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Titel: Autor: Kontakt: Beta: Spoiler: Rating: Kategorie: Short Cut: Disclaimer: Autorsnote: |
Auf der Flucht |
Ich langte verschlafen nach dem Telefonhörer, um dem schrillen Klingeln Einhalt zu gebieten. Es gelang mir tatsächlich, ihn in die Finger zu bekommen und dabei auch noch einen Blick auf meinen Wecker zu werfen. Es war gerade mal halb drei in der Nacht und natürlich wusste ich, wer am anderen Ende der Leitung sein würde, obwohl er mich schon lange nicht mehr auf diese Art geweckt hatte.
"Hallo?" nuschelte ich undeutlich in die Muschel und wartete darauf, dass Mulder mir sagen würde, dass er wieder schlecht geträumt hatte. Ich streckte mich, um an den Lichtschalter zu gelangen und blinzelte geblendet, nachdem ich ihn erreicht hatte und meine Nachttischlampe ein helles Licht im Zimmer verstrahlte.
Ehrlich gesagt fragte ich mich, warum er nicht bei mir geschlafen hatte. Denn seit wir vor drei Jahren die Grenzen überschritten hatten, die wir uns einst selber gesetzt hatten, schlief er nur sehr selten alleine bei sich zu Hause. Und ich konnte immer sicher sein, dass in diesen Nächten das Telefon klingelte, weil ihn ein Alptraum geweckt hatte.
Ein schweres Keuchen am anderen Ende der Leitung zog nun meine Aufmerksamkeit auf sich und ich war mit einem Schlag hellwach.
"Mulder?" fragte ich besorgt und das Keuchen wurde lauter.
"Dana... ich habe....." stammelte Fox undeutlich und ich setzte mich auf.
"Fox? Bist du in Ordnung?" wollte ich wissen und merkte, wie sich eine kalte, nackte Angst in mir ausbreitete.
"Ich habe Scheiße gebaut!" stieß er mit letzter Kraft hervor.
"Wo bist du? Bist du verletzt?" fragte ich alarmiert.
"Ich... Hafen!" brachte er hervor und keuchte wieder auf.
"Bleib wo du bist. Ich werde kommen und dich holen." Ich sprang aus dem Bett und griff nach meinen Sachen.
"Aber *die* sind hier." stöhnte er und hustete unterdrückt.
Egal wer *die* waren, sie hatten ihm offenbar sehr zugesetzt.
"Wer sind *die*?" erkundigte ich mich.
"Sie werden mich nicht einfach so gehen lassen!" hörte ich ihn reden und machte mir nun wirklich Sorgen. Er hatte offenbar große Schmerzen und war am Ende seiner Kräfte. Ich musste so schnell es ging dort hin und ihn da weg holen.
"Fox, ich werde in zwanzig Minuten da sein. Bleib wo du bist." sagte ich nur und schmiss den Hörer zurück auf die Gabel. Innerhalb von einer Minute hatte ich mich angezogen und war auf dem Weg zum Hafen.
Im Hafen liefen eine Menge Leute mit Taschenlampen herum. Mir war klar, was oder vielmehr *wen*, sie suchten. Sie wollten Mulder wieder haben. Ich konnte nur hoffen, dass ich ihn zuerst finden würde.
Erst jetzt wurde mir bewusst, wie groß dieser verdammte Hafen war, und dass es besser gewesen wäre, wenn wir einen genauen Treffpunkt ausgemacht hätten. So konnte ich Stunden nach ihm suchen.
Während mein Herz vor Angst fast schmerzhaft gegen meine Rippen pochte, fuhr ich planlos den Pier entlang und hielt die Augen offen.
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Die Scheinwerfer meines Wagens trafen auf einen Schatten, der zwischen zwei großen Fässern auf dem Boden lag und ich bremste langsam ab. Nachdem ich meine Waffe gegriffen hatte, stieg ich langsam aus dem Auto und lauschte auf die Geräusche, die die Nacht erfüllten. Nicht weit von mir entfernt, rief jemand einige Anweisungen und ich konnte hören, wie Schritte rasch näher kamen.
"Fox?" wisperte ich, in der Hoffnung, dass er der Schatten zwischen den Fässern war. Ein Stöhnen war die Antwort und ich atmete erleichtert auf. Mit zwei schnellen Schritten trat ich auf die Gestalt zu und bückte mich.
Ein Blick in sein Gesicht raubte mir den Atem und die Erleichterung, die sich erst wenige Sekunden zuvor begonnen hatte einzustellen, schwand wieder. Er war ganz übel zugerichtet worden.
"Oh mein Gott!" stieß ich hervor und legte meine Hand vorsichtig an seine Wange. Er öffnete seine Augen und ich konnte trotz der schlechten Lichtverhältnisse Angst und Schmerz in ihnen erkennen.
"Dana..." brachte er mühsam hervor und ich legte ihm meinen Zeigefinger auf die Lippen.
"Ssht. Ich bringe dich hier weg." flüsterte ich und half ihm beim Aufstehen.
Mulder war so schwach, dass ich ihn fast tragen musste, damit er nicht zusammen brach. Wir stolperten auf das Auto zu und ich öffnete unter einigen Schwierigkeiten die Beifahrertür. Als ich ihn gegen das Auto lehnte, um eine meiner Hände frei benutzen zu können, stöhnte er unterdrückt auf.
Die Schritte, die ich schon beim Aussteigen aus dem Wagen gehört hatte, kamen nun näher und ein heller Lichtstrahl wanderte schnell auf uns zu.
"Da ist er!" hörte ich einen Mann schreien und Mulder keuchte neben mir gepeinigt auf.
"Scheiße!" fluchte ich und beeilte mich, ihn von der Motorhaube weg und auf die offene Beifahrertür zuzuziehen.
Ein Schuss zerriss die Stille der Nacht und die Kugel schlug nur einen halben Meter neben Mulder in den Asphalt.
"Los, Fox! Du musst in das Auto steigen!" spornte ich ihn an, doch Mulder konnte einfach nicht schneller. Ein weiterer Schuss löste sich und nur den Bruchteil einer Sekunde später schrie Mulder leise auf. Sein linkes Bein sackte weg und ich stieß ihn mit letzter Kraft in den Wagen, die Tür hinter ihm zuschlagend. Nur am Rande erkannte ich, dass die Männer offenbar gezielt auf Mulder feuerten, denn schließlich bot ich ein deutlich besseres Ziel, doch ich blieb verschont.
Mit langen Schritten rannte ich um das Auto herum und schmiss mich hinter das Lenkrad. Die Kugeln, die nach wie vor auf uns abgefeuert wurden, verfehlten mich nur knapp und schlugen in den Wagen ein. Offenbar hatten sie ihre Strategie geändert, wollten nun mich treffen um ihr Ziel zu erreichen. Sie wollten Fox haben.
Mit zitternden Fingern startete ich das Auto und fuhr mit durchdrehenden Reifen an. Ein Teil der Männer feuerte noch immer auf den Wagen, während ich im Rückspiegel beobachten konnte, dass der andere Teil sich zurückzog. Mulder hatte recht gehabt, sie würden ihn nicht einfach so gehen lassen.
Mein Verdacht bestätigte sich, als ich nur kurze Zeit später die Scheinwerfer von mindestens zwei Autos im Rückspiegel erkennen konnte.
"Scheiße!" fluchte ich unterdrückt auf und warf einen Blick auf Mulder, der hastig atmend neben mir auf dem Beifahrersitz saß.
Was ich sah, stimmte mich nicht ruhiger. Im Gegenteil, ich merkte, wie beim Anblick des Blutes, das aus Mulders linkem Bein schoss, Panik in mir aufstieg, die ich nur schwer zurückhalten konnte.
"Oh, verdammt!" schrie ich. Mulder atmete hektisch und flach. Schweiß stand auf seiner Stirn und sein Gesicht war schmerzverzerrt. Seine Augen waren geschlossen und er hatte offenbar nicht einmal die Kraft, auf die Wunde zu drücken, um die Blutung zu dämmen.
"Fox?" sprach ich ihn an, doch er reagierte nicht.
"Fox, kannst du dir den Gürtel aus der Hose ziehen? Du blutest sehr stark. Wir müssen das in den Griff bekommen!" schrie ich fast, doch noch immer zeigte er keine Reaktion. Ich wusste nicht einmal, ob er mich überhaupt hörte.
Also gut. Ich durfte jetzt nicht in Panik geraten.
Ein schneller Blick in den Rückspiegel zeigte mir, dass die Wagen noch immer hinter uns waren, und zu allem Überfluss hatten sie aufgeholt. Ich drückte das Gaspedal noch ein wenig tiefer und heftete meine Augen auf die Strecke vor uns.
Mit der rechten Hand tastete ich mich zu Mulders Gürtel und fingerte an dem Verschluss herum. Endlich öffnete er sich und ich zog mit aller Kraft daran, um ihn aus den Laschen der Hose hinaus zu bekommen.
Mit fliegenden Fingern legte ich ihn oberhalb der Schusswunde auf das Bein und tastete dann von der anderen Seite danach, um ihn komplett um das Bein herum wickeln zu können. Als mir das so ganz ohne Blickkontakt nicht gelang, sah ich kurz hinunter und schließlich schaffte ich es. Ich fädelte die eine Seite in die Schnalle und zog so fest ich konnte. Mulder stöhnte leise auf, doch die Blutung ließ ein wenig nach.
Rasch blickte ich wieder auf die Straße vor mir und zuckte zusammen, als ich auch vor uns zwei Scheinwerfer ausmachte. *Die* hatten offenbar vor, uns in die Zange zu nehmen. Auch die Wagen hinter uns hatten weiter aufgeholt, so dass sie nur noch etwa fünfzig Meter Abstand hatten.
Während ich den Gürtel provisorisch zum Abbinden um das Bein geschlungen hatte, war ich deutlich langsamer geworden.
Ich drückte das Gaspedal bis auf den Boden des Fahrzeugs und suchte hektisch mit den Augen die dunkle Umgebung ab. Offenbar gab es hier keine Möglichkeit zu entkommen.
Auf der linken Seite war nur Wasser. Rechts waren große Container gestapelt, zwischen denen zwar immer kleine Abstände waren, doch wusste ich nicht, ob ich dort auf der anderen Seite wieder raus kam, oder ob ich geradewegs in eine Sackgasse fuhr. Die Verfolger holten weiter auf, waren bereits auf fünfzehn Meter heran gekommen und auch der Wagen, der uns entgegen kam, war beängstigend Nahe. Ich musste eine Lösung finden und zwar innerhalb der nächsten Sekunde.
Was würde Mulder machen, wenn er am Steuer säße?
Ich brauchte nicht lange über die Frage nachzudenken, ging auf die Bremse und riss das Lenkrad mit der linken Hand nach rechts herum. Mit der rechten hielt ich immer noch das eine Ende des Gürtels fest, um die Blutung zu stoppen. Das Auto rutschte noch einige Meter und kam dann im rechten Winkel zur bisherigen Fahrtrichtung genau zwischen zwei Containern zum Stehen.
Noch ehe mir wirklich klar war, dass ich genauso gut in unseren Tod fahren könnte, gab ich schon wieder Gas und fuhr in den schmalen Weg hinein.
Der entgegenkommende Wagen bremste ab und setzte zur Verfolgung an, doch auch die beiden Wagen, die bereits hinter uns waren, wollten in die Gasse einbiegen.
Ein lautes Krachen und eine direkt darauf folgende Explosion, ließ mich in den Rückspiegel schauen, wo ich einen großen, gelb-orangen Feuerball sehen konnte, der schnell kleiner wurde.
Ich gestattete es mir, die angehaltene Luft aus den Lungen zu pressen, während sich meine Augen wieder auf die vor mir liegende Umgebung konzentrierten.
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Ich konnte es kaum glauben, aber wir hatten es tatsächlich geschafft das Hafengelände zu verlassen, ohne geschnappt zu werden. Mulder saß immer noch still auf dem Beifahrersitz. Ich war mir ziemlich sicher, dass er das Bewusstsein verloren hatte. Er verlor zwar aufgrund des provisorisch angebrachten Gürtels deutlich weniger Blut als vorher, doch war es immer noch zu viel. Sein Atem war flach und schnell und ich befürchtete, dass er unter Schock stand, was die Sache nicht einfacher machte.
Mit überhöhter Geschwindigkeit fuhr ich nun durch D.C., während ich überlegte, wie ich am besten weiter vorgehen sollte. Mulder musste in das nächste Krankenhaus, doch ich war mir nicht sicher, ob wir dort nicht bereits erwartet werden würden.
Ich war noch völlig in Gedanken versunken, wägte die Für und Wieder gegeneinander ab, als ich in die Straße einbog, in der meine Wohnung lag.
Blaulichtgeflacker zog meine Aufmerksamkeit auf sich und ich wurde unwillkürlich langsamer.
Fünfzig Meter vor dem Haus, in dem ich lebte, ließ ich den Wagen ausrollen und betrachtete die Szene kritisch.
Eine große Gestalt stand bei einem der ersten Polizeiautos und kam nun auf den Wagen zu. Ich konnte sehen, wie die Person sich immer wieder nach allen Seiten umsah, als hätte sie Angst, dass jemand sie sehen könnte.
Erst als er direkt durch das Licht der immer noch eingeschalteten Scheinwerfer lief, konnte ich erkennen, dass es sich um Assistent Director Skinner handelte. Schnell fuhr ich das Fenster an der Fahrerseite hinunter.
"Sir!" stieß ich erleichtert hervor. Beim Anblick seiner ernsten Miene wich die Erleichterung jedoch rasch wieder.
"Agent Scully! Gott sei dank, sie leben!" sagte er erleichtert und warf dann einen Blick auf Mulder.
"Scheiße!" entfuhr es ihm und ich nickte zustimmend.
"Sir, was ist hier los?"
"Sie müssen weg! Ich dürfte nicht einmal mit ihnen reden. Sehen sie zu, dass sie untertauchen. Ich habe keine Ahnung, was sie angestellt haben, aber die höchsten Tiere der Regierung haben sie beide praktisch zu den Staatsfeinden Nummer eins erklärt. Es werden alle Flughäfen, Bahnhöfe und Krankenhäuser nach ihnen abgesucht. Es läuft eine Großfahndung. Wenn die erfahren, dass ich mit ihnen gesprochen habe, dann bin ich dran." antwortete er mir mit gedämpfter Stimme.
"Aber Sir..." begann ich, doch er unterbrach mich.
"Scully, tun sie was ich ihnen gesagt habe, bevor jemand herausfindet, dass sie hier waren. Ich nehme an, wenn wir im wilden Westen wären, würde auf ihrer Personenbeschreibung "Tod oder Lebendig" stehen. Die Leute werden erst schießen und dann fragen." Er deutete auf Mulder. "So wie bei ihm offensichtlich auch."
Ich schluckte. Das hatte ich nicht erwartet. Ich hatte zwar immer gedacht, dass es uns eines Tages passieren könnte, doch ich hatte nie wirklich damit gerechnet. Und ich hätte nie gedacht, dass es sich so anfühlen würde.
Eigentlich wusste ich nicht genau, was ich überhaupt fühlte.
Wut. Trauer. Hilflosigkeit. Und noch etwas.
Entschlossenheit. Entschlossenheit, dass es noch nicht zu Ende war. Das *die* noch nicht gewonnen hatten.
Während ich langsam das Fenster meines Wagens hoch fuhr, sah ich Skinner unentwegt an.
Auch in seinem Gesicht konnte ich die verschiedensten Emotionen sehen.
"Sir?" sagte ich, kurz bevor die Scheibe oben war.
Er sah mich fragend an.
"Könnten sie meiner Mutter sagen, dass wir in Ordnung sind?" bat ich. Skinner nickte und ich schloss das Fenster nun endgültig und gab Gas.
Während ich den Wagen wendete, legte ich mir bereits einen Plan zurecht. Ganz alleine konnten wir es nicht schaffen. Wir brauchten Geld und unsere Kreditkarten würden wir nur noch heute Nacht benutzen können.
Unser erster Stop würde also ein Geldautomat sein, wo ich soviel Geld wie Möglich abheben wollte.
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Ich bekam Neunhundert Dollar aus dem Geldautomaten. Damit würden wir zumindest einige Tage über die Runden kommen.
Das Glück schien für den Moment auf unserer Seite zu sein, denn neben dem Automaten gab es ein öffentliches Telefon.
Ich überlegte nur eine Sekunde ob ich es wagen sollte, doch dann griff ich nach dem Hörer und wählte schnell die Nummer, die wir schon seit vielen Jahren immer dann wählten, wenn wir Hilfe brauchten.
Schon nach dem zweiten Klingeln wurde am anderen Ende der Leitung der Anruf entgegen genommen.
"Hallo?" tönte Frohikes Stimme an mein Ohr.
"Jungs, wir brauchen dringend Hilfe!" war alles, was ich rasch zu ihm sagte.
"Scully? Himmel du lebst. Was ist mit Mulder? Geht es euch beiden gut. Wir haben die Suchmeldung gehört, die sie rausgegeben haben." schrie der kleine Mann erleichtert auf.
"Wo seid ihr?" drang Byers Stimme an mein Ohr.
Ich zögerte, ehe ich antwortete.
"Auf dem Weg in den Süden! Ist die Leitung abhörsicher?" wollte ich wissen.
"Gib mir die Nummer durch und warte zwei Minuten. Wir rufen gleich zurück. Dann können wir reden." klinkte Langly sich ein.
Ich nannte ihm die Nummer und hängte dann ein. Ich hoffte, dass die Leitung nicht abhörsicher gewesen war, denn so hatte ich unsere Verfolger mit meiner Aussage in die falsche Richtung gelockt. Denn ich hatte keineswegs vor, nach Süden zu fahren.
Nur zwei Minuten, nachdem ich die Leitung getrennt hatte, klingelte das Telefon schrill. In der Stille der Nacht, ein Blick auf meine Uhr hatte mir gezeigt, dass es erst kurz nach vier Uhr war, war der Ton viel zu laut und ich befürchtete, dass vielleicht ein Anwohner reagieren konnte. Also riss ich schnell den Hörer von der Station und keucht ein unterdrücktes: "Ja!"
"Also gut, wir haben sieben Minuten! Wo seid ihr wirklich?" tönte Byers Stimme erneut an mein Ohr.
"Richtung Norden unterwegs." erwiderte ich.
"Geht es euch gut?" drängte sich Frohike dazwischen.
"Mulder ist schwer verletzt. Er ist nicht bei Bewusstsein und er steht unter Schock. Aber ich kann in kein Krankenhaus." erzählte ich kurz.
"Was können wir tun?" verlangte Byers zu wissen.
"Könnt ihr uns Pässe besorgen. Ein Ehepaar. Schon seit etwa zwei Jahren verheiratet, damit niemand Verdacht schöpft. Wir müssen uns ausweisen können, wenn es hart auf hart kommt. Und wir haben schon seit einiger Zeit ein Bankkonto auf den Cayman Inseln. Wir haben es angelegt für genau einen solchen Fall, in dem wir jetzt stecken..." Ich hörte einen erstaunten Laut von Langly.
"Seit wann habt ihr dieses Konto?" fragte er neugierig.
"Seit fast sieben Jahren. Wir legten es nach meiner Entführung an. Es war Mulders Idee. Seht zu, dass ihr das Geld stückchenweise auf ein Bankkonto auf unseren Decknamen in die Staaten bekommt. Es darf nie zu viel auf dem Konto sein. Falls wir die Identität wechseln müssen, sollte kein Verlust da sein. Und ich brauche einige Medikamente und meinen Laptop." brachte ich meine Aufzählung zum Ende. Ich war mir durchaus darüber im Klaren, was ich von den Jungs verlangte.
"Alles kein Problem, Scully. Wo sollen wir dir die Sachen hinbringen?" wollte Byers wissen.
"Ich werde jetzt noch ein Stück fahren und dort können wir uns dann treffen." war alles, was ich nach einem kurzen Zögern antwortete.
"Wir werden etwas Zeit brauchen." meinte Frohike langsam.
"Ich auch. Ich muss zusehen, dass ich Mulder wieder zusammenflicke. Es gibt in Westminster sicher eine Praxis, die alle nötigen Utensilien enthält. Treffen wir uns dort in..." Ich überlegte kurz.
Es war die Nacht von Samstag auf Sonntag, zum Glück, und vor acht Uhr würde uns niemand bemerken, also hatten wir knappe vier Stunden, eher weniger. Ich hoffte, dass die Zeit reichen würde, sowohl für Mulder und mich, als auch für die Jungs.
"... drei Stunden. Könnt ihr das schaffen?" beendete ich meinen Satz.
Ein kurzes Schweigen erfüllte die Leitung und ich konnte mir regelrecht die Blicke vorstellen, die sie sich jetzt zuwarfen.
"Das könnte knapp werden, aber wir werden unser Bestes tun." kam es von Byers. Mir fiel auf, dass ich ihn noch nie so viel hatte sprechen hören, wie in diesen paar Minuten.
"Scully, hast du dein Handy noch?" wollte Frohike aus dem Hintergrund heraus wissen.
"Frohike meinst du nicht, dass das hier der falsche Zeitpunkt für diese Art von Unterhaltung ist?" fragte ich genervt.
"Das ist es nicht. Es kann als Peilsender genutzt werden, also wirf es weg. Und das von Mulder auch. Und jetzt fahr und sieh zu, dass du ihn wieder in Ordnung bringst. Wir werden in drei Stunden da sein." entgegnete der kleine Mann und ich musste grinsen.
"Die habe ich noch in D.C. entsorgt. Wir sehen uns später." sagte ich und hängte den Hörer zurück auf die Gabel.
Mit schnellen Schritten lief ich zurück zum Auto. Als mir die Einschusslöcher auffielen, schoss mir der Gedanke durch den Kopf, dass wir diesen Wagen ganz schnell los werden mussten.
Eins nach dem Anderen, zügelte ich mich und stieg ein. Liebevoll strich ich Fox mit der Hand über die Wange. Sie war kühl und feucht. Ich tastete nach seinem Puls und erschrak, bei der Geschwindigkeit, die ich fühlte. Einhundertsechzig. Verdammt! Das war viel zu schnell. Wenn er nicht bald eine Infusion bekommen würde und ein Medikament zum Kreislaufstabilisieren dann würde er sterben. Schnell startete ich den Wagen und machte mich auf den Weg in Richtung Westminster.
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Es hatte mich fast meine ganze Kraft gekostet, Mulder aus dem Auto zu zerren und in die chirurgische Praxis zu tragen.
Ich hatte mir und Mulder Handschuhe angezogen, damit wir keine Fingerabdrücke hinterlassen würden. Das Schloss hatte ich schon nach wenigen Sekunden geknackt. Er wäre stolz auf mich gewesen, denn normalerweise überließ ich es immer ihm, dies zu tun. Er hatte mich schon mehr als einmal geneckt, weil ich mich stets weigerte in eine Wohnung oder an einem Tatort einzubrechen. Vermutlich dachte er, dass ich keine Schlösser knacken konnte. Ich würde es ihm unter die Nase reiben, wenn er wieder fit sein würde.
Nun war ich gerade dabei, ihn auf den Behandlungstisch zu legen, was sich als noch schwieriger heraus stellte, als ihn aus dem Auto zu bekommen. Schließlich, nach scheinbar endloser Kraftanstrengung, schaffte ich es und lehnte einen Moment schwer keuchend an dem Tisch. Doch diesen Luxus gönnte ich mir nicht lange und so ging ich zur Eingangstür zurück und verschloss diese sorgfältig. Dann schloss ich die Tür des Behandlungsraumes und ging zu den Fenstern hinüber. Mit schnellen Griffen zog ich die Lamellen zu und schaltete dann erst das Licht im Zimmer an.
Während ich damit begann, Mulder das Hemd hochzuziehen und die Hose abzustreifen, sah ich mich im Zimmer um.
Der Behandlungstisch war in der Mitte des Raumes aufgestellt. Er unterschied sich nicht im Geringsten von einem OP-Tisch und als solcher wurde er wohl auch genutzt. Eine große Lampe hing darüber und würde mir genug Licht spenden, um die Kugel aus dem Bein zu entfernen.
In einem Regal an der Wand sah ich Skalpelle, Nadeln, Zangen, Tupfer, und alles was ein Chirurgenherz sonst noch höher schlagen lässt. Mit einem erleichterten Seufzer sah ich einen Kühlschrank in der Ecke stehen und eilte, nachdem ich die Hose auf den Boden fallen lassen hatte, darauf zu.
Glücklicherweise ist Mulders Blutgruppe nicht so selten, also hoffte ich, dass sie vorrätig sein würde. Ich wurde nicht enttäuscht. Für den Bruchteil einer Sekunde fragte ich mich, wie wir so viel Glück haben konnten. Ich verwarf diesen Gedanken jedoch gleich wieder und griff nach einer Nadel, die ich Fox stechen konnte, um die Infusion anlegen zu können.
Als ich mich umdrehte und auf den Tisch sah, auf dem Mulder lag, drehte sich mir der Magen um. Ich hatte den Gürtel nur für kurze Zeit gelöst, als ich ihm die Hose ausgezogen hatte, doch diese paar Sekunden hatten gereicht, um den Platz aussehen zu lassen, als wenn jemand geschlachtet worden wäre.
Ich wusste, was das bedeutete. Die Kugel hatte eine Arterie verletzt, was die ganze Sache nicht nur sehr viel schwieriger machte, sondern auch sehr viel lebensbedrohlicher für Fox.
Außerdem wusste ich noch immer nicht, was *die* ihm sonst noch angetan hatten. Welche Verletzungen sie ihm noch zugefügt hatten.
"Alles der Reihe nach!" sagte ich leise zu mir selbst und atmete tief durch. Bevor ich begann irgendetwas anderes zu tun, beugte ich mich über sein Gesicht. Ich öffnete ein Auge von ihm und betrachtete die Pupillenreaktion. Sie war normal. Was mich beunruhigte, war der leicht gräuliche Schleier, der sich über seinen Augapfel gelegt hatte. Auch bei dem anderen Auge fiel mir das auf, und auch hier war die Pupillenreaktion vollkommen normal. Ich beschloss, mich später noch einmal darum zu kümmern.
Jetzt musste ich erst einmal einen Platz finden, an dem ich die Infusion legen konnte. Das ist gar nicht so leicht, wenn jemand unter Schock steht. Eine der gefürchtetsten Komplikationen, wenn Notärzte an einer Unfallstelle ankommen, da sich dadurch die Venen verengen.
Endlich fand ich eine geeignete Stelle und stach die Nadel vorsichtig in die Vene. Ich schloss die Blutkonserve an und hängte sie an einem Haken an der Lampe auf. Schnell ging ich wieder hinüber zu dem Kühlschrank und sah die Medikamente durch, die ebenfalls dort aufbewahrt wurden. Schon bald hielt ich ein Medikament in der Hand, welches zur Kreislaufstabilisierung diente und zog eine Spritze auf, deren Inhalt ich in die Infusion spritzte.
Nun konnte ich mich der Schussverletzung widmen.
Schon in einem Krankenhaus wäre das eine schwierige Operation gewesen, und unter den Bedingungen, die hier herrschten war sie noch schwerer durchzuführen. Ich hatte niemanden, der mir die Instrumente anreichte und so verlor ich die Kugel zwei Mal wieder aus den Augen, nachdem ich sie gefunden hatte. Doch schließlich schaffte ich es.
Ich war nass geschwitzt, doch Mulder lebte und es sah nicht so aus, als wenn sein Bein verloren wäre. Ich muss gestehen, ich hatte große Angst, dass es nach der ganzen Zeit, die ich es abgebunden hatte, schwer geschädigt war. Obwohl ich den Gürtel alle halbe Stunde leicht gelockert hatte, um den Blutfluss zum Fuß zu gewährleisten, waren sein Unterschenkel und auch der Fuß bereits vor dem Beginn der Operation blau gewesen.
Nachdem ich die Wunde gut verbunden hatte, brachte ich an dem Schlauch, der aus der naht hinaus schaute, um das Wundwasser abfließen zu lassen einen Beutel an. Anschließend hängte ich eine zweite Blutkonserve an der Lampe auf, um diese anschließen zu können.
Ich atmete tief durch. Nun musste ich ihn noch genauer untersuchen. Ich musste erfahren, was *die* mit ihm gemacht hatten.
Ich ging um den Tisch herum, um ihm an dem anderen Arm Blut abzunehmen. Vielleicht würde das schon etwas bringen.
Doch bevor ich es untersuchte, wollte ich mir Fox noch einmal genau ansehen. Ich schob sein T-Shirt hoch und betrachtete seinen Leib. Er war übersät mit blauen Flecken und roten Striemen. Ich tastete vorsichtig mit den Händen darüber und atmete erleichtert aus. Offenbar war nichts gebrochen und soweit ich tasten konnte, lagen auch keine inneren Verletzungen vor. Ich würde das jedoch gleich noch durch eine Ultraschalluntersuchung abklären.
Vorerst wollte ich meine Betrachtung fortsetzen. Meine Augen glitten über seine Schultern an seinen Armen entlang. Meine Finger folgten meinem Blick, doch ich konnte immer noch keine Verletzungen feststellen, die wirklich gefährlich waren. An seinem linken Arm fand ich eine kleine Einstichstelle, die sich bereits entzündet hatte. Nicht dramatisch und doch breitete sich Panik in mir aus. Was hatten sie ihm gespritzt? Da ich wusste, dass ich die Frage nicht ohne eine Blutuntersuchung oder einfach seine Angabe klären konnte, setzte ich meine Observation seines Körpers fort.
Seine Handgelenke zeigten starke Schürfwunden, was mir sagte, dass man ihn mit Seilen irgendwo festgebunden hatte, doch ich wusste aus eigener Erfahrung, das würde heilen. Auch an seinen Fußknöcheln konnte ich diese Art von Verletzung feststellen.
Zum Schluss widmete ich mich seinem Kopf. Ich tastete Vorsichtig seine Schädeldecke ab, konnte jedoch nichts auffälliges feststellen. Zwar war sein Gesicht ganz übel zugerichtet worden, ich wusste, dass er geschlagen und vielleicht sogar getreten worden war, doch keine dieser Verletzungen war lebensbedrohlich.
Langsam öffnete ich ein Auge, um noch einmal auf seine Pupillenreaktion zu schauen. Sie war normal. Genauso normal, wie schon zu Beginn meiner Untersuchung. Doch auch jetzt konnte ich diesen leichten grauen Schleier erkennen, der in der Tränenflüssigkeit zu sein schien.
Ich ging hinüber zu einem der Regale und griff nach einem langen Stab, an dessen Ende Watte aufgewickelt war. Nachdem ich mich wieder neben Mulders Kopf gestellt hatte, öffnete ich ein weiteres Mal sein Auge und fuhr vorsichtig mit dem Wattestäbchen über die Hornhaut.
Rasch strich ich die haften gebliebene Flüssigkeit auf einen Objektträger und hielt diesen unter ein Mikroskop.
Wenn ich gehofft hatte, hier etwas zu finden, so wurde ich enttäuscht. Ich wusste zwar, das etwas nicht stimmte, konnte jedoch nicht genau erkennen, was es war.
Kein Wunder. Ich war hundemüde. Ich hatte einen anstrengenden Arbeitstag und nur knappe zweieinhalb Stunden geschlafen. Anschleißend war ich, halb wahnsinnig vor Angst, in den Hafen gefahren, um Fox zu retten, hatte mich auf die Flucht begeben, ihn schwer verletzt durch einige Städte der USA gefahren, immer mit der Angst im Nacken, entdeckt zu werden. Und zum Schluss musste ich noch eine mehr als komplizierte Operation ganz alleine und unter alles andere als günstigen Bedingung durchführen.
Mir schwirrte der Kopf, meine Augen brannten und an Schlaf war in den nächsten zwölf Stunden sicher noch nicht zu denken.
Mein Blick fiel auf meine Uhr.
Es war bereits zwanzig vor sieben und ich musste Mulder wieder ins Auto schaffen, ohne gesehen zu werden.
Bevor ich mich an diese Aufgabe machte, überlegte ich, was ich aus der Praxis mitnehmen musste. Nicht das ich stehlen wollte, aber ohne das Mikroskop, verschiedene Lösungen die ich für eine Blutuntersuchung benötigte, einige Medikamente, weitere Blutkonserven und Nadeln brauchte ich gar nicht erst los zu fahren.
Ich griff nach dem Ultraschallgerät, welches in einer Ecke stand und zog es zum Behandlungstisch. Mit geübtem Griff schaltete ich es ein, verteilte ein wenig von dem Gel auf Mulders Bauch und ließ den Kopf des Instrumentes über seinen Leib gleiten.
Meine Hände hatten mich nicht getäuscht. Es lagen keine inneren Verletzungen vor. Erleichtert atmete ich aus.
Nachdem ich das Gerät wieder an seinen Platz zurück geschoben hatte, suchte ich die Dinge zusammen, die ich unbedingt brauchte. Auch die vor wenigen Minuten entnommene Blutprobe legte ich neben die Sachen. Hier würde ich sie nicht mehr untersuchen können, so gerne ich es auch getan hätte.
Ein Geräusch ließ mich innehalten und ich war mit zwei langen Schritten am Lichtschalter und löschte das Licht. Mit geübten Fingern kramte ich nach meiner Waffe und entsicherte sie. Auf Zehenspitzen schlich ich mich zurück zum Behandlungstisch und hielt den Atem an, während ich auf die Geräusche lauschte. Mein Herz pochte laut in meiner Brust und das Blut rauschte in meinen Ohren und machte es fast unmöglich für mich, die Geräusche deutlich zu hören. Kies knirschte unter Schuhsohlen und nur wenig später hörte ich, wie die Praxistür geöffnet wurde. Einen Moment herrschte vollkommene Stille, in der das Pochen meines Herzens noch lauter war und ich dachte, wer auch immer draußen im Eingang stand, müsste es hören. Ich hörte Schritte näher kommen und richtete meine Waffe auf die Tür des Behandlungsraumes. Kurz bevor die Tür geöffnet wurde, vernahm ich eine leise Stimme.
"Hoffentlich ist das die richtige Praxis. Keine Ahnung, wie viele es davon in diesem Ort gibt." nuschelte jemand.
"Aber Scully hat doch gesagt, dass Mulder verletzt ist. Sie wird sicher einige Instrumente brauchen, die sie in einer normalen Praxis nicht findet. Und draußen steht auch das Auto." hörte ich jemand anderen antworteten.
Erleichtert stieß ich die Luft aus den Lungen und erhob mich. Die Jungs!
Ich ließ meine Waffe sinken, ohne sie jedoch wegzustecken und ging zur Tür rüber. Langsam öffnete ich sie und blickte in die erleichterten Gesichter von Byers, Langly und Frohike.
"Scully, Gott, geht es dir gut?" Frohike trat einen Schritt auf mich zu und musterte mich. Sein Blick glitt unwillkürlich zu meinem Bauch. Ich nickte, während ich mir vorzustellen versuchte, wie ich für die Jungs aussehen musste. Meine Klamotten waren über und über mit Blut bespritzt, meine Haare standen sicher in allen Himmelsrichtungen von meinem Kopf ab und unter meinen Augen prangten mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit Ringe, wie sie sonst sicher nur Zombies in schlechten Filmen aufwiesen.
"Ich bin in Ordnung." erklärte ich knapp.
"Was ist mit Mulder?" Byers drängte sich an mir vorbei in den Behandlungsraum und trat auf Mulder zu. Kritisch musterte er meinen Partner, Lebensgefährten, Freund, Geliebten, Seelenverwandten...
Ich könnte noch Stundenlang weitere Aufzählungen machen, und keine käme dem auch nur Nahe, was Mulder wirklich für mich war. Er war ein Teil von mir, so einfach war das.
Ich trat neben ihn und fuhr liebevoll mit meiner Hand durch Mulders Haar.
