorgen

Als er von der Arbeit nach Hause gekommen war, wollte er sofort als erstes Scully anrufen und sich nach ihrem Befinden erkundigen. Doch sie hatte schon auf seinen Anrufbeantworter gesprochen, also hatte er sich dagegen entschieden, sie noch einmal anzurufen, denn er fürchtete sich davor, dass sich ihr Gespräch um den Ball drehen würde.

Jetzt war es Samstag und heute Abend würde es soweit sein. EVE hatte auch auf seinen Anrufbeantworter gesprochen und ihm mitgeteilt, dass er seinen türkisfarbenen Smoking bei Chungs Reinigung abholen könnte. 

Mulder warf einen Blick auf den schwarzen Smoking, der an seinem Schrank hing. Den würde er anziehen! Er war zwar alt, aber immer noch sehr gut. Na ja, er würde ihn noch bügeln müssen, ein paar Nähte flicken und dann säße er wieder wie angegossen! Davon war er wirklich überzeugt, wenn er sich doch nur daran erinnern könnte, wo er das Bügeleisen hingepackt hatte.

Mulder wanderte in seinen Boxershorts durch die ganze Wohnung und suchte nach dem Bügeleisen, während er in der einen Hand seine Tasse mit Kaffee hielt und in der anderen den Washington Herold mit den neusten Nachrichten aus seiner Hauptstadt. Ein Artikel erregte bei ihm ein besonderes Interesse: Erster offizieller FBI-Weihnachts-Ball im J. Edgar Hoover Building! Nur für geladene Gäste!

Er würde dort heute Abend wirklich erscheinen. Er musste grinsen, denn eigentlich konnte er sich nicht vorstellen, dass sie ihm und Scully freiwillig eine Einladungskarte geschickt hatten. Nicht bei den Akten, die sie bearbeiteten. Na ja, er würde versuchen sein Bestes zu geben und das FBI nicht all zu sehr zu blamieren.

Dann ging er zurück in sein helles Schlafzimmer, um seinen alten, zerknitterten Smoking zu bügeln, denn das Bügeleisen hatte er inzwischen gefunden.

Scullys Apartment, Georgetown, Samstagabend

Draußen war es mittlerweile eiskalt und die vereisten Äste schlugen im leichten Dezemberwind in einem regelmäßigen Rhythmus an Scullys milchgläsernes Badezimmerfenster. Scully lag in ihrer warmen Badewanne und neben ihr stand eine Flasche Whiskey. Immer wieder sah sie sich die Flasche an und umfasste den Hals, ließ jedoch wieder von ihr ab. 

* Wenn du dich betrinkst, Dana, dann ist das wirklich armselig! * hörte sie ihre innere Stimme sagen und schloss genervt die Augen.

Die kribbelnden Schaumblasen um sie herum begannen langsam zu platzen und im Hintergrund ihres Badezimmers lief irgend ein langsames Lied von Frank Sinatra. Scully seufzte, legte ihr Bein über den Rand ihrer Badewanne und massierte sich ihren Nasenrücken. 

Die ganze Zeit versuchte sich nicht auf die Uhr zu sehen. Doch immer wieder fragte sie sich wie spät es denn wohl schon sein konnte. 19.30 Uhr? 20.00Uhr? Oder vielleicht sogar noch später? 

Sie konnte den Gedanken einfach nicht ertragen, dass sich Mulder auf diesem Fest mit Miss Silikon vergnügte und sie zu ihrem einzigen Vergnügen eine unangetastete Whiskeyflasche neben sich hatte. Sie war wütend, und zwar richtig wütend. Warum hatte Mulder sie denn nicht gefragt? Sie spürte, wie ein paar Tränen sich in ihren Augen sammelten, doch sie hielt sie zurück. Vielleicht liebte er sie einfach nicht. Sie konnte eben nicht wissen, ob er die selben Gefühle für sie hegte, wie sie es für ihn tat. Wütend schnaubte sie durch die Nase und zwang sich zur Ruhe. „Dana, reiß dich verdammt noch mal zusammen!“, befahl sie sich.

Doch das war leichter gesagt als getan, als plötzlich die Nachrichten im Radio kamen und die genaue Uhrzeit verkündeten. Es war 20.00 Uhr!!!

Entsetzt tauchte sie ihren Kopf unter die Wasseroberfläche und kam nach kaum zwei Sekunden wieder hoch, um sich die Whiskeyflasche zu schnappen.

* Scheiß auf die Armseligkeit! *

Vor dem J. Edgar Hoover Building, 20.48 Uhr

„Sehr gut! Jetzt sind wir wenigstens nicht mehr die Allerersten!“, freute sich EVE, als Mulder zum sechsten Mal an der Einfahrt zum Parkhaus des FBI-Gebäudes vorbei fuhr. „Du fährst jetzt einfach noch mal um den nächsten Block, und dann können wir endlich ins Parkhaus fahren.“ 

Sie hatte sich die ganze Zeit den Kopf nach dem Eingang verrenkt und als sie bei den ersten sechs Malen noch niemanden gesehen hatte, der die mit rotem Teppich abgedeckten Marmorstufen emporstieg, hatte sie darauf bestanden, so lange um den Block zu fahren, bis sie jemanden sah. Jetzt war es <Gott sei dank> soweit. Mulder hatte das nämlich langsam schon wirklich irre gemacht. Was wäre denn daran so schlimm gewesen Erster zu sein? Dann hätten sie wenigstens noch die freie Auswahl am Büfett gehabt. Ob Scully wohl schon da war?

EVE sprang geradezu aus dem Wagen, als er endlich im Parkhaus stand und zog erst einmal ihr hautenges türkisfarbenes Seidenkleid von Versace zurecht. „Fox, sitzt auch alles richtig? Sitzt alles?“, fragte sie fast keuchend und sah ihn mit ängstlichen Augen an.

