Written by: Anja (Lilly) & Hanja
Kontakt: agent_dana_scully_x@yahoo.de (Hanja) Deak184@aol.com (Lilly)
Rating: PG-13
Spoiler:
Gibt’s nicht! J
Kategorie: MSR, Angst
Disclaimer: Die Fernsehserie "The X-Files" und deren Charaktere Dana Scully, Fox Mulder, Walter Skinner und andere gehören nicht uns, sondern Fox Broadcasting, Chris Carter und 1013 Productions. Wir verfolgen keinen kommerziellen Zweck und verdienen kein Geld durch deren Benutzung.
Author´s notes: Also, hier will ich, Hanja, mich "offiziell" bei Lilly für ihre Zusammenarbeit bedanken!
Daaaaaanke Liebes!
*knuddel*

Und Lilly-klein gibt diesen Dank natürlich postwendend zurück! Es ist einfach supi-toll mit dir zu arbeiten! *reknuddel*

Dank auch an all jene, die uns in irgendeiner Weise bei der Umsetzung unserer Ideen geholfen haben! Special thanx an Cat, ohne die es meine erste Fanfic nie gegeben hätte...You’re my inspiration!

Und ihr Leser dieser Fanfic, wisst ihr eigentlich wie wir uns kennen gelernt haben? Durch Feedback schreiben. Nur so zur Info ;-)

Erklärungen:
F= Träume
K= Scully POV

 

-SEVIN-

 

Draußen regnete es in Strömen. Scully saß am Steuer ihres Wagens und blickte hinaus auf die trostlose Landschaft. Sie gab sich alle Mühe, die Tränen zurückzuhalten, die sich in ihr angesammelt hatten. Sie konnte nicht glauben, was geschehen war. Es war einfach unmöglich!

Ihre Hände auf dem Lenkrad zitterten stark. Er konnte nicht tot sein. Nicht er, ihr Partner und ihr Freund. Nicht er, der Mann, den sie insgeheim liebte.

Sie wusste, sie konnte es sich jetzt im Auto nicht erlauben anzufangen zu weinen, da ihr die Tränen die Sicht versperren würden, aber das war ihr in diesem Moment egal.

Als sie vor ihrem Haus hielt und ausstieg, wurden ihre Knie weich und sie musste sich an der Autotür festhalten um nicht zu fallen. Sie lehnte sich dagegen und schloss die Augen. Sie wurde nass, aber das störte sie nicht. Endlich riss sie sich soweit zusammen und rannte rauf in ihr Apartment. Als sie die Treppe hinaufrannte, stiegen Erinnerungen in ihr hoch, wie sie so oft nach Hause gekommen war, die Wohnung geöffnet und ihn drinnen vorgefunden hatte. In der Mitte des Raumes blieb sie stehen. Was sollte sie tun? Sie fühlte sich so hilflos wie noch nie. Ein verzweifelter Schrei entkam ihrer Kehle, dann begann sie laut zu schluchzen. Nun hinderte sie nichts mehr daran, ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Sie stolperte in ihr Schlafzimmer und warf sich aufs Bett. Mit den Fäusten krallte sie sich in die Bettdecke.

Irgendwann schlief sie erschöpft ein, und ruhte traumlos bis zum nächsten Morgen. Als sie aufwachte, fühlte sie sich gut, aber noch immer müde. Sie rekelte sich. Da fiel ihr wieder ein, was geschehen war. Sofort erstarrte sie wieder und spürte, wie ihre Augen zum brennen anfingen. Unfähig aufzustehen, fiel ihr Blick aus dem Fenster, das ihr einen strahlend blauen Himmel frei gab. Es war fast so, als ob das Wetter sie verspotten wollte. Sie wusste, sie sollte beim FBI anrufen und sich krank melden. Skinner würde es verstehen. Nach diesem Vorfall hätte er sie höchstwahrscheinlich selbstständig beurlaubt, wenn sie ihm Zeit gegeben hätte auszureden. Sie erinnerte sich an das Gespräch zurück:

Sorgenvoll betrat ich die Polizeiwache, und als ich A.D Skinner dort stehen sah, hatte ich eine düstere Vorahnung, was geschehen sein könnte. Schon allein seine Anwesenheit machte mir das klar und da er dann noch diese sorgenvolle Miene aufgesetzt hatte, gab es keinen Zweifel mehr für mich. Dennoch hielt ich mich vergeblich an meinen Hoffnungen fest. Doch die waren, wie ich mittlerweile weiß, vergebens.

"Was ist passiert?" fragte ich, versuchend meine Stimme kontrolliert klingen zu lassen..

"Es gibt schlechte Neuigkeiten", begann er, "es..."

Hastig unterbrach ich ihn: "Hat es was mit Agent Mulder zu tun?"

Ich bemerkte, wie Skinner von einem Fuss auf den anderen trat und versuchte, die richtigen Worte zu finden. Er blickte zu Boden, meine Verwirrung stieg ins Unermessliche.

Dann sah er mir mit einemmal in die Augen: "Ich fürchte ja, Agent Scully...und..."

Als ich diese Worte hörte, konnte ich einfach nicht mehr. Die Tränen, die sich schon während der ganzen letzten Tagen in mir angesammelt hatten, drohten mit einemmal auszubrechen.

Doch... ich konnte das doch nicht zeigen, oder? Immer war ich die kühle, reservierte Agentin Scully. Niemand hatte je mehr in mir gesehen, und, auch wenn die Erkenntnis schmerzt, ich glaube nicht mal mein Partner. Obwohl er mich schon so oft hatte weinen sehen.

Scully verzog das Gesicht. In die Trauer, die in ihrem Gesicht zu lesen war, mischten sich trotzige Züge, während sie nachdachte.

‚Mulder, Sie wissen, dass ich nicht so emotionslos und gefühlskalt bin, wie alle behaupten. Ich bin nicht ausschließlich die "Ice-Queen", für die ich beim FBI gehalten werde.

Glauben, Sie, dass ihre Aliens weinen können?’ Schon schweiften ihre Gedanken wieder vom ihrer Trauer ab und erschrocken musste sie feststellen, dass sich ein Gefühl des Zorns unter ihre Tränen mischte.

‚Ich wünschte, ich wäre eines Ihrer Aliens, Mulder, denn dann hätten Sie mir wenigstens mehr Beachtung geschenkt.

Aber statt dessen, haben Sie mich einfach verlassen und mich allein zurückgelassen.

Ich erinnere mich daran, dass ich manchmal gehen wollte, und doch hab ich es nie über mich gebracht, da sie mich zurückhielten und allem wieder einen Sinn gaben.

Als Skinner nun sagte, die schlechten Nachrichten haben mit Ihnen zu tun, rannte ich weg. Er und dieser Sheriff Sowther, brauchten doch nicht unbedingt meine Schwächen zu sehen, nicht, nachdem ich diese all die Jahre so erfolgreich versteckt hatte. Manchmal offenbarte ich Ihnen eine, nicht oft, aber doch. Sie nahmen mich dann immer in ihre Arme...

Ich rannte weg, denn ich wollte die Worte nicht hören, die er unvermeidlich aussprechen würde.

Ich fuhr zurück in das Motel, packte so schnell wie möglich die Koffer und verließ den Ort unverzüglich.

Jetzt bin ich hier, unfähig mich zu rühren, allein mit meiner Trauer. Freiwillig allein, wie ich dazufügen muss.’

Mit einem Mal wurde sie durch das Klingeln des Telephons aus ihren Gedanken gerissen.

Instinktiv wollte sie aufstehen und abnehmen, doch sie verspürte nicht die Kraft dazu. Sie wollte jetzt nicht reden. Mit niemandem.

Sie ließ sich zurück in ihr Bett sinken.

Einige Zeit später läutete ihr Handy. Es befand sich auf dem Nachtkästchen neben ihrem Bett, wo sie es hingelegt hatte als sie nach Hause gekommen war.

