Titel:
SternenhimmelHappy Birthday, Schnegge. Ich wünsche dir ALLES erdenklich Gute, und dass du dich in deinem neuen Lebensjahr endlich mal glücklich verliebst. Und du weißt ja, in einem halben Jahr werde ich dem Club der 23-Jährigen auch beitreten, leb dich gut ein und halt mir nen Platz frei.
*Sektglas heb* Auf die Heldin!!!
Vielen Dank auch noch an Kitty, für die Inspiration und die Beta, ich schulde dir wat!
Sternenhimmel
Völlig überhitzt und unglaublich genervt trommelte Fox Mulder mit seinen Fäusten auf das Lenkrad seines Autos ein. Die Fenster hatte er alle nach unten gekurbelt, da die Klimaanlage seines Dienstwagens nicht funktionierte. Washington DC wurde gerade von einer enormen Hitzewelle überrollt, und da es seit Wochen weder geregnet, noch sich anderweitig abgekühlt hatte, konnte er die Hitze förmlich auf dem Asphalt schimmern sehen. Der Schweiß lief dem Agenten ungehalten die Stirn hinunter und sein helles Hemd klebte an seinem Oberkörper. Dass er zur Zeit in einem großen Stau stand, besänftigte seine schlechte Laune nicht im Geringsten. Doch das Schlimmste an dieser Situation war das Lied, was gerade im Radio lief. "Holiday" von Madonna. Er saß hier in dieser tropischen Hölle fest, sein Auto hatte sich seit zwanzig Minuten nicht von der Stelle gerührt und diese Frau besang Ferien. Er musste zwangsweise an eine wunderbare Abkühlung im himmelblauen Meer denken. Oder an eine kleine Strandbar, die Drinks mit kleinen Pappschirmchen servierte - oder kaum bekleidete einheimische Mädchen, die sich um ihn scharten und erotisch tanzten. Oder eine kaum bekleidete Scully, die für ihn tanzte. Er musste aufhören, sich solche Vorstellungen zu machen. Ihm wurde immer heißer zu Mute. Gott, hatte er etwa schon einen Hitzeschlag?
Selbst wenn, für Mulder stand fest, dass er es keinen Tag länger in Washington DC aushalten konnte. Absolut unmöglich. Er überlegte, wann er das letzte Mal freiwillig einen Urlaub genommen hatte. Wohl kaum in der Zeit, in der er sich den X-Akten gewidmet hatte. Skinners Gesicht wollte er sehen, wenn er einen Urlaubsantrag für sich auf seinem Schreibtisch vorfinden würde. Also, der Entschluss war gefasst, jetzt war definitiv ein Urlaub angesagt. Und wenn er schon einmal entspannen wollte, dann richtig. Er würde sich ein Zimmer in einem Fünf-Sterne-Hotel irgendwo in Europa buchen, für mindestens drei Wochen. Dies war genau die Gelegenheit, um etwas von dem geerbten Geld seines Vaters unter die Leute zu bringen. Wozu sonst sollte der dieses ganze Vermögen benutzen? Statussymbole wie Häuser, Autos und kostbarer Schmuck, zumindest für sich selbst, waren nicht sein Ding. Viel hatte er von dem Geerbten noch nicht angerührt. Er hatte sich einige neue und teure Markenanzüge und Schuhe gekauft, ebenso eine neue Stereoanlage. Doch diese Ausgaben waren nur ein Bruchteil seines Vermögens. Bis auf das Sommerhaus seiner Familie hatte er alle Immobilien seines Vaters liquide gemacht, und dies dann mit dem restlichen geerbten Geld gewinnbringend angelegt. Es war mal an der Zeit, das Leben einfach zu genießen und endlich nur für sich und zum Spaß Geld auszugeben. Gott, es würde ein herrlicher Urlaub werden. Er würde den ganzen Tag faul am Strand liegen, sich bräunen lassen, die Nächte wie früher auf die Piste gehen, Frauen aufreißen...
Frauen aufreißen? Woher kam denn dieser Gedanke? Er wollte keine Frauen aufreißen. Gott, er musste wirklich krank sein. Oder unglaublich verliebt. Ja, er war bis über beide Ohren in seine wunderschöne und intelligente Partnerin verliebt. In Dana! Und genau das war sein Problem. Sie war seine Partnerin. Seine Arbeitskollegin, seine beste Freundin, seine Seelenverwandte. Sie bedeutete alles für ihn. Er würde für sie töten. Auch wenn er sie immer mit einem so unpersönlich wirkenden "Scully" ansprach, doch in Gedanken war sie nur Dana für ihn. Nur in mit Gefühlen oder Angst geladenen Zeiten benutzte er ihren Vornamen. Wenn es nach ihm gehen würde, dann würde er es immer tun, aber er fürchtete, dass sie dann seine wahren Gefühle entlarven würde. Aber seine Liebe war unerwidert. Klar, Dana Scully liebte ihn, aber nicht wie eine Frau einen Mann liebt, sondern wie eine Schwester ihren Bruder liebt. Er war sich dessen bewusst, dass er ihr niemals seine Gefühle gestehen konnte, denn er konnte mit der jetzigen Situation leben - allerdings niemals mit einer Abweisung ihrerseits. Er war mit allem froh, was sie bereit war, ihm zu geben. Er würde alles dankbar ergreifen und nicht nachfragen - so lange sie nur da sein würde, in seinem Leben.
Plötzlich erschien ihm der Gedanke an Urlaub doch nicht mehr so verlockend. Er könnte es nicht ertragen, auch nur einige Tage getrennt von Dana Scully zu sein, geschweige denn von drei Wochen. Also würde er doch hier bleiben, in der stickigen Hitze der Großstadt. Es sei denn...
Ja, er würde Dana Scully zu einem Urlaub einladen. Er wusste, dass ihr letzter entspannender Urlaub, fern ab von allen X-Akten und Mutanten, auch schon Ewigkeiten zurück lag. Und ihm war auch klar, dass Dana noch immer etwas zu blass um die Nase herum war. Sie hatte sich nach ihrer schweren Krankheit noch nicht richtig erholt. Es würde ihr gut tun, nur einfach mal zu relaxen. Und es gab im gesamten Universum keinen anderen Menschen, mit dem er nicht lieber seinen Urlaub verbringen würde. Wahrscheinlich musste er mit all seinen Überredungskünsten aufwarten, um Dana Scully, "Miss Sturkopf", zu so etwas zu überreden, aber er würde nichts unversucht lassen. Dana würde selber niemals einen so teueren Urlaub planen, aber er fand, dass sie allen Luxus dieser Welt verdient hatte. Und wenn er sie nicht lieben, sie aber zeitweilig mit einem Urlaub glücklich machen konnte, dann würde er genau das tun.
Was er jetzt noch brauchte, war ein ausgeklügelter Schlachtplan. Einen, der Dana keine Ausbruchsmöglichkeit bieten würde. Er musste schlicht und einfach perfekt sein. Er konnte nicht so einfach zu ihr gehen, ihr die Tickets unter die Nase halten und ein flottes, "Ich hoffe du hast genügend Sonnencreme und einen Bikini", säuseln. Oder doch? Genau, das war die Idee. Wenn er zwei nicht stornierbare Flugtickets besorgen würde, dann würde ihr keine andere Wahl bleiben, als ihn zu begleiten. Auch wenn sie sich nicht gerne von ihm beschenken lassen oder sogar später das Geld zurückzahlen würde, so war er sich doch sicher, dass Dana nicht zulassen würde, dass das schon bezahlte Ticket ungenutzt bleiben würde. Der Plan war einfach, genial und Erfolg versprechend. Also, ab ins nächste Reisebüro!
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Wenige Stunden später stolzierte Fox Mulder durch die Tür seines Kellerbüros im J.E.H. Building. Wie nicht anders zu erwarten, war seine Jahre lange Partnerin noch zu dieser späten Stunde am Arbeiten. Das musste aufhören, sie beide hatten sich eine Pause mehr als verdient. Grinsend trat er auf Dana Scully zu, wedelte mit einigen Papieren, die sie nur als bunte kleine Blätter identifizieren konnte, vor ihr her und meinte:
"Hey, Scully, schau dir das mal an, da werden wir ab nächste Woche Urlaub machen."
Scully sah ihn nur verständnislos an, und verdrehte ihre Augen. Klar, er hatte auch nicht damit gerechnet, dass sie gleich "Ja und Amen" sagen würde. Also präsentierte er ihr die Prospekte eines exklusiven Fünf-Sterne-Hotels an der französischen Côte d’Azur in St. Tropez. Jetzt komplett verwirrt starrte ihn seine Partnerin aus ihren wunderschönen blauen Augen an. "Was bitte soll das heißen?", wollte sie etwas unwirsch wissen.
"Das soll heißen, dass du am Donnerstag abend deine Koffer für drei Wochen Urlaub in Europa packen, dich dann am Freitag morgen von mir abholen lassen und einfach nur mal entspannen wirst, mit mir", gab Fox Mulder übermütig und ausgelassen zurück.
"Urlaub, mit dir, in Europa?" Scully schüttelte nur ihren Kopf.
Warum war er über ihre Reaktion nicht verwundert? Aber er hatte seinen Trumpf ja noch nicht ausgespielt. Mit einem Siegeslächeln zog er mehrere Flugtickets aus seiner Jackentasche und grinste provozierend.
"Nun, dann ist es nur schade um die Tickets... Du musst wissen, da es sich um einen so kurzfristigen Flug handelt, sind sie leider nicht stornierbar. Entweder wir fliegen und genießen den Urlaub, oder aber wir fliegen nicht, und diese Tickets werden fliegen, und zwar in den Mülleimer!" Er hoffte, dass Dana darauf eingehen würde.
"Du willst mir weismachen, dass du diese Flüge bereits gebucht und bezahlt hast? Mulder, hast du eine Bank überfallen?"
"Ja und nein. Die Flüge sind gebucht, zwei Hotelzimmer reserviert und die Sonnencreme bereits eingekauft. Was das Finanzielle angeht, da muss du wissen... nun... Scully, ich bin nicht unvermögend, und es würde mir eine große Freude machen, dich zu diesem Urlaub einladen zu dürfen."
"Aber Mulder, eine Europareise... Wir können uns so etwas mit dem Gehalt eines Special Agents bei Weitem nicht leisten."
"Nun, vielleicht nicht als Special Agent, aber als Alleinerbe? Komm schon, Scully, ich möchte wirklich gerne diesen Urlaub machen, aber alleine? Du kennst doch meinen Hang zu Chaos, stell dir doch nur mal vor, ich treffe dort auf europäische Vampire, und keiner ist da, der mich aus der Scheiße ziehen kann. Kannst du das verantworten? Zudem gibt es niemand anderen, den ich lieber dazu einladen würde."
"Du meinst es wirklich ernst?" Sie schien es immer noch nicht glauben zu können.
"Hätte ich sonst schon die Tickets gekauft?"
"Du hast also gleich damit gerechnet, dass ich zustimmen werde?"
"Nun, um ehrlich zu sein, ja."
"Und du willst wirklich mit mir dahin fliegen? Ich meine, du findest bestimmt einen dankbaren Abnehmer. Warum ich?"
"Du machst es mir aber auch schwer... Okay, kurz und gut: Ja, ich will mit dir nach St. Tropez fliegen. Nein, ich will niemand anderen fragen, und das, weil du meine Partnerin, beste Freundin und die einzige Person, der ich vertraue und mein Leben anvertrauen würde, bist. Reicht das als Erklärung?"
"Ja", war Scullys jetzt etwas kleinlaute Antwort.
"Und was ist jetzt, kommst du mit?"
"Gut, aber nur, weil ich nicht will, dass du dieses Geld umsonst ausgegeben hast, und ich werde es dir wieder zurück zahlen, irgendwann." Sie sah ihn noch immer etwas unschlüssig an.
"Scully, hat man dir denn nicht beigebracht, dass man, wenn man was geschenkt bekommt, einfach nur danke sagt?", witzelte Mulder. Er wollte sich seine Erleichterung und Freude nicht anmerken lassen.
"Dann, danke Mulder", flüsterte sie.
"Na bitte, ist doch ganz einfach." Mulder war sichtlich stolz auf sich.
"Aber gibt uns Skinner denn beiden zur selben Zeit Urlaub?" Es schien fast schon so, als würde sie nach einem Ausweg suchen.
"Null Problemo, schon alles geregelt, Skinmans Worte waren: <Endlich mal ein Jahr, in dem ich Sie beide nicht zum Urlaub zwingen muss. Sehen Sie nur zu, dass Scully auch wirklich Urlaub macht, und nicht Ihren albernen Hirngespinsten hinterher rennen muss. Guten Flug, Agent Mulder.>"
Scully musste bei Mulders verzogenem Gesicht und seiner verstellten Stimme leise lachen.
"Du hast aber auch gar nichts dem Zufall überlassen, wie mir scheint!"
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Fox Mulder drückte eine Weile auf den Klingelknopf, ehe Scully ihm öffnete.
"Komm rein, Mulder, ich bin gleich soweit."
Er betrat Scullys Wohnung und sah sich neugierig um. Sicher, er war schon viele Male hier gewesen, er kannte so ziemlich jeden Quadratzentimeter dieses Apartments. Nun gut, vielleicht gab es doch einige Fleckchen, die ihm bisher verschlossen geblieben waren, aber was nicht war, konnte vielleicht noch werden. Genau wie Dana, fügte er in Gedanken hinzu. Er hoffte, dass er durch diesen Urlaub weitere Einblicke in das Leben der wirklichen Dana, der Frau und nicht der FBI-Agentin und Pathologin, gewinnen würde. Doch nun sah es hier ziemlich chaotisch aus. Das war er von der sonst so ordentlichen Scully gar nicht gewöhnt. Hatte sie etwa verschlafen? Einem Wirbelwind gleich rauschte Dana aufgebracht an ihm vorbei. Sie murmelte etwas von "Ich hätte schwören können, er ist hier" und eilte ins Bad. "Ähm, Scully, kann ich dir irgendwie helfen?"
"Eigentlich wollte ich gestern abend packen, aber als ich meiner Mutter von meinem Urlaub erzählt hatte, bestand sie darauf, dass ich wenigstens vorher noch einmal bei ihr essen würde. Und gestern Abend ist es etwas später geworden. Als ich hundemüde heimkam, hatte ich, um ehrlich zu sein, absolut keine Lust mehr, zu packen. Schließlich habe ich schon eine gewisse Routine darin, aber wie ich gerade merke, ist es weitaus komplizierter, für einen Urlaub als für eine Dienstreise zu packen." Damit war sie schon wieder im Schlafzimmer verschwunden.
"Hetz dich nicht zu sehr, wir haben noch genug Zeit. Ich bin extra etwas früher gekommen, weil ich dich eigentlich zum Frühstück einladen wollte. Aber wir können auch genauso gut im Flugzeug etwas essen." Sein Blick fiel auf ihren offenen und halb gepackten Koffer auf der Couch. Mulder erkannte darin einige kurze Hosen und Sommerröcke, er brannte darauf, sie in einem solchen zu sehen, farbliche passende Trägertops und kurze T-Shirts - warum trug sie diese nicht auf der Arbeit? - ihre Kosmetikartikel, die sie gerade unachtsam dazu geworfen hatte, drei kurze, niedliche Sommerschlafanzüge, am unteren Ende erspähte er ihre Unterwäsche.
"Soll ich dir sagen, was dir noch alles fehlt?", wollte er ihr helfen.
"Hast du durch meinen Koffer geschnüffelt?", tadelte sie ihn spielerisch.
"Ist nur ein Angebot."
"Schon gut. Dann schieß mal los."
"Also, was hältst du von einer Sonnenbrille? Schuhe wären nicht schlecht, ein oder zwei Pullis, falls es kälter wird, ein Fotoapparat, die eine oder andere Jeans, das bezaubernde blaue Sommerkleid, das du neulich in deiner Freizeit anhattest, Badesachen... was zum Lesen für den Strand wäre auch nicht übel, ich glaube, meine Bücher werden dich nicht sonderlich interessieren. Sonnencreme brauchst du nicht, ich habe mehr als genug davon."
"Was würde ich nur tun, wenn ich dich nicht hätte?", verdrehte Scully die Augen, begann dann aber rasch, die von Mulder genannten Artikel und einige weitere zusammen zu suchen und diese in ihrem Koffer zu verstauen. Mulder konnte nur staunen, wie ordentlich sie das trotz ihrer Hektik schaffte. Er erhaschte einen kurzen Blick auf einen azurblauen kleinen Bikini, bevor dieser unter einigen Strandtüchern verschwand. Sein Mund wurde trocken und er schluckte schwer. Wie sollte er diesen Urlaub nur überleben? Nachdem Scully letztendlich auch ihre drei Paar Schuhe eingepackt und ihren Koffer mit einiger Mühe verschlossen hatte, griff sie nach ihrer Handtasche, durchsuchte die darin befindlichen Utensilien nach Brauchbarkeit und stand wenig später neben Mulder, der ihren Koffer trug, vor ihrem Apartmentkomplex. Ein letzter Blick auf das Gebäude, während Mulder versuchte, ihren Koffer in seinem Auto zu verstauen, dann fuhren sie schleunigst zum Flughafen.
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Einige Zeit später parkte Mulder seinen Wagen auf der Langzeit-Parker-Ebene. Wenn er schon einen so kostspieligen Urlaub geplant hatte, dann sollten die Parkgebühren sein kleinstes Problem sein, zudem war es ihm sowieso egal. Ganz gentlemanlike trug er nicht nur seinen, sondern auch Danas Koffer. Diese hatte zuerst protestiert, doch er hatte sie nur grinsend angesehen und ein "Widerstand ist zwecklos!" geraunt. Ohne auf ihre Reaktion zu warten, trabte er dem Shuttle-Service entgegen. Er ergatterte für sie beide einen Sitzplatz und hantierte umständlich mit den Koffern herum. Dana Scully ließ sich neben ihn auf den Sitz fallen. Sie sah heute morgen einfach unglaublich bezaubernd aus. Sie trug eine figurbetonende dunkelblaue Jeans und ein graues, ebenso enges T-Shirt. Um ihre Hüften hatte sie eine passende dünne Strickjacke gebunden. Anstatt ihrer sonst immer so hohen Pumps trug sie praktische Turnschuhe. Er musste sich mal wieder darüber wundern, wie klein ihre Füße eigentlich waren. Ihre Sonnenbrille hatte sie sich in ihren Haaren zurück geschoben. Er fand dieses sportliche Outfit sehr vorteilhaft für seine zierliche Partnerin, sie sah einfach süß darin aus. Doch viel weiter kam er mit seinen Gedanken nicht, da sie am Flughafengebäude angekommen waren. Schnell packte er die Koffer und zog Scully hinter sich her, in Richtung Terminal 2. Glücklicherweise ging das Einchecken erstaunlich rasch von Statten, und so saß er wenig später mit Dana Scully in der VIP-Lounge, um auf ihren Aufruf zu warten. Wenn er schon einen so langen Flug in Kauf nehmen musste, dann wollte er zumindest komfortabel reisen. Und da Geld ja für ihn keine Rolle mehr spielte, wollte er sich den Luxus gönnen, einmal in seinem Leben Erste Klasse zu fliegen. Nun, und er wollte Dana Scully beeindrucken. Und sie hatte nicht schlecht gestaunt. In ihrer typischen Scully-Manier hatte sie ihre Augenbraue gehoben und zur Sicherheit ihr Ticket aus der Tasche geholt, um sich zu vergewissern, dass Mulder tatsächlich so teuer reisen wollte.
Als sie endlich das Flugzeug besteigen durften und die Agenten ihre Plätze gezeigt bekamen, seufzte Mulder erleichtert auf.
"Endlich, ich hasse es, nur herumzusitzen und zu warten."
"Ach ja, und ein Stunden langer Flug fällt nicht unter diese Kategorie? Ich kann es immer noch nicht fassen, das wir hier wirklich Erste Klasse fliegen. Du hast mich wirklich überrascht, und das schon zum zweiten Mal in dieser Woche."
"Ich bin halt immer für eine Überraschung gut", grinste Mulder sie verschmitzt an.
"Das kann ich allerdings nur bestätigen, muss ich mir weitere Sorgen machen?"
"Scully, was denkst du nur von mir? – Nein, sag es mir lieber nicht... Also, was wollen wir uns denn jetzt mal genehmigen? So ein nettes Glas Sekt zum Urlaubsbeginn, was ist, Partner?"
"Mir wäre ein Frühstück lieber, auf leeren Magen ist Alkohol nicht das Wahre."
"Und da hatte ich gehofft, ich würde dich betrunken machen können... Aber du hast Recht, Frühstück ist jetzt an der Reihe." Damit wandte er sich einer der freundlichen Stewardessen zu und bestellte für Scully und sich ein ausgewogenes Frühstück. Und kurz nach dem Start wurde beiden ein köstliches Mahl serviert. Mulder fühlte sich im Himmel - nun, genaugenommen war er da gerade, aber was konnte schöner sein, als hier mit seiner Partnerin, und der Frau die er liebte, nach Europa zu fliegen, mit einem wunderbaren Urlaub in Aussicht? Keine Arbeit, keine Mutanten oder Aliens, einfach nur Dana und er, am Strand, relaxt... und vielleicht, ganz vielleicht, würde er auch endlich genug Mut aufbringen, um ihr seine wahren Gefühle zu gestehen. Er blickte kurz zu ihr herüber. Sie bekämpfte gerade ein Stück Rührei mit ihrer Gabel. Ihre Stirn hatte sich in angestrengte Falten verzogen, sie schien kurz davor zu stehen, das Rührei mit samt dem Tablett durch das Abteil zu schleudern. Mulder lächelte bei dem Anblick, ergriff seine Gabel, fischte ein Stück Rührei von ihren Teller und hielt es ihr vor den Mund. Er wusste nur allzu gut, dass sie nicht sehr gerne flog und sichtlich nervös war. Erstaunt blickte sie in Mulders haselnussbraune Augen, dabei entging ihr sein fast schon zärtlicher Blick nicht. Doch er ließ sich nicht von seinem Vorhaben abbringen, sondern drückte ihr die Gabel sanft an den Mund. Scully wollte gerade protestieren, und diese Gelegenheit nutzte Mulder, um ihr das Rührei in den Mund zu stecken. Um sich nicht zu verschlucken zerkaute sie das Essen und schluckte es hinunter. Sie sah Mulder auffordernd an.
"Was bitte sollte denn das? Bist du der Ansicht, ich wäre nicht in der Lage, mein Frühstück alleine zu mir zu nehmen?" Und schon wieder hob sie ihre Augenbraue auf für Mulder unglaublich anmutige Art und Weise.
"Das würde ich mir niemals herausnehmen. Ich weiß aber, wie sehr du Flüge verabscheust. Und da du einen kleinen Kampf mit deinem Essen hattest, da habe ich mir gedacht, dass ich dir einfach helfen könnte." Er sah sie mit seinem hoffentlich unwiderstehlichen Dackelblick an. Nicht umsonst hatte er ihn früher vor dem Spiegel perfektioniert.