Mulder grinste und wunderte sich, dass ihr bei diesen Temperaturen nicht kalt war. „Sicher! Alles sieht sehr gut aus! Sie sehen fabelhaft aus, EVE!“ 

* Wenn sie nur eine andere Farbe tragen würde! *

„Oh, Sie sind so süß!“, hauchte Eve mit einer verführerischen Stimme, doch gleich darauf wurde aus der sanften eine keifende Stimme, die ihn herumkommandierte: „Und jetzt kommen Sie endlich, denn zu spät will ich auch nicht sein! Das macht keinen guten Eindruck . . .“, rief sie ihm über das Autodach zu und wartete, bis er an ihre Seite trottete. „Außerdem bin ich, ehrlich gesagt, immer noch etwas enttäuscht, dass Sie nicht bei Chung waren und Ihren Smoking abgeholt haben!“ Und dann stolzierte sie neben ihm auf diesen hochhaushohen Absätzen durch das Parkhaus und hatte die ganze Zeit dieses unnatürliche Lächeln auf ihren flamingopinkfarbenen Lippen.

Im Festsaal des FBI Building, 20. 57 Uhr

Mulder hatte diesen Saal noch nie betreten und jetzt wusste er, dass er etwas verpasst hatte. Man würde niemals einen Saal von dieser Größe im Inneren des Hoover Building erwarten, doch es gab ihn. Festlich geschmückt und voll von feinen Leuten. Mulder konnte nur staunen, als er die mit roten und goldenen Blumen gedeckten Dinnertische und die volle Tanzfläche sah, hinter der auf einer Bühne eine 30-Mann Band gerade das Weihnachtslied „Run, Rudolph, Run“ spielte. Der Duft von Punsch und Essen lag in der Luft und wehte zu ihnen herüber, als er und EVE sich langsam die Stufen in den Saal hinabtrauten.

„Sieh doch mal, Fox!“, hauchte EVE neben ihm total überwältigt.

Mulder konnte nur nicken. EVE hatte Recht. Zwar zum ersten Mal, seitdem er sie kannte, aber sie hatte wirklich Recht. „Es ist wunderschön, nicht wahr?“ Langsam sah er zu EVE auf, die wie erstarrt auf einen Mann in der Menge starrte.

„Dort ist Senator Fredericks!“

Mulder zog die Augenbrauen hoch und sah, wie sich EVE in ihrem schillernden Kleid einen Weg durch die Menge von Menschen bahnte und dann verschwand. Sie hatte vom Senator geredet und nicht von der Ausstattung des Saales. Und jetzt war sie weg. Na ja, eigentlich konnte ihm das recht sein! So konnte er sich ganz darauf konzentrieren, seine Scully zu suchen. Er hatte weder sie noch ADAM entdecken können.

Mulder entschloss sich deshalb erst einmal zur Bar zu schlendern und sich einen Drink zu holen. 

Schon von weitem sah er die riesigen Eisskulpturen, die auf den Tischen des Büfetts standen und langsam vor sich hin tropften. Mehrmals rempelte er irgendwelche Leute an, die er noch nie zuvor gesehen hatte, bevor er sich endlich durch den Menschendschungel bis zur Bar durchgekämpft hatte. „Wodka Orange, bitte!“

Mulder drehte sich um und ließ seine braunen Augen über den ganzen Saal schweifen. Irgendwo zwischen den vielen Reportern , den hohen Tieren des FBI und anderen Politikern musste sie doch irgendwo sein.

„Sir?“, fragte die Dame hinter der Bar, die ihn an der Schulter antippte, „Ihr Wodka!“

Mulder nickte lächelnd und nippte dann von seinem Drink, während er sich langsam auf die erste Eisskulptur zuschob, um sich etwas von dem teuren Kaviar zu schnappen, der in Massen auf einem silbernen Teller lag. Er hatte gerade seinen Wodka abgestellt und einen der Teller zu fassen bekommen, als ihn jemand freundschaftlich auf die Schulter schlug.

„Hey, Mulder, wir haben auf dich gewartet!“

Mulder wirbelte herum und blickte in das grinsende Gesicht von Langly, der neben Byers stand und – zu Mulders größtem Erstaunen – einen ordentlichen Smoking trug, zwar mit einer Fliege in Regenbogenfarben, aber immerhin.

„Langly, Byers, was  . . . was macht ihr denn hier? Und wo ist Frohike?“, fragte Mulder lächelnd und stellte den Teller zurück. Er war froh, die drei zu sehen.

„Der Kleine?“, erkundigte sich Langly und sah sich suchend um. „Das letzte Mal habe ich ihn . . .“

„Ich bin nicht klein!“, ertönte es plötzlich knurrend hinter Mulder und alle drei sahen in dieselbe Richtung. Frohike stand zwischen den Beinen des Engels aus Eis und funkelte Langly feindlich an. Mit einem Teller voller Essen kam er um den Tisch herum und stellte sich zu seinen Freunden.

Mulder musste einfach grinsen. „Was zum Teufel macht ihr hier? Ich habe gelesen, dass man hier nur mit einer Einladung reinkommt!“, fragte Mulder und ließ sich von den Gunmen vom Büfett wegführen.

„Hey, wir konnten uns doch auf keinen Fall das fulminante Feuerwerk entgehen lassen, dass hier noch kommen soll! Außerdem haben wir eine Einladung!“, verteidigte sich Frohike und schnappte sich einen Toasthappen mit Kaviar von seinem Teller, den er genüsslich verspeiste und dann weiterredete. „Langly hat sie für uns besorgt!“

„Besorgt?“, fragte Mulder nach und grinste, als Frohike ihm einen Kaviartoast von seinem Teller anbot, den Mulder dankend ablehnte, woraufhin sich Frohike die schwarze Masse in seinen eigenen Mund schob.

