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Titel: Autor: Kontakt: Beta: Rating: Kategorie: Spoiler: Short Cut: Disclaimer: Autors Note: |
Des Satans Jünger |
Und noch etwas möchte ich los werden, obwohl ich diese Zeilen selber beim Lesen immer überspringe: Vielen Dank liebe Spookydogstar, dass Du die Beta übernimmst und mich mit logischen Fragen und konstruktiver Kritik, genauso aber auch mit Lob wieder auf den richtigen Weg bringst! *Knuddel* Ich freue mich jeden Tag wieder, wenn ich in meinen Mailkasten schaue, und da ist Post von Dir!! DANKE
Des Satans Jünger
Donnerstag, 27. Juli
Ein Klingeln an der Haustür ließ mich das erste Mal seit drei Stunden von meiner Arbeit aufsehen. Noch ehe ich aufstehen konnte, hörte ich polternde Schritte die Treppe hinunter rennen.
"Ich geh schon, Dad!" rief Joy mir zu und ich grinste, während ich mir müde den Nacken rieb und mich wieder über die Aufsätze beugte, die ich zu korrigieren hatte.
"Guten Tag." ertönte die Stimme meiner Tochter aus dem Flur.
"Guten Tag." wurde ihr Gruß erwidert. Ich überlegte, woher ich die Stimme kannte, doch ich konnte sie nicht zuordnen.
"Wohnt hier ein Fox Mulder?" vernahm ich wieder die männliche Stimme.
"Ja. Einen Moment bitte." meinte Joy.
"Dad?" rief sie nur wenig später nach mir.
Ich seufzte und erhob mich aus meinem Schreibtischsessel. Nachdem ich meine Brille abgenommen und auf dem Schreibtisch abgelegt hatte, ging ich zur Haustür.
"Hier ist ein Mann, der will was von dir." erklärte Joy und ich nickte. Sie stieß die Haustür ganz auf und ich hielt mitten im Schritt inne, als ich erkannte, zu wem die mir bekannte Stimme gehört hatte.
"Mulder. Schön sie mal wieder zu sehen." grüßte der Mann.
"Sir? Was...?" Es hatte mir glatt die Sprache verschlagen und ich beobachtete, wie sich auf Skinners Gesicht ein Lächeln ausbreitete und Joy uns interessiert beobachtete.
"Kommen Sie rein." bat ich und Skinner nickte leicht. Ich führte ihn durch unser Wohnzimmer weiter auf die Terrasse an den Pool und bat ihn Platz zu nehmen.
Joy war uns stumm gefolgt. Ich wusste, keine zehn Pferde könnten sie jetzt dazu bewegen, nach oben zu gehen. Ihr Dickkopf war nur eine der Eigenschaften, die sie von Dana und mir geerbt hatte.
Still ließ sie sich auf einem Gartenstuhl nieder, der nicht direkt mit an dem Tisch stand, an dem Skinner und ich saßen, aber doch nahe genug, um hören zu können, worüber wir uns unterhielten.
"Kann ich ihnen etwas zu trinken anbieten?" erkundigte ich mich, doch Skinner schüttelte leicht den Kopf. Langsam ließ ich mich in den Korbsessel fallen und betrachtete ihn.
Unser ehemaliger Boss sah immer noch gut aus. Ein wenig älter, ja, aber trotzdem hatte er immer noch einen vollkommen durchtrainierten Körper.
"Es ist lange her, seit wir uns das letzte Mal sahen." sagte ich nachdenklich.
Er nickte und warf einen Blick zu Joy rüber.
"Tatsächlich. Erst jetzt sehe ich, wie lange. Wie alt ist sie inzwischen?" erkundigte er sich.
"Sie wird im November 14." antwortete ich.
"Sie hat sehr viel Ähnlichkeit mit ihnen und Scully. Die helle Haut, die braunen Augen und die Haare. Wie Kastanien. Sie ist wirklich sehr hübsch." meinte Skinner.
"Ja, aber nicht nur das. Sie hat einen Dickkopf, der schlägt meinen und Danas um Längen." lächelte ich. Ich sah, wie Joy mir einen entsetzten Blick zuwarf, doch ich beachtete ihn nicht weiter.
"Ach kommen Sie Mulder. Ich habe bisher noch niemanden getroffen, dessen Wille stärker war, als ihrer." Skinner taxiert mich genau.
"Sie kennen Joy nicht. Außerdem interessiert sie sich für alles Paranormale, genauso wie für Physik und andere Wissenschaften." grinste ich.
"Sie hat die richtigen Vorbilder." vermutete Skinner.
"Das wird es sein." gab ich ihm recht.
Ich schwieg einen Moment und beobachtete ihn.
"Was führt Sie zu uns?" erkundigte ich mich.
Skinner senkte seinen Blick und ich setzte mich unwillkürlich auf.
"Oh, Moment. Sagen Sie nichts. Ich will nichts damit zu tun haben." winkte ich schließlich ab.
"Mulder, wir kommen einfach nicht weiter. Wir brauchen Sie. Ein Profil. Waren Sie in den letzten Jahren mal im Bureau?" bat Skinner eindringlich. Jetzt fixierte er mich mit seinem Blick.
Ich schüttelte entschieden den Kopf.
"Nein, war ich nicht. Und zwar aus einem guten Grund. Ich habe eine Familie. Ich habe eine Frau, die ich über alles Liebe und zwei wundervolle Kinder. Ich werde nichts tun, was ihr Leben in irgendeiner Weise gefährdet." erklärte ich nachdrücklich. Ich sah, wie Skinner in Überraschung die Augenbrauen hob und mich anblickte.
"Zwei Kinder? Haben Sie gerade zwei Kinder gesagt?" fragte er verwundert.
Ich nickte.
"Ja, wir haben noch eine zweite Tochter. Ihr Name ist Moe." erwiderte ich.
"Wie alt ist Moe?" Skinner schien ehrlich interessiert.
"Sie ist dreizehn. So alt wie Joy. Beinahe." sagte ich.
Wieder wanderten Skinners Augenbrauen nach oben und ich konnte mir ein leises Lachen nicht verkneifen.
"Wir wollten nicht, dass Joy alleine aufwächst, aber Dana ist nicht noch einmal schwanger geworden. Ich meine, wir wissen ja nicht einmal, wie es dieses erste Mal passieren konnte. Also entschlossen wir uns, ein Kind zu adoptieren. Sie war bereits fast zwei Jahre alt, als sie zu uns kam. Sie ist eins von diesen Kindern mit vollkommen kaputter Familie gewesen. Gott, Moe war voll auf Entzug, als wir sie das erste Mal sahen. Aber sie war so wundervoll. Ihre großen braunen Augen haben uns sofort in den Bann gezogen. Na ja, was soll ich sagen. Dana und ich konnten ihr im Grunde die besten Vorraussetzungen für ein vernünftiges Leben bieten. Ich als Psychologe und Dana als Ärztin und so bekamen wir die Adoption durch. Sie ist ein tolles Kind." erklärte ich.
Skinner nickte.
"Moe? Was ist das für ein Name?" erkundigte er sich.
"Richtig heißt sie Moesha. Aber so wird sie nie genannt. Es ist der Name, der ihr im Heim gegeben wurde."
Joy kam langsam auf uns zu und setzte sich neben mir auf die Kante des Korbsessels. Offenbar hatte ihre Neugierde über ihre Zurückhaltung gesiegt. Joy war Fremden gegenüber immer äußerst skeptisch. Eine Eigenschaft, die sie eindeutig von mir geerbt hatte. Ihre eher reservierte Art jedoch, verdankte sie ihrer Mutter.
Sanft legte ich einen Arm um sie und drückte sie leicht an mich, während sie den Mann, der ihr gegenüber saß, ausgiebig musterte.
"Sind Sie sicher, dass Sie nichts trinken möchten? Es ist wirklich warm heute." erkundigte ich mich ein weiteres Mal.
"Also gut, ich werde ein Wasser nehmen." sagte Skinner und lächelte leicht. Gott, ich konnte mich nicht erinnern, ihn jemals lächeln gesehen zu haben.
Ich nickte und erhob mich, um in die Küche zu gehen.
"Joy, hast du noch Hausaufgaben?" wandte ich mich an meine Tochter.
"Nein, alles fertig. Und, um deine nächste Frage gleich mit zu beantworten, Vokabeln habe ich auch gelernt." entgegnete sie.
"Verdammt, du bist eindeutig fixer als ich." grinste ich.
"Ich bin auch jünger als du." feixte sie.
"Ich sage es nur ungerne, aber du hast recht." stimmte ich ihr zu und sie lachte laut auf. Ich freute mich. Auch eine Eigenschaft, die sie von Dana geerbt hatte. Sie lachte nur selten richtig. Lächeln ja, aber richtiges Lachen sah man bei ihr nur in wenigen Momenten.
Ich verschwand im Haus und besorgte Wasser und einige Gläser.
Als ich wenige Minuten später wieder auf die Terrasse trat, sah ich, dass Skinner eine Akte auf den Tisch gelegt hatte.
Ich seufzte und stellte ihm ein Glas hin. Nachdem ich ihm und auch mir etwas zu trinken eingeschenkt hatte, Joy hatte sich wieder in ihr Zimmer zurück gezogen, ließ ich mich wieder zurück sinken.
"Wie geht es ihnen?" erkundigte ich mich, die Akte so gut es ging ignorierend.
"Ich bin zufrieden. Abgesehen davon, dass die Agenten immer dreister werden und immer weniger Ahnung haben, kann ich kaum klagen." antwortete er.
"Sie meinen dreister als ich damals?" fragte ich mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Skinner runzelte seine Stirn und sah mich an, als wenn er nachdenken würde.
Langsam schüttelte er schließlich den Kopf.
"Nein, Mulder ich denke Sie sind nach wie vor unübertroffen. Aber Sie haben immerhin Ergebnisse geliefert, auch wenn sie mir nicht immer gefallen haben. Das kann ich von den jetzigen Agenten nicht behaupten. Gott, ich meine, ich bin umgeben von Grünschnäbeln und Arschkriechern. Entschuldigen Sie bitte den Ausdruck." sagte er.
Ich sah ihn erstaunt an, schüttelte schließlich ungläubig den Kopf.
"Ich meine, ich vermisse es, mal wieder mit einem Agenten vernünftig zu diskutieren. Aber diese Männer sind nicht einmal in der Lage, eine Theorie aufzustellen, die auch einer genaueren Betrachtung stand hält. Und das, obwohl ich hier nicht von Theorien bezüglich der X-Akten spreche. Ganz normale Fälle: Mord, Einbruch, Terrorismus. Es ist wirklich grausam, wenn ich daran denke, dass solche Idioten unser Land retten sollen." seufzte er.
"Ach kommen Sie. So schlimm wird es nicht sein." versuchte ich die Tatsachen zurecht zu rücken.
"Na ja, nicht ganz so schlimm, aber fast." brummte Skinner.
"Ich wusste ja gar nicht, dass Sie zu Übertreibungen neigen." feixte ich und er seufzte wieder.
"Ich auch nicht. Aber Sie hatten schon immer die Angewohnheit meine schlimmsten Eigenschaften hervorzulocken." murmelte er.
Ich warf ihm einen wissenden Blick zu.
"Wer bearbeitet die X-Akten jetzt?" erkundigte ich mich nach einem Moment. Mein Blick irrte durch unseren Garten und blieb schließlich an der alten Eiche hängen, die mitten auf dem Rasen stand.
"Es gibt sie nicht mehr. Sie wurden geschlossen, nachdem Sie sich aus dem Bureau verabschieden mussten." erklärte Skinner nach einem Moment, indem er offensichtlich überlegt hatte, ob er mir überhaupt antworten sollte.
Mein Kopf schoss herum und ich sah ihn ungläubig an.
"Es gibt die X-Akten nicht mehr? Was geschieht dann mit den ganzen ungeklärten Fällen? Wer kümmert sich um diese Regierungsgruppe und deren Tests und Absichten?" Ich merkte, wie meine Stimme lauter wurde. Mein Lebenswerk, mühsam aufgebaut, war einfach zusammen gebrochen, nachdem ich gehen musste. Skinner zuckte die Schultern.
"Es war nicht meine Idee. Chief Director Kersh hatte diesbezüglich das Sagen." erklärte er.
Ich nickte grimmig. Natürlich, wer auch sonst.
Wieder starrte ich unsere Eiche an, wurde dann jedoch vom Zuschlagen der Haustür aus meinen Gedanken gerissen.
"Fox?" hallte Danas Stimme durch das Haus zu uns nach draußen.
"Hier Dana." rief ich ihr zu.
"Wem gehört denn das Auto auf der Einfahrt?" erkundigte sie sich. Ich sah, wie sie durch das Wohnzimmer in Richtung Küche ging, um die Einkäufe die sie unterwegs besorgt hatte, weg zu stellen.
"Komm her und sieh selber." erwiderte ich laut und lächelte dann, als ich Moe langsam auf die Terrassentür zugehen sah. Sie kam hinaus und gab mir einen leichten Kuss auf die Wange.
"Hey, Dad." grüßte sie und blickte dann unseren Besuch an.
"Guten Tag." sagte sie freundlich und streckte Skinner ihre Hand entgegen.
"Hallo. Du bist dann wohl Moesha." Skinner lächelte leicht.
Moe nickte.
"Nennen Sie mich Moe. Moesha nennt mich wirklich niemand." grinste sie. Dann wandte sie sich wieder mir zu.
"Dad, weißt du wo Joy ist?" wollte sie wissen.
"Oh, ich denke sie ist nach oben gegangen." erklärte ich und blickte ihr nach, wie sie wieder ins Haus verschwand.
"Sie ist hübsch." Skinner blickte ebenfalls auf die Tür, doch sein erstaunter Gesichtsausdruck bezüglich der Hautfarbe unsere Tochter entging mir nicht.
"Ja, das ist sie. Und sie ist sehr intelligent. Wir wissen nichts über ihre Eltern. Offenbar waren sie drogenabhängig und haben sie eines Nachts einfach in einem Kindersitz auf die Türschwelle eines Krankenhauses gestellt. Damals war sie bereits fast zwei Jahre alt. Sie war nicht lange in dem Heim. Dana und ich haben sie nur wenige Wochen später adoptiert. Sicher ist nur, es muss etwas Afro-Amerikanisches, Indisches oder so was mit dabei gewesen sein, sonst hätte sie nicht diese milchkaffeefarbene Haut und die krausen Haare." erwiderte ich.
Skinner nickte nachdenklich und ich sah aus den Augenwinkeln, dass Dana aus der Küche trat und auf die Terrasse zusteuerte.
"Also, wen hast du hier versteckt?" grinste sie und trat hinaus. Genauso wie ich vor einer halben Stunde hielt sie unwillkürlich in ihrem Weg inne, als sie Skinner entdeckte.
"Scully. Schön Sie zu sehen." Skinner erhob sich und reichte Dana die Hand. Perplex erwiderte sie die Geste und schüttelte die Hand unseres ehemaligen Chefs.
"Director Skinner. Was führt Sie zu uns?" erkundigte sie sich und ging langsam auf mich zu.
Sie hatte ihre Fassung offensichtlich schneller wieder erlangt, als ich es hatte.
Bei mir angekommen beugte sie sich zu mir runter und gab mir einen sanften Kuss auf den Mund.
"Hey. Wie war dein Tag?" fragte ich und legte meinen Arm um ihre Taille.
"Die lange oder die kurze Version?" fragte sie zurück und lächelte leicht.
"Die Kurze." erwiderte ich und sie dachte kurz nach.
"Anstrengend." antwortete sie schließlich und löste sich von mir. Sie blickte wieder auf Skinner und setzte sich schließlich zu uns an den Tisch.
Dabei fiel ihr Blick auf die Mappe, die immer noch dort lag.
"Was ist das?" wollte sie wissen und deutete mit dem Kopf darauf.
"Das ist der Grund, weswegen ich hier bin." sagte Skinner.
"Eine X-Akte?" erkundigte Dana sich.
"Ich bin mir nicht sicher. Wir haben noch zu wenig schlüssige Informationen. Unsere Männer sind total überfordert mit dem Fall. Ich hatte gehofft, Sie und Mulder könnten sich die Sache mal ansehen." meinte Skinner gerade in dem Moment, indem Moe und Joy auf die Terrasse traten.
"Hey Schatz." Dana lächelte Joy zu, welche das erwiderte.
"Hallo Mom." Joy setzte sich wieder zu mir auf die Lehne und nahm die Stimmung in sich auf. Sie war schon immer sehr empfindlich gewesen, wenn es um Stimmungen ging. Ich erinnerte mich noch gut an die ersten Wochen ihres Lebens. Sie hatte damals sehr unter der Situation gelitten, in der wir steckten.
Moe setzte sich auf den letzten freien Stuhl, der noch am Tisch stand und betrachtete abwechselnd Dana und mich.
"Warum wollen Sie, dass wir uns das ansehen. Wir sind schon seit dreizehn Jahren nicht mehr dabei." wollte Dana wissen.
"Scully, Sie und Mulder waren die besten. Wir treten auf der Stelle." erklärte Skinner.
"Scully? Warum nennt er dich beim Mädchennamen, Mom?" Joy sah verwirrt ihre Mutter an.
"Verzeihung. Ich hatte vergessen, dass Sie jetzt Mulder heißen. Also, Mrs. Mulder. Sehen sie sich die Sachen doch einmal an." bat Skinner.
"Gott, nennen sie mich Dana. Es hört sich wirklich seltsam an, von Ihnen Mrs. Mulder genannt zu werden." Dana lächelte und sah schließlich zu mir rüber.
"Willst du es dir ansehen?" erkundigte sie sich. Ich betrachtete sie einen Moment und schüttelte schließlich den Kopf.
"Ich sehe nicht den Sinn. Wie du schon sagtest, wir sind nicht mehr bei dem Verein. Ich möchte kein Risiko eingehen. Und außerdem gibt es die X-Akten gar nicht mehr." erklärte ich.
"Es gibt sie nicht mehr?" Dana starrte Skinner erstaunt an.
Langsam schüttelte er den Kopf.
Auf Moes Stirn entstand eine steile Falte.
"Die X-Akten? Sind das nicht Akten des FBI? Sie befassen sich mit ungeklärten Fällen, seltsamen Phänomenen, oder?" fragte sie schließlich.
Ich seufzte und nickte.
"Jetzt sag bloß, ihr ward mal beim FBI." Joy starrte mich ungläubig an.
"Das ist lange her, Joy." murmelte ich.
"Und ihr habt an den X-Akten gearbeitet?" Moe staunte.
"Fox hat sie entdeckt." erklärte Dana unseren Töchtern.
"Mulder, ich habe ihnen bereits erklärt, wir haben keine guten Agenten. Sie sind praktisch unsere letzte Rettung. Tun Sie mir den Gefallen und sehen Sie sich die Akte doch wenigstens mal an." wandte Skinner sich erneut mir zu.
Ich überlegte. Die Gründe, warum wir nicht mehr beim FBI waren fielen mir ein und ich merkte, wie sich Angst in mir breit machte. Was wäre, wenn der ganze Mist wieder von vorne beginnen würde, sobald wir uns mit diesem Fall beschäftigen würden.
"Dana, bitte, werfen Sie einen Blick auf die Fotos. Ich wüsste gerne Ihre Meinung als Pathologin." bat Skinner schließlich.
Dana zögerte, griff dann jedoch nach der Akte und wollte sie aufklappen.
Skinner hielt sie mit einer leichten Berührung der Akte zurück.
"Vorsicht. Es ist nicht schön. Wirklich nicht." sagte er ernst.
Dana nickte und schlug schließlich die Akte auf.
Mit einem Zischen sog sie die Luft in die Lungen und warf mir mit weit aufgerissenen Augen einen Blick zu.
Ich merkte, wie meine Neugierde wuchs und ich schließlich kapitulierte und nach der Akte griff. Bereitwillig überließ sie sie mir.
Joy beugte sich über meine Schulter, um etwas sehen zu können, doch Dana schüttelte den Kopf.
"Joy, bitte. Sieh es dir nicht an. Es ist grausam." flüsterte sie beinahe.
Joy musterte Dana und ich konnte eine leichte Beunruhigung in ihrer Körperhaltung ausmachen. Schließlich nickte sie und ich senkte meinen Kopf, um mir die Bilder anzusehen.
"Gott. Wer hat das getan?" wollte ich wissen.
"Wenn wir das wüssten, dann wäre ich nicht hier." erwiderte Skinner und ich nickte leicht. Langsam blätterte ich die Akte durch.
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Ich beobachtete Fox genau. Er blätterte ruhig in der Akte, während sich sein Gesichtsausdruck veränderte. Ich konnte eine deutliche Konzentration erkennen.
Himmel, es war dreizehn Jahre her, dass ich diesen Ausdruck in seinem Gesicht das letzte Mal gesehen hatte. Zumindest in diesem Zusammenhang.
Ich streckte meine Hand aus und griff nach einem Bild, welches er bereits umgeblättert hatte. Lange betrachtete ich es und schluckte schließlich.
"Wo ist das passiert?" erkundigte ich mich.
"In einem Frauengefängnis bei uns in Washington. Schlimm nicht wahr?" Skinner sah betroffen aus.
Ich nickte.
"Sie muss lange gequält worden sein. Mindestens ein bis zwei Wochen. Sehen Sie hier, dieses Hämatom ist noch ganz frisch, dieses hier dagegen ist schon fast verheilt." Ich beugte mich zu Skinner hinüber und zeigte ihm auf dem Foto was ich sah. Joy beobachtete uns interessiert. Natürlich wusste sie, dass ich Ärztin war, schließlich hatte ich sowohl sie als auch Moe mehr als einmal zusammen geflickt, doch sie kannte es nur, dass ich Studenten unterrichtete. Ich konnte ein Leuchten in ihren Augen erkennen, als ich ihr einen kurzen Seitenblick zuwarf und fühlte mich dabei stark an Fox erinnert.
"Gott, dass sind ja insgesamt fünf Leichen in den letzten acht Wochen." stieß Fox aus und sah auf.
"Ja, das ist richtig. Wir wurden nach der vierten Leiche benachrichtigt, aber wie ich schon sagte, die Männer tappen im Dunkeln. Sie haben noch keinerlei Anhaltspunkte. Die letzte Leiche liegt bei uns in Quantico und wartet darauf, obduziert zu werden." erwiderte Skinner.
"Sie wollen, dass ich mit nach Washington komme, um die Autopsie durchzuführen?" Ich zog erstaunt eine Augenbraue hoch.
"Was? Cool. Können wir mitkommen?" Moe war bereits Feuer und Flamme.
"Moe, Dana hat noch nicht gesagt, dass sie es tun will. Und ganz davon abgesehen, haben wir alle noch Schule." mischte Fox sich ein.
"Aber nur noch morgen. Dann sind Ferien. Also, was spricht dagegen? Das ist doch spannend." erwiderte Moe.
Sie hatte recht, ab morgen Mittag waren Ferien. Allerdings konnte ich die Angelegenheit nicht spannend finden.
"Nun, ich könnte es arrangieren, dass die Leiche bis morgen Abend unberührt bleibt. Bitte Dana. Schauen Sie sich die Sache an." meinte Skinner und blickte mich offen an.
Ich sah zu Fox rüber. In seinen Augen war eine gewisse Unentschlossenheit zu erkennen. Auf der einen Seite wollte er unseren früheren Feinden keinen Grund geben, einem von uns etwas anzutun, auf der anderen Seite war er neugierig geworden. Ich beschloss, ihm die Entscheidung abzunehmen.
"Es sieht nicht so aus, als hätte eine gewisse Regierungsgruppe etwas damit zu tun. Sobald wir jedoch das Gefühl haben, dass das der Fall ist, sind wir weg. Alles klar?" erklärte ich und konnte ein ausatmen von den beiden Männern am Tisch vernehmen. Dieses Ausatmen war jedoch von vollkommen unterschiedlicher Qualität. Während es bei Skinner ein deutliches Zeichen der Erleichterung war, kennzeichnete es bei Fox eher eine gewisse Anspannung.
"Wo wollen Sie wohnen, während Sie in Washington sind? Selbstverständlich wird das Bureau für die Hotelkosten aufkommen." erkundigte Skinner sich und ich sah, wie Joy eine Augenbraue hochzog und mit Moe einen vielsagenden Blick wechselte. Innerlich lächelte ich leicht, während ich mich unserem ehemaligen Vorgesetzten zuwandte.
"Ich bin noch nicht sicher. Vielleicht werden wir auch bei meiner Mutter unterkommen." antwortete ich.
"Mom! Ein Hotel ist doch viel spannender!" empörte sich Moe und ich lächelte nun tatsächlich leicht.
"Moe, es ist doch noch nichts entschieden. Abgesehen davon, werdet ihr beiden sicher nicht alleine durch eine Großstadt wie Washington D.C. streifen, während Dana und ich arbeiten." erklärte Fox ruhig.
Schmollend verzogen unsere Töchter ihren Mund. Eine beinahe perfekte Kopie des Gesichtes meines Mannes, wenn er nicht bekam, was er wollte.
Nun war es an mir, ihm einen vielsagenden Blick zuzuwerfen, was er mit einem selbstsicheren Lächeln und einem Achselzucken zur Kenntnis nahm.
Natürlich, *er* hatte damit nichts zu tun!
"Können wir die Akte hier behalten? Ich würde mich gerne ein wenig mit dem Fall beschäftigen, bevor ich nach Washington komme." wollte Fox wissen.
Skinner nickte leicht und ich erkannte, dass er sich ein leichtes Lächeln verkneifen musste.
Er hatte erreicht, was er wollte. Fox war definitiv neugierig geworden. Ihn hatte noch nicht das Jagdfieber gepackt, und ich nahm an, dass dies auch nie wirklich passieren würde. Er hatte es verloren, vor beinahe vierzehn Jahren, als *Die* uns durch das ganze Land gejagt hatten, darauf aus, Fox zu kriegen oder uns zu töten, doch er war definitiv neugierig.
Langsam erhob Skinner sich.
"Ich sehe Sie dann am Samstag in meinem Büro. Dort bekommen Sie ihre Ausweise und natürlich Dienstwaffen. Dann können wir auch besprechen, was Ihre Autopsie ergeben hat, Dana." verabschiedete er sich.
Auch Fox erhob sich, während ich unserem früheren Chef noch einmal zunickte, und verließ mit Skinner gemeinsam unsere Terrasse, um ihn zur Tür zu begleiten.
Kaum dass die beiden Männer im Haus verschwunden waren, setzte Joy sich auf Fox Platz und starrte mich an.
Ich seufzte und wandte ihr schließlich mein Gesicht zu, mir vollkommen darüber im Klaren, dass sie und Moe mich nun löchern würden.
"Ihr beide wart wirklich beim FBI, früher?" verlangte sie auch prompt zu wissen.
Ich nickte in einer kleinen Bewegung und lehnte mich in meinem Sessel zurück, nachdem ich einen Schluck aus Fox Glas genommen hatte.
"Warum seid ihr weggegangen?" wollte Moe wissen.
"Weil einige Menschen unsere Arbeit nicht duldeten." versuchte ich das ganze in eine harmlose Variante zu verpacken.
"Wie, sie duldeten sie nicht? Was kann denn bei der Arbeit an den X-Akten nicht geduldet werden?" Moe runzelte die Stirn.
"Wir sind da einigen Geheimnissen zu nahe gekommen, was eine gewisse Gruppe nicht dulden konnte und deshalb versucht hat, uns umzubringen." Fox trat wieder auf die Terrasse und ließ sich ebenfalls mit einem Seufzer in den noch freien Sessel fallen.
"Sie wollten euch umbringen?" Joy sah ihren Vater erschrocken an, doch dieser nickte und bestätigte auf diese Weise mein Statement. Offenbar hatte er vor, mit den Mädchen offen zu reden. Also keine Verschönerung der Tatsachen. Innerlich seufzte ich ein weiteres Mal.
"Wollten sie euch erschießen?" Moe schien ein wenig nervös deswegen.
"Sie haben auf vielfältige Weise versucht, uns zu töten. Sie haben Dana mitgenommen, Tests an ihr durchgeführt, sie krank werden lassen, sie noch einmal mitgenommen und sie einem Virus ausgesetzt und ja, sie haben auch versucht, uns zu erschießen." Fox sah die beiden ernst an. Die Augen der Mädchen waren entsetzt aufgerissen und er beugte sich leicht nach vorne.
"Wenn wir in D.C. sind, möchte ich, dass ihr nirgendwo hingeht, ohne uns. Ich möchte, dass ihr nicht mit irgendwelchen Menschen sprecht, und das bezieht sich besonders auf Männer in Anzügen. Versprecht ihr mir das?" sagte er eindringlich.
Deshalb also die offene Version. Er wollte ihnen Angst einjagen, um sie zu schützen.
"Glaubst du, die wollen uns auch etwas tun?" Moe sah ihn zweifelnd an.
"Moe, diese Menschen sind zu allem bereit, wenn es darum geht, ihre dreckigen, kleinen Geheimnisse zu schützen. Sollten sie das Gefühl haben, dass wir der Wahrheit zu nahe kommen, und somit eine Gefahr für sie darstellen, werden sie alles tun, um diese Wahrheit zu schützen. Ich möchte verhindern, dass euch etwas geschieht. Also versprecht ihr es mir?"
Ich konnte Angst in Fox Augen erkennen, und ich wusste, auch die Mädchen konnten es. Sie kannten uns gut. Manchmal fragte ich mich, wie wir es überhaupt schaffen konnten, diesen Teil unserer Vergangenheit so lange vor ihnen zu verbergen.
Sie warfen sich einen Blick zu und nickten dann wie auf ein geheimes Kommando.
Meine Mutter hatte vor einigen Jahren mal mit mir über lautlose Kommunikation gesprochen. Sie meinte, dass sie es bewundern würde, wie Fox und ich in der Lage wären, nur über einen Blick in Augen des anderen zu wissen, was sein Gegenüber gerade dachte, fühlte oder brauchte.
Nun, ich hatte ihr damals gesagt, dass es einfach so wäre. Wir kannten einander so gut, dass wir genau wussten, was in dem anderen gerade vorging.
Bei Moe und Joy war es genauso. Sie kommunizierten auf der gleichen Ebene wie Fox und ich es taten. Wie wir es liebten. Und ich war fasziniert davon, jedes Mal wenn ich es sah faszinierte es mich wieder und ließ mir einen Schauer der Liebe für diese beiden Mädchen den Rücken hinunter laufen.
"Diese Narbe an deiner Schulter, Dad, haben diese Männer das gemacht, von denen du gesprochen hast?" Joy zeigte auf Fox Schulter. Ich sah, wie sich auf dem Gesicht meines Mannes ein eindeutiges Grinsen breit machte. Er wandte mir seinen Kopf zu und wackelte leicht mit den Augenbrauen. Verlegen lächelnd senkte ich den Blick und studierte meine Finger.
"Nein. Das war eure Mom." erklärte er.
Die Mädchen warfen ihre Köpfe herum, ich merkte, wie mich zwei weit aufgerissene Augenpaare entsetzt anstarrten und hob schließlich meinen Blick wieder.
Verlegen zuckte ich meine Achseln und sah sie offen an.
"Er hat mir keine andere Wahl gelassen." sagte ich, mich verteidigend.
"Du hast auf Dad geschossen?" Moe konnte es offensichtlich nicht glauben.
"Ja, das habe ich. Aber nur, um ihn zu beschützen." meinte ich und zog die Stirn kraus.
"Dana hatte schon immer eine sehr eigene Definition von *schützen*." Das Grinsen von Fox war noch breiter geworden.
"Das ist nicht wahr. Wenn ich nicht auf dich geschossen hätte, dann hättest du diesen..., diesen..." ich suchte nach dem richtigen Wort, um Krycek zu beschreiben.
"...diesen doppelgesichtigen Sohn einer Hure, getötet." rechtfertigte ich mich.
"Dana, er war der Böse. Er hatte meinen Vater getötet." meinte Fox.
"Und wie hättest du beweisen wollen, dass er abgedrückt hatte, und nicht du. Wenn ich dich daran erinnern darf, du standest unter Drogen, und du warst im Haus deines Vaters als er getötet wurde und du wolltest Krycek mit der gleichen Waffe erschießen, die er benutzt hatte, um deinen Vater zu töten. Also. Du hättest niemals beweisen können, dass du zwar Krycek mit der Waffe getötet hast, aber nicht deinen Vater." brauste ich auf.
Beruhigend lächelte Fox mich an.
"Dana, ich sage doch gar nichts. Ich weiß, dass du richtig gehandelt hast. Habe ich dir jemals einen Vorwurf gemacht. Einen ernsthaften?" wollte er wissen.
Ich schüttelte leicht den Kopf und sah wieder auf meine Hände.
Er hatte ja recht. Er hatte mir nie Vorwürfe gemacht deswegen. Doch Gott wusste, ich hatte es. Hunderte von Malen war ich in Gedanken diesen Moment, kurz bevor ich damals den Abzug betätigt hatte durchgegangen, doch ich kam immer zu dem gleichen Ergebnis. Ich musste abdrücken, oder Fox wäre wegen zweifachen Mordes vor Gericht gelandet und sicher schuldig gesprochen worden.
"Mom?" Moe sah mich ungeduldig an. Ich brauchte einen Moment ehe ich realisiert hatte, dass sie mich offensichtlich etwas gefragt hatte.
"Mmh?" ich blickte sie an.
"Was war es für eine Krankheit?" wollte Moe wissen. Ich wusste nicht gleich was sie meinte und sah sie fragend an.
"Dad sagte vorhin, sie ließen dich krank werden. Was war es für ein Krankheit?" sie verdrehte leicht die Augen.
"Krebs, Moe. Es war Krebs." antwortete ich leise. Erschrocken sogen sie und auch Joy die Luft in die Lungen und blickten mich mit weit aufgerissenen Augen ängstlich an.
Ein Blick zu Fox zeigte mir, dass sich sein Blick schlagartig verfinstert hatte. Auch nach all den Jahren hatte er mit diesem Kapitel noch nicht abgeschlossen, gab sich noch immer die Schuld an dem, was mir in der Zeit unserer Partnerschaft geschehen ist.
Ich langte zu ihm hinüber und nahm seine Hand in meine, warf ihm einen intensiven Blick zu und brachte ihn so dazu, mich anzusehen.
"Aber Fox hat mich gerettet, so, wie er mich immer gerettet hat." setzte ich nach einer Weile hinzu.
Fox lachte freudlos auf und schloss kurz die Augen, ehe er schließlich aufstand und mit einem Murmeln über noch zu korrigierende Aufsätze im Haus verschwand.
"Was ist mit Dad?" Joy sah mit einem besorgten Gesichtsausdruck zur Terrassentür.
"Er gibt sich die Schuld. Immer noch." murmelte ich und schüttelte leicht den Kopf.
"Glaubt er wirklich, dass er daran Schuld ist, dass du krank geworden bist?" Unglaube zeigte sich auf Joys Gesicht. Ich nickte leicht.
"Aber wie kommt er darauf?" wollte Moe wissen.
Ich wusste, ich würde heute nichts mehr schaffen, außer unseren Töchtern die Fragen zu unserer Vergangenheit zu beantworten. Also setzte ich mich gemütlich in den Sessel, nahm mir das Glas von Fox, schenkte mir etwas Wasser nach und stellte mich diesen Fragen.
"Fox vertritt die Ansicht, dass mir verschiedene Dinge nur zugestoßen sind, weil ich ihm und den X-Akten zugeteilt worden bin." erklärte ich.
"Und war es so?" Joy musterte mich interessiert. Sie hatte bereits gemerkt, dass sie nun alles erfahren würde, wenn sie nur die richtigen Fragen stellte. Denn ich würde den Mädchen sicher nicht von mir aus alles erzählen.
"Natürlich nicht. Ich meine, ja, ich bin ihm zugeteilt worden. Der damalige Sektionschef hatte mich beauftragt, die Arbeit von Fox als Quatsch zu entlarven. Sie wollten ihn bloßstellen und ihn anschließend feuern, damit die X-Akten wieder geschlossen werden konnten. Natürlich ließen sich viele Theorien eures Vaters nicht wissenschaftlich beweisen, doch wir hatten eine hohe Aufklärungsrate. Nach ungefähr einem halben Jahr, als sie bemerkten, dass ich nicht das tat, wofür sie mich Fox zugeteilt hatten, wollten sie mich zurück nach Quantico versetzen. Ich sollte wieder unterrichten. Doch ich lehnte ab. Ich wollte bei Spooky Mulder bleiben und mit ihm zusammen arbeiten." erzählte ich.
"Spooky Mulder?" zweifelnd sahen mich Joy und Moe an.
"So wurde Fox im FBI genannt. Wisst ihr, Fox hat damals in der Abteilung Gewaltverbrechen angefangen. Sein Job war es, Profile zu erstellen, in denen man einen Menschen beschrieb, der in der Lage war, das vorliegende Verbrechen begangen zu haben. Ein Profil wird erstellt, wenn es noch keinen Verdächtigen gibt. Ein Profiler versetzt sich in den Kopf des Täters, versucht, wie dieser zu denken und entwickelt so langsam ein Bild des Menschen. Warum er tut, was er tut, warum er so grausam ist. Fox war gut darin, der beste, den ich jemals getroffen habe, und glaubt mir, ich habe viele Profiler getroffen. Aber irgendwann wurde es einfach zu viel für ihn. Er konnte nicht mehr, und er entdeckte die X-Akten. Weil er immer auf der Suche nach Samantha war, der festen Überzeugung, dass sie von Außerirdischen entführt worden war, bat er darum, diese bearbeiten zu dürfen. Er stellte die wildesten Theorien auf, von Monstern, über Gespenster bis hin zu Aliens. Und so wurde er eben zu Spooky." Ich griff nach dem Glas und trank einen Schluck.
"Und wenn du aber freiwillig da geblieben bist, wieso gibt sich Dad dann die Schuld daran, dass du krank geworden bist?" fragte Joy leise.
"Ich weiß es nicht. Ich habe ihn das mindesten hundert mal gefragt, aber ich habe bisher noch keine Antwort bekommen, die mich wirklich zufrieden gestellt hätte." seufzte ich.
"Dad sagte, sie hätten dich mitgenommen. Was meinte er damit?" Moe sah mich aufmerksam an. Ich merkte, wie ich bei dieser Frage leicht zusammen zuckte. Ich hatte gehofft, dass sie das vergessen hätten. Wie konnte ich nur? Moe hatte ein Gedächtnis wie ein Elefant. Sie vergaß nur selten etwas.
"Die Männer, die mich damals Fox zugeteilt hatten, wollten ihn daran hindern, weiter nach der Wahrheit zu suchen und entführten mich." antwortete ich knapp. Zwei weit aufgerissene Augenpaare starrten mich an.
"Hattest du Angst?" Joy fröstelte leicht bei der Vorstellung.
"Ja, hatte ich." erwiderte ich.
"Wie lange haben sie dich bei sich behalten?" fragte Moe leise.
Ich zuckte die Achseln. Wie sollte ich diese Frage beantworten, ich wusste es doch nicht genau. Noch immer, Jahre später, konnte ich mich nicht an alles was mir in den Wochen in denen ich verschwunden war wiederfahren ist, erinnern.
"Ein paar Wochen." meinte ich nach einem Moment des Überlegens.
"Du weißt es nicht genau? Wo warst du? Haben sie dich in einem Haus gefangen gehalten?" Joy wollte es offenbar genau wissen. Vermutlich spürte sie, dass dies ein wunder Punkt von mir war, denn ihre Frage kam zögerlich, jedoch wurde dadurch auch erst recht ihre Neugierde geweckt.
