Autor: Isa
Titel: Why?
Spoiler: -
E-Mail:
incredibly_moooo@gmx.net
Rating: PG-13
Keywords: MSR; Mulder POV; Character Death;
Disclaimer: OK. Wie immer: Sie gehören nicht mir, ich will hiermit kein Geld verdienen...
Zusammenfassung: Wahrscheinlich wollen sie mich trösten, doch mein Herz will diese Worte des Trostes nicht hören.
Autorenbemerkung: Diese Geschichte ist eigentlich nur entstanden, weil ich durch das Schreiben am einfachsten mit Problemen fertig werde. Ich kann mir all meinen Kummer von der Seele "reden". An mir ist, wie vielleicht auch an euch, der ganze Terror in den USA nicht so einfach vorüber gegangen. Erschreckende Bilder haben sich wohl für immer in mein Gedächtnis gebrannt...
Bilder, die mir auch schon so manch schlaflose und tränenreiche Nacht beschert haben. Ich finde es einfach furchtbar, zu was Menschen im Stande sind.

Deswegen möchte ich, obwohl es ihnen nicht wirklich ein Trost sein wird, diese Story all denen widmen, die Freunde oder Familienmitglieder bei diesem Unnützen Gewaltakt verloren habe.

Beim schreiben dieser Geschichte war ich in Gedanken immer bei euch!




Why?


Alles scheint aus meinem Kopf verschwunden zu sein. Alle Gedanken, alle Wünsche und alle Träume. Es gibt für mich keine Zukunft mehr, denn alles, woraus diese bestehen könnte, wurde mir genommen. Von einer Sekunde auf die andere, wurde mein ganzes Leben verändert, auf den Kopf gestellt.
Das Mitspracherecht wurde mir verweigert, denn das Schicksal hat auf eigene Faust entschieden.
Es hat entschieden, dass Heute zu Gestern wird, unerreichbar und unveränderlich.
Für mich gibt es nichts mehr, dass man als Zeit definieren könnte, denn nichts scheint mehr einen Sinn zu ergeben.
 
Um mich herum existiert nichts mehr, es gibt nichts, woran ich mich festhalten und mir Halt suchen könnte. Eine Unendlichkeit hat sich vor mir aufgetan und ich weiß nicht, wie ich diese jemals überwinden soll. Ich weiß gar nicht, ob ich sie überwinden will. Vielleicht ist es besser so. Es ist vielleicht wirklich das Beste, wenn ich mich von ihrer alles verschlingenden Kraft mitreißen lasse, in ihrer Dunkelheit verschwinde.
 
Eines Tages werde ich einfach wieder aus ihr auftauchen und feststellen, dass es nur ein böser Traum war.
Einer dieser Träume, die mir als kleiner Junge immer Angst gemacht haben. Früher hatte ich geschrieen, mich unter meiner Bettdecke versteckt und auf die Hilfe meiner Mutter gewartet. Auch jetzt rufe ich, warte auf Hilfe. Doch niemand ist da. Niemand, der mich tröstend in die Arme nimmt und mir sagt, dass das alles nicht geschehen ist.
 
Es ist so surreal, so unwirklich. Langsam blicke ich zum Himmel, betrachte die Wolken, die sich über mir gebildet haben.
Sie ziehen wie jeden Tag, unbeeindruckt der Ereignisse, ihre Bahn am schier endlosen Firmament. Wissen sie denn nicht, was geschehen ist?
Ist es ihnen egal?
 
In diesem Moment wünsche ich mir, eine von ihnen sein zu können. Ich könnte mich vom Wind der Zeit einfach forttragen lassen. Unbehänd des so eben erlebten, würde ich an all den Menschen unter mir vorüberziehen und mir keine Gedanken über den heutigen Tag machen.
Immer geradeaus blickend wäre es mir vielleicht sogar gestattet, weit über das Ende der Welt hinaus zu segeln, an den Sternen vorüber, bis ich schließlich in der Unendlichkeit des Weltalls verschwinde.
 
Verschwinden...
 
Die Bäume, die um mich herum stehen, werden von dem aufkommenden Wind leicht hin und her gewiegt. Das Rauschen ihrer Blätter ist für mich nicht nur das simple aneinander schlagen der Äste, die müde von den Bäumen herab hängen.
Nein. Es scheint mir eine Geschichte zu erzählen.
Erzählen zu wollen... denn ich verstehe sie nicht.
 
Wahrscheinlich will es mich trösten, doch mein Herz will diese Worte des Trostes nicht hören.
 
Ich habe schon zu viel erlebt. Zu viele Geschehnisse mussten verarbeitet werden. Dieses Mal allerdings glaube ich nicht, dass ich der Belastung noch ein weiteres Mal standhalten kann. Zu groß ist die Bürde, die ich über all die Jahre mit mir herumtragen musste. Sie scheint nun ins Unermessliche Gewachsen zu sein, droht mich zu erdrücken.
Vielleicht sollte es so sein.
 
Ich dachte immer, ich würde all den Schmerz, den die Menschen um mich herum empfanden, mit ihnen teilen. Dachte, ich würde denselben empfinden. Wenn nicht sogar schlimmer.
Doch nun...
Das Leben hat mir auf die brutalste Art und Weise gezeigt, dass Menschen sich irren können.
Ich habe mich geirrt.
Nicht einmal die Hälfte des Schmerzes, den ich nun empfinde, hat mich mein Leben lang begleitet.
 
