Titel: Storm
Autor: Trahnfisch
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Storm
Es ist still im Wagen, seit wir dieses Bürogebäude verlassen und uns auf den Weg nach Hause gemacht haben. Wir haben es vor ungefähr einer halben Stunde verlassen und das einzige, was wir seit dem besprochen haben, war die Überlegung, ob wir noch ins Büro oder direkt nach Hause fahren sollten. Ich hatte Mulder gebeten, mich nach Hause zu bringen.
Es ist bereits spät, die Sonne wird bestimmt in den nächsten fünfzehn Minuten untergehen, und ich bin erschöpft und müde.
Mulder richtet seinen Blick stur auf die Straße, während ich die vorbeifliegende Landschaft aus dem Beifahrerfenster beobachte und ihm immer wieder kurze Blicke zuwerfe. Sein Gesichtsausdruck wirkt vollkommen neutral, wie auch schon vor zwei Stunden in seiner Wohnung, und niemand außer mir würde die Wut, die Enttäuschung und die Verletztheit erkennen.
Doch ich tue es.
Und ich weiß, ich habe Mulder erst einmal so wütend gesehen – damals, nach dieser Sache in Philadelphia mit Ed Jerse.
Er zeigt mir seine Wut, indem er sich von mir zurück zieht, nicht mit mir spricht, mich nicht beachtet.
Und es tut mir weh, dass er so unglaublich wütend und enttäuscht von mir ist.
Verdammt noch mal, ich bin Erwachsen! Und ich bin stolz darauf, dass ich unabhängig und stark bin, doch dieser Mann schafft es, dass ich mich schrecklich fühle.
Ich merke, wie mir langsam übel wird, angesichts der Kälte, die er mir entgegenbringt und ich wünsche mir, dass er mich anschreit, dass er mir sagt, was ihn so furchtbar enttäuscht und was ihn beschäftigt. Diese Ignoranz, mit der er mich straft, ist das Schlimmste, was er mir antun kann. Mulder ist mir so verdammt wichtig, dass ich es nicht ertragen kann, wenn er so tut, als wäre ich nicht da.
Er sitzt dort hinter dem Steuer und sagt nichts, blickt mich nicht an und reagiert auf nichts, was ich sage.
Wieder werfe ich ihm einen Blick zu, doch er erwidert ihn genau so wenig, wie schon die Male zuvor.
Tränen steigen mir in die Augen, doch ich kämpfe verbittert dagegen an, lasse sie nicht fallen.
Warum ist er so wütend? Ist es, weil ich dem Krebskandidaten geglaubt habe? Weil ich mit ihm gegangen bin, oder ist es, weil ich es ihm nicht gesagt habe?
Ich atme tief ein.
Wenn ich heute Nacht auch nur eine Stunde schlaf bekommen will, bleibt mir keine andere Möglichkeit, als es anzusprechen!
Ich drehe mich in meinem Sitz leicht zu ihm herum. Er löst seinen Blick für den Bruchteil einer Sekunde von der Straße und sieht zu mir hinüber, doch sein Gesichtsausdruck ist immer noch vollkommen neutral, zumindest für alle anderen. Nicht für mich.
"Was?" frage ich, nachdem ich mir nervös mit der Zunge über die Lippen gefahren bin.
Wieder sieht er mich an, seine Stirn gerunzelt und die Augenbrauen leicht erhoben.
"Was, was?" will er wissen und konzentriert sich wieder auf die Straße.
"Verdammt noch mal, warum bist du so unglaublich wütend? Was habe ich denn getan?" höre ich mich selber sagen. Meine Stimme zittert leicht, zeigt die Unsicherheit, die er mit seiner Ablehnung in mir auslöst.
"Ich bin nicht wütend!" gibt er gelassen zurück, und ich spüre, wie die Tränen erneut beginnen, in meinen Augen zu brennen.
Erschrocken darüber, dass er es nicht einmal jetzt zugeben will, schließe ich kurz die Augen und atme tief ein.
"Gott, bitte tu mir das nicht an." flüstere ich und spüre seinen Blick auf mir.
Als ich die Augen wieder öffne, sehe ich, dass er langsamer wird und den Wagen an den Straßenrand lenkt. Schließlich fährt er auf den Grünstreifen am Fahrbahnrand und löst seinen Gurt.
Die Tür wird mit einem Ruck aufgestoßen und er verlässt den Wagen. Unsicher, wie ich dieses Verhalten deuten soll, sehe ich von meinem Platz aus zu, wie er unruhig vor dem Auto auf und ab geht.
Seine Hände hat er in die Hüften gestemmt, sein Jackett nach hinten geschoben und seine Krawatte leicht gelockert.
Irgendwann bleibt er mit dem Rücken zum Auto stehen.
Auch ich löse jetzt meinen Gurt und verlasse das Auto. Das Zuschlagen der Tür hinter mir, lässt ihn sich herum drehen.
"Tu mir was nicht an, Scully?" Seine Augen funkeln vor Wut und ich weiß, ich habe ihn noch *nie* so wütend gesehen, wie gerade jetzt.
"Tu nicht so, als wäre ich irgendeine fremde Person auf der Straße, schließ mich nicht aus." gebe ich leise zur Antwort.
Er atmet tief ein und ich trete einen Schritt auf ihn zu.
Ich weiß, er wird mir nichts tun, so wütend er auch ist, er wird mir niemals weh tun.
"Was willst du von mir hören, Scully?" fragt er schließlich gerade heraus und sieht mich durchdringend an.
"Die Wahrheit! Warum, bist du so unglaublich sauer auf mich?" Ich erwidere seinen Blick.
"Ach komm, das weißt du ganz genau!" hält er mir vor.
"Nein, ich weiß es nicht. Sag es mir!" fordere ich.
"Du willst es wirklich von mir hören?" Seine Stimme ist kalt und gefühllos, und es tut mir körperlich weh. Unwillkürlich kreuze ich meine Arme vor meiner Brust und nicke in einer kleinen Bewegung.
"Wie konntest du diesem Mann nur trauen?" Mulder hebt in einer fragenden Geste seine Hände und lässt sie wieder fallen.
Ich blicke ihn stumm an.
"Wie konntest du nur mit ihm irgendwo hingehen, ohne mir zu sagen, wo du hingehst. Du hast mich angelogen. Du hast mir auf den Anrufbeantworter gesprochen, hast gesagt es wäre etwas mit deiner Familie. Ich wusste nicht, wie ich dich erreichen konnte, du hast nicht mal mit mir reden wollen, als du Skinner angerufen hast." Mulders Stimme ist laut und nun versucht er seine Wut nicht mehr vor mir zu verbergen.
Ich schließe meine Augen unter den Vorwürfen, darum bemüht, meine Fassung nicht zu verlieren.
Wir sind oft unterschiedlicher Meinung, doch wir können immer sachlich und ohne lauter zu werden, darüber diskutieren. Das ist es, wie wir miteinander arbeiteten, so funktioniert unsere Partnerschaft.
Doch dies hier ist nicht sachlich, es ist keine partnerschaftliche Diskussion. Hier ist Mulder der Ankläger und der Richter und ich bin die Schuldige.
Doch verdammt noch mal, wieso nimmt er sich das Recht heraus, mich anzuklagen?
Als ich meine Augen wieder öffne, sehe ich Mulder, immer noch mit in die Hüften gestemmten Händen vor dem Auto stehen und wie er mich aus leicht zusammen gekniffenen Augen forschend anblickt.
Ich senke meinen Blick, löse meine Arme von meinem Körper und stemme meine Hände ebenfalls in die Hüften.
Ich höre ihn zischend einatmen, als ich meinen Blick wieder hebe, ihn ansehe und ihn meinen Kampfgeist sehen lasse.
Ich weiß, dass ihm gerade jetzt klar wird, dass er zu weit gegangen ist.
"Was gibt dir das Recht, hier so eine Szene zu machen? Wieso meinst du, du hast das Recht, so unwahrscheinlich sauer auf mich zu sein? Ich bin nicht dein Eigentum, ich bin dir keine Rechenschaft schuldig." sage ich mit leiser, klarer Stimme. Ich weiß, dass es hart ist, ihm das zu sagen, doch ist es technisch gesehen richtig. Wir sind Partner, Kollegen und ja, wir sind auch Freunde. Gute Freunde. Und wenn ich ehrlich zu mir bin, dann liebe ich diesen Mann, mit jeder Faser meines Herzens und so sehr, dass es mir physische Schmerzen bereitet, wenn er nicht in meiner Nähe ist, es ihm nicht gut geht, oder er, so wie gerade jetzt, sauer auf mich ist. Doch wir sind kein Liebespaar. Wir haben uns vor vielen Jahren, in einem kleinen, schäbigen Motelzimmer, während eines heftigen Sturms und bei Stromausfall, ohne es jemals ausgesprochen zu haben, Grenzen gesetzt, die wir bis heute genau eingehalten und nicht überschritten haben.
Ich blicke ihn immer noch offen an.
Er blinzelt einige Male, überlegt offensichtlich, ob er richtig gehört hat.
"Was..." Er stockt und schluckt. Ich sehe, dass sich seine Kiefermuskeln noch mehr verhärten, er noch angespannter wird, als er es ohnehin bereits ist.
"Was mir das Recht gibt? Ich bitte dich Scully. Ich denke, dass ich von dir erwarten kann, dass du mir sagst, wenn du vor hast mit meinem schlimmsten Feind einen Ausflug zu machen." erwidert er und fährt sich resigniert mit den Händen durch das Gesicht. Seine Wut scheint in Enttäuschung umzuschlagen.
"Ach ja, und wieso meinst du, dass für mich in dieser Partnerschaft andere Regeln gelten, als für dich?" schieße ich zurück.
"Was soll das heißen?" verlangt er zu wissen, seine Augen wieder zu Schlitzen verengt.
"Warum muss ich dir sagen, was ich vorhabe zu tun, du musst es aber nicht?" setze ich zu einer Erklärung an.
"Ich sage dir immer...." Ich halte ihn mit einer Handbewegung zurück, den Satz zu Ende zu sprechen und sehe ihn wütend und ungläubig zugleich an.
"Stop. Sprich es nicht aus!" sage ich kalt und er schließt seinen Mund.
"Erst vor wenigen Monaten habe ich dich bewusstlos aus dem Wasser gezogen. Wenn die Freaks nicht mit irgendwelchen Satellitenfotos angekommen wären, hätte ich nicht einmal erahnt, dass du in irgendeiner Weise in Schwierigkeiten stecken könntest. Und vor einigen Jahren bist du, wenn ich dich erinnern darf, von einer Brücke auf einen Zug gesprungen..."
Er unterbricht mich: "Ich sagte dir damals, was ich vor hatte." wirft er ein.
"Und ich sagte dir, du solltest es lassen. Verdammt noch mal. Wieso ist es vollkommen in Ordnung, wenn du irgendwohin gehst um irgend etwas heraus zu finden, ohne mir davon zu erzählen, aber wenn ich es tue, bestrafst du mich mit Missachtung?" Ich merke, dass meine Stimme zittert, vor Wut, vor Enttäuschung, vor Resignation, dass er unterschiedliche Grundsätze für uns geltend macht.
"Herrgott noch mal, Scully, ich habe mir Sorgen um dich gemacht." platzt es aus ihm heraus.
"Das Gleiche gilt für mich. Und ich hatte immerhin einen Grund dafür. Jedes Mal, wenn du deine Extratouren machst, finde ich dich anschließend halb tot irgendwo wieder. *Ich* bin wohlauf. Mir geht es gut." argumentiere ich. Dass ich seit dem Aufwachen gestern morgen immer wieder unter leichten Schmerzen im Unterleib leide, behalte ich wohlweislich für mich.
"Verdammt, ich war bei deiner Wohnung, und dein Vermieter sagte mir, dass du ihm den Schlüssel gebracht hast. Er sagte, du wärst mit dem Krebskandidaten weg. Himmel Scully, ausgerechnet der Mann, den ich am meisten hasse. Kannst du dir vorstellen, wie ich mich gefühlt habe? Was mir für Gedanken durch den Kopf geschossen sind?" Mulders Wut verraucht langsam. Seine Stimme wird ruhiger und hat beinahe schon etwas flehendes.
"Ja, das kann ich durchaus, Mulder. Ich habe selber das eine oder andere Mal nicht gewusst, was mit dir war. Und ich habe nie einen Anruf von dir bekommen, dass du in Ordnung bist. Ich habe es Skinner wenigstens gesagt. Und ganz nebenbei, ist Spender nicht nur *dein* Feind, sondern auch meiner. Denkst du etwa, es ist mir leicht gefallen, mit ihm zu gehen? *Er* war es, der mich entführen ließ, der diese grausamen Tests an mir durchführen lassen hat, vielleicht sogar selber dabei war, während sie mir meine Eizellen entnahmen. *Er* war es, der mich damals Töten lassen wollte, und der Schuld daran ist, dass Melissa nicht mehr lebt. *Er* war es auch, der mich noch einmal entführte, mich ins Eis brachte und mich mit irgend so einem Virus infizierte. Und du denkst, dass ich irgendeine Sympathie für diesen Mann empfinde?" frage ich aufgebracht. Wäre die Sache nicht so verdammt ernst, könnte sie vermutlich schon fast wieder komisch sein.