"Er hatte eine Kugel im Bein, die seine Arterie verletzt hatte." Ich deutete bezeichnend auf meine Klamotten. "Und ich habe einen grauen Film auf seinen Augen entdeckt, kann aber nicht sagen, was es ist." informierte ich die Jungs.
Drei Augenpaare sahen mich erschrocken an.
"Einen grauen Film?" wiederholte Langly erschrocken.
"Hast du eine Probe davon genommen?" wollte Frohike wissen. Ich nickte.
"Aber ich kann beim besten Willen nichts erkennen." gab ich zurück und sah beschämt zu Boden.
"Scully. Du bist total erschossen. Mach dir keine Vorwürfe. Wir werden die Probe mitnehmen und sie untersuchen. Vielleicht finden wir was heraus. Nun lass uns mal erst zusehen, dass wir Mulder ins Auto kriegen, bevor wir hier auffallen." versuchte Langly mich aufzumuntern und legte mir sanft die Hand auf die Schulter. Ich nickte leicht.
"Ich muss hier auch noch einige Sachen einpacken." murmelte ich.
"Hört, hört. Das nennt man Diebstahl." Frohike grinste leicht. Ich lächelte gequält.
Byers und Langly zogen Mulder vorsichtig wieder an und trugen ihn anschließend nach draußen, während Melvin die Infusion hinter ihnen her trug.
Ich gestattete mir einen kleinen Seufzer und packte anschließend die Dinge, dich ich zusammengesucht hatte und unbedingt benötigte in eine blaue Kiste. Normalerweise wurden in dieser Kiste die Blutkonserven geliefert. Schwer bepackt folgte ich schließlich den Jungs.
Als ich vor die Tür trat, dankte ich im Stillen dem Herren dafür, dass wir Mitte November hatten und es daher noch stockdunkel draußen war. So fielen wir bei weitem nicht so auf, als wenn die Sonne bereits aufgegangen wäre.
"Scully, komm hier rüber!" hörte ich Byers unterdrückt rufen. Ich sah mich irritiert um. Unser Auto stand auf dem Hof, die Stimme war jedoch eindeutig von der Straße her gekommen.
Langsam setzte ich mich in Bewegung und kam schließlich bei den dreien an.
"Wir werden euer Auto nehmen. Es wird ohnehin überall gesucht, ihr würdet nicht weit kommen. Mulder liegt auf dem Rücksitz, der Laptop und die Medikamente sind im Kofferraum, genauso wie einige Klamotten für Mulder. Für dich haben wir leider nichts passendes gefunden." erklärte Langly schnell.
"Ich habe einen Übernachtungskoffer im Kofferraum meines Wagens. Er ist immer da drin. Ihr wisst ja wie schnell wir manchmal am Flughafen sind und weg müssen." erwiderte ich darauf hin.
"Gib mir die Schlüssel, ich werde ihn holen." bot Frohike an und ich reichte ihm meine Autoschlüssel.
"Hier sind die Papiere. Ihr seid jetzt Mr. und Mrs. Daniel Cole. Geheiratet habt ihr am 17. September vor zwei Jahren." Byers reichte mir die Ausweise. Nach einem kurzen Blick darauf, mein neuer Vorname war Josephine, blickte ich dankbar zu ihnen auf.
"Jungs, ich weiß gar nicht, wie ich euch danken soll!" brachte ich unsicher hervor.
"Sei einfach vorsichtig und pass auf euch auf. Und wir erwarten, dass du dich alle zwei Tage bei uns meldest. Wenn du dich nicht meldest, dann wissen wir, dass was schief gelaufen ist. Wo genau willst du denn hin, in den Norden?" fragte Byers.
Darüber hatte ich mir eigentlich noch keine Gedanken gemacht. Nachdenklich betrachtete ich unsere Ausweise ein weiteres Mal und sah dann auf Mulder hinunter.
"Ich denke, erst einmal Richtung Minnesota. Dort sehen wir weiter. Da ich nur Nachts fahren kann, und die Wetterverhältnisse in Minnesota sicher nicht mehr die Besten sein werden, bin ich vermutlich schon bald eine Woche unterwegs, ehe ich dort ankomme." überlegte ich laut.
"Also gut. Wir werden wieder am Dienstag von dir hören, es sei denn, irgendetwas passiert in der Zwischenzeit."
Langly trat einen Schritt auf mich zu und nahm mich sanft in die Arme. "Sei Vorsichtig, ja?" bat er mich. Ich merkte, wie sich ein Kloß in meinem Hals bildete und ich nickte nur.
"Wir werden sehen, ob wir zwei Leichen finden, die wir mit deinem Wagen zusammen verbrennen können. Dann werden sie eine Weile aufgehalten. So habt ihr ein paar Tage Luft." hörte ich Frohike sagen, der meinen kleinen Koffer und auch die Arzttasche heran brachte.
Ich schluckte und meine Augen wanderten, erschrocken aufgerissen, von einem zum anderen.
"Nein, bitte, das möchte ich nicht." keuchte ich.
"Scully, dass ist die einzige Möglichkeit, damit ihr einen kleinen Vorsprung bekommt." mischte sich Byers ein.
Verdammt, sie hatten recht. Wenn sie das nicht tun würden, dann hätten wir beinahe keine Chance. Natürlich würde es allerhöchstens zwei Tage dauern, bis *die* festgestellt hätten, dass nicht Mulder und ich in dem Auto ums Leben gekommen waren, aber diese zwei Tage brachten uns einen guten Vorsprung auf unserem Weg. Ich schluckte wieder und sah dann Byers an.
"Würdet ihr dann meiner Mutter ausrichten, dass wir in Ordnung sind? Ich möchte sie das nicht durchmachen lassen. Sie hat bereits eine Tochter beerdigt." fragte ich leise. Die Jungs nickten.
Byers breitete seine Arme ebenfalls aus und zog mich in eine lockere Umarmung. "Pass auf euch auf." murmelte er und wieder nickte ich.
Nun trat auch Frohike auf mich zu und schloss mich in die Arme. Seine Umarmung war fester, als die der anderen Jungs und ich musste mir ein Lächeln verkneifen.
"Wenn du anrufst, dann gib nur schnell die Nummer der Telefonzelle durch und häng dann ein. Wir rufen zurück. Und ruf nicht von einem Motelzimmer oder so an." gab er mir letzte Anweisungen.
"Alles klar. Danke!" erwiderte ich und umrundete das Auto, um mich hinter das Steuer zu setzten.
Ich sah, wie auf der anderen Straßenseite ein Licht hinter einem Fenster anging und wusste, dass ich mich jetzt beeilen musste. Niemand sollte uns hier sehen.
Ich winkte ein letztes Mal und startete dann den Motor. Glücklicherweise waren die drei Chaoten nicht mit ihrem Bus hier angekommen, sondern hatten sich für einen unauffälligen, blauen Ford entschieden. Ich wusste nicht einmal, dass sie so ein Auto besaßen.
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Das erste, was ich bewusst fühlte war, dass es kalt war. Schrecklich kalt. Erst nach und nach drangen auch andere Empfindungen in mein Gehirn. Ich hörte vereinzelte Vogelrufe und den Atem einer zweiten Person.
Und dann kam der Schmerz. Er breitete sich vollkommen überraschend durch meinen ganzen Köper aus, angefangen in meinem Brustkorb dehnte er sich in meinen Unterleib aus, so dass ich das Gefühl hatte, als wenn meine inneren Organe langsam aus meinem Körper gerissen wurden. In meinem Kopf stellte sich ein beständiges Pochen ein und auch mein linkes Bein schmerzte höllisch.
Dann fiel es mir wieder ein.
*Die* hatten mich erwischt, als ich gerade beim Joggen war. Sie hatten mich in ein Auto gezerrt, in eine Halle in den Hafen gebracht und mich dort festgekettet. Sie hatten offensichtlich Spaß daran gehabt, mich als Boxsack oder so zu verwenden und auf mich eingeschlagen und mich getreten. Und sie hatten mir etwas gespritzt.
Doch wo war ich jetzt?
Langsam öffnete ich die Augen. Obwohl das Licht nur schwach um mich herum war, war es schmerzhaft. Ich bemühte mich jedoch, die Augen offen zu halten und blinzelte einige Male.
So wie es aussah lag ich offensichtlich auf der Rückbank eines Wagens, doch dieser schien nicht zu fahren. Vorsichtig und möglichst unauffällig versuchte ich mich zu bewegen.
Es ging, wenn es auch die Schmerzen, die ich empfand, steigerte. Dann erinnerte ich mich, dass ich es geschafft hatte zu fliehen. Ich hatte Scully angerufen und sie war gekommen. Also war uns die Flucht geglückt.
Ich drehte meinen Kopf nach rechts und da saß sie.
Sie hatte den Beifahrersitz ganz nach vorne geschoben und sich zwischen Rücksitz und Beifahrersitz auf den Boden gezwängt. Ihr Kopf lag neben mir auf der Kante des Rücksitzes. Gott, sie war vollkommen eingequetscht, wie konnte sie nur so schlafen?
Ihr Atem ging langsam und gleichmäßig. Ich konnte ihr Gesicht nicht sehen, wusste also nicht, ob sie verletzt war oder ob es ihr gut ging, doch ich entschied mich, sie in Ruhe schlafen zu lassen. Müde schloss auch ich meine Augen wieder, öffnete sie jedoch nur wenige Sekunden später wieder und sah sie weiterhin an.
Offensichtlich merkte sie dies, sie hatte noch nie einen wirklich tiefen Schlaf gehabt, und regte sich. Langsam hob sie ihren Kopf und blickte mich an. Sorge und Erleichterung erschienen gleichzeitig auf ihrem Gesicht und ohne etwas zu sagen strich sie mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
"Hey." sagte ich leise und versuchte zu lächeln. Aufgrund diverser kleinerer Verletzungen in meinem Gesicht, fiel es mir schwer und es sah sicherlich nicht sehr glücklich aus.
"Hey. Wie fühlst du dich?" wollte sie wissen.
Ich zuckte mit den Achseln. So wie ich sie kannte, wusste sie sowieso wie ich mich fühlte. Oder sie hatte zumindest eine sehr genaue Vorstellung davon.
"Was machst du denn da unten, so zusammengekauert?" flüsterte ich.
"Ich wollte in deiner Nähe sein. Und ich brauchte dringend eine Pause." beantwortete sie meine Frage mit leiser Stimme.
Ich nickte, tat so, als wenn ich verstehen würde, was sie meinte. Doch in Wirklichkeit hatte ich keine Ahnung, worüber sie sprach. Pause wovon? Warum waren wir nicht zu Hause, oder meinetwegen auch im Krankenhaus? Was war geschehen?
Ich beobachtete, wie sie einen Blick auf ihre Uhr warf und sich dann, in einer erschöpften Geste mit dem Daumen und dem Zeigefinger über die Augen fuhr.
"Wo sind wir?" wollte ich wissen. Ich merkte, dass ich nicht die Kraft fand, in normaler Lautstärke zu reden und daher nur flüsterte. Mein Mund war trocken und die Kopfschmerzen stiegen auf ein kaum noch auszuhaltendes Maß.
"In einem kleinen Wäldchen bei Sistersville in West Virginia." erzählte sie und sah mich forschend an. Ich nickte leicht, darauf achtend, dass die Bewegung nicht zu grob sein würde, um die Schmerzen nicht noch zu steigern.
"Was tun wir hier?" fragte ich und schloss meine Augen als ein neuerlicher Schmerz sich in meiner Brust ausbreitete. Was hatten *die* nur mit mir gemacht?
"Ich war zu müde, um weiter zu fahren und so habe ich mich entschieden eine Pause zu machen. Ich hatte leider keine Decke da. Ist dir sehr kalt?" erkundigte sie sich.
Ich zuckte wieder mit den Achseln. Wenn ich ehrlich sein sollte, fror ich ganz erbärmlich und ich sah, dass es auch Dana nicht anders erging.
"Aber warum bist du hier hergefahren?" brachte ich meine Frage auf den Punkt.
"Du hattest recht. *Die* lassen dich nicht so einfach gehen. Sie sind hinter uns her. Sie überwachen unsere Wohnungen, die Flughäfen, Krankenhäuser und auch Häfen. Wir können nirgends hin. Wahrscheinlich sind unsere Fotos bereits auf allen Policedepartements, in allen Motels und an jeder Tankstelle. Ich habe versucht, so viele Kilometer wie es eben ging zwischen uns und diese Männer zu bringen, doch um drei Uhr heute Nachmittag konnte ich kaum noch geradeaus schauen. Also bin ich in dieses Wäldchen gefahren und habe mich hier zu dir gehockt. Ich wollte nur eine kleine Pause machen." erklärte sie.
Wieder nickte ich nur. Mein Verstand arbeitete auf Hochtouren, um zu begreifen, was das alles bedeutete. Langsam machte sich die ganze, erschütternde Wahrheit in meinem Kopf breit: Wir waren auf der Flucht.
"Wie spät ist es jetzt?" erkundigte ich mich.
Wieder warf sie einen Blick auf ihre Uhr.
"Kurz nach fünf." meinte sie und gähnte herzhaft.
Langsam versuchte sie, sich auf die Knie zu erheben. Schließlich hockte sie vor mir und begann mich kritisch zu mustern. Sie schob mein Hemd hoch und besah sich meinen Oberkörper, nahm mein Gesicht in ihre zarten, kleinen Hände und drehte es von einer Seite zur anderen, um es genauer zu betrachten. Anschließend tastete sie meinen Schädel ab und besah sich danach mein linkes Bein, von dem ich nicht wusste, warum es so verdammt schmerzte.
Ich versuchte langsam mich aufzurichten, doch ein neuerlicher Schmerz, der sich durch meinen Körper zog, brachte mich dazu, mit einem unterdrückten Stöhnen zurück auf die Bank zu sinken.
"Was ist mit meinem Bein?" wollte ich schließlich wissen.
"Sie haben dich erwischt, kurz bevor ich dich ins Auto geschafft hatte. Die Kugel hatte eine Arterie verletzt." antwortete sie, ihre Stimme nur ein Flüstern.
Ich betrachtete sie ein weiteres Mal und erst jetzt fiel mir ihre blutige Kleidung auf. Dann hob ich meinen Kopf doch an, den Schmerz, der in ihm wütete, ignorierend und betrachtete den sorgsam angebrachten Verband und den Schlauch mit dem Beutel daran, der ein wenig rötlich-durchsichtige Flüssigkeit enthielt und aus meinem Bein zu wachsen schien. Wundflüssigkeit.
Zum ersten Mal, seit ich aufgewacht war, sah ich ihr ins Gesicht. Sah, wie blass sie war, ihre roten, müden Augen und die dunklen Ringe darunter. Mein Blick wanderte zu ihrem prallen Bauch und dann wieder hoch zu ihrem Gesicht. Sie hatte den Blick bemerkt und sandte mir einen beruhigenden Blick zu.
"Hast du das getan?" fragte ich. Sie nickte.
Meine Bewunderung für diese Frau wuchs wieder einmal an. Ich hätte nicht gedacht, dass es noch möglich gewesen wäre, doch es war so. Ich wusste, wie schwer diese OP schon unter den besten Vorraussetzungen gewesen wäre, doch sie hatte alleine davor gestanden.
"Wo wollen wir hin?" erkundigte ich mich. Ich konnte mir denken, dass sie bereits einen Plan hatte.
"Ich habe den Jungs gesagt, dass wir nach Minnesota fahren. Dort können wir vielleicht irgendwo untertauchen." sagte sie.
"Den Jungs?" Ich war verwirrt, doch sie nickte nur.
"Ich habe sie angerufen. Sie haben uns Pässe besorgt. Wir sind jetzt Mr. und Mrs. Cole. Dein Name ist Daniel, meiner Josephine. Außerdem haben sie uns auf diesen Namen ein Konto eingerichtet und einen kleinen Betrag von den Inseln darauf überwiesen. Und sie haben uns dieses Auto überlassen. Vermutlich brennt das andere gerade mit zwei Leichen, die sie irgendwo besorgt haben aus, damit *die* für eine Weile aufgehalten werden." erklärte Dana. Ich war vollkommen überrascht, an was sie alles gedacht hatte.
"Wir müssen uns alle zwei Tage bei den Jungs melden. Tun wir es nicht, gehen sie davon aus, dass etwas passiert ist und folgen unserer Spur, um uns zu helfen." fügte sie noch hinzu.
Ich hob meine Hand und legte sie an ihre Wange.
"Das klingt, als wenn du schon vor langer Zeit einen Plan für einen solchen Fall aufgestellt hättest. Hast du so fest damit gerechnet, dass so etwas passieren würde?" stellte ich fragend fest und streichelte sie liebevoll.
Zaghaft schüttelte sie den Kopf.
"Als ich vor meiner Wohnung ankam und Skinner mir sagte, dass wir sozusagen Vogelfrei wären, musste ich schnell handeln. Ich hatte nie wirklich mit so einer Situation gerechnet, und wenn, dann nicht damit, dass ich vollkommen alleine und mit einer wahnsinnigen Angst um dich davor stehen würde. Was sollte ich also tun. Wir brauchten neue Identitäten und Geld. Die Jungs waren die einzige Anlaufstelle, die ich hatte." versuchte sie mir das alles zu erklären.
Wieder nickte ich nur und warf schließlich einen Blick nach draußen. Es war mittlerweile vollkommen dunkel.
"Du solltest noch ein wenig schlafen. Ich kann dich leider nicht ablösen, beim Fahren." murmelte ich.
"Nein, ich bin in Ordnung. Wir sollten so schnell wie möglich weit weg von D.C.. Die werden sich nicht lange mit den falschen Leichen hinhalten lassen. Wenn die Jungs es geschafft haben, welche zu finden, die in Größe und Gewicht einigermaßen zu uns passen, werden spätestens die zahnärztlichen Untersuchungen zeigen, dass das nicht wir sind." entgegnete sie und krabbelte aus dem Auto. Ich versuchte, mich aufzusetzen, doch es gelang mir genauso wenig wie beim ersten Mal und so sank ich mit einem Stöhnen, welches ich dieses Mal nicht unterdrückte, zurück. Sekunden später beugte sie sich mit besorgtem Blick über meinen Kopf und musterte mich.
Als ich keine Anstalten machte, etwas zu sagen, beugte sie sich zu mir runter und küsste mich sanft auf die Lippen. Dann erhob sie sich, schlug die Tür zu und setzte sich hinter das Steuer.
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Es war sieben Uhr morgens, als ich das Auto auf den Parkplatz eines Motels lenkte. Meine Rechnung, die ich schnell im Kopf anstellte und die mir half, diese Entscheidung vor mir selber zu rechtfertigen, sagte, dass ich in den letzten 49 Stunden ziemlich genau 4 Stunden Schlaf bekommen hatte. Zum Ausgleich jedoch Stundenlang am Steuer gesessen, mir Sorgen um Mulder gemacht und eine schwierige Operation alleine durchgeführt hatte.
Meine Augen waren mir in der letzten halben Stunde drei Mal zugefallen, einmal wäre ich fast mit dem Wagen von der Straße abgekommen und vor einem Baum gelandet.
Wir waren irgendwo bei Angola in Indiana, Luftlinie nur etwa 400 Kilometer von Sistersville entfernt, doch ich hatte sicherheitshalber einige Umwege von insgesamt fast 500 Kilometern eingebaut, um unsere Spuren zu verwischen, falls man uns folgen würde.
Ich parkte den Wagen, drehte mich noch einmal zu Fox um, der unruhig schlafend und vollkommen verschwitzt auf der Rückbank lag, griff nach dem schwarzen Mantel der auf dem Sitz neben mir lag, um ihn überzuziehen und so die Blutflecken, die immer noch auf meinen Kleidern waren, zu verstecken und stieg dann aus, um uns ein Zimmer zu besorgen.
Angst keimte in mir auf, bei dem Gedanken, dass ich gleich einem Menschen gegenübertreten musste, der wohlmöglich unsere Fotos bereits in der Zeitung oder im Fernsehen gesehen hatte, mit der Überschrift: VORSICHT BEWAFFNET.
Und ich hatte keine Möglichkeit, mich zu verkleiden. Ich wusste, mit meinen roten Haaren würde ich ganz besonders stark auffallen. Und die Ringe unter meinen Augen trugen nicht dazu bei, dass ich vertrauenserweckend auf jemanden wirkte.
Als ich an die Rezeption trat, kam ein etwa sechzig jähriger Mann, alarmiert durch die Glocke über der Tür, die bei meinem Eintreten geklingelt hatte, aus einem der hinteren Räume hervor und musterte mich eingehend. Ich konnte verschiedene Geräusche von dort hören, wo der Mann sicher die letzten Stunden verbracht hatte und schloss daraus, dass er wohl Fern gesehen hatte. Hoffentlich nicht die Suchmeldung für uns.
Freundlich nickte ich ihm zu.
"Was kann ich für sie tun, Ma`am?" erkundigte er sich mit neutralem Tonfall.
"Ich hätte gerne ein Zimmer." erwiderte ich und brachte ein kleines Lächeln zustande.
"Wie lange wollen sie bleiben?" fragte er und griff nach einer schmuddeligen Kladde, die vor ihm lag.
>Das geht dich gar nichts an< dachte ich, sagte es jedoch nicht laut.
"Ich weiß es noch nicht genau. Ein oder zwei Tage." antwortete ich stattdessen und sah mich um. Der Raum war sauber, sauberer, als so manch andere Rezeption an der ich im Laufe der Jahre mit Mulder gestanden hatte. Der Mann wirkte ebenfalls gepflegt, wenn er sich vor Freundlichkeit auch nicht gerade überschlug, aber das tat ich auch nicht, und ich war mir ziemlich sicher, dass ich zur Zeit bei weitem nicht so einen gepflegten Eindruck machte, wie er.
"Wollen sie ein Einzelzimmer?" lenkte mein Gegenüber, das Namensschild an seinem Hemd ließ mich wissen, dass er Mr. Crouch hieß, meine Aufmerksamkeit wieder auf sich.
"Nein, ein Doppelzimmer. Mein Mann wartet draußen im Auto. Er fühlt sich nicht so gut." meinte ich und deutete ein, um Verzeihung bittendes, Lächeln an.
"Kann ich dann bitte ihren Ausweis haben, und ihre Kreditkarte?" bat Mr. Crouch ohne auf mein Lächeln einzugehen.
Ich überreichte ihm beides und sah zu, wie er unsere Personalien in seine Kladde schrieb und dann meine Kreditkarte durch das Lesegerät zog, nachdem er den Preis für eine Nacht dort eingetippt hatte. Im Stillen dankte ich den Chaoten dafür, dass sie an die Karte gedacht hatten. Mir war dieser Teil vollkommen entgangen.
"So, alles in Ordnung, Mrs. Cole. Bitte unterschreiben sie hier." Er deutete auf eine gestrichelte Linie auf dem Beleg, den das Kreditkartenlesegerät ausgedruckt hatte. Ich tat worum er mich gebeten hatte, wobei ich mich stark darauf konzentrieren musste, dass ich nicht mit Scully sondern mit Cole unterschrieb.
"Das ist ihr Schlüssel. Sie haben Nummer acht." Der Mann reichte mir einen Schlüssel und meine Papiere und ich nickte ihm dankend zu, ehe ich mich umdrehte und zum Wagen zurück ging.
Nur wenige Minuten später parkte ich den Wagen vor dem Zimmer mit der Nummer acht und stieg aus. Ich schwankte leicht und mein Herz tat einen Hüpfer, als ich an das Bett dachte, welches mich gleich erwartete. Doch nun musste ich erst einmal Fox aus dem Auto schaffen und ihn ins Bett bringen. Ich beugte mich über ihn, nachdem ich die hintere Tür geöffnet hatte und berührte ihn sanft an seiner Wange. Erschrocken zog ich meine Hand wieder zurück, meine Augen weiteten sich in Unglaube und Sorge. Mulders Haut war kochend heiß. Er hatte Fieber, ich wusste nicht wie viel, aber seine Temperatur war erschreckend hoch. Sein Atem ging schnell und sein Hemd klebte an seinem schweißnassen Körper.
Verdammt.
"Fox?" flüsterte ich leise und berührte ihn wieder an der Wange, dieses Mal war ich auf die Hitze vorbereitet. Mühsam keuchte er und zwang seine Augen dazu, sich zu öffnen.
Er blinzelte einige Male und ich merkte, wie schwer es ihm fiel, seinen Blick auf mich zu fokussieren.
"Komm, ich bringe dich ins Bett." sagte ich leise und wollte ihm dabei helfen, sich aufzusetzen.
Er war zu schwach und keuchte nur bei dem Versuch den Kopf anzuheben.
"Dana… ich…" brachte er hervor und hustete abgehackt und unter Stöhnen. Seine Stimme war rau und seine Kehle sicher vollkommen ausgedörrt.
"Ich weiß." versuchte ich ihn zu beruhigen. "Aber du musst mir mithelfen. Ich kann dich nicht tragen, du bist zu schwer für mich." bat ich ihn und streichelte ihm eine Haarsträhne aus der Stirn. Es schien, als wenn er unter dieser Berührung Schmerzen hätte, denn er verzog das Gesicht, was mich dazu veranlasste, die Hand wegzuziehen. Er nickte schwach und wir starteten einen weiteren Versuch, dass er sich zumindest aufsetzte.
Nach scheinbar endloser Quälerei und unterdrücktem Stöhnen seinerseits, war es uns schließlich gelungen. Nun machte ich mir jedoch ernsthafte Gedanken, wie ich ihn bis in unser Zimmer bekommen sollte.
Ich fühlte seinen Puls. Er raste und Fox keuchte leicht beim Atmen. Dennoch musste ich ihn endlich aus dem Auto bekommen und ihn in ein warmes Bett packen. Vielleicht sollte ich ihm Wadenwickel machen, oder ich sah einfach mal nach, ob die Jungs auch Medikamente zum Fiebersenken eingepackt hatten.
Natürlich war mir klar, dass das Fieber eine Ursache haben musste, doch war ich beim besten Willen nicht mehr in der Lage, heute noch danach zu suchen und Fox brauchte genauso dringend erholsamen Schlaf, wie ich.
"Fox, wir müssen weiter." flüsterte ich in sein Ohr und er nahm einen tiefen Atemzug und nickte dann.
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Ich war nass geschwitzt, als Mulder endlich im Bett lag. Er war beinahe zu schwach, auch nur einen Teil seines Körpergewichtes zu tragen, und so war es an mir gewesen, ihn zu stützen und zu führen. Ich wusste, es war nicht gut für mich, das zu tun, genauso wenig, wie auch schon die Male zuvor, doch ich hatte keine andere Wahl. Ich konnte ja schließlich schlecht den Herrn von der Rezeption bitten, Fox in unser Zimmer zu tragen.
Nachdem ich ihn im Bett hatte, machte ich mich daran, das nötigste aus dem Auto zu holen, es dann sorgfältig zu verschließen und dann auch die Tür des Motelzimmers mit der Kette zu sichern.
Ich merkte, wie das Blut begann in meinen Ohren zu rauschen. Jetzt, wo das Bett und der heißersehnte Schlaf in greifbarer Nähe waren, begann mein Körper sich mit allen Mitteln gegen jeden weiteren Schritt, den ich nicht auf das Bett zu machte, zu wehren.
Schnell suchte ich die Medikamente durch, die mir die Jungs zusammen gepackt hatten, und fand tatsächlich etwas, dass zum Senken des Fiebers geeignet war. Ich drückte gleich zwei Tabletten aus der Schachtel, holte ein Glas Wasser und setzte mich zu Fox auf das Bett.
Er war bereits wieder in einen unruhigen Halbschlaf gefallen und schreckte, durch die Bewegung der Matratze geweckt, hoch.
Ich half ihm, den Oberkörper leicht anzuheben und setzte ihm das Glas an die Lippen. Gierig trank er einige Schlucke, bis ich ihm das Glas wieder entzog.
"Nicht so schnell. Du wirst es sonst nicht bei dir behalten." gab ich ihm sanft zu verstehen und lächelte über sein enttäuschtes Gesicht.
"Fox, du hast hohes Fieber. Ich weiß nicht woher es kommt, und ich bin jetzt auch nicht mehr in der Lage, dich daraufhin zu untersuchen, also möchte ich, dass du einfach zwei Tabletten einnimmst, die das Fieber senken werden, so dass du schlafen kannst, in Ordnung?"
Er taxierte mich mit seinem Blick und nickte nach einer Weile. Offenbar hatten meine Worte einige Zeit gebraucht, ehe sie seinen umnebelten Verstand erreicht hatten.
Also schob ich ihm die Tabletten in den Mund und setzte das Glas noch einmal an seine Lippen. Wieder trank er einige Schlucke und als ich das Glas schließlich wegzog, schloss er erschöpft seine Augen. Langsam legte ich ihn wieder ab und zog ihm die Hose und das Hemd aus.
Die Ärztin in mir kam ein weiteres Mal zum Vorschein und ich betrachtete eingehend seinen geschundenen Körper.
Vorsichtig ließ ich meine Finger noch einmal über seinen Rumpf gleiten, und versuchte festzustellen, ob ich vielleicht doch eine Verletzung übersehen hatte, die sich nun bemerkbar machte. Doch ich konnte auch dieses Mal keine inneren Verletzungen ertasten.
Müde zog auch ich meine Kleider aus, warf sie einfach neben das Bett, und krabbelte unter die warme, weiche Decke. Mein Kopf hatte das Kopfkissen noch nicht berührt, als mein Geist bereits das Land der Träume erreicht hatte.
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Ein ziehen im Unterleib weckte mich nach nur kurzer Zeit auf. Mit einem Seufzen und einem unterdrückten Stöhnen rollte ich mich auf den Rücken und fuhr mir mit den Händen über das Gesicht.
Wie konnte ich auch glauben, dass die ganze Aufregung und der vollkommen verschobene Rhythmus an unserem Baby spurlos vorbei gehen würde. Wieder erntete ich einen kräftigen Tritt in Richtung meines Magens.
Ich legte meine Hand beruhigend auf den Bauch, hoffte, dass ein wenig Wärme sich auf das ungeborene Kind auswirken würde, während ich einen scheuen Blick auf meine Uhr warf. Es war kurz nach zehn.
Drei Stunden Schlaf. Das war nach den Strapazen einfach zu wenig. Ich überlegte, wie ich unser Baby beruhigen konnte und entschied mich, es mit einem warmen Bad zu versuchen. So konnte ich anschließend wieder ins Bett krabbeln und weiter schlafen.
Leise, um Fox nicht zu wecken, stand ich auf und warf einen kurzen Blick auf ihn. Er schlief ruhig, das Fieber schien gesunken zu sein, was mich sehr beruhigte.
Ich ging ins Bad rüber, dankbar, dass es nicht nur mit einer Dusche, sondern auch mit einer Badewanne ausgestattet war. Nachdem ich das Wasser angestellt hatte, trat ich vor den Spiegel und warf einen Blick hinein. Was ich sah, erschrak mich zutiefst.
Ich war beinahe leichenblass, meine Augen lagen in tiefen dunklen Höhlen und waren mit roten Äderchen durchzogen.
Ich seufzte, ließ meinen Blick tiefer gleiten und blieb an meinem prallen Bauch hängen. Ich war im neunten Monat schwanger. In ungefähr drei Wochen sollte ich das Baby zur Welt bringen, von dem weder Mulder noch ich wussten, wie es entstehen konnte.
Natürlich machten wir uns nicht wirklich Gedanken um das *wie*, als vielmehr um das *warum*. Man hatte mir während meiner Entführung vor sieben Jahren die Eizellen entnommen, was bedeutete, dass ich nicht schwanger werden konnte. Ich war unfruchtbar, und ich als Medizinerin wusste sehr gut, dass sich Eizellen nicht regenerierten. Bei mir hatten sie es offenbar getan.
Fox und ich hatten nie über Verhütung nachgedacht. Es war uns beiden klar, dass wir gesund sind, also keine Gefahr bestand, dass wir den jeweils anderen mit irgendeiner Krankheit infizierten, und ich konnte keine Kinder bekommen, was bedeutete, dass wir uns zum Thema Familienplanung auch keine Gedanken machen mussten.
Als mir vor neun Monaten morgens immer schlecht war, ich unter Schwindelattacken litt und Heißhunger auf Hamburger entwickelte, hatte Fox mich zum Arzt geschickt. Ich glaube, er hatte bereits einen Verdacht.
Ich hätte nie im Leben gedacht, dass er sich so sehr freuen würde, als ich ihm sagte, dass ich schwanger wäre. Nun, ich freute mich auch.
Doch gerade jetzt, als ich vollkommen übermüdet und kugelrund hier in diesem Badezimmer stand, da schossen mir die Tränen in die Augen.
Wir waren auf der Flucht.
Was wäre, wenn wir nie wieder in unser normales Leben zurückkehren konnten. In spätestens drei Wochen würde ich dieses Baby zur Welt bringen und ich fühlte mich alles andere als glücklich bei dem Gedanken, dass das Baby mit uns zusammen fliehen musste.
Würden wir es überhaupt schützen können? Würden wir uns selbst schützen können?
Verdammt!
Ich musste diese Gedanken abstreifen, damit ich überhaupt noch etwas schlaf bekommen konnte. Rasch stellte ich das Wasser ab und stieg in die Wanne. Wohltuende Wärme empfing mich, als ich mich in das Wasser gleiten ließ. In ruhigen Bewegungen, viel ruhiger, als ich mich eigentlich fühlte, strich ich über meinen Bauch.
Ich schloss die Augen und legte meinen Kopf auf dem Badewannenrand ab. Wieder erhielt ich einen Tritt, dieses Mal war es meine Niere, die eine Schmerzwelle durch meinen Körper schickte.
"Hey, mein Schatz. Beruhige dich wieder. Es wird alles wieder gut." flüsterte ich in Richtung meines Bauches.
Ich zwang mich dazu, ruhig zu atmen und merkte, wie die Tritte immer schwächer wurden und schließlich aufhörten.
Ich blieb noch einen kleinen Moment in dem warmen Wasser liegen und ließ es dann ablaufen. So schnell es mit diesem runden Bauch und in meiner momentanen Verfassung eben ging, stieg ich aus der Wanne und trocknete mich ab. Ich zog mir meinen Slip wieder an und huschte leise wieder zum Bett.
Fox hob den Kopf, als ich näher kam und sah mich mit besorgtem Blick an.
"Was ist los?" fragte er mit leiser, rauer Stimme.
"Das Baby ist offensichtlich etwas aufgewühlt." erwiderte ich und legte mich neben ihn. Mulder griff nach meiner Hand, nicht in der Lage, sich weiter zu bewegen.
"Du siehst schlecht aus. Geht es dir gut?" wollte er wissen und drehte seinen Kopf, wobei er ein schmerzverzerrtes Gesicht machte.
"Ich bin in Ordnung. Nur müde." antwortete ich mit einem sanften Lächeln.
"Wie spät ist es?" erkundigte er sich.
"Zwanzig vor elf." gab ich ihm einen Moment später die Antwort.
"Seit wann sind wir hier?" Fox versuchte sich zu orientieren. Mir viel auf, dass er immer nur kurze Sätze sprach, offensichtlich war er zu schwach für längere Sätze.
"Seit sieben Uhr. Du kannst noch schlafen." Ich drehte mich auf die Seite und legte eine Hand auf seine Brust.
"Bist du die ganze Nacht durchgefahren? Bis sieben Uhr?" fragte er erschrocken. Ich nickte nur.
Müde schloss er die Augen und ich tat es ihm gleich.
"Du bist wahnsinnig." flüsterte er und drückte meine Hand.
"Nein, ich will uns nur retten." murmelte ich und merkte, wie der Schlaf wieder von mir Besitz ergriff.
#####
Als ich das nächste Mal wach wurde, war es bereits drei Uhr. Ich war immer noch müde, doch ich wusste, dass ich noch eine Menge zu tun hatte, bevor wir uns heute Abend wieder auf den Weg machen würden.