Stets lag ich wach, weinte um meine Schwester, versuchte sie zu finden, selbst wenn die Situation noch so ausweglos erschien.
Nun kann ich noch nicht einmal dies.
Meine Tränen sind schon vor langer Zeit versiegt. Ich weiß, dass ich nicht nach Dana suchen kann, denn die Gewissheit, dass ich sie niemals finden werde, ist tief in meinem Herzen verankert.
 
Das Wort "Warum" hat nun eine ganz andere Bedeutung für mich, als noch vor wenigen Stunden.
Warum kann man das Schicksal nicht beeinflussen?
Warum ist es uns nicht gestattet, die Menschen, die wir lieben, zu beschützen?
 
Liebe...
 
Dies ist nun das erste Mal, dass ich mir wirklich eingestehe, was ich für sie empfand... empfinde!
Sie war stets das Licht, dass mich sicher durch die Nacht geleitete, war immer für mich da, wenn ich jemanden brauchte, an dem ich mich festhalten konnte.
Sie war mein einziger Halt in einer Welt, die mehr und mehr aus ihren Fugen geriet.
Ich kann nicht verstehen, dass sie es in Zukunft nicht mehr sein wird.
 
Noch nicht mal die Gelegenheit wurde mir gegeben, ihr zu sagen, was ich wirklich für sie empfinde.
Es wurde mir nicht erlaubt, ihr zu gestehen, dass sie so viel mehr für mich war, als nur eine Freundin.
Sie war meine Partnerin, meine Vertraute und die Frau, die ich liebte.
 
Ich verstehe noch immer nicht, dass ich niemals die Chance dazu haben werde, es ihr zu sagen. Niemals wird sie erfahren, was wirklich in mir vorging.
Niemals wieder werde ich ihre Augen sehen, die an manchen Tagen so blau erschienen wie der Ozean und ebenso unendlich. Und niemals wieder werde ich ihr Lachen hören, obgleich dies in den letzen Jahren selten wurde.
Selten... und es war meine Schuld. Ich hätte versuchen sollen, sie aufzuheitern, hätte ihr so beistehen sollen, wie sie mir. Es mag den Anschein gehabt haben, als hätte ich dies getan. Ja, ich habe versucht, es ihr gleich zu tun, ihr Trost zu spenden. Doch es ist mir nicht gelungen. Ich hätte nicht so schnell aufgeben sollen...
Hätte. Jetzt werde ich niemals erfahren, was geschehen wäre, wenn...
 
Im Bruchteil einer Sekunde hat sich das Leben, mein Leben, verändert, denn der wichtigste Teil wurde aus ihm heraus gerissen.
 
Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass so etwas passieren könnte. Ich hätte nie erwartet, dass es ihr passieren würde.
Was habe ich Schlimmes verbrochen, dass mich das Leben so bestraft? Habe ich etwas Unrechtes getan?
 
Meine Augenlieder werden schwer und es scheint mir, als würde ich in einen tiefen Schlaf fallen, von dem es kein Erwachen gibt. Ein traumloser Schlaf, in dem ich nur von dem Dunkel der Nacht umhüllt werde, mich in Sicherheit wiegen kann.
 
Doch noch bevor ich mich auf die Erde fallen lassen kann, legt jemand seine Hand auf meine Schulter. Eine unbeschreibliche Wärme geht von ihr aus und ermutigt mich dazu, aufzusehen.
 
Skinner.
 
"Kommen Sie, Mulder. Es ist Zeit.", dringt seine Stimme beruhigend an mein Ohr.
 
Zeit?
Zeit für was?
Was ist Zeit?
Weiß er denn nicht, dass die Zeit für mich von nun an keine Rolle mehr spielt, dass sie jeglichen Sinn verloren hat?
Warum muss ich mich noch nach ihr richten, wenn es doch nichts mehr gibt, wo sie mich rechtzeitig hinführen könnte?
 
"Es warten schon alle." Ich blicke auf den Boden, sehe auf das Bündel in meiner Hand.
Die Blumen, die ich noch immer fest umklammert halte, scheinen nun das einzige zu sein, dass mir Trost spendet. Rosen. Ihre Lieblingsblumen.
Einmal durfte ich erleben, wie ihre Augen vor Freude strahlten, als ich ihr einen Strauß eben dieser Blumen zum Geburtstag schenkte. Einmal durfte ich mit ihr einen ruhigen Abend verbringen, über alles reden.
Doch auch dies ist mir nun verwehrt.
 
Mit gesenktem Kopfe gehe ich langsam den kleinen Hügel hinunter, begebe mich auf meinen Platz zwischen all den Trauernden.
Als ich mich endlich setze, legt Mrs. Scully beschützend eine Hand auf die meine.
Ob sie weiß, was ich für ihre Tochter empfunden habe?
Weiß Dana, dass ich sie liebe?
In dem Moment, als ich diesen Gedanken zu Ende bringe, nickt Mrs. Scully.
 
"Glaub mir Fox, sie weiß es."
 
Niemals hätte ich geglaubt, dass sich unsere Wege so trennen würden.
Niemals hätte ich gedacht, dass ich mich so nach einer Berührung von ihr sehnen würde. Was würde ich dafür geben, sie nur noch einmal an der Hand zu nehmen und ihr in die Augen sehen zu dürfen.
 
Was würde ich dafür geben, ihr nur ein einziges Mal sagen zu können, dass ich sie liebe...






Autorenbemerkung 2: So. Solltet ihr bis hier hin gekommen sein.. FB würde mich, wie immer, (auch unter diesen Umständen) sehr freuen.