Titel: Goodbye, my friend (Teil 2/X)
Autor: Cat
Kontakt:
CrazyCat179@t-online.de
Rating: PG-13
Spoiler: Keine besonderen
Timeline: Back to the good old times!
Keywords: MSR, Scully/Other, Angst, Character death

Short-Cut: Wieviel muss geschehen, damit die Liebe nicht mehr ausreicht um weiter zu bestehen? Und was passiert dann?

Disclaimer: Bla, bla, bla. Jeder weiß, dass nicht ich die X Files erfunden habe, sondern Chris Carter. Er, Fox und 1013 haben alle Rechte, ich net. Basta! Aber George ist ganz allein aus meinem kranken Hirn entsprungen!
 
 

Goodbye, my friend
2/?

 

Etwas verloren und mit den Nerven am Ende, kämpfte sich Dana Scully einen Weg durch die Menschenmassen, um endlich ihr Gepäck entgegen zu nehmen und diesen schrecklichen, lauten und überfüllten Ort zu verlassen. Sie hatte vorerst nur zwei Koffer mit den wichtigsten Dingen mitgenommen. Der Rest ihrer Sachen stand noch in ihrer Wohnung, ordentlich in beschrifteten Kartons verpackt und ließ das kleine Apartment wie eine traurige und unpersönliche Ruine erscheinen. Doch das alles hatte sie nun hinter sich gelassen. Sie musste noch nicht einmal zurück kehren. Ihre Mutter hatte noch ihren Ersatzschlüssel und würde, sobald Dana einen neue Wohnung gefunden hatte, die Möbelpacker hineinlassen, um alles nach Chicago zu transportieren. Ihr Hausverwalter hatte ihr versichert, dass es ihm durchaus Recht wäre, alle Schlüssel durch Maggie ausgehändigt zu bekommen. Das ersparte Dana einen wohl schweren Gang. Sie hoffte, dass sie bald eine passende und gemütliche neue Wohnung finden würde, um letztendlich einen Schlussstrich zu ziehen, zumindest mental. Gedankenverloren griff sie nach ihren endlich eintreffenden Koffern, schulterte ihr Handgepäck und machte sich auf die Suche nach einem Taxistand. Sie hatte sich vorübergehend in einem dem Office nahegelegenen Hotel eingeschrieben. Diese Kosten wurden sogar vom FBI übernommen. Anscheinend hatte George ganze Arbeit geleistet und für sie ein sich sehen lassendes Paket ausgehandelt. Ihr war es eigentlich nur recht. Das würde ihr genügend Zeit geben, sich richtig umzusehen, und nicht beim erst besten Angebot zuschlagen zu müssen.
Endlich erreichte sie ihr Ziel und sah sich nach einem Taxi um. Doch bevor sie Anstalten machen konnte, in eines einzusteigen wurde sie von hinten in eine innige Umarmung gezogen.
"Dana, ich habe schon gedacht, ich hätte dich verpasse", sprudelte es aus der Kehle des "Angreifers" heraus.
Strahlend drehte sich Dana um und erwiderte die freudige Geste.
"Man George, du hast mich erschreckt."
"Wow, wie lange haben wir uns nicht mehr gesehen, zwei Jahre? Mir scheint, du wirst jedes Jahr schöner", raunte ihr George galant ins Ohr.
"Du alter Schmeichler", lachte Dana überschwänglich. Es tat gut, ihn wieder zu sehen, sehr gut sogar.
Entschlossen griff er nach Danas Koffer und eskortierte seine Freundin zu seinem Wagen. Dana starrte perplex auf das rote Toyota Paseo Caprio. "Ein toller Wagen." meinte sie anerkennend. George lachte nur etwas verlegen und verfrachtete Danas Gepäck im Kofferraum und auf der Rückbank. Gentleman-like öffnete er die Beifahrertüre und ließ Dana ins Auto. "Du weißt ja, ich habe immer von einem Caprio geträumt, und jetzt endlich konnte ich mir diesen Wunsch erfüllen. Normalerweise ist das gute Stück ein Spiel- und Spaßauto, also nur am Wochenende oder in der Freizeit