Autor: Pat
Kontakt: XMyselfX@t-online.de
Titel: One Kiss
Teil: (1/1)
Spoiler: Small Potatoes (kurz),
Rating: MSR
Disclaimer: Dana Scully und Fox Mulder gehören nicht mir... und so weiter und so fort...
Ihr kennt das ja alle ;-) ... und ich leihe sie mir hiermit ja auch nur mal "kurz" aus!
Danke: Danke an ALLE X-Philes..., Shipper, Gilly-Fans und natürlich allen GAGS J
Poem
Ich gebe zu, ich habe Angst.
Ich habe versucht, meine Angst zu verstecken.
Ich habe versucht, selbstsicher aufzutreten,
um meiner Umgebung zu zeigen, wer ich bin.
Ich habe mich nicht preisgegeben.
Ich habe zwar Informationen weitergegeben,
mich selbst aber aus allen Gesprächen herausgehalten.
Ich habe nie richtig zugehört,
ich habe nur registriert.
Ich gebe zu, ich habe Angst.
Ich habe Angst, die Menschen könnten mein Wort missbrauchen.
Ich habe Angst, mein Vertrauen könnte jemanden verführen, mich zu erpressen.
Ich kenne zu viele, die für ihr Vertrauen gebüßt haben.
One Kiss
Es war einfach über uns gekommen. Spontan, ohne wirklich darüber nachzudenken. Keiner von uns beiden war sich im Klaren darüber, was wirklich passierte. Es geschah ganz einfach, und wenn ich jetzt darüber nachdenke, hätte dieser Vorfall in etwas ganz anderes ausarten können, aber das war er nicht. Soweit hatten wir uns unter Kontrolle gehabt. Und nachher...? Tja, nachher war es einfach nur peinlich gewesen. Mir war es peinlich gewesen. Ihm weniger... Er hielt es, in meinen Augen, für selbstverständlich, nicht auf die egoistische Weise, dennoch war es für ihn wohl "normal" gewesen. Vielleicht zeigte er es auch einfach nur nicht... zumindest nicht auf diese Weise, wie ich es tat.
Ich war geflohen! Vor ihm, der Umgebung, der Situation! Ich musste auf heimisches Terrain, und das war ich jetzt. Ließ meine Gedanken jede einzelne Situation des Nachmittages nochmals durchgehen, und gelegentlich überkam mich eine Gänsehaut. Ich wusste nicht warum... doch eigentlich war ich mir bewusst darüber, aber ich konnte es ihm nicht eingestehen, geschweige denn mir selber. Ich musste einfach darüber nachdenken, in Ruhe, ungestört. Hier, in meiner dunklen Wohnung (ich verzichtete absichtlich auf Licht), mit einer heißen Tasse Tee in der Hand und leiser Musik im Hintergrund. Aber warum verdammt, spielte dieser Sender lauter "Lovesongs"? Ich war wirklich deprimiert. Diese Musik alleine sorgte dafür, dazu noch meine Gedanken, dieses Ereignis! Ich atmete tief ein, sog die frische Luft, die durch das offene Fenster hereindrang, tief ein, schmeckte die sich langsam in meinen Bauch hinunter gießende Flüssigkeit, warm und angenehm. Dann lehnte ich meinen Kopf zurück, schloss die Augen, und immer wenn ich dies tat, sah ich alles genau vor mir. Aber diesmal ließ ich sie bewusst geschlossen und ließ den heutigen Nachmittag nochmals Revue passieren.
Es war ca. 15:00 Uhr. Ein langweiliger Tag im Hoover-Building. Mulder und ich hatten rein
gar nichts zu tun. Also hatte er, wie üblich, alte Fälle herausgezogen und quer durch sein
gesamtes Büro verstreut. Er war vertieft, vertieft in jedes Blatt, jede Akte die er aufnahm.
