|
7 Meine erste FanFiction 7 |
*********************************************
Author:
Devra Lee CampbellArchives:
You are allowed to put my fanfics into your archives but please let me know where they are.Date: Ende Sommer – Anfang Herbst 1998
Spoiler: /
Rating: NC-17
Category: MSR, MSA, S-POV, X, Horror und ein bisschen Humor
Summary: Man nehme eine böse Vampirlady, einen mutierten FBI-Agenten, seine hoffnungslos verliebte Partnerin und drei gute Freunde. Ein wenig schütteln und schon habt ihr einen Bloody Mary on the rocks serviert von Debbie!
Author’s Note: Letzte Überarbeitung Jänner 2003
Disclaimer: The X-Files, sowie Fox Mulder und Dana Scully - überhaupt alle Charaktere der Serie -, gehören nicht mir, sondern 1013 Productions, FOX, Chris Carter und - ich erlaube mir mal, das zu sagen - auch den Schauspielern Gillian Anderson und David Duchovny. Ich habe sie mir sozusagen nur geliehen. *grins*! KEEP (-.-) SHIPPYYY!
Anmerkung der Autorin: Ich weiß, es ist der neuen Rechtschreibung nach falsch, aber das interessiert mich wenig. Niemand kann mich dazu bringen Club mit K zu schreiben!
*********************************************
London / England / 23:11
Auf den Straßen war nicht mehr viel los, kaum fuhren Autos oder waren Spaziergänger anzutreffen. Nur ein frisch verliebtes Pärchen kuschelte sich auf einer Parkbank gemütlich aneinander, als Fox Mulder seinen Mietwagen vor einer kleinen Bar abstellte. Die Nächte waren bereits kühler geworden, da sich der Sommer dem Ende neigte und schon viele bunte Blätter die langen Alleen schmückten. Der smarte FBI-Agent blieb noch eine kleine Weile in seinem Wagen sitzen und starrte zum Nachthimmel hinauf. Wie gern hätte er doch seine Partnerin mit nach London genommen, und die Chance gehabt, mit ihr in diesem Moment die Dunkelheit und das Funkeln der Sterne genießen zu können. Vermutlich würde sie gerade in ihrem Apartment sitzen und ebenfalls diese Nacht in ihrer ganzen Schönheit bewundern. Vielleicht hatte sie sich auch mit ihrer neuen Freundin Nicole Smith verabredet, ihrer besten Freundin, wohlgleich sie im Moment die einzige Freundin war, die Scully noch hatte. Ihre Freunde hatten sich einer nach dem anderen von ihr abgewandt seit sie mit Spooky Mulder zusammenarbeitete und ihn verbal gegenüber den anderen Agenten verteidigte.
Seit Scully ihre Freundin vor einem halben Jahr zum ersten Mal im Flur getroffen hatte - Nicole war gerade in das Apartment nebenan eingezogen - verstanden sie sich blendend. Mulder war sogar ein wenig eifersüchtig auf Nici, da er das Gefühl hatte, Scully würde ihn durch ihre verrückte Freundin vernachlässigen, und irgendwie schien er damit nicht ganz im Unrecht zu sein. Viel zu oft trieb sie sich an Feierabenden mit Nici in Bars herum und beachtete ihn privat kaum noch. Er fühlte sich als wäre er abgelöst worden, und Scully entfremdete sich von ihm.
Wie auch immer, nun trennte sie ein riesiger Ozean, und sie hatte ihren längst fälligen Urlaub angetreten.
Mulder war nach England gereist, da einer uralten Legende zur Folge in einer bestimmten Vollmondnacht, die Nacht der Fürsten des Blutes, Vampire aus ihrem tausendjährigen Schlaf erwachen sollten, um Unheil und Tod über die Menschheit zu bringen, die sie einst verflucht hatte. Vor zwei Wochen, so glaubte Mulder, hatte sich diese Vollmondnacht zugetragen. Seither geschahen in London merkwürdige Morde, wobei den Opfern ihr gesamtes Blut entzogen worden war. Mulder glaubte fest an die Legende, und da Skinner ihn anderweitig nicht brauchen konnte, schickte er ihn nach England, damit er der Sache auf den Grund ginge. Egal ob seine Fälle mit Außerirdischen, Mutanten oder anderen Phänomenen zu tun hatte, Mulder versuche sie alle zu lösen, und so hatte er sich nach England aufgemacht, um auch diese X-Akte abschließen zu können.
Der frische Nachtwind streifte Mulders Gesicht, nachdem er seinen Mietwagen verlasen hatte. Dann öffnete er die Glastür der Bar und trat ein. Als er sich ein wenig umsah, erblickte er eine junge, attraktive Frau mit langen roten Locken allein an einem Tisch sitzend. Sie starrte in ihr Glas, das mit einer transparenten Flüssigkeit gefüllt war, und schien ihre Umwelt kaum wahrzunehmen. "Hey, wenn Sie noch länger so traurig in ihr Glas starren machen Sie mich abgrundtief unglücklich. Erwarten Sie noch jemanden oder darf ich mich setzen?" Erst jetzt hatte die Frau mit den Sommersprossen ihn bemerkt und blickte ihn verdutzt an. Ein scheues Lächeln huschte über ihre Lippen und sie antwortete ein wenig überrascht: "Ja, natürlich. Ein wenig Gesellschaft wird mir bestimmt nicht schaden." "Danke. Dürfte ich vielleicht auch erfahren, wer die hübsche Lady hinter diesem netten Lächeln ist?" Diese Frau, sie hatte einen Ausdruck in ihren Augen, den Mulder noch nie zuvor gesehen hatte. Jeder Mensch besitzt ein Glitzern in seinen Augen, das sein tiefstes Innere, seine Seele spiegelt. Doch dieser Frau fehlte der Ausdruck, so als hätte sie nie gelebt, als wären all ihre Gefühle, Erlebnisse und ihre Erinnerungen loschen. Ihre Augen vermissten diesen Glanz, der nur bei Toten fehlte. Sie starrten ihn an, schienen seine Gedanken zu lesen und durchbohrten ihn wie ein Speer. "Vivienne Cole. Und wer sind Sie?" "Fox Mulder. Wie eine Einheimische hören Sie sich nicht gerade an. Woher kommen Sie?" "Ich bin sozusagen überall und doch nirgendwo, bin immer unterwegs, weil ich sehr viel reise. Aber eigentlich bin ich schon von hier, bin hier geboren worden, falls man das überhaupt so nennen kann. Verschiedene Länder gewöhnten mir diesen Dialekt an. Lassen Sie mich raten, Sie kommen aus Washington? Entweder sind Sie Anwalt, Jura-Student oder arbeiten im Weißen Haus?" "Washington könnte stimmen, aber ich bin FBI-Agent und meine Arbeit hat mich hierher verschlagen." "Und woran arbeiten Sie? "Ich jage." "Was jagen Sie? Einen Serienkiller, Dieb, Spion?" "Nein," Mulder nippte ein wenig an seinem Whisky und fuhr kühl fort, "Vampire." "Moment mal, wollen Sie mich verarschen? Vampire, ja ganz bestimmt, und Außerirdische bevölkern die Erde." "Daran hab ich nie gezweifelt. Ich gehöre sozusagen einer Spezialeinheit des FBI an. Jeder, der mich kennt, hat was an mir auszusetzen und meine früheren Kollegen gaben mir sogar den Spitznamen Spooky. Meine Vorgesetzten hassen mich und meine seltsamen Theorien hängen meiner Partnerin schon zum Hals heraus. Warum sollte ich mir die Mühe machen Sie zu verarschen?" "Sind Sie mit ihr hergekommen?" "Nein, sie ist in Washington geblieben." "Wissen Sie, Spooky, hier wird es mir zu langweilig. Gehen wir doch wo anders hin. Ich kenne da einen ganz tollen Nachtclub. Ich hab viele Freunde dort, und ich bin mir sicher, dass es jemandem wie Ihnen nicht schwer fallen wird, sich dort wohl zu fühlen." Dann bezahlten sie und verließen die Bar. "Lange bist du noch nicht hier, Spooky, oder?" "Ja, erst seit zwei Tagen." >>Und nicht ein Mal hat Scully angerufen.<< dachte er sich noch schnell bevor sie beide in den Wagen stiegen. Vivienne strich sich ihre Locken aus dem Gesicht und warf Mulder einen verschmitzten Blick zu, dann setzte sich der Wagen in Bewegung. Mulder folgte Viviennes Beschreibung bis sein Auto an einem Nachtclub nahe der Themse zu stehen kam. "Bist du eigentlich schon mit deinem Fall vorangekommen?" "Leider nicht. Diese Biester töten unentwegt in der Nacht, und am Tag verkriechen sie sich in ihren Särgen." "Scheunen." korrigierte Vivienne und stieg aus. "Wieso Scheunen?" "Ach, war nur so eine Idee, weiter nichts." Vor ihnen lag ein violett beleuchtetes Gebäude, aus welchem Heavy Metal drang. "Ich schwöre, das hier ist das beste Pub in ganz England, nein, Britannien!" Vivienne stolzierte zur Tür und öffnete sie, dann nahm sie Mulders Hand in ihre und sie traten ein. Erst jetzt bemerkte Mulder wie aufreizend seine nächtliche Begleiterin eigentlich war. In ihrem schwarz - violetten hautengen Kleid und dem ebenfalls schwarzem Jackett wirkte sie auf Mulder wie ein Magnet, der ihn mit aller Kraft an sich zog. "Das hier sind meine Freunde." Sie zeigte auf eine Gruppe von Frauen und Männern die in einer Ecke der Bar Billard spielten und Rotwein tranken. "Hallo, Vivienne, meine schöne Königin!" Ein gut gebauter Mann umarmte sie und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. "Na, hat unsere kleine wieder böses Mädchen gespielt und einen blutigen Fang gemacht? Vivi, das ist aber der Letzte für heute bevor die Themse noch überschwappt!" "Halt die Klappe, Jonas! Deine blöden Sprüche sind hier und jetzt nicht angebracht." Viviennes Miene wurde zornig. "Das ist Fox." Die ganze Runde lächelte ihn an und sagte im Chor: "Hallo... Fox." Da ergänzte Jonas: "Siehst aber noch mächtig lebendig aus!" Plötzlich begannen alle zu lachen bis Vivienne wutentbrannt fauchte: "Wenn du ein Mal einen derartigen Blödsinn reden, dann sorge ich höchstpersönlich dafür, dass du nie wieder deinen Mund aufmachst. Dann gibt es gewaltigen Ärger! Ist das klar?" Alle schienen sich nun wieder beruhigt zu haben und starrten Mulder verachtend an, sodass er bei ihrem Anblick eine Gänsehaut bekam. "Was meinen die?" wandte sich Mulder an Vivienne. "Ach nichts, die haben nur Spaß gemacht. Sind ein wenig verrückt, meine Freunde. Und Jonas, diesen Idioten, brauchst du ohnehin nicht zu beachten. Großes Mundwerk und nichts dahiner!" "Hey, Jack, mix unserem neuen Freund hier einen netten Drink" "Den er nicht so schnell vergessen wird!" rief Jonas dem Barkeeper zu, der sich gleich daraufhin an seiner Theke zu schaffen machte. "Komm, Fox, setzen wir uns doch da drüben hin!" Vivienne zeigte auf einen Tisch abseits der Gruppe. "Ich will mich ja nicht aufspielen oder so, aber du gibst dich mit solchen finsteren Typen ab?" "Diese Leute sind OK. Ein bisschen mysteriös, aber sauber, falls du das meinst?" "Nein, ich meine, sie sind mir unheimlich." Natürlich konnte Mulder ihr nicht sagen, dass ihnen allen Leben in ihren Augen, dieser Glanz, fehlte, sie allesamt tote Blicke besaßen, was auch immer das zu bedeuten hatte, doch Mulder ahnte nichts Gutes.
Der ganz in schwarz gekleidete Barkeeper stellte ein Glas mit roter, warmer Flüssigkeit vor Mulder auf den Tisch, schob seine Sonnenbrille ein wenig nach vor, so dass man einen kleinen Teil seiner Augen erkennen konnte, und sagte: "Cheers und noch viel Spaß für heute, der letzte, den du haben wirst." Mulder wurde misstrauisch. Die Atmosphäre in diesem Raum, die merkwürdigen Besucher, der Barkeeper, einfach alles war mysteriös, schweifte vom Bild einer normalen Bar völlig ab. Wo war er da nur hineingeraten? Alle starrten ihn erwartungsvoll an und grinsten so höllisch, dass Mulder Angst hatte, ihre Blicke könnten ihn töten. Erst jetzt nahm er die auffällige Bekleidung der Besucher des Clubs wahr. In rotschwarze Mäntel gehüllt standen sie da, tranken alle die rote Flüssigkeit, manche spielten an den Flipper- und Billardtischen. Ihre Blicke betasteten ihn als wäre er ein Eindringling in ihrem Revier oder etwas Besonderes, das sie noch nie zuvor gesehen hatten.
"Was ist das? Bloody Mary?" "So kannst du’s auch nennen." Jonas begann zu lachen, dass Mulder ein Schauer über seinen Rücken lief. "Trink doch einfach,... Fox!" Er nahm einen großen Schluck und starrte Vivienne geschockt an. "Was zum Teufel ist das? Was ist in diesem Drink? Das schmeckt wie Blut mit Wodka." Jonas stellte sich vor Mulder, beugte sich zu ihm und sagte dann: "Junge, das sieht nicht nur aus wie Blut und schmeckt wie Blut, das ist Blut und zwar von meinem letzten Fang, die hieß übrigens Mary. "Alle in der Bar hatten sich um den Tisch herum versammelt und lachten. Gleichzeitig verärgert und ängstlich sah Mulder Vivienne durchdringend an. "Seid ihr verrückt geworden, habt ihr schon zu viele Cocktails getrunken? Ich habe genug gesehen, mir reicht’s, ich verschwinde. Deine Freunde sind wirklich klasse, Vivienne." Dann stand er ruckartig auf, stieß den Stuhl dabei um und flüchtete wütend aus der Bar. "Uh, versteht dein Aufriss keinen Spaß, mein Herz?" "Idioten, ihr seid alles bescheuerte Idioten!"
Als Mulder schließlich sein Auto erreicht hatte und aufsperren wollte, hörte er die Glocke des Big Ben die Mitternachtsstunde verkünden. Ein dumpfer Schlag, ein zweiter. Vivienne kam gerade aus der Bar, nachdem der zweite Schlag verstummt war. "Los, wir müssen jetzt weg hier! Komm schon, steig endlich ein!" Vivienne wurde hysterisch und so stiegen sie beide schleunigst in den Wagen. Plötzlich ging das Licht des Nachclubs aus und die Musik verstummte. "Vivienne, würdest du vielleicht die Güte haben, mir endlich zu sagen, was hier vor sich geht? Vivienne!" "Nur keine Sorge, meine Freunde na ja, das ist schwer zu erklären, ich... " "Was? Was ist hier los?" "Fahr einfach, bitte!" Der Motor sprang an, und der Wagen setzte sich in Bewegung. "In welchem Motel bist du denn?" "Belleville. Und würdest du mir jetzt sagen was... ?" Vivienne legte ihren Zeigefinger an Mulders Mund und lächelte verführerisch. "Lass diese schöne Nacht nicht so enden!" Ihre Augen begannen plötzlich rot zu funkeln und Mulder war wie gelähmt durch ihren Blick. Er bremste, so dass die Reifen quietschten und sah Vivienne fassungslos an. "Was ist denn Vivienne?" Viviennes Lippen verschmolzen mit Mulders förmlich. Grinsend sagte sie dann: "Fahr zu deinem Motel, Fox!" "Du hast völlig Recht, diese Nacht ist viel zu schön, um sie allein zu verbringen." Obwohl Mulder es nicht wollte, so sprach er die Worte aus, fast wie in Trance, gesteuert von einer fremden Macht.
Ein rauer Nachtwind wehte als der Wagen in der Dunkelheit verschwand, umgeben von Nebelschleiern.
Belleville Motel / 24:50
"Fox." Viviennes Stimme wandelte sich zu einem Stöhnen und ihre Worte versanken in ihrem Verlangen. Vivienne und Mulder umarmten und küssten sich leidenschaftlich. Obwohl es Mulder nicht recht zugeben wollte, konnte er den Gedanken an Scully nicht verdrängen. Sie rief sich immer wieder in sein Gedächtnis, als wäre sie eine Warnung in jener Nacht gewesen. Die ganze Zeit über, als er Vivienne küsste, durch ihr weiches Haar strich, fühlte er Scully unter seinen Fingerspitzen. Und wie sehr wünschte er sich doch diese Frau, die er glücklich machte, wäre seine kühle Partnerin. Doch war sie es nicht und Mulder enttäuscht darüber, versteckte dies jedoch vor Vivienne, die nun ihren Kopf auf seine Brust legte, und diese leicht streichelte. Leise sagte Vivienne dann: "Du denkst an sie. Warum tust du mir das an, fühlst nicht dasselbe wie ich? Vom ersten Augenblick an, als ich dich sah, wusste ich, ich würde mich in dich verlieben. Und was machst du? - Benutzt mich nur. Du liebst Sie, ein Phantom, dem du bis ans Ende deiner Tage folgen willst, einem Geist, den du niemals lieben darfst. Warum liebst du etwas, das nie dir gehören wird, durch deine Finger gleitet, wie Sand in den Uhren; das vergänglich ist? Warum läufst du einem Schatten hinterher, den du doch nie einholen wirst? Sie wird alt werden und sterben, aber ich nicht!" "Vivienne, was soll der Unsinn? Vivienne, was passiert mit dir? VIVIENNE!" Die Turmuhr schlug Ein Uhr und der Glockenschlag des Big Ben ertönte erneut.
Die Frau, die eben noch so lieblich Mulders Brust gestreichelt hatte, richtete sich nun auf. Ihre Augen glühten feuerrot, und ihre Hände packten seine Handgelenke, drückten diese auf das Bett. In Sekundenschnelle wurden aus ihren Schneidezähnen gewaltige Fangzähne, von denen Blut heruntertropfte. Seine Gegenwehr nützte nichts und war ihrer Macht und Stärke kaum noch gegenwärtig. "Du musst diese dreckige Schlampe vergessen! Mein Geliebter sollst du sein, mein Fürst der Dunkelheit werden! Wir werden das schönste Fürstenpaar sein, das die Welt je gesehen hat. Nur du und ich, für alle Zeit!" Dann begann sie mit lauter Stimme zu sagen:
Das Feuer der Nacht
dein Böses entfacht.
Dein Leben soll zu Ende gehen,
Fürst Toronos wird auferstehen.
Mit diesen Worten legte Vivienne, oder was auch immer sie jetzt war, ihre Lippen auf Mulders Hals. "Nein, NEIN!" Mulders Schreie verstummten in der kühlen Spätsommernacht. Nur eine Eule auf dem Dach war noch zu hören, laut und rau ihr Ruf. Es schien als stünde die Zeit still, wäre die Stadt völlig ausgestorben. Kein rauschen der Themse, kein Lärm der Straße war zu vernehmen, nur Stille, in einer Decke aus Nebel und Nacht. Und aus den Wolken stürzte eine Schar Fledermäuse mit lautem Geschrei. "Was hast du getan? Was hast du getan? Er ist nicht wie wir, wird es nie sein! Du hast besiegelt unser all Ende. VERRÄTERIN, VERRÄTERIN, VERRÄTERIN!" Dann brach die Stille ihre Rufe entzwei.
Dana Scullys Apartment / drei Tage später / 22:58
Dana Scully telefonierte gerade mit ihrer Freundin Nici, die mit ihr aus einer Telefonzelle vor einem Motel sprach. "Hey, Nici, das finde ich toll. Und wie sieht er aus, dein Schatz?" "Groß, blaue Augen, und was für welche, sag ich dir! Traumhaft. Und er hat dunkle Haare - nimm gefälligst deine Pfoten weg, ich komm ja gleich! Robbie, hör auf! - Aha, wo waren wir? Ach so, ja, jetzt steht er hinter mir und begrabscht mich gerade... - jetzt hör auf! - Na ja, ich muss dann mal Schluss machen. Ich erzähl dir alles, wenn ich Heim komme, OK? Und bevor du dir diesen Krach noch länger anhören musst - lass das jetzt!" "Na unter Potenzproblemen scheint dein Lover wohl nicht zu leiden." "Oh ja, da könntest du Recht haben, Schätzchen. Ich muss jetzt aber auffff... " Nici begann zu lachen und schrie ins Telefon: "Bye, Dana." Dann drang plötzlich eine Männerstimme an Scullys Ohr: "Ciao, Bella!" Danach brach die Verbindung ab. Scully fand ihre Freundin so lustig, dass auch sie lachen musste und sagte zu sich selbst: "Du meine Güte, ist die wieder betrunken!" Plötzlich drang ein kalter Windstoß durch das offene Schlafzimmerfenster und Scully begann in ihrem dünnen Pyjama zu frösteln. Als sie von ihrem Bett krabbelte, um das Fenster zu schließen, hörte sie hinter sich einen fürchterlichen Krach und schreckte auf. "Mulder!" Vor ihr auf dem Boden kauerte Mulder und presste seinen rechten Arm jaulend an seine Brust. "Verdammt, warum klappt diese Landung nie?" "Wo kommen Sie auf einmal her? Und wie Sie aussehen!" Mulder trug eine schwarze Lacklederhose, ebenfalls schwarze, altmodische Stiefel und einen langen, rotschwarzen Umhang, der leicht geknittert um seinen Hals zusammengebunden war. Darunter kam Mulders nackter Oberkörper zum Vorschein. Ihr Partner sah niedergeschlagen aus und machte auf sie einen jämmerlichen und unbeholfenen Eindruck.
"Tut mir Leid, dass ich einfach so mit dem Fenster ins Haus falle, aber ich wusste nicht wohin. Und dann musste ich an Sie denken, denn Sie wären vielleicht im Stande mir zu helfen." "Setzen Sie sich doch erst mal. Sie sind ja völlig erschöpft. Außerdem sehen Sie aus, als kämen Sie gerade von einer Geisterbahn oder einem Maskenball. Sollten Sie nicht in England Vampire aufstöbern?" Scully lachte und führte Mulder zu ihrer Couch, wo er sich müde niederließ. Doch als Scully das Licht anmachen wollte schrie er plötzlich laut auf: "Nein, nein, kein grelles Licht, bitte! Bitte, zünden Sie eine Kerze an, oder holen eine Taschenlampe! Tun Sie bitte was ich sage!" Seine Stimme klang verängstigt und vibrierte. "Ist ja gut. Regen Sie sich nicht auf. Ich hole eine Kerze." Dann verschwand sie für kurze Zeit, und kam mit einer brennenden Kerze wieder zurück, die sie auf den Tisch vor Mulder stellte. "He, was ist denn bloß mit Ihnen geschehen? Sie machen mir Angst." Scully setzte sich neben Mulder auf das Sofa und umarmte ihn zärtlich, da sie meinte, er würde ihre Wärme brauchen. "Mulder, Sie sind ja eiskalt." Sanft strich sie über sein fahles Gesicht und durch sein Haar. Sie legte daraufhin ihre Hände um seinen Hals und zog langsam seinen Kopf an sich. Zärtlich küsste sie seine Stirn und streichelte ihn immer wieder, so lieblich, dass Mulder sich wohler und geborgener fühlte denn je zuvor. "Erzählen Sie mir doch was passiert ist, wovor Sie solche Angst haben!" Sie war ihm nun so nahe, dass sie sein Zittern in jedem Zentimeter ihres Körpers spürte. "Mulder, Sie stehen unter Schock. Was ist nur mit Ihnen geschehen?" "Sie - Sie würden es mir ja doch nicht glauben. Aber gut, alles fing in einer Bar in London an... "
Mulder setzte sich aufrecht hin, löste sich ein wenig aus ihrer zarten Umarmung, und sah tief in Scullys strahlende Augen. "Ich wachte also am nächsten Morgen auf, hatte schreckliche Kopfschmerzen und mein ganzer Hals schmerzte. Die Vorhänge waren zugezogen, damit keine Sonnenstrahlen ins Zimmer fallen konnten. Sonnenlicht wäre mein sicherer Tod. Ich stand schließlich auf und überlegte, was in der vergangenen Nacht geschehen war. Aber ich hatte keine Erinnerung daran, nur eine flüchtige an Vivienne. Dann ging ich ins Badezimmer und sah über einer Stuhllehne dieses Gewand hängen. Auf dem Weg zum Spiegel biss ich mir versehentlich auf die Zunge. Erst bemerkte ich es gar nicht, - mein war gesamter Kiefer geschwollen - aber dann tropfte Blut auf den Boden und ich wurde darauf aufmerksam. Ich stellte fest, dass mit meinen Zähnen etwas nicht in Ordnung sein konnte und wollte im Spiegel nachsehen, warum. Aber als ich mich davor stellte, bekam ich einen Schock. Ich konnte mich nicht sehen, hatte kein Spiegelbild mehr. Ich glaubte es erst ja selber nicht, aber alle Merkmale sprechen dafür, vor allem aber die zwei Einstiche an meinem Hals." Mulder schob seinen Kragen etwas zurück und deutete mit einem Finger auf zwei kleine Löcher an seinem Hals, über der Halsschlagader. "Da wusste ich dann was passiert war. Nicht ich hatte die Vampire gefunden, sondern sie mich!" Mulder öffnete seinen Mund, so dass seine langen Schneidezähne über die Unterlippe ragten. "Tja, und was das ist, muss ich Ihnen wohl doch nicht weiter erklären." "Mulder, das genügt. Sie hatten ihren Spaß. Nehmen Sie dieses blödsinnige Gebiss aus dem Mund und rufen Sie ihre netten Freunde an, und sagen ihnen, Sie hätten die Wette verloren!" "Welche Wette? Sie verstehen nicht worum es hier geht. Sie hat mich getötet, will mich zu ihrem Fürst der Dunkelheit transformieren und Sie glauben, dass sei eine Wette?" "Wissen Sie wonach sich das für mich anhört; wie ein kleiner Jungenstreich. Wollen Sie wissen, was ich glaube? Sie hatten in England einfach kein Glück mit ihrer Vampir-Jagd, weil es einfach ein Psychopath gewesen ist, der die Morde begangen hat, irgendein verrückter Bram Stoker-Fan. Sie waren enttäuscht darüber, dass sich ihr Kindheitstraum schlussendlich als Märchen entpuppt hatte, und sind mit den Einsamen Schützen Einen trinken gegangen. Und danach habt ihr vier eine völlig absurde Wette abgeschlossen; die da wäre, mich zu erschrecken. Sie haben sich ein Vampirkostüm ausgeliehen und diese Zähne gekauft, dann ließen Sie sich eine gruselige Geschichte einfallen und kamen zu mir. Das glaube ich und es hört sich auf jeden Fall realer an als Ihre Story! Sie haben doch nicht wirklich geglaubt, ich würde Ihnen diesen Schwall an unrealistischen Zusammenhängen abkaufen? Dann müsste ich mindestens genauso verrückt sein wie Sie!" "Scully, so glauben Sie mir doch! Es war keine Wette und ich bin nicht zum Spaß hier. Sie müssen mir helfen, bevor ich wieder töte! Ich kam zu Ihnen, weil ich Sie jetzt brauche, mehr als je zuvor! Ich habe das nicht erfunden. Fünf Menschen wissen das, doch die sind zu tot, um Sie von der Wahrheit zu überzeugen. Ich bin müde und erschöpft und ich habe schrecklichen Hunger. Ich habe Angst, dass ich wieder töte, wenn er mich beherrscht. Hat er einmal Besitz von mir ergriffen, dann tue ich Dinge, die Fox Mulder niemals tun würde. Er mordet und stillt seine Blutlust dadurch. Er verletzt Menschen, ich will, dass es endlich aufhört! Ich werde ich wahnsinnig und kann nichts dagegen unternehmen und kann alleine unmöglich gegen ihn ankämpfen. Was ich Ihnen gesagt habe, dass ist die Wahrheit!" Er schmiegte seinen Körper erneut an Scully, um ihre Wärme zu spüren. Sie war seine letzte Hoffnung, doch glaubte sie nicht, und das würde sein Ende heraufbeschwören. Er wusste, dass es stimmte, er die Geschichte nicht erfunden hatte, doch wie sollte er Sceptic-Scully davon überzeugen? Es schien so unmöglich, aussichtslos. Scully legte ihre Arme um ihn und lehnte ihren Kopf an seinen. Auch wenn er alles erlogen hatte, so war es schön ihm so nahe zu sein, aus welchem Grund auch immer. Mulder fühlte sich unheimlich gut an, sodass Scully in seinen Armen versinken hätte wollen, obwohl sein Körper zu Eis erstarrt war. "Ich wünschte, ich könnte es, Ihnen glauben, aber ich bin Ärztin, ich brauche Fakten, irgendwelche handfesten Beweise für die Existenz solcher Wesen. Und die einzigen Beweise, die Sie mir im Moment liefern können, sind äußerst bedenklich. Sagen Sie mir, wie ich Ihnen diese Geschichte glauben soll? Wie soll ich das anstellen?" "Aber Sie müssen es glauben, versuchen Sie es zumindest. Andernfalls werde ich denen, wenn die Zeit gekommen ist, hilflos ausgeliefert sein. Das ist kein schlechter Scherz, den ich mir erlaubt habe. Lassen Sie mich bitte nicht im Stich! Sie sind der einzige Mensch, dem ich vertrauen kann und den ich nie belügen würde." "Und was soll ich Ihrer Meinung nach tun, vielleicht einen Exorzisten rufen oder etwas in dieser Art?" "Nein, wenn ich ehrlich bin, weiß ich das selbst nicht, aber Sie können mich wenigstens davon abhalten, wieder zu töten. Ich bin ein Mörder, Scully, nicht besser, als die Psychopathen, denen wir in den vergangen Jahren das Handwerk gelegt haben! Je mehr Menschen ich umbringe und deren Blut ich trinke, umso mächtiger wird Toronos. Die Verwandlung ist erst dann abgeschlossen, wenn ich besiegt bin und Toronos endgültig gewonnen hat. Dazu darf es aber nicht kommen. Er ist der Anfang vom Ende. Wir dürfen nicht zulassen, dass er gewinnt, sonst laufen wir Gefahr mit ihm unterzugehen. Gott, Scully, Sie dürfen mich nicht aufgeben, ohne es versucht zu haben." Für einen kurzen Moment hob er seinen Kopf, und sah sie mit seinen traurigen Augen hilfesuchend an und brach Scully dadurch beinahe das Herz. Dann umklammerte er sie und drückte sie ganz fest. "Hey, ruhig, nur nicht übertreiben! Ist ja gut, ich werd sehen was ich tun kann." Fürsorglich glitten ihre Hände über sein kaltes Gesicht. Er hob nun seinen Kopf. Langsam näherten sich seine Lippen den ihren und ihre Blicke trafen sich. Es würde ihr erster gemeinsamer Kuss sein, und Scullys Körper begann zu beben allein bei dem Gedanken daran. Zart verschmolzen ihre Lippen miteinander, wurde ihr Atem Eins. Doch da rückte der Zeiger auf Scullys Armbanduhr auf 12:01 und Mulder riss sich von ihr los. "Nein, nicht schon wieder, bitte nicht!" Er stand ruckartig auf und drückte sich seine Handflächen an den Kopf. Was Scully in den nächsten Sekunden miterleben musste, würde sie ihr Leben lang nicht wieder vergessen. "Mulder, was um alles in der Welt... ?" Scully starrte entsetzt auf die Gestalt vor ihr, in die sich ihr Partner blitzschnell verwandelt hatte. Mulder öffnete seinen Mund und Blut ergoss sich über sein Kinn auf seine Brust. Wie gefesselt saß Scully da und beobachtete dieses grausige Szenario. Ein Schauer lief über ihren Rücken, als sie seine Schneidezähne erblickte, die nun doppelt so lang zu schärfer waren als zuvor. Mulder riss seine Augenlider weit auf, und Scully erkannte wie seine Augen sich feuerrot verfärbten. Da bemerkte sie wie um Mulders Hals ein merkwürdiges Zeichen auf der Haut erschien. Erst ganz hell, dann immer dunkler werdend, schien es der letzte Teil dieser teuflischen Verwandlung zu sein. Drei Kreise – schwarz wie die Nacht – erschienen auf Mulders Hals, als auf seinen Lippen das Blut gefror. Die Transformation schien nun abgeschlossen zu sein. Geschockt von diesem Anblick sprang Scully auf und wollte nach ihrer Dienstwaffe greifen, die vor ihr auf dem Tisch lag, doch wurde sie von einem Windstoß, den Mulder durch seine Gedankenkraft herbeirief, zu Boden gedrückt. "Vielleicht sollten wir ein wenig Licht schaffen, ist doch romantisch und hat mehr Touch!" Mulder schnippte mit den Fingern und die Flammen der Kerzen ringsum erhellten den gesamten Raum. Seine wild funkelnden Augen musterten Scully, die vor ihm auf dem Teppich lag und kaum zu atmen wagte. Mit seinem Handrücken wischte er sich das Blut vom Mund und beobachtete schmunzelnd wie sich Scullys Brustkorb in kurzen, erregten Abständen bewegte. Ihr war es als könne er sogar ihren Herzschlag hören und würde sein Blick sie berühren. "Wolltet Ihr mich etwa erschießen? Nur zu dumm, dass ich schon tot bin und es Euch nichts nutzen wird, my Lady!" Diese Worte vollendet, beugte er sich zu Scully hinab und lachte: "Habt Ihr Angst? Oh, das müsst Ihr nicht, doch nicht vor mir. Ich will Euch nichts Böses, will nur holen, was mir gehört, mir seit Anbeginn der Zeit zusteht, die Liebe der Frau, die mir ward versprochen einst! Werdet frei, Geliebte, werdet wie ich und meine Diener!" Er starrte sie feurig an und strich durch ihr Haar. "Spüret mein Verlangen, meine Liebe, meinen Durst! Werdet meine Fürstin der Nacht!" Vor Schreck gelähmt kauerte Scully auf dem Boden, und stammelte in ihrer Verzweiflung: "Nein, nein, Mulder, was haben Sie vor?" Bei jeder seiner Berührungen fühlte sich Scully, als zucke ein gewaltiger Blitz durch ihre Adern und vermochte sie nicht, sich zu wehren, nicht einmal, wenn sie es gewollt hätte. Schließlich kniete Mulder sich zu ihr und umfasste ihren Nacken mit einer, ihre Taille mit der anderen Hand. Leidenschaftlich küsste er sie, so dass sie glaubte, er raube ihr den Atem. Scullys Körper bebte, doch wusste sie nicht ob vor Angst oder Erregung. Mulders Küsse wurden auffordernder und wilder. Mit seinen Lippen tastete er sich zärtlich Scullys Hals hinab. "Nein, bitte nicht!" Nur ein leises Flüstern vermochte sie noch über ihre Lippen zu bringen. "Werdet MEIN!"