"Du willst mir helfen, indem du mich fütterst?" Sie wirkte überrascht.
"Nun, das erschien mir die richtige Entscheidung zu sein, ja. Und jetzt solltest du weiter essen, damit nicht alles kalt wird. Oder willst du, dass ich dich weiter füttere?"
Leicht ihrem Kopf schüttelnd widmete sie ihre Aufmerksamkeit wieder dem Frühstück.
Mulder tat es ihr gleich und verputzte sein Schinken-Käse-Baguette in Rekordzeit.
Dana Scully wurde plötzlich unsanft aus ihren Träumen gerissen. Noch etwas benommen nahm sie eine ihr nur allzu gut bekannte Stimme wahr.
"Hey Scully, wach auf! Du musst dich anschnallen, wir beginnen gleich mit der Landung." Mulder blickte mit einem entschuldigenden Blick auf sie hinab.
"Hast du gut geschlafen?"
"Wie? O ja, danke." Mit eifrigen Fingern zerrte sie an ihrem Gurt herum, dann hatte sie es endlich geschafft und lehnte sich wieder in ihren Sitz zurück. Ihr Blick glitt zur Scheibe. Da draußen waren bereits Häuser zu sehen, zwar noch in Miniaturgröße, aber das würde sich nun schnell ändern. Mulder blickte etwas verträumt auf seine Partnerin. Sie hatte ziemlich lange geschlafen, ihre Nacht war wohl wirklich ganz schön kurz gewesen. Nun ja, jetzt blickte sie mit wachen Augen zum Fenster hinaus.
Da begann das Flugzeug plötzlich, sich nach vorne zu neigen. Für Scully schien das ein Zeichen zu sein, sich an den Armlehnen festzukrallen. Mulder warf ihr einen mitleidigen Blick zu und versuchte, sie zu beruhigen:
"Hey Scully, du weißt doch, dass so etwas bei einer Landung passiert. Wir sind doch schon so oft geflogen. Entspann dich."
Mit diesen Worten ergriff er ihre Hand und strich beruhigend darüber. Am liebsten hätte er sie in den Arm genommen und wie ein kleines Kind gewiegt, aber das hier war Scully. Bevor sie das erlauben würde, würde sie ihn eher erwürgen. Also behielt er diesen Gedanken lieber für sich und redete während der Landung leise auf sie ein.
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Endlich standen die Beiden ziemlich erschöpft von dem langen Flug an der Gepäckausgabe und warteten geduldig mit all den anderen Reisenden auf ihre Koffer. Einige Male hatte Mulder die Befürchtung, Scully würde im Stehen einschlafen, doch sie hielt sich tapfer wach und unterdrückte ein Gähnen. Sie sah so niedlich aus, wie sie da stand, mit ihren müden Augen und den zerknitterten Klamotten. Nach scheinbar unendlich langer Zeit erspähte Mulder ihre Gepäckstücke. Suchend begab er sich mit Scully im Schlepptau zu den Ausgängen, um ihren Shuttlebus, der sie zu ihrem Hotel bringen sollte, zu finden. Nach einer halbstündigen Fahrt standen sie in einer klimatisierten Rezeption, Mulder kramte nach seinen Papieren und checkte sie beide schließlich ein. Alles, was er jetzt noch wollte, waren mindestens sieben Stunden ununterbrochener Schlaf und er war sich sicher, dass es Dana genauso ging. Nachdem alle Formalitäten erledigt, ihre Hotelzimmer bezogen, die Koffer ausgepackt und einige letzte Worte ausgetauscht waren, verzogen sie sich auf ihre Zimmer, um ihren wohlverdienten Schlaf zu bekommen.
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Frisch ausgeruht klopfte Fox Mulder vorsichtig an die Zwischentür, die seinen und Danas Raum voneinander trennte. Hoffentlich war sie schon wach. Diese Hoffnung bestätigte sich durch ein "Ja?" ihrerseits. Er öffnete die Tür einen Spalt und steckte seinen Kopf hinein.
"Hey, du bist ja schon wach. Sind die Wasserbetten nicht genial? Schade, dass meines kaputt ist, aber wenn ich das hier so sehe, ich glaube ich besorg mir ein neues. Was hältst du von einer kleinen Erkundungstour?", wollte er wissen.
"Du hattest ein Wasserbett? Nun, die Details möchte ich lieber nicht wissen. Aber eine Erkundungstour ist eine gute Idee. Dann gib mir eine Viertelstunde Zeit, um mich umzuziehen. Ich komme dich dann abholen." Sie drehte sich weg und für ihn war das ein Zeichen, die Tür wieder zu schließen und ihr etwas Privatsphäre zu geben.
Sogar einige Minuten früher als versprochen betrat Dana sein Zimmer. Er sah erstaunt auf.
"Was, eine Frau ist früher fertig als sie sagt? Ich bin verwirrt!", scherzte Mulder.
"Dann reiß dich aus deiner Verwunderung und bring deinen Hintern in Bewegung!", forderte sie ihn auf und verließ den Raum. Mulder betrachtete Dana ausgiebig. Sie hatte niedliche beige Shorts und ein dunkelgrünes Trägershirt an. Dazu trug sie Sandalen. Erstaunt stellte Mulder fest, dass sie ihre Zehnägel lackiert hatte. Er konnte sich an ihr nicht satt sehen. Auch er hatte sich für Shorts entschieden, kombiniert mit einem hellen Hemd. Dann war er barfuß in seine neuen und modernen Turnschuhe geschlüpft.
Eilig folgte Mulder seiner Partnerin. Zusammen erkundeten sie zuerst die Hotelanlage. Beide waren hellauf begeistert. Direkt hinter der riesigen Rezeptionshalle befand ich ein nicht weniger imposantes Restaurant. Mulder, der zuerst einmal anfing den Speiseplan zu inspizieren, konnte gar nicht glauben, was für ein riesengroßes Angebot es gab. Und jeden Abend gab es ein gigantisches Buffet.
"Also hier kann man sich wirklich verwöhnen lassen!", stellte Mulder glücklich fest.
Auch Scully war nicht minder erfreut. Doch ihre Neugierde über das restliche Anwesen siegte, und sie zog den noch immer glückseligen Mulder hinter sich her. Gemeinsam schlenderten sie weiter und stellten ihre Erkundungen an. Sie fanden im Gebäude eine große Sauna, die direkt an einen Whirlpool angrenzte, eine gemütliche Sommerterrasse, eine kleine Cocktailbar, einen gut ausgestatteten Shop mit allen möglichen Verbrauchsutensilien, eine Leseecke mit großen, dick gepolsterten Ledersesseln, ein Fitnesstudio, das Mulders Herz höher schlagen ließ, ein Internetcafe und sogar einen kleinen Kinosaal.
Direkt hinter der Terrasse erstreckte sich ein perfekt ausgestatteter Swimmingpool mit einer großen Liegewiese und jeder Menge Sonnenstühle, die zwischen Palmen platziert waren. Mitten im Pool war ebenfalls eine kleine Cocktailbar mit einem Strohdach. Vor dem Tresen waren kleine Hocker im Wasser angebracht. Mulder strahlte wie ein kleines Kind. Doch die abenteuerlustige Scully zog ihn bereits wieder hinter sich her. Sie betraten die Außensportanlage. Es gab einen Tennisplatz, eine großzügig angelegte Golfwiese, einen kleinen Minigolfparkur und auch einige Tischtennisplatten. Und natürlich durfte kein Platz für das Nationalspiel, Boul, fehlen. Ihre weitere Erkundung führte sie hinunter zum Strand. Die beiden Freunde zogen schnell ihre Schuhe aus und genossen das Gefühl, wie sich der feine Sand zwischen ihre nackten Zehen grub. Laut vor Freude juchzend und glücklich wie zwei kleine Kinder liefen sie hinunter zum Meer und tauchten vorsichtig zuerst ihre Zehen ins Wasser. Schnell standen sie knietief in den Fluten. Langsam schlenderten sie weiter und entdeckten eine kleine Strandbar, einen Tretbootverleih, eine hoteleigene Surf- und Tauchschule und einige Wasserjets. - Dies hier war das reinste Paradies.
Er konnte es nicht fassen, dass er tatsächlich hier war, und das mit Scully, seiner Dana. Am liebsten hätte er ihre Hand in die seine genommen, doch das wäre wohl zu offensichtlich gewesen. Nach einer endlosen Zeit kehrten die Beiden zum Hotel zurück. Das Buffet würde jetzt bald eröffnet werden, und zuvor wollten sie sich noch schnell umziehen.
Das Essen war phantastisch. Wenn er alles heute Abend essen würde, was es gab, dann würde er wahrscheinlich platzen. Aber er hatte ja drei Wochen Zeit, um all diese kulinarischen Genüsse zu probieren. Aber der Fischteller, den er sich zusammengestellt hatte, war einfach nur köstlich gewesen. Er hatte sich zweimal einen Nachschlag besorgt. Als er ein weiteres Mal an die Tafel treten wollte, bemerkte er Scullys warnenden Blick. Schnell sank er zurück auf seinen Stuhl. Dana hatte sich am Salatbuffet bedient. Sie hatte noch immer einen riesigen Teller vor sich, der nicht leer zu werden schien. Heute Abend trug sie ein elegantes schwarzes und knielanges Sommerkleid mit kurzen Ärmeln, dazu Sandalen mit etwas höheren Absätzen.
Mulder wünschte, er hätte einen Fotoapparat zur Hand, um diesen Moment - und natürlich Dana - zu verewentlichen.
"Nun, Mulder, wie sieht deine weitere Planung für heute Abend und für morgen aus?", erkundigte sich seine Partnerin.
"Viel hatte ich, um ehrlich zu sein, heute nicht mehr vor. Ich wollte kurz ins Internetcafe, um den Jungs ’ne Mail zu schicken und ihnen ein bisschen die Nase lang zu machen, so unter guten Freunden..."
" Du bist so gut zu deinen Freunden, hoffentlich ergeht es mir irgendwann nicht auch so!", lachte Dana und schob sich eine weitere Gabel des köstlichen Salats in den Mund.
"Niemals, Scully", tat Mulder sehr unschuldig.
"Aber das mit der Mail ist eine gute Idee. Ich wollte mich sowieso kurz bei meiner Mutter melden, das musste ich versprechen."
"Deine Mutter hat Internet?", fragte Mulder interessiert.
"Seit kurzem, jetzt ist es sehr schwer, sie überhaupt vom PC wegzubekommen. Ich bin jedes Mal erneut erstaunt. Sie hat einige neue Mailbekanntschaften gemacht, ist auf einigen Mailinglists vertreten und macht auch hin und wieder einige Chaträume unsicher", erklärte Dana grinsend.
"Cool, dann werde ich ihr auch gleich mal ’ne Mail schreiben. Komm schon, ab an den PC."
"Darf ich vielleicht noch in Ruhe aufessen? Mulder, wir haben Urlaub, Ferien, wir sind hier zum Entspannen, die Mails laufen uns nicht weg."
"Sorry." Mulder sah sie mit Unschuldsmiene an.
"Was den morgigen Tag angeht, da wollte ich eigentlich schön ausschlafen, dann gut frühstücken, anschließend zum Strand gehen, etwas schwimmen, mich bräunen lassen, all die Sachen, die Touristen halt immer tun." Mulders Blick wurde leicht verträumt. Er hatte einen Urlaub wirklich mehr als nötig gehabt.
"Hört sich klasse an. Abends können wir ja mal nach St. Tropez fahren. Eine Freundin war vor einigen Jahren dort und war sehr begeistert von der Stadt", schlug Scully vor.
"Klar, das werden wir machen", stimmte Mulder ihr übereifrig zu.
Nachdem Scully ihr Abendessen beendet hatte, machten sich die Beiden daran, ihre Emails zu schreiben. Mulder zog die Lone Gunmen auf, schickte Maggie Scully eine kurze Nachricht und auch Skinner wurde nicht vergessen. Er schrieb von dem himmlischen Hotel, dem Stand und dem wunderbar klaren Mittelmeer, als wolle er beweisen, dass er tatsächlich Urlaub machte. Scully musste lachen, als sie seine Nachrichten, kurz bevor er sie abschickte, überflog. Sein Angebot, auch noch einige Zeilen einzufügen, lehnte sie lieber ab. Sie selbst unterrichtete ihre Mutter kurz, dass sie beide gut angekommen waren und wie traumhaft schön die Côte d’Azur war.
Nachdem sie noch einen Drink auf der Terrasse genossen hatten, zogen sie sich müde von dem anstrengenden Tag in ihre Zimmer zurück. Kurze Zeit später hielten beide Einzug ins Reich der Träume.
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Sein Versprechen wahr machend, drehte sich Mulder noch einmal genüsslich auf die andere Seite. So viel und vor allen so gut hatte er seit Ewigkeiten nicht mehr geschlafen. Er sah auf seine Armbanduhr. Es war bereits 09:30 Uhr, das nannte er Ausschlafen, zumindest für seine Verhältnisse. Er war noch nicht einmal mitten in der Nacht aufgewacht, gar nichts, er hatte geschlummert wie ein kleines Baby. Warum war er nicht früher auf die Idee gekommen, endlich einmal Urlaub zu machen? Mit einer Sturmfrisur und jeder Menge Schlaf in den Augen trottete er ins Bad um sich durch eine angenehm kühle Dusche zu beleben. In der Tat fühlte er sich danach wesentlich frischer und wacher. Schnell schlüpfte er in seine neue schwarze Badehose, da seine alte auf ihn für unerklärliche Weise verschwunden war, zog sich dann ein helles T-Shirt und Shorts darüber. In Windeseile hatte er ein großes Handtuch, Sonnencreme, einige France und ein Buch in seinen Rucksack geworfen.
Ob Dana schon wach war? Den Weckservice hatte sie, wie auch er, nicht in Anspruch genommen. Aber eigentlich war sie sowieso keine Langschläferin. Ihm ging es ähnlich, er meinte dann immer, er könne was verpassen, wenn er bis zum Mittag in den Federn lag und faulenzte. Aber jetzt, in seinem Urlaub, war der Gedanke an Ausschlafen gar nicht mehr so abwegig. Sollte er es riskieren und einfach einmal bei ihr klopfen? Mehr als ihn sauer wieder raus schmeißen konnte sie ja schließlich nicht, sie hatte ja ihre Dienstwaffe nicht dabei, um ernsthafte Verletzungen damit zu verursachen - obwohl ihre Karatekünste nicht zu unterschätzen waren. Alle Risiken abwägend beschloss Mulder ihren Zorn in Kauf zu nehmen und klopfte beherzt an die Verbindungstür, auf die er trotz des Urlaubes nicht verzichten wollte. Ein hellwaches "Ja, Mulder!" beruhigte sein anfänglich schlechtes Gewissen sofort. Dana war in der Tat schon wach. Sie stand vor einer großen Strandtasche und durchforstete ihr Gepäck nach brauchbaren Sachen für den Strand. Sie trug ein kurzes, geblümtes Sommerkleid, hatte sich die Sonnenbrille bereits in die Haare gesteckt und ließ gerade einen dicken Roman in der Tasche verschwinden. Dann glitt ihr Blick über Mulder, als wolle sie prüfen, ob auch er strandfertig war. Gemeinsam verließen sie ihre Zimmer, um sich ein französisches Frühstück mit frischen Croissants und Milchkaffee zu gönnen, um ein wenig Sonne zu tanken und endlich im herrlich blauen Meer zu schwimmen.
Die beiden Freunde breiteten ihre Strandlaken auf einem freien Fleckchen nicht weit vom Wasser entfernt aus und fingen an, sich bis auf ihre Badesachen auszuziehen. Zu Mulders Enttäuschung trug Scully nicht den beim Packen erspähten Bikini, sondern einen grünen, perfekt sitzenden Badeanzug. Irritiert suchte er den Blick seiner Partnerin. Diese zuckte nur grinsend mit den Schultern und meinte trocken: "Ich werde in den ersten Tagen eh schon einen Sonnenbrand bekommen, da wollte ich vorerst so wenig Angriffsfläche wie möglich geben." Als wäre das ihr Stickwort gewesen, hielt sie Mulder eine Flasche Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 20 vor die Nase und legte sich vor ihm auf den Bauch. Mulder sah zuerst etwas ratlos auf die blaue Flasche, tat dann aber doch seine Pflicht. Trotzdem konnte er sich einen Kommentar nicht so ganz verkneifen. "Sag mal, wenn du eh ’nen Sonnenbrand bekommst, wäre es dann nicht praktischer, du würdest dich von Anfang an ganz rösten lassen, als nach einer Woche noch einmal von vorne anzufangen?" Da Dana ihn den Rücken zugewandt hatte, konnte er ihren Gesichtsausdruck nicht sehen. Aber da sie anscheinend nicht sauer war, fuhr er mit seiner Arbeit fort und hatte Scullys Rücken, ihre Schultern und Oberarme schnell eingecremt. Gott, ihre Haut war so weich und sanft. Er könnte den ganzen Tag damit verbringen, die Creme in ihre zarte Haut einzumasieren. Verträumt beobachtete er eine rote Strähne ihres Haares, die sich aus dem kleinen Zopf, den sie trug, gelöst hatte. Der Wind ließ sie wild um Danas Kopf fliegen. So sah sie einfach unglaublich bezaubernd aus.
"Fertig?", wollte Dana wissen und richtete sich etwas auf, um ihm einen fragenden Blick zuzuwerfen. Mulder nickte nur stumm und legte die Creme in Scullys wartende Hand. Daraufhin fing diese an, den Rest ihres Körpers sorgfältig einzucremen. Mulder hätte das gerne für sie übernommen, doch er wollte sein Glück heute nicht überstrapazieren. Er begnügte sich mit der Rolle des stillen Beobachters. Als Dana zufrieden war, ließ sie sich einfach nach hinten fallen, schloss die Augen und atmete tief ein. Mulder tat es ihr gleich. Er konnte den Salzgeruch vom Meer in der Luft wahr nehmen, den Duft der Sonnencreme und einen Hauch von blühenden Blumen, die die weiter oben gelegene Düne umsäumten. Entspannt legte sich auch Mulder zurück. So könnte er den ganzen Tag verbringen, einfach nur faul am Strand liegen, das Meer rauschen hören, neben ihm seine wunderschöne Partnerin, was brachte ein Mann mehr?
Nachdem die Beiden sich ausgiebig von allen Seiten von der Sonne braten gelassen hatten, packte Mulder die perplexe Dana an der Hand und rannte los in Richtung Meer. Schreiend stürzte er sich in die herrlich erfrischenden Fluten und planschte ausgelassen herum. Dana stand noch etwas unschlüssig da, ihre kleinen Füße bereits vom Wasser umflutet, und lachte leise über Mulders Übermut. "Komm schon, Scully, das ist wirklich wunderbar", forderte er seine Freundin auf und spritze etwas Wasser in ihre Richtung. "Oder muss ich erst wieder raus kommen?", drohte er grinsend. Sich geschlagen gebend, ging Dana vorsichtig und langsam zu ihm. Für Mulder unerwartet machte sie einen Hechtsprung in seine Richtung und tunkte ihn unter. Nach Atem ringend erkämpfte er sich einen Weg an die Oberfläche, nur um wenige Sekunden später an den Füßen wieder nach unten gezogen zu werden. Wie um Himmels willen war es ihr gelungen, so schnell zu tauchen und ihn mitzuziehen? Als er prustend wieder auftauchte, sah er einer fast schon teuflisch anzusehenden Scully in die Augen. "Warst du in deinem Vorleben etwa eine Meerjungfrau?", fragte er, während er sich wie ein Hund schüttelte. "Nicht, das ich wüsste. Aber ich liebe das Wasser, das Meer... es erinnert mich immer an Ahab." Ihre Stimme nahm einen melancholischen Klang an. Mulder, der unter keine Umständen die tolle Stimmung ruinieren wollte, sprang nach vorne, tauchte ab und riss Dana kurz entschlossen mit sich. Wild miteinander ringend, waren alle trüben Gedanken im Nu vergessen. Nach einer halben Ewigkeit bemerkte Mulder, dass Danas Zähne langsam anfingen, leise zu klappern, und ihre Lippen hatten einen leichten Blauton angenommen. Erst jetzt bemerkte er, wie lange sie doch hier herumgetobt waren.
"Wer als Letztes am Handtuch ist, gibt gleich ein Eis aus!", rief er überschwänglich und stürmte schon durch das für ihn brusthohe Wasser. Obwohl er sich durch seinen Frühstart einen kleinen, wenn auch unfairen Vorteil geschaffen hatte, holte Dana ihn mit einigen unglaublich schnellen Kraulzügen ein. Er konnte nur staunen, wie schnittig sie durch das Meer glitt. Anders wie bei ihm, spritzte sie nicht einen Tropfen, sondern glitt fischartig dem Ufer entgegen. Mulder riss sich aus seiner Bewunderung, um nicht noch schlechter abzuschneiden, als er es eh schon tun würde. Als er sich japsend auf sein Handtuch fallen ließ, lag Dana bereits entspannt auf dem Bauch und ließ die Sonne ihren nassen Körper trocknen.
"Ich fürchte, ich werde mich gleich zur Strandbar aufmachen müssen. Was soll ich denn mitbringen? Ich bezweifle, dass es hier Tofueis gibt."
"Ich hätte gerne ein Wassereis!", erstaunte sie ihn ein weiteres Mal.
"Ein Wassereis?", kam seine etwas ungläubige Frage.
"Ja, als Kinder haben wir die immer am Strand gegessen. Meistens waren wir danach immer so klebrig, dass uns Mum dann kopfschüttelnd ins Wasser zum Waschen geschickt hat. Ich habe seit Ewigkeiten keines mehr gegessen", erklärte sie ihm ihre Wahl.
Mulder betrachtete seine Partnerin eingehend. Man, er hatte schon geglaubt, dass sie einfach nur zum Anbeißen in dem Badeanzug aussah, aber jetzt, mit den leicht gelockten, nassen Haaren und den Wassertropfen, die ihren Körper bedeckten und langsam von der Sonne getrocknet wurden, nur um eine feine Salzschicht zurückzulassen, und den schon etwas rötlich wirkenden Wangen war sie so unglaublich schön. Er musste sich zwingen, seinen Blick von ihr abzuwenden, einiges Kleingeld aus seiner Tasche zu kramen und zum Eisstand zu gehen.
Schnell sprintete Mulder barfuss durch den heißen Sand, um mit seiner Beute auf das rettende Strandhandtuch zu gelangen. Grinsend warf er ein Calipo-Cola-Eis seiner wartenden Partnerin zu und gemeinsam versuchten sie, gegen das all zu schnell schmelzende Wassereis anzukämpfen. Nachdem das Eis aufgegessen war und nur noch einige klebrige Spritzer auf Mulders und Scullys Haut zurückgelassen hatte, war es an der Zeit, sich im Meer zu säubern.