Müde drehte ich mich auf den Rücken und strich mir mit den Händen durch das Gesicht. Eine Dusche würde mir sicher helfen, wach zu werden.
Langsam drehte ich mich weiter und betrachtete Fox. Sein Gesicht war wieder schweißnass und blass. Offensichtlich hatten die Tabletten ihre Wirkung verloren und sein Körper brannte wieder vor Fieber.
Sein Atem ging schnell und flach und ich konnte ein leises Rasseln vernehmen, was mich zu der Annahme brachte, dass seine Atemwege leicht angeschlagen waren. Eine beginnende Bronchitis vielleicht.
Ich schalte mich in Gedanken dafür, dass ich in dem Wald eine Pause gemacht hatte. Fox hatte in der Nacht, als ich ihn am Hafen gefunden hatte, bereits in der Kälte gesessen und in dem Wald hatten wir im Auto auch nicht viel mehr als fünf Grad gehabt. Es war nun mal wirklich kalt im November. Den ersten Frost hatten wir in diesem Jahr bereits Ende September gehabt.
Mit einem Seufzer rappelte ich mich auf und schwang die Beine aus dem Bett. Ich blieb noch einen Moment auf der Bettkante sitzen, denn aus Erfahrung wusste ich, dass mein Kreislauf mir sonst einen bösen Streich spielen würde.
Schließlich schleppte ich mich zum Badezimmer und drehte die Dusche an. Das warme Wasser prasselte nur kurze Zeit später leise über meinen Körper. Ich merkte, wie die bleierne Müdigkeit verschwand und ich langsam aber sicher wach wurde.
Ich nahm mir mehr Zeit als ich sollte, um mich einzuseifen und ließ das Wasser einen Moment länger als nötig gewesen wäre über meine verspannten Muskeln laufen.
Nachdem ich mich abgetrocknet hatte, schlang ich mir ein Handtuch um meinen Körper und frottierte meine Haare. Ich hielt kurz inne und betrachtete mich im Spiegel. Die dunklen Ringe unter den Augen waren noch nicht vollkommen verschwunden, doch sie waren blasser geworden. Auch die roten Äderchen waren nicht mehr so deutlich zu sehen und mein Gesicht hatte wieder eine gesundere Gesichtsfarbe angenommen.
Gut, dachte ich, dann kannst du gleich ohne Sorge etwas zu essen besorgen. Gott, wann hatte ich zum letzten Mal etwas gegessen? Es musste schon Tage her gewesen sein.
Rasch putzte ich mir die Zähne und ging anschließend zurück in unser Zimmer, um mir frische Klamotten aus dem Koffer zu nehmen.
Nachdem ich mich angezogen hatte, ging ich hinüber zum Bett und setzte mich neben Fox. Unruhig warf er sich hin und her und sein Körper sandte eine Hitze ab, die mich glauben ließ, er würde verbrennen.
Ich musste ihn unbedingt untersuchen, doch konnte ich das nicht mit leerem Magen tun. Mein Blutzuckerspiegel war schon gefährlich niedrig und auch für unser Kind wäre es nicht gut, wenn ich gar nichts essen würde.
Hoffentlich gab es hier einen Laden, in dem ich Brot, Aufstrich und Haarfärbemittel kaufen konnte. Die roten Haare mussten weg, bevor wir wieder weiter fuhren. Sie waren viel zu auffällig.
Schnell griff ich nach dem Zimmer- und dem Autoschlüssel, schlüpfte in meine Schuhe und machte mich auf den Weg.
Ich fand was ich suchte nur wenige Kilometer weiter und kaufte alles nötige in rasender Geschwindigkeit ein.
Nur knappe zwanzig Minuten später betrat ich wieder unser Motelzimmer und stellte die eingekauften Dinge auf dem Tisch ab.
Ohne die sonst so wohl gehütete Ruhe beim Frühstück, schmierte ich mir ein Brot und las die Schlagzeilen der Zeitung, während ich aß.
Zumindest von der Titelseite starrten mich unsere Fotos nicht an, was mich schon sehr beruhigte und aus irgendwelchen Gründen konnte ich auch auf den restlichen Seiten der Zeitung keinen Artikel finden, der sich auf uns bezog.
Was hatten *die* nur vor? Wie wollten sie uns finden, wenn sie keine großangelegte Suche starteten.
>Dana< schalte ich mich in Gedanken >die Möglichkeiten dieser Regierungsgruppe sind unendlich. Sie könnten uns nur alleine durch Satellitenverfolgung kriegen<
Aber würden sie so vorgehen? Oder hatte vielleicht ein ausgebranntes Auto mit zwei Leichen etwas damit zu tun, dass noch keine Suchaktion mit Pressebenachrichtigung angelaufen war?
Ich schluckte den letzten Bissen meines Brotes hinunter und schüttelte unwillig den Kopf. Ich musste mich jetzt um andere Dinge kümmern. Um Fox zum Beispiel und dieses verdammte Fieber, wo auch immer es herkam. Also stand ich auf, ging zum Auto und holte auch den Rest der Sachen, die ich für eine halbwegs vernünftige Untersuchung benötigte.
Ich ging hinüber zum Bett und beugte mich wieder über Fox. Vorsichtig tastete ich ein weiteres Mal seinen Leib ab und nahm ihm anschließend einige Ampullen Blut ab. Mir war klar, dass die erste Blutprobe mittlerweile nicht mehr für Untersuchungen geeignet war, es war einfach zuviel Zeit vergangen. Gerade, als ich mich wieder aufrichtete, öffnete er unter scheinbar großer Anstrengung die Augen und sah mich an.
Sein Gesicht verzog sich zu einem gequälten Lächeln und ich strich ihm sanft mit meiner Hand über die Wange.
"Hey." murmelte ich und lächelte ebenfalls.
"Hey." erwiderte er und musterte mich einen Moment.
"Wie geht es ihnen, Scully?" wollte er schließlich mit leiser Stimme wissen.
Ich sah ihn erstaunt an. Wieso nannte er mich Scully? Und warum siezte er mich?
"Es tut mir leid. Ich habe wirklich alles getan, was ich konnte." erklärte er und seine Augen wurden schwarz vor Trauer und Mitleid.
"Fox, es geht mir gut." sagte ich sanft und streichelte weiter seine Wange.
"Bitte, Scully. Sie müssen kämpfen, hören sie? Lassen sie mich nicht alleine. Ohne sie bin ich nur ein halber Mensch. Bitte, lassen sie den Krebs nicht gewinnen. Lassen sie *die* nicht gewinnen." murmelte er und schloss seine Augen wieder.
Oh mein Gott! Mulder war zurück in der wohl schlimmsten Zeit seines Lebens.
Er glaubte tatsächlich, dass ich mit Krebs im Endstadium im Krankenhaus liegen würde, kurz davor zu sterben.
Ich erinnerte mich an ein Gespräch, welches wir vor langer Zeit geführt hatten.
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"Weißt du Dana, die Zeit, als du damals verschwunden warst - das war wirklich schlimm für mich." meinte Fox, während er mir in sanften Zügen über den nackten Rücken fuhr.
Ich richtete mich leicht auf und blickte ihm ins Gesicht. Er biss sich auf der Innenseite seiner Wange herum, ein deutliches Zeichen, dass er mit sich rang.
"Ich weiß Fox. Aber das ist lange her. Ich bin jetzt hier, und es wird nicht wieder geschehen, dass sie mich holen." sagte ich sanft.
Er nickte nur und schloss die Augen, während er tief einatmete.
"Fox, was ist los?" fragte ich schließlich und streichelte eine Haarsträhne aus seinem Gesicht.
"Warst du heute beim Arzt?" wollte er wissen.
Ich stutzte. Was versuchte er mir zu sagen?
"Ja, war ich." antwortete ich schließlich und legte meinen Kopf wieder auf seine Brust.
"Was hat er gesagt?" erkundigte er sich und ich merkte, wie er trocken schluckte.
"Ich bin in Ordnung, Fox. Der Krebs ist weiterhin in der Rückbildung." erklärte ich und legte meine Hand auf seinen Oberarm, streichelte sanft über seinen straffen Bizeps und genoss die nackte Haut unter meinen Fingern.
"Gut." murmelte er.
"Fox, was ist los?" fragte ich erneut. "Du machst mir Angst."
"Weißt du, was für mich wirklich die allerschlimmste Zeit in meinem Leben war?" fragte er leise.
Ich zuckte die Achseln. "Die Zeit, nachdem Samantha verschwunden war!?!" erwiderte ich mit einem Stirnrunzeln. Ich wusste, wie schlimm die Zeit für ihn gewesen sein musste, denn selbst heute, Jahrzehnte später, litt er noch unter dem schrecklichen Verlust.
Ich spürte wie sich seine Muskeln bei meinen Worten anspannten und legte meine Arme fester um ihn. Er entspannte sich schnell wieder, schluckte jedoch hart und zog mich enger an sich.
"Nein. Die Zeit war schlimm, aber die Hölle, die habe ich durchgemacht, als du mit Krebs im Krankenhaus gelegen hast. Ich hatte so eine verdammte Angst, dich zu verlieren, und mit ansehen zu müssen, wie du leidest. Wie du Schmerzen hattest, keinen Appetit mehr, das war wirklich die Hölle. Ich will das nicht noch einmal erleben. Ich könnte es nicht noch einmal durchstehen, weißt du." flüsterte er und schluckte wieder.
Ich hob meinen Kopf ein weiteres Mal an und sah, dass Tränen seine Wange hinunter liefen. Langsam rutschte ich hoch und küsste sie weg. Dann legte ich meine Hand an seine Wange und wartete darauf, dass er die Augen öffnete und mich ansah.
"Ich bin wirklich in Ordnung. Ich werde nicht sterben. Fox, du hast mich gerettet." sagte ich nachdrücklich.
"Habe ich das? Habe ich dich wirklich gerettet? Oder habe ich die Krankheit nur herausgezögert?" erwiderte er voller Selbstzweifel.
"Du hast mich gerettet. Das Implantat bekämpft den Krebs und ich werde nicht sterben." sprach ich sanft und küsste ihn. Wie war es nur dazu gekommen, dass ich in diesem Fall die Gläubige und er der Skeptiker war?
~~~~~
Nun lag er hier, in seinem Fieberwahn, zurück in der Zeit, die die schlimmste seines Lebens gewesen war.
Sein Atem ging immer noch viel zu schnell und zwischen dem Schweiß, der seinen Körper bedeckte, konnte ich auf seinen Wangen nun auch Tränen entdecken.
"Fox?" sagte ich leise und küsste ihm, wie damals auch die Tränen fort.
Langsam öffnete er die Augen wieder und blickte mich an.
"Sie sind so stark, Scully. Ich bewundere sie für ihre Stärke und ihren Mut. Wissen sie eigentlich, wie sehr ich sie liebe?" murmelte er.
Ich nickte. Natürlich wusste ich wie sehr er mich liebte. Schon damals hatte ich es gewusst, obwohl er es mir nie gesagt hatte. Und ich liebte ihn auch.
"Wirklich? Woher wissen sie das?" fragte er erstaunt.
"Ich liebe dich doch auch. So wahnsinnig, dass es weh tut, wenn du nicht in meiner Nähe bist." flüsterte ich.
Wieder schloss er die Augen und atmete tief und rasselnd ein.
"Sieh mich an, Fox." bat ich ihn leise. Er tat es, fokussierte seinen Blick auf mich und schluckte schwer.
"Ich werde nicht sterben. Es geht mir gut." sagte ich eindringlich und beugte mich hinunter um ihn zu küssen.
"Gut." gab er mir ganz einfach zu verstehen, nachdem ich mich wieder von ihm gelöst hatte.
Dann glitt er wieder zurück in einen unruhigen Schlaf.
Ich nahm die Ampullen mit Blut und ging zurück zu dem Tisch, an dem ich die Sachen aus dem Auto abgeladen hatte, um mich an die Arbeit zu machen.
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Es war etwa sieben Uhr, als ich mich wieder von dem Tisch erhob. Ich hatte in Fox` Blut nichts finden können, was das Fieber auch nur ansatzweise erklären könnte, doch hatte ich etwas gefunden, was mich wirklich sehr beunruhigte.
In Mulders Blut waren kleine graue Klümpchen. Sie waren zu klein, um eine ernsthafte Gefahr für seinen Blutfluss darzustellen, und es sah auch nicht so aus, als wenn sie die Sauerstoffaufnahme der roten Blutkörperchen hemmen würden, doch sie gehörten definitiv nicht dort hin.
Ich konnte mich nicht erinnern, dass ich so etwas schon einmal gesehen hatte und so konnte ich nur warten, bis Fox wieder so weit ansprechbar war, dass er mir vielleicht einige Erklärungen geben konnte.
Ich ging zum Bett hinüber und betrachtete ihn eine Weile. Sein Schlaf war deutlich ruhiger geworden und als ich seine Stirn fühlte, konnte ich merken, dass er zwar noch leicht erhöhte Temperatur hatte, jedoch nicht mehr so glühte, wie nur wenige Stunden zuvor. Ich griff nach meinem Arztkoffer, den ich immer im Wagen hatte und den Frohike zusammen mit meinem Koffer in den Kofferraum des neuen Autos gepackt hatte und zog das Stethoskop heraus.
Eine Weile lauschte ich dadurch seinen Herztönen, dem Blutfluss und auch der Atmung, doch konnte ich nichts Auffälliges feststellen. Ein wenig erleichtert atmete ich auf und wandte mich dem Bein zu. Vorsichtig löste ich den Verband und sah mir die Wunde an. Sie schien vollkommen in Ordnung. Der Beutel war fast zur Hälfte gefüllt und ich beschloss, ihn besser zu wechseln. Doch zuvor wollte ich sehen, ob beim Abtasten noch mehr Wundflüssigkeit aus der Wunde austreten würde.
Vorsichtig, um ihm so wenig Schmerzen wie möglich zuzufügen, drückte ich direkt neben der Naht auf die Muskeln, und tatsächlich trat dabei noch relativ viel Wundflüssigkeit aus. Ich ließ diese in Ruhe ablaufen und wechselte dann den Beutel aus.
Als ich ihm einen neuen Verband anlegte, regte Fox sich und schlug schließlich die Augen auf. Unsicher, in welcher Zeit er sich befand, blickte ich ihn abwartend an.
"Hey." grüßte er und ich lächelte, als ich mich fragte, wann dieses Wort zu unserer Standartbegrüßung geworden war.
"Was gibt es zu grinsen?" flüsterte er mit rauer Stimme.
Ich schüttelte leicht den Kopf und fuhr ihm mit einer Hand durch die Haare.
"Nichts. Ich freue mich, dass du zurück bist." erwiderte ich.
Fragend zog er seine Augenbrauen hoch. "Zurück von wo?" wollte er wissen.
"Von wann." verbesserte ich.
"Was?" Er sah mich verwundert an. Vermutlich dachte er, dass ich spinne.
"Zurück von wann. Du warst zwischendurch nicht ganz klar." erklärte ich.
"Wirklich? Ich kann mich nicht erinnern. Was habe ich gesagt?" hakte er nach und schluckte.
"Du dachtest, dass ich mit Krebs im Krankenhaus liegen würde." war alles, was ich auf seine Frage leise erwiderte. Erschrocken darüber schloss er die Augen.
"Tut mir leid. Ich wollte dich nicht erschrecken." murmelte er.
"Es ist okay. Es war nur kurz. Wie fühlst du dich?" wechselte ich das Thema.
"Als wenn man mich durch den Fleischwolf gedreht hätte, aber trotzdem besser als beim letzten Mal als ich wach war. Aber ich habe schrecklichen Durst." meinte er und sah mich wieder an.
Ich nickte, erhob mich und holte ihm etwas zu trinken.
Als ich wieder zum Bett zurück kam, hatte er sich bereits aufgerichtet und seinen Oberkörper an das Kopfteil des Bettes gelehnt.
Ich reichte ihm das Glas und er trank vorsichtig einige Schlucke des Wassers, bevor er mich musterte.
"Wie geht es euch?" wollte er schließlich wissen.
"Gut. Wir sind in Ordnung" gab ich ihm lächelnd zu verstehen und musterte ihn nun eingehend. Ich wusste, dass ich das an diesem Tag schon mehrere Male gemacht hatte, doch hatte er nicht ein Mal so gut ausgesehen, wie er es jetzt tat.
"Hast du noch Schmerzen?" wollte ich wissen.
"Nur in meinem linken Bein. Der Rest ist auszuhalten. Ich fühle mich schlapp, und dreckig, und die Prellungen merke ich auch, aber es geht mir relativ gut." antwortete er und ich setzte mich neben ihn. Zärtlich griff ich nach seiner Hand.
"Was für einen Tag haben wir heute?" erkundigte er sich.
"Montag. Genauer gesagt Montag Abend. Du hast keine Zeit verloren." erzählte ich.
Er nickte und führte seine freie Hand sanft an meinen Bauch. Sein Blick wurde verträumt, als er in sanften Bewegungen darüber streichelte.
"Fox?" fragte ich leise. Er hob seinen Blick und sah mir in die Augen.
"Ich habe eine Einstichstelle an deinem linken Oberarm gefunden. Weißt du, was *die* dir gespritzt haben?"
"Sie haben den Test an mir gemacht." erklärte er nach einem kurzen Moment, in dem er offenbar überlegen musste, wovon ich redete.
"Welchen Test?" wollte ich alarmiert wissen.
"Wie den, den sie damals in Russland gemacht haben." hörte ich ihn leise sagen.
"Fox, du hast mir nie erzählt, was in Tunguska vorgefallen ist." Während ich dies sagte sah ich ihn beunruhigt und mit leichter Angst an.
"Sie haben mir den Impfstoff injiziert und mich dann dem schwarzen Öl ausgesetzt. Sie wollen den Impfstoff testen. Oder zumindest wollten sie das damals." Mulders Stimme war immer leiser geworden und ich merkte, wie sich mein Herz krampfhaft vor Angst zusammen zog.
Sie hatten ihn als Testperson benutzt? Was würde dieser Impfstoff oder der schwarze Krebs bei ihm bewirken?
Jetzt nur die Ruhe bewahren. Mulder konnte es jetzt nicht gebrauchen, dass ich hysterisch wurde. Ich sah, dass er immer noch sehr schwach war und sein Gesicht wirkte beinahe gespenstisch blass.
"Ruh dich noch ein wenig aus. Ich werde mir in der Zwischenzeit die Haare färben, damit ich nicht so auffalle. Und dann besorge ich etwas zu essen für uns." sagte ich und wechselte so das Thema.
Müde nickte er und schloss gehorsam die Augen, doch nur Sekunden später flogen sie wieder auf.
"Du willst dir die Haare färben?" fragte erschrocken. Ich nickte.
"Fox, diese roten Haare sind wie ein Signal. Da kann ich mir auch gleich ein Schild umhängen, dass ich Special Agent Dana Scully und flüchtig bin." erwiderte ich.
"Aber ich liebe diese Haare." murrte er und zog eine Schnute.
"Ja, ich weiß. Aber ich liebe dich und das Baby und ich hänge auch an meinem Leben. Und ich tue alles, um das zu retten." erwiderte ich, eine Spur gereizter als ich es sollte.
Erschrocken sah er mich an, sagte jedoch nichts.
Ich seufzte.
"Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht so anfahren. Ich bin müde und ich hatte verdammt große Angst um dich." entschuldigte ich mich und trat einen Schritt auf ihn zu.
"Nein, ist schon gut. Ich weiß, dass du das alles tust, um uns zu retten. Aber ist denn die Farbe auch ungefährlich für dich und das Baby?" fragte er. Ich nickte leicht.
"Ich habe so eine Biofarbe genommen. Schokoladenbraun." meinte ich und fuhr mit meiner Hand über seine Wange.
Er lächelte leicht und ich drehte mich um, und ging ins Badezimmer.
Nach ungefähr dreißig Minuten kam ich mit meiner neuen Haarfarbe zurück ins Zimmer. Neugierig sah Fox mich vom Bett aus an und grinste zufrieden, als ich näher kam.
"Ganz hast du aber das Rot nicht wegbekommen." meinte er nach genauerer Betrachtung, und ich wusste, warum er so zufrieden gelächelt hatte.
"Nein, aber es fällt nicht mehr so auf." erwiderte ich.
"Oh, aber ich kann es noch erahnen, wie es vorher war." sagte er und streichelte mir liebevoll über den Kopf.
Ich wusste, er wollte nichts mehr, als mich zu küssen, doch er selber fühlte sich dreckig und schäbig und würde es nicht tun. Er würde auch meinen Kuss nicht erwidern, solange er sich so fühlte, und verdammt noch mal, ich wollte auch von ihm geküsst werden.
Ich erhob mich und ging noch einmal ins Badezimmer.
Mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, kam ich nur wenige Minuten später zurück, eine Schüssel mit warmem Seifenwasser und einem Schwamm vor mir herbalancierend. Fox blickte mich fragend an, als ich die Schüssel neben ihm auf dem Nachtschrank abstellte, und ein weiteres Mal im Badezimmer verschwand, um nur Sekunden später mit einer Zahnbürste und zwei Zahnputzbechern zurückzukehren.
Ich reichte ihm die Zahnbürste, die er mit einem dankbaren Lächeln griff und begann, sich rasch die Zähne zu putzen. Er spülte seinen Mund aus und spuckte das Wasser in den zweiten, leeren Becher.
"Fühlst du dich jetzt besser?" fragte ich mit sanfter Stimme, als er fertig war und die Zahnbürste auf den Nachttisch legte.
"Ein wenig." erwiderte er mit einem neckenden Tonfall.
"Ich weiß etwas, das dich noch besser fühlen lässt." meinte ich mit tiefer Stimme und sah, wie seine Augen aufleuchteten, als ihm dämmerte, was ich vorhatte.
Ich griff nach dem Schwamm in der Schüssel und drückte ihn leicht aus, jedoch nicht vollständig.
Langsam ließ ich den Schwamm über seine Brust gleiten, drückte das restliche Wasser heraus und ließ es ihn anschließend wieder aufsaugen. Zärtlich wusch ich Fox` Oberkörper, seine Arme und anschließend sein Gesicht und auch die Haare. Er beobachtete mich bei meiner Tätigkeit, sah in mein konzentriertes Gesicht und ich konnte in seinen Augen lesen, dass er genoss, was er sah.
Nachdem ich oben fertig war, legte ich den Schwamm zurück in die Schüssel, erhob mich leicht und hakte meine Finger unter das Gummi seiner Boxershorts.
Er sog zischend die Luft in die Lungen, als ihm klar wurde, dass ich sie ihm ausziehen wollte und er dann vollkommen nackt vor mir liegen würde, während ich ihn auch dort wusch.
Ich hob meinen Blick bei dem Geräusch und während ich die Shorts seine Beine hinabstreifte, lächelte ich ein kleines, teuflisches Lächeln.
"Du bist mir vollkommen ausgeliefert." stellte ich genüsslich fest, wusste jedoch gleichzeitig, dass nicht wirklich etwas passieren würde. Vor nur vier Stunden hatte Mulder einen schrecklichen Fiebertraum gehabt, war nicht ansprechbar gewesen, und egal wie gut es ihm jetzt ging, ich wollte ihn auf keinen Fall überfordern und einen erneuten Zusammenbruch riskieren.
"Du solltest wirklich mal was gegen deinen Zwang um Kontrolle in solchen Momenten unternehmen." grinste er, doch das Verlangen, dass in seinen Augen glitzerte, strafte seine Worte lügen.
Ich warf ihm ein überlegenes und auch wissendes Lächeln zu und griff wieder nach dem Schwamm. Langsam wusch ich seine Beine, beim linken darauf achtend, einen ausreichenden Bogen um den Verband zu machen, damit dieser nicht nass wurde und die Naht nicht aufplatzen konnte.
Schließlich ließ ich den Schwamm an der Innenseite seiner langen Schenkel wieder nach oben gleiten und beobachtet voller Genugtuung, wie er darauf reagierte, dass ich seinem Glied immer näher kam. Ich wusste, er wollte dort berührt werden, würde es lieben und genießen, egal wie schwach er war.
Doch ich stoppte und sah ihn zärtlich an.
"Fox, ich kann mir denken, wie gerne du das möchtest, und Gott weiß, ich will es auch, aber du hast noch vor wenigen Stunden halb tot hier im Bett gelegen, und ich möchte nichts riskieren, was deinen Zustand verschlechtert. Ich werde dich jetzt nur waschen und es wird nichts anderes geschehen, so gerne wir das auch wollen." erklärte ich.
Mulder zog eine Schnute und blickte mich mit seinem Dackelblick gespielt verletzt an.
"Sieh mich nicht so an." schalte ich ihn, musste jedoch grinsen.
"Aber das ist unfair. Du kannst jetzt nicht aufhören. Ich meine, sieh mich an!" Er deutete auf seine Erektion.
"Ich kann, und ich werde. Versuch es einfach unter der Erfahrung >Sie hat mich heißgemacht und lässt mich dann fallen wie eine Kartoffel<, oder so zu verbuchen. oder genieß den zustand, den ich herbeigeführt habe." fügte ich ernst hinzu.
Er seufzte, wusste, dass ich im Grunde recht hatte und nickte schließlich.
Langsam und doch mit einem gewissen Druck wusch ich also seinen Intimbereich und erhob mich anschließend, um die Schüssel und die Zahnputzsachen ins Badezimmer zu bringen und ihm frische Klamotten zu holen.
Ich grinste, als ich vor dem Spiegel stand, meine roten, heißen Wangen betrachtete und an seine Reaktion auf meine Berührungen dachte.
Ich war wirklich gemein, doch wusste ich, dass es richtig gewesen war.
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Dana kramte in einem Koffer herum und nahm einige Klamotten heraus, die aussahen, als wenn sie mir passen könnten. Langsam kam sie auf mich zu und hielt einen dunkelblauen Pullover hoch.
"Von Byers oder Langly, oder so. Sie haben in aller Eile einige Klamotten für dich zusammengesucht." erklärte sie dabei. Ich musterte das Kleidungsstück. So viel Geschmack hätte ich weder dem einen, noch dem anderen der Lone Gunmen zugetraut und ich grinste bei dem Gedanken, wie einer von ihnen das gute Stück letztes Jahr unter dem Weihnachtsbaum gefunden hatte, als Geschenk von der eigenen Mutter.
"Offenbar hat Mrs. Langly oder Mrs. Byers mehr Geschmack als ihr Sohn." meinte Dana und bewies damit einmal mehr, dass wir über ein geistiges Band miteinander Verbunden waren und der eine ohne den anderen nicht leben könnte.
"Gott schütze die Mütter der Freaks." erwiderte ich und bekam dafür einen strafenden Blick zugeworfen.
Nun, sie hatte ja Recht, ich glaubte nicht an Gott, aber ich konnte auch schlecht die fremde Lebensform von anderen Planeten anflehen, denn ich wusste einfach nicht, ob diese gut oder böse war und für allmächtig hielt ich sie ehrlich gesagt nicht.
Sie beugte sich schließlich über mich und half mir, eine Boxershorts anzuziehen. Dies erwies sich als einfacher als die Jeans, die darauf folgte. Die Wunde jagte eine Menge kleiner Schmerzwellen durch meinen Körper, als der raue Stoff der Hose darüber schrabbte. Jedes Mal, wenn ich mein Gesicht während des Anziehens verzog, warf mir Dana besorgte Blicke zu.
Nachdem sie mir ein T-Shirt und den Pullover zurecht gelegt hatte, schließlich waren meine Arme vollkommen in Ordnung und ich war durchaus in der Lage mich zumindest oben rum alleine anzuziehen, ging sie hinüber zu dem kleinen Tisch, der an der gegenüberliegenden Wand stand und den sie offenbar zu einem Labor umfunktioniert hatte.
Sie sprach nicht und ich legte mich ein wenig erschöpft zurück und beobachtete sie.
Ihr Gesicht wirkte verschlossen und so war es mir nicht möglich, in ihm zu lesen, wie ich es sonst immer tat. Schon lange hatte sie sich nicht mehr vor mir verschlossen, hatte ihre Gefühle und Ängste mit mir geteilt und es machte mich traurig zu sehen, dass sie sich nun von mir zurück zog und sich statt dessen lieber in Arbeit stürzte.
Sie werkelte beinahe vierzig Minuten still an dem Tisch herum, packte Sachen zusammen, sah noch einmal angestrengt durch das Mikroskop und stellte schließlich alles neben die Tür auf den Fußboden.
Gerade als sie nach dem Türgriff langte, setzte ich mich leicht auf und sagte leise ihren Namen.
Langsam drehte sie mir ihr Gesicht zu und ich konnte die Anspannung darin sehen, doch nicht mehr.
Ich streckte meine Hand aus und machte eine entsprechende Geste mit meinem Kopf. Langsam kam sie auf mich zu und griff nach der angebotenen Hand, ihre Gesichtszüge nun etwas weicher.
"Komm her." bat ich mit leiser Stimme und zog sie zu mir. Sie setzte sich neben mich auf das Bett und ich rutschte ein wenig zur Seite. Sanft zog ich sie neben mich, so dass sie ausgestreckt neben mir lag und platzierte ihren Kopf auf meiner Brust.
In großen, ruhigen Bewegungen streichelte ich ihren Rücken und meine andere Hand lag immer noch auf ihren Haaren. Ich atmete den sauberen Duft ein, den sie aussandte und genoss die Wärme ihres kleinen Körpers neben mir.
Sie lag still neben mir und ich merkte, wie sich ihre Atmung langsam meiner anpasste und sie sich in meinen Armen immer mehr entspannte.
Nach einiger Zeit begann sie schließlich leise zu schluchzen und ich dankte Gott dafür, dass sie ihre Anspannung endlich losließ und sich fallen ließ. Ich wusste, dass das passieren würde, hatte darauf spekuliert, denn ihre Verschlossenheit hatte nur den einen Grund gehabt, mir nicht zu zeigen, wie sehr sie das alles mitgenommen hatte.
Ich küsste sie sanft auf die Stirn und streichelte ihr weiter über den Rücken, ohne etwas zu sagen.
Ihr Körper bebte unter den Schluchzern und sie drückte ihr Gesicht in meine Brust, damit die Geräusche verschluckt würden.
Meine Hand, die die ganze Zeit nur ruhig auf ihrem Kopf gelegen hatte, begann nun, sich ihren Weg zu ihrer Wange zu suchen und sie dort zu liebkosen.
Nach einer scheinbaren Ewigkeit beruhigte sie sich wieder und blieb erschöpft aber vollkommen entspannt an meiner Brust liegen. Ich wusste, sie würde sich der Magie meiner Herzschläge hingeben und vermutlich einschlafen, oder zumindest sehr viel ruhiger werden.
Noch immer sagten wir beide nichts, genossen einfach nur die Nähe des anderen. Minuten später hob sie ihren Kopf und streckte sich, um mir einen Kuss zu geben.
"Danke." nuschelte sie und ich nickte leicht.
"Willst du heute Abend noch fahren? Oder willst du bis morgen früh warten?" fragte ich nach einer Weile.
"Ich denke es ist besser in der Nacht zu fahren und am Tag auszuruhen. Wir sollten so schnell wie möglich ganz viel Raum zwischen uns und *die* bringen, solange sie noch glauben, dass wir bei dem Unfall ums Leben gekommen sind." erklärte sie.
Ich nickte, wusste, dass sie Recht hatte, wie so oft, doch es gefiel mir nicht. Es war nicht gut für sie ihren Tages- und damit auch Biorhythmus durcheinander zu bringen. Nicht nur sie, sondern auch das Baby litten unter der Umstellung, und doch wusste ich, dass die Chancen besser standen, nachts nicht entdeckt zu werden.
"Hast du Hunger?" unterbrach sie meine Gedanken.
Ich überlegte einen Moment und horchte in mich hinein. Schließlich nickte ich. Ja, ich hatte Hunger, zwar nicht übermäßig, aber doch machte sich dieses Gefühl in mir breit.
"Bist du mit Brot zufrieden? Oder sollen wir einen Fast Food ansteuern?" wollte sie wissen.
"Brot." erwiderte ich, wohl wissend, dass wir besser alle Menschen meiden sollten, so lange es eben ging, auch Nachts.
Sie räkelte sich leicht und stand dann auf. Während sie wieder zu dem Tisch hinüber ging und sich daran machte, einige Brote zu schmieren, griff ich nach der Fernbedienung für den Fernseher, der rechts unten am Fußende des Bettes auf einem kleinen Hocker aufgestellt war. Ich schaltete ihn ein und suchte einen Nachrichtensender.
Ein Nachrichtensprecher berichtete von einem Banküberfall in Rockford, Maine, während ein Hubschrauber die passenden Bilder dazu lieferte. Anschließend wurde noch von zwei Morden in Wilmington, Carolina berichtet und dann kam ein kurzer Wetterbericht.
Ich wollte gerade nach der Fernbedienung greifen, Scully brachte in dem Moment die letzten beiden Taschen ins Auto, als die nette Moderatorin mit einem besorgten Gesichtsausdruck sagte: >Und hier ist noch eine Fahndung des Federal Bureau of Investigation. Die beiden Special Agenten Dana Katherine Scully und Fox William Mulder werden wegen Mordes gesucht. Sie befinden sich auf der Flucht und sind bewaffnet.< ein Foto von Scully erschien auf dem Bildschirm, mit der Unterschrift, >>Special Agent Dana Scully, gesucht wegen Mordes, gefährlich<<, gefolgt von einem Foto von mir selber, mit meinem Namen darunter und der gleichen Warnung.
>Sollten sie die gesuchten Personen sehen, unternehmen sie nichts, rufen sie einfach sofort die Polizei oder das FBI an. Die direkte Durchwahl zur zuständigen Einheit beim FBI lautet...<.
Ich stellte den Fernseher aus und sah Dana, mit einem erschrockenen Ausdruck auf dem Gesicht, am Fußende des Bettes stehen. Ich hatte nicht bemerkt, dass sie das Zimmer schon wieder betreten hatte.
"Scheiße." flüsterte ich und fuhr mir mit den Händen durch das Gesicht.
"Lass uns sehen, dass wir hier weg kommen." meinte sie und ging zu dem Tisch hinüber. Sie griff sich ein Brot und brachte es mir. Dankbar nahm ich es ihr ab und sah sie erstaunt an, als sie sich wortlos neben mich setzte.
"Willst du nichts essen?" fragte ich und musterte sie eingehend. Langsam schüttelte sie den Kopf.
"Ich habe keinen Appetit." murmelte sie und ließ ihren Blick durch das Zimmer schweifen.
"Dana, du musst etwas essen. Es ist nicht gut für dich, wenn du nichts zu dir nimmst." versuchte ich sie zu erreichen.
Sie nickte leicht. Natürlich, was hatte ich erwartet, dass sie mit mir streiten würde? Sie wusste selber, dass sie etwas essen musste, dass es wichtig für sie war, aber auch für das Baby.
Trotzdem machte sie keine Anstalten sich zu erheben, um sich ein Brot zu holen.
Ich beugte mich zu ihr rüber und legte meine freie Hand auf ihren Rücken.
"Schatz, bitte. Iss wenigstens eine Kleinigkeit." bat ich leise und beobachtete wie sich ihre Augenbraue hob und ich ihre Aufmerksamkeit mit meiner gewählten Anrede sofort erregt hatte. Nur in ganz seltenen Momenten sprachen wir uns mit diesem Kosewort an. Es war der einzige Kosename den wir überhaupt benutzten und er hatte bei uns beiden den gleichen Effekt. Wir wandten auf der Stelle unsere gesamte Aufmerksamkeit dem anderen zu.
Sie drehte ihren Kopf und sah mich an.
"Du schadest dir und dem Kind, wenn du nichts isst." sagte ich, meine Hand an ihre Wange legend.
Wieder nickte sie und drehte ihren Kopf ein klein wenig weiter, um mir einen Kuss in die Handfläche zu geben.