"Warum hast du es dann getan? Warum hast du nicht mit mir darüber gesprochen?" will er resigniert und gleichzeitig schockiert über mein Geständnis wissen.
"Weil ich die Chance hatte, ein Heilmittel für alle Krankheiten zu bekommen. Für *alle*, kannst du dir vorstellen was das bedeutet? Und ich hatte gehofft, dass ich etwas über diesen verdammten Chip in meinem Nacken erfahren könnte. Dieser Junge, der plötzlich wieder gesund war, hatte ebenfalls eine Narbe im Nacken." Ich bin nun ruhiger, deute kurz auf meinen Nacken und blicke ihn anschließend an.
Der Sturm, der zwischen uns getobt hat, ist vorüber, zurück bleibt ein sauberes Gefühl. Aber auch ein wenig Angst, ob er Schäden in unserer Freundschaft hinterlassen hat.
Mulders Blick zeigt Erstaunen und Schrecken zugleich.
"Du meinst also, dass *das* das Heilmittel sein könnte?" fragt er zögerlich. Unsicherheit erscheint in seinen Augen und ich kann diese Empfindung vollkommen verstehen.
Ich weiß, dass er zwar nach außen hin immer vollkommen von der Macht des Implantats, welches er damals für mich besorgt hat, überzeugt ist, doch innerlich zerreißen ihn die Zweifel über die Funktion dieses Metallstückes beinahe.
Es ist mir durchaus bewusst, dass er damals, als der Krebs mich in seinen Fängen hatte, vermutlich noch mehr gelitten hatte, als ich. Denn obwohl ich diejenige war, die die Schmerzen aushalten, die Übelkeit und Appetitlosigkeit ertragen musste, war er derjenige, der dabei war, einen Menschen zu verlieren. Während ich mir an manchen Tagen den Tod herbeigesehnt hatte, den Kampf nicht länger kämpfen wollte und das Verlangen hatte, einfach einzuschlafen, war er unermüdlich in dem Versuch, etwas zu finden, das mich retten würde.
Nun halte ich seinen Blick fest, merke plötzlich, wie müde ich bin und fahre mir in einer erschöpften Geste mit dem Zeigefinger und dem Daumen über meine schmerzende Stirn. Kurz schließe ich meine Augen und öffne sie sofort wieder. Mulder hat einen Schritt auf mich zu getan und steht nun dicht vor mir.
Ich zucke die Achseln.
"Ich weiß es nicht." gestehe ich mit leiser Stimme. Wenn ich ehrlich zu mir selber bin, dann weiß ich überhaupt nicht mehr was ich denken soll. Mein Kopf dröhnt, mein Nacken und meine Schultern bringen mich beinahe um vor Schmerz und ich gäbe alles für eine gute Massage.
Doch ich bekomme sie nicht. Ich werde mich statt dessen zu Hause in eine heiße Badewanne legen, ein paar Kerzen anzünden und mich mit leisen Klängen von George Winston berieseln lassen. Anschließend werde ich in mein Bett krabbeln und hoffentlich bis zum anderen Morgen durchschlafen.
Ich seufze leise und Mulder hebt zögerlich seine Hand und schiebt mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und hinter mein Ohr.
"Komm, steig ein. Ich bringe dich nach Hause. Du musst ja vollkommen erschlagen sein." dringt seine sanfte Stimme an mein Ohr.
Ich widerspreche ihm nicht, nicke nur und tue, was er gesagt hat.
~~*~~*~~*~~*~~
Mit einem erstickten Schrei und schweißnass fahre ich aus dem Schlaf. Mein Atem geht rasch und stoßweise und ich spüre, dass ich am ganzen Leib zittere.
Schemenhaft erinnere ich mich an den Traum, der mich schließlich geweckt hat und ich weiß instinktiv, es war nicht nur ein Traum.
Ohne zu überlegen lange ich nach meinem Telefon, während ich mit der anderen Hand Licht einschalte und nebenbei auch noch einen Blick auf meinen Wecker werfe.
Kurz nach zwei Uhr in der Nacht.
Meine Finger wählen die Nummer automatisch und bereits nach dem zweiten Klingeln wird das Gespräch beantwortet.
"Hallo?" dringt Mulders klare, wache Stimme an mein Ohr.
Meine Kehle ist wie zugeschnürt. Unfähig etwas zu sagen, lausche ich seinen Atemzügen und tausend Gedanken schießen mir durch den Kopf.
Was genau hatte mir dieser Mann getan? Was ist, wenn ich wieder krank werde, wenn der Krebs erneut ausbricht?
"Hallo?" höre ich ihn erneut nachfragen und ich schlucke trocken.
"Er hat etwas mit mir gemacht." bringe ich mit leiser, rauer Stimme hervor. Eine Träne löst sich aus meinen Augen und ich gestatte es ihr, zu fallen.
"Was?" Sofort ist Mulder aufmerksam und ich habe den Eindruck, Panik in seiner Stimme zu hören.
"Ich..., ich habe geträumt." stottere ich und wische mir die Tränen, die nun laufen, von der Wange.
"Okay, Scully. Beruhige dich. Ich werde in zwanzig Minuten bei dir sein." Ich kann hören, wie Mulder nach irgendetwas kramt. Vermutlich zieht er sich die Hose an, während er mit mir spricht.
Ich nicke bestätigend, bis mir einfällt, dass er es nicht sehen kann.
"Ja, gut." kommt es gequält aus meinem trockenen Mund und will auch schon den Hörer auflegen. Seine Stimme, die erneut an mein Ohr dringt hält mich davon ab.
"Scully?" höre ich ihn rufen.
"Mmh?" nuschele ich.
"Mach keine Dummheiten, ja?" Er klingt besorgt. Ein Lächeln stiehlt sich auf mein Gesicht, verschwindet jedoch sofort wieder.
Ich seufze.
"Mach dir keine Sorgen." sage ich leise und lege dann auf.
Erneut entkommt mir ein leiser Seufzer und ich fahre mir mit den Händen durch das Gesicht. Ich habe es nicht geschafft, meine Tränen unter Kontrolle zu bekommen, zu groß ist die Angst, was dieser Mistkerl mir angetan hat.
Ich kann mich erinnern, dass ich seine Hände auf mir spürte. Und ich erinnere mich auch daran, dass ich mit meinem Pyjama bekleidet aufgewacht bin, wobei ich mir sicher bin, dass nicht ich ihn mir angezogen habe.
Ich rolle mich auf den Rücken zurück und ziehe die Bettdecke bis zu meinem Kinn hinauf. Immer noch kann ich meine Tränen nicht bremsen, und auch mein Herz schlägt immer noch hart gegen meine Rippen, wobei sich meine Atmung jdeoch zumindest ein wenig beruhigt hat.
Entschlossen wische ich schließlich nach einem Moment die Tränen von meinen Wangen und erhebe mich. Ich gehe hinüber ins Badezimmer, wo ich mir kühles Wasser ins Gesicht spritze. Ein Blick in den Spiegel zeigt mir, dass ich dunkle Ringe unter den Augen habe. Meine Augen sind zu allem Überfluss vom weinen auch noch stark gerötet. Auf dem Weg vom Badezimmer in die Küche greife ich nach dem Bademantel, der über einem Stuhl in meinem Schlafzimmer liegt und ziehe ihn über meinen Pyjama. Es ist kalt in meiner Wohnung und ich schlinge zusätzlich noch meine Arme um meinen Leib, als ich mich auf den Weg in die Küche mache.
Ich nehme mir zwei Tassen und setze Wasser für Tee auf. Sicher wird Mulder auch einen trinken wenn er ankommt.
Immer noch friere ich, doch bin ich mir nicht sicher, ob es wirklich die Kälte ist, die mich zittern lässt, oder ob es die Angst und Ungewissheit sind.
Fünfzehn Minuten später klopft es laut an meiner Wohnungstür. Ich sitze auf dem Sofa, habe meine Beine an meinen Körper gezogen und eine Decke um mich gewickelt. Während ich mich erhebe, um Mulder die Tür zu öffnen, schiebe ich die warme Decke zur Seite. Ich zittere nicht mehr, obwohl mir noch immer nicht warm ist, und auch meine Angst und Unsicherheit haben sich nicht gelegt, doch habe ich mich wieder in der Gewalt.
Und das ist wichtig für mich, wenn ich meinem Partner gegenübertreten muss. Er soll nicht auf den ersten Blick eine kleine, verängstigte Frau sehen.
Ich stelle mich noch kurz auf die Zehenspitzen um einen Blick durch den Spion werfen zu können, ehe ich die Tür öffne.
Mulders Gesicht wirkt angespannt, er hat seine Zähne fest aufeinander gebissen.
Ich öffne die Tür und trete zur Seite um ihn hinein zu lassen.
"Hey." sagt er mit sanfter Stimme und ich nicke ihm müde zu. Auch er sieht müde aus, doch kann ich auch Sorge in seinen Augen erkennen. Offensichtlich hat auch er sich bereits zum schlafen hingelegt, obwohl er am Telefon vorhin sehr wach geklungen hatte. Doch seine Haare stehen in alle Richtungen ab. Offenbar bemerkt er meinen Blick, denn er fährt sich mit gespreizten Fingern hindurch. Er trägt eine Jeans und ein Sweatshirt, darüber seine Lederjacke und an den Füßen Turnschuhe. Ich habe ihn schon oft so gesehen, es ist seine Freizeitkleidung, oder die Kleidung, die er trägt, wenn er nicht offiziell ermittelt, zum Beispiel dann, wenn er mich abhängt.
"Hey." erwidere ich den Gruß und deute auf das Sofa.
Er bleibt jedoch vor mir stehen und mustert mich und ich merke, wie meine mühsam aufgebaute Beherrschung zu zerfallen droht unter seinem forschenden Blick.
Rasch senke ich meinen Blick und sehe auf meine Füße.
"Was ist los, Scully?" fragt Mulder behutsam und tritt einen Schritt auf mich zu.
Ich hebe meinen Blick wieder, zucke die Achseln und öffne den Mund, um zu erzählen, was mich dazu gebracht hat, ihn anzurufen, doch bringe ich keinen Ton heraus.
Ich merke, wie erneut Tränen in meine Augen treten und schließlich über meine Wange rollen, als die Stärke, die ich ihm demonstrieren will, von mir abfällt.
Entschuldigend zucke ich mit den Achseln, wische mir die Tränen von den Wangen, doch kommen immer neue nach und aus verschwommenen Augen sehe ich Mulders bestürztes Gesicht.
Er tritt noch einen Schritt auf mich zu, streckt seine Arme aus und greift vorsichtig nach meinen Oberarmen. Sanft zieht er mich an seine Brust, hüllt mich in eine Umarmung und wiegt mich leicht hin und her.
Ich schluchze haltlos und klammere mich an ihm fest, während er mir leise belanglose Dinge ins Ohr flüstert.
Erst nach einiger Zeit habe ich mich wieder in der Gewalt und löse mich schließlich aus der Sicherheit seiner Arme.
Langsam setze ich mich auf das Sofa, meine Ellenbogen sind auf meinen Knien abgestützt und meine Hände gefaltet. Ich blicke zu ihm auf und sehe, dass Mulder mich erneut mustert, dann jedoch zu mir kommt und sich neben mich setzt.
"Er hat etwas mit mir gemacht." sage ich mit leiser Stimme und blicke auf meine Hände.
"Was hat er getan?" dringt seine ruhige Stimme an mein Ohr. Hilflos zucke ich die Achseln und drehe kurz meinen Kopf um ihn anblicken zu können.
"Ich weiß es nicht. Ich habe geträumt und...." Ich breche ab und fahre mir mit den Händen über mein Gesicht.
"Du meinst, es war kein einfacher Traum?" spricht Mulder aus, was ich nicht aussprechen will.
Ich nicke leicht, ich weiß, es ist nur eine kleine Bewegung, doch er wird es sehen.
"Erzählst du mir, *was* du geträumt hast?" will er nach einem kurzen Moment des Schweigens wissen. Seine Stimme ist sanft und ich kann seinen Blick auf mir fühlen, obwohl ich ihn nicht ansehe.
Ich atme tief ein und schließe kurz die Augen in dem Versuch, mir den Traum noch einmal genau vor Augen zu rufen.
"Ich bin mir nicht sicher. Es ist alles nur noch verschwommen. Ich erinnere mich, dass ich auf einem Bett liege. Ich bin furchtbar müde, und ich kann mich nicht bewegen. Ich weiß nicht, ob meine Hände gebunden sind, es ist möglich. Und ich erinnere mich, dass ich Schmerzen habe." erzähle ich, was ich von dem Traum noch weiß.