Da ertönte ein Schuss - ein zweiter - und Mulder stürzte an Scullys Seite zu Boden. "Nici!" "Lass meine Freundin in Ruhe, du Monster!" Nici stand breitbeinig im Zimmer, den Finger noch immer am Abzug ihrer 9 Millimeter. "Nici, du hast ihn umgebracht! Wie konntest du nur?" "Moment mal, der Kerl ist dein Mulder! WOW, ich wusste schon immer, dass du einen miesen Geschmack hast was Kerle angeht, aber wie du dich in den verlieben konntest, ist mir nun wirklich schleierhaft. Außerdem solltest du mir lieber dankbar sein, Liebes, denn ich habe dir gerade dein Leben gerettet, Ich glaube kaum, dass du auf Vampirnummern stehst. Dafür bist du viel zu wohlerzogen." Scullys Augen wurden glasig und sie begann sich schluchzend über den Mann zu beugen, der neben ihr lag. "Du hast ihn umgebracht, meinen Mulder!" "Falsch gedacht!" Seine Hand packte Scullys Hals, sodass sie zu tiefst erschrak. Die vor Sekunden noch leblos gewesene Gestalt raffte sich jetzt vom Boden auf und riss Scully fest an sich. "Ich bin unsterblich! Werdet es auch!" Nicole versuchte erneut den Abzug ihrer Waffe zu betätigen, doch... Ladehemmung. "Versucht es nicht, denn es wird nicht funktionieren! Ihr seid zu schwach, Gnädigste, könnt mich, den Regenten der Nacht, niemals besiegen!" Wieder lachte er höllisch und wandte sich Scully zu. Seine Lippen fanden ihre und sie schloss ihre Augen, um ihr Schicksal hinzunehmen. Seine Zähne streiften immer wieder ihre Zunge, die seinen Berührungen folgte.
"Wir sehen uns bald wieder, meine Fürstin. Doch scheint mir heute nicht angebracht, um Euch zu der Meinigen zu machen." Seine Hände ließen von ihr ab, dann stand er auf. Mit hocherhobenem Haupte schlich er zum Fenster, das sich seinem Wunsch nach öffnete. Er drehte sich kurz um, warf Nicole einen giftigen Blick zu und wandte sich dann noch ein letztes Mal an Scully, die sich nicht wagte, sich von der Stelle zu bewegen. "Wartet auf mich, Geliebte. Unser Schicksal sei besiegelt schon bald. Vereint bis die Ewigkeit zu Staub geworden, die Vergangenheit zerfällt!" Dann wirbelte er seinen Umhang durch die Luft und verwand so plötzlich wieder, wie er aufgetaucht war. "Um Himmels Willen, Scully!" Nicole war so gefesselt von Mulders Anblick gewesen, dass sie kaum bemerkt hatte, als Scully ohnmächtig geworden war. "Dana, komm zu dir, bitte! Wach auf, es ist vorbei!" Langsam öffnete sie die Augen und umarmte Nici. "Sag, dass es ein Albtraum war und du mich gerade geweckt hast! Das ist nicht die Realität. Sag mir, dass es nicht passiert ist, bitte, Nic!" "Ich muss dich leider enttäuschen, Kleines. Wie es aussieht ist dein lieber Partner ein Monster aus Transsilvanien." "Warum bist du eigentlich hier? Solltest du dich nicht mit deinem Roberto anderweitig vergnügen? Du hast mir gerade das Leben gerettet." Nici grinste. Für ein paar Minuten schwieg Scully und hörte ihrer Freundin zu, wenn auch ziemlich unaufmerksam. "Und hätte es mein Don Juan De Verlierer auch gebracht, dann wärst du jetzt bestimmt auch tot." Als Scully sich wieder etwas gesammelt hatte, standen beide auf und setzten sich auf das Sofa, um dort mit ihrer Unterhaltung fortzufahren. "Ich hab ihm die Geschichte nicht glauben wollen, kann das eigentlich auch noch immer nicht so recht. Diese Vampir - Storys sind doch alles Quatsch, erfunden, um kleinen Kindern Angst zu machen, so wie der Schwarze Mann oder Kobolde. Unsinn, Märchen eben. Ich glaube nicht an solche Hirngespinste. Ich bin Ärztin. Mein Beruf ist es immer mit beiden Beinen am Boden zu bleiben." "Jetzt übertreibst du aber!" "Nein, das ist doch mein Job und ich arbeite aus tiefster Überzeugung." "Gut, und was sagt also die Ärztin zu diesem Fall?" "Mulder ist... ähm... ein... Vampir." "Toll, und was sollen wir jetzt machen, wo sogar du mit deiner Weisheit am Ende bist?" "Wir holen Hilfe, bevor er zurückkommt und das wird er. Es gibt nur eine Lösung." "Und die da wäre?" "Wir müssen wohl oder übel die Einsamen Schützen, Mulders verrückte Freunde, zu Rate ziehen. Die haben von Vampiren vielleicht mehr Ahnung als wir, zumindest halte ich das für möglich. Die befassen sich sehr intensiv mit solchem Kitsch und wissen vielleicht auch wie wir Mulder helfen können. Wir müssen zu ihnen, jetzt gleich." "Wie? Warte doch mal!" Scully ging in ihr Schlafzimmer und begann sich umzuziehen. "Dana, sag, wie stellst du dir das eigentlich vor so mitten in der Nacht? In der Nacht schlafen bekanntlich alle Leute, oder?" "Wir schlafen doch auch nicht, also warum sollten gerade die es tun, gerade heute, wo sie es sowieso nie tun? Sie müssen uns einfach helfen, das können sie bestimmt, sie müssen!" Obwohl Scully nicht weinen wollte, so drangen Tränen in ihre Augen und liefen ihre bleich gewordenen Wangen hinunter. "Ich will es ja verstehen." "Dana, hey, komm her! Ich weiß, dass es dir weh tut, weil du ihn liebst, deinen Mulder." "Halt den Mund! Ich liebe ihn nicht! Das ist nicht so, wie du denkst. Ich... " Nicole schloss ihre Freundin in die Arme, die schließlich unter Tränen flüsterte: "Ich will ihn nicht verlieren. Dieser Mann, nein, dieses Monster, kann unmöglich Mulder sein, nicht mein Mulder." "Los, komm jetzt! Lass uns zu diesen Einsamen Schützen fahren und ihnen die ganze Geschichte erklären."
Wohnung der Einsamen Schützen / 0:52
Frohike öffnete verschlafen die Türe und sagte: "Agent Scully, was führt Sie denn so spät noch zu uns, und das ganz ohne ihren Bodyguard?" Nun kam auch Langley angeschlichen und meinte: "Hat Mulder keine Zeit, weil er sich vielleicht um andere Fälle kümmern muss?" "Byers, Frohike, Langly, Sie müssen mir helfen! Genauer gesagt braucht Mulder Ihre Hilfe. Das ist übrigens meine Freundin Nicole Smith." "Hallo, Nicole, heute Nacht schon was vor?" Frohike konnte sich wieder einmal nicht beherrschen und seine Gedanken für sich behalten. Wahrscheinlich war er schon mit einem Macho-Gen zur Welt gekommen.
"Was genau also können wir für Mulder tun und warum ist er nicht mit Ihnen hergekommen?" warf Byers ein. "Er hat ein großes Problem. Ich befürchte er leidet an einer sehr neuen und fortgeschrittenen Art von Schizophrenie." "DANA! Sie lügt, das ist nicht wahr und das weiß sie genauso gut wie ich. Sie kann nur die Wahrheit nicht über die Lippen bringen. Er ist so etwas, was Sie wohl einen Vampir nennen würden." "Ein Vampir? Na wenn das stimmt, dann steckt Mulder aber in wirklich großen Schwierigkeiten!" Byers schaute sie unglaubwürdig an, fuhr aber sogleich fort: "Erzählen Sie mir, wie es dazu gekommen ist, Miss Smith!" "Na das sollte wohl lieber Dana übernehmen, denn ich kenne nur die Hälfte der Geschichte." "Also, Agent Scully, wir sind ganz Ohr." "Mulder arbeitete an einem Fall in London." Scully hielt inne, überlegte kurz, was genau ihr Mulder erzählt hatte, und sprach dann weiter: "Er sagte mir, er hätte dort eine junge Frau kennen gelernt, und als er am nächsten Morgen in seinem Hotelzimmer aufgewacht sei, wäre sie fort und er ein Vampir gewesen." Scully verzog ihren Mund zu einem verlegenen Lächeln, mit dem sie versuchte ihre Unsicherheit zu verstecken. "Sie meinen, er ist ein echter Vampir?" "Er hat sich in ein Monster verwandelt." In der Zwischenzeit hatten sich alle hingesetzt und lauschten nun Nicole, der die Angst ins Gesicht geschrieben stand, als sie die Geschehnisse Revue passieren ließ. Scully setzte schließlich fort: "Er behauptete der Fürst der Nacht, Fürst Toronos, zu sein. Aber wenn er wirklich - nehmen wir es vorläufig mal an - so etwas wie ein Vampir ist, dann wehrt sich Mulder, oder das, was von ihn noch übrig ist, gegen die Besitznahme des Bösen, gegen Toronos. Er kämpft dagegen an. Aus diesem Grund hat er mich aufgesucht, damit ich ihm helfe, ihn befreie. Allein kann ich ihm aber nicht helfen. Ich glaube nicht mal an die Existenz solcher Wesen. Wie könnte ich ihm da schon helfen? Aber Sie, Sie glauben und können das vielleicht. Sie wissen mehr über solche Phänomene. Ich schätze, ich bin der ungläubigste Mensch auf Erden. Bitte, Sie müssen ihm helfen, denn wenn wir das nicht versuchen, dann ist er möglicherweise für immer verloren. Ich bin bereit alles zu tun, um ihn zu retten, denn er täte dasselbe, wäre er in meiner Situation." "Ihrer Geschichte nach zu urteilen, ist er wohl oder übel wirklich so etwas wie ein... Vampir. Bleibt nur die Frage, wie wir ihm helfen können. Wir müssen Nachforschungen anstellen, denn ich habe das Gefühl, ich habe diesen Namen, Toronos, schon mal irgendwo gehört. Er kommt mir so bekannt vor." "Wir werden ihm helfen, dem Verrücktesten von uns, das sind wir ihm schuldig." meinte Langly und alle nickten. Byers sah die vier Personen, die vor ihm auf zwei Stühlen und einem kleinen Sofa saßen, an. "Also ich bin dabei!" sagte Frohike heldenhaft. "Ich auf jeden Fall." folgte Byers. "Für Mulder." Flüsterte Scully, ihre Tränen verbergend, doch überzeugt. "Ich mache auch mit, wenn es Dana dann besser geht. Außerdem macht mir der Kerl Angst und ich will das so schnell wie möglich hinter mich bringen." "Na dann, für Mulder." Langly schloss den Schwur somit ab. "Wir sind jetzt zu fünft.," Byers setzte fort, "Wir wissen zwar nicht viel über Vampire, aber sollte sich das schleunigst ändern. Wir werden einen Plan zusammenstellen, uns Bücher ausleihen und arbeiten bis uns der Kopf raucht. Alle einverstanden?" Byers sah sich um, jedem Einzelnen in die Augen. "Ja." sagten sie schließlich im Chor. "Alles klar. Wir schaffen das schon. Das müssen wir doch. Wir werden Mulder helfen. Ich überlasse meinen Partner doch nicht diesen... , was auch immer die auch sein mögen!" "It’s Showtime!" grinste Frohike und Nici stammelte leise zu Scully: "Ich hoffe, die wissen was wir tun, denn ich weiß es nicht." "Es ist schon sehr spät. Wir sollten diese Konversation besser heute Vormittag weiterführen. Ich schlage also vor, wir treffen uns später in der Stadtbücherei. Dann sehen wir weiter." "Was ich noch sagen wollte; er hat schon fünf Menschen auf dem Gewissen. Er ist sehr gefährlich, wenn er hungrig ist und im Moment ist er verdammt hungrig. Außerdem wird er von Vivienne und ihren Freunden verfolgt. Wir haben es hier also mit Mehreren zu tun. Ich bin mir sicher, er wird zu mir zurückkommen. Was soll ich dann machen?" "Versuchen Sie ihn hinzuhalten indem sie mit ihm reden. Er darf Sie auf keinen Fall beißen. Ich habe das dumpfe Gefühl, da steckt mehr dahinter, als wir zu sehen glauben. Irgendetwas stimmt hier nicht. Wenn die Legende wahr ist, die Mulder nach England geführt hat, dann haben wir es hier mit einem viel größeren Problem zu tun, als es scheint. Wenn er herausgefunden hat, dass die Nacht der Nächte, das Erwachen der Fürsten des Blutes, wirklich stattgefunden hat, dann... steht uns das Ende bevor. Sie sollten aber im Moment besser keinen Gedanken daran verschwenden und wieder zu Bett gehen. Nach ihrem Schock vorhin brauchen Sie beide etwas Ruhe. Gute Nacht." "Danke für ihre Hilfe, Byers. Ich wüsste nicht was ich... " "Schon gut. Er wird Sie nicht töten, Scully, noch nicht jedenfalls. Und auch wenn er es tut, dann werden Sie es bestimmt nicht bleiben." Er schmunzelte verlegen und sagte dann: "Wir treten später wieder in Kontakt. Hier ist meine Handynummer. Ich glaube, die werden Sie noch brauchen können." "Halten Sie ihre Fenster geschlossen, noch einen Vampir können wir nämlich nicht gebrauchen, ja?" Frohike hatte sein Grinsen zu einem ernsten Geschichtsausdruck verzogen, als er den beiden Frauen nachrief.
Dann verließen Nicole und Scully das Gebäude und gingen zum Wangen. Frohike und Langly gingen zurück in das Zimmer, nur Byers stand noch auf der Türschwelle, den Blick auf Scully gerichtet, die den Wagen startete. >>Sollte es wirklich der Fall sein, dass die Fürsten der Nacht aus ihrem Schlaf geweckt worden sind, dann, nicht auszudenken wenn... Toronos, ich kenne diesen Namen doch, aber woher? Irgendwann habe ich doch schon von ihm gelesen, aber wo? Wer ist er und warum gerade Scully. Das ergebe doch keinen Sinn, oder etwa DOCH?>>
Im Flur vor Scullys Apartment/ 1:05
"Wirst du schlafen können?" "Ich weiß nicht. Aber versuchen werde ich es. Weißt du, es gehen mir so viele Dinge durch den Kopf. Ich hab ständig dieses Bild vor Augen, wie er sich verwandelt, und dann sein Atem so dicht an meinem Hals, seine Zähne auf meinen Lippen." "Das hört sich ja schon fast so an, als hätte es dir gefallen. Du schwärmst ja geradezu von diesem Monster." "Unsinn, aber er hat etwas Magisches an sich. Und ich hatte in seiner Gegenwart ein Gefühl, das ich noch nie zuvor gespürt habe. Es war teils beängstigend, teils aber... Wie soll ich sagen?... unheimlich aufregend von ihm berührt zu werden. Vor den Einsamen Schützen konnte ich dir das natürlich nicht erzählen. Aber seine Hände auf meinem Körper, seine Lippen auf meinen, als würde er mit den Atem rauben. Ich fühlte nur noch dieses Verlagen nach ihm. Ich hätte in diesem Moment alles mit mir machen lassen, so fasziniert war ich, wollte nur noch ihn fühlen, und dass er mich mit in seinen Abgrund mitreißt. Und, dass er mir die Finsternis zeigt und mich liebt, so wie mich noch niemand zuvor geliebt hat." "Du bist verrückt! Was hat dieser Kerl dir nur angetan? Ich wusste zwar schon immer, dass du ein wenig sonderbar wärst, aber das übersteigt die Grenzen deines Verstandes! Ist mir ohnehin egal, ob der meine beste Freundin umbringt, das kratzt mich überhaupt nicht." Scully umarmte ihre Freundin und sagte dann leise: "Ich weiß, du hast Angst um mich, aber glaub mir, wir werden das schon schaffen. Er ist mein Freund und ich will ihn nicht verlieren, das weißt du doch. Versteh mich bitte nicht falsch, aber wenn das der einzige Weg wäre bei ihm bleiben zu können, dann würde ich ihn wählen und zu seiner Fürstin werden. Soweit werden wir es aber nicht kommen lassen, das verspreche ich dir, bei unserer Freundschaft. Geh und schlaf ein wenig, auch wenn es dir nach den Ereignissen heute schwer fällt. OK?" Dann sperrte sie ihre Wohnungstüre auf und trat ein. Noch bevor sie diese schließen konnte, hörte sie Nicole sagen: "Bitte Dee, pass auf dich auf! Wär’ schade, um deinen hübschen Hals." "Ja, Nic, bestimmt. Schlaf schön." "Du auch." Die Tür fiel ins Schloss und Scully schlüpfte müde unter die Bettdecke. Obwohl sie versuchte wach zu bleiben so wurden ihre Augenlider immer schwerer, und schließlich war sie eingeschlafen.
Dana Scullys Apartment / 7:32
Das Klappern des offenen Fensters weckte Scully. Hatte sie gestern Nacht etwa völlig vergessen, das Fenster zu schließen? Nein, es war doch geschlossen gewesen, ganz bestimmt. Wie konnte es jetzt jedoch geöffnet sein? Scully stand auf und wollte die Vorhänge zur Seite ziehen, als plötzlich eine Stimme hinter ihr jammerte: "Nein, bitte nicht! Tun Sie es nicht, Scully." "Mulder!?" Scully zuckte zusammen und drehte sich blitzschnell um. Auf dem Boden in einer Ecke kauerte Mulder, die Hände vor seinem Gesicht gekreuzt, dieses fest auf seine Beine gedrückt. "Oh, Mulder. Was ist nur passiert? Warum kann ich das nicht verstehen?" Am Liebsten wäre Scully ihrem Freund um den Hals gefallen und hätte ihn zärtlich geküsst, da sie überglücklich war, ihn wieder bei sich zu haben. Doch schließlich musste sie sich zusammennehmen und kniete nur neben ihm nieder. Langsam streichelte sie durch sein Haar und sah ihn mitleidig an. Er schien wieder normal zu sein, psychisch jedenfalls. Natürlich waren seine Schneidezähne immer noch lang, doch kürzer als um Mitternacht. "Ich wollte, ich wollte es wirklich tun, war schon so nah dran. Ich hätte es fast getan. Ich konnte es aber aus irgendeinem Grund trotz meines Hungers nicht. Das muss aufhören. Ich will nicht mehr töten." "Woran waren Sie nah dran?" "Da war eine junge Frau, ein leichtes Opfer, ganz allein in einer Seitenstraße. Niemand hätte sie gehört." "Mulder, das ist doch gut so. Er wollte es ja, aber Sie waren stärker. Das ist doch ein gutes Zeichen dafür, dass Sie immer noch Menschlichkeit leitet und nicht das Böse." "Nein, das ist es nicht. Ich habe einen verdammten Hunger, schon seit zwei Tagen kein Blut mehr getrunken. Das kann nicht so weitergehen! Ich brauche Blut!" "Mulder," Scully streichelte lieblich seinen Kopf, "Ich war bei den Einsamen Schützen, die werden uns helfen." "Bei wem?" "Bei ihren Freunden, den Einsamen Schützen." "Sollte ich die denn kennen?" "Ach, egal. Ich war also bei ihnen und sie haben mir gesagt, sie werden uns helfen. Mulder, wir schaffen das schon. Gemeinsam waren wir doch schon immer ein starkes, unschlagbares Team. Wir werden Ihnen helfen, ganz bestimmt, Mulder, wir werden es zumindest versuchen. Ich möchte, dass Sie bei mir bleiben, bei mir, bis wir eine Lösung gefunden haben. Ich werde jetzt Byers anrufen und ihn herbitten. Bleiben Sie schön brav hier sitzen!" "Reden Sie nicht mit mir, als wäre ich ein kleines Hündchen. Außerdem, wohin sollte ich denn verschwinden? Soll ich hinaus ins Tageslicht und mich grillen lassen? Wenn ich da raus gehe, dann habe ich die einmalige Chance ein neues Leben als ein kleines, mieses Sandkörnchen anzufangen. Scheiße. Ich weiß nicht mal wer dieser Byers überhaupt ist, oder woher ich Leute kennen, die sich die Einsamen Schützen nennen. Ich weiß auch gar nicht, warum ich es nicht weiß! So eine verdammte Sch... " Scully legte ihren Finger auf seinen Mund und küsste dann leicht seine Stirn. "Halten Sie durch. Das mit Ihrem Gedächtnis ist sicher nur vorübergehend. Außerdem haben Sie wenigstens noch Ihren Humor. Das ist doch schon ein Anfang, oder? Schließlich ist das sozusagen doch Special Agent Mulders Markenzeichen." Scully tippte eilig die Tasten ihres Schnurlostelefons, wobei sie Mulder keinen Augenblick aus den Augen ließ. "He, warum sehen Sie mich so an? Wohin soll ich denn verschwinden; unter Ihr Bett vielleicht?" "Byers, ich habe hier etwas, das müssen Sie sich auf der Stelle ansehen." "Was ist passiert?" "Er ist bei mir. Schon seit ein paar Stunden, schätze ich. Ich habe ihn aber erst jetzt bemerkt, da ich geschlafen habe." "Hat er Ihnen etwas angetan?" "Nein, ganz im Gegenteil, er scheint wieder normal zu sein. Er hat sich in einer Ecke verkrochen, steht noch immer unter Schock und sein Körper ist eiskalt." "Ich komme sofort." "Gut, bis gleich." Dann sagte sie zu Mulder: "Ich hole schnell Nicole. Sie muss sich das... " "Nein, bleiben Sie bei mir! Lassen Sie mich nicht allein, bitte!" Er zwinkerte mit seinen Augen, kniff diese dann zusammen und drückte seine Handflächen krampfhaft auf sein Gesicht. "Was ist das? Nein, was... " "Mulder!" Scully stürzte außer sich ins Zimmer, wo Mulder sich auf dem Boden hin und her wälzte. "Mulder!" Sie nahm Mulder in ihre Arme und hielt ihr fest. "Was ist los mit Ihnen? Mulder, sagen Sie doch etwas!" "Meine Augen, sie brennen wie Feuer." "Lassen Sie mich mal sehen." Mulder öffnete seine Lider. Scully konnte nicht glauben, was sie nun sah. Noch nie hatte sie etwas Derartiges gesehen. Mulders Iris war nicht mehr grün, sondern schwarz, kaum zu unterscheiden von seinen Pupillen.
"Scully, Scully, es tut so weh! Wo sind Sie? Ich kann Sie nicht mehr sehen!" "Ich bin hier." Mulder war vor Schreck aufgesprungen und drehte sich herum. Sie stand auf und nahm seine Hände in ihre und umarmte ihn danach. "Ich kann nichts mehr sehen! Ich kann nichts sehen, Scully, ich sehe Sie nicht mehr!" Da klopfte es an Scullys Tür. "Ich mache schnell die Türe auf, OK. Ich komme gleich wieder zurück. Setzen Sie sich besser wieder hin." Dann ließ sie ihn los und öffnete die Türe. Im Vorraum standen Nicole in ihrem Hausmantel und Byers in einem schwarzen Jackett und Bluejeans. Byers hatte an der falschen Türe geklopft und bei dieser Gelegenheit gleich Nicole die Nachricht überbracht. Frohike und Langly würden sie erst später verständigen. "Kommt herein! Er sitzt im Schlafzimmer." Byers und Nicole folgten Scully ins Schlafzimmer, wo Mulder am Boden kniete und vor sich hin starrte, in eine schwarze Leere.
Was war es, das ihm die Erinnerung nahm, jede Nacht aufs Neue, immer mehr davon verschwinden ließ, verschlang gleich einem Monster? Warum kannte er seine Freunde Byers, Frohike und Langly nicht mehr? Nicht mal die Namen schienen ihm vertraut. Was geschah bloß mit ihm, und was würde mit ihm geschehen, wenn er lange genug eine Vampirgestalt blieb? Wer kannte nur die Antworten auf seine Fragen? Doch am meisten Furcht hatte er nicht vor Toronos, sondern davor Scully zu vergessen, so wie Byers, Frohike und Langly. Würde er sie denn je vergessen können? War dies nur noch eine Frage der Zeit? Zweifellos, er würde, aber wie lange noch bis dahin? Wenn dies der Fall sein sollte, dann hätte er seine allerletzte Chance verloren.
"Miss Scully, ist er das?" Scully nickte nur leicht, dann wandte sie sich erneut Mulder zu und setzte sich neben ihn und legte ihre Arme um seinen starken Körper. Eine unvorstellbare Kälte erfüllte sie, als sie seine schneeweiße Haut sanft berührte und ihren Kopf an seine Schulter schmiegte. Ihrer Geste nach drehte er sich um und legte seine Arme um sie, sein Gesicht dicht an ihren Hals gedrängt. Sie wusste er hatte allein nicht die Kraft Toronos zu besiegen, und brauchte nun ihre ganze Zuwendung. Sie musste ihn für sich gewinnen. Es würde eine harte Probe werden, doch würden sie diese bestehen, mussten es. Ihre Freundschaft, ihre innige Liebe, musste das Böse vernichten, für immer. "Was ist nur mit ihm geschehen? Er sieht so anders aus." "Tot, wäre wohl das passende Wort dafür." "Nici!" Scully warf ihrer Freundin einen verachtenden Blick zu. "Was ist mit seinen Augen?" "Schwarz wie die Nacht. Er sieht nichts mehr." Byers beugte sich über Mulder um sich seine Augen anzusehen.
"Mulder, was könnte der Grund dafür sein, für deine Blindheit? Hast du eine Ahnung warum?" "Es war schon sehr hell, früh am Morgen als ich noch gerade hierher fliehen konnte." "Das Sonnenlicht, könnte das der Grund sein?" "Möglich wär’s schon." Nici mischte sich ein. "Mulder", Scully hielt seinen Kopf einfühlsam fest, "Wo waren Sie letzte Nacht?" "Ich war - war in... ich weiß es nicht mehr. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern." "Wissen Sie warum sie hier sind?" "Wie meinen Sie das, Scully, hier?" "Gestern Nacht haben Sie mich besucht." "Ja, Sie wollten Dee beißen und zu ihrer Fürstin der Nacht machen. Na, funkt es wieder?" Nicole giftete Mulder an. Sie hatte das Gefühl, Scully wäre für ihn nur ein Spiel, und er würde sie nicht verdienen. Außerdem machte er ihr Angst. "Habe ich Ihnen wehgetan, in irgend nur erdenklicher Weise?" "Nein, das haben Sie nicht." "Er wollte es aber, das kann er nicht leugnen!" "Nein, nicht ich wollte Ihre Freunding verletzen, Miss Smith, sondern er. Ich will Sie nicht töten, Dana, das würde ich nie verkraften." Mulder drückte seinen Kopf fest an Scullys Brust, sodass er ihren Herzschlag fühlen konnte. Scully fühlte sich elend, doch war es nicht die Angst vor den Nachtdämonen, sondern das Wissen, den Mann, den sie zärtlich in ihren Armen hielt, wieder loslassen zu müssen. Bald würde die Dunkelheit die Erde in ihren düsteren Schleier hüllen, aus dem es kein Entrinnen gebe. Weder für Scully noch für Mulder oder irgendjemanden auf dieser Welt. Sie würden auf ewig Gefangene in einer Welt der Finsternis sein, die beherrscht von den Gestalten der Nacht, aus der keine Flucht möglich und ihr Meister der Anführer der Vampire, Fürst Toronos, wäre.
Scully fiel plötzlich ein Vers aus einem alten Gedicht ein, das sie einmal gelesen hatte. Aus "Der Zauberlehrling" drängte sich der Reim zwischen ihre Gedanken, den sie am Liebsten vergessen hätte: ... die Geister, die ich rief, die werd’ ich nun nicht los...
