Titel: Die Geiselnahme (März 2002)
Autor: Trahnfisch
Kontakt: Trahnfisch@gmx.de
Beta: spookydogstar
Spoiler: Todestrieb, Böses Blut
Rating: NC 17 aufgrund von Gewalt und gewisser sexueller Handlungen
Kategorie: MSR, gaaanz viel Angst, Scullytortour
Short Cut: Eine Flugzeugentführung kostet Scully fast das Leben...
Disclaimer: Alle Rechte liegen bei CC, 1013, ...



Die Geiselnahme

Special Agent Dana Scully blätterte entspannt in der auf ihrem Schoß liegenden Akte. Sie war auf dem Weg von Washington D.C. nach Helena, um von dort aus mit einem Mietwagen in einen kleinen Ort weiterzufahren, wo ihr Partner schon auf sie warten würde. Sie erinnerte sich an das Leuchten in seinen Augen, als er ihr am Tag zuvor die Akte über den Schreibtisch hinweg gereicht hatte.

"Was ist das?" hatte sie gefragt und dabei gemerkt, wie sich eine Augenbraue langsam zu ihrem Haaransatz hoch schob.

"In einem kleinen Ort bei Helena sind in den letzten zwei Wochen mehrere Menschen tot aufgefunden worden." bekam sie als Antwort von ihm zu hören. Sie sah ihn immer noch fragend an.

"Da ist noch etwas, oder?" hatte sie nachgehakt und war innerlich schon einmal auf die nächste Ausführung von Außerirdischen gewappnet.

"Die Leichen wiesen alle zwei kleine Male am Hals auf und waren vollkommen blutleer." Mulder starrte zu Boden.

"Seit wann saugen Außerirdische ihre Testpersonen aus?" äußerte sie trocken.

"Scully, kommen sie schon! Wer hat was von Außerirdischen gesagt, hmm?" erwiderte Mulder und sein Kopf schoß nach oben. Wie immer, wenn sie im Büro waren, siezte er sie.

Sie grinste als sie an seinen gespielt verletzten Gesichtsausdruck dachte.

"Also, was glauben sie denn was es ist?" fragte sie während sie ihn dabei leicht anlächelte.

"Ich denke sie wissen genau, was ich glaube. Wir werden auf jeden Fall dort hinfliegen. Unser Flieger geht in zwei Stunden." beantwortete er ihre Frage und Scully konnte erkennen, dass das Leuchten in seine Augen zurückgekehrt war.

"Mulder, ich kann heute nicht. Meine Mom hat Geburtstag. Sie bringt mich um, wenn ich dieses Mal nicht erscheine!" sagte Scully und sah ihn erschrocken an. In diesem Moment wusste sie genau, was er dachte. Er Ohrfeigte sich dafür, Maggies Geburtstag vergessen zu haben. Ihre Augen sandten ihm eine stumme Nachricht rüber, wie sie es im Büro immer taten und sein nächster Satz zeigte ihr, dass er sie verstanden hatte.

"Also gut, ich werde alleine fliegen. Sie können ja morgen früh mit der ersten Maschine nachkommen. Ist das in Ordnung?" Mulder blickte in ihre Augen. Sie nickte leicht.

"Aber bitte versprechen sie mir, dass sie nicht mit Holzpflöcken auf irgend jemanden losgehen. Warten sie bis ich da bin, bevor sie irgend etwas unternehmen." lächelte sie und entlockte ihm damit ein gequältes Schmunzeln.

"Also gut, ich verspreche es. Ich mache keine Dummheiten." meinte er und verließ schließlich das Büro, um sein Flugzeug noch zu bekommen.

Jetzt war es fünf Uhr früh und sie saß schon seit drei Stunden in der Maschine. Natürlich hatte sie nicht das erste Flugzeug am nächsten Morgen genommen, sondern den nächsten Flug, der überhaupt startete. Und das war um zwei Uhr in der Nacht gewesen. Sie blickte wieder in die Akte und sah die Autopsieberichte durch.

Müde strich sie sich einige Haarsträhnen hinter ihr Ohr und fuhr sich mit der Hand durch das Gesicht.

Was hatte es nur wieder mit diesem Fall auf sich?

Eine laute, männliche Stimme riß sie aus ihren Überlegungen.

"Achtung, Achtung! Wir haben diese Maschine in unsere Gewalt gebracht. Verhalten sie sich ruhig, dann wird ihnen nichts passieren. Andernfalls werden wir nicht zögern, von unseren Waffen Gebrauch zu machen."

Ein Schrei ging durch die Kabine und Scully hob erschrocken den Blick. Sie fröstelte und eine Gänsehaut bildete sich auf ihrem Körper. Ihr Verstand raste und suchte bereits nach einer Möglichkeit aus dieser Situation heraus zu kommen. Langsam lehnte sie sich über ihren, im Gesicht grau gewordenen, Sitznachbarn hinweg, um etwas sehen zu können.

"Zwei meiner Leute werden nun rumgehen, um ihre Brieftaschen und ihren Schmuck einzusammeln. Wenn sie Schwierigkeiten machen, werden die Männer nicht lange fackeln und schießen." Die Stimme des Mannes klang kalt und er hatte einen leichten Akzent. Ein schwarz-weiß gemustertes Tuch verdeckte sein Gesicht bis auf einen kleinen Spalt für die Augen. Er war groß und hielt eine Maschinenpistole in der Hand, während sein Blick durchdringend über die Passagiere glitt. Scully war sich sicher, dass er nicht nur leere Drohungen aussprach und so tat sie einfach, was der Mann gesagt hatte und legte ihre Brieftasche und ihre Uhr in den Beutel, den ihr eine ebenfalls verschleierte Person hinhielt.

"Die Kette!" forderte der Mann und deutete mit seiner Waffe auf ihr Kreuz. Unwillkürlich fuhr ihre Hand zu ihrem Hals und sie blickte den Entführer an.

"Nein, bitte, nicht die Kette." sagte sie ruhig.

"Nun mach schon!" schrie er und sie zuckte zusammen und griff schließlich langsam in ihren Nacken um den Verschluss zu lösen. Sie schloss die Augen, als sie die goldene Kette ebenfalls in den Beutel legte.

"Geht doch!" erwiderte der Mann und sie konnte an seiner Stimme hören, wie er selbstgefällig grinste.

****

"Mehmet, bring die Beutel hier rüber. Ich möchte einen Blick hinein werfen." verlangte der Mann, der eben zu den Passagieren gesprochen hatte. Offensichtlich war er der Kopf dieser Gruppe.

Der Angesprochene reagierte sofort und brachte die beiden Plastiksäcke hinter den Vorhang und kippte deren Inhalt auf der Arbeitsplatte aus, die sich dort befand.

"Hier, bitte sehr, Hassan." sagte Mehmet und der verschleierte Mann trat näher. Sorgfältig blickte er alle Brieftaschen durch, entfernte das Geld und sah sich die Personalausweise an. An Scullys blieb sein Blick hängen.

"Sieh mal einer an, wen wir hier haben!" murmelte er und winkte Mehmet zu sich.

Er warf ihm den Ausweis zu und meinte

"Kannst du dich an das Gesicht erinnern?"

Der Gefragte nickte leicht.

"Ich bin mir sicher, sie schon mal gesehen zu haben, aber ich weiß nicht mehr wo." sagte er und blickte seinen Anführer an.

"Auf einem Foto an der Zellenwand von Pfaster! Das ist die kleine Agentin, auf die er so scharf war. Sie hat ihn ins Gefängnis gebracht." erinnerte Hassan ihn.

"Richtig. Das heißt wir haben hier eine FBI-Agentin mit an Bord. Scheiße! Aber sie war nicht alleine auf dem Foto. Ihr Partner war auch mit darauf." meinte Mehmet.

Hassan sah auch noch die restlichen Ausweise durch.

"Ihr Partner scheint nicht mit an Bord zu sein. Bring sie her, bevor sie ihre Waffe rausholt und noch die ganze Mission gefährdet. Wir werden uns etwas für sie einfallen lassen" kommandierte Hassan und der andere Mann setzte sich sofort in Bewegung, um den Befehl auszuführen.

****

Die Passagiere hatten sich wieder beruhigt. Nur einige Kinder konnte man noch leise schluchzen hören und die Eltern versuchten verzweifelt, sie wieder zu beruhigen. Sie hatten alle widerspruchslos ihre Brieftaschen und ihren Schmuck an die Entführer abgegeben und die Männer hatten sich in den vorderen Teil der Kabine zurückgezogen. Zwei Männer standen im Mittelgang, ihre Maschinenpistolen schussbereit in der Hand und passten auf sie auf. Scully bewegte ihre rechte Hand langsam unter ihr Jackett und tastete nach ihrer Waffe. Sie zog sie vorsichtig hervor und wollte sie gerade in den Beutel legen, der an der Rückenlehne des Vordersitzes angebracht war, als ein Schatten auf sie fiel.