Kurzerhand schaltete sie es einfach ab.

Ihre Gedanken kreisten und schweiften, Gedanken, die sie nie fähig gewesen wäre in Worte zu fassen. Um ihnen endlich zu entkommen, versank sie wieder im heilvollem Schlaf, doch IHM entkam sie nicht.

Sie lief durch die Dunkelheit des Waldes und rief nach ihm. Immer und immer wieder, doch er antwortete nicht. Die Dornen von wilden Himbeersträuchern zerschnitten ihr die Haut und die Wurzeln der riesigen und bedrohlich wirkenden Bäume ließen sie immer wieder stolpern.

"Mulder!!!" Rief sie noch einmal, als sie plötzlich eine Gestalt sah. Der junge Mann stand auf einer Brücke und als er sie erblickte rief er ihr zu: "Scully! Passen Sie auf! ER ist hier! Direkt vor ..." Weiter kam er nicht, denn ein gellender Schuss durchschlug die Stille der Nacht. Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen, als sie Mulder über die Brüstung der Brücke kippen sah. "Muulldeeer!!!" war das Einzige, was sie noch herausbrachte als sie seinen leblosen Körper in den Fluten des reißenden Flusses verschwinden sah...

Schweißgebadet wachte sie auf. Sie hatte diesen Traum seit er vor 3 Wochen spurlos verschwand. Man hatte seine Leiche bisher nicht gefunden, und das war der einzige Strohhalm, an den sich ihre Hoffnungen noch klammern konnten.

Doch nun hatte Skinner ihr diese Nachricht überbringen wollen. Er hatte ihr nicht mehr sagen können, was genau mit Mulder geschehen war, da sie so stürmisch die Flucht ergriffen hatte.

Nun wurde sie sich dessen bewusst. Was war, wenn man ihn doch lebend gefunden hatte?

Was wenn Skinner ihr gar nicht sagen wollte, dass er tot war...?

Sie wollte es wissen. Jetzt sofort, auch wenn es erst 01:43 Uhr war. Sie musste Skinner anrufen und die Wahrheit erfahren.

Hastig sprang sie aus dem Bett und wählte die Nummer ihres Vorgesetzten.

"Skinner", meldete sich eine verschlafene Stimme am anderen Ende der Leitung.

Scully holte tief Luft.

"Ich bin es, Sir!"

"Agent Scully? Sind Sie es?"

Augenblicklich war er hellwach.

"Ja... ähm..." Sie wusste nicht wie sie das Verhalten ihrer plötzlichen Flucht erklären sollte, als Skinner mit ihr sprechen wollte.

Er nahm ihr den Versuch Worte zu finden ab, indem er sie unterbrach:

"Was war los mit Ihnen? Ich habe mir Sorgen um sie gemacht, nach dem sie so abrupt verschwunden waren. Ich erwartete sie im Motel vorzufinden, aber da wurde mir gesagt Sie wären schon abgereist. Dann versuchte ich Sie telephonisch zu erreichen, doch es hob niemand ab."

"Ich weiß. Es tut mir leid, aber ich habe ziemlich viel durchgemacht in den letzten Wochen, seit Mulder weg ist... Um Ehrlich zu sein, ich war nicht bereit, dass zu erfahren was Sie mir unweigerlich mitteilen würden."

Eine Pause entstand.

"Sie wissen noch gar nicht was geschehen ist?

Ich nahm zu dem Zeitpunkt als sie auf der Wache ankamen an, sie hätten es von einer anderen Quelle schon erfahren."

Scully schüttelte den Kopf und antwortete:

"Nein, ich weiß nicht was geschehen ist." Sie musste sich zusammenreißen, dass ihre Stimme nicht brach, als sie fortfuhr. "Aber ich glaube es zu wissen."

Nach diesem Satz war es Skinner möglich, sich einiges zusammenzureimen, was in den letzten Tagen lose in der Luft gehangen ist. Scully nahm an dass Mulder tot sei. Dieser Glauben hatte ihr einen tiefen Schlag versetzt, so dass sie das Gefühl gehabt hatte sich dieser Tatsache nicht stellen zu können.

Skinner kannte die beiden Agenten, und es war nicht zu übersehen gewesen wie unüblich nah sie sich für FBI- Standards standen.

Ehrlich gesagt glaubte er auch, dass sie sich noch näher standen als sie vorzugeben schienen.

"Sie nehmen an, dass er tot ist. Nicht wahr, Scully?" erkundigte er sich.

Scully zuckte bei diesen Worten zusammen.

"Ist er das denn nicht?" fragte sie angespannt und erleichtert gleichzeitig.

Skinner schüttelte den Kopf, sich bewusst, dass es Scully nicht möglich war diese Geste wahrzunehmen.

"Nein."

"Aber was ist dann passiert?" Ihre Stimme klang heiser.

"Wir haben ihn gefunden, Scully." Skinner legte eine Pause ein, und lauschte auf Scullys Atem, der bei diesen Worten schneller zu werden schien.

Ihr Mund selbst fühlte sich trocken an, und sie musste sich bemühen die nötige Sauerstoffzufuhr zu erlangen. Skinner fuhr fort:

"Er lag ohnmächtig am Rande des Waldes. Sofort brachten wir ihn in ein Spital. Die Ärzte dort aber wissen nicht was mit ihm los ist. Er scheint sehr krank zu sein. Es ist ein Rätsel, das die Ärzte bisher nicht lösen konnten. Laut ihren Aussagen hat er kaum eine Chance. Sein Herzschlag geht mit jedem Tag schwächer, aber außer Schürfwunden scheint er sonst nicht sehr verletzt zu sein."

"Aber er wurde doch angeschossen! Von der Wunde muss doch etwas zu sehen sein."

"Vielleicht hat die Kugel ihn nicht getroffen, sondern ist knapp an ihm vorbeigegangen."

"Ich weiß was ich gesehen habe, Sir." Scully schluckte hart. Ich muss auf der Stelle zu ihm, dachte sie bei sich

"In welchem Spital ist er untergebracht worden?" wollte sie wissen.

"Er wird morgen früh ins George Memorial verlegt. Sie können ihn dann ab Mittag besuchen, wenn Sie das möchten." Erklärte Skinner ruhig. Er war erleichtert, dass sie es nun endlich wusste und auch, weil er nun wusste, warum sie so plötzlich davonlief.

"Nein, Sir! Ich möchte jetzt zu ihm! Jetzt gleich! Bitte,... wo ist er?" flehte sie ihren Vorgesetzten an.

"Scully, sein Sie doch vernünftig! Es ist mitten in der Nacht! Gehen Sie ins Bett!" murmelte er nun wieder verschlafen und hoffte, dass er sie davon abhalten würde, zu ihm zu fahren. Man würde sie um diese Uhrzeit ohnehin nicht zu ihm lassen, das müsste sie doch eigentlich wissen.

"Aber, Sir....!" setzte sie erneut an, aber wieder erhielt sie nur eine Absage von Skinner.

"Nein, Agent Scully!" sagte er noch einmal. "Gute Nacht!"

Damit legte er den Hörer wieder auf die Gabel und ging schlafen.

Als Scully nur noch das Tuten am anderen Ende der Leitung vernahm, legte auch sie resignierend auf.

Dennoch war es ihr unmöglich einzuschlafen. Ihre Gedanken waren nur bei ihm und sie fragte sich immer wieder, warum er zusammenbrach und in den Fluss stürzte, obwohl er nicht getroffen worden war.

Aber vor allem dachte sie nur an eins: Er lebte!!! Und das war im Moment für sie das Wichtigste.

Am nächsten Morgen stand sie sehr zeitig auf. Sie wusste, dass er erst um die Mittagszeit verlegt werden würde, aber dennoch machte sie sich schon Stunden vorher fertig.

Sie wollte so schnell wie möglich zu ihm, wollte ihn sehen, ihn in den Arm nehmen, so wie er es immer tat, wenn es ihr schlecht ging.

