Titel: Einmal zu viel


Autorin:
Leni Blue


Kontakt:
Leni_Blue@web.de


Rating:
G


Kategorie:
MSR


Spoiler:
keine

 

Disclaimer: Muss ich das noch mal wiederholen? Nix meins!


Zusammenfassung:
Ein Abend alleine kann einmal zuviel sein...

Autorenbemerkung: Tja, ich danke einem wunderschönen Urlaub, der mir viel Inspiration geschenkt hat. Also Leute, macht Urlaub wann immer ihr Zeit habt. Die so genannte "kreative Langeweile" kann Wunder wirken!


Einmal zu viel


Scully schloss erleichtert die Augen als die sanften Gitarrentöne aus den Boxen tönten. Seufzend versuchte sie ihren schmerzenden Rücken zu ignorieren und sich ganz und gar auf ihre Entspannung zu konzentrieren.
Vielleicht ginge es leichter, wenn sie ihren Mantel zuerst ausziehen würde. Unwillig schüttelte Scully den Kopf und murmelte ein "einstimmig abgelehnt" vor sich hin.
Sie war zu nichts mehr fähig. Dieser Tag hatte ihr den Rest gegeben und jetzt auch noch ihre leere Wohnung ertragen zu müssen hielt sie kaum noch aus.
Die Musik erleichterte ihre Einsamkeit vielleicht um zwei hundertstel.
"If you’re ugly, I’m ugly, too. In your eyes the sky has a different blue. If you could see yourself like others do.", sang Scully leise mit, "You’d wish you’d be as beautiful as you."
Und was nun, fragte sie sich. Sollte sie das tun, was sie immer nach einem anstrengenden Tag tat? Ein Schaumbad, ein kleines Glas Wein und ein schönes Buch? Die Agentin schüttelte den Kopf. Das brachte doch alles nichts mehr.
Wie wär’s mit einem charmanten Mann, zwei Gläsern Wein gemeinsam und einer wundervollen Unterhaltung während man miteinander kuschelt?
Scully lächelte in sich hinein. Sie wollte es sich immer noch nicht eingestehen, dass sie sich einsam fühlte. Aber wenn sie schon einmal dabei war sich selbst und ihre Wünsche in Frage zu stellen... warum nicht?
Wie wäre es denn, wenn der Mann mit dem sie den Abend verbringen würde, sie erst überraschte? Und sie dann mit gezielten Sprüchen zum Lachen brächte, weil er genau wüsste, was sie in einem solchen Moment brauchte.
Scully schloss ein weiteres Mal die Augen.
Wie wäre es, wenn er sie sanft in die Arme nähme und sie hin und her wiegte, sodass sie sich wunderbar geborgen fühlte und seinen zärtlichen Worten zuhören konnte?
Wie wäre es, wenn Mulder all das täte und jetzt klopfte um sie genauso zu überraschen, wie sie es sich vorgestellt hatte und sie sich an diesem Abend endlich näher kamen.
Erschrocken riss Scully die Augen auf. Da hatte sie sich doch glatt wieder erwischt!
Sie wollte doch nicht an ihn denken! Als ob er nicht oft genug bei ihr wäre... Tagsüber und in ihren Gedanken! Dabei wollte sie ihn doch jetzt, hier.
Scully appellierte verzweifelt an ihren klaren Verstand, aber der ließ sie in diesem Moment im Stich.
Der Abend konnte ja heiter werden. Noch einmal aus tiefen Herzen seufzend schnappte sie sich ein Kissen und drückte es fest an sich.
Ganz ruhig Dana! Du bist doch ein erwachsenes Mädchen. Das bisschen Kummer wirst du doch noch überstehen.