"Ich bin mir nicht sicher, wo ich war. Vermutlich in einem Eisenbahnwaggon. Ich habe keine klare Erinnerung an die Zeit." wich ich aus. Natürlich, ich konnte mich nicht an alles erinnern, aber doch an genug, um den Mädchen Wochenlange Alpträume zu bescheren.
"Wie bist du dort weggekommen? Hat Dad dich gerettet?" Joy flüsterte beinahe. Ich schluckte und schloss kurz die Augen. Als ich sie wieder öffnete, sah ich, dass Fox sich neben mich gehockt hatte und sanft nach meiner Wange griff. Er streichelte in einer federleichten Berührung darüber.
"Nein, habe ich nicht. Ich habe nach Dana gesucht, die ganze verdammte Zeit, doch ich habe sie nicht gefunden. Irgendwann tauchte sie in einem Krankenhaus auf. Sie war beinahe tot." beantwortete er die Frage von Joy.
"Du hast mich gerettet. Wenn du nicht bei mir gewesen wärst, in der Nacht, dann wäre ich nicht wieder wach geworden." flüsterte ich und drehte meinen Kopf, um seine Handfläche zu küssen.
Wieder ließ er dieses freudlose Lachen von sich hören und schüttelte mit einem Ausdruck größter Selbstverachtung auf dem Gesicht den Kopf.
"Die hätten dich um ein Haar getötet, und alles, was ich als lausige Entschuldigung vorbringen kann ist, ich habe an deinem Bett gesessen." sagte er schließlich hohl.
"Du warst da, und du hast mir beigestanden. Das ist alles was zählt." bekräftigte ich meine Meinung und zog ihn zu mir heran. Sein Kopf presste sich an meinen Bauch und ich spürte, wie er meinen Duft tief einatmete.
"Haben sie da die Tests mit dir gemacht, von denen Dad eben gesprochen hat?" wollte Moe mit leiser Stimme wissen. Ich nickte nur, wusste, dass es damit nicht ausgestanden war, doch bekam ich einen kleinen Aufschub vor dem Unvermeidlichen. Ich wollte es den Mädchen nicht erzählen, wollte ihnen ihre Unschuld und den Glauben an das Gute auf der Welt nicht nehmen.
"Was waren es für Tests?" flüsterte Joy und blickte mich mit großen Augen an.
"Sagen wir einfach, es war nicht schön, okay?" wich ich aus.
"Hattest du Schmerzen? Haben diese Männer dir weh getan?" Joy schluckte. Ich konnte Tränen in ihren Haselnussbraunen Augen erkennen.
"Ja, haben sie. Sehr sogar." seufzte ich.
"Ihr wisst doch, dass meine Schwester entführt wurde, als sie acht Jahre alt war, nicht wahr?" Fox hob sein Gesicht und blickte abwechselnd Joy und Moe an.
Ich sog zischend die Luft in die Lungen. Er hatte doch wohl nicht vor, was ich dachte, was er vor hatte, oder.
"Ich habe vor vielen Jahren ein Tagebuch gefunden, welches sie geführt hatte, während sie bei diesen Männern war. Auch mit ihr sind diese Tests gemacht worden." erklärte er.
Nun, er hatte vor, was ich dachte. Gott, die Mädchen würden daran zerbrechen. Und dass, obwohl das was darin stand, noch die harmlose Variante war. Im Laufe der Jahre waren die Männer immer brutaler geworden in ihrer Arbeit.
"Wenn ihr wollt, dann könnt ihr es euch ansehen. Aber ich warne euch, es ist nicht schön." sagte mein Mann ruhig.
Unsere Töchter nickten jedoch leicht. Sie wollten es lesen. Sie wollten wissen, was mit mir und auch mit Samantha geschehen war.
"Mom, hast du es bereut, bei den X-Akten geblieben zu sein?" wollte Joy nach einem Moment des Schweigens wissen.
"Nein, nicht eine Sekunde. Wenn ich es jemals bereut hätte, dann wären wir jetzt nicht hier. Dann gäbe es dich nicht, dann hätte ich Fox nie geheiratet und wir hätten Moe nicht." Ich lächelte leicht, während Mulders Gesicht sich wieder verfinsterte und er stieß einen tiefen Seufzer aus. Ich konnte seine Gedanken in meinem Kopf hören und so streichelte ich zärtlich seine Wange.
"Ich hätte niemals mit einem anderen Mann so glücklich sein können, selbst wenn ich einen ganzen Stall voll Kindern bekommen hätte." flüsterte ich.
"Was meinst du damit, Mom?" Moe sah mich ungläubig an.
"Weißt du, bei den Tests haben die Männer etwas mit mir gemacht, dass ich keine Kinder bekommen kann." Ich winkte ab, als Joy ansetzte etwas zu sagen.
"Ich weiß, es gibt dich. Aber frag mich nicht, wie das geschehen konnte. Ich kann es nicht erklären. Ich kann keine Kinder bekommen, vor dir nicht und nachdem du geboren wurdest auch nicht mehr. Deshalb ist Moe bei uns. Und ich bin glücklich, dass es so ist. Ich liebe dich Moe, so sehr, dass ich dir gar nicht sagen kann, wie sehr. Ich möchte, dass du mir glaubst, dass uns nichts besseres passieren konnte, als dich bei uns zu haben." Ich blickte Moe an und lächelte sanft. Sie lächelte zurück und Joy stand auf und setzte sich zu ihr auf die Lehne des Sessels.
"Natürlich bin ich froh, dass du mich bekommen hast, aber..." sie hielt kurz inne, schien zu überlegen, ob sie sagen sollte, was sie vorhatte zu sagen. Ich nickte leicht und deutete ihr damit an, ruhig weiter zu sprechen.
"... ich bin ehrlich gesagt froh, dass du danach keine Kinder mehr bekommen konntest. Ich hätte keine bessere Schwester als Moe haben können." beendete sie ihren Satz. Ich nickte und auch Fox schien darüber nachzudenken.
Schließlich erhob er sich aus der ungemütlichen Position, die er vor mir eingenommen hatte und beugte sich zu mir runter. Er gab mir einen sanften Kuss, ging schließlich zu den Mädchen und küsste auch sie und sagte leise: "Ich bin auch froh. Ich liebe euch. Euch beide."
Während er wieder auf die Terrassentür zuging drehte er sich noch einmal um.
"Euch alle." flüsterte er und trat dann ins Wohnzimmer.
Joy sprang auf und folgte ihm.
Nur wenig später kam sie mit den kleinen Büchlein zurück, welches ich als das Tagebuch von Samantha erkannte.
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Eine Stunde später, meine Uhr zeigte kurz nach acht Uhr, hatte ich die Aufsätze endlich alle korrigiert und trat wieder auf die Terrasse. Ich blieb leise in der Tür stehen und betrachtete das Bild, welches sich mir bot.
Dana saß mit untergeschlagenen Beinen in einem der Korbsessel, ein Glas Wein in der Hand und die Akte auf dem Schoß liegend.
Ihr Gesicht zeigte die Konzentration, mit der sie sich die bestehenden Autopsieberichte und die Fotos ansah.
Geistesabwesend nahm sie einen Schluck Wein und stellte schließlich ihr Glas auf dem Tisch ab.
Offenbar hatte etwas auf einem der Fotos ihr Interesse geweckt, denn sie nahm es hoch und hielt es sich dichter vor die Augen.
Die Mädchen saßen mit baumelnden Beinen am Pool, die Füße im Wasser und ich sah, wie sich Moes Lippen bewegten, während sie in Samanthas Tagebuch las. Joy starrte mit verschlossenem Gesichtsausdruck auf ihre Zehen, die sie leicht bewegte.
Offenbar las Moe ihr vor, was Samantha geschrieben hatte.
Nun sah sie auf und blickte ihre Schwester an. Auch Joy hob ihren Kopf, erwiderte den Blick von Moe und ich konnte Entsetzen in den Augen der Mädchen erkennen. Sie begannen sich zu unterhalten, doch die Lebhaftigkeit, die ich sonst aus ihren Gesprächen kannte, fehlte.
Es war wohl doch etwas zu viel gewesen, was sie heute erfahren hatten.
Und nun zu lesen, was Samantha durchmachen musste, mit dem Wissen, dass ihre eigene Mutter genau die gleichen Qualen erleben musste....
Ich hoffte, dass sie damit klar kämen.
Schließlich löste ich meinen Blick wieder von unseren Kindern und sah ein weiteres Mal hinüber zu Dana. Sie sah mich an, hatte ihre Brille auf dem Tisch abgelegt und betrachtete mich genauso stumm, wie ich nur wenige Minuten vorher sie betrachtet hatte.
Langsam ging ich auf sie zu, umrundete den Tisch und stellte mich hinter sie. Ich ließ meine Hände sanft über ihre verspannten Schulter- und Nackenmuskeln gleiten und freute mich, als ich sah, dass sie ihren Kopf langsam nach vorne sinken ließ.
Ich streichelte sie in großen, wohltuenden Bewegungen, versuchte, die Spannungen, die sich heute in den Muskeln aufgebaut hatten, wieder zu lösen.
Nach einigen Minuten, die wir beide schwiegen, und nur meine Hände arbeiteten, lehnte ich mich zu ihr hinunter und platzierte einen liebevollen Kuss hinter ihrem linken Ohrläppchen. Sie schnurrte leise, was mich dazu animierte ihr einen weitern Kuss auf die Sehne ihres Halses zu geben.
Ihr Kopf neigte sich nach rechts hinüber, machte mir Platz, für weitere Liebkosungen. Ich küsste mich vorwärts, kam ihrem Mund immer näher, bis sich schließlich meine Lippen zärtlich auf ihre legten.
Dana hob ihre Arme und schlang sie von vorne um meinen Nacken, hielt mich, als wenn sie Angst davor hätte, dass ich mich in den nächsten Sekunden in Luft auflösen würde.
Auch ich legte meine Arme um sie, hielt sie und gab ihr den Trost, von dem ich wusste, dass sie ihn genauso brauchte, wie ich. Es waren Wunden aufgerissen worden, durch die Fragen der Mädchen, von denen ich wusste, sie waren noch nicht verheilt, trotz der langen Zeit.
Vielleicht würden sie auch niemals verheilen.
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Es war bereits spät. Mom und Dad hatten uns schon vor Stunden ins Bett geschickt, damit wir morgen für den letzten Schultag fit sein würden.
Sie waren sogar noch einmal nach oben gekommen, das hatten sie schon seit mindestens drei Jahren nicht mehr gemacht.
Als Mom bei mir am Bett gesessen hatte, hatte ich sie stumm angesehen, hatte die Stimmung, die sie ausstrahlte in mich aufgenommen und sie schließlich, immer noch stumm, in meinen Arm gezogen.
Sie hatte leise geseufzt und mir einen zarten Kuss auf die Wange gedrückt. Nachdem sie sich wieder hoch gedrückt hatte, hatte sie mir in einer für sie so typischen Geste eine Haarsträhne aus dem Gesicht geschoben und mich einen Moment gemustert.
"Bist du in Ordnung, Joy?" wollte sie wissen.
Ich sah sie erstaunt an. Moe und ich hatten heute erfahren, was sie schon alles mitgemacht hatte und sie fragte *mich*, ob *ich* in Ordnung wäre.
Ich merkte, wie sich ein leichtes Lächeln auf meinem Gesicht ausbreitete und sie sah mich fragend an.
"Ja, ich bin in Ordnung Mom. Aber was ist mit dir? Geht es dir gut?" erwiderte ich.
Sie nickte, zog eine Augenbraue hoch, wie sie es immer tat, wenn sie sich nicht sicher war, was sie von etwas halten sollte und betrachtete mich noch einen Moment länger.
"Joy, das was ihr heute erfahren habt.... Ich weiß, es war sehr viel auf einmal. Redet mit uns, wenn euch danach ist, ja. Ich möchte nicht, dass ihr meint, ihr müsst damit alleine klar kommen." meinte sie schließlich.
Dieses Mal nickte ich. Schließlich stand sie auf, warf mir noch einen kurzen Blick zu, lächelte und löschte das Licht, während sie die Tür ein Stück hinter sich zu zog. Nicht ganz. Ich hatte noch nie bei geschlossener Tür schlafen können, und Mom und Dad respektierten das.
Nun saß ich hier, versteckt in einer Ecke und lauschte auf die Stimmen meiner Eltern. Ich hatte bei Moe ins Zimmer geschaut, bevor ich mich hier her gesetzt hatte, doch sie schlief tief und fest.
Ich verstand nicht, wie sie schlafen konnte, nach allem, was wir heute erfahren hatten. Meine Gedanken wirbelten in wilden Strudeln durcheinander und sobald ich die Augen schloss, hatte ich ein Bild von Mom vor Augen, wie sie auf einem Stahltisch festgeschnallt war und einige Männer sich über sie beugten und dicke Nadeln in ihren Bauch bohrten.
Diese und andere Tests hatte Samantha in ihrem Tagebuch beschrieben.
Sie gingen die Akte durch, die ihr ehemaliger Vorgesetzter für sie da gelassen hatte.
Interessiert lauschte ich, was sie besprachen.
"Was steht denn in den anderen Berichten darüber?" hörte ich Mom gerade sagen.
"Dort ist nichts davon zu finden. Ehrlich gesagt zweifle ich an der Vollständigkeit dieser Akte." antwortete Dad.
"Fox, du bist noch genauso paranoid wie du es schon damals immer warst. Warum sollte Skinner uns eine Akte geben, die nicht vollständig ist. Er ist zu uns gekommen. Er will unsere Hilfe." Ich konnte mir bildlich vorstellen, wie Moms Augenbraue langsam zu ihrem Haaransatz hoch wanderte.
"Dana, ich weiß es nicht. Aber diese Paranoia, wie du es nennst, hat uns schon so manches Mal den Arsch gerettet." argumentierte Dad.
"Ja, sicher, nachdem du uns in die Schwierigkeiten hineingeritten hast." Mom lachte leise auf. Ein Geräusch, welches man nicht allzu oft hörte.
"Hey, das habe ich nicht." protestierte Dad. Mom sagte nichts dazu, doch ich hatte eine ziemlich genaue Vorstellung von dem Blick, den sie ihm zuwarf.
"Ist ja auch egal. Jedenfalls ist außer bei dem letzten Todesfall nicht von irgendwelchen Zeichen in der Zelle des Opfers die Rede. Während du morgen die Autopsie durchführst, werde ich mich mal in dem Gefängnis umsehen und vielleicht mit der einen oder anderen Frau sprechen. Vielleicht hat jemand etwas gesehen. Mit dem was wir hier haben, kann ich auf jeden Fall noch kein Profil erstellen." meinte er.
Mom stimmte ihm zu und nun hörte ich die untrüglichen Geräusche, die ankündigten, dass sie ins Bett gehen würden.
Rasch erhob ich mich und schlich zurück in mein Zimmer.
Ich kuschelte mich in mein Bett und zu meiner größten Überraschung schlief ich nur wenig später ein.
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Freitag, 28. Juli
Während Fox zum Gefängnis fuhr, die Mädchen hatten wir im Hotel abgesetzt und ihnen gesagt, sie sollten sich dort mit Mini-Golf beschäftigen, ging ich nun die langen Gänge der forensischen Pathologie in Quantico entlang.
Skinner hatte bei den wichtigen Leuten eine Berechtigung für mich erwirkt, die es mir nun erlaubte, mich auf dem Gelände frei zu bewegen.
Schließlich war ich im Obduktionssaal angekommen. Der Herr, der mir einen Besucherausweis gegeben hatte, hatte mich höflich gefragt, ob ich mich im Gebäude auskennen würde und mir nach einem Nicken meinerseits gesagt, wo ich die Leiche finden würde, die ich zu obduzieren hatte.
Es war ein gutes Gefühl, wieder hier zu sein, die Arbeit zu tun, die ich immer geliebt hatte.
Nachdem ich mich umgezogen hatte, ich trug nun die von Fox so geliebten hellblauen Hosen und das dazu passende Hemd sowie Turnschuhe, ging ich zu den Kühlfächern hinüber.
Schon nach kurzem Suchen fand ich die Leiche, die ich Obduzieren sollte. Ihr Name war Jennifer Barstow.
*~*~*~*~
Rasch ging ich den langen Gang zu Skinners Büro entlang. Wir hatten die Besprechung doch noch für heute angesetzt, nicht wie geplant für Samstags. Ich wusste, ich war spät dran, doch ich hatte eine Entschuldigung, und zwar eine gute, auch wenn ich wusste, dass Fox die Wände hoch gehen würde, wenn ich sie vorbringen würde.
Skinners Sekretärin betrachtete mich, als ich in den Empfangsraum platzte.
"Agent Scully. Schön Sie wieder zu sehen." lächelte sie.
"Hallo Kimberley. Wie geht es Ihnen?" grüßte ich.
"Gut danke. Director Skinner erwartet Sie bereits. Gehen Sie ruhig hinein." erwiderte sie und deutete mit dem Kopf auf die Tür zu Skinners Büro.
Ich blieb noch kurz vor der Bürotür des Assistent Directors stehen und strich mir ein letztes Mal den Rock glatt und fuhr mir mit der Hand durch die Haare. Schließlich hob ich meine Hand und klopfte leicht an.
Zwei Augenpaare starrten mich an, als ich die Tür leise öffnete und eintrat. Mit einem Blick erkannte ich, dass sich das Büro nicht verändert hatte und ein Lächeln erschien auf meinem Gesicht.
"Entschuldigen Sie bitte die Verspätung. Es gab einige unerwartete Komplikationen bei der Autopsie." Ich sah verlegen zu Boden.
"Dana, setzen sie sich." Skinner hatte sich bei meinem Eintreten erhoben und deutete nun auf den noch freien Stuhl am Schreibtisch. Mit einem Nicken kam ich dem nach und zog den Stuhl neben Fox zurück.
"Wir hatten gerade besprochen, was Mulder in der Zelle der Toten entdeckt hatte." erklärte Skinner und ich nickte leicht.
"Nun, ich konnte nichts feststellen, was nicht in dem Bericht gestanden hätte. Obwohl ich nach wie vor der Meinung bin, dass die Akte nicht vollständig ist. Es scheint, als wenn etwas fehlen würde. Es ergibt sich kein Vollständiges Bild." erklärte mein Mann und musterte Skinner dabei.
"Vielleicht kann ich das Aufklären." bemerkte ich. Skinner und Fox sahen mich aufmerksam an.
"Ich habe wie besprochen die Autopsie an Jennifer Barlow durchgeführt und dabei einige interessante Entdeckungen gemacht. Wie ich bereits anhand der Fotos vermutet hatte, ist die Frau über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen gefoltert worden. Ich konnte Hämatome verschiedener Größe und auch verschiedenen Alters am ganzen Körper entdecken. Auch wies ihr Körper Schnittwunden und Brandverletzungen auf. Durch die Beschaffenheit der Schnittwunden kann man davon ausgehen, dass ihr diese mit einem Skalpell zugefügt worden sind. Die Brandwunden, die besonders auf ihrem Rücken zu finden waren, stammen vermutlich von einer Zigarre, zumindest würde das die Form der Brandwunden erklären." Ich zog ein Foto aus einer Mappe, die ich auf meinen Knien balancierte und reichte es Fox.
"Siehst du hier. Sie sind rund, jedoch zu groß, als dass sie von einer Zigarette stammen könnten." Ich deutete auf die Male.
Mein Mann nickte leicht und reichte das Bild schließlich an Skinner weiter.
"Was haben Sie sonst heraus gefunden?" erkundigte er sich.
"Die Leiche war vollkommen Blutleer. Ich konnte jedoch erkennen, dass ihr das Blut erst nach ihrem Tod entfernt wurde. Und es war nicht das einzige, was der Frau fehlte." Ich sah die beiden Männer offen an.
"Was denn noch?" Fox zog seine Stirn kraus und ich konnte Neugierde in seinen Augen erkennen. Ich verspürte den Drang, ihn zu berühren, doch kämpfte ich dagegen an. Das war nicht der Zeitpunkt für Zärtlichkeiten.
"Ihr wurde das Herz entfernt. Statt dessen fand ich in ihrem Brustkorb zwei Schlangen." Fox sog zischend Luft in die Lungen.
"Schlangen?" Der Assistent Director sah mich skeptisch an.
Ich zog den linken Ärmel meines Jacketts hoch und zeigte den Männern zwei Bisswunden an meinem Unterarm.
Ich hatte mit einer heftigen Reaktion von Fox gerechnet, doch war ich nicht auf so etwas gefasst.
Wie der Blitz sprang er aus seinem Sessel auf, wobei dieser mit einem Poltern zu Boden fiel.
Mit einem panischen Flackern in den Augen griff er nach meinem Arm und betrachtete die beiden Bisswunden. Die Farbe war aus seinem Gesicht gewichen, er biss seine Kiefer zusammen, so dass die Muskeln hart hervortraten und ich meinte sogar ein leises Wimmern aus seiner Kehle zu hören.
Auch der Assistent Director erhob sich und kam um den Schreibtisch herum. Er beugte sich über Fox Schulter und warf ebenfalls einen Blick auf die leicht geröteten Male auf meinem Arm.
"Hast du das untersuchen lassen?" wollte Fox schließlich mit erstickter Stimme wissen. Sein Blick suchte meinen und ich konnte die Angst spüren, die von ihm ausging.
Ich strich ihm sanft über die Wange und sah ihn beruhigend an. Vergessen waren die Vorsätze, dass das nicht der Ort für Zärtlichkeiten war.
"Ja, ich war im Krankenhaus. Es geht mir gut." antwortete ich und bekam für diese Aussage einen bösen Blick von Fox zugeworfen.
Skinner ließ sich beruhigt gegen die Schreibtischkante sinken, doch Fox ließ mich nur wiederwillig los. Erst nach einem weiteren vergewissernden Blick richtete er sich voll auf, bückte sich nach dem umgestoßenen Sessel und setzte sich wieder.
Ein Blick in sein Gesicht zeigte mir, dass ich ihn jetzt nicht alleine lassen durfte. Er brauchte die physische Bindung zu mir und so griff ich nach seiner Hand.
"Können Sie mir das genauer erklären?" wollte Skinner wissen.
Ich zuckte die Achseln.
"Nachdem ich die äußere Untersuchung abgeschlossen hatte, öffnete ich den Thorax der Frau. Ich hatte nicht mit zwei Schlangen gerechnet, die sich in dem Leib befanden und ehrlich gesagt kann ich mich auch nicht mehr erinnern, wie es geschah, doch sie schnellten vor und bissen mich." beantwortete ich die Frage.
"Was waren es für Schlangen?" fragte Fox, seine Stimme war immer noch belegt.
"Es handelte sich um zwei beinahe ausgewachsene Exemplare der Gattung Trimeresu erythrurus, also der Smaragd-Bambusotter. Sie ist in Bengalen, dem östlichen Himalaya, Burma und Thailand beheimatet und kommt dort hauptsächlich in den Regenwäldern vor, wo sie sich besonders in Bäumen und Sträuchern aufhält." erklärte ich was ich in Erfahrung gebracht hatte.
"Wie konnten die Tiere denn überhaupt noch leben? Die Frau war bereits seit zwei Tagen tot." In Fox Kopf arbeitete es bereits auf Hochtouren.
"Ich habe keine Ahnung, aber sie taten es." erwiderte ich.
"Was hat der Arzt gesagt?" Fox schien noch nicht beruhigt.
"Er sagte, dass sich im Bereich der Bisswunde wohl ein Hämatom bilden würde und ich einige Tage Kreislaufprobleme zu erwarten hätte." seufzte ich. Ich hatte gewusst, dass er sich nicht mit meiner Aussage bezüglich meiner Befindlichkeit zufrieden geben würde.
Besorgt musterte er mich, was mich dazu veranlasste, ihm ein weiteres Mal ein beruhigendes Lächeln zu schenken.
Er schlug seine Augen nieder und kaute auf der Innenseite seiner Wange.
"Nach diesen Erkenntnissen halte ich es für Sinnvoll, wenn wir die anderen Leichen exhumieren lassen, damit Sie eine weiter Obduktion an ihnen vornehmen können. Es scheint, als wenn die Angaben von der ersten Autopsie nicht zuverlässig sind." meldete Skinner sich nun zu Wort. Langsam stieß er sich von dem Schreibtisch ab und umrundete ihn, bevor er sich wieder in seinen Sessel fallen ließ. Mit einem leisen Seufzer lehnte er sich zurück.
Ich verzog leicht das Gesicht und nickte dann zustimmend.
Seit Fox und ich das FBI verlassen hatten, musste ich keine exhumierte Leiche mehr obduzieren, und ich konnte ohne zu Lügen behaupten, ich hatte es nicht vermisst.
Ich hasste das. Die Leichen stanken und waren glitschig und ich legte nicht besonders viel Wert auf die Arbeit, aber wenn wir wissen wollten, woran die Frauen tatsächlich gestorben waren, abgesehen von den offensichtlichen Verletzungen, dann musste ich es tun.
Auch Fox verzog angewidert das Gesicht. Er hasste schon normale Autopsien, da er kein Blut sehen konnte, doch Exhumierungen waren ihm wirklich zuwider.
"Wie schnell können Sie eine Exhumierung veranlassen?" erkundigte ich mich schließlich und sah den Assistent Director an.
"Ich denke Sie werden morgen früh mit der Arbeit beginnen können." antwortete er. Ich nickte.
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Samstag, 28. Juli
Dana hatte den ganzen Tag damit zugebracht, exhumierte Leichen zu obduzieren. Als sie abends unser Hotelzimmer betrat, sah man ihre Erschöpfung beinahe in jeder ihrer Bewegungen. Auch litt sie seit dem Morgen unter leichter Übelkeit und Schwindel, was, wie sie sagte, mit dem Schlangenbiss in Zusammenhang stand.
Joy und Moe hatten am vorigen Abend die Bisswunde angestarrt und schließlich besorgt zu uns aufgesehen.
"Was ist, wenn du allergisch auf das Gift reagierst?" hatte Joy entsetzt gefragt.
"Das tue ich nicht. Ansonsten würde ich jetzt vermutlich bereits im Koma liegen. Mach dir keine Sorgen, Joy. Es wird mir nichts fehlen." hatte Dana sie beruhigt und ihr einen Kuss auf die Stirn gedrückt.
"Vielleicht wäre es besser, wir würden wieder nach Hause fahren. Oder nach Marthas Vineyard. Wir könnten noch einige schöne Tage in unserem Ferienhaus verbringen." meinte Moe vorsichtig.
Ich lächelte. Selbst die Mädchen bekamen es mit der Angst zu tun. Nun, ich konnte sie gut verstehen. Als ich die Bisswunden an Danas Arm gesehen hatte, war ich drauf und dran, sie zu packen, die Mädchen im Hotel abzuholen, und so viele Meilen zwischen uns und Washington zu bringen, wie es eben ging.
Diese Stadt verhieß nichts Gutes.
"Schatz, mach dir keine Sorgen. Und vielleicht können wir tatsächlich noch nach Marthas Vineyard hinüber fahren, wenn wir hier fertig sind." Dana hatte Moe angelächelt und ihre Hand genommen.
Nun saßen wir uns in der Sitzecke unseres Hotelzimmers gegenüber und besprachen die Ergebnisse, die die Autopsien gebracht hatten.
Dana saß auf dem Sessel, sie hatte sich nur auf das vordere drittel des Möbelstückes gesetzt und ihre Arme auf ihre Oberschenkel aufgestützt. In den Händen hielt sie die Obduktionsberichte.
Das rötliche Licht, welches durch den Sonnenuntergang noch zu uns hereindrang, spiegelte sich auf ihren Brillengläsern und ich konnte mich nur schwer auf die Fakten konzentrieren. Sie sah einfach wundervoll aus.
Mit einem Kopfschütteln brachte ich mich dazu, mich wieder auf das Wesentliche zu konzentrieren.
"Erstes Opfer, Sandra Castello, sie starb auf die gleiche Weise wie Jennifer Barstow, war also Opfer Nummer eins. Auch ihr wurde bei lebendigem Leib der Thorax geöffnet und das Herz entfernt. Ich fand statt dessen zwei Schlangen, der Gattung Smaragd-Bambusotter. Die Tiere waren tot. Ich konnte trotz der fortgeschrittenen Verwesung feststellen, dass ihr Körper ähnliche Verletzungen aufwies, wie der von Jennifer Barstow. Hämatome und Verbrennungen. Und auch ihr fehlte das Blut." erklärte Dana und sah zu mir hinüber. Ich verzog leicht das Gesicht, bei dem Gedanken an den stark verwesten Leichnam und den Gestank, den er verbreitet haben musste.
"Das zweite Opfer, ihr Name war Sabrina Lindström. Sie wurde offenbar erdrosselt. Ich konnte an ihrem Leichnam keine Verbrennungen feststellen, jedoch war auch er mit Hämatomen übersäht. Allerdings schienen diese alle etwa zur selben Zeit entstanden zu sein. Nicht wie bei Jennifer Barstow oder Sandra Castello, über einen Zeitraum von etwa zwei Wochen. Außerdem war ihr das Herz nicht entfernt worden und sie besaß noch ihr ganzes Blut." führte Dana weiter aus.
Ich nickte.
"Offenbar können wir davon ausgehen, dass Sabrina Lindström ein zufälliges Opfer ist und mit dem Fall nicht in direktem Zusammenhang steht." schlussfolgerte ich.
Meine Frau zuckte die Achseln und sah in den Bericht, den sie immer noch in der Hand hielt.
"Das dritte Opfer, Nadine Ford, wies die bereits bekannten Merkmale auf. Hämatome verschiedenen Alters, Verbrennungen auf dem Rücken, kein Herz, dafür jedoch Schlangen und das Fehlen jeglichen Blutes." Dana nahm ihre Brille von der Nase und fuhr sich in einer müden Geste mit Daumen und Zeigefinger über die Nasenwurzel.
Sie musste vollkommen erschlagen sein, nach diesem Tag.
"Und dann ist da noch Opfer Nummer vier. Bianca Towner. Ich konnte keine Hämatome entdecken, auch keine Verbrennungen. Sie starb durch einen Schlag auf den Hinterkopf." Dana zeigte die Stelle bei sich am Kopf.
"Vermutlich durch einen abgerundeten Gegenstand. Ich vermute, es könnte ein Waschbecken gewesen sein. Vielleicht hat eine der Insassinnen sie mit Wucht auf ein Waschbecken gestoßen. Sie scheint nichts mit dem Fall zu tun zu haben." erklärte sie.
Ich nickte und erhob mich.
Es war mir schon immer leichter gefallen, zu überlegen, während ich mich bewegte.
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Ich saß Joy gegenüber auf dem Balkon des Hotelzimmers und warf ihr einen intensiven Blick zu. Sie hob die Augenbrauen und zuckte die Achseln. Wir hatten beide ein Buch in der Hand, doch wenn wir ehrlich waren, dann lasen wir beide nicht.
Angestrengt lauschten wir auf das, was Mom und Dad besprachen.
Es war wirklich verdammt spannend, FBI-Ermittlungen so hautnah mitzuerleben, noch dazu waren es unsere Eltern, die diese Ermittlungen durchführten.
Mom hatte gerade aufgeführt, was sie bei den Obduktionen herausgefunden hatte. Gott sei dank, war sie nicht noch einmal von einer Schlange gebissen worden.
Ich hatte verdammte Angst gehabt, als ich die kleinen Wunden gesehen hatte, und Joy auch, das konnte ich deutlich merken.
Nun war Dad von dem Sofa aufgestanden und lief im Wohnzimmer auf und ab.
"Also,..." drang seine Stimme zu uns nach draußen.
"... wir haben offensichtlich drei Opfer, nicht fünf, wie zuerst angenommen. Das passt zu der Zeichnung, die auf dem Foto von Jennifer Barstows Zelle zu sehen ist." Er blieb stehen und langte nach einem Foto, welches er Mom reichte.
"Was sind das für Zeichen?" fragte sie, nachdem sie einen Moment das Foto betrachtet hatte. Dad trat neben sie und deutete mit dem Zeigefinger auf das Bild.
"Das hier ist eine Schlange, das dort ist offensichtlich ein Hufabdruck, oder Hufeisen, und die Zahlen sollten dir genauso viel sagen, wie mir." meinte er. Mom nickte. Augenscheinlich hatte sie eine Ahnung von dem, was die besagten Zahlen zu bedeuten hatten.
"Gut. Sehen wir weiter. Sandra Castello, 32 Jahre alt, saß wegen Mordes seit 1986. Sie starb am 29. Mai diesen Jahres. Nadine Ford, 29 Jahre alt, saß wegen bewaffneten Raubüberfalls seit 1994 - sie wäre in drei Jahren entlassen worden – sie starb am 27. Juni. Und zum Schluss Jennifer Barstow. Sie war 36 Jahre alt, saß wegen illegalem Drogenbesitzes seit vier Monaten und starb am 26. Juli." zählte er auf.
"Das heißt, alle vier Wochen." überlegte Mom laut. Sie sah Dad nachdenklich an.
Dieser hielt in seinem Weg inne und musterte sie.
"Ja, du hast recht. Warte einen Moment. Ich muss kurz was nachsehen." murmelte er und ging in das Schlafzimmer der beiden hinüber.
Mom sah ihm erstaunt hinterher und schüttelte den Kopf. Ich konnte sehen, wie sich ein kleines, wissendes Lächeln auf ihrem Gesicht bildete. Offenbar kannte sie dieses Verhalten von Dad bereits.
Ich wechselte einen weiteren Blick mit Joy und wieder zuckte sie die Achseln.
"Hier. Ich habe nachgesehen, welche Mondphase wir an den jeweiligen Todestagen hatten. Es war Neumond. Jedes Mal." Dad kam mit seinem kleinen Kalender in der Hand zurück.
Er benutzte ihn oft in der Schule. Nach seiner Aussage, fand er darin häufiger die Antwort auf die Frage, warum seine Studenten sich benahmen, wie sie es taten. Mom nahm diese Theorie mit einer hochgezogenen Augenbraue zur Kenntnis, diskutierte jedoch nicht mit ihm darüber.
Auch jetzt sah ich, wie sich ihre Augenbraue zu ihrem Haaransatz hoch zog. Ich musste grinsen. Ich hatte diese Geste schon mindestens eine Million Male gesehen, sowohl von Mom, als auch von Joy, und doch war ich jedes Mal wieder über seine Wirkung verblüfft.
Dad schien jedoch nicht beeindruckt, denn er reagierte nicht darauf, was Mom dazu veranlasste genauer Nachzufragen.
"Und? Ich meine, sagt das irgendetwas aus?" erkundigte sie sich.
"Dana, wir haben drei Leichen. Alle Frauen sind in einem Abstand von vier Wochen getötet worden, immer auf Neumond. Und wir haben die Zeichnungen. Du willst doch nicht ernsthaft behaupten, dass du den Zusammenhang nicht siehst, oder?" Er setzte sich ihr gegenüber auf das Sofa und blickte sie erstaunt an.
"Nun, nein. Es könnte auch Zufall sein." entgegnete sie. Dad schnappte nach Luft und ließ sich zurück sinken.
"Gott, es geht los! Ich hätte nicht gedacht, dass wir jemals wieder da anfangen, wo wir mal aufgehört haben." stöhnte er.
"Was denn? Du willst doch nicht behaupten, dass Vampire dafür verantwortlich sind, oder?" Mom lachte leise auf.
"Wer hat etwas von Vampiren gesagt?" Nun war es an Dad erstaunt zu sein. Er setzte sich wieder aufrecht hin.
"Keine Vampire? Warum nicht. Sie sind als Täter eben so gut, wie jedes andere Monster, dass es nicht gibt." Mom seufzte leise und ließ sich in ihrem Sessel nach hinten sinken.
"Vampire?" Auch ich sah erstaunt zu Joy hinüber und wisperte weiter "Wie kommt sie auf Vampire? Oder Monster?"
"Keine Ahnung. Vielleicht gibt es bei den X-Akten keine normalen Mörder. Menschen meine ich." erwiderte Joy ebenso leise.
"Dana, Vampire müssen in ein Haus hinein gebeten werden. Sie foltern ihre Opfer in der Regel nicht über einen Zeitraum von zwei Wochen und sie halten sich beim Jagen nicht an den Mond. Außerdem glaube ich nicht, dass sie das Herz ihres Opfers hinausschneiden. Zumindest nicht, bevor sie es nicht leer getrunken haben." erklärte Dad jetzt. Er sprach, als würde er einen kleinen Kind erklären, wo die Babys herkamen.
"Also gut, was ist deine Theorie?" wollte Mom mit einer Stimme wissen, die deutlich machte, dass er es kurz und schmerzlos machen sollte.
Was war nur in die beiden gefahren? Ich hätte niemals gedacht, dass sie sich so uneinig sein könnten.
"Ich denke," sagte Dad nun und holte noch einmal tief Luft "dass wir es mit einer Gruppe von Satanisten zu tun haben."
"Satanisten?" Mom hob erstaunt ihre Augenbraue. "Keine Monster? Du meinst, normale Menschen, die ein wenig abgedreht sind, was den Glauben angeht?" fragte sie noch einmal nach.
"Ja, genau die. Was dachtest du denn was jetzt kommt?" erkundigte Dad sich leicht gekränkt.
"Keine Ahnung. Aliens? Ein Mutant der nur bei Neumond aufwacht und sich von menschlichen Herzen ernährt? Ich habe mit allem gerechnet, aber nicht mit einfachen Menschen." gestand sie.
Dad tat verletzt.
"Dana, du tust, als wenn ich ein Spinner bin." murmelte er.
"Fox, ich habe nur versucht, mich in deine Welt hinein zu versetzen. Ich konnte nicht wissen, dass du in den letzten Jahren deinen Drang für diese Art der Erklärungen abgelegt hast." neckte Mom.
Dad stand auf und trat um den Tisch herum auf sie zu. Langsam beugte er sich über sie, die Hände auf den Sessellehnen, so dass Mom nicht fliehen konnte.
"Dana, du bist ein Scheusal." Er flüsterte zwar, doch war es immer noch laut genug gewesen, damit Joy und ich es verstehen konnten. Ich sah aus den Augenwinkeln wie Joys Kopf herum flog und sie mich aus weit aufgerissenen Augen anstarrte.
Ich grinste nur und zuckte die Achseln.
"Ja, ich weiß. Aber du liebst mich trotzdem, nicht wahr?" hörte ich Mom leise antworten und Dad prustete laut los.
Er beugte sich vor und gab Mom einen Kuss. Zeit für uns, zu verschwinden.
Wie auf ein geheimes Zeichen hin, erhoben wir uns gleichzeitig, klemmten unsere Bücher unter den Arm und traten durch die Terrassentür in das Wohnzimmer.
Dad erhob sich und Mom tat es ihm gleich. Ich warf den beiden einen wissenden Blick zu, weshalb mir auch auffiel, dass Mom ihre Farbe aus dem Gesicht verlor.
"Mom?" fragte ich alarmiert und Dad drehte sich zu ihr um. Rasch trat er einen Schritt auf sie zu und fing sie gerade noch rechtzeitig auf, als ihre Knie nachgaben.
Er legte sie vorsichtig auf dem Boden ab und drehte sich halb zu uns um.
"Joy, komm her und halt ihre Beine hoch. Und Moe, geh schnell und hol ein wenig Wasser für Dana." gab er uns Anweisungen.
Wir taten beide, was er uns sagte, ohne irgendwelche Fragen zu stellen.
Dad beugte sich über sie und fuhr ihr mit dem Zeigefinger über die Wange, während Joy Moms Füße hoch hielt.
Als ich wieder ins Wohnzimmer zurück kam, hatte sie ihre Augen bereits wieder geöffnet und sah sich mit einem leicht verwirrten Gesichtsausdruck um.
"Was ist denn?" fragte sie erstaunt.