Mulder langt zu mir hinüber und zieht eine Hand zu sich heran. Aufmerksam und sorgfältig betrachtet er mein Handgelenk und streicht anschließend in einer sanften, beruhigenden Bewegung darüber. Nachdem er meine Hand losgelassen hat, betrachte auch ich mein Handgelenk eingehender und kann feststellen, dass dort keine Abschürfungen oder Quetschungen zu erkennen sind, die darauf hindeuten könnten, dass Spender mich gefesselt hat.
"Warum denkst du, dass es nicht nur ein Traum war? Ich meine, du hast viel erlebt in den letzten Tagen, du hattest Angst, warst angespannt. Könnte es nicht sein, dass dein Unterbewusstsein versucht hat, diese Gefühle in einem Traum zu verarbeiten?" erkundigt Mulder sich. Ich blicke ihn dankbar an.
Ich bin nicht in der Lage, rational zu denken, bin emotional viel zu sehr beteiligt und das scheint er zu spüren. Und Mulder weiß, dass ich unbedingt eine rationale, logische Sichtweise brauche, um ein Problem vernünftig angehen zu können, also bietet er mir diese Rationalität in seinen Fragen an.
"Ich weiß es nicht. Es sind so viele Kleinigkeiten, die mich glauben lassen, dass es nicht nur ein Traum war und nicht zuletzt..." Ich stocke, blicke ihn an und kann diesen Satz nicht zuende bringen. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht, als ihm klar wird, wie der Satz weiter gegangen wäre.
"Du hast ein Gefühl, richtig?" kommt er mir erneut entgegen. Ich ziehe geräuschvoll die Luft in meine Lungen und ich weiß, er fasst es als das auf, was es ist, eine Zustimmung.
"Du sagtest, da wären Kleinigkeiten, die darauf hinweisen, dass es nicht nur ein Traum war. Was meintest du damit?" versucht er weiter, Grund in mein Gefühlschaos zu bringen.
"Nun ja, ich bin viele Stunden gefahren, und hatte seit über 30 Stunden nicht geschlafen. An einer Tankstelle hatte ich die Kassette, die ich die ganze Zeit mitlaufen lassen hatte, in einen Briefumschlag getan und ihn in den Briefkasten geworfen..." Er unterbricht mich an dieser Stelle.
"Du sagtest bereits in diesem Büro etwas von einer Aufnahme. Ich habe nie eine bekommen." wirft er ein.
Ich zucke die Achseln.
"Ich weiß nicht warum, Mulder. Ich habe ein kleines Aufnahmegerät eingeschaltet, das Mikrophon war hier..." Ich deute auf die Stelle zwischen meinen Brüsten, wo ich das kleine Mikrophon an meinen BH geklemmt hatte.
"… und ich habe dir auch auf das Band gesprochen, dass es mir leid tun würde, dass ich dich nicht benachrichtigen konnte und in welche Richtung wir fuhren." fahre ich fort.
Mulder nickt nachdenklich, sagt jedoch nichts.
"Auf jeden Fall, als ich wieder zum Wagen kam, saß *ER* am Steuer. Ich hatte keine Wahl und setzte mich auf den Beifahrersitz. Wir fuhren noch eine Weile und dann hab ich einen Filmriss. Das nächste an das ich mich erinnern kann ist, dass ich nur mit meinem Pyjama bekleidet in einem Bett aufgewacht bin." erzähle ich. Ein tiefes, geräuschvolles Einatmen von Mulder lässt mich ihn ansehen.
Schrecken, Panik und Sorge sind in seinem Gesicht und in seinen Augen zu erkennen.
"Du hast dich nicht selber umgezogen?" fragt er sicherheitshalber nach, offensichtlich darum bemüht, seine Stimme fest klingen zu lassen und die Angst daraus zu verbannen.
Zaghaft schüttele ich den Kopf, senke meinen Blick wieder und fahre mir erneut mit meinen Händen durch das Gesicht.
"Das Aufnahmegerät und das Mikrophon waren noch an ihrem Ort, er hatte es nicht weggenommen. Ich habe mich angezogen und meine Tasche genommen, um zu verschwinden. Als ich in die Küche kam, stand er dort schon und bot mir einen Kaffee an. Er sah erstaunt aus, als ich an ihm vorbei zur Tür ging. Ich warf ihm an den Kopf, dass er mich betäubt hätte, doch er wies den Vorwurf von sich." Ich stocke kurz und sehe hilflos zu Mulder rüber, der sein Gesicht in seinen Händen vergraben hat.
"Ich wusste nicht mehr was ich glauben sollte, schließlich hatte er die Kassette nicht weg genommen und auch das Abhörgerät an seinem Platz gelassen. Na ja, ich blieb da. Abends kam er mit einem Kleid und sagte, dass wir einen Mann beim Abendessen treffen sollten, der mir oder uns das Heilmittel überreichen wollte. Wir gingen in ein nobles Restaurant, doch der Mann, der das Treffen angeblich organisiert hatte, kam nicht. Statt dessen fand ich eine Nachricht unter einem meiner Teller, dass der Mann, er nannte sich Cobra, mich am anderen Tag in einer Bucht treffen wollte. Ich fuhr mit einem Boot dort hin und der Mann überreichte mir die CD-Rom. Bevor ich mit ihm sprechen konnte wurde er erschossen. Auch auf mich wurde geschossen." beende ich meine Erzählung.
Immer noch sagt Mulder kein Wort, und ich kann fühlen, wie die Angst in mir wieder wächst.
"Du sagtest, du hättest mir das erste Band geschickt. Nun, ich habe es nie bekommen. Offensichtlich hat es jemand abgefangen. Was ist aber mit dem anderen Band. Das, welches lief, während dieser....." Er stockt kurz "...dieser widerliche Mistkerl..." Wieder stockt er und beißt sich auf die Innenseite seiner Wange ehe er weiter spricht "...bevor er dich ausgezogen hat."
"Das habe ich in meinem Kosmetikkoffer. Ich konnte es nicht weg schicken, und wollte es als Sicherheit behalten." erkläre ich. Mulder blickt mich offen an.
"Hol es her. Vielleicht ist darauf die Lösung." weist er mich an.
Ich nicke ergeben und erhebe mich, um das Band zu holen. Ich habe gerade die Tür zu meinem Schlafzimmer erreicht, als ich Mulders Stimme erneut vernehme.
"Hast du etwas gegessen oder getrunken, was er dir gegeben hat?" will er wissen. Seine Stimme klingt zögerlich, als wenn er nicht sicher ist, ob er die Frage stellen darf und ob er die Antwort wirklich hören will.
Ich gehe in Gedanken die Fahrt noch einmal durch. Hatte ich etwas von ihm genommen, oder hatte ich nur meine eigenen Sachen verzehrt? Der Orangensaft, schießt es mir durch den Kopf.
"Er hat mir eine Flasche Orangensaft gegeben, den habe ich getrunken." erwidere ich und sehe zu Boden, nicht in der Lage, ihn anzublicken.
Doch der beißende Kommentar, den ich erwartet habe, bleibt aus und ich höre an einem leisen Rascheln lediglich, wie er nickt.
Mit einem leisen Seufzen drehe ich mich schließlich um und gehe in mein Schlafzimmer, wo ich den Kosmetikkoffer abgestellt habe, als ich vorhin nach Hause gekommen war. Rasch öffne ich ihn und krame nach der kleinen Kassette, welche die Aufnahme enthält.
Mulder sitzt bereits am Küchentisch, als ich den Raum betrete und die Kassette in den dafür vorgesehenen Rekorder lege.
Schon oft haben wir gemeinsam hier gesessen und das eine oder andere Band angehört. Ich weiß nicht, warum ich den Rekorder in der Küche stehen habe, vermutlich, weil ich meinen Laptop meistens am Küchentisch aufstelle und hier meine Berichte schreibe, wenn ich es nicht im Büro schaffe.
Ich drücke die Playtaste und setze mich schließlich auf den Stuhl neben ihm, während ich dem lausche, was das Band von sich gibt.
Es ist nicht viel zu hören. Im Grunde kann ich nur Motorengeräusch ausmachen, unterbrochen von der kurzen Frage des Krebskandidaten, ob ich etwas trinken wolle. Man hört das Zischen, als ich die Flasche aufdrehe und dann ist wieder Ruhe.
Ich hatte ein relativ neues Tonbandgerät benutzt, welches nicht nur sehr geräuschempfindlich ist, sondern auch über eine Sprachsteuerung verfügt. Bei dem leisen, monotonen Motorgeräusch schaltete es sich nach etwa zwei Minuten aus, und erst wenn ein neuer, lauterer Ton kam, begann es, wieder aufzunehmen.
So lauschen wir einige Zeit dem stillen Fahrgeräusch bis ein Klicken verrät, dass das Gerät sich ausgestellt haben muss.
Nur eine Sekunde später geht die Aufzeichnung jedoch weiter, da erneut ein Klicken zu vernehmen ist. Ich kann jedoch nicht sagen, wie viel Zeit zwischen dem Ausschalten und dem erneuten Aufnehmen vergangen war.
>>So, Agent Scully, da wären wir also.<< dringt die Stimme des Krebskandidaten an mein Ohr und ich kann hören, wie ein Geräusch von Stoff, welcher über die Haut rutscht entsteht. Mulder wirft mir einen fragenden Blick zu, doch ich kann nur die Achseln heben und wieder fallen lassen.
"Es hört sich an, als ob er sich etwas anzieht." überlegt Mulder leise.
Ich nicke.
Die nächsten Minuten hören wir, wie der Krebskandidat aussteigt, die Beifahrertür öffnet und offensichtlich auch mich aus dem Auto trägt. Türen werden geöffnet und fallen wieder ins Schloss und schließlich ist ein lautes Rascheln zu hören, als er mich offenbar ins Bett legt. Ich kann ein Schaudern nicht gänzlich unterdrücken, als mir klar, wird, wie Nahe der Mann mir dafür gekommen ist, wie er mich angefasst hat, um mich vom Auto in das Bett zu bekommen. Ich schließe entsetzt meine Augen und öffne sie nur kurze Zeit später, als sich Mulders Hand sanft auf meinen Unterarm legt. Sofort zieht er sie zurück, und ein Blick zu Mulder zeigt mir, dass sich seine Kiefermuskeln verspannt haben.
>>Also gut, dann wollen wir mal.<< ist wieder Spenders Stimme zu hören. Rasch wende ich meinen Blick ab und starre auf den Rekorder. Mulder atmet neben mir scharf ein.
Schritte entfernen sich auf dem Band und kommen kurze Zeit später wieder näher. Ich kann die Geräusche von metallenen Gegenständen hören, die aneinander schlagen und ich schlucke hart.
Wieder kann ich Schritte hören, dann eine zweite männliche Stimme, die ich nicht einordnen kann.
>>Wie lange schläft sie schon?<<
>>Ungefähr fünf Stunden. Also machen Sie schnell, sie wird bald aufwachen. Sie hat sich gerade schon einmal ein wenig geregt, ohne jedoch die Augen zu öffnen.<< erwidert der Kettenraucher.
>>Ziehen Sie ihr die Hose aus, und den Slip. Sonst kann ich gar nichts machen.<< vernehme ich wieder die fremde Stimme.
Erschrocken keuche ich auf, höre, wie auch Mulder neben mir ein leises Stöhnen nicht unterdrücken kann.
Erneutes Rascheln dringt an mein Ohr, gefolgt von dem Geräusch eines Reißverschlusses und neuem Rascheln, als mir offensichtlich die Hose ausgezogen wird.
Einen Moment später höre ich wieder die Stimme von Spender.
>>Also gut, fangen Sie an.<< Seine Stimme ist kalt und gefühllos.
>>Haben Sie das Mittel, falls sie mittendrin wach wird?<< verlangt der andere Mann zu wissen.
Wieder dringt das Geräusch von Metall das an Metall schlägt an mein Ohr, und ich habe keinen Zweifel, dass es sich dabei um medizinische Instrumente handelt.
>>Ja, ich habe es hier.<< ist wieder Spenders Stimme zu vernehmen.
Dann ist eine Zeit lange Ruhe und ich kann nichts weiter hören, als gelegentliches Rascheln, dass aneinander stoßen metallener Gegenstände und Schritte, die sich in der Nähe des Bettes bewegen, auf dem ich offenbar liege.
>>Sie wird wach.<< höre ich Spender nach etwa fünf Minuten sagen. Ein leises schmerzvolles Stöhnen, welches ich als mein eigenes wiedererkenne, dringt an mein Ohr.
Wieder merke ich, wie meine Augen entsetzt zuklappen, bei dem Geräusch und Mulder keucht neben mir angstvoll auf.
Ich höre, wie er offenbar seine Hände vor sein Gesicht nimmt und einen dumpfen Laut des Entsetzens ausstößt.
Das Rascheln wird lauter, und erneut höre ich mein eigenes Stöhnen.