Sie mussten etwas unternehmen, doch woher sollten sie wissen, was richtig wäre? "Miss Scully, was, denken Sie, geht hier vor?" "Ich weiß es beim besten Willen nicht, aber ich habe das Gefühl, uns läuft die Zeit davon, um das herauszufinden." "Was sollen wir jetzt tun?" Nici sah Scully fragend an, die noch immer Mulders Kopf streichelte. "Frag doch Byers, er ist hier unser Vampir-Experte!" "Wir können ihn auf keinen Fall alleine lassen, und in die Bibliothek können wir ihn auch nicht mitnehmen. Also muss einer von uns bei ihm bleiben und aufpassen. Agent Scully, da das Ihr Apartment ist... " "In Ordnung, ich werde mich um ihn schon kümmern. Geht ihr in die Bibliothek und findet heraus, wie wir ihn retten können." "Ich schlage vor, Nicole, - wenn ich Sie so nennen darf, Miss Smith - sie ziehen sich um und wir treffen uns mit Frohike und Langly in der Stadtbücherei, in etwa einer Stunde. Scully, Sie bleiben hier und kümmern sich um Mulder. Falls etwas passieren sollte, dann rufen Sie mich bitte sofort an. Wir vier werden versuchen herauszufinden, ob und wie wir die Verwandlung umkehren können. Sind Sie damit auch einverstanden?" "Ist gut. Und ihr versucht alles nur Menschenmögliche, versprecht mir das! Wir werden uns dann wieder in meinem Apartment treffen und gemeinsam beraten!" "Gut, dann gehe ich jetzt. Mulder, wir holen dich da raus, koste es was es wolle! Wir sehen uns dann später." Er verließ die Wohnung. Die Tür fiel ins Schloss und Stille umgab die drei Personen, die sich noch im Zimmer befanden.
Nicole fühlte sich sichtlich unwohl in seiner Gegenwart, doch versuchte sie dies zu verdrängen und lächelte etwas zaghaft. "Kommst du auch wirklich allein klar, Dee? Ich lass dich nur ungern allein, unter diesen Umständen... äh." "Das ist schon OK. Er ist in Ordnung, im Moment zumindest, hilf den anderen, die dich brauchen, um mir und Mulder helfen zu können!" Schlechten Gewissens tappte Nicole wieder in ihr Apartment.
Nun war Scully mit Mulder allein im Zimmer, hielt ihn fest, als könne er nicht ohne ihre Umarmung leben. Sie hatten die Arme umeinandergelegt und kuschelten. Ein Schweigen umgab die beiden, durchaus kein unangenehmes, denn in diesem war es möglich sich für zu verlieren; gnadenlos. Langsam standen sie auf und Mulder zog Scully sanft aufs Bett. Er legte seinen Kopf in Scullys Schoß woraufhin ihre Hände behutsam seine Stirn streichelten. Dann schloss er die Augen und lächelte schüchtern. Irgendetwas, vielleicht ihre innere Stimme, verlangte von Scully sich über ihn zu beugen und ihn zu küssen. Es war mehr ein Reflex, als von ihr selbst gewollt. Sie musste ihn küssen; jetzt oder nie. Denn vielleicht würde ihnen das Schicksal keine Gelegenheit mehr dafür schenken. Etwas drängte sie dazu seinen Mund mit ihrem zu ertasten, und leise sagte sie: "Nie soll dieser Augenblick enden, dieses Gefühl verstreichen, das ich fühle in meiner Brust, so stark." Woher kam ihr dieser Satz so bekannt vor? Hatte sie ihn denn schon mal gesagt oder gehört? Aber woher? Es war ihr plötzlich, als könne sie nichts Anderes spüren außer dies, das sie beherrschte, ihren Körper steuerte und ihr die Kontrolle entriss. Mulder richtete sich auf und schloss die Augen, tastete sich an Scullys Gesicht sehr feinfühlig, und berührte ihre Lippen mit den seinen. Es würde ihr erster gemeinsamer Kuss sein, - der Kuss mit Fürst Toronos war schließlich nicht dasselbe gewesen - doch keiner von beiden hätte sich je erträumen lassen, in welch aussichtsloser Situation er geschehen würde. Mulder drückte Scully auf das Bett und küsste sie leidenschaftlich. Sie spürte wie seine Hände sie auf das Bett drückten und festhielten, und sein Mund ihren erneut fand. Sie wünschte sich, die Zeit würde stillstehen. "Nein, verdammt, was tue ich da nur? Nein!"
Mulder ließ von Scully ruckartig ab und war völlig außer sich. Scully erschrak, setzte sich auf und sah ihn verwundert an. "Was haben Sie auf einmal, Mulder? Ich verstehe nicht ganz." "Auf diese Weise wird er mich besiegen. Ich gebe auf, anstatt ihn zu vernichten!" "Aber das verstehe ich nun wirklich nicht." "Er will mit ihnen schlafen." "Was ist denn daran so schlimm, Sie doch auch, oder?" "Aber er will Sie verletzen, Scully, will Ihnen dasselbe antun, was Vivienne mir angetan hat! Er wird Sie beißen und dann wird er Sie töten." Scully legte ihren Kopf an seinen kalten Oberkörper und küsste diesen langsam.
"Vielleicht ist es auch besser so. Ich weiß gar nicht was auf einmal mit mir los war. Tut mir Leid, Mulder. Das wollte ich nicht, wirklich." "Nein, Scully, das war meine Schuld, ich... ach, vergessen Sie das besser!" "Ich werde dann mal schnell duschen gehen. Danach werden wir sehen, was wir den Rest des Tages anstellen können." "Wissen Sie, vielleicht ist es wirklich schade, dass wir nie ein Paar sein können, denn eine zärtlichere und liebevollere Partnern könnte ich mir für eine Beziehung gar nicht vorstellen. Aber so ist das Leben. Man bekommt nie was man möchte." "Das ist doch gar nicht wahr, Mulder, und das wissen Sie genauso gut wie ich." "Ich weiß, dass Sie ohne mit der Wimper zu zucken mit Toronos geschlafen hätten, nicht mit mir. Ist doch so, nicht wahr? Es war Toronos, dem Sie sich hingeben wollten, nicht mir. Sie wollen ihn!" "Das ist eine Lüge! Sie lügen, weil Sie die Wahrheit nicht verstehen." "Und was soll diese Wahrheit sein? Worauf warten Sie? Na los, sagen Sie’s!" Stille. "Ich wusste es doch, Sie würden das nie zu Stande bringen. Vielleicht sind Sie ja zu feige." Scully hätte Mulder in diesem Moment am liebstem geohrfeigt. Wie konnte er es nur wagen sie so zu verletzen, wo er doch genau wusste, wie viel er ihr bedeutete? Warum fiel es ihr so schwer ihm ihre Liebe zu gestehen? Warum tat er ihr weh, obwohl er das Gefühl in ihrem Herzen kannte? Aber kannte er es denn wirklich? Wusste er, was sie fühlte, oder war er blind - wie Scully selbst - mit der Seele blind? Doch musste wenigstens einer von ihnen in der Dunkelheit das sehen, wovor sie beide Angst hatten, es zuzulassen. Nur ihn wollte sie, doch vermochte sie keinen Ton aus ihrer Kehle zu bringen. Sie schwieg gebrochenen Herzens. Wie lange doch wartete sie schon auf diesen einen Augenblick, um ihm ihre Gefühle zu offenbaren? Warum kniff sie erneut, würde es immer tun, sobald der richtige Moment gekommen war? Hatte er doch mit seinen verletzenden Worten Recht behalten; sie wäre zu feige, es zuzugeben. Aber nicht nur sie schmerzte die Wahrheit, denn hatte auch Mulder Angst davor, ihr seine innige Liebe zu gestehen. Eine Angst, die sie nur gemeinsam überwinden könnten.
Mulder ließ sich auf das Bett fallen und schloss seine Augen. Er dachte darüber nach, wie schön es gewesen war mit Scully gemeinsam Fälle zu untersuchen und sich mit ihr über seine Theorien und ihre wissenschaftliche Beweise zu streiten. Und dann kamen ihm die seltenen Momente in den Sinn, als er sie nach den nervenaufreibendsten Einsätzen in seine Arme geschlossen und ihre Stirn geküsst hatte. Es waren wenige Augenblicke gewesen, die ihn dazu gebracht hatten sich selbst zu vergessen, und all diese Augenblicke hatte er mit ihr verbracht, ohne sich fragen zu müssen, ob es ein Morgen überhaupt noch geben würde. Wie würde es wohl sein, wenn die Transformation ihr Endstadium erreicht hatte? Würde Scully ihren Dienst quittieren, gar als Ärztin ihren Weg weitergehen? Heiratete sie vielleicht und könnte sie irgendwann vielleicht doch Kinder haben? Das wünschte sie sich tief in ihrem Innern doch so sehr.
Da hörte er die Türe das Badezimmers zufallen und Scully sagen: "Ich hoffe sie haben das mit ihrer Blindheit nicht vorgetäuscht, sonst werden Sie das bereuen!" "Wieso, sind sie denn nackt?" "Vielleicht." Scully spazierte, ein Handtuch um ihren nackten Körper gewickelt, zum Kleiderschrank und begann sich anzuziehen.
Mulder war froh das Thema wechseln zu können und grinste: "Gott, lass mich sehen! Verdammt. Da hat man ein Mal in seinem Leben die Chance seine zugeknöpfte Partnerin nackt zu sehen und kann es doch nicht!" "Sie haben Pech, Mulder, ich bin schon angezogen." Dann fielen beide in schallendes Gelächter. Sie hatte ihm zwar noch nicht ganz verziehen, aber ohne ihre Hilfe und der, der Einsamen Schützen, würde sie nie mehr die Möglichkeit haben dies zu tun. Sie würde ihn verlieren; für immer.
"Es war gemein von mir das zu behaupten, was ich vorhin gesagt habe. Es tut mir wirklich Leid, Scully. Ich werde Ihnen nie mehr etwas unterstellen. Verzeihen sie mir?" "Vielleicht kann ich das aber noch nicht."
Dann setzte sie sich zu ihm und strich ihm seine Strähnen zurück, die ihm ins Gesicht gefallen waren. "Also ich habe einen Hunger. Wie sieht’s mit Ihnen aus? Möchten Sie auch etwas essen? Vielleicht ein frisches Brötchen? Mit Blutaufstrich oder Menschenfleisch?" "Scully!" "Entschuldigung, das ist mir nur so herausgerutscht. Ich wollte nur ein wenig Spaß machen, damit die Stimmung nicht mehr so angespannt ist. Möchten Sie etwas trinken? Kaffee, Milch, irgendetwas Anderes?" "Das trinken Vampire aber nicht. Kein Fürst der Nacht würde sich dazu erniedrigen Kaffee oder Milch zu trinken. Immerhin, warmes Blut hat diesen seltsamen Geschmack. Das ist schwer zu erklären; einem Menschen kann man das wohl auch nicht erklären." "Ich dachte Sie wollen ihn besiegen? Also los, stehen Sie schon auf!"
Sie öffnete das Fenster, zog den Vorhang aber nicht zurück. Sie schob diesen lediglich ein kleines Stück zur Seite um den Morgen in seiner ganzen Schönheit zu betrachten. "Mulder, heute ist ein schöner Tag. Die Sonne scheint und wir haben einen wunderschönen blauen Himmel. Schade, dass Sie sich das nicht ansehen können." "Ich hasse die Sonne! Aber gut, Scully, von mir aus trinken wir eben Kaffee zusammen. Ich könnte mir wenigstens versuchen vorzustellen, es wäre Blut. Oder, nein, warten Sie! Ich habe da so eine Idee!" "Soll ich mir die Pulsadern aufschneiden, oder nehmen sie mit meinem Hals auch Vorlieb?" "Haben Sie zufällig eine Flasche Rotwein gebunkert? Es gibt da dieses komische Zeug gegen Eisenmangel, ein Brausepulver. Haben Sie etwas in dieser Art in Ihrer Wohnung? Wir könnten den Rotwein mit dem Brausepulver oder den Tabletten mischen." "Sie meinen das hilft?" "Woher sollte ich das denn wissen? Ist mir nur gerade eingefallen. Einen Versuch wäre es zumindest wert."
Nachdem Scully ihr Bett gemacht hatte nahm sie Mulders Hand und führte ihn zur Couch. Dann ging sie in die Küche und kramte in einem Regal. "Ha, da sind sie ja. Man muss eben immer eine kleine Apotheke zu Hause haben!" Scully hatte auch schnell eine gekühlte Flasche Rotwein gefunden. Dann goss sie Wasser in die Kaffeemaschine. Sie legte sich ein kleines Brötchen ins Backrohr und nahm ein Glas aus dem obersten Regal. Darin löste sie eine Eisentablette in Rotwein auf und gab es Mulder in die Hand. Der machte einen kleinen Schluck und meinte: "Können Sie mir vielleicht auch den Rest der Tabletten geben?" "Klar." Scully ging noch mal in die Küche um das Plastikfläschchen zu holen. Als sie bemerkte, dass ihr Kaffee auch schon fertig war, leerte sie diesen in eine Tasse, und kam mit beidem wieder zurück zu Mulder. Er ertastete den Deckel des Röhrchens und öffnete das Gefäß um den gesamten Inhalt in das Glas zu leeren. "Scully, können Sie mir vielleicht auch ein Messer bringen?" Leicht genervt stand sie erneut auf und brachte ihm nun auch ein Messer. "Sonst noch Wünsche, Gebieter?" Woraufhin Mulder verführerisch flüsterte: "Ja, wie wär’s mir Ihnen, Scully?" Er griff grinsend nach dem Messer und hielt seinen linken Arm über das Glas. Ein kurzer, kontrollierter Schnitt folgte und aus seiner Pulsader drang Blut. Scully konnte nicht fassen, was sie gezwungen war mit anzusehen. Aus dem Handgelenk ihres Freundes tropfte nicht Blut, sondern eine schwarze, schleimige Flüssigkeit, die sich mit der roten im Glas vermischte und dunkel färbte. "Scully, jetzt werden sie Zeuge eines Naturschauspiels, das Vampire vollziehen, wenn sie kein Blut in Reichweite haben. Denn dann trinken sie ihr eigenes, oder zumindest was davon noch übrig ist." Mulder lächelte und setzte das Glas an. Scullys Magen machte sich bemerkbar und ihr wurde fürchterlich übel. "Oh, tut mir Leid. Ich hab wieder mal keine Manieren. Auch einen Schluck gefällig?" Er hielt ihr das Glas mit der ekelerregenden Masse auffordernd entgegen. "Na? Trinken Sie doch einen kleinen Schluck!" "Nein, lieber nicht." Mit vor den Mund gehaltener Hand sprang sie auf und stammelte: "Ent-schul-di-gen Sie mich bitte!" Dann stürmte sie zur Toilette. Obwohl sie noch nichts gegessen, nur eine Tasse Kaffee getrunken hatte, musste sie sich übergeben. In der Zwischenzeit grinste Mulder breit als er das Glas an seinen Mund führte und sagte: "Na dann eben nicht." Danach trank er den schmierigen Inhalt und meinte: "Etwas bitter, aber nicht zu beklagen." Er beschloss nach seiner armen Scully zu sehen, die zwar schon Vieles verkraftet hatte, aber dem nicht gewachsen zu sein schien. Langsam stand er auf und betrachtete die Wohnung. Seine Augen ließen ihn plötzlich wieder die Umrisse der Möbel erkennen. Er ging auf das Badezimmer zu und sah auf den Boden, wo Scully, die Arme um ihre Knie geschlungen, kauerte. Er sah sie an, konnte nun wieder seine Umwelt mit den Augen wahrnehmen und kniete sich zu ihr. Gefühlvoll streichelte er ihr Gesicht und sagte leise: "Scully, es war nur vorübergehend. Ich sehe wieder. Alles in Ordnung? Hey." Lange saßen sie nur da und blickten einander in die Augen, kein Wort findend, das sie hätten sagen können. Schließlich legte Mulder seinen Arm um Scully, und sie lehnte ihren Kopf an seine Schulter. Schweigen, nur Schweigen; endlos.
Städtische Bibliothek / 19:30
An einem Tisch ganz abseits den anderen Besuchern, in einer kleinen Ecke der Bibliothek saßen Langly, Frohike, Byers und Nicole Löcher in die Luft starrend und die Köpfe auf ihre Handflächen gestützt, anstatt das zu tun, was alle taten, lesen. Wispernd begann Nicole eine Konversation: "Also wir sitzen hier schon eine ziemlich lange Zeit und was haben wir herausgefunden?" "Nichts." antwortete Frohike deprimiert. "Ihr habt Recht, wir sind Loser. Wir können nicht mal unserem besten Freund helfen." Sogar Langly schien am Boden zerstört. "Ich wusste, dass es so kommen würde. Shit!" warf Frohike ein. "Verdammt, wir können doch nicht aufgeben! Er würde für uns dasselbe tun." fügte Langly hinzu. "Aber was, Langly, was sollen wir denn machen? Wir wissen nicht wer der Kerl ist, woher er kommt und was er will. Aber vor allem haben wir keine Ahnung, ob Mulder nicht längst schon verloren ist, es nicht möglich ist ihm noch zu helfen." entgegnete Byers missmutig. Und was dachte Nicole über diese Unterhaltung? Ihr war es ziemlich egal, ob sie ihm helfen konnten oder nicht. Sie mochte ihn nicht und das wusste mittlerweile auch jeder der Einsamen Schützen. "Aber er ist nun mal unser Freund und wir können ihn nicht hängen lassen!" fuhr Frohike fort. "Na meiner nicht gerade." zischte Nici. "Ich tue das doch nur damit meine Freundin wieder ruhig schlafen kann, was ohne ihren Mister Super-Spooky scheinbar nicht mehr möglich ist."
Frohike und Langly grinsten übers ganze Gesicht, nur Byers schien diesen Scherz kaum wahrgenommen zu haben. Er saß da, vertieft in ein altes Buch, das in Leder gehüllt vor ihm lag. Die Seiten waren schon vergilbt und ein merkwürdiges Zeichen war mit roter Tinte auf das Cover gemalt worden. "Leute, hört euch das bloß an!" Da Byers so fasziniert von dem Geschriebenen zu sein schien, bemerkte er gar nicht, dass seine Stimme von einem lauteren Ton erfasst war, woraufhin sich alle Besucher der Bücherei nach ihm mit einem grimmigen "SHT" umdrehten. Schnell sprach er leiser weiter: "Hier steht etwas über einen Fürsten namens Toronos." Alle drei standen auf und stellten sich hinter ihn, die Augen auf das Papier gerichtet. "Das müsst ihr euch anhören!" Er begann zu lesen...
Fürst Toronos, Herrscher von Queenheart Castle, wurde heute am 3. Oktober 1806 der Ketzerei und Hexerei angeklagt. Vorgeworfen wird ihm im Banne zu stehen mit Luzifer und Mord an unschuldigen Seelen. Sein endgültiges Urteil wird zehn Tage nach dieser Eintragung in das schwarze Buch unter Ausschluss der Öffentlichkeit sowie der Queen vollstreckt werden. Die Male an seinem Hals bestimmen seine Todesart - Tod durch Enthaupten.
Er blätterte um. "Hier, ein weiterer Eintrag. Wisst ihr, wonach das für mich aussieht? Wie das Tagebuch eines Henkers oder jemand Ähnlichem, einem Richter vielleicht. Er scheint alle seine Hinrichtungen oder Verurteilungen in diesem Buch dokumentiert zu haben. Unglaublich wie viele das gewesen sein müssen."
Er las weiter...
9. September 1806
Der Gefangene hat erneut seine Unschuld beteuert. Der Rat hat dies aber missgebilligt und ihn gefoltert. Bis zuletzt schwor er immer den Teufel nie angebetet zu haben. Er stammelte unter seinen Schmerzen etwas von den Fürsten der Nacht, seinen Geschöpfen, die ihn rächen würden. Wirres Zeug, an welchem er fest hält, so scheint. Er lügt und der große Rat beweist erneut Wahrheit. In vier Tagen ist es soweit. Ich werde den Fürsten begleiten. Ich bot ihm an dem Teufel abzuschwören, seine Seele reinzuwaschen. Ich habe Angst. Er versuchte uns zu erklären, wie wichtig es sei mit einer Mixtur, die er "Sancta Flora" genannt, zu experimentieren. Er jammerte, er habe das Tor zu einer neuen Welt entdeckt, Dämonen der Finsternis erschaffen und müsse ein Gegenmittel für deren Verwandlung finden. Er sagte, seine Experimente mit den Kranken wären für uns alle lebenswichtig. Alles Lüge! Obwohl, vielleicht spricht er doch Recht? Nein, er muss sterben, er MUSS! ER verkörpert alles Böse!
13. September 1806
Es ist vorbei. Endlich sehe ich diese Augen nicht mehr. Ich hatte ständig das Gefühl, aus seinen Augen blicke Luzifer, der Tod, das ewig Böse. Seine Seele soll büßen für diese unverzeihlichen Schandtaten, sich gegen die Natur zu stellen, sich Gott zu widersetzen! Verdammt soll er sein! Er hat uns alle verflucht, den Henker, den Richter, die Putze, den Leser und mich, den Priester. "Fahr zur Hölle" schrie er nach mir, bevor der Kopf auf das Holz fiel. Dann war es still. Ich weigerte mich ein Gebet zu sprechen, also ließen wir alle ab. Ich habe ein ungutes Gefühl. Irgend etwas wird passieren.
14. September 1806
Die Putze hat heute Stunde um Stunde versucht die Guillotine zu reinigen. Sie zeigte mir die Blutflecken. Ich glaubte meine Augen täuschten mich, waren die Flecken doch schwarz wie des Fürsten Blick. Wir versuchten zusammen sie wegzuwischen. Die Putze erzählte mir dabei, sie habe Angst, dass ihr etwas zustoße. Letzte Nacht habe sie kein Auge zugebracht, weil sie ihn immer vor sich sah mit den Worten: "Verflucht an der Ewigkeit Ende!"
Wir haben alles versucht. Die Flecken gehen nicht ab.
14. Oktober 1806
Die Putze ist tot. Gestern Nacht nach der letzten Hinrichtung war sie die Guillotine reinigen. Dabei hat ihr das scharfe Metallstück den Kopf abgetrennt. Aber sonderbar war nicht nur die Art wie sie umgekommen ist, sondern, dass man keinen Tropfen Blut gefunden hat. Sie hatte kein Blut mehr. Sie hatte keines!!! Vor zehn Tagen hat sie mir noch gesagt, sie verkrafte es immer noch nicht, die Hinrichtung Toronos’. Was passiert hier nur? Irgend etwas geschieht und macht mir schreckliche Angst.
15. November 1806
Vorletzte Nacht ist der Henker unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen. In der alten Folterkammer war er, die seit des Fürsten Tod nicht mehr benutzt worden ist. Die neue ist direkt im Dorf. Was wollte er dort nur, und noch dazu mit einem Beil? Sein rechter Fuß war abgehackt wie ein Baumstumpf als man ihn fand, wurde mir gesagt. Der Henker war zwar sehr kräftig, aber warum sollte er sich ein Beil in den Fuß schlagen um dann qualvoll zu verenden? Keiner weiß, was sich in dieser Nacht wirklich zugetragen hat, oder was der Henker gerade in der alten Folterkammer zu suchen hatte. Er muss der Verletzung nach verblutet sein, aber auch diesmal fehlte jeder Tropfen Blut. An seinem Bein waren kleine Wunden, Bisse, wie ich hörte. Wurde er ausgesaugt? Aber von wem? Waren es etwa die Kreaturen, von denen der Fürst gesprochen hat? Nehmen sie jetzt etwa Rache an uns?
3.Dezember 1806
Ich habe ein schlechtes Gefühl. Ich glaube das Böse wird des Richters Reise überschatten. Ihm wird auf der Fahrt nach Canterbury etwas zustoßen, das spüre ich.
15. Dezember 1806
Ich hatte mich nicht getäuscht. Der Richter hat in der Nacht von 13. auf den 14. Dezember einen schweren Unfall erlitten. Die Kutsche mitsamt den vier Pferden stürzte die Klippen hinab. Wer ist wohl der nächste? Ich oder der Urteilsleser. Nur wir zwei noch sind am Leben. Ich lasse mich aber nicht abschlachten von diesen Monstren! Niemals! In drei Tagen werde ich schon das Schiff nach Amerika besteigen. Dort werde ich sicher sein vor ihm und seinem Gefolge.
10. Feber 1807
Ein Bote überbrachte mir einen Brief. Der Leser ist tot. Er hat sich am 13. Januar aufgehängt. Es sollte aussehen, als habe er sich selbst gerichtet, aus Angst sie würden ihn quälen. Aber sie waren es. Der Körper des Lesers war übersät mit kleinen Einstichen. Sie haben ihn gerichtet!
13. Feber 1807
Morgen werde ich wieder eine Messe abhalten. Die Kirche hier ist zwar nicht so schön wie zu Hause, aber wenigstens anglikanisch.
Gott, was ist das? Sie sind hier! Ich spüre es!!!
"Ihr könnt mir nichts tun! Nicht auf geweihtem Boden! Vater unser, der du bist im Himmel... "
"Und kommst du nicht raus, dann räuchern wir dich aus! Brenne, du Schandfleck, der du abscheulich machst diese Landschaft! Brenne, Kirche, schwarz dein Antlitz, kalt die Nacht der Dämonen! Brenne, Brenne, auf dass dein Tod unser Böses neu erwacht!"
In Kutten gehüllte Gestalten versammelten sich um die kleine Anglikanerkirche und fassten einander an den Händen. Aus den Gräbern rings um das Bauwerk gruben Krallen sich aus dem Boden und immer mehr Gestalten erschienen. Und alle riefen im Chor: "Brenne, Brenne, Brenne!"
Auch wenn sie mich töten das Buch und das Skript kriegen sie nie. Ich werde es verstecken, das Buch unterm Altar und das Skript
Dann grub er die Erde auf und verscharrte das Buch, ein Holzkreuz in seinen Händen. Und ein Feuersturm erfasste das Gemäuer und ließ es zerstören sich selbst.
"Hier endet die letzte Eintragung. Seht doch, auf die Seite genau, als wäre sein Tod von Anfang an vorherbestimmt gewesen." Langly nahm das Buch in seine Hände und sagte: "Ja, es gibt keine Seiten mehr, als wäre sein Schicksal mit der letzten Seite in diesem Buch besiegelt worden." "Die haben diesem Toronos ja übel mitgespielt. Also ich hätte mich da auch rächen wollen." Nici war fassungslos und brach das Gespräch zwischen Byers und Langly. "Ich frag mich nur warum er das Buch versteckt hat?" Nun mischte sich auch Frohike ein. "Aber sagt mal, gibt es diese Kirche überhaupt noch?" "Ich werde die Bibliothekarin fragen. Vielleicht weiß sie ja etwas darüber." Byers stand auf, klappte das Buch zusammen und ging zu der älteren, freundlich lächelnden Frau, die gerade Eintragungen in ihrem Computer machte.
"Endschuldigen Sie bitte, Ma’am, ich würde Sie gerne etwas fragen. In diesem Buch steht etwas über eine alte anglikanische Kirche, die im Jahr 1807 abgebrannt ist. Wurde sie wiedererbaut?" "Aber sicher, die gibt es noch. Leider nicht mehr lange, fürchte ich. Die Branker Baugesellschaft will sie demnächst abreißen. Schade eigentlich, denn sie hatte so einen schaurigen Flair, kaum zu erklären. Seit meiner Kindheit habe ich sie in Erinnerung. Damals schon wurden darin keine Gottesdienste mehr abgehalten." "Aber sie ist doch vollständig vernichtet worden. Oder?" "Nicht ganz, denn der Grundriss blieb einiger Maßen erhalten und so wurde sie ein Jahr später neu erbaut. Wenn Sie möchten, dann könnte ich Ihnen sogar das genaue Datum nennen, wann der Bau begonnen hat. Da müsste ich nur in den alten Akten nach sehen." "Oh ja, das wäre sehr nett, denn es ist wirklich wichtig." "Warten Sie bitte! Wird nicht lange dauern." Dann verschwand die Dame mit den bereits ergrauten Haaren, und hielt sich für ein paar Minuten in einer kleinen Kammer im hinteren Flügel der großen Bücherei auf. "Die sind schon sehr alt, diese Akten, aber aufbewahren müssen wir sie sowieso." Mit einer ziemlich vermodert aussehenden Akte eilte sie zurück, setzte sich wieder auf ihren Posten hinter den PC und blätterte ein wenig. "So, da haben wir es ja schon. Die anglikanische Queen Victoria’s Church. Erbaut im Jahr 1802 am 3.September genau, abgebrannt am 13. September 1807, Beginn des Wiederaufbaus am 3. September 1808, Fertigstellung der Bauarbeiten am 13. September 1809. Die Bauarbeiten standen aber nicht gerade unter einem guten Stern, denn es ist damals viel passiert." "Wie darf ich das verstehen?" "Na ja, es passierten anfangs nur kleinere Missgeschicke, wie das Verschwinden der beiden Baupläne, Beschädigungen von wichtigem Baumaterial und so weiter." "Aber?" "Als die Kirche schon fast fertig war, ereigneten sich immer wieder mysteriöse Unfälle, welche die Zahl der Bauarbeiter fast um die Hälfte reduzierten. Einer fiel vom Dach, einem zweiten wurde durch ein herabfallendes Fenster der Kopf abgetrennt, ein dritter verblutete an einem offenem Beinbruch. Das sind aber nur ein paar wenige Beispiele. Immer wieder geschahen solche Dinge, eben sehr merkwürdige Dinge. Auch entzündeten sich manchmal kleine Feuer, wie aus dem Nichts, sobald wieder darin Messen abgehalten wurden. Irgendwann war es den Priestern zu viel und eine neue Kirche wurde am anderen Ende der Stadt erbaut. Keiner mehr wollte mit dieser kleinen, alten Kirche etwas zu tun haben, und so steht sie nun da, leer. Bis jetzt hat sich aber noch keine Baufirma bereit erklärt das Gebäude abzureißen und den Friedhof frei zu legen. Die Gräber sind schon uralt. Angeblich wurde die Kirche auf einem noch älteren Friedhof einfach aufgebaut. Einer Legende nach wurden dort einmal die Seelen der Bösen hin verbannt. Aberglaube." "Die Kirche gibt es aber noch?" "Ja, und ich weiß auch wo. Wenn Sie wollen, dann schreibe ich Ihnen den Weg auf. Ich interessiere mich noch immer sehr für die Kirche. Als Kind war ich oft dort um nachzudenken. Wenn die sie abreißen, dann geht auch ein Teil von mir verloren. Ich wollte sie kaufen, aber verlangte der Staat zu viel Geld." Dann gab sie Byers einen kleinen Zettel worauf ein paar Straßennamen und schlussendlich auch eine kleine Kirche gekritzelt waren. "Ich hoffe, ich konnte Ihnen weiter helfen, und vor allem Dem - oder Derjenigen, die jetzt Ihre Hilfe benötigt." "Darf ich mir dieses Buch dann bitte auch ausleihen? Es wäre ebenfalls wichtig." "Natürlich, dafür bin ich ja da!"
Während Byers bezahlte räumten Nici, Langly und Frohike die restlichen Bücher auf einen Stoß und verließen mit Byers das Haus, um sich auf den Weg zu Scully und Mulder zu machen.
Dana Scullys Apartment / 21:53
"Ahhhh!" Ein lauter Schrei ertönte aus der Wohnung als Nicole, Byers, Langly und Frohike gerade im Begriff waren einzutreten. Nici riss die Tür auf und alle vier stürmten aufgebracht ins Zimmer, wo Mulder und Scully gemütlich vorm Fernseher saßen und sich einen Horrorfilm ansahen. Beide starrten die vier Eindringlinge verdutzt an, begannen plötzlich zu lachen und riefen: "Scream!" "Seht uns doch nicht so an!" Scully zog ein breites Grinsen. "Na irgendwas mussten wir ja machen während ihr weg wart, meine Retter. Obwohl, so in Scullys Armen zu liegen und mir einen Horrorfilm nach dem anderen reinzuziehen hat schon was für sich. Vorausgesetzt man ist ungestört." Er löste sich aus Scullys Umarmung und setzte sich auf. Scully knipste den Fernseher aus und blickte ebenfalls wieder in die Richtung ihrer Freunde. Nicole schloss die Tür, und Scully bot ihnen an sich zu setzen.