"Keine Bewegung, oder sie sind tot, noch ehe sie einmal geblinzelt haben!" fuhr sie eine scharfe Stimme an. Langsam zog sie ihre Hand zurück und blickte auf und direkt in den Lauf der Maschinenpistole die auf sie zielte. Mehmet griff über ihren Sitznachbarn hinweg in ihre Haare und zog sie hoch. Ein leiser Schrei entfuhr ihr. Ihr Sitznachbar zog erschrocken die Luft in die Lungen und machte sich in seinem Sessel ganz klein.

"Lassen sie sie in Ruhe!" flehte er, doch der Terrorist schlug mit seiner Waffe gegen seine Schläfe und der Mann sackte Bewusstlos in sich zusammen. Scully biss die Zähne zusammen und sah den Terroristen mit einem eisigen Blick an. Wut kochte in ihrem Inneren.

Der Verschleierte griff nach ihrer Waffe und nahm diese an sich. Dann zog er sie aus der Sitzreihe in den Mittelgang und schlug ihr dort mit dem Griff der Maschinenpistole in den Magen. Stöhnend ging sie in die Knie, wurde jedoch direkt wieder an ihren Haaren auf die Füße gezogen. Er drehte sie um, so dass er nun hinter ihr stand und begann damit, sie langsam abzutasten. Er fuhr über ihre Taille und an ihren Beinen entlang, um an der Innenseite ihrer Schenkel wieder mit seiner Hand nach oben zu gleiten, wobei er ihre Beine mit seinen Füßen leicht spreizte. Scully spürte, wie ihr Herz stark gegen ihre Rippen schlug und sich langsam ein kalter Schweißfilm auf ihrem Körper bildete. Der Mann ließ seine Hand nun über ihren Bauch zu ihren Brüsten gleiten und rieb diese hart und brutal. Sie schloss die Augen und schluckte trocken.

Mit einem Ruck riss er sie herum und grabschte unter ihr Jackett. Schon bald zog er ihren FBI-Ausweis hervor und blinzelte sie wissend und grausam an, ohne jedoch einen Blick hinein zu werfen.

"Ich fürchte, Agent Scully, sie haben den falschen Flug genommen. Und jetzt umdrehen, sie gehen vor. Die Hände in den Nacken, sie kennen das ja, ich will sie sehen." Seine Stimme war von einem leisen, bedrohlichen Flüstern zu einem lauten Befehl geworden und sie drehte sich wortlos um und tat was er verlangte. Langsam faltete sie ihre Hände in ihrem Nacken und setzte sich dann in Bewegung, vorbei an den anderen Passagieren, die entsetzt miteinander flüsterten.

Als sie vorne angekommen waren, trat Hassan hinter dem Vorhang hervor und blinzelte sie mit kalten Augen an.

"Sie wollte gerade ihre Waffe verstecken" sagte Mehmet und schubste sie den letzen Schritt auf seinen Anführer zu, nachdem er ihm die Waffe zugeworfen hatte. Scully landete vor dem Mann auf den Knien, ihre Hände immer noch im Nacken verschränkt.

"So? Was hatten sie denn vor, Agent Scully? Wollten sie eine günstige Gelegenheit nutzen?" Die Stimme des Mannes vor ihr war eiskalt und messerscharf. Sie antwortete nicht, was hätte sie auch schon sagen können. Schließlich senkte sie den Blick.

"Fessel ihre Hände, damit sie nicht auf irgendwelche dumme Ideen kommt." befehlte Hassan mit ruhiger Stimme und Mehmet bog ihr grob ihre Arme auf den Rücken. Als Scully versuchte sich dagegen zu wehren, holte Hassan mit der Waffe in der Hand aus und schlug ihr ins Gesicht. Ihr Kopf flog nach hinten und sie konnte einen Schmerzschrei nicht gänzlich unterdrücken. Als sie ihren Blick wieder hob, spürte sie, wie warmes Blut ihre Wange hinunter rann. Ein Aufschrei war durch die Reihen der Passagiere gegangen, als Hassan ausgeholt hatte, um sie zu schlagen.

Der Mann hinter ihr zog die Fesseln sehr stramm und ein schriller Schmerz zog von ihren Handgelenken bis zu ihren Fingern.

"Setz sie da vorne hin, damit wir sie im Auge behalten können. Sie kann gleich die Nachricht an die US-Regierung überbringen, wenn Faruk mit dem Aufstellen der Kamera fertig ist, und die Leitung ins Pentagon steht." wies Hassan Mehmet an. Dieser nickte nur und zog Scully grob auf die Füße. Dann schubste er sie zur ersten Sitzreihe. Sie stolperte ein weiteres Mal und als sie sich erhob warf sie Mehmet einen eisigen Blick zu und knurrte leise: "Vorsicht, Freundchen. Das macht sich nicht gut in meinem Bericht, den ich abgeben muss, wenn die Sache hier zu Ende ist."

In ihrem innersten wusste sie, dass diese Äußerung nicht gerade zur Freundschaft beitrug, aber ehe sie über die Worte auch nur nachdenken konnte, hatten diese auch schon ihren Mund verlassen.

"Soll das eine Drohung sein?" schrie der Mann mit dem Schleier wütend auf und drehte sie zu sich herum. Noch ehe sie antworten konnte, schlug er ihr ein weiteres Mal den Griff seiner Waffe in den Magen und sie ging keuchend in die Knie. Er ließ ihr keine Gelegenheit sich wieder aufzurappeln und schlug ihr mit dem Handrücken ins Gesicht. Scully stöhnte leise auf und hob ihren Blick. Sie sah noch den Griff der Waffe auf ihr Gesicht zurasen, bevor ein neuerlicher Schlag ihr das Bewusstsein raubte.

****

Ein Schwall Wasser landete in ihrem Gesicht und ließ sie aufwachen. Erschrocken schnappte sie nach Luft und öffnete ihre Augen, was ihr zumindest auf der linken Seite schwer fiel, denn das Auge war stark geschwollen.

"Los, komm schon. Hassan hat eine Aufgabe für dich." Ein anderer maskierter Mann, nicht ganz so groß wie der, der sie beim ersten Mal aus ihrem Sitz gezogen hatte, griff nun in ihre Haare, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen. Ein neuerlicher Schmerz durchzog ihren Kopf, als er sie an ihren Haaren in die Höhe zog. Auch als sie stand, löste er seinen Griff nicht und schob sie vor sich her, was sie dazu zwang, ihren Kopf in den Nacken zu legen.

Schließlich kamen sie zu dem Vorhang und traten dahinter. Eine Kamera kam zum Vorschein und ein Stuhl, der vor dem Kamerastativ stand.

"Sie soll dort Platz nehmen!" befahl Mehmet und der Mann hinter ihr drückte sie auf den Stuhl. Scully blickte sich um. Vor ihr stand die Kamera, die mit einem Laptop verbunden war. Rechts neben ihr stand der Mann, der sie eben hierher gebracht hatte und gerade trat der Anführer der Gruppe hinter den Vorhang.

"Agent Scully, ich will, dass sie eine Nachricht für uns übermitteln. Die Aufnahme wird live an das Pentagon gesendet, also überlegen sie sich gut, was sie tun." sagte er mit der gewohnten kalten Stimme.

"Ich kann das nicht tun. Außerdem werden die sowieso nicht verhandeln. Das Gesetz verbietet es, mit Terroristen zu verhandeln." sprach sie mit ruhiger Stimme.

Sie sah den Schlag erst kommen, als seine Hand auch schon fast ihr Gesicht getroffen hatte. Ihr Kopf wurde zur Seite geschleudert und sie schmeckte augenblicklich Blut in ihrem Mund. Langsam hob sie ihren Kopf wieder.

"Ich habe sie nicht nach ihrer Meinung gefragt. Und es handelte sich hier auch nicht um eine Bitte, sondern um einen Befehl. Sie werden diese Nachricht übermitteln oder sie werden vor laufender Kamera sterben." zischte Hassan und hielt ihr einen Zettel hin. Scully blickte Hassan in die Augen und konnte deutlich sehen, dass er es ernst meinte.

Langsam senkte sie den Blick auf den Zettel.

"Die Kamera läuft jetzt, also machen sie schon!" sagte er scharf und Scully sah in die Kamera. Sie schluckte noch einmal hart und begann dann leise zu reden.

"Ich bin Special Agent Dana Scully, vom Federal Bureau of Investigation. Ich befinde mich in dem Flugzeug mit der Flugnummer 4659 von Washington D.C. nach Helena. Dieses Flugzeug ist von Terroristen übernommen worden. Die Gruppe fordert die Freilassung von 17 Männern, die nach Aussage des Anführers politische Gefangene sein sollen. Eine Liste mit den Namen dieser Männer wird in wenigen Minuten übermittelt werden. Die Inhaftierten sollen innerhalb von 12 Stunden freigelassen werden, andernfalls werden sie die Maschine mitsamt den Geiseln in die Luft sprengen. In diesem Flugzeug befinden sich außer mir noch 152 Passagiere, die beiden Piloten und 8 Stewardessen." Sie hielt kurz inne und senkte einmal den Blick. Dann sah sie wieder in die Kamera, ihr Blick war entschlossen.