Aber es war nicht das bisschen Kummer, das sie glaubte überwältigen zu müssen, das ihr zu schaffen machte. Die Wunden waren viel größer, gingen viel tiefer als sie jemals eingestehen wollte.
Scully kniff die Augen zu! Nein! Der Schmerz sollte verschwinden. Sie ertrug dieses unwohle, dunkle Gefühl nicht mehr! Warum hörte es denn nicht auf! Warum kam Mulder nicht, um sie zu trösten? Warum war er immer da, nur nicht an diesem Abend, wo sie ihn doch so brauchte. Zu zweit war die Einsamkeit viel leichter zu ertragen.
Auf einmal verschwand ihr plötzlicher Anfall von Verzweiflung und sie konnte sich halbwegs wieder konzentrieren.
Unruhig stand sie auf und ging in die Küche. Sie brauchte jetzt erst einmal etwas Beruhigendes.
Nachdenklich schaute sie sich um. Dann machte sie nacheinander die Schränke auf, fand aber nichts, das sie halbwegs zufrieden stellte.
Anschließend war der Kühlschrank dran. Gemüse aller Art und Halbfettjoghurts lachten sie an. Aber die würden nicht den gewünschten Effekt haben.
Scullys Blick blieb an der Milch hängen. Und auf einmal erinnerte sie sich an ein bestimmtes Gefühl, dass sie irgendwann einmal bekommen hatte, als sie Kakao trank. Das war es jetzt, was sie brauchte.
Hektisch und sich voll auf diese Sache konzentrierend, damit sie an nichts anderes dachte, durchwühlte sie die Schränke ein weiteres Mal. Bald darauf wurde sie auch fündig.
Zwei Minuten später saß sie immer noch unruhig am Küchentisch und trank ihren Kakao.
Woher dieses Gefühl wohl kam?
Scully trank einen Schluck.
Ihr Zimmer!
Scully ließ den schokoladigen Geschmack auf sich wirken.
Die Treppe hinunter zur Küche!
Jetzt wusste sie es. Als sie noch klein war und nicht schlafen konnte, hatte ihre Mom ihr immer noch einen Kakao gemacht, damit sie ruhiger wurde. Und dabei ging es nicht so um das Getränk, sondern eher um die liebevolle Zubereitung!
Irritiert nahm Scully einen weiteren Schluck. Über was machte sie sich da eigentlich Gedanken?
Sie schloss die Augen und ließ die Ruhe auf sich wirken. Ihre Gedanke schweiften schon wieder zu Mulder. Verflucht! Ihre Beziehung war doch so viel mehr als nur die Sehnsucht nach dem anderen. Wie viel hatten sie denn schon durchgemacht? Mehr als sie jemals sagen oder beschreiben könnte. Sie dachte an die Momente an denen sie sich näher waren als jegliche körperliche Nähe es ersetzen könnte. In denen sie ein Adrenalinstoß durchfuhr, weil sie sich wieder ihrer Vertrautheit mit Mulder bewusst wurde und bemerkte, wie sehr sie dieses Vertrauen mit Sicherheit, Stolz und auch Liebe erfüllte.
Warum musste sie in so etwas Kompliziertes reinstolpern? Es war das beste, das ihr jemals passiert war.
MULDER war das beste, das ihr jemals passiert war.
Aber warum musste sie es so kompliziert machen? War es das denn?
Scully seufzte. Sie ahnte, dass es wieder einmal eine lange einsame Nacht voller unbeantworteter Fragen, Vorwürfen und Sehnsüchten werden würde.
Was Mulder wohl machte?
 