Ich dagegen saß einfach nur da. In seinem Stuhl, die Füße auf seinem Schreibtisch liegend
und starrte vor mich hin. Er war mit so viel Begeisterung bei der Arbeit. Arbeit, die jeder
Agent hasste. Er hatte auf dem Fußboden platz genommen, zick Akten um sich herum geöffnet, einen fast leeren Zettel neben sich liegend, um immer wieder Notizen darauf zu machen. Ich spürte irgendwann dieses leere Gefühl ihn mir und brauchte etwas zu essen. Er würde das schon noch alleine hinbekommen, die paar Minuten die ich nicht hier war. Also packte ich meinen Blazer, den ich über die Lehne des Stuhls geworfen hatte und balancierte durch den Parkur, den Mulder unabsichtlich errichtet hatte. Er sah kurz auf, als ich die Tür öffnete.
"Soll ich Ihnen etwas zu essen mitbringen?"
Fragte ich, und sah dabei kritisch auf das wilde Durcheinander.
"Ja, wäre echt lieb von Ihnen."
Er schenkte mir keinerlei Beachtung. Also nickte ich kurz, obwohl ich wusste, dass er es nicht sah, und verließ für kurze Zeit das Arbeitslager. Ich war froh, wenn auch nur flüchtig, andere Luft schnuppern zu können und schlenderte, ohne jeglichen Drang schnell ins Büro zurückzukommen, zum nächsten Imbissbudenstand. Eigentlich stand ich nicht auf dieses Fast-Food-Zeug, aber in Notfällen und Ausnahmesituationen war es genehmigt.
Also kehrte ich anschließend mit zwei Hot Dogs zurück und traf Mulder an, wie ich ihn auch
verlassen hatte, im Chaos sitzend. Ich musste kurz lächeln, dieses Bild war einfach...
göttlich. Ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Mulder durch diese ganze
Verwirrung selber noch Durchsicht hatte. Ich räusperte mich.
"Hier..., Ihr Essen."
Er sah auf, und nahm mich an diesem Tag vermutlich das erste Mal wirklich wahr, seit ich das Büro heute Morgen betreten hatte und er mir ein nettes "Hey, werfen Sie sich ins Getümmel und stürzen Sie sich auf die Arbeit" zugeworfen hatte.
"Danke, " sagte er schließlich und nahm mir eines dieser Dinger ab.
Ein kräftiger Biss, und er hatte beinahe schon die Hälfte des Hot Dogs gegessen. Ich sah etwas skeptisch auf ihn und nahm wiederum in seinem Stuhl platz, es würde ihn heute wohl wenig stören. Dann machte auch ich mich über das Essen her. Als er wieder begann, nebenher die Akten zu durchwühlen, konnte ich mich nicht länger zurückhalten:
"Wollen Sie nicht mal eine kurze Pause einlegen, Mulder?"
Er schlug die Akte diskret zu.
"Sie haben Recht."
Ich nickte entschlossen, verwundert über seine sofortige Zustimmung, und biss ebenfalls in
dieses Brötchen-Wurst-Gelage.
Er setzte sich auf den Stuhl mir gegenüber, und schon bekam ich irgendwie ein schlechtes
Gewissen ihm seinen Platz streitig gemacht zu haben.
"Vielleicht sollten wir heute früher Schluss machen, " sagte er plötzlich und schlang den
bereits letzten Bissen hinunter. Ich sah ihn überrascht an.
"Was denn Mulder, solche Worte aus Ihrem Munde?"
Ich lächelte ihn sarkastisch an.
"Ich weiß, Sie denken, dass ich besonders scharf darauf bin, diese alten, verstaubten und
wirklich uninteressanten Akten durchzusehen, aber das ist keineswegs der Fall. Scully, es
ist Freitagnachmittag, fällt Ihnen an diesem Tag nicht etwas ein, das Sie lieber tun würden?"
Er hatte dabei wieder diese, für ihn typische Psychologenstimme, und hob die Worte *alten,
verstaubten, uninteressanten* deutlich hervor.