Die Stunden bis zum Mittag kamen ihr furchtbar lang vor, bis sie es gegen 10:30 Uhr nicht mehr aushielt.

Sie setzte sich in ihr Auto und fuhr los. Sie wollte bei ihm sein, von der ersten Sekunde an, in der er wieder in Washington sein würde.

Etwa eine halbe Stunde später im George Memorial Hospital:

Scully stieß hastig die beiden Türflügel auf und betrat schnellen Schrittes die Abteilung, in der nach ihrer Information zufolge Mulder untergebracht worden war. Ihre Augen musterten im Vorrübergehen die Nummernschilder die neben den Zimmertüren angebracht waren. 2207... 2210...2213! Das war’s! Schon lag ihre Hand am Türknauf, doch dann besann sie sich noch einen Moment, versuchend zu ihrem alten, professionellen Ich zurückzukehren. Sie versuchte ihrem Gesicht einen entspannten Ausdruck zu verleihen und nicht mehr so gehetzt zu wirken wie vorhin. Dann holte sie noch einmal tief Luft, bevor sie das Zimmer betrat. Zuerst öffnete sie die Tür nur einen Spalt und lugte hinein. Mulder schlief. Sie hatte fast angenommen, dass sie ihn für die Überstellung ruhig gestellt hatten, denn auch wenn ihr nicht bekannt war was ihm fehlte, so wusste sie laut dem Bericht der Ärzte, den sie vor ihrem Besuch noch schnell angesehen hatte, dass er nicht mehr im Koma lag. Vorsichtig, um ihn nicht zu wecken, betrat sie den Raum und trat an sein Bett heran. Wie immer, wenn sie ihn so sehen musste stieg eine Beklommenheit in ihrem Körper auf. Würde er es schaffen? Dieser Gedanke jagte ihr eine Gänsehaut über den Rücken und sie musste sich auf ihre Lippen beißen um den Schmerz zu verbannen, den er ihr zufügte.

Sie ließ sich auf dem Stuhl neben seinem Bett nieder und betrachtete ihn. >Er sieht friedlich aus wenn er so schläft< dachte sie bei sich und ungewollte Tränen spiegelten sich in ihren Augen wieder. Immer und immer wieder kreisten die selben Fragen in ihrem Kopf herum.

Was ist mit ihm geschehen? Unter was leidet er? Die Diagnose der Ärzte besagte nichts, außer einer Herzschwäche aus unbekannten Gründen. Was waren das aber für Gründe? Es ging Scully gegen ihre wissenschaftlichen Neigung, nicht die Symptome einer Krankheit herausfinden zu können. Mit Hilfe der modernen Medizin und ordentlich durchgeführten Untersuchungen sollte das doch kein Problem sein, meinte sie. Aber Tatsache war, dass dem nicht so war. Die Ärzte waren ratlos.

Sie rückte näher an ihn heran und fuhr ihm mit einer Hand sanft durch die Haare. "Mulder?" Ihre Stimme war nicht mehr als ein heiseres Flüstern. Und dennoch schien Mulder sie gehört zu haben. Sein Kopf neigte sich leicht zur Seite und seine geschlossenen Augenlider zuckten ein wenig. "Mulder?" Ohne ihre Stimme zu heben wiederholte Scully seinen Namen. Langsam, als ob es ihm Mühe bereitete öffnete er seine Augen. Gerade nur soweit, dass er Scully in seinem Blickfeld hatte. Sein Mund verzog sich zu etwas, was einem Lächeln nicht unähnlich war. Seine Lippen formten ein Wort: Scully.

Scully beugte den Kopf und hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn. Sie musste dran denken, wie er sich immer um sie gekümmert hatte, als sie Krank war, zum Beispiel als sie Krebs hatte: Wie er bei ihrem Bett gesessen hatte, die ihre Hand in seiner haltend, und zur Begrüßung und bei der Verabschiedung ihr einen Kuss gebend... Scully fragte sich, ob er damals auch die selben Gefühle empfunden hatte wie sie jetzt: Angst, Hoffnung, wechselnd mit purer Hoffnungslosigkeit. Sie wünschte sie könnte darüber reden, wusste aber im selben Moment, dass sie das nicht konnte. Niemals. Ihre Gefühle waren etwas, was ihr gehörte. Sie hatte noch nie gerne darüber geredet, und am wenigstens mit einem Menschen, der ihr so nahe stand wie Mulder es tat.

"Hallo", begrüßte Scully ihn endlich, die Hände noch immer in seinen Haaren vergraben.

"Hi." Mulders Stimme klang schwach.

"Wie geht es Ihnen?"

Mulder bewegte als Antwort den Kopf hin und her um ein Kopfschütteln anzudeuten. "Schlecht", formten seine Lippen.

"Ich habe mir Sorgen um Sie gemacht!" Jetzt traten Tränen in ihre Augen. "Ich habe gedacht Sie wären tot." Sie hatte eigentlich nicht vorgehabt, gleich damit herauszuplatzen. Sie hätte es ihm gesagt, wenn es ihm wieder besser ginge. Mulder hob seinen Arm und nahm ihr Gesicht in seine Hand. Mit dem Daumen fuhr er über ihre Wange und zog ihren Kopf zu sich herunter. Es lag nun an Mulders Schulter und er strich Scully durch die Haare. Eine Zeitlang verharrten sie so, bis Scully schließlich ihr Gesicht hob, auf dem sich deutliche Tränenspuren abzeichneten. "Was ist passiert, Mulder?" Sie schüttelte den Arm ab, der immer noch ihren Nacken kraulte, wie er es schon die ganze Zeit getan hatte, was Scully aber schlichtweg entgangen war, oder was sie im Oberbewusstsein nicht so richtig wahrgenommen hatte. Sie setzte sich wieder auf den Stuhl, und nahm so wieder die Haltung der professionellen FBI Agentin an, die ihren Partner im Krankenhaus besucht, für den sie ja "nur" reine, freundschaftliche Gefühle hegte. Mulder schüttelte wieder leicht den Kopf. "Sagen Sie es mir, Scully!"

Sie blickte ihn verwirrt an. "Mulder, ich...ich weiß nur wie ich sah, dass Sie in den Fluss stürzten, während wir diesen Mann... dieses Wesen verfolgten. Auf der Brücke. Ich weiß nicht was passiert ist, ich weiß nicht wo man Sie gefunden hat, aber es dürfte außerhalb des Waldes gewesen sein... Und Tatsache ist, dass von dieser Stelle dort der Fluss nicht weniger als 5 Kilometer entfernt ist."

Mulder hustete. Wahrscheinlich musste er sich im kalten Wasser, in das er gefallen war, zusätzlich noch eine Erkältung geholt haben.

"Man weiß also nicht wie ich dort hingelangt bin?"

Scully schüttelte abermals den Kopf.

"Und was... was ist mit mir geschehen?"

Oh Gott, steh mir bei! Das war die Frage vor der ich mich am meisten gefürchtet habe. "Wir wissen es nicht!", höre ich mich selbst mit monotoner Stimme Auskunft gebend. Seine Augen blicken mich groß an. Ungläubig.

"Was erwarte ich denn. Ich bin schließlich bei den X-Akten.", versucht er zu scherzen. Ich nehme es ihm nicht ab, und fixiere ihn mit dem extra für ihn reservierten Scully-Blick. Er selbst ist die schwierigste X-Akte an die man gelangen kann, seufze ich innerlich. Es kann ihm doch nicht gleichgültig sein, dass man ihm nicht helfen kann. Und da braucht er wirklich nicht schon wieder anfangen Scherze zu reißen. Aber irgendwie kann ich ihn auch gut verstehen. Vielleicht möchte er mich nicht beunruhigen. Dieser Gedanke zaubert ein Lächeln auf meine Lippen.