"Wir dachten schon dir wäre etwas passiert!" Nicole war kreidebleich und starrte Scully entsetzt an. "Sie sollten sich da etwas ansehen! Wir haben vielleicht einen wichtigen Hinweis auf Fürst Toronos gefunden, in diesem Buch hier." Byers hielt Scully das alte Buch hin, das sie sich zuvor in der Bibliothek ausgeliehen hatten. "Es gibt ganz in der Nähe von hier eine Kirche, die eine wichtige Rolle in dieser Geschichte zu spielen scheint. Es gibt Parallelen bezüglich zwei gewisser Daten, dem 3. und 13. September. Genau diese Tage hängen auch mit seltsamen Todesfällen zusammen und einer Hinrichtung im 19. Jahrhundert."
"Was Ihr in euren Händen hält, nicht Euch gehört, Verräter! Wie konnt’ das geschehen? Die Schrift, wo habt Ihr sie? Die Kirche brannt’ nieder, kaum zu erkennen ward’ ihr Schein! Wie konnt’ das nur möglich sein, das Buch, das Skript, wo ist es, wo?" Mulder sprang auf und plötzlich begannen sich seine Augen rot wie des Teufels Schlund zu färben. "Na, erkennt Ihr es wieder, Fürst? Schon lange her, als Ihr und Eure Untertanen die Kirche in Brand gesteckt und den Priester darin umgebracht habt. Was Ihr aber nicht wusstet, das Buch existiert noch heute, hier in meiner Hand es ist!" "Gebt es mir, sofort! Tut es oder seid dem Tode!" "Was willst du? Vor Mitternacht geht gar nichts, Junge!" Frohike hatte zwar schreckliche Angst, doch versuchte er mit diesem Spruch cool zu wirken. Langly folgte mit den Worten: "Deine Show ist ab heute gelaufen! Jetzt gibt’s Stress. Wir lassen uns nichts vorschreiben, von keinem von Euch hirnlosen Zombies!" "Wir lassen unsern Freund nicht von Euch erledigen, Ihr Biester!" "Frohike, Langly, haltet endlich die Klappe!" sagte Byers ein wenig entnervt.
"Was ist passiert, damals, vor 192 Jahren? Warum wurdet Ihr hingerichtet, Fürst? Was war der Grund für Eure Rache, diesen Hass der in Euch brennt?" "Das Buch woher Ihr habt?" "Er vergrub es." "Das Skript?" "Es ist mit ihm verbrannt. Er hatte keine Zeit es zu verstecken bevor die Kirche in Schutt und Asche zerfiel. Warum? Warum musste das alles geschehen?" "Der Priester ward’ der letzte Verräter zu strafen. Ich folge meinen Weg des Schicksals, der Prophezeiung des 13. Tags. Vereint werden sein ihr Herz und mein! durch ihren letzten Tropfen Blut meine Macht werd’ entfacht. Die Sonne auf ewig wird untergehen mein Reich der Finsternis auferstehen. Auch wenn ich vielleicht noch schwach, so vermag ich vernichten Euch all, nur in einer Nacht, der heut’gen vielleicht!"
"Wovon reden Sie?" Scully stand da, sah unwissend Mulder, dessen Körper nun wieder teilweise von Toronos beherrscht wurde, und dann wieder Byers an. "Würde mir bitte irgendwer erklären, was hier vorgeht?" "Schweigt, Geliebte! Schweigt!" Mulder warf Scully einen auffordernden Blick, fast schon befehlend, zu. Sie schwieg. "Ihr seid ein Mörder, Toronos!" "Nein, ich ein Mörder? Sie wollten es, das ewige Leben, und ich war bereit es zu schenken, jedem, für nichts. Ich hat’ verlangt nur ihren Willen, kein Goldstück, nicht mehr, nur den Willen zu leben, auf ewig." "Erzählt mir die Wahrheit, sagt! Ich bitte Euch, Fürst."
Sie setzten sich alle hin und Mulder begann nun in Gestalt Toronos’ die Vergangenheit zu schildern, deren Fluch sie alle heimsuchte. "Die Kranken hab ich geheilt und zum Danke mein Leben sie mir genommen, geköpft, ohne ein Gebet zu sprechen danach. Einen Hexer sie mich genannt, Luzifers Sohn geheißen. Ich heilte und sie schickten mich in die Hölle." "Ihr wolltet ewiges Leben, doch ging bei dem Projekt etwas schief. Oder irre ich mich da?" Byers brannte darauf die Wahrheit zu erfahren. "Etwas? Ihr meint wohl alles! Alles war nicht wohlgesinnt, zum Scheitern verurteilt seit Anbeginn." "Eure Versuche, wie machtet Ihr das?" "Warum Mulder? Warum ihn?" wollte Scully wissen. "Mehr oder weniger Zufall. Diese böse Kreatur, jetzt eine Abtrünnige der unsren, ein Flittchen, wie Ihr pflegt zu sagen, wandte einen uralten Kinderreim bei der Verwandlung an. Es war ein Kinderreim nachdem mein Tod bekannt geworden. Die Kinder machten ihren jüngeren Geschwistern gern Angst mit dem Spruch:
Das Feuer der Nacht
dein Böses entfacht.
Dein Leben soll zu Ende gehen
Fürst Toronos wird auferstehen.
Diese dumme Ziege hat es bei der Transformation doch tatsächlich geschafft mich zu rufen, obwohl ich schon seit fast zwei Jahrhunderten ruhe. Dass sie das gerade mit Eurem Freund machte, ist mir nicht zuzuschreiben. Keine Schuld trifft mich hierbei." "Erzählt uns von dem Experiment!" Byers wurde immer wissbegieriger. "Ich wollte nicht nur heilen, was Euch bekannt, sondern auch ewiges Leben schaffen, wovon jede Kreatur schon geträumt. Also bot ich den Armen und Kranken an meine Hilfe. Ja habe ich sie benutzt? Ich habe, aber doch nur für einen guten Zweck, so glaubte ich. Als ich wieder einen meiner Patienten verloren hatte - es war der Bäcker, ein guter Bekannter von mir, der sterbenskrank ward gewesen - fiel mir eine Wunde an seinem Finger auf, als er so reglos dalag auf dem Tisch. Eine Kruste, rot, stach mir ins Auge - geronnenes Blut. Da wusste ich den Fehler gefunden zu haben...
"Aurel, komm zu mir! Das Blut, Aurel, es ist das Blut!" "Fürst, warum ruft Ihr mich?" "Ich habe gefunden, das mich scheitern ließ all die Zeit, das Blut ließ auferstehen sie nicht wieder. Das Blut in ihnen trocknet wie auf diesem Finger hier, lässt sie erstarren! Reich mir ein Messer, ein scharfes."
... Ich war ein ganz normaler Mensch bevor es passierte...
"Was, sagt, habt Ihr vor, mein Meister? Was?" "Ich werd ansetzen das Messer hier am Hals, sieh her, und das Blut entlassen aus ihm. So wie du es gesehen, bei Schweinen schon lang." "Fürst Toronos, es ist gegen den Willen Gottes, was wir tun in diesem Schloss. Strafe dem, der sich wendet gegen die Natur, Ihr wisst. Vielleicht sollten wir es lassen, ist er nicht bestimmt weiterzuleben." "Unsinn, du hast nur Angst." "Bring mir einen Pod, das Blut soll finden Raum! Ich, Fürst Toronos von Queenheart Castle, werd sein der Menschen größter Held. Hol mir den Topf, geschwind! Und stell ihn an des Tisches rechter Seite!" "Meister, wird er erwachen?" "Lass mir diesen einen Versuch, nur noch den einen, dann lass ich es für immer, sollt dieser scheitern!"
... Mit dem Messer machte ich einen Schnitt entlang der Halsschlagader, und da der Körper erst wenige Minuten tot war, konnte ich durch Schläge auf seine Brust das Blut aus ihm pumpen und in den Pod laufen lassen...
"So, zu Ende ist’s. Reich mir die Mixtur, Aurel! Du wirst jetzt Zeuge des größten Wunders dieser Welt. Dieser Tote soll nicht mehr sein, zu neuem Leben er erwache!"
... Ich glaubte daran, nach so vielen gescheiterten Versuchen, zwar selbst nicht mehr, doch wollt ich Aurel nicht die Spannung rauben in diesem Moment. Ich nahm die Mixtur und tropfte sie in die Öffnung am Hals. Gebannt starrte Aurel minutenlang auf den Körper, der nur dort lag, keine Bewegung von sich gab. Aus Dummheit und um Aurel zu erschrecken packte ich des Toten Hand in Windeseile und schüttelte sie...
"Uah, ich bin der Tote, der jetzt lebt! HAHA. Der tote Wächter von Queenheart Castle."
... Plötzlich fasste die Hand nach meiner und zog daran. Aurel begann zu schreien, ich erstarrt vor Angst blieb stehen. Die Schreie weckten Lady Deborah, die Meinige, welche nun auf des Kerkers Treppen stand und sah mich an entsetzt. Ich hat ihr verboten zu treten an des Kerkers Schwelle, zu sehen, was nie bestimmt für ihren Blick. Doch brach sie nun das Versprechen ihrer, und stand nur da im Nachtkleid, weit aufgerissen ihre Augen, fassungslos vor Schreck...
"Nein, Deborah, geht zurück in Euer Gemach! Fort mit Euch, mein Weib, geht, bitte, geht! Das ist nicht für Eure Augen." "Was macht Ihr, Geliebter? Dieser Kerker nicht das was er scheint, kein Kerker ist. Zaubertränke, Blut und Tod. Was hier geschah zu später Stund? Gemahl, was habt Ihr nur getan?"
... Ihr Blick fiel auf den Bäcker, dessen Augen offen nun. Sie schrie und lief davon, weit hinaus in den Wald, ohne Ziel, nur fort. Mir war egal was mit dem Bäcker nun geschah, gab Aurel den Befehl bei ihm zu bleiben und rannte los. Schweren Atems ich sie fand im Wald, kauernd auf einem von Moos bewachsenen Stein, schluchzend und zitternd vor Kälte. Ich legte meinen Arm um sie, strich durch ihr Haar, und sprach zu ihr...
"Deborah, Geliebte, habt keine Angst, doch nicht vor mir! Ich mache nichts Böses, doch müsst Ihr mir schenken Glauben und Euer Vertrauen!" "Der Bäcker, lebte er noch, doch ohne Blut, wie das?" "Er hat nicht mehr gelebt,
war tot. Ihr wisst, er war sehr krank, ich wollt ihn heilen, wie alle aus dem Dorf, aber half mein Bemühen nicht. Er starb. Nie würd’ ich Euch bringen in Gefahr, Ihr müsset schon wissen! Ich lieb Euch über alles, könnt kein Leid Euch fügen zu, würd’ jeden töten, der dies wolle." "Aber Toronos, der Kerker, warum? Wie sieht er aus, so anders?" "Ich heile die Menschen doch, das wisst Ihr, aber ich brauch auch Mixturen um dies zu vollbringen." "Das Blut?" "Der Bäcker begann zu bluten, bevor er starb. Wir mussten das Blut doch auffangen, bevor es auf den Boden gelangen würde und diesen rot färbte." "Aber ich versteh das alles nicht, ist zu viel für meinen Verstand." "Das müsst Ihr nicht, Lady, vergesst. Vergesst, was Ihr gesehen, in dieser kalten, mondlosen Nacht! Vertraut mir!"... Ich küsste sie und trug sie den Weg zurück zum Schloss. Sie kannte nun mein Geheimnis, auch wenn ich ihr etwas Anders erzählt hatte, war sie viel zu schlau, um mir das zu glauben. Sie wusste tief in ihr, dass der Bäcker lebte, tot war und dann erwacht. Bis wir wieder im Schloss waren sprachen wir kein Wort und ich brachte sie dann zurück in ihr Gemach. Als sie schließlich eingeschlafen war ging ich wieder in den Kerker, wo Aurel neben dem Bäcker saß und diesen bewachte...
"Gott sei Dank seid Ihr zurück! Er hat schon gefragt nach Euch, Fürst Toronos. Sprechet zu ihm, ich bitt Euch, er will’s" "Bäcker, hörst du mich?" "Ja, Fürst, deutlich. Was ist passiert? Habt Ihr mich denn geheilt?"
... Ich nahm ihn an seiner Hand und erzählte ihm was geschehen war... "
"Und so lebst du jetzt. Es ist ein wahres Wunder, das ich vollbracht. Aber noch ist es zu früh um dies bekannt zu geben. Ich weiß nicht ob es eine vorübergehende Wirkung ist, oder ewig. Und dann ist da noch die Frage, was ewig überhaupt bedeutet, wie lang das ist? Vielleicht gibt es Probleme und alles war umsonst." "Mein Weib, weiß sie davon?" "Nein, aber sie wird von deinem Tod erfahren. Wir werden Gerüchte verbreiten, du wärst von einem Monster im Wald gefressen worden. Das wird die Dorfbewohner von unseren Experimenten ablenken. Wir schieben alles auf das Waldmonster und unsere wahren Interessen bleiben unentdeckt, solange, bis wir uns dem Guten völlig sicher sein können."
"Woraus bestand diese Mixtur, die Ihr ihm verabreicht habt?" "Meine Mutter hatte eine besondere Gabe. Sie hatte großes Wissen über Heilpflanzen und deren Wirkung. Damit konnte sie Menschen heilen und bei manchen brauchte sie nur ihre Hand auf die schmerzende Stelle zu legen und der Schmerz war verschwunden. Eines Tages erzählte sie mir, es gäbe eine Blume, die einer sehr alten Legende nach die Kraft hätte, ewiges Leben zu geben. Diese Blumen wachsen nur auf einem Platz in England, in den Höhen, und kennen nur selbst von ihrer Existenz. Wo dieser Ort liegt wusste meine Mutter nicht, nur die Blumen selbst, wie sie sagte. Lang ist es her, da haben die sie geholt und am Scheiterhaufen verbrannt. Sie wussten nicht wessen Kind ich war, glaubten, der Hufschmied und sein Weib wären meine Eltern. Deshalb verschonten sie mich. Bevor die sie töteten sagte sie mir noch, wenn die Blume gepflückt und ihr Saft getrunken, das Böse sich würde rächen an unschuldigen Seelen und demjenigen, der den heiligen Ort der Blume geschändet. Nach Mutters Tod suchte ich lange Zeit nach dem Gewächs, doch hatte ich kein Glück. Ich wusste es war falsch sie zu suchen, doch war ich gezwungen. Ich erbte schließlich das Schloss meines Großvaters und lebte darin mit einigen Dienern und auch Aurel, meinem treuen Knappen. Jahre später begegnete ich der holden Deborah MacHill und machte ihr den Hof. Tage nach unserer Trauung ritten wir aus in den düsteren Wald um zu jagen. Sie war sehr schlau und wissbegierig, so lehrte ich sie das Lesen, Schreiben, Reiten und schlussendlich auch Jagen. Wir waren so glücklich miteinander auf Queenheart, dass wir nie geglaubt hätten, des Schicksals Lauf sich würde wenden in der kommenden Zeit. Als wir so durch den Wald in den Höhen streiften, kamen wir auch an eine kleine Lichtung, weit weg von zu Haus. Da stand auf der Wiese tatsächlich des Teufels Geschöpf, diese Blume so anmutig, so ich nie erblickt. Da wusste ich tief in mir drin, sie war mein Schicksal, die Bestimmung, nach der ich suchte so lang. Am nächsten Tag kam ich erneut in den Wald, um zu pflücken den blutenden Dorn, der zerreißen würd’ mein Leben und meine Liebe. Von diesem Tag an wurde der Kerker Aurels und mein zweites Gemach. Nacht für Nacht experimentierten wir, brauten Mixturen und Tränke aus dem Saft der Blumen im Wald. Je mehr Blumen ich jedoch pflückte, desto mehr entstanden an dem Platze, doch schreckte dies mich kaum ab von meinem Vorhaben. Wir brauchten Testpersonen und ich bot im Dorfe an Menschen zu heilen. Sie waren einverstanden, die Kranken, liebten mich, weil ich sie heilte. Und irgendwann begann ich diese in meinem Schloss zu fragen, ob sie ewig leben wollten. Sie willigten ein, sie alle, und wir machten Versuche an ihnen mit der Mixtur, der 'Sancta Flora' genannt, meiner heiligen Blume. Aber scheiterten wir. Jeder, der die Mixtur trank, sich auf Wunden gießen ließ, der starb in kürzester Zeit. Sie alle starben, ohne, dass wir hätten die Ursache dafür finden können. Und dann passierte das mit dem Bäcker. Von dem Tag seines Erwachen an begann er sich jedoch stark zu verändern. Seine Schneidezähne wurden länger, sein Kiefer und seine Schultern breiter, seine Hände formten sich allmählich zu Krallen, wie von einem Tier. Er schien sich zu verwandeln in eine Art Tier menschlichen Ursprungs, in eine Kreatur ohne Namen, denn ohne Menschlichkeit. Mit jedem Tag veränderte er sich aufs Neue. Im Kerker war es immer dunkel gewesen, nur leichter Kerzenschein, und so hatte er sich bald der Dunkelheit vollständig angepasst, gleich einem Tier der Nacht, einer Eule oder Fledermaus. Irgendwann, in einer Nacht, verlangte er nach Blut. Kurz nach seiner Verwandlung war er sehr hungrig gewesen und ich gab ihm Fleisch und Brot, eben die Nahrung für einen Mann seiner Stärke. Aber dann wollte er Blut, warmes Blut, was eine neue Nebenwirkung der Pflanze zu sein schien. Ich schien trotzdem an meinem Ziel, da die Blume ihre Wirkung des ewigen Lebens tat. Der Bäcker war schon sechzig Jahr und kräftig danach gleich einem jungen Bursch, einem sehr hungrigen, nach Blut dürstendem Monster, wäre hier wohl die bessere Bezeichnung für. Ich ließ mir vom Metzger warmes Blut geben, mit welchem ich den Durst dieser Kreatur zu stillen versuchte. Der Bäcker wurde immer klüger, vermochte es bald meine Gedanken zu lesen und Dinge zu bewegen, bald auch fliegen, zu lassen. Ich konnte mir es einfach nicht erklären, warum die Blume solche Nebenwirkung zeigte. Jede neue Veränderung schrieb ich auf, zeichnete den Bäcker immer wieder aufs Neue. Bald schon mied er das Sonnenlicht ganz, sagte, es brenne wie Feuer auf seiner Haut. Nur nachts schlich er herum am Hofe, oder betrachtete lange des Mondes fahlen Schein, hoch oben auf des Turmes Spitze schweifte sein Blick übers Land, weit hinweg, in die Freiheit. In dieser einen Nacht war er plötzlich spurlos verschwunden. Zwar wusst’ ich, er vermisst sein altes Leben, doch konnt’ er nicht zurück, das wusst’ auch er selber. In der nächsten Nacht im Kerker erlebte ich ein Wunder der Natur, falls ich es kann so nennen.
Der Bäcker hatte in der Nacht sein Weib geholt und wollte mir etwas Neues zeigen, was Wunderbares, wie er mir schwor. "Ich kann Ihnen allen schenken Leben, Fürst, mein Herr!", er sagte aufgeregt, das lächelnde Weib in seinen Armen. Er hatte ihr alles erzählt, worauf sie werden wollte so wie er. Verstehen ich sie kann noch immer nicht. Da biss er ihr in den Hals und saugte ihr aus das Blut geschwind. Ich sah mit an wie das Leben aus ihr wich und die Augen sich schlossen. Sobald dies geschehen, biss er in sein rechtes Handgelenk, woraus nun eine schwärzliche, dickflüssige Masse hervor drang. Seine Hand drückte er dann leicht auf die Öffnung an des Weibes Hals und sieh da, sie öffnete ihre Augen, war lebendig wie eh und je. Dann hob er seine Hand, wo vor Sekunden noch eine große, fleischige Wunde zu sehen gewesen war. Zu meinem Erstaunen stellte ich fest, sie hatte sich geschlossen, von selbst. Ich war an meinem Ziel, hatte ewiges Leben geschaffen, wenn auch mit ein paar kleinen Fehlern, die für mich zuerst kaum tragisch erschienen. Aber schafft jede Erfindung und Entdeckung Probleme mit ihrer Existenz, so sollte es auch die meinige. Wir knieten beide an Guineveres Seite. Erst als ich aufsah bemerkte ich, dass die längste Zeit über Deborah im Kerker gestanden hatte, Tränen ihre Wangen benetzen...
"Lügner, elender Lügner! Und ich hab Euch geliebt, ich Dummchen! Wie konnt’ ich nur sein so blind, wie der Toten Augen, gleich in einem düstren Nebelnetz gefangen! Wie konnt’ ich die grausame Wahrheit verdrängen, Euch Glauben schenken, jeden böswilligen Gedanken vernichten? Nicht mehr als ein blutrünstiges Monster Ihr seid, nicht mehr, ein Mörder! Fahrt zur Hölle, für das Ihr getan! Verdammt sollt Ihr sein, für alle Zeit, ihr gottloser Tyrann!"
... Sie lief davon, weit weg. Nahm noch in der selben Nacht ihre Sachen und ging zurück zu ihrer Eltern Haus. Sie schwieg, hielt dies Geheimnis bis ihr Todestag bedeckt mit Staub. Eine unsterbliche Liebe, die einst uns gehörte, ausgelöscht mit nur einem Blick. Sie wusste nicht wie viel mir meine Arbeit bedeutet hatte, würde es nie erfahren. Ich wollt ihr nachlaufen, wie einst im Wald, doch hielt mich der Bäcker ab...
"Lasst gehen dies schöne Geschöpf, lasset sie frei, sie nicht bestimmt mit uns zu ziehen! Lasset gehen die Liebe, die gewesen Euer, lebt mit uns, werdet wie wir, Fürst der Dämonen, Gebieter der Macht! Führet an unsre Gruppe der Fürsten der Nacht. Wir werden die Macht über alles besitzen, mit Euch an unser Seite, als Anführer unsrer Schar des Bösen."
... Er machte mir Angst, das konnt’ ich nicht leugnen, doch wollt ich sie führen, die, die sie noch zu den unsren machen würden, zu meinen Geschöpfen der Finsternis. Was von nun an geschehen sollt’, niemand erahnen konnt’, doch ward bestimmt, des Schicksals Wille." "Ich habe so das Gefühl, ich habe diese Geschichte schon mal wo gehört. Ich weiß, es klingt verrückt, aber ich kenne sie, oder Teile davon zumindest." "Erfahren Ihr werdet die Wahrheit noch früh genug, meine Fürstin. Geduldet Euch noch, Ihr werdet sehen, das Licht Euch wird blenden, wenn Ihr kennt den wahren Grund!"
Scully starrte ihn an, blickte in diese vertrauten Augen, die ihr nun fremd erschienen. Wie konnte dieser Fremde nur Mulder sein? Es kam ihr vor, als hätte sie wie Dornröschen hundert Jahre geschlafen und wäre nun erwacht, in einer völlig fremden und düsteren Welt, einsam und verlassen von allem Glück. Wo war Mulders sanftes Lächeln? Es hatte sich in Lippen aus Eis verwandelt, kalt und böse. Was war nur aus seinem lieblichen Blick, seinen nach Zärtlichkeit suchenden Augen geworden? Ein nach Grausamkeit und Blut dürstendes Feuer brannte ihn ihnen, das sich nach Tod und Rache verzehrte.
Scully stand nur da, war fassungslos und fühle sich betrogen, einsam und zerbrochen.
"Am nächsten Tage schon - des Bäckers Weib nun so wie er, eine Gestalt verwandelt in ein Monster der Finsternis - holten sie mich. Dann wurde mir der Prozess gemacht. Aurel sich hatt’ umgebracht, er unsren Sieg über den Tod nicht verkraften wollt’. Als ich da vor dem versammelten Rat stand, sie mich hießen einen Ketzer und Mörder, das Kind des Satans, mich foltern ließen, da galt mein Gedanke nur einer, meiner geliebten Deborah. Ich nicht spürt’ mehr die Schmerzen, wenn ich an ihr güt’ges Lächeln dacht’, all unsre schönen Stunden erneut in meinem Herzen aufflammten. Ich hört’ sie sagen, ich solle nicht aufgeben, rief mir nach, doch sah ich mich gehen in die Dunkelheit zu meinen Kreaturen hin, die mich nun holen würden. Nach der Folter ging es schnell. Sie ermordeten mich und in derselben Nacht noch, als ich bei den Leichen in einer Grube lag geköpft, so kamen der Bäcker und sein Weib um mich zu rufen, auferstehen zu lassen. Ausgeblutet war ich schon, doch war der Kopf getrennt vom Rumpf. Dadurch die Verwandlung nicht ganz zu Ende geführt werden konnt’. Ja, ich erwacht’, doch nicht so wie wir gedacht. Mein Körper blieb leblos, doch stieg ich aus ihm, wie eine Schlange aus ihrer Haut. Meinen Geist sie gerufen, geholt aus dem Toten, der ihnen lag zu Füßen. Auch wenn mein Körper mir jetzt nutzlos war, so spürte ich trotzdem eine Verwandlung an mir. In der Nacht fühlte ich mich stärker denn je, mächtig und kaltblütig, begann selber zu morden und meine Freunde zu schlachten, um sie dann zu meinen Untertanen zu machen, zu zerstören ihr gutes Herz, dies zu versteinern auf ewig. Ich die meiste Macht erlangt hatt’, da ich die Geistesstärke erlangt’. Nur durch meinen Wunsch ich konnt’ mich rächen an jenen, die ich verflucht, aufzwingen den andren meinen Willen. Meine Kreaturen all jene töteten, mein Herze hatt’ verlangt. Ich wurde ihr Anführer, sie mir folgten, ausführten meine Befehle. Tagsüber wir suchten uns dunkle Plätze, um dem Tageslicht zu entfliehen. Nachts wir stillten unseren Drang nach dem bittersüßen Blute. Der Bäcker, sein Weib und ich Unterschlupf auf Queenheart Castle suchten, solange dies noch stand. Mit der Zeit wir hatten all die Dorfbewohner zu den Unsrigen gemacht, und uns selbst Schaden zugefügt, da uns das Blute denn dann fehlte. So wir begannen auszuschwärmen und machten keine neuen Kreaturen mehr. Wir saugten die Menschen nur aus und belebten sie nicht wieder. Jede Nacht mir unvorstellbare Kräfte schenkte und ließ grausamer und dunkler werden meinen Verstand. Ich allein der Herrscher wurde, jener der Nacht, der entschied über Leben und Tod. Meine Mutter mich hatt’ vor der Blume gewarnt, doch ich nicht gelauscht ihrem Worte ganz, und von nun an immer mehr Macht erzwingen wollt’. Ich wurd’ zu einer Bestie, nach Blute dürstend und dem Rache frönend. Nun die Blüte des Verderbens hatt’ gezeigt ihr’ wahren Wurzeln, die fesselten all unsre Güte und zum Vorschein brachten die Finsternis. Bald meine Geschöpfe soweit waren sich vollständig in Tiere zu verwandeln, in Tiere, die das Tageslicht scheuten, Herren der Dunkelheit gewesen - Fledermäuse. Wir uns Mäntel schneidern ließen, unser Gemeinschaftszeichen. Jedoch da ward’ ein Gefühl in mir, ward’ immer noch Liebe gehalten. Deborah, meine geliebte Schönheit, so ich sie nicht vergessen konnt’, all die Jahre hinweg, die ich sie seit jeher nicht mehr hatt’ gesehen. Eines Nachtes, wir ließen uns tragen von unseren Schwingen, da sahen wir eine Kutsche die Küste entlang fahren. Als ich mich näher an sie wagte, erkannt’ ich eine Frau darin, die hatt’ langes rotes Haar und Augen so gütig, wie ich nur hatt’ ein einz’ges Mal gesehen, an Deborah. Sie war’s, die saß in der Kutsche, ein moosgrünes Kleid und einen Hut tragend. Ich ward’ getrieben vom Gedanken, ja ganz besessen ich doch war, sie zu einer der Unsrigen zu machen, verspürte den Drang danach ganz stark. Wir hielten die Kutsche an und Deborah versucht hatt’ vor mir zu fliehen, hinausgelaufen in die Nacht, ich ihr hinterher. An der Klippe sie hielt Inne, mir ängstlich in die Augen sah. Ich sagt’, sie solle werden wie wir, eine von uns und ewig leben. Doch als ich näher trat an sie, da sie sich wandte ab von mir und in die Tiefe sprang. Ich sah sie stürzen in die Wellen, die in den Tod sie rissen. Verloren hatt’ ich sie auf ewig, in jener gar stürmischen Nacht. Und dann auch noch mein Schloss verbrannt und all die Aufzeichnungen, die ich hatt’ gemacht, mit ihm zerstört. Wir zogen umher ohne Ziel, flohen vor jenen, die uns zerstören wollten und mieden Kirchen und Kreuze. Da wir den Priester in einer Kirche umgebracht’, ein Fluch ward’ auf uns gelegt. Mit Weihwasser und Holzkreuzen sie Jagd auf uns machten und vernichteten sehr viele. Mit dem Wasser sie meine Untertanen schwächten, und die Kreuze sie schlugen in ihre Herzen, um zu töten sie für alle Zeit. Nicht lange nach Deborahs Tod ich wurd’ schwächer. Ich selbst gar Schuld daran, weil ich sie hatt’ gesehen in die Fluten stürzen. Nicht helfen konnt’, der Meinigen. Ich sah ein, am Tage, wenn ich mich musst verstecken, dass falsch gewesen es die Toten doch zu rufen, leben zu lassen bis an den Rand des Nichts. So ich hatt’ gesucht nach einem Mittel, wollte die Verwandlung rückgängig machen, doch jede Nacht mich neu erwachen ließ, ich mordete und quälte nicht zuletzt, wie meine schlechte Gesellschaft, der ihre Macht schon zu Kopfe gestiegen war. Und da kam das Ende der Nacht, die hätt’ werden sollen meine letzte. Ich unterwegs, allein, denn die Menschen John und Guinevere ermordet’, kam durch Zufall vorbei an dem Platze, wo einst alles begonnen hatt’. Mein Schloss stand da nicht mehr, Ruinen, vom Feuer gezeichnet, das lang schon her. Einen unterirdischen Teil des Kerkers es gab aber noch, so floh ich vor der Sonne Strahlen dort hinein. An einer kleinen Stelle, da ich fand ein altes Fläschchen, mit einer Mixtur darin. Der Trank war der des Schlafes, den ich nahm voller Zorn über mich selbst zu mir. Er tat seine Wirkung sogleich und ich fiel in einen tiefen Schlaf, aus dem ich nie mehr sollt’ erweckt’. Ich damals schon sehr stark gewesen, hatt’ Besitz ergriffen von jungen Männern, deren Kräfte ich ausgesaugt’, doch jetzt ich hab mich selbst gefunden, in Eurem Freunde hier. Fox Mulder ist nun Vergangenheit, Fürst Toronos, Herrscher des Bösen, wird werden Eure Zukunft, unbezwingbar!"