"Dein Kreislauf." erklärte Dad einfach.
"Oh..." Mom schien langsam zu begreifen.
"Ich habe hier ein wenig Wasser für dich." machte ich vorsichtig auf mich aufmerksam.
"Danke, Schatz." murmelte sie und griff nach dem Glas, welches ich ihr reichte. Vorsichtig hob sie ihren Kopf an und trank einen Schluck des kühlen Wassers. Nachdem sie mir das Glas zurück gereicht hatte, stützte sie sich auf ihre Ellenbogen und machte Anstalten, sich wieder zu erheben.
"Danke Joy. Du kannst meine Füße loslassen." gab sie meiner Schwester zu verstehen.
Joy trat mit einem verlegenen Lächeln zurück und legte ihre Füße auf dem Boden ab. Dad trat neben Mom und half ihr, aufzustehen.
"Ich bringe dich ins Bett." murmelte er und wandte sich dann uns zu.
"Und ihr beiden neugierigen Wichter könnt auch so langsam ins Bett gehen." grinste er uns an.
Mit einem Laut des Entsetzens deutete ich auf das Buch unter meinem Arm.
"Wir haben gelesen." protestierte ich schwach.
"Sicher. Gestern vielleicht. Aber nicht jetzt." meinte er und ich wusste, es hatte keinen Zweck ihm etwas vorzumachen.
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Montag, 31. Juli
Wir saßen nun bereits seit zwanzig Minuten bei Skinner im Büro. Fox hatte ihm vorgetragen, was wir bisher wussten und hatte ihm schließlich mitgeteilt, dass er vermutete, dass eine Gruppe Satanisten hinter diesen Todesfällen steckte.
Skinner hatte sich darauf hin in seinem Stuhl zurück gelehnt und starrte uns nun bereits seit einigen Minuten an, ohne bisher etwas gesagt zu haben.
Ich konnte förmlich sehen, wie es in seinem Kopf arbeitete, doch ich wusste nicht, ob das, was dabei heraus kam, gut für uns sein würde, oder nicht.
Ich merkte, wie ich begann unruhig zu werden. Vor meinem inneren Auge sah ich die unzähligen Male, bei denen Fox und ich in diesem Büro, auf diesen Stühlen gesessen hatten und Skinner uns die Leviten gelesen hatte. Ich sah mich, wie ich versuchte vor Skinner die Angst um Mulder zu verstecken, die mich gepackt hatte, als Petterson ihn für den Fall mit den Teufelsfratzen hinzu gezogen hatte.
Ich hatte Skinner nie wirklich hinters Licht führen können. Ihm gegenüber war mir die >Traue niemandem< -Philosophie nach der Fox und ich die ganzen Jahre gelebt hatten, besonders schwer gefallen.
"Satansanbeter?" riss mich nun die Stimme des Assistent Directors aus meinen Gedanken. Er machte ein ähnlich ratloses Gesicht, wie ich es am Abend gemacht hatte, als Fox diese Theorie ausgesprochen hatte.
Ich sah aus den Augenwinkeln, wie mein Mann bestätigend nickte.
"Keine Aliens? Oder Vampire? Oder Monster?" Skinner zog die Stirn kraus. "Mulder, sind Sie aus der Übung gekommen?"
"Wieso meinen eigentlich alle, dass ich immer nur paranormale Erscheinungen, Aliens oder ähnliches als Möglichkeit in Betracht ziehe?" Fox hob seine Augenbrauen.
"Ja, wie kommen wir nur darauf?" neckte ich ihn leise. Ich war mir sicher, es war leise genug, dass Skinner es nicht hören konnte, doch Fox hatte es verstanden und ich sah, wie sein Kopf zu mir herum ruckte.
Ich lächelte ihn versöhnlich an.
"Also gut. Was jetzt fehlt, sind Beweise. Und natürlich die Täter. Es gibt insgesamt 54 Mitarbeiter in dem Gefängnis und 123 Insassinnen. Das heißt, wir haben genau 177 Verdächtige. Keine leichte Aufgabe, da den Schuldigen zu finden." überlegte der Assistent Director laut.
Wir sahen ihn an. Ich bemerkte, wie er kurz seinen Blick hob, mich ansah, ihn dann jedoch wieder senkte und unruhig mit seinen Fingern zu spielen begann. Wieder hob er seinen Kopf und sah mich unsicher an. Langsam hob ich meine Augenbraue und sah ihn fragend an.
"Mein Vorschlag wäre, dass Sie Undercover in dem Gefängnis ermitteln. Als Häftling." sagte er schließlich.
Ich merkte, wie Fox neben mir scharf die Luft in seine Lungen zog und sich aufrichtete. Beruhigend legte ich ihm eine Hand auf seinen Arm und schaffte es so, dass er sich ein wenig entspannte.
"Wie wollen Sie das machen? Ich meine, wie wollen Sie mich in das Gefängnis bekommen?" erkundigte ich mich.
"Dana! Du denkst doch hoffentlich nicht ernsthaft darüber nach, da mitzumachen?" Nun ließ Fox sich nicht mehr beruhigen.
"Fox, wir sind zu dem Fall hinzu gezogen worden. Wir haben schon eine Menge herausgefunden in den zwei Tagen, die wir hier sind. warum sollen wir es also nicht zu Ende bringen?" erkundigte ich mich mit sanfter Stimme.
"Weil wir unseren Teil getan haben. Ich werde mich heute Nachmittag hinsetzen und ein Täterprofil erstellen und dann können andere diesen Job übernehmen. Wir sind doch eigentlich gar nicht mehr bei dem Verein." gab er zurück.
"Verdammt noch mal, Skinner, Dana hat die Autopsien durchgeführt, ist bereits von zwei Schlangen gebissen worden und nun wollen Sie sie auch noch einem so unnötigen Risiko aussetzen. Haben Sie sonst keine Agenten, die sich umbringen lassen wollen?" wandte mein Mann sich nun an unseren ehemaligen und auch derzeitigen Chef.
"Mulder, keiner der Agenten, die wir hier haben, wäre in der Lage gewesen, den Fall so schnell auf den Punkt zu bringen, wie Sie beide es getan haben. Es wäre doch auch nicht für lange. Dana ist doch jetzt mit dem Fall vertraut. Was spricht also dagegen?" erwiderte Skinner.
"Das sie verheiratet ist, zwei Kinder hat und eigentlich als Lehrerin am Collage tätig ist und nicht mehr beim FBI. Es ist zu gefährlich." konterte Fox und blitzte Skinner wütend an.
"Sir, würden Sie uns bitte einen Moment entschuldigen?" mischte ich mich ein und Skinner erhob sich aus seinem Schreibtischsessel.
"Ich werde mir einen Kaffee holen." nickte er und verließ das Büro.
Ich drehte mich in meinem Sessel und sah Fox offen an.
"Du willst das wirklich tun, oder?" fragte er mit belegter Stimme und sah mich schließlich an. Von der Wut, die er nur kurz zuvor Skinner entgegen geschleudert hatte, war nun nichts mehr zu sehen. Dafür war etwas anderes in seinen Augen erschienen. Angst.
"Du würdest es auch tun, wenn es sich um ein Gefängnis für Männer handeln würde." erwiderte ich und er nickte nach einem Moment wiederwillig.
"Ja, du hast recht. Aber du bist gerade gestern Abend zusammen gebrochen. Was ist, wenn es schlimmer wird?" flüsterte er. Ich stand auf und hockte mich vor ihn hin. Sanft nahm ich sein Gesicht zwischen meine Hände.
"Es wird mir nichts geschehen. Ich bin mir sicher." versprach ich mit leiser Stimme.
"Das will ich aber auch hoffen. Du weißt, dass die Mädchen und ich nicht ohne dich leben können." Erwiderte er. Ich vermute, es sollte scherzhaft klingen, doch ich konnte das Flehen in seinen Worten erkennen.
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Samstag, 05. August
Ich stapfte unruhig in unserem Hotelzimmer auf und ab.
Vor zwei Stunden hatte ich Dana in dem Gefängnis besucht. Sie war jetzt seit vier Tagen dort. Skinner hatte alles bestens organisiert und geplant. Dana hieß nun nicht mehr Dana Mulder, sondern Kathrin O`Connor. Sie saß wegen Totschlags. Das Urteil lautete 15 Jahre. Bevor sie am Mittwoch das Hotel verlassen hatte, sie hatte darauf bestanden, dass ich sie nicht begleitete, hatte sie in ihren Nacken gefasst, den Verschluss ihrer Kette gelöst und sie mir mit einem sanften Lächeln hingehalten. Ich hatte trocken geschluckt und meine Augen hatten die ihren gesucht.
"Pass bitte für mich darauf auf, ja." hatte sie gesagt und mir noch einen Kuss gegeben. Dann hatte sie die Tür hinter sich zugezogen.
Und nun war sie dort, Kathrin O`Connor.
Ich war nur ein Bekannter, doch ich hatte immerhin die Möglichkeit, Dana jede Woche Samstags zu besuchen. Außer Skinner, einem Richter und mir, wusste niemand, dass sie eine Agentin war.
Ich ließ mich schwer in den Sessel fallen und schloss die Augen.
Vor zwei Stunden hatte ich es endlich bis in diesen Besucherraum geschafft. Außer mir war niemand darin. Ich saß auf dem Stuhl vor der Glasscheibe und wartete darauf, dass Dana gebracht wurde. Ich würde sie zumindest sehen können, wenn ich auch nicht die Möglichkeit hatte, sie zu berühren, und Gott weiß, dass war es, was ich eigentlich dringend brauchte.
Wenn ich ehrlich zu mir war, dann konnte ich mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal für vier Tage von ihr getrennt gewesen war. Es schien, als wäre diese Zeit Lichtjahre entfernt.
Die Tür öffnete sich und das Strahlen, welches sich voller Erwartung auf mein Gesicht gelegt hatte, erlosch im gleichen Moment, in dem sie den Raum betrat.
Über ihrem linken Auge prangte ein kleines Pflaster, welches offensichtlich eine Platzwunde zusammen halten sollte. Auf ihrem rechten Wangenknochen zeichnete sich ein großer dunkler Fleck ab. Ihren linken Arm hielt sie schützend vor ihren Leib gedrückt. Ich erkannte nicht sofort, ob es ihr Arm war, der ihr Probleme bereitete oder ob es ihr Leib war. Dies wurde erst deutlich, als sie sich vorsichtig auf dem Plastikstuhl auf der anderen Seite der Glasscheibe nieder ließ.
Es waren die Rippen, vielleicht auch der Unterleib.
Gott. Ich merkte, wie ich mühsam nach Luft schnappte als mich der Sauerstoffmangel, ich hatte unbewusst die Luft angehalten, dazu zwang.
Wie in Trance griff ich nach dem Telefonhörer, der es uns erlaubte, miteinander zu sprechen.
Dana drehte sich zu dem Wärter um, der sie zu ihrem Stuhl geführt hatte und nun immer noch direkt hinter ihr stand.
Mit einem Nicken entfernte er sich bis zur Tür.
Wir machten uns nichts vor. Das Gespräch wurde sowieso abgehört.
Erst als der Mann neben der Tür zum Stehen gekommen war, die Augen immer noch auf Dana gerichtet, griff auch sie nach dem Telefonhörer.
"Was ist passiert?" verlangte ich ohne Einleitung zu wissen.
"Erinnerst du dich noch an die Vampire in..." Sie stockte, schien zu überlegen wie das Dörfchen hieß und schüttelte schließlich den Kopf.
"...keine Ahnung mehr wo es war. Du hattest diesen Jungen gepfählt. Kurz bevor wir zu Skinner mussten sind wir unsere Geschichten noch einmal durchgegangen. Du hattest mir meine Zellengenossin beschrieben, die starke Ludmilla nanntest du sie glaube ich, damit ich es mit der Angst zu tun bekam." Sie versuchte ein Lächeln. Ich nickte nur, nicht sicher, ob ich meiner Stimme trauen konnte. Gott, sie sah furchtbar aus.
"Nun, sie ist meine Zellengenossin. Und sie hatte sich in den Kopf gesetzt, dass es Verschwendung wertvollen Sauerstoffs ist, wenn ich atme." erklärte meine Frau.
"Hat das ein Arzt gesehen?" wollte ich mit belegter Stimme wissen.
Sie zuckte die Achseln.
"Ich nehme es an. Als ich wieder zu mir kam, lag ich auf der Krankenstation und war verbunden." erwiderte sie. Wieder zog ich es vor, nur zu nicken.
Wir hatten noch zehn Minuten miteinander gesprochen, ehe der Wärter mit einem mehr oder weniger taktvollen Räuspern auf sich aufmerksam gemacht hatte.
"Die Besuchszeit ist um. Ich muss wieder zurück." murmelte Dana.
"Bist du sicher, dass du das immer noch willst?" fragte ich leise. Sie blickte mich stumm an und ich konnte die Antwort in ihren Augen lesen. Also nickte ich und legte meine Hand an die Scheibe. Sie hob ihre Hand ebenfalls und legte sie von der anderen Seite an meine.
Ich seufzte und öffnete meine Augen wieder. Erschrocken sprang ich aus dem Sessel auf, als ich Joy und Moe mir gegenüber auf dem Sofa erkannte. Ich war so in meine Gedanken versunken, dass ich sie nicht bemerkt hatte.
"Himmel!" schnaufte ich und erkannte ein kleines Lächeln auf ihren Gesichtern.
"Bist du in Ordnung, Dad?" wollte Joy nach einem Moment wissen. Nun war kein Lächeln mehr auf ihrem Gesicht zu sehen. Im Gegenteil, sie sah besorgt aus.
Ich zuckte die Achseln.
"Warst du bei Mom?" wollte Moe wissen, als sie merkte, dass ich nicht weiter antworten würde.
"Ja, war ich." seufzte ich.
"Warum siehst du dann so besorgt aus? Geht es ihr nicht gut?" Joy stand auf und kam auf mich zu. Sie legte ihren Kopf schief und musterte mich eingehend.
"Sie hatte offenbar eine Auseinandersetzung mit ihrer Zellengenossin." erklärte ich.
"Geht es ihr gut?" fragte sie noch einmal nach.
"Es geht. Sie hatte einige leichte Verletzungen." gab ich zu.
Schrecken zeigte sich auf den Gesichtern der Mädchen.
"Dad, kannst du sie nicht da raus holen? Ich habe Angst um Mom." hörte ich Moe mit leiser Stimme fragen. Ich seufzte erneut und ging langsam zu ihr rüber. Nachdem ich mich neben sie gesetzt hatte, zog ich sie in meinen Arm und gab ihr einen Kuss auf die Stirn.
"Ich auch. Aber sie wollte es. Also hoffen wir, dass sie bald heraus findet, wer diese Frauen getötet hat, damit sie zu uns zurück kehrt." meinte ich.
Moe nickte und auch Joy kam zu uns herüber und drückte sich in meine Arme.
"Sie war noch nie weg." flüsterte sie und ich nickte.
"Sie wird sicher bald wieder da sein." machte ich den Mädchen und auch mir Mut.
*~*~*~*~
Samstag, 19. August
Ich hastete den langen Gang zu Skinners Büro entlang. Eigentlich rannte ich schon beinahe, und ich war dankbar dafür, dass es Samstag Nachmittag war, also nicht mehr so viele Agenten im Bureau herum liefen.
Wenn ich ehrlich zu mir war, dann wusste ich nicht einmal, ob Skinner noch im Büro sein würde, ich konnte es nur hoffen.
Schließlich stürmte ich in den Vorraum. Gut, seine Sekretärin war noch da, doch ich schenkte ihr keine Beachtung, lief zielstrebig an ihr vorbei und auf die Tür des Büros zu.
"Agent Mulder!? Kann ich Ihnen helfen?" ertönte Kimberleys Stimme hinter mir.
Ich schüttelte stumm den Kopf, klopfte laut an die Bürotür und stieß sie auf.
Skinners Kopf flog hoch und er sah mich mit erschrockenem Gesichtsausdruck an.
"Mulder?" Er erhob sich und musterte mich. Ich konnte mir nur vage vorstellen, was ich für ein Bild abgeben musste.
"Holen Sie sie da raus. Sofort!" polterte ich, ohne mir die Mühe zu machen die Tür hinter mir zu schließen. Ein leises Klicken sagte mir, dass Kimberley mir dies abgenommen hatte.
"Wie bitte? Was reden Sie denn da?" Skinner schien erstaunt und deutete mit einer Hand auf einen der Sessel vor seinem Schreibtisch. Ich schüttelte entschlossen meinen Kopf und blitzte ihn an.
"Sie sollen sie da raus holen. Irgendetwas stimmt nicht." wiederholte ich meine Forderung, während ich weiter auf ihn zu ging.
"Mulder, nun beruhigen Sie sich doch erst einmal. Was meinen Sie mit >Irgendetwas stimmt nicht<?" Skinner trat einen Schritt zurück.
"Sie ist immer noch in Einzelhaft. Nun bereits seit fast zwei Wochen. Skinner, ich will, dass Sie sie da raus holen. Jetzt sofort. Unternehmen Sie etwas, bevor es zu spät ist." Ich merkte selber, dass ich wild gestikulierte und viel zu laut redete, doch ich hatte so eine Scheißangst, dass mich nichts anderes mehr erreichte. Allerdings fiel mir auf, dass Skinner deutlich blasser wurde, bei meinen Worten.
"Wie soll ich das denn ihrer Meinung nach machen?" erkundigte der Assistent Director sich bei mir.
"Verdammt noch mal, das ist mir scheißegal, aber tun Sie es. Jetzt." schrie ich.
"Also gut. Fahren Sie zurück ins Hotel, ich werde sehen, was ich machen kann. Ich melde mich bei Ihnen." erklärte Skinner.
Ich nickte und drehte mich zum Gehen um. Gerade als ich die Tür erreicht hatte, drehte ich mich noch einmal halb um und sah meinen Vorgesetzten an.
"Wenn ihr etwas passiert ist, ich schwöre Ihnen, dann haben Sie Probleme." murmelte ich zwischen zusammen gebissenen Zähnen. Er nickte leicht, wusste, dass ich es nicht so meinte wie ich es sagte, und dass ich vollkommen neben mir stand.
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"Wieso wollen Sie zu Kathrin O`Connor? fragte mich der Wärter am Empfang. Es handelte sich um einen großen, breitschultrigen Mann, Ende vierzig, der mich abschätzend musterte.
"Mein Name ist Agent Skinner. Ich habe den Fall von Miss O`Connor bearbeitet. Durch meine Aussage ist sie verurteilt worden. Doch jetzt sind noch einige Fragen aufgetreten, die ich unbedingt mit ihr klären muss. Es scheint, als hätte sie ein wenig Hilfe gehabt, damals." erklärte ich. Ich wollte erst sehen, was los war, bevor ich den richterlichen Beschluss, den ich für Danas Entlassung in der Tasche hatte, herausholte.
"Sie ist in Einzelhaft, darf keinen Besuch empfangen." meinte der Mann und musterte mich wieder.
"Ich bin sicher, ich darf zu ihr. Oder wollen Sie dafür verantwortlich sein, dass eventuell ein unschuldiger Mensch stirbt?" erwiderte ich.
Unsicherheit glomm in den Augen meines Gegenübers auf und ich sah ihn mit kaltem Blick an. Schließlich schlug er die Augen nieder und ich wusste, ich hatte gewonnen.
"Ich werde Sie hin bringen." sagte er schlicht und ging vor mir her die Gänge entlang.
Nach scheinbar zahllosen Abzweigungen die wir genommen hatten, endlos erscheinenden Gängen die sich durch das Gebäude zogen, standen wir kurze Zeit später vor einer schweren Metalltür.
Der Mann schloss die Tür auf und sah mich fragend an.
"Werden Sie dort drin alleine klar kommen?" wollte er wissen.
Ich nickte nur.
"Klopfen Sie, wenn Sie raus wollen, Sir." wies er mich an und ich trat mit einem weiteren stummen Nicken schließlich in die Zelle ein.
Der Raum war, bis auf ein Bett, welches mit dem Kopfende vor einer Wand, ansonsten aber frei im Raum stand, vollkommen leer. Die Wände bestanden aus purem Beton, waren nicht einmal gestrichen. Von der Decke hing eine einfache, nackte Glühbirne hinunter, die den Raum in kaltes Licht tauchte, Fenster gab es nicht.
Ein leises Stöhnen ließ mich näher auf das Bett zugehen.
Ich merkte, wie sich mir der Magen umdrehte, bei dem Anblick, den Dana bot. Nach Luft schnappend blieb ich stehen und zwang mich dazu, ruhiger zu Atmen.
"Um Himmels Willen, Dana!" stieß ich nach einem kurzen Moment hervor und war mit zwei weiteren Schritten bei ihr.
Ihre Augen waren geschlossen und ihr Gesicht war mit blauen Flecken und Platzwunden übersäht. Sie trug nur ein einfaches Nachthemd, eins von der Sorte, die man auch in Krankenhäusern immer bekam und die mehr zeigten, als dass sie es verbargen.
So auch bei Dana. Ich konnte an ihren Armen und Beinen, sowie an ihrem Brustbein und am Hals einige Blutergüsse und Schwellungen erkennen. Ihre Hand- und Fußgelenke waren an dem Bett fixiert und sie hatte sie wund gescheuert. Sie reagierte in keiner Weise auf meine Anwesenheit, hatte sich, seit ich das Zimmer betreten hatte, nicht bewegt, mit Ausnahme des Geräusches, welches sie von sich gegeben hatte. Sie musste beinahe umkommen vor Schmerzen.
Ich schluckte.
Mulder würde mich umbringen.
Mit fliegenden Fingern löste ich die Gurte, die sie an dem Bett hielten, nahm sie auf den Arm und trug sie zu der Tür hinüber.
Mit meinem rechten Fuß klopfte ich gegen die Tür, das Geräusch hallte laut in dem kahlen Raum nach.
Sofort hörte ich das Klimpern der Schlüssel und nur wenig später wurde die Tür geöffnet.
"Hey, was machen Sie denn da?" fauchte mich der Wärter an.
"Ich werde sie in ein Krankenhaus bringen. Sehen Sie sie doch mal an! Sie stirbt!" erwiderte ich heftig und stieß den Mann zur Seite.
"Sie können sie nicht einfach mitnehmen!" protestierte er und langte nach meinem Arm, um mich fest zu halten.
Leicht in die Hocke gehend und Dana auf diese Weise auf meinen Oberschenkeln ablegend, langte ich mit meiner linken Hand in die Tasche meines leichten Mantels. Ich zog den Beschluss des Richters hervor und warf ihn dem Wärter vor die Füße.
Während ich Dana wieder richtig auf den Arm nahm, bückte der Mann sich nach dem Zettel und hob ihn auf. Er entfaltete ihn und wedelte damit vor seinem Gesicht herum. Ich drehte mich um und versuchte mich an den Weg zu erinnern, den ich mit dem Wärter hier her gegangen war.
"Was ist das?" rief dieser mir hinterher.
"Das ist ein richterlicher Beschluss, der es mir erlaubt, Special Agent Dana Mulder von hier mit zu nehmen, wenn es die Situation erfordert. Ich denke, dass ist hier eindeutig der Fall." erklärte ich wobei ich jedoch nicht stehen blieb.
"Das da ist aber Kathrin O`Connor." Der Wärter folgte mir schnellen Schrittes.
"Nein. Das ist nur der Name, unter dem sie hier ermittelt hat." klärte ich ihn auf.
Wie angewurzelt blieb der Mann stehen. Ich ging alleine weiter, beschleunigte meine Schritte und erreichte schließlich das Tor.
Dort angekommen drehte ich mich um und sah den Wärter auffordernd an.
"Machen Sie mir jetzt verdammt noch mal endlich die Tür auf?!" polterte ich, als er noch immer keine Anstalten machte, mir zu folgen.
Er kam gemächlich auf uns zu und schloss wenig später, ohne noch etwas gesagt zu haben, das Tor auf, so dass ich mit der immer noch vollkommen bewegungslosen Dana das Gefängnis verlassen konnte.
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Wieder rannte ich einen Gang entlang. Dieses Mal war es jedoch nicht der Gang zu Skinners Büro, sondern ein Krankenhausflur, den ich mit weit ausgreifenden Schritten, mehr rennend als gehend, passierte.
Einige Besucher und auch die eine oder andere Schwester hatten mich bereits mit bösen Blicken oder lauten Ausrufen gestraft, doch das alles prallte ungeachtet an mir ab.
Endlich sah ich den Assistent Director auf einem der Stühle sitzen, die in jedem Krankenhaus an den Wänden aufgestellt sind. Offenbar hatte auch er *mich* gesehen, denn er erhob sich und kam einige Schritte auf mich zu, hielt dann jedoch wieder inne.
"Wo ist sie?" fragte ich atemlos und ohne mich mit einer Begrüßung aufzuhalten.
"Mulder, beruhigen Sie sich." versuchte Skinner mich zu besänftigen.
"Was ist mit ihr?" Ich trat noch einen drohenden Schritt auf ihn zu.
"Sie sollen sich beruhigen." erwiderte der Assistent Director.
"Verdammt noch Mal, ich will jetzt sofort wissen, was mit meiner Frau ist. WO IST SIE?" schrie ich.
Skinner zuckte zusammen und gab den Versuch mich zu beruhigen auf.
"Sie wird gerade operiert. Bei den Untersuchungen wurden einige innere Verletzungen festgestellt, die teilweise von zwei gebrochenen Rippen herrührten." sagte er schließlich leise.
Ich hatte das Gefühl, als wenn mir jemand ein Messer in den Magen gerammt hätte. Mit einem lauten Stöhnen vergrub ich mein Gesicht in meinen Händen und fuhr mir anschließend mit den Händen durch die Haare.
Das Atmen fiel mir schwer, und ich befürchtete, dass ich mich jeden Moment übergeben musste.
"Mulder?" drang Skinners Stimme gedämpft an mein Ohr.
Ich versuchte ihn anzusehen, doch es fiel mir schwer, ihn zu fokussieren.
"Kommen Sie, beugen Sie sich ein wenig nach vorne." Er drückte leicht meine Schultern nach vorne und ich stützte meine Hände auf meine Oberschenkel.
"Ja, so ist es gut. Und jetzt ruhig atmen. Ein und Aus. Und wieder. Ein und Aus." Er sah mich besorgt an.
Nach einiger Zeit erhob ich mich wieder und fuhr mir ein weiteres Mal mit den Händen durch das Gesicht.
"Geht es Ihnen wieder besser?" erkundigte der Assistent Director sich.
Ich nickte leicht.
"Seit wann ist sie im OP?" wollte ich wissen. Gott, gehörte diese Stimme tatsächlich mir?
"Seit fast einer Stunde." erwiderte Skinner.
Ich nickte wieder. Nur am Rande registrierte ich, dass er mich verdammt spät benachrichtigt hatte.
"Wollen Sie ihre Töchter anrufen?" erkundigte Skinner sich. Ich sah ihn nachdenklich an.
"Sie sind bei Danas Mutter. Maggie und die Kinder wollten sich einen schönen Tag machen. Schwimmen gehen, picknicken, Museen besuchen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich überhaupt jemanden erreiche." meinte ich schließlich, ging jedoch trotzdem zum nächsten Telefon und tippte Margarets Nummer ein.
Ich hatte den Anrufbeantworter dran und sprach eine kurze Nachricht darauf. Sie sollte mich über mein Handy anrufen.
Ich saß bereits seit zwei Stunden auf diesem harten Plastikstuhl, Skinner neben mir. Wir schwiegen beide.
Ich hatte Skinner gefragt, was in dem Gefängnis vorgefallen sei, doch er hatte nur mit dem Kopf geschüttelt. Offenbar war er der Meinung, dass ich es nicht unbedingt wissen musste und ich war zu sehr mit meinen Gedanken beschäftigt, um mit ihm zu streiten.
Das schrille Klingeln meines Handy riss mich aus meinen Gedanken.
Ich schluckte und atmete tief ein, ehe ich das Gespräch entgegen nahm.
"Hallo?" sagte ich mit rauer Stimme.
"Fox? Ich bin es Maggie. Ich sollte dich anrufen. Was gibt es denn?" drang die liebevolle Stimme meiner Schwiegermutter an mein Ohr.
"Maggie." Ich seufzte. "Ich bin im Krankenhaus." erklärte ich.
"Um Himmels Willen. Ist was mit Dana?" Sofort hörte ich Panik in ihrer Stimme und ich musste wieder schlucken.
"Ja. Sie ist bei den Ermittlungen in denen sie gesteckt hatte, verletzt worden. Kannst du mit den Mädchen her kommen?" erwiderte ich.
"Ist es sehr schlimm?" wollte sie mit zitternder Stimme wissen.
"Ich weiß es noch nicht. Sie wird noch operiert." gab ich zurück. Auch ich musste mit den Tränen kämpfen.
"Wir werden in einer dreiviertel Stunde da sein." sagte Maggie schließlich und ich nickte, vollkommen vergessend, dass sie es nicht sehen konnte.
"Bis gleich." flüsterte sie.
"Bis gleich." Hörte ich ihre Stimme bevor ich das Handy ausschaltete.
Gedankenverloren starrte ich auf das kleine Gerät in meiner Hand.
Ich wusste nicht, wie lange ich so da gesessen hatte, es musste jedoch lange gewesen sein, als mich eine freundliche Stimme aus meinen Gedanken riss.
"Mr. Mulder?"
Ich hob meinen Kopf und blickte direkt in die grauen Augen eines etwa 60 jährigen Mannes. Er hatte graue Haare und trug einen weißen Kittel.
"Hallo. Mein Name ist Dr. Bergman. Ich habe Ihre Frau operiert." sagte er freundlich und lächelte leicht.
Ich sprang auf und sah ihn ängstlich an.
"Wie geht es ihr?" wollte ich wissen.
"Sie schläft noch. Es war eine schwere Operation." erwiderte Dr. Bergman.
"Kann ich zu ihr?" fragte ich mit belegter Stimme.
"Sicher. Folgen Sie mir." Der Mann drehte sich um und ich folgte ihm nach einem kurzen Blick auf Skinner.
"So, hier ist es." Der Arzt blieb vor einer Tür stehen. Wir waren auf der Intensivstation und nur noch diese Tür trennte mich von Dana.
"Danke, Dr. ..." murmelte ich und atmete noch einmal tief ein.
Erst als sich der Arzt umgedreht hatte, stieß ich die Tür leise auf und trat in das Zimmer ein.
Was ich sah, raubte mir den Atem. Ich hatte das Gefühl, als wenn mein Herz aufgehört hätte zu schlagen. Erst spät nahm es seine Arbeit wieder auf und klopfte hart gegen meine Rippen.
Dana schien unter den ganzen Pflastern, Verbänden, Schläuchen und Kabeln beinahe zu verschwinden.
Ihr Gesicht war blass und übersäht von Hämatomen. Einige Pflaster hielten Platzwunden zusammen. Ihre Lippen waren geschwollen und aufgesprungen. Ihre Arme wiesen ebenfalls dunkle Flecken auf, ihre Handgelenke waren dick verbunden. Ein Schlauch, an deren Ende ein Beutel befestigt war, schien aus ihrem Bauch hinaus zu wachsen. Ein Katheder war an ihrem Bett befestigt und enthielt leicht rötliches Urin, was mir sagte, dass ihre Nieren verletzt waren.
Ich konnte nicht mehr erkennen, doch ahnte ich, dass das was ich sah, nur ein kleiner Bruchteil von dem war, was ich hätte sehen können, wenn ich näher getreten wäre.
Doch meine Beine schienen mich nicht mehr tragen zu wollen.
Ich stolperte, griff mit meiner Hand nach hinten und bekam die Wand zu fassen. Mit einem wackeligen Schritt schaffte ich es, mich mit dem Rücken gegen diese zu lehnen und ließ mich schließlich an der Wand hinab gleiten.
Ich merkte, wie ich schwer keuchte, Tränen rannen meine Wange hinunter und ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen.
"Oh Gott nein!" Ich schluchzte und hörte mich mit fremder Stimme immer wieder den Namen meiner Frau sagen.
So blieb ich sitzen, ich wusste nicht wie lange.
Erst als sich zwei sanfte Hände auf meine legten, nahm ich sie von meinem Gesicht weg und hob meinen Kopf.
Ich starrte direkt in die haselnussbraunen Augen meiner Tochter.
"Dad?" fragte sie mit zitternder Stimme und ich schluckte einen lauten Schluchzer hinunter, nickte statt dessen.
"Bist du in Ordnung?" wollte sie wissen und ich sah, dass Tränen in ihren Augen schwammen, die sie mühsam zurück hielt.
"Ja. Ja, ich bin in Ordnung." krächzte ich und stemmte mich langsam hoch.
Moe betrat das Zimmer, dicht gefolgt von Margaret.
Als Danas Mutter mich sah, kam sie rasch auf mich zu und stützte mich. Ich wankte leicht und sie führte mich zu dem Stuhl, der an Danas Bett stand.
Sofort griff ich nach der Hand meiner Frau und streichelte behutsam darüber.
"Wird sie wieder gesund?" drang Moes leise Stimme an mein Ohr. Ich drehte mich leicht zu ihr um und streckte meinen Arm nach unseren Töchtern aus. Beide schmiegten sich sofort an meine Brust. Joy ließ sich in die Knie sinken, um Moe ebenfalls Platz zu machen.
"Ja, sie wird wieder gesund werden. Aber es wird vermutlich einige Zeit dauern." flüsterte ich.
"Gott, wer hat das getan? Wer hat Mom so weh getan?" schluchzte Joy laut auf.
"Ich weiß es noch nicht. Aber wir werden es heraus finden. Und die Person wird dafür bestraft werden, das verspreche ich euch." sagte ich leise.
Maggie, die auf der anderen Seite des Bettes gestanden und Danas andere Hand gehalten hatte, sah auf und mich an.
Ich nickte ihr zu, unterstrich auf diese Weise meine Worte und sie nickte ebenfalls.
"Joy, Moe, kommt mit. Eure Mom braucht Ruhe. Wir werden ins Hotel fahren und später noch einmal wieder kommen." sagte sie nach einer Weile.
Die Mädchen erhoben sich und gaben mir einen Kuss auf die Wange, was ich erwiderte.
Nachdem sie um das Bett herum getreten waren, strichen sie Dana sanft über ihre Wange und gingen schließlich langsam hinter Maggie her.
Ich betrachtete Dana lange. Ihr Gesicht war blass, ihr Haare sahen stumpf und kraftlos aus.
Die blauen Flecken hoben sich scharf von ihrer schönen Haut ab.
Ich konnte nicht länger auf ihren geschlagenen Körper blicken und schloss die Augen. Langsam wanderte meine Hand zu dem Kreuz, welches ich seit einigen Wochen um meinen Hals trug. Bilder von Dana, wie sie in einem Krankenhausbett lag, zogen an meinem inneren Auge vorbei.
Nach ihrer Entführung, genauso wie auch heute von Schläuchen und Kabeln bedeckt, ihre Augen mit einem Klebestreifen geschlossen, weil sie sonst, wie bei einer Toten immer wieder aufgegangen wären. Nachdem sie auf dieser Brücke gestanden und beinahe verbrannt wäre und nachdem sie von einem Kollegen um ein Haar erschossen worden wäre. Ein weiteres Bild tauchte vor meinem inneren Auge auf und verschwand nicht so schnell, wie die anderen. Dana lag in einem Bett, im Krankenhaus. Sie war blass, ihre Haare genauso stumpf wie auch heute. Unter ihren Augen lagen dunkle Schatten und sie blickte mich aus matten, müden Augen an.
Ich wusste, sie hatte kaum noch auszuhaltende Kopfschmerzen und die Therapien, die sie durchgeführt hatte, hatten ihren Körper ausgemergelt, doch sie versuchte die Schmerzen vor mir zu verbergen, wollte nicht dass ich es sah und mich schuldig fühlte.
>Wie geht es dir?< hörte ich mich mit leiser Stimme fragen. Sie zuckte die Achseln. Nach einer Weile, in der wir uns nur stumm angesehen hatten, schluckte sie uns sah mich offen an. Nun konnte ich ihre Schmerzen in ihren Augen ablesen, und ich wusste, sie wollte es so.
>Kannst du mich nach Hause bringen?< fragte sie mit schwacher Stimme. Ich zuckte zusammen unter den Worten und auch jetzt, obwohl es schon so lange her war, konnte ich einen körperlichen Schmerz fühlen, der mich beinahe zerriss.
>Scully, das geht nicht. Wenn du jetzt nach Hause gehst, dann wirst du sterben.< hatte ich ihr erklärt und ihre Hand fester gehalten.
Sie nickte schwach.
>Ich weiß. Ich kann nicht mehr Mulder. Die Ärzte können nichts mehr für mich tun. Ich werde sowieso sterben, und ich möchte es nicht in einem Krankenhaus. Ich möchte zu Hause sterben, in meinem Bett, in meiner Wohnung. Bitte. Bring mich nach Hause.< hatte sie mich angefleht und mir dabei offen in die Augen gesehen.
>Gott, Scully, verlang das nicht von mir. Bitte nicht. Gib nicht auf. Bitte, gib nicht auf.< Ich hatte meinen Kopf auf ihre Brust gelegt, nicht in der Lage, sie weiter anzusehen und mir waren Tränen die Wange hinunter gelaufen.
Sie hatte nichts weiter gesagt, hatte nur stumm ihre Hand in meinen Haaren vergraben und mich leicht gestreichelt.
Langsam hatte ich meinen Kopf wieder gehoben, hatte sie angesehen, eine stumme Bitte in meinen Augen. Sie nickte leicht und schloss schließlich ihre Augen.
Am anderen Tag hatte ich diesen Chip in dem Röhrchen gefunden, welches ich einige Tage zuvor im Pentagon entdeckt hatte. Er hatte sie gerettet.
Er, oder der Glaube an Gott, den sie wiedergefunden hatte.
Das war geschehen, bevor wir die Grenzen überschritten hatten, die wir uns Jahre zuvor selber gesteckt hatten. Jedoch war unsere Beziehung zu dem Zeitpunkt schon im Wandel. Der Wandel ging nur langsam vonstatten, er begann, als ich in der Onkologie von ihr erfahren hatte, dass sie Krebs hatte und endete, als sie mir mitteilte, dass sie wieder gesund würde. Erst da, an ihrem Krankenhausbett, schaffte ich es über meinen Schatten zu springen und sie zu küssen.
Mit einem leisen Stöhnen öffnete ich die Augen wieder und blickte Dana an. Sie hatte ihre Augen geöffnet und sah mich stumm an. Erschrocken sog ich die Luft in die Lungen, meine Augen weiteten sich.
"Hey! Wie fühlst du dich?" flüsterte ich. Ich wusste, ich konnte meiner Stimme noch nicht völlig trauen. Erst jetzt merkte ich, dass meine Wangen nass von Tränen waren.
"Wie komme ich hier her?" Sie ignoriert meine Frage. Ich wusste sowieso wie sie sich fühlte. Sie flüsterte ebenfalls. Ihre Stimme war schwach und ich konnte sehen, dass ihr selbst das Sprechen Schmerzen bereitete.
"Skinner hat dich da raus geholt, nachdem ich ihm beinahe an die Gurgel gegangen wäre." sagte ich leise und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Sie nickte in einer winzigen Bewegung und musterte mich stumm, wie ich auf die Klingel für die Schwester drückte.
"Du siehst schlecht aus." stellte sie fest. Sie sprach beinahe ohne Stimme und ich musste mich nahe zu ihr runter beugen, damit ich es überhaupt hören konnte.
"Ich hatte Angst um dich." sagte ich einfach und griff auf den Nachttisch, wo eine kleine Schale mit Eiswürfeln stand. Ich nahm einen hinaus und drückte ihn ihr an ihre geschwollenen und aufgesprungenen Lippen. Dankbar nahm sie das schmelzende Wasser an und trank.