Ich hielt ihr mein Brot hin und sie biss ein klein wenig davon ab. Langsam kaute sie und schluckte es anschließend hinunter. Ich beobachtete ihr Gesicht dabei und merkte, wie sehr sie sich anstrengen musste, um ihre Appetitlosigkeit und ihren Ekel gegenüber Essen, den sie immer entwickelte, wenn sie unter emotionalem Stress stand, zu unterdrücken. Mit einem Seufzer biss ich selbst von meinem Brot ab und drängte sie nicht weiter. Ich wusste, wenn ich sie dazu überreden würde etwas zu essen, würde es vermutlich postwendendend wieder raus kommen. Also entschied ich mich dazu, sie später noch einmal an das Essen zu erinnern.
Nachdem ich mein Brot gegessen hatte, half Dana mir dabei ins Auto zu kommen und wir machten uns auf den Weg Richtung Norden.
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Ich hatte mit meiner Vermutung über die schlechten Wetterverhältnisse weiter im Norden recht behalten, und so gestaltete sich das Fahren, noch dazu im Dunkeln, als sehr schwer.
Wir waren jetzt seit einer Woche unterwegs, und wir näherten uns Minnesota nur langsam. *Die* hatten es irgendwie geschafft, unsere Fährte aufzunehmen, und so mussten wir noch vorsichtiger sein, noch größere Umwege fahren, um unsere Spuren wieder zu verwischen. Das, und die Tatsache, dass die Straßen zunehmend glatter wurden und der Schneefall immer mehr zunahm, erschwerte unsere Flucht stark.
Fox ging es zunehmend besser, was ich von mir nicht behaupten konnte. Immer wieder setzten leichte Wehen ein - viel zu früh - und wenn wir endlich, nach einer Nacht im Auto, morgens um acht ein Motel ansteuerten, zwangen sie mich dazu, viele Stunden still im Bett zu liegen.
Diese Untätigkeit, zu der ich dadurch tagsüber verdammt war, trugen nicht dazu bei, dass ich ruhiger wurde. Fox Gesundheitszustand war zwar augenscheinlich besser geworden, doch packte mich die Sorge, was *die* ihm gespritzt hatten, immer häufiger.
Am achten Tag unserer Flucht nahm ich Fox morgens Blut ab, um es später zu untersuchen. Er hatte mir erzählt, dass ihm damals, in Tunguska in dem Gulag der Impfstoff gespritzt worden war und er anschließend, wie auch dieses Mal, dem schwarzen Öl ausgesetzt worden war. Er erklärte mir den Zusammenhang zwischen diesem Test, und der Erkrankung, die ihn vor einiger Zeit befallen hatte, seiner Meinung nach ausgelöst durch einen Abdruck eines Artefaktes aus dem Weltall. Die Erkrankung hatte es seinem Gehirn verboten, abzuschalten. Unser Erzfeind - C.G.B. Spender - hatte damals veranlasst, dass Mulders Kopf geöffnet und Teile dieses übererregten Gewebes entnommen und dem Krebskandidaten eingepflanzt wurden. Dieser war jedoch, so weit wir erfahren hatten, vor kurzem verstorben.
Offensichtlich war das der Grund, warum sie Mulder ein weiteres Mal geholt hatten, um mit ihm diesen Test durchzuführen.
Diese Krankheit sollte es angeblich einem Menschen ermöglichen, bei der Eroberung der Welt durch Außerirdische, nicht zu einem Sklaven degradiert zu werden und das war es, worauf unsere Verfolger ganz scharf waren.
Die Freaks hatten bei einem unserer, mittlerweile täglichen, Telefongespräche von mir alles erfahren und daraufhin Nachforschungen angestellt. Da es zu lange dauern würde, die Informationen, die sie erhalten hatten, am Telefon weiter zugeben, hatten sie mir verschiedene Internetadressen gegeben, unter anderem auch die, die sie selber zu diesem Thema eingerichtet hatten. Ich wollte sie studieren, wollte sehen, ob ich etwas finden konnte um beides, den Impfstoff und das schwarze Öl, aus Mulder heraus zu bekommen.
Und ich wollte das Blut untersuchen. Ich wollte sehen, was diese beiden Fremdstoffe in ihm, ihm antaten.
Nachdem ich mich eine Stunde ruhelos im Bett gewälzt hatte, stand ich um neun Uhr leise auf. Ich wollte auf jeden Fall verhindern, dass Fox wach wurde, denn er hätte mich niemals nach einer ganzen Nacht, die ich hinter dem Steuer gesessen und das Auto durch Schnee und Eis gelenkt hatte, arbeiten lassen.
Ohne ein Geräusch zu machen, begann ich damit, sein Blut auf einem Objektträger des Mikroskops zu verteilen. Angestrengt sah ich nur wenig später durch die Linse und betrachtete die kleinen grauen Klümpchen, die immer noch in seinem Blut zu finden waren. Würden sie sich in seinem Gehirn einnisten und es wieder zu ungeahnter Tätigkeit antreiben, ihm nicht erlauben, sich für einige Stunden auszuruhen?
Um dies genau zu wissen, müsste ich ihn in ein Krankenhaus bringen und eine PET-Untersuchung durchführen, die es mir erlauben würde zu sehen, in welchem Ausmaß sein Gehirn arbeitete.
Doch diese Möglichkeit hatten wir nicht. Unsere Verfolger waren uns dichter auf den Fersen, als es uns lieb war und wir konnten es uns nicht leisten, entdeckt zu werden.
Ich sah auf und zu ihm rüber. Friedlich lag er dort und schlief, sein Atem tief und stetig. Es wirkte sehr beruhigend auf mich, zu sehen, dass ihm offensichtlich nichts fehlte, auch wenn ich wusste, dass der Schein trog.
Nach einer scheinbar endlos langen Zeit, in der ich einfach da gesessen und ihn angeschaut hatte, loggte ich mich im Internet ein, um die Seiten der Jungs zu überprüfen. Müde rieb ich mir die Augen und gähnte herzhaft.
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Langsam driftete ich in den schönen Zustand, in dem man noch nicht richtig wach ist, aber auch nicht mehr wirklich schläft. Für mich ist dieser Zustand der Himmel auf Erden, denn es gab viele Jahre, in denen ich ihn nie erleben durfte. Von Alpträumen aus dem Schlaf gerissen, übersprang ich diese Phase des Aufwachens und saß stattdessen schwer atmend und zitternd aufrecht im Bett, oder auf dem Sofa.
Ich drehte mich auf die andere Seite und langte hinüber zu Dana, doch meine Hand griff ins Leere.
Alarmiert schlug ich die Augen auf und sah mich suchend um, wobei mein Blick auch auf den billigen Wecker fiel, der auf dem Nachtschrank stand. Es war halb zwölf. Ich blinzelte einige Male und dann erst entdeckte ich sie. Sie saß am Tisch, der Kopf lag auf der Tastatur des Laptops und sie schlief.
Langsam und Vorsichtig stand ich auf. Die Schusswunde an meinem Bein war schon recht gut verheilt Vor zwei Tagen hatte Dana den Schlauch entfernt, der bis dahin immer noch zum Ablaufen des Wundwassers gedient hatte. Ich konnte jedoch immer noch nicht das volle Gewicht auf diesem Bein tragen und es schmerzte auch immer noch höllisch beim Laufen.
Humpelnd bewegte ich mich auf den Tisch zu und ließ mich vor Scully auf die Knie sinken. Ich lächelte leicht, als ich sah, dass sie sogar noch ihre Brille auf hatte, die nun schief auf ihrer Nase saß. Dann fiel mein Blick auf den Bildschirm des Laptops und ich sah, dass sie sich im Internet befand. Ich konnte einige medizinische Begriffe erkennen, ohne jedoch zu wissen, was diese bedeuteten. Offenbar war Dana bei der Arbeit eingeschlafen und ihr Kopf war auf die Tastatur des Computers gefallen. Ich wandte mich wieder ihr zu und strich ihr zärtlich eine Haarsträhne, die ihr vor die Brillengläser gerutscht war, aus dem Gesicht.
Sie blinzelte nicht, fuhr statt dessen erschrocken hoch und blickte mich mit weit aufgerissenen Augen und schwer atmend an. Mein entschuldigendes Lächeln verschwand nur Sekunden später von meinem Gesicht, als sie sich mit einem schmerzhaften Stöhnen krümmte und ihre Arme vor den Bauch presste.
"Oh scheiße!" entwich es mir leise und ich war innerhalb von kürzester Zeit auf den Beinen. Vorsichtig zog ich sie hoch, was sie widerstandslos mit sich geschehen ließ. Ich führte sie zum Bett herüber und half ihr dabei, sich hinzulegen. Instinktiv rollte sie sich auf die Seite, was ich wiederum für eine schlechte Idee hielt. Ich hielt es nämlich für besser, wenn sie das Kind noch nicht jetzt, zwei Wochen zu früh, zur Welt bringen würde.
"Dana, du solltest dich auf den Rücken legen, nicht so krumm, sonst drückst du das Baby gleich schon heraus." bat ich sie, und half ihr dabei, sich wieder zurück zu drehen. Ich setzte mich neben sie und streichelte ruhig ihre Wange.
"Ich hätte nicht arbeiten sollen." presste sie zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor.
"Denk jetzt nicht darüber nach, denk lieber ans Atmen." wies ich sie liebevoll zurecht und sie sah mich dankbar an.
Verzweifelt versuchte sie, die Wehen zu veratmen, wie sie es in der Gymnastik und der Geburtsvorbereitung gelernt hatte, die wir gemeinsam, wann immer wir es konnten, besucht hatten.
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Anderthalb Stunden nachdem Fox mich geweckt hatte, wusste ich, dass ich unser Baby noch heute, hier in diesem billigen Motelzimmer, zur Welt bringen würde. Die Wehen waren nicht weniger, sondern im Gegenteil häufiger und auch stärker geworden. Ich schaffte es beinahe nicht mehr, sie zu veratmen und der Drang, einfach zu pressen, um das Baby aus mir heraus zu bekommen, wurde immer größer.
Auf meiner Stirn stand kalter Schweiß und in Gedanken fragte ich mich, wie das nur gut gehen konnte. Wir hatten nicht einmal Kleidung für das Würmchen und es würde zu allem Überfluss auch noch zwei Wochen zu früh auf die Welt kommen.
"Fox, geh und hol einige Decken und Handtücher, die Wehen werden nicht wieder verschwinden. Ich werde das Kind im Laufe der nächsten Stunden entbinden müssen." bat ich ihn zwischen zwei Wehen.
Erschrocken blickte er mich an.
"Dana, bist du sicher? Ich meine, es ist noch zu früh...." erwiderte er.
"Ich weiß, dass es noch zu früh ist, aber es ist sicherer wenn ich es nicht mehr zu lange anhalte. Die Wehen bedeuten auch für das ungeborene Baby schon viel Stress, und wir haben hier keine Möglichkeit, seine Herztöne zu überwachen." versuchte ich ihm klar zu machen und drückte seine Hand, als die nächste Wehe mich traf.
Nachdem diese vorüber war, stand er ohne ein Wort zu sagen auf, und begann, alle Tücher, die er finden konnte, zusammen zu suchen. Ich beobachtete ihn dabei und keuchte, als die nächste Wehe über mich hinweg rollte.
Ich hätte im Leben nicht gedacht, dass es solche Schmerzen sind, die eine Frau in den glücklichsten Stunden ihres Lebens aushalten muss.
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Drei Stunden später setzten die richtigen Presswehen ein. Die Fruchtblase war bereits einige Zeit zuvor geplatzt, was Mulder nur noch nervöser werden ließ, als er es ohnehin schon war. Ich hatte ihn gebeten, meinen Arztkoffer zu holen und ihm anschließend genau gesagt, was er zu tun hatte. Seine Augen hatten sich vor Schreck geweitet, als ich ihm erklärt hatte, dass er eventuell einen Dammschnitt vornehmen müsste.
"Dana, ich kann doch nicht einfach an dir herum schneiden!" keuchte er entsetzt und griff nach meiner Hand.
"Fox, wenn der Damm reißt, dann habe ich viel länger Probleme damit, als wenn du einen sauberen Schnitt machst und es anschließend wieder nähst." versuchte ich es ihm mit geduldiger Stimme zu erklären.
"Nähen?" Er sprang auf. Ich nickte nur und lächelte angesichts seiner Panik.
"Können wir das nicht doch noch verschieben?" wollte er mit gequältem Gesichtsausdruck wissen, doch ich schüttelte lächelnd den Kopf. Sekunden später keuchte ich erneut auf und biss mir auf die Lippen, um nicht laut aufzuschreien und damit das ganze Motel auf uns aufmerksam zu machen.
Besorgt beugte er sich über mich und ich hörte ihn murmeln: "Nun, offensichtlich ist es zu spät zum Verschieben. Also machen wir das Beste aus dieser Situation und holen unser Wunder auf die Welt."
Er erhob sich wieder und schaltete das große Licht aus und ließ nur die Nachttischlampen brennen. Ich vermutete, wenn er Kerzen da gehabt hätte, dann hätte er sie angezündet und auf elektrischen Strom verzichtet, um eine gemütliche und beruhigende Atmosphäre zu schaffen. Anschließend nahm er alle Kissen, die auf dem Bett lagen und stopfte sie mir in den Rücken, so dass ich leicht aufgerichtet vor ihm saß. Er griff nach dem Koffer, nahm die Schere und eine Nadel hinaus und ging mit beiden Gegenständen in das Badezimmer.
"Wo willst du hin?" erkundigte ich mich verwirrt.
"Ich werde die Teile desinfizieren." meinte er.
"In der Tasche ist Desinfektionsmittel." erklärte ich und bereitete mich auf die nächste Wehe vor, die sich bereits wieder ankündigte.
Ich krallte meine Hände in die Bettlaken und stöhnte laut auf.
"Fox!" rief ich gequält aus. Mulder sah mich erschrocken an und setzte sich schnell neben mich.
"Hilf mir die Hose auszuziehen. Es wird nicht mehr lange dauern, hoffe ich." keuchte ich und er zog mir hektisch das Höschen aus, alles andere hatte ich bereits abgelegt, als die Fruchtblase geplatzt war.
Anschließend winkelte er meine Beine an und spreizte die Schenkel leicht. Ich hatte meinen Kopf erschöpft zurück gelegt und versuchte verzweifelt, genug Luft in meine Lungen zu bringen, um für die nächste Wehe gewappnet zu sein.
Diese ließ auch nicht lange auf sich warten. Mit einem erstickten Schrei begann ich zu pressen. Ich hatte in diesem Moment nur einen Wunsch, nämlich dass das Baby in der nächsten Sekunde aus mir herausgeflutscht käme und alles vorbei wäre, doch natürlich ging mein Wunsch nicht in Erfüllung.
Keuchend sank ich zurück und schnappte nach Luft. Fox saß neben mir und streichelte meine verschwitzten Haare aus meinem Gesicht.
Er küsste sanft meine Stirn, als ich ihm einen verzweifelten Blick zuwarf.
"Du schaffst das, Dana. Sag mir nur, was ich tun soll." flüsterte er und streichelte meine Wange.
Ich schüttelte den Kopf. Es gab im Moment nichts, was er tun konnte.
Die nächste Wehe überflutete mich und wieder nutzte ich sie und presste, so gut es eben ging. Mulder rutschte ein wenig nach unten und beobachtete, ob schon etwas von dem Baby zu sehen war.
In der nächsten Pause betete ich zu Gott und dankte ihm dafür, dass das Baby zumindest richtig herum lag. Lange Zeit hatte es nicht so ausgesehen, als wenn ich es überhaupt auf natürlichem Wege zur Welt bringen konnte. Erst vor drei Wochen hatte es sich endlich richtig herum gedreht. Nicht auszudenken, wenn es das nicht getan hätte.
Mulder langte nach einem kleinen Kissen und reichte es mir.
"Schrei da hinein, dann ist es für dich vielleicht leichter, als wenn du angestrengt versuchst, kein Geräusch zu machen. Und die Nachbarn hören nichts." Er blickte mich liebevoll an.
Dankbar nickte ich und versuchte ihm ein zuversichtliches Lächeln zuzuwerfen.
"Wenn das Baby da ist, dann musst du es abnabeln und den Schleim am Mund und an der Nase weg machen. Falls es nicht von selber schreit, halt es an den Füßen fest, den Kopf nach unten und gib ihm einen leichten Klaps auf den Hintern. Und dann wickle es in warme Tücher ein. Ich werde noch nicht viel machen können, denn ich muss erst noch auf die Nachgeburt warten. Wenn sie da ist, dann zeig sie mir, damit ich sehen kann, ob sie komplett ist, bleibt etwas drin, kann das sehr gefährlich für mich werden." erklärte ich ihm und er sah mich wieder erschrocken an.
"Da kommt noch was, wenn das Kind da ist? Dana, meinst du nicht, es wäre besser, wenn ich einen Arzt hole?" fragte er.
Ich schüttelte den Kopf.
"Nein, keinen Arzt. Wer weiß, ob sie darauf nicht warten. Wir machen das alleine." entgegnete ich und schnappte nach Luft, als die nächste Wehe kam. Wie Fox mir empfohlen hatte, vergrub ich mein Gesicht in dem Kissen und schrie laut auf, nachdem ich einige Zeit stark gepresst hatte.
"Ich sehe das Köpfchen. Dana, da ist was." sagte Mulder aufgeregt und beugte sich zwischen meine Beine. Ich holte tief Luft und presste wieder, die nächste Wehe hatte bereits wieder begonnen.
"Schneid den Damm an!" schrie ich und Mulder griff zitternd nach der Schere.
Zweifelnd blickte er mich noch einmal an und ich stieß ein: "Los, tu es!" zwischen den Zähnen hervor.
Er setzte die Schere an und schnitt, während ich Luft in meine Lungen pumpte und erneut presste.
"Oh Gott!" entfuhr es mir und er sah mich ängstlich an.
"Was jetzt?" wollte er wissen.
"Wie weit ist das Baby?" zischte ich, nicht aufhörend zu pressen.
"Das Köpfchen ist fast da." meinte er.
"Sieh zu, ob du anfassen kannst, um mir zu helfen." gab ich erschöpft von mir und schnappte noch einmal nach Luft.
"Und wenn ich ihm weh tue?" wollte er unsicher wissen.
"Das wirst du nicht. Fox, bitte, diskutier` nicht mit mir, mach es einfach." schnaufte ich.
Langsam streckte er seine Arme aus und griff nach dem Köpfchen des Kindes.
Während ich presste, zog er vorsichtig. Nur eine halbe Minute später sah ich ein Strahlen auf seinem Gesicht.
"Es ist da. Dana, das Baby ist da!" freute er sich mit einem glücklichen Lächeln auf den Lippen.
"Was ist es?" wollte ich erleichtert wissen, mein Kopf auf den Kissen ablegend.
"Ein Mädchen." strahlte er.
"Mach ihr die Atemwege frei." wies ich ihn an und schluchzte erleichtert.
Ich beobachtete, wie Fox vorsichtig mit dem Finger den Schleim von Mund und Nase entfernte und im nächsten Moment hörte ich ein kleines, zartes Quäken. Fox legte mir unsere Tochter auf den Bauch und griff nach der Schere.
Ich streichelte sanft über dieses nackte, kleine Wesen und warf ihm einen Blick zu.
"Du musst erst die Nabelschnur abklemmen, bevor du schneidest." fuhr ich ihn erschrocken an, als ich sah, dass er zum entscheidenden Schnitt ansetzte. Erschrocken zog er die Schere zurück und sah mich mit weit aufgerissenen Augen an.
"Wo sind denn so Klemmen?" wollte er mit rauer Stimme wissen.
"In meinem Koffer." erklärte ich und sah auf meine Tochter hinunter, die leise schrie.
Ich unterzog sie einer schnellen Untersuchung und stellte erfreut fest, dass sie beim APGAR-Test alle zehn Punkte erreicht hatte.
Sie war gesund, zumindest auf den ersten Blick.
Mulder machte die Klemmen an der Nabelschnur fest und schnitt sie dann durch.
"Wir haben gar keine Kleider für sie." stellte er mit belegter Stimme fest und blickte mich traurig an. Ich nickte und zog ihn zu mir, wollte ihn nahe bei mir und dem Baby haben, mich einhüllen lassen von seiner Wärme und ihm ein wenig Ruhe und Trost spenden.
Sanft küsste er mich auf die Schläfe und streichelte in einer federleichten Berührung über die Wange unserer Tochter.
"Wie wollen wir sie nennen?" fragte ich leise und legte seine Hand an meine Wange.
Mulder betrachtete seine Tochter nachdenklich und biss sich auf die Innenseite seiner Wange.
Offensichtlich wollte er nicht so recht mit der Sprache heraus rücken.
"Möchtest du sie Samantha nennen?" fragte ich leise. Sein Kopf ruckte herum und er sah mich nachdenklich an.
Langsam schüttelte er schließlich den Kopf.
"Nein, an diesem Namen hängen zu viel Erinnerungen, das möchte ich nicht. Möchtest du, dass sie Melissa heißt?" flüsterte er.
Nun schüttelte ich den Kopf.
"Was hältst du von Joy?" wollte er wissen.
"Glück…" sagte ich nachdenklich.
Er nickte.
"Wir können von Glück sagen, dass es sie gibt." meinte er.
Nun war es an mir zu nicken.
"Joy. Der Name klingt schön." murmelte ich und beugte mich wieder zu unserer Tochter runter. Sie war mittlerweile still geworden und schaute Fox mit ihren großen Augen an.
Ich streichelte zärtlich ihre Wange und flüsterte leise: "Willkommen auf der Welt, kleine Joy. Ich weiß, der Start läuft nicht so, wie wir es uns gewünscht hatten, aber wir beide lieben dich von ganzem Herzen und wir sind glücklich, dass du bei uns bist."
Mulder betrachtete mich und küsste mich ein weiteres Mal sanft an der Schläfe. Ich wandte ihm mein Gesicht zu und erkannte eine Träne, die sich ihren Weg von seinen Augen bis zu seinen Lippen gesucht hatte.
Ich hob meinen Kopf an und küsste sie ihm weg.
Zwei Stunden später hatte ich die Nachgeburt erfolgreich hinter mich gebracht, mich davon überzeugt, dass sie komplett war und sie, in eine Decke eingewickelt, Fox in die Hand gedrückt, damit er sie wegwerfen konnte.
Ich war, seinen Protest ignorierend aufgestanden, hatte die blutigen Laken genommen, sie in die Badewanne gelegt und sie eingeweicht und schließlich mich selbst geduscht. Nach der Dusche hatte ich die Laken durchgewaschen und sie schließlich im Badezimmer ausgebreitet, damit sie trocknen konnten. Zu meinem größten Erstaunen waren sie tatsächlich sauber geworden.
Nun trat ich langsam wieder ins Zimmer und beobachtete auf meinem Weg zum Bett, wie Mulder unsere kleine Tochter sanft im Arm hielt. Er streichelte sie in kleinen zarten Bewegungen und sprach leise mit ihr.
Er hatte sie in eine saubere Decke gewickelt und als ich auf die beiden zu ging, merkte ich, wie mir Tränen in die Augen stiegen, die ich nicht zurückhalten konnte.
Fox sah auf und mich an.
Die Ruhe und Zufriedenheit, die ich eben noch auf seinem Gesicht sehen konnten, verschwanden und machten großer Sorge und Verwirrung platz. Er legte Joy neben sich und stand auf, um auf mich zu zukommen.
Sanft schlossen sich seine Arme um meinen Körper und er wiegte mich beruhigend hin und her.
"Was ist los, Dana?" fragte er mit leiser Stimme.
"Was können wir ihr geben?" presste ich unter Schluchzen hervor und vergrub mein Gesicht an seiner Brust.
"Unsere Liebe." antwortete er und streichelte meinen Rücken.
"Aber wird das reichen? Wir sind auf der Flucht. Wir haben keine Windeln und auch keine Kleidung für sie. Es ist nicht gut für sie, so aufzuwachsen." weinte ich.
"Wir werden ihr Windeln und Kleidung kaufen, lass uns nur noch ein paar Stunden warten. Du musst dich ausruhen. Und dann hat sie alles was sie braucht. Mehr als andere Kinder haben. Sie hat uns, sie kann bei uns sein und sie wird von uns geliebt, mehr als alle anderen Kinder auf der Welt, weil sie so ein großes Wunder ist." erwiderte er und führte mich zum Bett hinüber. Erschöpft sank ich darauf nieder und drehte mich auf die Seite, so dass ich unser kleines Wunder ansehen konnte. Mulder legte sich hinter mich und hüllte mich so in eine schützende Umarmung. Er hob seinen Kopf und legte ihn auf meiner Schulter ab, um seine Tochter, unsere Tochter, ansehen zu können.
"Sie ist wunderschön, nicht wahr?" flüsterte er, während er meinen immer noch leicht bebenden Rücken in großen, ruhigen Bewegungen streichelte, so wie er es immer tat, wenn ich emotional erschöpft oder traurig war.
"Ja, das ist sie." bestätigte ich und wischte mir die Tränen aus den Augen. Ich atmete tief ein und legte meinen Kopf müde auf meinem Arm ab, während meine freie Hand sich vorsichtig um das kleine Fäustchen des Babys schloss.
"Sie hat deine Augen." stellte er fest. "Und deine Nase."
"Aber sie hat deine Ohren und deine Haare." ergänzte ich, sanft über die weichen, dunklen Haare streichelnd.
"Ihre Haut wird so hell werden, wie deine." vermutete er. Ich drehte meinen Kopf zu ihm rum und sah ihn fragend an, wobei ich eine Augenbraue hochzog. Das entlockte ihm ein Lächeln und er hob seinen Kopf, um mich sanft zu küssen.
"Woher willst du das wissen? Sie ist noch ganz rot und noch leicht mit der schützenden Käseschmiere bedeckt." fragte ich schließlich.
"Ich weiß es nicht, aber ich vermute es. Es würde zu ihr passen." erklärte er. Ohne Vorwarnung erhob er sich plötzlich und ging zu seinem Mantel hinüber, dem einzigen Kleidungsstück von ihm, dass wir nicht weggeworfen hatten. Er suchte seine Taschen ab und hielt schließlich zwei kleine Schachteln in der Hand. Langsam und auf die Schachteln starrend kam er zum Bett zurück und kaute unsicher auf seiner Wange herum.
Ich beobachtete ihn, wie er sich wieder auf die Matratze setzte und schließlich seinen Blick hob, seine Augen hielten meine gefangen.
"Ich... ähm..." begann er und reichte mir schließlich eines der Schächtelchen. Erstaunt setzte ich mich auf und sah ihn unsicher an.
"Das ist für dich. Ich weiß, der Zeitpunkt ist nicht so günstig, aber ich hatte mir fest vorgenommen, es dir zu geben, wenn unser Baby geboren wurde." sagte er und ein leichtes, jedoch sehr unsicheres Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
Wieder merkte ich, wie sich meine Augenbraue Richtung Haaransatz hochschob und ich sah ein weiteres Mal die Schachtel an.
Langsam löste ich das Papier und sah schließlich eine kleine quadratische Schmuckschatulle vor mir. Ich hob meinen Blick und saugte ihn an seinem fest.
In seinen Augen lag ein Flehen, eine Bitte und ich wusste, was er mich damit fragen wollte, und ich wusste genau, wie meine Antwort lauten würde.
Nie im Leben hätte ich gedacht, dass Fox William Mulder mich das jemals fragen würde, obwohl Gott weiß, dass ich mir nichts mehr gewünscht hatte, als das er es tat, trotz der Konsequenzen, die es für uns haben würde.
Ohne das Kästchen geöffnet zu haben beugte ich mich langsam zu ihm rüber, brachte meine freie Hand an seine Wange und gab ihm einen zärtlichen, sanften und liebevollen Kuss, der ihm meine Antwort auf seine noch nicht einmal ausgesprochene Frage gab. Ich krabbelte vorsichtig zu ihm rüber und setzt mich in seinen Schoß, meinen Rücken an seine Brust geschmiegt.
Mulder griff um meinen Körper herum und half mir, die Schatulle zu öffnen.
Ich sog zischend die Luft in die Lungen, als ich den Ring erblickte, der dort auf blauem Samt lag. Er war schmal und sehr filigran gearbeitet. Kleine Verzierungen umschlangen ihn, und in der Mitte war ein winzig kleiner Diamant eingearbeitet.
Gott, ich liebte diesen Ring.
Ich liebte diesen Mann.
"Dana, möchtest du mich heiraten?" flüsterte er, zu schüchtern, diese Frage laut auszusprechen.
Ich drehte mich in seinen Armen um und verteilte kleine federleichte Küsse auf seinem Gesicht. Jedes Mal, wenn meine Lippen seine Haut verließen hauchte ich ein kleines "Ja".
Als ich mich nach scheinbar endlosen Minuten zurücklehnte, sah ich Tränen, die sich ihren Weg von seinen Augen über seine Wangen suchten.
Sanft nahm ich sein Gesicht in meine Hände und wischte die Tränen mit meinen Daumen fort, während ich ihm ein Lächeln schenkte, von dem ich sicher war, dass er es erst zweimal vorher bei mir gesehen hatte. Das erste Mal, nachdem wir das erste Mal miteinander geschlafen hatten und das zweite Mal vor wenigen Stunden, nachdem ich unsere Tochter zur Welt gebracht hatte.
Seine Augen saugten es in sich auf, als wenn er es für immer in seinem Herzen bewahren wollte.
"Ich liebe dich so sehr!" sagte er ehrfurchtsvoll und er langte nach dem Kästchen. Vorsichtig nahm er den Ring heraus und griff dann zart nach meiner Hand.
Ich hatte das Gefühl, als wenn die Zeit stehen bleiben würde, um uns diesen Moment für immer zu schenken. Es fühlte sich so unglaublich, so wunderschön an, als er den Ring auf meinen Finger schob, dass mir unwillkürlich eine Träne die Wange hinunter lief. Keine andere emotionale Äußerung hätte ausgereicht, um dieses Gefühl auszudrücken.
Nun war es an ihm, mir mit dem Daumen zärtlich die Träne wegzuwischen und mir anschließend einen zarten Kuss auf die Lippen zu geben.
Als er sich wieder zurück lehnte, waren seine Augen dunkel, beinahe schwarz und die Emotionen wirbelten in ihnen, wie Blätter in einem Herbststurm.
Langsam, jedoch deutlich sicherer, griff er nach der zweiten kleinen Schachtel und reichte sie mir.
"Was...?" begann ich, doch er schüttelte nur den Kopf und bedeutete mir, dass ich das Kästchen öffnen sollte.
Ich atmete tief ein, gespannt was darin sein könnte und wickelte mit zitternden Fingern auch von diesem Schächtelchen das Papier ab.
Eine weitere kleine Schmuckschatulle kam zum Vorschein und ich hob meinen Blick ein weiteres Mal, um ihm dieses Mal einen verwirrten Blick zuzuwerfen.
"Mach es auf." forderte er mich auf und unterstützte seine Worte mit einem leichten Kopfnicken in Richtung des Kästchens.
Ich sah ihn weiter an, meine Hände sanft um die kleine Schachtel gelegt und wartete, dass er mich ansah.
Er tat es, und die Liebe und Sanftmut, die ich in seinen Augen sah, raubte mir beinahe den Atem.
Es lag keine Unsicherheit mehr in dem Blick, den er mir zuwarf, sondern etwas, was ich nur sehr selten in ihm sah, und was mir jedes Mal wieder einen warmen Schauer über den Rücken jagte.
Glück. Zufriedenheit. Ruhe.
Nicht unbedingt Empfindungen, die ich normalerweise mit Fox in Verbindung brachte, doch in ganz seltenen Momenten, so Momenten wie eben gerade jetzt, konnte ich sie sehen, und ich wusste, nur ich hatte sie jemals in seinen Augen gesehen.
Meine Hände begannen wieder leicht zu zittern und ich senkte den Blick auf das Kästchen. Langsam öffnete ich es und wie auch schon bei dem anderen Schächtelchen musste ich mich zwingen weiter zu atmen, als ich sah, was dort dieses Mal auf weißem Samt lag.
Es war eine kleine goldene Kette mit einem goldenen Kreuz als Anhänger, welches meinem eigenen bis ins kleinste Detail ähnelte.
"Du hast damals dein Kreuz an Emily weitergegeben, damit sie genauso beschützt wurde, wie du es all die Jahre warst. Ich möchte, dass du beschützt bist, aber ich möchte auch, dass Joy beschützt ist, also habe ich für sie auch so eine Kette besorgt." drang Fox Stimme leise an mein Ohr. Ich blickte auf und schenkte ihm ein warmes Lächeln.
"Danke!" flüsterte ich ergriffen und nahm die Kette hoch. Sanft schwang der Anhänger an ihr hin und her und reflektierte dabei das Licht, welches leicht von der Nachttischlampe ausgesandt wurde.
Ich beugte mich über unsere schlafende Tochter, während ich den Verschluss der Kette öffnete. Vorsichtig legte ich ihr die Kette um und verschloss sie hinter ihrem Nacken wieder. Sanft streichelte ich schließlich über ihre Wange und drückte ihr einen leichten Kuss auf die Stirn.
Ja, Fox hatte Recht, sie würde es gut bei uns haben, schon alleine deshalb, weil wir sie so unwahrscheinlich liebten.
Ich spürte, wie die Matratze leicht schaukelte und wandte meinen Kopf um. Mulder kam langsam auf uns zugekrochen und schließlich schlang er seine starken Arme um meinen Körper.
"Lass uns heute Nacht hier bleiben." flüsterte er in meinen Nacken, während er dort kleine Küsse verteilte.
"Bist du sicher? Was, wenn sie unsere Spur bis hier her gefunden haben?" murmelte ich.
"Nein, sicher bin ich nicht. Wenn du lieber fahren willst, dann werden wir das tun, aber ich denke, dass du nach der Anstrengung der Geburt sicherlich eine Pause gebrauchen kannst. Und du hast nicht lange geschlafen, heute." meinte er und drehte mich leicht, so dass ich nun in seinen Armen lag.
"Du hast recht, genau genommen habe ich höchstens eine halbe Stunde geschlafen, und die auch nicht wirklich bequem, auf der Tastatur des Laptops. Aber ich habe wirklich große Angst, dass die uns finden, wenn wir länger hier bleiben als unbedingt nötig." erwiderte ich.
"Du hast nur eine halbe Stunde geschlafen? Hast du gar nicht geschlafen, bevor du begonnen hast zu arbeiten?" Er hob seinen Kopf und sah mich eindringlich an.
Ich nickte zögernd, wohl wissend, dass er es nicht gut heißen würde.
"Wem glaubst du, musst du etwas beweisen?" wollte er wissen.
"Ich konnte nicht schlafen und da dachte ich mir, dass ich genauso gut das Blut untersuchen könnte und einige Nachforschungen über die Möglichkeiten anstellen könnte, die wir haben, um dieses Zeug wieder aus dir heraus zu bekommen." murmelte ich. Er beugte sich zu mir runter, um mich zu küssen.
Ich merkte, wie sich die Müdigkeit wie eine bleierne Decke über mich legte und ich dachte ernsthaft darüber nach, die Nacht über hier zu bleiben. Doch wenn wir die Nacht über hier blieben, dann mussten wir auch den nächsten Tag hier bleiben, für meinen Geschmack war das entschieden zu lange an einem Ort in unserer momentanen Situation.
"Lass uns doch später in der Nacht fahren. Wir müssen ja nicht jetzt gleich aufbrechen." wandte ich schließlich ein. Mulder betrachtete mich eingehend, vermutlich schien er über meine Idee nachzudenken, die Für und Wieder abzuwägen und schließlich nickte er.
Er legte sich mit mir gemeinsam hin, hüllte mich wie schon so viele Male zuvor in seine Umarmung, warf noch einen Blick auf unsere schlafende Tochter, die immer noch nichts weiter hatte zum Anziehen, als eine Decke, die wir um sie gewickelt hatten und gab mir noch einen sanften Kuss auf die Wange.