"Nein! Es darf nicht vorbei sein! Nicht hier und jetzt, nicht auf diese Weise!" Scully verspürte einen unendlichen Hass in ihrer Brust, und sank sich neben der Couch zu Boden, sah dann zu dem Fürsten auf, der sich erhob. Die Uhr schlug eins nach Mitternacht, und erneut bot sich ihr und nun auch den anderen das schrecklichste Spektakel, von dem sie je Zeuge geworden waren. Das Fenster öffnete sich wie durch Geisterhand, als der Blick der Kreatur daraufgefallen war. Und ehe sie es sich versahen, hatte er seinen Umhang geschwungen und war spurlos verschwunden.
"Wo ist er hin?" Frohike sprang entsetzt auf und blickte um sich, nicht weniger überrascht als die anderen. Nur in weiter Ferne ertönte noch ein grässliches Kreischen: "Fürsten der Nacht, folgt mir, erwacht! Erhebt euch gebannt und schwärmt übers Land!" Nur kurz noch erfüllte ein Flattern und Jammern die Luft. Dann wurde es immer leiser, als trage der kühle Nachtwind es in die Ferne hinaus.
Die fünf schwiegen, glaubten, sie würden ihren Verstand langsam verlieren, Sie wagten es im Moment auch nicht über die Verwandlung zu sprechen.
Schließlich brach Nici das Schweigen. Sie strich sich eine Strähne ihrer schwarzen Haare hinters Ohr und meinte: "Der ist weg, für heute jedenfalls. Vor Sonnenaufgang lässt er sich wohl nicht mehr blicken. Wir sollten etwas schlafen und morgen Pläne schmieden und das Buch genauer unter die Lupe nehmen. Kann ja sein, dass wir was Wichtiges übersehen haben." Byers deutete leicht seinen zwei Freunden mit dem Kopf, sie sollten jetzt besser aufstehen und gehen, da er verstanden hatte, dass Nicole jetzt mit ihrer Freundin allein sein wollte. "Also bis morgen dann." sagte Frohike. "Wir werden telefonieren und uns einen Termin ausmachen, wann und wo wir uns treffen können." meinte Langly und folgte Frohike auf den Flur. Als die beiden schon zum Aufzug gegangen waren, drehte sich Byers noch ein letztes Mal zu Scully um und sagte: "Gute Nacht. Und, Agent Scully, ich weiß, wie schwer das jetzt für Sie sein muss, da Sie und Mulder ja in einer sehr tiefgehende Beziehung zueinander stehen, aber wir sind alle geschockt von der Wahrheit. Und gerade deshalb werden wir alles in unserer Macht Stehende tun, um einen Weg zu finden, der uns Mulder zurück geben kann." "Ich weiß Ihr Mitgefühl wirklich zu schätzen, Byers. Vielen Dank für alles." Dann verabschiedeten sie sich und Byers ging zum Wagen, der sich kurz danach in Bewegung setzte und im Schatten des Mondlichts verschwand.
Scully sah Nicole an, die sich nun zu ihr beugte und sagte: "Komm, steh auf, Dana! Setzen wir uns und reden ein wenig. In letzter Zeit hast du kaum noch mit mir über deine Gefühle gesprochen. Ich meine, natürlich weiß ich, dass du nicht gern über dich selbst redest, aber vielleicht hilft es dir ja? Lass uns reden, Dee, bitte." Scully griff nach Nicoles Hand und stand auf. Dann setzten sie sich und Scully legte ihren Kopf an Nicis Schulter. Leise sprach Nici weiter: "Du spielst verrückt und der Typ macht mich völlig fertig. Der kontrolliert dich schon ohne dass du es überhaupt merkst. Was ist los mit dir seit gestern?" "Ich kann nichts dafür, dass ich mich so benehme. Meine Gefühle fahren Achterbahn, und ich hasse Achterbahnfahren!" Scully starrte ins Schlafzimmer, wo genau in ihrem Blickwinkel das Fenster war. "Liebst du ihn denn so sehr?" "Was hat diese Frage zu bedeuten?" "Ich will wissen ob du Mulder liebst!" "Das kann ich dir einfach nicht sagen." "Und warum nicht?" "Weil ich es nun einmal selbst nicht weiß. Das ist alles so verwirrend und ich fühle mich irgendwie alleingelassen. Ich will ihn doch nicht verlieren." "Ich wünschte, ich könnte für jemanden solche Gefühle haben. Du weißt ja, was Kerle für mich sind, Mittel zum Zweck sozusagen. Ich glaube, ich werde mich nie so richtig verlieben. Außerdem ist das viel zu anstrengend! Die einen sind nett, die anderen wieder nicht. Ach was, irgendeinen Platz müssen die ja haben." "Du weißt, ich teile deine Meinung nicht. Mulder ist nicht wie die andern. Er ist etwas Besonderes, aber begreife ich das erst jetzt, wo es vielleicht schon zu spät ist." "Denkt er eigentlich genauso über dich? Ich meine, empfindet er dieselben starken Gefühle für dich wie du für ihn?" "Woher soll ich das wissen?" "Sag mal, das musst du doch merken! Habt ihr nie geredet oder so?" "Immer wenn es ernst wurde, dann haben wir gekniffen. Entweder hab ich oder er hat die Flucht ergriffen oder wir wurden von irgendjemandem gestört. Wir hatten keine Chance. Ich meine, was wäre gewesen, hätte ich es ihm gesagt, und er nicht dasselbe für mich empfunden? Ich wäre bis auf die Knochen blamiert gewesen, ich hätte ihn nicht mehr ansehen können, das wäre mir einfach zu peinlich geworden. Ich arbeite mit ihm zusammen, sehe ihn jeden Tag und manchmal auch die ganze Nacht hindurch. Ich hätte ihm dann nie mehr in die Augen schauen können ohne mich meiner Gefühle zu schämen. Die anderen sehen ihn ihm einen verrückten Workaholic, der kleinen grünen Männchen aus dem All hinterher jagt. Aber ich sehe ihn anders, so wie ihn niemand sieht, so, wie er wirklich ist." "Wie ist er denn wirklich? Bis jetzt hab ich nur mitgekriegt, dass er dich ständig versetzt, in Gefahr bringt und du ihn in Schutz nehmen musst. Dieser Idiot kann dich, meiner Meinung nach, gar nicht lieben, so wie er mit dir umspringt. Er benutzt und verletzt dich doch, was jemand, der dich wirklich liebt, niemals tun würde. Dee, wach doch auf! Der ist das nicht wert. Niemand ist es wert, dass du dir so wehtun lässt." "Auch wenn wir grundverschieden sind, sind wir doch so etwas wie Seelenverwandte. Er kennt meine Gefühle, glaube ich eben, aber ist in dieser Welt kein Platz dafür. Wir beide sind aus demselben Grund zum FBI gegangen. Er konnte dort in seine Traumwelt flüchten, wo es Außerirdische und Gespenster gab und versuchte dadurch Antworten für die Entführung seiner Schwester zu finden. Ich bin fast aus demselben Grund zum FBI gegangen, weil auch ich in eine Traumwelt fliehen wollte, die mir helfen sollte mit mir selbst klarzukommen. Der Druck meiner Familie, die Erwartungen meiner Vorgesetzten, die mir manchmal schon fast die Luft zum Atmen geraubt haben. Wir flohen beide auf unsere eigene Weise, nur jetzt tun wir das zusammen. Aber im Endeffekt wollen wir doch beide dasselbe. Ich könnte nie eine richtige Beziehung eingehen und mal heiraten, weil ich niemandem so viel Vertrauen schenken kann wie mir selbst und... ihm. Liebe, was ist schon Liebe, in einer Welt ohne Hoffnung und Freiheit? Es hätte keinen Sinn, nicht mit uns beiden." "Aber du willst es nicht wahrhaben!" "Ich könnt’ gehen, frei sein auf ewig, mit meinem Geliebten ziehen, wie einst, so lang ist’s her. Könnt’ leben, sein wie sie, hätt’ keine Angst mehr zu sterben, würd’ leben für immer mit ihm, meinem geliebten Toronos. Hab ihn damals abgelehnt, doch bin ich bereit ihm zu folgen nach so langer Zeit, ich bin bereit." "Dee, hey, Dana, was hast du auf einmal? Was ist los mit dir? Du redest so merkwürdig. Was sagst du da?" Scullys Stimme hatte sich plötzlich sehr verändert. Sie sprach nun zwei Tonlagen höher und ihre Stimme klang weicher als sonst. Aus Scully schien ein anderer Mensch zu sprechen, doch nur einen Augenblick lang, dann war sie wieder normal. "Was hast du gesagt, Nicole?" Scully schüttelte verwundert den Kopf. "Aber du hast doch eben noch so seltsam gesprochen, als wärst du jemand anders?" "Aber ich habe doch eben nichts gesagt. Ich schwöre, ich habe dich nur angeschaut." "Merkwürdig, das ist so komisch, so... ich weiß nicht recht, wie ich das erklären soll." "Ich möchte jetzt lieber allein sein, verstehst das bitte. Ich will nicht unhöflich sein, aber ich brauche etwas Zeit für mich, damit ich das verkraften kann, ja?" Nici stand auf und lächelte Scully an. "OK, dann gehe ich jetzt schlafen. Pass auf dich auf und schlaf gut, Kleine!" "Du auch." Dann verließ auch sie das Zimmer, ließ Scully allein zurück.
In dieser Nacht quälte Scully ein seltsamer Traum. Sie lief in einem langen Kleid durch einen Wald, floh vor etwas. Sie fiel hin, und da fand sie sich plötzlich auf einem Friedhof wieder. Dort stand eine Kirche, die brannte wie Zunder, und aus den Gräbern ringsum griffen Hände nach ihren Füßen, als sie weiterlief. Und da stand er, lachte höhnisch und packte sie, sodass sie auf ein Grab stürzte. Er zerriss ihr Kleid, sie wollte sich wehren, doch waren da Hände, die sie auf dem Grabe festhielten. Seine glühenden Augen starrten sie an, als seine Zähne sich tief in ihren Hals bohrten.
Scully riss die Augen auf. Was hatte dieser Traum nur zu bedeuten? Sie würde wohl kaum noch Schlaf finden können, bevor dieser Albtraum nicht ein Ende hätte. Also stand sie auf und holte ihren Discman aus der untersten Schublade ihres Nachtkästchens. Dann legte sie sich zurück auf das Bett und lauschte Sarah McLachlans wunderschöner Stimme. >>..oh and every time I’m close to you there’s too much I can’t say and you just walk away... and I forgot to tell you I love you and the night’s too long and cold here without you...<< Scully dachte daran, wie liebevoll Mulder sie immer umarmt hatte, wenn sie Trost suchte, wie zärtlich er ihre Stirn geküsst und über ihre Wangen gestreichelt wenn sie sich nach seine Nähe gesehnt hatte. Sollte es wirklich vorbei sein? Für alle Zeit? Sollte er zum Fürsten der Dunkelheit werden, wenn sie keinen Weg finden würden, um ihn zu befreien? Als sie ihre Augen wieder aufschlug sah sie zur Zimmertür. War diese nicht eben noch geschlossen gewesen? Scully schaltete den Discman ab und legte ihn auf den Nachttisch.
Ihre Lampe erhellte nur einen Teil des Raumes, und so fiel ihr Blick auf eine dunkle Ecke abseits ihres Bettes. Und aus dem Schatten funkelten rubinrote Augen. "Habt Ihr mich vermisst, meine Fürstin? Ich wartet bis alle fort und Ihr allein."
Die Gestalt trat aus der Ecke hervor. Scully krabbelte über ihr Bett, wollte aufspringen und zur Türe laufen oder um Hilfe schreien. Nicole hätte sie bestimmt gehört, da die Wände sehr dünn waren. Sie wollte weglaufen, doch blieb sie wie versteinert sitzen und starrte ihn mit weitaufgerissenen Augen an. Er trat näher, beugte sich über sie und berührte mit seinen Händen das Ende des Bettes. Ein triumphierendes Lächeln spiegelte sich auf seinen Lippen. Endlich nahm sie all ihren Mut zusammen und lief zur Tür. Doch Toronos war schneller und packte sie. Mit einem Arm hielt er ihre Hände hinter dem Rücken übereinander, mit dem anderen griff er nach ihrem Hals, als er seinen Körper fest an ihren drückte. Sein wilder Blick schien sie zu durchbohren. Dann küsste er Scully. Sie spürte wie Blut über ihr Kinn und ihren Hals tropfte, es war ihr Blut. Kaum fähig sich zu wehren, unterwarf sie sich seinem Willen. "Ich fühl Euer Verlangen. Ihr wollt werden mein, mich spüren für heute und für alle Zeit." Sobald das letzte Wort verstummte, riss er ihre Bluse auf, unter welcher ihre nackte Haut zum Vorschein kam. Scully wollte sich losreißen, doch war sie gefesselt, gebunden an ihn, seinem verzaubernden Blicke ergeben. Als sie sich dennoch wehrte, drückte er sie aufs Bett und zischte: "Ihr scheint nicht zu verstehen. Niemand sich widersetzt des Herrschers Willen! Ihr gehört von nun an mir, mir ganz allein! Ihr habt zu tun, was ich befehl’, nicht Euch zu sträuben! Mir scheint es wird es Zeit, euch zu zähmen. Sein Mantel fiel zu Boden. Er drückte ihre Hände auf das Bett. Danach begann ihren Hals erst ganz sanft, dann jedoch wilder zu beißen, wobei er mit seiner Zunge immer wieder durch das Blut strich, das aus ihrem Mund getropft war. Sie wollte sich nicht mehr wehren, ergab sich ohne an die Konsequenzen zu denken, die sie dadurch war gezwungen zu ertragen. Sie wollte nur noch die Seinige werden, seine Fürstin der Finsternis. Niemand sollte sie jetzt mehr stören, niemals mehr. "Mulder!" Im Rausch ihrer Ekstase stöhnte Scully immer wieder ‘Mulder’ obwohl ihr bewusst war, dass Toronos’ Hände sie berührten, nicht die ihres zärtlichen Partners. Und bei jedem Mal, als sie seinen Namen rief, fauchte Toronos sie an: "Schweigt! Fox Mulder existiert nicht mehr. Ihr gehört jetzt mir!" Aber sie hörte seine Drohung nicht und als sie erneut die Namen zu verwechseln schien, schlug er ihr ins Gesicht. "Was hatt’ ich Euch gesagt? Schweigen sollt Ihr, schweigt!" Geschockt starrte ihn Scully an und erwähnte von nun an Mulders Namen nicht mehr. Sie legte ihre Arme um Toronos’ Hals und wand sich erregt unter ihm. Er drehte seinen Kopf zur Seite und biss in ihr Handgelenk, sodass Blut auf das Bettlaken tropfte und sie ihre Arme eilig zurück auf das Kissen sinken ließ. Er ließ seine Lippen bis zu ihrem Schlüsselbein wandern. Ein weiterer Biss folgte, noch verschonte er ihre Halsschlagader, wollte erst mit Scully schlafen bevor er sie verwandeln würde. Seine Hände strichen unbändig an ihr auf und ab, ertasteten jede Stelle ihres bebenden Körpers, um ihr ein weiteres Seufzen zu entlocken. Scully zuckte zusammen. Seine Gesten wurden immer intensiver und gezielter seine Bisse. "Nein, hört auf, mein Fürst, ihr tut mir weh! Nein, bitte nicht... lasst!" Ein stürmischer Kuss raubte ihr den Atem. Und wieder biss er sie wild wie ein Tier, das mit seinem Opfer spielt. Es war ihr als begannen ihre Lippen zu brennen, bei jedem seiner Küsse. Ja, auch sie verspürte wahrhaftig ein loderndes Feuer tief in sich, das bei jeder Berührung mächtiger wurde und sie zu kontrollieren begann. Er streichelte ihre Oberschenkel und drückte ihre Beine dabei vorsichtig auseinander. "Seid mein, Geliebte, für alle Zeit!" Von nun an kamen ihr alle Gedanken so weit entfernt vor. Sie schloss ihre Augen und erlag ihrem Verlangen vollkommen. Es war ihr egal, dass er sie beißen und zu einer von ihnen machen würde. Als sein Mund ihren fand begann Scully plötzlich schrecklich zu frieren. Ein Schauer, der ihr über den Rücken lief und sie zittern ließ. Noch ein letztes Mal wollte sie sich wehren, doch verließen sie ihre Kräfte, als sie mit Schrecken das erwartete, was nun ihr Schicksal werden würde. In diesen Sekunden der Stille schlug ihr Herz so schnell, dass sie glaubte, es müsse zerspringen. Sie war gezwungen in seine Augen zu sehen, blickte in die abgründige Finsternis seiner Seele. Dann hoben sich seine eisigen Lippen und er sprach:
|
Fürsten der Nacht, |
||||||
|
Lebe das Dunkle. |
||||||
|
Deine Seele schenkst du mir. |
||||||
In diesem Moment wurde die Türe aufgerissen und Byers stürzte außer sich in das Zimmer. "Lass sie los!" "Sagt mir, warum ihr wollt mich stören, bevor ich Euch zur Hölle schicke!" "Lass sie los, oder - oder du kannst was erleben!" "Ihr droht mir? Hört Euch das an, Geliebte, er will mir drohen! Das ich nicht lache, du Wurm! Meine Macht ist so stark, ein Blick schon würd’ genügen um dich zur Strecke zu bringen, Verlierer!" "Ich kann dich vernichten! Also pass besser auf, was du sagst!" "Oh, und wie willst du mich vernichten, Schwächling? Ich hab ja solche Angst vor dir."
Scully lag immer noch bewegungslos auf dem Bett, sie wagte es nicht, auch nur eine einzige Bewegung zu machen. Sie fing erst jetzt an zu begreifen, was wirklich geschehen war. Langsam richtete sie sich auf und verdeckte mir ihren Armen ihren nackten Oberkörper.
"Du hast dich selbst verraten, als du uns erzählt hast, dass ihr Weihwasser meidet. Hier du Bestie!" Byers zog ein kleines Röhrchen aus der linken Brusttasche seines Jacketts und warf es auf Toronos. Das Glas zersplitterte an seinem Schädel und lief über die Hälfte seines Gesichtes. "Ahhhhhh, neeeeiiiiiinnnnn!" Auf seiner Hand, die er sich vors Gesicht gehalten hatte, bildeten sich kleine Brandblasen und Verätzungen, dasselbe geschah mit seinem Gesicht. Da packte Toronos seinen Mantel und floh mit den jämmerlichen Worten: "Das zahl ich Euch heim! Noch ist der Kampf nicht entschieden!" Doch seine Worte klangen kaum noch bedrohlich, wie sie es hätten sein sollen, stattdessen hörten sie sich weinerlich und kläglich an.
Scully knöpfte eilig ihr Hemd wieder zu und wagte es nicht Byers nur eines einzigen Blickes zu würdigen. Sie schämte sich einerseits, war auf ihn wütend andererseits. Sie stand auf und ging ins Badezimmer, wobei sie Byers’ verwundertem Blick keine Beachtung schenkte. Im Badezimmer stellte sie sich vor den Spiegel, wusch sich das Blut ab und versorgte die kleinen Bisswunden an ihren Handgelenken und ihrem Hals. Im Spiegel bemerkte sie wie Byers sie verständnislos ansah.
"Warum?" "Warum was?" Byers ging auf sie zu. "Warum wollten sie das tun?" Zorn machte sich in seiner Stimme bemerkbar. "Das ist doch kein Spiel oder ein Albtraum aus dem Sie wieder erwachen, Agent Scully! Warum?!" Sie vermochte ihrem Gegenüber nicht in die Augen zu sehen und starrte auf den Boden. "Sehen sie mich an! Warum? Wohl kaum, weil Sie es aufregend finden würden, es mit einem Vampir zu tun? Weil Sie sehen wollten wo Ihre Grenzen liegen? Ha? Oder vielleicht weil Sie dieses Monster in Lack und Leder einfach nur anziehend finden? Na, warum?"
Mit traurigen Augen sah sie Byers nun an: "Nein, weil er Fox Mulder ist, und ich ohne ihn nicht weiterleben kann! Dann soll mich der Fürst doch töten!" Völlig überrascht starrte Byers sie an und sagte dann: "Es tut mir Leid, aber wie sollte ich wissen, dass Sie... und er?" "Jetzt wissen Sie’s ja." Scully ging zurück in ihr Schlafzimmer und setzte sich auf das Bett. "Er war nicht wirklich so, wie Sie ihn gekannt haben. Er hat sehr viel von Ihnen gehalten, und oft über sie gesprochen. Wissen Sie", Byers setzte sich zu ihr und fuhr fort, "er versteckte seine Gefühle. Ich bin mir sicher, er hatte Angst, mit Ihnen darüber zu sprechen. Er war einfach nicht der Typ Mann, der eine Frau umarmt und ihr sagt, er liebe sie. Jemanden zu lieben, dazu gehört schon mehr als nur ein paar Worte ohne Bedeutung. Für ihn hatte Liebe einen anderen Sinn, gemeinsam stark zu sein, einander vertrauen, das war ihm wichtig. Und ich glaube, er hat in Ihnen die Perfektion dessen gesehen, was er sich immer schon erträumt hatte. Er hat das nur mir erzählt, und eigentlich dürfte ich es gar nicht sagen, erst recht nicht Ihnen, aber er war noch nie richtig... " "Sparen Sie sich die Mühe! Sie müssen mich nicht trösten! Er lebt noch, das weiß ich einfach! Er kämpft gegen ihn an, aber seine Kräfte schwinden mit jeder neuen Nacht. Ich will nicht zusehen wie er stirbt." "Aber sehen Sie es doch mal so, Miss Scully, er wollte es ja auch nicht, Sie sterben sehen, als Sie mit dem Krebs gekämpft haben. Er hat aber zu Ihnen gehalten, so wie Sie es jetzt ihm gegenüber tun sollten, anstatt sich von Toronos besiegen zu lassen. Es war Ihre gemeinsame Stärke, die den Krebs in Wahrheit besiegt hat, warum sollte es dieses Mal nicht auch so funktionieren? So lange wir kämpfen, gemeinsam stark sind und uns wehren, können wir ihn retten, und möglicherweise auch jedes Lebewesen auf Erden. Denn wenn diese Situation mit den Fürsten der Nacht eskalieren sollte, dann befürchte ich das Schlimmste, das auf die Menschheit je zukommen könnte." "Byers, diese Situation ist bereits eskaliert! Ich glaube, wir sind gezwungen mit dem Schlimmsten zu rechen, das wohl oder übel schon eingetreten ist. Wenn Toronos gewinnt, wird er unermessliche Kräfte erlangen, da er nun die perfekte Menschengestalt für sich gefunden hat. Wenn das passiert, dann... " Scully verstummte. Nicht auszudenken, was geschehen könnte, wenn! Sie fühlte sich plötzlich schwach, den bösen Mächten unterlegen, die vielleicht bald schon die gesamte Menschheit tyrannisieren würden, es möglicherweise schon taten, ohne, dass sie und ihre Freunde davon erfahren hatten. Zurückhaltend seufzte sie: "Ich will nicht, dass er fortgeht. Ich wollte nur mit dem Fürsten schlafen, weil ein Teil von Mulder noch lebt und sich wehrt. Ich wollte wieder bei ihm sein, wenn auch nur für eine Nacht, die unsere erste und zugleich letzte gewesen wäre. Und dann sind Sie gekommen und haben mir das Leben gerettet. Ich komme mir so dumm vor. Ich wollte Mulder, nicht Toronos, nur ein einziges Mal, bevor wir beide uns ergeben hätten." Scully begann zu schluchzen. Sie konnte ihr Innerstes nicht mehr verbergen. "Agent Scully, auch wenn jetzt vielleicht nicht der richtige Zeitpunkt dafür ist, muss ich Ihnen etwas sehr Wichtiges sagen. Ich glaube, ich habe da eine Antwort, warum er gerade Sie seine Fürstin nennt, und versucht, Sie zu einer der Kreaturen zu machen. Mir ist die Geschichte von seiner Frau, die er uns erzählt hat, merkwürdig bekannt vorgekommen. Es gibt da ein Buch über alte Legenden. Als ich ein Kind war, hat mir meine Mutter daraus vorgelesen. Es gab darin eine Geschichte, die parallel zu seiner ist. Auch die Namen stimmen überein und der Ort der Geschichte. Sie, Deborah, die Tochter eines Nachfahren der schottischen MacHill Familie, verliebte sich in Toronos, den Sohn einer englischen Lordschaft. Die Engländer und Schotten hassten sich damals und so war ihre Liebe aussichtslos, da ihre Eltern strickt gegen eine Vermählung waren. Heimlich ließen sie sich trauen und lebten dann, nachdem Deborah sich mit ihrer Familie zerstritten hatte, zusammen auf Queenheart Castle. Sie war die Liebe seines Lebens, beging aber Selbstmord. In diesem Buch steht aber auch geschrieben, dass der unsterbliche Fürst Jahrhunderte nach Deborahs Tod, seine Geliebte wiedersieht, aber sie hat sich verändert. Sie lebt in Gestalt einer anderen Frau, die einen anderen Mann liebt. Er trifft sich mit ihr und langsam werden Erinnerungen an Toronos in ihr wach. Sie stellt eines nachts fest, dass sie Deborah MacHill gewesen ist und wiedergeboren wurde. Da sie aber verheiratet ist, können sie und Toronos sich nur nachts auf einem Friedhof treffen. Er bekommt plötzlich ungeahnte Kräfte und tötet aus Eifersucht Deborahs Mann. Deborah, die den Mord mit angesehen hat, ist schockiert. Gedemütigt von ihr und gejagt von der Polizei will er sich an der Welt rächen und mit seiner Macht diese vernichten. Aber Gott straft ihn, bevor er noch die Gelegenheit dazu bekommt, und nimmt ihm seine Unsterblichkeit. Er altert rasend schnell und stirbt in Deborahs Händen, die ihm seine Tat verzeiht. Wissen Sie, was ich glaube, er will Sie nur, weil Sie Deborah sind." "Wie bitte? Aber... Dafür haben Sie keinen Beweise!" "Sie sind Deborah und er will Sie um jeden Preis zurückerobern. Über Mulder hat er Sie gefunden und will mit Ihnen das Tor in die ewige Dunkelheit öffnen! Verstehen Sie nicht? Es passt alles zusammen! Sie sind eine Ahnin Deborah MacHills und Mulder ein Nachfahre der Lordschaft. Alle Teile des Puzzles lassen sich zusammenfügen, und zwar in dieser Geschichte. Er wird zusammen mit Ihnen, durch Ihre Liebe, eine Kraft erlangen, die es ihm möglich machen kann, die ganze Welt zu vernichten, allein durch einen Gedanken! Es würde für uns alle das Ende bedeuten!" Scully sah Byers fragend an und meinte schließlich: "Weihwasser." "Ja, Weihwasser. Aber das wird die Transformation leider nicht aufhalten." "Außerdem gibt es da noch ein Problem. Er wird sich hier nicht mehr so schnell blicken lassen." "Wir müssen das Skript suchen. Womöglich ist es der Schlüssel zu seinem Untergang? Er brannte darauf, es zu besitzen. Der einzig logische Grund für sein Verhalten wäre doch, wenn der Inhalt dieesr Schrift den Weg seines Todes beschreiben würde." "Ja, und es ist in der Kirche. Ich schlage vor, dass wir uns morgen dort treffen,. Am Friedhof bei der Kirche und die durchsuchen!" "Es ist spät. Ich werde jetzt gehen. Morgen treffen wir uns und finden eine Lösung, das verspreche ich Ihnen!" Dann verließ er die Wohnung und schließlich auch das Gebäude.
In dieser Nacht nahm Scully ihre entsicherte Dienstwaffe mit in ihr Bett, aus Angst, die Fürsten der Nacht würden sich rächen, für das, was Byers ihrem Anführer angetan hatte.
Dana Scullys Apartment / 11:03
Scully stellte gerade eine Liste mit wichtigen Ereignissen der vergangenen zwei Tage zusammen. Sie beschrieb den Ablauf der Verwandlung detailgenau und machte sich Gedanken über die eigentliche Auferstehung des Fürsten, die vor genau sechs Tagen in London stattgefunden hatte. Sie hatte sich Bücher aus der Buchhandlung und Bibliothek besorgt und überarbeitete das Thema Vampir gründlich. Sie versuchte Antworten auf Fragen zu finden, von denen sie geglaubt hatte, sie nie stellen zu müssen. Während sie sich ihre Notizen machten, durchlebte sie alle Geschehnisse noch einmal. Langsam schloss sie ihre Augen und spürte plötzlich seinen kalten Atem in ihrem Nacken. Ein eisiger Windhauch erfasste den Zettel in ihren Händen und wehte ihn vom Bett auf den Boden. Erst jetzt, als sie die Augen wieder öffnete, bemerkte sie, dass ihr Zimmer immer noch leer war. Und plötzlich war es, als spreche ihr Herz zu ihr, um ihr mitzuteilen, dass er nicht wiederkommen würde, nie mehr. Byers hatte ihn verjagt, und obwohl sie es selbst nicht glauben konnte, so war sie erzürnt darüber. Sie wollte Mulder bei sich haben, Mulder, sich von ihm berühren lassen und ihren ganzen Kummer vergessen. Da drängten sich auf einmal absurde Gedanken in ihren Kopf. War es wirklich noch Mulder, den sie liebte, oder den teuflisch sündigen Toronos, in den er sich nach und nach immer weiter verwandelte? Sie stand auf um das Fester zu schließen. Aber es war geschlossen. Warum hatte sie dann diesen kalten Windhauch gespürt oder war es nur Einbildung gewesen? Regentropfen hatten das Fenster zu einer glänzenden Oberfläche werden lassen, spiegelten die schönsten Regenbogenfarben wider und blendeten Scully dadurch. Die Straße war an diesem kühlen Vormittag nicht sehr stark befahren. Die meisten Einwohner Marylands waren bereits an ihren Arbeitsplätzen und deren Kinder in Schulen und Kindergärten untergebracht. Die Luft war kühl und feucht von den riesigen Wassertropfen, die schier lautlos auf die Erde klatschten. Als Scully das Fenster kippte und auf die Straße blickte, drang der frische Geruch von Schnee in ihre Nase. Lange würde es wohl nicht mehr dauern, dann bedeckten weiße Kuppen die Dächer der Häuser. Doch Mulder würde diese Veränderung nicht mehr wahrnehmen können.
Wo er doch jetzt sein mochte? War er ganz alleine da draußen, dachte vielleicht gerade an sie und wollte sich in ihren Armen geborgen fühlen? Wünschte er sich vielleicht ihre Nähe, dass sie in einfach nur umarmte und liebevoll streichelte, seine Stirn küsste und er sanft gebettet in ihrer Liebe ruhen könnte, nur für diesen einen Tag noch? Scully konnte das völlige Durcheinander in ihrem Kopf kaum noch ordnen.
Warum hatte sie solche Gefühle für Mulder, gerade für Fox Mulder, war er doch nicht mehr als ein besessener Phänomenfanatiker gewesen, der an etwas glaubte, dessen Beweis er nie finden würde. Was war es, das sie so merkwürdig fühlen ließ, sie vollkommen aus der Ruhe brachte? Seine Berührungen und Küsse waren ihr immer schon gleich einer innerlichen Erfüllung gewesen, der sie sich nie zuvor in ihrem Leben bewusst geworden war. Kein Mann war auch nur annähernd wie Mulder gewesen, niemand hätte ihm je das Wasser reichen können.