"Diese Männer meinen es ernst. Der Anführer nennt sich Hassan. Insgesamt sind 5 bewaffnet..." sagte sie schnell und etwas lauter jetzt. Sie kam nicht dazu, das Wort oder den Satz zu beenden, denn der maskierte Mann der neben ihr gestanden hatte, war sofort bei ihr und schlug auf sie ein. Bevor sie wieder das Bewusstsein verlor, bekam sie mit, dass die Kamera genau auf sie hielt. Dann wurde alles schwarz um sie.

****

Special Agent Fox Mulder war gerade auf dem Polizeirevier angekommen, um mit dem zuständigen Officer einige Fragen zu besprechen, als sein Handy klingelte.

"Hallo!" meldete er sich und wartete darauf, wer sich am anderen Ende melden würde. Ein Blick auf seine Uhr zeigte ihm, dass es in Washington D.C. gerade erst sechs Uhr morgens war und so glaubte er nicht, dass es schon Scully war, die ihn anrief.

"Mulder, ich bin es Skinner. Wir haben ein Problem." meldete sich sein Vorgesetzter und Mulder horchte auf.

"Warum? Stimmt was nicht mit dem Fall?" wollte Mulder wissen.

"Das Flugzeug, in dem sich Scully befindet, ist von einer Terroristengruppe übernommen worden." erwiderte Skinner und Mulder merkte wie sich seine Muskeln verspannten.

"Aber Scully ist doch noch gar nicht im Flugzeug. Sie wollte doch erst das erste Flugzeug heute morgen nehmen. In D.C. ist es nach meiner Uhr erst sechs Uhr, und die Maschine geht nicht vor halb acht." meinte Mulder.

"Haben sie in der Nähe einen Fernseher?" wollte Skinner wissen.

Mulder hielt die Sprechmuschel zu und wandte sich an den Officer.

"Gibt es hier einen Fernseher?" fragte er und sein Gegenüber nickte.

"Ja, einen Moment, Sir." sagte Mulder, nun wieder an Skinner gewandt.

"Schalten sie Kanal 8 ein." meinte Skinner nur.

Mulder wurde von dem Officer in einen kleinen Raum gebracht, der einen Fernseher enthielt. Mit einem Kopfnicken gab er dem Mann zu verstehen, dass er nun zurecht käme und als der Polizist das Zimmer verlassen hatte, stellte Mulder das Gerät auf den passenden Sender.

"Vor wenigen Minuten ging folgendes Video im Pentagon ein." sagte gerade der Nachrichtenreporter, im Hintergrund ein Bild des Pentagons. Das Video wurde abgespielt und Mulder merkte, wie er bei Scullys Anblick jegliche Farbe aus dem Gesicht verlor.

"Oh mein Gott!" stöhnte er gequält auf und angelte sich ohne hinzusehen den nächsten Stuhl. Er hatte Angst, dass seine Beine ihn nicht mehr tragen würden.

"Mulder?" Skinner konnte sich nur vage vorstellen, wie diese Bilder auf seinen Agenten wirken mussten.

"Mmh." war alles was Mulder rausbrachte.

"Ich schicke ihnen einen Hubschrauber, um sie abzuholen." meinte sein Vorgesetzter.

"Aber, Sir, meinen sie nicht, dass die das Flugzeug hier landen werden. Dann wäre es doch besser, wenn ich in Helena bleibe, oder?" wandte Mulder ein.

"Die Maschine hat bereits vor mehr als einer Stunde den Kurs geändert. Sie sind wieder auf dem Weg nach Washington D.C.. Sie wollen hier auf dem Flughafen die Geiseln gegen die freigepressten Terroristen austauschen."

****

Langsam erwachte sie aus der Ohnmacht. Sie lag in einem ungünstigen Winkel auf den Fußboden und das öffnen ihrer Augen war nur schwer möglich. Ihr linkes Auge war nun vollkommen zugeschwollen. Trotzdem konnte sie erkennen, dass nur einen Meter entfernt einer der Terroristen stand und mit dem Gewehr auf sie zielte. Vorsichtig versuchte Scully sich aufzurichten. Ihre Hände schmerzten, weil die Fesseln viel zu stramm waren und auch von ihrer Brust dehnte sich ein pochender Schmerz bis in ihren Unterleib aus. Nach vier erfolglosen und sehr schmerzhaften Versuchen hatte sie es geschafft und lehnte nun mit dem Rücken an einer Wand.

Sie leckte sich über ihre trockenen und aufgeplatzten Lippen.

"Bitte, ich müsste mal auf die Toilette." sagte sie leise und undeutlich, denn das Sprechen fiel ihr durch die dick angeschwollene Unterlippe schwer und bereitete ihr dazu noch unsagbare Schmerzen.

Der Mann betrachtete sie einen Moment und trat dann auf sie zu.

Er deutete mit dem Kopf an, dass sie aufstehen solle und zog sie schließlich mit einem groben Ruck auf die Füße, als es ihm zu langsam ging. Scully musste ein Stöhnen unterdrücken. Der Maskierte griff an ihren Oberarm und schubste sie den Mittelgang entlang.

Sie hielt ihren Kopf gesenkt, schließlich mussten die anderen Passagiere nicht unbedingt sehen, wie schlimm sie aussah. Der Terrorist hielt vor der Toilettentür an und stieß diese auf. Grob schubste er sie in die kleine Kabine.

Langsam drehte sie sich zu dem Mann um.

"Sie müssten mir die Hände losbinden, sonst geht es schlecht." sagte sie.

"Wo haben sie ihre Handschellen?" wollte ihr Gegenüber wissen. Scully schluckte trocken.

"In der Tasche unter meinem Sitz." erwiderte sie und deutete mit dem Kopf in die Richtung. Ihr Bewacher schloss die Tür und sie hörte wie der Schlüssel von außen gedreht wurde. Sie atmete tief ein und sah sich hektisch um, in der Hoffnung, eine Möglichkeit zu finden, der Situation zu entkommen. Doch es gab keine.

Nur wenig später wurde die Tür wieder geöffnet und der Mann bedeutete ihr, sich umzudrehen, was sie widerspruchslos tat. Eine kalte Klinge streifte ihre Handgelenke und zerschnitt nur wenige Sekunden später ihre Fesseln. Erleichtert entwich ihr ein Seufzer.

"Gewöhnen sie sich erst gar nicht daran." zischte der Mann hinter ihr und legte ihr an ihrem rechten Handgelenk die Handschelle an. Dann drehte er sie grob um und kettete die andere Seite an einem Rohr fest.

"So, nun machen sie schon!" Er deutet mit dem Kopf auf die Toilette und Scully drehte sich um, soweit es die Handschelle zuließ.

"Ich... , ich kann aber nicht, wenn mir jemand zusieht." sagte sie und sah wieder zu Boden.

"Du hast drei Minuten." erwiderte der Mann, trat auf den Gang hinaus und schloss die Tür.

Scully beeilte sich ihr Geschäft zu verrichten und nachdem sie sich wieder einigermaßen angezogen hatte, flitzte ihr Blick unstet zwischen ihrer angeketteten Hand und der Tür hin und her. Angst hatte von ihr Besitz ergriffen und sie suchte erneut nach einer Möglichkeit, zu entkommen.

Sie spülte ab und im nächsten Moment wurde auch schon die Tür geöffnet. Scully handelte ohne großartig nachzudenken. Sie holte aus und trat dem Mann in den Schritt, was ihn mit einem lauten Stöhnen in die Knie gehen ließ. Nun hatte sein Gesicht die passende Höhe und Scully trat erneut zu. Sie traf ihn seitlich an der Schläfe und der Mann ging benommen zu Boden. Schnell zog sie ihn an seinen Füßen in die kleine Kabine und suchte nach dem Schlüssel für die Handschellen. Doch sie war nicht schnell genug. Der Terrorist kam wieder zu sich und sie hatte keine Chance, ihm zu entkommen. Die Schläge und Tritte hagelten von allen Seiten auf sie nieder. Schon bald lag sie wehrlos vor ihm und versuchte zumindest, sich mit dem nicht angeketteten Arm zu schützen.

Nach einer scheinbar endlos langen Zeit ließ er von ihr ab und löste die Handschelle. Er kramte einen neuen Strick aus seiner Tasche hervor. Brutal bog er ihre Arme wieder auf den Rücken und band sie stramm zusammen, während sie sich bemühte die dunklen Schleier vor ihren Augen davon zu blinzeln. Auch ihre Fußgelenke wurden nun fest zusammen gebunden und er fasste, nachdem er sich davon überzeugt hatte, dass die Knoten halten würden, nach ihren Füßen, drehte sie auf den Rücken und zog sie aus der Kabine heraus und den Mittelgang entlang. Scully hatte ihre Augen geschlossen und trotzdem konnte sie die Blicke der anderen Passagiere auf sich fühlen.

Ihr Peiniger richtete sie schließlich brutal so auf, dass sie saß und stieß sie gegen eine Wand. Sie keuchte und Wellen aus Schmerz rasten durch ihren Körper. Dann merkte sie, wie er die Handschelle noch zwischen ihre Fessel schob und hörte diese einrasten. Als ihre Arme noch ein Stück nach oben gezogen wurden, konnte sie ein Stöhnen nicht mehr unterdrücken. Die Handschelle wurde um ein Rohr gewickelt und auch die andere Seite wurde noch einmal zwischen die Fessel geschoben und dann geschlossen. Die Handfesseln waren nun so stramm, dass sie in ihr Fleisch einschnitten.