"Schlaf jetzt. Später werden wir aufräumen und dann fahren." nuschelte er und legte schließlich seinen Kopf neben meinen Nacken auf das Kopfkissen.
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Wir schliefen fünf Stunden, bevor Joy uns mit einem leisen Weinen weckte. Dana war sofort wach, genau wie ich. Sie setzte sich auf, und fuhr sich mit den Händen durch ihre Haare, während ich mich langsam auf die Seite drehte und sie beobachtete.
"Sie wird Hunger haben." meinte Dana und strich sich eine Haarsträhne hinter ihr Ohr. Sanft nahm sie Joy hoch, und klopfte ihr leicht auf den Rücken.
Ich nickte.
"Sie hat ja auch eine schwere Geburt hinter sich." erwiderte ich und griff zärtlich nach ihrer kleinen Hand.
Ich beobachtete, wie Dana ihr T-Shirt hoch zog und schließlich auch ihren BH löste. Nachdem sie diesen abgelegt hatte, legte sie Joy an ihre Brust und strich ihr sanft über ihre Wange. Sofort öffnete unsere Tochter ihren Mund und drehte ihren Kopf suchend zur Seite. Dana half ihr die Brustwarze zu finden und das Baby begann begierig daran zu saugen.
Ich merkte, wie sich meine Augen in Erstaunen und Ergriffenheit weiteten, während ich die beiden beobachtete.
Dana sah Joy an, streichelte leicht über ihre weichen Haare und flüsterte ihr leise Worte zu. Sie strahlte eine solche Ruhe aus, dass ich mir sicher war, unsere Tochter konnte sich nicht anders, als absolut geborgen und sicher in den Armen ihrer Mutter fühlen.
Ich merkte mit Verwunderung, dass ich beinahe so etwas wie Neid fühlte, obwohl ich wusste, wie unsinnig dieses Gefühl war. Ich wollte auch an Danas Brust liegen, daran saugen, fühlen, wie sich ihre Brustwarze bei meiner Berührung verhärtete und die Sicherheit und Geborgenheit fühlen, die ich immer in ihren Armen empfand.
Verwirrt schüttelte ich den Kopf, um die Gedanken los zu werden und legte eine Hand auf Danas Oberschenkel.
Sie lächelte leicht und streckte eine Hand aus, um mein Gesicht zu liebkosen. Es war, als wüsste sie, was ich gerade gedacht hatte und ich grinste, leicht verschämt.
"Was ist es für ein Gefühl?" wollte ich nach einiger Zeit wissen, während Dana versuchte unsere Tochter dazu anzuhalten, noch ein wenig weiter zu trinken und nicht wieder einzuschlafen.
"Es ist..." sie stockte, dachte offenbar darüber nach, wie es sich anfühlte und zuckte dann die Achseln.
"...unglaublich!" sagte sie schließlich schlicht.
"Ich meine, Jahre lang dachte ich, ich könnte keine Kinder bekommen. Ich habe nie erwartet, dass ich überhaupt jemals erfahren würde, wie es sich anfühlt, wenn ein Säugling aus meiner Brust trinkt, und nun fällt mir wirklich keine andere Beschreibung für dieses Gefühl ein."
Ich nickte und richtete meinen Blick wieder auf unsere Tochter, die offenbar beim Trinken eingeschlafen war.
"Bist du traurig, dass du es nicht kannst?" fragte Dana plötzlich mit leiser Stimme und ihr Blick heftete sich auf mich.
Mein Kopf ruckte hoch und ich sah sie mit hochgezogenen Augenbrauen an. Schließlich schüttelte ich meinen Kopf.
"Wie kommst du darauf?" fragte ich erstaunt.
"Du siehst ein wenig..." Wieder suchte sie offenbar nach dem passenden Wort.
"...wehmütig aus." vervollständigte sie den Satz wenig später.
"Ich habe... gerade daran gedacht, wie gerne ich an ihrer Stelle wäre. Wie gerne ich an deiner Brust liegen würde." gestand ich zögernd. Ich dachte, sie würde sich ungläubig von mir abwenden, doch statt dessen lächelte sie und ihre Augen leuchteten mit so viel Liebe auf, dass ich unwillkürlich die Luft anhielt. Sie beugte sich zu mir runter und küsste mich sanft.
"Ich liebe dich." flüsterte sie und gab mir einen sanften Kuss, der ein Versprechen enthielt. Ich wusste, heute würde ich es nicht mehr ausprobieren dürfen, aber bald.
"Ich dich auch." murmelte ich und rollte mich aus dem Bett.
"Ich werde packen, dann können wir gleich fahren. Wir sollten in einen größeren Laden gehen, da fallen wir vielleicht nicht so auf. Aber erst morgen früh, nicht heute Nacht. Je mehr Leute dort sind, desto größer ist die Chance, dass wir unentdeckt bleiben." erklärte ich und bückte mich nach Danas Höschen, welches immer noch vor dem Bett lag.
Ich merkte, wie sie mich beobachtete, während ich durch das Zimmer humpelte und die Sachen einsammelte, um sie ins Auto zu bringen.
Als ich meinen Kopf schließlich ihr zuwandte, sah ich eine steile Sorgenfalte auf ihrer Stirn. Alarmiert kam ich zu ihr rüber und beugte mich zu ihr und Joy runter.
"Ist was mit Joy?" fragte ich und merkte, wie meine Stimme leicht zitterte.
"Nein! Nein. Sie ist in Ordnung." erwiderte sie schnell und schenkte mir ein kleines Lächeln.
"Was ist es dann?" wollte ich wissen, mein Blick hielt ihren fest.
"Ich habe es nicht geschafft, irgendetwas zu finden, was uns hilft, dieses... Zeug aus dir raus zubekommen." meinte sie, und ihre Miene verfinsterte sich.
"Du hast schon sehr schwer gearbeitet. Ehrlich gesagt, bin ich mir nicht sicher, ob es überhaupt etwas gibt, was uns da helfen kann." versuchte ich sie zu beruhigen. Sie schüttelte jedoch vehement den Kopf.
"Es gibt etwas, ich bin mir ganz sicher. Ich muss es nur finden." setzte sie energisch nach.
"Dana, es geht mir gut. Das letzte Mal, als ich diesem Zeug ausgesetzt war, brauchte es erst diesen Abdruck eines Artefaktes, um die Krankheit ausbrechen zu lassen. Mach dir keine Sorgen, wir kriegen das schon hin." beruhigte ich sie und gab ihr einen sanften Kuss auf die Lippen.
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Am späten Vormittag fuhr ich auf den Parkplatz eines großen Einkaufszentrums. Dana stieg aus und hielt Joy schützend in den Armen. Es war bitterkalt. Die ganze Nacht hatte es gefroren und geschneit und Joy hatte immer noch nicht mehr an, als zwei Decken, die wir ihr umgeschlungen hatten. Und einen Kopfkissenbezug, den wir ihr als Windel umgelegt hatten. Not macht eben erfinderisch.
Rasch gingen wir auf den Eingang zu, wobei ich beobachten konnte, dass Dana sich genauso unwohl zu allen Seiten umsah, wie ich es auch tat.
In den letzten drei Tagen hatten uns die Männer, die uns folgten zwar offensichtlich aus den Augen verloren, doch wussten wir, wie schnell sich das wieder ändern konnte.
Nur wenig später betraten wir das Einkaufszentrum und blieben vor einem Plan stehen, der uns zeigte, wo die Geschäfte waren, die wir suchten. Der Laden für die Babyausstattung war im ersten Stockwerk und so fuhren wir schließlich nach oben.
Es handelte sich um einen Laden, in dem man alles kaufen konnte. Von Windeln über Babynahrung, Spielzeug und Kleidung bis hin zu Tragetaschen, Kinderwagen, Autositzen und Buggies.
Meine Augen weiteten sich in Unglaube, als ich mir einen Überblick verschaffte. Natürlich hatten wir das meiste davon schon zu Hause, doch hatten wir viele Sachen von Bill und Tara und anderen Bekannten und Freunden geschenkt bekommen.
Wir blieben vor den Tragetaschen stehen und betrachteten sie.
"Sieh nur, diese ist doch hübsch." Dana deutete auf eine Tasche in einem hellen blau, ohne irgendwelche Motive. Sie war mir ebenfalls gleich aufgefallen und ich hatte gewusst, dass sie Dana gefallen würde, denn sie liebte das Schlichte. Die Dinge, die wir bereits zu Hause stehen hatten, waren auch alle schlicht und einfach, auf keinen Fall kitschig. Ich mochte ihren Geschmack, eigentlich denke ich, jeder Mann hätte diesen Geschmack gemocht.
Nun nickte ich und griff danach. Ein Blick auf das Preisschild sagte mir, dass die Tragetasche nicht zu teuer war und wir sie ruhig kaufen konnten.
Als nächstes blieben wir bei der Kleidung stehen.
"Welche Größe braucht sie?" wollte ich mit schon beinahe verzweifelter Stimme wissen.
"Die kleinste. Zeig mir mal ein Teil, dann sage ich dir, ob sie da rein passt." meinte Dana und ich griff nach einem grünen Nikkipullover und hielt ihn ihr hin.
"Da wird sie auch in zwei Monaten noch rein passen. Die Größe ist gut, zumindest für einige Teile. Wir sollten aber auch größere Kleidung kaufen, wer weiß, wie lange wir noch unterwegs sind." erklärte sie und ich merkte, wie ich zischend Luft in die Lungen sog.
Ohne jedoch etwas zu sagen, suchte ich einige Oberteile für unsere Tochter aus, hielt sie Dana hin und wartete auf ihre Zustimmung, bevor ich sie in die Tragetasche legte. Genauso verfuhren wir auch bei den Stramplern und Hosen. Schließlich hatten wir mindestens zwanzig Oberteile und genauso viele Strampelanzüge und Hosen in der hellblauen Tragetasche liegen und kamen darüber ein, dass das reichen würde. Nachdem wir auch Socken und Unterwäsche zusammengesucht hatten, gingen wir zu dem Regal, in dem die Windeln lagen und ich nahm vier Pakete heraus. Ich wählte die kleinste Größe, und nach einem Blick in Danas Gesicht, sie nickte mir zu, auch noch drei Pakete von der nächsten Größe. Schwer bepackt ging ich schließlich auf die Kasse zu, mich immer wieder aufmerksam umsehend.
Kurz bevor ich an der Kasse angekommen war, sah ich sie. Es waren drei Männer, gekleidet in unauffälligen dunklen Anzügen, genau solche Anzüge, wie ich sie selber immer zur Arbeit trug.
Offenbar hatten sie uns noch nicht gesehen, doch sie sahen sich suchend um, und es war lediglich eine Frage der Zeit, bis sie uns entdecken würden, schließlich waren wir so vollbepackt auch nur schwer zu übersehen.
"Geh zum Wagen, Dana." flüsterte ich ihr zu und drückte sie in Richtung Ausgang.
Ihre Augen weiteten sich in Angst und Unglaube und ihr Kopf ruckte herum, während sie sich suchend in dem Laden umsah.
"Mach schon. Geh mit Joy zum Wagen. Fahr direkt an den Eingang und warte dort auf mich. Wenn du merkst, dass es brenzlig wird, dann fahr einfach, und wenn ich in zehn Minuten nicht bei euch bin, dann fahr auch. Sieh zu, dass du irgendwo untertauchst." drängte ich sie und schob sie weiter.
Sie schüttelte ihren Kopf, teils aus Unglaube, teils aus Wiederwille und auch Angst.
"Ich werde auf gar keinen Fall ohne dich fahren." sagte sie entschlossen.
"Dana, ich will jetzt nicht mir dir diskutieren. Bring dich und Joy aus der Schusslinie." war alles, was ich nachdrücklich erwiderte, doch sie schüttelte wieder den Kopf.
"Komm mit uns. Ich werde nicht ohne dich gehen." erklärte sie und blieb wo sie war.
"Verdammt noch mal, ich komme nach. Aber ich will, dass du jetzt gehst." fauchte ich und sie sah mich erschrocken an. Ich wusste, dass ich zu grob war, aber ich musste wissen, dass sie und Joy in Sicherheit waren, damit ich mich auf meine Möglichkeiten der Flucht konzentrieren konnte.
Langsam wich sie einige Schritte zurück und drehte sich dann um. Sie ging mit zügigen Schritten auf den Ausgang zu, Joy dicht an ihre Brust gepresst und ihren Kopf mit den dunkel gefärbten Haaren gesenkt, damit niemand ihr Gesicht sehen konnte.
Ich sah mich um. Die drei Männer hatten sie offenbar nicht gesehen, und so wie es aussah, mich auch noch nicht. Ich bewegte mich langsam auf den Ausgang zu, hatte die drei Pakete mit den größeren Windeln weggestellt und ließ auch noch zwei Pakete der kleineren Sorte zurück. So hatte ich alles was wir brauchten in der Tragetasche verstaut und eine Hand frei, mit der ich nun hastig nach meiner Waffe suchte.
Als ich den Ausgang gerade erreicht hatte, hörte ich die Verkäuferin durch den Laden schreien: "Hey, sie müssen das aber bezahlen!" Die Frau hatte eine penetrante Stimme und aus den Augenwinkeln bemerkte ich, wie die drei Männer auf mich aufmerksam wurden.
Ich beschleunigte meine Schritte, versuchte, ihnen zu entkommen, ohne von meiner Waffe gebrauch machen zu müssen, doch ich hörte, wie hinter mir Kleiderständer mit einem Poltern zu Boden gingen und Leute laut aufschrieen, als jemand rief: "Stehen bleiben, oder ich schieße"
Ich wagte es nicht, einen Blick über die Schulter zurück zu werfen und wurde noch schneller, hatte meine Waffe jedoch jetzt schussbereit in der freien Hand.
"Verdammter Mist!" fluchte ich leise, als ich vor der Rolltreppe die mich nach unten bringen sollte, von einem Kind aufgehalten wurde, dass mir mitten in den Weg stolperte und zu Boden fiel. Sofort fing es an zu schreien, und ich konnte ihm nur um Haaresbreite ausweichen, ohne ihm auf die Finger zu treten.
Hinter mir schrie wieder eine männliche Stimme: "Agent Mulder, bleiben sie stehen, oder ich werde schießen!"
Ein Raunen ging durch die Menge, als die Leute endlich bemerkten, dass der viel gesuchte und gefährliche Agent Mulder unter ihnen war. Einige Leute schrieen erschrocken auf, andere nahmen ihre Lieben an die Hände, ließen ihre Einkäufe fallen und rannten panisch auf die andere Rolltreppe und die Aufzüge zu.
Ich drehte mich um, aber nur, um einen Blick auf meine Verfolger zu erhaschen. Ich würde nicht aufgeben, denn ich würde um nichts in der Welt Dana und Joy alleine zurück lassen. Natürlich wusste ich, dass Dana sehr wohl in der Lage war, alleine mit Joy fertig zu werden, und ich hatte selber gesehen, wie meisterhaft sie unsere jetzige Situation bewältigte, doch wusste ich, so sicher, wie ich ohne sie nicht leben konnte, konnte sie es auch nicht ohne mich.
Während einer der Männer in den dunklen Anzügen stehen geblieben war, die Beine breit, um eine größere Standfläche zu haben, und mit seiner Waffe auf mich zielte, folgten mir die anderen beiden hartnäckig.
Ich humpelte so schnell ich konnte auf die andere Rolltreppe zu, drängelte mich an den Menschen vorbei, die ängstlich ihre Köpfe einzogen und teilweise mit panischen Schreien zur Seite sprangen.
Die Rolltreppe fuhr nach oben und die raufkommenden Leute sahen in mein entschlossenes Gesicht. Das, und die Tatsache, dass ich eine Waffe in der rechten Hand hielt, gaben wohl den Ausschlag, dass sie sich an die Seiten drängten und mir einen Weg frei machten. Allerdings ließen sie auch meine Verfolger durch, und diese hatten den Vorteil, dass sie keine Babytragetasche, vollgepackt mit Windeln und Klamotten mit sich herumtragen mussten, und nicht vor einer Woche eine Kugel im Bein stecken hatten, was sich natürlich als Vorteil erwies, denn die Tragetasche war nicht nur schwer, sondern auch sehr hinderlich, da sie relativ groß war und durch die Wunde war ich erheblich langsamer als sonst.
Trotzdem gelang es mir, das untere Ende der Rolltreppe zu erreichen und ich stürmte so schnell es ging auf den Ausgang zu. Durch die Scheibe konnte ich bereits den Wagen sehen, mit Scully am Steuer.
Ein Schuss erklang und unwillkürlich zog ich meinen Kopf ein. Während ich weiterhin auf den Ausgang zuhielt, drehte ich mich halb um, und feuerte ebenfalls auf meine Verfolger. Sie warfen sich zu Boden. Offenbar hatte sich meine Treffsicherheit auch im Konsortium herum gesprochen und sie zollten mir ihren Respekt, indem sie mich fürchteten.
Ich erreichte gerade die Tür, als sich zwei von ihnen erhoben und mir weiter nacheilten, während der dritte, es war der, der auch schon vor dem Laden seine Waffe auf mich gerichtet hatte, zwei weitere Schüsse auf mich abgab. Glücklicherweise war er kein überragender Schütze und die Kugeln flogen an mir vorbei und knallten in die Fensterscheiben.
Ich rannte auf das Auto zu, nur im Unterbewusstsein registrierend, dass der Motor lief und Scully mir die Tür von innen öffnete, und drehte mich ein weiteres Mal um, um drei Schüsse abzugeben. Wieder duckten sich meine Verfolger. Wenn sie sich auch nicht ganz auf den Boden warfen, so reichte mir doch die Zeit, um in das Auto zu springen.
Ich hatte die Tür noch nicht richtig geschlossen, als Dana das Gaspedal ganz durchdrückte und wir mit quietschenden Reifen vom Parkplatz fuhren.
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Wir fuhren nun schon seit mehreren Stunden weiter in Richtung Nord-Westen. Ich warf immer wieder besorgte Blicke in den Rückspiegel, doch es schien fast so, als hätten wir unsere Verfolger abgehängt. Wir sprachen nur wenig miteinander, und ich merkte, wie sich die Spannung zwischen Dana und mir immer mehr aufbaute.
Wir hatten nur eine kleine Pause gemacht, als Joy zu schreien begonnen hatte, weil sie Hunger hatte. Dana hatte den Wagen in einen kleinen Wald gelenkt, wortlos unsere Tochter auf den Arm genommen und sie an die Brust gelegt. Sie hatte sie beruhigend gestreichelt und ihr leise, beruhigende Worte zugeflüstert, während unser kleines Wunder trank.
Ich hatte sie beobachtet, hatte ihr blasses Gesicht studiert und gesehen, dass immer noch eine abgrundtiefe Angst und Sorge in ihren Augen stand, worüber sie jedoch offensichtlich nicht reden wollte.
Einige Male hatte ich begonnen, mit ihr zu sprechen, doch ihre Antworten waren kurz und knapp gewesen und sie hatte mir nie ihre volle Aufmerksamkeit zukommen lassen.
Nachdem Joy fertig getrunken hatte, stieg Dana aus dem Wagen aus, öffnete die hintere Autotür und legte das Baby auf dem Sitz ab. Sie beugte sich über sie hinweg, nahm ein Paket Windeln in die Hand und öffnete es. Schließlich begann sie unsere Tochter zu wickeln, immer darauf achtend, dass sie sich vor sie stellte, um sie gegen die kalte Luft, die in den Wagen drang, notdürftig zu schützen. Als sie die Windel um hatte, reichte sie mir Joy nach vorne, suchte einen Pullover und eine Hose sowie Socken und Unterwäsche hervor und gab mir die Sachen ebenfalls.
"Kannst du sie bitte anziehen?" wollte sie wissen und ich nickte stumm. Sie schlug die Tür zu und klemmte sich wieder hinter das Lenkrad und nur wenige Minuten später waren wir bereits wieder auf der Straße.
Ich hielt Joy immer noch im Arm, drückte ihre kleine, schlafende Gestalt dicht an mich und streichelte immer wieder sanft über ihre Wange oder ihren Rücken. Draußen war es schon vor langer Zeit dunkel geworden. Ein Blick auf meine Uhr sagte mir, dass es bereits halb elf war.
"Willst du nicht langsam irgendwo ran fahren, damit du eine Pause bekommst?" fragte ich vorsichtig.
Sie schüttelte den Kopf.
"Ich bin mir nicht sicher, ob wir uns eine Pause leisten können." erwiderte sie.
"Dana, du hast nicht lange geschlafen, Joy braucht Ruhe, und wenn ich ehrlich sein soll, schmerzt mein Bein wie verrückt, je länger ich hier sitze. Außerdem werden die Freaks auf einen Anruf von uns warten." gab ich mit sanfter Stimme zu verstehen.
Sie antwortete nicht, warf jedoch einen Blick auf mein Bein, doch im Dunkeln konnte ich nicht in ihrem Gesicht lesen, wie ich es sonst immer tat.
Schließlich seufzte sie.
"Du hast recht. Ich werde das nächste Motel ansteuern." murmelte sie und ich nickte.
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Es war ein Uhr. Wir hatten alle Sachen die wir benötigten ausgepackt, Joy hatte noch einmal etwas zu essen bekommen und lag nun friedlich schlafend zwischen uns im Bett. Ich lehnte mit dem Oberkörper am Kopfteil des Bettes und betrachtete meine beiden Frauen aufmerksam. Dana hatte die Augen geschlossen, ihr Gesicht war mir und auch unserer Tochter zugewandt, doch ich konnte an ihren Atemzügen merken, dass sie nicht schlief. Sie war blass, ihre Wangen wirkten eingefallen und hohl, ein Bild, dass ich aus der Zeit in der sie gegen den Krebs angekämpft hatte nur allzu gut kannte, und welches ich fürchten gelernt hatte. Unter ihren Augen lagen dunkle Ringe und doch wusste ich, dass sie innerlich nicht die Ruhe hatte, um jetzt zu schlafen.
Ich hatte mit den Jungs telefoniert. Das erste Mal, seit wir unterwegs waren, hatte ich den Anruf getätigt.
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Langly hatte das Gespräch entgegen genommen und ich hatte, ohne mich zu melden nur die Telefonnummer der Telefonzelle durchgegeben und dann wieder eingehängt. Nur zwei Minuten später hatte das Telefon geklingelt und ich hatte den Hörer hochgerissen.
"Mulder, mein Gott, du lebst! Wie geht es Scully? Seid ihr beiden in Ordnung? Wir haben den Polizeifunk abgehört, und da haben sie gesagt, dass man euch gesehen hat. Wir wollten schon losfliegen und euch helfen. Wenn ihr euch in zwei Stunden nicht gemeldet hättet, dann hätten wir uns auf den Weg gemacht." sprudelte Langly los.
"Nun beruhigt euch mal wieder. Uns geht es gut. Wir sind noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen." hatte ich erwidert.
"Was war denn los?" hörte ich Frohike aus dem Hintergrund.
"Wir brauchten Klamotten für das Baby." erklärte ich.
"Ist es etwa da? Aber es ist doch noch zu früh, oder? Was ist es?" Byers schaltete sich ein.
"Dana hat gestern ein kleines Mädchen zur Welt gebracht. Sie ist wundervoll." schwärmte ich.
"Ist sie gesund?" erkundigte Langly sich.
"Ja, ist sie. Aber es ist natürlich nicht gut für sie, dass wir auf der Flucht sind." sagte ich und ein leicht wehmütiger Unterton schlich sich in meine Stimme.
"Wie geht es Scully?" wollte Frohike wissen.
"Sie ist mit ihren Nerven am Ende." murmelte ich. "Sagt mal, wisst ihr, warum *die* uns immer so dicht auf den Fersen sind?"
"Wir haben mitbekommen, dass ein Ladenbesitzer in dem Einkaufszentrum euch offenbar erkannt und daraufhin das FBI angerufen hat. Die haben sofort ein Einsatzteam losgeschickt." erklärte Langly.
"Das waren aber keine Agenten vom FBI. Die waren vom Konsortium." meinte ich.
"Die haben ihre Leute offenbar übers ganze Land verstreut. Mulder ihr scheint wirklich wichtig für die zu sein. Sie haben eine groß angelegte Suche am Laufen. Offenbar haben die euch die letzten Male immer über Satellitenbilder entdeckt. Ihr solltet zusehen, dass ihr den Wagen wechselt." vernahm ich Byers Stimme wieder.
"Nicht wir sind wichtig, ich bin es. Oder vielmehr das, was in mir steckt. Ich werde euren Rat beherzigen und wir werden morgen einen neuen Wagen besorgen." erklärte ich. "Ach und noch was, könnt ihr einen Scheck ausstellen, auf andere Namen und ein anderes Konto, über 300 Dollar? Schickt ihn an den Laden, in dem wir heute waren. Ich hatte leider keine Zeit mehr, die Sachen für Joy zu bezahlen."
"Kein Problem. Wir erledigen das." klang Frohikes Stimme wieder an mein Ohr.
"Passt auf euch auf. Bis morgen Abend!" meinte Langly und beendete somit das Gespräch.
"Danke, Jungs." verabschiedete ich mich.
~~~~~
Dana öffnete müde ihre Augen und ich schenkte ihr ein leichtes Lächeln. Sie erwiderte es schwach, drehte sich dann auf den Rücken und rollte sich aus dem Bett.
"Was hast du vor?" erkundigte ich mich mit leiser Stimme.
"Ich möchte duschen." antwortete sie und ging langsam Richtung Badezimmer.
Nachdenklich sah ich ihr nach und der Wunsch ihr zu folgen und ihr dabei zu helfen erwachte in mir.
Bevor wir letzte Nacht losgefahren waren, hatte Dana mir die Fäden gezogen, so dass jetzt eigentlich nichts dagegen sprach, ihr zu folgen.
Ich lächelte und nahm sanft unsere Tochter hoch, um sie in ihre neue Tragetasche zu legen. So konnte ich sie mitnehmen und wir hatten sie im Blick. Ich trug sie zum Badezimmer, öffnete leise die Tür und schlüpfte hinein.
Dana hatte ihre Sachen alle auf den Boden geschmissen, was mir ein kleines Lächeln entlockte, denn es entsprach so gar nicht ihrer Art, das zu tun. Sie stand bereits unter der Dusche und so stellte ich die Tragetasche mit der schlafenden Joy schnell neben der Wanne ab und entledigte mich meiner Klamotten.
Vorsichtig schob ich schließlich den Duschvorhang zur Seite und saugte das Bild, das sich mir bot, in mir auf. Dana stand mit dem Rücken zu mir. Ihre Arme eng um sich geschlungen ließ sie das warme Wasser über ihre verspannten Nackenmuskeln laufen.
Ich wusste nicht, ob sie mich gehört hatte, denn sie zeigte es mit keiner Reaktion und so berührte ich sie sanft am Oberarm, nachdem ich den Vorhang wieder hinter mir zugezogen hatte.
Sie erschrak nicht, was mir zeigte, dass sie mich offenbar wahrgenommen hatte, doch sie drehte sich auch jetzt nicht um.
Ich merkte, wie ich durch ihre passive Haltung mir gegenüber unsicher wurde, doch ich wollte mich jetzt nicht wieder zurück ziehen. Tief in meinem Inneren wusste ich, dass es auch nicht das war, was Dana gewollt hätte. Sie braucht offenbar Zeit, um alles zu verarbeiten und ich konnte es durchaus verstehen. Sie hatte vor etwas mehr als 30 Stunden ein Kind zur Welt gebracht, von dem sie noch vor elf Monaten nicht einmal zu träumen gewagt hatte. Sie wusste, dass die Bedingungen für ein Baby zur Zeit alles andere als günstig waren und ich wusste, wie sehr sie darunter litt. *Die* hatten uns gefunden und ihr damit einen wahnsinnigen Schrecken eingejagt.
Ich trat noch einen Schritt auf sie zu und legte meine Hände auf ihre Schultern. Sanft begann ich, sie zu massieren und merkte erfreut, wie sie sich unter meinen Berührungen entspannte. Meine Finger kneteten ihren Nacken und ihre Schultern. Ich ließ sie entlang ihrer Wirbelsäule ihren Rücken hinab und wieder hinauf gleiten und vernahm glücklich einen leichten Seufzer, der ihr entwich. Während meine Hände sich wieder um ihre Schultermuskeln kümmerten, beugte ich meinen Kopf zu ihr runter und ließ meine Lippen über ihren Nacken wandern, verwöhnte sie an der empfindlichen Stelle hinter ihrem Ohr und lutschte genüsslich an ihrem Ohrläppchen.
Meine Hände wanderten über ihr Schlüsselbein weiter zu ihrer Brust und ich spielte leicht mit ihren Brustwarzen, beobachtete fasziniert, wie diese sich aufgrund meiner Berührungen verhärteten und wanderte dann weiter zu ihrem nun wieder beinahe flachen Bauch.
Sie seufzte wieder und legte ihren Kopf zurück an meine Schulter, was mir einen Blick auf ihr Gesicht ermöglichte.
Entsetzt musste ich feststellen, dass sie weinte. Tränen liefen unaufhörlich ihre Wangen hinunter, ohne dass sie auch nur einen Ton von sich gab, oder ihre Schultern von unterdrückten Schluchzern bebten.
"Ssht. Es wird alles wieder gut." flüsterte ich und sie drehte ihren Kopf ein ganz kleines bisschen, wobei sie ihre Augen öffnete. Ich sah Schmerz in ihnen und Schuld. Eine ganze Ladung Schuld und ich fragte mich erschrocken, wo diese herkam.
"Was ist, wenn es mein Implantat ist?" wollte sie leise wissen. Ihre Stimme zitterte.
"Was? Was soll dein Implantat sein?" fragte ich und küsste ihre Schläfe.
"Was ist, wenn es *die* zu uns führt. Wenn sie es als Peilsender einsetzen können, so wie sie mich damals dazu gebracht haben, auf die Brücke zu gehen? Was ist, wenn ich plötzlich ohne es zu wissen und ohne es beeinflussen zu können, den Wagen direkt auf sie zu steuere?" flüsterte sie.
Gott, sie glaubte, dass sie uns in Gefahr bringen würde. Sie fühlte sich dafür verantwortlich, dass *die* uns gefunden hatten.
"Sie haben uns heute durch einen Hinweis von einem der Ladenbesitzer gefunden. Und die anderen Male haben sie uns mit Hilfe von Satellitenfotos gefunden. Diese Leute ziehen alle Register. Sie setzen alles ein, um uns zu kriegen, aber nicht deinen Chip. Das können sie nicht. Ich bin mir sicher, dass nicht *die* dich damals auf die Brücke gelotst haben, sondern die Rebellen, die die anderen Menschen verbrannt haben. Und die arbeiten gegen das Konsortium." beruhigte ich sie.
"Woher willst du das wissen? Woher weißt du, dass es ein Ladenbesitzer war, und nicht mein Implantat?" fragte sie skeptisch.
"Die Jungs haben es mir eben erzählt. Sie haben den Anruf beim FBI mitgehört." erklärte ich und küsste sie wieder.
"Und wieso bist du so sicher, dass es Satellitenfotos sind, die sie uns finden lassen?" Sie war noch nicht überzeugt.
"Denk nach, Dana. Wenn es wirklich das Implantat wäre, warum greifen sie uns dann nicht in einem der Motelzimmer an, wenn wir morgens schlafen?" brachte ich sie dazu, sich selber die einzig logische Antwort zu geben. Ihre eigene Logik würde sie besser überzeugen können, als meine beruhigenden Worte, das hatte mich die Erfahrung gelehrt.
Obwohl sie mir genauso blind vertraute, wie ich ihr, war es in manchen Situationen einfach so, dass sie ihre Rationalität benötigte, um Selbstvorwürfe abwerfen zu können.
"Sie wollten vielleicht nicht das ganze Motel aufmerksam machen." gab sie einen schwachen Versuch, ihre Theorie zu verteidigen.
"Schatz, du weißt genauso gut wie ich, dass es das nicht ist." sagte ich, während ich lächelnd meinen Kopf schüttelte. "Wieso sollten sie davor zurück schrecken, einige Gäste in einem Motel auf sich aufmerksam zu machen, aber die ganzen Menschen im Einkaufszentrum haben sie nicht gestört."
Sie atmete tief ein, konnte nicht laut sagen, dass ich Recht hatte und entschied sich daher dafür, lieber zu schweigen. Ich grinste, freute mich insgeheim über meinen Sieg und küsste sie zärtlich auf die Stirn.
Langsam drehte sie sich in meinen Armen um und betrachtete mich.
"Ich hatte so eine wahninnige Angst um dich, als du da in diesem Laden geblieben bist." flüsterte sie und legte ihren Kopf an meine Brust.
Ich streichelte sanft ihren Rücken und nickte. Ich wusste es, hatte es in ihren Augen gesehen, als ich ihr sagte, sie sollte mit Joy verschwinden.
"Ich wollte nicht, dass euch etwas passierte. Es schien mir einfacher, zu entkommen, wenn ich wusste, dass ihr in Sicherheit seid." sprach ich leise und küsste sie ein weiteres Mal.
"Ich dachte, du würdest nicht nachkommen. Ich dachte, du würdest dich ihnen ausliefern, um mir und Joy die Flucht zu ermöglichen." Sie blickte zu Boden.
Ich hatte heute Morgen im Auto allen ernstes darüber nachgedacht, ob ich nicht alleine weiter machen sollte, um Dana und Joy ein normales Leben zu ermöglichen. Doch ich wusste, Dana würde daran zugrunde gehen, wenn ich sie im Stich ließe, genauso wie ich daran zugrunde gehen würde, wenn wir getrennt würden, egal ob gewaltsam oder weil einer den anderen schützen wollte.
"Ich habe kurz darüber nachgedacht, heute Morgen, als wir losgefahren sind, aber nicht mehr in diesem Laden. Ich kann nicht ohne dich sein. Ich wollte nur, dass du in Sicherheit warst, dass ich mir keine Gedanken machen musste, dass dir oder Joy etwas passiert." erklärte ich.
"Ich hätte dir helfen können." meinte sie und blickte mich von unten her an.
"Nein, das hättest du nicht. Du hattest Joy auf dem Arm. Was meinst du, hättest du tun können?" schüttelte ich den Kopf.
"Wenn du dich erinnern möchtest, ich bin eine ganz passable Schützin." erwiderte sie leicht verärgert.
"Ich weiß das, aber du kannst nicht schießen, wenn du unsere Tochter auf dem Arm hast. Sie hätte dich behindert, hätte vielleicht durch den Krach irgendwelche Schäden erlitten." hielt ich dagegen.
Wieder antwortete sie mir nicht und ich konnte auch in dieser Diskussion einen Sieg verbuchen. Doch ich konnte mich nicht darüber freuen. Ich konnte mir in ungefähr vorstellen, wie sie sich gefühlt hatte, während sie zum Auto gelaufen war und anschließend auf glühenden Kohlen dort gesessen hatte, während sie darauf wartete, dass ich kam.
"Ich wäre nicht ohne dich gefahren, dass weißt du, oder?" wollte sie wissen.
Ich nickte leicht. Ich wusste es, genauso wie ich wusste, dass ich nicht ohne sie gefahren wäre, wenn ich an ihrer Stelle gewesen wäre.
Sie streckte sich und gab mir einen sanften Kuss auf die Lippen.
Ich lächelte und meine Hände legten sich unwillkürlich um ihren kleinen, festen Hintern. Dana war eine der glücklichen Frauen, die während der Schwangerschaft wirklich nur einen runden Bauch bekommen hat. Dieser war zwar sehr beachtlich, doch hatte sie ansonsten nirgends zugenommen. Ihr Hintern war immer noch genauso straff und schön, wie sonst auch, ihre Hüften waren nicht üppiger, als vor der Schwangerschaft und auch ihre Beine waren hinreißend. Gott, sie hatte einfach wundervoll ausgesehen.