"Eigentlich fällt mir sogar jede Menge ein."
Ich hoffte, dass er nicht bemerkte, dass es eigentlich eine Lüge war.
"Also, " sah er mich durchdringend an, "gehen Sie schon. Erledigen Sie diese Dinge und ich...
ich werde hier diesen ganzen Mist noch beiseite räumen und dann ebenfalls nach Hause gehen."
"Jawohl, Sir."
Ich salutierte vor ihm, sitzend, und versuchte dabei nicht zu lächeln.
Ich warf die Serviette, die um den Hot Dog gewickelt war, in den Papierkorb, der von
Mulders letztem Ausraster noch ganz verbeult war, und stand schließlich auf.
Er war bereits dabei, die ganzen Blätter in die richtigen Akten zu sortieren, und diese
dann auf einem Stapel neben dem Schreibtisch zu sammeln.
Ein Teil von mir wollte hier raus, und zwar so schnell wie möglich, bevor Mulder doch noch über etwas Interessantes stolpern würde, der andere sah ihn bemitleidend an und entschied sich schließlich dafür, ihm noch bei der *Aufräumaktion* behilflich zu sein. Ich kniete mich neben ihn und begann, die Blätter in einer Hand aufzusammeln und anschließend durchzusehen, in welche Akte sie kamen.
"Geteiltes Leid, ist halbes Leid, " sagte ich, und verfluchte mich selbst, nicht gleich gegangen zu sein, schließlich war ich diejenige von uns, die noch ein wenig Privatleben hatte.
Eigentlich ging es jedoch recht schnell, bis wir das ganze Durcheinander beseitigt und die
Akten schön ordentlich aufeinander gestapelt hatten. Mulder griff nach seinem Jackett und
ich wollte gerade nach meiner Tasche greifen, als ein unheimlicher Knall durch den Raum
drang und unser eben gebauter Turm Akten zusammenbrach. Ich schloss genervt meine Augen und seufzte leise. Na gut, alles noch mal von vorne. Wir fielen also beide wieder auf die Knie, uns gegenüber, und begannen, den Stapel wieder aufzubauen. Keiner von uns beiden, weder Mulder noch ich, schien zu bemerken, dass wir immer näher aufeinander zurobbten und schließlich nach der letzten, noch liegen gebliebenen, Akte griffen. Seine Hand berührte dabei die meine, zuerst etwas verhärtet, dann, als er meine Haut spürte, lockerte sich der Griff etwas. Ich sah ihn aufgeschreckt an, und hielt seinem Blick eine kurze Sekunde stand, bevor ich auf unsere Hände blickte, die sich berührten. Es war vorher schon so viele Male passiert, aber jetzt... irgendwie war es anders, aus einem für mich unverständlichen Grund. Unsere Köpfe waren kaum voneinander getrennt, ich konnte bereits seinen hastigen Atem spüren. Ich wollte irgendwas sagen, die Situation, wie immer, ins Lächerliche ziehen, aber irgendwie fehlten mir die Worte. Mein Hals war trocken, mein Puls hatte sich erhöht und auf einmal hatte ich vergessen, dass ich unbedingt hier, aus diesem Büro wollte, um den Beginn eines weiteren, langweiligen Wochenendes genießen zu können.
Mulder hatte begonnen, sachte meinen Handrücken mit seinen Fingern zu massieren und sah
mich noch immer an. Auch er schien etwas verwirrt zu sein, aber keineswegs so sehr wie ich.