Die Tür öffnete sich und eine Schwester trat hinein.
"Mrs. Mulder. Schön, dass Sie wieder bei uns sind." Die Schwester lächelte und sah auf den Monitor, der Danas Vitalzeichen anzeigte.
"Ich werde Ihnen jetzt ein Spritze gegen die Schmerzen geben." erklärte die Frau und zu meinem größten Entsetzen protestierte Dana nicht, sondern im Gegenteil, sie nickte wieder in dieser winzigen Bewegung. Offenbar hatte sie kaum noch auszuhaltende Schmerzen.
Die Schwester zog eine Spritze auf und stach die Nadel in die Infusion.
"Klingeln Sie, wenn sie noch etwas brauchen. Sobald der Arzt wieder frei ist, wird er zu Ihnen kommen." hörte ich sie reden ehe sie sich umdrehte, um uns wieder alleine zu lassen.
Es schien, als wenn das Schmerzmittel schnell wirken würde, denn ich konnte beobachten, dass Danas Augen immer wider zufielen. Ich griff zu dem Verschluss der Kette, die an meinem Hals lag und öffnete ihn. Vorsichtig, damit ich ihr keine Schmerzen bereitete, legte ich sie ihr um und schloss sie wieder.
Sanft streichelte ich schließlich ihre Wange und hielt ihre Hand.
"Schlaf jetzt. Ich werde noch ein wenig bei dir bleiben." sprach ich leise.
Sie lächelte und hob unter großer Anstrengung ihre Hand. Zärtlich fuhr sie mir über die Wange und durch meine Haare.
"Ich liebe dich." flüsterte sie und ich beugte mich hinunter und legte meine Lippen in einer federleichten Berührung auf ihre.
Ich blieb noch acht Stunden an ihrem Bett sitzen, nicht in der Lage, mich von ihr zu trennen, wo ich sie doch gerade erst wieder hatte.
Schließlich betrat Skinner das Zimmer.
Erstaunt sah ich ihn an.
Hatte er etwa die ganze Zeit auf dem Flur gewartet. Über acht Stunden?
"Wie geht es ihr?" fragte er mit leiser Stimme.
"Sie war bereits wach, hat aber direkt etwas gegen die Schmerzen bekommen. Sie konnte kaum sprechen. Aber sie wird wieder gesund werden." erwiderte ich ebenso leise.
Skinner nickte.
"Gehen Sie nach Hause, Mulder. Ich denke ihre Töchter brauchen Sie. Die beiden sahen ganz schön fertig aus. Ich werde hier bleiben und auf sie achten." sagte der Assistent Director.
Ich sah ihn unschlüssig an.
Natürlich, es zog mich nach Hause. Ich wusste, die Mädchen wollten wissen, was mit Dana war und ich wollte ihnen ein wenig Trost geben, doch wusste ich, dass ich keine Ruhe haben würde, wenn ich nicht bei meiner Frau wäre.
Widerwillig erhob ich mich schließlich.
"Rufen Sie mich an, wenn sie wach wird, ja?" bat ich und gab ihm die Hand.
Er erwiderte die Geste und nickte.
"Grüßen Sie Ihre Kinder von mir." meinte er und setzte sich in den Stuhl, in dem ich bisher gesessen hatte.
Ich nickte und öffnete die Tür.
"Mulder?" hielt Skinner mich zurück. Erstaunt drehte ich mich um, mir darüber im klaren, dass meine Augenbrauen verwundert nach oben gerutscht waren.
"Es tut mir leid. Ich hätte Sie da nicht mit reinziehen dürfen." sagte der Mann und blickte mich offen an.
"Es ist nicht Ihre Schuld. Sie wollte es selber. Ich muss mich entschuldigen, dass ich Sie in Ihrem Büro heute Nachmittag so angeblufft habe." erklärte ich und winkte ab, als er noch etwas sagen wollte.
Ich nickte ihm noch einmal zu und verließ schließlich das Krankenhaus.
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Moe lag auf dem Sofa, die Augen geschlossen, doch sie schlief nicht. Ihr Atem ging zwar regelmäßig, doch zuckte sie bei jedem Geräusch, welches durch den Raum drang, zusammen. Grandma hatte den Fernseher eingeschaltet und verfolgte mit wenig Interesse einen Film.
Es war bereits spät. Bei meinem letzten ungeduldigen Blick auf die Uhr war es schon nach eins gewesen.
Wir waren seit beinahe sieben Stunden wieder zu Hause, und seit dieser Zeit blickte ich alle zehn Minuten auf meine Uhr.
Ich schaffte es nicht, mich auf den Film, ein Buch oder eine CD einzulassen. Die meiste Zeit konnte ich nicht einmal still sitzen, geschweige denn eine solche Ruhe aufbringen, wie Moe es tat.
Immer wenn ich die Augen schloss, sah ich Dad vor mir. Als ich das Krankenzimmer von Mom betreten hatte, dachte ich, mir bliebe das Herz stehen.
Mom sah furchtbar aus, aber ich hatte so etwas ähnliches erwartet, der Chef von Mom und Dad hatte Moe, Grandma und mich abgefangen und vage erzählt, auf was wir uns einstellen mussten.
Doch Dad so an diese Wand gekauert vorzufinden, hatte mich wirklich geschockt.
Er hatte so zerbrechlich ausgesehen. Sein Körper zuckte in lautlosen Schluchzern, die Hände vor das Gesicht gelegt, als wenn er sich selber in die Dunkelheit verbannt hätte.
Er hatte es nicht einmal mitbekommen, dass wir das Zimmer betreten hatten.
Ich hatte ihn erst einmal so gesehen. Es war vor ungefähr einem Jahr gewesen, im Spätfrühling.
Wir waren alle in San Diego gewesen, bei Onkel Bill und Tante Tara.
Onkel Bill hatte Geburtstag gehabt und die ganze Familie war eingeladen zum Feiern.
Wir waren das ganze Wochenende dort. Es war heiß gewesen an diesen Tagen, das weiß ich noch genau.
Ich kann mich nicht mehr erinnern, von wem die Idee kam, Baseball zu spielen, ich denke von Matthew, denn er ist wirklich gut in dem Spiel, doch wir waren alle begeistert.
Mom war am Schlag und nahm sich den Schläger in die Hand. Mit einem sanften Lächeln sah sie zu Dad rüber und ich konnte Grandma neben mir hören, wie sie mit einem leichten Zischen einatmete. Ich hatte ihr einen verwunderten Blick zugeworfen, doch sie hatte gelächelt und beobachtet, wie Dad, ebenfalls mit einem Lächeln auf Mom zugegangen war.
"Was ist?" hatte ich Grandma irritiert gefragt.
"Sie haben es schon wieder getan." hatte sie schlicht geantwortet.
"Was?" Ich hatte verwundert meine Augenbraue gehoben.
"Das was du immer mit Moe machst. Ihr redet miteinander ohne wirklich etwas zu sagen. Nur indem ihr euch anschaut." Sie hatte geseufzt. "Ich wünschte, ich könnte das auch." murmelte sie.
Ich hatte die Schultern gezuckt. Für mich war es etwas vollkommen normales, dass Moe und ich uns so gut verstanden, und auch, dass Mom und Dad sich ohne viele Worte verstanden.
Dad hatte sich nun hinter Mom gestellt, seine Arme von hinten um ihren Körper geschlungen und ebenfalls den Baseballschläger gefasst.
Mom lächelte immer noch und warf einen kleinen, beinahe schon schüchtern aussehenden Blick über ihre Schulter auf Dad.
"Weißt du noch wie es geht?" hatte Dad leise gefragt.
"Hüftdrehung bevor wir schlagen." hörte ich Mom leise antworten. Dad nickte.
Sie machten es in Trockenübung und ich sah gebannt zu, wie sich ihre Körper im Gleichklang bewegten.
Erst nachdem sie diese Trockenübung einige Male durchgeführt hatten, gab Dad ein Zeichen an Matthew, dass er den Ball werfen sollte.
Dieser nickte und warf und Mom und Dad schlugen den Ball nur wenig später hart zurück. Er flog in einem hohen Bogen durch die Luft, ehe er wieder auf dem Rasen aufschlug.
Grandma begann zu klatschen und nach und nach fielen alle in den Applaus mit ein.
Mom hatte sich mit einem glücklichen Lächeln zu Dad umgedreht und dieser hatte sie ebenfalls angestrahlt.
Doch plötzlich hatte sich sein Gesichtsausdruck verändert. Seine Augen weiteten sich, ich hatte Schrecken und nackte Angst in ihnen erkannt und Mom hatte verwirrt geblinzelt. Wie in Zeitlupe war ihre Hand zu ihrer Nase hinaufgewandert und hatte darunter gefasst. Als sie ihre Finger ein Stück von ihrem Gesicht weggezogen hatte, erkannte ich Blut auf ihren Fingerspitzen.
Ich beobachtet mit einem flauen Gefühl im Magen, wie ihre Beine einknickten und Dad sie hielt, sie langsam zu Boden gleiten ließ, wie er es vor einiger Zeit hier im Hotelzimmer auch getan hatte.
"Dana?" Seine Stimme wäre um ein Haar gekippt und ich konnte Panik aus ihr heraus hören.
Mom hatte nicht reagiert und Dad hatte mit zitternden Fingern ihre Haare aus ihrem Gesicht gestrichen.
"Ruft einen Krankenwagen!" hatte er geschrieen und Onkel Charly hatte nach seinem Handy gegriffen.
Heute, als sich diese Szene wieder in meinem Kopf abspielte, hatte ich eine vage Vermutung, warum Dad eine solche Angst hatte, als Mom zusammen gebrochen war.
"Grandma?" fragte ich leise, damit ich Moe nicht weckte.
Sie löste ihren Blick vom Fernseher und sah mich forschend und liebevoll an.
"Mom hat erzählt, dass sie mal Krebs hatte. Was war das für ein Krebs?" wollte ich wissen.
Grandma erhob sich und kam langsam auf mich zu und setzte sich neben mich. Sanft schloss sie mich in die Arme und wiegte mich leicht hin und her.
"Es war ein Tumor, in ihrem Kopf. Er saß hier vorne." Sie löste sich von mir und deutete auf einen Punkt an ihrer Stirn, direkt oberhalb der Nase.
"Sie hatte Nasenbluten, als sie krank war, nicht wahr. Deshalb hatte Dad so eine Angst, als sie letztes Jahr bei Onkel Bill umgekippt ist, oder?" sprach ich meine Vermutung aus.
Grandma nickte leicht und drückte mir einen leichten Kuss auf die Stirn.
Müde lehnte ich mich gegen sie und schloss kurz meine Augen.
Ich musste wohl eingeschlafen sein, denn als ich meine Augen wieder öffnete, kniete Dad vor mir und musterte mich.
"Hey." flüsterte er leise und ich setzte mich aufrecht hin.
"Dad! Wie geht es Mom?" Ich merkte, dass ich leicht nuschelte.
"Sie war kurz wach, ist aber ganz schnell wieder eingeschlafen." erzählte er und strich mir über die Wange.
"Hatte sie starke Schmerzen?" wollte ich wissen.
Dad verzog das Gesicht, als ob er sich gewünscht hätte, dass ich diese Frage nicht stellte.
Schließlich nickte er, jedoch nur in einer kleinen Bewegung.
"Sie hat von der Schwester sofort eine Spritze bekommen, damit sie nicht so starke Schmerzen hat." sagte er leise.
Ich merkte, wie mir die Tränen in die Augen schossen, und konnte nicht verhindern, dass sie schließlich fielen.
Sanft nahm Dad mich in den Arm und wiegte mich, wie Grandma es vor kurzer Zeit erst getan hatte, leicht hin und her.
"Sie hat so schrecklich ausgesehen." schluchzte ich und klammerte mich an Dad fest, als wenn ich ertrinken würde.
"Ja, das hat sie. Aber es wird ihr wieder gut gehen. Es wird nur einige Zeit dauern." versuchte er mich zu trösten.
"Meinst du wirklich, dass sie wieder ganz gesund wird? Werden auch die Verletzungen, weswegen sie operiert wurde wieder ganz heilen?" fragte ich und zog die Nase hoch.
Dad drückte mich ein Stück von sich fort, um mich ansehen zu können. Ganz leicht strich er mir mit seinen Daumen über die Wangen und wischte so die Tränen fort.
"Sie wird wieder ganz gesund werden. Und sie wird bald wieder zu uns nach Hause kommen können. Wir müssen nur einige Wochen geduld haben. Glaub mir, eure Mom ist zäh. Sie ist eine Kämpferin." sagte er nachdrücklich.
"Ist sie oft verletzt worden, als ihr noch zusammen beim FBI wart?" fragte ich neugierig.
"Nun ja, sagen wir einfach, ich habe oft genug an ihrem Krankenbett gesessen." Seine Augen hatten sich verdunkelt.
Ich sah ihn erstaunt an und blickte dann in das Gesicht von Grandma, die sich leicht bewegt hatte und mir nun bedeutete, heute nicht weiter nachzufragen. Ich seufzte und drückte Dad einen Kuss auf die Wange.
"Ich gehe jetzt ins Bett." murmelte ich und erhob mich.
Kurz blieb ich noch bei Moe stehen, rüttelte sie leicht und weckte sie auf diese Weise.
Schlaftrunken folgte sie mir ins Bett, nicht einmal realisierend, dass Dad wieder da war.
Als ich mich noch einmal umdrehte, sah ich, dass Grandma sich neben Dad gestellt hatte, und ihm tröstend eine Hand auf die Schulter gelegt hatte. Er sah zu ihr auf und ich sah, dass seine Augen feucht waren.
Schon wieder.
"Sie konnte nicht einmal sprechen vor lauter Schmerzen." hörte ich ihn murmeln und Grandma setzte sich neben ihn. Ich schluckte.
"Es wird ihr wieder gut gehen, Fox. Du weißt wie zäh sie ist." sagte sie zu ihm, was mir sagte, Dad hatte mich nicht angelogen, nur um mich zu trösten. Grandma würde das niemals bei Dad machen.
"Ich hoffe es. Sie war noch nie so schwer verletzt, wie dieses Mal." erwiderte er.
Grandma nickte, blickte jedoch skeptisch.
"Bist du sicher. Sie hatte eine Kugel im Bauch, vergiss das nicht, Fox." Grandma sprach mit sanfter und leiser Stimme zu ihm.
"Wie könnte ich das vergessen. Die Narbe auf ihrem Bauch erinnert mich täglich daran." Dad lachte freudlos auf.
"Ist sie jetzt alleine?" wollte Grandma nach einem kurzen Moment des Schweigens wissen. Ich sah, wie Dad den Kopf schüttelte.
"Nein, Skinner ist bei ihr. Er hat wohl die ganze Zeit dort gewartet, bis er mich nach Hause schickte. Er ruft an, wenn sie wach wird." erzählte er.
Das reichte mir. Ich zog Moe mit mir, sie war mittlerweile vollkommen wach und war der Unterhaltung mit der gleichen Aufmerksamkeit gefolgt, wie ich. Nun, da ich wusste, dass Mom nicht alleine war und Dad sofort benachrichtigt würde, wenn sie aufwachte, konnte ich beruhigt schlafen.
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Mittwoch, 23. August
Vor vier Tagen war ich das erste Mal wach geworden und hatte Fox mit geschlossenen Augen und weinend neben mir sitzen sehen. Ich hatte sofort gewusst, welche Erinnerung ihn Heimgesucht hatte.
Ich hatte noch immer starke Schmerzen, bekam hochdosiert Morphium gespritzt und schlief mehr, als dass ich wach war. Fox und die Mädchen verbrachten sehr viel Zeit an meinem Bett, mehr Zeit, als im Hotel. Sie waren still während ich schlief und erzählten mir von irgendwelchen belanglosen Dingen, wenn ich wach war.
Das Sprechen war für mich noch immer sehr anstrengend und schmerzhaft und so genoss ich es, dass sie mir etwas erzählten.
Durch die schweren inneren Verletzungen, der Arzt hatte mir genau erklärt, welche es gewesen waren, war es mir noch nicht möglich, etwas zu essen, was mir eine künstliche Ernährung einbrachte.
Auch jetzt war die Schwester gerade dabei, die Infusion zu stechen. Ich sah, dass sie ein wenig nervös war deshalb. Es war die typische Nervosität, die eine Schwester gegenüber einem fremden Arzt immer ausstrahlte.
Ich drehte meinen Kopf zur Seite, sah aus dem Fenster und hoffte, dass sie bald fertig sein würde.
Schon bald erhob sie sich und sah mich unsicher an.
"Soll ich Ihnen noch etwas gegen die Schmerzen geben, Dr. Mulder?" wollte sie wissen.
Ich schüttelte den Kopf.
"Nein danke. Ich werde mich melden, wenn ich etwas benötige." erwiderte ich und lächelte leicht.
Ich wusste, es sah nicht überzeugend aus. Ich war einfach noch zu schwach und Gott, ich hatte Schmerzen. Ganz furchtbare sogar, aber ich wusste, dass Fox und die Mädchen gleich kommen würden und ich wollte nicht wieder schlafen, wenn sie kamen.
Die Schwester verließ mit einem leichten Nicken das Zimmer und ich schloss erschöpft die Augen.
Ich wusste, ich war eine schwierige Patientin. Ich war ungeduldig, ärgerte mich, dass ich immer noch nicht in der Verfassung war, von der Intensivstation runter und auf ein normales Zimmer verlegt zu werden und dass ich es nicht schaffte, zumindest mal eine Stunde leicht aufgerichtet im Bett zu sitzen.
Natürlich wusste ich, dass es nach solchen Verletzungen, wie ich sie erlitten hatte und nach einer solchen Operation, wie ich sie mitgemacht hatte, vollkommen normal war. Auf mich traf das Klischee, dass Ärzte die schlimmsten Patienten sind, hundertprozentig zu.
Mit einem leisen Seufzen öffnete ich meine Augen wieder und sah erstaunt zur Tür, als diese sich leise öffnete.
Fox trat ein, ein sanftes Lächeln auf den Lippen. Genauso leise wie er die Tür geöffnet hatte, schloss er sie auch wieder hinter sich.
Ich zog eine Augenbraue hoch, durch die Platzwunde über meinem Augen fiel es mir jedoch sehr schwer, und musterte ihn.
"Wo sind die Mädchen?" wollte ich mit leiser Stimme wissen.
Mir fehlte noch immer die Kraft, um lauter zu sprechen.
"Maggie hat sie mitgenommen zum Minigolf spielen. Sie meinte, es würde uns gut tun, wenn wir ein wenig Zeit für uns hätten." Fox beugte sich zu mir hinunter und berührte sanft meine Lippen mit seinen.
"Wie fühlst du dich?" fragte er und musterte mich.
Ich ließ es über mich ergehen, versuchte nicht, ihm etwas vorzumachen, er hätte es sowieso sofort gemerkt.
"Hast du etwas gegen die Schmerzen bekommen?" erkundigter er sich auch sofort.
Ich schüttelte den Kopf und langte nach seiner Hand.
"Warum nicht? Du hast starke Schmerzen. Du weißt, dass du sie nicht haben musst." Fox zog sanft meine Hand zu seinem Mund und liebkoste meine Handinnenfläche mit seinen Lippen. Ich liebte es, wenn er das tat, und er wusste das. Weil meine Lippen noch immer stark geschwollen und aufgeplatzt waren, hatte er seinen Berührungen nach dort hin verlagert. Beinahe die einzige Stelle an meinem Körper, die nicht verletzt war.
"Ich wollte nicht schlafen wenn ihr kommt." murmelte ich schließlich und er nickte.
"Lass dir etwas geben. Ich werde noch eine Weile hier sein, und wir können reden, wenn du wieder wach bist." sagte er leise und drückte auf den Knopf, der die Schwester benachrichtigen würde.
"Die Schwester hat Angst vor mir." informierte ich ihn mit schwacher Stimme.
"Tatsächlich? Womit hast du ihr gedroht?" er sah mich mit einem Lächeln im Gesicht an.
Ich versuchte ein Achselzucken, was mir eine Schmerzwelle durch meinen gesamten Körper einbrachte und verzog schließlich gequält das Gesicht.
"Ssh. Nicht bewegen, Schatz. Bleib einfach still liegen." Fox legte seine Hand an meine Wange und ich brachte ein winziges Nicken zustande.
Sein Blick glitt ein weiteres Mal über mich und blieb schließlich an dem Schlauch für die künstliche Ernährung hängen.
Er deutete mit dem Kopf darauf und grinste breit.
"Was hast du denn heute für einen Geschmack? Salat mit Joghurtdressing oder Putenbraten mit Kartoffeln und Gemüse?" flachste er.
Ich lächelte schwach und wollte ansetzten, um ihm zu antworten, doch er legte seine Lippen sanft und in einer federleichten Berührung auf meine und schüttelte schließlich den Kopf.
Die Tür öffnete sich langsam und die Schwester trat mit einem fragenden Blick ein.
"Was kann ich für Sie tun, Dr. Mulder?" fragte sie freundlich.
"Könnten Sie meiner Frau etwas gegen die Schmerzen geben?" antwortete Fox für mich und die Schwester nickte eifrig. Sie griff in die Tasche ihres Oberteils und zog sowohl eine Spritze als auch eine kleinem Ampulle mit Morphium heraus.
Ich seufzte, als ich beobachtete, wie sie die Spritze aufzog und sie schließlich in meinen zweiten Infusionsschlauch stach.
Routiniert überprüfte sie noch einmal die Anzeigen auf dem Überwachungsmonitor und verließ schließlich das Zimmer.
Meine Augen wurden immer schwerer, das Morphium tat seinen Dienst, doch ich verweigerte es mir, sie zu schließen und in einen tiefen Schlaf zu fallen.
Mühsam hielt ich sie offen und sah Fox an.
"Schlaf jetzt, Dana. Ich bleibe hier bei dir." flüsterte er schließlich und ich gab ihm und dem Medikament nach.
Als ich wieder erwachte, ich wusste nicht, wie lange ich geschlafen hatte, sah ich, dass auch Fox in seinem Stuhl schlief.
Unwillkürlich musste ich lächeln, was mir jedoch im Nachhinein leid tat, da es eine Schmerzwelle durch mein Gesicht jagte und mich aufstöhnen ließ. Sofort war Fox wach und riss die Augen auf.
"Hey. Tut mir leid, dass ich dich geweckt habe." flüsterte ich, während er nach meiner Hand griff, die er verloren hatte.
"Das muss dir nicht leid tun. Ich kann schließlich zu Hause schlafen." meinte er und lächelte ein kleines, selbstanklagendes Lächeln.
"Du bekommst nicht viel Schlaf in den letzten Nächten, nicht wahr?" erkundigte ich mich und musterte ihn eingehend.
Unter seinen Augen lagen dunkle Ringe, seine Wangen waren eingefallen und seine Hosen hingen lose um seine Hüften. Er bekam nicht nur zu wenig Schlaf, er aß auch zu wenig.
Er zuckte die Achseln.
"Du fehlst im Bett. Schon seit einigen Wochen. Ich bin es nicht mehr gewohnt, alleine zu schlafen." erwiderte er ernst.
"Du fehlst mir auch. Es tut mir leid, dass du dir solche Sorgen um mich machst." flüsterte ich.
Er beugte sich leicht vor und strich mir mit einer Hand durch die Haare.
"Das muss dir nicht leid tun. Du hast getan, was du für richtig gehalten hast. Und das Schwein, das hierfür Verantwortlich ist, wird bestraft werden. Sobald du kräftig genug bist eine Aussage zu machen." sagte er leise.
"Aber ich kann nichts sagen. Ich konnte niemanden erkennen." antwortete ich leise und schluckte trocken. Fox griff wieder in die Schale mit den Eiswürfeln, die wie immer frisch neben meinem Bett stand und drückte mir einen Würfel auf die Lippen.
Dankbar blickte ich ihn an und trank das Wasser, welches sich in meinem Mund sammelte.
"Nicht jetzt, Schatz. Du musst erst gesund werden." murmelte er. Ich wischte die Entgegnung mit einer Hand beiseite und drückte schließlich seine Hand weg.
"Fox, ich sage das nicht nur so. Die Personen, die mich angegriffen haben trugen Masken, es waren die selbe Art von Masken, die auch Henker üblicherweise über dem Kopf tragen. Und sie trugen Roben, in Schwarz. Aber das ist auch schon alles, was ich sagen kann." sagte ich. Meine Stimme war zwar immer noch sehr leise und ich merkte, wie die Schmerzen wieder auf ein kaum noch erträgliches Maß anstiegen, da mich dieses Thema sehr mitnahm, aber ich sagte es doch nachdrücklich.
Fox runzelte die Stirn und musterte mich eingehend. Ich wusste, er sah, was ich für Schmerzen hatte und ich konnte den Kampf, den er innerlich focht, beinahe sehen, doch schließlich entschied er sich dafür, jetzt mit mir darüber zu sprechen.
Offenbar wollte er, dass ich es hinter mir hatte, oder er merkte, dass mich dieses Thema sehr beschäftigte. Des weiteren kam uns zu gute, dass die Mädchen heute nicht da waren.
Ich seufzte leise und atmete tief durch.
"Du konntest niemanden erkennen?" fragte er leise nach, meine Hand zu seinen Lippen bringend.
Ich schüttelte leicht den Kopf. Die Bewegung war klein, und trotzdem jagte sie einen Schmerzstich durch meinen Kopf. Ich verzog leicht mein Gesicht und sah die Besorgnis in Fox Gesicht.
"Nein. Immer wenn jemand zu mir kam, trugen sie diese Masken und Roben. Ich konnte nie ein Gesicht erkennen. Ich weiß nicht einmal, ob es Männer oder Frauen waren." erklärte ich.
"Konntest du etwas hören?" wollte er wissen.
"Nein, sie haben nicht mit mir gesprochen. Ich erinnere mich nur an das Rascheln der Roben, sonst nichts." flüsterte ich. Ein Frösteln erfasste mich bei der Erinnerung an das was die mir angetan hatten.
"Dana bist du sicher, dass du jetzt darüber reden willst. Wir können das auch machen, wenn es dir wieder besser geht." erkundigte mein Mann sich und strich mir erneut durch die Haare.
"Fox, es ist in Ordnung. Wir können darüber reden." erwiderte ich und sah ihm offen in die Augen.
"Aber du hast starke Schmerzen. Und du bist noch sehr schwach. Ich möchte nicht, dass du dich aufregst." sagte er leise.
"Ich komme klar. Wirklich." meinte ich.
"Also gut. Kannst du dich an etwas anderes erinnern, vielleicht, bevor du das erst Mal angegriffen wurdest?" Fox fragte mich, als wenn ich eine Zeugin wäre. Nun ja, genaugenommen war ich es. Eine Zeugin und ein Opfer.
"Ich erinnere mich, dass ich aus einem Zimmer ein Murmeln hörte. Ich wurde gerade in meine Zelle zurück gebracht und konnte deshalb nur kurz stehen bleiben, um zu lauschen. Aber ich konnte hören, dass es vier oder fünf Stimmen waren. Es hörte sich wie ein Sprechgesang an, auf lateinisch. Es waren Wörter wie Herz, Opfer und das lateinische Wort für Teufel." erzählte ich. Fox hielt meine Hand fester.
"Wann wurdest du dann das erste Mal angegriffen?" wollte er wissen. Ich konnte sehen, dass es in seinem Hirn bereits arbeitete. Er versuchte, die einzelnen Puzzleteile zu einem vollständigen Bild zusammen zu setzen.
"An dem gleichen Tag, in meiner Zelle. Als mich der erste Schlag traf, dachte ich erst, es wäre meine Zellengenossin, aber dann sah ich, dass es eine sehr große Person war, mit einer Kapuze. Außerdem lag meine Zellengenossin auf dem Bett und schlief. Ich bin benommen zu Boden gegangen und irgendwann von einem Wärter weggebracht worden. Er fixierte mich an dem Bett in der Einzelzelle. Der nächste Angriff muss am anderen Tag gewesen sein. Die Person löste die Gurte und schleuderte mich durch den Raum. Sie war sehr stark, deshalb denke ich, dass es ein Mann war. Ich wurde so lange geschlagen, bis ich bewusstlos wurde. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber von da an muss es täglich so gegangen sein. Die Gurte wurden nicht immer gelöst, manchmal lag ich auch im Bett, wenn ich geschlagen wurde. Ich habe keine Ahnung, wie lange das so ging. Irgendwann war ich die meiste Zeit benommen, nicht mehr klar, bis ich hier im Krankenhaus zu mir gekommen bin. Ich kann mich nur erinnern, dass ich ständig Schmerzen hatte, von dem Moment, in dem ich in meiner Zelle das erste Mal angegriffen wurde." Erschöpft schloss ich meine Augen. Ich merkte das Kratzen in meinem Hals und versuchte zu schlucken, bevor sich der Hustenreiz steigerte. Es gelang mir nicht, mein Mund war zu trocken.
Ich hustete leicht, doch sofort protestierte mein Körper dagegen und ich schrie vor Schmerz auf.
Die Besorgnis in Fox Gesicht wuchs, er fasste meine Hand fester und streichelte auch meine Haare wieder sanft. Nachdem ich wieder ruhig geworden war, meine Augen erneut geschlossen, spürte ich wieder einen Eiswürfel an meinen Lippen.
Ich zwang meine Augen auf und blickte ihn Dankbar an. Er ließ kurz meine Hand los und ich beobachtete, wie er erneut auf den Klingelknopf drückte.
Kurze Zeit später erschien die Schwester wieder.
"Können Sie ihr noch einmal etwas gegen die Schmerzen geben?" wollte Fox wissen.
"Natürlich. Ich mache es sofort fertig." eiferte die nette Dame und stach wenig später das Morphium in meine Infusion.
"Ich nehme Ihnen die Infusion ab." sagte die Schwester anschließend und machte sich daran, die Nadel, die sie mir zur künstlichen Ernährung gestochen hatte, wieder zu entfernen.
"Danke." flüsterte ich und schloss erneut kurz die Augen.
Das Morphium wirkte bereits.
Als die Schwester die Tür hinter sich zu zog, öffnete ich die Augen noch einmal einen Spalt und blickte müde zu Fox hoch.
"Schlaf jetzt, Dana. Ich werde mich mit Skinner in Verbindung setzen und mit ihm besprechen, was wir tun wollen." flüsterte er und gab mir einen leichten Kuss.
Ich nickte leicht und schloss meine Augen wieder.
"Ich liebe dich, Fox." sprach ich leise und schlief schließlich ein.
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Samstag, 26. August
Wieder einmal hastete ich die Gänge des J. Edgar Hoover Gebäudes entlang, auf dem Weg in Skinners Büro.
Ich hatte bereits vor zwei Tagen mit ihm gesprochen, direkt nachdem Dana mir im Krankenhaus erzählt hatte, was sie wusste.
Er hatte darauf hin einen Großeinsatz in Gang gebracht, der das Ziel hatte, alle Beweise, die es in dem Gefängnis noch geben konnte, zu sichern.
Vor etwa einer halben Stunde hatte er mich angerufen. Ich hatte bei Dana am Bett gesessen, und mich leise mit Moe und Joy unterhalten. Sie hatte geschlafen, hatte nur kurz vorher erneut etwas gegen die Schmerzen bekommen.
Ich hatte Maggie angerufen, und sie gefragt, ob sie mich ablösen könnte, was sie sofort zusagte, sie kam nur wenig später und so konnte ich dem Treffen mit Skinner nachgehen.
Kimberley nickte mir freundlich zu, als ich den Vorraum betrat und deutete mit einen Lächeln und einem Kopfnicken auf die Bürotür.
"Danke." murmelte ich und klopfte an die Tür.
Nachdem ich geöffnet hatte, blickte Skinner von seinem Schreibtisch auf.
"Mulder. Sie sind schon da?" Erstaunt hob er seine Augenbrauen.
Ich nickte nur.
"Setzen Sie sich. Ich möchte Ihnen etwas zeigen." Er deutete auf die beiden Sessel, die seinem Schreibtisch gegenüber standen.
Ich schloss rasch die Tür und kam seiner Aufforderung nach.
"Was haben Sie?" erkundigte ich mich.
"Es wird Sie freuen zu hören, dass wir bereits einen der Wärter festnehmen konnten." erklärte er.
Er hatte recht, es freute mich, doch es erstaunte mich auch.
"Wie kam es dazu?" wollte ich wissen.
"Es handelt sich um den Mann, der Ihre Frau das erste Mal an dem Bett fixiert hat. Allerdings sagt er aus, dass sie einen Kampf mit ihrer Zellengenossin begonnen hätte und das es sich bei der Fixierung lediglich um eine legitime Strafe handelte. Wir arbeiten noch an einem Geständnis." führte Skinner auf.
"Haben Sie noch keine Aussage der Zellengenossin? Dana sagte, ihr Name sei Cindy Dewlin gewesen." fragte ich erstaunt. Es musste doch zu beweisen sein, dass Dana keinen Kampf begonnen hatte.
"Die Frau bestätigt die Geschichte des Wärters." gestand Skinner nach einem verschämten Blick auf die Schreibtischplatte.
"Sie bestätigt die Aussage? Aber sie lügt!" Ich wurde lauter. Skinner machte eine beschwichtigende Geste mit seinen Händen.
"Wir nehmen an, dass ihr gedroht wurde. Es sind bereits fünf Frauen gestorben in den letzten fünf Wochen. Und Dana hat nur knapp überlebt. Sie hat Angst. Wir arbeiten gerade daran, dass sie verlegt wird, in der Hoffnung, dass sie dann die Wahrheit sagen wird." erwiderte Skinner.
Ich hatte da so meine Zweifel, dass sie tatsächlich reden würde, wenn sie in ein anderes Gefängnis käme. Auch dort würden sich Menschen finden lassen, die für Geld einiges taten. Und ein Wärter hatte sicherlich Kontakte.
"Wir haben die Überwachungsbänder der Einzelzelle. Zwei Agenten haben sie mit mir angesehen. Wollen Sie sie sehen?" wechselte Skinner nach einem Moment des Schweigens und einem weiteren unsicheren Blick auf seine ineinander verschlungenen Finger das Thema.
Meine Augenbrauen wanderten nach oben und ich sah ihn überrascht an. Erst als ich mit einem Stoß ausatmete merkte ich, dass ich die Luft angehalten hatte.
Zögerlich entschied ich mich zu einem Nicken, woraufhin der Assistent Director sich erhob und zu einem Schrank hinüber ging, der nahe der Sitzecke stand. Er öffnete ihn und nahm eine der dort stehenden Videokassetten in die Hand, um sie in den Videorecorder einzulegen. Ich erhob mich ebenfalls und stellte mich in etwa zwei Meter abstand vom Fernseher auf.
"Setzen Sie sich, Mulder." Das war keine Bitte, vielmehr eine Befehl und instinktiv tat ich was Skinner gesagt hatte und zog mir einen Stuhl heran.
Ich beobachtete, wie er den Recorder und auch den Fernseher einstellte. Das Bild flackerte leicht und dann konnte ich einen kargen Raum erkennen.
Ich wusste, dass war der Raum, der für Dana zur Hölle und beinahe zur Todesfalle geworden wäre.
Als sich meine Augen richtig auf das Bild eingestellt hatten, sah ich, dass meine Frau in dem einzigen Möbelstück lag, welches vorhanden war. In dem Bett.
Ihre Hand- und Fußgelenke waren mit Gurten an dem Bett fest gemacht und ich erkannte einige Verletzungen in ihrem Gesicht und auf ihren Armen.
Ich schloss kurz entsetzt die Augen und schluckte trocken, mir vollkommen darüber im Klaren, dass Skinner mich beobachtete.
Als ich die Augen wieder öffnete sah ich, dass Dana die Augen geöffnet hatte und mit panischem Blick hin und her sah, als wenn sie den Raum nach jemandem absuchte. Nur wenig später schien sie die Person, die sie wahrgenommen hatte, zu sehen. Es handelte sich um eine große Person, bestimmt fast zwei Meter groß, die in eine Robe gehüllt auf sie zu kam. Das Gesicht war durch eine nach oben hin spitz zulaufende Maske verdeckt. Sie erinnerte mich sofort an Mitglieder des Klu-Klux-Clans.
Ich sah auf das Datum und die Zeitanzeige, die in der oberen rechten Ecke mitlief, und erkannte, dass es nach meinen Informationen der zweite Tag ihrer Einzelhaft sein musste.
Mit einem Schaudern beobachtete ich, wie die Person die Gurte, die Dana an dem Bett hielten, löste. Ich sah, wie Danas Mund sich bewegte und konnte mir denken, dass sie ihren Gegner anflehte, sie in Ruhe zu lassen. Zu hören war nichts, da die Aufzeichnung ohne Ton war.
Wieder musste ich entsetzt meine Augen schließen. Dana hatte mir gesagt, dass sie die meiste Zeit benommen gewesen wäre. Nie hatte sie etwas davon erwähnt, dass sie darum gefleht hatte, dass man sie in Ruhe ließ.
Die Gurte waren gelöst, als ich meine Augen öffnete und ich sah, wie Dana durch den Raum flog.
Der Angreifer sah zu ihr hinüber während Dana in einer Ecke des Raumes zusammengekauert lag und versuchte, dem Gegner so wenig Angriffsfläche wie nur irgend Möglich zu bieten.
Ich sah, wie sich ihr Mund für einen Schrei öffnete, als die Person wieder auf sie zutrat und ein Fuß in ihren Rippen landete, wodurch sie in ganzes Stück über den Boden schlitterte.
Ihr Gesicht zeigte die Schmerzen und die Qualen die sie erlitt deutlich.
Ich hörte, wie mir selber ein Stöhnen entglitt und wieder musste ich schlucken.
Skinner erhob sich neben mir und aus den Geräuschen, die im Raum entstanden, schloss ich, dass er eine Flasche öffnete und etwas in ein Glas goss.
Nur wenig später, Dana flog wieder durch den ganzen Raum und wurde schließlich hochgehoben, eine Hand des Angreifers an ihrer Kehle, die andere in ihren Haaren, reichte der Assistent Director mir ein Glas Wasser.
Ich warf ihm kurz einen dankbaren Blick zu und nahm es ihm ab, trank einen kleinen Schluck und stöhnte wieder, als ich beobachtete, wie der Widerstand den Dana bot, immer geringer wurde.
Schließlich ließ ihr Peiniger sie los, und sie fiel zu Boden, wo sie reglos liegen blieb.
Der Mann blieb einen Moment vor dem reglosen Körper meiner Frau stehen und sah auf sie hinab, ehe er sich schließlich bückte, sie grob an einem Arm auf das Bett zuzog und sie dort wieder festband.
Ich konnte hinterher nicht mehr sagen, wie lange ich dort saß und mir Danas Folter ansah, es mussten beinahe vier Stunden gewesen sein.
Als Skinner mich endlich erlöste, den Fernseher ausstellte und sich schließlich erhob, um die Kassette aus dem Recorder zu nehmen und sie in einem kleinen Safe zu verstauen, saß ich immer noch reglos auf meinen Stuhl und starrte auf den schwarzen Bildschirm. Erst jetzt merkte ich, dass mir unaufhaltsam Tränen das Gesicht hinunter liefen und ich wischte sie ein wenig verschämt mit meinen Händen ab.
"Was wird jetzt weiter geschehen?" fragte ich. War das wirklich meine Stimme, die ich hörte?
"Wir können im Grunde nichts tun. Wir brauchen schon ein Wunder, um die Menschen zu entlarven, die sich unter den Masken verbergen. Oder die Aussage einer Mitgefangenen, die zufällig gesehen hat, wie sich einer der Männer verkleidet hat, oder die Maske abgenommen hat." entgegnete Skinner mit bedauernder Stimme.