>>Was tun Sie da?<< höre ich meine Stimme schwach und leise fragen. Ich öffne meine Augen wieder und betrachte die Tischplatte vor mir.
>>Bleiben sie ruhig liegen, Agent Scully, dann wird es Ihnen nicht weh tun.<< Spenders Stimme ist immer noch distanziert und kalt.
>>Reden Sie nicht mir ihr, das macht sie nur munterer. Ich bin gleich fertig. Sorgen Sie lieber dafür, dass sie sich nicht bewegt, sonst geht das hier noch schief.<< Nun klingt die andere Stimme befehlerisch.
>>Was machen Sie mit mir. Hören Sie auf damit. Lassen Sie mich in Ruhe.<< Immer noch wirkt meine Stimme schwach und leise. Ich höre erneutes Rascheln, offenbar hatte ich versucht mich zu bewegen. Ein lautes Stöhnen von mir zeigt mir jetzt, dass es mir anscheinend Schmerzen bereitet hatte.
Ich sehe Mulder neben mir an. Er hat die gesamte Farbe aus seinem Gesicht verloren, seine Augen sind geschlossen, seine Stirn gerunzelt und er beißt sich auf seine Unterlippe.
Ich möchte ihn berühren und von ihm berührt werden, um ihn zu trösten und um selber Trost von ihm zu bekommen. Die Angst, die ich spüre, bei dem Gedanken, dass die beiden Männer in meinen intimsten Bereich eingedrungen sind, *wieder* einmal etwas mit mir gemacht haben, ohne dass ich mich wehren konnte, schlägt beinahe in Panik um. Ich bemühe mich verzweifelt, diese Panik nieder zu kämpfen. Ich darf sie jetzt nicht die Oberhand gewinnen lassen, denn dann kann ich keinen klaren Gedanken mehr fassen, kann keine Lösung für das Problem finden, vor dem ich stehe.
Ich atme einige Male tief ein und schließe kurz meine Augen, ehe ich mich erneut auf das Band konzentriere.
>>...das nicht tun. Bitte!<< höre ich mich sagen und schlucke. Offensichtlich habe ich diese beiden Männer angefleht mich in Ruhe zu lassen, mir keine Schmerzen zu bereiten. Ich kann mich nicht daran erinnern. Ich kann mich genau genommen an gar nichts, was dort mit mir geschehen ist wirklich erinnern. Auch durch diese Aufnahme wird die Erinnerung nicht klarer, und das macht es nur noch schlimmer.
Ich bekomme keine Reaktion auf das was ich gesagt habe, doch kann ich jetzt unterdrücktes Schluchzen vernehmen, welches ich nach einem kurzen Moment als mein eigenes erkenne. Ich höre, wie Mulder neben mir gepeinigt aufstöhnt, sein Kopf fällt in den Nacken und seine Augen sind geschlossen. Seine Hände sind zu Fäusten geballt und er hat seine Unterlippe in den Mund gesogen und beißt darauf herum.
Auf dem Band ist es jetzt still, nur hin und wieder ist das klappern der metallenen Gegenstände zu hören und die Schritte einer der beiden Männer, doch ich scheine begriffen zu haben, dass ich nichts ausrichten kann.
Nach scheinbar endlosen Minuten spricht wieder der unbekannte Mann.
>>Ich bin jetzt fertig, geben Sie ihr die Spritze.<<
Die Schritte werden lauter und auch mein Wimmern ist nun deutlicher zu hören.
>>Nein, bitte. Sie dürfen nicht.....<< versuche ich den Krebskandidaten offenbar umzustimmen.
>>Sie haben wohl nicht die Möglichkeit mich davon abzuhalten, Agent Scully.<< Er klingt selbstgefällig, als würde es ihm Freude bereiten, so eine Macht über mich zu haben.
>>Bitte tun Sie das nicht!<< flehe ich, meine Stimme klingt verzweifelt.
>>Morgen können Sie Sich nicht mehr daran erinnern. Also halten Sie einfach einen Moment still. Es wird Ihnen nur noch mehr Schmerzen bereiten, wenn Sie sich so steif machen.<< sagte er kalt.
Ich höre, wie ich erneut laut aufschluchze, doch scheine ich nachgegeben zu haben, denn der Krebskandidat spricht nur wenig später zu mir.
>>Sehen Sie, das war es schon. Sie werden jetzt schlafen und Morgen können Sie Sich an nichts erinnern.<<.
Mulder hat neben mir sein Gesicht in seine Hände gelegt und rührt sich nicht mehr.
Noch einmal ist ein lautes Schluchzen zu hören, dann ist es ruhig. Ich schließe kurz meine Augen und fahre mir mit den Händen durch das Gesicht. Meine Wangen sind feucht und ich stelle erschrocken fest, dass ich offenbar geweint habe. Kaum dass ich meine Augen wieder öffne, dringen erneut Geräusche aus dem Lautsprecher an mein Ohr. Angestrengt versuche ich, daraus zu erkennen, was in dieser Hütte vor sich gegangen ist. Als ich schließlich das Rascheln, welches mal leiser und mal lauter ist, richtig deute, entweicht mir erneut ein leises Stöhnen. Er zieht mich aus und ich kann nur hoffen, dass er mir anschließend sofort den Pyjama übergezogen hat, ohne noch etwas anderes zu tun, ohne mich noch anders zu berühren.
Er spricht nur einmal, als er das Tonbandgerät entdeckt.
>>Was haben wir denn hier? Ein Tonbandgerät. Glauben Sie wirklich, dass ich damit nicht gerechnet habe? Die Bänder werden Agent Mulder niemals erreichen. Ich sagte Ihnen doch, dass ich Mulders Starrsinn und seine verrückten Ideen satt habe. Er wird niemals erfahren, was hier vor sich gegangen ist, genauso wenig wie Sie. Irgendwann werden Sie wissen, was wir hier gemacht haben, aber dann ist es sowieso zu spät.<<
Schließlich ist wieder Ruhe. Nach einem Moment entfernen sich Schritte und eine Tür fällt ins Schloss. Offensichtlich ist Spender gegangen.
Mulder bewegt sich neben mir und schaltet den Rekorder aus. In einer langsamen Bewegung dreht er mir seinen Kopf zu. In seinem Gesicht kann ich abgrundtiefe Angst, Entsetzen und Hass lesen, doch auch Sorge. Eine ganze Ladung Sorge.
"Zieh dich an." sagt er nach einem Moment, in dem er mich betrachtet hat. Ich merke, wie sich meine Augenbraue hebt und ich ihn fragend anblicke.
"Wa...?" weiter komme ich nicht, denn er winkt meine Frage ab und schüttelt den Kopf.
"Ich werde dich ins Krankenhaus bringen. Ich will, dass du untersucht wirst. Ich will wissen, was dieser verdammte perverse Mistkerl mit dir gemacht hat." Seine Stimme lässt keine Widerrede zu und so stehe ich wortlos auf und gehe zum Schlafzimmer. Rasch ziehe ich mir eine Jeans und einen Pullover an.
Als ich mich wieder herum drehe sehe ich ihn in der Tür stehen. Erschrocken zucke ich zusammen.
"Hast du Schmerzen?" fragt er mit leiser Stimme, nachdem er mir einen entschuldigenden Blick zugeworfen hat.
Ich zucke die Achseln, sehe ihn jedoch nicht an. Seine nächste Frage zeigt mir, dass er die Bewegung richtig gedeutet hat.
"Wo?" will er wissen.
"In meinem Unterleib. Ein leichtes Ziehen." gestehe ich, sehe ihn jedoch noch immer nicht an. Er atmet scharf ein.
"Warum hast du mir nichts davon erzählt?" verlangt er zu erfahren. Wieder zucke ich die Achseln.
"Es ist nicht ständig. Ich dachte, es ginge wieder vorbei." versuche ich mich zu verteidigen.
Mulder nickt, schaut mich noch einen Moment forschend an und dreht sich schließlich um.
~~*~~*~~*~~*~~
Dr. Cameron, der Arzt der sich um mich kümmert, ist sehr nett, doch ändert es nichts daran, dass ich mich auf diesem gynäkologischen Stuhl verdammt unwohl fühle.
Ich hasse diese Untersuchungen, seit ich damals entführt worden bin. Nachdem ich aus dem Koma aufgewacht war, hatten die Ärzte mich noch einmal komplett auf den Kopf gestellt und ich musste mehrere gynäkologische Untersuchungen über mich ergehen lassen.
Das Gefühl des Ausgeliefert seins wurde von mal zu mal stärker und es kriecht auch jetzt wieder in mir hoch, stärker, als jemals zuvor.
Die Eröffnung, die Dr. Cameron mir vor einer Minute gemacht hat, trägt ebenfalls nicht dazu bei, dass ich ruhiger werde.
>Ein Chip!< hämmert es ununterbrochen in meinem Kopf.
Ich schlucke krampfhaft, in dem Versuch, den Kloß, der sich in meinem Hals gebildet hat, weg zu bekommen, doch habe ich das Gefühl, als wenn er stattdessen immer größer wird. Auch das Atmen fällt mir zunehmend schwerer, mein Herz beginnt zu rasen und ich merke, wie sich auf meiner Stirn kalter Schweiß bildet.
>Komm schon Dana, jetzt gerat nicht in Panik hier.< versuche ich mich selber zur Vernunft zu rufen, doch es gelingt mir nicht.
"Miss Scully? Geht es Ihnen nicht gut?" Der Arzt wirft mir einen besorgten Blick zu.
Ich schüttel leicht den Kopf, immer noch darum bemüht, ausreichend Luft in meine Lungen zu bekommen und gleichzeitig Dr. Cameron zu beruhigen.
Wie es scheint, gelingt es mir nicht.
"Himmel. Atmen sie ganz gleichmäßig. Ruhig ein und aus atmen." Der Mann beugt sich leicht über mich und legt mir beruhigend eine Hand auf die Schulter.
"Lucy! Sagen Sie dem Mann bescheid, der vor der Tür wartet. Er soll herein kommen. Vielleicht kann er sie beruhigen." wendet er sich schließlich an seine Assistentin.
Ich merke, wie mein Blickfeld langsam kleiner wird und dunkle Schleier vor meinen Augen tanzen, während ich immer noch verzweifelt versuche, Luft zu bekommen.
Ich weiß nicht, wie viel Zeit vergangen ist, seit Dr. Cameron seine Assistentin losgeschickt hat, Mulder zu holen, doch ich habe es geschafft, in dieser Zeit nicht das Bewusstsein zu verlieren.
Sein besorgtes Gesicht erscheint vor meinen Augen und seine sanften Hände berühren zart meine Wangen.
"Scully. Hey. Komm schon. Atme langsam tief ein." dringt seine Stimme in mein umnebeltes Gehirn.
Sein Blick ist auf mein Gesicht fixiert und ich bin dankbar dafür, dass es so ist, da ich immer noch beinahe nackt auf diesem gynäkologischen Stuhl sitze.
Der ganze Raum dreht sich um mich, als wenn ich in einem Karussell sitze.
Ich greife verzweifelt nach seiner Hand und kralle mich daran fest, während ich meine Augen fest zusammen kneife.
"Nein, Dana! Sieh mich an." Seine Stimme klingt befehlerisch, doch schaffe ich es nicht, meine Augen wieder zu öffnen.
"Dana. Komm schon. Sieh mich an. Mach die Augen auf." sagt er erneut und dieses Mal erkenne ich ein Flehen in der Stimme. Ich zwinge meine Augen auf, doch das Zimmer dreht sich immer noch.
"So ist es gut." Er lächelt leicht und sieht kurz zu dem Arzt rüber.
"Kann ich ein Glas Wasser bekommen?" bittet er und sieht mich anschließend wieder an.
Seine freie Hand streicht mir sanft einige Haare aus der verschwitzten Stirn.
"Ruhig atmen. Ein und aus, ein und aus..." gibt er mir einen Rhythmus vor. Ich nehme ihn dankbar an, das Zimmer hört auf sich zu drehen und durch seine beruhigenden Berührungen wird auch mein Herzschlag langsamer.
"Es ist alles in Ordnung. Niemand wird dir etwas tun. Du bist in Sicherheit." flüstert er mir beruhigend zu.
Ich nicke und halte seinen Blick mit meinem gefangen.
Lucy erscheint neben Mulder und reicht ihm ein Glas Wasser.
Er hilft mir dabei, meinen Kopf anzuheben und reicht mir das Glas.
"Trink das. Das wird dir gut tun." weist er mich an und ich folge der Anweisung.
Nachdem ich einige Schlucke getrunken habe, gebe ich ihm das Glas zurück und lege meinen Kopf erschöpft zurück. Mulder mustert mich noch immer besorgt, seine rechte Hand nach wie vor in meinem Griff und die linke streichelt erneut einige Haare aus meiner Stirn.
Nur aus den Augenwinkeln nehme ich wahr, dass Dr. Cameron und Lucy sich zurück gezogen haben und in einer entfernten Ecke etwas miteinander besprechen.