„Er hat sich in den Computer eingehakt, in dem die Gästeliste gespeichert war. Und dann hat er uns einfach noch mit draufgeschrieben. Zwei Tage später lag eine Einladung in unserem Postkasten!“, antwortete Byers und wippte im Takt der Musik hin und her.

„Das Beste ist aber, dass ich auch noch andere auf diese Party eingeladen habe!“, entgegnete Langly stolz und nahm einen großen Schluck aus seinem Champagnerglas.

„Wen?“, fragte Mulder interessiert.

„Einige hohe Army Generals, die unter anderem in der Area 51 arbeiten und . . . meine Göttin!“, schwärmte Langly und nahm noch einen Schluck aus seinem Glas.

„Wen?“, erkundigte sich Mulder.

„Seine Göttin, . . . Shania Twain!“ Byers verdrehte bei diesem Namen die Augen und atmete geräuschvoll aus.

„Diese, diese Country-Sängerin?“, fragte Mulder, einem Lachanfall nahe.

„Ja!“, hauchte Langly und hatte ein seltsames Grinsen auf seinem Gesicht.

Mulder musste sich wirklich zusammenreißen. Langly und Country? Was war denn aus seiner Heavy-Metal-Vorliebe geworden? „Ist deine Göttin denn schon hier?“

Traurig schüttelte Langly seinen Kopf und sah zum Eingang, durch den noch immer Massen von Gästen hereinkamen. „Leider nicht!“

Mulder musste wieder grinsen, als er plötzlich von Frohike angestoßen wurde.

„Apropos Göttin: Wo ist denn Scully heute Abend?“ Frohike hatte wieder dieses schwärmende Funkeln in den Augen, das Mulder nur zu gut kannte.

Mulder grinste ihn wissend an und fragte dann: „Habt ihr sie noch nicht gesehen?“ Wieder ließ er seinen Blick so gut es ging über den ganzen Saal schweifen, doch nirgendwo konnte er sie oder ADAM sehen.

Alle drei schüttelten gleichzeitig ihre Köpfe und Byers fragte dann ganz erstaunt: „Aber ist sie denn nicht mit dir hier?“

Mulder schüttelte traurig seinen Kopf und nahm einen neuen Schluck aus seinem Wodkaglas. „So ein Agent, der mit uns zusammenarbeitet, kam mir zuvor!“

„Und mit wem bist du dann hier?“

Mulder nickte in Richtung Mitte des Raumes, von dem ständig ein für ihn unverkennbar helles Lachen zu ihnen herüber drang. Und genau in diesem Moment teilte sich die Masse und man hatte einen perfekten Blick auf EVE, die mit ihren pinkfarbenen Lippen und dem schillernden Kleid in den Armen des Senators lag.

Den Gunmen klappte der Mund auf. 

„Die?“, fragte Langly schnell und musterte Mulder von der Seite.

Mulder musste nicken. Irgendwie war ihm das jetzt gerade sehr peinlich.

„Die sieht ja aus wie eine Schaufensterpuppe!“, sagte Frohike und schüttelte den Kopf.

Byers sagte gar nichts, sondern starrte nur entsetzt.

„Und die ist mit dir hier?“, erkundigte sich Langly.

Wieder nickte Mulder und spielte unschuldig mit einen Fingern an seinem Wodkaglas herum. „Hm-hm!“

„Wenn ich Scully wäre,“ sagte Frohike, „dann würde ich mich ganz sicher nicht in deine Nähe trauen, solange dieses Kunstwerk, auf das ihr Schönheitschirurg ganz sicher stolz ist, in deiner Nähe ist.“

Mulder seufzte.

„Wir . . . wir könnten dir doch helfen, Scully zu finden!“, bot Byers dann plötzlich an.

„Genau!“, rief Frohike strahlend. „Los!“

Und mit diesen Worten waren die drei in der Menge von Menschen verschwunden. Mulder leerte sein Wodka-Orange-Glas und mischte sich dann ebenfalls unter die Menge, während die Band gerade zu „Silver Bells“ anstimmte und viele der Gäste auf die Tanzfläche liefen. Vielleicht würde er sie jetzt mit Hilfe der Gunmen endlich finden. 

Scullys Apartment, Georgetown, 21.34 Uhr

Sie lag auf ihrer Couch mit der nur noch halb vollen Whiskeyflasche neben sich und sah sich die Simpsons im Fernsehen an. Direkt neben ihr stand eine Uhr.

* Fühlst du dich jetzt besser? *

Natürlich fühlte sie sich nicht besser, aber was sollte sie denn daran ändern? Der Ball war mittlerweile schon in den Hintergrund gerückt. Viel mehr stellte sie sich vor, wie es wohl am Montagmorgen im Büro ablaufen würde. EVE und Mulder hatten sich dann ganz sicher eine Menge zu erzählen und sie würde wieder versuchen, ADAM und seinen peinlichen Blicken auszuweichen. Was machte ADAM wohl gerade in diesem Moment? Saß er auch zu Hause auf seiner Couch und hatte eine Flasche Whiskey neben sich?

Seufzend vergrub sie ihren Kopf unter einem ihrer Kissen.

Im Festsaal des FBI Building, 21.51Uhr

Die roten Haare seiner Begleiterin wirbelten durch die Luft, als ADAM sie über das Parkett wirbelte und sie zu „Silver Bells“ tanzten.

„Weißt du, dass du mich ganz stark an jemanden erinnerst?“, sagte ADAM verträumt und nahm die kleine Rothaarige in seine Arme.

„An wen?“ Die rothaarige Dame sah ihn aus dunkelgrünen Augen und einem runden, mit Sommersprossen übersäten Gesicht an und lächelte, als ADAM sie wieder herumwirbelte, wobei sie beinahe gegen ein weiteres Pärchen gestoßen wären.