Ich dachte nach.
"Also gut. Lassen Sie uns das ganze strukturiert angehen. Wir haben beide gesehen, dass die Angreifer von Dana vollkommen verhüllt waren. Wir haben hier also keinerlei Anhaltspunkte, wer diese Personen waren, ob sie männlich oder weiblich waren und ob sie in dem Gefängnis arbeiten." versuchte ich die einzelnen Teile zusammen zu bringen. Skinner nickte nur.
"Dana hat mir erzählt, dass sie kurz bevor sie zum ersten Mal angegriffen wurde, in einem Raum ein Murmeln hörte. Sie meinte, dass es vier oder fünf Stimmen waren, die sie ausmachen konnte. Jedoch konnte sie nicht sagen, zu wem die Stimmen gehörten. Sie konnte lateinische Worte erkennen, und zwar Herz, Teufel und Opfer. Ich konnte fünf verschiedene Angreifer ausmachen, aufgrund der Körpergröße und Statur." überlegte ich laut.
Skinner nickte.
"Aufgrund von Größe und Statur der Angreifer, können wir meiner Meinung nach davon ausgehen, dass es ich bei den Verhüllten um Männer handelt." warf er ein.
Nun war es an mir, zu nicken. Er hatte recht.
"Offensichtlich hatte ich mit meiner Theorie, die ich zu beginn aufgestellt hatte, recht, denn für mich sieht es tatsächlich nach einer Teufelsbeschwörung aus. Die Frauen sind die Opfer. Sie werden im Namen des Satans erst einige Wochen gequält, bevor ihnen erst ihr Herz entfernt und anschließend ihr Blut für ein Ritual entnommen wird. Es muss in dem Gefängnis irgendwo einen Raum geben, der sich für rituelle Zeremonien eignet, mit einem Opferaltar und einer großen Schale, in der das Blut aufgesammelt wird. Ich nehme an, die Jünger wollen den Teufel auferstehen lassen." erklärte ich.
Skinners Blick fixierte mich skeptisch.
"Meinen Sie, Dana ist in der Lage, die Stimmen, die sie bei der Beschwörung - und dafür halten Sie es doch, nicht wahr – hörte, zu identifizieren?" fragte Skinner nach einem Moment des Schweigens.
Ich konnte ihm lediglich ein Achselzucken als Antwort geben. Ich wusste es nicht.
Ein kurzes Schweigen breitete sich im Büro aus, bis ich schließlich tief durchatmete.
"Sie haben mir jetzt Danas gesamte Folter gezeigt, bis auf zwei Tage. Es fehlte die Aufzeichnung des dritten und des siebten Tages. Wo sind die Bänder? Warum haben Sie sie mir nicht gezeigt?" sprach ich aus, was mich schon die ganze Zeit, seit der Assistent Director den Fernseher ausgestellt hatte, beschäftigte.
Ich beobachtete, wie Skinners Kopf hoch flog.
"Wir haben sie nicht, Mulder. Ich habe keine Ahnung, wo diese Bänder sind, aber wir konnten sie bei unserer Durchsuchung nicht finden." sagte er schließlich.
Ich sah ihn erstaunt an, erwiderte jedoch nichts und erhob mich schließlich.
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Freitag, 01. September
Ich musterte unsere Töchter eingehend. Schon seit einiger Zeit schienen sie um etwas herumzudrucksen, und ich konnte beim besten Willen nicht sagen, was sie beschäftigte. Ich warf einen fragenden Blick zu Fox hinüber und erntete nur ein Achselzucken.
Schließlich hörte ich, dass Joy tief einatmete und mich offen ansah.
"Mom, wann kommst du nach Hause?" fragte sie leise.
Erstaunt sah ich sie an.
Ich lag nun seit zwei Wochen im Krankenhaus, war vor vier Tagen in ein normales Zimmer verlegt worden und bekam deutlich weniger Morphium, aber an eine Entlassung dachte mein Arzt sicher noch nicht.
Vorsichtig zuckte ich die Achseln.
"Ich weiß es noch nicht. Wieso fragst du?" erwiderte ich. Auch meine Stimme war deutlich kräftiger geworden.
"Na ja. Wir machen uns Sorgen." meinte Moe schließlich.
"Worum macht ihr euch Sorgen?" erkundigte ich mich.
"Um Dad." erklärten die Mädchen wie aus einem Munde.
Erstaunt blickte ich von ihnen zu meinem Mann und unterzog ihn wieder einmal einer genaueren Musterung. Was ich sah war das, was ich sah, seit ich im Krankenhaus lag. Eine gewisse Müdigkeit gemischt mit einer gehörigen Portion Besorgnis. Und natürlich die beinahe täglich größer werdenden Hosen und T-Shirts.
Ich zog fragend eine Augenbraue hoch, das ging schon viel besser als noch vor einer Woche, und blickte abwechselnd Joy und Moe an.
Natürlich reagierten sie auf diesen Blick, schließlich kannten sie ihn von klein auf.
"Na ja, Dad schläft gar nicht mehr. Er ist die meiste Zeit wach und sieht fern. Das kann doch nicht gut sein, oder?" sagte Joy und sah mich unsicher an, während Moe Fox beobachtete.
"Schaust du etwa die Videos, die nicht dir gehören?" Ich grinste Fox an, trotz der Sorge, die in mir wuchs.
Mit einem leichten und beschämten Lächeln schüttelte er den Kopf.
"Die habe ich doch schon vor fünfzehn Jahren Frohike geschenkt." erinnerte er mich.
"Was siehst du dir dann an?" wollte ich wissen. Die Mädchen rutschten unruhig auf ihren Stühlen herum.
"Dauerwerbesendungen." sagte er einfach und starrte auf seine Hände.
Mit einem leichten Nicken nahm ich seine Antwort zur Kenntnis und sah dann verstohlen zu unseren Töchtern hinüber. Joy erwiderte meinen Blick und verstand sofort was ich wollte. Ohne noch etwas zu sagen erhob sie sich, Moe machte es ihr nach und die beiden gingen zur Tür hinüber.
"Wir holen uns ein Eis." erklärten sie und verschwanden auf dem Flur.
Ich sah hinüber zu Fox und musterte ihn erneut.
Langsam rutschte meine Augenbraue nach oben und ich konnte sehen, dass Fox immer unruhiger wurde.
"Also," eröffnete ich das Gespräch "wirst du mir nun erzählen, was dich um den Schlaf bringt, oder muss ich erst den Arzt mit einem Wahrheitsserum herrufen?"
Sein Kopf schoss hoch und er sah mich irritiert an.
"Wie kommst du darauf, dass mich etwas um den Schlaf bringt. Du weißt, dass ich nicht viel Schlaf brauche." antwortete er.
"Fox, wir sind jetzt seit über dreizehn Jahren verheiratet, kennen uns seit einundzwanzig Jahren, und ich weiß, wann du viel Schlaf und wann du wenig Schlaf benötigst." rückte ich die Tatsachen zurecht.
Damals, als wir nur Partner und Kollegen und ja, auch Freunde waren, da benötigte er wenig Schlaf, einfach deshalb, weil er von Alpträumen geweckt wurde und anschließend schlicht Angst hatte, wieder zu schlafen. Seit der Zeit, in der wir uns ein Bett teilten, schlief er deutlich mehr, wurde nicht mehr von Alpträumen aus dem Schlaf gerissen.
Wenn er also jetzt wenig schlief, stattdessen Werbesendungen im Fernsehen sah, war das ein deutliches Zeichen für Alpträume. Schlimme Alpträume sogar, die er durch Stumpfsinn vertreiben wollte.
Ich hielt seinen Blick mit meinem Gefangen, in der Hoffnung, dass er mir sagen würde, was ihn bedrückte.
Ich konnte förmlich sehen, wie er kapitulierte, die weiße Fahne hervor holte und mir seine Aufgabe zeigte.
Er seufzte schwer und senkte seinen Blick.
Ich beugte mich ein wenig nach vorne und langte nach seiner Hand.
Er erwiderte die Geste und hob schließlich seinen Kopf wieder, um mich anzusehen.
"Ich träume heftig, in den letzten Nächten." hörte ich ihn leise sagen.
Gut, dass war mir auch klar gewesen. Was er träumte, dass war es was ich wissen wollte.
"Was träumst du?" fragte ich also mit sanfter Stimme.
Wieder seufzte er.
"Skinner hat mir den Film von der Videoüberwachung gezeigt." gestand er und ich hörte mich selber die Luft in die Lungen saugend. Ich wusste es, hatte ihn jedoch noch nicht darauf angesprochen. Skinner war noch am gleichen Abend, nachdem er Fox das Video gezeigt hatte, bei mir und hatte es mir gesagt. Er hatte mir aber auch gesagt, dass er die beiden schlimmsten Aufnahmen, die vom dritten und die vom siebten Tag, zurück gehalten und sie ihm nicht gezeigt hatte. Er hatte Fox gesagt, dass er sie nicht besäße. Ich hatte nicht vor, ihm zu sagen, was an diesen Tagen passiert war, zumal ihn offenbar schon die Dokumentation der anderen Tage vollkommen aus dem Gleichgewicht gebracht hatte.
"Wann hat er ihn dir gezeigt?" ich stellte mich dumm.
"Vor einigen Tagen." meinte er.
Ich seufzte resigniert. Vermutlich würde ich keine genauere Angabe von ihm bekommen.
Ich war mir sicher, das Wissen, was mir geschehen war, während ich in dem Gefängnis war, hatte in seinen Träumen nur die Vermutungen abgelöst. Was von beidem Schlimmer war, vermochte ich nicht zu sagen.
Sanft zog ich ihn näher zu mir ran.
"Komm her." murmelte ich leise und platzierte meine Hand in seinem Nacken.
Zärtlich legte er seinen Lippen auf meine. Ich strich sanft mit meiner Zunge über seine Lippen und spürte erfreut, dass sie sich ein Stück teilten. Ich fuhr mit meiner Zunge über seine Zähne, forderte seine Zunge auf, sich meinen Bewegungen anzupassen. Sie tat es und es war perfekt.
Erst nach scheinbar endlos langer Zeit zog er sich ein Stück zurück, jedoch nur, um direkt wieder zu mir zurück zu kehren.
Wieder legte er seine Lippen auf meine, allerdings nur kurz, zog sich zurück, kam wieder und zog sich zurück und kam wieder.
Ich merkte, wie sich ein Lächeln auf seine Lippen legte, er freute sich, dass er mich so necken konnte, wusste er doch genau, was ich wollte.
Als seine Lippen sich wieder für einen kleinen, flüchtigen Kuss an meine drückten, verstärkte ich meinen Griff in seinem Nacken und hielt ihn einen Moment länger auf mir.
Ein leises Lachen grollte in seiner Brust, als er sich wieder zurück zog, mir seine Stärke demonstrierte.
"Du Scheusal!" Ich grinste leicht.
"Es scheint, als ginge es dir besser, oder?" wollte er wissen.
Ich nickte. Ja, jetzt ging es mir besser und ich hatte das Gefühl, als wenn ich nur entlassen werden müsste, um wieder ganz gesund zu werden.
Ich nahm mir vor, mit meinem Arzt darüber zu reden.
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Samstag, 09. September
Endlich. Ich saß im Auto und war auf dem Weg zum Hotel, und Dana saß neben mir. Es waren drei Wochen vergangen seit Skinner sie aus dem Gefängnis geholt hatte.
Ihre Verletzungen waren zum größten Teil abgeheilt, nur hier und da war noch ein dunkler Schatten zu sehen und erinnerte uns an die unzähligen Hämatome, die ihren Körper bedeckt hatten. Und es gab eine große, noch rote Narbe längs über ihren Thorax. Sie war sehr lang und insgeheim erinnerte sie mich an eine Autopsienarbe.
Immer wieder warf ich einen heimlichen Blick auf Dana, konnte sehen, wie sie unruhig wurde und immer mehr auf dem Beifahrersitz herum rutschte.
Meine Besorgnis wuchs. Ging es ihr wirklich gut?
"Kannst du bitte anhalten?" vernahm ich plötzlich ihre leise Stimme.
"Was, hier?" fragte ich zurück. Sie nickte nur. Es war keine große Bewegung, doch ich konnte sie deutlich erkennen.
Langsam ließ ich den Wagen am Straßenrand ausrollen. Ich hatte einen kleinen Umweg gemacht, sie hatte mich darum gebeten, am Meer entlang zu fahren. Zugegeben, es war kein kleiner Umweg. Um genau zu sein, war ich deshalb in die dem Hotel entgegengesetzte Richtung gefahren.
In dem Moment, in dem ich den Motor ausstellte, löste sie ihren Gurt und öffnete mit Schwung die Beifahrertür. Flink stieg sie aus und ging einige Schritte vom Auto weg.
Besorgnis wurde zu Angst.
Mit zitternden Fingern löste ich ebenfalls meinen Gurt und folgte ihr.
Sie stand am Straßenrand, die Arme hingen locker an ihrer Seite, den Kopf hatte sie in den Nacken gelegt und die Augen geschlossen. Die Sonne schien in ihr wunderschönes Gesicht.
Gott, sie war so verdammt mager geworden in den letzten Wochen. Sie hatte in den vergangen Wochen, von beginn der Ermittlungen im Gefängnis bis heute, sicherlich bald zwanzig Kilo abgenommen und sie wirkte verloren, wie sie dort so stand.
Langsam und mit wackeligen Beinen ging ich auf sie zu und blieb neben ihr stehen.
"Bist du in Ordnung, Dana?" fragte ich. Selbst ich konnte die Angst aus meiner Stimme heraus hören.
Ihre Augen flogen auf, ihr Gesicht wandte sich mir zu. Selbstvorwurf war in ihren Augen zu lesen.
"Ja. Ja, Fox. Es geht mir gut. Ich wollte nur die frische Luft einatmen, den Wind und die Sonne spüren. Gott, wie ich das vermisst habe." sagte sie nachdrücklich.
Erleichtert atmete ich aus, trat jedoch im selben Moment auf sie zu und schloss sie in meine Arme. Ich konnte sie so gut verstehen. Ich war damals nur eine Nacht in der Zelle gewesen, bevor Dana alle Beweise zusammen hatte, die besagten, dass ich unschuldig war, diese beiden Menschen, an die ich mich nicht einmal erinnern konnte, nicht getötet hatte, und doch hatte auch ich als ich das erste Mal wieder auf die Straße trat, gierig die Luft in die Lungen gesaugt.
Dana schmiegte sich an meinen Körper und schlang ihre Arme ebenfalls um meine Hüften, das Gesicht immer noch der Sonne zugewandt und die Augen wieder genießerisch geschlossen.
"Das ist so gut!" brummte ich nach einem Moment des Schweigens und gab ihr einen sanften Kuss auf ihre Haare.
"Was?" wollte sie wissen und drehte ihren Kopf ein wenig, um mich von unten her ansehen zu können.
"Dich so halten zu können. Das ist es, was ich vermisst habe." erwiderte ich und hielt sie ein wenig fester. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und drückte ihre zarten Lippen leicht auf meine.
Schon bald versanken wir in einem berauschenden Kuss. Er war zärtlich und liebevoll, verlangend und lebensspendend, ein Versprechen, dass es uns gut gehen würde und ein Dank, dass ich sie endlich wieder in den Armen halten konnte.
Als wir uns voneinander trennten, sah ich ein Leuchten in den Augen meiner Frau und ein Lächeln auf ihren Lippen.
Ich beugte mich erneut ein wenig hinunter und ließ meine Lippen über ihre gleiten, immer und immer wieder, in winzigen Berührungen.
"Du willst es wirklich wissen, nicht wahr?" fragte sie mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht.
"Was?" spielte ich den Unschuldigen.
"Ob ich stark genug bin, mir zu holen, was ich will." sprach sie meine Gedanken aus.
"Du solltest dich nicht überanstrengen." wies ich sie an.
"Keine Angst, dich schaffe ich noch." neckte sie mich.
"Was soll das denn heißen?" fragte ich empört und trat einen kleinen Schritt zurück.
Ihr Blick glitt über mich, ehe sie mir wieder ins Gesicht blickte.
"Du warst auch schon mal besser in Form. Der Mangel an Schlaf und vernünftigem Essen in den letzten Wochen machen sich bemerkbar." Da lachte mir doch tatsächlich ein kleines Teufelchen aus ihren Augen entgegen.
"Jetzt habe ich Hunger." erwiderte ich und grinste sie an. Meine Augenbrauen wackelten hoch und runter.
Sie lachte auf und mir lief ein Schauer durch den ganzen Körper, bei diesem Geräusch.
Gott, wie ich diese Frau liebte.
"Du weißt, dass ich noch Schonkost zu mir nehmen muss, oder?" wollte sie wissen.
Ich lächelte.
"Nun, dann lass uns ins Hotel fahren und sehen, was wir da für dich finden." sagte ich und zog sie zurück zum Auto.
Als wir neben der Beifahrertür standen blickte ich Dana prüfend an.
"Bereit wieder einzusteigen?" fragte ich mit sanfter Stimme und wieder ernst werdend. Ich konnte mir denken, dass es nicht alleine das Verlangen nach frischer Luft und Sonne gewesen war, welches Dana aus dem Auto getrieben hatte, sonder auch ein Anflug von Enge in einem kleinen Raum.
Kein Wunder, sie war über mehrere Wochen in einem Raum gefangen und dort gequält worden, und auch im Krankenhaus hatte sie ihr Zimmer nicht verlassen.
Sie nickte leicht und ich öffnete ihre Tür. Als sie an mir vorbei ging, stellte sie sich noch einmal auf die Zehenspitzen und presste ihre Lippen in einem stummen Dankeschön auf meinen Mund.
Eine dreiviertel Stunde später kamen wir im Hotel an. Die Mädchen hatten einen schönen Strauß Blumen besorgt, und hielten ihn nun Dana hin, mit einem Strahlen im Gesicht, welches mehr sagte, als tausend Worte, wie froh sie waren, dass ihre Mutter endlich wieder da war.
Joy schmiegte sich vorsichtig in Danas Arme. Man konnte merken, dass unsere Tochter Angst hatte, ihrer Mutter weh zu tun.
"Schön dass du endlich wieder da bist!" sagte sie leise und Dana gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn.
Auch Moe umarmte Dana und küsste sie leicht auf die Wange.
"Gott," stöhnte das Mädchen "bist du mager geworden!"
Dana sah an sich hinunter und zuckte die Achseln.
"Das kommt schon wieder drauf, wenn ich erst wieder richtig essen kann." meinte sie und steckte ihre Nase in die Blumen.
"Danke. Die Blumen sind wundervoll." sagte sie leise.
"Ich gehe und besorge uns eine Vase." hörte ich Joy rasch reden schon und machte sich auf den Weg.
Moe legte ihren schlanken Arm um Dana und führte sie zum Sofa.
Dana sah sie mit einer hochgezogenen Augenbraue fragend an, doch Moes Gesichtsausdruck ließ keine Wiederrede zu, was Dana dazu veranlasste resigniert aufzuseufzen und sich auf das Sofa zu setzen.
"Hast du Hunger? Möchtest du etwas trinken?" Moe sah Dana bittend an.
Wieder war ein kurzes Auflachen von ihr zu hören, und wieder hatte es den gleichen Effekt wie auch schon auf der Straße auf mich.
"Ein Glas Wasser wäre gut, danke." erwiderte Dana und Moe verschwand, um es ihr zu holen.
"Hey, ich glaube, ich lasse mich auch beinahe umbringen. Das hat tolle Nachwirkungen." Ich grinste und setzte mich zu Dana auf das Sofa.
"Untersteh dich! Ich möchte nicht einmal daran denken müssen, bei dir am Krankenbett sitzen und um dich zittern zu müssen. Das habe ich früher oft genug getan." drohte sie mir mit einem ernsten Blick. Ich zuckte schuldbewusst die Achseln und lehnte mich zu ihr hinüber, um sie zu küssen.
Ich konnte nicht genug davon bekommen, sie zu berühren, und Dana gewährte es mir. Offenbar wusste sie, dass ich die physische Bindung zwischen uns brauchte, um mein seelisches Gleichgewicht zu finden.
Gerade als ich mich wieder zurück lehnte, kam Moe mit dem Wasser, und wie auf ein geheimes Kommando öffnete sich unsere Tür und auch Joy trat ein, eine Vase in der Hand und ein leichtes aber wissendes Lächeln auf den Lippen.
"Wann wollen wir zurück nach Hause?" erkundigte ich mich und begab mich so auf sicheren Boden.
"Sobald der Fall abgeschlossen ist." Dana sah mich mit einem irritierten Gesichtsausdruck an.
Ich merkte, wie mein Mund aufklappte und ich sie verblüfft ansah. Meine Augenbrauen zogen sich zusammen und meine Stirn legte sich in Falten.
"Das ist Skinners Aufgabe." erwiderte ich, ein wenig barscher, als ich es beabsichtigt hatte. Rasch griff ich nach Danas Hand und sah sie bittend an. Doch sie schüttelte den Kopf.
"Nein Fox, das ist auch unsere Aufgabe. Ich wurde beinahe getötet da drin, und ich habe vor, die Leute nicht davon kommen zu lassen. Ich werde zumindest eine Gegenüberstellung machen. Ich werde sehen, ob ich nicht doch einige der Personen, die mir das angetan haben, an irgendwelchen Kleinigkeiten wiedererkennen kann." erklärte sie nachdrücklich.
"Dana, bist du sicher, das du das willst? Was ist, wenn es dich zu sehr aufregt? Oder, wenn ..." Sie ließ mich nicht ausreden, wischte jeden Einwand mit einer lockeren Handbewegung zur Seite.
"Fox, ich möchte nicht mit dir darüber Streiten. Ich werde hier bleiben und für Skinners Fragen da sein, und ich werde eine Gegenüberstellung machen." Der Ton, den sie anschlug, machte klar, dass diese Entscheidung nicht verhandelbar war, also tat ich, was ich immer in solchen Situationen tat, ich entschied mich, das Gespräch zu einer anderen Zeit wieder aufzunehmen. Obwohl ich bereits wusste, ich hatte keine Chance. Aber ich war es meinem Seelenfrieden schuldig, es zumindest noch einmal probiert zu haben.
Am Abend gingen wir in ein nahes Restaurant essen. Dana aß nicht viel, und sie hielt sich an das, was ihr Arzt ihr aufgetragen hatte. Sie aß Schonkost. Und doch war es einfach wundervoll, sie essen zu sehen. Kein Schlauch, der ihr die wichtigsten Nährstoffe zuführte.
Auch ich aß, als wenn ich in den letzten Wochen nur Wasser und Brot bekommen hätte und es schmeckte fantastisch.
Die Mädchen freuten sich darüber, dass Dana wieder da war, sie genossen es, mit uns herumzualbern und ich merkte, wie sich Joys sorgenvolles Gesicht langsam entspannte.
Direkt nach dem Essen gingen unsere Töchter ins Bett. Dana und ich saßen noch ein wenig auf dem Balkon unseres Hotelzimmers und genossen es, miteinander zu reden. Ich hatte ein Glas Wein vor mir stehen, Dana trank Wasser.
"Wie fühlst du dich?" erkundigte ich mich und sie warf mir ein leichtes Lächeln zu.
Zugegeben, ich hatte diese Frage mindestens schon ein halbes Dutzend Mal gestellt, im Laufe des Nachmittags.
"Es geht mir gut, Fox." antwortete sie auch dieses Mal und griff nach meiner Hand.
"Schön. Aber wie *fühlst* du dich?" fragte ich noch einmal und meine Augen hielten ihre gefangen.
Sie hob eine Augenbraue, ließ sie jedoch nach einigen Sekunden wieder sinken und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück, ihren Blick über den Park gleiten lassend, der direkt unter unserem Balkon lag.
Nach einem Moment des Schweigens vernahm ich ihre leise Stimme, als sie auf meine Frage antwortete.
"Ich fühle..., ich habe ein beklemmendes Gefühl in der Brust, wenn ich längere Zeit in einem Zimmer bin. Aber hier draußen, mit dir, bin ich ruhig und glücklich. Ich weiß, ich kann von Glück reden, dass ich noch lebe und dass es mir so gut geht. Es waren wirklich verdammt schwere Verletzungen, die mir beigebracht wurden." Sie drehte ihren Kopf wieder und sah mich offen an.
Ich schluckte und nickte leicht.
Sie erhob sich und kam den knappen halben Meter, der zwischen uns lag, auf mich zu. Ich öffnete meine Arme für sie und zog sie auf meinen Schoss. Bereitwillig folgte sie dieser Einladung und setzte sich seitlich auf meine Beine. Ihr Kopf kam an meiner Schulter zu liegen, einen Arm schlang sie um meine Taille, die andere Hand lag ruhig auf meiner Brust.
"Es ist normal, dass du dich unwohl fühlst, in geschlossenen Räumen. Aber das geht sicher wieder vorbei." flüsterte ich, doch sie schüttelte den Kopf und sah mich an.
"Es ist nicht nur in geschlossenen Räumen. Auch im Restaurant hatte ich dieses Gefühl. Es ist fast wie Panik. Ich habe das Gefühl, keine Luft zu bekommen, mein Blick engt sich ein und mein Blut rauscht in den Ohren." beschrieb sie ihre Empfindungen.
"Als ich dich heute gebeten habe, anzuhalten, da hatte ich auch dieses Gefühl. Ich dachte, ich würde kollabieren." meinte sie.
Ich fuhr ihr mit einem Finger sanft über die Wange.
"Dana, glaube mir, es ist wirklich vollkommen normal, dass du so empfindest. Erinnerst du dich, als ich damals für eine Nacht in dieser Zelle war. Selbst da hatte ich anschließend ein beklemmendes Gefühl in kleineren Räumen. Du warst über drei Wochen im Gefängnis, warst in einem kleinen Raum eingesperrt und sogar festgebunden. Man hat dir Schmerzen zugefügt. Du wirst lernen, damit umzugehen und du wirst deine Angst verlieren. Und wenn nicht, dann gehst du zu einem Arzt und lässt dir helfen." erklärte ich. Sie seufzte leise und legte ihren Kopf wieder an meine Schulter.
"Hoffentlich hast du recht." murmelte sie.
"Das habe ich. Vertrau mir." erwiderte ich und sie nickte.
Wieder trat Stille zwischen uns. Ich genoss es, ihren Körper so nahe an meinem zu spüren und küsste zärtlich ihre Stirn.
Mit einem leisen Brummen schloss sie ihre Augen und ich merkte, wie dieses Geräusch gleich Auswirkungen auf ein tiefer gelegenes Körperteil von mir hatte.
Auch Dana schien es zu merken, denn sie öffnete ihre Augen und sah mich mit einem wissenden Grinsen im Gesicht an.
"Tut mir leid. Achte einfach gar nicht darauf. Es ist nur einfach unglaublich, hier mit dir zu sitzen." sagte ich und zuckte die Achseln.
"Oh, wir könnten uns durchaus später darum kümmern. Lass uns nur noch ein wenig hier zusammen sitzen." meinte sie und gab mir einen Kuss auf die Lippen. Ich grinste und nickte enthusiastisch. Langsam beugte ich mich vor und griff nach meinen Weinglas. Nachdem ich einen Schluck genommen hatte, stellte ich es wieder zurück.
Sanft strich ich Dana über ihren Rücken. Ein zischendes Einatmen von ihr, ließ mich jedoch meine Hand zurück ziehen. Erstaunt sah ich sie an.
Sie senkte ihren Kopf und etwas in mir schrie gepeinigt auf. Mit einer unguten Vorahnung dessen, was ich sehen würde, griff ich an das untere Ende von Danas T-Shirt und zog es ein Stück ihren Rücken hinauf.
Ich merkte, wie mein Herz zerbrach, bei dem was ich sah und ich stieß ein tiefes, gequältes Stöhnen aus.
"Oh mein Gott, Dana." flüsterte ich, meiner Stimme nicht vertrauend. Tränen traten mir in die Augen und fielen nur Sekunden später.
Dana hob ihren Kopf und sah mich an. Erschüttert nahm sie mein Gesicht in ihre Hände und küsste mir die Tränen von den Wangen, was jedoch ein sinnloses Unternehmen war, denn es kamen ständig neue hinzu.
"Sssht! Fox, ich bin in Ordnung." sprach sie leise, eine Hand in meinen Nacken bringend und beruhigend durch mein Haar streichelnd.
Ich schüttelte entschieden meinen Kopf, kaum in der Lage, ein Wort heraus zu bringen.
"Nein," schaffte ich es schließlich zu stammeln. "nein, das können sie nicht getan haben!"
"Fox, hey. Es ist nicht so schlimm. Es wird verheilen." drang Danas Stimme leise in mein Bewusstsein.
"Du hast immer noch starke Schmerzen. Es *ist* schlimm." erwiderte ich, ein wenig lauter als beabsichtigt und immer noch unter Tränen.
"Es war schlimm. Aber es ist schon viel besser. Mach dir keine Sorgen." versuchte sie mich zu beruhigen.
Noch einmal warf ich einen Blick auf die unzähligen Narben, die ihren Rücken zierten. Es waren Brandwunden in den unterschiedlichsten Größen. Einige waren sicher von Zigaretten oder Zigarren, andere jedoch waren größer und von länglicher Form. Ich konnte nur raten, was sie für ein Werkzeug benutzt hatten, um ihr solche Verletzungen beizubringen. Und ich war mich nicht sicher, ob ich es wirklich wissen wollte.
Dana griff hinter sich und zog meine Hand von ihrem Shirt weg, so dass es wieder hinunter fiel und ihre Verletzungen verdeckte.
"Das war es, was an den beiden Tagen geschehen ist, die Skinner mir nicht gezeigt hat. Von wegen, er besitzt die Aufzeichnungen nicht." Meine Stimme klang rau in meinen eigenen Ohren.
Ich sah, wie Dana leicht nickte.
"Erzähl mir wie sie es getan haben." bat ich immer noch flüsternd. Ich wusste, ich hätte keine ruhige Minute mehr, wenn ich ihr die Last der Erinnerung nicht abnehmen würde.
Vehement schüttelte sie den Kopf.
"Nein, tu dir das nicht an." bat sie.
"Bitte, Dana ich muss es wissen. Lass mich dir ein wenig helfen." Ich merkte, dass ich beinahe bettelte.
Sie sah mich nachdenklich an. Ihre Unterlippe in den Mund gezogen und darauf herum kauend schien sie die Für und Wieder abzuwägen.
Schließlich seufzte sie schwer und senkte ihren Blick auf ihre ineinander verflochtenen Hände.
"Es war eine Person, bei beiden Malen die gleiche, glaube ich. Die Gurte wurden gelöst und ich wurde auf den Bauch gedreht. Ich hatte keine Chance zu entkommen, denn mein Gegner hat mich die ganze Zeit festgehalten." Sie blickte zu mir auf, ein ernster Ausdruck in ihrem Gesicht. Ich wusste nicht genau, wie ich ihn deuten sollte, doch schließlich verstand ich. Sie rechtfertigte sich vor mir. Sie wollte, dass ich wusste, dass sie keine Möglichkeit hatte, sich zu wehren.
Oh Dana, als hätte ich jemals daran gezweifelt.
"Schatz!" Durch die gewählte Anrede zog ich sofort ihre Aufmerksamkeit auf mich. Erstaunt sah sie mich an.
"Ich *weiß* dass diese Personen dir keine Chance gelassen haben. Du hättest nichts tun können, um dem zu entkommen." erklärte ich ihr. Ich wollte, dass sie es selber auch so sah, dass sie sich selber keine Vorwürfe machte.
Sie nickte langsam und Dankbarkeit erschien in ihrem Gesicht.
"Die Gurte wurden wieder festgemacht, meine Hände waren jetzt über meinem Kopf fixiert. Und dann hat er mir einfach dieses Hemd herunter gerissen. Er hat es zerrissen. Ich erinnere mich daran, dass mir kalt war, und dass ich..." Sie stockte und sah mich unsicher an.
Ich wusste, sie rang mit sich, wusste nicht ob sie erzählen sollte, oder nicht.
Sanft nahm ich sie in den Arm, versuchte ihr die Stärke zu geben, die sie brauchte, um die Erinnerung mit mir zu teilen.
"Du hast geschrieen, richtig? Du hattest furchtbare Angst, was als nächstes geschehen würde. Gott, du musst beinahe gestorben sein, vor lauter Angst." vermutete ich.
Sie nickte leicht. Offenbar wollte sie es vor sich selber nicht zugeben, welche Empfindungen sie gehabt hatte.
"Ich weiß nicht, woher er die Sachen hatte, oder warum diese verdammten Eisen immer noch rot glühten, aber er drückte sie mir auf den Rücken und..." Wieder stockte sie. Sie schluckte und ihr Rücken begann zu zucken, als sie stumm zu schluchzen begann. Ich hielt sie fester, immer darauf bedacht, sie möglichst wenig am Rücken zu berühren.
"... er brandmarkte mich, Fox. Einfach so. Es tat höllisch weh, ich habe geschrieen vor Schmerz, bis ich irgendwann das Bewusstsein verlor." schniefte sie.
"Oh mein Gott. Wie können Menschen nur so bestialisch sein?" stöhnte ich gequält auf.
Nun war sie es, die mich fester in den Arm nahm.
"Ich werde damit klar kommen, Fox. Die Wunden werden verheilen." flüsterte sie.
"Ja, aber die Narben werden uns immer daran erinnern." erwiderte ich grimmig.
Sie nickte stockend.
"Ja, das werden sie, aber wir werden mit ihnen zu leben lernen. Genauso wie mit den anderen Narben, die wir im Laufe der Zeit davon getragen haben." erklärte sie. Ihre Stimme war fest, was mir zeigte, dass sie glaubte was sie sagte und das war gut so.
Ich drehte ihr Gesicht zu mir, senkte meinen Kopf ein wenig und verteilte kleine, federleichte Küsse auf ihren Wangen, nahm ihre salzigen Tränen in mir auf und trocknete sie auf diese Weise. Meine eigenen Tränen waren versiegt, um ihr Trost spenden zu können.
Wieder schob sie einen Arm hinter meinen Rücken und legte ihn um meine Taille. Ihren Kopf bettete sie ein weiteres Mal an meiner Schulter.
Sie seufzte leise und ich sah von oben, wie sie ihre Augen schloss.
Ich küsste ihre Stirn und ließ meine Lippen einen Moment dort liegen, genoss die weiche Haut unter ihnen.
"Ich liebe dich." flüsterte ich, was sie offenbar dazu veranlasste, ihre Augen zu öffnen und ihren Kopf ein wenig zu drehen, so dass sie mich ansehen konnte.
"Ich liebe dich auch, Fox." erwiderte sie, nicht lauter, als ich mit ihr gesprochen hatte.
Ein kleines Lächeln erschien auf meinen Lippen, ich beugte mich vor, sie gut fest haltend, damit sie nicht von meinen Beinen hinunter rutschen konnte, und langte nach meinen Weinglas. In einem Zug leerte ich es, stellte es wieder ab und griff mit der nun freien Hand unter ihre Kniekehlen.
Mit einem Schwung erhob ich mich, Dana auf dem Arm haltend und lächelte bei dem erstaunten Laut, der ihrer Kehle entkam.
"Fox?!" rief sie aus.
Ich grinste sie schelmisch an.
"Was tust du denn da?" wollte sie wissen.
"Wir ziehen um." sagte ich schlicht.
"Wir haben hier noch Gläser stehen." protestierte die Vernunft.
"Sie werden auch morgen früh noch da stehen." erwiderte ich.
Sie schüttelte leicht den Kopf, doch lächelte sie dabei.
"Wir müssen wenigstens die Tür schließen." sagte sie, als wir durch die große Balkontür in unser Wohnzimmer getreten waren. Ich drehte mich leicht und sie stieß die Tür zu. Nachdem ich einen Schritt auf die Tür zugetan hatte, legte sie den Hebel um und schlang anschließend die Arme um meinen Hals.
Nachdem wir noch einen Umweg über sämtliche Lichtschalter gemacht hatten, Dana hatte gewissenhaft überall das Licht gelöscht, stand ich schließlich vor unserem Bett.
Ich hielt Dana noch immer auf meinem Arm und überlegte, wie ich es schaffen konnte, sie sanft auf dem Bett abzulegen, ohne sie los zu lassen.
Ich wusste, sie war durchaus in der Lage, sich alleine in das Bett zu legen, doch war ich noch nicht bereit die physische Bindung, die ich aufgebaut hatte, zu lösen, und sie nur an der Hand zu halten, war nicht genug Nähe.
Ich entschied mich dafür, mich auf die Matratze zu knien und bis in die Mitte des Bettes zu krabbeln, um sie dort sanft abzulegen.
Es gestaltete sich als einfacher, als ich es befürchtet hatte, und als Dana schließlich vor mir lag, wünschte ich mir nichts sehnlicher, als mich neben sie zu legen, ihren Körper in der ganzen Länge an meinem zu spüren und sie zu berühren, doch ich riss mich noch einmal los und ging statt dessen in unser Badezimmer.
Als ich wieder kam, sah ich, dass Dana sich auf ihre Ellenbogen aufgerichtet hatte. Es schien, als würde sie jeden meiner Schritte beobachten, doch ich wusste es besser. Es war nicht nur das. Langsam ging ich auf sie zu und reichte ihr ein Glas mit Wasser.
Sie hob eine Augenbraue, verlagerte jedoch ihr Gewicht auf den linken Ellenbogen und griff mit der rechten Hand nach dem Glas.
"Trink das." wies ich sie an, meine Worte mit einer entsprechenden Bewegung meines Kopfes begleitend.
Sie tat es, widerspruchslos, was mir zeigte dass sie wusste, dass ich Schmerztropfen in das Wasser gegeben hatte und ihre Schmerzen waren stark genug, nicht zu protestieren, oder sie zu leugnen.
Nachdem sie das Glas in einem Zug geleert hatte, reichte sie es mir mit einem dankbaren Blick.
Ich ging wieder um das Bett herum, stellte das Glas auf meinem Nachtschrank ab und setzte mich auf die Bettkante.
Mit einem leichten Lächeln betrachtete ich Dana, wie sie sich auf die Seite rollte und leicht seufzte.
"Wirst du dich jetzt endlich zu mir legen?" fragte sie nach einem Moment der Stille und auf ihrem Gesicht erschien ein breites Grinsen.
"Was stört dich daran, wenn ich hier sitze?" neckte ich sie.
Sie versuchte nach mir zu greifen, um mich schließlich einfach zu sich hinunter zu ziehen, doch ich wich ihr geschickt aus.
Mit einem Schmollmund stützte sie sich auf ihren linken Ellenbogen, ihr Kopf ruhte auf ihrer Schulter. Ich grinste.
"Fox..." bat sie mit rauer Stimme. Sofort merkte ich, wie ein weiter unten gelegenes Körperteil darauf reagierte, doch ich wollte sie noch ein wenig ärgern.
"Dana..." erwiderte ich, meine Stimme ebenfalls auf ein raues Flüstern gesenkt.
Sie rollte sich auf den Bauch, stemmte sich auf Hände und Knie hoch und krabbelte langsam auf mich zu.
Gespannt beobachtete ich sie und wartete, dass sie bei mir ankam.
Sanft legte sie nur wenige Sekunden später eine Hand in meinen Nacken und zog meinen Kopf zu ihrem Gesicht. Ihre weichen Lippen legten sich auf meine und ihre Zunge strich leicht darüber.
Mit einem Seufzen, welches meine Kapitulation demonstrierte, schloss ich meine Augen und drückte sie sanft auf das Bett zurück.