Es liegt in der menschlichen Natur, Erklärungen für Dinge zu finden und zu kategorisieren, zu bestimmen, ihnen Namen zu geben und sie in eine Schublade zu stecken.
Es gibt Sicherheit zu glauben, etwas zu wissen.
Ich weiß, dass ich nichts weiß sagte Sokrates. Das ist wahr und klingt nebenbei noch wahnsinnig philosophisch.
Der Spruch hat schon was.
Aber dieses Wissen bringt uns auch nicht weiter, denn unser Bewusstsein treibt uns weiter, Erklärungen zu finden, Schemen und Tabellen aufzustellen bis wir es eines Tages satt haben werden.
Und ist dieser Satz nicht der beste Beweis dafür, dass wir einen Grund suchen, warum wir nicht auf alles Antworten finden, was wir wissen wollen?
Ich bin es auf jeden Fall schon heute Abend satt nach dem Warum zu fragen. Für die nächste Zeit zumindest.
Warum sich zwei Menschen ganz ohne Vorahnungen begegnen, es für das alltäglichste halten und sich daraus, aus diesem großen Misstrauen später, mit Hilfe von viel Zeit, ein noch viel größeres Vertrauen entwickelt.
Wenn man einen Menschen so sehr liebt, dass man Angst hat ihn zu lieben und ihn dann zu verlieren und dann auch noch bei dem bloßen Gedanken daran, dass er nicht mehr da sein könnte wahnsinnig verzweifelt, dann grenzt das an etwas, das man nicht erklären, nicht bestimmen, ja, noch nicht einmal erfassen kann.
Es geht einfach nicht. Und das heißt, man sollte es hinnehmen und aufhören nach dem Warum zu fragen.
Diese grenzenlose Liebe habe ich selbst noch nie empfunden. Meine Familie ging mit dem Verschwinden meiner Schwester zu Bruch und ich kam mit der Liebe nie besonders in Verbindung.
Vor ziemlich langer Zeit - es kommt mir wie ein Leben vor - sollte ich während meines Psychologiestudiums eine Arbeit über die Liebe schreiben.
Und zwar über die, die keine Bedingungen an irgendwas stellte, die großes Vertrauen und große Nähe als Vorraussetzung hielt.
Ausgerechnet ich!
Ich meine, ich habe diese grenzenlose Liebe, von der manchmal die Rede ist, nie mitbekommen.
Ich interviewte ein paar ältere Kinder oder Jugendliche, da ich diese Liebe am ehesten zwischen Mutter und Kind vermutete. Die meisten schnauzten mich an, was für Monster ihre Eltern doch seien; keiner wollte zugeben wie sehr sie ihre Eltern doch irgendwo in ihnen drinnen liebten.
Und dann kam dieses eine Mädchen, stellte sich vor mich hin und erzählte mir von ihrer wundervollen Mutter, die zwar genug Dinge sagte, die sie in Frage stellte, aber sie hatte ihre Mom so unglaublich lieb, dass sie wahnsinnige Angst davor habe, sie gehen zu sehen.
"Die Vollkommenheit ist ein Hirngespenst der Menschen. Wahre Vollkommenheit liegt in der Unvollkommenheit.", sagte das Mädchen und beschrieb noch weiter ihre Gedanken.
Dieses Gefühl und diese Angst hatte ich bis dahin nur bei Kleinkindern beobachtet, deren Eltern für einen Abend ausgehen wollten und einfach nicht von ihrem kleinen Schützling loskamen, weil er nicht aufhörte zu zetern.
Und was mir in diesem Moment, bei diesem Mädchen klar wurde, wird mir jetzt ein zweites Mal klar:
Diese Liebe hat nichts mit Abhängigkeit im negativen Sinne zu tun, wie ich zuerst vermutete. So in der Art "Muttersöhnchen". Es war eine so kraftspendende Abhängigkeit, ein so festes Band, das nur nicht mehr eingegangen wurde aus Angst verletzt zu werden.
Und es war etwas Großartiges zu sehen, dass dieses junge Mädchen diese an ihrem eigenen Leib erfuhr, und dass sie es zu schätzen wusste.
Ich studierte also diese Verhaltensweisen und der einzige Punkt, den ich nicht aufklären konnte war ob es auch bei nicht verwandten Menschen so eine tiefe Bindung gab.
Tja, und heute Nacht ist mir die Lösung eingefallen. Das heißt, sie war mir schon immer klar, aber genau dort liegt der Punkt.
Die Menschen sind nicht mehr bereit in jeglicher Form diese Verbindung einzugehen. Ob nun verwandt oder nicht. Und ich erlebe diese Liebe nun zum ersten Mal in meinem Leben und merke gar nicht, wie mir geschieht.
Ich weiß schon lange, dass ich Dana Scully liebe. Ich müsste auch völlig verquert und blind sein, hätte ich es noch nicht bemerkt.
Aber heute Nacht, in einer einsamen Nacht wie jede andere, wurde mir doch bewusst, was diese Liebe bedeutet:
Und zwar mich auf etwas einzulassen, das ich nicht kannte. Nicht meinen Verstand benutzen, ihn abschalten, ihm jegliche Versuche es zu erklären verbieten und mich voll und ganz darauf einlassen. Was für ein Sprung ins Ungewisse!
Aber ich will diesen Sprung wagen. Heute!
Und dennoch, nach all diesen Überlegungen und der Feststellung, dass wir Menschen zu oft nach dem Warum fragen, frage ich mich wieder.
Warum stehe ich jetzt hier vor Dana Scullys Haus und schaue zu ihrem Fenster hinauf mit meinem Koffer in der Hand.
War diese einsame Nacht etwa Nacht zuviel?
 