"Bitte, lassen sie doch wenigstens die Kinder gehen." versuchte sie den Mann zu erweichen.

"Halt die Klappe!" sagte er mit kalter Stimme und trat einen drohenden Schritt auf sie zu. Sie zuckte zusammen und versuchte, sich ganz klein zu machen.

Hassan trat zu ihnen und betrachtete das Bild, das Scully abgab.

"Was ist mit ihr?" fragte er den anderen Mann.

"Sie hat versucht abzuhauen als sie auf der Toilette war." antwortete dieser und zog seinen Schleier ein Stück zur Seite, um auf einen roten Fleck an seiner Schläfe deuten zu können, den Scullys Tritt verursacht hatte.

"Hassan, lassen sie die Kinder gehen." wandte sich die Agentin nun an den Anführer.

"Ich sagte, halt die Klappe!" fuhr der Mann sie wieder an und schlug ihr mit dem Handrücken in das Gesicht.

"Knebel sie, dann brauchst du dich nicht mit ihr rumärgern." wies Hassan den Maskierten an und drehte sich um.

"Nein, bitte, ich werde jetzt ruhig sein." versuchte Scully ihn davon abzuhalten, doch ihr Gegenüber hatte schon einen Klebestreifen Isolierband von einer Rolle abgerissen und drückte diesen nun auf ihren Mund.

Entsetzt schloss sie ihre Augen und atmete tief ein, um die Panik, die sich in ihr ausbreitete, niederzukämpfen.

****

Fox Mulder betrat das Büro im Flughafengebäude, welches zur Zentrale des Pentagons in diesem Fall geworden war. Es war mittlerweile nach zehn Uhr. Sein Flug hatte länger gedauert als er erwartet hatte.

"Was gibt es neues?" fragte er mit lauter Stimme seinen Vorgesetzten, der sich gerade mit einem anderen Mann unterhielt.

"Mulder, das ist der für diesen Fall zuständige Mitarbeiter aus dem Pentagon. Er steht in direktem Kontakt sowohl mit dem Verteidigungsminister als auch mit den Terroristen." stellte Skinner vor.

Mulder reichte dem Mann die Hand und nickte ihm zu.

"Mulder." stellte er sich knapp vor.

"Brown." erwiderte der andere Mann ebenso knapp.

"Was gibt es neues?" wiederholte Mulder seine Frage und blickte abwechselnd von Skinner zu Brown.

"Die Maschine ist vor etwa einer Stunde gelandet. Die Terroristen haben uns eine Liste mit 17 Namen übermittelt, von Männern, die angeblich politische Gefangene sein sollen und die sie in mittlerweile 5 Stunden und 22 Minuten mitnehmen wollen. Sie haben ein kleineres Flugzeug verlangt. Es ist für sie gefährlicher, das Aussteigen von 163 Menschen zu überwachen, als die Maschine mit einer Geisel zu verlassen und eine kleinere zu betreten." erklärte Skinner.

"Wer wird diese Geisel sein, die sie mitnehmen?" fragte Mulder und er ahnte böses.

"Scully." antwortete Skinner knapp und beobachtete Mulders Reaktion genau.

"Wie geht es ihr?" fragte dieser, nachdem er die Augen kurz geschlossen und tief eingeatmet hatte.

"Das wissen wir nicht. Die Terroristen haben uns nur ein kurzes zweites Video zukommen lassen in dem die anderen Passagiere gezeigt werden. Sie sind alle wohlauf. Noch zumindest." schaltete sich nun Brown ein.

"Können sie versuchen, ob sie mich mit Scully reden lassen?" wollte Mulder leise wissen.

"Wir können es versuchen." erwiderte der Mann und begab sich zu dem Telefon.

Mulder starrte vor sich hin und nahm unbewusst wahr, wie Brown sich mit den Terroristen in Verbindung setzte. Immer wieder sah er das Bild von Scully aus dem Video vor sich. Ihr Gesicht war von Hämatomen übersäht, das linke Auge fast zugeschwollen und von ihrer rechten Schläfe zog sich eine Blutspur über ihre Wange.

"Wer ist dieser Hassan?" wollte Mulder nun wissen.

"Der Anführer einer Terroristengruppe aus dem Iran. Er ist erst vor drei Tagen aus dem Gefängnis entlassen worden. Nun will er mit seinen Landsleuten zurück in seine Heimat. Er und die 17 Männer sind wegen eines Terroranschlages verurteilt worden, der insgesamt 62 Menschen getötet hatte." klärte sein Vorgesetzter ihn auf.

Das Klingeln von Mulders Handy unterbrach das Gespräch. Er zuckte leicht zusammen und griff dann automatisch danach.

"Mulder!" meldete er sich.

"Fox, hier ist Maggie." hörte er die sanfte Stimme von Scullys Mutter am anderen Ende der Leitung.

"Maggie!" sagte er leise.

"Wie geht es Dana?" fragte sie und er konnte hören, wie sie versuchte ein Schluchzen zu unterdrücken. Auch er musste sich zusammenreißen nicht in Tränen auszubrechen.

"Wir wissen es noch nicht. Aber wir versuchen gerade die Männer dazu zu überreden, mich mit ihr sprechen zu lassen." erklärte er leise.

"Wir werden sie da wieder rausholen, Maggie, ich werde dich anrufen, wenn es etwas neues gibt, in Ordnung?" gab er Mrs. Scully nach einem kurzen Zögern zu verstehen.

"Ja, mach das. Und wie geht es dir, Fox?" wollte sie schließlich noch wissen.

"Ich verfluche es, dass ich nicht gewartet habe und mit ihr zusammen geflogen bin. Verdammt! So wichtig war der Fall nun auch nicht." meinte er.

"Mach dir keine Vorwürfe. Es ist nicht deine Schuld. Ich habe sie gebeten erst am Morgen zu fliegen, doch sie wollte es nicht." sagte Maggie. Brown gestikulierte wild im Hintergrund.

Mulder nickte und sagte dann: "Maggie, ich melde mich nachher bei dir. Bis später."

"Gut, bis nachher." verabschiedete sich Danas Mutter.

Mulder trat zu Brown an den Tisch.

Er konnte über den Lautsprecher gerade noch hören wie einer der Terroristen sagte: "Agent Scully kann nicht mit ihnen reden. Wollen sie sehen warum?"

Mulder nickte und Brown bestätigte dies.

Der schwarze Bildschirm der neben dem Telefon stand, begann zu flackern und es war ein unscharfes Bild zu erkennen, welches von einer sich bewegenden Kamera kam. Dann wurde das Bild scharf und es wurden einige Passagiere gezeigt, ehe sich die Kamera wieder weiter bewegte. Dann glitt das Bild zu Boden und Mulder musste scharf die Luft einziehen, als er Scully erkannte. Sie hatte ihr Gesicht dem Boden zugewandt, was sicherlich auch daran lag, dass ihre Hände auf dem Rücken gebunden waren und dann noch zusätzlich in einem schmerzhaft aussehenden Winkel mit Handschellen an einem Rohr befestigt waren. Mulder konnte sehen, dass die Fesseln an ihren Handgelenken blutig waren. Offensichtlich waren sie viel zu stramm und schnitten ihr ins Fleisch.

"Sieh in die Kamera, Agent Scully!" hörte man eine männliche Stimme, doch Scully rührte sich nicht. Ein Mann trat in das Bild und zog ihren Kopf an den Haaren in den Nacken, was ihr ein Stöhnen entlockte aber einen Blick auf ihr Gesicht ermöglichte. Ihr Mund war mit Isolierband zugeklebt, das linke Auge mittlerweile komplett zugeschwollen. Überall waren Blut oder blaue Flecken. Mulder hatte das Gefühl, als wenn sein Herz bei diesem Anblick aufgehört hätte zu schlagen und dann nach einer scheinbaren Ewigkeit schmerzhaft wieder einsetzte.

"Oh mein Gott Dana, was haben die nur mit dir gemacht." entfuhr es ihm und Skinner zog schnell einen Stuhl heran und drückte seinen Agenten darauf. Er wusste immer, dass Scully und Mulder eine ganz besondere Bindung zueinander hatten, aber die Reaktion von Mulder bestätigte seinen schon lange gehegten Verdacht. Sie waren mehr als Partner, auch mehr als nur einfache Freunde. Scully und Mulder waren Liebende.

Mulder schluckte nun hart und rieb sich mit seinen Händen über die Augen. Sein Gesicht hatte jegliche Farbe verloren und Skinner hatte schon Angst, dass Mulder zusammenbrechen würde.

Die Kamera zeigte immer noch Scully, die nun anfing sich leicht zu wehren. Der Mann, der neben ihr stand holte aus und trat ihr in die Rippen. Sie stöhnte auf, lauter als beim ersten Mal, doch das schien den Mann nur noch mehr anzustacheln, denn er trat wieder und wieder zu. Die Kamera entfernte sich und kurze Zeit später war wieder die Stimme über den Lautsprecher zu hören.