"Wie fühlst du dich?" dringt Mulders leise und sanfte Stimme an mein Ohr.
"Es geht wieder." antworte ich und schenke ihm ein leichtes Lächeln.
"Danke." flüstere ich und drücke seine Hand.
"Was war es, was dich so aus der Fassung gebracht hat?" will er wissen und sein Blick streichelt mich genauso wie seine Hand es noch immer tut.
Ich mache mit meinem Kopf eine alles umfassende Bewegung und zucke gleichzeitig die Achseln.
"Das alles hier. In erster Linie der Stuhl und die Untersuchung." erkläre ich mit leiser Stimme. Mein Blick weicht nun seinem aus. Es ist mir unangenehm, ihm meine Ängste mitzuteilen, zumal ich mich noch immer auf diesem grausamen Stuhl befinde, und doch bin ich der Meinung, dass er ein Recht hat, die Wahrheit zu erfahren. Noch immer sind die Angst, die Unsicherheit und die Sorge in seinen Augen zu sehen.
"Du hast mir nie erzählt, dass diese Untersuchungen dir so eine Angst machen." Seine Stimme ist frei von Vorwürfen, doch ist Resignation in ihr zu hören.
Wieder zucke ich mit den Achseln.
"Ich fühle mich unwohl auf diesen Stühlen. Ausgeliefert. Das ist so, seit ich damals aus dem Koma aufgewacht bin. Aber es war noch nie so schlimm wie heute." gebe ich zu.
"Nun, es ist kein Wunder, dass es heute schlimmer für dich ist. Du hast eben mitangehört, dass Spender und ein anderer Mann dich in deinem intimsten Bereich berührt haben, du hattest Angst und sie haben dir Schmerzen zugefügt." rechtfertigt er mein Verhalten für mich. Ich blicke ihn dankbar an. Ich selber empfinde nur Scham für mein Verhalten, doch er zeigt mir, dass er es durchaus verstehen kann und das es in Ordnung ist.
Einen Moment schweigen wir beide und ich sehe, dass Mulders Blick zu dem Bildschirm wandert, der neben dem Stuhl steht und der ein Ultraschallbild meiner Gebärmutter zeigt.
Seine Augen weiten sich vor Schreck und er wirft mir einen entsetzten Blick zu, während er scharf einatmet.
Ich merke, wie mir Tränen in die Augen steigen, bei dem Gedanken daran, was Dr. Cameron vor wenigen Minuten in meiner Gebärmutterwand entdeckt hat. Obwohl ich mir alle Mühe gebe, sie zurück zu halten, gelingt es mir nicht und sie rollen meine Wange hinunter.
"Mist, mist, mist, mist!" höre ich Mulder fluchen und kann ein Schluchzen nicht mehr unterdrücken.
Dr. Cameron kommt zu uns herüber, während sich Mulder Griff um meine Hand verstärkt, in dem Versuch, mir Trost zu spenden.
"Dieses verdammte Schwein. Ich schwöre, wenn ich ihn jemals in die Finger kriege, dann bringe ich ihn um." presst Mulder zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor. Sein Blick ist wieder auf den Monitor gerichtet und er spricht leise, mehr zu sich selbst, als zu mir.
"Kann mir einer von ihnen erklären, was genau das hier ist, und wie es dort hingelangt ist?" wagt Dr. Cameron einen zaghaften Vorstoß, in dem Versuch das alles zu verstehen.
Mulder seufzt, während ich versuche, ein erneutes Schluchzen zurück zu halten, was mir jedoch nicht gelingt.
"Es ist ein Implantat. Es wurde Miss Scully offensichtlich vor zwei Nächten eingesetzt." sagt er mit resignierter Stimme und wendet sich wieder mir zu. Zart streicht er mir die Tränen von den Wangen, die immer noch unaufhaltsam fallen.
"Wer hat es eingesetzt?" erkundigt der Arzt sich und blickt mit erhobener Augenbraue von mir zu Mulder und wieder zurück.
"Ein perverser Widerling." rutscht es Mulder heraus und Dr. Cameron runzelt die Stirn.
"Wer auch immer es war, er war nicht besonders zimperlich. Miss Scully hat einige kleinere Verletzungen an der Gebarmutterwand. Nichts gravierendes, und es wird sicher schnell heilen, doch es ist dennoch schmerzhaft." erklärt der Mann in dem weißen Kittel und rückt seine Brille zurecht. Anschließend greift er nach dem Ultraschallkopf und führt ihn erneut und nach einem kurzen Blick in mein Gesicht vorsichtig in mich ein. Mulder wirft mir einen kurzen, unsicheren Blick zu. Offenbar ist es ihm unangenehm, diese intime Untersuchung mitzubekommen, doch drücke ich kurz seine Hand und signalisiere ihm auf diese Weise, dass es in Ordnung ist. Er nickt in einer kleinen Bewegung, hat offensichtlich verstanden was ich ihm sagen wollte und wendet seinen Blick dem Bildschirm zu. Das Bild auf dem Monitor bewegt sich und Dr. Cameron deutet immer wieder auf einige weiße Stellen, wobei er jedes Mal erklärt, dass es sich dabei um eine dieser Verletzungen handelt von der er gesprochen hatte.
"Wie gesagt, nicht gefährlich aber dennoch schmerzhaft." sagt der Arzt schließlich.
Ich wische mir die Tränen aus dem Gesicht und senke rasch den Blick.
Obwohl ich es nicht sehen kann, weiß ich, dass Mulder mir einen forschenden Blick zu wirft.
"Also doch." höre ich ihn murmeln.
"Nein, wirklich. Es ist nicht schlimm." Es ist mir wichtig, dass er mir glaubt und so sehe ich ihm offen in die Augen.
Ein zaghaftes Nicken ist seine Antwort.
"Ich könnte dieses Ding entfernen." meldet sich Dr. Cameron wieder zu Wort.
Mein Kopf fliegt zu ihm herum, meine Augen weit aufgerissen und ich schüttele entsetzt den Kopf.
"Nein!" Mulder schreit schon beinahe seinen Protest und ich stimme ihm leise zu.
"Nein, bitte. Lassen Sie es einfach da wo es jetzt ist." bitte ich den Mann.
Dr. Cameron zuckt angesichts unserer heftigen Reaktion mit den Achseln und schüttelt leicht ungläubig den Kopf.
"Wir wissen nicht, was es auslöst, wenn es entfernt wird." setzt Mulder erklärend hinzu und verstärkt wieder den Griff an meiner Hand.
"Nun gut." nickt der Arzt und druckt das Bild, welches auf dem Monitor zu sehen ist aus.
"Dann sind wir hier fertig. Sie können sich dann wieder anziehen, Miss Scully." fährt er fort.
Ich erhebe mich langsam und stehe schließlich auf wackeligen Beinen vor dem Stuhl. Ich habe Mulders Hand losgelassen und er dreht sich taktvoll zur Seite.
Langsam verschwinde ich hinter dem Vorhang, der eine kleine Ecke vom Rest des Raumes abtrennt und so einen kleinen Raum bietet, der zum umziehen dient.
"Ich warte draußen, in Ordnung, Scully?" dringt Mulders Stimme an mein Ohr während ich meine Jeans schließe.
"Kannst du hier warten? Ich bin sofort soweit." will ich schüchtern wissen.
"Natürlich." Seine Stimme klingt erstaunt, jedoch auch erleichtert, dass ich gefragt habe.
Müde fahre ich mir mit den Händen über das Gesicht und durch meine Haare und schlüpfe anschließend in meinen Pullover.
Als ich hinter dem Vorhang hervortrete, ruht Mulders Blick musternd auf mir und ich bin mir sicher, er sieht wie müde und verängstigt ich bin.
Langsam gehe ich in seine Richtung und er kommt mir entgegen. Als ich schließlich vor ihm stehe, mein Kopf leicht in den Nacken gelegt um ihn ansehen zu können, kann ich Hunderte von Emotionen in seinen Augen erkennen. Sie wirbeln durcheinander wie Blätter in einem Wasserstrudel und er streckt seine Hände aus und zieht mich an seine Brust.
Beschützend und tröstend legen sich seine Arme um meinen Körper und ich gestatte es mir, mich an ihn zu lehnen und dort zu entspannen.
Auch meine Arme legen sich um seine Hüften, halten ihn, als wollte ich ihn niemals los lassen.
Im Grunde genommen möchte ich es tatsächlich nicht. Ich wünschte, wir könnten für immer so stehen bleiben, uns halten und uns gegenseitig Trost spenden und Zuversicht geben. Müde klappen meine Augen zu und ich gebe mich der Geborgenheit, die ich empfinde hin.
Ich spüre, wie er seine Lippen sanft auf meine Haare drückt und ein Seufzen entkommt meiner Kehle.
Langsam löst er sich von mir, schiebt mich ein winziges Stückchen von sich fort und betrachtet mich.
"Lass uns nach Hause fahren." flüstert er und ich nicke leicht.
Seine Hand auf meinem Rücken, gehen wir langsam zum Auto.
~~*~~*~~*~~*~~
Es ist bereits kurz nach fünf als wir endlich zu Hause ankommen. Mulder bleibt draußen im Flur stehen, nachdem ich die Tür geöffnet habe und meine Wohnung betrete.
Langsam drehe ich mich zu ihm um. Er will offensichtlich nach Hause fahren, doch ich bekomme bereits Schweißausbrüche, wenn ich nur daran denke, den Rest der Nacht alleine in meiner Wohnung verbringen zu müssen, mit den Gedanken an das, was Spender und dieser Unbekannte mit mir gemacht haben, was dieses Implantat vielleicht in mir bewirkt.
Unsicher, wie ich ihn fragen soll, sehe ich ihn an, fahre mir schließlich mit meinen Händen über das Gesicht und streiche mit einem Daumen und dem Zeigefinger über meine leicht schmerzende Stirn.
Langsam tritt Mulder in meine Wohnung, schließt die Tür hinter sich, doch bleibt er direkt im Eingangsbereich stehen, geht nicht weiter in das Wohnzimmer hinein.
Vermutlich weiß er, dass ich ihn etwas fragen möchte, dass ich noch etwas sagen will, doch ist ihm sicher nicht klar, was das sein könnte.
"Würdest du..." beginne ich die Frage zu formulieren und breche dann kurz ab. Ich sehe ihn nicht an, schaue unruhig in der Wohnung umher und starre schließlich auf den Fußboden. Ich atme tief ein und versuche es dann erneut.
"Kannst du hier bleiben? Bei mir?" Meine Stimme ist leise und unsicher, doch er hat mich gehört und nun kann ich ein beinahe erleichtertes Aufatmen von ihm hören.
"Sicher. Wenn du es möchtest." antwortet er eben so leise, wie ich gefragt habe.
Ich nicke in einer kleinen Bewegung und hebe erst jetzt meinen Blick.
Immer noch kann ich eine kleine Flamme des Hasses in seinen Augen lesen, doch brennt eine größere Flamme der Sorge in ihnen.
"Möchtest du reden?" will er nach einem Moment in dem wir unschlüssig voreinander stehen wissen. Ich überlege einen Moment und schüttel dann leicht den Kopf.
"Ich würde gerne schlafen. Ich bin so verdammt müde, doch ich bin nicht sicher, ob ich schlafen kann. Es gehen mir zu viele Dinge im Kopf herum." murmel ich leise und blicke auf seine Brust.
Wieso nur kann ich ihn nicht direkt ansehen, ihn meine Schwäche nicht sehen lassen? Er hat mich in den letzten Stunden schon so viele Male schwach gesehen, eigentlich sollte ich mich daran gewöhnt haben.
Mein Kinn zittert leicht in dem Versuch, die Tränen, die schon wieder zu fallen drohen zurück zu halten.
Die Angst, welche Folgen dieser erneute Eingriff der beiden Männer für mich haben wird, raubt mir beinahe jedes andere Gefühl und jeden anderen Gedanken. Sie ist übermächtig.
Es scheint, als wenn Mulder merkt, dass ich erneut mit den Tränen kämpfe und für ihn scheint es kein Problem zu sein, denn er tritt langsam auf mich zu, wie er es auch schon früher in der Nacht getan hat und zieht mich, wie auch im Krankenhaus an seine Brust.
Und wie schon zuvor, nehme ich die Umarmung dankbar an, erwidere sie und lasse auch meinen Gefühlen freien Lauf.
Sanft wiegt Mulder mich hin und her, flüstert beruhigende Worte und streicht in großen, wohltuenden Bewegungen über meinen Rücken.
Ich merke, wie meine Beine zu zittern beginnen, ich mit meiner Kraft am Ende bin und ich merke, dass Mulder darauf reagiert, mich fester hält und schließlich auf den Arm nimmt und mich sanft ins Schlafzimmer bringt.
Vorsichtig legt er mich auf dem Bett ab, öffnet meine Hose und zieht sie mir aus, streift auch meinen Pullover über meinen Kopf und deckt mich anschließend sorgfältig mit der Decke zu.