Und sie hatte von innen heraus gestrahlt. Während ich sie jetzt betrachtete, erkannte ich, dass sie immer noch strahlte. Ich liebte es wie sie aussah und merkte, wie meine wachsende Erektion gegen ihren noch leicht vorhandenen Bauch drückte.
Wieder küsste sie mich, während eine ihrer Hände in meinem Nacken zu liegen kam und die andere leichte, zarte Kreise auf meiner Brust zog.
Als wir uns lösten senkte sie ihren Blick auf mein offensichtliches Verlangen und ein Grinsen huschte über ihr Gesicht.
Sie nahm mein Gesicht zwischen ihre Hände und drückte mich sanft, jedoch bestimmt ein wenig tiefer, in Richtung ihres linken Busens. Ich sah erstaunt und fragend zu ihr hoch und sie nickte nur, während sie mich liebevoll anlächelte.
Sanft streichelte sie mit dem Daumen über meine Wange, wie sie es auch bei Joy machte, wenn sie sie in die Nähe ihrer Brust brachte und ich öffnete, genauso wie unsere Tochter, den Mund und nahm ihre Brustwarze in ihm gefangen.
Sofort verhärtete sie sich und ich ließ meine Zunge um sie wandern. Sie legte ihren Kopf in den Nacken und stöhnte unterdrückt auf. Vorsichtig begann ich an ihr zu saugen und schmeckte schon nach kurzer Zeit die cremige Milch auf meiner Zunge.
Gott es war einfach...
Ich wusste nicht, wie es war.
Unglaublich. Umwerfend. Himmlisch. Berauschend.
Mir fehlte das richtige Wort, um es zu beschreiben.
Ich ließ meine Lippen wieder hinauf wandern, küsste ihr Schlüsselbein, hielt über der Halsschlagader kurz inne, fühlte mit meinen Lippen ihren Puls und traf schließlich wieder auf ihre Lippen.
Sie lächelte, hatte das Gefühl meiner Lippen an ihrer Brust offenbar genauso genossen, wie ich es hatte.
Sie blickte mich an und flüsterte leise: "Ich liebe dich, Fox." bevor sie sich langsam über meine Brust abwärts küsste.
Sie ließ sich auf die Knie nieder, während ihre kleinen, talentierten Hände nach mir griffen und mich fest umschlangen.
Unkontrolliert stieß ich ihr entgegen und meine Kehle produzierte einen Laut, den nur sie hervorrufen konnte, niemand sonst.
Ich merkte wie meine Augen unter der Berührung zuklappen wollten und zwang mich dazu, sie aufzuhalten, als sie sich genüsslich über die Lippen leckte.
Gott, sie wollte es tun, wollte mich hier und jetzt berühren.
Langsam öffnete sie ihren Mund ein wenig und nahm meine Spitze in sich auf. Ich hätte beinahe geschrieen, bei der Berührung ihrer Lippen auf mir.
Sie nahm mich tiefer in den Mund, ihre Zunge spielte um meine Länge und ich merkte, wie schon nach sehr kurzer Zeit jegliche Kontrolle von mir zu schwinden schien.
Während sie sich erst nur langsam bewegte, sich zurück zog, um mich gleich darauf wieder voll zu verschlingen, nahm ihr Tempo rasch zu und ich legte meinen Kopf in den Nacken.
Es war nicht das erste Mal, dass sie das tat, ich brauchte mir also keine Sorgen machen, dass ich zu weit gehen würde, denn ich wusste, sie wollte nichts lieber, als dass ich in ihrem Mund kam. Sie genoss es, und sie zeigte es mir, indem sie auch jetzt wieder ihr Tempo steigerte.
Liebevoll legte ich eine Hand auf ihren Kopf, die einzige Möglichkeit für mich, ihr auch ein wenig Nähe zu geben, ohne sie jedoch in ihrer Bewegung zu begrenzen.
Sie bestimmte das Tempo, und sie bestimmte auch, wie weit sie mich in sich aufnahm, obwohl es sowieso nicht weiter ging.
Als sich der Orgasmus ankündigte, biss ich mir auf die Lippen und antwortete ihr auf ihre Bewegungen, bis ich nicht mehr fähig war, auch nur einen zusammenhängenden Gedanken auf die Reihe zu bekommen, oder eine kontrollierte motorische Aktivität auszuführen. Blitze explodierten um mich herum und ich konnte nur noch ihren Namen rufen.
Erschöpft sank ich anschließend auf den Boden und zog sie in meine Arme. Ich nahm ihr Gesicht zwischen meine Hände und küsste sie leidenschaftlich. Ich konnte mich noch in ihr schmecken und genoss es, dass sie es so mit mir teilte. Nichts hätte mir deutlicher zeigen können, dass sie liebte, was sie mit mir tat.
Nachdem wir uns wieder voneinander gelöst hatten, drehte ich sie herum, so dass sie mit ihrem Rücken an meine Brust gelehnt vor mir saß. Ich küsste ihren Nacken, während meine Hände sich zu ihren Brüsten bewegten und sie dort sanft streichelten. Dana legte ihre Arme nach hinten um meinen Nacken und lehnte sich noch enger an meine Brust, so dass ich mehr Platz hatte, sie zu berühren. Ich nutzte diesen Freiraum, indem ich meine Hände über ihren Bauch hinabgleiten ließ, und mich ihrem Zentrum näherte. Mein linker Zeigefinger fand ihr Nervenbündel sofort und ich begann, leichten Druck darauf auszuüben, wohl wissend, dass diese Berührung sie wahnsinnig machte, denn sie war so dosiert, dass ich ihre Lust über Stunden aufrecht erhalten konnte. Meine rechte Hand wanderte fürs erste wieder hinauf zu ihrem Busen und spielte abwechselnd mal mit der einen und mal mit der anderen Brustwarze.
Dana räkelte sich wohlig unter meinen Berührungen und ein leises Stöhnen entrang sich ihrer Kehle.
Langsam verstärkte ich den Druck, wusste wie sie es mochte und brachte meine rechte Hand wieder tiefer bis sie durch ihre Locken strich. Langsam suchte ich mir meinen Weg, so dass ich mit dem Finger in sie eindringen konnte, doch als ich gerade dabei war, ihre Falten ein wenig auseinander zu schieben, um einen besseren Zugang zu finden, schloss sich ihre Hand um mein Handgelenk.
Sie schüttelte leicht ihren Kopf und meinte leise: "Ich denke nicht, dass ich da heute berührt werden möchte. Es schmerzt immer noch ein wenig von der starken Dehnung bei der Geburt."
Rasch zog ich meine Hand wieder zurück und brachte sie statt dessen wieder an ihre Brüste, während ich meinen Druck mit der linken Hand so weit verstärkte, dass Dana einen leisen Schrei ausstieß.
Als sie kam, zitterte sie in meinen Armen und ich nahm ihren Schrei in meinem Mund auf.
Nachdem sie sich einige Minuten erholt hatte, ihr Atem sich wieder normalisiert hatte, erhob ich mich und half auch Dana beim Aufstehen. Ich griff nach der Seife und schäumte sie rasch ein, das kälter werdende Wasser mit meinem Rücken von ihr abhaltend.
Bevor ich sie abbrauste, drehte ich erst das warme Wasser höher. Ich half ihr aus der Dusche, seifte mich selber schnell ein und stellte dann das Wasser aus.
Als ich den Duschvorhang öffnete, sah ich, dass Dana vor der Tragetasche hockte, in der Joy immer noch lag. Unsere Tochter schlief nicht mehr, wie ich gedacht hatte, sondern sah ihre Mutter mit großen, runden Augen an.
Dana streichelte ihr sanft über die Wange und ich beobachtete, wie Joys Mund sich öffnete und sie ihren Kopf zur Seite drehte. Ein Lächeln huschte über mein Gesicht, als ich daran dachte, wie Dana das nur wenige Minuten zuvor auch bei mir gemacht hatte.
Joy nahm Danas Finger in den Mund und begann zart daran zu saugen und Dana lachte leise bei dem Gefühl.
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>> Ein Schuss, verdammt da ist ein Schuss gefallen. Wo bleibt er denn nur. Da, da ist er. Er rennt auf das Auto zu. Schnell die Tür aufmachen, dann kann er gleich reinspringen. Gott, sie sind dicht hinter ihm und der Große zielt schon wieder auf ihn. Ein weiterer Schuss fällt. Blut spritzt gegen die Tür und ich sehe, wie Fox gegen die Autotür fällt. Seine Augen in Überraschung aufgerissen, starrt er mich durch das Fenster hindurch an, als er langsam daran herunter gleitet. Eine dicke Blutspur über das Fenster ziehend. Er ist getroffen und ich sehe noch bevor sein Gesicht vom Fenster verschwindet dass das Leben aus seinen Augen gewichen ist. Er ist tot. <<
"Fox! Nein!" Schreiend wachte ich aus dem Alptraum auf.
Fox saß neben mir und hüllte mich in eine tröstende Umarmung ein. Seine Hand strich in großen beruhigenden Bewegungen über meinen Rücken und er drückte meinen Kopf an seine Brust.
Ich zitterte am ganzen Körper, mein Atem ging schnell und flach und ich merkte, wie Tränen mein Gesicht hinunter liefen.
Ich hasste diese Alpträume. Seit drei Wochen plagten sie mich nun, seit *die* uns in diesem Einkaufszentrum aufgespürt und Mulder gejagt hatten. Seit ich die schlimmsten Minuten in meinem Leben ausgestanden und in dem Auto gewartet hatte, nicht sicher, ob Fox überhaupt vor hatte, zu uns zu kommen.
"Ssh! Ist ja gut. Ich bin ja hier. Ich werde nicht weggehen." flüsterte er mir beruhigend ins Ohr und ich nickte leicht.
Ich wusste, dass er nicht gehen würde, wusste, dass er mich und Joy nicht verlassen würde, und trotzdem kam dieser Traum Nacht für Nacht.
Ich konnte in Mulders Augen die Selbstvorwürfe sehen, die Schuld, die er sich gab, mich einfach davon geschickt zu haben und ich schämte mich dafür, dass ich jede Nacht wieder Öl ins Feuer goss und seinen Selbstanschuldigungen damit Nahrung gab.
"Es tut mir leid." flüsterte ich und zog mich ein wenig zurück, um ihn ansehen zu können. Er zuckte die Achseln.
"Nichts was dir leid tun muss. Mir tut es leid, dass ich dich alleine gelassen habe." erwiderte er und küsste meine Stirn.
"Aber es war doch richtig, was du getan hast. Ich hätte dich abgelenkt, wäre dir im Weg gewesen." meinte ich und fuhr mir mit den gespreizten Fingern durch die wirren Haare.
"Aber du hattest Angst. Ich habe dir offenbar das Gefühl gegeben, dass ich dich alleine lassen würde. Und es tut mir wirklich leid, dass du es Nacht für Nacht wieder haben musst." kam es leise von ihm.
"Aber das ist es gar nicht, was ich träume. Du kommst wieder, jede Nacht, aber *die* kriegen dich. Sie erschießen dich, kurz bevor du die Autotür öffnen kannst. Du stirbst jede verdammte Nacht und ich muss es mit ansehen." erklärte ich und konnte nicht verhindern, dass mir ein kalter Schauer über den Rücken lief.
Er nickte wissend, im Geiste analysierend, was mein Traum bedeutete.
"Leg dich wieder hin. Es ist erst elf Uhr. Wir können noch vier Stunden schlafen." meinte er und drückte mich leicht zurück in die Kissen. Ich ließ es geschehen und rückte stumm ein Stück zur Seite. Wir hatten es uns angewöhnt, Joy zwischen uns liegen zu haben, doch nach den Alpträumen, wenn ich schweißgebadet und ängstlich zitternd aufwachte, legte er sich zu mir, hielt mich und bewachte so meinen Schlaf.
Schutzsuchend kuschelte ich mich auch jetzt wieder an ihn und genoss es, wie sich seine starken Arme um meinen Körper schlangen.
Bevor ich meinen Kopf auf seiner Brust ablegte, streckte ich mich und gab ihm einen sanften und dankbaren Kuss auf den Mund.
Er erwiderte ihn zärtlich. Ich merkte, wie seine Zunge bittend über meine Lippen strich und so öffnete ich meinen Mund ein Stück. Er erforschte meine Mundhöhle, fuhr über meine Zähne und zog sich erst einige Zeit später, schwer atmend, wieder zurück.
Ich lächelte leicht und merkte, wie mein Blick langsam an seinem Körper hinunter wanderte und an seinem deutlichen Verlangen hängen blieb.
Er wusste, dass wir nicht miteinander schlafen konnten, da ich immer noch die Wöchnerinnenblutungen hatte. Aber ich konnte ihn anders verwöhnen und gerade jetzt, wusste ich, dass er es brauchte, von mir berührt zu werden. Vielleicht konnte ich ihm dadurch einen Teil der Selbstvorwürfe nehmen, die ihn plagten.
Langsam löste ich mich aus der Umarmung und küsste ihn noch einmal. Diesmal strich ich mit meiner Zunge über seine Lippen und er war es, der mir Einlass gewährte. Ich rieb meine Zunge an seiner und als ich mich zurückzog, konnte ich es mir nicht verkneifen, an seiner Unterlippe zu saugen.
Ich spürte, wie sich seine Lippen zu einem Lächeln verzogen und auch ich musste grinsen. Ich sah ihn an, sah das Leuchten in seinen Augen und mein Herz tat einen Hüpfer. Ich schob meine Hände unter sein T-Shirt, welches er zum Schlafen trug und schob es hoch. Langsam senkte ich meinen Kopf und ließ meine Zunge über seine Brustwarzen gleiten, verteilte kleine, hauchzarte Küsse auf seiner Brust und arbeitete mich langsam tiefer. Meine Hände lagen auf seinem Becken und ich klemmte meine Zeigefinger vorsichtig unter das Gummi seiner Boxer-Shorts und zog sie ihm runter.
Er zischte leicht, als der Stoff seiner Shorts über die empfindliche Haut seiner Erektion strich, was mir ein leises Grinsen entlockte.
Meine Zunge kreiste um seinen Bauchnabel, während ich mich nach unten streckte, um ihm die Boxer-Shorts ganz auszuziehen. Fox keuchte leise unter der Berührung meiner Zunge und ich schielte zu seinem Gesicht hoch, ohne jedoch inne zu halten, in meiner Tätigkeit. Er hatte die Augen geschlossen, vermutlich malte er sich gerade aus, was ich als nächstes mit ihm tun würde und biss sich dabei leicht auf der Unterlippe herum.
Nachdem ich die Boxer-Shorts endlich abgestreift und auf den Boden fallen lassen hatte, ließ ich meine Hände seine Schenkel hinaufwandern.
"Gott Dana!" seufzte er als ich nach ihm griff und er stieß unkontrolliert in meine Hände. Wieder musste ich lächeln. Ich hatte diesen Mann vollkommen in meiner Gewalt. Er war mir genauso hoffnungslos verfallen, wie ich ihm.
Ich hob meinen Kopf an und sah ihn überlegen an.
Er grinste, als er es sah.
"Ich bin dir hilflos ausgeliefert, nicht wahr? Du könntest jetzt machen was du willst, ich wäre nicht in der Lage mich zu wehren." neckte er mich. Ich nickte, ein breites Grinsen auf meinen Gesicht.
"Du genießt das, ich sehe es dir an. Du brauchst immer die Kontrolle. War das eigentlich schon immer so? Oder musst du sie nur über mich haben?" wollte er wissen, mich weiter neckend.
Ich grinste immer noch.
"Ich weiß nicht. Aber das ist der einzige Punkt in unserer Beziehung, wo du mich die Kontrolle haben lässt." schlug ich zurück. Er winselte, als ich den Druck um sein hartes Glied erhöhte.
Ich rutschte etwas tiefer, und platzierte einen sanften Kuss auf seiner Spitze, was ihm einen mir bereits bekannten Laut ausstoßen ließ. Ich war mir nicht sicher, ob er diesen Laut schon immer von sich gegeben hatte, wenn er sehr erregt war, aber ich konnte mich noch gut an seinen Gesichtsausdruck erinnern, als er ihn das erste Mal in meiner Gegenwart ausgestoßen hatte. Er sah so verwundert aus, dass ich mir fast sicher war, dass er ihn vorher noch nie produziert hatte.
Langsam nahm ich seine Erektion in meinem Mund auf, wusste, dass er dieses Gefühl fast noch mehr mochte, als sich in mir zu vergraben. Ich ließ meine Zunge um seine Länge spielen, zog mich wieder ein Stück zurück und verwöhnte seine empfindliche Spitze mit meiner Zunge.
Er stieß mir seine Hüfte entgegen und wimmerte leise.
Wieder nahm ich ihn in mir auf, saugte an ihm und zog mich wieder zurück. Langsam steigerte ich mein Tempo, nahm ihn immer tiefer in mir auf.
Wie immer, wenn er kurz vor dem Höhepunkt stand, legte er auch jetzt seine Hand in meine Haare, baute seinerseits eine physische Verbindung zu mir auf und ließ seine Hand dort ruhen. Er drückte mich nicht hinunter, versuchte nicht meinen Rhythmus zu beeinflussen, wollte mich einfach nur spüren. Er begann, mir hungrig auf meine Bewegungen zu antworten, bis er unkontrolliert in meinem Mund zu zucken begann. Ich bewegte mich schneller und als schließlich sein heißer Samen meinen Gaumen berührte, hielt ich still, ihn weiterhin tief in mir aufgenommen und schluckte sein Sperma gierig hinunter.
Erst als der letzte Tropfen seine Spitze verlassen hatte, zog ich mich zurück und sah ihn lächelnd an, wie er schwer atmend, die Augen geschlossen und seine Unterlippe immer noch zwischen seinen Zähnen haltend da lag und versuchte, wieder ruhiger zu werden.
Schließlich öffnete er seine Augen einen kleinen Spalt und griff nach meinen Oberarmen. Er zog mich zu sich nach oben und presste seine Lippen auf meine.
"Ich liebe dich!" flüsterte ich leise und strich ihm eine Haarsträhne aus seiner feuchten Stirn.
"Du warst wundervoll. Ich habe keine Ahnung, wie du das immer anstellst, aber es ist einfach..." Er suchte nach dem richtigen Wort.
"... unglaublich. Überwältigend. Mir fällt kein anderes Wort dafür ein." vollendete er den Satz.
Ich strahlte.
"Ich hatte gehofft dass es dir gefällt." murmelte ich und schmiegte mich an ihn.
"Gefallen? Das ist die Untertreibung des Jahres." nuschelte er schläfrig und drückte mich fest an sich.
Ich lächelte und küsste seine bloße Brust. Dann zog ich das T-Shirt, welches ich nur hoch geschoben hatte, wieder runter und legte meinen Kopf auf seiner Brust ab.
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Wir waren mittlerweile seit sieben Wochen auf der Flucht. Die Tage verbrachten wir damit, zu schlafen, die Nächte auf den Straßen. Joy entwickelte sich prächtig. Wir hatten uns dazu entschlossen, sie während der Fahrt nicht in die Tragetasche zu legen, da wir der Meinung waren, dass sie aufgrund der hektischen Umwelt ihres Lebens viel Wärme und Zuneigung benötigte. Also hielten wir sie auf dem Arm.
Mittlerweile ging es Fox Bein wieder sehr gut. Er hatte keine Schmerzen mehr und konnte es wieder normal belasten und so wechselten wir uns beim Fahren ab.
Ich merkte, wie ich durch die Entlastung, die ich dadurch erfuhr, wieder ruhiger wurde, meine Alpträume nachließen und ich insgesamt entspannter war.
Wir hatten Weihnachten und Sylvester still und heimlich in einem Motelzimmer gefeiert, mit ein wenig Saft angestoßen und uns anschließend zärtlich geliebt. Wir waren beide dankbar dafür, dass wir noch lebten und dass wir das Glück hatten, eine wundervolle Tochter haben zu können.
Trotzdem hatte ich an diesen beiden Tagen nur sehr schlecht geschlafen. Ich hatte von Mom, Bill und Charly und deren Familien geträumt. Ich hatte im Traum gesehen, wie Mom weinte, weil sich nicht wusste, was mit uns war und war schließlich aus dem Schlaf hochgeschreckt, nicht in der Lage, wieder einzuschlafen.
Ich hatte mich an den PC gesetzt und im Internet nach Antworten gesucht, jedoch nichts gefunden.
Nun, fast eine Woche nach Sylvester lag ich im Bett, Joy an meiner Brust und dachte darüber nach, dass ich immer noch nichts gefunden hatte, das uns irgendwie weiter brachte. Ich hatte mittlerweile alle Internetseiten, die die Jungs mir genannt hatten durchgesehen, doch konnte ich nichts davon wirklich gebrauchen.
Ich schüttelte den Kopf, bemühte mich, meine Konzentration auf unsere Tochter zu lenken, die heute sehr unruhig zu sein schien. Sie weinte viel, ließ sich nur schwer beruhigen und sie trank nur schlecht. Auch jetzt begann sie wieder leise zu weinen. Mulder drehte sich auf die Seite und betrachtete uns. Ich versuchte Joy zu beruhigen, streichelte ihr mit langsamen Bewegungen über den Rücken, doch ich merkte, dass ich selber einfach mit meinen Gedanken zu weit weg war, um wirklich beruhigend auf sie einwirken zu können.
"Gib sie mir mal." murmelte Fox und reichte zu uns herüber. Er nahm Joy hoch und zog sie von meiner Brust weg. Ich setzte mich auf, fuhr mir mit den Fingern durch die Haare und langte nach meinen BH, um ihn umzulegen und auch das T-Shirt wieder runter zu ziehen.
Joy war mittlerweile wieder ruhig geworden.
Ich beobachtete, wie sie Fox mit großen Augen anblickte, während er ihr in ruhigen Bewegungen über den Bauch fuhr. Er strahlte eine Ruhe und Geborgenheit aus, dass ich mir wünschte, er würde mich auch so in den Arm nehmen, damit sich etwas davon auf mich übertragen konnte.
Ich konnte nicht einmal sagen, warum ich so unruhig war.
Die Leute vom Konsortium hatten uns seit wir das Auto vor einigen Wochen gewechselt hatten, nicht mehr aufgespürt und Fox ging es offenbar sehr gut, so dass ich mir auch um ihn keine großen Sorgen machen musste. Und trotzdem merkte ich, dass sich langsam aber sicher eine gewisse Aggression in mir aufbaute und ich konnte nur hoffen, dass ich sie nicht an Fox oder Joy auslassen würde.
Mulder legte Joy vorsichtig, um ihren gerade erst eingetretenen Schlaf nicht zu stören, auf das Bett und sah mich einen Moment an. Ich konnte sehen, dass sich sein Gesichtsausdruck veränderte und den Profiler-Blick annahm. Ich wandte mein Gesicht ab, wollte nicht, dass er mich analysierte, doch er streckte seine Hand aus und legte sanft zwei Finger unter mein Kinn. Langsam drehte er meinen Kopf wieder zu sich rum und hielt ihn hoch, so dass ich gezwungen war, ihn anzusehen. Immer noch musterte er mich ausgiebig und es war fast als würde er in meinen Kopf eindringen und meine Gedanken lesen. Ich schloss meine Augen und atmete tief durch, was ihn dazu veranlasste, seine Hand zurück zu ziehen.
"Was ist los, Dana?" fragte er schließlich.
Ich zuckte die Achseln, wäre glücklich gewesen, wenn ich ihm eine Antwort auf die Frage hätte geben können, doch ich wusste es ja eigentlich selber nicht.
"Ich weiß es nicht. Irgendwie bin ich unruhig." antwortete ich ihm.
"Geht es dir gut? Ich meine, hast du irgendwo Schmerzen oder so etwas?" erkundigte er sich und seine Stimme war so sanft, dass sie beinahe wie ein körperliches Streicheln war.
Schnell schüttelte ich den Kopf.
"Nein! Nein, mir geht es gut. Keine Schmerzen, nur so eine Unruhe. Ich weiß auch nicht, es ist nur so ein Gefühl." erwiderte ich schließlich.
"Was für ein Gefühl? Kannst du es beschreiben?" wollte er wissen.
Ich zuckte wieder die Achseln.
"Nein, eigentlich nicht." Ich schüttelte wieder den Kopf und legte ihn dann schief, während ich ihn nun prüfend ansah.
"Warum willst du das wissen? Versuchst du mich zu analysieren?" fragte ich nach einiger Zeit, in der er meinem Blick stand gehalten hatte.
"Ich versuche herauszufinden, was dich bedrückt. Weißt du, die weibliche Intuition kann sehr nützlich sein. Meistens kann man sich darauf verlassen." meinte er, meinem Blick immer noch standhaltend.
"Du hast noch nie auf meine weibliche Intuition gehört. Du bist immer deinen Gefühlen gefolgt." stellte ich fest und hob meine Augenbraue.
"Nun, jetzt habe ich kein Gefühl, deshalb halte ich es für klug, auf deine Gefühle zu hören. Und ich habe deine weibliche Intuition immer geschätzt. Leider hast du sie meistens unterdrückt." erklärte er mir.
Ich nickte mit einem wissenden Lächeln auf dem Gesicht.
"Was denn?" grinste er.
"Du hast meine Gefühle immer ignoriert." klärte ich ihn auf.
"Was? Wann habe ich nicht auf dich gehört, wenn du gesagt hast, mein Gefühl sagt mir, dass..." Er ließ den Satz offen.
"Immer! Du hast nie auf mich gehört. Wenn ich gesagt habe, lass uns da nicht rein gehen, dass ist zu gefährlich oder lass uns auf Verstärkung warten, dann bist du losgestürmt, hast die Tür geöffnet und bist da rein gegangen." hielt ich ihm vor.
"Ja, weil mein Gefühl mir gesagt hat, dass es das beste ist, gleich nachzusehen." meinte er einfach.
"Ja, und deshalb hätten wir uns auch beinahe gegenseitig ungebracht, wenn ich dich mal kurz an dieses Geisterhaus von vor einigen Jahren erinnern darf." erwiderte ich.
Schuldbewusst sah er auf seine Hände, die nervös miteinander spielten.
"Nun, ähm..." Er sprach nicht weiter und ich grinste Siegessicher.
Als er wieder hoch sah, lächelte er auch und meinte dann: "Ich würde meine rechte Hand für einen Hamburger geben."
Gut abgelenkt, dachte ich bei mir und grinste. Im Grunde konnte ich ihn gut verstehen. Wir hatten keine warme Mahlzeit mehr gehabt, seit wir unterwegs waren und auch ich verspürte den Wunsch mal wieder etwas Vernünftiges zwischen die Zähne zu bekommen. Doch es ging nicht. Wir durften auf keinen Fall auffallen, und so mieden wir strikt alle Orte, an denen mehrere Menschen waren. Schon das Einkaufen von Brot und Aufstrich war immer sehr riskant.
"Einen Hamburger kann ich dir zwar nicht bieten, aber ich habe heute Morgen Sonnenblumenkerne für dich mitgebracht, als ich einkaufen war." verriet ich ihm. Ein Leuchten trat in seine Augen und ein Strahlen auf sein Gesicht.
"Wirklich? Und das sagst du mir erst jetzt?" Er sprang auf und ging zum Tisch hinüber, immer noch ein erfreutes Lächeln auf seinem Gesicht. Ich beobachtete, wie er mit leichten Schritten zum Tisch kam und nach der Tüte suchte, sie schließlich fand und mir, zurück zum Bett gehend, einen Kuss zuwarf.
Ich lächelte ebenfalls, freute mich, dass ich ihm eine Freude gemacht hatte, doch mein Lächeln erstarb, als ich sah, wie sich sein Gesichtsausdruck veränderte.
Seine Augen verdrehten sich in den Höhlen, sein Gesicht wirkte angespannt und noch ehe ich irgendeine Chance hatte zu reagieren, fiel er der Länge nach zu Boden.
Ich schrie auf, rief seinen Namen, doch er reagierte nicht.
Sein Körper zuckte und er wand sich, machte dabei jedoch kein Geräusch.
Ich sprang auf und rannte zu ihm rüber, wusste jedoch nicht, was ich tun sollte, während sich seine Muskeln verkrampften. Sein Kreuz war durchgestreckt, die Arme wie bei einem Säugling angewinkelt und sein Kopf in den Nacken geworfen.
Sein Atem ging hektisch, während seine Kiefer fest aufeinander gepresst waren. Ich überlegte kurz, ob ich ihm etwas zwischen die Zähne stecken sollte, um zu verhindern, dass er sich auf die Zunge biss, doch war ich mir sicher, dass ich ihm vermutlich den Kiefer brechen würde, wenn ich versuchte seinen Mund zu öffnen. Ich schob rasch die beiden Stühle aus seiner Reichweite, um zu verhindern, dass er sich verletzte, denn er begann nun, sich wild hin und herzudrehen.
Angst ergriff mich und jagte mir mehrere Schauer über den Rücken.
"Fox!" rief ich erneut, und hockte mich neben ihn. Sanft berührte ich ihn am Oberarm, doch er reagierte nicht. Seine Augen waren immer noch vollkommen verdreht, so dass ich nur das weiße in ihnen sehen konnte.
Gott, dass konnte doch nicht wahr sein. Fox hatte noch nie einen epileptischen Anfall gehabt, und nichts anderes war es, was hier mit ihm geschah.
Ich fuhr mir mit den Händen durch meine mittlerweile wieder fast roten Haare und versuchte, ruhige, tiefe Atemzüge zu nehmen, doch ich merkte, wie ich langsam panisch wurde.
Ich hatte keine Medikamente, die einen Krampf lösen könnten, und ich hatte keine Ahnung, wie lange das so gehen würde. Was wäre, wenn sein Herz der Belastung nicht stand halten würde und er hier starb.
Endlich nach einer endlos langen Zeit lösten sich die Muskelkontraktionen wieder und er blieb reglos und schwer atmend auf dem Boden liegen. Ich beugte mich ein Stück vor und berührte ihn sanft am Arm.
"Fox?" flüsterte ich und er öffnete unter scheinbar großer Anstrengung die Augen. Er blinzelte einige Male, ehe sich seine Augen auf mich eingestellt hatten und er mich klar erkennen konnte.
"Was ist?" wollte er erstaunt, jedoch mit schwacher Stimme wissen.
"Du hattest einen Krampfanfall. Komm, du musst ins Bett." erwiderte ich leise und griff ihm unter die Arme, um ihm beim Aufstehen zu helfen.
"Warum hatte ich den?" stöhnte er. Offenbar bereitete ihm jede Bewegung Schmerzen.
"Ich weiß es nicht. Aber du musst dich ausruhen." antwortete ich und stützte ihn den letzten halben Meter zum Bett.
Keuchend ließ er sich darauf nieder und streckte sich sofort aus. Ich nahm die Decke und breitete sie über ihm aus.
Ich erinnerte mich daran, im Studium gelernt zu haben, dass den Menschen nach einem Krampfanfall meistens kalt war, doch ich konnte es nicht mehr mit Bestimmtheit sagen.
Fox ließ es geschehen und nur Sekunden später war er in einen tiefen, erholsamen Schlaf gefallen.
Ich lief wie ein gefangener Tiger im Käfig in unserem Motelzimmer herum, ohne zu wissen was ich tat. In meinem Kopf schwirrten die Gedanken wie ein Bienenschwarm in seinem Stock und die Panik hatte mich nun vollkommen im Griff.
Also gut, was waren meine Optionen.
Wir brauchten Ruhe. Wir mussten mal einige Tage durchatmen können, und ich brauchte bessere Untersuchungsmöglichkeiten. Ich konnte in kein Krankenhaus und ich konnte in kein anderes Land.
Dann fiel es mir ein. Da war eine Möglichkeit, die wir hatten. Ich nahm sie nur ungerne in Anspruch. Mehrere Male hatte ich schon darüber nachgedacht und sie doch jedes Mal wieder verworfen, da sie unschuldige Menschen, Menschen die ich liebte, mit in Gefahr brachte, doch nun hatten wir keine andere Möglichkeit.
Rasch nahm ich Joy hoch, schlang ihr zwei Decken um, eine dicke Jacke hatten wir immer noch nicht, und machte mich auf den Weg zur nächsten Telefonzelle.
Nur wenige Minuten später tippte ich die Zahlen ein, die ich in den letzten sieben Wochen beinahe täglich gewählt hatte. Bereits nach dem dritten Klingeln wurde am anderen Ende das Gespräch entgegen genommen. Ich ratterte die Nummer der Telefonzelle runter und hängte wieder ein.
Ich musste nicht lange warten, bis das Telefon klingelte und ich nahm rasch den Hörer hoch.
"Scully! Was ist los? Ist etwas passiert?" tönte mir Byers Stimme besorgt entgegen.
"Jungs, ihr müsst etwas für mich rausfinden." sagte ich beinahe atemlos.
"Spuck's aus." meinte Frohike.
"Ihr müsst rausfinden, wo sich mein Bruder zur Zeit befindet. Bill. Wir müssen runter von der Straße, ich muss dringend bessere Möglichkeiten haben, um Mulder zu helfen." erklärte ich schnell.
"Was ist denn eigentlich los?" wollte Byers wissen.
"Fox hatte einen epileptischen Anfall. Ich muss ihn untersuchen, ich brauche Medikamente und ich muss endlich einen Weg finden, dieses Zeug aus ihm raus zu kriegen." Ich merkte, wie mir Tränen die Wangen hinunter liefen.
"Dana, jetzt mal ganz ruhig. Wir werden tun was wir können, aber wenn du in Panik ausbrichst, dann ist euch nicht geholfen. Also, atme tief durch, geh wieder zu ihm und wir werden sehen, wo Bill gerade steckt. Wir werden in genau vier Stunden wieder auf dieser Nummer anrufen. Kannst du das schaffen?" erklang nun Langlys Stimme. Ich atmete tatsächlich tief durch und nickte schließlich.
"Ja, alles klar. Also bis gleich." antwortete ich und hängte ein.
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Ich konnte später nicht mehr sagen, wie ich diese vier Stunden verbracht hatte. Fox schlief die ganze Zeit. Nicht einmal Joy, die offenbar durch meine Nervosität aufgewacht war und wie am Spieß schrie, konnte ihn aufwecken.
Ich versuchte sie mit allen Mitteln zu beruhigen, doch es dauerte beinahe eine Stunde, ehe sie wieder ruhiger wurde. Da ich mir nicht mehr zu helfen wusste, tat ich schließlich das, was schon während der Schwangerschaft immer geholfen hatte.
Ich ließ ein Bad ein und setzte mich mit ihr zusammen in die Badewanne. Auch jetzt halfen das warme Wasser und die ruhigen Bewegungen mit denen ich ihr über den Bauch strich, und beruhigten sie.
Nachdem ich sie wieder auf das Bett gelegt hatte, setzte ich mich auf einen der Stühle und betrachtete die beiden.
Fox schlief fest. Sein Atem war tief, ruhig und gleichmäßig. Er bewegte sich nicht, lag ganz still und erholte sich von den Krämpfen. Ich wusste, dass ihm in den nächsten Tagen alle Muskeln wehtun würden, er würde Muskelkater an Stellen haben, von denen er nicht einmal gewusst hatte, dass sich dort Muskeln befanden.
Endlich war die Zeit um, und ich legte Joy wieder vorsichtig in die Tragetasche. Schnellen Schrittes ging ich zur Telefonzelle und wartete darauf, dass die Jungs mich anrufen würden, um mir mitzuteilen, wo Bill sich gerade befand. Wie wir dann allerdings unbemerkt dort hinkommen sollten, wusste ich noch nicht so recht. Aber ich zwang mich dazu, Eins nach dem Anderen zu klären.
Das Telefon klingelte und ich nahm den Hörer ab und drückte ihn an mein Ohr.