„An jemanden, mit dem ich zusammenarbeite! Die Ähnlichkeit ist wirklich verblüffend!“, hauchte ADAM und zog die Dame wieder zu sich heran, wobei sie anfing, kindlich zu kichern, als er ihr etwas ins Ohr flüsterte.

Mulder schlich am Rand der Tanzfläche herum und suchte zwischen den Tischen, doch er hatte sie noch nicht gefunden. Plötzlich zupfte wieder jemand an seinem Ärmel. Frohike stand außer Puste und mit einem hochroten Kopf vor Mulder und zeigte auf die Tanzfläche.

Dort war sie. In einem dunkelgrünen – kurzen?!? – Chiffonkleid. In den Armen von ADAM, der sein Gesicht gefährlich nahe an ihrem Ohr hatte. In Mulder fing es an zu kochen. Er wollte schon auf die Tanzfläche stürmen, als ihn Frohike noch in letzter Sekunde zurückhielt.

„Was willst du denn jetzt machen?“

Mulder zuckte mit den Schultern und beobachtete mit Frohike ADAM und seine Begleitung.

„Hat Scully irgendwie zugenommen?“, fragte Frohike plötzlich und starrte ziemlich unmissverständlich auf die sehr runden Waden und den wohlproportionierten Hintern der Rothaarigen.

Mulder verpasste ihm einen leichten Stoss in die Rippen und tadelte ihn mit einem Blick, doch er musste zugeben, dass Frohike irgendwie Recht hatte. 

ADAM war gar nicht bewusst, dass er die ganze Zeit beobachtet wurde. Wieder schwang er Linette, die er heute auf seinem Weg nach Hause kennen gelernt hatte, an seinem Arm herum und fühlte sich wie der glücklichste Mensch auf der ganzen Welt. Dana Scully hatte er längst vergessen, obwohl ihr Linette doch ein wenig ähnlich sah. Vorsichtig zog er sie wieder an seinen Körper und sah ihr lange in die grünen Augen, die ihn belustigt anfunkelten und dann nahm er all seinen Mut zusammen und senkte seine Lippen zu ihren, um sie endlich zu küssen.

Im selben Moment, als sich ADAMs und Linettes Lippen berührten, riss sich Mulder von Frohikes Seite los und stürmte auf die Tanzfläche. Frohike blieb vollkommen verwirrt zurück und starrte seinem Freund hinterher, der sich dem küssenden Pärchen näherte.

„Du bist wunderschön, Linette!“, sagte ADAM schüchtern und streichelte über ihr rotes Haar, als ihn plötzlich etwas von ihr wegriss und er in das gar nicht sehr amüsierte Gesicht seines mehr oder weniger Vorgesetzten blickte. „Ähm, Agent Mulder, guten Abend!“, brachte ADAM Stern ein wenig keuchend hervor, weil Mulder seine Hand um seinen Hals legte.

„Was erlauben Sie sich eigentlich? Kaum zwei Wochen arbeiten Sie nun mit uns zusammen und dann schnappen Sie mir die einzige Gelegenheit weg, auf die ich seit mehr als sechs Jahren warte?“, fauchte Mulder böse und war erstaunt, mit einer solchen Heftigkeit zu reagieren.

„Entschuldigen Sie, ich . . . ich  . . . ich kann nicht atmen!“, piepste ADAM hilflos und versuchte sich aus Mulders Griff zu lösen.

„Was? Oh, tut mir leid!“ Mulder lockerte seinen Griff, blieb aber immer noch wütend vor ADAM stehen, der eingeschüchtert mit seinem roten Kopf vor ihm kauerte. „Ich habe seit fast sieben Jahren auf eine Gelegenheit wie diese gewartet, um mit Agent Scully . . .“ Mulder warf einen Blick zur Seite, um zu sehen, wie Scully das Ganze aufnahm. Doch dort stand keine Scully. Dort stand nur eine vollkommen ängstliche Linette, die sich vor Sorge kaum einkriegen konnte und ihn ängstlich ansah.

Mulder sackte innerlich zusammen. Das war nicht Scully. „Wo, wo . . . ist sie hin?“, fragte Mulder verwirrt und sah sich um. Viele der Ballgäste hatten sich um ihn und ADAM versammelt.

„Wer?“, fragte ADAM und hustete, um den Knoten in seinem Hals los zu werden.

„Na, Agent Scully!“ Mulder sah sich suchend um und warf dann einen fragenden Blick zu Frohike, der nur mit den Schultern zucken konnte.

„Ich weiß nicht, wo sie ist. Sie hat mir einen Korb für heute Abend gegeben und dann habe ich wie durch ein Wunder Linette getroffen!“ ADAM ging voller Stolz auf seine Begleitung zu und nahm sie in die Arme.

Mulder klappte der Mund auf und er sah verstört zu Linette und ADAM. Scully hatte ADAM einen Korb gegeben? Sie hatte also nie vorgehabt, mit ADAM auf diesen Ball zu gehen? 

Mit einem Mal fühlte er sich mehr als nur schuldig. Er war mit EVE zusammen hergekommen und Scully saß alleine zu Hause, weil sie dachte, dass er sie nicht fragen wollte. 

* Du verdammter Idiot! *

Wütend schloss er die Augen und schnaubte durch die Nase. Was sollte er denn nun tun? Er musste zu ihr. Und zwar jetzt sofort.

„Tut mir leid, Adam!“, entschuldigte er schnell sich und verschwand dann durch die Menge von der Tanzfläche.

Frohike, Langly und Byers sahen ihm fragend hinterher. „Wo will er denn hin? Er verpasst ja noch das Feuerwerk!“, sagte Langly und zog an seiner bunten Fliege.