Er bewegte sich ein Stückchen näher zu mir, ließ seine Lippen um die meinen kreisen, bis
ich schließlich die Initiative übernahm, nach vorne zuckte und ihn berührte. Es war ein
schüchterner Kuss, kaum wahrnehmbar. Er zog sich kurz zurück, hielt seine Augen dabei
geschlossen, und kam anschließend zu mir zurück. Wir öffneten beide gleichzeitig unsere
Münder und ließen unsere Zungen aufeinander treffen. Sie berührten sich sanft, streichelten
sich gegenseitig und jede wollte in den Mund des anderen. Ich löste meinen Griff von der
Akte, genau wie Mulder, wodurch sie zu Boden fiel und ein dumpfes Geräusch verursachte.
Dieser Kuss war die Zurückhaltung von ganzen 7 Jahren und in ihm kam alles hoch, was wir
bisher nicht gezeigt hatten. Als ich Mulders Hand spürte..., spürte wie sie sich auf meinen
Hals und meinen Hinterkopf legte, überkam mich plötzlich ein Gefühl der Angst. Ich begann
zu zittern, wurde mir dessen bewusst was gerade geschah, wo es geschah und vor allem mit WEM.
Ich zog mich zurück, stand eilig auf, strich meine Hose glatt, griff nach der Tasche auf dem
Tisch und schritt Richtung Tür. Ich zitterte noch immer, warf noch mal einen kurzen Blick auf
Mulder, der etwas orientierungslos auf dem Boden saß und verwirrt zu mir aufsah.
"Tut mir leid Mulder, " brachte ich schließlich leise heraus, "ich... ich kann das nicht."
Mit diesen Worten griff ich nach der Türklinke und verließ, so schnell wie noch nie, das
FBI-Gebäude.
Die Fahrt zu mir nach Hause verlief hektisch. Ich konnte mich keineswegs auf die Straße
konzentrieren, dachte darüber nach, was eben eigentlich geschehen war, und ob es wirklich
so schlimm war, wie es mir vorkam.
Als ich schließlich meine Wohnung betrat, zitterte ich noch immer am ganzen Körper.
Und jetzt, jetzt saß ich hier und dachte darüber nach. Über alles, ob ich etwas voreilig
gehandelt hatte. Vielleicht hatte ich mich auch lächerlich gemacht. Es gab viele Frauen die
mit ihrem besten Freund Dinge ausprobierten, die eigentlich nicht wirklich in das Feld
*Freundschaft* gehörten..., warum sollten es Mulder und ich nicht auch tun?
Ich war nervös, und jedes Mal wenn ich Schritte im Korridor vernahm, überkam mich wieder
dieses Gefühl... das Gefühl, das ich über alles hasste und nur selten zuließ... die Angst.
Angst davor, dass er auftauchen würde um sich mit mir aussprechen zu wollen. Angst, einen
Fehler begangen zu haben, der nicht rückgängig zu machen war.
Aber vielleicht würde Montag auch alles wieder sein wie vorher. Wie sprachen NIE über
solche Dinge. Egal was vorfiel, intime und private Dinge hielten wir grundsätzlich nicht
für diskussionsfähig... sie waren es nicht wert, besprochen zu werden. Aber dieses Mal... es
war anders, es war wirklich ein Kuss. Nicht wie damals, als ich hier mit diesem Eddi van
Blundht, der die Person von Mulder angenommen hatte, gesessen hatte und es auch damals schon beinahe zu diesem Kuss gekommen wäre, wenn nicht dann der wirkliche Mulder hereingestürzt gekommen wäre, um das zu verhindern, was schon im Laufen war: der 1. Kuss. Es war mir verdammt peinlich gewesen, aber er hatte es NIE angesprochen, und ich war ihm dankbar dafür.
Aber vielleicht wollte ich es diesmal auch. Ja... ich wollte eine Aussprache, wie es
eigentlich dazu gekommen war. Warum es nur durch diese einfache, unwichtige Berührung
zustande gekommen war. Ich stellte die Tasse eilig auf den Tisch, irrte durch meine Wohnung, suchte die Autoschlüssel, fand sie schließlich hinter dem Telefon, warf mir meinen Mantel über und hetzte den Korridor entlang, zu meinem Auto, um so schnell wie möglich zu Mulder zu kommen.
