Destiny
" Ach, Carrie, dazu hab ich heute überhaupt keinen Nerv..."
" Das sagst du immer, Dana. Du kommst heute Abend mit. Keine Wiederrede." Drang Carries Stimme durch den Telefonhörer.
Dana seufzte. Jetzt hatte sie verloren. Wenn Carrie sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, konnte man eh nichts anderes mehr tun als sich seinem Schicksal zu fügen.
" Ist gut..." gab Dana schließlich nach.
" Klasse!" quietschte Carrie. " Wird bestimmt echt cool. Wirst schon sehen. Dann machen wir zwei heute Abend mal die Clubs unsicher..."
" Yeaha." Sie schien wenig begeistert.
" Och, Danalein... sei doch nicht so ne Spaßbremse. Außerdem wollte ich dir doch meinen neuen Freund vorstellen... er ist wirklich ein Traum... diesmal ist es sicher für immer..." schwärmte Carrie.
Dana lachte kurz auf.
" Was ist denn bitte daran so lustig?" rief ihre Freundin empört aus.
" Das sagst du jedes Mal."
" Aber diesmal ist es wahr. Wirst schon sehen."
" Ja, ja...wenn du meinst." Dana hatte keine Lust sich auf weitere Diskussionen mit ihr einzulassen. " Wenn du willst, dass ich heute Abend pünktlich bin, dann lass uns jetzt Schluss machen. Ich muss mich noch fertig machen..."
" Kay. Bis dann, Süße."
" Bye."
Fröstelnd lief Dana punkt 20 Uhr vor einem der Clubs auf und ab. Hoffentlich würde sich Carrie beeilen...
" DANA! HIEEERRRR!" ertönte Carries ohrenbetäubende Stimme über den Platz.
Dana drehte sich erfreut zu ihrer Freundin um- und erstarrte. Mit im Schlepptau hatte diese nämlich noch ungefähr zwanzig andere Leute.
Freudig fiel Carrie ihrer Freundin um den Hals.
" Du siehst klasse aus, Süße."
" Danke." Dana errötete leicht.
" Na, wie lange standest du vorm Spiegel?"
" Nicht lange..." log Dana. In Wirklichkeit hatte sie den halben Nachmittag davor verbracht.
Carrie grinste wissend.
" Schon klar." Dann drehte sie sich um und zog einen jungen Mann mit braunen Haaren und nussbraunen Augen an der Hand zu sich. Dana musste zugeben, dass er wirklich attraktiv war... von seinem athletischem Körper, bis hin zu seinen vollen Lippen...
" Darf ich vorstellen?" holte Carrie sie in die Realität zurück. " Das ist Fox."
" Hi." Er schüttelte Dana die Hand.
" Hi."
" Ich hab’s aber eigentlich lieber wenn man mich Mulder nennt... das ist mein Nachname, weißt du... ich mag meinen Vornamen nicht besonders..."
" Kein Problem."
" So, und nun gehen wir uns amüsieren." Flötete Carrie und zog Mulder an der einen, Dana an der anderen Seite mit sich. Die anderen Personen, einige schon betrunken, liefen einfach hinterher.
Wenn Dana den Club indem sie landeten mit einem Wort hätte beschreiben sollen, dann wäre das " grässlich" gewesen. Die Luft war stickig, die Menschen betrunken und in der Mitte tanzten irgendwelche Teenies umher....unter ihnen natürlich auch Carrie.
Mulder und Dana saßen am Tresen.
" Dir scheint es hier nicht sonderlich zu gefallen." Stellte Mulder fest.
" Oh, ähm... doch...ist klasse hier." Dana wollte keine Spielverderberin sein, doch Mulder hatte sie durchschaut.
" Ist schon ok. Ich mag es auch nicht."
Dana lächelte erleichtert.
" Wie lange kennen du und Carrie euch schon?"
" Oh," Dana nippte an ihrer Cola. " Schon ziemlich lange...seit fünfzehn Jahren oder so...Leider haben wir uns zwischendurch mal aus den Augen verloren, weil mein Vater wegen seiner Arbeit oft versetzt wurde. Na, ja, und seine Familie musste halt immer mit..."
" Wo arbeitete dein Vater denn?" fragte Mulder interessiert.
" Bei der Navy."
" Cool."
" Wenn du meinst..." Dana schien auf einmal traurig.
" Hey." Er strich ihr kurz über die Wange. " Alles in Ordnung? Hab ich was falsches gesagt?"