Rasch rollte sie sich jedoch herum, so dass sie schließlich halb auf mir lag. Meine Augen flogen auf und ich sah sie entschuldigend an. Wie konnte ich nur so unvorsichtig sein, und sie mit dem Rücken auf das Bett drücken, schließlich hatte ich vor nur kurzer Zeit ihre schweren Verletzungen gesehen, hatte gesehen, was sie für Schmerzen hatte.
Sie erkannte meinen Blick und schüttelte leicht den Kopf, als ich mich aufsetzen wollte. Ihre linke Hand kam an meiner Wange zu liegen und sie streichelte mich sanft.
"Es ist in Ordnung. Es geht mir gut." flüsterte sie, doch ich schüttelte in leichtem Protest meinen Kopf.
Um mir keine weitere Möglichkeit zu geben, ihr zu erklären, warum es ihr nicht wirklich gut ging, drückte sie ihre zarten Lippen ein weiteres Mal auf meine.
Ihre Hand wanderte tiefer und schlängelte sich unter mein T-Shirt. Während Dana hinunter rutschte, schob sich ihre Hand auf meiner Brust langsam nach oben. Ihre zweite Hand kam hinzu und sie streifte das T-Shirt hinauf, um es mir schließlich über den Kopf ziehen zu können. Nachdem es auf dem Boden gelandet war, rutschte sie wieder ein wenig hinunter und nur Sekunden später konnte ich ihre Lippen auf meinem Bauch fühlen. Sanft verteilte sie kleine, zärtliche Schmetterlingsküsse auf meinem Körper, wanderte hinauf zu meiner Brust, nahm meine linke und anschließend auch meine rechte Brustwarze in den Mund und spielte mit ihrer Zunge darüber.
Wieder klappten meine Augen zu. Ich biss mir leicht auf meine Unterlippe und ein leises Seufzen entwich meiner Kehle. Dana hob ihren Kopf und als ich meine Augen wieder öffnete, erkannte ich ein Lächeln auf ihrem Gesicht.
Ihre Augen strahlten vor Glück und mir lief ein Schauer über den Rücken.
Meine Hände wanderten zu ihren Oberarmen und strichen behutsam darüber, während ich mich darum bemühte, mich aufzusetzen.
Schließlich saß ich vor ihr, eine Hand wanderte langsam zu ihrem Nacken hinauf und ich zog sie in einen Kuss, der mein Verlangen offenbarte.
Die andere Hand wanderte unter ihr T-Shirt, tänzelte über ihre Rippen und kam endlich auf ihrer rechten Brust zu liegen. Das warme Fleisch nur durch den Stoff des BHs von meiner Haut getrennt.
Dana wand sich unter meinen Berührungen, streckte mir ihre Brust entgegen und ich konnte ebenfalls einen Seufzer von ihr erhaschen.
Ihre Hände, hatten sie doch bisher auf meiner Brust geruht, schoben sich zum Bund ihres T-Shirts und hoben es hoch, um es abzustreifen. Es landete neben meinem eigenen auf dem Fußboden und ich rutschte herum, um ihren BH hinter ihrem Rücken zu öffnen. Sanft legte sich eine ihrer kleinen Hände auf meinen Unterarm und hielten mich auf diese Weise auf.
"Lass, ich mach es schon." flüsterte sie und beugte sich vor, um mich zu küssen.
"Nein, bitte. Lass mich es tun." erwiderte ich ebenso leise, nachdem sie sich wieder zurück gezogen hatte.
"Bist du sicher?" Ich sah eine gewisse Unsicherheit, gemischt mit Angst in ihrem Blick.
Ich nickte, legte meine Lippen sanft auf ihr Schlüsselbein und ließ meine Zunge darüber gleiten. Mit einem leisen Stöhnen legte sie ihren Kopf zurück und ihre Augen klappten zu. Meine Lippen immer noch an ihrem Schlüsselbein erhob ich mich auf die Knie und wanderte um sie herum. Erst als ich hinter ihr hockte, hob ich meinen Kopf und ich schluckte schwer bei dem Anblick, der sich mir nun bot.
Wunde neben Wunde und Narbe neben Narbe bedeckten ihre zarte Haut.
Ich biss mir auf die Lippe, um nicht erneut laut aufzustöhnen. Dana drehte ihren Kopf ein wenig und versuchte einen Blick in mein Gesicht zu erhaschen. Rasch senkte ich den Kopf, hob jedoch meine Hände und brachte sie in einer federleichten Berührung an den Verschluss ihres BHs.
Sanft und mit zitternden Fingern löste ich ihn und ließ ihn an ihren Armen hinab gleiten.
Sie fing ihn auf und ließ ihn neben das Bett zu unseren anderen bereits abgelegten Kleidungsstücken fallen.
"Leg dich hin." flüsterte ich und ließ meine Finger ein weiteres Mal über ihre Rippen wandern.
Erstaunen zeigte sich auf ihrem Gesicht, doch tat sie, worum ich sie gebeten hatte.
Als sie auf dem Bauch vor mir lag, ließ ich meine Hände von ihren Schultern über ihre Arme hinab wandern. Unten angekommen, verflochten sich unsere Finger ineinander und ich beugte mich hinunter und küsste ihren Rücken, an einer Stelle zwischen den unzähligen Wunden. Ich küsste mich von unten, vom Bund ihrer Hose, nach oben, bedeckte jeden Millimeter gesunder Haut mit meinen Lippen. Meine Hände wanderten stetig an ihren Armen auf und nieder.
Dana lag ganz still. Kein Geräusch entkam ihrer Kehle und sie rührte sich nicht.
Als ich oben angekommen war, wanderten meine Lippen von ihrem Nacken zu dem empfindlichen Punkt hinter ihrem Ohr und fanden schließlich ihr Ohrläppchen.
Sie bewegte sich leicht, zog einen Arm unter ihren Oberkörper und drehte ihren Kopf ein Stück, um meine Lippen einfangen zu können. Doch ich war schneller, zog meinen Kopf zurück und lachte leise.
Sie drehte sich noch weiter, lag schließlich auf ihrer linken Seite und langte mit dem freien Arm nach meinem Nacken. Mit leichtem Druck zog sie mich zu sich und in einen wundervollen Kuss.
"Kann es sein, dass dich mein Hinterteil mehr entzückt, als mein Vorderteil?" neckte sie mich, als sie sich von mir zurück zog.
Ich lachte leise auf und folgte ihr mit meinem Mund, fand ihren und küsste sie ein weiteres Mal. Meine Hände, eben noch an ihren Armen und mit ihren Händen verschlungen, legten sich an ihre wohlgeformten Brüste.
Ich kroch ein wenig tiefer, legte mein Gesicht zwischen ihre Brüste und atmete tief ein. Gott, wie ich diesen Ort vermisst hatte. Wie ich es vermisst hatte, sie dort zu berühren, meine Lippen an ihre wundervollen Brustwarzen zu bringen, daran zu saugen und mit meiner Zunge über sie zu streichen.
Dana hielt mich immer noch im Nacken. Offenbar schien sie mein Bedürfnis, einen Moment so zu verweilen und das Gefühl zu genießen, zu erkennen, denn sie hielt mich sanft, strich mir zärtlich durch meine Haare und gab mir einen weichen Kuss auf meinen Kopf.
Schließlich drehte ich meinen Kopf ein wenig und Danas Hand wanderte zu meiner Wange, streichelte den Punkt direkt neben meinem Mundwinkel und instinktiv öffnete ich den Mund und nahm ihre Brustwarze in mir auf. Diese Art, mich dazu zu bringen ihre Knospe in den Mund zu nehmen, war schon beinahe Tradition, wenn wir uns liebten. Sie tat es, seit Joy damals geboren war. Und ich liebte es wenn sie es tat.
Ich verwöhnte zuerst ihre rechte Brustwarze, schließlich wanderte ich zur linken, ließ meine Hand an der anderen Seite die Arbeit meiner Zunge weiterführen.
Wieder drückte sie sich mir entgegen, bog ihr Kreuz durch, um einen noch größeren Kontakt zu mir herzustellen. Sie stöhnte leise, ihre Hände wanderten zärtlich über meinen Rücken, strichen meine Wirbelsäule hinauf und hinunter.
Ich schloss meine Augen, genoss das Gefühl ihrer Brustwarze in meinem Mund und ihrer Hände auf meinen Rücken, und ich hätte ewig so liegen können, wenn da nicht ein kleines jedoch sehr entscheidendes Körperteil etwas anderes geplant hätte.
Beinahe widerwillig löste ich meine Lippen von ihrer Brust und wanderte tiefer, über die große Narbe auf ihrem Bauch bis zu ihrem Bauchnabel, den ich mit meiner Zunge umkreiste. Ein Seufzen begleitete mein Unternehmen, unsere Hände waren wieder eng umschlungen.
Langsam löste ich meine Hände von ihren, wanderte über ihre Brüste und Rippen hinab zum Bund ihrer Hose und öffnete schließlich den Knopf.
Ihre Hose und ihren Slip in eins hinab streifend, folgten meine Lippen dem Weg des Stoffes und bedeckten ihre Haut mit sanften Küssen.
Ihre Kleider landeten am Fußende des Bettes auf dem Boden und blieben dort unbeachtet liegen. Ich erhob mich auf meine Knie, verließ Danas Körper, was sie mit einem protestierenden Knurren zur Kenntnis nahm. Ihre Augen, gerade noch in Genuss geschlossen, flogen auf und beobachteten mich, wie ich zum Knopf meiner Jeans langte und diese öffnete.
Sie schüttelte den Kopf, kam ebenfalls auf ihre Knie hoch und hielt meine Hände sanft zurück.
Meine Augen glitten gebannt über ihren Körper. Erst jetzt, vollkommen unbekleidet, viel auf, wie dünn sie tatsächlich geworden war und wie sehr sie unter dem gelitten hatte, was diese Männer ihr angetan hatten, und doch, sie war wunderschön.
"Lass mich das tun." bat sie leise und senkte auf mein Nicken hin ihren Kopf um meinen Bizeps zu küssen. Wieder wanderten ihre Finger meine Arme hinauf und hinunter und verschlangen sich mit meinen, ehe sie sich langsam am Reißverschluss meiner Jeans zu schaffen machte und sie mir nur einen Moment später gemeinsam mit meinen Boxer-Shorts die Schenkel hinab schob. Nacheinander hob ich erst das linke und schließlich auch das rechte Bein, so dass Dana mir die Hose ganz ausziehen und zu den restlichen Kleidungsstücken vor das Bett werfen konnte.
Sofort, als ihre Hände wieder frei waren, griff sie nach meiner Erektion, die sich stolz vor mir aufrichtete.
Ich sog zischend Luft in die Lungen, als mein empfindliches Fleisch Kontakt mit ihrer Hand machte und merkte, wie mein Kopf in den Nacken fiel, meine Augen zuklappten und ich kaum noch einen zusammenhängenden Gedanken zustande brachte.
Meine Hände hoben sich beinahe mechanisch und kamen an ihren Hüften zu liegen, wo meine Daumen kleine Kreise zogen.
Ich wollte von ihr berührt werden, doch wollte ich noch lieber in ihr sein, mich in ihr vergraben, endlich wieder ganz sein.
"Nicht so. Bitte..." versuchte ich meine mühsam zusammengebrachten Gedanken zu äußern und öffnete meine Augen wieder, um sie ansehen zu können.
Ein Lächeln erschien auf ihrem Gesicht und sie streckte sich, um ihre Lippen auf meine pressen zu können. Ihre Zunge tauchte in meinen Mund ein, strich über meine Zähne und forderte meine Zunge zu einem Spiel voller Verlangen auf.
Sanft aber doch bestimmt drückte sie mich auf das Bett, so dass ich schließlich auf meinem Rücken lag. Sie hockte mit gespreizten Beinen über mir, als sich unsere Lippen voneinander trennten und verteilte erneut sanfte Küsse auf meiner Brust.
Meine Hände wanderten an ihren Rippen hinauf und hinunter, genossen ihre weiche Haut und umfassten nach einer kleinen Ewigkeit ihren kleinen Po.
Dana hob ihren Kopf und unsere Augen fanden sich, übermittelten sich eine stumme Botschaft, wie wir es immer taten und sie senkte sich und nahm mich endlich in sich auf.
Meine Hände wanderten wieder zu ihren Hüften und hielten sie fest, damit sie sich nicht bewegen konnte.
Ich wollte dieses Gefühl genießen, wollte sie ausfüllen, wollte spüren, wie sie mich wieder zu einem ganzen Menschen machte, und ich wünschte mir, dass dieses unbeschreibliche Gefühl niemals enden würde.
Es gab nichts besseres.
Sie verstand, hielt inne und ich wusste, sie genoss es auch. Langsam beugte sie sich hinunter, küsste mein Kinn, meine Wangenknochen, die Sehne an meinem Hals und nahm schließlich mein Ohrläppchen in ihren Mund, saugte daran, knabberte leicht.
Gott, wie ich diese Frau liebte.
"Geh nie wieder weg!" flüsterte ich und legte meine Hände an ihre Wangen, meine Finger weit gespreizt.
"Das werde ich nicht." versprach sie, ebenso leise, wie ich sie gebeten hatte.
"Lass mich nie wieder alleine." Meine Stimme war ein Flehen.
"Ich bin hier, Fox." versuchte sie mich zu beruhigen.
"Gut." flüsterte ich.
"Ich liebe dich." wisperte sie und setzte sich schließlich wieder auf.
Sanft begann sie sich zu bewegen, und ich ließ es zu, antwortete in einem trägen, langsamen Rhythmus auf ihre Bewegungen. Sie wurde ein wenig schneller, ich ebenfalls. Mein Blick fixierte sie, saugte das Bild in sich auf, welches sie bot. Die Haut über ihrer Brust gerötet, von einem leichten Schweißfilm bedeckt. Ihre Lippen leicht geöffnet, rote Wangen und leuchtende Augen.
Sie war wunderschön.
Ihr Tempo steigerte sich weiter, ihre Hände verlangten nach meinen und ich reichte sie ihr, nicht mehr in der Lage irgendetwas zu denken, außer an das Gefühl, welches sich in mir ausbreitete. Ich stöhnte leise, biss mir auf meine Unterlippe und merkte, wie die Farben in meinem Kopf deutlicher wurden und einen Klang bekamen.
Kurz presste ich meine Augen zu, riss sie jedoch Sekunden später wieder auf und ließ mich von den Wellen des Orgasmus mitreißen, Dana dabei beobachtend, wie auch sie vom Strudel erfasst wurde und sich mit einem leisen Seufzen gehen ließ.
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Hungrig schnappte ich nach Luft und genoss das Gefühl von weicher, feuchter Haut unter meiner Brust. Auch Fox atmete gierig, und legte seine Hände auf meinen Hintern, um mir zu zeigen, dass ich unsere Verbindung noch nicht lösen sollte. Ich wusste, er hätte mich gerne ganz dicht an sich gezogen, doch vermied er den Kontakt mit meinem geschundenen Rücken.
Langsam beruhigte sich mein Atem und ich hob meinen Kopf und blickte ihn an. Er blinzelte und ein Strahlen lag auf seinem Gesicht und in seinen Augen.
Ich küsste ihn sanft und schob meine Arme unter ihn, zog ihn näher zu mir, wie er es normalerweise mit mir tat.
"Ich liebe dich." drang seine leise Stimme an mein Ohr und ich lächelte glücklich.
"Ich dich auch." murmelte ich und legte meinen Kopf wieder auf seiner Brust ab.
"Geht es dir gut?" wollte er wissen. Eine seiner Hände wanderte von meinem Po über meine Seite zu meinen Haaren und strich sanft eine Strähne aus meinem Gesicht.
Wieder hob ich meinen Kopf und verteilte zarte Küsse auf seiner Brust.
"Ja, es geht mir wundervoll." flüsterte ich und drückte ihn fester.
"Das ist gut." Seine Stimme wurde schläfrig und ich seufzte, bevor ich meine Arme unter ihm hervor zog.
Langsam rollte ich mich von ihm hinunter, trennte unsere lebensspendende Verbindung und blieb neben ihm auf der Seite liegen. Ein frustriertes Knurren verließ seine Kehle und ich drückte mich wieder enger an ihn, angelte nach der Decke, die zum Fußende des Bettes gerutscht war und breitete sie über unsere Unterkörper aus.
Schließlich kam mein Kopf an seinen Rippen zu liegen und meine Hand auf seiner Brust. Mit dem stetigen Klopfen seines Herzens unter meinen Fingerspitzen driftete ich in einen sanften Schlaf.
*~*~*~*~
Der Schrei, mit dem ich aus dem Alptraum erwachte, war erstickt. Ich saß aufrecht im Bett, meine Augen weit aufgerissen, mein Körper schweißbedeckt und meine Lungen brannten.
Ich keuchte in dem verzweifelten Versuch, ausreichend Sauerstoff aufzunehmen.
Mein Blick irrte panisch durch den Raum, ehe ich realisierte, wo ich war und ich streckte erschöpft die linke Hand aus und tastete nach Fox.
Ich fand ihn nicht. Irritiert sah ich auf seine Betthälfte hinüber, doch sie war genauso leer, wie auch die andere Seite, zu der ich mich umsah, mit dem Gedanken, dass ich mich irren könnte, wir anders lagen, als es gewöhnlich zu Hause der Fall war.
Ein Stich fuhr durch mein Herz und ich streifte meine Hände durch mein feuchtes Gesicht und durch meine wirren Haare.
Mit immer noch zitternden Gliedern pellte ich mich aus der Bettdecke, blieb einen Moment an der Bettkante sitzen ehe ich mich erhob und nach meinen Slip und meinem T-Shirt angelte, was ich mir hastig überzog.
Ich musste raus hier, musste nach draußen, und ich musste wissen, wo Fox war.
Mein Atem ging immer noch schneller als normal, und auch das Zittern in meinem Körper hatte noch nicht nachgelassen.
Als ich die Tür zum Wohnzimmer öffnete, sah ich ein leichtes Flackern, welches vom Fernseher zu kommen schien.
Dort also hatte es ihn hingezogen.
Schon wieder einmal.
Langsam ging ich auf das Sofa zu. Er hatte sich dort hingelegt, eine Hand auf seinem Bauch und die andere hinter seinem Kopf platziert und die Augen nur halb geöffnet.
Ein Blick auf den Bildschirm offenbarte mir eine junge Frau, konservativ gekleidet, die mit einem Staubsauber über den Teppich fuhr und seine Vorzüge enthusiastisch anpries. Ihre Stimme war schrill, obwohl Fox den Ton ganz leise eingestellt hatte. Trotz der Stille konnte man fast kein Wort von dem was sie sagte verstehen.
Fox bemerkte mich, als ich beinahe am Sofa angekommen war und setzte sich alarmiert auf. Noch ehe ich etwas sagen konnte, war er bereits aufgesprungen und den letzten Schritt auf mich zugetreten. Sanft und ohne ein Wort schloss er mich in die Arme, platzierte meinen Kopf an seiner Schulter und wiegte mich leicht und beruhigend hin und her.
"Tut mir leid, dass ich nicht da war." flüsterte er in meine Haare. Ich schlang meine Arme um seine Hüften und drückte ihn fest an mich. Mein Atem wurde ruhiger, das Zittern ließ langsam nach. Dieser Mann war Medizin für gequälte Seelen.
"Das ist nicht schlimm." murmelte ich, während die letzten Nebel des Alptraumes sich langsam verflüchtigten.
Er grunzte. Ich konnte nicht einordnen, ob er sich wieder selber anschuldigte, nicht für mich da gewesen zu sein, oder ob er meine Aussage dankend und die Absolution annehmend kommentieren wollte.
"Was hat dich dazu gebracht, dir diesen Unsinn anzusehen?" wollte ich wissen. Die letzten Erinnerungen schienen zu schwinden.
"Die grausame Realität." drang seine leise Stimme an mein Ohr. Ich trat einen Schritt zurück, die Umarmung in der er mich hielt und die ich brauchte, durchbrechend, um ihn ansehen zu können. Seine Hände lagen locker auf meinen Hüften, genauso wie die meinen auf seinen Hüften lagen.
Meine Augenbraue wanderte zu meinem Haaransatz hoch.
Seine Augen waren dunkel, tiefe Seen der Angst und der Pein. Auch ihn hatten die Alpträume heimgesucht, hatten ihm vor Augen gehalten, was mir wiederfahren war.
Ich löste mich von ihm und griff nach der Fernbedienung, die auf dem Tisch lag, drückte auf den roten Knopf und drehte mich um, um ihn mit mir ins Schlafzimmer zu nehmen.
Ein in der Stille beinahe unheimlich lautes Keuchen ließ mich inne halten und mich nach Fox umdrehen.
Er stand wie angewurzelt dort, meine Hand haltend und starrte nun, da ich ihm zugewandt war, auf meinen Bauch, nicht mehr auf meinen Rücken.
Irritiert versuchte ich einen Blick auf meinen Rücken zu erhaschen, doch es gelang mir nicht.
"Was ist?" erkundigte ich mich schließlich.
Er antwortete nicht, trat lediglich einen Schritt auf mich zu und drehte mich um. Ich spürte, wie er mein T-Shirt anhob und hoch schob.
Eine kleine Ewigkeit schien zu vergehen, in der er nichts sagte und sich nicht bewegte. Nur einmal hörte ich ihn laut schlucken. Schließlich ließ er mein Shirt fallen, nahm meine Hand und zog mich auf die Tür zu unserem Schlafzimmer zu. Er ließ die Tür achtlos hinter uns zu fallen, brachte mich zum Bett und legte mich hin – auf den Bauch.
Ich ließ alles mit mir geschehen, sah ihm nach, wie er im Badezimmer verschwand und kurze Zeit später mit einen nassen Handtuch wieder kam.
Eine steile Falte erschien auf meiner Stirn und ich hob meinen Kopf leicht an.
"Fox, was..." Er unterbrach mich mit einem Kopfschütteln, zog erneut das T-Shirt hoch, bedeutete mir, mich etwas aufzurichten, zog es mir über den Kopf und warf es, noch ehe ich einen Blick darauf werfen konnte, am Fußende des Bettes auf den Boden.
"Leg dich wieder hin." bat er leise und ich tat was er sagte.
Nur Sekunden später spürte ich das lauwarme, feuchte Tuch auf meinem Rücken.
Ein Zischen entkam mir.
"Ist es zu warm? Soll ich lieber ein kaltes Tuch holen?" Sofort nahm Fox das Tuch von meinem Rücken hinunter.
Ich schüttelte den Kopf.
"Nein, es geht schon." antwortete ich ihm, noch immer nicht wissend, was ihn so aus der Fassung gebracht hatte.
"Gott, du musst schreckliche Schmerzen haben." grummelte er hinter mir. Er hatte recht, aber wieso wusste er das? Und es war nicht nur mein Rücken, der schmerzte als wenn er in Flammen stehen würde. Auch mein Leib fühlte sich an, als wenn es nicht nur ein Traum gewesen wäre, sondern brutale Realität.
Ich stemmt mich auf meine Handflächen und drehte mich ein wenig, so dass ich ihn ansehen konnte.
Er hielt das Tuch in der Hand und betrachtete es traurig.
Es war an vielen Stellen rot gefärbt. Erstaunt versuchte ich erneut einen Blick auf meinen Rücken zu werfen, doch wieder scheiterte ich, und Fox senkte das Tuch und drückte mich zurück in die Kissen. Sofort war da wieder der feucht-warme Stoff auf meinem Rücken.
"Ich muss wohl auf dem Rücken gelegen haben. Offenbar habe ich im Traum versucht, mich zu wehren." erklärte ich. Mein Mann seufzte.
"Ich werde sehen, ob wir eine Salbe da haben." hörte ich ihn sagen und er erhob sich.
Rasch langte ich nach seinem Handgelenk und schüttelte leicht den Kopf.
"Nein, bitte. Lass es einfach so. Nichts drauf tun." bat ich, ohne ihn jedoch anzusehen.
Ich konnte mir seinen Gesichtsausdruck genau vorstellen. Vermutlich sah er mich durchdringend und mit gerunzelter Stirn an, versuchte den Grund für meine Bitte zu erfahren.
Ein zischendes Einatmen seinerseits sagte mir, dass er den Grund erahnte, obwohl ich ihn nicht angesehen hatte, es ihm verweigert hatte, in mir zu lesen.
Das Schaukeln der Matratze zeigte mir, dass er sich wieder neben mich setzte. Ich spürte seine Hand an meinem Kinn, bot ihm keinen Wiederstand, als er mein Gesicht in seine Richtung drehte, doch hielt ich meinen Blick weiterhin gesenkt.
"Sieh mich an. Bitte." flüsterte er und ich hob meinen Blick. Sein Blick war forschend und durchdringend und ich wusste, was er sah.
"So schlimm?" Seine Stimme war beinahe ein Streicheln.
Ich nickte leicht, in einer kleinen Bewegung.
Wieder seufzte er, beugte sich zu mir und drückte mir einen sanften und weichen Kuss auf die Stirn und erhob sich anschließend, um das Tuch ins Badezimmer zu bringen. Ich legte mich wieder hin und schloss meine Augen.
Wasserrauschen drang an mein Ohr. Offensichtlich wusch er das Blut aus dem Tuch.
Ich musste lächeln, als mir eine Ermittlung, die wir vor vielen Jahren geführt hatten, wieder in den Sinn kam.
>Wer hat dir eigentlich beigebracht, wie man eine Zahnpastatube ausdrückt?< hörte ich meine Stimme in meinen Gedanken. Ich bekam keine Antwort.
>Dritte Warnung. Die Klobrille.< hatte ich ihm zugerufen, worauf er wieder nicht reagierte.
Wenn es darauf ankäme, und wenn es mir nicht gut ging, dann könnte er heute auch in dieser Siedlung leben.
Das Wasser wurde ausgestellt und ich hörte nur wenig später Schritte näher kommen.
Wieder schaukelte die Matratze leicht, als er sich neben mich setzte.
"Warum lächelst du?" erkundigte er sich, seine Stimme klang ein wenig verwirrt.
"Ich dachte gerade darüber nach, wie gut du manchmal nach Arcardia Falls passen würdest." Meine Augen klappten auf. Fox blickte mich an, ein gespielt verletzter Ausdruck breitete sich auf seinem Gesicht aus.
"Du willst mich los werden, nicht wahr?" schmollte er gekünstelt. Ich lachte leise auf und erhob mich, bis ich schließlich auf den Knien vor ihm hockte.
Sanft strich ich meine Lippen über seine.
"Nein. Dafür liebe ich dich viel zu sehr." erwiderte ich und blickte ihn an. Sein Mund verzog sich zu einem glücklichen Lächeln.
"Außerdem, du müsstest dich doch nur an die Regeln halten. Keinen Basketballkorb auf dem Hof, kein Schwimmbecken im Garten, keine Rattanmöbel auf der Terrasse und das Licht muss natürlich funktionieren. Das sollte doch kein Problem sein für dich." neckte ich ihn.
Mit einem unterdrückten Keuchen, welches dann jedoch in leises Lachen überging, griff er nach meinem Gesicht, spreizte seine Hände rechts und links an meinen Wangen und zog mich zu sich. Seine Lippen legten sich fest auf meine, teilten sich, damit seine Zähne an meinen Lippen zupfen und seine Zunge anschließend beruhigend darüber streichen konnte.
Als ich meine Lippen leicht öffnete, lehnte er sich zurück, grinste mich an und streckte mir die Zunge raus.
Ich brummte meinen Unmut, musste mir jedoch ein Lächeln verkneifen.
"Das war die Strafe." erklärte er, wurde dann jedoch wieder ernst.
Er griff auf den Nachttisch und reichte mir schließlich das Glas, welches er dort abgestellt hatte.
"Trink das." wies er mich an.
Ich verzog leicht mein Gesicht, wusste ich doch, dass es nicht nur Wasser war, in dem Glas, sondern auch übelschmeckende Schmerztropfen. Seufzend leistete ich jedoch seiner Aufforderung folge und leerte das Glas.
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Wir saßen gemeinsam auf dem Balkon, natürlich waren die Gläser von gestern Abend längst verschwunden, und frühstückten gemütlich.
Die Mädchen waren vor einer halben Stunde noch immer vollkommen verschlafen aussehend zu uns gestoßen und nun alberten wir herum, genossen die Ruhe, die uns umgab und versuchten, die dunklen Schatten, die uns letzte Nacht heimgesucht hatten, zu verdrängen.
Es war wunderbar.
"Und dann hat er mir hinterher gesehen und Joy gefragt, ob sie ihm die Telefonnummer geben würde." beendete Moe gerade ihre Erzählung von dem süßen Hotelpagen, der sich in sie verguckt hatte.
"Hab ich natürlich nicht!" erklärte Joy und grinste schief.
"Das will ich ja wohl auch hoffen. Solange ihr noch in unserem Haus lebt, sind Jungs für euch tabu." erwiderte ich entschlossen und erntete dafür einen belustigten Blick von meiner Frau und einen vollkommen empörten Blick von unseren Töchtern.
"Dad!" rief Joy auf und runzelte die Stirn.
"Na ist doch wahr. Jungs sind hinterhältig und besessen und ..." Ich stockte als Moe entsetzt schnaubte.
"Du warst auch mal ein Junge, Dad." belehrte sie mich.
Ich nickte.
"Aber ich war anders. Ich mochte die Mädchen. Ich hätte sie niemals verletzt. Ich wollte sie beschützen." gab ich zurück.
Dieses Mal schnaubte Dana und auch die Mädchen begannen zu kichern.
"Was?" Irritiert sah ich meine Frauen an.
"Ach, ich musste nur gerade an gewisse Videos denken, die ich vor vielen Jahren im Videorekorder entdeckte. Ich bin mir nicht sicher, ob die Männer in diesen Filmen auch nur daran dachten, die Frauen zu beschützen." schmunzelte Dana.
Ich beschloss, dass das der Moment war, in dem ich verlegen lächeln und auf meinen Teller sehen sollte.
"Was sind das für Videos, von denen ihr da dauernd redet?" Moes Stimme klang neugierig.
Ich räusperte mich, bevor Dana etwas sagen konnte.
"Nun gut, sagen wir, Jungs sind tabu, solange ihr noch zur Highschool geht." versuchte ich zu retten, was noch zu retten war.
"Dad, nun mach dir doch keine Sorgen. Ich finde Jungs nur interessant, weil sie nicht immer über die neusten Frisuren oder Schminktipps reden, so wie die Mädchen in unserem Alter. Das ist doch ätzend." Moe blickte mich beruhigend an und Joy nickte nachdrücklich.
"Na, wenn es nur das ist. Dann könnt ihr euch meinetwegen mit Jungs treffen." grinste ich und die Mädchen lachten laut auf, während sie aufstanden und den Balkon verließen. Nachdenklich blickte ich ihnen nach.
"Es ist verdammt schwer, wenn die Töchter größer werden, nicht wahr Fox?" riss mich Danas Stimme aus meinen Gedanken.
Mein Kopf flog herum und ich sah in ihre leuchtenden Augen.
"Können wir ihnen nicht einfach was spritzen, damit sie für immer klein bleiben?" wollte ich gequält wissen.
Ein Lachen war Belohnung für diese Frage und ich stimmte mit ein. Sie hatte mich durchschaut, wusste, dass ich nur gescherzt hatte, dass ich unseren Mädchen niemals verbieten würde, einen Freund zu haben. Und doch, der Gedanke, dass eine von ihnen, oder sogar beide, irgendwann ihre Freunde mit nach Hause bringen würde, verursachte eine seltsames Gefühl in meiner Magengegend.
Dana erhob sich und kam auf mich zu.
"Das ist wohl das, was jeder Vater durchmacht, wenn er erkennt, dass die Töchter langsam erwachsen werden, und es in absehbarer Zeit einen anderen Mann in ihrem Leben geben wird. Man nennt das Eifersucht." Sie zog meinen Kopf an ihren Bauch und hielt ihn dort einen Moment.
"Du machst dich über mich lustig. Dabei ist die Situation wirklich ernst. Woher soll ich wissen, dass dieser Junge ihnen nicht weh tut?" brummte ich gespielt verletzt.
"Das sind Erfahrungen, die jedes Mädchen selber machen muss, und immerhin hast du noch eine Waffe in der Nachtschrankschublade. Das kann nicht jeder Vater von sich behaupten." Ihre Stimme war mild, jedoch konnte ich immer noch Belustigung in ihr erkennen.
"Allerdings. Und ich kann damit umgehen. Immerhin habe ich auf dem Schießstand immer genau getroffen. Jeder Retikulaner hätte Angst vor mir gehabt." Ich blickte zu ihr auf, mir vollkommen darüber im Klaren, dass sie den Schalk in meinen Augen erkennen würde. Und ich sah ihn auch in ihren Augen.
Langsam beugte sie sich zu mir hinunter und drückte mir einen sanften Kuss auf die Lippen.
Ich seufzte.
Wie ich das vermisst hatte.
Ein lautes Klopfen an der Tür des Hotelzimmers ließ uns auseinander fahren. Erstaunt sah ich Dana an, doch sie zuckte ebenfalls die Achseln.
Rasch ging sie durch das Wohnzimmer und öffnete die Tür.
"Director Skinner?" Erstaunen klang in ihrer Stimme.
Ich seufzte erneut und sah unserem früheren Vorgesetzten entgegen, der nun von meiner Frau begleitet auf den Balkon trat.
"Mulder." Er trat auf mich zu und hielt mir seine Hand hin.
Ich nahm sie und schüttelte sie zum Gruß.
"Sir. Was verschafft uns die Ehre? Und das an einem Sonntag." erkundigte ich mich, während er sich einen Stuhl zurück zog und sich darauf nieder ließ.
Auch Dana setzte sich wieder.
"Ich wollte sehen, wie es Dana geht." antwortete Skinner und blickte meine Frau aufmerksam an.
"Es geht mir gut, danke." Dana blickte ihn offen an. Sie benutzte ihre Standartantwort, die, von der sie wusste, dass ich allergisch darauf reagierte. Selbst Skinner quittierte sie mit einem Stirnrunzeln.
"Sicher." Er nickte, hatte offenbar trotz allem keine andere Erwiderung erwartet.
Verlegen blickte er einen Moment auf seine Hände, ehe er mich wieder anblickte.
"Mulder, war es Ihnen möglich, ein Profil der Täter zu erstellen?" wollte er wissen.
Ich sah ihn erstaunt an und schüttelte schließlich den Kopf.
"Nein, Sir. Es geht nicht. Es sind zu viele, und so wie ich das sehe ist der Teufel persönlich ihr Anführer. Da müsste ich schon ein Profil vom Teufel erstellen." sagte ich nach einem Moment. Mein Blick wanderte besorgt zu Dana hinüber, doch ich konnte sehen, dass sie ganz ruhig war. Zu ruhig, wenn ich ehrlich sein sollte. Sie wirkte distanziert, emotional nicht beteiligt. Ich seufzte, nun schon zum dritten Mal in den letzten Minuten.
Skinner nickte nachdenklich.
"Wir haben eine weitere Durchsuchung des Gefängnisses vorgenommen, vor zwei Tagen. Dabei fanden wir einige Bücher, die sich offenbar mit dem Thema ritueller Handlungen beschäftigen. Außerdem gibt es im Keller einen Raum, der sich für die Art von Zeremonie, die Sie sich vorstellen wohl sehr gut eignen würde. Ich habe einige Fotos mitgebracht und wäre Ihnen dankbar, wenn Sie sie ansehen würden." eröffnete er.
Ich sog zischend meine Luft in die Lungen, doch Dana nickte stumm und nahm die Bilder von Skinner entgegen.
Mit einem raschen Griff zog ich ihr die Fotos aus der Hand und blickte sie durchdringend an.
Wir brauchten nichts zu sagen, sie wusste, dass ich es nicht zulassen würde, dass sie sich die Bilder ansah, und sie akzeptierte es.
Schließlich senkte ich meinen Blick, betrachtete aufmerksam die Fotos, die von unseren Männern, vielleicht auch von Skinner persönlich, gemacht worden waren. Auf jeden Fall hatte Skinner mit seiner Einschätzung recht. Dieser Raum war eindeutig für rituelle Handlungen genutzt worden. Ich vermutete dass das der Ort war, an dem die drei Frauen gestorben waren, in dem auch Dana gestorben wäre, wenn wir nur wenige Tage später gehandelt und die Befreiungsaktion gestartet hätten.
Ich schluckte.
"Und, was denken Sie, Mulder?" drang Skinners Stimme an mein Ohr.
Nur langsam schaffte ich es, meinen Blick zu heben und ihn anzusehen.
"Sie hatten recht. Es handelt sich um einen Raum, in dem Zeremonien abgehalten werden. Ich nehme an, die drei Opfer wurden hier getötet." sprach ich aus, was ich dachte.
"Vier Opfer." Skinner blickte verlegen auf seine Hände, die unruhig über die Tischplatte strichen.
"Vier?" Danas Stimme klang beinahe schrill. Skinner nickte in einer knappen Bewegung.
"Seit wann gibt es ein viertes Opfer?" erkundigte ich mich, während ich Dana einen Blick zu warf. Sie rutschte unruhig auf ihrem Stuhl herum.
"Die Frau wurde am Sonntag, dem 27. August tot aufgefunden. Laut gerichtsmedizinischem Gutachten handelt es sich bei diesem Datum auch um ihren Todestag. Der Pathologe konnte feststellen, dass ihr das Herz entfernt wurde und statt dessen Schlangen in ihrem Körper waren. Auch das Blut fehlte ihr." gestand unser ehemaliger Vorgesetzter.
"Wer war sie?" fragte Dana mir belegter Stimme.
Skinner seufzte und sah abwechselnd von mir zu Dana und wieder auf seine Finger.
"Es handelt sich um Cindy Dewlin." Seine Stimme klang ein wenig rau.
Ich beobachtete wie Dana mit einem trockenen Schlucken ihre Augen schloss, ihren Schmerz hinter den Augenlidern versteckte, damit niemand ihn sehen konnte.
Als sie sie wieder öffnete, war ihr Blick emotionslos. Ich atmete tief ein, sagte jedoch nichts.
Mein Blick fiel erneut auf die Fotos, die ich noch immer in den Händen hielt. Skinner schien dies gesehen zu haben, denn er wandte sich mir zu.
"Woraus schließen Sie, dass die Frauen dort getötet wurden?" erkundigte er sich.
"Sehen Sie hier?" Ich beugte mich zu ihm hinüber, hielt ihm das Bild hin. "Das hier sind Holzschalen. Ich vermute, dass sie das Blut darin gesammelt haben."
Skinner kniff die Augen ein wenig zusammen, um die kleinen Gegenstände, auf die ich zeigte, erkennen zu können.
"Und hier. Das ist eindeutig ein Pentagramm. Es sieht so aus, als wenn es in den Boden geritzt und anschließend mit schwarzer Farbe ausgemalt worden ist. In der Mitte befindet sich ein Loch. Haben Sie es sich angesehen?" Ich deutete auf eine große Zeichnung, die mir auf einem der anderen Fotos aufgefallen war.
"Ja, habe ich. Es ist tatsächlich ein Loch. Etwa sechzig Zentimeter im Durchmesser und genauso tief." erwiderte er. Ich nickte. Mir waren die genauen Maße sofort klar.
"Es ist sechsundsechzig Komma sechs Zentimeter tief und hat den gleichen Durchmesser." ließ Dana sich vernehmen. Mein Kopf schoss erstaunt noch oben, mein Blick hielt ihren fest.
"Nicht wahr?" wollte sie von mir die Bestätigung. Ich nickte zögerlich.
"Zumindest vermute ich das." murmelte ich.
"Hat diese Zahl eine Bedeutung?" lenkte Skinner meine Aufmerksamkeit wieder auf sich.