Noch immer laufen meine Tränen unaufhaltsam an meinen Wangen hinunter, zuckt mein Rücken unter den lautlosen Schluchzern der Angst und Verzweifelung.
Mulder zögert nur einen kurzen Augenblick, streift seine Schuhe aus und legt sich schließlich hinter mich. Sein Arm legt sich sanft um meinen Körper, zieht mich zu sich heran und deckt mich mit Trost und Zuneigung zu.
Seine Lippen suchen sich ihren Weg zu meinem Nacken, streifen sanft darüber und lassen mir einen Schauer über den Rücken laufen.
"Ssh! Es wird alles wieder gut." dringt seine sanfte Stimme leise an mein Ohr.
"Und was ist wenn nicht? Wenn dieses Implantat das andere ausschaltet, wenn es einen anderen Krebs verursacht oder eine andere schlimme Krankheit?" bringe ich mühsam hervor und wische mir selber die Tränen von den Wangen.
Es ist sinnlos, zu schnell kommen die nächsten bereits nach.
"Ich denke nicht, dass das geschehen wird. Wenn es das gewesen wäre, was sie gewollt hätten, dann hätten sie dich auch direkt umbringen können. Dann hätte dieser Schütze dich vermutlich nicht verfehlt. Ich weiß zwar nicht, was dieses Implantat tut, doch ich glaube nicht, dass es dich töten soll." flüstert er leise.
Ich denke über seine Worte nach und merke, wie die Tränen versiegen. Langsam drehe ich mich in seinen Armen herum und sehe ihn schließlich an.
Mulders Gesichtsausdruck ist ernst, doch zeigt er mir auch, dass er das was er gesagt hat, ehrlich meint, es nicht nur sagt, um mich zu trösten.
Seine Hand wandert hinauf zu meinem Gesicht, streicht über meine Wange und schiebt einige Haarsträhnen hinter mein Ohr.
Auch ich hebe meine Hand, lege sie an seine Wange und streiche vorsichtig darüber.
"Danke!" flüstere ich leise und blicke ihm in die Augen.
Er nickt leicht, beugt sich ein winziges Stückchen vor und drückt seine weichen Lippen auf meine Stirn. Doch bleiben sie dort nur kurz liegen, und entgegen meiner Erwartung zieht er sich nicht vollständig zurück, sondern lässt seine Lippen leicht und zart über meine Augenbrauen und Schläfen hinab zu meinen Wangenknochen und von dort zu meinem Mundwinkel wandert.
Erst dann nimmt er seinen Kopf ein Stück zurück, sieht mich an und sucht offenbar nach einem Zeichen dafür, dass mir seine Berührungen unangenehm sind.
Doch das sind sie nicht und das ist offensichtlich auch das, was Mulder in meinen Augen lesen kann, denn er beugt sich in einer quälenden Langsamkeit erneut zu mir hinüber und legt seine Lippen zart auf meine. Es scheint, als brauchte es erst diese letzten schlimmen Erkenntnisse, die wir diese Nacht machen mussten, dass Mulder endlich den Schritt wagen konnte, mir seine Zuneigung zu zeigen.
Seine Hand, lag sie doch eben noch auf meiner Wange, wandert langsam in meinen Nacken und gleitet in meine Haare. Dort spreizt er seine Finger und hält mich. Sicher, sanft, zart.
Auch meine Hände bleiben nicht, wo sie sind. Langsam wandern sie, fahren über seinen Körper und genießen die feste Struktur die er bietet. Meine eine Hand wandert von seiner Wange über seine Schulter bis sie schließlich auf seinem starken Rücken zum liegen kommt. Durch sein Sweatshirt kann ich seine festen Muskeln spüren.
Die andere Hand gleitet langsam zu seiner Brust, presst sich auf die Stelle über seinem Herzen und ich genieße den stetigen, schnellen Herzschlag unter meinen Fingerspitzen.
Kurz zieht Mulder sich zurück, doch kehrt er sofort wieder zurück und seine Zunge streicht dieses Mal bittend über meine Lippen.
Ich öffne meinen Mund ein kleines bisschen, lasse ihn hinein und genieße das Gefühl, welches er in mir auslöst.
Er lässt sich Zeit, meinen Mund zu erforschen und trennt die Verbindung erst, als wir beide keine Luft mehr bekommen.
Leise keuchend lehnt er seine Stirn gegen meine, seine Augen noch immer geschlossen.
"Ich liebe dich so sehr!" flüstert er leise und zieht mich noch ein Stück näher an sich heran.
Ich seufze erleichtert, meine Augen klappen zu, denn diese Worte wirklich von ihm zu hören, lässt mich schwindelig werden. Nach einem kurzen Moment löse ich meine Stirn von seiner, senke meinen Kopf ein wenig und küsse ihn sanft an seinem Hals, bevor ich mein Gesicht dort vergrabe.
"Ich liebe dich auch." erwidere ich eben so leise, wie er mit mir gesprochen hat.
Sein Griff um mich verstärkt sich, genauso wie sich auch mein Griff verstärkt, um ihn näher und fester bei mir zu halten.
An seiner Brust entspanne ich vollkommen, schiebe alle dunklen Gedanken weit von mir und gebe mich der Müdigkeit hin.
Wie aus weiter ferne merke ich, dass Mulder sich ein wenig bewegt, sich auf den Rücken dreht und mich mit sich zieht, so dass ich schließlich halb auf seiner Brust liege.
Auch seine Atmung wird gleichmäßiger, flacher und sein Körper entspannt sich unter mir.
Beruhigt, dass auch er schlaf findet, drifte ich schließlich in das Land der Träume.
~~*~~*~~*~~*~~
Ein schrilles Klingeln reißt mich einige Stunden später aus dem Schlaf. Die Nacht war alles andere als ruhig. Drei Mal war ich schwer keuchend aufgewacht, gepeinigt von den Bildern, die meine spärlichen Erinnerungen in mir hervorriefen. Doch Mulder war da, nahm mich in die Arme und hüllte mich in eine tröstende Umarmung, die es mir gestattete, weiter zu schlafen.
Nun bin ich sofort hellwach, angele nach dem Telefonhörer und unterbreche so das laute Geräusch. Im Schlafzimmer ist es bereits hell, die Sonne scheint durch die hellen Vorhänge hindurch und streichelt uns mit ihren warmen Sonnenstrahlen.
"Hallo." nuschele ich schließlich in den Hörer.
Mulder öffnet seine Augen einen Spalt und fährt sich mit den Händen über das Gesicht.
"Agent Scully?" dringt eine männliche Stimme an mein Ohr und ich überlege, ob ich sie schon einmal zuvor gehört habe, kann mich jedoch nicht erinnern.
"Ja." erwidere ich und streiche mir eine Haarsträhne hinter mein Ohr.
Mein Blick fällt auf meinen Wecker. Es ist bereits kurz vor neun und es ist Sonntag.
"Hier spricht Sheriff Winters. Erinnern Sie sich noch, wir haben gestern miteinander gesprochen." erklärt der Mann am anderen Ende der Leitung und ich nicke leicht.
"Ja, Sheriff, ich erinnere mich. Was kann ich für Sie tun?" erkundige ich mich.
"Wir haben die Leiche des Mannes gefunden, von dem sie berichtet haben." eröffnet er.
Ich setze mich leicht auf und fahre mir nun ebenfalls mit meiner Hand über das Gesicht.
"Hatte er irgendwelche Papiere bei sich?" verlange ich zu wissen und werfe einen kurzen Blick auf Mulder, der dem Gespräch aufmerksam folgt. Oder zumindest dem Teil, den er hören kann.
"Nein, Ma`am leider nicht. Wir konnten nichts finden, was seine Identität preisgegeben hätte. Unser Pathologe hier hat bereits die Fingerabdrücke genommen, doch haben sie uns nicht weiter gebracht." sagt mein Gesprächspartner mitfühlend. Ich verziehe kurz mein Gesicht bei dem Gedanken, dass der Pathologe der aufgedunsenen Wasserleiche die Haut an der Hand abgezogen hat und sie anschließend wie einen Handschuh über die eigene Hand gelegt hat, um den Fingerabdruck nehmen zu können.
"Verdammt." entrutscht es mir und ich sehe, wie sich Mulders Gesicht ein wenig zu einem Lächeln verzieht.
"Tun sie mir einen Gefallen, Sheriff, lassen sie den Mann liegen. Ich werde heute Mittag da sein und ihn mir ansehen, okay?" entscheide ich rasch.
"In Ordnung, Agent Scully." stimmt der Sheriff zu und ich höre, wie er am anderen Ende der Leitung tief einatmet.
Verwundert hebe ich eine Augenbraue, was Mulder dazu veranlasst, sanft nach meinem Unterarm zu greifen. Ich werfe ihm einen beruhigenden Blick zu und lausche auf die nächsten Worte des Sheriffs.
"Agent Scully, diese Leiche im Fluss ist nicht die Einzige, die wir gefunden haben." gesteht er.
"Sie haben noch eine Leiche gefunden?" frage ich erstaunt nach und Winters bestätigt das.
"Ja, ebenfalls männlich, mit einer Kugel im Kopf." erwidert er.
Ich sauge scharf die Luft in die Lungen. Mulder sieht mich erschrocken an und richtet sich leicht auf.
"Wie gesagt, ich bin heute Mittag da und werde mir die beiden Leichen ansehen." bringe ich heraus und beende das Gespräch nach einer Bestätigung des Sheriffs und einem abschließenden Gruß.
Mit einem Seufzen lasse ich mich zurück in die Kissen fallen und rolle zu Mulder herum. Sofort sind seine Arme wieder um meinen Körper geschlungen, genauso, wie auch ich meine Arme um seinen Leib lege.
"Probleme?" fragt er mit sanfter Stimme und senkt seinen Kopf um seine Lippen auf meinen Haaren zu platzieren.
Ich schüttelte den Kopf.
"Nein, der Sheriff hat mir nur mitgeteilt, dass sie den Mann gefunden haben, der mir gestern diese CD gegeben hat." erkläre ich.
"Cobra?" schließt Mulder nach einem kurzen Moment.
Ich nicke.
"Hast du schon vorher von dem Mann gehört?" frage ich schließlich nach einem kurzen Moment.
"Erst in den letzten Tagen, als ich auf der Suche nach dir war. Die Schützen haben deine Emails geknackt, und da waren welche von Cobra, die zwar gelöscht, jedoch nicht vollkommen vernichtet waren. Irgendjemand, ich nehme an, es war der Raucher, hat sich als dich ausgegeben und mit Cobra kommuniziert. Deshalb brauchte er dich unbedingt bei diesem Treffen. Dieser Mann arbeitete für die Schattenregierung." klärt Mulder mich auf.
Ich schließe kurz meine Augen, als mir klar wird, dass dieses miese Schwein schon vor Wochen oder Monaten in meine absolute Privatsphäre eingedrungen ist. Er kann bereits alles von mir wissen. Ich bekomme regelmäßig Emails von Freundinnen und auch von meiner Schwägerin, von Charlys Frau, und ihr gegenüber bin ich sehr offen, was meine Gefühle angeht. Auch was meine Gefühle für Mulder angeht.
"Konnten die Jungs auch nachvollziehen, welche Emails er gelesen hat? Oder ist das nicht möglich?" frage ich nach einem Moment, und öffne meinen Augen wieder.
Mulders Blick ist besorgt, doch spricht er mich nicht darauf an.
Er zuckt lediglich mit den Achseln.
"Ich weiß nicht, ob sie nachvollziehe können, welche der Emails er gelesen hat, und welche nicht." gesteht er.
Ich nicke, habe im Grunde keine andere Antwort erwartet und strecke mich, um ihm einen sanften Kuss auf die Wange zu geben, bevor ich aufstehe.
"Wenn wir bis Mittag in Milford, Pennsylvania sein wollen, sollten wir uns so langsam auf den Weg machen." murmel ich und gehe ins Badezimmer.
~~*~~*~~*~~*~~
Es ist ein Uhr, als wir die Leichenhalle in Milford betreten. Mulder folgt mir schweigend den langen Gang hinunter. Vor der Tür mit der Nummer fünf bleibe ich schließlich stehen. Der Sheriff, den wir vor einer halben Stunde getroffen haben, sagte, dass die beiden Männer hier liegen würden.
Nach einem kurzen Klopfen trete ich schließlich ein und verschaffe mir einen raschen Überblick.
Der Raum ist leer, bis auf die beiden Leichen, die nebeneinander auf zwei Obduktionstischen liegen. Ich trete ein und werfe einen kurzen, flüchtigen Blick auf die beiden Männer. Der Mann, der uns nur als Cobra bekannt ist, sieht aus, wie eine Wasserleiche eben aussieht. Sein Gesicht und das was von seinem Körper zu sehen ist, ist aufgeschwemmt.