"Gott, ich hätte nie gedacht, dass Eis so eine Sauerei machen kann", beschwerte sich Mulder.
"Das war der Grund, warum Mum uns diese Art von Eis immer nur am Strand oder im Schwimmbad erlaubt hatte. Komm schon, G-Man, ab ins kühle Nass!" Mit diesen Worten sprang Dana auf und raste in die hohen Wellen, dicht gefolgt von Mulder.
Nach einer guten Stunde, in der sie ein ganzes Stück rausgeschwommen waren und später am Ufer nach schönen Muscheln getaucht hatten, lagen beide wieder erschöpft aber zufrieden auf ihren Handtüchern und dösten unter der wohltuenden Sonne.
Das Erste, was Mulder nach seinem kleinen Nickerchen wahrnahm, war das angenehm warme Gefühl auf seinem nackten Rücken, während in seinen Ohren das Rauschen der Brandung widerklang. Ausgeruht und relaxt drehte er sich um und blinzelte leicht, als ihm die Sonne direkt ins Gesicht strahlte. Blind tastete er nach seiner Tasche und durchsuchte den Inhalt nach seiner Sonnenbrille. Dann wanderte sein Blick zu seiner noch schlafenden Partnerin hinüber und blieb auf ihrem Rücken hängen - ihrem extrem geröteten Rücken! Blitzschnell krabbelte er zu ihr und brachte ein aufgeregtes: "Wach auf Scully!" hervor. Er vermied es, an ihrer Schulter zu rütteln, da dies für Dana wahrscheinlich äußerst schmerzhaft sein würde. Sie drehte ihren Kopf in seine Richtung und blickte ihn aus kleinen und müden Augen fragend an. "Mhm, was ist denn? Ich habe Urlaub!" Damit war für sie die Sache erledigt, und sie ließ sich wieder auf ihr Handtuch fallen. "Hey, nicht weiterschlafen, oder willst du gleich ein Spiegelei auf deinem Rücken braten? Komm schon, Redskin!"
"Was? Mist, wie lange haben wir geschlafen?" Noch während diese Worte ihre Lippen verließen, starrte sie mit wachsendem Entsetzten auf ihre Armbanduhr. "Nein, wir haben über drei Stunden geschlafen. Wie schlimm ist es, Mulder?"
Daraufhin drehte sie sich weg, um ihm den Rücken zur weiteren Inspektion zuzuwenden. Behutsam strich Mulder über die rote Haut, nur um einen kurzen Schmerzensschrei von Scully heraufzubeschwören. "Nicht so grob, das tut weh!", fauchte ihn Scully unwirsch an.
"Hey, ich habe doch nur ganz sanft darüber gestrichen." Nach diesen Worten drehte sie sich zu ihrer Tasche, um sich ein T-Shirt herauszuholen. Trotz des Versuches, ihre schon genug gereizte Haut nicht weiter zu strapazieren, konnte sie ein leises Stöhnen nicht unterdrücken. Mulder war es glücklicherweise besser ergangen. Er verspürte keinerlei Spannung am Rücken oder den Schultern, und wieder einmal war er für seinen dunklen Teint dankbar. Aber Scully konnte sich weniger glücklich schätzen. Und obwohl sie einen Sonnenbrand vorhergesagt hatte, hatte er nicht mit dieser Intensität gerechnet. Klar, eine so helle Haut, wie Dana sie hatte, war definitiv sehr sonnenempfindlich, aber dass sie sich gleich am ersten Tag so verbrennen musste, tat Mulder sehr leid. Sichtlich betrübt begann er, sein großes Strandhandtuch auszuschütteln, um es dann mehr oder weniger sorgsam in seiner Tasche zu verstauen. Auch Dana hatte ihrer Sachen wieder zusammengepackt und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zurück zum Hotel. "Geh schon mal hoch, ich bin gleich da." Mulder schob Scully in den Fahrstuhl und eilte in Richtung Rezeption.
"Entschuldigung, können Sie mir bitte sagen, was man am Besten gegen Sonnenbrand tun kann?", erkundigte er sich höflich bei der jungen Blondine, die ihn freundlich ansah. "Sie sehen gar nicht so aus, als hätten sie sich verbrannt." Ihr prüfender Blick glitt seinen Körper rauf und runter. Sie schenkte ihm ein anerkennendes, aber gleichzeitig auch fragendes Lächeln.
"Nein, um mich geht es da auch nicht", erklärte er schnell.
"Nun, ich kann Ihnen ein altes Hausmittel empfehlen, es ist zwar nicht herkömmlich, aber es wirkt. Lassen Sie sich von der Küche ein Päckchen Quark geben und machen sie damit kühlende Umschläge." Damit deutete sie auf einen langen Gang zu ihrer linken Seite. Irritiert folgte Mulder ihrer Richtungsanweisung.
Mit dem in der Hotelküche erschnorrten Quark betrat Mulder das Zimmer seiner sonnenverbrannten Partnerin durch die Verbindungstür. Außer dem leisen Rauschen der Dusche herrschte Stille.
"Scully, hier kommt die Rettung!", machte er mit einem triumphalen Unterton auf sich aufmerksam. Aber erst nach weiteren Minuten stellte sich das Rauschen des Wassers ein und Dana erschien mit einer erhobenen Augenbraue und einem fragenden Blick wieder in ihrem Zimmer. Mulder versuchte ihre nassen und gewellten Haare und den Bademantel, der das einzige war, was sie trug, so gut es ging zu ignorieren und schwenkte ihr die erbeutete Packung Quark siegesgewiss vor der Nase herum.
"Und die Rettung besteht in Quark, verstehe ich das richtig?", erkundigte sie sich ungläubig und kämpfte mit dem immer größer werdenden Schlitz ihres Bademantels, der auch dem zusehend nervöser werdenden Mulder nicht entging. Mit seiner Antwort wollte er sich bestmöglich retten.
"Scully, ich bin sehr enttäuscht von dir als Ärztin. Du müsstest doch wissen, dass der Quark die gereizte und gerötete Haut angenehm kühlen wird." Mulder protzte schamlos mit seinem eben erst gewonnen Wissen vor seiner Partnerin.
"Mulder, das ist eine Schweinerei! Und warum weißt ausgerechnet du so etwas? Deine Haut ist dauerbraun", erkundigte sich eine neugierig werdende Scully.
"Um ehrlich zu sein, haben wir diesen Tipp einer der Damen an der Rezeption zu verdanken. Ich bin zwar genial, aber gewiss kein Hausmann, um solche Kniffe zu kennen. Und es ist bestimmt nicht so eklig, wie es sich anhört. Wir werden ein großes Handtuch auf das Bett legen, das sollte den Schaden begrenzen" , schlug Mulder vor.
"Ich weiß nicht, Mulder..." Dana klang ganz und gar nicht begeistert, als sie fragend die Packung Quark in ihrer rechten Hand studierte.
"Ich würde mal sagen, Schmerzen hast du eh, wenn es nicht hilft, kühlt es wenigstens eine Zeit lang, und wenn doch, dann um so besser, findest du nicht auch?"
Sein Vorhaben schien für ihn schon beschlossene Sache zu sein, denn kaum hatte er zu Ende gesprochen, da stürmte er schon ins Bad, um ein geeignetes Handtuch zu suchen, und es auf dem Bett auszubreiten. Auffordernd sah er seine Partnerin mit einem spitzbübigen Grinsen an. Doch diese ging zuerst an ihren Schrank, kramte kurz und beförderte einige Kleidungsstücke heraus, um damit ebenfalls im Bad zu verschwinden. Erst jetzt kapierte Mulder, dass sie ja anscheinend nichts unter ihrem Satinbademantel trug und sich schnell etwas anziehen wollte. Seine Gedanken bestätigend, trat Dana einige Sekunden später wieder ins Zimmer. Sie trug eine dunkelblaue kurze Jeans und ein sonnengelbes Trägershirt. Noch immer etwas unentschlossen wanderte ihr Blick vom Bett zu Mulder und dann zu der auf dem am Nachttisch wartenden Quarkpackung. Mulder schenkte ihr ein aufmunterndes Lächeln und resignierend ließ sie sich auf dem Bett nieder.
"Ähm, wenn du das T-Shirt in diesem Urlaub noch irgendwann einmal anziehen willst, dann wäre es besser, wenn du es vor dem Quark in Sicherheit bringen würdest", versuchte er seine Unsicherheit mit einem lahmen Witz zu kaschieren.
Er konnte ihr den inneren Kampf deutlich ansehen. Aber schließlich siegte ihr Sinn für Ordnung und Ordentlichkeit und die Aussicht auf Linderung schien auch ihren Teil dazu beizutragen, dass sich Scully mit einem flinken Handschlag das Shirt über den Kopf zog und neben das Bett legte. Dann kreuzte sie ihre Arme vor sich, um ihren Kopf darauf ruhen zu lassen. Nachdem sie in ihren Bewegungen innegehalten hatte, riss Mulder den Deckel der Packung ab und machte sich mit Eifer daran, mit seinen Händen den Quark herauszufischen. Wie ein kleiner Junge, der beim Teigkneten helfen darf, spielte Mulder begeistert mit der weißen Masse, die durch ihre dünne Struktur zwischen seinen Fingern wieder hervorquoll. Nachdem er seinen Spieltrieb befriedigt hatte, attackierte er den heißen Rücken seiner Freundin ohne weitere Vorwarnung. Danas erschrockener Schrei hallte in seinen Ohren wider und er verteilte die kühlende Masse enthusiastisch auf ihrem gesamten Rücken. Er bemerkte, dass Danas Augen langsam zufielen, und dass sich ihre angespannten Muskeln unter dem Quark und seinen Händen zusehends entspannten.
Amüsiert betrachtete er Danas nun nicht mehr roten, sondern weißen Rücken. Ihren nackten Rücken. Seine Augen glitten von ihren zierlichen Schulterblättern, über ihre Wirbelsäule zu ihrer schmalen Hüfte. Die engen Jeans lagen wie eine zweite Haut an ihrem Körper und sein Blick blieb anerkennend auf ihren traumhaft gerundeten Pobacken hängen, bevor er ihre kurzen, aber sportlich und für ihre kleine Gestalt perfekte Beine wohlwollend bestaunte. Ihre niedlichen Füße reizten ihn sehr, sie ausgiebig zu kitzeln, aber er fürchtete um das frisch aufgetragene Kühlungsmittel und verbannte diesen Gedanken in die hinterste Ecke seines Gehirns.
"Mhm, Scully, möchtest du trotz der Tatsache, dass du jetzt wie ein Indianer aussiehst, noch immer den Abend in die Stadt fahren? Wenn nicht, das ist natürlich gar kein Problem." Mit diesen Worten strich er eine feuchte Strähne ihrer wunderbar roten Haare hinters Ohr, kniete sich neben das Bett, um auf Augenhöhe mit Dana zu sein, und sah sie mit großen erwartungsvollen Augen an. Scully lachte leise und meinte dann, ganz zu seiner Erleichterung. "Nein, nein, wie du ja weißt, ein Indianer kennt keinen Schmerz, und außerdem will ich mir meinen Urlaub von diesem Sonnenbrand nicht verderben lassen. Zudem können wir ja fahren, wenn es dämmert. Und morgen werde ich wohl passen müssen. Zumindest was den Strand angeht." Doch auf für dieses Problem hatte Mulder bereits eine Lösung parat. "Der Pool ist an einigen Stellen beschattet, und mit einem T-Shirt über dem Badeanzug solltest du wohl ausreichent geschützt sein. Zumindest kannst du dich ab und an im Pool abkühlen." Fox blickte daraufhin auf seine Uhr und vereinbarte mit seiner Partnerin, dass diese jetzt für einige Zeit etwas lesen wollte, wohl eine der wenigen Aktivitäten, die man in ihrer jetzigen Lage ohne eine allzu große Sauerei machen konnte, und sie sich dann gegen halb acht wieder hier treffen würden, um in der City etwas essen zu gehen. Zudem brannte Dana darauf, am Hafen entlang zu schlendern, die Yachten und Straßenkünstler zu bewundern und kleine Geschäfte zu durchstöbern. Sie waren beide froh darüber, dass in Frankreich in vielen größeren Küstenstädten die Läden beachtlich lange auf hatten, wenn auch nur zur Hauptsaison. In der Zwischenzeit wollte er erst einmal duschen, um seine Haut und die Haare vom Salzwasser zu befreien. Dann beschloss er, noch eine Erkundungstour durch das Hotel zu machen. Er wusste zwar noch nicht so ganz, worauf genau er jetzt Lust hatte, aber irgendwie musste er ja die Zeit ohne Dana Scullys Gesellschaft totschlagen.
Gelangweilt saß er nun vor einem der Computer im Internetcafe und surfte mehr oder minder interessiert durchs Net. Annähernd jede zweite Minute galt seine Aufmerksamkeit seiner Armbanduhr, die sich trotz seiner Ungeduld nicht schneller der Wunschuhrzeit nähern wollte. Angenervt blickte er sich in dem großzügig ausgestattetem Raum um und ordnete die anwesenden Touristen in verschiedene Kategorien ein. Es gab verliebte junge Paare, die sich wohl im Internet nach den In-Szene-Clubs hier umsahen, dann wiederum gab es auch Einzelpersonen, die hingebungsvoll seit einer halben Ewigkeit auf die Tastatur einhakten. Wahrscheinlich schrieben sie ellenlange Mails um die Zurückgebliebenen neidisch zu machen, oder es waren Leute, die ihren Liebsten, der nicht mit ihnen hierher gefahren war, mit ihrem Heimweh und Sehnsüchten nervten. Es gab sogar einige Senioren, die mit zurechtgerückten Lesebrillen begeistert die unendlichen Möglichkeiten der Moderne studierten. In den hinteren Ecken nahm er Gekicher und ausgiebiges Gelächter wahr. Dort saßen eine ganze Menge Teenies, die sich lautstark über ihre Erlebnisse austauschten und denen es anscheinend unmöglich war, selbst im Urlaub, einem Paradies aus Strand, Sonne und Meer, ihre Lieblingstechnologie zu vernachlässigen. Nachdem sich Mulder vergewissert hatte, dass nicht zwei Stunden, sondern tatsächlich nur zwei Minuten seit seiner letzten Uhrenkontrolle vergangen waren, spähte er in den Eingangsbereich, wo gerade ein Paar, etwa in seinem Alter, den Raum betrat. Suchend sah sich der hochgewachsenen schlanke Mann um, und steuerte dann mit seiner nicht sehr viel kleineren Freundin den leeren Platz direkt neben Mulder an. Dieser musterte die Neuankömmlinge aufmerksam. Er hatte flachsblondes, relativ kurzes Haar, trug ein helles Hemd und kurze Jeans, dazu Turnschuhe. Er wirkte sportlich und hatte einige kleine Grübchen im Gesicht, wenn er seine Freundin verliebt anlächelte. Die Frau hatte eine moderne Kurzhaarfrisur, die durch unzähligen Strähnchen nahezu bläulich schimmerte. Sie hatte ein enges weinrotes Sommerkleid und hockhackige Sandalen an. Beide waren unglaublich braun und trugen, soweit er es beurteilen konnte, entweder Verlobungs- oder Eheringe. Und sie flirteten und schmusten ausgiebig. Dann aber verlagerten sie ihre Aufmerksamkeit und eine brandheiße Diskussion über die Personen, denen sie schreiben mussten, entbrannte. Mulder erkannte in der Argumentation über Wichtig- und Nichtigkeit eine gewisse Parallele zu Scully und sich selbst. Bei diesem Gedanken musste er lächeln.
Als sich das Paar endlich geeinigt hatte, wurde es vor eine neue schwierige Aufgabe gestellt. Der Mann sah seine Frau etwas ratlos an und fragte sie: "Du weißt nicht zufällig, wie das mit dem E-Mail verschicken funktioniert, das hier ist ein total anderer Bildschirm als der daheim, wie komme ich denn dahin, Rachel?" Die einzige Antwort war ein Schulterzucken der dunkelhaarigen Frau. Mulder kicherte in sich hinein, als sich seine Nachbarn ratlos im Raum umsahen. Dann aber tippte ihm der blonde Mann entschuldigend auf die Schulter. "Können Sie mir vielleicht helfen? Wie haben Sie die Seite, auf der sie gerade sind, aufgerufen? AOL ist auch mein Provider, aber ich habe mein Account noch nie von einem anderen Rechner als meinen aufgerufen." Freudig half Mulder den beiden und kam mit der Zeit mit ihnen ins Gespräch. Rachel und Thomas kamen aus Kalifornien und betrieben gemeinsam eine Familiengaststätte. Dies hier war ihr erster Europaurlaub. Sie waren seit einem halben Jahr verlobt und wollten in drei Monaten vor den Traualtar treten. Mulder mochte Tom und Rachel auf Anhieb und erzählte ihnen, dass er in England studiert hatte und nun bei der Bundespolizei beschäftigt war. Stolz nahm er ihre anerkennenden Blicke wahr und beantwortete willig ihre neugierigen Fragen. Das Gespräch wurde immer intensiver, und schon bald wurde eine Freundschaft geschmiedet.
"Nun, Mulder, da wir ja alle noch eine Zeit hier bleiben werden, was hältst du denn von einem gemeinsamen Abendessen? Schließlich wollen wir ja noch deine Dana Scully kennenlernen", schlug Rachel schlussendlich vor.
"Nun, heute wollten wir eigentlich in die City fahren, um etwas zu bummeln. Aber was haltet ihr davon, wenn wir uns morgen Vormittag am Pool treffen?"
"Klasse, so gegen elf Uhr? Früher komme ich beim besten Willen nicht aus den Federn. Schließlich haben wir doch Urlaub", war Toms Idee.
"Klar, wir sehen uns dann morgen früh, ich muss mich jetzt langsam fertig machen. Es war nett, eure Bekanntschaft gemacht zu haben." Damit verabschiedete sich Fox Mulder von den Beiden und trat seinen Rückzug zum Hotelzimmer an. Er fand diese Bekanntschaft erstaunlich erfrischend. Sie hatten eine solche Achtung vor seinem Job im Bureau gezeigt, die ihm sonst nirgendwo entgegengebracht wurde. Keine dummen Witze über Spooky Mulder oder die X-Akten, nur ehrliches Interesse. Und er mochte Tom und Rachel wirklich. Sie waren angenehme Gesprächspartner, hatten Humor und waren außerordentlich sympathisch. Dieser Urlaub wurde von Tag zu Tag besser. Er musste Dana unbedingt von seinen neuen Freunden erzählen. Noch immer tief in Gedanken versunken, hatte er es endlich geschafft, sich für heute Abend fertig zu machen. Er zog ein graues, kurzärmiges Sommerhemd und eine verwaschene Bluejeans an. Sich noch einmal im Spiegel vergewissernd, dass er wirklich ordentlich aussah, suchte er nach seinem Geld und klopfte an die Zwischentür. Dana trat schon fix und fertig in sein Zimmer und ihr Erscheinungsbild ließ Mulder den Atem anhalten. Sie trug einen hellblauen Wickelrock mit weißen kleinen Blumen und ein weißes Top mit Spagettiträgern. Ihre Schuhe waren ebenfalls blau, hockhackig und zehenfrei. Erst jetzt bemerkte Mulder, dass sein Mund offen stand, und um seine Verlegenheit zu verbergen, schloss er diesen schnell wieder. "Wow, du siehst phantastisch aus, Scully!" Dieses Kompliment kam von ganzem Herzen. Dana lächelte ihn dankbar, wenn auch etwas verlegen an und gemeinsam machten sie sich auf den Weg zur Rezeption, um sich ein Taxi zu bestellen.
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Verträumt schlenderten Mulder und Scully durch die Hafenstadt. Sie hatten bereits den Hafen und die Anlagestelle hinter sich gelassen. Mulder hatte sich von einem Straßenkünstler dazu überreden lassen, ein Portrait von sich erstellen zu lassen, als Erinnerungsstück. Dana hatte diesen für sich hartnäckig abgewehrt und lachte sich halb über Mulders reichlich gekränkten Gesichtsausdruck tot, als sie bemerkten, dass dies kein Portrait sondern eine Karikatur des Agenten geworden war. Die Betonung lag unmittelbar auf der Bildmitte, Mulders Nase. Viele der vorbeigehenden Passanten bestaunten und belachten das Bild und den ratlosen Mulder. Dann hatte sie die Straße zu den anlegenden Luxusjachten geführt - auf einer gab es sogar einen Hubschrauberlandeplatz.
"Mhm, ich glaube ich werde mir hier eine Yacht anlegen und dann, zum Entspannen, alle paar Monate mal hier abtauchen. Mein Französisch ist zwar fast nicht bestehend, aber Übung macht den Meister, oder? Und zudem habe ich irgendwo einen Bericht gelesen, dass es hier irgendwo ein altes Spukschloss geben soll, ich glaube ich bin im Paradies!"
"Mulder, Mulder, die Sonne hat mir vielleicht den Rücken verbrannt, aber dir muss sie wohl das Gehirn versenkt haben. Komm weiter, siehst du das Café dort? Lass uns dort ein Eis essen."
"Solange ich mich nicht schon wieder mit einem Wassereis quälen muss. Ich glaube die Yachtbesitzer fänden es nicht so erquickend, wenn ich neben ihren Anlagestellen ins Wasser hüpfen würde", scherzte ein gut gelaunter Mulder.
Nachdem sie zwei riesengroße Eisbecher nahezu ohne Bekleckern vertilgt hatten, machten sie sich auf, um die kleinen Gässchen der bezaubernden Stadt zu erkunden. Hier und dort blieben sie vor Schaufenstern stehen und bestaunten die Auslagen. Mulder konnte ab und zu nicht widerstehen und schon bald hatte er mehrere Tüten in den Händen. Ein Lakritzstand hatte es ihm besonders angetan. Da stand Mulder zwischen einen Haufen eifriger Kinder und musste sich die Tüte bis zum Bersten füllen. Dana hatte sich währenddessen weitere Geschäfte angesehen und ein paar flache Sommerschuhe erstanden. Mulder schloss sich ihr mit einer gigantischen Tüte voller Leckereien und einem glücklichen Ausdruck auf dem schon sonnengebräunten Gesicht an.
"Da, sieh dir das an, diese Straße dahinten führt an einen kleinen Sandstrand, lass uns dort hin gehen", forderte Dana ihn auf, während sie schon eiligen Schrittes durch die enge Passage hinter einem Strandcafé trat. Es war eine kleine verträumte Bucht die von einigen Felsen umrahmt wurde. Mulder entdeckte unter den Felsen auf der linken Seite einen Weg aus Steinen bestehend, der halb im Meer lag, der um die Bucht zu einer anderen Gaststätte führte. Schnell wurden die Schuhe ausgezogen und in die Tüten gepackt und gemeinsam balancierten sie lachend und scherzend die Steine entlang. Bis auf einen kleinen Ausrutscher von Mulders Seite, der sich aber noch rechtzeitig wieder fangen konnte, und somit nur seine Hose nass wurde, kamen sie außer Atem auf der anderen Seite an.