Ich parkte um die Ecke, und zögerte, wirklich zu ihm zu gehen. Ich hatte mich heute Mittag
so ... peinlich benommen, dass ich ein wirklich schuldiges Gefühl in mir verspürte. Ein Gefühl, das mich schuldbewusst machte, weil ich ihn einfach hatte sitzen lassen, ohne weitere
Erklärungen abzugeben. Ich ging verwirrt durch den Eingang seines Wohnhauses, drückte nervös auf den Knopf, der den Fahrstuhl kommen ließ und ging auf und ab, um dann schließlich den kleinen, engen *schwebenden* Raum zu betreten. Auch dort konnte ich nicht still stehen, drückte den Knopf für die Etage, in der Mulder wohnte... und alles schien viel zu schnell zu geschehen.
Ich verließ langsam, und mit äußerster Vorsicht, den Aufzug und schritt mit kleinen, langsamen Schritten auf Mulders Apartmenttür zu. Die 42 glänzte an der Tür und ich hielt inne bevor ich meine Hand erhob und sachte gegen sie klopfte.
Seine Schritte, langsam und plump, kamen näher und er öffnete, erst einen Spalt weit, als er mich jedoch sah, die Tür vollständig. Mich verwirrte, wie er da stand... nur mit Jeans bekleidet und zersausten Haaren.
Ich räusperte mich.
"Kann ich rein kommen?"
Meine Stimme klang zwar beherrscht aber trotzdem weich.
Er machte einen Schritt zur Seite und ließ mich eintreten.
Ich ging geradewegs auf die Couch zu, legte meine Schlüssel auf dem Tisch vor mir ab, und
setzte mich langsam. Mulder näherte sich nur zögernd, stellte den Radio leiser, er hörte
denselben Sender, der auch in meiner Wohnung gelaufen war, und anschließend setzte er sich
in annehmbarem Abstand neben mich.
Wie passend dieses Lied doch war, ich bekam das Gefühl leicht zu erröten. Die unmittelbare Hitze, die in mir aufstieg und meine Gedanken durcheinander brachte, war unerträglich. Mulder und ich hielten es nicht für nötig uns anzusehen. Wir saßen nebeneinander, schweigend, und keiner wusste so recht, was er tun oder sagen sollte, auf den Text des Liedes konzentriert ‚This kiss’, ich hatte dieses Lied noch nie zuvor gehört, aber jetzt war genau der richtige Augenblick dafür.
Ich holte Luft, öffnete meinen Mund um etwas zu sagen, aber Mulder kam mir zuvor.
"Es tut mir leid, " sagte er zaghaft und fuhr sich dabei leicht über die Haare.
Ich sah fragend auf den Tisch vor mir, noch nicht willig, ihn wirklich anzusehen.
"Nein Mulder, es war meine Schuld, " Ich versuchte dabei, noch leiser als er zu sprechen, und stütze meinen Oberkörper durch meine Arme auf meinen Knien ab.
"Sie haben doch gar nichts getan."
"Doch! Ich habe Sie... geküsst."
"Ja, aber nur, weil ich mir zuviel Zeit gelassen hatte, Sie zuerst zu küssen."
Ich lachte kurz, das war wieder typisch Mulder, die ganze Schuld auf sich nehmend, aber
diesmal ließ ich ihn nicht damit durchkommen.
"Sie hätten es doch gar nicht getan, Mulder. Seien Sie ehrlich zu mir und sich selbst, Sie
hat diese Situation doch keineswegs berührt."
Jetzt lehnte auch er sich nach vorne und rückte etwas näher.
"Haben Sie wirklich diesen Eindruck gehabt?"
Ich nickte entschieden: "Ja. Mir kam es vor, als ob das für Sie alles selbstverständlich
war... normal. Als ob Sie das alles kalt lies."