„Zu seiner Göttin!“, sagte Frohike enttäuscht und schnappte sich ein Glas Champagner von einem der unbesetzten Tische, das er mit einem Mal leerte.

 

Scullys Apartment, Georgetown, 22.09 Uhr

Sie hatte die Whiskeyflasche nicht mehr angerührt, nachdem sie eine moralische Diskussion mit ihrer inneren Stimme geführt hatte und schaltete sich jetzt mit einer Schüssel Popcorn in den Händen durch alle Kanäle. 

Ihr war langweilig. Sie war sauer auf sich selbst, aber vor allem auf EVE. Wenn sie nur daran dachte, was EVE im Moment mit Mulder anstellte, dann lief es ihr eiskalt den Rücken herunter. Warum war sie denn nicht mutig genug, um Mulder endlich die Wahrheit zu sagen? So oft hatte sie sich in den letzten Stunden diese Frage gestellt, aber sie konnte einfach keine Antwort darauf finden. Vielleicht lag es gar nicht an ihr, vielleicht lag es an Mulder, denn er hatte seit dem Zwischenfall in seinem Hausflur nicht mehr den kleinsten Versuch unternommen, sich ihr zu nähern. Doch vielleicht hätte er es heute getan, wenn da nicht EVE gewesen wäre. 

* Diese Schlampe! *

Sie nahm eine Hand voll Popcorn und stopfte sich die knuspernden Flocken in den Mund. Sie hätte nie gedacht, dass ein Abend so schrecklich unerträglich und langweilig sein könnte. Immer wieder änderte sie ihre Position auf dem Sofa und versuchte dabei keine vorherige Position zu wiederholen. Daraus machte sie eine richtige Kunst. 

Sie brauchte eine Ablenkung! Irgendeine Ablenkung! Könnte Mr Jarvis von nebenan nicht wieder sein Saxophon quälen? Sie warf einen Blick zur Wand, die ihre Wohnung von der des Mr Jarvis trennte. Er war ganz sicher nicht zu Hause. An einem Samstagabend. Wer war schon an einem Samstagabend zu Hause?

Scully seufzte und wollte die nächste Hand voll mit Popcorn zu ihrem Mund führen, als es an ihrer Tür klopfte.

Vor Schreck hätte sie beinahe die Schüssel Popcorn, die auf ihren Knien ruhte, fallen lassen. Wer konnte das denn sein? 

Sie schluckte die Reste des Popcorns herunter und entfernte die Krümel von ihren graumelierten Boxershorts und dem dazu passenden, nicht all zu engem Spaghettitop. Ein wenig müde fuhr sie sich durch die zerzausten Haare und strich den weißen Bademantel glatt, aus dessen Seitentasche die Whiskeyflasche herausragte.

Langsam schlenderte sie auf ihre Wohnungstür zu, als es wieder klopfte.

Vorsichtig lugte sie durch den Spion und wollte ihren Augen nicht trauen. Sie schüttelte ihren Kopf und lugte dann wieder hindurch.

Es war Mulder. In einem SMOKING!!!! 

Sie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und öffnete dann langsam die Tür, während ihr Herz immer schneller schlug. Vor ihr stand ein blendend aussehender, reumütig blickender Mulder.

Vorsichtig hatte sie ihm die Tür geöffnet und stand nur in diesem dünnen Bademantel und diesem grauen Etwas vor ihm. 

* Sieh dir nur diese Beine an! * riet ihm seine innere Stimme.

Etwa nur die Beine? Die ganze Frau war ein einziger Traum. Seine Augen glitten langsam an ihrem Körper hoch, bis sie ihre ozeanblauen Augen trafen, die ihn interessiert musterten. Sofort rauschte sein Blut schneller durch seinen Körper und er hoffte, nicht so rot wie ADAM zu werden.

Verlegen lächelte er sie an sah dann auf seine Füße. Sie konnte sehen, dass es ihm peinlich war und sie fing wieder an zu lächeln. Er war einfach zu süß! 

„Wenn ich Sie jetzt frage, ob Sie mit mir auf den Ball kommen, dann ist wahrscheinlich schon zu spät, oder?“, fragte er vorsichtig und sah langsam zu ihr auf. Doch statt eine Abfuhr zu bekommen, sah er in ihre freundlich lächelnden Augen.

„Anscheinend brauchen wir für alles ein wenig länger!“ , sagte Scully und wich aus dem Türrahmen, um ihn herein zu lassen.

* Oh Gott, hasst du das gerade wirklich gesagt? *

Ängstlich wagte sie es nicht ihn anzusehen.

„Anscheinend!“ Mulder schloss für sie die Tür.

Erstaunt sah Scully zu ihm auf und fing wieder an ihn an zu lächeln. Mulder musste einfach mitlächeln. Und dann bemerkte er die Whiskeyflasche in ihrem Bademantel.

Scully folgte seinem erstaunten Blick und schob verlegen die Flasche tiefer in die Manteltasche hinein, um ihn dann vorsichtig anzugrinsen.

„Sie haben eine ganze Flasche Whiskey getrunken, Scully?“, fragte er entsetzt und sah sie besorgt an.

Scully schüttelte heftig ihren Kopf und ging vor ihm in ihr Wohnzimmer. „Nein, nur . . . nur die halbe Flasche! Ehrlich!“ 

Sie sah ihn aus ihren großen, blauen Augen an und er musste schon wieder lächeln. Sie war so kindlich in diesem Augenblick, wie er es noch nie erlebt hatte. Doch dann wurde er wieder ernst. Eine halbe Flasche Whiskey war trotzdem nicht gerade wenig. „Ich denke, wir sollten besser hier bleiben!“

„Warum?“, fragte Scully vollkommen verständnislos.