Wenig später fanden sie einige Souveniergeschäfte mit zahlreichen Postkarten und schnell wurde beschlossen, dass sich zahlreiche Freunde und Verwandte über eine solche Aufmerksamkeit freuen würden. Scully wählte eher die traditionellen, mit bilderbuchartigen Motiven versehen Urlaubserinnerungen, Mulder hingegen spähte nach Kuriositäten. Ein Affe mit Sonnenbrille in einem Strandkorb hatte es ihm besonders angetan. Er konnte sich zwar noch nicht ganz festlegen, wer dieses Wunderwerk bekommen würde, aber der Kauf war schon beschlossene Sache. Des Weiteren erbeutete er ein Motiv mit drei undefinierbaren Hunden, die so viele Falten hatten, dass man nicht genau erkennen konnte, wo der eine aufhörte und der andere anfing. Als jeder seine Karten gefunden hatte und passende Briefmarken ausgesucht und bezahlt worden waren, machten sie sich wieder auf den Rückzug. In einem nahegelegenen Geschäft riefen sie sich ein Taxi, das sie wieder zurück ins Hotel brachte.
Dort angekommen wurde Scullys Bett beschlagnahmt, indem Mulder sämtliche Einkäufe darauf ausbreitete und verzweifelt nach einem Stift suchte, um endlich seine Karten zu schreiben.
"Die ganze Atmosphäre hier ist einfach faszinierend, es ist alles so frei, so ungezwungen, und die Menschen legen eine unglaubliche Freundlichkeit an den Tag. Dieses Land hat einen ganz eigenen Zauber", schwärmte die noch immer total begeisterte Scully.
"Dieser Urlaub ist bis jetzt ein Traum. Ich genieße es richtig. Ich genieße die Zeit mit dir, ohne immer nur an die Arbeit zu denken, einfach nur relaxen, vielen Dank, dass du mich begleitet hast."
"Hey, ich bin diejenige, die sich bedanken muss. Schließlich hast du mich eingeladen. Danke, Mulder, ich hätte niemals gedacht, dass es hier so bezaubernd sein könnte, ich liebe es."
"Das ist gerne geschehen, wie hätte ich das hier bitte schön alleine genießen können? Und jetzt komm, wir machen die anderen noch eifersüchtiger. Die Karte mit den Hunden ist doch perfekt für die Gunmen, oder?" Und damit war Mulder auf das beladene Bett gesprungen und verfasste eifrig individuelle und unverkennbare Urlaubsgrüße. Sie verbrachten noch eine Stunde lachend, und erst als Mulder Danas ausgiebiges Gähnen bemerkte, verabschiedete er sich und verschwand in seinem eigenen Zimmer.
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Nach einem köstlichen und ausgiebigen Frühstück machten sich Mulder und Scully auf zum Pool. Heute trug Dana zum Schutz vor weiterer Sonnenbestrahlung ein weißes T-Shirt über ihrem Badeanzug. Entspannt breiteten sie sich auf zwei Liegestühlen im Schatten aus und konnten einem angebotenen Cocktail beim besten Willen nicht widerstehen.
"Warum haben wir so etwas nicht schon viel früher getan?", wunderte sich Mulder.
"Was, Cocktails getrunken?"
"Das auch, aber einfach mal Urlaub gemacht, wie jeder andere Mensch auf der Welt."
"Seit wann sind wir normal?", warf Dana lachend ein.
Da konnte Fox nur zustimmen. "Wo du Recht hast, da hast du Recht."
Wenig später wurden beide von eifrigen Gerede aus einem Nickerchen gerissen.
"Mulder, toll dich zu sehen. Und das hier muss Dana sein." Perplex ergriff Dana die ihr dargebotenen Hände und lugte über ihre Sonnenbrille Mulder nach Erkenntnis suchend an.
"Rachel, Tom", rief dieser erfreut und schon waren die Vier in ein eifriges Gespräch vertieft. Mulder bemerkte erleichtert, dass sich Scully nicht genervt von den Beiden fühlte und ihnen wirkliche Sympathie entgegen zu bringen schien. Besonders Rachel und Dana verstanden sich auf Anhieb und bald hatten sie ihre männlichen Begleiter vergessen und waren im Pool verschwunden. Toms und Mulders Blicke waren auf die Frauen geheftet und Tom brachte schließlich ein "Hey, Dana ist wirklich süß, ihr seid ein tolles Paar", hervor. Verwirrt starrte Mulder in seine Richtung.
"Oh, also, wir sind gar nicht... ich meine... wir sind gar kein Paar." Jegliche Gehirnzellen, die zu einer ordentlichen Satzbildung beitrugen, schienen beschlossen zu haben, ihren Dienst einzustellen, so perplex war Fox über die Vermutung des anderen Mannes.
"Wirklich nicht? Ihr wirkt so, ich weiß nicht, als würdet ihr schon lange zusammen sein, und trotzdem knistert es vor Spannung zwischen euch, das kann ich jetzt aber gar nicht glauben."
Mulder wusste nicht so recht, was er darauf jetzt noch erwidern sollte. Er befürchtete, dass er es nur noch schlimmer machen würde, und er wollte auf gar keinen Fall, dass Tom sich darüber klar wurde, dass Mulder wirklich in Dana verliebt war. Doch Toms nächste Aussage bewies, dass dieser schon einen Schluss aus Mulders Auftreten gezogen hatte.
"Und warum seid ihr noch nicht zusammen, das sieht doch ein Blinder mit nem Krückstock, dass ihr beide verliebt seid. Worauf wartest du denn noch? Dass hier gleich ein Beachboy langspaziert und sie vor deinen Augen wegschnappt?"
"Ich kann nicht einfach zu ihr gehen und ihr sagen, dass ich sie liebe. Wir sind Arbeitskollegen, Partner um genau zu sein", versuchte sich Mulder aus der Affäre zu ziehen.
"Wow, sie ist auch FBI-Agentin? Aber du solltest es ihr wirklich sagen. So wie ich das sehe, beruhen diese Gefühle auf Gegenseitigkeit und du wärst ein Trottel, wenn du dir diese Frau durch die Lappen gehen lassen würdest. Wer weiß was morgen ist. Vielleicht seid ihr dann keine Partner mehr. Und dafür würdest du auf die Liebe und die Frau deines Herzens verzichten? Das hört sich gar nicht intelligent an", bohrte Tom entschlossen weiter. Sehnsuchtsvoll verfolgte Mulder Danas graziöse Schwimmzüge und wägte innerlich die Für und Wieder immer wieder ab.
"Ich kann dir nur sagen, dass Rachel die Frau meines Lebens ist, und wenn dir Dana auch nur annähernd so viel bedeutet, wie Rachel mir, dann solltest du keine Zeit mehr verlieren!", beteuerte Tom dem noch immer unentschlossenen Mulder.
"Du hast gar keine Ahnung, was sie mir bedeutet. Aber es ist nicht so einfach", druckste Mulder herum und wurde langsam unruhig auf seiner Liege.
"Wo, wenn nicht an einem Ort wie diesem, sollte ein Liebesgeständnis perfekter sein?" Mit einer ausschweifenden Geste deute er auf den Strand und das Meer.
Tom bearbeitete den sich immer noch sträubenden Mulder eine gute halbe Stunde, bis die Frauen wieder zu ihnen zurückkehrten. Sie beschlossen, sich heute Abend zu treffen, um der Veranstaltung, die hier von den Animateuren durchgeführt wurde, beizuwohnen.
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Umhüllt von einer Wolke aus wohlriechendem After Shave verschloss Fox Mulder sorgsam die Tür und schlenderte durch den Flur zum Nachbarzimmer. Verspielt trommelte er ein Lied als Klopfzeichen, wartete aber keine Antwort ab, sondern schlüpfte direkt in den Raum. Von seiner Partnerin war noch nichts zu sehen. Irritiert vergewisserte er sich, dass es tatsächlich die richtige Uhrzeit war. Blieb nur noch die Frage, warum die sonst so überpünktliche Dana Scully noch nicht fertig war. Doch bevor er weithergeholte Hypothesen aufstellen konnte, öffnete sich die Badezimmertür und der Raum füllte sich mit einem sommerlichen und blumigen Duft. Dem selben Duft, den sie seit dem Beginn ihres Urlaubs benutzt hatte, und der beängstigender Weise wie eine Art Aphrotisiakun auf ihn zu wirken begann. Doch nicht nur ihr Parfum nahm ihm den Atem. Dana hörte einfach nicht mehr auf ihn zu erstaunen. Ihr Körper war in einen Hauch von Nichts umhüllt. Ein smaragdgrünes dünnes Sommerkleid. Ihre Haare waren wohl luftgetrocknet, denn sie wellten sich leicht und wirkten etwas wilder als sonst. Erst jetzt entdeckte Mulder die nun sichtbaren und niedlich wirkenden Sommersprossen, die die Sonne auf ihr Gesicht und die Schultern gezaubert hatte. Er lächelte seiner Partnerin anerkennend zu und wartete geduldig, bis sie ihre Handtasche geholt und ebenfalls ihre Tür abgeschlossen hatte. Er freute sich unwahrscheinlich auf den heutigen Abend. Nicht nur, dass er seine neugewonnenen Freunde wiedersehen und einen weiteren Tag mit Dana verbringen würde, nein, er hatte sich fest vorgenommen, seine tief im Inneren gefestigten Gefühle nach Außen zu tragen und endlich den Versuch zu wagen, sein Glück zu ergreifen und es auch festzuhalten. Heute Abend würde er definitiv Farbe bekennen, denn er hatte sich überzeugen lassen, dass eine Zurückweisung weniger grausam als die Ungewissheit sein würde. Damit könnte er wohl besser umgehen als mit den nagenden Zweifeln, die seinem Selbstwertgefühl zur Zeit nicht sonderlich gut taten. Er musste wissen, woran er bei Dana Scully war. Er würde ihr vor allen Anwesenden seine Liebe gestehen. Heute Abend war Showtime. Er hoffte nur, dass sie ihn nicht umbringen würde, doch er wollte durch ein Geständnis in Form eines Liedes ein Zeichen setzen, seine Gefühle ins rechte Licht rücken und das auf eine innovative und spektakuläre Art und Weise. Und so würde er auch ein ‚Nein’ besser wegstecken können. Er hätte so die Möglichkeit, ihre Abneigung in einen Mantel aus gekränkter Eitelkeit und schrägem Humor zu verbergen, so würde sie nicht merken, wie sehr er auch nur unter der Vorstellung einer Zurückweisung leiden würde. Und selbst eine Blamage würde er in Kauf nehmen, aus einem ihm unerklärlichen Grund rechnete er sogar damit. Tom hatte ihm diese Idee förmlich ins Gehirn gebrannt, und er fürchtete, dass eine alltägliche Liebeserklärung seiner Dana nicht angemessen war. Er wollte sie erstaunen und überwältigen. Ein solches Vorhaben würde er niemals wagen, wenn nicht der Hauch einer Chance bestehen würde. Und darauf spekulierte er.
Ihre Ankunft in einem großen hellen und bunt geschmückten Raum holte Mulder ins Hier und Jetzt zurück. Erstaunt stellte er fest, dass es kein kleiner und verrauchter Saal war, eher eine für Veranstaltungen und Animationen vorgesehene Halle, deren Decke aus Glas war und es den Teilnehmern ermöglichte, einem Blick in den Sternenhimmel zu werfen. Ganz vorne befand sich eine relativ große Bühne, auf der bereits eine Karaokemaschine und unzählige Mikrophone standen. Es waren schon viele Urlaubsgäste anwesend und eine Welle aus fröhlicher Unterhaltung schwappte über die beiden Agenten. Suchend spähte Fox nach Tom und Rachel, doch bevor er den gesamten Raum überfliegen konnte, wurde sein Arm ergriffen und er eher unsanft auf einen Stuhl gedrückt. Scully, die ihm folgte und ebenfalls sehr überrascht über dieses Manöver war, konnte sich nicht rechtzeitig abfangen, und ehe sie sich versah, landete sie verdutzt auf Mulders Schoß. Ein brummendes Lachen von Toms und ein leises Gekicher von Rachels Seite löste die Erstarrung der Agenten, und mit rotem Gesicht und peinlich berührt sammelte sich Dana und flüchtete sich auf den letzten freien Stuhl am Tisch. Mulder hingegen hatte noch immer einen verklärten Gesichtsausdruck und schien Scullys Flucht noch gar nicht mitbekommen zu haben, zu sehr genoss er das Gefühl von Dana auf seinem Schoß. Erst Toms Frage nach Getränken ließ ihn aus seiner Phantasiewelt wieder aufschrecken. Da er sich sehr viel für heute vorgenommen hatte, hielt er den Gedanken an Alkohol zur Beruhigung der Nerven und um sich etwas Mut anzutrinken für gar nicht so schlecht und bestellte sich eine Karaffe französischen Rotweins. Eigentlich war ihm mehr nach einem kühlen Bier zu Mute, aber in Scullys Augen wäre das wohl ein Stilbruch gewesen, und er wollte es sich nicht mit ihr verscherzen, noch bevor er seinen ersten Schachzug gesetzt hatte. Seine drei Begleiter taten es ihm gleich und nach einigen Minuten nippten alle hingebungsvoll an ihren Rebensaft. Mulder musste zugeben, dass dieses Getränk ein Bier um Klassen übertraf und erstaunt stellte er fest, dass ihm der Wein durchaus schmeckte. Kurz darauf verstrickten sich Dana und Rachel in ein reges Gespräch über Sachen, die Mulder als "Frauendinge" bezeichnete. Doch diese unbekümmerte und freudige Seite an Dana Scully gefiel ihm ganz besonders, also genoss er grinsend den beinahe verspielten Klang ihrer Stimme. Erst als die beiden Frauen sich entschuldigten und gemeinsam in Richtung Damentoiletten aus seinem Sichtfeld entschwanden, richtete Tom seine gesamte Aufmerksamkeit auf Mulder und dessen Vorhaben.
"So, mein Freund, was machen die Nerven?", neckte er den sichtlich nervösen Mulder.
"Welche Nerven?" Mulders Stimme klang beinahe panisch.
"Hey, cool down! Das wird schon klappen. Du wirst sehen, Dana wird begeistert sein und du wirst heute den Abschied deines Singledaseins feiern."
"Wenn ich nur so zuversichtlich sein könnte, wie du es anscheinend bist", zweifelte Mulder noch immer.
"Hör auf mit der Schwarzmalerei und bestell uns lieber noch was zu Trinken, der Wein ist wirklich exzellent."
Froh darüber, das Thema fallen lassen zu können, machte Fox sich auf die Suche nach dem Kellner, um neue Getränke zu holen. Als er das geliehene Tablett durch den Raum balancierte, waren die Frauen bereits wieder zurückgekehrt und Dana erkundigte sich begeistert über eine andere Reise, die das Paar vor einigen Jahren nach Ägypten gemacht hatte. Die Getränke wurden stumm nickend angenommen und Mulder wurde von Minute zu Minute mulmiger zumute. Wenn dieser Abend nur schon vorbei sein könnte. Wenn er seinen Auftritt schon hinter sich hätte und Dana jetzt wirklich schon seine wahren Gefühle kennen würde. Aber der Karaokeabend hatte noch nicht einmal begonnen. Nervös trommelte er mit seinen Fingern auf den Tisch herum.
"Mulder, was soll das? Du erscheinst mir beinahe nervös... Nein... sag jetzt bitte nicht, dass du wirklich etwas singen willst, kein Elvis, bitte nicht."
Mulder konnte nicht entscheiden, ob da ein belustigter oder ein entsetzter Tonfall mitschwang. Er beschloss, nicht gekränkt zu sein und antwortete nur mit einem geheimnisvollen: "Nein, Scully, kein Elvis!"
Als Tom laut glucksend loslachte, trat ihm Mulder energisch gegen das Schienbein, um ihn zum Schweigen zu bringen. Glücklicherweise ließ seine Partnerin das Thema wieder fallen und Mulders Pulsschlag normalisierte sich, zumindest den Umständen entsprechend. Doch dies war nur die Ruhe vor dem Sturm, denn ganz zum Entzücken des Publikums betraten ein Mann und eine junge Frau die Bühne. Sie entsprachen völlig dem gängigen Bild von Animateuren: sonnengebräunte Haut, durchtrainierte Figuren, ein strahlendes Lächeln auf dem Gesicht und natürlich trugen beide Club-Shirts. Zuerst sprach der schwarzhaarige Mann eine Zeit lang in seiner Landessprache und erntete dafür tosenden Beifall. Dann stellte sich die Blondine ans Mikrophon und erkläre mit einem französischen Akzent in englischer Sprache den Verlauf des Abends. Sie machte auf die Mappe aller verfügbaren Lieder und eine Liste, in die sich die Interessierten bitte eintragen sollten, aufmerksam. Doch irgendwie rauschten diese Worte an Mulder einfach vorbei, zu groß war seine Aufregung, die Angst zu versagen und das Lampenfieber. Mit Adleraugen verfolgte Mulder die herumgereichte Mappe und wippte nervös auf seinem Stuhl herum. Ab und zu warf er Rachel einen ungeduldigen Blick zu. Diese packte eine verdutzte Scully am Arm, als sich die Liste ihrem Tisch näherte, und zog ihre neue Freundin unter einem falschen Vorwand aus dem Saal. Dann steckten auch schon Fox und Thomas ihre Köpfe über dem erhaltenen Schriftstück zusammen und wägten einige geeignete Lieder ab. Und dann fand Mulder laut aufheulend DAS perfekte Lied. Die um ihn herumsitzenden Leute fingen teilweise leise an zu kichern, eine ältere Dame warf ihm einen irritierten Blick zu und einige schüttelten nur genervt die Köpfe. Mulder war das aber völlig egal. Begeistert trug er seinen Namen und den Titel des Songs ein und reichte die Liste mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht weiter. Gerade als sich die Jugendlichen am Nachbartisch darüber hermachten, kamen Rachel und Dana zurück. In guter Stimmung genossen sie die ersten Auftritte. Es gab viel zu bestaunen, von ganz ambitionierten und hervorragenden Sängern über kichernde Teenager bis hin zu Leuten, die wohl mit ihren Stimmen Einbrecher vertreiben konnten. Aber die Gäste amüsierten sich so gut, dass "Dabeisein ist alles" zum Motto des Abends wurde. Als der Animateur den Akt mit der Nummer 18 ankündigte schluckte Mulder schwer während ein dicker großer Mann die Bretter, die die Welt bedeuteten, betrat und lautstark und schief "Yellow Submarine" zum Besten gab. Fox konnte sich nicht entscheiden, ob die hohe Piepsstimme oder der grausame deutsche Akzent die Krönung des Auftrittes waren. Diese Lacheinlage lenkte ihn von seinem bevorstehenden Auftritt etwas ab, doch kam er nicht umhin, Dana ab und zu einen verstohlenen Blick zuzuwerfen. Sie sah so wunderschön aus. Ihr Augenmerk lag gebannt auf Werner, dem "singenden Beatle", und er erkannte sogar die eine oder andere Lachträne, die sie sich mit Schalk in den Augen wieder wegwischte. Mulder wollte sie immer so glücklich sehen. Mit leuchtenden Augen und kleinen Lachfältchen um den Mund wirkte sie um Jahre jünger. Sie war so unbefangen und froh. Wenn er sie doch täglich so zum Lachen bringen könnte. Die Stimme der Animateurin holte ihn in die Realität zurück und mit wachsender Aufregung vernahm er seinen Namen. Scully sah neugierig zu ihm und mit einem hoffentlich neutralen Geschichtsausdruck bahnte er sich seinen Weg zur Bühne frei. Aus dem Augenwinkel bemerkte er noch eine von Tom für ihn aufmunternde Geste und trat beherzt ins sprichwörtliche Scheinwerferlicht. Gebannt lauscht er der einsetzenden Musik und blickte kurz auf den Monitor, der ihm den Text und den Einsatz vorgab. Nicht, dass er das Lied nicht in und auswendig kannte, aber er wollte nichts dem Zufall überlassen, dafür stand heute einfach zu viel auf dem Spiel. Am Anfang klang seine Stimme noch rau, doch bevor er zum Refrain kam, war er ganz in seiner Darbietung aufgegangen.
I'm sleeping
And right in the middle of a good dream
Then all at once I wake up
From something that keeps knocking at my brain
Before I go insane
I hold my pillow to my head
And spring up in my bed
Screaming out the words I dread ....
I think I love you!
I think I love you!
This morning, I woke up with this feeling
I didn't know how to deal with
And so I just decided to myself
I'd hide it to myself
And never talk about it
And did not go and shout it
When you walked into the room .....
I think I love you!
I think I love you!
Ängstlich suchten seine Augen Danas, und mit ganzem Herzen und in völliger Hingabe schmetterte er drauflos:
I think I love you
So what am I so afraid of?
I'm afraid that I'm not sure of
A love there is no cure for
I think I love you
Isn't that what life is made of?
Though it worries me to say
I've never felt this way
Er bemerkte das Erstaunen und auch einen Hauch von Ungläubigkeit in ihren Gesicht und beschloss, sein Statement noch deutlicher zum Ausdruck zu bringen, indem er bei der zweiten Strophe mit großen, weitreichenden Sprüngen über die Bühne und in Scullys Richtung eilte.
Believe me
You really don't have to worry
I only want to make you happy
And if you say
Hey, go away, I will
But I think better still
I'd better stay around and love you
Do you think I have a case?
Let me ask you to your face
Do you think you love me?
I think I love you
So what am I so afraid of?
I'm afraid that I'm not sure of
A love there is no cure for
I think I love you
Isn't that what life is made of?
Though it worries me to say
I've never felt this way
I don't know what I'm up against
I don't know what it's all about
I've go so much to think about
Hey! I think I love you!
So what am I so afraid of?
I'm afraid that I'm not sure of
A love there is no cure for
I think I love you
Isn't that what life is made of?
Though it worries me to say
I've never felt this way
Das begeisterte Gelächter der anderen Gäste nahm er in seiner Trance gar nicht wahr. Es gab nur Dana, ihre Augen, dieses Lied und ihn. Er musste noch näher zu ihr. Er musste unmittelbar vor ihr stehen.
I think I love you!
So what am I so afraid of?
I'm afraid that I'm not sure of
A love there is no cure for
I think I love you
Isn't that what life is made of?
Though it worries me to say
I've never felt this way
Entschlossen nahm er etwas Anlauf, um ganz wie Patrick Swayze in Dirty Dancing von der Bühne zu springen. Doch er war nicht Patrick Swayze, sondern Fox Mulder, und so verfingen sich seine Füße mit dem am Rand liegenden Kabeln und setzten seinem Sprung ein jähes Ende. Kopfüber und ungebremst rast er dem ersten Tisch entgegen. Er vernahm ein lautes Klirren und Bersten von Holz, und dann herrschte nur noch Stille und Dunkelheit.