Der Kakao war göttlich. Er half Scully wirklich sehr, sich wieder zu entspannen. Es kam sogar soweit, dass sie es in Erwägung zog ihren Mantel auszuziehen. Aber sie schaffte es doch nicht, sich zu überwinden.
Angestrengt versuchte sie nun das Wort Einsamkeit zu definieren. Sie hatte sich an die Einsamkeit gewöhnt, ihr war aber nie aufgefallen, wie sehr sie an ihren Nerven, ihrer Kraft und an ihrem Lächeln zog. Einsamkeit war etwas Schreckliches für jedermann, auch wenn er es nicht zugeben wollte.
Der Mensch war nicht dazu geschaffen ein Einzelgänger zu sein. Er brauchte jemanden, dem er sich mitteilen konnte.
Was war denn eigentlich mit ihrer Mutter? Scully seufzte wieder.
Der konnte sie leider schon lange nicht mehr alles erzählen, was in ihr vorging.
Scully, Dana Scully, die einmal so viele Träume vom Leben hatte, die immer nachgedacht, aber auch immer gelacht hatte; Dana Scully, die die Familie erhellte, die der Spaßvogel der Familie war... diese Dana Scully war tot.
Vielleicht nicht vollends begraben, sie hatte ihr Stübchen in der hintersten Ecke ihres Herzen, aber immerhin soweit von der Bildfläche verschwunden, dass Scully sich kaum noch wieder erkannte.
Und das seit Jahren.
Ach, zum Teufel mit diesen Gedanken. Menschen verändern sich nunmal. Da kann man nichts machen.
Mulder hatte einmal gesagt, dass Menschen sich vielleicht von außen veränderten, reifer wurden, aber im Wesen gleich blieben. Scully wünschte sich so sehr, dass das wahr war, und dass sie eines Tages wieder ohne Sorgen leben könnte.
Vielleicht war das ja möglich. Vielleicht. Eines Tages. Mit Mulder zusammen.
Das war ihr neuer Traum.
 