"Die Zahl 666 ist die Zahl Satans." erklärte ich und betrachtete ein weiteres Mal das Foto.
"Was ist mit dem Pentagramm? Ist es tatsächlich schwarze Farbe?" Erneut deutete ich auf das Zeichen. Skinner blickte mich nur an, antwortete jedoch nicht. Schließlich dämmerte es mir.
"Es ist Blut, nicht wahr? Aber nicht das Blut der Frauen, den das benötigen sie noch für etwas anderes. Es ist Tierblut. Von einer Ziege oder einigen Hühnern, nehme ich an. Das sind die üblichen Opfertiere." sprach ich meine Vermutung aus.
"Hühner." bestätigte Skinner und nickte.
"Sir, für die weiteren Ermittlungen schlage ich vor, dass Sie die Personalakten durchsehen. Sie sollten sich auf die Schulbildung der Mitarbeiter konzentrieren. Die Männer, die mir das angetan haben, haben kurz zuvor ein Ritual abgehalten. Ich konnte eine Art Sprechgesang vernehmen, in Latein. Das bedeutet, sie müssen zumindest geringe Kenntnisse über die Sprache haben. Vielleicht haben sie sie in der Schule gelernt." schaltete sich Dana wieder ein.
Unser beider Köpfe, sowohl von Skinner als auch von mir wandten sich Dana zu, die uns jedoch offen und ohne eine Spur von Unbehagen anblickte. Sie machte ernst. Sie wollte an den Ermittlungen beteiligt sein, wenn sie auch meine unausgesprochene Bitte, sich die Fotos nicht anzusehen, respektierte und ihr nachkam.
"Ich werde das in die Wege leiten." meinte der Assistent Director.
"Außerdem sollten Sie in Erfahrung bringen, wer von dem Mitarbeitern in dem Gefängnis Kontakte nach Bengalen, Burma, Thailand oder dem östlichen Himalaya hat. Irgendjemand muss die Schlangen besorgt haben. Ich werde mal sehen, wie viele Tierhandlungen es gibt, die diese Art von Schlangen anbieten." teilte sie uns ihre weiteren Überlegungen mit.
Ich sah, wie Skinners Augen sich zu zwei Schlitzen verengten als er meine Frau betrachtete. Nun, er war es definitiv nicht gewohnt, von seinen Untergebenen gesagt zu bekommen, wie er in seinen Ermittlungen vorgehen sollte. Sicher, ich hatte es zu meiner Zeit beim FBI das eine oder andere Mal getan, aber ich war auch schon lange nicht mehr da, und Dana überraschte nicht nur Skinner, sondern auch mich mit ihren Anweisungen.
Dennoch nickte Skinner.
"Ich werde für Morgen alles nötige in die Wege leiten. Melden Sie sich bei mir, wenn Sie irgendwelche Erkenntnisse haben." Er erhob sich.
Ich tat es ihm gleich, sah zu, wie er Dana die Hand reichte und sich schließlich zum Gehen wandte.
Erst als wir im Wohnzimmer an der Tür standen hielt er inne und drehte sich noch einmal zu mir um.
Gut, ich hatte noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen.
"Halten Sie es für eine gute Idee, dass Dana den Fall noch weiter verfolgt?" erkundigte er sich bei mir. Wieder entwich mir ein Seufzen und ich schüttelte den Kopf.
"Nein. Aber sie lässt sich nicht davon abbringen. Ihr Dickkopf ist noch größer als meiner." erwiderte ich.
Skinner zog eine Augenbraue hoch, sagte jedoch nichts mehr.
Er langte nach dem Türgriff.
"Sir?" Erstaunt sah er mich noch einmal an.
"Warum haben Sie es mir nicht gesagt?" wollte ich wissen.
Verwirrung zeichnete sich auf dem Gesicht des Assistent Directors ab und ich konnte die Frage in seinem Gesicht lesen, beinahe als wenn er sie auf ein Blatt Papier geschrieben hätte.
"Was die Dana angetan haben, am dritten und am siebten Tag." erklärte ich meine Frage.
Er schluckte.
"Wie geht es ihr?" wich er mir aus.
"Sie hat starke Schmerzen." Das war alles, was er von mir erfahren würde. Alles andere würden Dana und ich alleine schaffen. Ich war mir sicher, dass sie es nicht gewollt hätte, dass Skinner von ihren Alpträumen erfuhr, und davon, dass sie sich letzte Nacht die Wunden in ihrer Panik aufgerissen hatte.
Skinner nickte leicht.
"Also, warum nicht?" startete ich einen neuen Versuch.
"Weil Sie daran zerbrochen wären. Sie wären Dana keine Hilfe mehr gewesen. Seien Sie klug, Mulder, sehen Sie sich die Bänder nicht an. Es wird Sie umbringen, es zu sehen." antwortete er ehrlich.
Ich schluckte trocken und nickte schließlich.
"Ich melde mich, sobald ich etwas herausgefunden habe." verabschiedete Skinner sich und verließ unser Hotelzimmer.
Als ich wieder auf den Balkon trat, sah ich Dana hinunter auf den Park starren. Sie lehnte locker an der Brüstung des Balkons und schien mich nicht zu bemerken.
Langsam trat ich auf sie zu und legte ihr meine Arme von hinten um ihren schlanken Körper. Erschrocken zuckte sie zusammen, was mich dazu veranlasste, einen Schritt zurück zu tun und sie wieder los zu lassen.
"Entschuldigung." murmelte ich und sie drehte sich zu mir um.
"Nein, bitte. Du musst dich nicht entschuldigen. Ich hatte nur nicht damit gerechnet." Sie sah verlegen zu Boden, trat jedoch einen Schritt auf mich zu und drückte sich an meine Brust.
Sanft schlang ich meine Arme wieder um sie und hielt sie fest. Ich wusste, sie war mit ihren Gedanken offenbar in dieser Zelle gewesen, hatte bei meiner Berührung gedacht, es wären diese Männer, die sie verletzen wollten.
Vermutlich würde noch viel Zeit vergehen, ehe sie nicht mehr bei jeder Berührung zusammen zuckte und bei jedem Geräusch erschrak. Ich konnte nur hoffen, dass es sich überhaupt wieder legen würde.
"Sie ist tot, weil ich noch lebe, Fox." vernahm ich ihre leise Stimme. Ihr Gesicht war immer noch an meine Brust gedrückt.
"Sie brauchten ein Opfer, an Neumond." bestätigte ich.
Langsam hob sie ihren Kopf und sah mich an. Ihre Wangen waren feucht von Tränen.
"Sie musste sterben, weil Skinner mich gerettet hat." Verzweiflung lag in ihrer Stimme. Ich nahm ihr Gesicht in beide Hände und strich ihre Tränen mit meinen Daumen von ihrem Wangen.
"Dana, mach dir keine Vorwürfe. Du kannst nichts dafür, nur die Männer, die diese Frau getötet haben, die dich gequält haben, die können etwas dafür." sagte ich sanft.
"Aber ich hätte an ihrer Stelle sein müssen." beharrte meine Frau.
Entschieden schüttelte ich den Kopf.
"Denk so etwas nicht einmal. Was meinst du, hätten wir ohne dich machen sollen?" versuchte ich sie zu überzeugen. Es war die gleiche Situation, wie bei einem Zugunglück, bei dem ein Mensch überlebt, während alle anderen gestorben waren. Die Schuld des Überlebenden. Dabei konnte sie nichts dafür.
"Warum haben sie ausgerechnet sie getötet?" drang ihre Stimme in meine Gedanken.
"Sie hätte den Wärter, der dich aus deiner Zelle gebracht und das erste Mal an dem Bett fixiert hatte, belasten können. So haben sie zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Sie haben ein Opfer gebraucht, und sie haben eine unliebsame Zeugin ausgeschaltet." erklärte ich.
Dana nickte und seufzte, während sie ihren Kopf wieder gegen meine Brust sinken ließ.
Ich ahnte, dass es noch nicht ausgestanden war, doch schien es fürs erste in Ordnung zu sein.
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Moe und ich entschieden, dass es Moms Tag werden sollte. Sie sollte entscheiden, was wir taten.
Ein leichtes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht, als Moe ihr dies sagte, ich nickte bestätigend.
"Nun, wenn das so ist, was haltet ihr davon, wenn Fox und ich euch zeigen, wo wir früher gewohnt haben?" wollte Mom wissen.
Meine Augen weiteten sich und ich grinste breit.
"Cool!" Moe war offenbar ebenfalls begeistert.
Dad lächelte Mom zu und drückte ihr einen leichten Kuss auf die Wange.
Eine dreiviertel Stunde später hielt er den Wagen vor einem großen, schon älter aussehenden Haus.
Ich legte meinen Kopf in den Nacken und sah an der Fassade hinauf.
"Das ist das Haus, in dem Dana gelebt hat. Nun ja, die letzten Jahre habe ich eigentlich auch hier gewohnt. Nur manchmal nicht." erklärte Dad.
"Ja, immer wenn du mich abgehängt hast, dann hast du nicht hier gewohnt." Mom lächelte Dad wissend an.
"Ich habe dich niemals abgehängt." erklärte Dad überzeugt.
"Sicher. Dann habe ich den Zettel, wo du mir aufgeschrieben hast, dass du zu den Bermudas fliegst, wohl ganz aus versehen in dem Kamin geworfen." entgegnete Mom trocken.
"Das nehme ich an." Dad nickte nachdrücklich.
"Was war in den Bermudas?" Moe sah neugierig von einem zum anderen.
"Euer Vater ist der Meinung, dass dort ein Schiff aufgetaucht ist, welches zum Kriegsende dort sank. Er behauptet steif und fest, auf diesem Schiff gewesen zu sein, und zwar 1939." Mom grinste leicht und verdrehte die Augen.
"Und du warst auch da. Mit Thors Hammer." bestätigte Dad.
"Da hört ihr es. Er spinnt. Und er hat mich abgehängt. Ich musste mich damals in Schadensbegrenzung üben, wie immer, weil Fox in einen furchtbaren Sturm geraten ist, bei dem sein kleines Boot gesunken ist. Ich habe ihn zusammen mit den drei Freaks halb tot aus dem Wasser gefischt." rückte Mom die Tatsachen zurecht.
"Wer sind denn die drei Freaks?" Ich zog irritiert eine Augenbraue hoch.
Ein Strahlen erhellte Dad’s Gesicht und Mom seufzte resigniert.
"Wir werden zu ihnen fahren, nachdem wir an dem Haus waren, in dem Fox lebte." sagte sie und blickte Dad beruhigend an.
"Sie werden sich freuen, dich wieder zu sehen." überlegte sie laut.
"Wieso? Kenne ich die?" wollte ich wissen.
"Nein, du kennst sie nicht, aber sie kennen dich. Außerdem sind sie nicht ganz unschuldig, dass wir überhaupt noch leben." mischte Dad sich ein.
Offenbar spielte er auf die Zeit an, als ich gerade geboren war. Mir war immer noch nicht ganz klar, was damals geschehen war, aber ich wusste, es war für Mom und Dad eine schwere Zeit.
Tatsächlich hielten wir etwa eine Stunde später, wir hatten auch den Ort angesehen, an dem Dad all die Jahre gelebt hatte, vor einem großen Haus.
Dad sprang aus dem Wagen, er machte den Eindruck, als wenn er ein wenig aufgeregt wäre, und wir folgten ihm.
Als wir vor einer schweren Metalltür standen, sah Mom zu Dad hinauf. Eine ihrer Augenbrauen war hochgezogen.
"Wann hast du sie das letzte Mal gesehen?" erkundigte sie sich. Dad zuckte die Achseln.
"Vor ungefähr sechs Jahren." überlegte er laut.
"So lange ist es schon her?" Mom wirkte erstaunt.
"Ich glaube es, ja. Wir waren zu Maggies Geburtstag für einige Tage hier, kannst du dich noch erinnern?" Dad hob seine Hand und klopfte laut an die Tür, während Mom nickte.
Eine Weile schien es, als wenn sich auf der anderen Seite der Tür gar nichts regen würde, und ich begann unruhig von einem Fuß auf den anderen zu treten. Mom und Dad blieben jedoch vollkommen ruhig, starrten auf die Tür und warteten.
Schließlich vernahm ich ein Klacken, als wenn eine Kette zurück geschoben würde. Dann noch eins und dann hörte es sich so an, als wenn verschiedene Schlösser geöffnet wurden.
Verwirrt zog ich meine Stirn kraus und sah Moe an. Diese zuckte jedoch mit den Achseln, wusste offenbar auch nicht, was das zu bedeuten hatte.
Als die Tür von innen geöffnet wurde, blickte uns ein kleiner Mann skeptisch an. Sein Blick wanderte von mir zu Moe und blieb schließlich erst an Mom und anschließend an Dad hängen. Erstaunt riss er die Augen auf und ein Strahlen erhellte das Gesicht.
"Mulder! Scully! Himmel, was führt euch denn hier her?" rief er laut und warf sich in Moms Arme.
Dad warf ihr einen wissenden Blick zu.
"Hey Frohike!" grüßte sie, machte jedoch keine Anstalten die Umarmung zu erwidern.
Verlegen zog der Mann sich zurück und wandte sich nun Dad zu.
"Mulder! Verdammt, das ist nicht fair. Du bist jetzt seit dreizehn Jahren verheiratet, arbeitest nicht mehr beim FBI aber du siehst immer noch besser aus als ich. Und das, obwohl ich mindestens einen deiner Filme am Tag schaue." grinste er Dad an und ich wechselte einen wissenden Blick mit Moe.
Schon wieder diese Filme.
"Frohike! Na, wie stehen die Aktien?" Auch Dad grinste.
"Nun, du wirst überrascht sein, was wir herausgefunden haben. Aber kommt doch erst mal rein." Jetzt fiel sein Blick auf Moe und mich.
"Wer sind denn die beiden hübschen Damen?" Er wackelte mit den Augenbrauen.
"Lass diese schmutzigen Gedanken, Melvin. Das sind unsere Töchter." wies Dad ihn zurecht.
"Du machst Witze. Eure Joy kann doch unmöglich bereits so groß sein. Sie wurde doch erst vor wenigen Jahren geboren." Dieser Frohike sah mich erstaunt an.
Ich lächelte leicht.
"Und wie heißt eure zweite Tochter?" Sein Blick wanderte zu Moe hinüber.
"Ich bin Moe." stellte sie sich selber vor.
"Angenehm. Aber jetzt los. Bevor wir hier von einem Spion von *denen* entdeckt werden." Er zerrte uns an den Händen in die Wohnung.
Nun gut. Es war nicht wirklich eine Wohnung.
"Hey, Jungs, seht mal wer hier ist!" Frohike schrie durch das Zimmer.
Zwei Männer, sie hatten bis zu dem Moment scheinbar interessiert vor einem der zahlreichen Computer gesessen, hoben ihren Blick nur leicht.
"Na wer, Frohike? Etwa wieder dieser Mann, der behauptet, von Nessi gefressen worden und ihr anschließend aus dem Hintern gekrochen zu sein?" Das fragte ein Mann, dessen Halbglatze von einem Kranz blonder, dünner Haare umgeben war.
"Langly, du kannst dich offenbar immer noch nicht zusammenreißen." tadelte Dad ihn, grinste jedoch über das ganze Gesicht.
Die Köpfe der beiden Männer flogen bei Dad’s Stimme herum und sie sprangen von ihren Stühlen auf.
"Mulder? Bist du es wirklich? Oder bist du einer von den verdammten Kopfgeldjägern und siehst nur aus wie Mulder?" Der Mann, den Dad Langly genannt hatte, er trug eine verwaschene Jeans, ein Sweat-Shirt und darüber ein T-Shirt mit einem aufgedruckten Alien, nahm Dad in die Arme und klopfte ihm auf den Rücken.
Der andere Mann trat gemessenen Schrittes auf Mom zu und reichte ihr die Hand.
"Dana, schön dich mal wieder zu sehen. Gut siehst du aus." Mom erwiderte die Geste und lächelte den Mann an.
Ich musterte ihn verstohlen.
Er hatte eine ordentliche Frisur und stand vollkommen im Gegensatz zu den beiden anderen Kerlen. Er wirkte gepflegt, trug einen dunkelgrauen Anzug und benahm sich nicht annähernd so chaotisch, wie es Frohike und Langly taten.
Grüßend nickte er Moe und mir zu.
Noch einmal musterte ich Frohike, der Mom eindeutig schmachtende Blicke zuwarf.
Er war wirklich klein, etwa so groß wie Mom. Er trug einen langärmligen Sweater und darüber eine schwarze Lederweste zu einer Jeans. Sein Kopf war schon beinahe kahl, nur noch vereinzelt waren da dunkle Haare. Sein Gesicht wirkte runzlig, ein Dreitagebart zierte sein Kinn und eine viel zu große Brille saß auf seiner Nase.
Auch Langly trug eine viel zu große und unmoderne Hornbrille. Nun trat er einen Schritt von Dad zurück und musterte ihn und anschließend auch Mom.
Erst nach einiger Zeit fiel sein Blick auf Moe und mich.
"Bei den Aliens, ist die kleine Joy groß geworden. Ich weiß noch, wie ich sie während diese Höllenfluges in dem Hubschrauber im Arm hielt." Er strahlte über das ganze Gesicht und reichte mir die Hand. Ich lächelte ein wenig unsicher, denn ich konnte mich beim besten Willen nicht daran erinnern.
Schließlich musterte er Moe und hielt auch ihr die Hand hin.
"Und du bist dann also Moe. Schön dich mal kennen zu lernen, dein Dad hat uns Jahrelang von dir vorgeschwärmt." lächelte er.
Er war mir auf Anhieb Sympathisch, wenn er auch ein wenig extrem war.
Nun war es an dem dritten Mann, Dad die Hand entgegen zu strecken. Er war der einzige, der ihn nicht in den Arm nahm und ihn überschwänglich begrüßte.
"Mulder. Geht es euch gut?" grüßte er und Dad schüttelte mit einem Nicken die angebotene Hand.
"Byers, schön dich zu sehen. Wie laufen die Recherchen?" Dad lächelte.
"Nun kommt aber erst mal richtig rein. Setzt euch doch!" Frohike wies auf ein grünes Sofa, dass bestimmt noch aus der Vorkriegszeit stammte und sicher schon mal bessere Zeiten gesehen hatte.
Mom und Dad sahen sich wissend an und kamen schließlich der Aufforderung nach. Moe sah mich skeptisch an und ich zuckte die Achseln. Schließlich setzte ich mich auf einen der Stühle, während Moe sich neben Dad auf das Sofa setzte.
Neugierig sah ich mich in dem Raum um.
Er war vollgestopft mir Rechnern, Monitoren, den verschiedensten Geräten und Regalen, in denen sich Bücher stapelten, die sich ausnahmslos mit Außerirdischen, Mutanten oder verschiedenen Theorien bezüglich Verschleierungen beschäftigten.
Vor mir auf dem Tisch stand ein Gerät, dass ich von einigen Besuchen beim Arzt her kannte. Ich hatte vor einigen Jahren mal beobachtet, wie die Sprechstundenhilfe das Blut, welches sie mir kurz zuvor abgenommen hatte, in so eine Maschine gestellt hatte. Es war wie in einer Waschmaschinentrommel durchgeschleudert worden.
Was machten diese seltsamen Männer mit einer Zentrifuge? Wofür brauchten sie all diese Dinge.
"Erinnerst du dich noch, dass wir dich vor einigen Wochen nach dem Schimpansen von Michael Jackson fragten?" sprach Langly Dad an.
Ich sah, wie Moms Kopf erstaunt hochschoss und sie Dad mit hochgezogener Augenbraue musterte.
Er sah sie ebenfalls an und zuckte mit einem verlegenen Lächeln die Achseln.
Dann sah er den großen blonden Mann an und nickte.
"Was ist mit ihm?" erkundigte er sich.
"Er ist gar kein Affe." Langly sah Dad ernst an.
"Was ist er dann? Ein Alien?" Dad wirkte milde interessiert.
"Ein Roboter. Von der Regierung eingesetzt, um Jacko auszuspionieren. Wir fanden es heraus, als wir uns auf Michaels Grundstück schlichen und mit Infrarot-Wärmekameras die Umgebung abtasteten. Dieser Schimpanse ist eiskalt." Frohike grinste, als wenn er uns gerade erzählt hätte, er habe mit Jesus gefrühstückt. Ich musste mir ein belustigtes Lächeln verkneifen.
Mom war da nicht so zurückhaltend. Sie lachte kurz auf.
Byers sah sie irritiert an, was sie dazu brachte, eine entschuldigende Geste zu machen.
"Scully, hast du eigentlich gemerkt, dass du vor einigen Monaten über beinahe zwei Wochen von einem Mann verfolgt worden bist?" Langly sah sie neugierig an. Wieso wurde sie eigentlich von allen alten Bekannten mit ihrem Mädchennamen angesprochen?
Ich sah, wie Mom schluckte und ihre Augen sich entsetzt weiteten, während sie den Kopf schüttelte.
"Nein. Wann?" wollte sie mit beinahe schon schriller Stimme wissen. Dad atmete mit einem Zischen die Luft in die Lungen, sein Kopf ruckte zu Langly herum.
"Es war in der Zeit vom 30. April bis zum 13. Mai. Wir entdeckten ihn bei einer Routineüberprüfung. Ein großer, dunkle Haare und einen Haufen Tätowierungen auf den Armen." erklärte Frohike. Offenbar waren diese beiden Jungs die Sprecher der Gruppe. Byers schien eher der ruhigere Vertreter zu sein.
Ich sah, wie Mom leicht zusammenzuckte, doch sie hatte sich sofort wieder in der Gewalt und schüttelte nur leicht den Kopf.
"Seit wann überprüft ihr uns?" fragte sie ohne näher auf die Beschreibung des Mannes einzugehen.
"Seit ihr nach Louisianna gegangen seid. In regelmäßigen Abständen." Die Stimme von Byers klang vollkommen arglos.
Mom warf Dad einen Blick zu, und obwohl sie nichts sagte, wusste ich, dass sie ihn fragte, ob er davon wusste. Doch auch Dad schien dies heute zum ersten Mal zu hören, denn er schüttelte in einer kleinen Bewegung den Kopf und zuckte erneut die Achseln.
"Was ist mit dem Mann geschehen?" wandte Mom sich erneut an die Männer.
"Er scheint das Interesse an dir verloren zu haben. Wir haben ihn seitdem nicht mehr gesehen." Langly sah verlegen zu Boden.
Mom nickte, sagte jedoch nichts mehr.
Einen Moment lang war es still in dem Raum.
"Hey, Mulder, es gibt übrigens einige Neuigkeiten. Wir werden sie auch in der neuesten Ausgabe des >Einsamen Schützen< bringen, aber wenn du willst, dann weihen wir dich schon mal ein." Frohike durchbrach die Stille mit seiner knarrenden Stimme.
"Was für Neuigkeiten, Frohike? Von diesem Mann, der von Nessi gefressen wurde, Langly hatte es eben schon mal erwähnt." Dad klang gelangweilt.
"Nein. Es geht um ein gewisses Artefakt, von dessen Abdruck alleine ungeahnte Kräfte ausgehen, wie dir bekannt sein dürfte." Frohike ignorierte Dads mangelndes Interesse gekonnt.
"Was gibt es da für Neuigkeiten?" Nun, offenbar hatte die Aussage des kleinen Mannes Dads Interesse geweckt. Ich sah, dass er sein Gegenüber aufmerksam ansah.
"Es sind weitere Stücke eines Schiffes aufgetaucht." erklärte Byers mit ruhiger Stimme.
"Wo sind die Stücke her? Wieso eines Schiffes. Es gab nur eins, das lag an der Küste Afrikas im Meer." Dad sah fragend von einem der Männer zum anderen.
"Es gibt noch mindestens fünf weitere Schiffe. Verstreut im ganzen Land. Eins in Minnesota, eins in Main, eins in Utah, eins in Alabama und eins in Montana." erklärte Frohike jetzt.
"Woher wisst ihr das?" Mom sah zweifelnd zu Frohike hoch, der als einziger der ganzen Gruppe noch stand.
"Wir waren an den Ausgrabungsstätten. Die höchsten Tiere der Regierung waren dort." Langly antwortete mit einem breiten Grinsen, offenbar genoss er es, dass er Mom und Dad so aus dem Gleichgewicht brachte.
"Wieso tauchen sie alle jetzt auf? Und alle zur gleichen Zeit?" wollte Mom wissen.
"Ja, das ist das wirklich seltsame. Jedes dieser Schiffe lag direkt im Epizentrum eines Erdbebens, welches jeweils von genau dieser Stelle auszugehen schien, in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli in diesem Jahr." sagte Byers nach einem kurzen Moment des Schweigens, in dem die drei Freaks, wie Mom und Dad sie nannten, wissende Blicke miteinander tauschten.
"Wollt ihr damit sagen, dass in fünf verschiedenen Staaten der USA in einer Nacht zur selben Zeit ein Erdbeben herrschte? Und die Staaten liegen ja noch nicht einmal dicht beieinander." Mom zog eine Augenbraue hoch und musterte erst Langly, dann Byers und zum Schluss Frohike mit einem Blick, der deutlich machte, dass sie die Männer für Verrückt hielt.
Doch diese nickten nur einhellig.
Resigniert seufzte Mom und verdrehte leicht die Augen. Schließlich kreuzte sie die Arme vor der Brust.
"Ach kommt schon, Leute, das ist doch Unsinn. Das ist überhaupt nicht möglich. Und das was ihr gesehen haben wollt, könnten genauso gut Reste von einem Flugzeug sein." hielt sie dagegen.
Ich sah, wie sich Dads Gesicht zu einem Grinsen verzog.
"Scully, wir wissen was wir gesehen haben. Nach allem, was du damals erlebt hast, als ihr noch an den X-Akten gearbeitet habt, wirst du dich noch nicht wirklich weigern, zu glauben. Du warst es doch, die dieses Schiff in Afrika gefunden hat." Langly war aufgestanden und ging nun unruhig vor dem Sofa auf und ab.
"Ja, aber damals musste ich auch glauben, denn sonst wäre Fox gestorben. Ich hatte keine Wahl. Im Nachhinein bin ich mir nicht so sicher, was ich wirklich gesehen habe." protestierte Mom.
Dad grinste immer noch, während Langly einen ungläubigen Seufzer ausstieß.
"Das darf einfach nicht wahr sein. Sie bestreitet, was sie mit eigenen Augen gesehen hat." Er griff sich in seine kurzen, fusseligen Haare und raufte diese.
"Willst du etwa auch bestreiten, dass es eure Tochter wirklich gibt, nur weil es wissenschaftlich vollkommen unmöglich ist, dass sie existiert?" fuhr er fort.
Moms Kopf schoss hoch und sie blinzelte den Mann wütend an.
"Das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun. Lass Joy da raus." fauchte sie.
Ich zuckte innerlich zusammen.
Moe warf mir einen ratlosen Blick zu und ich schaffte es, ihr ein leichtes Achselzucken zur Antwort zu geben.
Nie hatte ich Mom *so* wütend gesehen.
"Okay, okay, es tut mir leid. War ein blöder Vergleich." Langly hielt abwehrend seine Hände vor seinen Körper und drehte sich schließlich zu mir um.
"Entschuldige Joy. Ich wollte dir nicht zu Nahe treten." Er sah mich um Verzeihung bittend an.
Ich nickte. Für mich war es kein Problem gewesen, aber für Mom offensichtlich.
"Kein Problem." murmelte ich.
"Was meint ihr denn, was es mit diesen Schiffen auf sich hat?" riss mich Dads Stimme aus meinen Gedanken.
"Fox, du glaubst doch nicht wirklich, dass es fünf weitere Schiffe gibt?" Mom sah ihn ungläubig an.
"Wieso nicht. Was lässt dich annehmen, dass nur das eine existiert, das du damals gefunden hast?" wollte er wissen.
"Ich habe kein Schiff gefunden. Ich *dachte* ich hätte es, aber ich bin mir heute nicht mehr sicher." erwiderte sie, leicht genervt.
"Also gut, ist ja auch egal. Nehmen wir einmal an, rein hypothetisch, dass es fünf weitere Schiffe gibt, was wollen die von der Regierung damit?" stellte Dad seine Frage anders.
"Nun ja, wenn auf jedem dieser Schiffe genauso ungeheuerliche Dinge stehen, wie auf dem, dass Scully damals...." Byers sah Mom von der Seite her an und überlegte offenbar, wie er seinen Satz formulieren sollte, um sie nicht wieder wütend zu machen "...meinte gefunden zu haben, dann werden sie es in Sicherheit bringen wollen. Vermutlich wollen sie verhindern, dass es an die Öffentlichkeit gerät, denn es würde alles, woran die Menschheit bisher geglaubt hat, als Falsch entlarven. Es könnte zu einer Revolution führen. Besonders die Kirchen, egal von welcher Religion, werden es sicher lieber Geheim halten wollen. Wenn sich heraus stellt, dass es keinen Gott oder Allah oder Buddha oder was weiß ich wen gegeben hat, sondern alles von den kleinen grauen Männchen da oben zu uns gesandt wurde, können die Kirchen dicht machen." Byers sah sich Zustimmung suchend nach den beiden anderen um. Langly nickte nachdrücklich.
Ich musste mir ein Grinsen verkneifen, als ich hörte, wie Mom ein leises >Oh man< murmelte.
Auch Moe musste offenbar über diese Äußerung Lächeln und versuchte verzweifelt, dieses zu verstecken.
"Jedenfalls sind wir dir immer dankbar, wenn du uns mit deinen Tipps zur Seite stehst. Im Aufstellen von Verschwörungstheorien kann man nie genug Meinungen einholen." erklärte Frohike gerade und strahlte Dad an.
Mom hustete leicht, als hätte sie sich verschluckt und warf Dad ein weiteres Mal ihren besonderen Blick zu.
"Seit wann bist du in den Autorenkreis der Schützen aufgenommen worden?" fragte sie schließlich.
"Er ist kein Autor, aber er ist uns immer eine große Hilfe, wenn wir nicht sicher sind. Zwar ist er nicht mehr an der Front, um uns mit Neuigkeiten zu versorgen, doch scheint er immer noch über den siebten Sinn zu verfügen, wenn irgendwo was faul ist." rückte Langly die Tatsachen zurecht.
"Dana, die Jungs haben uns damals das Leben gerettet. Ich bin es ihnen einfach Schuldig, dass ich mich zumindest mental noch ein wenig mit diesen Dingen beschäftige." rechtfertigte Dad sich nach einem Moment. Mom seufzte gequält, sagte jedoch nichts mehr.
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Wir waren noch eine ganze Weile bei den Jungs geblieben. Sie hatten uns noch einige ihrer neuen Verschwörungstheorien aufgetischt, Dana hatte jede mit einem Augenrollen und einem stillen Seufzer zur Kenntnis genommen, die Mädchen hatten sich mit weit aufgerissenen Augen angesehen und beinahe unmerklich die Köpfe geschüttelt.
Zugegeben, einige dieser Theorien waren wirklich ziemlich wild und würden einer genaueren Überprüfung sicher nicht stand halten.
Anschließend waren wir auf einen Jahrmarkt gefahren, der in einem der Parks der Stadt gastierte und hatten Moe und Joy zugesehen, wie sie Riesenrad fuhren und uns von ganz oben zuwinkten.
Und zum Abschluss des Tages hatte Dana sich gewünscht, dass wir zum Strand fuhren, wo die Mädchen mit den Füßen im Wasser nach Muscheln und Steinen suchten und Dana und ich weiter oben gemeinsam im Sand saßen und sie beobachteten.
Dana hatte sich mit einen Seufzer an mich gelehnt und die Augen genüsslich geschlossen, während ihr die Sonne in das Gesicht schien.
"Wie fühlst du dich?" fragte ich leise, ließ meine Lippen durch ihre Haare streifen und genoss es, ihren Körper an meinem zu spüren.
"Ich bin in Ordnung." erwiderte sie und schlang ihre Arme um meinen Leib.
"Ich liebe dich." hatte ich gemurmelt und ihr einen Kuss auf die Schläfe gedrückt.
Sie hatte ihren Kopf ein wenig gedreht, die Augen geöffnet und mir ein Lächeln geschenkt, nachdem sie mir einen liebevollen Kuss auf die Lippen gedrückt hatte.
Ich warf einen Blick auf Danas Gesicht. Der Mond schien genau auf ihre schlanke Gestalt und schien sie streicheln zu wollen.
Sie schlief, doch hatte sie sich vor einiger Zeit auf den Rücken gedreht und ich hatte in den letzten Minuten besorgt beobachtet, dass ihr Schlaf unruhiger wurde. Ich selber fand nicht die nötige Ruhe, um einschlafen zu können. Zu viele Gedanken schossen durch meinen Kopf.
Ob sie im Krankenhaus auch geträumt hatte? Sie hatte nie etwas erwähnt. Und wenn sie geträumt hatte, wer hatte ihr anschließend beim Einschlafen geholfen? Hatte eine Schwester sie beruhigend in die Arme genommen, oder hatte sie lediglich eine Spritze bekommen, die ihr half, wieder ruhiger zu werden?
Ich stand auf und setzte mich neben sie auf die Bettkante. Ihre Augen bewegten sich heftig unter ihren Lidern und sie begann, sich unter der Bettdecke hin und her zu winden, es schien, als wolle sie sie zur Seite schieben, schaffte es jedoch nicht.
Ein leises Seufzen entwich mir, als ich sah, dass sie mit ihrem Rücken über die Matratze schrabbte.
Sanft berührte ich sie an der Schulter, wollte sie wecken, sie halten, damit sie sich wieder beruhigen konnte.
Sie reagierte nicht, wand sich noch heftiger, Schweiß bedeckte ihren Körper und ihr Atem ging rasch.
Noch einmal versuchte ich, sie zu wecken, streichelte über ihre feuchte Wange und rüttelte mit der anderen Hand leicht an ihrem Körper.
Sekunden später saß sie aufrecht im Bett. Ich sah ihre Faust erst aus den Augenwinkeln kommen, als es schon beinahe zu spät war. Mir blieb noch die Möglichkeit, meinen Kopf zu heben, damit sie nicht meine Schläfe, sondern mein Kinn traf.
Der Schlag war nicht stark und nicht gezielt ausgeführt, doch er war nicht der einzige, der auf mich einprasselte.
Dana kämpfte wie eine Löwin, in dem verzweifelten Versuch, sich zu retten, den Männern, die sie quälen wollten zu entkommen.
Ich hielt sie, schlang meine Arme um ihren zitternden Körper und flüsterte leise ihren Namen, in der Hoffnung, dass sie richtig wach werden und erkennen würde, dass sie in Sicherheit war.
Es dauerte einen Moment, bis ihre Schläge nachließen und sie sich erschöpft keuchend an mich lehnte, ihre Arme ebenfalls um meinen Leib schlang und sich an mir festhielt, als hätte sie Angst, dass sie in den Alptraum zurück fallen würde, wenn sie mich losließe.
Ihr Körper bebte unter leisen Schluchzern, die sie ausstieß und ich wiegte sie sanft hin und her.
"Sscht, es ist gut. Du bist in Sicherheit." hörte ich mich selber flüstern. Eine Hand wanderte zu ihrem Kopf, strich ihr behutsam über die Haare.
Langsam beruhigte sie sich und ich löste sich ein wenig von mir. Ohne etwas zu sagen, kletterte ich vorsichtig über sie hinweg auf meine Seite des Bettes, legte mich hin und zog sie auf meine Brust.
"Da waren Schlangen." nuschelte sie undeutlich und ich strich ihr beruhigend durch ihr Haar.
"Du hast geträumt." erwiderte ich, doch sie schüttelte leicht den Kopf.
"Nein. Sie hatten alle Schlangen." beharrte sie.
"Dana, da waren keine Schlangen. Du hast offenbar die Erinnerungen miteinander vermischt. Nur die Leichen hatten Schlangen im Körper, aber bei dir waren keine Schlangen." erklärte ich ihr geduldig. Sie seufzte und legte eine Hand auf meiner Brust ab.
"Doch, sie waren da. Aber es waren keine echten. Es scheint, als wenn mir da die Erinnerungen fehlen, aber ich habe das Gefühl, als wenn es wichtig ist." sprach sie mit leiser Stimme.
"Bist du sicher?" fragte ich leise und streichelte ihre Wange mit meinem Zeigefinger.
"Ziemlich." murmelte sie und ich spürte, wie sie nickte.
"Dann sollten wir einen Weg finden, wie du dich erinnerst." überlegte ich.
"Du denkst an Hypnose, nicht wahr?" Sie hob ihren Kopf und blickte mich durch das milchige Licht des Mondes hindurch an. Ich zuckte die Achseln.
"Es ist die einfachste Methode." meinte ich und sie seufzte leise, nickte jedoch.
~*~*~*~*
"Ja, danke Maggie. Das ist wirklich großartig!" sprach ich in den Hörer und lächelte.
Einen Moment schwieg ich, während ich darauf lauschte, was Danas Mutter antwortete.
"Super, ich werde es den Mädchen sofort sagen. Wann kannst du hier sein?" meinte ich schließlich.
"Das ist ja spitze. Dann bis gleich." Ich legte auf und drehte mich zu Dana um, die mit einer hochgezogenen Augenbraue in der Tür stand und mich ansah.
"Was wollte Mom?" erkundigte sie sich.
"Genaugenommen wollte ich etwas von ihr, aber das werden wir Joy und Moe nicht verraten." Ich lächelte und trat auf Dana zu. Sanft zog ich sie in meine Arme und küsste sie auf ihre Haare.
Sie sah schlecht aus. Die Nacht hatte nicht mehr viel Schlaf gebracht, Dana hatte sich stundenlang unruhig im Bett hin und her gedreht, ehe sie endlich morgens um vier wieder einschlief. Erst als ich ihre gleichmäßigen Atemzüge vernahm, gestattete ich es mir, ebenfalls in einen sanften Schlummer abzudriften.
"Und, was wolltest du also von Mom?" holte mich ihre Stimme zurück in die Gegenwart.
"Ich habe sie gebeten, die Mädchen für die nächsten zwei Tage zu sich einzuladen. Sie war sofort einverstanden." erklärte ich kurz.
"Warum? Was hast du vor?" wollte sie wissen und trat einen Schritt zurück.
"Ich habe einen Termin für dich ausgemacht, bei einem Arzt, wo wir vor einigen Jahren schon einmal waren. Erinnerst du dich, nachdem du auf dieser Brücke warst?" Dana schluckte trocken.
"Wann habe ich den Termin?" fragte sie mit leicht zitternder Stimme und ich streckte meine Hand aus um ihre Wange zu streicheln.
"Heute Mittag, um kurz nach zwölf." antwortete ich.
"Wirst du mich begleiten?" hörte ich sie mit leiser Stimme fragen. Ich trat auf sie zu und drückte meine Lippen auf ihre Stirn, meine Arme lagen locker um ihre Taille.
"Wenn du es möchtest, sicher. Ich werde dich nicht alleine lassen, wenn du es nicht willst." murmelte ich und sie schlang ihre Arme dankbar um meinen Körper.
Die Mädchen waren ganz begeistert, zwei Tage mit ihrer Großmutter zu verbringen, obwohl auch etwas unsicher gegenüber Dana, da sie gerade erst wieder da war.
Doch Dana versicherte Moe und Joy, dass es vollkommen in Ordnung war, wenn sie etwas mit Maggie unternahmen, und so packten die beiden einige Sachen zusammen und fuhren beruhigt mit Maggie mit, als diese kam, um sie abzuholen.
Dana zögerte kurz, bevor sie die Tür zu der Praxis öffnete, in der uns der Mann, der sie in Hypnose versetzen wollte, bereits erwartete.
Sanft legte ich ihr eine Hand auf den Oberarm, was sie dazu veranlasste, sich herum zu drehen.