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Pochende Kopfschmerzen; nagende Schmerzen im Arm; blaue, wunderschöne Augen; Dana Scullys Augen. Benommen versuchte sich Mulder wieder aufzurichten. Mit sanfter Gewalt drückte Scully ihn wieder zurück auf den Boden.
"Bleib noch einem Moment ruhig liegen, Mulder. Wie geht es deinem Kopf? Hast du ein Schwindelgefühl? Oder ist dir schlecht? Wie ist deine Wahrnehmung, kannst du mich deutlich erkennen?" Übergangslos wechselte Scully von der besorgten Freundin in die Rolle der Ärztin.
"Ich habe nur Kopfschmerzen, und mein Arm pocht ganz schön."
"Das kann ich mir vorstellen, er ist aber nicht gebrochen, nur verstaucht, das wird noch eine Zeit lang weh tun. Aber darum mache ich mir weniger Sorgen, du bist ziemlich hart mit dem Kopf gegen den Tisch geprallt." Mit einem neutralen Tonfall informierte sie Mulder über seinen momentanen Zustand.
"Nein, es ist keine Gehirnerschütterung", stellte Mulder überzeugt klar.
"Ach nein, und woher weißt du das so genau?"
"Ich hatte schon etliche Gehirnerschütterungen, und die haben sich immer ganz anders angefühlt, viel schmerzhafter. Außerdem habe ich einen Dickkopf. Gerade du müsstest das doch wissen." Etwas irritiert sah sich Mulder um. Er befand sich noch immer im Saal, auf dem Boden, um genau zu sein. Sein Kopf war auf einer zusammengefalteten Tischdecke gebettet. Eine weitere war über ihm ausgebreitet. Dana Scully kniete auf seiner linken Seite, neben einem sichtlich durchwühlten Erste-Hilfe-Koffer. Sein schmerzender linker Arm war bereits professionell bandagiert worden. Erst jetzt bemerkte er die vielen besorgten Leute, die eine Traube um seine Position gebildet hatten. Die Animateure knieten auf seiner anderen Seite und diskutierten in einem hektischen Tonfall in ihrer Landessprache. Scully, die die Lage schnell erfasste, richtete sich an die Hotelbediensteten und erklärte, dass Mulder keinen Notarzt benötigte und sie sich jetzt um ihn kümmern würde. Erst bei ihren Worten tauchten die Umstehenden aus ihrer Erstarrung und verflüchtigten sich noch immer aufgeregt miteinander schnatternd in sämtliche Richtungen. Dann halfen Tom und der männliche Animateur, Mulder, der auf Grund seines Sturzes etwas wacklig auf den Beinen war, zurück in sein Zimmer - unter den strengen Adleraugen seiner Ärztin. Kurz darauf brachte ein Page einen Kübel mit Eis. Eifrig machte sich Scully daran, seine Beule am Kopf damit zu kühlen.
"Hast du noch immer starke Kopfschmerzen?"
"Schon besser geworden, danke", versuchte Mulder seine Partnerin mit einem zerknirschten Lächeln zu überzeugen.
"Ich werde dir etwas gegen die Schmerzen geben." Damit verschwand sie durch die Zwischentür und tauchte wenig später mit einem in einem Wasserglas aufgelösten Schmerzmittel wieder auf. Artig nahm Mulder seine Medizin.
"Du hast uns allen einen gewaltigen Schreck eingejagt mit deinem Stunt", versuchte Dana die Stille zu überbrücken.
"War wohl nicht so graziös wie bei den Tänzern im Fernsehen, oder?", scherzte Mulder über seinen peinlichen Unfall.
"Nicht so ganz, nein... Mulder... war... ich meine, war das ernst gemeint, das Lied?" Man hörte ihr deutlich die Unsicherheit an. Und noch etwas schwang in ihrer Stimme mit, war es etwa Hoffnung? Mulder wagte es nicht, ihr in die Augen zu sehen. Nervös fuchtelte er mit seiner unverbundenen Hand durch die Luft. Schließlich holte er tief Luft und offenbarte sich.
"Ja, Scully, das war alles ernst gemeint." Er konnte hören, wie sie laut schluckte und dann nach Luft zu ringen schien. War die Vorstellung, von ihm geliebt zu werden, wirklich so abwegig? War dies alles ein schwerer Fehler gewesen? Hatte er durch diesen einen Abend alles verloren, was ihm wichtig war? Er wünschte, er würde in ein tiefes Koma fallen, doch nichts dergleichen geschah, er verspürte noch immer dieses hartnäckige Pochen hinter seinen Schläfen. Und warum sagte Dana nichts?
"Aber warum?", mit dieser Frage hatte Mulder ganz und gar nicht gerechnet.
"Warum was? Warum ich das getan habe? Warum ich gefallen bin? Was?"
"Nein, warum du mich liebst?" Wäre sie einen Ton leiser gewesen, dann hätte er es nicht gehört.
"Warum ich dich liebe? Himmel, was ist denn das für eine Frage? Weil du eine wunderbare Frau bist? Keine Ahnung, ich liebe dich einfach. Ich kann meine Gefühle für dich nicht erklären, Dana." Er ließ ihren Vornamen auf seiner Zunge zergehen. Irgendwie fühlte er sich jetzt privilegiert, sie so anzusprechen. Schließlich liebte er sie doch, oder?
"Mulder, Fox... wir arbeiten jetzt über fünf Jahre zusammen. Warum so plötzlich?"
"Nun, so plötzlich ist es nicht. Ich liebe dich schon sehr lange, aber ich habe erst jetzt den Mut aufgebracht, diese Gefühle zum Ausdruck zu bringen", erklärte Mulder seine Beweggründe.
"Ich hatte nur keine Ahnung, wie ich es dir sagen sollte."
"Und dann kam dir der Karaokeabend genau recht", schlussfolgerte Scully.
"Genau, es ist mal etwas anders. Es war... wie war es, Scully?"
"Es war überraschend, spektakulär, unglaublich, es war wie du, Mulder." Nun lachte Dana leise und sah ihn etwas ratlos an.
"Nun, das Ende war etwas abrupt, ich habe mich so erschrocken, ich habe dich fallen sehen, und als ich das Holz brechen hörte... Gott, ich wusste nicht, ob es das Holz oder deine Knochen waren."
"So sollte es nicht enden, ich schwöre. Irgendwie habe ich erwartet, dass du am Ende vor mir stehen würdest, mir sagen würdest, dass du mich auch liebst, und wir wären dann dem Sonnenuntergang entgegen geritten. Aber das hier...", damit deutete er auf seine im Bett liegende Gestalt, "das war nicht eingeplant."
"Das Ganze ist etwas komplizierter als das. Wir können nicht einfach alle Vorsicht über Bord werfen und uns unseren Gefühlen hingeben. Dafür steht zu viel auf dem Spiel, Mulder. Wir haben schon so viel erreicht, wollen wir das alles wegen eines Sommerflirts gefährden?"
"Sommerflirt, verdammt Scully, das wäre niemals ein Sommerflirt. Ich habe dir gesagt, dass ich dich liebe. Aber was ist mit deinen Gefühlen? Wäre ich nur ein Sommerflirt für dich? Sei ehrlich Scully? Was bin ich für dich?" Mulders Stimme bebte vor Aufregung.
"Mulder, du weißt, was du mir bedeutest", zitterte ihre Stimme förmlich. Sie versuchte krampfhaft ihren Kopf aus der Schlinge zu ziehen.
"Nein Scully, genau das ist das Problem. Ich habe keine Ahnung, was du fühlst. Du hast diese Festung um dein Herz gebaut, die es so fest umschließt, dass ich nicht einmal einen Blick darauf erhaschen kann. Du bist ein absolutes Mysterium für mich. Sprich mit mir, Dana, was fühlst du, was fühlst du für mich?" Bei seiner letzten Frage hatte sich seine intakte Hand feste um die ihre geschlossen, um Dana am Aufstehen zu hindern. Sie durfte auf gar keinen Fall einfach fliehen, das würde er nicht zulassen.
"Mulder, das ist alles zu viel für mich heute Abend. Bitte, gib mir etwas Zeit, das kam alles so plötzlich. Und außerdem brauchst du ganz dringend Ruhe", damit machte Scully einen letzten Rettungsversuch und sah ihn dabei beinahe flehend an.
"Du weißt, dass ich dir nichts abschlagen könnte. Aber bitte lass mich nicht zu lange im Dunkeln."
"Ich werde darüber nachdenken, versprochen. Und du solltest jetzt am Besten eine Runde schlafen. Ich sehe später mal nach dir." Sie fuhr ihm noch einmal zur Beruhigung durch die Haare und verschwand dann leise durch die Zwischentür. Zurück blieb nur noch die Hoffnung und ein unangenehmes Gefühl in Mulders Magen.
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Ausgeschlafen und doch nicht ausgeruht drehte sich Mulder noch einmal im Bett herum, wobei er seinen verstauchten Arm total verdrängte. Ein stechender Schmerz holte ihn schnell in die Realität zurück und stöhnend setzte er sich im Wasserbett auf. Gähnend fuhr er sich durch die Haare. Wenigstens hatte er nicht mehr das Gefühl, ein ICE würde durch seinen Kopf rauschen. Ein Blick auf seine Armbanduhr verriet ihm, dass es bereits 10:30 Uhr war. Er hatte die ganze Nacht durchgeschlafen. Unglaublich aber wahr. Was ihm allerdings Sorgen machte war, dass Dana nicht mehr bei ihm gewesen war. Er hatte gestern eine halbe Ewigkeit gegen den Schlaf angekämpft, einzig und allein aus der Hoffnung heraus, dass sie noch einmal hereinschauen würde. Aber sein brummender Schädel, die Aufregung und der Stress des Tages hatten ihr Tribut gefordert, und er hatte sich seinem müden und geschundenen Körper ergeben. Körperlich mochte es ihm heute zwar besser gehen, doch die Schlinge, die er sich gestern eigenhändig um sein Herz gelegt hatte, hatte sich heute Nacht unweigerlich fester gezogen. Und die einzige Person, die ihn davon befreien konnte, schien kein Interesse daran zu haben. Als hätte Scully seine Gedanken empfangen, öffnete sich die Tür einen Spalt und ein roter Schopf lugte in seine Richtung.
"Ich bin wach, Scully!", ermutigte er Dana einzutreten.
"Hey, wie geht es dir heute morgen? Als ich gestern Nacht und heute ganz früh hier war, warst du noch am Schlafen wie ein Stein." Beinahe liebevoll strich sie ihm durch die Haare und über die Stirn.
"Was mich am meisten stört ist mein hungriger Magen", diagnostizierte Mulder seinen Zustand. In Gedanken fügte er ein <Ja, und ich sterbe fast vor der Ungewissheit, ob du mich auch liebst> hinzu, denn er war nicht so kühn, dies laut auszusprechen.
"Dann werde ich mal den Zimmerservice bestellen. Möchtest du lieber ein Frühstück oder schon mit dem Mittagessen anfangen?"
"Also, eigentlich möchte ich nicht noch eine Minute länger im Bett bleiben, Scully. Lass uns doch in das Restaurant gehen, ja?" Seiner Bitte fügte er noch einen flehenden Blick hinzu, in der Hoffnung, Dana davon zu überzeugen, dass er keine Bettruhe mehr brauchte. Doch so ganz schien sein Plan wohl nicht zu funktionieren.
"Nein, Mulder. Aber ich verspreche dir, dass wir, wenn sich dein Zustand nicht verschlechtert, heute Abend gemütlich auf der Terrasse essen gehen, okay?"
"Versprochen?", forderte Fox schmollend ein Zugeständnis ein.
"Versprochen!" Diese Beteuerung ließ ihn erleichtert aufatmen. Damit wäre Problem eins geregelt. Bliebe nur noch das wesentlich größere Problem. Aber wie er das lösen wollte, davon hatte er nicht den blassesten Schimmer. Er hatte den Ball aufgeschlagen und in Scullys Feld gefeuert, nun lag es an ihr, den Verlauf des Spieles zu bestimmen. Ihm waren nun die Hände gebunden.
Nachdem seine Gegenspielerin seine Vitalfunktionen sorgsam überprüft hatte, ließ sie ihn mit einem langweiligen Buch allein, das Gespräch von letzter Nacht hatte sie aber mit keinem Wort erwähnt. Dennoch war ihm ihr beinahe schon verzweifelter Ausdruck, den ihr Gesicht angenommen hatte, als sie glaubte, nicht von ihm beobachtete zu werden, nicht entgangen. Er hoffte nur, dass sie mit ihren Gefühlen kämpfte, und nicht mit der Problematik, wie sie ihn am Einfachsten abservieren konnte.
Also versuchte er verbissen, sich mit dem Buch anzufreunden, was ihm aber bedauerlicherweise nicht gelang. Das lag aber garantiert nicht an seinem Lesestoff, denn den Science-Fiction Roman hatte er selbst ausgesucht, sondern vielmehr an seinen ständig abschweifenden Gedanken. Die ganzen "wenn" und "aber" setzten ihm und seiner Konzentration ganz schön zu. Auch das vom Hotelpersonal von Scully bestellte Frühstück wirkte nicht mehr annähernd so verlockend, wie einige Momente zuvor. Lustlos stocherte er in seinen Rührei herum, und auch der Orangensaft schien nicht mehr so lecker zu sein, wie die vorherigen Tage. Zu seinem Leidwesen verging die Zeit so schleichend langsam, dass er sogar das Schlafen dem Lesen vorzog und daraufhin driftete er in einen seichten Nachmittagsschlaf.
"Aufstehen, Mulder! Ich dachte du kannst es gar nicht mehr abwarten, aus den Federn zu kommen, und dann liegst du hier und pennst." Mit dieser Ansprache riss Dana ihren Partner lautstark aus dem Schlaf. Die einzige Antwort war ein unverständliches Gemurmel und ein unter der Bettdecke versteckter Kopf. Seufzend öffnete Scully die zugezogenen Gardinen, woraufhin das warme Sonnenlicht den Raum in Helligkeit tauchte und die Dunkelheit vertrieb. Mulder jammerte nun noch mehr.
"Komm schon, du Schlafmütze! Schließlich warst du es, der unbedingt heute Mittag schon raus wollte. Oder willst du doch lieber den ganzen Abend krank im Bett liegen?"
Sie wusste ganz genau, dass man so was nicht zweimal zu Mulder sagen musste, denn mit einer ihm nicht zugetrauten Geschwindigkeit hatte er seine Liegestätte verlassen und war mit frischen Klamotten im Bad verschwunden. In Windeseile verrichtete er seine Routine, es gelang ihm sogar, sich beim Rasieren nicht noch mehr zu verletzen. Er trug noch schnell etwas Aftershave auf um dann angezogen und wesentlich fitter als am Morgen mit Scully die Hotelterrasse aufzusuchen.
"Also, das verstehe ich nicht, jetzt hast du ein ganzes Buffet zur Auswahl, und du hast dir nur etwas Grünfutter, Fisch und Früchte geholt. Du musst doch groß und stark werden!"
Mit dieser Anspielung auf Scullys Essgewohnheiten versuchte Mulder die aufgekommene Stille zu überbrücken. Er konnte seine Augen nicht von ihr abwenden. Beinahe verzweifelt suchte er nach einem Anzeichen, das ihm Aufschluss auf ihre bevorstehende Entscheidung geben konnte. Doch Scully war ein Profi. Sie ließ sich rein gar nichts anmerken. Sie reagierte nicht einmal sauer oder gekränkt auf seine Neckerei sondern schlug Mulder mit seinen eigenen Waffen.
"Nun, hauptsächlich möchte ich aber alt werden, Mulder." Dabei deutete sie mit gerümpfter Nase auf Mulders Teller, der überfüllt mit Steak, Kartoffelsalat und Weißbrot war. Verschämt schob Fox die Riesenportion Nachtisch aus ihrer Sichtweite.
"Wenn ich mir meine Zukunft ansehe, wie ich alleine, alt und tatterig mit einem Krückstock Aliens nachjage, da erscheint mir ein langes Leben gar nicht so verlockend."
"Wer weiß, vielleicht werde ich dir dann immer noch den Arsch retten. Und bei meiner Ernährung werde ich bestimmt auf einen Krückstock verzichten können."
Auch wenn dies als Scherz gemeint war, klang ihre Stimme keinesfalls amüsiert.
"Ja, wer weiß das schon? Oder vielleicht werden wir uns hier ein ruhiges Plätzchen suchen und unseren Lebensabend zusammen in Frankreich genießen", schoss Mulder mutig hinterher. Seufzend schob Scully ihren Teller zur Seite und griff nach einem Melonenstück.
"Warum habe ich mit so einem Gesprächsverlauf nur gerechnet?"
"Es tut mir leid, ich wollte dich zu nichts drängen, wirklich. Es kann nur verdammt frustrierend sein, so auf heißen Kohlen zu sitzen."
"Du hast keinen Grund, dich zu entschuldigen." Danas Hand griff über den Tisch und umfasste vorsichtig die seine. Nervös hielt sie in der anderen das Melonenstück und biss ein saftiges Stück davon ab. Genüsslich fuhr sie mit der Zunge über ihre Lippen. Mulder war nahezu fasziniert von dieser einfachen Geste.
"Mulder, ich habe nicht beabsichtigt, dich so zappeln zu lassen. Aber dies ist eine so wichtige Entscheidung, ich will sie nicht unüberlegt treffen. Es ist so verlockend alles um einen herum zu vergessen und den Gefühlen freien Lauf zu lassen, aber ich konnte so was noch nie gut. Im Hinterkopf weiß ich, dass dieser Urlaub irgendwann vorbei sein wird. Und dann? Ich bezweifle, dass wir einfach so tun können, als wäre nichts geschehen. Und das würde sich dann auf unsere Arbeit auswirken. Versteh mich nicht falsch, ich würde dich liebend gerne als... ähm ... Lover? Aber nicht um den Preis, dich als Freund zu verlieren, sollten wir uns nach dem Urlaub nicht wieder zusammenraufen können." Nervös biss sie wieder von ihrer Melone ab, zu ängstlich, in seine Augen zu sehen.
"Dana, unter diesen Umständen halte ich es sogar für das Beste, einfach nur Freunde zu bleiben." Aus der Fassung gebracht ließ Scully das verbleibende Fruchtstück vor Verblüffung fallen. Entgeistert starrte sie ihr Gegenüber an.
"Wie bitte, was?" Ein Hauch von Panik schwang deutlich hörbar in ihrer Stimme mit.
"Hast du immer noch nicht verstanden, dass ich nicht mach einer Sommerromanze suche? Ich könnte nicht mit dir zusammensein, mit dem Wissen, dass dies alles eine Urlaubserinnerung sein wird."
Nervös fischte Scully nach einer Weintraube, die sie hastig in ihren Mund schob.
"Mulder...ich..." Aufmerksam betrachtete Fox seine Partnerin, doch zu mehr Kommunikation schien sie zur Zeit nicht in der Lage zu sein. Also beschloss er, die Gunst der Stunde zu nutzen und ergriff das Wort.
"Hör mir zu Dana. Das hier ist für mich eine ‚Alles oder Nichts’-Situation. Ich liebe dich, Punkt. Ich kann meine Gefühle nicht abschalten, sobald wir zurück in DC sind. Aus Spaß an der Freude würde ich niemals mit dir etwas anfangen wollen."
Jetzt schien sie ihre Sprache wieder gefunden zu haben und unterbrach Mulder.
"Gott, Mulder. Ich liebe dich auch. Aber ich kann dir keine Garantie geben, dass das zwischen uns auch funktioniert."
"Das verlange ich auch gar nicht, eine Garantie wird es niemals geben. Aber ich wollte, dass du meinen Standpunkt verstehst."
"Das tue ich. Auch ich empfinde so..."
Mulder hörte den Zweifel heraus. "Aber?"
"Aber das alles ist viel komplizierter. Was wird aus unseren Jobs? Dein Leben sind die X-Akten. Ich habe Angst davor, dass wir sie verlieren könnten, wenn die Sache zwischen uns herauskommt. Dass du, wenn die erste Leidenschaft verebbt ist, mich dafür verantwortlich machen könntest, nicht absichtlich, aber dennoch..."
"Nein, du liegst falsch. Mein Leben waren die X-Akten, vor langer Zeit. Aber jetzt bist du mein Leben. Glaub mir, ich würde ohne mit der Wimper zu zucken beim FBI kündigen, ein Haus kaufen und ‚normal’ mit dir leben, wenn es dich glücklich machen würde. Einzig allein du bist mir wichtig." Jetzt sah er, wie sich Tränen den Weg ihre Wangen herunter bahnten. "Nicht weinen, Dana!", versuchte er ihr Trost zu spenden.
"Ich weine nicht, ich bin glücklich. So was hat noch keiner für mich tun wollen... Aber um ganz ehrlich zu sein, so kann ich mir uns nicht vorstellen."
Mulder strich ihr erleichtert über die Wange.
"Ich ehrlich gesagt auch nicht. Und nun?" Die ganze Welt schien den Atem anzuhalten. Alles war aus ihrem Sichtfeld entrückt, sie schienen ganz allein zu sein.
"Mir fällt da die einzig passende Lösung zu ein." Mit einem geheimnisvollen und doch glücklichen Gesichtsausdruck umrundete sie ihren Tisch und positionierte sich vor einem erwartungsvollen Fox Mulder. Mit leicht zittriger aber weicher Stimme fing sie an zu singen.
Don’t talk just kiss
We’re beyond words and sound
Don’t talk just kiss
Let your tongue fool around
Let’s fool around
Ihren eigenen Worten Folge leistend ließ sie sich auf seinem Schoß nieder und ihre Lippen berührten sanft die seinen. Zärtlich umschloss seine gesunde Hand ihren Hinterkopf und er erkundete neugierig ihre Lippen und Zähne mit seiner Zunge. Zögerlich gab sie seinem stetigen Drängen nach und öffnete ihren Mund einladend. Vorsichtig strich seine Zunge über die ihre. Erst bei ihrer schüchternen Erwiderung wurde Mulder mutiger. Auffordernd duellierte er seine Partnerin in einer leidenschaftlichen und beinahe zügellosen Lippenbekenntnis.