Mein einziger Wunsch heute Nacht ist es ihr zu sagen.
Ihr zu sagen, dass ich verloren wäre, wenn sie nicht da wäre.
Dass sie das Beste ist, das mir jemals passiert ist.
Dass ich sie respektiere, bewundere, liebe.
Dass es aber keinesfalls normal zwischen uns ist oder sein wird.
Dass ich mit ihr hier weg will. Wenigstens für einige Zeit, damit wir uns über einige Sachen klar werden können.
Dass ich mit ihr ans Ende der Welt und noch viel weiter möchte.
Dass ich alles tun werde, damit sie mit mir kommt und, damit wir niemals mehr allein sein müssen...
Wenn ich doch nur die Worte fände.
Langsam gehe ich die Treppenstufen zu ihrer Wohnung hoch. Vielleicht zu langsam, aber in mir kommt geradeso ein unglaubliches Glücksgefühl hoch. So als ob ich schweben würde.
Ich bin immer glücklich, wenn ich in ihrer Nähe bin, aber ich hatte noch nie dieses Gefühl von heute. Es ist viel intensiver als alles andere, das ich je gespürt habe.
Ich bin vor ihrer Tür und stelle den Koffer ab. Ich weiß gar nicht warum ich ihn mitgenommen habe. Vielleicht als Symbol. Als Zeichen, dass ich es ernst meine. Sehr ernst.
Ich muss jetzt klopfen. Mulder! Du musst es tun. Ich spüre, wie sich meine Mundwinkel zu einem Lächeln verziehen. Und es ist ein wunderbares Gefühl. Ein so wunderbares Gefühl!
 