" Schon gut. Nicht dein Fehler... Weißt du, alle stellen sich das immer so irrsinnig cool vor. Dabei ist es das gar nicht. Kannst du dir auch nur annähernd vorstellen, wie ich mich gefühlt habe wenn es wieder mal hieß " Dad muss zu einem neuen Stützpunkt. Packt eure Koffer!" ? Weißt du wie ich mich gefühlt habe, wenn ich mich gerade irgendwo eingelebt hatte und dann wieder Lebwohl sagen musste? Bestimmt nicht. Du hast noch niemanden verloren."
Mulder schluckte.
" Sollen wir beide ein wenig rausgehen? Ich glaub ich muss dir da was erklären."
Dana nickte und folgte ihm. Er schien mit sich selbst zu ringen, ob er Carrie informieren solle oder nicht. Als er sie schließlich lachend zwischen zwei anderen Männern erblickte, ließ er es bleiben.
Draußen war es noch kühler geworden. Fröstelnd zog Dana den Mantel noch etwas enger um ihren Körper. Mulder registrierte dies und legte ihr fürsorglich einen Arm um die Schultern.
" Sollen wir noch zu mir fahren?"
Dana musterte ihn skeptisch.
" Zum quatschen?"
Schließlich willigte sie ein.
Natürlich war es unvernünftig mit einem wildfremden Mann einfach so wegzufahren, aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund vertraute sie ihm.
Mulder besaß ein Apartment in Massachusetts und genau so hatte Dana es sich vorgestellt: klein und unaufgeräumt. Aber irgendwie auch gemütlich.
Ganz Gentleman- like nahm er ihr den Mantel ab und wies mit seiner freien Hand auf die Couch.
" Setzt dich schon mal. Willst du nen Kaffee?"
" Gern."
" Was machst du eigentlich so beruflich?" ertönte seine Stimme aus der Küche.
" Ich studiere Medizin."
" Oh, Arzt zu werden ist immer gut."
Dana schmunzelte.
" Na, ja, ich glaube nicht, dass ich für die Menschen später sehr von Nutzen sein werde.... zumindest für die Lebenden. Ich studiere nämlich forensische Medizin."
" Oh," erklang seine Stimme wieder nach einer Weile. " Wers mag."
Nun, er hatte es zumindest besser aufgefasst als ihre anderen Freunde. Besonders Carrie war von ihrer Entscheidung nicht sehr begeistert gewesen.
" Und was ist mit dir?" Irgendwie machte dieser Kerl sie neugierig.
Mulder kam mit zwei großen Tassen Kaffee zurück.
" Ich studiere Psychologie in Oxford." Er gab ihr eine Tasse. " Ich habe gerade Semesterferien. Meine Eltern bezahlen mir das Apartment hier, sonst könnte ich es mir gar nicht leisten."
Nachdenklich schaute Dana zu ihm hinüber, wie er an seinem heißen Kaffee nippte. Er hatte ein sehr jungenhaftes Gesicht, aber seine Augen.... die faszinierten sie am meisten. In ihnen lag so etwas weises...gejagtes.
" Warum hast du mich mitgenommen?"
Er schaute ihr tief in die Augen.
" Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?"
" Nun, ja... streng logisch betrachtet müsste ich wohl sagen: nein."
"Und unlogisch?"
Dana schüttelte bedauernd den Kopf.
" Ich denke stets logisch, Mulder. Ich bin Wissenschaftlerin... aber vielleicht könntest du mir trotzdem mal sagen was das alles hier auf sich hat."
" Ich..." setzte Mulder an. " Ich weiß, für dich klingt das möglicherweise total lächerlich, aber als ich dich heute Abend das erste Mal gesehen habe, hatte ich das Gefühl, als ob wir uns schon ewig kennen...."
" Nun, das kann durchaus möglich sein. Das ist ein unbewusster Reflex unseres Gehirns wenn wir Menschen begegnen, die z.B. Familienmitgliedern, Menschen die uns nahe stehen, auf gewisse Weise ähnlich sehen oder uns. Durch ihr Verhalten, an sie erinnern."
Mulder schüttelte den Kopf.
" So mein ich das nicht. Hör mir zu! Ich habe mich damals in eine Regressionshypnose versetzen lassen, weil ich mich an den Abend erinnern wollte, als meine Schwester verschwand."
" Deine Schwester ist verschwunden? Oh, Gott, Mulder, das tut mir so leid. Ich hatte ja keine Ahnung....habt ihr sie wiedergefunden?" in Danas Augen spiegelten sich Mitleid.