Er lehnte sich noch mehr nach vorne und sah mich an. Ich dagegen blickte noch immer stur
gerade aus.
"Scully, hat dieser... dieser Kuss für Sie wirklich dieses Gefühl ausgedrückt?"
*Nein Mulder, das hat er nicht... es war ein tolles Gefühl, das Zittern, das Kribbeln,
einfach alles, aber das waren nicht wir.*
Konnte ich ihm diese Worte zumuten ohne, dass anschließend das völlige Gefühlschaos ausbrach? Ich wollte dieses Thema einfach abhaken, damit fertig werden und weitermachen wie bisher.
"Nein, " gab ich noch leiser als zuvor von mir, "das hat er nicht."
Die letzten Worte ohne Stimme, ein einfaches Flüstern. Ich drehte meinen Kopf langsam in seine Richtung, spürte, dass er mich ansah, seinen Blick, der darauf wartete erwidert zu werden, damit er lesen konnte... lesen was ich gerade dachte. Schließlich sah ich ihn an, sah in die Tiefe seiner Seele und dass ihm wirklich was daran gelegen hatte.
"Es ist normal, " begann er schließlich, "dass sich langjährige Partner irgendwann zueinander
hingezogen fühlen, das hat sich heute Mittag auch bei uns gezeigt, aber das heißt keineswegs, dass wir nicht weitermachen können, wie bisher. Es ist schließlich, " er brach kurz ab, rückte noch etwas näher, mir noch immer tief in die Augen sehend, "... es ist schließlich nicht mehr passiert."
Ich konnte sehen wie er sich auf die Backenzähen biss und seine Wangenknochen dabei kräftiger hervortraten.
"Es hat unsere Bindung zueinander nur noch mehr vertieft, Scully. Wir stehen uns jetzt noch
näher als zuvor, es befindet sich nun etwas... Privates zwischen uns, verstehen Sie?"
Ich nickte schwach. Was wollte er mir eigentlich wirklich damit sagen?
Ich fühlte seine vorsichtige, schwache Berührung auf meinen Rücken und wieder kam dieses
Zittern, die Angst, zugleich aber auch ein Gefühl der Sicherheit.
Ich konnte mir nicht erklären, wie zwei so gegensätzliche Gefühle zusammen zustande kommen konnten.
Ich atmete tief ein, drehte mich näher zu ihm heran und lehnte mich langsam gegen ihn. Eine Hand umgriff seine Hüfte, die andere hielt sich am Hals fest. Auch sein Griff verstärkte sich, umschloss mich fest und sanft, und die Geborgenheit, die ich immer fühlte, wenn er mich festhielt, war wieder da. Die Verständlichkeit und Normalität dieser Umarmung war für uns beide wieder selbstverständlich, auch wenn sich das Zittern noch nicht vollkommen zurückgezogen hatte, was aber vermutlich daran lag, dass er seinen Kopf von meiner Schulter hob und ihn so drehte, dass er mich sachte und unabsichtlich, am Hals mit seinen Lippen berührte. Wir trennten uns vorsichtig voneinander, als das Lied ‚Iris’ von den Goo Goo Dolls gespielt wurde.
Ich lächelte ihn an und er lächelte zurück, und ich wusste, dass damit nun alles geklärt war.
Behutsam strich ich ihm über seine Wange und genoss das Gefühl seiner Wärme. Wir saßen
inzwischen in der vollkommenen Dunkelheit, die eingebrochen war.
Ich stand auf, griff nach meinen Schlüsseln und ging auf die Tür zu. Sein Blick folgte mir, genau wie heute Mittag im Büro, und versuchte mich zurückzuholen.
"Wir sehen uns, " sagte ich, lächelte kurz noch mal und trat aus seiner Wohnung.
Sämtliche verirrte oder zumindest verwirrte Gedanken huschten durch mich hindurch, als ich den endlos scheinenden Korridor entlang schritt. Warum musste ich nur so verdammt anständig sein?