in Gebrauch. Aber ich liebe das Fahrgefühl. Es verleiht der ganzen Sache einen leichten Touch von Freiheit. Lust auf eine kleine Spritztour?", schlug George aufgeregt vor. Noch ehe sie nicken konnte, hatte er bereits durchgestartet und befand sich auf dem Weg zum nächsten Highway. Er griff unter seinen Sitz und zog zwei FBI-Baseballcaps heraus. Grinsend reichte er eine an Dana weiter. Ohne lange zu überlegen setzte diese die Mütze auf und genoss den Wind, der sie frisch umwehte. George hatte wirklich recht, dies war definitiv ein Gefühl von Freiheit. Sie atmete tief ein und schloss genießerisch die Augen. Es schien schon fast so, als wäre der Wind in der Lage, die traurigen und trüben Gedanken, die sie im Moment beherrschten, einfach zu unterdrücken, als wäre er im Stande, sie in einen winzigen Bereich ihres Gehirns zu verbannen, sie dort festzuhalten. Sie wusste, dass dieses Hochgefühl nicht von Dauer sein würde, doch ließ sie es wohlwollen geschehen. Es war eine wunderbare Abwechslung. Sie musste sich jetzt mal keine Sorgen machen, keine Vorwürfe verfolgten sie, keine Selbstzweifel nagten an ihr und zum ersten Mal fühlte sie sich sicher und stark, zum erstem Mal, seit sie ihre Beziehung mit Mulder beendet, ihre Brücken in DC eingeschlagen hatte und sich zu neuen, hoffentlich für sie erfolgreicheren und glücklicheren Wegen aufgemacht hatte. Am liebsten hätte sie jetzt laut geschrieen, ohne Grund, einfach nur, um sich frei und unabhängig zu fühlen. Doch wie würde George darauf reagieren? Würde er sie für verrückt und durchgeknallt halten? Sie warf einen unschlüssigen Blick auf ihren Begleiter. Er wirkte so unbeschwert, wie er in seinem tiefer gelegten Auto saß, es sicher über den dicht befahrenen Highway steuerte, und so unglaublich cool mit seiner Baseballkappe und der spiegelnden Sonnenbrille. Erst jetzt konnte sie ihn eingehend und unauffällig mustern. Es schien fast so, als würde George bei jedem Mal, an dem sie sich trafen, noch attraktiver. Sie konnte es gar nicht glauben, dass er nicht schon längst eine bezaubernde Frau und mindestens zwei Kinder, wie er es sich immer gewünscht hatte, ein kleines Haus mit Garten in einer Vorstadt und einen liebenswerten Familienhund hatte. George war ein großer Mann, nicht ganz Mulders Größe, aber fast. Er hatte dunkelblondes, dichtes Haar, das er für einen Bundesagenten bemerkenswert lang trug. Dennoch stand ihm diese Frisur hervorragend. Sie ließ sein Gesicht, und damit sein markantes Kinn weicher wirken. Er hatte die tiefsten grünen Augen, die sie je gesehen hatte. Die Tatsache, dass seine Augen etwas dich beieinander lagen, ließen ihn nicht unattraktiv, sondern eher spitzbübig wirken. Sie bemerkte, dass er sich ein Ohrloch hatte stechen lassen. Er trug eine lässige schwarze Lederjacke, darunter ein beiges Hemd, hautenge schwarze Jeans und schwere Boots. Die ersten Knöpfe seines Hemdes waren offen und Dana erspähter darunter seinen sonnengebräunte, wenig behaarte Brust. Man sah auch trotz Kleidung, dass George etwas für seinen Körper tat, er hatte zwar nicht "stählerne" Muskelpakete, doch er war sehr ansehnlich. Durch einen kurzen Blick auf seine Beifahrerin wurde Dana daran gehindert, ihn weiter zu mustern und richtete ihren Blick verlegen auf die vorbeirauschende Landschaft. Sie hörte ein leises Glucksen aus Georges Richtung und musste ebenfalls schmunzeln.
 