" Nein. Sie wurde damals von Außerirdischen entführt. Ich war auch da...aber...ich konnte nichts tun. Da war so ein grelles Licht und ich war wie paralysiert..."
Ihr rationaler Verstand weigerte sich dies zu glauben, aber das würde sie ihm nicht sagen. Glaube war alles, was diesen Mann noch aufrecht hielt.
" Na, ja... auf jeden Fall hat sich in dieser Regressionshypnose ebenfalls herausgestellt, dass ich in meinem früheren Leben eine sehr starke Bindung zu einer Frau hatte...wir wurden damals auseinandergerissen, aber unsere Liebe war stark. Sehr stark. Ich habe sie zwar nicht gesehen, aber ich hatte so ein... Gefühl, als ich mich an sie erinnerte.... Und das gleiche Gefühl hab ich bei dir auch..."
Verlegen schaute Dana zu Boden. Was er ihr gerade eben gesagt hatte war wunderschön, ohne Zweifel, aber er war immerhin der Freund ihrer besten Freundin verdammt!
" Du hast ein schlechtes Gewissen wegen Carrie, stimmts?"
Mann o Mann, langsam wurde ihr der Kerl unheimlich.
" Ich weiß nicht, was sie dir erzählt hat, aber wir sind nicht zusammen."
Dana schaute ihn verwundert an.
" Seit ihr nicht?"
" Nein. Ein harmloser Flirt. Sonst nichts. Wir haben uns noch nicht einmal geküsst....Carrie neigt des öfteren dazu leicht zu übertreiben...aber sie hat nen guten Charakter."
Dana wusste nicht warum, aber auf einmal war sie unheimlich erleichtert.
" Dana, ich weiß, dass du nicht an so etwas glaubst, aber wir kennen uns schon so lange... zwei Leben lang um genau zu sein..."
Langsam beugte er sich zu ihr herab und berührte ihre Lippen mit den seinen. Zärtlich knabberte er an ihrer Unterlippe und bat um Einlass. Einen Augenblick lang war Dana wie erstarrt, doch schon bald kam sie seiner Bitte nach und ließ ihn gewähren.
Vorsichtig erforschten ihre Zungen die Mundhöhle des anderen, während Mulder sie sachte in eine liegende Position brachte und sich auf sie legte.
Nach und nach fielen immer mehr Kleidungsstücke und jeder Zentimeter der enthüllten Haut wurde mit federleichten Küsschen begrüßt.
Sie hatte ihren verfluchten Verstand schon lange zum Teufel geschickt. Sie wollte einfach nur noch genießen. Genießen und nicht mehr denken...
Als Dana am nächsten Morgen erwachte, fühlte sie sich ungewohnt schwer. Sie öffnete ihre Augen und erkannte auch den Grund dafür. Mulder hatte es sich in dieser Nacht wohl auf ihr bequem gemacht.
Sie war hin und hergerissen zwischen Freude darüber, dass sie eine wundervolle Nacht erleben durfte, und heulen, dass diese nun zu Ende war.
Ohne es wirklich zu merken, bahnte sich eine einsame Träne den Weg an ihrer Wange hinunter.
" Hey, Honey. Nicht weinen." Mulder muss wohl wachgeworden sein während sie vor sich hingrübelte und strich ihr nun die Träne weg.
" Es ist in Ordnung. Mir geht es gut."
" Ok." Gab er nach einem weiteren prüfenden Blick schließlich nach und küsste kurz ihre Stirn. " Ich geh dann mal ins Badezimmer."
Dana nickte wortlos.
Gerade als er sie Tür hinter sich schloss sprang sie auf und zog sich an. Dann verlies sie so schnell es eben ging seine Wohnung. Sicher war es für ihn nur ein One-Night-Stand und gleich würde er sie sowieso bitten zu gehen. Die Geschichte mit ihrem früheren Leben war ihrer Meinung nach nur eine kluge Anmache gewesen. Mulder konnte einfach nicht wissen, was diese Nacht für Gefühle in ihr ausgelöst hatte und sie war sich sicher, es nicht ertragen zu können wenn sie ihm beim Lebwohl- sagen Auge in Auge gegenüberstehen müsste.
Doch sie musste jetzt stark sein. Ihn einfach aus ihrem Leben streichen...
4 Jahre später
" Agent Scully, kennen Sie einen Agenten Namens Fox Mulder?"