"Ja?" sagte ich hastig, darum bemüht, nicht zu panisch und zu laut zu sein. Schließlich war es erst halb fünf Nachmittags und das an einem Wochentag. Die Straßen waren voll und ich hatte schon genug Aufmerksamkeit auf mich gezogen, als ich den Hörer abgenommen hatte.
"Also gut. Wir haben es. Bill befindet sich auf einem Kampfschiff mitten auf dem Pazifischen Ozean, etwa dreihundert Kilometer vor Alaska. Wir können euch dort hinbringen." kam Langly gleich zur Sache, ohne sich großartig zu melden.
"Wie?" fragte ich schlicht.
"Mit einem Hubschrauber. Aber erst in drei Tagen. Frühestens. Wir müssen einige Vorbereitungen treffen, und ihr müsst von... wie heißt das Kaff noch gleich, wo ihr gerade seid?" unterbrach er seine Erklärungen.
"Millinocket, Maine." half ich ihm aus.
"Wie auch immer. Ihr müsst nach San Luis Obispo, Kalifornien fahren, dort werden wir euch dann mit den Hubschrauber abholen. Was meinst du, wie lange ihr brauchen werdet?" fragte Frohike ungeduldig.
"Ich bin mir nicht sicher. Die Wetterverhältnisse sind schlecht. Wir können nur nachts fahren. Ich weiß nicht, wie es Fox weiterhin geht und ich weiß nicht, wie weit uns das Konsortium auf den Fersen ist. Etwa eine Woche schätze ich. Plus Minus ein oder zwei Tagen." rechnete ich schnell.
"Gut. Wir treffen alle Vorbereitungen und ihr macht euch auf den Weg. Wir halten weiterhin den Kontakt. Ich will, dass du uns auch über Mulder immer auf dem Laufenden hältst. Sei vorsichtig, ja?" meinte Langly. Ich seufzte.
"In Ordnung, und danke!" verabschiedete ich mich und hängte nach einem kurzen Gruß von Seiten der Jungs den Hörer wieder ein. Schnell wählte ich eine neue Nummer, die ich immer nach einem Gespräch mit den Freaks eintippte. Eine blecherne Stimme am anderen Ende der Leitung erklärte mir, dass es vier Uhr vierunddreißig und zweiundzwanzig Sekunden wäre und ich hängte wieder ein. Egal wer jetzt versuchte, herauszufinden, mit wem ich telefoniert hatte, er wäre sehr enttäuscht, wenn er nur die Zeitansage am Apparat hätte.
Fox schlief immer noch, als ich mit Joy das Motelzimmer wieder betrat, wurde jedoch durch unser Eintreten geweckt.
Er schreckte hoch, verzog dann jedoch schmerzvoll das Gesicht und ließ sich wieder zurück in die Kissen sinken.
Rasch ging ich zu ihm hinüber und setzt mich neben ihn auf das Bett. Sanft strich ich ihm eine Haarsträhne aus der Stirn, nachdem ich Joy neben ihn wieder auf die Matratze gelegt hatte.
"Wie fühlst du dich?" wollte ich mit sanfter Stimme wissen.
Er zuckte die Achseln, eine Bewegung, die ihn wieder die Zähne zusammenbeißen ließ.
"Habe mich schon besser gefühlt. Was war los?" drang seine raue Stimme an mein Ohr.
"Du hattest einen epileptischen Anfall. Ich habe keine Ahnung wieso und was ihn ausgelöst hat, aber er war sehr stark." sagte ich und griff nach seiner Hand. Meine Finger tasteten nach seinem Puls und ich konnte beruhigt feststellen, dass er ganz normal war.
Fox drehte sich auf die andere Seite, wobei er einen entsetzten Gesichtsausdruck annahm. Langsam fuhren seine Hände an den Rand der Bettdecke, er hob sie an und schaute hinunter. Beschämt ließ er sie nur wenig später sinken.
"Was ist?" fragte ich alarmiert und wollte ebenfalls nach der Bettdecke greifen, doch er schüttelte den Kopf, seinen Blick beschämt zu Boden gerichtet.
"Ich habe mich..." Er sprach nicht weiter.
"Fox, was?" sagte ich laut.
"Na ja, mir ist da was passiert." murmelte er und errötete leicht. Ich atmete tief durch und warf ihm einen mitleidigen Blick zu.
"Fox, das ist ganz normal nach einem epileptischen Anfall. Alle Muskeln in deinem Körper haben sich verkrampft, und als diese Krämpfe aufhörten, und sich die Muskeln wieder entspannten, da entspannte sich auch der Schließmuskel deiner Blase. Ich werde die Hose gleich durchwaschen, ruh dich noch ein wenig aus, okay." versuchte ich ihn zu beruhigen.
Er nickte, sah jedoch immer noch ein wenig beschämt aus. Ich schlug die Decke zur Seite und half ihm dabei, die feuchte Hose und seine Boxer-Shorts auszuziehen. Erschöpft legte er sich anschließend zurück und keuchte leicht.
Ich ging zu seinen Sachen hinüber, suchte ihm frische Wäsche heraus und wusch anschließend die beiden Teile von ihm durch.
Während er sich ausruhte, begann ich damit, unsere Sachen zusammen zu packen und alles für die bevorstehende Fahrt vorzubereiten. Mulder beobachtete mich dabei, kümmerte sich nebenbei um Joy, die wieder aufgewacht war und leise zu weinen begonnen hatte und rief mich schließlich zu sich.
"Dana, ich denke sie hat Hunger." meinte er und reichte sie mir, nachdem ich mich auf das Bett gesetzt hatte.
Ich legte Joy an die Brust und wartete, bis sie begann zu trinken.
"Was willst du tun?" fragte Fox nach einigen Minuten und blickte mich von unten her an.
"Wir werden uns in San Luis Obispo in Kalifornien mit den Jungs treffen. Sie bringen uns zu Bill auf das Schiff. Dort haben wir etwas Ruhe, ich habe bessere Medikamente und vielleicht auch bessere Untersuchungsmöglichkeiten." erklärte ich.
Er nickte nachdenklich.
"Meinst du, dass es sicher ist?" wollte er wissen.
Ich hob eine Augenbraue und sah ihn an.
"Was meinst du?" erkundigte ich mich, obwohl ich doch genau wusste, was er meinte. Warum wollte ich es also unbedingt von ihm hören?
"Meinst du nicht, dass wir dadurch Bill oder seine Familie in Gefahr bringen?" sagte er und legte seine Hand wie beiläufig auf meinen Oberschenkel.
"Ich weiß es nicht. Ich hoffe es nicht. Alles was ich weiß ist, dass du krank bist, dass diese Anfälle noch häufiger auftreten können, und dass ich das verhindern will." Vorsichtig strich ich ihm eine Haarsträhne aus der Stirn.
Er war still, sah mich nur weiterhin an und ich konnte sehen, wie es hinter seiner Stirn arbeitete. Wie er versuchte, die einzelnen Puzzleteile, die uns umgaben zu einem Bild zusammen zu setzten.
Nach einigen Minuten sagte er nachdenklich: "Erinnerst du dich an Max?"
Ich runzelte meine Stirn, wusste, dass ich den Namen schon einmal gehört hatte.
"Ja, sicher. Er ist doch bei dem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen. Dieser Mann, der meinte, von Außerirdischen entführt worden zu sein." fiel es mir schließlich ein.
Mulder nickte.
"Er litt auch unter diesen Anfällen. Schon Jahre lang." erklärte er. Ich merkte, wie sich meine Augenbraue langsam zum Haaransatz hoch schob und ich blickte ihn fragend an. Was hatten die epileptischen Anfälle von Max Fanning mit Fox zu tun?
"Was ist, wenn er gar nicht von Außerirdischen entführt wurde, sondern von den gleichen Leuten, die auch dich entführt haben. Und die mich diesem Zeug ausgesetzt haben. Was ist, wenn diese Tests auch an Max durchgeführt wurden und er darauf mit epileptischen Anfällen reagierte und nicht, wie ich beim ersten Mal, mit einer Überreaktion in bestimmten Gehirnregionen. Die Tests könnten jetzt auch bei mir fehlgeschlagen sein und ich bekomme diese Anfälle deshalb." offenbarte er mir seine Gedanken.
Ich atmete tief durch, sagte jedoch nichts. Ich wusste, er würde es als Zustimmung auffassen, normalerweise war es das auch.
Konnte es so gewesen sein? Nichts sprach wirklich dagegen. Ganz davon abgesehen, hatte ich nie an Entführungen durch Außerirdische geglaubt.
"Meinst du wirklich, dass es so war? Fox, das stellt alles, was du bisher als Wahrheit empfunden hast, als falsch hin. Ich meine, du warst dir immer so sicher, dass Max von Außerirdischen entführt worden ist." versuchte ich ihm vorsichtig die Möglichkeit zu geben, sein Statement noch einmal zu überdenken.
Seine Augen verfärbten sich, wurden dunkel und ich sah die Trauer darin.
"Ich habe auch immer gedacht, dass Samantha von Außerirdischen entführt worden ist, und sie ist auch von diesen Männern gequält worden. Sie musste auch diese Tests aushalten." sagte er mit leiser Stimme. Ich langte zu ihm hinüber, strich ihm mit meiner Hand zärtlich über die Wange und versuchte, ihm damit Trost zu spenden.
"Ja, du hast Recht. Offenbar gehen diese Tests weiter, als wir bisher annahmen." murmelte ich schließlich. Er nickte leicht.
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Wir waren bereits seit sechs Tagen unterwegs und befanden uns in Millinocket, Utah. Wir waren langsamer vorangekommen, als ich gedacht hatte, nicht zuletzt, weil die Anfälle von Fox in immer kürzeren Abständen kamen. Nur selten in der Nacht, wenn wir fuhren, jedoch an manchen Tagen sogar zwei- oder dreimal in der Zeit, in der wir in den Motels waren. Ich hatte keine Erklärung dafür, dass sie so häufig waren und auch nicht dafür, dass sie meistens am Tage kamen, Tatsache war jedoch, dass uns das in unserem Zeitplan stark nach hinten warf, da unsere Pausen länger und die Zeit in der wir fahren konnten kürzer wurden.
Ich hoffte, dass wir in drei Tagen in San Luis Obispo ankommen und dort von den Gunmen aufgenommen werden konnten, damit ich endlich Medikamente für Fox bekam.
Auch jetzt lag er schlafend auf dem Bett, hatte vor ungefähr fünf Stunden einen der besonders schweren Krampfanfälle gehabt und war anschließend vor Erschöpfung beinahe zusammen gebrochen. Ich hatte ihn nur mit Mühe und Not auf das Bett bekommen, denn seltsamer Weise krampfte er niemals *im* Bett, immer wenn er gerade mal aufgestanden war. Rasch hatte ich ihn umgezogen.
Ich hatte mir angewöhnt, ihn umzuziehen, wenn er schlief, denn es war ihm nach wie vor sehr unangenehm, dass er dermaßen die Kontrolle über seine Blase verlor.
Ich saß am Schreibtisch, hackte auf der Tastatur des Laptops herum, immer noch auf der Suche nach Antworten und schaukelte nebenbei Joy auf dem Arm. Sie war unruhig in den letzten Tagen und ich hoffte, dass sie ruhiger wurde, wenn diese ewige Fahrerei endlich ein Ende hatte.
Drei Tage noch, dachte ich mit einem Anflug von Freude, und dann würde diese ewige Angst vor dem Entdeckt werden endlich aufhören.
Gerade wollte ich Joy wieder ins Bett legen, sie hatte sich endlich beruhigt und schlief, als ich sah, dass Fox langsam seine Augen aufschlug. Er blinzelte einige Male und drehte sich dann schwerfällig auf den Rücken. Ich lagerte ihn immer auf der Seite, einfach aus Angst, dass er sich vielleicht erbrechen müsste und daran erstickte, wenn er auf dem Rücken lag.
Ich schenkte ihm ein Lächeln, welches er schwach erwiderte.
"Wie fühlst du dich?" erkundigte ich mich.
"Als wenn mich jemand unter Strom gesetzt hätte." erwiderte er und verdrehte mit einem gequälten Grinsen die Augen. Ich lachte leise, was ihn mich erfreut ansehen ließ. Ich wusste, er genoss es jedes Mal, wenn ich lachte. Richtig lachte, nicht nur ein Lächeln. Genauso ging es mir auch mit ihm. Es war so selten, dass er mal richtig lachte, dass ich es vermutlich an zwei Händen abzählen konnte, und es jagte mir immer einen Schauer über den Rücken, wenn ich es hören konnte. Meistens kam es tief aus der Brust, vermutlich war es ein Laut, der eigentlich nicht seiner Kehle, sondern direkt seinem Herzen entsprang.
Ich lächelte bei dem Gedanken und schüttelte den Kopf. Diese Art von Überlegungen sah mir gar nicht ähnlich. Sie wären eher etwas für Fox gewesen.
"War es sehr schlimm?" riss mich seine Stimme aus den Gedanken. Ich nickte zögernd.
"Schlimm genug. Möchtest du duschen?" erwiderte ich, versuchte vom Thema abzulenken.
Er legte seinen Kopf schief, schien einen Moment zu überlegen, was er tun wollte und nickte schließlich.
"Ich denke schon. Es wird mir gut tun." sagte er schließlich und setzte sich vorsichtig auf. Langsam schwang er seine Beine aus dem Bett und blieb einen Moment so sitzen. Sein Blick wanderte durch das Zimmer und blieb schließlich an Joy und mir hängen. Ich konnte sehen, wie seine Augen einen verträumten Ausdruck annahmen, während er uns still musterte.
"Geht es euch gut?" wollte er nach einer Weile mit leiser Stimme wissen.
"Ja, uns geht es gut. Joy ist ein wenig unruhig. Ich denke, wir waren verwöhnt. Sie war von Anfang an ein sehr stilles Kind, und dieses viele hin und her scheint ihr erst jetzt, wo sie älter wird, etwas auszumachen." antwortete ich und ging zu ihm hinüber. Langsam setzte ich mich vor ihm auf den Fußboden und legte meinen Kopf auf seinen Knien ab.
"Ich liebe dich, Dana." murmelte er und gab mir einen zärtlichen Kuss auf die Haare.
"Dich und unsere Tochter." fügte er noch hinzu. Ich hob meinen Kopf und blickte ihn von unten her an.
"Ich liebe dich auch, Fox. Und Joy. Mehr als alles andere auf der Welt." flüsterte ich und streckte mich. Er erkannte was ich wollte und kam mir entgegen, bis sich unsere Lippen zu einem sanften, liebevollen Kuss trafen.
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Eine halbe Stunde später trat Fox frisch geduscht aus dem Badezimmer. Joy lag wieder bei mir im Arm und schrie. Die Ruhe hatte nicht lange angehalten.
Er warf mir einen leicht mitleidigen Blick zu und ging dann zu seiner Reisetasche hinüber, denn außer seiner Jeans und seinen Socken hatte er noch nichts an. Auf dem Weg zu der Reisetasche trat er locker in seine Schuhe, bückte sich schließlich und suchte sich ein T-Shirt und einen Pullover aus der Tasche.
Ein lautes Klopfen an der Zimmertür ließ ihn beim Anziehen des Pullovers nur wenig später inne halten.
Irritiert sah er zu mir hinüber. Ich schüttelte den Kopf, zuckte mit den Achseln und merkte, wie die Farbe aus meinem Gesicht verschwand.
Rasch legte er seinen Zeigefinger an die Lippen, um mir zu bedeuten, dass ich leise sein sollte. Ich nickte schwach, schaukelte Joy hastig hin und her, damit sie endlich ruhig wurde, was jedoch nicht klappte. Offenbar hatte sich meine Nervosität sofort auf sie übertragen und sie begann, noch lauter zu schreien. Fox trat auf uns zu und steckte ihr seinen Zeigefinger in den Mund, was sie dankbar annahm und sie dazu veranlasste, friedlich daran zu saugen.
Ein erneutes Klopfen lenkte unsere Aufmerksamkeit wieder auf die Tür und ich merkte, wie ich anfing, leicht zu zittern. Rasch zog Mulder seinen Finger aus dem Mund unserer Tochter und ich ersetzte den Verlust durch meinen eigenen.
Mulder langte nach unseren Jacken, griff nach seiner Waffe und stellte sich vor Joy und mich, während sich das Klopfen ein drittes Mal und sehr viel nachdrücklicher wiederholte.
"Agent Mulder, Agent Scully. Öffnen sie die Tür und kommen sie mit erhobenen Händen heraus, dann geschieht ihnen nichts." drang eine kalte, professionelle Stimme an unsere Ohren.
"Wer's glaubt!" hörte ich Fox murmeln und er drängte mich weiter zurück.
"Wo ist meine Waffe?" wisperte ich, während sich ein Gefühl der Hilflosigkeit in mir ausbreitete.
"Drüben, bei deinem Koffer." flüsterte er zurück, hielt mich jedoch am Arm fest, als ich Anstalten machte, sie zu holen.
"Lass, wir haben keine Zeit mehr. Sie werden jeden Moment..." Der Rest seines Satzes ging in einem lauten Poltern unter, als die Tür aufgebrochen wurde und drei Männer, mit Pistolen in der Hand, hineinstürmten.
Ich merkte, wie Joy bei dem Lärm zusammen zuckte und nun wieder wild schrie.
Verdammt, wie hatten diese Bastarde uns nur gefunden?
"Legen sie die Waffe weg, Agent Mulder." sagte der Mann, der uns am Nächsten stand.
Fox schüttelte entschossen den Kopf.
"Nein, das werde ich nicht. Ich weiß, dass ihr wisst, dass ich ein verdammt guter Schütze bin. Ich nehme nicht an, dass ihr schusssichere Westen tragt, sie würden unter euren schicken Anzügen keinen Platz mehr haben, also denke ich, dass ihr uns jetzt einfach hier rausgehen lasst. Wir steigen in unser Auto und schon sind wir weg." erwiderte er einfach.
Die Männer warfen sich teils belustigte und teils auch wissende Blicke zu. Offenbar hatte man sie vorgewarnt, dass Spooky Mulder manchmal zum Größenwahnsinn neigte, und gerade jetzt musste ich ihnen mit dieser Einschätzung recht geben.
Ungläubig starrte ich ihn an, sagte jedoch nichts und hielt mich weiterhin im Hintergrund, verzweifelt mit dem Versuch beschäftigt, Joy zu beruhigen.
"Agent Mulder, nun kommen sie schon. Sie sehen doch, dass sie gar keine Chance haben. Wir sind zu dritt, alle bewaffnet und sie sind beinahe alleine. Agent Scully ist ihnen im Moment ja wohl keine große Hilfe." sagte der kleinste der Männer in einem spöttischen Tonfall.
"Dana, bleib immer dicht hinter mir." raunte Mulder mir zu und ich tat, was er sagte und machte noch einen Schritt auf ihn zu. Langsam tastete sich seine linke Hand nach hinten und legte sich an meine Hüfte, schob mich sanft, jedoch bestimmt zur Tür hinüber. Seine andere Hand hielt immer noch die Waffe fest, welche nach wie vor auf die Männer zielte.
"Mulder, ich werde es nicht noch einmal sagen. Ich werde auf sie schießen, wenn sie die Waffe nicht weg legen." warnte der erste Mann erneut.
Mulder achtete gar nicht auf die Drohung, schob mich langsam weiter auf die Tür zu, während er mir rückwärts gehend folgte und die Männer nicht aus den Augen ließ.
Seine Waffe schwenkte hinüber zu dem Mann, der der Tür am Nächsten stand und forderte ihn so auf, den Weg frei zu machen. Unsicher blickte dieser von Mulder auf die Waffe und weiter zu seinen Kollegen.
Schließlich rührte er sich langsam, senkte jedoch seine Waffe nicht.
Der Schuss löste sich, ohne eine weitere Vorwarnung, doch er verfehlte Mulder knapp. Diese Männer mussten grausige Schützen sein.
Fox jedoch war ein hervorragender Schütze und er traf mit dem Schuss, den er in der nächsten Sekunde abfeuerte, sein Ziel.
Der Mann, der den Schuss auf ihn abgegeben hatte, hielt sich wimmernd seine Hand, während seine Waffe auf dem Fußboden lag. Mulder drängte mich, schneller zu gehen und ich tat es, stolperte rückwärts, die immer noch schreiende Joy auf dem Arm, aus dem Motelzimmer und auf unser Auto zu. Rasch rannte ich um den Wagen herum, riss die Fahrertür auf und steckte den Schlüssel ins Zündschloss, den ich mit fliegenden und zitternden Fingern aus meiner Jackentasche gefischt hatte. Unsere Tochter auf meinen Beinen balancierend, sah ich, dass Fox zwei gezielte Schüsse auf die Reifen des Regierungsfahrzeuges hinter unserem abgab, worauf die beiden Vorderreifen sofort zu schrumpfen schienen und er sich dann auf die Beifahrertür zuschob, immer noch rückwärts gehend. Er tastete mit seiner linken Hand nach dem Türgriff, fand ihn schließlich, warf den beiden Männern, die uns auf die Straße gefolgt waren, noch einen letzten Blick zu und warf sich dann auf den Beifahrersitz.
Mit quietschenden Reifen setzte sich das Auto in Bewegung und wir verließen das Motel und damit auch unsere gesamte Habe.
Mulder seufzte neben mir erleichtert auf, langte zu mir hinüber und griff sich Joy, die nach wie vor schrie, und wiegte sie sanft hin und her. Er steckte ihr rasch seinen Zeigefinger in den Mund und sie beruhigte sich langsam.
"Bist du in Ordnung?" fragte er schließlich leise. Ich warf ihm einen kurzen Blick zu, versuchte ihm beruhigend zuzulächeln, doch ich wusste in der gleichen Sekunde wie ich es versuchte, dass es mir nicht gelang.
Gott, ich war so angespannt, meine Nerven lagen praktisch blank. Rasch langte er zu mir hinüber, legte seine Hand beruhigend auf meinen Arm und zog ihn zu sich. Seine Finger glitten an meinem Arm hinunter und verflochten sich kurz mit meinen.
"Es geht mir gut. Nur ein wenig nervös deswegen. Mach dir keine Sorgen." meinte ich schließlich, nicht lauter redend, als er es getan hatte.
"Was ist mit dir?" erkundigte ich mich.
"Habe mich nie besser gefühlt." erwiderte er sarkastisch und lächelte leicht. Es wirkte zwar etwas verkrampft, doch gelang es ihm auf jeden Fall besser als mir und ich schaffte es, es zu erwidern.
"Wir haben alles verloren." murmelte er nach einigen Minuten des Schweigens und legte seinen Kopf an die Kopfstütze.
"Nein, nicht alles. Wir haben uns. Und wir leben." sagte ich leise und strich ihm sanft mit meiner Hand über seine Wange.
Nun lächelte er richtig, drehte seinen Kopf ein Stück und küsste meine Handfläche.
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Wir fuhren beinahe ununterbrochen.
Nachdem unsere Tarnung aufgeflogen war, hielten wir nur einmal kurz an einer Telefonzelle, teilten den Jungs mit, was geschehen war und ließen sie das Konto leer räumen, welches sie auf unseren Alias eingerichtet hatten.
Dana war in einer Nacht- und Nebelaktion in ein Krankenhaus marschiert, hatte dort einige Kissen und Decken sowie ein wenig Essen für uns besorgt, anschließend wieder ins Auto gestiegen und fuhr seitdem beinahe ohne Pause Richtung San Luis Obispo, Kalifornien.
Sie weigerte sich, Motels anzufahren, also machten wir immer nur wenige Stunden irgendwo in dichten Waldstücken Pause, in denen sie ein wenig schlief. Joy wurde immer nervöser, schlief nur noch wenig und schrie viel, was uns teilweise zu weiteren Pausen zwang, da Dana sie stillen musste.
Meine Krampfanfälle nahmen weder zu noch ab. Außer der Tatsache, dass sie mich nun unvermittelt während der Fahrt trafen und Joy sich jedes Mal erschrak, wenn sie beinahe von meinem Schoß herunter fiel, hatte sich nichts geändert, obwohl Dana behauptete, dass sie stärker wurden, länger andauerten.
Ich konnte es in ihrem Gesicht sehen, sie hatte eine wahnsinnige Angst, denn ihr war klar, dass diese Anfälle Schäden in meinem Gehirn anrichten konnten.
Doch ich war sehr zuversichtlich, dass wir San Luis Obispo noch am nächsten Tag erreichen würden. Da unser Essen langsam zu Ende ging, war das auch ganz gut so.
#####
Tatsächlich schafften wir es in nur anderthalb Tagen San Luis Obispo zu erreichen, das war mindestens einen Tag weniger, als wir gedacht hatten.
Die Jungs schafften uns innerhalb von wenigen Minuten, nachdem wir das Auto geparkt hatten, in den Hubschrauber.
Langly kümmerte sich um Joy, während Scully mir dabei half, aus dem Auto zu steigen und in den Hubschrauber zu klettern. Ich hatte nur eine halbe Stunde zuvor einen Krampfanfall gehabt, und mir taten alle Knochen weh und ich war vollkommen erschöpft.
Auf den Gesichtern der Jungs konnte ich deutlich die Sorge lesen, und ich versuchte sie mit einem lockeren Spruch zu beruhigen, doch es gelang mir nicht und ich fiel, sobald ich saß in einen leichten Schlaf. Er war nicht so tief, wie sonst, nach einem Anfall, doch ich konnte meinen Körper nicht dazu bringen, wach zu bleiben.
Dana weckte mich später. Ich wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, wie lange ich geschlafen hatte, doch als ich mich umsah, erkannte ich, dass der Hubschrauber über einem großen Schiff in der Luft stand und versuchte zu landen.
Der Pilot hatte offenbar einige Schwierigkeiten und als ich meinen Blick weiter schweifen ließ, konnte ich auch sehen, warum. Es war offenbar sehr windig. Die Wellen, die gegen das Schiff schlugen, waren beinahe haushoch und überspülten das Deck.
Mir entwich ein Stöhnen bei dem Anblick und der Gewissheit, dass ich gleich auf dieses Schiff musste. Mein Magen schlug schon jetzt, nur beim Zuschauen aus sicherer Entfernung, einige Salti und ich merkte, wie Dana mir einen besorgten Blick zu warf.
Ich hingegen versuchte, ein beruhigendes Lächeln zustande zu bringen, doch es gelang mir genauso wenig, wie der lockere Spruch, mit dem ich die Jungs beruhigen wollte.
Langly hielt immer noch Joy auf dem Arm und barg sie in seiner dicken Jacke. Ich bemerkte erstaunt, wie liebevoll er mit unserem kleinen Wunder umging und versuchte mir vorzustellen, wie es wäre, wenn Langly Vater würde. Eine seltsame Vorstellung.
"Wie fühlst du dich?" wollte Byers wissen, als ich seinen Blick traf.
"Hervorragend." erwiderte ich in dem Versuch meine Schwäche nicht zu zeigen. Auch die Tatsache, dass meine Hose wieder einmal nass war, tat sein übriges, dass ich mich schrecklich unwohl fühlte. Ich sah beschämt zu Boden, als ich mir dessen wirklich bewusst wurde und ich merkte, wie Dana sanft nach meiner Hand griff.
"Du siehst scheiße aus, Kumpel!" meinte Frohike trocken und klopfte mir auf die Schulter. Da mir sowieso alle Knochen weh taten, eigentlich konnte ich mich nicht mehr erinnern, wann ich mal keine Schmerzen gehabt hatte, verzog ich leicht das Gesicht.
"Tut mir leid." brummte der kleine Mann und ich nickte leicht. Der Pilot startete einen weiteren Versuch, den Hubschrauber zu landen und dieses Mal gelang es ihm.
Einige Seemänner in Uniform und dicken Jacken standen an Deck und sahen uns abwartend und neugierig entgegen.
"Habt ihr Bill eine Nachricht zukommen lassen?" erkundigte sich Dana gerade. Langly nickte.
"Sicher. Er weiß bescheid." sagte Frohike laut und schob die Tür des Helikopters auf.
Kalter Wind schlug uns entgegen, immerhin befanden wir uns recht Nahe bei Alaska und wir hatten gerade erst Ende Januar, also tiefsten Winter. Byers und Frohike stiegen aus, gefolgt von Scully. Sie nahm Langly unsere Tochter ab, damit er ebenfalls auf das Schiff springen konnte.
Ich zögerte einen Moment, als ich meinen Blick über das Schiff gleiten ließ und schließlich an dem wankenden Horizont hängen blieb.
"Mulder, komm schon. Du kannst es ja doch nicht verhindern." vernahm ich wieder Frohikes Stimme und Langly und Byers streckten mir helfend ihre Arme entgegen.
Rasch nahm ich ihre Hilfe an, im Grunde sehr dankbar dafür, da ich kaum in der Lage war, alleine zu stehen, geschweige denn, irgendwelche Turnübungen zu machen, und als nichts anderes entpuppte sich der Ausstieg aus dem Hubschrauber.
Ich ging wankend zu Dana hinüber, die sich zusammenkauerte, um Joy gegen die eisige Kälte zu schützen, die erbarmungslos auf uns einwirkte. Nur verschwommen nahm ich wahr, dass die Jungs begannen, zwei große Koffer aus dem Helikopter zu heben und diese neben uns abzustellen, doch ich hatte einfach nicht die Kraft, gleichzeitig gegen den Wind zu bestehen und mich auch noch darum zu kümmern.
Zwei der vermummten Gestalten kamen auf uns zu und erst als er direkt vor uns stand, erkannte ich, dass einer dieser Männer Bill war.
Der andere Mann legte Dana und mir warme Decken um, die jedoch auch nur wenig gegen den beißenden Wind ausrichten konnten und kümmerte sich dann um die beiden Koffer. Als würden sie nichts wiegen, hob er sie hoch und brachte sie zu einer Tür.
Aus den Augenwinkeln sah ich, dass die Jungs dabei waren, wieder in den Hubschrauber zu steigen. Ich drehte mich schwerfällig zu ihnen um.
"Jungs!" rief ich gegen den Sturm an.
Sie wandten ihre Köpfe um.
"Danke!" schrie ich.
Sie nickten leicht.
"Hier seid ihr sicher. Bis bald, wenn die Fronten wieder ruhiger sind!" vernahm ich Byers Stimme und ich nickte ihm noch einmal zu.
Als ich mich wieder umdrehte, sah ich, dass Bill noch einen weiteren Schritt auf uns zugegangen war und nun Dana in den Arm nahm.
Er sagte etwas zu ihr, doch ich konnte nicht hören, was es war. Der Wind war einfach zu mächtig und riss ihm die Worte aus dem Mund, kaum dass sie ihn verlassen hatten.
Offensichtlich hatte Dana geantwortet, ich sah, wie sie auf mich deutete und Bill nun zu mir rüber kam.
Er fasste mich mit seinen starken Armen um die Taille und stützte mich, während er mich zur Tür führte, die sicherlich unter Deck führte.
Dana schloss sich uns an, immer noch gebeugt, um sich und Joy gegen die Kälte zu schützen.
Erst nachdem wir die Tür geschlossen hatten und vor dem Wind geschützt waren, richtete sie sich wieder voll auf und lockerte die Decke um unsere Tochter ein wenig. Bill ließ mich los und sah mich besorgt an, während ich ein wenig unsicher mitten im Raum stehen blieb. Er löste schließlich seinen Blick und trat auf seine Schwester zu, seine Jacke dabei abstreifend, während ich meine Decke enger um mich zog, um meinen letzten Verlust über meine Blasenkontrolle zu verbergen.
"Seid ihr in Ordnung?" wollte er leise wissen. Dana nickte zur Antwort, warf mir jedoch einen Blick zu, der nicht minder besorgt war, wie der von Bill vor wenigen Sekunden.
"Und das ist euer Baby?" Bill trat nun direkt vor Dana und schob die Decken, in die Joy eingewickelt war, sanft zur Seite.
"Wie habt ihr es genannt?" erkundigte er sich und streichelte mit seinen großen Händen, ich war sicher sie waren beinahe doppelt so groß wie meine, über Joys Wange.
"Joy. Sie heißt Joy." antwortete sie leise und legte ihm eine Hand auf den Arm. Bill hob seinen Blick und sah Dana aufmerksam an. Er sah die Ringe unter ihren Augen, die blasse Haut ihres Gesichtes und die Müdigkeit, die in jeder ihrer Bewegungen zu lesen war. Sicher, er sah diese Dinge nicht so deutlich wie ich, denn ich hätte nur einen Blick in ihre wundervollen blauen Augen werfen müssen, um all das im Bruchteil einer Sekunde zu erkennen, doch nahm er es wahr.
"Bill?" sagte sie schließlich. Er nickte leicht.
"Danke. Ich weiß, dass wir dich und auch die Crew damit in Gefahr bringen, dass wir hier sind, aber ich wusste keinen anderen Ausweg." erklärte sie.
Bill nickte und nahm sie sanft in den Arm.
"Wir haben uns Sorgen gemacht, um euch." sagte er nach einer Weile. Dana nickte, während ich unbeholfen auf einen Stuhl zuwankte, der in der Nähe stand. Ich wunderte mich insgeheim, dass wir alleine in diesem Raum waren.
Der Raum war klein, nur ein Tisch und sechs Stühle standen hier und eine Kommode auf der auch eine Kaffeemaschine stand. Außer der Tür, durch die wir hineingekommen waren, gab es noch eine weitere, die wie ich vermutete, nach unten in den Bauch des Schiffes führte, also sowohl zum Maschinenraum, als auch in die Kombüse und die Kajüten.
Bill drehte sich um, als ich mich bewegte und war mit einem langen Schritt an meiner Seite, doch ich winkte großspurig ab, was ich nur wenig später bereute, als ich nämlich den Stuhl mit meiner Hand verfehlte und beinahe der Länge nach hingeschlagen wäre. Rasch griff er zu, sagte jedoch kein Wort.
"Kommt mit. Ihr werdet hundemüde sein. Wir haben euch eine Kajüte hergerichtet. Sie ist nicht groß, die Betten sind schmal, aber ihr habt einen Ort, an dem ihr ruhig schlafen könnt." erklärte Bill. Dana nickte dankbar.
Wieder umschlang ihr Bruder meine Taille mit seinem Arm und führte mich langsam auf die andere Tür zu. Wir stiegen, dicht gefolgt von Dana, eine metallene Treppe hinunter, gingen durch einige schmale Gänge und hielten schließlich vor einer kleinen Tür an. Bill langte in seine Tasche und zog einen Schlüssel hinaus, den er nur wenig später ins Schloss steckte.
Nachdem er das Licht in dem kleinen Raum, der sich dahinter auftat, eingeschaltet hatte, führte er mich zu einem Bett und half mir dabei, mich darauf zu setzen.
"Das hier ist euer Reich." gab er uns zu verstehen und legte den Schlüssel auf den Stuhl, der am Fußende eines Bettes stand. "Es ist nicht viel, aber mehr haben wir leider nicht. Und ihr werdet ungestört sein. Niemand kommt hier herein. Ich werde gleich jemanden schicken, der euch eure Koffer bringt. Eine Dusche befindet sich hier." Er deutete auf eine kleine Tür die am Fußende des anderen Bettes war. "Damit habt ihr sogar die Luxusausstattung eines Zimmers erhalten. Eigentlich haben die Quartiere hier keine eigene Dusche." Er grinste.
"Wer hat denn dafür dieses Zimmer frei gemacht?" fragte Dana mit leiser Stimme. Sie sah sich ein wenig unwohl im Raum um.
"Ich." erwiderte ihr Bruder knapp. Sie nickte, hatte offensichtlich keine andere Antwort erwartet.
"Wo wirst du schlafen?" wollte sie wissen.
"Ich bin beim zweiten Offizier untergekommen. Mach dir keine Gedanken, das geht schon. Braucht ihr noch irgendetwas?" Er wandte sich bereits um.