"Wir werden es bald wissen, Mulder! Vielleicht müssen noch Untersuchungen durchgeführt werden, aber wir werden es wissen!" Ich versuche meine Stimme überzeugend klingen zu lassen. Und irgendwie glaube ich das jetzt auch selbst. Er lebt! Und das ist im Moment das wichtigste.

Ich weiß nicht wie das gekommen ist, aber meine Hand befindet sich plötzlich wieder in seinen Haaren, streicht über seine Stirn und spielt mit einzelnen Strähnen die ihm wirr ins Gesicht fallen. Er hat die Augen geschlossen. Instinktiv rücke ich mit meinem Stuhl näher an sein Bett heran.

"Agents?" Scully wendete den Kopf, als sie eine Stimme hinter sich hörte. Skinner stand in der Tür.

"Guten Tag, Sir! Wie geht es Ihnen?" fragte sie ihren Vorgesetzten höflich, obwohl sie genau wusste, dass es momentan mehr als unwichtig war, wie es Skinner ging. Ihm ging es immer gut... und als hätte er ihre Gedanken verstanden bestätigte er diese sofort.

"Mir geht es gut, Agent Scully! Es ist viel wichtiger, wie es ihm geht!" und deutete mit seinem Kopf auf Mulder.

Mulder war inzwischen eingeschlafen und atmete leise. Es sah so friedlich aus, wenn er schlief. Aber auf Grund der Tatsache, dass niemand wusste, was ihm fehlte war es alles andere als beruhigend, ihn schlafen zu sehen.

>Was wenn er nicht wieder aufwacht?< schoss es Scully durch den Kopf. Es machte ihr Angst ihn so daliegen zu sehen.

"Gibt es irgendwelche Neuigkeiten? Hat man schon herausgefunden, was ihm fehlt?" fragte sie deshalb ihren Vorgesetzten.

"Nein, tut mir leid, Agent Scully. Es konnte noch nichts gefunden werden. Wir stehen noch immer vor einem Rätsel." musste dieser schweren Herzens eingestehen.

"Woran kann es nur liegen? Ich meine, er kann doch nicht einfach so von einer Brücke fallen ohne auch nur eine Spur von einer Verwundung aufzuweisen." Die Agentin hatte Schwierigkeiten ihre Verzweiflung zu verbergen, während sie sprach. "Er wird immer schwächer! Wir müssen ihm doch irgendwie helfen können..."

"Ich habe seine Blutproben ins Hauptquartier schicken lassen. Sie werden dort gründlich untersucht werden. Mehr können wir jetzt nicht tun!"

"Na schön, ich werde nachher ins Labor gehen und mir die Proben selbst einmal ansehen. Vielleicht finde ich ja doch noch etwas, was übersehen wurde. Es ist meine einzige Chance... Ich muss ihm helfen!" erklärte Scully mit tränenerstickter Stimme.

Skinner hatte nichts dagegen einzuwenden. Er konnte zwar ihre Hoffnung nicht teilen, was das Auffinden eines Hinweises anging, aber er wusste auch, dass es sie verrückt machen würde, wenn sie nicht wenigstens versuchen könnte ihm zu helfen.

Dann verließ er das Zimmer und fuhr zurück zum Büro. Vielleicht hatte sich ja irgendetwas neues ergeben.

Scully saß noch eine lange Zeit an Mulders Bett. Sie wollte ihn noch nicht allein lassen. Sie wollte, dass er wieder aufwachte, bevor sie ging. Sie würde sich sicherer fühlen, wenn sie wüsste, dass er wach war.

Nach einer Weile bemerkte sie auch, wie er sich bewegt. Erst zuckten nur seine Fingerspitzen, aber dann öffnete er langsam und gequält die Augen und blinzelte sie an.

"Hallo!" sagte sie leise. "Haben Sie ausgeschlafen? Wie fühlen Sie sich?"

"Hi... geht so!" log er. Er hatte große Probleme zu sprechen. Er war erschöpft und geschwächt und irgendetwas verriet ihr, dass er seit vorhin noch wesentlich schwächer geworden ist.

Sie wusste, dass sie gegen die Zeit arbeiten mussten, wenn sie ihn retten wollten.

Als ihr das bewusst wurde, stand sie auf. "Mulder, ich werde mich jetzt Ihren Blutproben widmen." Erklärte sie ihrem geschwächten Partner. "Ich werde herausfinden, was mit Ihnen los ist! Das verspreche ich Ihnen!"

Damit gab sie ihm einen sanften Kuss auf die Stirn und verließ das Zimmer.

Als sie auf den Flur trat, kam ihr ein Arzt entgegen. Sie hatte erfahren, dass er für Mulder zuständig war und so sprach sie ihn an.

"Entschuldigen Sie bitte, Dr. Newman! Mein Name ist Dana Scully. Ich bin die Partnerin von Fox Mulder..."

"Ja, ich habe schon von Ihnen gehört! Was kann ich für Sie tun?" fragte er höflich.

"Ich möchte Sie bitten, dass Sie einige neurophysiologische Test an ihm vornehmen. Er wird zunehmend schwächer und ich habe das Gefühl, dass das Problem in seinem Gehirn zu suchen ist... Könnten Sie das tun?"

Nachdem der Arzt einen kurzen Moment überlegt hat ,stimmte er Scullys Bitte zu. "Ich werde versuchen, ihn irgendwo mit einzuschieben. Es wird sich schon noch ein wenig Zeit finden lassen..."

"Vielen Dank, Dr.!" strahlte Scully ihn an. Dann verschwand sie in den Gängen und ging zu ihrem Wagen.

15:35 Uhr, FBI-Hauptquartier, Laboratorium

Scully saß nun schon über eine halbe Stunde über dem Mikroskop und betrachtete die Blutproben, die von Mulder genommen wurden. Sie hatte sie verschiedensten Verfahren ausgesetzt, ohne eine Wirkung erzielt zu haben. Dennoch war ihr bei ihren Beobachtungen unter dem Elektronenmikroskop eine merkwürdige Substanz aufgefallen, die sie noch nicht identifizieren konnte.

"Komm schon! Was ist das für ein Zeug..." murmelte sie vor sich hin.

"Wozu habe ich denn jahrelang studiert, wenn ich nicht rauskriege, was das genau ist?" fluchte sie plötzlich, womit sie einige der anderen Anwesenden in dem Labor aus ihren Gedanken riss.

Sie lehnte sich resignierend zurück, als plötzlich das Telefon läutete.

"Scully?" meldete sie sich.

"Hallo, hier ist Dr. Newman. Wir haben ihren Partner untersucht und vielleicht interessiert es sie ja, was wir gefunden haben..."

"Natürlich interessiert es mich! Was denken Sie denn?" blaffte sie ihren Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung an. "Raus mit der Sprache!"

"Nun ja, wir haben herausgefunden, dass er irgendetwas ausgesetzt worden sein muss, was seine Synapsen angegriffen hat." Erklärte der Arzt bereitwillig.

"Ein Neurotoxin?" Scully schluckte. "Sie meinen er wurde einem Nervengift ausgesetzt?"

"Genau! Leider wissen wir noch nicht genau, welches. Das wäre allerdings notwendig, wenn wir ihm helfen wollen."

"Aber Nervenschäden sind doch irreversibel!" widersprach Scully dem Arzt.

"Nun ja... Es gibt inzwischen Methoden, die entstandene Gewebslücken im Nervensystem schließen können. Ich meine damit eine Nerventransplantation..."

"Ja, oder eine Nervenpfropfung!" beendete Scully den Gedanken. "Aber diese Methoden sind doch unabhängig von der Art der Substanz, die ihm das angetan hat, oder nicht?"

"Das stimmt an sich..." bestätigte Newman Scullys Aussage. "Aber wir müssen erst das Gift bekämpfen. Wenn es in seinem Körper bleibt, wird es sein Nervengewebe immer wieder angreifen."