Scully schrak auf, als es an der Tür klopfte.
Wer das wohl war?
Dumme Frage. Es konnte nur einer um diese Zeit sein.
Trotzdem misstrauisch ging sie zur Tür und lugte durch den Türgucker.
Als sie Mulder erblickte, konnte sie sich kaum halten vor Glück. Er war gekommen. Er war gekommen um sie von ihrer Einsamkeit zu befreien.
Mein Gott! Jetzt wurde sie schon sentimental!
Etwas zu stürmisch riss sie die Tür auf und besann sich dann augenblicklich wieder. Das Wort PARTNER huschte kurz durch ihre Gedanken.
Aber die Freude ihn zu sehen überwog.
Scully lächelte leicht verlegen.
"Mulder! Was machen Sie denn noch hier?", fragte sie wie immer, wenn er noch spät vorbeischaute. Doch dann bemerkte sie, dass irgendetwas anders an diesem Abend, in dieser Nacht war.
Sein Blick war tausendmal intensiver, konzentrierter und doch glücklicher als sie je zuvor bei ihm gesehen hatte. Sein Haltung signalisierte Bereitschaft für irgendetwas und das Lächeln auf seinem Gesicht schien geheimnisvoll und ansteckend.
"Darf ich reinkommen?", flüsterte Mulder, ihre Frage ignorierend.
Scully nickte genauso unbeholfen, wie vorher ihr Lächeln ausgesehen hatte.
"Klar", hauchte sie.
Erst als Mulder an ihr vorbeiging bemerkte Scully den Koffer. Schockiert blickte sie Mulder an, sagte aber nichts. Sie wartete auf eine Erklärung.
Mulder ließ sich Zeit.
Er setzte den Koffer ab und betrachtete seine Partnerin, die Frau, die er so abgöttisch liebte.
"Scully!", rief er leise und mit einem Grinsen auf den Lippen aus.
"Sie haben ja immer noch ihren Mantel an. Sind Sie etwa gerade erst nach Hause gekommen?"
Scully suchte nach einer Ausrede, entschloss sich dann aber doch für die Wahrheit.
"Ich...", sie zögerte, "ich war irgendwie zu müde... vielleicht auch zu faul. Was soll der Koffer?", fragte sie nun doch leicht ängstlich.
Mulder schaute hinab, als hätte er den Koffer schon vergessen.
"Nun ja, er ist der Grund, warum ich hier bin. Indirekt.", setzte er zu einer Erklärung an. Das war doch irgendwie schwerer als er gedacht hätte.
Scully sagte nichts. Sie spürte, dass sie Mulder das Feld überlassen musste, dass sie diesmal nichts erraten konnte, dass sie dieses Mal nicht schon vorher wusste, was Mulder ihr sagen wollte.
"Ich habe heute Abend viel nachgedacht. So wie eigentlich an jedem Abend, den ich alleine in meiner dunklen, unaufgeräumten Wohnung sitze und dahinvegetiere.", er lachte kurz, "und ich habe mich gefragt ob nicht der einzige Unterschied zwischen uns beiden der ist, dass ihre Wohnung im Gegensatz zu meiner aufgeräumt ist."
Scully lächelte nun auch. Er ahnte ja gar nicht wie Recht er hatte.
Mulder kam einen Schritt näher.
"Wir haben nie viele Worte gebraucht um uns zu verstehen, nur heute Abend habe ich Angst, dass das nicht der Fall sein wird."
Amüsiert betrachtete er, wie seine Partnerin immer verwirrter dreinschaute.
"Ich möchte weg Scully!", platzte es auf einmal aus Mulder heraus und es war leichter als er gedacht hatte.
Bevor Scully etwas sagen konnte, umrahmte er ihr Gesicht mit seinen Händen, schaute sie eindringlich an und kam Scully ihrer Meinung nach viel zu nahe.
"Nicht für immer, das könnte ich nicht machen auch wenn ich wollte. Aber für die nächste Zeit. So lange, wie ich brauche um mir über viele Dinge klar zu werden."
Scully setzte zu einer Frage an, aber Mulder legte ihr seinen Daumen sanft auf die Lippen.
"Und ich möchte, dass du mit mitkommst. Denn ich glaube nicht, dass ich Entscheidungen fällen kann, die uns beide betreffen ohne dich dabei zu haben. Das wäre doch unfair, oder?"
Scully versuchte verzweifelt in seinen Augen zu erkennen, was in ihm vorging, aber sie blieben geheimnisvoll und sie verstand noch nicht so ganz.
"Weg? Aber erlaubt Skinner das denn? Und was machen die X-Akten und überhaupt alles", ihr Protest war kaum lauter als ein Flüstern, "wir können doch nicht einfach so weg!"
Mulder lächelte, schüttelte den Kopf und streichelte immer wieder mit seinem Daumen über ihre Wange.
"Ich muss dir soviel sagen und ich werde vielleicht nie die richtigen Worte finden, es überkam mich heute so, aber lass mich dir zeigen, bitte lass mich dir zeigen, wie sehr ich dich brauche. Weit weg von hier."
Scully kippte fast um. So überrascht und überrumpelt hatte sie sich noch nie gefühlt.
Ihr wurde leicht schwindelig und schwarz vor den Augen. Aber es war auch etwas unglaublich Sinnvolles an Mulders Vorschlag. Es klang so einleuchtend, so traumhaft schön, obwohl es so überraschend und spontan kam.
Als Mulder merkte, dass Scully schon wieder zu etwas ansetzte, fing er ihre Worte mit seinen Lippen ab und Scully vergaß unter seinem unglaublich zärtlichem Kuss, was sie gerade gedacht hatte oder sagen wollte.
Als sie sich voneinander lösten, hatte Mulder wieder dieses unglaublich glückliche Lächeln auf den Lippen.
"Lass uns aufhören zu fragen! Suchen wir lieber nach den Antworten!"
Und dann begriff Scully! Dann las sie in Mulders Augen genau das, was sie die ganze Zeit fühlte. Es war schon viel zu viel gesprochen worden. Jetzt war es Zeit für eine ernsthafte Veränderung.
Auf einmal nickte sie entschlossen und umarmte Mulder ganz fest. Der war wie verzaubert von Scullys Reaktion, von dem Glanz in ihren Augen und ihrem Lächeln. Er hatte sich nicht getäuscht.
Mulder hielt Scully so fest in seinen Arme, wie er es noch nie getan hatte.
Auf einmal löste sich Scully aus seiner Umarmung und seufzte seelig.
"Ich packe nur schnell meine Sachen."
 