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Gedankenverloren schlenderten Mulder und Scully den Strand entlang. Doch Mulder konnte an nichts anderes als an den Kuss denken. Sie hatte ihn geküsst. Es sollte nur ein kleiner und harmloser Kuss sein, das wusste er, aber dieser Kuss hatte ein Eigenleben entwickelt. Er schmeckte Dana noch immer, diese Gemisch aus Früchten, Wein und Dana. Ob es diesen Geschmack auch in Flaschen zu kaufen gab? Unauffällig glitt sein Blick zu seiner Partnerin. Auch sie schien tief in Gedanken versunken zu sein. Ihr Blick ging in die Ferne. In die Richtung der untergehenden Sonne, dem großen roten Feuerball, der gerade in den Fluten zu versinken schien. Und doch wusste er, dass sie morgen wieder hell und strahlend am Firmament zu sehen sein würde. Er bemerkte eine Ähnlichkeit zwischen Dana und der Sonne. Beide waren aus seinem Universum nicht mehr wegzudenken. Und wenn er nachts schlafen gehen würde, so würde sie am Morgen wieder da sein, wie jeden Tag. Beide waren vollkommen, völlig einzigartig und seine Lebensspender. Sie versüßten ihm sein Dasein und ließen ihn nachts mit der Vorfreude auf den nächsten Morgen einschlafen. Dana war seine Sonne. Und zu was machte ihn das? Zu einem Planeten, dessen Umlaufbahn dem Universum zu strotzen versuchte. Er wurde magnetisch von seiner Sonne angezogen wie eine Motte vom Feuer. Und sie hatte ihn geküsst, richtig geküsst!
So tief in seine Gedanken versunken hatte er es nicht einmal gemerkt, dass er stehen geblieben war und gebannt zur untergehenden Sonne starrte. Auch Danas Augenmerk war auf das vor ihr geschehende Naturschauspiel gerichtet. Wie von Geisterhand fanden sie sich beide im Sand sitzend wieder, seinen Arm um ihre Schulter gelegt. Keiner wagte auch nur ein Wort zu sprechen, aus Angst den bezaubernden Augenblick zu stören. Und doch knisterte die Luft vor lauter Spannung. In Zeitlupe bewegten sich ihre bebenden Lippen und trafen sich zum zweiten Mal. Zu einem Kuss, der das ganze Universum ausschloss, der nur für sie beide bestimmt war, der so unglaublich zärtlich war, der all die Liebe widerspiegelte, die diese zwei Menschen füreinander empfanden. Die Zeit schien still zu stehen. Stunden später - oder waren es nur Minuten? - lösten sie sich etwas voneinander und nahmen irritiert die Dunkelheit wahr, von der sie nun umhüllt wurden, über ihnen die Sterne. Die Unendlichkeit des Universums. Engumschlungen sanken sie nieder und leise flüsternd, aus Angst den Zauber zu zerstören, entdeckten sie die Sternbilder neu. Durchflutet von Erinnerungen, Träumen und Liebe merkten sie nicht, wie lange sie so dalagen. Nach einer halben Ewigkeit erhoben sich die Beiden und traten schweigend und Händchen haltend den Rückzug zum Hotel an.
"Jedes Mal, wenn ich von nun an in die Sterne schaue, werde ich an dich, an diesen Urlaub denken. An uns!", hauchte Mulder Dana ins Ohr.
"Der Sternenhimmel ist wunderschön, so unberührt, und doch so unglaublich weit weg."
"Nicht wirklich, Dana. Er ist immer bei uns, in unseren Herzen."
"Mein Dad hat mir einmal erzählt, dass ein Mensch, der gestorben ist, und seine Lieben nicht verlassen will, seine Seele in Form eines neuen Sternes in den Himmel setzt, um so ein Auge auf sie zu haben, um zu sehen, dass sie glücklich werden. Ich weiß, es klingt etwas kindisch, aber glaubst du, dass Ahab und Missy... dass sie dort oben sind und uns jetzt sehen?"
Dana klang ehrfürchtig aber gleichzeitig unsicher wie ein kleines Mädchen, und der Hauch von Hoffnung ließ ihre Augen in der Dunkelheit, die nur von den Sternen erhellt wurde, nahezu leuchten. Mulder blieb stehen, lehnte seinen Kopf in den Nacken und blickte Minuten lang zum Sternenhimmel. Dann deutete er in eine spezielle Richtung.
"Siehst du diese zwei Sterne da? Kennst du sie? Ich meine, in meinem Studium habe ich mich ausgiebig mit Sternenkunde beschäftigt, aber diese beiden, die sind mir neu. Ich wäre gar nicht verwundert, wenn das Ahab und Missy wären."
Auch wenn Mulder sie nicht genau sehen konnte, er wusste, dass sie nun ebenfalls skeptisch in den Himmel sah.
"Aber beweisen kann das keiner."
"Manchmal reicht doch schon die Vorstellung, oder?"
"Nein, mir nicht, ich brauche fundierte Beweise." Ihre Stimme klang lange nicht so fest wie sonst, wenn sie Mulders Theorien mit ihrer Wissenschaft zerstückelte. Doch genau in diesem Moment bemerkten beide eine Sternschnuppe, die, so schien es, die fraglichen Sterne streifte.
"Siehst du, na wenn das nicht ein Zeichen ist? Hast du dir was gewünscht?"
"Mhm, du meinst wirklich, das war ein Zeichen?" Etwas Unsicherheit schwang in ihrer Stimme deutlich hörbar mit. Doch Mulders Meinung war unerschütterlich.
"Davon bin ich absolut überzeugt."
"Und was hast du dir gewünscht?"
"Was soll ich mir den wünschen? Ich habe doch dich!"
Eine einzelne Träne lief Danas Wange hinunter und Mulder küsste sie liebevoll weg.
"Aber du musst doch viele Wünsche haben! Sam, die Wahrheit...?" Sie hielt inne und sah ihm tief in die Augen.
"Vor einiger Zeit wäre das sicherlich so gewesen, aber jetzt... Dana, das Schicksal hat uns zusammengeführt. Wir beide haben zwar sehr lange dagegen angekämpft, aber nicht einmal wir können das Schicksal austricksen. Und wenn ich Sam irgendwann finde, dann nur, weil es dich gibt. Und mein einziger Wunsch, jetzt, in diesem Moment, dass diese Nacht nie vergessen wird, dass du glücklich wirst, dass sich deine Wünsche erfüllen. Was war dein Wunsch?"
"Dass ich dich nie wieder hergeben muss." Bei diesen Worte lächelte sie ihn schüchtern an.
"Darling, selbst wenn du wolltest, du wirst mich nie mehr los werden!"
Dann lagen sie sich abermals in den Armen und besiegelten ihre Liebe mit einem Kuss, der den Sternenhimmel aus seinen Fugen zu werfen schien.
Ihre Innigkeit wurde sanft von den an die Brandung schlagenden Wellen ummalt. Die zärtlichen Liebkosungen wurden immer leidenschaftlicher, und dennoch drückten sie nichts Geringeres als ihre wahre Liebe zueinander aus.
Erst Danas erschrockenes Aufheulen beendete diesen magischen Augenblick. Blitzschnell sprang sie hoch und somit aus seinen Armen. Erst jetzt spürte er, dass seine Kleidung kalt und klamm an seinem Körper klebte. Nicht annähernd so schnell wie Scully erhob er sich, auf der Flucht vor dem ihm umspülenden Nass. Auch Scullys kurze Hose und ihr T-Shirt waren in keinem besseren Zustand als Mulders Klamotten. Noch ehe er sich versah, lag ihm seine Partnerin abermals in den Armen, diesmal nicht wohlig warm, sondern eher kühl, aber nichts desto trotz genoss er dieses neue Privileg. Lachend machten sie sich auf den Rückweg. Und sie betraten das Hotel nicht mehr als reine Arbeitskollegen, wie sie es verlassen hatten, nein, nun waren sie Liebende.
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"Ich hätte mein Wasserbett doch nicht aufgeben sollen", gab Mulder lautstark von sich, während er sich mit Schwung auf ihre Schlafstätte warf. Diese Aktion brachte das ganze Bett in Bewegung, die darauf liegenden Dana Scully inbegriffen.
"Fox Mulder! Als ich sagte, ich hätte nichts dagegen, dass wir den Abend in meinem Zimmer verbringen, habe ich keine Seeübelkeit erwähnt."
Lachend rollte sie sich auf seine Seite und nahm sein Gesicht sanft in ihre Hände und bedeckte zuerst seine Stirn, dann die Nase und schließlich seine Lippen mit Schmetterlingsküssen. Mit glänzenden Augen warf er sich mitsamt einer leise protestierenden Scully auf die andere Seite des Queen-sized Bettes und nach einem kurzen Gerangel schaffte er es, trotz des sich ständig bewegenden Bettes die Oberhand zu gewinnen und ihren zierlichen Körper unter dem seinen zu begraben.
"Ach nein, du sagtest, wir können Spaß haben. Ist das denn kein Spaß?" Damit sah er sie mit großen unschuldigen Augen an und Dana konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
"Nein, unter Spaß verstehe ich es nicht, wie ein kleines Kind auf dem Bett herumzuturnen." Sie bemühte sich redlich, ihren belehrenden und zurechtweisenden Tonfall zu treffen.
"Du hast Recht, es ist viel unterhaltsamer, wenn zwei Erwachsene unterschiedlichem Geschlechts zusammen ,herumturnen‘." Dabei hob er die Augenbraue und setzte seinen anzüglichsten Gesichtsausdruck auf. Und schon begannen seine Hände, ihren unter ihm liegenden Körper zu liebkosen.
"Du bist unmöglich", versuchte ihn Dana vergeblich zurechtzuweisen. Doch lange konnte sie ihren ohnehin schon schwachen Protest nicht aufrecht erhalten.
"Nicht unmöglich, verliebt!"
Seine Lippen suchten die ihren, und jegliche Gedanken an Protest waren wie weggeweht. Leidenschaftlich duellierten sich ihre Zungen, doch auch hier waren sie nicht weniger als Gleichberechtigte. Bald konnten sie es nicht mehr aushalten, zu groß war das Verlangen, und kurz darauf lagen sie sich wieder in den Armen, aber nicht durch Stoff getrennt, dieses Mal berührte sich ihre nackte Haut. Ein Sog von unvorstellbarer Kraft umschloss sie und zog sie immer tiefer ins Meer der Leidenschaft. Nichts zählte mehr, weder die Vergangenheit, noch die Zukunft. Einzig allein das Hier und Jetzt war von Bedeutung, als sie ihre letzte Verbindung vollzogen. Sie waren jetzt seelisch, emotional und körperlich eins, bis in alle Ewigkeit.
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Leise, um die noch schlafende Dana nicht zu stören, schlich sich Mulder ins Badezimmer. Nachdem die Toilette besucht und er sich die Hände gewaschen hatte, betrachtete er sich im Spiegel. Seine Haare waren zerzaust, er erkannte die ersten Bartstoppel, in seinen Augen hing noch der Schlaf, und doch hatte er sich noch nie glücklicher und zufriedener gesehen. Selbst sein verletzter Arm war in Vergessenheit geraten. Zu groß war das Glück, seine Liebe zu Dana.
Dana - allein bei dem Gedanken an sie und die vergangene Nacht begann sein Herz um einige Nuancen schneller zu schlagen. Ein wohliges Kribbeln machte sich in seinem Magen breit. Ja, so wollte er jeden Morgen aufwachen. Vorsichtig schloss er die Badezimmertür hinter sich und betrachtete die schlafende Schönheit auf dem Bett. Auch ihre Haare waren wild zerzaust und über dem Kissen wie ein kupferroter Fächer ausgebreitet. Ihre feinen Gesichtszüge deuteten sogar im Schlaf ein Lächeln an. Ihr Körper war nur teilweise vom Laken bedeckt, was wohl an den hohen Temperaturen lag, und so konnte er ihren traumhaften Körper in Ruhe und in stummer Bewunderung von Kopf bis Fuß studieren. Noch nie zuvor hatte er eine schönere Frau gesehen. Ihr leichtes Regen nahm er nur aus den Augenwinkeln wahr. Dann begriff er, dass sie am Aufwachen war und beschloss, den Überraschungsmoment auszukosten und warf sich mit voller Wucht aufs Bett. Um so erstaunter war er darüber, dass die Matratze komischerweise nachgab.
"Mulder!", ertönte ihre scheinbar hellwache Stimme.
Er spürte, wie sie sich immer mehr nach unten bewegten. Irritiert griff er nach dem Laken. Dem nassen Laken. Verwundert suchte er Scullys Blick. Warum hatte sie auf einmal nasse Haare?
"Verdammt Mulder! Musst du alles kurz und klein machen? Reicht nicht ein Bartisch und ein verstauchter Arm? Nein, jetzt musst du auch noch ein Wasserbett ruinieren. Und noch dazu meins!" Sie klang nun sehr wütend, und Mulder wusste aus Erfahrung, dass mit einer wütenden Scully nicht zu spaßen war.
Beherzt griff er zum Telefon um den "Notfall" zu melden. Er hoffte so, den Schaden wenigsten etwas zu begrenzen. Welchen Eindruck mussten die Hoteliers von ihm haben. Der Trottel, der bei einem Karaoke-Abend von der Bühne fiel, einen Tisch zertrümmerte, sich den Arm verletzte und jetzt auch noch das Wasserbett kaputt machte... Toll, einfach toll. Aber aus irgendeinem Grund konnte er sich nicht schuldig fühlen, dafür war er zu glücklich. Seine Augen suchten Danas, doch in ihnen flammte ihm keine Leidenschaft wie letzte Nacht entgegen, sondern sie verdunkelten sich zu einem tiefen Blau, und auch die kleinen Fältchen, die sich auf ihre Stirn und um die Nase legten, wirkten sehr unheilverkündend. Beim Klopfzeichen an der Tür sprang sie hastig auf und rannte mit dem triefendnassen Laken umwickelt ins Badezimmer. Wohl ihre Art ihm zu zeigen, dass er mit der Situation allein klarkommen musste. Erst jetzt bemerkte er, dass er ebenfalls nackt war. Panisch durchsuchte er die am Fußende verteilten Kleidungstücke nach seinen Boxershorts und rief er ein nervöses "Herein."
Zu Mulders Erleichterung schien ein solches Malheur kein Einzelfall für dieses Hotel zu sein und außer eines amüsierten Kopfschütteln des Personals gab es keine Konsequenzen für den Agenten. Er hatte Scully kurzerhand ausgecheckt und in seinem Zimmer wieder eingecheckt. Nun beschwerte sie sich gerade über seine Unordnung und versuchte irgendwie noch Platz für ihr Gepäck in den chaotischen Kleiderschrank zu finden.
"Und du wunderst dich, warum deine Klamotten immer so verkrumpelt sind!"
"So geht es einfach am schnellsten, ich vergeude mit so was nicht gerne meine kostbare Zeit", unternahm Mulder einen schwachen Versuch, sich zu rechtfertigen.
"Dafür aber meine Zeit, oder wie?" Der etwas schnippische Unterton entging ihm durchaus nicht. Um sie nicht noch launischer zu stimmen, trat er neben sie und beförderte seine gesamte Kleidung mit einer Handbewegung auf den Boden. Er fing ihren verwunderten Blick auf und musste innerlich lachen, als sich dieser zu einem breiten Grinsen verzog.
"Aber glaub jetzt bloß nicht, dass ich dir dabei jetzt helfen werde, mach das mal schön selber." Damit räumte sie ihre fein säuberlich gefaltete Wäsche ein und beobachtete Mulders hilflose Versuche, das Chaos am Boden zu eliminieren. Seufzend legte er seine Klamotten mehr schlecht als recht zusammen und schob sie vorsichtig auf die verbleibenden Regale. Sichtlich zufrieden legte sich Dana auf dem Bett zurück.
"Und jetzt, Master of the Chaos, was wollen wir heute unternehmen?", stichelte sie ihren Partner gnadenlos weiter.
"Mhm, Tom hat mir von einem netten Hafenstädtchen erzählt, dort soll es das beste Eis überhaupt geben, wie hört sich das an?"
"Verlockend, wirklich. Aber ich möchte nicht in brütender Hitze durch eine Stadt laufen. Sollen wir uns einen schönen Tag am Meer machen und gegen Abend dorthin fahren?", schlug sie ihm vor.
"Super. Hast du einige Kilometer westlich die Anhöhe mit den ganzen Palmen am Strand bemerkt? Lust, die zu erforschen?"
Wenig später hatten sie ihre Handtücher am Strand ausgebreitet und waren eifrig damit beschäftigt, sich gegenseitig einzucremen.
"Dein Sonnenbrand ist schon gut verheilt. Aber ohne T-Shirt solltest du trotzdem noch nicht losziehen." Sanft knetete er die wohlriechende Creme in ihre Schultern ein. Die einzige Antwort war ein bejahendes Brummen und wenig später ein verzücktes Schnurren. Wohlwollend führte er die Prozedur an ihrem gesamten Körper weiter fort und konnte seine Augen gar nicht mehr von ihr abwenden. Gestern hätte er sich das noch nicht getraut.
"Komm schon, Dana, zieh dir jetzt das Shirt über, ich will nicht, dass du dich noch mal so stark verbrennst."
Doch statt ihr olivgrünes Oberteil zu ergreifen, suchte sie nach seinen, inhalierte zuerst seinen Duft und streifte sich dann das Kleidungsstück über.
"Ich wollte es eh nicht mehr in diesem Urlaub tragen, nimm es ruhig", scherzte er, bevor er sie in den Arm nahm und sanft küsste. Dann erhob er sich aus dem Sand und reichte ihr die Hand.
"Komm, es gibt noch viele Felsen zu erklimmen, Palmen zu erklettern und einsame Dünen zu erkunden. Ich liebe Abenteuerurlaube."
Herzhaft lachend ließ sie sich nach oben ziehen und Hand in Hand machten sie sich auf, den Strand und die Felsen zu erforschen.
Die Klippen bargen unzählige kleine Wunder, die die beiden Agenten verzückt bestaunten. Auf der Anhöhe befanden sich unzählige, von Wassermassen und Regenfluten durchspülte kleine bis mittelgroße Löcher, die warmes Wasser und viele kleine unbekannte Tiere und Kreaturen beherbergten. Seinem Entdeckungstrieb folgend raste Mulder von einer Lache zur nächsten, nur um wiederholt ein eifriges: "Dana, schau dir das hier mal an!" oder ein "Cool, das Ding schwimmt auf seinem Rücken!" in ihre Richtung zu brüllen. Lachend folgte Scully dem abenteuerlustigen Mulder und freute sich wiederholt über seinen kindlichen Übermut. Ein schmerzerfülltes "Aaah, mein Fuß!" ließ Dana Böses ahnen und zu Mulder eilen.
"Was ist denn nun schon wieder passiert?"
Fox hüpfte wie Rumpelstilzchen auf einem Bein um ein Wasserloch, während er den linken Fuß eisern mit seiner Hand umschlossen hielt.
"Setzt dich erst mal dahin, so kann ich es nicht sehen", wies die Ärztin Mulder an. Quengelnd folgte er ihrem Rat und streckte Scully seinen Fuß mit einem mitleiderregenden Blick entgegen. Doch bevor sie einen genaueren Blick darauf erhaschen konnte, sprang Mulder bereits wieder auf und deutete wild gestikulierend auf einen kleinen Krebs.
"Dieses Biest hat mich gezwickt."
Nun konnte sich Dana nicht mehr beherrschen und brach in schallendes Gelächter aus.
"Kann man dich denn nirgends mit hinnehmen? Entweder zu verletzt dich, oder du zerstörst die Einrichtung."
Mittlerweile konnte sogar Mulder der Situation eine gewisse Komik abverlangen und beschloss, dem armen kleinen Krebs vorsichtshalber vom Felsen zu nehmen. Nicht aus Angst, dem Tier könne etwas passieren, vielmehr zweifelte er an sich selbst. Nach kürzester Zeit waren die Schmerzen verflogen, woran eine ihm wohlbekannte Frau nicht ganz unschuldig war. Aber unter Dana Scullys Lippen konnte er alle Sorgen und Schmerzen dieser Welt vergessen. Schweren Herzens löste er sich aus ihrer Umarmung und gemeinsam setzten sie ihre Erkundungen wieder fort. Zu ihrer beider Überraschung schaffte es sogar Mulder, wieder unbescholten zum Hotel zurückzukehren.
"Mulder, wenn du damit nicht aufhörst, werde ich es niemals schaffen, mich fertig zu machen", beschwerte sich die nur mit Unterwäsche bekleidete Dana bei ihrem Partner.
"Was bitte schön mache ich denn?"
Mit dieser Frage schlossen sich seine Arme um ihre Gestalt und seine Lippen küssten sanft ihr Schlüsselbein, was Scully einen angenehmen Schauder über den Rücken laufen ließ. Mit ihrer letzten Selbstbeherrschung entzog sie sich seiner Umklammerung, schnappte sich ihre Klamotten und verschwand schnell im Badezimmer. Die Tür schloss sie vorsichtshalber ab. Seufzend ließ sich Mulder, dieses Mal etwas vorsichtiger, auf das gemeinsame Wasserbett fallen und wartete ungeduldig. Als sich die Tür endlich wieder öffnete, verschlug es Mulder abermals bei ihrem Erscheinungsbild den Atem.
"Gott, du bist so wunderschön. Warum trägst du solche Kleidung nie im Bureau?" Anerkennend wanderten seine Augen über ihren Körper. Auch heute trug sie einen knielangen blauen Sommerrock, dazu eine leichte beige Bluse. Ihre Haare waren von der vorherigen Dusche noch feucht. Erst jetzt wurde ihr anscheinend klar, wie offen er sie anstarrte, denn auf ihren Wangen breitete sich eine leichte Röte aus. Verstohlen und schüchtern sah sie ihn aus ihren tiefblauen Augen an und strich sich verlegen eine Haarsträhne hinters Ohr.
"Danke", hauchte sie kaum hörbar.
Mulder nahm sie sanft in seine Arme und küsste Dana liebevoll. Nach einiger Zeit löste er sich von ihr.
"Wenn wir jetzt nicht gehen, hast du dich umsonst so schön gemacht. Zudem will ich ja erst noch was mit dir angeben, bevor ich erkunden werde, was du unter dieser sexy Bluse trägst."
Auch bei dieser Anspielung erröte Dana leicht. Noch zu neu und unvertraut war diese Seite von Mulder, die er seit letzter Nacht nur zu gerne zeigte. Ihre Verblüffung ausnutzend, zog er seine Partnerin hinter sich aus dem Zimmer und verschloss die Türe.