Das leuchtete Scully natürlich ein und im selben Moment ärgerte sie sich darüber, dass ihr das nicht eingefallen war.

"Hören Sie, Dr. Newman. Ich werde versuche herauszufinden, was für eine Art von Gift es ist. Sobald ich das weiß, melde ich mich bei Ihnen." Schlug sie vor. Dann verabschiedete sie sich und legte auf.

Ein Nervengift- das war zumindest ein erster Anhaltspunkt. Also setzte sie sich wieder an ihr Mikroskop und forschte weiter. Auch wenn sie wusste, dass die Zeit nun wirklich drängte.

 

23:56 Uhr Memorial Hospital

Mit eiligen Schritten lief Scully den Flur des Hospitals hinab. Sie konnte es noch immer nicht fassen, dass sie die Substanz wirklich gefunden hatte.

"Dr. Newman?" sprach sie den jungen Arzt an, als er gerade aus einem Krankenzimmer kam.

"Oh, Agent Scully.. wollten Sie mich nicht anrufen?" fragte er erstaunt.

"Ja, das hatte ich eigentlich vor, aber ich dachte ich komme doch lieber gleich persönlich vorbei und helfe Ihnen bei den Vorbereitungen für die OP."

"Vorbereitungen für den OP? Entschuldigen Sie bitte, aber das überlassen Sie doch lieber mal den Ärzten in diesem Hospital." Antwortete er verwirrt.

"Sie verstehen nicht! Ich bin Ärztin! Ich habe in Quantico Medizin unterrichtet. Ich bin ausgebildet und befugt an diesem Eingriff mitzuwirken." Versuchte sie sich zu rechtfertigen.

"Wie Sie meinen!" gab Newman schließlich nach. "Wir können die OP aber vergessen, wenn Sie mir nicht endlich verraten, um was für ein Gift es sich handelt!"

"Oh, natürlich!" meinte Scully verwirrt. "Es nennt sich Sevin. Das ist eine Verbindung aus Alkylcarbamaten. Das Zeug wird in Arizona und einigen anderen Staaten noch als Pflanzenschutzmittel verwendet. Bei uns ist das schon seit einigen Jahren verboten. Und wir hatten bei unserem letzten Fall in Arizona zu tun..."

"O.k. ich werde sehen, was sich machen lässt, um dieses Zeug aus seinem Körper rauszukriegen." Teilte Newman mit, bevor er den Gang hinunterschritt und in einem Schwesternzimmer verschwand.

Scully wollte ihm folgen, schlug aber nach kurzem Nachdenken einen anderen Weg ein. Sie wusste, sie hatte gerade eben versprochen bei den Vorbereitungen zu helfen, gleichzeitig war ihr aber klar, dass die Schwestern und Ärzte dies auch ohne ihr schaffen würden. Stattdessen wollte sie noch zu ihm, um die letzte gemeinsame Zeit allein auszukosten, bevor er in den Operationsraum gebracht werden würde.

Sie betrat den Raum, wo er untergebracht war. Wie sie gehofft hatte, war Mulder wach.

"Hey", begrüßte sie ihn!

"Scully?" Natürlich war es sie, das wusste er, obwohl seine Augen wie durch einen Nebelschleier blickten, und sich ihm seine Umgebung nur in verschwommenen Zustand preisgab. Aber selbst wenn er vollkommen blind gewesen wäre, er hätte Scully immer allein an ihrer Stimme erkannt.

"Ja," nickte Scully. Auch sie bemerkte wie trüb seine Augen waren und wie fahl sein Gesicht. "Mulder, es gibt gute Neuigkeiten!" Sie versuchte ihrer Stimme einen festen und optimistischeren Klang zu verleihen, als ihr zu Mute war. "Wir haben herausgefunden, was ihren Zustand verursacht. Sie werden jetzt ins OP gebracht werden, wo eine sogenannte Nerventransplantation vorgenommen wird, aber vorher müssen wir das Gift aus ihrem Körper kriegen. Außerdem muss ich sie davon in Kenntnis setzten, dass die Operation gewisse Risiken birgt..." Sie wusste, wie sinnlos sich das alles für Mulder anhören musste, in Anbetracht der Situation in der er sich befand, und wollte plötzlich nicht mehr fortfahren. Nicht in dieser Art, in der sie schon jahrelang mit ihm geredet hatte.

Mulder blickte verwirrt zu ihr auf. "Nervengift?", presste er schließlich heraus.

Scully nickte:"Sevin...Pflanzenschutzmittel." Sie merkte, wie ihr das sprechen plötzlich schwer viel, und sich wieder Tränen in ihren Augen ansammelten. Sie wollte nicht mehr zu ihm sprechen wie eine Ärztin, sondern wie eine Freundin. Sie strich sich eine rote Haarsträhne hinters Gesicht und blickte zu Boden.

"Ich mache mir Sorgen um Sie, Mulder!"

"Steht es so schlimm um mich?"

Scully zögerte. Dann nickte sie.

"Werde ich sterben?" Seine Stimme klang weich.

Scully blickte erschrocken auf. Diese direkte Frage hätte sie nicht erwartet.

Sie schüttelte den Kopf, während die Tränen an die Oberfläche traten. Sie scheute sich nicht mehr davor zu weinen. Es war angemessen in dieser Situation. Und wer würde nicht weinen, um den Freund oder die Freundin, welche bald ihrem Schicksal gegenüberstehen würden, um den entscheidenden Kampf auszufechten, den Kampf um Leben und Tod. Sie wusste, dass Mulder kämpfen würde, es zumindest versuchen würde, aber sie war sich nicht sicher, ob er noch die Kraft hatte zu gewinnen.

"Dana?", hackte Mulder vorsichtig nach. Das Wort ergriff Scully so heftig, dass sie nicht anders konnte als schluchzend zu Boden zu sinken. Sie spürte nicht den kalten, harten Boden, nicht die Knie, die sofort zum schmerzen anfingen, sobald sie ihn berührte, sondern nur ihre Hand in seiner, die er ergriffen hatte.

"Man kann nie wissen, wie eine gefährliche Operation am Ende ausgeht", antwortete sie unter Tränen und Mulder führte ihre Hand an seine Lippen und berührte sie leicht.

"Mit Ihnen als Ärztin habe ich die besten Karten! Ich vertraue ihnen Scully. Vertraue dir, Dana!"

"Tun Sie das nicht, Fox.", bat sie.

Mulder verzog bei dem Klang seines Vornamens sein Gesicht. Dennoch sagte er nichts und blickte ihr vertrauensvoll in die Augen.

Es ist schwer, die Ärztin des Geliebten zu sein. Sich verantwortlich für ihn zu fühlen, Fox. Und dennoch habe ich mich dafür entschieden. Ich weiß, ich habe die Chance, dich zu heilen. Ich würde mir Vorwürfe machen, wenn ich diese Chance nicht mal ergreifen würde. Und dennoch, was, wenn du es nicht schaffst? Wenn ich mein ganzes Leben lang den Vorwurf ertragen muss, es nicht geschafft zu haben dich durchzubringen?

Vertraue mir nicht, Fox. Denn wenn es unberechtigt ist, wird dieses Vertrauen es sein, welches Tag und Nacht in meinen Kopf sein wird, wenn ich allein bin auf dieser Welt. Denn ohne dich bin ich allein. Ich habe zwar eine Familie, aber die können mir schon längst nicht mehr das bieten was du mir gibst.

"Mein Vertrauen ist berechtigt, Scully!" sagte Mulder mit einer sanften, aber überzeugten Stimme. "Auch wenn es vorbei sein sollte mit mir, du warst immer da für mich, bist nie von meiner Seite gewichen, auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren." Er machte eine Pause, und ein leichtes Lächeln stahl sich in sein Gesicht: "Was heißt da nicht immer?"

Auch Scully versuchte ein Lächeln, was ihr aber nicht so recht gelingen wollte, und Mulder fuhr fort: "Damals als Sie zum ersten mal mein Büro betraten, wissen Sie noch?"