„Hey, immerhin haben Sie eine halbe Flasche Whiskey getrunken.“

„Na und? Ich glaube, Sie haben vergessen, dass ich irische Vorfahren habe, Mulder!“ , antwortete sie und grinste ihn schelmisch an. „Und wir Iren vertragen eine Menge!“

Er musste lachen. Sie meinte es wirklich ernst. Und sie machte wirklich nicht den Eindruck, als hätte diese halbe Flasche Whiskey irgendeine Wirkung bei ihr.

„Was ist? Nehmen Sie mich nun mit auf den Ball?“ 

Wieder diese bittenden, blauen Augen, denen er niemals etwas hätte verbieten können. Er lächelte sie sanft an. „Wie schnell können Sie sich anziehen?“

Überglücklich schlang sie ihre Arme um ihn und rannte dann in ihr Schlafzimmer.

Eine viertel Stunde später

Mulder saß auf der Couch und knabberte von dem Popcorn, während er sich eine Sendung für Erwachsene im Fernsehen ansah, als er die Tür zu Scullys Schlafzimmer hörte und schnell das Programm wechselte. „Scully? Sind Sie fertig?“

Er konnte nichts hören und wollte gerade den Fernseher wieder auf seinen Film umstellen, als er hinter sich einen Schritt hörte. Erschreckt stand er auf und drehte sich um.

Dort stand sie. In diesem langen, rostroten Kleid mit einem unglaublichen Ausschnitt. 

* Ob ihm wohl gerade bewusst ist, dass er mich ziemlich unerhört anstarrt? * fragte sich Scully.

Sie verschränkte ihre Arme vor ihrer Brust und lächelte ihn höflich an. „Ich denke, ich bin fertig! Sie auch?“

Mulder nickte abwesend mit dem Kopf und starrte auf die silberne Kette mit den roten Steinen, die funkelnd um Scullys Hals hing.

Scully lächelte und wandte sich zur Tür, um sich ihre Jacke zu holen. „Kommen Sie schon, Mulder! Wir sind ziemlich spät!“

Mulder nickte und sah ihr nach, als sie Wohnung verließ. Hatte er sie jemals so schön gesehen? Ihr Haar war wellig, ihre Haut strahlte und erst dieses Kleid. Er hatte Unrecht, dass ihn jeder um EVE als seine Begleiterin beneiden würde, man würde ihn um Scully beneiden. Man würde ihn beneiden! Voller Stolz richtete er sich auf und verließ dann eilig die Wohnung. Er wollte sie um keinen Preis noch länger warten lassen.

Im Festsaal des FBI Building, 22.46 Uhr

Das Fest hatte seinen Höhepunkt erreicht, als Scully mit Mulder an ihrer Seite den Saal betrat. Auch sie war von seiner Größe und Ausstattung mehr als nur begeistert. Aufgeregt ließ sie sich von ihm an der Hand in den Saal hinab führen. Die Band spielte gerade „Winter Wonderland“ und fast überall war ein Platz auf der Tanzfläche frei.

„Darf ich Ihnen einen Drink holen, Scully?“

Scully sah lächelnd auf und schüttelte dankend den Kopf. „Selbst ein Ire sollte sich nicht zu viel zumuten!“

Er lächelte und sagte dann: „Na gut, warten Sie hier auf mich?“

„Was sollte ich sonst tun?“

Lächelnd verschwand er und ließ Scully alleine, die zufrieden die Menschen beobachtete und unter ihnen bekannte Gesichter entdeckte. 

An der Bar

„Champagner, bitte!“ Mulder sah den Kellner freundlich an und wartete auf sein Glas, als sich plötzlich jemand zu ihm umdrehte.

„Dachte ich’s mir doch, ich hätte Ihre Stimme gehört, Agent Mulder!“ Ein feuchtfröhlich grinsender Assistant Director Skinner drehte sich zu ihm um.

Mulder musste sich wirklich beherrschen, um nicht loszulachen. „Sir!“

Skinner? Leicht angeheitert? 

„Wo haben Sie denn heute ihre hübsche Partnerin gelassen?“, fragte Skinner und zwinkerte Mulder zu, wobei er ihm auch noch einen leichten Stoß mit dem Ellbogen verpasste, „Ich habe sie den ganzen Abend noch nicht gesehen!“

„Sie ist hier, Sir! Irgendwo da vorne!“

„Schön! Ich hatte mir nämlich fest vorgenommen, wenigstens einmal mit ihr zu tanzen!“

Mulder grinste. 

* Wenn Sie noch tanzen können, Sir! *

Der Kellner reichte Mulder sein Champagnerglas und Mulder wollte gerade gehen, als Skinner ihn zurückhielt. „Habe ich Ihnen eigentlich schon meine Begleitung von heute Abend vorgestellt?“

Mulder schüttelte höflich den Kopf.

„Sie ist wirklich ein Engel!“, sagte Skinner kaum verständlich und dann winkte er anscheinend jemanden heran.

Mulder konnte seinen Augen kaum glauben, als plötzlich EVE aus der Menge auftauchte und nach Skinners Hand griff.

„Das ist Miss Eve, sie ist meine Begleitung!“

EVE und Mulder grinsten sich wissend an und Skinner schien rundum zufrieden zu sein.

„Gut, ich gehe dann mal wieder!“

„Wiedersehen, und vergessen Sie nicht ihrer Partnerin mein Vorhaben zu überbringen!“, rief Skinner ihm grinsend nach, als Mulder schon in der Menge verschwunden war.

Er ging auf die Stelle zu, an der er Scully hatte stehen lassen, doch er konnte sie nicht mehr sehen. Verdammt, er war sich aber sicher, dass er sie hier hatte stehen lassen.

„Mulder! Hier!“

Mulder wirbelte herum, und sah, wie sie aus einem Kreis von Männern heraustrat, der sie umringte. Frohike war auch dabei.