Sie versuchte Ausreden zu finden, wie, dass es nur vorübergehend wäre, weil sie sich einsam gefühlt hatte, und er in den vergangenen Monaten so lieb zur ihr gewesen war. Egal wie oft sie darüber nachdachte, oder wie viele Gründe und Erklärungen sie suchte, so fand sie am Ende nur zu einer einzigen Antwort auf all ihre Fragen: Sie liebte ihn von ganzem Herzen. Aber wenn es wirklich Liebe war, die sie für ihn empfand, warum war es ihr dann immer so schwer gefallen, mit ihm darüber zu sprechen? Hatte sie sich doch die ganzen Jahre hindurch nur gewünscht, seine Berührungen erwidern zu können. Warum konnte sie sich einfach nicht mit der Wahrheit abfinden, einsehen, dass er ihr unendlich viel bedeutete? Vielleicht deshalb, weil sie sich der Konsequenzen bewusst war, die sie beide zu tragen hätten? Eine Liebesbeziehung zwischen zwei Kollegen würde in jedem Beruf ein gewisses Risiko darstellen, insbesondere beim FBI. Sie würde eine Liebe zweier Agenten beim FBI als nahezu unmöglich einstufen. Diese Liebe wäre von Anfang an zum Scheitern verurteilt. So fand sie es doch besser, ihre Gefühle Mulder zu verheimlichen, um nicht einen großen Fehler zu begehen, den sie beide womöglich ein Leben lang bereuen würden. Es erschien ihr angenehmer, er wüsste nichts von dem, was sie tief in ihrem Herzen verbarg, und würde einfach nur mir ihr zusammenarbeiten. Alles würde sich ändern, sage sie ihm die Wahrheit, und das wollte sie natürlich nicht. Noch sah er sie als seine Partnerin und Freundin, doch kenne er ihre wahren Gefühle für ihn, so könnte er sie plötzlich als Frau sehen. Und dann war sie sich plötzlich sicher, in all den Jahren richtig gehandelt zu haben.
Um vier Uhr nachmittags würde sie sich mit Nicole und den Einsamen Schützen treffen und versuchen eine Möglichkeit zu finden, die Transformation umkehren zu können. Aber was wäre, hätten sie kein Glück? Es ging hier doch nicht mehr um Mulder allein, sondern um die Zukunft der gesamten menschlichen Rasse, die mit der Auferstehung der Biester von Queenheart Castle ihrem Ende geweiht wäre.
Queen Victoria’s Church / 16:07
Langsam fuhr ein schwarzer Wagen die Straße entlang und kam vor dem Eingangstor zum Victoria’s Friedhof zum Stehen. Drei Männer, klein, mittel und groß stiegen aus und ließen die Autotüren zufallen. Schwarze Sakkos und Sonnenbrillen tragend, standen sie für ein paar Minuten ganz still, atmeten kaum, wie es schien.
Die Kirche und der kleine Friedhof lagen weit abseits der Stadt, von der Zivilisation abgeschnitten, ein gutes Versteck für eine Schriftrolle diesen Wertes. Hier würden die Fürsten nie danach suchen, da sie der Meinung waren, die Schrift wäre damals zusammen mit der Kirche zu Staub zerfallen. Was auch immer auf diesem Skript geschrieben stand, so war es von unglaublicher Wichtigkeit für die gesamte Menschheit.
Die Zeit lief ihnen davon, das fühlte jeder der fünf, die es sich zur Aufgabe gemacht hatten die Welt von den bösen Dämonen aus der Vergangenheit zu befreien.
Hinter dem eingezäunten Friedhof lagen ein kleines Waldstück und vereinzelt auch Wiesen. Bevor man zum Friedhof kam war eine kleine Allee zu durchqueren, wo die Blätter der Bäume gelbbräunlich im Angesicht der Nachmittagssonne leuchteten.
Es war ein schöner Tag geworden, hatte es doch am Morgen noch geregnet und war düster gewesen. Nebelschwaden hingen in den Baumkronen und gaben der Umgebung einen noch mystischeren Anschein, als sie bereits besaß.
"Ich habe ein ganz ungutes Gefühl bei dieser Sache. Das ist mir fast zu unheimlich." "Du hast recht, Langly, es ist so still, ausgestorben und dann dieser Nebel. He, Byers, bist du dir ganz sicher, dass diese Vampire nicht doch auch am Tag jagen? He, Byers!" Byers stand nur da, den Blick auf die Kirche gerichtet, nahm seine Freunde nicht wahr. Er starrte gedankenversunken auf das Gebäude ohne Langly und Frohike zu beachten. "Erde an Byers, bitte kommen!" witzelte Langly. "Was?" Erst jetzt bemerkte er, dass ihn die beiden die ganze Zeit über angesehen hatten, verwundert, weil er nicht auf sie reagierte. "Was hast du denn?" fragte Frohike. "Ich hab nur gerade nachgedacht, was passiert, wenn Toronos und seine Fürsten der Nacht diesen Kampf gewinnen? Stellt Euch doch mal vor, was das für die Menschheit bedeuten würde, für uns alle. Wenn Mulder aufgibt, dann sind wir alle verloren."
Da näherte sich den Dreien ein zweites Fahrzeug, das ebenfalls neben dem Eisentor hinter ihrem zum Stillstand kam. Das Surren des Motors verstummte und aus dem Wagen stiegen zwei Frauen, Scully und Nicole. "Was soll denn euer Aufzug bedeuten? Wir gehen doch zu keinem Begräbnis, oder spielen Men in Black." Nicole begann sich sogleich über Byers, Frohike und Langly lustig zu machen, während Scully nur leise sagte: "Lasst uns in die Kirche gehen. Wir müssen das Skript finden. Womöglich ist es der einzige Hinweis darauf, wie wir Mulder befreien können." Sie wandte den Blick von ihren vier Gefährten ab, und öffnete langsam das schiefe, rostige Eisentor, das mit schrecklichem Quietschen ihnen eine Welt fern jeder Vorstellungskraft auftat. Ein Schauer von Unbehagen begleitete sie, als sie den verwilderten Garten betraten. Dornen und Efeu rankten sich um kahle Grabsteine. Spinnweben hatten sich über Jahre hinweg auf den braunen und von Holzwürmern zerfressenen Kreuzen angesammelt, und noch immer hingen die Tautropfen des frühen Morgens an den langen Grashalmen, die sich zu ihren Füßen beugten.
Die Fenster der alten Kirche waren teilweise von den Ästen der darin wachsenden Bäume zerschlagen worden, teils war die schöne Malerei durch die Witterung in dieser Gegend verblasst. Der Verputz bröckelte langsam ab und das Weiß war vergilbt, mit Moos bewachsen und schmutzig von den sich häufenden Regenfällen. Vor dem Kircheneingang befanden sich zwei hohe Säulen, von welchen keine Engelsgesichter - wie man es normalerweise gewohnt ist - lächelten, sondern garstige, gar fürchterlich verzogene Fratzen gifteten von ihnen, in Stein geschlagen ihre Bosheit.
"Ich will zu meiner Mama!" Langly konnte sich diesen Scherz nicht verkneifen. Obwohl war dieser Ort - unheimlich und von Gott verlassen - zum Fürchten.
Sie schlichen weiter, streiften beinahe lautlos durch das Geäst, als hätten sie Angst, die Toten ihre Schritte könnten ihre Schritte hören. Auf irgendeine Weise schien das auch der Fall zu sein.
Mit einem lauten Knarren, das die Stille erzittern ließ, öffnete Scully, die voran gegangen war, das braune, morsche Kirchentor, und sie traten ein. Der Raum sah noch genauso aus, wie er vor Jahrzehnten verlassen worden war, auch wenn Bäume aus dem Inneren der Kirche ragten. Die Stühle standen noch alle an Ort und Stelle, der Altar, ein alter Tisch mit einem langem Tuch darauf, befand sich nun genau in ihrem Blickfeld.
Läge auf diesem Ort kein Fluch, würde er nicht so geächtet sein, so wäre er bestimmt schon geschändet worden von Dieben, doch war er noch wie früher. Das Kreuz mit dem goldenen Jesus hing über dem Altar, unberührt von Menschenhand. Ein Kelch stand darunter und eine Bibel lag neben ihm, von Spinnennetzen bedeckt, ergraut dadurch.
"Wenn Ihr mich fragt, so hat man diese Kirche in Angst verlassen, sind alle Besucher beim letzten Gottesdienst vor irgendwem oder etwas geflohen, das sie im Laufe der Messe überrascht und zu Tode erschreckt haben musste. Vielleicht jagen unsere blutigen Kameraden schon länger an diesem Ort, als wir vermutet haben. Sie sind erwacht, befinden sich unter uns. Was ist wenn sie sich am Abend kaum von uns unterscheiden? Mulder hat mir doch von dieser Vivienne erzählt, die er in einer Bar getroffen hat. Sie sah aus wie eine ganz normale Frau, hat sich aber dann in seinem Hotelzimmer in einen Vampir verwandelt." "Das ist es, Miss Scully, genau! Wenn sie aussehen wie wir, können sie ihre Mission, ein Reich der Dunkelheit zu erschaffen, vollenden. Die Menschen, denen wir vertrauen sind nicht mehr die, die wir kannten, obwohl sie sind, wie sie immer waren. Und weil wir ihnen vertrauen, so nutzen sie einen unbeobachteten Moment um uns zu töten. Jeder könnte einer von ihnen sein, und wir würden es nicht einmal merken." erkannte nun auch Byers. "Ja, das wäre durchaus möglich." sagte Nicole und trat an den Altar heran. "Und wo, sagt mir, sollen wir anfangen nach dem Ding zu suchen? Wir wissen ja nicht mal ob es groß oder klein ist, ein Buch oder nur ein einfaches Stück Papier." "Beruhige dich Nic, wir werden wissen, was es ist, wenn wir es gefunden haben. Wir wissen nur darüber Bescheid, dass es ein Schriftstück ist, das möglicherweise das Ende der Fürsten bedeuten könnte und Mulder von Toronos trennen. Aber ist nicht sicher, ob es noch existiert, oder uns überhaupt weiterhelfen kann. Das ist reine Glücksache oder auch nicht. Und eben das müssen wir herausfinden. Wir müssen nach ihm suchen, um zu erfahren ob es für uns von Nutzen ist oder nur wertloses Papier. Wir teilen uns auf und suchen jeden Winkel der Kirche ab. Es ist hier, ich weiß es. Die können es beim Neuaufbau nicht gefunden haben, sonst hätte davon etwas in dieser Chronik gestanden, die ich heute Morgen gelesen habe. Da stand nur, dass die Kirche bis auf die Grundmauern abgebrannt ist. Alles war vernichtet worden, aber ich glaube der Priester hatte damals eine Ahnung, dass sie ihn verbrennen würden. Früher glaubte man, das Feuer wasche die Seele jeden Verbrechers rein und der Priester hat das gewusst. Also hat er die Schrift an einem Ort versteck, den das Feuer nicht vernichten hätte können. Aber wo soll der sein?" Scully ging langsam in der Kirche umher, sah sich aufmerksam nach einem Hinweis um.
"Nur einen Hinweis, mehr will ich doch nicht!" "Versetzen wir uns doch mal in die Lage des Priesters. Es ist Nacht, er bereitet sich auf die Messe vor, die er am nächsten Tag hält. Er sieht sich um, spürt aber plötzlich die Anwesenheit der Kreaturen. Er vergräbt das Buch unterm Altar, der kurz darauf mitsamt allem Anderen in Flammen aufgeht." Frohike sah fragend Scully an, doch wusste auch sie keine Antwort darauf. "Die Frage ist, was er in diesem Moment gedacht haben muss? Was war sein letzter Gedanke, wo er doch schon wusste, dass er sterben würde? Es muss von großer Wichtigkeit gewesen sein, dass er es in der Hoffnung versteckt hat, es würde jemand finden. Also muss es die Antwort sein, nach der wir die ganze Zeit über gesucht haben. Gibt es eine Möglichkeit sie zu vernichten, und wenn, dann wird diese Schrift uns auch verraten wie." Byers hatte diese Worte sehr enthusiastisch ausgesprochen, sodass er damit alle ringsum ermutigte, sich von Fehlschlägen nicht unterkriegen zu lassen. "Wir müssen denken wie er." Nici starrte zum Altar hinüber, drehte sich dann um und ging zu Scully. "Schieben wir erst mal den Altar zur Seite, dann graben wir die Erde auf. Vielleicht wurde etwas beim Bau der neuen Kirche übersehen? Vielleicht hat er es auch dort vergraben, und es wurde bloß nie gefunden?" "Gute Idee, machen wir das mal." Daraufhin gingen sie alle gemeinsam zum Altar und begannen mit Kreuzen das Erdreich darunter aufzugraben. Doch je mehr Erde sie auch wegschafften, je größer und tiefer die Grube wurde, umso kleiner wurde die Hoffnung, denn unter dieser Erde befand sich nichts.
Erschöpft setzten sie sich schließlich auf den Boden und starrten in ein leeres Loch. "Nichts, absolut gar nichts." Byers blickte enttäuscht die anderen an, die alle ihre Köpfe senkten. Dann standen sie auf und nahmen das große Goldkreuz und die Gemälde, die ringsum hingen, von den Wänden. Vielleicht würden ihnen diese stummen Zeugen aus der Vergangenheit verraten, wo sich das Skript verbarg? Sie zerrissen jede Bibel schnitten die Rückseiten der Bilder auf, doch fanden sie kein Skript, nichts, und waren wieder genauso ratlos wie sie gekommen waren.
Mittlerweile war es, ohne, dass sie es bemerkt hatten, dämmrig geworden, und strahlte der Mond vom Nachthimmel umringt von kleinen Sternen. Durch eine runde Öffnung im Dach der Kirche fiel sein Strahl auf eine Stelle in der Wand. Da stieß Scully einen Schrei aus, sodass alle um sie herum sie entsetzt anstarrten.
"Das ist es, das ist es! Warum bin ich nicht früher darauf gekommen? Das Licht, es ist das Mondlicht!" Nici, Byers, Frohike und Langly sahen sich untereinander verdutzt an, und schließlich fragten sie im Chor: "Was?" "Das Mondlicht, es fällt auf genau diese Steinwand dort drüben. Die wiedererbaute Kirche hatte dieselbe Architektur wie die alte. Sie sind identisch, also muss dieses Fenster da oben an der Decke auch früher existiert haben. Der Mond schien wie jetzt und es war dunkel, nur dieser Fleck an der Wand war beleuchtet, und deshalb ist er ihm aufgefallen. Sehr mal auf den Stein dort drüben! Die Mauern blieben zum Teil erhalten und bildeten das Gerüst für die neue Kirche. Er hat es in der Wand versteckt." Scully tastete sich aufgeregt an der Wand entlang. "Helft mir doch mal!" So kamen nun auch die anderen und drückten an dem Stein, der heller zu sein schien als die übrigen, die das Mondlicht beschien. "In der Chronik stand auch noch, dass die Kirche durch den recht guten Erhalt der alten Mauern, nur teilweise neue erhielt. Später wurde sie dann ausgemalt, um Messen darin abhalten zu können. Die Wände sind aber noch dieselben. Die Wände waren bei der ersten Kirche an manchen Stellen doppelt gebaut worden, weil sie zu dünn gewesen sind und das Kirchendach nicht mehr halten konnten." "Die Wände sind hohl?" "Ja genau, Frohike, hohl, und dazwischen befindet sich das, wonach wir suchen!" Scullys Augen begannen zu leuchten, wie die eines kleinen Kindes, als sich der Stein wahrhaftig bewegte, und in eine Öffnung hinter der eigentlichen Wand fiel. Sie hatte sich nicht getäuscht, es existierten zwei Wände. Sie kniete sich nun auf den Boden und griff mit ihrer Rechten in die Ausbuchtung zwischen den beiden Wänden.
"Da ist etwas, da - da ist was!" Sie begann zu flüstern. "Ich hab da etwas, verdammt, das ist wonach wir suchen!" Ihr Arm kam wieder zum Vorschein, und sie hielt einen Briefumschlag in ihrer Hand. "Ein Brief?" sagte Nici etwas enttäuscht. Alle starrten sie verwundert an. "Sieht ganz so aus, als hätten wir, wonach wir suchen." sagte Scully. "Seid doch mal leise, ich glaub ich höre was draußen!" Byers hielt sich demonstrativ seinen Finger an den Mund. "Hört ihr das nicht auch?" "Fledermäuse???" Nici riss ihre Augen weit auf. "Verdammt, sie wissen, dass wir hier sind!" Langly sprang vom Boden auf, gefolgt von Scully, die den Brief schnell in ihrer Hosentasche versteckte. "Gott, steh uns bei!" Frohike blickte durch die kleine Öffnung im Kirchendach und sah eine Schar flatternder Geschöpfe den Himmel bedecken. "Jeder nimmt sich eines dieser Kreuze dort drüben! Sie tun uns nichts, wenn wir die bei uns tragen. Wir müssen in der Kirche bleiben, da können sie uns nichts anhaben." Mit zitternden Händen riss Byers die Kreuze an sich und wollte jedem von seinen Freunden eines reichen. Doch da drang das Klirren der Fensterscheiben an seine Ohren. Die Vampire schlugen alle Scheiben ein, zwängten sich durch kleine Löcher. "Ich weiß ja nicht wie’s euch geht, Leute, aber ich lass mich nicht von denen killen!" Langly lief zur Tür. "Langly, wo willst du hin? Nein, geh nicht raus, sie wollen das doch nur! Sie wollen, dass wir die Kirche verlassen, damit sie uns töten können. Hier sind wir sicherer. Dort draußen sind wir ihnen ausgeliefert. Langly, bleib hier!" Byers lief ihm nach und nun folgten ihm auch Nicole, Scully und Frohike. Doch war es zu spät, Langly hatte bereits den Friedhof erreicht und rannte so schnell er konnte in Richtung Wagen. "Langly!" Gedankenlos lief Byers ihm hinterher. Und was hätten Scully, ihre Freundin und Frohike schon anderes tun sollen, als den beiden zu folgen?
Nun waren sie allesamt völlig schutzlos, waren genau da, wo die Fürsten sie haben wollten. Sie waren Toronos’ schwarzer Schar hilflos ausgeliefert.
Als Langly den beiden Autos angelangt war, ließ er sofort den Motor an. Auch Byers und Frohike hatten das Eisentor erreicht.
Es war stockdunkel, nur der Mond schickte seine fahlen Strahlen auf den rutschigen Erdboden, der Scully zum Verhängnis werden sollte. Ein Teil der Fürsten fiel über Byers, Frohike und Nici her, die sich glücklicherweise noch in den Wagen retten konnten. Einige der Bestien rissen an den Autotüren, sprangen auf die Scheiben der Autos und zerkratzen diese durch Scharren mit ihren Krallen.
Scully wusste nun nicht mehr wohin, wollte kehrt machen und rutschte schließlich auf dem nassen Boden aus. Zwar landete sie auf weichen Gräsern und Geäst, doch als sie ihren Kopf hob, stand eine Frau mit rot glühenden Augen vor ihr.
Byers gab Gas, da er glaubte Scully wäre bei Nici im zweiten Wagen, der hinter seinem geparkt hatte. Auch Nici trat auf das Gaspedal um schnell von diesem Ort zu fliehen, der nur noch umgeben von wilden Monstren war. Da ihre Freundin sich nicht bei ihr im Wagen befand, glaubte Nici wiederum, Scully hätte sich zu Byers, Frohike und Langly gerettet und fuhr ebenfalls los, ohne auch nur zu ahnen, wo sich ihre Freundin wirklich befand.
"So, du miese kleine Schlampe. Wegen dir allein will er mich nicht. Er liebt nur dich, dich, diese hilflose Gestalt zu meinen Füßen. Du bist ein Nichts, du Mensch!" Scully erhob sich langsam und blickte erschrocken um sich. Überall standen Männer und Frauen in schwarzen Mänteln, rot ihre Augen, böse ihre Augen, die sie auf Scully gerichtet hatten. "Was wollt Ihr von mir? Lasst mich in Ruhe oder es wird euch Leid tun!" "Ha, ist das nicht lustig? Sie hat sogar in einer derartigen Situation noch Humor. Also, du dumme Kuh, darf ich dir vielleicht mal klar machen, in welcher Lage du dich gerade befindest? Na, was glaubst du will ich von dir? Na das, was wir alle von dir wollen. Deinen Tod natürlich, du Missgeburt einer Fürstin! Wie kann er nur an der etwas finden? Sagt mir, meine treuen Begleiter, was hat die, was ich ihm nicht bieten könnte?" Da rief es plötzlich aus der stillen Menge: "Sie ist schöner als du!" "Wer war dieser elende Verräter?" Als Vivienne wenige Minuten später den Vampir, der dies gerufen hatte, entdeckte, sah sie ihn wütend an und sprach: "Zerfalle, du Schande eines Fürsten der Nacht!" Kaum war das letzte Wort ausgesprochen, war von dem stark gebauten Mann nur noch ein Häufchen Asche übrig.
"Jetzt aber wieder zu dir, meiner kleinen Schlampe. Ich kriege immer was ich will, und auch Toronos werde ich bekommen. Aber erst wird deine Exekution vorgenommen." Aus einem Gürtel zog Vivienne dann ein langes Messer, packte Scully an ihrer Jacke, zog sie an sich und drückte ihr die scharfe Klinge an die Kehle. "Stirb, dreckiges Miststück!"
"Lasst ab von ihr, geschwind! Sie ist Mein, das habt Ihr Pack nicht zu berühren! Ihr seid mir untertan! Vivienne, hinfort mit Euch! Geht, und werfet weg den Dolch!" "Aber Geliebter, das tu ich doch nur für uns." "Schweigt und geht! Lasst mich allein mit ihr!" "Nein, das werde ich nicht. Sie allein steht zwischen uns, mein Gebieter. Sie muss sterben, um unsere Liebe zu besiegeln." "Liebe, pah, Ammenmärchen! Geliebt ich Euch? Dummes Geschwätz. Lieber nehmt’ ich eine Hexe mit Warzen im Gesicht, als Euch. Ihr widert mich an, mit Eurem Gejammer! Hinfort mit Eurer gift’gen Fratze, hinfort für immer! Flammen entfacht vom Winde gebracht! Tötet sie nun und lasset mich ruhn!" Dem Nebel entsprangen drei kleine Feuerbälle, die Vivienne erfassten wogleich sie zu einem Häufchen Asche zerfiel.
"Und Ihr, was macht Ihr noch hier! Gehet, meine Schar, lasset mich allein mit meiner Fürstin!" Alle Vampire verwandelten sich sogleich in Fledermäuse und erhoben sich in die Lüfte, wo sie in den Wolken am düsteren Nachhimmel verschwanden.
Mulder wollte Scullys Wange berühren, doch wand sie sich von ihm ab. "Lass mich in Ruhe, Monster!" "Ich bin’s, Mulder." "Mulder? Aber wie kommt es? Ist es denn schon Mitternacht?" "Ich habe mich zwar nicht mehr ganz unter Kontrolle, aber ein bisschen kann ich noch kämpfen. Ich versuche die Kraft, die ich noch habe, für einen Endkampf zu bewahren, falls es den überhaupt gibt. Gibt es ihn?" "Ja, wir haben vielleicht einen Anhaltspunkt. Oh, Mulder." Scully umarmte in stürmisch und drückte ihr Gesicht an seine Brust. Zärtlich legte er seine Arme um sie und hielt sie ganz fest.
Zur selben Zeit ungefähr einen Kilometer vom Friedhof entfernt
Die beiden Autos stoppten in der Nähe einer Tankstelle, nicht weit entfernt von der Stadt. Byers fragte sogleich: "Nicole, wo ist Scully?" Aber Nicole antwortete nur erstaunt: "Ich dachte, sie wäre mit euch mitgefahren." Alle Vier starrten einander entsetzt an. Frohike schlussfolgerte nun: "Wenn sie nicht bei uns ist und auch nicht bei Nicole, dann... Sagt mir, dass das nicht wahr ist!" Doch Nicole schrie gebannt: "Sie ist noch am Friedhof!" Dann rissen sie die Autotüren auf und sprangen in ihre Autos. Byers und Nicole fuhren gemeinsam los, Langly mit Frohike folgten mit ihrem Wagen. Sie alle hofften, die Fürsten hätten nicht auch noch Scully geholt.
Queen Victoria’s Friedhof
Mulder streichelte durch Scullys Haar und sah sie mit traurigen Augen an. Sie hatten sich beide in die Kirche gesetzt, auf zwei der Stühle, in der Nähe des Altars. "Scully, ich... " "Ja?" "Mir ist nur etwas eingefallen, wissen Sie. Ich meine, ich kann seine Macht selbst einsetzen, wie Sie es vorhin erlebt haben. Wenn ich meine letzten Kräfte sammle, dann könnte ich es möglicherweise schaffen, sie alle zu vernichten." "Und wie wollen Sie das anstellen?" Scully schmiegte ihre Wange an Mulders Oberkörper und schloss ihre Augen. "Das weiß ich eben noch nicht, aber ich werde versuchen alles in meiner Macht Stehende zu tun, um diesen Kampf zu gewinnen... Scully, wie heißt meine Mutter?" "Wie bitte?" "Der Name meiner Mutter, wie lautet der?" "Aber das wissen Sie doch selbst." "Ich vergesse meine Vergangenheit, ganz langsam, aber es ist so. Meine Existenz stirbt! Ich kann mich nicht einmal mehr an den Namen meiner Mutter erinnern. Wie kommt das?" "Sie heißt Teena, Mulder, sie heißt Teena. Erinnern Sie sich wieder?" "Nein, da ist gar nichts. Scully, sie kommen." "Wer?" "Ihre Freunde. Sie sind bald da. Die beiden Autos sind gerade angekommen. Ich muss jetzt gehen, bald ist Mitternacht, und ich will, dass Sie und Ihre Freunde wieder sicher in ihren Wohnungen sind, bevor ich mich verwandle. Aber, da wäre noch Eins, bevor ich gehe. Bitte, darf ich - ich meine, wenn es Ihnen nichts ausmacht, dürfte ich Sie dann... küssen?" Sanft lächelte Scully Mulder an, und Tränen liefen glitzernd über ihre Wangen. Und als Mulder sie durchdringend anblickte, traten auch ihm Tränen in die Augen. "Vielleicht soll, darf es nicht sein. Ich hasse diese Ungerechtigkeit. Warum bekommt man nie das, was man sich wünscht, und verliert, was man liebt? Ich hasse diese beschissene Welt!" Mulder versuchte seine Tränen zurückzuhalten, doch konnte er es nicht. Sachte berührten seine Lippen die ihren und ihre Arme klammerten sich noch fester an ihn. "Ich will nicht, dass du gehst, bitte. Es ist mir egal, ob du heute Nacht wieder zu Toronos wirst. Es ist mir egal, ob du mich beißt, aber lass mich nicht so weiterleben, bitte! Das verkrafte ich nicht. Das ist einfach zu viel für mich. Der Tod wäre mir sogar lieber, als ein Leben ohne dich." "Ist ja gut." Scully spürte Mulders weichen Mund noch einmal, noch lieblicher als zuvor. "Wir gewinnen auch diesen Kampf. Ganz bestimmt und dann bleiben wir für immer zusammen!" "Aber jetzt musst du gehen, Dana." >>Wie soll ich dir sagen, dass wir diesen Kampf verlieren werden, dass du mich verlieren musst, damit diese Welt gerettet werden kann? Aber würde ich dir die Wahrheit sagen, dann könntest du sie nicht verstehen und würdest meine Entscheidung niemals akzeptieren. Ich muss ein Opfer bringen, um die Fürsten zu töten, aber dieses Opfer wirst du mir nie verzeihen.<< Dann verdeckte der lange Umhang ihn und eine gar winzige Fledermaus erhob sich in die Lüfte, um aus einem der zerschlagenen Fenster der kleinen anglikanischen Kirche zu entschwinden. Scully sah ihr noch lange nach, bis sie im Mondlicht verschwunden war.
Plötzlich wurde das Tor der Kirche aufgerissen und Nicole, Byers, Langly und Frohike stürzten außer sich vor Angst in das Gemäuer. "Dana, du lebst! Gott sei Dank, sie haben dich nicht getötet." "Nein, das haben sie nicht >>es wäre wohl besser gewesen, sie hätten es getan.<<." "Aber wie ist das möglich, Miss Scully?" fragte Byers überrascht. "Ich habe eben einen sehr zuverlässigen Schutzengel! Lasst uns jetzt diesen Ort aber so schnell wie möglich verlassen, bevor die noch zurückkommen!" Da Scully nichts zugestoßen und sie nicht verletzt war, willigten sie alle ein und gingen zu den Autos.
Die ganze Fahrt über sagte Scully kein Wort, starrte nur aus der Windschutzscheibe in die kalte Nacht. Der wehklagende Vollmond begleitete sie und ihre Freunde, als sie dahinfuhren auf der Straße in Richtung Maryland. Wenn Scully daran dachte, dass sie ihren Freund möglicherweise in dieser Nacht zum allerletzten Mal gesehen hatte, so wurde sie schrecklich traurig und machte sich Vorwürfe, nicht mit ihm nach England geflogen zu sein. Ja, sie hatte Urlaub gehabt, aber Mulder wollte doch unbedingt ihre Gesellschaft. Und Skinner hätte nichts davon erfahren, wenn sie sich ganz still verhalten hätten. Warum war sie nur so dumm gewesen und hatte die Gefahr nicht gespürt? Wie sehr hatte er sie doch bei sich haben wollen. Wäre sie mit ihm gekommen, so hätte er diese Vivienne nie getroffen und wäre auch nicht von ihr verwandelt worden.
"Hey, Dana, was ist denn los mit dir? Du bist so still? Alles OK?" "Weißt du, er war da, auf dem Friedhof. Ohne ihn wäre ich jetzt tot. Er war es, der sich zwischen mich und die Vampire gestellt und Vivienne vernichtet hat." "Mulder?" "Ja. Aber er ist nicht mehr derselbe. Ich meine, der Fox Mulder, den ich kannte, hätte mich nie so behandelt, wie er es tut. Er ist eben ganz anders, irgendwie gefühlvollerer, wenn du mich fragst." "Vielleicht wird ihm auch erst jetzt bewusst, wie viel du ihm wirklich bedeutest, wo er doch grade im Begriff ist dich zu verlieren. Vielleicht geht es ihm wie dir." "Nici, kann ich dir etwas ganz Persönliches sagen?" "Ja, klar." "Ich habe fürchterliche Angst vor denen. Ich kam mir richtig hilflos vor, als die am Friedhof um mich herum gestanden haben und Vivienne mir dieses Messer an den Hals gedrückt hat. Ich habe Angst, dass wir den Kampf verlieren werden, weil es zu viele, sie vor allem aber zu stark sind, als dass wir sie vernichten könnten." "Dana, wir haben immer noch den Brief. Egal was darin steht, es ist der Ausweg, den wir suchen, die letzte Chance für uns zu siegen. Lass uns gemeinsam stark sein! Ich will mit dir kämpfen, und auch wenn Mulder aufgeben sollte, wir werden es nicht!" "Ich schwöre, bei meinem Leben, ich werde nicht aufgeben!" "Ja, ich auch nicht." Nicole blickte zu Scully hinüber, die jetzt ein leichtes Lächeln auf ihren Lippen trug, und tat es ihr gleich. Sie würden kämpfen, ja, und vielleicht sogar triumphieren.
Hauptquartier der Einsamen Schützen / 1:10
"Leute, hört euch das an, das ist unglaublich! Das gibt es nicht!" Verwundert schauten sie Scully an und Langly fragte schließlich: "Was steht darin, Miss Scully, was?" Sie hielt das vermoderte Stück Papier in ihren Händen, das sie in der Kirche gefunden hatten, und las, was darauf stand. Auf dem Briefumschlag war ein Wachssiegel, worauf klar und deutlich ein Zeichen erkennbar war, das Familienwappen der MacHills. "Das müsst ihr euch anhören! Ich glaub es einfach nicht! Wir haben einen Weg gefunden ihn zu befreien! Wir können Toronos von ihm trennen!" Als sie den Brief erst zur Hälfte gelesen hatte, brach sie ab und las den ganzen Brief laut vor:
"Geehrter Pater Holderfield!