"Sehen sie, sie ist gerade sehr beschäftigt. Und ich muss ihnen noch etwas gestehen, ich muss hier ganz schön auf meine Männer aufpassen, denn sie sind alle ganz scharf darauf, Agent Scully einmal zu zeigen, was ein richtiger Mann so drauf hat. Ich denke, wenn wir nicht bald die kleinere Maschine hier stehen haben, dann kann ich langsam nicht mehr auf meine Männer achten." sagte der Mann. Dann wurde die Leitung unterbrochen.

"Bitte, geben sie dem Mann was er will, sonst bringt er sie noch um!" bat Mulder mit erstickter Stimme.

"Agent Mulder, sie wissen doch, dass unser Land nicht auf solche Verhandlungen eingeht. Wir können hier nicht nachgeben." sagte Brown. Mulder erhob sich und baute sich drohend vor dem Mann auf.

"Sie haben doch gesehen, wie es ihr geht. Was meinen Sie, wie lange sie noch durchhält. Eine Stunde, vielleicht zwei. Und dann? Wollen Sie sie einfach sterben lassen? Sie ist eine Agentin!" schrie er und Brown sprang von seinem Stuhl auf und wich einige Schritte zurück.

Skinner fasste Mulder an der Schulter und zog ihn zurück.

"Mulder, beruhigen sie sich doch!" redete er auf ihn ein.

"Ich soll mich beruhigen? Verdammt, Skinner, die werden Scully umbringen!" Mulder wand sich unter Skinners Griff und funkelte nun seinen Vorgesetzten an.

"Nein, das werden sie nicht, denn sie wollen Scully als Geisel mitnehmen. Aber ich stimme ihnen zu, wir sollten schnell handeln." erwiderte der Assistent Director.

"Ich werde sehen, was ich machen kann." meinte Brown und griff wieder zum Telefon.

Mulder verließ das Büro und ging nach draußen. Er brauchte jetzt frische Luft, denn sein Magen hatte angefangen zu rebellieren.

Als er vor der Tür stand, lehnte er sich mit dem Rücken an eine Wand und ließ sich kraftlos daran hinunter gleiten. Seine Augen hatte er geschlossen, seine Hände so fest zu Fäusten geballt, dass seine Fingernägel sich in die Handballen gruben und rote Abdrücke hinterließen. Ohne dass er es gemerkt hatte, war Skinner ihm gefolgt.

"Wie lange geht das schon mit Scully und ihnen?" fragte er nun und Mulder schluckte trocken, ohne jedoch seine Position zu verändern oder seine Augen zu öffnen.

"Etwas mehr als drei Jahre." murmelte er mehr zu sich selbst, als zu seinem Vorgesetzten.

Doch Skinner hatte ihn sehr wohl verstanden und nun war es an ihm, die Luft scharf in seine Lungen zu saugen.

"Wir werden sie da raus holen Mulder, hören sie?" sagte er schließlich und sah mit entschlossenem Blick auf die Maschine, die etwa 500 Meter entfernt auf der Rollbahn stand.

Mulder öffnete nun seine Augen und sah seinen Chef an. Langsam erhob er sich.

"Sie sollte gar nicht in diesem Flugzeug sein." sagte er leise.

"Wie meinen sie das?" wollte Skinner wissen und sah Mulder überrascht an.

"Wir hatten gestern besprochen dass ich schon nach Helena fliegen würde und sie aber noch auf den Geburtstag ihrer Mutter gehen würde. Sie wollte heute morgen die erste Maschine nehmen, aber sie hatte offenbar so ein schlechtes Gewissen dass ich ohne sie arbeitete, dass sie die Nachtmaschine genommen hat. Verdammt. Wenn ich mit auf Maggies Geburtstag gegangen wäre, dann hätten wir beide den halb acht Flug heute morgen genommen." erzählte er leise.

Skinner nickte nur. Ihm fiel nichts ein, was er hätte sagen können.

"Gehen wir rein und sehen, was Brown erreicht hat." meinte er schließlich und Mulder nickte.

Brown sah auf, als er die beiden Männer kommen sah.

Er zuckte die Achseln als Skinner ihn fragend ansah.

"Wie ich gesagt habe, die Regierung weigert sich, mit diesen Männern zu verhandeln. Wir können nur abwarten und hoffen, dass es sich eine der Parteien noch anders überlegt." sagte der zuständige Mann.

Mulder trat wütend gegen den Papierkorb, so dass dieser durch den ganzen Raum flog.

"Verdammt noch mal, diese Frau hat schon so oft ihr Leben riskiert, um die Sicherheit des Landes zu gewährleisten. Und jetzt soll sie einfach geopfert werden? Das ist aber eine beschissene Politik, finden sie nicht?" schrie er und alle im Raum Anwesenden sahen zu ihm hinüber.

"Agent Mulder wir arbeiten daran eine Lösung zu finden." erwiderte Brown.

****

Drei Stunden später trat Brown auf Mulder zu. Dieser saß still in einer Ecke und betrachtete gedankenverloren einen Ausdruck, der Scully zeigte. Er konnte die Angst und die Schmerzen auf ihrem Gesicht und in ihren Augen lesen, und er selbst hatte in den letzten Stunden mehr als einmal der Toilette einen Besuch abgestattet, um ihr seinen Mageninhalt anzuvertrauen.

"Agent Mulder, wir haben einen Plan!" hörte er Brown reden, blickte auf und sah ihn mit einem gespanntem Ausdruck auf dem Gesicht an.

"Wir werden den Terroristen eine Maschine bereitstellen und wir werden zum Schein darauf eingehen, die Inhaftierten freizulassen. Aber die Männer, die in das Flugzeug steigen, werden nicht die Häftlinge sein, sondern Agenten. Die Sache läuft schon. Wir haben die Daten der Häftlinge hier auf dem Rechner. So können wir Agenten aussuchen, die in Größe und Figur diesen Männern ähneln und wenn die Terroristen in der anderen Maschine sind, kommen unsere Agenten dazu und überwältigen sie." erklärte er seinen Plan.

Mulder lief es kalt den Rücken runter. Es konnte so viel schief gehen bei der Sache, aber sie hatten keine andere Wahl.

"Sie werden aber auf so ein Manöver vorbereitet sein." meinte er.

"Wir sind auf alle Eventualitäten gefasst und bereit darauf zu reagieren." erwiderte Brown.

"Ich möchte mit dabei sein." sagte Mulder nun und blickte ihn an.

"Das kommt gar nicht in Frage. Wir werden Agenten nehmen, die für so einen Fall ausgebildet sind. Und wenn ich richtig informiert bin, ist ihr Spezialgebiet wohl eher das Jagen von kleinen grünen Männchen." erwiderte der Mann.

"Hören sie, diese Männer da drin, haben meine Partnerin. Sie ist schwer verletzt. Ich kann hier nicht einfach nur rumsitzen und darauf warten, dass andere Leute ihre Arbeit machen. Ich muss ihr helfen." brauste Mulder auf.

"Mulder, mäßigen sie sich. Ich stimme Brown voll und ganz zu. Sie sind viel zu Nahe dran an der Sache." mischte sich nun Skinner ein.

Mulder sah von einem Mann zum anderen und machte ein wütendes Gesicht. Schließlich gab er sich geschlagen. Seufzend fuhr er sich mit seinen Händen durch die Haare und nickte ergeben.

****

Die Aktion lief reibungslos ab. Schon eine halbe Stunde später wurde eine kleinere Maschine bereitgestellt, nur wenige Meter neben die andere. Es waren 17 Agenten ausgewählt und ausgestattet worden. Damit nicht gleich auf den ersten Blick offensichtlich war, dass es sich nicht um die freigepressten Männer handelte, wurden die Agenten mit Tüchern verschleiert, die dem von Hassan und seinen Männern ähnelten. Nun warteten sie darauf, dass die Terroristen mit Scully das Flugzeug verließen.

Mulder wanderte unruhig im Zimmer auf und ab und Skinner warf ihm immer wieder aufmerksame Blicke zu.

"Mulder, warum gehen sie nicht noch einen Moment vor die Tür?" schlug er schließlich vor. Mulder musterte ihn, doch das Gesicht seines Vorgesetzten war undurchdringlich.

Der Agent nickte und verließ den Raum. Doch dieses Mal blieb er nicht vor der Tür stehen, sondern ging langsam und geduckt zur Rollbahn.

Gerade als er auf dreißig Meter an das Flugzeug herangekommen war, öffnete sich die Tür und zwei Männer traten auf die Treppe. Sie waren schwer bewaffnet und sahen sich nach allen Seiten um. Als sie Mulder entdeckten, hob er seine Hände und blieb stehen. Trotzdem richteten sie ihre Waffen auf ihn. Nun trat Hassan heraus. Er hatte Scully wie einen Schutzschild vor sich und eine Waffe auf ihren Körper gerichtet. Ihre Hände waren immer noch auf dem Rücken gefesselt und auch das Klebeband befand sich noch über ihrem Mund, doch ihre Füße waren nicht mehr verbunden, damit sie laufen konnte und nicht getragen werden musste. Als sie Mulder sah, versuchte sie sich schwach von dem Terroristen zu befreien, doch dieser verstärkte nur seinen Griff und drückte seine Waffe noch stärker in ihren Körper.