Die Fahrt dauerte noch ca. eine halbe Stunde an, schweigend. Doch es war keines Falls ein bedrückendes Schweigen. Es war ein Schweigen unter Freunden, die einfach nur ihr Beisammensein genossen. Es gab so viel zu erzählen, doch beide wollte irgendwie warten, bis sie in Ruhe, bei einem Glas Wein zusammen saßen. Also lauschten beide nur dem Radio und irgendwann begann George, ganz hemmungslos und schief mitzusingen. Von seiner guten Laune und seiner Unbekümmertheit angestachelt, summte auch Dana leise mit. Dann wurde die Musik durch eine Wettervorhersage unterbrochen, aber George trommelte dennoch munter mit seinen Händen auf das Lenkrad ein. Der nächste Song lief an und George rief begeistert: "Sonny und Cher, wie ich diese Lied liebe. Komm schon Danes, sing mit." Damit bebann er emsig Sonnys Part zu trällern. Früher, in ihrer Jugend, während einer Tour um die Häuser, waren er, seine Clique und Dana in einer Karaoke-Bar gelandet. Nach einigen Gläsern Bier hatten er und Dana dieses Lied ganz zur Freunde seiner Kumpels gesungen. Er war einfach nur lustig gewesen. Dana, die noch etwas unsicher wirkte, rutschte nervös auf dem Sitz herum. Aufmunternd puffte George ihr den Ellbogen in die Rippen und forderte so schweigend ihren Einstieg in das Lied, während er ein "Babe, I got you Babe." nahezu brüllte.
Dana fing laut an zu lachen und begann dann tatsächlich, ebenfalls ihren Part zu singen. George war begeistert. Als die letzten Töne des Songs verklungen waren und die beiden Freunde zusammen herzhaft lachten, waren sie schon fast am Ziel angekommen.
Doch dies hier war eine reine Wohngegend. Dana blickte sich verwirrt um.
"Ich weiß ja nicht, wie du das siehst, aber das hier sieht mir nicht gerade aus wie ein Hotel", fragte Dana neugierig.
"Gut erkannt, Danes. Das hier ist mein Haus." Er deutete stolz auf ein modernes Einfamilienhaus mit einem großen Vorgarten und einer dicken Eiche darin. Es war blendend weiß gestrichen, nur die Fensterländen und einige Säulen waren himmelblau. Dana staunte nicht schlecht. "Du hast gar nicht geschrieben, dass du jetzt in einem Haus lebst, geschweige denn, eines besitzt!"
"Nun, das muss mir wohl entfallen sein." Sein Gesicht hatte einen verschmitzen Zug angenommen, während er mit einem Schalter im Auto das elektrische Garagentor öffnete, und durch den Hof fuhr. Spielerisch schlug sie ihm mit der linken Hand auf den Oberschenkel.
"Komm schon, Sonny, was hat das auf sich?"
"Nun, Cher, kannst du dich noch an meine Tante Meredith erinnern?"
"Oh Gott, wie könnte ich mich nicht an sie erinnern. Sie glaubte immer, ich wäre deine "kleine Freundin"."
"Genau, und sie konnte es einfach nicht ertragen, dass ich es nicht fertig bringe, DIE Frau fürs Leben zu finden. Und dann meinte sie wohl, ein eigenes kleines Häuschen in der Vorstadt wäre zumindest schon einmal ein Anfang. Übrigens meinte sie auch, ich zitiere: "Wenn du es schon nicht geschafft hast, deine kleine rothaarige Freundin zu halten, dann versuch es mal mit Hilfe des Hauses bei einer Anderen. Zitat Ende! Zudem vertritt sie den Standpunkt, ihr Erbe noch zu ihren Lebezeiten unter ihre Angehörigen zu bringen. Sie möchte sehen, was mit dem Geld geschieht." Damit lachte er laut auf und umrundete das Auto, um Danas Gepäckstücke zu holen.
"Hey, du musst mich doch noch ins Hotel bringe, die kannst du ruhig da drin lassen", versuchte Dana ihn von seinen Vorhaben abzubringen.
"Nein, du wirst nicht im Hotel wohnen, das kommt gar nicht in Frage."
"Was, ich dachte das FBI würde dafür aufkommen?" Dana wirkte jetzt leicht irritiert.
"Ja, das wollte es auch, ich werde aber nicht zulassen, dass du in einem Hotel hausen musst. Und da ich ein großes Haus zur Verfügung stehen habe, ist das doch selbstverständlich." Dann umarmte er die wesentlich kleiner Frau.
"Mhm, wie kann ich da widerstehen, vielen Dank."
"Wofür, ich hoffe du kannst einigermaßen gut kochen, ich bin da nämlich noch in den Kinderschuhen."
"Ich wusste es, das war alles nur ein Trick." Scully boxte George leicht in die Brust.
"Du hast mich durchschaut", lachte er abermals los und führte Dana durch eine Verbindungstüre ins Haus. Auch hier staunte sie nicht schlecht.
"Wow, das ist so... mhm, wie soll ich sagen... so George!" Ein anerkennender Blick streifte zuerst seine Küche, dann ihn selbst. Einladend deutete George auf einen der Küchenstühle und er griff über ihren Kopf zu dem Regal, auf dem sich die Gläser befanden. Aus dem Kühlschrank zauberte er eine edle Flasche Sekt und öffnete diese, ohne eine mittlere Katastrophe zu erzeugen. Galant füllte er ihrer beiden Gläser und gemeinsam prosteten sie sich zu und tranken auf ihre Zukunft.
 