Scully nickte.

"Ich denke, es ist unnötig zu erwähnen, dass ich sie anfangs so schnell wie möglich loswerden wollte. Aber bereits nachdem unser erster gemeinsamer Fall abgeschlossen war, haben Sie mich von dem überzeugt gehabt, was Sie sind. Ein besonderer Mensch. Einer, den man mit Respekt zu behandeln hat, und dem man ruhigen Gewissens vertrauen kann. Ich vertraue auch jetzt darauf, dass Sie ihr bestes geben werden." Während Mulder sprach, war seine Stimme immer leiser und leiser geworden, bis er schließlich schwieg. Wiedereinmal wurde Scully dran erinnert wie sehr die Zeit drängte. Ungeduldig wanderten ihre feuchten Augen immer wieder zur Tür, darauf wartend, dass die Krankenschwestern ihn holen kämen. Einige Minuten später, welche Scully wie Stunden vorgekommen waren, war es dann soweit. Die Tür öffnete sich, und Dr. Newman betrat den Raum.

"Wir wären dann fast soweit, Agent, oder Doktor Scully. Wenn sie sich fertig machen würden."

Scully nickte. Ihre Kehle fühlte sich plötzlich vollkommen trocken an. Sie stand auf und suchte eilig das von Dr.Newman beschriebene Schwesternzimmer auf, wo die Arztkleidung für sie schon bereit lag. Schnell zog sie diese über, säuberte sich die Hand, und hastete sofort wieder auf den Gang. Mulder wurde gerade aus dem Zimmer geführt. Sie rannte zu ihm hin. "Mulder?", erkundigte sie sich heiser. Er hatte die Augen geschlossen. Seine Mundwinkeln zuckten ein wenig, zum Zeichen, dass er sie gehört hatte. Sie fasste nach seiner Hand, und drückte sie, während sie mit der anderen das Rollbett mit anschob. Unaufhaltsam rückte der OP Raum näher. Schon wurde die Tür aufgestoßen, und sie blieben stehen. Ärzte standen bereit, einige hatten die Geräte schon in der Hand, und als Mulder nochmals die Augen öffnete, stach ihm ein gleißendes Licht in die Augen. Unter all den Gesichtern, die um ihn herumwuselten, glaubte er Scullys erkennen zu können. Es war das, welches ihm am nächsten war. Ihre Augen blickten traurig. Er bewegte den Kopf ein wenig, er wollte ihr noch etwas sagen, und vor allem noch etwas tun, bevor er die Narkosespritze bekam, aus der er vielleicht nie wieder aufwachen würde. Ihr Kopf neigte sich zu ihm herab, und als er ganz nah dem seinen war, erhob er ihn unter dem Aufwand seiner letzten Kraft, und berührte ganz sachte mit seinen Lippen die ihren. Und genau zur selben Zeit als ihre Lippen sich trafen, wurde ihm in den linken Arm die Narkosespritze injiziert...

Langsam wurde ihm schwarz vor Augen. Doch noch immer war es da, das Gefühl von Scullys zarten Mund, und sie selbst konnte die Berührung in diesem Moment nicht abbrechen. Es war ihr egal, wie viele Leute um sie herum waren, und es störte sie auch nicht der Mangel an Privatsphäre, alles was sie wollte, war noch einmal ganz nah bei ihm zu sein...

Noch immer mit geschlossenen Augen, brach Scully den Kontakt. Der Kuss hatte nur einen kurzen Augenblick gedauert, doch für sie war es so viel mehr als das gewesen. Sie fühlte sich verwirrt, fast wie ein kleines Mädchen, doch schnell rief sie sich wieder ihre Aufgabe in Erinnerung. Sie musste Mulder helfen. Sie hatten sich soeben geküsst und ihr war klar, dass dies der letzte Kuss gewesen sein könnte, wenn sie nicht schnell etwas unternahm. Sie wollte ihm helfen.. sie musste ihm helfen. Sie war seine einzige Chance, die er noch hatte.

Also beschloss sie sich zusammen zu nehmen und folgte den anderen Ärzten und Schwestern in den Operationssaal.

Dann atmete sie ein letztes mal tief durch und schloss die Tür hinter sich.

4: 35 Uhr, Memorial Hospital, OP-Bereich

"Verdammt noch mal! Passen Sie gefälligst auf!" schrie Newman eine der Schwestern an, die gerade eine Schale hatte fallen lassen und somit alle Anwesenden erschreckt hatte.

"Das ist ein chirurgischer Eingriff am Gehirn! Also, Ruhe bitte!" fügte nun auch Scully hinzu.

Die Operation dauerte nun schon seit gut vier Stunden und noch war ein Ende nicht in Sicht. Die angespannte Atmosphäre, die im Raum herrschte war drückend und für einen Erfolg des Eingriffs nicht gerade förderlich.

Scully stand der Schweiß in dicken Perlen auf der Stirn. Sie wurde immer wieder von Gedanken übermannt, mit denen sie im Moment nicht fertig werden konnte. Immer wieder kam es ihr in den Sinn, dass sie gerade an ihrem Partner herumhantierte, ihrem geliebten Mulder, der ihr sein grenzenloses Vertrauen geschenkt hatte. Eine falsche Handlung und sie würde nie wieder in seine wunderschönen braunen Augen sehen können, er würde sie nie wieder anlächeln.. und nie wieder küssen. Es schmerzte sie, wie sie ihn vor sich liegen sah, hilflos und vor allem schutzlos...

"Verflucht!!!"

Ein lautes Fluchen riss sie aus ihren Gedanken.

"Reanimieren! Sofort!"

Erst jetzt bemerkte Scully den eindringlichen Piepton und die gerade Linie auf dem Monitor. >Er stirbt! < schoss es ihr durch den Kopf.

"Mulder!" stieß sie gepresst hervor. Sie verloren ihn - Hier, jetzt, auf der Stelle! - Und sie konnte nichts tun. Sie stand nur wie gelähmt neben ihm und beobachtete die Schwester, die den Defibrilator brachte. Dann hörte sie das Hämmern und die Stöße, die Mulders Körper aufzucken ließen.

Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis die Herztöne wieder auf dem Monitor sichtbar waren. Sekunden, in denen auch Scullys Herz stillzustehen schien.

"Gott sei dank!" gab nun Newman von sich, als auch er erkannte, dass sein Patient wieder unter den Lebenden weilte.

"Danke!" hauchte Scully leise, bevor sie von einer Ohnmacht übermannt wurde und lautlos zu Boden sank. Ihr Kreislauf konnte den ganzen Stress der letzten Zeit einfach nicht mehr verkraften.

 

Dunkelheit umfängt mich. Doch in der Ferne sehe ich ein mattes Licht. Ich gehe darauf zu, obwohl meine Beine schwer sind wie Blei.

Ewigkeiten scheint es zu dauern, bis ich den Punkt erreicht habe, von wo der Lichtschein ausgeht. In der Schwärze der Nacht erkenne ich einen Grabstein. Es ist noch frisch, dass erkenne ich mit geübtem Blick.

Die Inschrift lässt sich kaum entziffern.

Erst jetzt sehe ich zu meiner Rechten eine Frau die neben dem Grab kniet. Ihre Hände haben sich in Blütenblättern verfangen, die einen schweren und vollen Geruch aussenden. Ich möchte sie fragen wer sie sei, wessen Grab das denn sei, doch als ich aufblicke erschrecke ich, erkenne ich doch in ihrem Gesicht das meinige...

"Sie haben ihn umgebracht!"

Sie spricht die Worte nicht zuende, aber sie klingen in meinem Kopf, hämmern, hämmern dumpf in meinem Kopf... hämmern...

5: 23 Uhr, Schwesternzimmer

Ein dumpfes Hämmern war das erste, was sie wahrnahm, als sie ihre Augen öffnete.