Die Straße war endlos lang. Sie war ihr Vertrauter und ihr Leiter.
Scully und Mulder brauchten nicht mehr zu sprechen. Ihre Gedanken waren seit dem Kuss eins. Beide hatten keine Ahnung wohin ihre Reise gehen würde. Sie waren einfach losgefahren.
Unter viel Gelächter hatten sie sich entschieden ob sie nun rechts, links oder geradeaus fahren sollten, sie hatten ausgelost oder waren ihrem Gefühl gefolgt.
Sie hatten nur diese Nacht um an ihr Ziel zu gelangen. Das spürten beide. Und es war gut so.
Fast die ganze Fahrt über hielten sie sich an den Händen, denn ab nun würden sie zusammen alle Wege gehen, die es zu gehen galt..
Als fast schon der Morgen anbrach, drückte Scully Mulders Hand auf einmal fester und er verstand warum. Hier war es.
Ruhig lenkte er den Wagen den Berg hinab in ein kleines Tal, das in eine noch kleinere Bucht mündete.
Hie und da standen ein paar Häuser oder Wohnwagen., aber jedesmal so abgeschirmt, dass man sie kaum wahrnahm.
Scullys Augen leuchteten und sie lächelte Mulder an.
"Hier ist es richtig!"
 
Der Zufall hatte sie an die Küste gelotst und vor ihnen erstreckte sich die endlose Weite des Pazifischen Ozeans.
Ein kleiner Hafen lag ruhig schlafend etwas abseits der Bucht.
Scully hatte gar nicht gewusst, dass so etwas an der Küste Amerikas existierte.
Und sie spürte, dass es Mulder genauso ging.
Hand in Hand gingen sie auf den Strand zu, der vom Licht der aufgehenden Sonne erleuchtet wurde.
Hier war ein Haus zu vermieten. Wie für sie gemacht! Wie in einem Traum, der niemals aufhören sollte.
Scully befreite sich von Mulders Hand und ließ sich in den Sand plumpsen. Das bloße Glück der beiden ließ sich mit Händen greifen.
Mulder setzte sich zu ihr und sie kuschelte sich an ihn.
Wie in meinen Vorstellungen, fiel es Scully auf einmal wieder ein... Na ja, mit ein paar kleinen Abwandlungen. Bei dem Gedanken musste sie lächeln.
Sie saßen lange dort aneinandergeschmiegt und sahen dem Sonnenaufgang zu.
"Da geht sie dahin, die Nacht.", flüsterte Mulder in Scullys Ohr und Scully musste lachen und Mulder lachte leise mit.
Wer hätte das am vorherigen Abend gedacht? Alles war so unerwartet passiert. Sie hätte es noch nicht einmal zu träumen gewagt.
"Ist das wirklich wahr? Sitze ich wirklich hier mit dir, an diesem kleinen Strand und bin einfach mit dir durchgebrannt?"
Beide mussten noch mehr lachen und Mulder kam wieder ganz nah an ihr Ohr heran.
"Es muss wohl wahr sein.", er zögerte. Jetzt kam der letzte Schritt. Er musste sich darauf einlassen!
"Es ist so kitschig, wie in einem schlechten Film, aber irgendwie muss es wahr sein... sonst könnte ich dir jetzt nicht sagen, wie sehr ich dich liebe."
Erwartungsvolle Stille lag zwischen ihnen und die Spannung fiel erst von Mulder als er merkte, dass Scully lächelte.
Sie drehte sich zu Mulder herum, schlang einen Arm um seinen Nacken und strahlte ihn an.
"Dito", hauchte sie noch bevor sich ihre Lippen trafen. Dieses Mal sicherer als vorher, leidenschaftlicher und sehnsuchtsvoller.
Sie hatten ihr Ziel gefunden.
 
Früher oder später würden sie zurückkommen und sich die Standpauke von Skinner anhören. Scullys Mutter würde vor Sorge fast umgekommen sein und Mulders Fische... an die denken wir jetzt lieber nicht.
Aber eines wussten die beiden eng verschlungenen Gestalten dort am Strand. Keine einsamen Nächte mehr, keine sinnlosen Fragen.
Sie hatten die Antworten alle schon gefunden.
Die beiden haben sieben oder acht Jahre zusammen gearbeitet und es ist nie etwas ähnliches passiert.
Wie es dazu kam?
Tja... manchmal ist einmal eben einmal zu viel!


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Ich weiß, ich bin ein hoffnungsloser Romantiker, aber ich konnte es nicht lassen und wie jeder andere Autor wünsche ich mir natürlich nichts Sehnlicheres als Feedback. Sei es auch nur ein Satz.
Auf die Story bin ich gekommen als ich darüber nachgedacht habe, was Mulder und Scully nach all den Jahren, all den Gefahren und so weiter denn dazu bringen könnte den entscheidenden Schritt zu tun. Und ich dachte mir einfach... irgendwann hat jeder etwas satt und möchte eine Veränderung. So, wie meine Freundin Daja, die sich nach vielen Jahren ihre langen Haare (etwas länger als bis zu den Schultern) hat abschneiden lassen. Und zwar auf vielleicht drei Zentimeter. Das ist nicht nur Mut, sondern auch Lust auf Veränderungen. Das tut jedem mal gut!


Anmerkung der Betaleserin:
*grins* Ist doch mal was anderes. Gefällt mir irgendwie. Kurz und gut. Klein, aber fein. Ja, ja. Die liebe Leni Blue ist wirklich hoffnungslos den Happy-Ends verfallen. Ein paar interessante Gedankengänge sind auch drin. Also kann ich mich nicht beklagen. Kompliment!
Daja