Sie glaubte zu merken, wie ihr Herz einen Augenblick lang aussetzte. Dana hatte diesen Namen in den letzten vier Jahren bewusst verdrängt .Sie wurde heute Morgen von Detektive Blevins direkt aus der Gerichtsmedizin in sein Büro beordert. Was hatte das alles mit Mulder zu tun? Er war auch FBI Agent? Warum? Was war mit seinem Psychologiestudium? Fragen über Fragen...
" Nur vom Hörensagen." Log sie schließlich.
Blevins erzählte ihr, dass Mulder die X Akten bearbeitete. Die waren ihr natürlich nicht unbekannt. Überall kursierten Gerüchte über diese unerklärbaren Fälle und über den Spinner, der sie bearbeitete. Aber woher sollte sie denn, verdammt noch mal, wissen, dass dieser Spinner Fox Mulder war?
" Agent Scully, wir werden Sie Agent Mulder als Partnerin zuteilen und vertrauen darauf, dass sie profunde wissenschaftliche Analysen durchführen werden. Ich bin schon sehr gespannt auf ihre genauen Berichte."
Wie bitte was? Hatte sie eben richtig gehört?
" Wenn ich das also richtig verstehe, soll ich Agent Mulder ausspionieren, Sir?"
" Sie sollen nur ihre Arbeit tun, Agent Scully. Guten Tag."
Mit einem komischen Gefühl in der Magengegend erhob sich Scully vom Stuhl und machte sich auf den Weg Richtung Keller.
Sie konnte Mulder doch unmöglich ausspionieren. Nicht nach der Nacht vor vier Jahren. Hoffentlich würde er nicht nachfragen, warum sie so schnell gegangen sei....hoffentlich.
Fast wiederwillig, aber auch mit Vorfreude ihn wiederzusehen, klopfte sie an.
" Niemand zu Hause außer dem allseits unerwünschten Mr. Mulder." Rief eine Stimme von drinnen. Grinsend öffnete Dana die Tür. Dieser Sarkasmus passte einfach zu Mulder. Sie trat ein und ließ einen kurzen Blick durch das Büro schweifen. Vom Boden bis zur Decke waren Bücher gestapelt. Auf mehreren Tischen türmten sich alte Zeitungen, Zettel und Berichte und haufenweise Fotos mit unscharfen Motiven. Nun sah sie in Mulders Richtung. Er trug sein Haar jetzt etwas länger als vor vier Jahren, hatte sich aber sonst nicht verändert. Über seinem Kopf an der Wand hing ein Poster mit der Aufschrift : ICH MÖCHTE GLAUBEN!
Wie passend!
" Agent Mulder? Mein Name ist Dana Scully. Ich werde ihnen ab heute mit zur Hand gehen."
Beim Klang ihrer Stimme fuhr Mulder herum.
" Dana?" wisperte er ungläubig. Dann sprang er auf und schloss sie in seine Arme.
Scully genoss es sichtlich.
" Oh, Gott, ich kann es immer noch nicht glauben... was machst du hier?"
" Sie haben mich dir zugeteilt. Ich ähm... soll deine Arbeit überwachen, aber...du weißt hoffentlich, dass du mir vertrauen kannst, Mulder..."
" Ich weiß...." Er umschloss ihre Hand mit seiner. " Warum bist du einfach weggegangen?"
Dana schaute betreten zu Boden.
" Ich war der Ansicht nur ein One-Night-Stand für dich gewesen zu sein... ich hatte einfach solche Angst wenn du mich bitten würdest zu gehen...ich..."
" Du Dummerchen!" Mit sanfter Gewalt zwang er sie, ihm in die Augen zu sehen du verteilte anschließend ein paar Eskimoküsse. " Du warst für mich alles andere als ein One-Night-Stand. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie das für mich war, als ich feststellen musste, dass du abgehauen bist ohne eine Nummer oder sonst was zu hinterlassen. Ich kannte ja noch nicht mal deinen Nachnamen..."
" Es tut mir so leid." Dana fing an zu schluchzen." Ich hab wohl alles versaut, mmh?"
" Nichts hast du versaut, Dana. Ich liebe dich! Immer noch."
" Was? Mulder, ist das wahr?"
Er nickte bestätigend.
" Glaubst du an das Schicksal?"
Scully strahlte.
" Ab jetzt schon."
Ende
So, auch wenn es mich einige Überwindung gekostet hat, habe ich sie sich am Ende mal nicht küssen lassen ( ich bin fies, ich weiß *g*). Sonst wäre es noch schnulziger geworden und das wollte ich wenigstens ein Mal verhindern...