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St. Maxime war eine romantische Küstenstadt mit nicht weniger Flair als St. Tropez. Die beiden Urlauber hatten schon bei der Taxifahrt einen ersten Eindruck gewinnen können. Die Hauptverkehrsstraße führte direkt an der Strandpassage entlang. In der frühen Abendstunde wirkte das Meer noch wesentlich anziehender und verzaubernder als am Tage und an belebten Sandstränden. Und zu ihrer linken Seite erstreckten sich traumhafte alte Häuser, die Cafés, Restaurants, Eisdielen, Souvenirläden und diverse andere Geschäfte beherbergten. Davor gab es einen breiten Bürgersteig, der teilweise durch Tische und Stühle etwas eingeengt wurde. Mulder erkannte, dass sie nicht die einzigen waren, die den kühleren Abend der brütenden Hitze des Tages für einen Stadtbummel vorzogen. Es wimmelte nur so von Touristen. Und doch passte es irgendwie hierhin. Man hatte nicht so einen beängstigend klaustrophobischen Eindruck, wie in der Menschenmasse in einer großen amerikanischen Stadt. Niemand war in Eile, keiner stürzte unberührt an diesem Zauber vorbei. Jeder hier schienen alle Zeit der Welt zu haben. Es gab junge Paare, die Händchen haltend und verliebt am Strand entlang spazierten, Familien, bei denen die Eltern alle Hände voll zu tun hatte, um ihre überdrehten Kinder im Zaun zu halten. Aber auch ältere Leute zog es hierher. Schmunzelnd entdeckte Mulder ein grauhaariges Paar mit einem quirligen und herumwuselnden Pudel, die nicht minder verliebt ihre Hände hielten. Weiter unten am Strand hatten sich einige Senioren zu ihrem wohl allabendlichen Boul-Spiel zusammengefunden. Umsäumt wurden die Spieler von interessierten Touristen. Doch das schien den Franzosen nichts auszumachen, vielmehr genossen sie die Aufmerksamkeit, die ihnen und ihren glänzenden Kugeln entgegengebracht wurde. Aber das Unglaublichste war, dass auch er wie ein verliebter Trottel durch die Passage schlendern konnte. An seiner Hand Dana Scully. Er hatte sich so etwas schon tausendfach erträumt, und doch schien die Wirklichkeit wie eine Illusion zu sein.
"Mulder, schau mal! Dort stehen mindestens zwanzig Leute an. Lass uns nachsehen, was es dort gibt." Ihre ziehende Hand lieferte den Beweis, dass er tatsächlich hier war, mit Dana zusammen. Ihr folgend näherten sie sich dem fraglichen Eissalon. Eine große, mit Neonlichtern erhellte Tafel fesselte sein Augenmerk unweigerlich. Doch mit seinen wenigen Französischkenntnissen wurde Mulder aus dem Anhang nicht schlauer als vorher. Neugierig sah er sich in der Schlange um. Eine vierköpfige Familie, die gerade ihr Eis gekauft hatte, drückte sich an den Agenten vorbei, und so konnten sie auf ihre Leckerei einen genauen Blick werfen.
"Cool, Dana, das Eis sieht aus wie eine Blüte. So ein Eis will ich auch! Mhm, mit Blau und Orange, was willst du?"
"Du wählst deine Eissorten nach der Farbe?" Ein ungläubiger Blick traf Fox Mulder.
"Bei so einem Kunstwerk, auf alle Fälle!", verteidigte er seine Auswahl.
"Ein Eis will ich auch, ich werde mich aber erst entscheiden, wenn ich weiß, was es alles gibt."
Mulder kam nicht mehr dazu, sie zu einer spontaneren Kreation zu überreden, denn ihre Aufmerksamkeit richtete sich auf einen hinter ihr stehenden Mann. Seiner schnellen Redeflut nach war er ein Franzose. Dunkle, engstehende Augen waren auf Dana gerichtet, und diese versuchte konzentriert zu übersetzen, was der Mann von ihr wollte. Da sie anscheinend nicht verstanden hatte und nur ein langsames "Excusez moi" über die Lippen brachte, wurde der französische Landsmann ungeduldig. Er schien beschlossen zu haben, Taten sprechen zu lassen, und schon landete seine Hand auf Dana Scullys Hinterteil. Blitzschnell war diese weggesprungen und starrte verblüfft zu dem dümmlich grinsenden Mann. Um der Dreistigkeit noch die Krone aufzusetzen, wackelte er verschwörerisch mit den Augenbrauen.
Mulder sah Rot! Und das lag nicht nur an den leuchten roten Hemd des "Angreifers". Reflexartig wollte er nach seiner Dienstwaffe greifen und stellte verärgert fest, dass diese fehlte. Aufbrausend richtete er sich auf, um den Gegner mit bloßen Händen zu erwürgen. Nur Scullys beherztes Eingreifen verhinderte ein Blutbad. Mit besänftigenden und beteuernden Worten wollte sie ihren Freund von einer unüberlegten Tat abhalten. Doch ihre Worte prallten an Mulder einfach nur ab.
"Fox William Mulder! Hör sofort auf dich wie ein Kleinkind aufzuführen." Die Lautstärke ihrer Stimme ließ Mulder innehalten und unzählige Köpfe drehten sich ihnen zu.
"Aber dieser Mistkerl hat dich begrapscht", brachte Mulder nicht ungehaltener hervor.
"Dann musst du dich doch nicht genauso kindisch aufführen wie er, oder? Und denkst du nicht, dass ich mich nicht selbst verteidigen könnte? Der Kerl ist das doch gar nicht wert. Und jetzt beruhige dich wieder. Du machst hier eine Szene."
Erst jetzt bemerkte er all die neugierigen Leute um sich herum. Verschämt murmelte er ein entschuldigendes "Sorry". Doch bevor er klein bei gab, warf er dem Franzosen, der sich schon einige Meter zurückgezogen hatte, noch einen beinahe tödlichen Blick zu und raunte ein missmutiges "Ich mag ihn nicht, ich mag ihn ganz und gar nicht!"
Endlich waren auch Mulder und Scully an der Reihe. Mulders Laune besserte sich schlagartig wieder, als er sein blau-oranges Blumeneis in den Händen hielt. Scully hatte sich für klassische Sorten entschieden. Schokolade und Vanille. Genüsslich fuhr ihre Zunge über die aus braunem Eis bestehenden Blütenblätter. Mulder konnte seinen Blick gar nicht mehr von ihr abwenden.
"Mulder, dein Eis tropft." Mit ihrer linken Hand deutete sie auf einen großen, blauen Fleck, der nun sein Hemd zierte. Fluchend versuchte er den Schaden zu begrenzen, vergrößerte den Fleck dabei aber nur. Sich seinem Schicksal ergebend, ignorierte er sein schmutziges T-Shirt und widmete sich lieber dem leckeren Eis in seiner Hand.
Der Rest des Abends verlief zu Scullys Erleichterung ereignislos. Mit einigen Tüten beladen machten sie sich auf die Suche nach der Hauptverkehrsstraße. Dana hatte es nicht geschafft, dem begeisterten Mulder davon abzuhalten, ein Buch über französische Mythen und Sagen zu kaufen. Im Prinzip hätte sie kein Problem damit. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass dieses Buch in französischer Sprache war, hatte sie berechtigte Zweifel, dass dies ein sinnvoller Kauf gewesen war. Sein einziger Kommentar war ein verschwörerisches "Na dann muss ich eben was für mein Französisch tun" gewesen. Hätte er sie nach diesem Statement nicht leidenschaftlich auf der offenen Straße geküsst, hätte sie seine Absichten nicht einmal bezweifelt. Auch den Kauf eines Armbandes hatte sie nicht verhindern können. Mulder schien sämtliche Straßenkünstler und Verkaufsstandbesitzer magisch anzuziehen. Verstohlen betrachte Fox das zierliche Goldband, was nun ihr Handgelenk schmückte. Obwohl sie sich anfänglich vehement gegen dieses Geschenk geweht hatte, hatte er es doch geschafft, sich durchzusetzen. Endlich waren sie an ihrem Ausgangspunkt wieder angelangt. Schnell hatten sie ein Taxi heran gewunken und auch die Verständigung funktionierte erstaunlich gut. Früher als erwartet waren sie müde - aber glücklich - wieder in ihrem Zimmer angelangt. Anzüglich stellte sich Mulder vor seine Partnerin und verkündete: "Ich bin gut in Französisch, nur mit der Sprache hapert es noch etwas! Aber selbst ich kenne da einen Satz! Voulez vous couchez avec moi?"
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Die darauffolgenden Tage ihres Urlaubes vergingen wie im Fluge. Die Agenten genossen jede einzelne Sekunde und verbrachen sehr viel Zeit mit ihren neuen Freunden Thomas und Rachel. Mulder stellte erstaunt fest, dass gemeinsame Unternehmungen zu Viert sehr lustig und chaotisch waren. Es störte ihm nicht im Geringsten. Letzte Woche waren Dana und Rachel sogar zusammen ausgeritten. Begeistert hatten sie während der vergangen Tage immer wieder davon berichtet. Ursprünglich wollten die beiden Männer Dana und Rachel begleiten, doch da Mulders Aufstieg auf den großen, ihm zugewiesenen Wallach nicht ganz wie geplant verlaufen war, hatte der Agent auch hier kapitulieren müssen. Denn er wirkte nicht annähernd so cool wie John Wayne, als er mit Schwung auf der linken Seite auf den Sattel stieg, nur um mit nicht weniger Geschwindigkeit und einem verdutzten Gesichtsausdruck auf der Erde rechts neben dem Schimmel zu landen. Und entsetzt hatte er mitbekommen, dass einige der am Ausritt teilnehmenden Touristen ihn als "den Trottel vom Karaoke-Abend" wiedererkannt hatten. In Anbetracht seiner Unfallrate hatte er die anderen schnell davon überzeugt, dass er am Strand sicherer als auf dem Rücken der Pferde aufgehoben wäre. Aus diesem Grund hatte Tom beschlossen, Mulder Gesellschaft zu leisten. Nicht, weil er sich einen Ritt selbst nicht zutraute, er wollte lieber sicher gehen, dass Mulder nicht ganz unbeaufsichtigt war.
Auch Wasserski hatten die Vier ausprobiert. Hier hatte Mulder nach dem circa dreißigsten ungeglückten Versuch das Handtuch geworfen. Aber auch Scully hatte so ihre Probleme dabei gehabt, was er dankbar zur Kenntnis genommen hatte.
Jetzt lagen sie alle träge in den Liegestühlen auf der Wiese, die den Pool säumte. Rachel war in ein Kreuzworträtsel vertieft, Dana und Tom lasen ihre Urlaubslektüren und Mulder war einfach nur glücklich. Einzig allein die Tatsache, dass ihre Freunde morgen in aller Frühe abreisen würden, warf einen Schatten auf die gute Stimmung. Ein kleiner Wermutstropfen war das Vorhaben, sich einige Wochen später in Washington DC wieder zu treffen. Dennoch waren heute alle ruhiger als sonst. Er beobachtete, wie Tom sein Buch mit einem lauten Seufzer wieder in seiner Tasche verstaute. Die beiden Frauen ließen sich jedoch nicht im Geringsten davon stören.
"Irgendwie finde ich keinen Draht mehr zu diesem Buch. Ich muss ständig daran denken, dass unser Urlaub morgen vorbei sein wird." Missmutig malträtierte er den Strohalm, der in seinem Drink steckte.
"Und kaum bist du wieder am Arbeiten, hast du das Gefühl, du wärst niemals weg gewesen", stimmte Rachel mit bedrückter Miene ihrem Verlobten zu.
"Hey, anstatt hier miese Stimmung zu verbreiten, solltet ihr Zwei lieber den letzten Tag genießen. Was sollen wir unternehmen, worauf habt ihr Lust?" Mulder wollte die trüben Gedanken vertreiben und zudem langweilte ihn das stupide Herumliegen.
"Auch wenn ich es nicht gerne tue und auch nie wieder tun werde, stimme ich zu! Mulder hat Recht. Lasst uns euren Abschied gebührend feiern", mischte sich Scully ein und brachte somit alle zum Lachen. Fox griff sich mit gespieltem Entsetzen an sein Herz und rief überwältigt: "Oh mein Gott, Dana Scully hat mir Recht gegeben. Es gibt noch Zeichen und Wunder!" Für diese Äußerung erntete er nur einen schmerzhaften Kontakt spitzer Ellbogen in seine Rippen. Doch niemand hielt es für nötig, Fox Mulder zu bedauern.
"Mir ist gerade aufgefallen, dass ich in all der Zeit, die wir am Pool verbracht haben, noch nie vom drei Meter Turm gesprungen bin. Das muss ich jetzt unbedingt nachholen. Wer kommt mit?" Voller Eifer erhob sich Rachel schon aus ihrer Liege und blickte auffordernd in die Runde. Mulder und Tom sprangen sofort voller Tatendrang auf und veranstalteten ohne Worte ein hektisches Wettrennen. Schmunzelnd verfolgten Rachel und Dana diese Albernheiten.
"Was ist, Dana? Du kommst auch mit?"
"Nein, Rachel. Spring du nur alleine mit den beiden Kindsköpfen. Mit diesem Bikini werde ich garantiert nicht da runter springen."
Die dunkelhaarige Frau musterte das besagte Kleidungsstück und grinste breit.
"Also Mulder würde es nicht stören, wenn du das eine oder andere Teil verlieren würdest."
"Das kann ich mir vorstellen. Aber nein, danke. Ich kann mich beherrschen", wehrte Dana ab.
"Okay, bis gleich!"
Und schon war Rachel verschwunden, um sich unter der Dusche nass zu machen. Von ihrer Liege aus hatte Dana einen guten Blick auf den Turm und auf die bereits an der Treppe rangelnden Männer. Tom trickste Fox aus und kletterte somit als Erster die Leiter hoch. Ohne einen Blick nach unten nahm er Anlauf, federte leicht am Ende des Brettes ab und sprang graziös mit weit ausgebreiteten Armen mit dem Kopf vorweg ins Wasser. Mulder hingegen betrachtete den Pool unter sich mit aller Aufmerksamkeit. Am anderen Ende fand Wassergymnastik für Senioren statt. Aber am interessantesten war seiner Meinung nach die rothaarige Frau, die in einem blauen Bikini und einer coolen Sonnenbrille bekleidet von ihrer Liege aus in seine Richtung sah. Die hinter ihm wartende Rachel schubste ihn unsacht nach vorne. Mulder verzichtete wohlweislich auf den Anlauf, und federte mehrmals auf dem Brett, um dann mit Schwung ebenfalls in einem Kopfsprung dem Wasser entgegen zu rasen. Hart schlug er im Pool auf und der Sog zog ihn in die Tiefe. Schnell tauchte er aus der Bahn und kam am Rand nach Luft ringend wieder nach oben. Über ihm stand ein breit grinsender Tom und er vernahm ein entferntes Lachen von Rachel, die noch immer auf dem Turm stand. Irritiert sah er sich um und erkannte, dass auch Dana an den Pool herangekommen war.
"Hey, Mulder! Warum wundert es mich nicht, dass du immer versuchst, allen die Show zu stehlen? Dein Sprung war grottenschlecht, aber das Ende ist... interessant." Amüsiert deutete seine Partnerin ins Wasser, genau auf die Stelle, die sich unterhalb des Sprungbrettes befand. Zu Mulders Entsetzen entdeckte er dort seine Badehose treiben. Mit einem Entsetzenslaut sah er durch das klare Wasser und erkannte erst jetzt, dass er völlig nackt am Rand des Pools schwamm. Warum auch hatte er heute auf seine normale Badehose verzichtet und statt dessen der wesentlich weiteren Boxershorts gewählt? - Weil Scully sich vor ihm in ihren winzigen Bikini angekleidet hatte. Wie bitte schön sollte ein Mann da noch denken können? Und jetzt, jetzt hatte er ein Problem. Unauffällig sah er sich um. Außer seinen Freunden hatte noch niemand sein Malheur entdeckt, wofür er wahnsinnig dankbar war. Sich vom Beckenrand abstoßend, näherte er sich mit schnellen Schwimmzügen der verlorenen Badehose. Doch mit dem rothaarigen Blitz, der ihn schon im Sprung vom Rand überholte und ihn in einer unglaublichen Geschwindigkeit hinter sich ließ, hatte er gar nicht gerechnet. Mit einem Triumphgeheul, das eine Großzahl der Urlauber auf das Geschehen aufmerksam machte, ergriff Dana Scully ihre Kriegsbeute und schlängelte sich geschickt an einem ihr nachstellenden Mulder vorbei. Ehe er sich versah, hatte sie sich elegant aus dem Wasser an Land gerettet und stand mit einem Unheil verkündenden Grinsen und seiner Badehose in der Luft schwenkend über ihm.
"Aber Mr. Mulder! Hat Ihnen noch keiner gesagt, dass Nacktbaden nur am Strand, und nicht am Pool gestattet ist?" Wäre er nicht hundertprozentig sicher, dass sie ihn nur auf den Arm nahm, dann hätte er ihr die Entrüstung wahrscheinlich sogar abgekauft. Auch die Aufmerksamkeit der Senioren war längst nicht mehr bei ihrer Übungsstunde. Die alten Damen betrachteten interessiert das vor ihnen stattfindende Schauspiel. Eine kesse Rentnerin beglückwünschte ihn sogar für sein knackiges Hinterteil. Mulder spürte, wie ihm die Schamesröte ins Gesicht stieg und das Lachen aller anwesenden Leute hallte in seinen Ohren wieder.
"Wie es aussieht, habe ich ein Lösung für Ihr Problem, Mr. Mulder. Wie es der Zufall so will, verfüge ich gerade über eine Herrenbadehose. Und Sie scheinen eine solche jetzt dringend zu benötigen. Nun, welchen Preis halten Sie für angemessen, Ihnen aus dem Schlamassel zu helfen?"
Würde er nicht gerade splitterfasernackt im Pool treiben, dann hätte er es der kleinen rothaarigen Füchsin schon heimgezahlt, doch die Umstände banden ihm die Hände.
"Wenn ich mich recht erinnere, so bin ich es, der diesen Urlaub finanziert. Es erscheint mir sehr töricht von Ihnen, Miss Scully, hier mit dem Feuer zu spielen."
"Sie irren sich, oder wollen Sie allen Ernstes nackt nach Hause fliegen, Mr. Mulder?" Dana ließ sich nicht von Fox beeindrucken und wich keinen Millimeter von ihrem Plan ab.
"Nun, ich warte. Aber wenn Sie diese Badehose nicht wollen, ich finde bestimmt einen anderen Interessenten!" Damit reizte sie den blamierten Mulder noch mehr.
"Schon gut, schon gut. Aber was soll ich denn tun?"
"Sie enttäuschen mich, Mr. Mulder, ein bisschen mehr Phantasie hätte ich von Ihnen schon erwartet!", stichelte Scully immer weiter.
"Was halten Sie heute Abend von einer Ganzkörpermassage, Miss Scully? Ich werde Sie Stunden lang verwöhnen. Na, wie hört sich das an?" Um sein Angebot noch etwas lukrativer zu machen, setzte er seinen lange erprobten Dackelblick auf.
"Das klingt in der Tat verlockend, Mr. Mulder." Doch etwas wollte sie ihn anscheinend noch zappeln lassen, denn sie schlenderte nachdenklich auf die andere Seite des Pool, ihr Blick die ganze Zeit auf den unbehaglich im Wasser schwimmenden Mulder gerichtet. Unzählige Augenpaare waren gebannt auf das Geschehen gerichtet, und doch verhielten sich alle mucksmäuschenstill. Sie waren viel zu gespannt auf die Reaktion der rothaarigen Frau. Am anderen Ende angekommen, strich sich Dana eine Strähne hinter ihr rechtes Ohr, fing ein zustimmendes Nicken Rachels auf und verkündete mit zuckersüßer Stimme.
"Gut, Mr. Mulder. Aber enttäuschen Sie mich nicht, Sie würden es bitter bereuen." Damit warf sie ihre Beute dem erleichterten Mulder zu und ging aufrechten Hauptes zu ihrer Liege zurück, um sich, als wäre nichts geschehen, wieder in ihr Buch zu vertiefen. Hecktisch strampelnd und unter dem tosenden Beifall der Zuschauer kämpfte sich Mulder wieder in seine Shorts und schwamm mit hochrotem Gesicht zur nächsten Leiter, um ebenfalls auf seine Liege zu flüchten. Lachend und scherzend taten es ihnen ihre Freunde gleich und Mulder musste sich ihre Neckereien bis zum frühen Abend gefallen lassen. Scully hingegen schaffte es nicht, das breite Grinsen, das sie seit ihrer Zustimmung auf dem Gesicht hatte, wieder loszuwerden. Und bald schon mussten sich Tom und Rachel zurückziehen, um ihre Sachen zu packen. Sie hatten sich noch zu einem letzten gemeinsamen Abendessen im Restaurant verabredet.
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Pünktlich um 20:00 Uhr fanden sich alle vier an ihrem Stammtisch wieder. Von der bedrückenden Stimmung war nichts mehr übrig geblieben und zusammen genossen sie ihr letztes gemeinsames Abendessen in St. Tropez. Gesprächsthema Nummer eins waren nach wie vor Mulders zahlreiche Missgeschicke. Doch es tat Fox gut, dass diese Leute nicht nur lachten, weil ihm etwas Dummes passiert war, sondern weil sie einfach die Situationskomik amüsierte. Keiner redete gehässig oder hänselnd über ihn, denn es waren seine Freunde.
Doch egal, wie schön dieser Abend oder die vergangen Wochen waren, jetzt war es an der Zeit, Abschied zu nehmen. Rachel und Dana umarmten sich herzlich und er glaubte sogar einige Tränen zu sehen. Tom legte Mulder den Arm um die Schulter und wünschte ihm alles Gute. Unglaublicher Weise beunruhigte es ihn nicht, dass auch Tom Dana umarmte und auf die Wange küsste, denn er tat es ihm gleich und verabschiedete sich auf ähnliche Art von Rachel.
"Wann geht denn euer Flug, sollen wir euch zum Flughafen begleiten?", erkundigte sich Dana. Doch Rachel schüttelte abwehrend den Kopf.
"Nein, lasst mal. Wir müssen schon um sechs dort sein, und wie ich das sehe, hat Mulder heute Nacht noch viel zu tun und wird morgen früh seinen Schlaf gut brauchen können." Verschwörerisch zwinkerte sie Dana zu.
"Dann wünsche ich euch einen guten Flug... Eure Nummer und Adresse haben wir ja. Wenn wir in sechs Tagen in DC zurück sind, werden wir uns bei euch melden. Macht es gut!" Abermals lagen sich die Frauen in den Armen und Mulder und Tom tauschten vielsagende Blicke miteinander. Dann verschwanden Thomas und Rachel und ließen zwei betrübte FBI-Agenten im Restaurant zurück.
"Es ist schon erstaunlich. Nur noch sechs Tage, und wir werden auch wieder abreisen müssen. Ich werde die Beiden irgendwie vermissen." Mulder konnte es gar nicht fassen, wie schnell die Zeit hier verging. "Aber ich mag sie wirklich!"
"Ja, ich mag sie auch. Sie sind wundervolle Menschen. Ich bin froh, dass wir sie kennen gelernt haben", stimmte ihm seine Freundin zu. Sie erhob sich von ihrem Stuhl und trat an Mulder heran. "Habe ich dir eigentlich schon für diesen wunderbaren Urlaub gedankt?" Damit beugte sie sich herab und hauchte Mulder einen sanften und liebevollen Kuss auf die Lippen.
"Nein, du musst dich nicht bei mir bedanken. Ohne dich hätte ich diesen Urlaub gar nicht machen wollen. Ich liebe dich."