Es dauerte ein Weilchen, bis sie erkannte, wo sie sich befand. Und ebenso lange benötigte sie, um zu begreifen, warum sie dort war.

Sie musste ohnmächtig geworden sein, das wurde ihr dann bewusst.

Sie warf einen Blick auf die Uhr, die an der Wand hing und erschrak. 5:25 Uhr? Sie hatte fast eine Stunde geschlafen?

Schon im nächsten Augenblick sprang sie von der Liege. >Mulder!< Sie musste ihm doch helfen. Er vertraute ihr! Sie musste zu ihm und bei der Operation dabei sein.

>Was, wenn es zu spät war?< drängte sich ihr ein furchtbarer Gedanke auf, den sie sofort zu verdrängen versuchte.

Eilig rannte sie den Gang entlang in Richtung Operationssaal.

Mit schwer schlagendem Herzen ging sie auf die Tür zu und gerade, als sie sie erreichte schwang diese im großen Bogen auf.

Gebannt betrachtete Scully die Schwestern und Dr. Newman, als sie Mulder aus dem Saal schoben und auf die Intensivstation zu steuerten.

Dort angekommen löste sich Newman von der Gruppe und ging auf die Agentin zu, die ihn mit großen, erwartungsvollen, aber vor allem ängstlichen Augen musterte.

"Wie...." setzte Scully an.

"Es geht ihm soweit ganz gut! Die OP ist gut verlaufen!" beruhigte er sie. "Wir werden ihn in den nächsten Tagen und vielleicht auch Wochen unter ständiger Beobachtung halten um sicher zu gehen, dass das transplantierte Gewebe auch wirklich anwächst. Aber er hat gute Chancen, was die Heilung angeht."

"Denken Sie, dass er irgendwelche dauerhaften Schäden davontragen wird?" erkundigte sie sich unsicher.

"Das kann man nie ausschließen. Sein motorisches Sprachzentrum wurde stark angegriffen, aber es besteht dennoch Hoffnung, dass er komplett genesen wird."

"Danke, Dr. Newman! Ich danke Ihnen für alles, was sie für uns ... ich meine für Agent Mulder... getan haben. Ohne Ihre Hilfe hätte er das wohl nicht überlebt." Mit diesen Worten ließ Scully den Arzt im Flur stehen und ging hinein zu Mulder.

Es erschreckte sie immer wieder, wenn sie ihren Partner so hilflos in einem Krankenbett liegen sah. Das passte einfach nicht zu ihm. Er war aktiv, musste überall dabei sein, war immer zur Stelle, wenn irgendetwas los war... und nun lag er da, schlafend, bewusstlos... als wäre er tot.

Ständig fiel ihr Blick auf die Monitore um sich zu vergewissern, dass sein Herz noch immer schlug.

Sie holte sich einen Stuhl und setzte sich neben sein Bett, so wie sie es immer getan hatte, wenn er im Hospital lag... und so, wie er es immer tat, wenn sie krank war.

Schweigend saß sie neben ihm und betete still. Sie betete zu Gott, dass alles gut werden würde, dass er aufwacht und sie anlächelte. Während sie das tat füllten sich ihre Augen wieder mit Tränen.

Sie legte ihren Kopf auf seine Brust und lauschte den leisen Atemzügen, die ihr immer wieder bewiesen, dass er noch lebte. Mit diesem Gedanken schlief sie schließlich ein, während sich sein Brustkorb unaufhörlich hob und senkte.

Etwas später:

Mulder öffnete mühsam die Augen und blinzelte. Die plötzliche Helligkeit blendete ihn, so dass er wieder die Augen schloss. Sein Kopf schmerzte so sehr, dass er das Gefühl hatte sein Gehirn würde von unzähligen Nadeln durchbohrt werden. <Wo bin ich?> fragte er sich, bevor er sich dessen wieder bewusst wurde. Er versuchte nochmals die Augen zu öffnen, langsam, um sich an das Licht zu gewöhnen. Das erste, was er dann erblickte, war der rote Schopf der an seiner Schulter ruhte.

"Scully", schoss es ihm durch den Kopf, und ein Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus.

Vorsichtig strich er ihr durch die Haare.

Er war froh, dass sie da war. Und er war froh, dass er lebte. Langsam kam seine Erinnerung zurück. Zuerst erinnerte er sich an den Weg in den OP-Saal, und wie sie seine Hand gehalten hatte, und wie er gespürt hatte wie diese kleine Geste ihm Mut, Kraft und Willen gab zu überleben. Dann musste er daran denken, wie Scully ihn geküsst hatte, und er konnte spüren wie sein Herz bei diesem Gedanken schneller zu schlagen schien.

Er liebte sie. Das wurde ihm mit einemmal vollkommen klar. Umso mehr Zeit vergangen war, seit sie zusammenarbeiteten, umso wichtiger war sie ihm geworden. Mit jedem neuen Fall, den sie zu bearbeiten hatten, wurde er immer dankbarer dafür, dass sie bei ihm war. Auch wenn sie selten einmal einer Meinung waren. Wahrscheinlich war es sogar gut, dass sie versuchte ihn am Boden der Realität zu halten, und nicht seine Theorien und seinen Glauben weiter entfachte, indem sie ihm zustimmte...

Er hätte zu jeder Zeit sein Leben für sie gegeben und er glaubte zu wissen, dass sie dasselbe für ihn tun würde. Sie bedeutete ihm mehr als irgendjemand sonst auf der Welt und sogar mehr als er selbst. Doch bis zu diesem Augenblick war er sich nicht sicher gewesen, was all diese Gefühle bedeuteten. In gewissem Maße hatte er es sogar gemieden, ihnen auf den Grund zu gehen.

Bis jetzt.

Er liebte sie.

In dem Augenblick, als diese Erkenntnis ihn traf, wachte Scully auf. Sie hatte keine Ahnung wie lange sie geschlafen hatte, aber sie fühlte sich wie neu geboren. Was nicht zuletzt an der Botschaft lag, dass Mulder es geschafft hatte. Sie fühlte seine Handfläche gegen ihre Wange gepresst, und seine in ihren Haaren vergrabenen Finger. Ein wohliger Seufzer kam aus ihrer Kehle.

"Dana", vernahm sie dann seine Stimme. Sie hob ihren Kopf und sah Mulder an. Als nächstes richtete sie sich ganz auf und beugte sich über ihn, die Hände auf sein Kissen gestützt.

"Mulder", flüsterte sie. Ihre Kehle war wie zugeschnürt. Sie wollte ihm so vieles sagen, doch sie konnte nicht. Aus diesem Grund schwieg sie. Mulder sagte als erster etwas:

"Sie haben es geschafft." Seine Hand umfasste ihr Kinn, und Dana folgte diesem Zug indem die ihre zart seinen Handrücken umschloss.

"Wir haben es geschafft!" gab sie zur Antwort.

Er lächelte sanft: "Ich liebe dich."

Sie starrte ihn an, ungläubig diese Worte aus seinem Mund gehört zu haben, aber nach einem kurzen Augenblick fasste sie sich wieder: "Ich liebe dich auch!"

Noch nie war mir diese Tatsache so bewusst gewesen wie in dem Augenblick, als ich es aussprach. Natürlich hatte ich es immer gefühlt, und die letzten Tage hatten dieses Empfinden auch noch ungemein verstärkt, dennoch war es etwas anderes wie jetzt, als ich es ihm sagte.

Ich liebe ihn schon ewig, doch mir war es lieber, ich tat es im Geheimen. Ich weiß nicht woran das lag, vielleicht gab es mir eine gewisse Sicherheit. Immerhin arbeiteten wir zusammen, und standen uns schon sehr nahe. Womöglich hatte ich Angst vor der Stärke der Gefühle?! Dass ich noch mehr von ihm abhängig werde als ich sowieso schon bin?