Eifersüchtig funkelte er jeden der Männer an, die danach wieder ihres Weges gingen.

„Was wollten die denn von Ihnen?“, fragte er ein wenig enttäuscht.

„Mit mir tanzen!“, antwortete sie grinsend und sah ihm deutlich an, dass er eifersüchtig war, denn immer wieder sah er sich zu allen Seiten um und bestrafte die Männer, die es wagten sie anzusehen, mit einem bösen Blick. Scully konnte darüber einfach nur lächeln. Typisch Mann!

Er lächelte sie sanft an und nippte an seinem Champagnerglas. Natürlich wollten die Männer mit ihr tanzen. Wer wollte nicht mit dieser Frau tanzen? „Dann haben Sie jetzt noch jemanden, der mit Ihnen tanzen will!“

Scullys Augen begannen zu strahlen. „Sie wollen mit mir tanzen?“

„Na ja, eher gesagt Skinner. Aber wenn Sie unbedingt wollen, dann kann auch ich Sie in die Geheimnisse des Tanzens einweihen!“

Scully strahlte. „Nur, wenn es Ihnen nicht allzu viele Umstände bereitet, Agent Mulder!“

Überglücklich stellte er sein Glas zur Seite und ergriff Scullys zierliche Hände, um sie auf die Tanzfläche zu führen, als sie zu „Santa Baby“ anstimmten. 

Scully legte gerade ihre Arme um seinen Hals, als jemand von hinten auf ihre Schulter tippte. Neugierig drehte sie sich um und sah in Frohikes aufgeregt funkelnde Augen. „Frohike!“

„Darf ich um diesen Tanz bitten?“

Scully warf Mulder, dessen Mund sich langsam erstaunt öffnete, ein mitleidiges Lächeln zu. 

„Frohike, kannst du überhaupt tanzen?“, fragte Mulder grinsend und war sich fast sicher, dass Melvin nein sagen würde, doch er wurde enttäuscht.

„Und ob. Mach dir keine Sorgen, du bekommst sie schon noch wieder zurück!“

Und mit diesen Worten verschwand Frohike mit Scully in der tanzenden Menge.

Als das Lied zu Ende war, hoffte Mulder auf seine Chance, doch schon wieder kam ihm jemand zuvor.

„Wo ist denn nun Agent Scully?“ Skinners belustigte Stimme war direkt neben ihm.

„Sie tanzt!“

„Oh, sehr gut, sehr gut! Also, wünschen Sie mir Glück!“, sagte Skinner und lief langsam auf Scully zu, die sich gerade von Frohike verabschiedete und wieder auf Mulder zukam, als Skinner sie aufhielt.

Enttäuscht saß Mulder auf einem der Dinnertische und sah den beiden zu, als sich EVE neben ihn setzte.

„Wollen Sie vielleicht mit mir tanzen?“, fragte sie und bot ihm ihre Hand an.

Mulder lächelte höflich und griff dann nach EVEs Hand, um sie mit auf die Tanzfläche zu führen.

Skinner und Scully unterhielten sich angeregt, als sie kaum einen Meter von Mulder und EVE entfernt über die Tanzfläche glitten. Immer wieder sah Mulder zu den beiden hinüber.

„Weißt du, Fox, ich bin mir sicher, es hätte mit uns funktioniert, wenn du den türkisfarbenen Smoking getragen hättest!“ EVE sah ihn mit ihren dunklen Augen aufmunternd an.

Mulder musste grinsen. „Ja, vielleicht!“, antwortete er und versuchte so viel Ernsthaftigkeit wie er aufbringen konnte in seine Stimme zu legen.

EVE lächelte ihn glücklich an und dann war das Lied endlich zu Ende. Er bedankte sich bei EVE und bahnte sich seinen Weg auf Scully zu. Diesen Tanz würde er mit Scully tanzen. Und zwar jetzt.

„Darf ich jetzt mit Ihnen tanzen?“

Scully grinste ihn mit einem wunderbaren Lächeln an und legte ihm endlich ihre Arme um den Hals. „Ich dachte schon, Sie fragen nie!“, flüsterte sie ihm ins Ohr und sah ihn dann wieder an.

Have Yourself A Merry Little Christmas“ ertönte und Mulder legte ganz behutsam seine Arme um ihre schmale Taille. Er wusste nicht, ob sie es sehen konnte, aber in diesem Moment hatte er sie zum glücklichsten Menschen auf der ganzen Welt gemacht. Auch er beugte sich langsam zu ihrem Ohr hinab und flüsterte: „Du weißt doch, dass wir für alles ein bisschen länger brauchen!“

Scullys Augen sahen ihn ein wenig erschreckt an.

* Er hat mich geduzt! *

Sofort fing sie an zu strahlen und schmiegte sich enger an ihn. 

Die Welt um sie herum war verschwunden und es gab nur sie beide, die langsam zu dem Lied tanzten. 

Mulder war besessen von ihrer weichen, weißen Haut und ihren glühendroten Haaren. Und im Moment lag sie in seinen Armen und dieses feuerfarbene Haar lag auf seiner Brust. Er traute sich kaum zu atmen und wünschte sich so sehr, dass dieses Lied niemals enden würde.

Endlich konnte er erleichtert die Augen schließen und streichelte sanft über ihr Haar.

Scully atmete gleichmäßig aus und ein. Er war so wunderbar warm und stark und hielt sie die ganze Zeit fest. Wenn es doch ewig so sein könnte?!

Sie spürte seine bernsteinfarbenen Augen auf ihrer Haut und schloss glücklich ihre Augen. Hatte sie sich das gewünscht? Oh ja, genau das hatte sie sich gewünscht und in der Realität war es sogar noch perfekter.