Danach führte George sie durch sein Haus. Zuerst betraten sie das Esszimmer, das nahtlos ins Wohnzimmer überging. Es wirkte geräumig und urgemütlich. George hatte die Elemente der Moderne und der antiquierter Möbelstücke geschickt kombiniert. Der hochmoderne, azurblaue Fernsehschrank, die gleichfarbene Bar und die raffiniert wirkende Vitrine stellten einen starken Gegensatz zu den alten, dunklen Kirschbaumholzstühlen und der großen Tafel dar. Sie wurden von einem dunklen, und antik wirkenden Geschirrschrank auf der einen Seite, und einem ebenfalls blauen, mit einem riesigen Spiegel besetzten Schrank auf der anderen Seite, umrandet. Für die Helligkeit waren mindestens 10 kleine Fenster und eine große Schiebetüre zur Terrasse verantwortlich. Verziert wurden diese von langen, modisch aufgehängten, blau-gelben Gardinen. Die selben Farben, die auch das runde Sofa und die 2 Sessel hatten. Davor stand ein edler Glastisch, auf dem eine dunkelblaue, schick zusammengeraffte Tischdecke und ein herrliches Trockenblumengedeck lagen. Für einen lebendigen Eindruck sorgten die unzähligen und in vielen Farben vertretenen Blumen und Pflanzen, die entweder auf der Fensterbank, auf Sockeln oder in großen Übertöpfen auf dem schwarz-weiß melierten Marmorboden standen. Staunend durchquerte Dana den Raum und folgte George in den Flur.
"Das hast du alles selbst eingerichtet?" Etwas ungläubig suchte sie Blickkontakt. Sie wusste, dass George ein Händchen für Blumen und Pflanzen hatte, doch dieses Haus hatte eindeutlich einen weiblichen Touch.
"Nein, du hat mich durchschaut. Meredith wollte wohl verhindern, dass ich den Neubau gleich durch meinen fürchterlichen Geschmack unansehnlich mache, und so hat meine Liebe Tante gleich eine Raumausstatterin beauftragt, es hier wohnlich zu machen. Was ihr durchaus gelungen ist, wie ich zugeben muss."
 