Mulder tritt neben mich und zieht beim Anblick der zweiten Leiche scharf die Luft in die Lungen. Seine Hand wandert unwillkürlich hinauf an seine Schläfe und er streicht geistesverloren über die winzige Narbe, die sich dort befindet.
"Tja, Junge, dir wird wohl niemand nachtrauern." murmelt er und räuspert sich, bevor er mir einen Blick zu wirft.
"Wi..." fange ich an, werde jedoch unterbrochen.
"Können Sie mir sagen, was Sie hier machen?" dringt eine unfreundliche Stimme an mein Ohr und ich wirbele erschrocken zur Tür herum.
Ein großer, schlanker Mann mit gepflegten, an den Schläfen leicht grauen Haaren steht dort und sieht uns ungehalten an.
Den Schreck überwindend greife ich nach meinem Ausweis, klappe ihn auf und sehe ihn kalt an.
"Ich bin Agent Scully und das ist Agent Mulder vom Federal Bureau of Investigation. Ich möchte die Autopsie an diesen beiden Leichen durchführen." stelle ich uns knapp vor.
"Was habt Ihr vom FBI denn mit den beiden zu schaffen? Aber, ist ja auch egal, mir soll es recht sein, dann habe ich weniger Arbeit." brummt der Mann und dreht sich zum Gehen.
"Entschuldigung, wo finde ich die persönlichen Gegenstände, die die Männer bei sich hatten?" Mulder tritt einen Schritt auf den Mann zu und dieser dreht sich mit mürrischem Gesichtsausdruck wieder zu Mulder herum.
"Die sind vorne bei mir im Büro. Kommen Sie mit dann gebe ich sie Ihnen." erwidert der Mann und mustert Mulder von oben bis unten.
Mulder wirft mir einen kurzen Blick zu und ich nicke ihm leicht zu. Langsam folgt er dem Mann und ich begebe mich in die Umkleidekabine, die auf der gegenüberliegenden Seite des Flures ist.
Zehn Minuten später betrete ich den Obduktionssaal erneut, dieses Mal mit der vorschriftsmäßigen Kleidung ausgestattet. Die Turnschuhe die ich trage, quietschen leise bei jedem Schritt den ich mache und ich sehe von einer Leiche zur anderen, während ich überlege, mit wem ich beginne.
Im Grunde kann ich mir eine Autopsie schenken, da ich weiß, woran die Männer gestorben sind. Der eine ist an einer Kugel in der Brust und der andere an einer Kugel im Kopf gestorben, doch möchte ich mir die Männer trotzdem zumindest von außen genau betrachten und eine DNS-Analyse durchführen. Natürlich ist mir klar, dass ich das Ergebnis nicht mehr heute bekomme, doch möchte ich die Untersuchung zumindest beginnen.
Die Tür zum Raum wird erneut aufgestoßen und Mulder tritt, schwer beladen mit zwei großen Kästen herein.
"Stört es dich, wenn ich die Sachen hier durch schaue?" erkundigt er sich und ich schüttele den Kopf.
"Das ist gut, die Alternative wäre nämlich das Büro dieses freundlichen Herren, der hier eben reingeplatzt ist." Er grinst sarkastisch und ich kann ein leises Lachen nicht zurück halten.
~~*~~*~~*~~*~~
Es ist bereits halb fünf, als Mulder einen erfreuten Ausruf ausstößt. Ich löse meinen Blick von dem Mikroskop, durch welches ich konzentriert geschaut habe und wende mich Mulder zu, der vor dem Computer sitzt. Meine Augen brennen und ich drücke kurz Daumen und Ziegefinger darauf, in der Hoffnung, dass das Gefühl nachlässt, wenn ich die Finger wieder weg nehme.
Mulder sieht mich an, als ich meine Augen wieder öffne und ich kann eine steile Falte auf seiner Stirn erkennen.
"Was hast du?" erkundige ich mich und gehe zu ihm herüber.
Sein Blick folgt meinen Bewegungen und ich kann Sorge in seinen Augen sehen, als ich neben ihm zum Stehen komme.
Meine Augen wandern von seinem Gesicht zum Monitor und bleiben daran hängen. Es ist ein Bild darauf von dem Mann, von dem ich hoffe, dass ich ihm niemals wieder begegnen muss.
Neben dem Foto ist ein Fingerabdruck zu sehen.
Mit gerunzelter Stirn blicke ich wieder Mulder an und deute auf den Monitor.
"Was ist mit ihm?" will ich wissen und Mulder wirft einen kurzen Blick auf den Bildschirm.
"Er hat den Mann erschossen." erklärt Mulder und blickt wieder mich an.
Meine rechte Augenbraue wandert langsam nach oben.
"Welchen Mann? Cobra oder den anderen?" frage ich unsicher.
"Den anderen. Und dieser wiederum hat offensichtlich Cobra erschossen und auch auf dich gezielt. Im Grunde hat Spender dich also gerettet." macht Mulder mir die Zusammenhänge klar.
Ich kann ein kleines, abfälliges Lachen nicht unterdrücken.
"Nimm es mir nicht übel, dass ich nicht dankbar vor ihm auf die Knie falle, ja." bringe ich heraus. Ich höre selber, dass meine Stimme verbittert klingt.
Nun runzelt Mulder seine Stirn.
"So meinte ich das nicht, und das weißt du auch." erklärt er und ich merke, dass ich ihn ein wenig verärgert habe.
"Ja, es tut mir leid." murmele ich und lege ihm sanft meine Hand auf die Schulter. Er senkt kurz seinen Kopf und gibt mir einen leichten Kuss auf meinen Handrücken ehe er sich wieder dem Computer zuwendet.
"Konntest du auch heraus finden, wer dieser andere Mann war?" frage ich nach einem Moment der Stille.
Mulder schüttelt den Kopf und seufzt resigniert.
"Nein. Nichts. Es ist, als wenn es ihn nie gegeben hätte. Allerdings wundert mich das nicht. Er war derjenige, der für die Drecksarbeiten zuständig war, die die feinen Regierungsleute nicht selber ausführen konnten. Er war es, der den Krankenwagen gefahren hat, als sie dich damals von meinem Flur weg brachten. Und er war es auch, der auf mich geschossen hat." sagt Mulder und nun ziehe ich scharf die Luft ein.
"Und er war es, der deinen Brief an mich abgefangen hat. Offenbar ist er euch die ganze Zeit gefolgt und war letzten Endes ein wenig übereifrig." Mulder hält mir die Tonbandkassette vor die Nase und wippt damit leicht auf und ab.
"Du meinst er hat gegen den Raucher gearbeitet?" frage ich verwundert.
"Ab einem bestimmten Punkt ja. Offensichtlich war es so. Vermutlich hat er seine Anweisungen nicht nur von dem Krebskandidaten bekommen." überlegt Mulder laut.
Ich seufze leise und reibe mir die Stirn, mir durchaus bewusst, dass Mulder mich sorgsam beobachtet.
"Bist du hier soweit fertig?" fragt er schließlich mit leiser Stimme. Ich nicke nach einem kurzen Moment in dem ich überlegt habe, ob ich diese DNS-Analyse noch zu Ende bringe oder nicht.
Ich entscheide mich dagegen. Ich bin so müde, dass ich Gefahr laufe, die Probe zu versauen, und dann muss ich von vorne beginnen.
"Die DNS-Analyse können auch die Pathologen hier beenden. Lass mich nur noch die beiden Leichen in die Kühlfächer packen und mich umziehen. Dann können wir fahren." erwidere ich und mache mich an die Arbeit.
~~*~~*~~*~~*~~
Als wir vor meinem Apartmenthaus zum stehen kommen, ist es bereits kurz nach elf Uhr. Mein Kopf dröhnt und meine Augen brennen. Mulder stellt den Motor aus und wirft mir einen unsicheren Blick zu. Obwohl ich sehr erschöpft bin, möchte ich nichts mehr, als Mulder bei mir zu haben. Ich möchte ihn berühren, ich möchte von ihm berührt werden und ich möchte seine Lippen auf mir spüren. Doch er ist sich offensichtlich nicht sicher, wie es jetzt weiter gehen soll, ob die Liebeserklärung, die wir uns letzte Nacht gegenseitig gemacht haben, bedeuten kann, dass wir auch unsere freie Zeit miteinander verbringen.
Auch ich drehe meinen Kopf um ihn ansehen zu können, und trotz des spärlichen Lichtes, welches von einer Straßenlaterne in das innere des Autos dringt, kann ich in seinen Augen sehen, dass er das Gleiche möchte wie ich.
Ich öffne wortlos die Autotür, steige aus und lasse sie hinter mir wieder ins Schloss fallen. Noch immer regt Mulder sich nicht, sitzt still und unbeweglich hinter dem Lenkrad und sieht mir zu, wie ich um das Auto herum gehe, schließlich seine Tür öffne und ihm meine Hand entgegen strecke.
"Ich weiß ja nicht, wie du das siehst, aber ich ziehe ein weiches Bett dem Autositz vor." erkläre ich.
Ein Lächeln breitet sich auf seinem Gesicht aus, wandert von seinen Lippen hinauf zu seinen Augen und lässt sie erstrahlen.
Rasch löst er den Gurt und greift beim Aussteigen aus dem Wagen nach meiner Hand. Mit einem leichten Schubs schließt er die Tür hinter sich und betätigt die Zentralverriegelung.
Ich setze mich in Bewegung, ihn immer noch an meiner Hand haltend und gehe auf das Haus zu, die Treppen hinauf und komme nach kurzer Zeit vor meiner Wohnungstür zum stehen.
Erst jetzt löse ich meine Hand von seiner, grabe in meiner Manteltasche nach dem Schlüssel und öffne meine Tür.
Mulder folgt mir hinein, gibt der Tür mit seinem Fuß einen Schubs, so wie er es auch bei sich zu Hause immer tut und lässt sie langsam zuschwingen.
Ein leises Klappern verrät, dass sie ins Schloss gefallen ist.
"Willst du etwas essen?" erkundige ich mich und er scheint einen Moment zu überlegen, ehe er langsam seinen Kopf schüttelt.
"Willst du?" Seine Stimme ist leise, sanft, beinahe wie eine körperliche Berührung von ihm. Ich schüttele ebenfalls meinen Kopf.
"Nein, ich möchte eigentlich nur noch eine Dusche und dann in mein Bett." erkläre ich und er nickt verständnisvoll.
Langsam trete ich auf ihn zu und greife erneut nach seiner Hand, die locker an seiner Seite hängt. Ich verflechte sie mit der meinen, meinen Blick darauf gerichtet und spüre erfreut, dass er die Geste erwidert. Auch sein Blick ist nach unten gerichtet, auf unsere ineinander verschlungenen Hände und nach einem kurzen Moment hebt er unsere beiden Hände an und bringt sie an seine Lippen. Zart und sanft streicht er über jeden einzelnen Finger und hebt langsam seinen Blick um mich ansehen zu können.
Ich schenke ihm ein Lächeln und drehe mich schließlich um, unsere Hände immer noch miteinander verflochten und ziehe ihn mit mir zum Badezimmer.
Mulder folgt mir willig.
Ich drehe das Wasser in der Dusche an.
Die Kleider fallen beinahe wie von selbst. Wir ziehen uns gegenseitig aus, lassen uns dabei Zeit und erkunden des anderen Körper.
Schließlich stehen wir in der Dusche, halten uns aneinander fest, lassen unsere Hände über die nackte, zarte Haut des anderen gleiten, seifen uns gegenseitig ein und lassen das warme Wasser unsere Körper wieder abwaschen.
Auch unsere Lippen wandern über des anderen Haut, liebkosen und streicheln sie.
Nachdem wir beide frei von der Seife sind, drehe ich das Wasser wieder aus, schiebe die Duschtür auf und ziehe Mulder mit mir heraus. Ich greife nach dem Handtuch, reiche es ihm und nehme auch mir eins.
Wir nehmen uns nicht viel Zeit, uns abzutrocknen, sind offensichtlich beide in so kurzer Zeit süchtig danach geworden, uns gegenseitig zu berühren.
Die Handtücher liegen schon bald zu unseren Füßen auf dem Boden.
Ich sehe Mulder in die Augen und mir läuft ein Schauer über den Rücken, angesichts der Liebe, die ich dort erkennen kann.
Meine Hände wandern an seine Wangen, ich spreize meine Finger dort und ziehe seinen Kopf zu mir hinunter.
Meine Lippen treffen auf seine, ich fühle die weiche Struktur seines Mundes und streiche mit meiner Zunge darüber. Seine Lippen teilen sich ein kleines bisschen und ich schlüpfe mit meiner Zunge hindurch, streiche über seine Zähne, sein Zahnfleisch und genieße das Gefühl seiner Zunge, die gegen meine reibt.
Als ich mich zurück ziehe, sind wir beide atemlos.
"Ich liebe dich! Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich!" hauche ich und sehe ihn erneut an.
Er bückt sich ein Stück zu mir hinunter, legt seine Lippen auf meine und zieht sich bald wieder zurück.