Zu später Stund’ in gestriger Nacht sah ich das erschütternde Unheil mit meinen eigenen Augen. Ich beobachtete, wie sich Fürst Toronos von dem Körper eines jungen Mannes, von dessen er Besitz ergriffen hatte, trennte. Er trank einen seiner Zaubertränke, die er in der alten Scheune am Fluss braut, und ich weiß wo genau er diesen versteckt hält. Lange habe ich gesucht nach der Formel, doch besitze ich sie nun. Er glaubt ich sei tot, da ich im Dorf auch für dies gehalten werde. Alle glauben, ich hätte Selbstmord begangen, doch ist dem nicht so, wie Ihr lest. Ich lebe, ertrank nicht in den Fluten und so glaube ich jetzt zu wissen, wie wir ihn vernichten können mitsamt all der blutrünstigen Biester. Ich bitte Euch diesen Brief sorgfältig zu lesen und die Formel zu studieren, sie auswendig zu lernen und diesen Brief danach zu verbrennen. Wenn wir ihn töten, meinen Liebsten, so sterben sie alle, denn ohne ihren Schöpfer sind sie nichts weiter als das Heulen des Windes in einer stürmischen Nacht wie der heut’gen, in der ich diese Bitte an Euch zu Papier bringe. Ich erfuhr, Ihr befasstet Euch mit dem Wunder der Medizin seit jeher. So frage ich Euch, meine Bitte zu erhören und zu versuchen das unmöglich Scheinende zu verwirklichen.
Ich werde das nächste Schiff besteigen, das nach Amerika in See sticht, um zu Euch zu gelangen. In wenigen Tagen werde ich mich mit meinem Kutscher auf den Weg machen. Wir müssen uns treffen und beraten, wie wir Toronos und seinem Gefolge den Garaus machen.
Ich auch fand heraus, dass die vollständige Übertragung Toronos’ auf einen anderen Körper genaue zehn Tage benötigt um ihre Vollendung zu erreichen. Nur in dieser Zeit kann die Trennung noch vorgenommen werden, denn später ist dies nicht mehr möglich, da er den Körper tötet, je länger er darin verweilt. Er saugt nicht nur das Blut aus den Adern, sondern den Geist aus dem Körper. Er ist der Schlimmste von ihnen all’. Zwar ist es für mich sehr schwer meinen Geliebten so schändlich zu hintergehen, doch ist er nicht mehr der Toronos, dem ich einst meine Liebe hab geschenkt. Er muss sterben, er muss, auch ich sehe das erst jetzt, wo es vielleicht zu spät schon ist. Mit seinem Tode beschwören wir den Tod all seiner Fürsten herauf. Und ich weiß vielleicht, wie wir ihn töten können. Um sich von dem sterbenden Körper des Jünglings zu trennen, dem er sich bemächtigt hat, muss er das genannte Gebräu trinken. Doch um sich selbst erhalten zu können während der Zeit außerhalb eines Körpers braucht er noch eine zweite Mixtur, eine andere, die für seine Gestalt lebenswichtig ist. Also schloss ich daraus, bekommt er die zweite Mixtur nicht, so stirbt er. Ich kenne die Zutaten, die man benötigt um beide Tränke herzustellen. Doch werdet Ihr nur eine Formel erfahren, die, wie man ihn vernichtet, indem man seinen Geist vom Körper einer anderen Person spaltet und dann ihm den nährenden Stoff verweigert zuzuführen. Aber darf diese Formel nur von Euch und niemand anderem gelesen werden, so schreibe ich sie in einer Geheimschrift, die nur wir verstehen. Diesen Brief wird meine treue Dienerin Mary Chandler Euch überbringen, die ich noch heute los schicken werde. Da ich um mein Leben fürchte, werde ich auch sie von der Geheimschrift und der Formel ebenso unterrichten, da sie im Falle meines Ablebens, die Schrift entschlüsseln kann, und Ihr die Mixtur brauen könnt.
Am Ende dieser Nachricht möchte ich Euch noch sagen, dass ich Euch vergab, für das, Ihr meinem Geliebten damals getan. Nicht Ihr tötet meinen Liebsten, sondern war es Gottes Wille. Er hat sich gegen die Natur gestellt, den Tod besiegt. Das war Unrecht im Sinne Gottes, ich jetzt verstehe des Ganzen Grund. Ich verzeihe Euch die Sünde, denn ist niemand von uns wirklich rein. Gott soll richten über uns alle, am jüngsten Tag.
Verbleibe Euch treu,
Deborah MacHill"
"Habt Ihr gehört, nur zehn Tage!" Byers war erschüttert, gleich allen anderen im Raum, die fassungslos auf das Papier starrten. Scullys Blick wurde zornig, denn die Formel stand in einer Schrift geschrieben, die sie noch nie zuvor gesehen hatten. "Alles war umsonst! Nein!" Scully sprang entsetzt auf und warf den Brief zu Boden.
Das kann nicht sein, das darf nicht sein, niemals!" "Wie sollen wir die Formel entschlüsseln, wenn die Einzigen, die sie kannten, schon Jahrzehnte lang tot sind? Es ist einfach zu ungerecht!" Frohike blickte niedergeschlagen auf das Stück Papier zu seinen Füßen, und bückte sich schließlich, um es aufzuheben.
"Das ist jetzt egal, doch das Schlimme an der Sache ist, dass er die Mixtur innerhalb von zehn Tagen bekommen muss. Den wievielten Tag haben wir überhaupt schon?" Byers sah Nic an, die eine ihrer Strähnen um den Finger wickelte und daran nervös zupfte. "Von Anfang an? Also ab wann war er wieder? Das erste Mal vor vier Tagen, glaube ich, und vor sieben muss es dann passiert sein. Das könnte stimmen." "Danke Nicole, aber das sind dann nur drei Tage, die uns noch bleiben, um jemanden ausfindig zu machen, der in Verbindung mit dem Priester, Deborah MacHill oder dieser Frau, Mary Chandler, steht. Wir müssten vielleicht Nachkommen von ihnen finden." Scully sah Byers entgeistert an und meinte dann: "Ja, bestimmt, weil ein Priester einfach Nachkommen hat und Deborah MacHill von Toronos schwanger gewesen ist." Auch Nicole beteiligte sich nun wieder an dem Gespräch. "Dana hat völlig Recht, aber da bleibt uns nur diese Chandler. Na ja, dürfte recht schwierig werden in einer Stadt wie dieser Nachfahren von ihr zu finden, denn Chandler gibt’s die ganze Westküste entlang genug. Immerhin, können die weggezogen, ausgewandert oder verstorben. Wie sollen wir da nur eine Chance haben?" "Wir gehen damit an die Öffentlichkeit. Wir suchen Verwandte von ihr indem wir eine Fernsehdurchsage machen lassen. Wir fragen, ob jemand mit dieser Chandler selbst oder jemanden kennt, der mit ihr verwandt ist. Es ist zwar kompliziert, aber Sie kennen sich doch recht gut mit Computern aus. Also, meine Herren, machen wir uns an die Arbeit, denn es wir haben noch eine lange Nacht vor uns!" "Gute Idee, Agent Scully. Sicher, wir hacken uns ins Netzwerk einer berühmten Fernsehstation und lassen den Brief und die Nachricht als Untertitel in Fernsehspots mitlaufen. Alte Leute sehen sich gerne Talkshows an und wir haben es hier wohl mit einer alten Person zu tun, deren oder dessen Ahnin Mary Chandler gewesen ist. Wir haben nur ein Ass im Ärmel und das ist dieser Brief." "Ja, Byers, und uns bleiben nur noch ganze drei Tage und zwei Nächte, um das herauszufinden, denn dann ist Fox Mulder wie Toronos sagte... Vergangenheit."
Scully stand auf und ging an den Computer. "Und jetzt zeigt mal, was ihr so drauf habt, Leute! Ab wann haben wir die Chance, dass es ausgestrahlt wird?" Langly erklärte den Ablauf sehr präzise, sodass ihn auch Nicole verstehen konnte, die mit Computern eher wenig am Hut hatte: "Ich kann noch nichts Genaues sagen, aber ungefähr nach der ersten oder zweiten Sendung wird es laufen. Ich scanne den Brief und die dazugehörige Formel in den PC, bearbeite dann den Text und hacke mich ins System. Damit wir nicht unterbrochen werden, sobald die auf der Station den Untertitel bemerkt haben, sichern wir unseren Computer und die Adresse von wo aus wir uns in das Netz gehackt haben. Ladies and Gentlemen, it’s Showtime!" Langly setzte sich an den Computer und begann zu arbeiten.
"Ich bin hundemüde." Nicole legte ihre Hand vor den Mund und gähnte herzhaft. "Kommt ihr drei auch ohne uns zurecht?" Scully grinste sie mit gekünsteltem Frohmut an, wobei Frohike, Langly und Byers dies erwiderten und im Chor meinten: "Kein Problem." Dann verließen Scully und ihre Freundin das Haus und stiegen in den Wagen, der sich kurz darauf in Bewegung setzte.
Dana Scully’s Apartment / 3:35
Scully schloss die Türe ab und ging in die Küche. Ständig musste sie an seinen traurigen und mitleiderregenden Blick denken, mit welchem er sie angesehen hatte, bevor er durch das Fenster verschwunden war. Es zerriss ihr das Herz, ihn so leiden zu sehen, ohne etwas dagegen unternehmen zu können. Sie fühlte sich hilfloser denn je zuvor, und sie hasste dieses Gefühl. Wie gern hielte sie ihren Liebsten doch in den Armen, streichelte seinen Kopf und könnte all das vergessen, die Fürsten, Toronos, den Tod. Doch dürfe sie ihm dahin, wohin er im Begriff war zu gehen, niemals folgen. Es würde wie eine Brücke für sie sein, welche spurlos verschwand, ginge sie darüber. Und dann fiele sie immer tiefer in einen Abgrund, bis die Ewigkeit diesen verschlungen hätte.
Scully machte sich Tee, schürte das Feuer im Kamin und setzte sich danach auf die Couch, den Blick auf die lodernden Flammen gerichtet, die ein leises Knistern von sich gaben.
Scully wurde durch einen gewaltigen Donnerschlag aus ihren Träumen gerissen. Sie rieb sich müde die Augen und krabbelte unter ihrer Decke hervor, um aus dem Fenster zu blicken, da es draußen bereits zu dämmern begann. Nur ein heller Stern stand noch am Horizont, der jedoch mit der aufgehenden Sonne an Glanz verlor, und sich ihrem Leuchten beugte, verblasste, wie es inzwischen mit Mulders Erinnerung an sein Leben vor Toronos passierte. Und mit jedem neuen Morgen verschwand ein weiterer Teil seiner Erinnerung. Immer mehr aus seiner Vergangenheit fing er an zu vergessen bis Fürst Toronos über ihn gesiegt hatte, seine Identität endgültig ausgelöscht und Fox Mulder vernichtet war.
Der Himmel riss auf und ein schillerndes Rotorange erfüllte ihn, vermischt mit den Pfeilspitzen eines heller werdenden Feuermeers.
Scully ging ins Wohnzimmer und öffnete eine Schublade, wühlte ein wenig darin, bis sie scheinbar gefunden wonach sie gesucht hatte. Ein kleines Foto kam zum Vorschein worauf ein Mann abgebildet war; Mulder. Ein zweites Mal griff sie in die Lade und nahm ein dünnes Buch heraus. Dann setzte sie sich und begann in ihr Tagebuch zu schreiben:
// Vielleicht ist es besser die Vergangenheit ruhen zu lassen und in die Zukunft zu blicken. Als Mulder letzte Nacht bei mir gewesen ist, wurde mir klar, dass ich ohne ihn nicht mehr weiterleben will. Ich fühle seine Nähe, höre seine Stimme in meinen Träumen, die mich immer wieder ruft. Ich weiß jetzt, ich werde ihr folgen, und nichts auf der Welt soll mich davon abhalten. Ich werde mich von Toronos zu seiner Fürstin machen lassen. Denn ich könnte niemals gegen den Mann kämpfen, der mir mehr als alles andere auf der Welt bedeutet. Das würde ich nicht verkraften, weshalb ich mich meinen Schicksal stellen werde. //
Am Vormittag traf sie sich dann mit Nici, die mit den Einsamen Schützen ausgemacht hatte, sich in der Bibliothek zu treffen. Als die beiden dort auch eintrafen warteten Byers, Frohike und Langly schon auf sie, mit einer zum Glück guten Nachricht.
Byers fing sogleich an, den beiden die Neuigkeiten zu berichten: "Hallo, setzt euch doch bitte! Wir haben eine gute, leider aber auch eine schlechte Nachricht für euch. Also, die gute ist, jeder Fernsehsender in den Vereinigten Staaten hat den ganzen Tag lang, unsere Botschaft ausgestrahlt. Und es hat sich schon jemand bei uns gemeldet." "Und was ist dann die schlechte?" fragte Scully neugierig. "Diese Frau ist schon 95 Jahre alt und wohnt in New York. Sie ist schwer krank und ich bezweifle, dass sie noch genug Kraft hat einen Flug hierher zu nehmen. Außerdem ist sie schon etwas verkalkt, aber eine Ahnin von Mary Chandler, die einzig noch lebende. Das Altenheim hat sich bei uns gemeldet und mich über ihren Zustand informiert, doch ist der ziemlich kritisch. Sie wird bald sterben, haben uns die Ärzte mitgeteilt." "Aber sie ist unsere einzige Hoffnung!" "Ja, ich weiß, Dana, und aus diesem Grund habe ich den nächsten Flug nach New York gebucht. Das Flugzeug geht in etwa einer Stunde." "Byers, aber Sie dürfen bitte nicht vergessen, dass uns nur noch zwei Tage übrigbleiben. Wenn Sie zu spät kommen, dann ist alles vorbei. Sie müssen noch heute einen Rückflug buchen." "Ja, Miss Scully, das werde ich. Mir liegt Mulders Leben doch auch am Herzen." "Was für ein Held." stammelte Nici und sah Byers verträumt an, bis Scully ihr mit dem Ellbogen in die Rippen boxte. "Wie heißt diese Frau eigentlich?" sagte Scully, um Byers von Nicis fälschlicherweise ausgesprochenen Gedanken abzulenken. "Jane Thompson, doch werden wir uns von einer verkalkten 95jährigen wohl nicht viel Hilfe erwarten können. Die Ärzte haben mir gesagt, sie wisse nicht mal mehr ihren eigenen Namen." "Na toll, das ist schon ein guter Anfang." Scully fasste sich an die Stirn und starrte gedankenversunken auf den Tisch.
"Ich muss dann gehen. Meinen Flug darf ich nicht verpassen, und den Brief nehme ich selbstverständlich auch mit. Wünscht mir Glück!" "Nein, ich wünsche Ihnen Zeit." Nicole legte ihre Hand auf Byers’ und lächelte ihn an. "Kommen Sie ja heil wieder zurück." "Mit Ihnen, als meinen Schutzengel komme ich bestimmt in einem Stück wieder nach Hause."
Dann stand er auf, nahm seinen Mantel und verließ rasch die Bibliothek. "Und was tun wir vier jetzt?" meinte Langly und sah sich um. "Wie wär’s mit beten, dass Byers heil in New York ankommt?" Scully sah ihm noch lange nach, bis der Wagen schließlich aus ihrer Sichtweite verschwunden war.
Airport / Washington DC / 11:30
"John Byers. Ich habe einen Flug auf diesen Namen nach New York gebucht." "Ja, richtig, Byers, hier ist Ihr Ticket, Sir. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Flug." Die junge nette Dame streckte Byers sein Flugticket entgegen, das er schnell an sich nahm, um dann zu seinem Flugzeug zu eilen. Er hatte einen Fensterplatz bekommen und blickte auf die Stadt, während die Maschine sich immer weiter in den Horizont erhob.
Würde ihm diese Frau denn überhaupt weiterhelfen können, wo sie doch schon 95 Jahre alt war und ihr Gedächtnis nicht mehr das beste? Byers fragte sich dies den ganzen Flug lang, doch gab er die Hoffnung nicht auf, dass die Möglichkeit noch vorhanden wäre, Mulder und den Rest der Welt zu retten.
John F. Kennedy Airport / New York / etwas später
Als Byers sich gerade ein Taxi rufen wollte sah er zufällig vor einem Schaufenster eine große Menschenmenge versammelt. Er begab sich zu ihnen, um zu erfahren, was wohl ihr Interesse geweckt hatte. Er glaubte seinen Augen und Ohren nicht zu trauen, als er den Bericht des Fernsehmoderators sah:
"... Und nicht nur in New York und dem Rest der USA scheinen sie zu töten, sondern schwärmen auf der gesamten Welt aus. Der Ursprung dieser Kreaturen scheint in London zu liegen, wie es uns gemeldet wurde. Ich bitte Sie, sich nachts nicht mehr auf den Straßen aufzuhalten und vor allem Ihre Haustüren sorgfältig geschlossen zu halten. Sichern sie ihre Fenster und bleiben Sie vor mysteriös scheinenden Menschen fern. Halten Sie sich nur in großen Gruppen auf den Straßen auf, da die Gefahrenquote von den Vampiren angegriffen zu werden, dann beträchtlich tiefer liegt als, wären Sie allein unterwegs. Lassen Sie Ihre Kinder nicht auf der Straße spielen, da hilflose Menschen sehr schnell zu Opfern werden.
Das Militär ist bereits eingeschaltet worden und wird sich der Sache annehmen und uns eine Mitteilung machen, wenn der Spuk vorbei ist. Bis dahin passen sie nachts auf und befolgen sie die eben aufgezählten Schutzmaßnahmen!... "
>>Verdammt, sie sind schon überall, auch hier. Nur eine Frage der Zeit, wann sie mich aufspüren werden. Bestimmt weiß er schon von dem Brief und ist auf dem Weg hierher um mich aufzuhalten.<< "Taxi!" Byers stieg rasch ein und sagte dann zum Fahrer: "So schnell es geht bitte zum Coltan-Altenheim." Der Fahrer gab Gas und fuhr so schnell er konnte. Da tauchte auch schon das weiße Gebäude auf. Byers bezahlte und ging in das Haus.
Die Dame am Eingang des Altenheimes erfragte, welchen Insassen Byers denn sehen wolle. "Ich möchte mit Jane Thompson sprechen. Sehen Sie, ich habe heute schon mit Doktor Pellton telefoniert, und er erwartet mich schon." "Ist gut. Der Doktor ist in seinem Arbeitszimmer. Gehen Sie einfach bis zum Ende des Korridors und dann gleich rechts. Auf dem goldenen Schild steht sein Name. Sie können es gar nicht verfehlen." "Vielen Dank, Ma’am."
"Doktor Pellton, mein Name ist John Byers. Wir haben miteinander telefoniert." Er schüttelte dem klein gewachsen, älteren Mann, der sich von seinem Arbeitssessel erhoben hatte, die Hand. "Ich wusste erst nicht recht, ob ich anrufen sollte, aber als da stand, dass es um Leben und Tod ginge, da hab ich mich bei Ihnen so schnell wie möglich gemeldet. Ich bin mir nicht sicher, ob sie Ihnen eine große Hilfe sein wird, denn sie erinnert sich kaum an ihre eigene Familie, hat den Namen ihres Mannes vergessen, ihre ganze Identität schwindet." "Und was ist mit der Familie?" "Die Enkeltochter lebt in Australien, der Sohn und ihre Schwiegertochter sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen und so sind wir ihre Familie." "Hat sie vielleicht je diese Mary Chandler erwähnt?" "Nein, aber wir wissen aus ihrer Akte, dass sie mit ihr verwandt ist. Es muss in den Akten in unserem Altenheim auch ein Stammbaum verzeichnet sein, der bis 1800 zurück reicht. So sind die Vorschriften bei uns eben, und da sind wir auf diese Chandler gestoßen. Ich hab Sie dann gleich angerufen. Folgen Sie mir bitte."
"Dieses Zimmer hier ist es. Aber ich muss Sie bitten, Jane keinesfalls aufregen. Ihr Herz ist schon sehr schwach." "Natürlich, ich werde behutsam mit ihr umgehen. Ich habe nur ein paar Fragen, dann bin ich wieder verschwunden." "Gut, dann können Sie jetzt zu ihr gehen. Aber wie gesagt, nicht lange." Der Arzt öffnete schließlich die Türe, hinter welcher nun eine faltige Frau zum Vorschein kam, die auf einem Stuhl vor dem Spiegel saß und ihr langes weißes Haar kämmte. "Jane, Du hast Besuch. Ein Mister Byers möchte mit dir ein wenig plaudern. Ist dir das recht?" "Schon gut, schon gut, er kann rein kommen. Ihr könnt gehen, Diener!" "Sie bildet sich oft ein, sie wäre eine Königin und das hier ihr Schloss. Lassen Sie sich nicht von ihr verwirren und stellen Sie ihr einfach nur die Fragen." Dann ließ der Arzt die beiden allein.
"Guten Tag, Misses Thompson. Darf ich mich zu Ihnen setzen?" "Sicher, kommt nur. Setzt Euch!" "Sie sind eine Verwandte von Mary Chandler habe ich erfahren. Ist das richtig?" "Oh, ja, sie ist meine Mutter." "Ihre Urgroßmutter, wohl eher. Wissen Sie, ich brauche Ihre Hilfe, Jane. Sehen sie sich diesen Brief genau an, und erinnern Sie sich an etwas, bitte." Er gab der alten Frau den Zettel, den sie nun überrascht beäugte. "Wo haben Sie das her?" "Wir haben es in einer Mauer in der Victoria’s Church gefunden, außerhalb von Maryland, Richtung Washington. Kommt es Ihnen denn bekannt vor?" "Ist der Brief von Mary?" "Nein, aber von Deborah MacHill, der... " "Ich weiß wer Deborah war, denn ich war ja ihre treueste Dienerin." "Gut, dann eben Mary, helfen Sie mir! Erzählen Sie mir, was es mit diesem Brief auf sich hat!" "Meine schöne Herrin beauftragte mich eines nachts, zu später Stund’ es war, ich möge ihr ein wenig Zeit doch schenken, denn sie habe mir etwas Wichtiges zu berichten. Sie sagte, aufgeregt und verängstigt ihr Blick, ich solle nach Amerika reisen und Pater Holderfield diesen Brief überbringen. Es sei von größter Bedeutung und ich solle noch heute Nacht aufbrechen. Dann erzählte sie mir von einem Mann, ihrem Geliebten, den ich jedoch nie zuvor gesehen, und sie wollte, dass ich eine Formel und die Zutaten einer grünen Substanz auswendig lerne. Es sei lebenswichtig und ich dürfe mich keinerlei aufhalten lassen auf dem Weg zu Pater Holderfield, denn er brauche diesen Brief und die Formel, um die Substanz zu brauen. Ich befand mich gerade im Wald nahe der Kirche, als ich sah wie viele merkwürdige Gestalten auf diese zugingen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich dem Pater den Brief schon überbracht. Ich sah dann, dass die Kirche in Flammen aufging und lief ins nahegelegene Dorf, um Hilfe zu holen, doch konnten wir ihn nicht retten, der Pater war verbrannt und all’ andere mit ihm." "Wissen Sie denn die Formel noch?" "Das ist so lange her. Möchtest du Tee, James?" "Die Formel, erinnern Sie sich, bitte! Die Formel! Die Substanz, woraus besteht sie, woraus?" "Gebt mir Papier und Feder!" Byers griff schnell nach einem Zettel und Stift, den er ihr überreichte. Sie begann etwas darauf zu kritzeln, das aussah, wie ein Monster, wie einer der Fürsten der Nacht. Sie sprach: "Der Fürstin Blut, so zart. Ihr Blut, Met und Weihwasser, so sei der Bann gebrochen." "Met, Weihwasser und Scullys Blut?" "Ein kleines Fläschchen, nichts weiter, drei Tropfen Met, drei Tropfen Weihwasser, vier Tropfen Blut und Toronos ist tot. Möchtest du wirklich keinen Tee, James, er ist sehr gut, aus China." "Nein, danke, aber Sie wissen gar nicht wie sehr Sie mir damit geholfen haben." "Womit? Mina, Mina, kämm mir mein Haar! Es soll schön sein, wenn der König zurück kommt aus dem Krieg!"
Byers sah die Alte kurz verwundert an, dann verließ er den Raum und ging zu dem Doktor, der vor der Tür solange gewartet hatte. "Haben Sie, wonach Sie suchten, die Antwort?" "Ja, sie war sehr hilfreich. Sie hat mit ihrer Geschichte meinem Freund gerade das Leben gerettet." Doktor Pellton rief Byers ein Taxi und sie verabschiedeten sich.
Der Taxilenker sah missmutig zum dämmrigen Horizont auf und wandte sich dann an Byers: "Wird wohl noch ziemlich stürmisch werden heute Nacht. Sehen Sie mal zum Himmel rauf, Sir, sieht wirklich nicht gut aus. Heute wird kein Flugzeug mehr starten können. Soll ich Sie im Ernst zum Flughafen fahren?" "Ja, tun Sie das, bitte."
John F. Kennedy Airport / New York / 20:13
"Nein, das gibt es doch nicht! Aber ich brauche noch heute einen Flug nach Maryland." "Es tut mir sehr Leid, Sir, aber bei diesem schlimmen Sturm wird keine Maschine starten können. Wir tragen die Verantwortung, das können wir nicht machen. Es wäre zu gefährlich. Sie können für morgen Früh einen Flug buchen, dann setze ich Sie auf die Warteliste." "Es geht nicht, ich brauche den Flug noch heute. Sie wissen ja nicht worum es hier geht, Lady, Sie wissen gar nichts. Es geht hier um meinen Freund, der stirbt, wenn ich nicht nach Maryland komme. Mein Handy geht auch nicht und alle Telefone sind tot wegen des Sturms. Ich muss nach Maryland." "Ich verstehe Sie ja, aber Sie werden nun mal keinen Verrückten finden, der Sie bei dem Wetter fliegt. Suchen Sie sich bitte ein Hotel und schlafen ein bisschen. Morgen Früh können Sie mit der ersten Maschine nach Maryland, das verspreche ich Ihnen. Ich setze sie gleich an die erste Stelle auf der Liste. Mehr kann ich leider nicht für Sie tun, Sir." "Gut, dann suche ich mir ein Hotel. Und morgen kann ich sofort mit der ersten Maschine fliegen?" "Ja, ganz bestimmt, versprochen."
Byers verließ schnell den Flughafen und lief zum Taxi, das auf ihn gewartet hatte. "Wie ich gesagt habe, oder? Da fliegt keines. Die sind ja nicht lebensmüde." "Kennen Sie vielleicht ein gutes Hotel in der Nähe?" "Aber immer. Ich bring Sie in das beste der Stadt. Aber wir müssen uns beeilen, schauen Sie mal da rauf", er deutete auf den bedrohlich wirkenden Nachthimmel, "dort ist es schwarz wie die Nacht. Das wird kein harmloser Sturm, sondern ein ganz gewaltiger werden. Da soll jeder froh darüber sein ein Dach überm Kopf zu haben."
Zur selben Zeit / Maryland / Nicole Smiths Apartment
"Verdammt, warum ist die Leitung tot! Was ist da denn los?" Scully versuchte es ein zweites Mal, doch erneut geschah nichts. "Ich komme einfach nicht durch." Langly störte mit den Worten: "He, Leute, seht mal, da bringen sie im Fernsehen was über einen Sturm in New York und das gesamte Stromnetz der Stadt ist lahmgelegt." Frohike verkündete dann die schlimme Nachricht: "Und kein Flugzeug startet vor morgen Früh." Sie sahen einander fassungslos an, getrauten sich kein Wort zu sagen, denn so würde schon morgen der zehnte Tag sein, der zugleich auch Mulders letzte Nacht sein würde. So würde bei Sonnenaufgang des elften Tages Toronos gesiegt haben, über sie alle.
In einem Hotel / New York / eine Stunde später
"Hallo, hallo. Scully?" "Seid doch mal still, ich habe eine Verbindung zu Byers! Er ist dran!" "Sc-cul-ll-y h - ören Sie mir zu!" "Ich versteh Sie so schlecht, Byers, Sie müssen lauter sprechen!" "Ich ne eu j-etzt die -tate-n für d- Tr-nk." "Er hat es! Also wie lautet die Formel?" "D-ei Tro-fe- Met, drei T-ro-pf... " "Byers, Byers!" "Weihwas- und vier... " "Byers, Byers, sind Sie noch dran?" Scully legte den Hörer auf. "Was ist?" Nicole, Langly und Frohike sahen Scully entgeistert an. "Er ist weg. Wir haben aber nur einen Teil der Formel. Drei Tropfen Met, drei Tropfen Weihwasser und vier Tropfen... dann wurde die Leitung unterbrochen."
Die ganze Nacht lang saßen sie nur da und rätselten, wovon sie vier Tropfen brauchten, doch wurden sie nicht schlau aus der Formel, die Byers ihnen nur zum Teil nennen hatte können.
Byers lag wach auf dem Bett in seinem Hotelzimmer und starrte aus dem Fenster, wo draußen der Sturm gnadenlos tobte.
10. Tag / Dana Scullys Apartment / 14:03
Scully hatte sich ausgeruht, und sogar ein bisschen geschlafen, obwohl sie dies gar nicht vorgehabt hatte. Zwar wussten sie, Byers würde alles versuchen um zu ihnen zu gelangen, doch würde er es auch rechtzeitig schaffen? Nicole hatte die Wohnung betreten setzte sich zu ihrer Freundin aufs Bett. "Du hast aber sehr lange geschlafen. Wie geht es dir, schon ein wenig besser?" "Frag mich was Leichters. Ich bin so schrecklich müde, aber weiß ich nicht warum. Gibt’s was Neues von Byers? Hat er sich gemeldet?" "Nein, Dana, leider nicht. Wir haben immer noch keine Verbindung nach New York und in den Nachrichten sagen die andauernd, dass dieser Sturm der schlimmste in der Geschichte Amerikas wäre. Die Flughäfen sind gesperrt worden. Langly und Frohike sind der Meinung, die Fürsten der Nacht würden diesen Sturm verursachen, um Byers’ Rückflug zu vereiteln. Der Himmel über New York ist durch die Wolken so sehr verdunkelt, dass die Vampire jetzt auch am Tag jagen können. Und sie jagen vermutlich gerade Byers." "Du meine Güte, ich hoffe, ihm ist nichts zugestoßen." "Ja, das hoffen wir alle. Aber du schläfst dich jetzt mal richtig aus, meine Liebe. Frohike, Langly und ich halten schon die Stellung. Ruh dich aus! Wir machen das, und wenn er sich melden sollte, dann wecken wir dich." "Versprochen?" "Ja, versprochen, Dee." Sogleich fiel Scully zurück in ihren Dornröschenschlaf, um von Fürst Toronos zu träumen, der in der Kirche immer wieder ihren Namen rief.
10. Tag / Dana Scullys Apartment / 20:10
Scully schlief noch immer tief und fest ohne zu bemerken, dass sie Besuch bekommen hatte. Auf dem Bett, den Oberkörper über sie gebeugt, saß Fürst Toronos, streichelte ihr Haar und sagte leise: "Noch an diesem Tag werden wir uns vereinen, nur du und ich, Fürst und Fürstin, gemeinsame Herrscher des Bösen." Dann küsste er sie auf den Mund und verschwand in der Dunkelheit, aus welcher er gekommen war.