"Dana, bleib ganz ruhig." sagte Mulder laut und ihr Widerstand ließ sofort nach.

Zwei weitere Männer traten auf die Treppe und richteten ihre Waffe ebenfalls sofort auf Mulder.

Scully bekam Panik. Was, wenn sie Mulder hier vor ihren Augen erschießen würden? Sie versuchte etwas zu sagen, wurde jedoch von dem Knebel daran gehindert und es kamen nur unartikulierte Laute dabei heraus. Tränen traten ihr in die Augen. Sie hatte die ganzen Stunden nicht geweint, obwohl sie starke Schmerzen erlitten hatte, aber nun wurde die Panik nahezu übermächtig. Ihm durfte nichts passieren.

"Was wollen sie?" rief Mehmet über die Rollbahn hinweg.

"Ich möchte ihnen einen Handel vorschlagen. Lassen sie sie gehen und nehmen sie mich als Geisel. Sie sehen doch selber, dass sie nicht mehr kann. Sie nützt ihnen nichts, wenn sie stirbt." rief Mulder zurück und Scully erschrak. Wild schüttelte sie den Kopf.

"Ich denke nicht, dass ich das machen kann. Meine Männer wären sehr enttäuscht von mir, denn sie wollten sich noch ein wenig mit ihrer Partnerin vergnügen, Agent Mulder." erwiderte Hassan laut. Er merkte wie Scully sich in seinem Arm versteifte und konnte ein Grinsen nicht unterdrücken.

"Woher wissen sie, wer ich bin?" fragte Mulder misstrauisch.

"Oh, sie und Agent Scully haben die Wand einer Gefängniszelle geschmückt. Ich habe sie lediglich wiedererkannt." gab der Mann zurück.

"Lassen sie sie gehen, bevor sie sich unglücklich machen." meinte Mulder nach einer Pause.

"Ich sagte doch schon, dass kann ich nicht. Aber ich mache ihnen einen Vorschlag. Sie können uns begleiten." Hassans Stimme troff vor Sarkasmus.

Mulder überlegte einen Moment, dann nickte er. Scully schüttelte wieder ihren Kopf. Ihr rechtes Auge flehte ihn an, es nicht zu tun, doch Mulder konnte sie nicht alleine mit diesen Männern lassen. Nicht noch länger.

"Also gut. Dann legen sie ihre Waffe ab." befahl Hassan. "Ganz langsam. Machen sie keinen Fehler, Agent Mulder."

Mulder tat, was der Terrorist von ihm verlangte und trat dann langsam auf die Männer und Scully zu. Einer der Männer, die als erstes auf die Treppe getreten waren, griff nach seinem Arm und hielt Mulder genauso als Schutzschild vor sich, wie Hassan es mit Scully tat. Dann gingen sie gemeinsam langsam auf das kleinere Flugzeug zu und stiegen ein.

****

"Was macht der denn da?" fragte Brown entsetzt und starrte auf den Bildschirm. Er beobachtete Mulder, der geduckt auf das Rollfeld gerannt war und nun, nach scheinbar endlosen Minuten in denen er offensichtlich mit den Terroristen geredet hatte, seine Waffe wegwarf und auf die Männer mit den Waffen zu ging.

Skinner zuckte nur mit den Achseln und sagte nichts.

****

Faruk stieß Mulder in den hinteren Teil der Maschine und untersuchte ihn nach einer zweiten Waffe oder Abhörkabeln, während Hassan Scully in Mehmets Arme stieß und mit kalter Stimme sagte

"Bind sie an, aber so, dass sie nicht weg kann."

Mehmet nickte und stieß Scully grob vor sich her, bis sie ebenfalls im hinteren Teil des Flugzeuges angekommen waren. Dort schubste er sie zu Boden und kettete sie in einer ähnlich schmerzhaften Position an, wie schon in den Stunden zuvor. Sie stöhnte auf.

"Los, streck deine Beine aus!" befahl der Mann. Sie zögerte. Mehmet holte aus und schlug ihr ins Gesicht.

"Hast du nicht gehört, was ich gesagt habe?" zischte er und riß ihren Kopf zurück, damit sie ihn ansehen musste. Ihr rechtes Auge war ängstlich aufgerissen.

Langsam streckte sie ihre Beine nach vorne, was jedoch zur Folge hatte, dass ihre Arme noch höher gerissen wurden und die Schmerzen in ihren Schultern noch zunahmen.

Wieder entrang sich ihrer Kehle ein Stöhnen und sie kniff ihre Augen zusammen.

"Geht doch!" sagte Mehmet kalt und fesselte die Füße wieder aneinander. Dann nahm er sein Tuch ab und drückte ihr schnaufend einen Kuss auf das Klebeband über ihrem Mund. Sie schrie unter dem Knebel auf und versuchte, ihren Kopf wegzudrehen, doch Mehmet war stärker.

Faruk kam mit Mulder zu ihnen.

"Sieh mal, er war so nett, uns gleich die Handschellen mitzubringen die wir brauchen, um ihn zu fesseln." sagte er und Mehmet erhob sich, um ihm Platz zu machen.

Mulder hatte seinen Blick auf Scully geheftet und wollte sich nun von Faruk losmachen, um zu ihr zu kommen. Es gelang ihm schließlich und er kniete sich vor sie, um sie in die Arme zu nehmen, doch kaum hatte er einen Arm um ihren zitternden Körper gelegt, als er auch schon auf die Füße gezerrt wurde und einen Meter von ihr entfernt, an ein weiteres Rohr gekettet wurde. Mehmet blieb nur einen Meter von ihnen entfernt stehen, die Waffe schussbereit auf die Agenten gerichtet.

"Scully?" sagte Mulder und wandte seinen Blick nicht von ihr.

Sie sah zu Boden.

"Dana, sieh mich an. Bitte." flehte er und sie hob ihren Blick. Mulder biss sich auf die Unterlippe als er in ihr, jetzt entstelltes, Gesicht blickte.

"Wir werden hier wieder raus kommen, hörst du." sagte er sanft.

Sie schloss ihr Auge und zog ihre nun gefesselten Füße wieder zu sich heran, um ihre Schultern etwas zu entlasten. Mulder betrachtete sie. In der nun aufgetretenen Stille konnte er ihren pfeifenden Atem hören. Seine Eingeweide zogen sich zusammen, als ihm klar wurde, was das bedeutete. Sie war ernsthaft an ihrer Lunge verletzt und benötigte eigentlich sofort ärztliche Hilfe.

"Du brauchst einen Arzt." sagte er leise. Sie hatte ihre Augen immer noch geschlossen und ihr Kopf ruhte auf ihrer Brust, doch nun drehte sie ihn leicht und öffnete ihr Auge. Langsam nickte sie.

"Hast du starke Schmerzen?" wollte er wissen. Wieder nickte sie. Eine Träne hatte sich aus ihrem Auge gelöst und rollte langsam ihre Wange hinunter.

Sie hustete und verzog schmerzvoll und panisch das Gesicht, als sie plötzlich keine Luft bekam und um Atem kämpfte.

"Dana?" rief Mulder besorgt und erkannte die Panik in ihren Augen.

"Nehmen sie den Klebestreifen von ihrem Mund, sie bekommt keine Luft!" rief er ihrem Bewacher zu. Der Mann blickte sich unsicher um, regte sich jedoch ansonsten nicht.

"Nun machen sie schon. Tot nützt sie ihnen nichts." drängelte Mulder und der Mann setzte sich endlich in Bewegung. Er trat auf Scully zu und riss ihr mit einem Ruck das Isolierband vom Mund. Scully wollte nach Luft schnappen, doch es nützte nichts. Sie hustete, wobei kleine Blutspritzer ihren Mund verließen. Schließlich erbrach sie sich in ihren Schoß und Mulder begann wild an seinen Handschellen zu zerren, als er erkannte, dass sie ausschließlich Blut erbrochen hatte.

Erschöpft ließ Scully schließlich ihren Kopf wieder auf die Brust sinken, doch Mehmet riss ihn an den Haaren zurück und drückte den Klebestreifen wieder auf ihren Mund. Sie versuchte nicht, sich zu wehren.

Als ihr Kopf wieder nach vorne fiel, sah der Terrorist, dass sich das Isolierband wieder löste. Er drehte sich um und ging in den vorderen Bereich der Maschine.

"Warum hast du das gemacht, Fox?" fragte sie mit leiser, rauher Stimme, die von Schmerzen verzerrt war.

"Ich konnte dich nicht alleine lassen." sagte er mit sanfter Stimme. "Ich liebe dich Dana. Ich hatte gestern keine Gelegenheit mehr, es dir zu sagen." flüsterte er.

"Du hast es mir gesagt, mit deinen Augen." ächzte sie. "Ich liebe dich auch, Fox."

"Die haben eine Bombe in dem anderen Flugzeug installiert. Wenn die anderen Passagiere versuchen es zu verlassen. oder jemand die Tür öffnet, wird die ganze Maschine in die Luft fliegen. Und wenn die 17 Häftlinge nicht in einer halben Stunde hier sind, dann wird sie von hier aus gezündet." flüsterte sie.