Als nächstes betraten sie sein großzügig angelegtes Büro, das gegenüberliegende Gäste-WC und zuletzt eine Art Abstellkammer mit Vorräten, Waschmaschine, Trockner und Bügelbrett. Mitten im Flur führte eine gewundene Treppe ins obere Stockwerk. Dort befanden sich Georges Zimmer, ein Gästezimmer, das Badezimmer und ein weiteres, bis jetzt noch leerstehendes Zimmer, das bisher nur einige unausgepackte Kartons mit Büchern und anderen Gebrauchsgegenständen beherbergte. Das Badezimmer hatte es Dana ganz Besonders angetan. Die mintgrünen Fließen und einige Kachel mit Fischmotiven ließen den Raum wie ein übergroßes Aquarium wirken. Die riesengroße Badewanne auf der linken Seite schien besonders einladend. George bemerkte Danas sehnsüchtigen Blick und sicherte ihr gleich zu, dass sie, nachdem sie in Ruhe ausgepackt hatte, ein wohltuendes Bad nehmen solle.
Nun betraten sie Danas Zimmer. Es war ein großer Raum, der durch eine Gaube hell und freundlich wirkte. Obwohl George es großzügig eingerichtet hatte, war es keinesfalls überladen. An der langen Wandseite stand ein riesengroßer Eichenschrank, dessen mittlere Türe ein Spiegel war. Gegenüber zierte eine Vitrine und eine moderne Kommode die Wand. Direkt unter der Gaube befand sich das Bett, sodass sie nachts die Sterne von ihrem Bett aus sehen konnte. Eine kleine Sitznische verlieh dem Raum einen gemütlichen Eindruck. Sowohl in Sichtweite des Bettes, als auch des Sofas war eine zweite Kommode, auf der sich ein Fernseher und eine Stereoanlage befanden. Voller Entzücken stellte Dana fest, dass es sogar einen großen Schreibtisch gab. "Wow, George, das Zimmer ist toll, dann kann ich mir ja sogar meinen PC herschicken lassen. Und der Ausblick. Gott, vielen Dank, dass du mich aufnimmst. Es ist phantastisch." In Danas Stimme schwang eindeutig Enthusiasmus mit.
"Hey, Dana, ich habe dir doch schon einmal gesagt, dass du hier herzlich willkommen bist, und ich möchte jetzt nichts mehr davon hören. So, am Besten ist, du packst jetzt mal deine Sachen aus, richtest dich ein und nimmst dann das versprochene Bad. Und ich werde jetzt ein paar Besorgungen machen und dann für uns Spagetti kochen. Das gehört nämlich zu den Gerichten, die ganz weit vorne in meinem neuen Kochbuch stehen." In Georges Augen blitzte ein verräterisches Zeichen von Schalk auf. "Ähm, brauchst du noch irgendwas, magst du etwas besonders gerne?" erkundigte er sich noch bei seiner neuen Mitbewohnerin.
Gemeinsam schrieben sie einen gigantischen Einkaufszettel und einigten sich auf eine Haushaltskasse, die von beiden monatlich gefüllt werden sollte. Dann machte sich George auf den Weg, während Scully ihre Sachen sorgfältig in ihrem momentanen Heim verstaute. Und dann konnte sie endlich ihre wohltuendes Bad nehmen und sich für einige Minuten etwas Ruhe gönnen.
 

 