Aber vielleicht hat es gar keinen Sinn mehr, weiter darüber nachzugrübeln. Der Zeitpunkt ist gekommen, zu tun, was mein Herz mir befiehlt. So was in der Art hätte zumindest meine Schwester Melissa gesagt... Missy. In den letzten Tagen habe ich viel über sie nachdenken müssen, wenn ich es schaffte Mulder für kurze Zeit aus meinem Kopf zu verbannen.

Wie sie gehandelt hätte, hätte sie mein Leben gelebt. Die verschiedensten Stationen meines Lebens gingen mir durch den Kopf, zumindest die, die ich im Keller des FBI Gebäudes verbrachte, bei den X-Akten.

Melissa ist eine Frau gewesen, die immer nur auf ihr Herz hörte, ganz im Gegenteil zu mir, die immer das tat was der eigene Kopf verlangte.

Aber das alles, worüber ich nachgrüble spielt im Moment keine Rolle. Was einzig und allein zählt, ist das ich Mulder meine Liebe gestanden habe und er mir seine.

Er zieht mein Gesicht nahe an das seine und presst seine halbgeöffneten Lippen auf meinen Mund.

Ein warmes Gefühl breitet sich in meinem ganzen Körper aus und ich erwidere seinen Kuss.

Plötzlich ließ sie ihn los und blickte ihn irritiert an.

"Was ist?" fragte er sanft.

"Ich weiß nicht so genau..." sagte sie nur und fing an, seinen Hals abzutasten. Sie hatte gerade etwas gespürt und wollte wissen, was genau es war.
Mulder sah sie verwirrt an, unterbrach sie aber nicht.

Da entdeckte Scully eine kleine Erhebung unter seinem linken Ohr.

"Das ist doch.... ja! Jetzt wissen wir, wie das Gift in Ihren Körper gekommen ist!"

"Ihren?" fragte Mulder amüsiert. "Du küsst Männer, mit denen du noch nicht mal per Du bist?"

"Wenn ich an den Richtigen gerate schon!" grinste sie ihn an, kam aber schnell wieder auf das eigentliche Thema zurück. "Das ist eine Einstichstelle. Sie könnte von einer Spritze.."

"Oder einem Giftpfeil sein!" ergänzte Mulder ihre Gedanken.

"Genau! Warte hier! Ich muss mal telefonieren!"

"Schon o.k.! Ich laufe nicht weg." und betrachtete die vielen Maschinen, an die er angeschlossen war.

Damit verschwand sie aus dem Zimmer.

Schwesternzimmer

"Guten Morgen Sir!" sprach Scully in den Telefonhörer, als sie die Stimme von Assistant Direktor Skinner vernahm.

"Guten Morgen, Agent Scully! Was kann ich für Sie tun?" fragte dieser auf der anderen Seite der Leitung.

"Sir, Sie könnten einen Suchtrupp losschicken..."

"Ist Agent Mulder schon wieder verschwunden?" unterbrach sie ihr Vorgesetzter.

"Sir! Um Himmels Willen! Nein! Sie sollen einen spitzen Gegenstand suchen, mit dem Mulder das Gift hätte verabreicht werden können."

"Ach so! Ich werde eine Einheit in den Wald schicken um danach zu suchen. Ist das alles?"

"Ja, Sir! Vorerst schon!" sagte Scully.

"Na, dann wünsche ich Ihnen noch einen angenehmen Tag! Aber vergessen Sie bitte nicht, dass Sie keinen Urlaub beantragt haben."

"Ja, natürlich Sir! Ich werde nachher ins Büro kommen! Auf Wiederhören!" sagte Scully ein wenig gereizt und knallte den Hörer auf die Gabel.

Dann ging sie zurück in Mulders Zimmer.

Als sie das Zimmer betrat, schlief Mulder wieder. Sie konnte es verstehen. Es war nur ein paar Stunden her, seit er einer Gehirn-OP unterzogen wurde.

Also setzte sie sich nur neben ihn auf einen Stuhl und betrachtete ihn.

Er sieht so unschuldig aus. Wie ein kleiner Junge, der nach einem anstrengenden Schultag und einem ausgelassenen Fußballspiel mit seinen Freunden nun in seinem Bettchen schlummert. Fox, ich bewundere Dich aus tiefster Seele. Du hast in deinem Leben so viel gesehen, so viel erlebt, so viel verloren und doch bist du immer noch stark genug, um weiter zu kämpfen. Woher nimmst du diese Kraft? Ich hätte schon längst aufgegeben! Eigentlich habe ich es auch getan, aber du warst immer da und hast mich wieder hochgezogen. Du hast mir Kraft gegeben, wenn ich sie brauchte, du hast mir Mut gemacht, wenn der meine mich verließ und du hast mir noch etwas völlig neues gegeben. Du hast mir deine Liebe gegeben... und das ist das einzige, das ich dir zurückgeben kann. Und bei Gott! Das werde ich auch tun. Ich möchte dich für dein ganzes Leid entschädigen, das dir widerfahren ist... aber ich weiß, dass ich es nicht kann. Keiner kann dir dieses Leid nehmen. Aber ich verspreche dir, dass ich versuchen werde es zu mindern. Mit all meiner Kraft, die noch in mir ist. Mit all meiner Liebe, die ich für dich empfinde.

Scully zog einen kleinen Notizblock aus ihrer Tasche und hinterließ ihm eine Nachricht, dass sie nun zur Arbeit müsse. Dann stand sie auf und verließ das Krankenhaus.

Als sie draußen ankam blickte sie noch einmal zu Mulders Zimmer hinauf und lächelte. Mit klopfendem Herzen stieg sie dann in ihr Auto und machte sich auf den Weg zum Büro.

 

 

Der Tag der Entlassung:

Es regnete in Strömen. Wie so oft um diese Jahreszeit. Mulder befand sich noch immer in seinem Zimmer und war gerade damit beschäftigt, seinen Krankenhauskittel gegen normale Kleidung zu tauschen. Es fühlte sich gut an, wieder Jeans und ein ganz normales T-Shirt zu tragen. Er warf seine restlichen Sachen in die kleine Reisetasche, die vor ihm auf dem Bett stand. Sein Blick fiel aus dem Fenster. Für einen Moment beobachtete er wie der Regen gegen die Scheibe trommelte. Er dachte an Scully und wie es jetzt weitergehen würde mit ihnen. Die Möglichkeiten schienen ihm im Moment so zahlreich wie die Tropfen, die auf dem Fensterglas zu feinen Linien zerronnen.

"Mulder?" holte ihn eine sanfte Stimme zurück aus seinen Gedanken. Er wandte sich um. "Wir haben den Kerl!" rief Scully begeistert und wedelte mit einer Plastiktüte, in der sich ein kleiner spitzer Pfeil befand.

Ein breites Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, als die Frau, die er über alles liebte auf ihn zukam und ihn in die Arme schloss. Seine Arme streichelten ihren Rücken auf und ab, und sie blickte zu ihm hinauf mit ihren großen klaren Augen. Er neigte sich zu ihr herab und umschloss mit seinen Lippen zärtlich die ihren. Da sie noch nicht allzu viele dieser Küsse ausgetauscht hatten, dauerte es eine ganze Weile bis sie sich wieder von einander lösten und Mulder den Arm um sie legte, seine Tasche nahm und die beiden sich zum gehen bereitmachten. Als sie an die frische Luft traten, hob Mulder sein Gesicht zum Himmel und ließ die erfrischenden Regentropfen auf seinem Gesicht landen. Er grinste zufrieden und war glücklich, als er Scullys amüsierten, leisen Lacher neben sich hörte. Er war glücklich, und sich bewusst, dass er und Scully es schaffen würden. Denn sie liebten sich!

 

 

Ende!!!

Danke, dass ihr bis hierhin durchgehalten habt!

Bitte schreibt uns, wenn es euch gefallen hat, aber auch, wenn ihr etwas zu kritisieren habt. Wir sind für jede Art von Meinungen offen! J