"Bist du bereit?" fragte ich sanft und sah, wie sie ihre Lippen zu einem schmalen Strich zusammen presste.
Schließlich nickte sie, doch als sie sich umdrehen und die Praxis betreten wollte, hielt ich sie erneut zurück und drehte sie ganz zu mir herum.
"Schatz, du musst das nicht tun. Und schon gar nicht für mich. Ich dachte nur, dass ich dir helfen könnte, diese Erlebnisse besser zu verarbeiten, mit deinen Erinnerungen besser umzugehen. Wenn du nicht willst, dann werden wir umdrehen und ins Hotel zurück fahren. Oder wo auch immer du hin möchtest." sagte ich eindringlich.
"Nein, ich will es. Ich muss wissen, was es mit diesen Schlangen auf sich hat. Und ich muss meine Angst besiegen. Die Panikattacken in geschlossenen Räumen werden immer stärker. Sogar in unserem Badezimmer hatte ich heute morgen einen solchen Anfall." Sie starrte auf meine Brust, nicht in der Lage, mir in die Augen zu sehen.
Mit einem Zischen atmete ich ein. Davon wusste ich gar nichts.
Vorsichtig legte ich zwei Finger unter ihr Kinn und hob ihren Kopf an, so dass sie mich ansehen musste.
"Warum hast du mir nichts davon erzählt?" wollte ich wissen, sah sie durchdringend an.
Sie zuckte die Achseln und seufzte.
"Lass uns rein gehen, dann habe ich es bald hinter mir." murmelte sie und drehte sich wieder um.
Zehn Minuten später saßen Dana und ich auf einer gemütlichen Couch. Der Psychologe, der Dana hypnotisieren wollte, war ein Mann Mitte vierzig mit adrett geschnittenen blonden Haaren.
"Ich weiß, Sie hatten einen Termin bei meinem Kollegen ausgemacht, aber der ist leider voll. Die Sekretärin hatte sich leider in der Spalte vertan. Ich hoffe, Sie nehmen auch mit mir vorlieb. Ich kann Ihnen versichern, ich verstehe mein Handwerk." sagte er und legte Danas Beine auf einen weichen Hocker.
Unruhig warf mir meine Frau einen Blick zu.
"Entspannen Sie sich, Mrs. Mulder. Ich möchte mich erst einmal mit Ihnen unterhalten, bevor wir beginnen. Es wäre sehr gut, wenn Sie mir kurz schildern würden, was Sie dazu brachte, zu mir zu kommen. So bin ich in der Lage, gleich besser auf Sie einzugehen." Der Mann war nicht schlecht, er hatte Danas Unruhe sofort bemerkt.
Ich sah, wie Dana sich leicht die Lippen befeuchtete und ihre Hände unruhig in ihrem Schoß knetete. Das Verlangen, sie beschützend in den Arm zu nehmen, und ihr zu sagen, alles wäre nur ein schlechter Traum gewesen, wuchs in mir, doch wusste ich, die Narben, die sie davon getragen hatte, würden mich lügen strafen.
"Ich habe Undercover für das FBI ermittelt, in einem Gefängnis. Einige Männer..." Sie stockte, warf mir einen Blick zu und atmete auf mein aufmunterndes Lächeln hin tief durch ehe sie fortfuhr, zu erzählen. "...einige Mitarbeiter in dem Gefängnis haben mich fast zwei Wochen lang in Einzelhaft gehalten und mich dort gefoltert."
Dr. Smith blickte mit aufgerissenen Augen von Dana zu mir und wieder zurück.
"Erinnern Sie sich an das, was die Ihnen angetan haben?" erkundigte er sich.
Ein kleines, kaum wahrnehmbares Nicken war die Antwort. "An das Meiste davon, ja."
"Was erwarten Sie dann von der Therapie hier?" wollte er wissen.
"Ich erinnere mich an Schlangen, kann sie jedoch nicht einordnen. Mein Gefühl sagt mir, dass es wichtig sein könnte, um die Männer zu überführen, die mir das angetan haben. Und ich habe Panikattacken in geschlossenen Räumen." erklärte Dana mit leiser Stimme.
Unser Gegenüber nickte.
"Wollen Sie, dass Ihr Mann hier bleibt, während Sie unter Hypnose stehen, oder wäre es Ihnen lieber, wenn er draußen auf Sie wartet?" Der Mann sprach sehr einfühlsam mit Dana und ich konnte sehen, dass sie langsam ruhiger wurde.
"Er soll bleiben. Ich ..." Wieder stockte sie und sah mich flehend an. "...ich brauche ihn, bitte."
"Ich werde hier sein. Ich gehe nicht weg. Keine Angst." Ich langte nach ihrer Hand und drückte sie leicht.
"Danke." flüsterte sie.
"Also gut. Mr. Mulder würden Sie Ihre Frau bitte los lassen?" begann der Mann und ich tat worum er mich bat.
"Mrs. Mulder, ich möchte, dass Sie Ihren Kopf hinten an der Lehne ablegen. Entspannen Sie sich, atmen Sie ruhig und gleichmäßig. Ihre Hände in ihrem Schoß sind locker, nicht verkrampft, Ihre Schultern sind ebenfalls locker." Die Stimme des Mannes war ruhig und sanft.
Ich sah, wie Dana seinen Anweisungen folge leistete, sie immer entspannter wurde.
Auch die nächsten Anweisungen befolgte sie und kurze Zeit später war sie zurück in der Zelle, an das Bett gefesselt, ihr Körper schmerzte.
"Mrs. Mulder, was fühlen Sie jetzt?" wollte Dr. Smith wissen.
"Ich habe Angst. Und mir ist kalt. Mein Kopf tut weh, und mein Leib auch." erklärte sie mit leiser Stimme.
"Können Sie beschreiben, wovor sie Angst haben?" drang die beruhigende Stimme des Psychologen wieder an mein Ohr.
"Ich fürchte, dass einer der Männer wieder kommt und mich schlägt. Dass er mich verletzt, dass ich noch mehr Schmerzen erleiden muss." antwortete sie.
"Fürchten Sie um Ihr Leben?" fragte der Mann.
Dana schüttelte leicht den Kopf.
"Nein. Ich meine, ich weiß, dass ich sterben werde, aber noch nicht heute, obwohl ich mir wünsche, dass sie mich einfach umbringen, dass sie mir nicht mehr weh tun." Sie runzelte leicht die Stirn.
Ich schluckte trocken. Davon hatte sie mir nichts erzählt. Gott, sie hatte da gelegen und gehofft, dass sie endlich sterben würde. Ich spürte, wie mir eine Träne die Wange hinunter lief.
"Was geschieht jetzt?" riss mich die Stimme des Psychologen aus meinen Gedanken.
"Die Tür öffnet sich. Oh Gott, da ist einer. Er ist wieder vermummt, hat diese Robe an und diese Maske über dem Gesicht. Er kommt auf mich zu. >Bitte, lassen sie mich in Ruhe. Bitte nicht schon wieder!< Er achtet nicht auf meine Bitte. Er kommt weiter auf mich zu, macht die Gurte auf und reißt mich aus dem Bett. Ich lande an der Wand. Es tut so weh, ich bekomme kaum noch Luft.
Er kommt auf mich zu, ich kann hören, wie er leise lacht. Er holt aus und tritt mir in den Unterleib. Gott! Ich würge, die Schmerzen ziehen durch meinen Körper. Wieder. Sein Stiefel trifft mich schon wieder. Und noch einmal und noch einmal. Ich weine und schreie vor Schmerz, aber er hört nicht auf. Er lacht wieder und beugt sich zu mir runter. Seine große Hand legt sich um meinen Hals und er zieht mich hoch. Ich versuche mich an seinem Arm fest zu halten, versuche selber aufzustehen, aber es geht nicht. Der Ärmel von seiner Robe verrutscht ein bisschen, und ich sehe, dass da eine Tätowierung auf dem Handgelenk ist. Es sind zwei Schlangen, die ineinander verschlungen sind. Die Schlangen sehen genauso aus, wie die, die in den Leichen waren. Gott, er drückt fester zu. Ich bekomme...." Sie röchelte laut, fasste mit der einen Hand nach ihrem Hals und die andere langte suchend in meine Richtung.
Ich warf Dr. Smith einen fragenden Blick zu, er nickte mir zu und ich ergriff Danas Hand.
Sie war ganz kalt.
"Mrs. Mulder, hören Sie mir zu. Sie sind in Sicherheit. Es geschieht Ihnen nichts. Atmen Sie tief und gleichmäßig, achten Sie auf Ihre Atmung. Gehen Sie an einen Ort, an dem Sie sich sicher gefühlt haben." Wieder konnte ich beobachten, dass Dana den Anweisungen in ihrer Hypnose folgte. Sie wurde ruhiger, atmete gleichmäßig, entspannte sich wieder.
Dr. Smith sprach noch immer mit beruhigender Stimme auf sie ein, gab ihr Anweisungen und behandelte so die Panik, die sie befiehl, wenn sie in geschlossenen Räumen war.
Dann, nach beinahe dreißig Minuten gab er ihr den Befehl, wieder in die Realität zurück zu kehren.
Ihre Augen klappten auf, und sofort suchte sie meinen Blick.
Ich wusste, sie konnte sich an alles, was geschehen war erinnern und es würde noch einige Zeit brauchen, bis sie wieder ganz ruhig war.
Langsam erhob sie sich und hielt dem Mann ihre Hand hin.
"Danke Dr. ." Sie schüttelte seine Hand und drehte sich langsam zur Tür.
Auch ich erhob mich und verabschiedete mich von dem Psychologen.
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Die Fahrt zurück zum Hotel verlief schweigend. Fox wusste und respektierte, dass ich jetzt nicht reden wollte. Ich musste erst einmal alleine mit dem fertig werden, was ich gerade erneut erlebt hatte.
Meine Hände waren in meinem Schoss gefaltet. Wenn ich ehrlich zu mir selbst war, dann waren sie nicht einfach gefaltet, sondern ineinander verkrampft.
Ich sah nach draußen, betrachtete die vorbeifliegenden Häuser und hing meinen Gedanken nach. Fox war dabei gewesen, er wusste jetzt, dass ich im Stillen darum gebetet hatte, dass diese Männer mich endlich töteten, damit die Schmerzen endlich aufhörten.
Ich hatte ihm bisher nichts davon erzählt, da ich wusste, dass er es nicht verkraften könnte. Ich brauchte ihn, ich brauchte seine Kraft, um mit all dem Erlebten klar zu kommen, und ich hoffte, dass er sie mir trotz allem geben konnte.
Ich seufzte.
Fox bewegte sich neben mir und Sekunden später konnte ich die weiche Struktur seiner Haut auf meiner Hand spüren.
Ich öffnete meine Finger und verflocht sie mit seinen, drückte seine Hand leicht und versuchte ihm auf diese Weise zu übermitteln, dass ich wieder in Ordnung kommen würde.
Fox hob unsere Hände und führte sie langsam zu seinem Mund.
Seine Lippen streiften meine Finger, jeden einzelnen und liebkosten sie.
Ich wandte meinen Kopf und lächelte ihn leicht an.
Er erwiderte es, doch erreichte das Lächeln seine Augen nicht. In ihnen konnte ich abgrundtiefen Schrecken und Schmerz erkennen, gemischt mit einer Angst, die mich Schaudern ließ.
Es war die schlimmste aller Ängste, Existenzangst.
Mir wurde klar, was mit Fox geschehen wäre, wenn diese Männer mich in dem Gefängnis tatsächlich getötet hätten. Er wäre daran zerbrochen, wäre langsam und qualvoll zugrunde gegangen, und vermutlich hätten nicht einmal unsere Töchter, die er abgöttisch liebte, ihm helfen können.
"Ich lebe Fox und ich werde dich nicht alleine lassen." hörte ich mich leise sagen und drückte seine Hand.
Sein Kopf flog herum, sein Blick verließ für einen Moment die Straße.
Erstaunen lag in seinen Augen und schließlich nickte er in einer kleinen Bewegung.
"Ja. Ja du lebst." bestätigte er, seinen Blick wieder auf die Straße bringend.
Auch ich sah wieder zum Fenster hinaus, sah die Menschen, die den Bürgersteig entlang hasteten, verkniffene Gesichter, von der Mittagshitze gerötet.
Mein Blick blieb an einem Tattoostudio hängen und ich merkte, wie es in meinem Kopf >klick< machte.
"Halt an!" rief ich aus und Fox Kopf schoss herum.
"Was ist?" Erschrocken sah er mich an.
"Ich muss etwas nachsehen. Halt an." erklärte ich.
Fox bremste langsam ab und kam am Straßenrand zum Stehen.
"Dana, was ist los?" Besorgnis erschien in seinen Augen.
"Der Tattooladen. Ich möchte etwas nachsehen." ließ ich ihn wissen.
"Den Teufel wirst du. Ich werde jetzt mit dir zusammen zurück zum Hotel fahren. Dort wirst du dich ins Bett legen und dich ausruhen." protestierte er.
"Fox, ich bin in Ordnung. Ich muss das nachprüfen. Kommst du mit?" Ich sah ihn fragend an.
Er seufzte. Offenbar konnte er in meinem Blick lesen, dass ich es ernst meinte, dass ich mich nicht von ihm in das Hotel bringen lassen würde.
Schließlich stieß er seine Autotür auf und stieg aus dem Wagen.
Ich folgte ihm, zog mein T-Shirt zurecht und trat auf den Bürgersteig.
"Also gut, aber anschließend fahren wir ins Hotel. Du brauchst Ruhe." Er trat auf mich zu und sah mich durchdringend an.
Ich nickte und machte mich langsam auf den Weg, die paar Meter zurück, bis zu dem Laden.
Eine Klingel über der Tür kündigte unser Eintreten an.
Ein großer, kräftig gebauter Mann trat hinter einem Perlenvorhang hervor und musterte uns von oben bis unten.
Ich sah, wie sich seine Augenbrauen zum Haaransatz hoch schoben. Vermutlich waren wir nicht die Art von Kunden, die er normalerweise hatte.
Wenn er wüsste, dass auf meinem Rücken eine Tätowierung prangte. Wie sie wohl aussah? Ob die Männer sie verschont hatten, als sie mir die glühenden Gegenstände auf die Haut drückten?
Ich fröstelte leicht bei den Erinnerungen und beschloss, dass ich Fox später danach fragen wollte. Ich selber hatte bisher jeden Blick auf meinen Rücken vermieden, zu groß war die Angst vor dem, was ich sehen würde.
"Was kann ich für Sie tun?" Die Stimme des Mannes war tief und er hatte einen starken Dialekt. Offensichtlich kam er nicht von hier. Ich überlegte, ob der Dialekt Europäisch sein könnte, kam jedoch zu keinem Ergebnis.
"Ich wollte mich nach einer Tätowierung erkundigen." eröffnete ich das >Verhör<.
"Wir haben hier einige Bilder. Sehen Sie sie ruhig in Ruhe an und entscheiden sie anschließend, was Sie möchten." Der Mann trat auf ein Regal zu und zog drei dicke Fotoalben hervor.
"Ehrlich gesagt habe ich schon etwas im Kopf und hoffe, dass Sie es kennen. Ich habe es vor einiger Zeit irgendwo gesehen und es hat mir wirklich gut gefallen." erklärte ich. Fox blätterte scheinbar nebensächlich die Alben durch.
Immer wenn eine der Vorlagen eine Schlange beinhaltete, warf er mir einen fragenden Blick zu. Zaghaft schüttelte ich jedes Mal den Kopf.
"Können Sie mir das Motiv beschreiben?" Der Mann trat einen Schritt auf mich zu. Anhand seines Namensschildes konnte ich erkennen, dass er Jaques hieß.
Ich überlegte kurz, schloss meine Augen, um es mir noch einmal genau in Erinnerung rufen zu können.
"Es sind zwei Schlangen, ich denke es handelt sich um zwei Smaragd-Bambusotter. Es scheint, als würden sie ineinander verknotet sein, doch entwirren sie sich nach oben hin und ihre Köpfe sind vollkommen aus dem Knäuel heraus. Ihre Münder sind weit geöffnet." erklärte ich, wobei ich meine Aussage durch meine Hände unterstrich.
Nachdenklich runzelte der Mann die Stirn und blätterte anschließend in einem Buch. Schließlich hielt er es mir unter die Nase und ich blickte direkt auf die Tätowierung, die die Männer auf ihrem rechten Handgelenk gehabt hatten.
Obwohl ich mich nicht hundertprozentig erinnern konnte, hatte ich das Gefühl, als wenn nicht nur der eine Mann, an den ich mich unter Hypnose erinnert hatte, diese Tätowierung hatte.
Nun schnappte ich unwillkürlich nach Luft, wich zwei Schritte zurück, wobei ich gegen einen Tisch stieß und schluckte hart.
Sofort stand Fox neben mir, langte nach meiner Hand und hielt sie beruhigend.
"Ssch, es ist alles in Ordnung." flüsterte er mir leise ins Ohr und musterte mich anschließend.
Mühsam löste ich meinen Blick von seinem Bauch, auf den ich gestarrt hatte, da er sich genau zwischen mich und das Motiv gestellt hatte und sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an.
Fox drehte sich halb um und blickte ebenfalls das Bild an.
"Ist es das?" wollte er wissen, während er sich wieder zu mir herum drehte. Wieder schluckte ich und entschied mich, dass ich meiner Stimme noch nicht vollends trauen konnte und so nickte ich nur.
"Sir, meine Name ist Fox Mulder und ich arbeite für das FBI. Ich möchte Ihnen bitte einige Fragen stellen." Fox kramte nach seinem Ausweis, den er sicher das erste Mal seit über dreizehn Jahren wieder zeigte.
Jaques schluckte schwer und blickte mich anschließend mit wütendem Gesichtsausdruck an.
"Was wollen sie?" Er war keineswegs mehr freundlich und bluffte meinen Mann an.
"Wie viele Tätowierer stechen dieses Motiv?" erkundigte Fox sich, seine Stimme hatte sich nicht verändert.
"Nicht viele. Außer mir vielleicht noch fünfzehn oder zwanzig andere in D.C.." erwiderte der große Mann nach einem kurzen Moment. Seine Stimme war nicht mehr so unfreundlich wie noch Sekunden zuvor, doch auch nicht mehr so höflich und zuvorkommend, wie zu Beginn unseres Gespräches.
"Und das nennen Sie >nicht viele<?" Fox runzelte die Stirn.
"Wissen Sie wie viele Tattoostudios es in Washington D.C. gibt?" stellte Jaques die Gegenfrage.
Fox zuckte die Achseln.
"Sehen Sie. Wenn Sie es wüssten, würden Sie auch sagen, dass es nicht viele sind. Hier gibt es doch an jeder Straßenecke so’n Shop. Machen einem das Geschäft ganz schön kaputt, die Leute. Lausige Künstler, aber nehmen nicht so viel Geld." brummte der Mann und Fox nickte mitfühlend.
"Haben Sie dieses Motiv schon oft gestochen?" wollte er jetzt wissen.
"Nicht in letzter Zeit. Ich glaube, ich habe es das letzte Mal vor etwas mehr als zwei Jahren gestochen. Warum wollen Sie das wissen?" erklärte Jaques.
Fox zog seine Stirn kraus und ich konnte sehen, wie es in seinem Kopf arbeitete.
"Das ist zu lange her. Die Tätowierungen werden nicht älter als ein halbes Jahr sein." überlegte er laut. Dann wandte er sich wieder dem Tätowierer zu.
"Können Sie mir sagen, in welchen anderen Läden dieses Motiv gestochen wird? Oder besser, wer es sticht?"
"Sagen Sie, ist es verboten das zu stechen?" Jaques sah meinen Mann unsicher an, doch dieser schüttelte den Kopf. Der große Mann war nun wieder genauso freundlich wie vorher.
"Nein, aber ein Verdächtiger hat diese Tätowierung auf seinem Unterarm." erklärte Fox nebenbei.
"Auf dem Handgelenk." korrigierte ich automatisch und Fox nickte.
"Ich könnte es Ihnen einfacher machen. Ich rufe die Leute an und frage sie wann sie das Motiv zum letzten Mal gestochen haben. Soll ich das für Sie tun?" Offenbar war Jaques viel daran gelegen, uns zu helfen.
Fox schüttelte jedoch den Kopf.
"Das ist sehr nett von Ihnen, Jaques, aber es wäre doch besser, wenn wir der Sache selber nachgehen würden. Also, geben Sie mir einfach nur die Namen." bat er.
Der Tätowierer brummte, dass er ja nur helfen wollte und kramte schließlich einen Zettel und einen Stift hervor. Mit erstaunlich sauberer Handschrift schrieb er siebzehn Namen und Adressen auf die Liste, kopierte das Motiv und reichte Fox schließlich beides.
"Vielen Dank für Ihre Hilfe, Jaques. Wir werden Sie weiterempfehlen." Fox legte seine Hand behutsam an meinen Oberarm und führte mich nach draußen.
Draußen auf der Straße sah er mich nachdenklich an.
"Willst du jetzt weitersuchen?" Sein Tonfall zeigte, dass er meine Antwort bereits ahnte und dass sie ihm nicht gefiel.
Ich nickte nur, was ihm ein Seufzen entlockte.
"Dachte ich es mir." murmelte er und ging auf unser Auto zu.
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Wir standen bereits im achten Tattooshop, ohne Erfolg. Jeder der Künstler, mit denen wir gesprochen hatten, gab zu, dass er das Motiv schon gestochen hatte, doch lag es entweder mehrere Jahre oder erst wenige Tage zurück.
Ich warf Dana immer wieder besorgte Blicke zu. Sie war am Ende ihrer Kräfte. Ihre Gesichtsfarbe hatte bereits von blass und bleich auf grau gewechselt, ihre Körperhaltung zeigte deutlich, dass sie müde und erschöpft war, und dass sie starke Schmerzen hatte.
Je mehr ich darüber nachdachte, desto bewusster wurde mir, dass sie heute noch keine Schmerzmittel zu sich genommen hatte. Genauso hatte sie bis auf einen kleinen Joghurt am Vormittag noch nichts gegessen und es war bereits halb fünf.
Innerlich verfluchte ich abwechselnd sie und mich.
Sie dafür, dass sie wieder die Starke spielen musste. Wem wollte sie etwas beweisen? Und mich, da ich nicht darauf geachtet hatte und es auch jetzt nicht schaffte, diese verdammte Aktion abzubrechen.
"Das ist der letzte für heute. Wenn wir hier fertig sind, fahren wir zum Hotel. Ich will, dass du dich hinlegst." erklärte ich und mein Tonfall ließ sie wissen, dass ich keine Widerrede duldete.
Sie wiedersprach nicht, im Gegenteil, sie nickte in Zustimmung, was mir einen Stich in den Magen versetzte, denn es zeigte mir *wie* schlecht es ihr ging.
"Guten Tag. Wir sind Special Agent Fox Mulder und Special Agent Dana Mulder vom FBI. Wir würden Ihnen gerne einige Fragen zu einem Motiv stellen, von dem wir erfahren haben, dass Sie es stechen." Ich trat auf den großen schlanken Mann zu, der mich misstrauisch ansah.
"Was soll das für ein Motiv sein?" verlangte er zu wissen.
Ich kramte in der Tasche meiner Jeans nach dem Zettel, den Jaques mir gereicht hatte und zeigte die Kopie dem Tätowierer.
Dieser warf einen flüchtigen Blick auf den Zettel und zuckte schließlich die Achseln.
"Ja, ich steche das Motiv, und? Was ist damit?" wollte er ruppig wissen. Ich seufzte. So freundlich Jaques gewesen war, so unfreundlich schien dieser Mann zu sein.
Unauffällig warf ich einen Blick auf sein Namensschild.
Henry. Nun gut, Henry, packen wirs.
"Ich würde gerne wissen, wann Sie es zu letzt gestochen haben." startete ich das Verhör.
"Vor ungefähr sechs Monaten." antwortete mein Gegenüber wie aus der Pistole geschossen.
Ich sah, wie Dana eine Augenbraue hob und den Mann skeptisch ansah.
"Das wissen Sie so genau? Wie viele Kunden haben Sie so am Tag?" erkundigte sie sich.
"Schwer zu sagen. An die zwölf Kunden, in der Regel." überlegte Henry.
"Und da können Sie sich genau erinnern, dass Sie dieses Motiv vor einem halben Jahr das letzte Mal gestochen haben?" fragte Dana erstaunt.
Henry nickte bestätigend.
"Ich erinnere mich deshalb so genau, weil ich es nicht nur einmal gestochen habe, sondern fünf Mal. Fünf Männern. Sie kamen gemeinsam hier rein und interessierten sich für ausgerechnet dieses Motiv. Wissen Sie, es gibt schönere Motive mit Schlangen und davon mal abgesehen, sind Schlangen eigentlich seit knapp zwei Jahren eher weniger angesagt. Derzeit sind eher Drachen hip. Ich kann Ihnen da so einige Motive zeigen..." Der Mann redete sich in Fahrt, doch war sein Ton nach wie vor unfreundlich.
Beschwichtigend hob ich meine Hände.
"Wissen Sie, Henry, uns interessieren Ihre Motive nicht. Was uns jedoch interessiert, sind diese fünf Männer, denen Sie die Schlangen gestochen haben. Haben Sie eventuell Namen oder so etwas von ihnen da?" Es war nur ein Versuch. Im Grunde wusste ich, dass Tätowierer sich nur äußerst selten eine Erlaubnis unterschreiben ließen. Die Menschen die hier her kamen, die wollten eine Tätowierung, und sie wollten sie schnell und ohne irgendwelchen Formalien. Ich war nicht erstaunt, als ich aus Henrys Mund ein herzhaftes und leicht abfälliges Lachen vernahm.
"Was denken Sie, wo wir hier sind? Auf der Bank oder so?" schnappte er und ich seufzte innerlich.
"War ja nur eine Frage." murmelte ich und versuchte, das immer noch dröhnende Lachen des Mannes mir gegenüber zu überhören.
"Können Sie die Männer beschreiben?" klinkte Dana sich in die Unterhaltung ein.
"Nein, nicht wirklich. Sie waren groß und kräftig. Zwei hatten einen Bart. Aber das war es auch schon. Wie Sie selber eben festgestellt haben, ich habe einige Kunden am Tag. Ich kann mich nicht an jeden Kunden erinnern." Henry wandte sich um. Offenbar war das Gespräch für ihn hiermit beendet.
Mit einem kurzen Blick bedeutete ich Dana, dass auch wir gehen würden.
Sie nickte nur und kurze Zeit später standen wir wieder auf der Straße.
Dana schlief beinahe, als ich das Auto vor dem Hotel parkte. Sanft strich ich ihr mit meinem Zeigefinger über die Wange und sie schlug die Augen auf.
Ich beobachtete, wie sie einige Male blinzelte, ehe sie ihren Kopf wandte und mich mit fragender Miene anblickte.
"Wir sind da." sagte ich leise.
Sie nickte und öffnete langsam die Tür. Auch ich stieg aus dem Auto und kam ihr auf halber Strecke entgegen.
Gott, sie bewegte sich so langsam und gequält. Ihre Schmerzen mussten beinahe unerträglich sein.
Rasch legte ich einen Arm um ihre Hüfte, um sie zu stützen und führte sie auf die Eingangstür des Hotels zu. Wir hatten gerade die Eingangshalle betreten und wandten uns der Treppe zu, als ich Skinner auf uns zukommen sah.
Er kam offenbar von oben.
"Dana, Mulder, gerade habe ich bei Ihnen geklopft." grüßte er. Sein Blick verfinsterte sich, als er einen genaueren Blick auf Dana warf.
"Kommen Sie mit nach oben, Sir." lud ich ihn ein, ehe er etwas sagen konnte.
Offensichtlich verstand er mein Anliegen. Er nickte stumm und folgte uns.
"Setzen Sie sich schon mal auf den Balkon. Ich komme gleich nach." bat ich und führte meine Frau direkt in unser Schlafzimmer.
Ich half ihr dabei, ihre Jeans auszuziehen und deckte sie schließlich in ihrem Bett zu.
Im Badezimmer machte ich ihr ein Glas Wasser fertig, gab dreißig Tropfen ihres Schmerzmittels hinein und reichte es ihr nur wenig später.
"Danke." murmelte sie und griff ohne zu zögern danach, um es in einem Zug zu leeren.
"Schlaf jetzt. Ich werde zu dir kommen, sobald Skinner weg ist." sagte ich leise und drückte ihr einen sanften Kuss auf die Stirn.
Sie nickte, hob jedoch ihre Hand und streichelte sanft meine Wange.
"Ich bin in Ordnung, nur sehr erschöpft." flüsterte sie und blickte mich offen an. Wiedereinmal musste ich nicht sagen was ich fühlte oder dachte. Sie wusste es, genauso wie ich wusste, dass es ihr nicht gut ging.
"Ich hoffe es." erwiderte ich und küsste sie erneut, ehe ich mich erhob und das Zimmer verließ.
Nur ungerne ließ ich sie alleine, doch ich wusste, Skinner hatte sicher einige Neuigkeiten, so wie ich auch. Und es wurde wirklich Zeit, dass der Fall beendet wurde, damit wir nach Louisianna zurückkehren konnten.
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Ich lehnte mich in dem Stuhl zurück und blickte auf die Balkontür. Ein leises Seufzen entkam meiner Kehle, als sich das Bild von Scully vor mein inneres Auge schlich. Sie hatte furchtbar ausgesehen. Ihre Haut war blass, beinahe schon grau. Dunkle Ringe lagen unter ihren Augen, welche leicht gerötet waren und ihre Körperhaltung drückte Schmerz aus.
Ich schüttelte leicht meinen Kopf, um das Bild zu verdrängen und wandte meinen Blick dann in Richtung Park.
Lachen drang von dort unten hier hinauf und ich beobachtete einige Kinder, die sich Wasserpistolen nass spritzten.
Ein Geräusch neben mir ließ mich aufschrecken und herum fahren.
"Entschuldigung. Ich wollte Sie nicht erschrecken." Mulder sah mich ein wenig zerknirscht an.
Ich schüttelte den Kopf und sah auf den Tisch, wo er zwei Gläser und eine Flasche Wasser abgestellt hatte.
"Es ist verdammt heiß heute." erklärte er und ich bestätigte dies mit einem Nicken.
"Wie geht es Dana?" erkundigte ich mich und beobachtete, wie Mulder die Gläser füllte, mir eins hinstellte und an dem zweiten nippte.
"Sie ist erschöpft. Die letzte Nacht hat nur wenig Schlaf zugelassen und heute war ein nervenaufreibender Tag." antwortete er schließlich, während er sich setzte. Mit einer müden Geste rieb er sich die Nasenwurzel.
Er atmete noch einmal tief ein und sah mich dann nachdenklich an.
"Also, was haben Sie?" erkundigte er sich schließlich.
"Wir haben wie Dana vorgeschlagen hat die Mitarbeiter des Gefängnisses überprüft. 27 von 54 Männern haben in der Schule Latein gelernt. Wir haben uns Fotos von den Männern besorgt. Ich hatte gehofft, dass Dana sie ansehen könnte. Vielleicht erkennt sie den einen oder anderen." erklärte ich.
Mulder schüttelte den Kopf.
"Sie hat ihre Angreifer nie ohne Robe und Kapuze gesehen. Sie kann sie nicht erkennen. Aber sie erinnert sich daran, dass die fünf Männer, die sie in der Zelle festhielten eine Tätowierung auf dem Handgelenk hatten. Bei einem ist sie sich ganz sicher, aber wir nehmen an, dass jeder von ihnen diese Tätowierung hat." Mulder deutete auf sein Handgelenk während er sprach und kramte nun einen Zettel aus seiner Hosentasche.
"Dies ist das Motiv." Er warf mir den Zettel zu und ich faltete ihn auseinander.
Ein Schlangenknäuel, die Köpfe ragten aus dem Wirrwarr der Körper heraus und die Mäuler waren aufgerissen.
"Woher haben Sie das?" erkundigte ich mich und blickte erstaunt auf.
"Von einem Tätowierer in der Stadt. Wir haben sogar schon den Mann gefunden, der diese Männer tätowiert hat, aber er konnte uns keine Namen nennen." Er zuckte mit den Achseln.
"Woher wissen Sie von den Tätowierungen?" Ich verstand den Zusammenhang nicht.
"Dana hat sich einer Hypnose unterzogen, die ihr half, sich daran zu erinnern." antwortete Mulder.
Überrascht hob ich meine Augenbrauen.
"Haben Sie schon in Erfahrung gebracht, ob jemand von den Männern Kontakte nach Bengalen oder die anderen Gebiete hat?" lenkte Mulder meine Aufmerksamkeit wieder auf sich.
"Nein. Wir konnten bisher keine Kontakte in eines der Länder ausmachen. Ich nehme an, dass die Männer die Schlangen hier in einer Tierhandlung besorgt haben. Es scheint sich bei den Schlangen um keine unter Naturschutz stehende Art zu handeln, das bedeutet, dass es die hier sicher öfter geben wird. Die Frage ist, ob sie sie in D.C. gekauft haben, oder in einem anderen Staat." gab ich zu bedenken. Mulders Augen verengten sich zu Schlitzen, als er über das nachdachte, was ich gesagt hatte.
"Ich denke nicht, dass sie extra in einen anderen Staat fahren, um diese Schlangen zu besorgen. Ich nehme nicht an, dass sie zwölf Schlangen auf einmal gekauft haben. Sie kaufen sie nacheinander, kurz bevor sie benötigt werden. Also immer im Abstand von vier Wochen. Das müsste auffallen, wenn sie immer zum selben Händler gehen." vermutete er.
Ich nickte.
"Ich werde morgen sofort einige Leute darauf ansetzen. Und ich werde die Männer nach Tätowierungen suchen lassen." Ich erhob mich langsam, trank mein Wasser und trat auf die Balkontür zu.
Mulder tat es mir gleich.
"Grüßen Sie Dana von mir. Ich melde mich wieder bei Ihnen." Ich reichte Mulder zum Abschied die Hand.
"Danke. Viel Erfolg." erwiderte er und schloss die Tür hinter mir.
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Leise betrat ich das Schlafzimmer und trat langsam auf Dana zu. Sie träumte wild, wand sich wie auch schon letzte Nacht unter ihren Laken und atmete heftig. Ein Schweißfilm bedeckte ihren Körper.
"Dana?" flüsterte ich leise ihren Namen und berührte sie sanft an der Schulter.
Sofort flogen ihre Augen auf und sie saß senkrecht im Bett. Keuchend fuhr sie sich mit ihrer Hand durch die Haare und schloss ihre Augen wieder einen Moment, in dem Versuch, sich zu sammeln.
Zärtlich fuhr ich ihr über ihre Wange und küsste ihre Schläfe.
"Danke!" flüsterte sie, nachdem sich ihr Atem wieder beruhigt hatte.
Ich nickte ihr zu und streifte meine Schuhe von den Füßen. Die Jeans folgte und ich kletterte vorsichtig neben Dana ins Bett.
Ich hatte kaum mein Kopf auf das Kissen gelegt, als sie sich schon an meine Brust kuschelte.
"Was wollte Skinner?" erkundigte sie sich. Ihre Stimme war immer noch schläfrig.
"Er hat mir nur die neuesten Erkenntnisse mitgeteilt. Ich denke, morgen Abend werden die Männer verhaftet sein." Ich streichelte sanft ihren Unterarm, der ebenfalls auf meiner Brust lag.
"Das ist gut. Dann können wir wieder nach Hause. In zwei Wochen fängt auch die Schule wieder an." nuschelte sie.
"Ja. Nach Hause ist gut." erwiderte ich und merkte, wie mir die Augen zu fielen.
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Sonntag, 24. September
Tatsächlich war die Sache reibungslos über die Bühne gegangen. Skinner und die anderen Agenten hatten sowohl die Tätowierungen entdeckt, als auch den Zooladen, in dem die fünf Männer alle vier Wochen zwei Schlangen kauften. Der Inhaber konnte die Männer einwandfrei identifizieren.
Nachdem Skinner und ich sie einige Stunden verhört hatten, gestanden sie zu meiner größten Verwunderung sogar, diese Frauen getötet und Dana über beinahe zwei Wochen gefoltert zu haben. Sie sagten aus, dass der Teufel ihnen Anweisungen gegeben habe, nach denen sie vorgegangen seien. Er forderte seine Auferstehung.
Als dieser erste schmierige Typ zugab, was er Dana angetan hatte, musste Skinner mich zurück halten, da ich den Mann sonst noch schwerer verletzt hätte, als ich es sowieso schon getan hatte.
Unser Vorgesetzter schleifte mich beinahe am Hemdkragen auf den Flur und drückte mich fest gegen eine Wand.
"Sie werden sich entweder beruhigen und sich zügeln, oder ich werde das Verhör mit einem anderen Agenten fortsetzten. Haben sie das verstanden?" bluffte er mich an.
Ich nickte schwach, immer noch nach Atem ringend und Skinner ließ mich los.
Es stellte sich heraus, dass der Mann, den die Gunmen dabei beobachtet hatten, wie er Dana folgte, einer von den Männern war, die sie zwei Wochen lang gequält hatten. Ursprünglich hatten diese Männer offensichtlich geplant, dass sie wahllos Frauen von der Straße entführen und opfern wollten. Warum sie schließlich ihre Entscheidung geändert hatten, erfuhren wir nicht. Dieser Mann hatte Dana jedoch im Gefängnis wiedererkannt und er ahnte offenbar, dass etwas an der ganzen Sache faul war. Die Gruppe entschied darauf hin, dass Dana das nächste Opfer sein sollte, um sie aus dem Weg zu schaffen.
Nun saßen Dana und ich auf unserer Terrasse, sahen zu, wie Moe und Joy im Pool herumalberten und genossen es, wieder zu Hause zu sein.
"Mom, bitte komm doch mit rein! Es ist wirklich herrlich!" drang Joys Stimme zum wiederholten Male an mein Ohr. Und wieder schüttelte Dana zwar lächelnd aber bestimmt den Kopf.
Die Mädchen hatten ihren Rücken bisher noch nicht gesehen, und das sollte auch so bleiben, bis die Wunden komplett abgeheilt waren. Also kein Schwimmen in diesem Sommer.
Morgen würde die Schule wieder beginnen, zumindest für die Mädchen und mich. Dana hatte noch einen Tag länger frei, da sie nach wie vor nur von Dienstags bis Donnerstags arbeitete. Ich wusste, sie sah dem Unterricht mit gemischten Gefühlen entgegen, denn obwohl die Panikattacken nach der Hypnose weniger geworden waren und nicht mehr mit einer solchen Macht über sie hereinbrachen, so verspürte sie doch immer noch ein beklemmendes Gefühl in geschlossenen Räumen.
Aber ich war mir sicher, sie würde es schaffen. Sie würde vor ihre Studenten treten und an Sicherheit gewinnen und es würde ihr wieder gut gehen.
Es war schön zu beobachten, dass sie Nachts, jetzt, wo wir wieder in unserem Haus waren, durchschlief, nicht mehr von Alpträumen heimgesucht wurde.
Auch ich hatte meine nächtliche Ruhe wieder gefunden.
Wir hatten schon den größten Teil des Weges geschafft und wir würden den Rest auch noch schaffen.
Und wir hatten uns geschworen, nach D.C. fuhren wir nur noch, wenn wir Maggie besuchten. Das FBI würde uns nicht wieder sehen.
Ende
Zugegeben, das Ende ist wieder reichlich knapp geworden, aber ich hatte beim besten Willen keine Idee mehr. *VerlegenzuBodenblick*. Ich würde mich über Feedback wirklich sehr freuen. Kann auch mit Kritik umgehen, ehrlich!