**********

Dana genoss die Ruhe im Badezimmer. Sie ließ sich Zeit, um all die Dinge zu erledigen, die während ihren stressigen Arbeitswochen immer zu kurz kamen. Erst jetzt konnte sie es richtig genießen. Noch während sie eine Feuchtigkeitsmaske auftrug, sann sie über die Vergangenheit nach. Und obwohl sie sich fest vorgenommen hatte, alle Gedanken über Washington und vor allem über Fox Mulder ruhen zu lassen, schossen ihr unzählige Erinnerungen unaufhaltsam durch den Kopf. Früher hatte sie es nur selten geschafft, einen Beauty-Abend durchzuziehen. Zu irgendeinem Zeitpunkt war ihr Partner immer aufgekreuzt, um sie zu einer wilden Jagt auf Mutanten, Aliens oder Mottenmänner zu überreden. Und wenn nicht das, dann hatte er um ihre Aufmerksamkeit gebuht, wobei ihn eine grüne Maske wortwörtlich "enorm auf die Nerven ging und vom Wesentlichen ablenkte", doch jetzt gab es nur noch Stille und alle Zeit der Welt. Dana wollte diese kleine Oase nicht verlassen. Hier war sie alleine, sie hatte ihre Ruhe und eine gewisse Geborgenheit. Sie wollte nicht zurück in die kalte Realität. Zudem wusste sie, dass ihr noch ein ziemlich aufwühlendes und emotional belastendes Gespräch mit ihrem langjährigen Freund und Vertrauten bevorstand. Und vor dieser Konfrontation fürchtete sie sich am meisten. Sie hatte die Problematik zwar bereits mit ihrer Mutter besprochen, aber das war eine andere Sache. Ihre Mutter hatte alle Stadien ihrer Beziehung mit Fox von Anfang an miterlebt. Es waren keine überflüssigen Erklärungen und Rechtfertigungen notwendig gewesen, zudem kannte Maggie ihre jüngste Tochter genau, was ihr die Einschätzung und den einen oder anderen Ratschlag einfacher machte. Nahezu apathisch fuhr Dana sich über die bereits erhärtete Maske. Sie benässte einen Waschlappen und legte ihre leicht gerötete, zarte Haut wieder frei. Seufzend beugte sie sich über das Waschbecken und betrachtete ihr Gesicht aus nächster Nähe. Sie sah wesentlich frischer und erholter aus. Wozu eine winzige Menge an Chemie doch im Stande war! Äußerlich sah man ihr die Strapazen der vergangen Woche nicht mehr an, allein innerlich war sie jetzt noch ausgelaugt und ihre Wunden waren keinesfalls verheilt. Doch sie hatte es geschafft, ihre stahlharten Mauern wieder um sich herum aufzurichten. Sie waren massiver, widerstandsfähiger und höher als je zuvor. Ihr Blick fiel auf ihre frisch manikürten Fingernägel und zaghaft testete sie die Festigkeit des hellen Lackes. Mit der Trockenheit noch nicht ganz zufrieden, ließ sie sich auf dem Rand der Badewanne nieder und löste vorsichtig und mit gespreizten Fingern das feuchte Handtuch aus den frisch gewaschenen Haaren. Ein leichter Hauch von Apfel mischte sich mit dem Wohlgeruch ihrer Lotion in dem großen Raum. Die gekippten Fenster hatten den Dampf entgültig vertrieben und hin und wieder wehte eine leichte Prise über die bunten Kacheln. Wohlig streckte Scully sich und genoss die sanfte Abkühlung. Nach einigen Minuten hatte sie sich gesammelt und innerlich für das bevorstehende Gespräch gewappnet. Mit Schnelligkeit und Präzission sammelte sie ihre Hygieneartikel zusammen und huschte in ihr Zimmer, um sich gemütliche Kleidung anzuziehen.
Wenig später lockte sie der Duft von Spagetti in die Küche. Dort erwartete sie ein bereits fertig gedeckter Tisch. Die aufgekochten Nudeln standen in einem Sieb auf der Ablage, auf dem Herd der Topf mit der Soße zum Warmhalten. Doch von George war nichts zu sehen. Erst jetzt bemerkte sie die angelehnte Terrassentüre. Lächelnd trat sie nach draußen um sich auf die Suche nach ihrem neuen Mitbewohner zu machen. Wie erwartet fand sie George mit einem kühlen Bier draußen, während er die letzten Sonnenstrahlen des Tages genoss. Der gepflegte und in bunten Farben blühende Garten war nicht weniger imposant als sein Haus selbst. Dieser Garten wirkte wie das wahre Leben. Ein perfekt gemähter Rasen säumte die ordentlich und symmetrisch angelegten Blumenbeete, in denen sie nicht ein Hälmchen Unkraut entdecken konnte. Besonders die vielfarbigen Rosensträucher hielten ihre Aufmerksamkeit gefangen. George