"Einige Männer kümmern sich darum. Brown und Skinner haben so etwas erwartet" antwortete er.

Ein neuerlicher Hustenkrampf schüttelte ihren Körper. Wieder erbrach sie einen Schwall Blut. Sie stöhnte leise auf.

"Verdammt, du musst in ein Krankenhaus. Du musst dringend operiert werden." sagte Mulder geschockt.

"Vergiss es. Es ist zu spät." keuchte sie.

"Dana, bitte, hör auf so zu reden. Du machst mir Angst. Wir schaffen das, hörst du!" Mulders Stimme klang panisch.

"Ja, sicher." flüsterte sie.

Mehmet kam zurück, kniete vor ihr nieder und riss ein neues Stück Isolierband von einer Rolle ab. Er klebte es ihr erneut über den Mund. Er hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht, das alte Stück zu entfernen, hatte einfach nur den neuen Streifen darüber geklebt. Nun riss er noch einen zweiten und dritten Streifen ab und klebte ihn ebenfalls darüber, um sicher zu gehen, dass es hielt. Dann grinste er Mulder kalt an und nahm ein weiteres Mal seine Maske ab und drückte ihr einen Kuss auf den beklebten Mund. Seine eine Hand fuhr unter ihre Bluse und knetete ihre Brust.

"Lass sie in Ruhe, du Schwein!" schrie Mulder und zerrte an den Handschellen, in dem Versuch, sich zu befreien. "Merkst du nicht, dass sie bald stirbt?"

"Um so mehr muss ich mich wohl beeilen!" entgegnete Mehmet und sein Atem ging schneller.

"Du wirst sie umbringen wenn du jetzt nicht aufhörst." Mulders Stimme war verzweifelt.

"Mehmet, lass sie in Ruhe. Agent Mulder hat recht. Sieh dir doch das ganze Blut in ihrem Schoß an. Eine tote Geisel nützt uns nichts." sagte Hassan mit kalter Stimme. Sofort ließ Mehmet von Scully ab, jedoch nicht, ohne ihr noch einmal einen schnaufenden Kuss auf das Klebeband zu drücken.

"Du hattest uns versprochen, dass wir uns mit ihr vergnügen dürfen. Wir kriegen nie wieder die Gelegenheit, so eine zickige Agentin flach zu legen." sagte er an Hassan gewandt und riss wieder Isolierband ab, um es Mulder aufzukleben. Hassan hielt ihn am Arm fest.

"Lass ihn. Wie soll er uns denn sonst sagen, was die da draußen vorhaben?" meinte er.

Fragend sah er Mulder an. Dieser warf einen Blick auf Scully.

"Also, Agent Mulder. Was haben die geplant?" Hassan kam näher.

"Die haben ihre Männer aus dem Gefängnis holen lassen. Der Bus müsste in spätestens fünfzehn Minuten hier sein. Dann können sie losfliegen und uns am nächsten Flughafen rauslassen. Sie haben doch dann, was sie wollten. Setzen sie sich ab, in den Irak oder Iran oder wo auch immer sie her kommen." antwortete Mulder und hob seinen Blick.

Der Tritt kam, bevor Mulder die Zeit hatte sich darauf vorzubereiten. Er keuchte vor Schmerz und Scully blickte erschrocken auf.

"Sie sollten mich nicht verarschen." zischte der Anführer.

"Ich verarsche sie nicht. Warten sie es doch einfach ab." ächzte der Agent. "Ich gebe ihnen sogar noch einen Tip gratis. Jedes Flugzeug hat eine Black-Box, die den gesamten Flug aufzeichnet. Sie gibt auch die Position des Flugzeuges an. Entfernen sie sie, dann können sie nicht verfolgt werden. Andernfalls wird unsere Regierung nicht zögern, dieses Flugzeug abzuschießen, sobald sie in der Luft sind."

"Aber sicher nicht, so lange sie mit an Bord sind." erwiderte Hassan kalt.

"Da kennen sie aber unser Land schlecht. Sicher würden sie nicht gerne zwei Agenten opfern, aber sie würden es tun." entgegnete Mulder überzeugt.

"Ist ja auch egal. Die Box ist schon lange entfernt. Wir warten nur noch auf meine Brüder." Hassan drehte sich um. Mehmet ging einen Schritt auf Mulder zu, holte aus und trat ihm mit voller Wucht in den Magen.

"Ohh!" stöhnte der Agent und hustete leicht. Ein Tritt gegen seine Schläfe raubte ihm das Bewusstsein.

"Siehst du, jetzt kann er uns nicht mehr stören." grinste er Scully an und hockte sich wieder vor sie. Er drückte ein weiteres Mal seine Lippen auf ihren Mund und seine Hand wanderte wieder unter ihre Bluse. Sein Atem beschleunigte sich und er zerrte schließlich so stark an ihrer Bluse, dass diese zerriß. Auch den BH riss er kurzerhand entzwei und knetete nun ihre Brust. Seine andere Hand grub sich wieder in ihr Haar und riss ihren Kopf hoch, während die Hand vom Busen aus immer tiefer wanderte und schließlich auch ihre Hose aufriss. Scully zitterte am ganzen Körper. Mehmet fuhr mit seiner Hand wieder zu ihrem Busen hinauf und knetete ihn wild. Er senkte seinen Kopf und leckte über ihre weiße Haut. Schließlich griff er zu seiner Hose, öffnete den Reißverschluss und holte sein Glied hinaus. Hart rieb er sich mit seiner freien Hand darüber, Scully immer noch an ihren Haaren haltend und nicht aus den Augen lassend. Als er kam, verteilte er sein Sperma über ihren Körper. Dann stand er auf, schloss seinen Reißverschluss und stellte sich wieder auf seinen Platz.

"Hassan, sie kommen!" war nur wenig später aus dem vorderen Teil des Flugzeuges eine Stimme zu hören.

Scully konnte hören, wie die Tür geöffnet wurde und einige Männer die Maschine betraten. Neben ihr regte Mulder sich wieder. Er stöhnte leise auf.

Sie sah kurz zu ihm rüber, doch als sein Blick über ihren Körper glitt, er die aufgerissene Bluse, den zerrissenen BH und die zerrissene Hose, sowie das Sperma auf ihr wahrnahm senkte sie beschämt ihren Blick.

Er schloss entsetzt die Augen und presste die Zähne aufeinander. Trotzdem konnte er es nicht verhindern, dass ihm ein gequältes Stöhnen entglitt.

"Oh mein Gott, Dana!" keuchte er.

Sie schüttelte nur leicht den Kopf, sah ihn jedoch immer noch nicht an.

Beide hielten inne, als im vorderen Teil der Maschine der Tumult ausbrach. Mehmet reagierte sofort. Er war mit einem Schritt bei Scully und löste die Handschellen. Brutal zog er sie hoch. Sie stöhnte laut, als der Schmerz sich in ihrer Brust ausbreitete und einmal durch den ganzen Körper ging. Mehmet störte das nicht. Er zog sie an sich, legte seinen Arm um ihren Körper und hielt sie mit starrem Griff fest.

"Nein, Dana!" schrie Mulder auf und begann wieder verzweifelt an seinen Fesseln zu zerren.

"Lass sie los, du Schwein!" schrie er, doch Mehmet kümmerte sich nicht um ihn. Einer der verkleideten Agenten war unbemerkt bis auf zwei Meter herangekommen und zielte mit seiner Waffe auf den Terroristen. Dieser drehte sich langsam um, Scully immer direkt vor sich haltend, so dass sein Gegenüber erst sie erschießen müsste, bevor er ihn töten konnte.

Die anderen Agenten hatten offensichtlich schnelle und effektive Arbeit geleistet, denn der Kampf war bereits zu Ende und die anderen Terroristen abgeführt oder tot.

"Geben sie auf, sie haben keine Chance." versuchte der Agent auf Mehmet einzureden.

"So, glauben sie? Ich denke, ich bin im Vorteil, es sei denn, sie wollen ihre Kollegin erschießen." grinste Mehmet. Er trat einen Schritt auf den Agenten zu und dieser wich zurück.

Scully versuchte die Schliere vor ihren Augen wegzublinzeln, doch es gelang ihr nicht. Sie merkte, wie sich ein neuer Hustenkrampf aufbaute, und versuchte, ihn zu unterdrücken. Wenn sie jetzt schlapp machte, dann würde Mehmet sie vermutlich erschießen. Doch so sehr sie sich auch bemühte, der Husten ließ sich nicht aufhalten und mit ihm nahmen auch die Schmerzen noch mehr zu. Als sie anfing zu husten, durch das Isolierband zwar gedämpft, aber nicht gestoppt, lockerte Mehmet einen Moment lang seinen Griff. Sie fiel auf die Knie und der Agent feuerte einen gezielten Schuss auf den Kopf des Mannes ab. Der Terrorist brach hinter ihr zusammen und sie merkte, wie die Ohnmacht sie langsam einholte.

Aus weiter Ferne hörte sie Mulder ihren Namen schreien. Dann beugte sich der Agent über sie und zog ihr das Klebeband vom Mund. Wieder erbrach sie einen Schwall Blut. Nur noch leise hörte sie, dass er etwas in sein Funkgerät sagte und dann wurde sie in die gnädige Dunkelheit gerissen.