Ich lächele leicht, greife zum wiederholten Male an diesem Abend nach seiner Hand und führe ihn in mein Schlafzimmer.
Ich krieche in mein Bett, ziehe in mit mir und lege mich hin. Mulder kommt neben mir zu liegen. Er rollt sich auf seine Seite, eine Hand liegt locker auf meinem nackten Bauch und sein Zeigefinger zieht dort kleine Kreise. An meinem Oberschenkel kann ich sein Verlangen nach mir spüren.
Ich beobachte ihn, sehe in sein konzentriertes Gesicht und überlege, worüber er nachdenkt.
"Worüber denkst du nach?" frage ich mit leiser Stimme, als er seinen Blick hebt und mich unschlüssig ansieht.
"Ich überlege, wie ich hier weiter machen soll." Ein verlegenes Lächeln erscheint auf seinem Gesicht und ich bringe eine Hand in seinen Nacken und ziehe ihn in einen sanften Kuss.
"Mulder, ich liebe dich und egal was du machst, es wird wundervoll sein." flüstere ich und gebe ihm noch einen kurzen Kuss auf seine Nasenspitze.
Ein Lächeln erscheint auf seinem Gesicht und er küsst kurz meine Lippen, wandert dann mit seinen Lippen meinen Hals entlang und zu meinen Brüsten.
Sanft umschließt er schließlich meine rechte Brustwarze, bringt seine Hand an meine linke Brust und drückt sie zart.
Ein Seufzen verlässt meinen Mund.
Sein Mund öffnet sich an meiner Brust, seine Zunge kreist um meine Brustwarze, er saugt und leckt und ich habe das Gefühl, als wenn mir nur alleine von den Empfindungen schwindelig wird. Meine Augen klappen zu und ich ziehe meine Unterlippe in meinen Mund, beiße leicht darauf herum. Während Mulders Lippen meine rechte Brustwarze verlassen, sie der kalten Luft überlassen und sich hinüber zur linken Brustwarze arbeiten, legen sich meine Hände in seinen Nacken, streichen durch sein seidiges, weiches Haar und vergraben sich dort.
Seine eine Hand kommt an meiner nun einsamen Brust zu liegen, die andere spielt meine Rippen hinauf und hinunter.
Ein leises Stöhnen entringt sich meiner Kehle, meine Augen öffnen sich wieder und ich ziehe ihn wieder zu mir hinauf, nehme seine Lippen mit meinen in Beschlag und lasse meine linke Hand seinen Rücken hinab wandern, nur um kurze Zeit später wieder hinauf zu kommen, meine Finger in seinen Haaren zu vergraben und ihn tiefer in den Kuss zu ziehen.
Er löst sich von mir, als er keine Luft mehr hat und legt schwer atmend seine Stirn an meine. Sein Oberkörper liegt auf meinem und es raubt mir beinahe den Atem, seine Haut so an meiner zu spüren.
Meine Hände wandern über seinen Rücken, gleiten an seinen Lippen entlang und ich genieße das Gefühl von starken Muskeln unter meinen Händen. Wieder legt er seine Lippen auf meinen Mund, zieht sich jedoch sofort zurück und wandert langsam zu meinem Ohr, saugt an meinem Ohrläppchen und wieder entweicht mir ein leises Stöhnen. Bevor er seinen Weg fortsetzt, seine Lippen meinen Hals hinab und über mein Schlüsselbein wandern lässt, presse ich meine Lippen auf seine Schulter, wandere seinen Hals hinauf und lasse sie einen Moment über seiner Halsschlagader liegen. Er setzt seinen Weg fort, wandert zwischen meinen Brüsten hinab und verteilt federleichte Küsse auf meinem Bauch, lässt seine Zunge um meinen Bauchnabel gleiten und wandert langsam wieder hinauf.
Ich vergrabe meine Hände in den Kissen neben mir, schließe meine Augen erneut und kann nicht verhindern, dass ich mich ihm ein wenig entgegen bäume.
Ich kann spüren, wie sich seine Lippen zu einem kleinen Lächeln verziehen, als er meine Reaktion auf seine Berührungen bemerkt.
Als er wieder an meinem Mund angekommen ist, drücke ich ihn in die Kissen, und rolle mich über ihn. Ich richte mich ein klein wenig auf und blicke ihn an, meine Augen wandern über seinen Körper. Schließlich beuge ich mich hinunter, lasse meine Lippen über seine Lippen streichen, wandere, wie er zuvor bei mir, über seinen Hals und bedecke seine Brust mit zarten Schmetterlingsküssen. Langsam wandern meine Lippen tiefer, meine Hände folgen ihnen und streicheln in sanft.
Auch seiner Kehle entfliehen einige tiefe Seufzer und auch ein leises Stöhnen dringt an mein Ohr.
Ich hebe meinen Kopf und lächele ihn an, sehe wie sich auch seine Lippen zu einem sanften, liebevollen Lächeln verziehen.
Seine Hände greifen nach meinen Hüften, ziehen mich ein Stückchen höher, so dass meine Brüste nahe an seinem Gesicht sind. Seine Lippen schnappen danach, halten meine linke Brustwarze gefangen und saugen zart. Mein Kopf legt sich in den Nacken und ich stöhne erneut leise auf, was ihn dazu bringt, an meiner Brust zu lächeln. Ich spreize meine Beine, knie mich über ihn und entziehe ihm meine Brustwarze als ich mich ein wenig aufrichte.
Seine Hände sind noch immer an meinen Hüften, halten mich und führen mich, als ich mich langsam sinken lasse, seine Erektion langsam in mir aufnehmen.
Ich habe meinen Kopf wieder aufgerichtet, und sehe, wie sein Blick auf meinem Gesicht ruht. Seine Augen spiegeln die Liebe, die er für mich empfindet wieder und ich wünsche mir nichts mehr, als ihn glücklich zu machen.
Ich halte inne, als er in mir ist, möchte das Gefühl, welches er in mir auslöst, einfach nur, weil er in mir ist, genießen und für immer speichern.
Wenn die Welt in diesem Moment für ewig aufhören würde, sich zu drehen, wäre es genau der richtige Zeitpunkt.
Ich denke nicht, dass ich jemals in meinem Leben glücklicher war, als gerade jetzt. Und ich bin mir sicher, Mulder kann genau das in meinem Gesicht lesen.
Er bringt seine rechte Hand in meinen Nacken, zieht meinen Kopf zu sich herunter und gibt mir einen zarten Kuss, der jedoch voll ist von Verlangen.
Seine andere Hand ruht weiterhin auf meiner Hüfte und sein Daumen zieht dort kleine Kreise.
Ich beginne sanft, mich auf ihm zu bewegen, fange gemächlich an und steigere mein Tempo nur langsam.
Nachdem wir uns voneinander gelöst haben, hebe ich meinen Oberkörper wieder an, Mulder lässt seine Hand von meinem Nacken zu meiner Brust wandern und nimmt meine linke Brustwarze zwischen seinen Daumen und seinen Zeigefinger, rollt sie unter leichtem Druck hin und her und wandert nach einiger Zeit hinüber zu meiner rechten Brustwarze.
Seine Augen beobachten, was er tut, doch lässt er, als ich mein Tempo steigere, seine Hand sinken, seine Augen klappen zu, sein Kopf fällt ein wenig in den Nacken.
Ich beobachte, wie er seine Lippe zwischen seine Zähne nimmt, sein Atem beschleunigt sich, genauso wie meiner und ein leichter Schweißfilm bildet sich auf seiner Brust.
Wieder beuge ich mich zu ihm hinab, lasse meine Lippen über seine Brust wandern und nehme das salzige Wasser seines Körpers in mir auf.
Die Wellen des Orgasmus kommen langsam, doch breiten sie sich stetig und gleichmäßig in meinem Körper aus. Auch Mulders Gesichtsausdruck ist verklärt.
Meine Bewegungen werden schneller und Mulder antwortet mir hungrig, hebt sein Becken und kommt mir entgegen, wenn ich mich wieder auf ihn zurück sinken lasse.
Als die Flut der Gefühle mich überschwemmt, die Wogen über mir zusammenbrechen, fallen meine Augen zu, mein Kopf in den Nacken und meine Zähne graben sich in meine Unterlippe. Ich bin still, schreie nicht und ich erkenne, dass auch Mulder, der kurz nach mir vom Orgasmus erfasst wurde, ein stiller Genießer ist.
Erschöpft komme ich nach einem Moment auf seiner Brust zu liegen, meine Lippen geteilt und die Luft in großen Zügen hungrig einatmend. Auch Mulders Atem geht keuchend. Unter meiner Brust kann ich sein Herz hämmern fühlen, und ich bringe eine Hand an seine Wange, streichele ihn und genieße die Feuchte seiner Haut.
Seine Arme schlingen sich um meinen Körper, halten mich fest und drücken mich an sich.
Wir sind noch immer miteinander verbunden, und ich habe das Gefühl, dass er die Verbindung genauso wenig trennen will, wie ich, also bleibe ich, wo ich bin und genieße das Nachglühen.
Mein Atem beruhigt sich im gleichen Maße, wie sein Herzschlag langsamer wird.
Mulder hebt seinen Kopf und bringt seine Lippen an meine Schulter, presst sie einen Moment darauf und lässt ihn anschließend wieder in die Kissen fallen.
"Gott, ich liebe dich so sehr!" brummt er, und es ist das erste, was er seit langer Zeit zu mir sagt.
Ich lächele und hebe meinen Kopf, drehe ihn ein wenig und blicke in sein Gesicht.
"Nicht so sehr, wie ich dich." necke ich ihn und küsse sanft seine Wange.
"Tausend Mal mehr." berichtigt er mich und ein Grinsen legt sich auf sein Gesicht.
"Das ist gar nicht möglich. Du kannst mich unmöglich mehr lieben, als ich dich." halte ich dagegen und sein Grinsen wird tiefer.
"Oh doch! Ich kann." murmelt er und hebt seinen Kopf erneut um mir einen Kuss zu geben.
Ich vergesse, was ich sagen wollte und ich bin mir sicher, das war es, was er erreichen wollte.
Mit einem leisen, resignierten Seufzer, rolle ich mich von ihm herunter, höre sein frustriertes brummen und drücke mich nur Sekunden später dicht an ihn.
Er brummt erneut, dreht sich ein wenig, legt seinen Kopf unterhalb meiner Brust ab und schlingt seine Arme um meinen Leib.
"Und ich liebe dich doch mehr." murmel ich und höre sein leises Lachen.
Meine Augen klappen zu und wie auch letzte Nacht merke ich bald, dass Mulders Atem gleichmäßiger wird.
Seine streichelnden Bewegungen an meiner Hüfte werden langsamer und ich fahre ihm ein letztes Mal mit meiner Hand durch die Haare, bevor ich in den Schlaf abdrifte.
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Zur Gleichen Zeit
an einem anderen Ort
Der Raum ist klein und wird lediglich von einem Monitor erleuchtet. Ein Mann sitzt davor, greift nach einer Schachtel Morleys und zündet sich schließlich eine der Zigaretten an.
Ein leises Seufzen entweicht der Kehle des Mannes, als er auf seinem Monitor die beiden Menschen sieht, die nach so vielen Jahren endlich die letzte Grenze überschritten und die vollkommene Vereinigung gefunden haben.
"Nun, Agent Mulder und Agent Scully" sagt er mit rauchiger Stimme "auch wenn ich mich ab jetzt für immer vor Ihnen in acht nehmen muss, da Sie mich sonst vermutlich umbringen, haben Sie den ersten Schritt getan, um die Zukunft geschehen zu lassen. Jetzt liegt es einzig an Ihnen, wie tief die Liebe, die Sie für einander empfinden, tatsächlich ist. Wenn das Implantat auch heute noch nicht seine Arbeit beendet hat, so wird es das in wenigen Wochen haben und dann werde ich Sie hoffentlich wieder dabei beobachten können, wie Sie das Kind zeugen, das die Zukunft entscheidet."
Der Mann erhebt sich nach einem letzten Blick auf Scully, die schwer atmend auf Mulders Brust liegt, und ihre Hand zu seiner Wange bringt und schaltet schließlich den Monitor aus.
"Ich werde Sie beide jetzt alleine lassen. Schlafen Sie gut. Morgen sehe ich Sie wieder." erklärt er und verlässt den kleinen Raum, in dem er seit einigen Stunden gesessen und die beiden Agenten beobachtet hatte.
ENDE
Also gut, ich gebe es zu, es hat nicht geklappt. Es ist doch wieder ein wenig Tortour mit dabei. Es tut mir wirklich leid, Manu, aber ich bin echt nicht dafür gemacht, reine MSR ohne Tortour zu schreiben, aber ich habe es versucht, wirklich!
Über Feedback würde ich mich riesig freuen, und ich beantworte wirklich, ehrlich und wahrhaftig jeden Kommentar, ich schwöre es! *Schwurhandheb*