hatte wahrlich ein Vermögen in sein Anwesen gesteckt. Sie hatte schon immer von seiner Liebe zu Pflanzen gewusst, und doch hatte der Anblick seines geschaffenen Garten Eden ihr die Sprache verschlagen. Verzaubert von der pflanzlichen Harmonie rutschte sie neben George auf die sich langsam und gemächlich bewegende Hollywoodschaukel und schweigend genossen sie den Sonnenuntergang. Keine sinnlosen und unnötigen Worte waren nötig um die Schönheit und Einzigartigkeit der Natur zu erleben. Hin und wieder nippte ihr Freund an seinem Bier oder drückte Dana das Glas in die Hand. Das angenehm kühle Gebräu schmeckte in dieser Umgebung um Klassen besser, wie sie fand. Ob es reine Einbildung war, oder ob es daran lag, dass es schon eine Ewigkeit her war, dass sie ein Bier getrunken hatten, vermochte Scully nicht zu erklären.
"Ich möchte dich nicht drängen, aber warum genau hast du dieses Angebot überhaupt angenommen? Du hast immer so zufrieden geklungen, wenn du von den X Akten gesprochen hast. Und was ist mit Mulder? Führt ihr jetzt eine Wochenendbeziehung?" Sie hatte gewusst, dass sie diesem Gespräch nicht entkommen konnte, doch irgendwie war es urplötzlich wie ein unheilverkündendes Unwetter vor ihr aufgezogen.
"Nein, keine Wochenendbeziehung, wir haben uns getrennt." Trotz ihrer leisen Stimme konnte George die Ernsthaftigkeit dieser Worte nicht überhören. Und obwohl er sich bemühte, sich seine Überraschung nicht anmerken zu lassen, konnte er das Erstaunen nicht ganz verbergen.
"Getrennt? Was ist geschehen?" Diese Frage war so typisch für ihn. Er versuchte nicht, ihr ein schlechtes Gewissen zu machen, oder diese Entscheidung in Frage zu stellen. Er wollte die gesamte Story hören und nicht eher er alles wusste, würde er mit ihr über das Endresultat sprechen. Mit ihm wirkte es so einfach. Er zwang sie zwar, sich wiederholt mit der Problematik auseinander zu setzten, aber er würde sie nicht verurteilen oder voreilige Schlüsse ziehen. Er war schon damals ihr unerschütterlicher Fels in der Brandung dieser verwirrenden Welt gewesen und sie hoffte, abermals von seiner Stärke und seinem gütigen Wesen profitieren zu können. Wenn es jemanden gab, der ihr über den Trennungsschmerz hinweghelfen konnte, dann war es niemand anderes als George Wennington.
"Ja... Es gab nicht immer eitlen Sonnenschein, wir hatten Probleme. Und eines ist mir über den Kopf gewachsen." Und abermals musste sie bei dem Gedanken an Fox Mulder gegen ihre Tränen ankämpfen. George, der ihr diesen stummen Kampf deutlich ansah, drängte sie nicht, denn auch er wusste, das dies nur ein gegenteiliges Resultat erzielen würde.
"Es gibt keine problemlosen Beziehungen", versicherte er sanft.
"Ja, aber es wurde immer schlimmer. Bei unserem letzten Telefonat habe ich dir doch über seine Fähigkeit erzählt, einfach ohne irgendeine Nachricht dubiosen Informationen hinterher zu jagen. Seit diesem Gespräch hat sich das noch mehr verschlimmert. Ich hatte ihm eine Bedingung gestellt: Keine blinden Verfolgungsjagden ohne mein Wissen! War das vielleicht zuviel verlangt? War ich zu hart?" Von Selbstzweifeln getrieben stellte Dana ihre Handlung in Frage. "Nein, Danes, du warst nicht zu hart, er war nicht stark genug, seiner Versuchung zu widerstehen. Er wusste, was auf dem Spiel stand und hat es dennoch riskiert. Du hast nichts Unmögliches verlangt. Eine einfache Nachricht seinerseits hätte gereicht. Ich weiß, wie schrecklich du dich fühlst, aber er hat es nicht geschafft, die einzige Bedingung, die du ihm gestellt hast, zu erfüllen." Um Dana inneren Halt zu geben, nahm er die zierliche Frau in seine Arme. Diese Geste stoppte die stumme Tränenflut und leitete ein hilfloses Schluchzen ein. Verzweifelt klammerte sich die rothaarige Frau an ihren Freund. Er schien im Moment die einzige Konstante in ihrer Welt zu sein. Der einzige Lichtblick. Und Dana war dieser Ausbruch nicht einmal peinlich oder etwa ein Zeichen von Schwäche, nein, denn George würde solche Schamgefühle niemals zulassen, und so war es einfach okay. Die salzigen Tränen wuschen das erste Mal ansatzweise ihre Sorgen weg.
 