Warum blieb ich nicht einfach bei ihm heute Nacht? Nicht um mit ihm Sex zu haben, sondern um einfach mal das Gefühl von Zweisamkeit genießen zu können. Seine Nähe zu spüren und zu wissen, dass mir in dieser Nacht nichts, rein gar nichts Böses widerfahren konnte. Das Böse würde noch nicht mal einen Weg in meine Träume finden können, darüber war ich mir sicher.
Ich verließ den Fahrstuhl und wandelte durch die abgedunkelte Gasse, der herabprasselnde
Regen verlangsamte mein Schritttempo etwas. Ich stellte mich vor mein Auto und begann,
noch immer in Gedanken versunken, in den Taschen meines Mantels nach dem Schlüssel zu
suchen, holte ihn zögernd heraus und ließ meine Gedanken zurück zu Mulder schweifen.
"Verdammt, " ich fluchte kaum hörbar, strich mir eine nasse Haarsträhne verärgert aus
dem Gesicht und machte mich zurück auf den Weg in Mulders Apartment.
Ich widersetzte mich mir selbst, auch wenn ich spürte, dass es falsch war, was ich tat. Es war mir egal. Total egal.
Und nun stand ich heute zum zweiten Mal vor der Tür seiner Wohnung. Ich klopfte nicht, sondern nahm den Schlüssel, den er mir am Anfang unserer Zusammenarbeit anvertraut hatte, und drehte ihn leise im Schloss.
Es war hier noch immer dunkel und die Musik war abgestellt. Ich konnte hier nirgends einen Schatten erkennen noch irgendetwas hören, das mich hätte vermuten lassen, dass er sich noch in diesem Raum befand.
Ich legte meinen Mantel an seiner Garderobe ab und schlich in sein Schlafzimmer. Da lag er, mit dem Gesicht zum Fenster gewandt, durch welches der kaum wahrnehmbare Schein des Mondes drang. Ich ging auf das Bett zu, konnte mich selbst nicht hören, öffnete zaghaft die Knöpfe meines Blazers und setzte mich auf die Matratze, welche sich etwas unter meinem Gewicht senkte. Mulder bewegte sich nicht, und somit ging ich davon aus, dass er bereits schlief.
Ich zog meine Schuhe aus und legte mich hin, deckte mich zu, konnte hier schon seine Wärme spüren, ohne ihn auch nur zu berühren. Dann schloss ich meine Augen und machte mir ernsthaft Sorgen, was er wohl morgen Früh denken mochte, wenn ich hier neben ihm lag.
Meine Sorgen verabschiedeten sich, als ich seine Hand auf meiner Taille spüren konnte, und seine Brust, die sich gegen meinen Rücken drückte. Ich drehte meinen Kopf, damit ich ihn sehen konnte, aber der Versuch scheiterte, er war zu nah bei mir, ich hätte meinen Körper drehen müssen, um das zu erreichen was ich wollte, und dazu war ich gerade nicht in der Lage. Er berührte mit seinem Gesicht meinen Hinterkopf, küsste mich sanft und verstärkte seinen Griff. Seine Hand glitt unter mein Shirt. Seine Finger kreisten ein paar Mal auf meinem Bauch herum, bevor sie dort verweilten.
Ich griff mit meiner Hand nach der seinen und hielt sie fest, konzentrierte mich auf die
Regelmäßigkeit seines Atems und konnte endlich die wirkliche Wärme seines Körpers spüren.
Hier, zusammen mit ihm zu sein, schien mir das Perfekteste und Schönste das mir im
Augenblick widerfahren konnte. Ich war mir bewusst, dass alles aufgrund dieses Kusses zustande gekommen war, und war plötzlich glücklich darüber, es getan zu haben. So lagen wir also nebeneinander, im Schein des Mondes, beide einmal in Sicherheit, ohne Sorgen und schliefen.
The End