****

Langsam öffnete sie ihre Augen. Sie merkte, dass sich auch ihr linkes Auge öffnete, zwar noch nicht ganz, aber immerhin einen Spalt breit. Ein allumfassendes Piepen erfüllte den Raum und ließ sie erleichtert aufatmen. Sie lebte noch und sie war nicht mehr in dem Flugzeug, sondern in einem Krankenzimmer.

Neben ihr bewegte sich etwas und dann schob sich Mulders Gesicht in ihr Blickfeld. Seine Augen musterten sie besorgt. Sie zwang sich zu einem leichten Lächeln, doch sie merkte, dass es ihr nicht wirklich gelang.

"Dana?" seine Stimme klang ängstlich.

Sie nickte leicht, war sich sicher, dass sie noch nicht sprechen konnte, weil es einfach zu anstrengend war. Dann schloss sie ihre Augen wieder.

****

Mulder hatte sich wieder zurückgelehnt, als sie ihre Augen ein weiteres Mal geschlossen hatte.

Sie würde wieder gesund werden. Nachdem sie nun vier Tage im Koma gelegen hatte, war sie jetzt in einen erholsamen Schlaf gefallen.

Trotzdem würde er nicht von ihrer Seite weichen.

Die Tür öffnete sich und Maggie trat ein.

"Wie geht es ihr?" fragte sie leise und ihr Blick glitt besorgt über den überall verbundenen Körper ihrer Tochter.

"Sie ist gerade aufgewacht, aber sofort wieder eingeschlafen. Sie wird durchkommen, Maggie." antwortete Mulder ebenso leise. Erleichtert atmete sie aus.

"Ich werde jetzt hier bleiben, Fox. Geh nach Hause und schlaf dich aus. Du hast seit mehr als vier Tagen nicht mehr geschlafen." sagte sie sanft und trat an seine Seite.

"Nein, ich bleibe hier. Ich möchte da sein, wenn sie wieder aufwacht." meinte er.

"Dann werde ich nach Hause gehen. Ruf mich an, wenn sie wach ist, ich werde dann kommen." entgegnete sie und streichelte sanft über die Wange ihrer Tochter und dann über die Haare ihres Fast-Schwiegersohnes. Dann verließ sie das Zimmer.

****

Das Öffnen ihrer Augen fiel ihr nun nicht mehr so schwer. Allerdings dauerte es einen Moment, ehe sich ihr Blick auf irgend etwas im Zimmer eingestellt hatte. Noch immer hörte sie ein Piepen neben dem Bett, doch war es nicht mehr so alles umfassend wie beim letzten Erwachen. Langsam drehte Scully ihren Kopf und blickte auf den Mann, der dort schlafend, mit dem Kopf auf ihrem Arm, neben ihr saß. Sie musste lächeln. Auch das gelang ihr besser, als beim letzten Mal. Vorsichtig leckte sie über ihre Lippen. Die Unterlippe war noch immer geschwollen. Sie wollte sich leicht aufsetzen, doch ein Schmerz, der sich von ihrer Brust einmal durch den ganzen Körper ausbreitete, hielt sie davon ab und ließ ein Stöhnen über ihre Lippen kommen.

Sofort war Mulder wach und hob ruckartig seinen Kopf.

"Ssht, ich bin es nur!" flüsterte sie. Um lauter zu sprechen fehlte ihr die Kraft.

Er fuhr sich mit seinen Händen über das Gesicht.

"Wie fühlst du dich?" fragte er leise.

Sie zuckte die Schultern. Eine weitere Bewegung, die ihr einen brennen Schmerz durch den Körper jagte. Wieder stöhnte sie leise auf.

"Es geht so." meinte sie und lächelte.

"Du sollst mich nicht immer anlügen." flüsterte er und eine Träne löste sich aus seinen Augenwinkeln und rollte seine Wange hinunter. Er beugte sich zu ihr rüber und streichelte sanft ihre Wange.

"Fox, nicht weinen." krächzte sie erschrocken und hob ihre Hand, um die Träne wegzuwischen.

"Ich bin bald wieder auf dem Damm." versprach sie und er nickte, ihre Hand an seiner Wange haltend.

"Ich bin so glücklich, dass du noch hier bei mir bist." flüsterte er.

Sie nickte.

"Du weißt doch, Unkraut vergeht nicht." meinte sie und lächelte.

"Aber es war verdammt knapp. Du hättest es fast nicht geschafft, dieses Mal. Sie mussten dich zwei Mal wiederholen bei der OP." sagte er leise und eine zweite Träne kullerte seine Wange hinunter.

"Aber ich bin hier. Und ich werde dich nicht wieder alleine fliegen lassen." murmelte sie und er nickte leicht. Er kramte einen Moment in seiner Hosentasche und hielt ihr dann ihre Kette hin.

"Skinner hat sie gefunden." berichtete er und sie griff danach, das Gesicht sehr ernst.

"Kannst du sie mir anlegen?" wollte sie wissen. Mulder nickte und erhob sich. Behutsam hob er ihren Oberkörper an und legte ihr die Kette um. Nachdem er sie geschlossen hatte, tastete Scully danach und schloss für einen Moment die Augen.

"Skinner weiß von uns. Ich konnte es nicht überspielen." meinte Mulder nach einer Weile in der sie geschwiegen hatten.

"Und, was machen wir jetzt?" fragte sie.

"Ich weiß nicht. Lass uns Schluss machen. Lass uns ein kleines Häuschen kaufen, du machst eine nette kleine Praxis auf und ich schreibe ein paar Bücher. Lass uns nie wieder fliegen und ein bis zwei Kinder adoptieren." träumte er. Doch sie wusste, dass er das nicht so einfach daher gesagt hatte.

"Willst du das wirklich?" fragte sie leise.

"Warum nicht. Keinen Stress mehr, keine Angst mehr, dass dich irgend jemand töten könnte..., einfach nur leben!" erwiderte er.

Sie nickte. Das hörte sich toll an. Sie nahm sich vor, darüber nachzudenken und schloss wieder die Augen. Doch schon nach wenigen Minuten öffnete sie sie wieder.

"Hast du Schmerzen?" fragte sie ihn.

Er schüttelte den Kopf.

"Ich habe nicht viel abbekommen. Und schließlich ist es auch schon fünf Tage her." sagte er ernst.

"Fünf Tage?" fragte sie erschrocken und wollte sich wieder aufrichten. Der Schmerz und Mulder zwangen sie wieder zurück in die Kissen.

"Du hast vier Tage im Koma gelegen und dann fast 14 Stunden geschlafen." erklärte er.

"Wie sehe ich denn aus?" fragte sie und hob eine Hand zum Gesicht. Ihre Handgelenke waren dick verbunden. Auch um ihre Rippen konnte sie einen strammen Verband spüren. Sie fuhr mit ihren Fingern über ihre Wangen.

Mulder kramte einen Spiegel aus ihrem Nachtschrank und reichte ihn ihr.

Zögernd griff sie danach.

"Nimm nur, es ist nicht mehr so schlimm." meinte er und sie sah hinein.

Sie stöhnte leise auf.

"Wie habe ich denn dann ausgesehen, wenn du das hier "nicht mehr so schlimm" nennst?" wollte sie wissen.

"Die Ärzte haben Fotos gemacht, du kannst sie dir sicher ansehen, in ein paar Tagen." meinte er sanft und streichelte behutsam über ihre Wange.

"Und was fehlte mir?" wollte sie wissen.

"Vier gebrochene Rippen und Milzriß. Zwei der Rippen haben sich in deinen linken Lungenflügel gebohrt. Und eine Rippe hat den Magen verletzt." erzählte er leise.

"Ein Wunder, dass ich noch lebe." flüsterte sie und er nickte mit ernstem Gesicht.

"Dana?" meinte er schließlich, nach wie vor ihre Wange streichelnd.

"Mmh?" antwortete sie.

"Ich liebe dich. Ich hatte in den letzten Tagen keine Gelegenheit, es dir zu sagen." flüsterte er.

"Ich habe es gespürt." antwortete sie mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Sie führte ihre Hand wieder zu seiner Wange und streichelte ihn sacht.

"Ich liebe dich auch." sagte sie leise.

Sie schloss ihre Augen.

Ja, sie würde tatsächlich darüber nachdenken einfach aufzuhören. Zu schnell konnte schließlich alles vorbei sein.

Ende

Schon wieder so eine Geschichte. Eigentlich bin ich gar nicht so gewalttätig. Diese Geschichte kam mir ganz plötzlich in den Sinn, als ich morgens im Bett lag und überlegt habe, was ich in der Nacht geträumt hatte. Ich hatte nur noch Bruchstücke von Erinnerungen im Kopf und diese hatten Ähnlichkeit mit dieser Story. Als ich mich hinsetzte, um sie zu schreiben, entwickelte sich die Geschichte plötzlich wie von selbst, und heraus kam eben das hier.

Aber ich hoffe, ihr fandet es nicht zu schlimm! Ich würde mich über Feedback sehr freuen.

Trahnfisch@gmx.de