Als keine Tränen mehr zu vergießen waren, und Dana wieder die Kontrolle zurück erlangt hatte, machten sich die beiden Agenten hungrig über die Spaghetti her. Und obwohl es sich um ein so einfaches Mahl handelte, glaubten beide, noch nie etwas annähernd so leckeres gegessen zu haben.
"Gott, ich weiß gar nicht, wann ich das letzte Mal Spaghetti gekocht bekommen habe. Kannst du dich noch erinnern, wie wir meine Mum immer um ihre Essenpläne gebracht haben, nur weil wir unbedingt Nudeln haben wollten?" Gesättigt und zufrieden lehnte sich die rothaarige Frau in ihrem Stuhl zurück. Den ersten Knopf ihrer Jeans hatte sie bereits geöffnet.
"Ja, ich wundere mich heute noch, wie wir es jedes Mal geschafft haben, unseren Willen durchzusetzen. Wie geht es Maggie? Wie hat sie deinen Umzug aufgenommen?" Während er diese Frage stellte, begann er, das Geschirr in die Spülmaschine zu räumen. Dana half ihm, und so hatten sie schnell die Küche wieder aufgeräumt.
"Mum ist immer noch die Alte. Sie hält die Familie zusammen, ist überglücklich mit ihren Enkelkindern, macht sich kontinuierlich über meine Sicherheit Sorgen... Du kennst sie." Ein Lächeln huscht über Scullys Gesicht. "Sie möchte, dass wir sie besuchen kommen. Und obwohl sie meine Entscheidung nicht so ganz versteht, akzeptiert Mum sie." Gedankenverloren durchblätterte Dana die Tageszeitung. George lächelte ihr aufmunternd zu. "Was anderes hätte ich von Maggie auch nicht erwartet. Du solltest sie anrufen. Sie macht sich bestimmt Sorgen, ob du gut angekommen bist. Du kannst ihr ja gleich meine Nummer durchgeben, es ist ja jetzt auch deine. Und was einen Besuch angeht, warum lädst du sie denn nicht hierher ein? Nächste Woche wird es unter Garantie stressig werden, aber das Wochenende wäre doch optimal, oder? Wenn sie sieht, dass du ordentlich untergekommen bist, macht sie sich vielleicht weniger Sorgen." Dana, die diese Idee für gar nicht mal so abwegig hielt, zog sich kurz darauf mit dem schnurlosen Telefon ihn ihrem Zimmer zurück. Nachdem sie ihre besorgte Mutter beruhigt, die Einladung ausgesprochen und ihr eine kurze Zusammenfassung ihres Tages gegeben hatte, hatte sie sich todmüde fürs Bett fertig gemacht. Dies war ein langer und anstrengender Tag gewesen. Dies hier war der erste Tag in ihrem neuen Leben, der Beginn ihrer Zukunft!
 

 

To be continued


 

Wollt ihr mehr, oder lieber nicht? Lasst es mich wissen, denn wenn es keiner liest, warum sollte ich dann weiter schreiben?