"Ich liebe dich auch. Aber dieses Süßholzgeraspel bringt dir gar nichts. Ich kann mich noch dunkel an einen nackten Agenten im Pool erinnern, der mir eine Stunden lange Ganzkörpermassage versprochen hat. Und ich warne dich, ich habe sehr hohe Maßstäbe."
"Daran würde ich niemals zweifeln, Miss Scully. Na dann, wollen wir feststellen, ob ich Sie zum Schnurren bringen kann." Sich ebenfalls von seinem Stuhl erhebend nahm er ihre Hand in die seine und machte sich daran, sein Versprechen einzulösen.
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Ihre letzten verbleibenden Urlaubstage verbrachten Mulder und Scully mit Sonnenbaden, Schwimmen, Stunden langen Strandspaziergängen und unzähligen Arten von Liebe machen. Mit Stolz bemerkte Mulder, dass Dana nahezu von Innen heraus strahlte. Verschwunden waren die blassen, eingefallenen Wangen. Sie waren jetzt rosig und wurden von unzähligen Sommersprossen umsäumt. Ihre Augen schienen wie nie zuvor zu glänzen und die harten und starren Mauern um sie herum waren zu Staub zerfallen. Er genoss es, ihr seine Zuneigung in aller Öffentlichkeit und in jeder erdenklichen Situation zu zeigen. Noch mehr freute es ihn, dass auch sie sich gehen ließ und mit ihm zusammen ihre junge Liebe genoss. Entspannt saßen sie im Sand, sie in seinem Schoß, und genossen das Schauspiel der untergehenden Sonne. Zärtlich liebkoste seine Hand ihr Schlüsselbein, während die andere besitzergreifend auf ihrem Bauch, unterhalb ihrer Brüste ruhte. Verliebt hauchte er ihr zauberhafte Nichtigkeiten ins Ohr.
"Ich will morgen nicht abreisen." Beinahe kindisch klang ihre leise Stimme, während sie sich wohlig gegen Mulder lehnte.
"Glaub mir, ich kann mir auch etwas Schöneres vorstellen, als nach DC zurückzukehren." Er konnte ihren Missmut nur zu gut nachempfinden.
"Ja, ich auch... Was mich am Meisten stört ist, dass wir in Washington mit einem Geheimnis leben müssen. Das wir von St. Tropez, das wird es in Washington nicht geben."
"Dana..." Seine Stimme zitterte leicht. "Aber ein wir wird es doch noch geben, nicht wahr?"
Irritiert drehte sie sich um und schloss ihre Arme um seinen Hals.
"Natürlich, das darfst du niemals bezweifeln, hörst du. Aber wir werden nicht mehr so frei und ungezwungen unsere Gefühle ausleben können."
"Solange es ein wir geben wird, ist das zweitrangig."
"Aber wir müssen einige Regeln aufstellen."
Mulder gefiel diese Aussicht ganz und gar nicht.
"Regeln?", erkundigte er sich misstrauisch.
"Ja, Regeln. Ich meine, wir müssen Berufliches und Privates strikt trennen. Wenn wir auf einem Fall sind, dann werden wir weiterhin in zwei verschiedenen Zimmer schlafen. Und vorerst werden wir es keinem sagen." Angestrengt dachte Dana über sämtliche Probleme, die sie bekommen konnten, nach.
"Was, du willst es deiner Mutter nicht sagen?" Jetzt war Mulder wirklich verblüfft. Ihm war klar, dass sie sich beruflich keine Faux-Pas erlauben konnten, aber dass Dana es noch nicht einmal ihrer Mutter anvertrauen wollte, verwunderte ihn jetzt wirklich.
"Daran habe ich gar nicht gedacht. Sie wäre sicherlich sehr betrübt, wenn wir es ihr nicht von Anfang an sagen würden."
"Ja, und zudem wird sie nicht im J.E.H. Building herumposaunen, dass Spooky Mulder und ihre Tochter ein Paar sind, nicht?", scherzte Mulder um die Stimmung etwas aufzulockern.
"Nein, das bezweifle ich. Also werden wir es nur meiner Mum erzählen." Gedankenvoll fuhr sie ihm durch die dunklen Haare.
"Ja, und den Gunmen!", fügte Mulder hinzu.
"Den Gunmen?"
"Ja, denn die würden es sowieso sofort herausbekommen, warum sollen wir es ihnen dann nicht gleich sagen? Und zudem hast du dann Ruhe vor Frohike", erklärte Mulder seine Entscheidung der verblüfften Dana Scully.
"Auch wahr, also meiner Mum und den Gunmen", fasste sie noch einmal zusammen.
"Ja, aber das mit den Schlafarrangements während unserer Fälle...", setzte Mulder an, um seine Partnerin umzustimmen. Doch diese schnitt ihm bereits das Wort ab.
"Mulder, wir haben doch vereinbart, dass wir Privates und Berufliches trennen wollen", gab sie ihm zu bedenken.
"Ja, da stimme ich auch voll zu, aber wenn wir schlafen, dann ist das nicht geschäftlich. Mir ist klar, dass wir weiterhin zwei Zimmer buchen werden, aber denkst du, J. Edgar würde es kümmern, wenn ein Bett unbenutzt bleibt?", versuchte er Dana zu überreden.
"Ich weiß nicht, Mulder."
"Ach Scully... Stell dir mal vor wir sind für eine Woche unterwegs. Möchtest du wirklich eine Woche lang ganz einsam und allein in einem fremden Hotelbett schlafen, wenn ein Zimmer weiter dein verführerischer und sexy Lover schläft. Willst du das wirklich?"
"Keine Ahnung, von wem du sprichst, kenne ich ihn etwa?", neckte sie ihren verzweifelten Kollegen. Doch statt ihr zu widersprechen beschloss Mulder, Taten sprechen zu lassen und ihr eine Kostprobe von seinen Fähigkeiten als Lover zu geben.
Nach Luft schnappend befreite sie sich von seinen innigen und verheißungsvollen Küssen, richtete ihre Kleidung und wägte innerlich die Für und Wieder ab.
"Gut, ich gebe mich geschlagen, gemeinsame Hotelzimmer. Aber nur, solange du dich benimmst, Mulder."
"Was? Ich benehme mich immer vorbildlich", verteidigte der Agent sich vehement.
"Wenn du das sagst...", ihre Stimme klang keinesfalls gläubig.
Mulder ergriff ihre Hand und zog sie mit sich nach oben. Verwirrt schaute sie ihn an.
"Ich werde dir zeigen, was für ein Gentleman ich bin. Du und ich, unser Hotelzimmer, jetzt."
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Verschlafen und desorientiert kämpfte sich Mulder durch die unzähligen Touristen, in den Händen zwei kochendheiße Kaffeebecher. Dank Scullys auffälliger Haarfarbe war er schnell in der Lage, die auf ihre Koffer aufpassende Frau zwischen den ganzen Menschen zu orten. Dankbar ergriff sie das ihr dargebotene Gebräu und nippte gedankenverloren daran.
"Nicht zu fassen, dass unser Urlaub jetzt vorbei ist."
Mulder konnte ihr nur zustimmen und ließ sich neben ihr auf der kleinen Mauer nieder.
Sie hatten das Hotel bei Zeiten verlassen, um auf gar keinen Fall zu riskieren, durch Touristenmassen, Kommunikationsprobleme, oder - Gott bewahre - Mulders Tollpatschigkeit ihren Flug zu verpassen. Aber wie es der Zufall so wollte war alles reibungslos und schnell verlaufen, und nun saßen sie inmitten eines belebten Flughafens und mussten die Zeit totschlagen. Gelangweilt nippten die beiden Agenten an ihrem Kaffee und beobachteten das hektische Treiben der anderen Reisenden. Trotz Allem war es eine erfrischende Erfahrung, mal nicht selbst in Eile und auf die letzte Minute den richtigen Flug und das Gate zu suchen. Schneller als es ihnen lieb war, würden sie diesen Stress wieder zurück haben.
Schneller als erwartet wurde ihr Flug aufgerufen und sie konnten sich endlich an Bord des Flugzeuges begeben. Genießerisch ließ sich Fox Mulder in den breiten und luxuriösen Sitz nieder und streckte seine langen Beine aus.
"Meinst du, das FBI würde auch diese Klasse genehmigen, nur weil ich meine Beine hier ganz ausstrecken kann? Du weißt ja, wir Agenten müssen schnell laufen können, und wenn ich immer so eingequetscht in den Sitzen hängen muss, dann kann sich das später schlecht auf meine Gelenke auswirken."
"Kannst es ja versuchen, aber sag vorher Bescheid, ich will die Gesichter der Mitglieder des Ausschusses bei deinem Antrag sehen", war Danas Antwort, während sie ein von den Stewardessen angebotenes Glas Sekt entgegen nahm.
"Auf einen gelungen Urlaub, auf dich und mich, auf unsere Liebe, auf die Beinfreiheit!", prostete Mulder in guter Stimmung seiner Freundin zu.
"Auf die Beinfreiheit!", stimmte Dana freudig ein.
Die ersten Stunden verbrachten sie eng aneinander geschmiegt, während sie einen der im Flugzeug gezeigten Filme ansahen. Mulder genoss Scullys Anschmiegsamkeit. Diese war nicht nur auf ihre neue Beziehung zurückzuführen, vielmehr vermutete er, dass ihre Flugangst einen Großteil dazu beitrug. Er bewunderte die couragierte Frau immer wieder für ihren eisernen Willen und ihre unerschütterliche Zähheit. Denn obwohl er ihre Unbehaglichkeit immer bemerkt hatte, war sie nach Außen hin stets und versammelt gewesen. Doch jetzt wusste sie, dass ihre Angst in seinen Augen keinesfalls eine Schwäche war, dass er sie verstand und sie seine eigenen Ängste auch gut kannte. Dies war ein klassischer Moment, in dem sich einer der beiden auf die Stärken des anderen verlassen konnte. Und zu 90% war Dana Scully immer die Starke. Beide fühlten sich in dieser Situation geborgen. Mulder, weil er ihr beistehen konnte, und Scully, weil sie sich bei ihm geborgen fühlte. Bei dem Start hatte er sanft ihre Hand ergriffen und sie mit leisen und liebevollen Worten beruhigt. Jetzt hatten sich ihre Nerven sichtlich beruhigt, doch er wusste, dass ihr Unwohlsein kurz vor der Landung wieder zurück sein würde. Aber bis dahin mussten sie noch einige Stunden warten. Eigentlich hasste Fox lange Flüge. Eine zu lange Zeit auf zu engem Raum mit zu vielen Menschen. Aber die Frau, die neben ihm saß, schaffte es, dass er das Gefühl bekam, als wären alle anderen ausgeblendet und nur sie beide wären anwesend. Wie machte sie das nur?
"Obwohl ich mir was Besseres vorstellen könnte, als irgendwo über dem Ozean herum zu fliegen, so würde ich mit keinem anderen Menschen als dir über dem Ozean herum fliegen wollen." Damit sprach Dana genau das aus, was ihm gerade durch den Kopf ging.
"Love, ich hätte es nicht besser ausdrücken können. Ich liebe dich!"
Sanft umfasste er ihren Kopf und zog die ganz und gar willige Dana Scully zu sich, um ihr einen zärtlichen Kuss zu geben. Dana fand sich halb auf seinem Schoß in seinen Armen liegend wieder und gab sich seinen Zärtlichkeiten hin. Erst nach einer halben Ewigkeit lösten sich ihre geschwollenen Lippen voneinander.
"Wir sollten damit aufhören, denn soweit ich mich erinnere, gibt es hier keine Zimmer." Trotz ihrer Warnung ließ sie ihre langen und perfekt manikürten Fingernägel über seine Brust fahren.
"Frau, wenn du nicht aufhörst muss ich dich auf die Toilette schleppen und über dich herfallen", raunte Mulder, seine Selbstbeherrschung schwinden sehend.
"Mulder, in einem Flugzeug, nie!"
"Das weiß ich, deshalb habe ich dir auch damit gedroht. Also lass deine kleinen Hände bei dir, schließe die Augen und schlaf etwas, wir sind früh aufgestanden."
Auf seinen Vorschlag hin, den sie anscheinend zustimmte, drückte sie sich nach oben und wieder ganz in ihren Sitz zurück. Mulder beobachtete diese Aktion mit einem irritierten Gesichtsausdruck.
"Was bitte tust du da?" Verwunderung schwang in seiner Stimme mit.
"Ich werde etwas schlafen, wie du vorgeschlagen hast, ist was?"
"Dann sieh zu, dass dein Kopf schnell wieder zurück auf meinen Schoß kommt. Das ist die einzige Gelegenheit, meine Partnerin in meinem Armen im Flugzeug schlafen zu lassen, und du glaubst, ich lasse mich davon abbringen?" Kaum hatte er die Worte zu Ende gesprochen, lag der Rotschopf schon dort, wo er ihn haben wollte. Spielerisch fuhr er ihr durch die Haare und streichelte mit der anderen Hand sanft ihre Wangen. Unter dieser Liebkosung verging keine halbe Stunde, und Dana hatte Einzug ins Land der Träume gehalten.
"Hey, Dornröschen, aufwachen!" Leise weckte Mulder Dana, während eine Reisebegleiterin mit hölzerner Stimme die Passagiere aufforderte, die Sitze in eine aufrechte Lage zu bringen und sich anzuschnallen. Er beobachtete wie sich Scully in Sekundenschnelle aufrichtete, nervös mit der Einstellung ihres Sitzes kämpfte und mit weißen und zittrigen Fingern ihren Gurt ganz eng um ihren Körper legte. Sofort war die angenehme Entspannung, die der Schlaf mit sich geführt hatte, ihrer Angst vor der Landung gewichen. Beschwichtigend legte Mulder ihr den Arm um die Schulter. Doch Scully beruhigte diese Geste keinesfalls. Nervös sah sie zu ihm, nur um ihn mit einem Anflug von Panik in der Stimme anzufahren.
"Himmel, Mulder! Warum bist du noch nicht angeschnallt!" Schnell griff sie zu ihm herüber und suchte mit fliegenden Fingern nach seinem Gurt, um ihn dann, nicht weniger feste wie den ihren, um Mulder zu schließen. Dieser atmete einige Male tief ein und aus.
"Dana, jetzt, wo ich nicht mehr aus dem Sitz fallen kann, wäre ich dankbar, wenn ich atmend landen könnte. Wie wäre es, wenn du deinen Gurt auch etwas lockern würdest?" Mit diesen Worten schnallte er den Sicherheitsgurt um einige Zentimeter weiter und blickte dann auffordernd in Scullys Richtung. Die aber hantierte unbeholfen an der silbernen Spange herum. Mulder konnte sich nicht ansehen, wie sehr sie litt und weitete auch für sie den Gurt. Dann nahm er sie zur Beruhigung in seine Arme, zumindest so weit, wie es in ihrer jetzigen Situation möglich war. Dana beruhigte sich zwar nicht ganz, relaxte aber zusehends in seiner Umarmung.
"Wenn wir gelandet sind, dann werden wir das tun, worauf ich schon seit Beginn des Fluges gewartet habe." Mit diesem Versprechen wollte er ihre Gedanken in eine andere Richtung lenken. Doch sie nickte nur schweigend.
"Sollen wir zu dir oder zu mir fahren? Lass mich nachdenken, meine Wohnung sieht aus, als wäre ein Orkan durchgeweht, vielleicht sollten wir es uns bei dir gemütlich machen, was meinst du?" Er versuchte sie zu einer Kommunikation zu bewegen.
Ein tonloses "Okay" war allerdings der einzige Laut, den Fox ihr entlocken konnte. Gebannt starrte sie nach draußen in die sternklare Nacht von Washington DC.
"Ich hatte gar keine Ahnung, dass es hier noch mitten in der Nacht ist", murmelte sie mehr zu sich als zu ihrem Begleiter.
Zu einer Antwort kam er nicht, denn da das Flugzeug jetzt zur Landung ansetzte, hatte er alle Hände voll zu tun, seine ängstliche Partnerin zu beruhigen.
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Erleichtert, müde und doch aufgedreht warteten Mulder und Scully mit ihren Mitreisenden auf die Ankunft ihrer Gepäckstücke.
"So, da wären wir wieder, im guten alten DC. Nicht zu fassen, der Urlaub ist tatsächlich vorbei." Mulder fuhr sich mit der Hand durch die ungekämmten Haare und entdeckte endlich ihr Gepäck. Mit beiden Koffern beladen und Dana im Schlepptau suchte er nach dem Shuttlebus, der sie ins Parkhaus und zu Mulders Auto bringen sollte.
Die Fahrt dauerte nicht sehr lange und bald hatten sie die Koffer verstaut und befanden sich auf dem Weg nach Georgetown.
"Endlich daheim. In Frankreich kam mir der Gedanke an eine Rückkehr noch so schrecklich vor, aber jetzt bin ich eigentlich glücklich, wieder hier zu sein." Dana öffnet die Tür des Wagens und trat auf Mulder wartend an den Kofferraum heran.
"Ja, es ist erstaunlicher Weise schön, wieder daheim zu sein." Damit öffnete er die hinterste Tür des Autos. Scully hingegen drehte sich mit ausgebreiteten Armen einige Male um die eigene Achse und rief ein lautes. "Wieder daheim" durch die menschenleere Straße. Lachend zog sie Mulder zu sich, um ihn in ihren munteren kleinen Tanz mit einzubeziehen. Amüsiert ließ er es mit sich geschehen. Nach langen Minuten verharrte Dana und richtete ihr Augenmerk gen Himmel.
"Es ist so unglaublich, egal wo man sich befindet, die Sterne sind immer die selben!" Eine sonderbare und doch einzigartige Stimmung legte sich über das Paar, das noch Sekunden zuvor ausgelassen auf der Straße getanzt hatten.
"Ja, ich habe das Gefühl, wir wären wieder am Strand. Sie sind so einzigartig, und doch schon so unendlich alt. Einige von ihnen gibt es schon gar nicht mehr. Ich glaube, die Sterne sind das Faszinierendste überhaupt", schloss sich Mulder ihrer Meinung an.
"Alle in meiner Familie haben die Sterne geliebt, aber Ahab am meisten. Ich glaube, sogar noch mehr als das Meer. Früher waren sie die einzige Navigation für die Seefahrer. Ahab hat uns Kindern immer so viel über die einzelnen Sternbilder erzählt. Später habe ich erfahren, dass er, wenn ihm bei unserer dauernden Fragerei nichts mehr einfiel, einfach Geschichten erfunden hat." Gedankenverloren schmiegte sie sich an ihn und genoss seine Wärme.
"Du hast ihn sehr geliebt, nicht wahr?"
"Ja, das habe ich. Und ich habe gelernt, dass nicht der Schmerz, den ich über seinen Verlust empfinde, sondern die schönen Gedanken, die tollen Dinge, die wir zusammen erlebt haben, von Bedeutung sind. All die schönen Erinnerungen, meine eigenen oder die, die ich mit Mum, Bill und Charly teile. Und das selbe gilt auch für Missy und Emily." Berührt von ihren Worten fuhr Mulder ihr sanft mit den Fingerspitzen über die Wange.
"Von der Seite habe ich das Ganze noch nie betrachtet. Das gefällt mir!"
"Nicht wahr..." Sie schien nicht so ganz sicher zu sein, was sie sonst noch sagen sollte.
Mulder riss sie aus ihren Gedanken und deutete in eine bestimmte Richtung in die Dunkelheit.
"Schau dir das an. Das ist genau die Stelle, an der wir die zwei neuen Sterne entdeckt haben. Sie sind weg!" Aufgeregt gestikulierte er durch die Luft.
"Mulder, sie können nicht einfach von heute auf morgen weg sein. Vielleicht waren sie an einer ganz anderen Stelle." So ganz sicher klang ihre Vermutung nicht.
"Ich habe ein fotografisches Gedächtnis, schon vergessen? Und die Sterne waren genau an dieser Stelle... Gott, ich glaube dein Dad hatte Recht, und die Sternschnuppe, das war tatsächlich ein Zeichen." Mulder schien sich in diese Idee verbissen zu haben.
"Ich weiß nicht, Fox. Das scheint mir alles sehr weit hergeholt." Anscheinend konnte sie sich noch immer nicht mit diese Idee anfreunden.
"Hey, du warst es, die mich am Strand gefragt hat, ob ich das für möglich halte. Und ja, ich glaube, dass an dieser Geschichte, die dir Ahab erzählt hat, was dran ist. Ich bin mir ganz sicher, dass es William und Melissa Scully waren, die wir am Sternenhimmel gesehen haben."
"Schön und gut, aber was ist dann bitte schön mit ihnen geschehen?", forderte Dana Mulder heraus.
"Dana, das hast du mir doch selber erzählt. Wenn die Seelen wissen, dass es ihren Lieben gut geht, dann werden sie das Firmament wieder verlassen. Nun, deine Mum führt ein zufriedenes Leben, Bill und Charly sind beide glücklich verheiratet, und jetzt bist auch du auf Ewig mit mir verbunden. Ich würde mal sagen, dass alle happy sind, und deshalb brauchen die Beiden deswegen nicht mehr über euch wachen."
"Das hört sich an wie aus einem Buch oder wie ein Gedicht... Zu schön um wahr zu sein." Der letzte Satz kam ihr kaum hörbar über die Lippen.
"Für mich hört es sich nach einer wunderbaren Sache an. Man muss nur glauben. Wir glauben an vieles. Du glaubst an Gott, an mich... kannst du nicht auch daran glauben? Ich tue es."
"Wirklich?" Irgendwie wirkte sie plötzlich wie ein kleines Mädchen. Er wünschte sich so sehr, dass sie es schaffen würde, an eine so wunderbare Sache zu glauben. Fiktion oder nicht, Hauptsache war, dass diese wunderbare Möglichkeit ein Zeichen war. Ein Weg zu Dana Scullys Seelenfrieden. Im fahlen Licht der Straßenlaterne erkannte Mulder, dass Dana anscheinend in ihrem tiefsten Inneren nach einer Antwort zu suchen schien. Dann bemerkte er, wie sich ein sanftes Lächeln über ihr Gesicht legte und sie mit belegter Stimme "Ja, ich glaube daran" flüsterte. Überglücklich zog er sie noch fester in seine Arme und die Tränen, die ihre Wange herunter liefen, küsste er einfach weg.
"Dann sind jetzt auch Ahab und Missy glücklich. Komm, Love, lass uns nach oben gehen und den Beiden zeigen, wie glücklich wir miteinander sind!" Dieses Angebot wollte und konnte Dana nicht abschlagen. Sie ergriffen ihre Koffer, verschlossen das Auto und betraten Scullys Gebäude. Ein letztes Mal drehte sich die Agentin noch um, blickte an die nun leere Stelle und sprach leise in die Nacht: "Macht es gut, Ahab und Missy, ich liebe euch!"
Dann trat sie aus der Dunkelheit in den hell erleuchteten Flur und Mulder entdeckte eine weitere Sternschnuppe. Lächelnd zog er die Tür hinter sich zu, um seinen Vorsatz nachzukommen, Dana Scully glücklich zu machen.