Als Scully etwas später aufwachte, lag auf ihrem Bett ein langes Reifenkleid aus rotem Samt mit schwarzer Spitze an den Enden. Sie berührte den Stoff, dann zog sie sich das Kleid an. Sie ging ins Badezimmer und schminkte sich ihre Lippen rot wie der Glanz von frischem Blut. Sie glich einer Toten, schneeweiß ihre Wangen, schwarz geschminkt die Augen. Da erfüllte ein höllisches Lachen die Luft und sie hörte eine Stimme rufen: "Heute Nacht, Geliebte, werde Mein, werd meine Braut, sollst ewig meine Fürstin sein! Komm zu mir, geschwind, wir warten auf dich, wir alle. Heute Nacht spür meine Liebe, so eile zu mir, geschwind!" Scully stürmte aus ihrem Apartment, in den Aufzug und dann zu ihrem Auto. Sie ließ den Motor an und gab Gas, nur noch ein Ziel, Toronos’ Worten Folge zu leisten, zum Friedhof zu fahren, um seine Fürstin zu werden, zu sterben gemeinsam mit Mulder, in dieser eisigen Herbstnacht.
Nicole Smiths Apartment / zur selben Zeit
"OK, das Weihwasser haben wir gekriegt und den Met haben wir auch, genau dosiert in einer Eprovette. Jetzt fehlt uns nur noch Byers." In diesem Moment läutete das Telefon. "Byers?" "Ja, ich bin’s und gerade auf dem Weg zu euch. Jetzt hört mir zu, habt Ihr das Weihwasser und den Met vermischt?" "Ja, genau so wie Sie es gesagt haben." "Gut, wir brauchen dann nur noch vier Tropfen von Scullys Blut. Es wird ihn töten, sobald er es getrunken hat." "Gut, dann werde ich es gleich Dana sagen. Wir sehen uns dann beim Friedhof." "Gut, bye." Nicole riss die Türe von Scullys Apartment auf, doch war diese bereits auf dem Weg zum Friedhof. "Dana ist weg! Habt ihr sie weggehen sehen?" Langly antwortete daraufhin: "Nein, das gibt es doch gar nicht. Vor einer halben Stunde noch hab ich nach ihr gesehen, und da hat sie friedlich geschlafen." "Oh, mein Gott! Sie ist zum Friedhof gefahren! Die zehnte Nacht ist nämlich heute. Er will sie jetzt, in dieser Nacht... er wird Dana umbringen! Wir müssen zum Friedhof, sofort! Bei Sonnenaufgang ist alles vorbei, wenn wir nicht auf eigene Faust handeln. Wir können nicht auf Byers warten. Kommt, wir müssen uns beeilen!"
Queen Victoria’s Church / eine Stunde später
Als Nicole und ihre Freunde am Friedhofsgatter angekommen waren konnten sie nichts Ungewöhnliches entdecken. Es war still, bedrohlich still, doch war dies das Einzige, das ihnen auffiel. "Kommt, lasst uns schnell in die Kirche gehen. Wir brauchen Schutz!" flüsterte Langly. So durchschritten sie das Tor und liefen zur Kirche. "Los, beeilt Euch, hier können wir sie unbemerkt beobachten wenn es soweit ist." Frohike nahm das Fläschchen und eine Pipette, die sie aus Scullys Apartment mitgenommen hatten, aus seiner Jackentasche. "Wir brauchen Scully!" "He, seid still, da schreit doch jemand!" Langly, Nici und Frohike stürmten aus dem Gebäude ins Freie. Draußen am Himmel versammelte sich eine Schar kreischender Fledermäuse, welche die Kirche umkreisten. Sie wurden immer mehr, strömten aus allen Himmelsrichtungen herbei. Und auf einem Grab, nun in Sichtweite der Drei, lag Scully, umklammert von Toronos’ Händen. "Dana!" Frohike riss Nicole hinter einem großen Stein zu Boden, der ihnen als Versteck vor den Bestien dienen sollte. "Aber er wird sie umbringen!" "Wir sind ihr und auch Mulder überhaupt keine Hilfe, wenn wir tot sind. Was glauben Sie, werden die wohl mit uns machen, wenn sie uns sehen? Toronos weiß ohnehin schon, dass wir ihn vernichten wollen. Warten wir hier einmal ab. Die Substanz muss er trinken, oder?" "Ja, aber was er mit Dana macht... verdammt, wir brauchen ihr Blut!" "Psssst." "Byers, woher kommen Sie denn aufeinmal?" "Ich bin so schnell ich konnte hierher gefahren. Seht mal, was ich mit habe, eine Betäubungspistole. Das Gift in diesem Pfeil hat die Wirkung einen Elefanten für mehrere Stunden außer Gefecht zu setzen, wie angemessen für unseren Fürsten." "Oh, Byers." Nici fiel Byers um den Hals.
Toronos legte drückte seinen Mund auf Scullys Hals, hielt dann jedoch inne, anstatt sie zu beißen. "Na los, nimm mich! Ich gehör dir! Mach mich zu deiner Fürstin, bring es endlich hinter dich. Ich will so werden wie die andern, tu es!" Scully hielt ihm auffordernd ihren Hals hin und drückte seine Hände an diesen. "Beiß mich, befreie uns beide!" Er betrachtete ihr zerrissenes Kleid und begann dann zu schreien: "Nein, NEIN, niemals! Verlang von mir alles, nur das kann ich nicht. Nicht Scully, nicht sie! Ich lasse nicht zu, dass du sie quälst nach meinem Tod!" Doch zwang Toronos ihn sich ihrem Hals erneut zu nähern, befahl ihm, seine Zähne in ihn zu stoßen.
"Oh Gott, er beißt sie, er beißt sie, nein!" Byers starrte gebannt auf das Grab, auf welchem Scully lag, die Toronos genauso Mulder ausgeliefert war. "Nein, wartet, nicht, er... küsst sie nur, seht doch! Oh, wie ist das romantisch!" Nicoles’ Stimme erfüllte ein Ton der Faszination.
Ein weiteres Mal weigerte er sich und ließ lediglich seine Lippen Scullys Hals berühren, flüsterte dabei nur zwei Worte. Seine Stimme klang dabei wie der Wind in den Bäumen, der jaulend das Ende der Zeit verkündete. "Verzeih mir!" Scully rührte sich nicht von der Stelle, hörte ihr eigenes Herz mit jedem Schlag lauter werden.
"Wir müssen uns trennen. Ich werde dich damit verletzen, aber ich muss dich verlassen, Dana, ich muss!" "Nein Mulder, das lasse ich nicht zu. Die dürfen nicht gewinnen! DU darfst nicht sterben!" "Und warum nicht, sag, warum?" "Weil ich dich liebe, Fox, und weil ich dich brauche, verdammt noch mal! Ohne dich will ich nicht mehr leben!" Scullys bebende Lippen streiften sich vorsichtig Mulders Mund. Eine leichte Berührung, dann eine zweite. Ihre Hände umklammerten seinen Hals und Mulder hielt sie so fest er nur konnte in seinen Armen. Dann ließ er sie los und flüsterte: "Das darf nicht sein! Es gab nie einen Anfang und den wird es auch nie geben!" Er sprang auf, trat ein paar Schritte zurück und hob seinen Kopf.
Ein Sturm zog auf und zerrte an seinem Umhang, der in die Richtung zeigte, aus welcher jetzt Hunderte dunkle Gestalten hervortraten, geboren durch Hass und Dunkelheit, glühend rot ihre Augen, die in die Leere des Todes starrten. Tausende und Abertausende Gestalten bahnten sich ihren Weg zur Kirche, flogen herbei aus der ganzen Welt. Scully erhob sich schnell und streckte ihre Hand nach Mulder aus. "Nein, Mulder, nein, verlass mich nicht! Nicht nach all dem, was wir gemeinsam durchgestanden haben. Bleib bei mir!"
Tränen liefen über Scullys Wangen, tropften auf den kühlen Friedhofsboden, als sie ihn flehend ansah. Nicole begann nun zu laufen, rannte auf Scully zu, denn hatte sie eine schlimme Vorahnung, was in den nächsten Minuten geschehen würde.
"Dana, bleib stehen, beweg dich nicht! Dana!" Sie hielt ihre Freundin zurück, die auf Mulder zugehen wollte, drückte sie auf den Boden und umarmte sie gewaltsam. "Nein, Mulder, NEIN!"
Mulder wandte sich von Nicole und Scully ab und schritt auf die Gestalten zu, die, umgeben von einem Nebelschleier, ihre Köpfe senkten, sich auf den Moosboden knieten und ihrem Herrschen beugten. Nici hielt Scully nur noch fest, konnte keinen anderen Gedanken fassen, als ihre beste Freundin vor dem Ereignis zu beschützen, das sich in kurzer Zeit zutragen würde.
Scully wehrte sich mit aller Kraft, wollte sich losreißen, doch Nicole war stärker. "Töte mich! Ich will nicht mehr leben ohne dich, das kann ich nicht! Sieh mich an!" "Finde deinen Weg, Dana, meiner endet hier, an dieser Stelle, und nur dieser ist der richtige. Lebe Wohl, Dana, vergiss mich nicht! Aber du sollst wissen, ich habe dich von Anfang an geliebt und werde es auch immer tun. Und genau deshalb kann ich dich nicht dieser großen Gefahr aussetzen. Verzeih mir, ich bitte dich, dann kann ich mit gutem Gewissen dieses letzte Stück meines Weges gehen. Irgendwann wirst du auf diesen Tag zurückblicken und wissen, dass ich damals das einzig Richtige getan habe. Vergebt mir, liebste Deborah, verzeiht! Durch Euch erkannt’ ich was wahre Liebe ward’, die stärkste Macht auf Erden. Unsere Liebe hätt’ Schönes und Gutes den Menschen bringen sollen, nicht Tod und Verderben, wie’s war. Vergebt mir den Frevel an Gott, den ich beging zu unserer Zeit. Meine Kreaturen sollen nie mehr die Menschen dieser Erde heimsuchen. Dein Tod war mir Lehre genug, um zu wissen, was ich nun hab zu tun." Dann hob er seine Hände, streckte sie dem Firmament entgegen und schrie:
|
Fürsten der Nacht - Geschöpfe, die mir |
||
|
Vernichten werd ich alle nun, |
|
|
|
Mächte der Finsternis steigt auf, |
||
|
Heller Mond so scheine rot. |
||
"Mulder, nein, komm zurück! Tu das nicht, BITTE!" Plötzlich wurde es ganz still, die Vögel in den Bäumen waren verstummt, kein Wind, kein Rascheln der fallenden Blätter war zu hören, nur Stille, die alles umgab. Dann, ein dumpfer Knall, der die Erde beben ließ. Aus dem Nichts erschien ein Feuersturm, der alle Vampire in sich hüllte, schreiende Geschöpfe in hoffnungslosen Rollen. Da Mulder begann sich mit gewaltigem Blitz- und Donnerschlag zu verwandeln, doch diesmal war die Transformation beinahe abgeschlossen, da das Rot der Sonne schon hinter den Bäumen blinzelte. Byers, Frohike und Langly rannten nun zu Nicole, die sich noch immer an ihre Freundin klammerte. "Jetzt!" Byers zog die Betäubungspistole und schoss auf Mulder, der sich in diesem Moment in den Feuersturm stürzen wollte, um sich selbst mitsamt seinen Kreaturen zu vernichten.
Doch Nervengift tat seine Wirkung, bevor er die Flammen erreicht hatte, und Mulder stürzte zu Boden. Frohike, Byers und Langly zogen ihn vom Feuer und trugen in so schnell sie konnten in die Kirche, wohin Scully und Nici ihnen folgten.
"Legt ihn auf den Altar!" Scully griff nach dem Fläschchen und dem Brief. Plötzlich erschraken sie alle, denn scheinbar hatte der Betäubungspfeil sogleich wieder seine ganze Wirkung verloren und Toronos bäumte sich wütend auf, schlug wild um sich. Byers, Nici, Langly und Frohike drückten ihn mit aller Kraft auf den Altar zurück. "Beeilen Sie sich, Scully, wir können ihn nicht mehr halten!" Das Fläschchen mit der noch gelblichen Substanz in ihrer Rechten, ihr goldenes Kreuz in der Linken trat sie an den Altar heran und beugte sich über Toronos, der zu schreien begann: "Verräterin, elende, niederträchtige Mörderin, und ich hab Euch geliebt, Deborah!" "Ich bin nicht Deborah und Mulder ist nicht Toronos!" Mit diesen Worten drückte sie seinen Mund weit auf und goss die gesamte Mixtur in seinen Rachen, schnitt sich dann mit einem Dolch die Hand auf. Als vier Tropfen in seinen Hals geflossen waren, legte sie ihm ihre goldene Kette mit dem kleinen Kreuz um den Hals.
Sogleich begann der Trank seine Wirkung zu tun und die roten Augen verfärbten sich zurück, auch wurden allmählich die Schneidezähne wieder kürzer. Toronos wehrte sich immer noch, schrie, schlug um sich, doch löste er sich langsam von Mulders Körper und wurde aus ihm herausgedrückt, bis seine ganze Gestalt vor ihnen schwebte. Toronos’ Gesicht begann zu schmelzen so wie der Rest seiner durchsichtigen Gestalt. Seine verzerrte Fratze tropfte auf den Boden und blieb dort als ein einziger schwarzer Fleck, der sich in das Holz fraß.
Zugleich verwandelte sich Mulder wieder in sich selbst zurück und öffnete schließlich müde seine Augen. Verwirrt sah er sich um, richtete sich dann langsam auf und fragte verdutzt: "Was macht denn ihr alle in London?" "Mulder?" "Wo ist Vivienne? Ich versteh das alles nicht. Würde mir bitte jemand mal erklären was hier gespielt wird?" "Oh, das ist eine wahrhaft lange Geschichte und vor allem aber kompliziert. Ich erzähl sie dir, wenn wir zu Hause sind." Byers lächelte hocherfreut, wie alle anderen um ihn herum. "Ihr starrt mich an, als wäre ich ein Geist oder so etwas in der Art." "Ja, so was in der Art!" Frohike begann zu lachen. Mulder sah hinauf zum Kirchendach, wo durch eine kleine Öffnung, ein Fenster, sachte die Strahlen der Sonne in die Kirche fielen, diese erhellten, und die bemalten Fenstergläser wie einen wundervollen Regenbogen leuchten ließen.
Er schenkte Scully eines seiner schönsten und seltensten Lächeln. Dann streckte er seine Hand nach ihr aus und streichelte leicht ihr Gesicht. Es brauchte keine Worte um zu erfahren, was er ihr nun mitzuteilen hatte. Mit Tränen in den Augen fiel sie Mulder um den Hals und presste ihren kleinen Körper an ihn. "Nie mehr, nie, nie mehr!" weinte sie. "Niemals!" stammelte sie erneut und umklammerte ihn überglücklich. "Aber hallo! Was ist denn in Sie gefahren, Scully? So lange war ich nun auch wieder nicht in England. Trotzdem, vielleicht sollte ich öfter mal verreisen, um dann auf diese Weise von Ihnen begrüßt zu werden. Das könnte mir gefallen." "Ja, Leute, das ist Mulder wie wir ihn kennen!" Byers klopfte Mulder leicht auf seine Schulter. Dann rutschte Mulder vom Altar und sah sich mal selbstkritisch an. "Also, jetzt ich glaube, dass es eine sehr lange Story ist, die ihr mir da zu erzählen habt. Könnte mir bitte jemand erklären, warum ich wie ein Kerl aus der Sado-Maso-Szene angezogen bin? War ich denn auf einem Maskenball?" Langly grinste breit, und meinte: "Nicht so ganz."
Dann fiel Mulders Blick wieder auf Scully, die sich noch immer an ihn drückte und schluchzte. Es war ihr auf einmal egal, was die anderen in diesem Moment von ihr denken würden, oder Mulder selbst, denn sie war einfach überglücklich ihren Mulder wiederzuhaben. Sie musste vor Glück einfach weinen, schließlich hätte die ganze Geschichte auch böse ausgehen können. Mulder wusste zwar nicht wie ihm geschah, hielt sie aber ganz fest, ohne den Grund für ihr Verhalten zu erfragen.
"Es wird Zeit zu gehen." Fordernd sah Byers Mulder an, der nur leicht nickte. Scully ließ ihn nun los und nachdem er vom Altar gesprungen war, legte er seinen Arm um sie. Dann setzten sich die sechs Freunde in Bewegung und gingen ganz langsam auf das Friedhofstor zu. Bei Tageslicht sah die ganze Gegend auch gar nicht mehr so gespenstisch aus und mit Mulder an ihrer Seite fühlte sich Scully wohl und geborgen. Es war so, als wäre dieser verfluchte Ort nun endlich befreit worden, hätte seine ewige Friedhofsruhe für immer gefunden.
Da Scully noch immer weinte, beugte Mulder sich zu ihr, wischte liebevoll die Tränen aus ihrem Gesicht und flüsterte dann: "Das passt doch überhaupt nicht zu Ihnen!" Er drückte sie dann noch fester an sich und öffnete das Friedhofsgatter. "Mein Wagen steht dort drüben, in der Allee. Ich fahr Sie nach Hause, Mulder." Scully hatte sich wieder einigermaßen gefasst und legte lächelnd ihren Kopf an Mulders muskulösen Arm. Es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl ihn wiederzuhaben, sich an ihn kuscheln zu können, seine weiche Stimme zu hören und in seine gütigen Augen zu blicken. Die Schlacht war geschlagen und der Krieg gewonnen. Sechs Helden stiegen in ihre Autos und verließen das Schlachtfeld erhobenen Hauptes mit einem Gefühl das erfüllender nicht hätte sein können.
Am nächsten Tag/ 15:20
"Scully, ich muss mit Ihnen reden. Es ist mir wirklich wichtig, und ich denke wir sollten uns aussprechen." "Worüber denn?" "Ich will nur ungern mit Ihnen am Telefon darüber reden. Können wir uns nicht irgendwo treffen, vielleicht einen kleinen Spaziergang machen?" "Hört sich toll an. Wohin soll’s denn gehen?" "Ich habe mir gedacht, wir könnten zur Victoria’s Church fahren." "Wieso denn gerade dorthin?" "Es geht um die Fürsten. Das ist es, worüber ich mit Ihnen sprechen möchte." "Gut, dann treffen wir uns am Friedhof, in etwa einer Stunde?" "OK, das wäre mir sehr recht."
In der Nähe des Victoria’s Friedhof / 16:39
Mulder wartete geduldig vor seinem Wagen auf Scully. Er trug ein schwarzes Sakko und Bluejeans, was ihn wieder wie einen Menschen aussehen ließ.
Ein zweiter Wagen verlangsamte sein Tempo und parkte hinter Mulder Auto.
Der kühle Wind wirbelte Blätter von den Bäumen und wehte sie durch die Allee, als Scully aus ihrem Wagen stieg. Sie war in einen schwarzen Swingermantel eingehüllt und trug einen ebenfalls schwarzen Samthut. "Hübsch sehen wir heute wieder aus, Doktor Scully." "Danke." Dann legte sie einen Arm um Mulder und ging mit ihm gemeinsam durch Allee.
"Ich muss Ihnen etwas sehr Wichtiges sagen. Ich bin mir nicht sicher, ob Sie davon wissen, aber Byers hat mir alles erzählt." Scully schob ihre rechte Augenbraue hoch und fragte entgeistert, sogar ein wenig schockiert: "Wirklich alles?" "Ja, alles. Ich kenne die Geschichte von Anfang bis Ende. Was Sie für mich getan haben, das werd ich Ihnen nie vergessen und ganz besonders ein Detail nicht." >>Oh Gott, hilf mir, er weiß es!<< "Ich weiß eben auch von dieser Bettgeschichte und ich wollten Ihnen nur sagen, dass meine Gefühle für Sie dieselben sind, und Sie sich für diese Angelegenheit wirklich nicht schämen müssen. Ich könnte mir ein Leben ohne Sie überhaupt nicht mehr vorstellen. Es war nicht sein Wunsch, Sie zu seiner Gefährtin zu machen, es war meiner." "Versuchen Sie mir vielleicht gerade eine Liebeserklärung zu machen, Spooky Mulder?" "Also, wenn ich ehrlich sein soll, könnte das tatsächlich eine werden." Scully streckte ihre Hand nach Mulder aus und hielt einen Finger auf seine Lippen. "Manche Dinge sollten besser unausgesprochen bleiben!"
Schweigend schlenderten sie die Straße entlang, bis Scully plötzlich laut zu lachen anfing. "Was ist denn?" Die Blätter tanzten zu der Melodie des Windes und Scully tat ihnen gleich. Sie wirbelte übermütig herum und ließ die bunten Herbstboten auf sich herabfallen. Sie sprang umher, dass das Laub unter ihren Füßen nur so raschelte. "He, wo willst du hin? Scully?" "Na los, komm schon, schlaf nicht ein! Komm her!" Sie streckte ihre Hand nach ihm aus und er lief zu ihr. Dann legte er ihre Arme um den seine Hals und begann mit ihr zu tanzen.
"Wir sind verrückt!" lachte Scully. "Vollkommen verrückt. Wenn uns die vom FBI jetzt sehen könnten, die würde bestimmt der Schlag treffen." Und sie fielen in ein Gelächter, welches das des Windes noch übertönte. Sie hatten einander wieder, eine neue Zerreißprobe bestanden, die ihre Liebe unter Beweis gestellt hatte. Doch auch diese schwierige Prüfung hatten ihre Herzen bestanden.
Dana Scully’s Apartment / 22:11
Scully lag auf ihrer Couch und hörte ihr "Building a Mystery" von Sarah McLachlan, als es plötzlich an der Tür klopfte. Sie stand auf und öffnete die Türe. "Mulder? Ich hab dich nicht erwartet, tut mir Leid, dass ich erst jetzt geöffnet habe. Komm doch rein." Scully grinste nervös, worauf Mulder nur leicht schmunzelte und meinte: "Komme ich irgendwie ungelegen? Hast du vielleicht einen Liebhaber im Kleiderschrank versteckt?" Mulder ging auf ihren Kleiderschrank zu und öffnete ihn. "He, was machst du da?" "Ich wollte mich nur überzeugen." "Ich kann dich beruhigen, dort hab ich ihn bestimmt nicht versteckt. Er ist nämlich unter dem Bett." "WOW, seit wann schläfst du mit Tooms? Nur der wäre wohl gelenkig genug, um unter dein Bett zu passen. Leider muss dein kleiner Freund jetzt eine Enttäuschung erleben." Scully begann ungeduldig zu werden. "Wie meinst du das?" "Er wäre bestimmt nicht erfreut, wenn er jetzt mit ansehen müsste, wie du und ich uns küssen und streicheln und... " Scully schluckte und starrte ihn zwar nicht überrascht, doch ein bisschen unglaubwürdig an. "Werden wir uns denn küssen und streicheln und dann... hmmm?" "Wenn meine Fürstin keinen Einspruch erhebt?" "Wie könnte sie denn diesem Angebot widerstehen?"
Lieblich begann er ihren Hals zu küssen, ließ seine Hände an ihrem Rücken entlang gleiten und berührte mit seinen Lippen zärtlich ihren Mund. Langsam öffnete er Knopf für Knopf ihres Seidenpyjamas und streichelte ihren Oberkörper. "Fox." Ein Kuss brachte Scully zum Schweigen, und obwohl sie fest davon überzeugt war ihm nun zu sagen, sie liebe ihn, so wandelten sich ihre Worte zu einem leisen, erregten Stöhnen. "Toronos hat mir gezeigt, dass man seine Träume verwirklichen kann, egal wie verrückt und unmöglich sie auch sein mögen. Und wie recht er doch damit hatte, schließlich hat er bis zuletzt für seinen Traum gekämpft. Ich will leben bevor es zu Ende ist. Es ist doch viel zu kurz. Du bist alles was, ich will, du bist mein Traum."
Zitternd ließ sich Scully auf dem Boden nieder und zog Mulder an sich. "Für diese eine Nacht gehör ich dir. Du darfst mit mir alles machen was du willst!" "Alles?" "Alles, vorausgesetzt ich will es natürlich auch." Nun wurden Mulders Küsse bedeutend stürmischer. Er riss ihr das Hemd von vom Körper. Sanft streichelte sie seinen Rücken, ließ sich von ihm berühren und liebkosen und erwiderte seine Zärtlichkeiten. Voller Ekstase berührten sie einander, als das Feuer der Leidenschaft ihre Herzen beinahe verglühen ließ. Scully nahm nichts mehr wahr, blieb ihm ergeben für alle Zeit. Endlich würde ihr beider größter Wunsch in Erfüllung gehen. Ihre Liebe hatte das Böse schlussendlich besiegt. So würden sich in dieser Nacht ihre Körper und Seelen vereinigen, in einer mit Nebelschwaden verwobenen Stille. Das Feuer im Kamin knisterte leicht und strahlte eine wohlige Wärme aus. Die beiden Lieben versanken in einer Welt, die von ihrem Verlangen beherrscht wurde, und sie wollten nichts Anderes mehr tun, als einander glücklich zu machen. Nie mehr sollte jemand versuchen sie zu trennen, niemals. Ihre Liebe war viel zu stark, um besiegt zu werden. Von nun an waren sie eine Seele, verbunden durch ein vorausbestimmtes Schicksal. Die Zeit verschmolz mit der unendlichen scheinenden, sternklaren Nacht, ließ ihre schönsten Träume wahr werden.
"Unser Wunsch soll in Erfüllung gehen." "Ja, Fürstin, so sei es." Und als er sie liebte fühlte sie sich in eine Decke eingehüllt, die entstanden aus Wärme, Geborgenheit und Glück. Die Zeit blieb stehen, gefangen in der Umarmung zweier Liebender, die lächelnd auf dem Boden von Scullys Wohnung die Welt um sich herum vergaßen.
Etwas später
Sanft streichelte Mulder über Scullys Gesicht und küsste sie, wobei sie ihre Augen schloss und beruhigt lächelte. "Ich glaube heute ist der schönste Tag in meinem ganzen Leben, seit du zu mir damals in das Büro spaziert bist." "Weißt du, ich habe jetzt das Gefühl einen Platz gefunden zu haben." "Ja, und mein Platz ist bei dir und nur dort." "Was ist eigentlich mit Skinner und den anderen? Ich meine, was soll jetzt geschehen wo wir... " "Mach dir darüber mal keine Sorgen, denn die werden nie davon erfahren. Wir verstecken unsere Gefühle, wie wir es immer schon gemacht haben. Wenn du einverstanden damit bist?" "Es macht mir nichts aus, dir meine Gefühle verheimlichen zu müssen, das haben wir doch fünf lange Jahre hindurch gemacht. Solange ich nur bei dir sein darf. Es muss ja nicht unbedingt Sex sein, das uns zusammenhält, wohl eher Vertrauen und Liebe?" "Liebe? Vielleicht. Ja, wahrscheinlich ist es das." Mulder küsste Scullys Stirn und stand auf, um sich anzuziehen. Scully lag auf ihrem Bett und beobachtete ihn dabei. Sie war glücklich, endlos glücklich, das verrieten ihre blutroten Lippen, die Mulder verführerisch anlächelten. Und Mulder konnte die Hoffnung und den Glauben in seinem Herzen spüren. Er würde seinen steinigen Weg gemeinsam mit Scully an seiner Seite weitergehen. Doch dieses Mal wäre es ihre Liebe, die ihnen helfen würde, alle Prüfungen, die ihnen das Leben stellte, bestehen zu können. Am Meisten aber freute er sich darüber, wieder der alte Fox Mulder zu sein, doch würde er dieses Mal mehr Rücksicht auf Scullys Gefühle nehmen.
Sie richtete sich auf und streckte ihre Hand nach ihm aus. "Kommt, mein Fürst! Nehmt mich in den Arm, Geliebter!" Sie grinste ihn verführerisch an. Woraufhin er sie leidenschaftlich küsste. "Wollt Ihr mich denn erneut?" Mulder nickte nur leicht, strich ihr zärtlich über den Rücken und drückte sie dann auf das Laken zurück.
"Nein, kommt gar nicht in Frage." Scully begann zu lachen, entzog sich seiner Umarmung und begann sich anzuziehen. "He, ich hab dich doch nicht umsonst zum Bett getragen?" "Man kann nicht immer alles haben." "Was soll denn das heißen? Wo willst du denn jetzt hin?" Scully spazierte zur Tür. "Ich kann Nici doch mit ihrem Liebeskummer nicht so lange alleine lassen." "Wieso Liebeskummer?" "Sie hat sich unsterblich verliebt... in John Byers." "In Byers? Oh Gott, das ist ja schlimm. Und was ist mit mir, ich brauch dich doch auch? Dee, was soll das?" "Erstens, nenn mich nicht Dee, das darf nur Nici, und zweitens wird sie sich noch ihre tolle Figur ruinieren und fett werden, wenn sie weiterhin wegen Byers Schokoladeplätzchen in sich hineinstopft. Das kann ich doch nicht zulassen." "Aber wenn du jetzt gehst, dann brichst du mir das Herz, meine Fürstin." "Fürst Toronos hat kein Herz." "Du bist gemein." "Geduldet dich, mein edler Fürst. Wir können uns bald wieder treffen und daaann... " Scully legte ihre Arme um seinen Hals und gab ihm einen kleinen Kuss auf die Wange. Dann gingen sie gemeinsam aus dem Apartment. Scully verschwand in der Wohnung ihrer Freundin, als sich die Türen des Aufzugs schlossen.
7
7 7Queen Victoria’s Friedhof
"He, seht mal, da steht etwas auf der alten Friedhofsmauer!" Vier kleine Kinder spielten in der Allee nahe der Victoria’s Church und liefen um einen Blätterhaufen herum. Einer der Kinder hatte sich von ihnen entfernt und begann den anderen, was er entdeckt hatte, laut vorzulesen. Es war ein in die Friedhofsmauer eingravierter Kinderreim. "Das Feuer der Nacht, dein Böses entfacht. Dein Leben soll zuende gehen, Fürst Toronos wird auferstehen."
"Ah, was ist das!" "Die Erde bebt!" "Nichts wie weg hier!!!"
Ein kleiner Riss war in der Erde entstanden, neben einem Grabstein, auf welchem nur noch ein paar Buchstaben zu sehen waren. Verwittert ihr Antlitz, doch stand dort wahrhaftig TORONOS. Und aus dem winzigen Spalt im Boden ragten drei Finger, die sich in die Erde krallten, begleitet vom Kreischen einer winzigen Fledermaus, die auf der Mauer hing.
Fürsten der Nacht – The Legacy of Kings
Geschrieben Ende Sommer - Mitte Herbst 1998
T
he Legacy of Kingsout in the fields - the full moon is rising
enlightens the name on our shields - blessed with pride
steel on our side - we're horsemen of thunder
the ground starts to shake as we ride - side by side
stormbringer lead us into the unknown
on wings of glory we will carry on
legacy of kings - legacy of kings
forever to survive, we're
riding on the winds - riding on the winds
unchained and free, alive forever more
deep in the night - we circle around them
the honor compels us to fight - all for one
all hewed with steel - in the toil of battle
our enemies fate will reveal - and be sealed
the chill of the wind keeps on calling our names
there's no turning back now, keep hold of the flame
legacy of kings - legacy of kings
forever to survive, we're
riding on the winds - riding on the winds
unchained and free, alive forever
legacy of kings - legacy of kings
forever to survive, we're
riding on the winds - riding on the winds
unchained and free, alive forever more
now we are here - and there is nothing left to fear
the secrets of steel - the path of glory will reveal
legacy of kings - legacy of kings
forever to survive, we're
riding on the winds - riding on the winds
unchained and free, alive forever more