Als das Lied zu Ende war, sah er vorsichtig auf dieses wunderbare Wesen hinab und sagte leise ihren Namen, doch sie reagierte nicht. „Hey, Scully!“

Langsam hob sie ihren Kopf und sah ihn mit einem Blick an, den er noch nie bei ihr gesehen hatte. „Alles in Ordnung?“

Sie nickte und legte beruhigend eine Hand auf seine Brust. „Ich würde nur gerne nach Hause fahren!“

Mulder nickte und dann steuerten beide auf den Ausgang des Saales zu, der mittlerweile schon ziemlich leer war.

Von weitem wurden sie von den Gunmen beobachtet, die an der Bar standen und jeder ein Glas Punsch in der Hand hielten.

„Hey, wo wollen die denn hin?“, fragte Frohike ziemlich lallend und kippte sich das Glas Punsch in den Mund. „Die verpassen ja noch das Feuerwerk!“

„Frohike, das Feuerwerk ist schon lange vorbei!“ Byers schüttelte genervt den Kopf und trank ebenfalls sein Glas leer.

„Ehrlich?“, fragte Langly und sah auf seine Uhr, während er seinen Punsch über seinen Smoking verteilte. „Und wo wollen die dann hin?“

„Endlich nach Hause!“, sagte Byers und grinste Scully und Mulder wissend hinterher.

Scullys Apartment, Georgetown, 23. 26 Uhr

Langsam schob Scully ihren Schlüssel ins Schloss und war dabei so leise, dass sie die ganze Zeit Mulders ruhiges, gleichmäßiges Atmen hören konnte. 

„Was ist, findest du das Schlüsselloch nicht?“, fragte Mulder grinsend und stellte sich direkt neben sie, als sie die Tür aufstieß und ihre dunkle Wohnung betrat.

Mulder blieb im Türrahmen stehen und Scully sah ihn fragend an. Sie wollte nicht, dass er ging. Vorsichtig trat sie aus der Dunkelheit ihrer Wohnung in den Lichtschein des Flurs, wobei ihr Haar kupferfarben zu glühen begann. 

Langsam streckte Mulder eine Hand danach aus und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht. Er sollte jetzt gehen! Das war besser für sie beide.

* Nein, du solltest nicht gehen! Sei endlich mutig! *

„Gute Nacht!“, hauchte er leise und zog seine Hand weg, als er plötzlich Scullys warme Haut auf seiner Hand spürte. Sie wollte anscheinend nicht, dass er ging.

„Du willst gehen?“

Was sollte er denn machen? Natürlich wollte er nicht gehen, aber er sollte es besser tun. 

Verständnisvoll lächelte sie ihn an und drückte seine warme, weiche Hand, die ihre Hand perfekt umschloss. Sie wusste, dass er Recht hatte, dass es besser war, wenn er ging. Und doch fühlte sie sich dabei schlecht, denn nichts würde sich ändern, wenn er jetzt ging. Egal, wie sehr sie sich auch wünschte, dass er bei ihr blieb, es würde alles verändern. Und vielleicht alles zerstören. Wollte sie dieses Risiko wirklich eingehen? Er hatte Recht! Er sollte gehen, auch wenn es beiden schwer fiel.

„Nein“, antwortete er ganz leise und beugte sich ein Stück vor, um ihr ein wenig näher zu sein.

Scully sah ihn fragend an und verschränkte dann die Arme vor ihrer Brust, weil ihr kalt wurde und dann ging das Licht im Flur aus. Alles war blauschwarz und Scully versuchte sein Gesicht zu erkennen. 

Ihre schwarzen Augen funkelten ihn im Restlicht geheimnisvoll an. Sollte er mutig sein? Sollte er das, was sie jetzt hatten, für das, was er sich so sehnlichst wünschte, opfern? So viel schwirrte ihm im Kopf herum, über so viel hätte er nachdenken sollen, nachdenken müssen. Doch die Liebe macht blind. Und er wollte einfach nicht mehr feige sein. „Darf ich dich küssen?“, fragte er ganz leise und versuchte in ihrem Gesicht zu lesen, das trotz der Dunkelheit wie ein Mond strahlte.

Scullys Mund öffnete sich vor Erstaunen ganz leicht, doch sofort fing sie an zu lächeln und erhellte mit ihrem Strahlen fast den ganzen Flur.

„Ich dachte schon, du fragst nie!“, flüsterte sie leise zurück und merkte wie eine einzelne Träne ihre Wange entlang lief.

Dann senkte Mulder seinen Kopf zu ihr hinunter und spürte, wie ihre kalten Hände sein Haar berührten. Ihr Atem war warm und gleichmäßig. Vorsichtig schlang er seine Arme um ihren kleinen Körper, um ihr nicht weh zu tun, und berührte dann zum ersten Mal seit einer Ewigkeit ihre Lippen.

Er küsste sie. Er küsste sie gerade wirklich. Seufzend atmete sie aus und schmiegte sich immer enger an seinen warmen Körper. Es war wie eine Erlösung. Endlich hatte sie Klarheit. Scully schloss überglücklich ihre Augen und zog ihn langsam mit in ihre Wohnung, während sie ihn die ganze Zeit nicht losließ. Nie wieder würde sie ihn loslassen und so, wie er sie festhielt, würde er das ganz sicher auch nicht tun.

Mit einem Fußtritt schloss Mulder die Tür und beide verschwanden in der Dunkelheit von Scullys niedlicher Hauptstadtwohnung.

The End

Tja, ich hoffe, dass die Geschichte euch gefallen hat. Denn wenn sie euch gefallen hat, dann würde ich mich ganz riesig über Feedback freuen! Wenn sie euch nicht gefallen hat, dann dürft ihr das natürlich auch schreiben. Schliesslich muss ich Kritik vertragen können!

Amasadya@aol.com

Beendet am 07. Januar 2001