"Tabletten gegen Reiseübelkeit. Fox braucht dringend Schlaf, den bekommt er nicht, wenn er über der Toilette hängt." bat sie. Sie hatte also unsere letzte Mission auf einem Boot vor vielen Jahren nicht vergessen.
"Kein Problem. Ich gebe sie dem Mann mit, der euch die Koffer bringt." sprach er und trat aus der Kajüte hinaus.
"Schlaft gut. Bis später." verabschiedete er sich und wir nickten ihm gleichzeitig zu.
Als die Tür sich schloss, drehte Dana sich zu mir um. Sie legte die schlafende Joy auf das Bett, welches dem Gegenüberstand, auf dem ich bereits saß und das einzige war, das noch frei war.
"Leg dich hin." sagte sie mit leiser Stimme, als sie sich wieder mir zuwandte.
"Bist du in Ordnung?" erkundigte ich mich sanft.
Sie nickte leicht und schüttelte dann den Kopf.
"Würdest du mich halten?" fragte sie beinahe flüsternd. Ich breitete meine Arme für sie aus und sie kniete sich vor mich, schmiegte sich fest in meine Arme und drückte ihr Gesicht an meine Brust. Sanft strich ich ihr über ihren Rücken.
Sie war so lange stark gewesen, hatte sich immer weiter angetrieben, um mich und unsere Tochter zu Retten, doch nun konnte sie einfach nicht mehr. Sie schien am Ende ihrer Kräfte angelangt und nur langsam konnte sie sich an meiner Brust entspannen.
Ihre Schultern sackten nach vorne und ich merkte, wie ihr Körper unter lautlosen Schluchzern zitterte. Jedes Geräusch wurde von meinem Pullover gedämpft, und ich wusste, dass sie es so wollte. Dass sie nicht wollte, dass ein zufällig vorbeikommender Seemann ihre Schluchzer hörte.
Nach scheinbar unendlich langer Zeit beruhigte sie sich und ließ sich auf ihre Hacken zurück sinken. Mit müden und roten Augen blickte sie mich an.
"Nun mach schon. Leg dich hin. Ich werde dir helfen, dass du deine Hose ausbekommst." murmelte sie. Ich lächelte leicht, tat jedoch, was sie mir gesagt hatte und streckte mich mit einem Seufzer auf dem Bett aus, nachdem ich die Decke und meine Jacke einfach auf den Boden geworfen hatte.
Dana zog mir meine Hose und auch die Boxer-Shorts aus und deckte mich anschließend zu. Erst dann legte sie selber ihre Jacke ab.
Ein Klopfen an der Tür ließ sie inne halten, sich auch den Pullover auszuziehen.
"Wer ist da?" rief sie mit halb lauter Stimme.
"Ballock, Ma`am. Ich bringe ihr Gepäck." erklang eine gedämpfte Stimme zu uns herein.
"Kommen sie rein." erwiderte sie, drehte sich jedoch um, damit er ihr Gesicht nicht sehen konnte. Sie bückte sich über Joy und pellte sie aus der Decke, in die sie immer noch gewickelt war.
Die Tür öffnete sich und ein junger Mann in Marineuniform betrat das Zimmer. Er trug zwei große und offensichtlich prall gefüllte Koffer und quetschte sich damit durch die Tür.
"Stellen sie die einfach dort hin." kam Scullys Stimme dumpf von dem Bett her. Da in der Kajüte Etagenbetten standen, wurde die Stimme leicht gedämpft.
"Alles klar, Ma`am." Der Mann stellte die Koffer ab und drehte sich um, um das Zimmer wieder zu verlassen. "Ach, ich habe hier noch die Tabletten gegen Seekrankheit. Ich lege sie hier auf den Stuhl." Er wandte sich noch einmal um.
"Vielen Dank. Das ist sehr freundlich von ihnen." sagte Dana und zog die Decke von dem Bett zurück, Joy fest an ihre Brust gedrückt.
"Keine Ursache. Ich wünsche ihnen einen erholsamen Schlaf." antwortete Ballock und trat nun wirklich aus dem Raum hinaus. Langsam schloss er die Tür hinter sich und Dana richtete sich mit einem leisen Seufzer wieder auf.
Sie hatte unsere Tochter in das Bett gelegt und sie zugedeckt.
Nun trat sie auf den Stuhl zu und nahm das Päckchen mit den Tabletten zur Hand. Mit flinken Fingern öffnete sie es und drückte eine Tablette hinaus. Sie gab sie mir, ging dann in das Badezimmer, füllte einen Zahnputzbecher mit Wasser und brachte ihn mir. Anschließend wuchtete sie unter großer Anstrengung die beiden Koffer jeweils auf die oberen Betten und öffnete sie. Rasch durchsuchte sie sie, zog für mich eine Boxer-Shorts hinaus und half mir nur wenige Minuten später dabei, diese anzuziehen. Sie selber zog sich ein T-Shirt an und lächelte mir schließlich leicht zu.
"Was willst du tun?" fragte ich leise.
"Ich möchte zu dir kommen." erwiderte sie und löschte dann das Licht. Mit vorsichtigen Schritten kam sie langsam zum Bett hinüber und ich hielt ihr die Decke hoch, damit sie sich neben mich legen konnte.
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Erst als ich erwachte, merkte ich, dass ich offenbar sofort nachdem Dana sich neben mich gelegt und ihre Arme um mich geschlungen hatte, eingeschlafen war.
Das erste, was ich wirklich bewusst wahrnahm war ihr Kopf, der ruhig auf meiner Brust lag. Ihr Atem war tief und gleichmäßig und ich hob leicht meinen Kopf an, um sie betrachten zu können. Gott, wie ich dieses Bild liebte. Ich sog es in mir auf. Ihre Haare, die wie ein Fächer auf meiner Brust lagen und ihr wundervolles Gesicht. Die Augen waren geschlossen und ihre Mimik absolut entspannt. Seit wir vor Wochen die Flucht angetreten hatten, hatte ich Dana nicht mehr so entspannt gesehen. Obwohl normalerweise ich derjenige war, der mit nur wenig Schlaf auskam, hatte ich Dana in den letzten Wochen nur selten schlafend gesehen. Sie war meistens bereits wach gewesen wenn ich die Augen aufgeschlagen hatte. Hatte am Laptop gesessen oder mein Blut untersucht oder sie hatte Joy gefüttert. Und wenn sie doch einmal geschlafen haben sollte, dann hatte ich sie nur wild um sich schlagend gesehen, weil ein Alptraum sie quälte.
Langsam löste ich meinen Blick von ihr und drehte meinen Kopf leicht zur Seite, um unsere Tochter anzusehen. Entgegen meinen Erwartungen schlief sie nicht mehr, sondern war wach und spielte mit ihren Händen, soweit ein Kind in ihrem Alter das bereits konnte.
Vorsichtig, ohne mich zu viel zu bewegen, zog ich meinen Arm unter der Decke hervor, der andere ruhte ruhig auf Danas Taille, und sah auf die Uhr.
Es war bereits vier Uhr und ich nahm an, dass es vier Uhr in der Nacht war. Durch das kleine runde Fenster konnte ich nur Dunkelheit erkennen, obwohl ich wusste, dass es soweit nördlich um diese Jahreszeit wahrscheinlich auch um vier Uhr nachmittags bereits stockdunkel war. Aber ich fühlte mich einfach zu ausgeruht, als dass ich nur eine Stunde geschlafen haben könnte.
Ich wunderte mich ein wenig, dass Joy so still und friedlich dort lag. Sie hatte vor weit mehr als dreizehn Stunden dass letzte Mal etwas zu essen gehabt und musste bereits kurz vor dem Verhungern sein.
Dreizehn Stunden!
Ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in meinem Leben dreizehn Stunden am Stück geschlafen hatte. Hatte ich es überhaupt jemals?
Wieder warf ich einen Blick auf Dana, hob meinen Kopf an und schob meinen Arm darunter, um sie noch ein wenig beobachten zu können.
Doch als ich in ihr Gesicht sah, merkte ich, dass ihre Augen einen Spalt weit geöffnet waren. Sie blinzelte leicht, versuchte, den Schlaf aus ihren Augen zu vertreiben, bewegte sich jedoch nicht. Offensichtlich dachte sie, dass ich noch schlafe und wollte mich nicht wecken.
Sanft ließ ich meine Hand von ihrer Taille zu ihren Haaren wandern und fuhr mit einer zarten Bewegung darüber. Sofort hob sie ihren Kopf ein Stück an, um mich anzublicken.
"Hey." murmelte sie leise. Ich nickte leicht, nicht in der Lage ein vernünftiges Wort zustande zu bringen. Ich konnte sie nur weiter ansehen.
"Was ist?" wollte sie wissen. Ihr Stimme nahm einen besorgten Unterton an.
"Nichts." erwiderte ich schnell, nun hatte ich meine Sprache doch wiedergefunden.
"Warum siehst du mich so an?" fragte sie, ohne ihre Position zu verändern.
"Ich habe gerade daran gedacht, wie sehr ich dich liebe." antwortete ich leise.
Sie lächelte. Ein sanftes, zärtliches und liebevolles Lächeln, welches mir mehr als tausend Worte sagte, wie sehr sie mich liebte. Rasch hob ich meinen Kopf und beugte ihn zu ihr runter. Sie kam mir entgegen und unsere Lippen trafen sich zu einem süßen Kuss. Meine Hand suchte sich ihren Weg von meinem Kopfkissen zu ihrem Hinterkopf und ich zog sie näher an mich heran.
Als wir uns wieder voneinander lösten, deutete ich mit dem Kopf auf unsere Tochter.
"Sieh sie dir an. Sie ist wach und sagt kein Wort. Dabei wird sie vor Hunger sicher bald sterben." flüsterte ich, doch Dana schüttelte den Kopf.
"Das glaube ich nicht. Sie hat vor gar nicht allzu langer Zeit etwas gehabt." meinte sie und betrachtete Joy.
"Dana, es ist vier Uhr in der Nacht. Joy hat seit mindestens dreizehn Stunden nichts zu essen gehabt." wunderte ich mich.
"Oh doch. Das letzte Mal hatte sie etwas vor drei Stunden. Und davor hatte sie etwas um acht Uhr gestern Abend." erklärte sie.
Ich runzelte die Stirn.
"Du hast so fest geschlafen, du hast nicht einmal gehört, dass sie eine halbe Stunde lang geschrieen hat und sich kaum beruhigen ließ." Sie lächelte jetzt, während sie meinen erstaunten Gesichtsausdruck musterte.
"Tatsächlich? Ich kann mich wirklich nicht erinnern." sprach ich leise.
"Das denke ich mir. Du warst sehr erschöpft gestern." meinte Dana.
"Das ist wohl wahr. Diese Krämpfe rauben mir wirklich meine letzte Kraft." erwiderte ich und zog meine Stirn in Falten. In den letzten Wochen hatte ich durch diese neue Komponente in meinem Leben nicht viel mitbekommen. Ich hatte nicht viel Zeit mit Dana oder Joy verbracht und es stimmte mich traurig, dass ich so viel verpasst hatte.
Dana hob ihre Hand zu meiner Wange und ließ sie sanft darüber gleiten.
"Es wird jetzt besser werden. Ich habe hier die besseren Möglichkeiten, dich zu untersuchen und ich denke, dass ich hier auch Medikamente bekomme, die deine Krämpfe lindern werden." sagte sie sanft. Ich sah sie skeptisch an. Sicher, sie könnte mir einige Medikamente geben, aber das eigentliche Problem war damit nicht gelöst. Offenbar wusste sie, was ich dachte, denn sie nickte verständnisvoll.
"Du hast recht. Das Problem haben wir damit noch nicht aus dem Weg geschafft, aber es ist ein Anfang. Wir arbeiten uns langsam vor." versuchte sie mich zu trösten.
Gott, womit hatte ich nur soviel Glück verdient, diese Frau an meiner Seite zu wissen? Ich schlang meine Arme um sie und drückte sie fest an mich.
Sie legte ihren Kopf wieder zurück auf meine Brust und schob sich ebenfalls fester an mich. Wir sprachen lange Zeit nicht miteinander und ich wusste, sie lauschte meinem Herzen. Das tat sie häufig, wenn sie angespannt war oder der Job ihr sehr zu schaffen machte. Dann legte sie sich einfach neben mich und lauschte dem stetigen Klopfen meines Herzens und sofort wurde sie ruhiger.
Mein Blick glitt wieder hinüber zu unserer Tochter, die mich nun ebenfalls mit ihren großen runden Augen ansah.
Sanft schob ich Dana zur Seite. Sie brummte ein wenig, unwillig mich gehen zu lassen, doch ich gab ihr einen leichten Kuss auf die Stirn, stand auf, nahm Joy aus ihrem Bett und kam wieder zurück. Mit unserer Tochter im Arm krabbelte ich wieder zurück ins Bett. Dana nahm sofort wieder den Platz auf meiner Brust in Beschlag und ich legte Joy direkt neben mich.
"Hey, Prinzessin. Geht es dir gut?" flüsterte ich leise und küsste sie an der Schläfe. Ein Lächeln legte sich auf ihr Gesicht und ich merkte, wie mich ein warmer Schauer packte und meinen Körper durchfuhr.
"Sie bekommt deine Augenfarbe." murmelte Dana von meiner Brust aus und hob schließlich ihren Kopf an, um mich anzusehen.
"Wirklich?" Ich versuchte, einen besseren Blick in Joys Augen zu erhaschen, doch gelang es mir nicht, ohne Dana ein weiteres Mal von meiner Brust schieben zu müssen. Also gab ich mich mit ihrer Beobachtung zufrieden und behielt den Gedanken, es zu überprüfen, im Hinterkopf.
Es war einfach wundervoll, so in diesem Bett liegen zu können, nicht aufstehen zu müssen, um die Reisevorbereitungen zu treffen. Wir genossen es alle. Als Joy anfing, leise zu quengeln, nahm Dana sie aus meinem Arm und legte sie bei sich an. Gierig trank sie die Milch und ich zog Dana liebevoll wieder an meine Brust zurück.
"Sie wird ruhiger, langsam. Merkst du es auch?" wollte Dana nach einer Weile wissen. Ich nickte leicht. Ja, Joy war nicht mehr so unruhig, wie noch am gestrigen Tag. Es war wirklich die richtige Entscheidung gewesen, uns an Bill zu wenden. Ich hoffte nur, dass es nicht irgendwelche schlimmen Folgen für ihn, die Crew oder sogar seine Familie haben würde.
"Meinst du, *die* tun Tara oder den Kindern etwas an, wenn sie herausfinden, dass wir hier sind?" sprach Dana meine Befürchtungen laut aus. Es war schon eine seltsame Verbindung zwischen uns.
Ich zuckte mit den Achseln.
"Ich hoffe nicht. Aber ich kann es nicht mit Bestimmtheit ausschließen." Sie nickte, hatte die Antwort im Grunde selber gewusst.
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Wir hatten noch ein wenig geschlafen und standen gegen acht Uhr auf. Nachdem wir uns geduscht hatten, kramte ich die Koffer durch.
"Was sind das nur für Klamotten?" staunte ich und drehte meinen Kopf Dana zu.
"Die Jungs haben sie für uns gekauft. Ehrlich gesagt, ohne sie, wären wir wahrscheinlich schon seit Wochen tot. Wir müssen uns unbedingt bei ihnen Revanchieren, wenn das alles hier vorbei ist." erwiderte Dana.
Ich sah sie skeptisch an, als sie sich den Pullover über den Kopf zog und auch begann, Joy eine neue Windel umzulegen und sie anschließend anzuziehen.
"Was ist?" wollte sie wissen, als sie meinen Blick bemerkte.
"Woher kennen eigentlich die Jungs deine Kleidergröße?" verlangte ich zu wissen und trat auf sie zu, eine Hose, ein T-Shirt und einen Pullover an mich gedrückt.
Sie blickte mir in die Augen und ich konnte erkennen, dass ein kleines Teufelchen darin aufblitzte.
"Nun, ich bin mir nicht sicher, ob ich es dir wirklich erzählen will." grinste sie und beugte sich wieder über Joy. Die Gunmen hatten sowohl in ihrem, als auch in meinem Koffer einige Sachen für Joy eingepackt. Angefangen bei Windeln über Kleidung und sogar ein wenig Spielzeug.
Ich schnappte nach Luft und trat einen Schritt auf sie zu. Langsam richtete sie sich wieder auf und grinste mich immer noch an.
"Hat Frohike nie was erzählt?" wollte sie wissen und ich keuchte nun richtig, unfähig etwas darauf zu erwidern. Meine Augen weiteten sich in Unglaube und ich war mir nicht sicher, ob mein Mund geschlossen war, oder weit aufstand.
"Dana..." brachte ich nach einiger Zeit mit krächzender Stimme heraus, doch sie lächelte nun richtig.
"Fox, du glaubst doch nicht wirklich, dass ich so krank wäre, irgendein Verhältnis mit einem dieser Freaks anzufangen, oder?" fragte sie schließlich und ich atmete erleichtert aus.
"Ich habe keine Ahnung, woher sie meine Größe wissen. Vielleicht haben sie ein gutes Augenmaß, vielleicht haben sie meine Mutter angerufen, vielleicht hat Frohike aber auch nur irgendwann in seinem Wahn ein paar meiner Klamotten geklaut. Zuzutrauen wäre es ihm, und wenn ich genau darüber nachdenke, vor etwa zwei Jahren habe ich einen alten Pullover von mir vermisst." erwiderte sie immer noch lächelnd und zuckte mit den Achseln.
"Welchen Pullover?" wollte ich wissen. Ich hatte da so eine Ahnung.
"Ist das denn so wichtig?" fragte sie erstaunt. Ich zuckte die Achseln, wandte meinen Blick jedoch nicht ab, was sie offensichtlich als ein "Ja" ansah, denn sie sprach schließlich weiter: "Den dunkelgrünen. Ich hatte ihn meistens an, wenn ich gelaufen bin." erklärte sie.
"Den habe ich mitgenommen." gestand ich leise. Sie öffnete den Mund, wollte offensichtlich etwas erwidern, schloss ihn dann jedoch und hob statt dessen ihre Augenbraue.
"Nun ja. Ich wollte etwas, was mich an dich erinnert, wenn ich in meinem Appartement war. Und er roch so herrlich nach dir." kam es vorsichtig von mir und ich senkte meinen Kopf Richtung Boden.
Nun lachte sie laut auf, trat einen Schritt auf mich zu und gab mir einen leichten Kuss auf die Wange.
"Nur gut, dass ich nicht die Spurensicherung gerufen habe. Das wäre sehr peinlich geworden." sagte sie kurz und wandte sich wieder unserer Tochter zu.
Ich grinste ebenfalls und begann mich anzuziehen.
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Wir waren mittlerweile seit vier Tagen auf dem Schiff, und wir hatten jede warme Mahlzeit, jeden Kaffe den wir bekommen hatten, in vollen Zügen genossen. Erst jetzt, wo wir gemerkt hatten, was es hieß, sich nur von Brot zu ernähren, war uns klar geworden, wie sehr wir ein richtiges Essen vermissten.
Dana hatte mich eingehend untersucht und war zu der Entscheidung gekommen, mir Medikamente gegen die Krampfanfälle zu geben, und zwar in einer wahrhaft hohen Dosis. Sie hatte Erfolg damit, zumindest in den ersten drei Tagen.
Nun lag ich im Bett und schlug langsam die Augen auf. Ich erinnerte mich dunkel, dass ich bereits zum zweiten Mal an diesem Tag in dieser Situation war. Nachdem ich nach dem ersten Anfall, den ich gehabt hatte, aufgestanden war, um unter die Dusche zu steigen, hatte ich es gerade bis zur Tür zu unserem kleinen Badezimmer geschafft, ehe mich die Blitze, die durch mein Gehirn schossen, ein zweites Mal innerhalb weniger Stunden zu Boden schickten.
Ich blinzelte einige Male und versuchte die Schleier, die immer noch vor meinen Pupillen lagen, weg zu bekommen und schließlich schaffte ich es und mein Blick wanderte langsam durch den Raum.
Er blieb an Danas Gesicht hängen, die neben mir auf der Bettkante saß, meine Hand hielt und mich besorgt musterte.
"Hey." flüsterte ich, immer noch erschöpft, obwohl ich sicher war, dass ich einige Stunden geschlafen hatte.
"Hey." erwiderte sie.
"Wie fühlst du dich?" erkundigte sie sich und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Ich zuckte die Achseln, verzog jedoch im gleichen Moment, wie ich den Blitz aus Schmerz, der durch diese Bewegung durch meinen Arm gesandt wurde, registrierte, das Gesicht.
"Ich habe nachgedacht." sagte sie leise und ließ ihren Blick weiter über mein Gesicht wandern.
"Worüber?" wollte ich wissen.
"Fox, dieser Anfall war deutlich schlimmer als alle, die du bisher hattest. Und zwischen diesem und dem letzten lagen gerade mal vier Stunden. Das ist einfach zu schnell. Und zu heftig. Wir müssen etwas dagegen tun, und zwar schnell." versuchte sie mir zu erklären.
Ich nickte leicht, darum bemüht, keine zu großen Bewegungen zu machen.
"An was hast du gedacht?" fragte ich und zog meine Hand unter der Decke hervor, während ich mich schwerfällig auf den Rücken drehte.
"Wo hast du damals das Implantat für mich gefunden, als ich im Krankenhaus war?" wollte sie unvermittelt wissen.
"Das weißt du doch." erwiderte ich verwirrt und versuchte mich aufzurichten.
Sie drückte mich sanft wieder zurück und schüttelte ihren Kopf. Ich wusste nicht genau, ob sie ihn schüttelte, weil sie nicht wollte, dass ich mich aufrichtete, oder weil sie nicht wusste, wo ich dieses Ding in ihrem Nacken her hatte. Wahrscheinlich wegen beidem, denn sie sah mich mit hochgezogener Augenbraue an und meinte
"Nein, das weiß ich nicht. Du hast mir damals nur gesagt, dass du es gefunden hast, nicht ganz legal, wohl gemerkt, aber mehr nicht. Und ich habe nicht gefragt."
"Tatsächlich? Nun, ich habe es im Pentagon *gefunden*. Dort befindet sich eine große unterirdische Halle, in der Regale stehen, vollgepackt mit Karteikarten, Akten und verschiedenen Kästen in denen sich offensichtlich Heilmittel befinden. Aber warum fragst du?" Offenbar hatte mein Gehirn unter den Krämpfen bereits mehr gelitten, als ich angenommen hatte, denn ich war nicht in der Lage, ihren Gedanken zu folgen. Vielleicht war ich aber auch einfach nur zu erschöpft.
"Diese Männer, die damals diese Tests an mir durchgeführt haben, die mich an Krebs erkranken ließen, sind die gleichen Männer, die dir diesen Impfstoff gespritzt haben und dich anschließend dem schwarzen Öl ausgesetzt haben. Wenn es für meinen Krebs ein Heilmittel gab, wieso sollte es nicht auch für deine Anfälle eins geben?" teilte sie mir ihre Gedanken mit.
"Dana, diese Männer haben doch gar nicht geplant, dass ich diese Anfälle bekomme. Vermutlich wissen sie nicht einmal, dass so etwas aufgrund ihrer Tests geschehen kann. Wieso sollten sie also ein Mittel dagegen haben?" gab ich zu bedenken.
"Sie haben es an Max gesehen. Fox, es ist unsere einzige Chance. Ich werde mit Bill reden und versuchen die Jungs zu erreichen. Vielleicht finden sie eine Möglichkeit dort rein zu kommen und nach einem Heilmittel für dich zu suchen." erklärte sie und erhob sich langsam. Ich machte Anstalten mich ebenfalls zu erheben, doch sie schüttelte leicht den Kopf, als sie es sah.
"Bleib noch ein wenig liegen. Ich möchte nicht, dass du aufstehst, während ich nicht da bin." bat sie und ging langsam auf die Tür zu.
Ich zuckte die Achseln und lehnte meinen Oberkörper an die Wand hinter unserem Bett.
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Ich stand an der Reling und sah auf das tobende Meer hinaus. Die Wellen schlugen mit Macht an das Schiff, teilweise traten sie sogar über die Reling, doch ich genoss den Wind, der mir ins Gesicht blies und sog die frische Meerluft tief in meine Lungen.
Seit mehr als einer Woche waren wir bereits an Bord des Zerstörers, auf dem mein Bruder das Kommando führte.
Jeden Tag ging ich zu Bill und fragte ihn, ob er etwas von zu Hause gehört hatte, doch er konnte mich immer beruhigen. Seiner Familie und Mom ging es gut. *Die* hatten bisher noch nicht versucht, uns zu bestrafen, indem sie den Menschen, die wir liebten etwas antaten.
Vor wenigen Tagen hatte ich mit den Jungs gesprochen und ihnen meinen Plan mitgeteilt. Sie waren überzeugt, dass es klappen könnte und wollten sich darum kümmern. Eigentlich müssten sie bald mit dem Heilmittel für Fox, sofern es eins gab, hier eintreffen. Ich rechnete damit, dass es spätestens in den nächsten drei Tagen soweit sein würde.
Ich hoffte es. Fox Zustand war mehr als beunruhigend. Trotz hochdosierter Medikamente häuften sich seine Anfälle und nahmen sogar noch an Intensität zu. Er krampfte teilweise über drei Minuten oder länger, seine Pupillen waren während der Anfälle starr und anschließend schlief er über mehrere Stunden.
Auch jetzt lag der letzte Anfall gerade mal sechs Stunden zurück. Fox war vor etwa einer halben Stunde aufgewacht und ich hatte ihn gebeten, auf Joy acht zu geben, aber möglichst nicht aufzustehen. Es hatte sich nicht geändert, er krampfte nicht im Bett und solange er lag, war er sicher. Und ich musste einfach mal raus, an die Luft.
Natürlich, die Luft war eisig, teilweise schwammen riesige Eisschollen neben dem Schiff, aber ich brauchte einen klaren Kopf.
Joy hatte sich, wie ich es vermutet hatte, wieder beruhigt. Sie war nicht mehr so nervös, schlief wieder besser und wachte nicht mehr bei dem leisesten Geräusch auf.
Jedoch konnten wir beide merken, dass sie längere Wachphasen hatte, als in den ersten Wochen. Nun ja, unsere Tochter war etwas mehr als neun Wochen alt, und da war es ganz normal, dass sie schon mal eine halbe oder sogar eine ganze Stunde am Stück wach war.
Auch als ich eben nach meiner Jacke gegriffen hatte, hatte sie mich mit ihren großen, mittlerweile Haselnussfarbenen Augen angesehen und ein Lächeln hatte auf ihrem Gesicht gelegen. Ich hatte sie Fox in die Arme gelegt, ihm ein Spielzeug in die Hand gedrückt und war dann gegangen.
Ein Windstoß packte mich und ich musste mich mit aller Macht an der Reling festhalten, um nicht hintenüber zu fallen.
"Pass auf, dass du nicht über Bord geweht wirst." vernahm ich eine bekannte Stimme hinter mir. Ein wenig erschrocken drehte ich mich zu Bill um und sah ihn an. Er lächelte leicht und trat schließlich neben mich an die Reling. Seine großen Hände schlossen sich um das kalte Metall.
"Woher wusstest du, dass ich es bin?" wollte ich wissen und drehte mich ebenfalls wieder dem Meer zu.
"Keiner meiner Männer ist so klein wie du." erwiderte er und ich grinste leicht.
"Vielen Dank." meinte ich. Einen Moment lang war es still zwischen uns. Wir sahen beide auf die hohen Wellen, die gegen das Schiff schlugen.
"Wie geht es Mulder?" fragte Bill schließlich und wandte mir sein Gesicht zu. Ich zuckte die Achseln, während ich ihn musterte.
"Er hatte vor sechs Stunden einen Anfall und hat bis vor einer halben Stunde geschlafen. Ich hoffe, dass die Jungs bald kommen und ein Mittel mitbringen. Wenn das so weiter geht, weiß ich nicht, wie lange sein Gehirn und sein Körper diese Belastung noch aushalten." sagte ich und blickte auf eine Eisscholle, die gerade neben dem Schiff auftauchte.
"Scheiße!" fluchte Bill und ich nickte nur. Er hatte recht.
"Was wollt ihr tun, wenn wir wieder anlegen werden? Wir werden nicht ewig auf dem Schiff bleiben. In spätestens fünf Wochen werden wir in San Diego in den Hafen einlaufen." erkundigte mein Bruder sich.
Ich schüttelte leicht den Kopf.
"Ich weiß es nicht." gab ich flüsternd zurück, wohl wissend, dass er es nicht verstanden hatte, doch konnte er sich durch mein Kopfschütteln durchaus denken, dass wir nicht wussten, wie es weiter gehen sollte.
"Ich glaube, insgeheim warte ich immer noch auf ein Wunder. Oder darauf, einfach aufzuwachen und festzustellen, dass alles nur ein böser Traum war." sagte ich schließlich.
"Das wird nicht passieren, Dana und es wäre sicher gut, wenn ihr euch überlegen würdet, wie es für euch weiter gehen soll. Wir werden mit dem Schiff noch bis kurz vor Alaska fahren und dort einige Zeit bleiben. Wenn ihr es wollt, werden wir eine Möglichkeit finden, euch dort an Land zu bringen. Besprich diesen Vorschlag mit Fox und gib mir irgendwann bescheid." hörte ich Bill sagen und erhielt eine abwehrende Geste von ihm, als ich zu einer Erwiderung ansetzte.
"Nicht jetzt, Dana. Überlegt es euch in Ruhe. Von da aus habt ihr sicher andere Möglichkeiten euch abzusetzen."
Ich nickte langsam und wandte mich um, um wieder in unsere Kabine zu gehen.
#####
Die Jungs kamen am anderen Tag. Ich beobachtete, wie der Hubschrauber drei Versuche startete auf dem Schiff zu landen, ehe es endlich gelang. Rasch wurde die Tür des Helikopters aufgerissen und nacheinander sprangen Frohike, Byers und Langly hinaus und rannten geduckt auf mich zu.
"Scully, wir haben es geschafft. Wir haben ein Mittel gefunden." Langly kam direkt vor mir zum Stehen und strahlte mich glücklich an.
Ich merkte, wie mir erleichtert die Luft aus dem Lungen entwich, die ich vollkommen unbewusst angehalten hatte.
"Gott, Jungs, ich weiß wirklich nicht, wie ich das alles jemals wieder gut machen kann. Was ihr für uns getan habt. Ihr seid einfach großartig." erwiderte ich und kämpfte den Impuls nieder, meine Arme um Langly zu werfen.
"Ich wüsste da schon was!" vernahm ich Frohikes Stimme und blickte mit gerunzelter Stirn in sein Strahlendes Gesicht.
"Heißt das, du willst nicht?" sagte der Zwerg, mein Gesicht richtig deutend, und machte einen Schmollmund.
Ich entschloss mich, dieser Aussage keine Beachtung zu schenken und wandte mich statt dessen wieder an Byers und Langly.
"Wo ist es?" wollte ich wissen.
Byers griff in seine Jackentasche und zog eine kleine Ampulle heraus, die eine gelbe Flüssigkeit enthielt.
Ich nahm sie ihm ab und betrachtete sie eingehend.
"Wo ist er?" schrie Langly gegen den Wind an und ich deutet auf die Tür, die unter Deck führte.
Mit schnellen Schritten gingen wir gemeinsam darauf zu. Nachdem ich die Tür wieder geschlossen hatte, blickte Byers mich fragend an.
"Also, wo ist Mulder denn nun?" erkundigte er sich.
"Er schläft. Er hatte vor einer Stunde wieder einen Anfall." antwortete ich.
"Verdammt!" fluchte Langly. "Wie oft hat er sie?"
"Zu oft. In den letzten Tagen beinahe alle sechs Stunden. Es wird Zeit, dass er das Medikament bekommt." Ich deutete mit dem Kopf auf die Ampulle, die ich in der Hand hielt.
"Wir haben es analysiert. Zwar konnten wir nicht genau bestimmen, was das für ein Zeug ist, aber wir glauben nicht, dass es giftig ist." klärte Frohike mich auf. Ich nickte nur und machte mich auf den Weg in die Krankenstation, um eine Spritze zu besorgen.
Als ich auf die nächste Tür zuging merkte ich, dass die Jungs mir nicht folgten. Überrascht drehte ich mich um und sah sie fragend an.
"Wir müssen wieder. Wahrscheinlich vermissen die den Helikopter schon." Ein Grinsen erschien auf Langlys Gesicht.
"Wollt ihr damit sagen, dass ihr ihn...?" Ich ließ den Satz unvollendet und starrte die drei entsetzt an.
"Nun ja... ähm..., die Sache ist die..." stotterten alle drei vor sich hin und sahen auf den Boden.
"Ist schon gut. Sagt es nicht." murmelte ich und trat wieder auf sie zu. Nacheinander nahm ich jeden von ihnen in den Arm und drückte sie fest an mich.
"Danke!" flüsterte ich und die Jungs sahen wieder verlegen zu Boden.
"Gern geschehen. Wir werden sehen, was wir machen können, um euch eine Rückkehr zu ermöglichen." sprach Byers und schließlich verließen sie den Raum und traten wieder in den eiseigen Wind hinaus.
Ich machte mich auf den Weg, um eine Spritze zu besorgen und betrat nur wenig später unsere Kajüte.
Fox regte sich nicht, als ich leise die Tür hinter mir schloss und auch Joy, die ebenfalls ruhig schlief, wurde nicht wach.
Ich setzte mich zu Fox auf die Bettkante, nahm die Spritze und die Flasche mit der gelben Flüssigkeit und stach die Nadel durch den Deckel um die Spritze aufzuziehen. Nachdem die Spritze voll war, schob ich vorsichtig den Ärmel seines Pullovers hoch. Ein leichtes Klopfen auf seine Vene brachte sie deutlich zum Vorschein und ich stach vorsichtig die Nadel der Spritze hinein. Langsam drückte ich das Mittel, von dem ich hoffte, dass es ein Heilmittel für seine Anfälle war, in die Vene.
Nachdem ich die Spritze wieder entfernt hatte streichelte ich ihm behutsam eine Haarsträhne aus seiner Stirn und betete, dass das Mittel ihm tatsächlich helfen würde.
Nachdenklich musterte ich ihn, und beobachtete nur kurze Zeit später mit Entsetzen, wie aus seiner Nase, seinen Augen und seinen Ohren schwarze wurmförmige Dinger krochen, von denen ich wusste, dass sie das schwarze Öl waren. Sie blieben auf seinem Gesicht liegen, kaum, dass sie seinen Körper verlassen hatten und bewegten sich nicht mehr.
Es war tot.
#####
"Dana!" Bill kam auf Fox, der Joy fest an sich gepresst hatte, und mich zugelaufen und gestikulierte wild mit den Armen. Erstaunt sah ich ihm entgegen und wartete, dass er endlich bei uns ankam, wobei ich mich gegen den Wind stemmen musste, der über das Deck peitschte.
"Da ist jemand am Telefon, der euch sprechen will." erklärte er, als er endlich vor uns stand.
Fox trat unwillkürlich einen Schritt näher an mich heran, obwohl er sowieso schon sehr dicht bei mir stand. Seit beinahe zwei Wochen hatte er keinen Krampfanfall mehr gehabt, und obwohl er eigentlich von der Wirkung des gelben Mittels genauso überzeugt war, wie er es damals in Bezug auf das Implantat bei mir war, ging er doch nie weit von mir weg, aus Angst, von einem Krampf überrascht zu werden und dabei alleine zu sein.
Ich warf ihm einen Blick zu und zuckte mit den Achseln.
"Wer ist es?" fragte ich meinen Bruder.
"Ein Mann Namens Skinner. Ist das nicht euer Boss?" Ich merkte wie sich meine Augenbraue langsam zum Haaransatz hoch schob, während ich leicht nickte.
"Skinner? Was will er?" hörte ich Fox Stimme neben meinem Ohr.
"Ich weiß es nicht. Ich habe auch keine Ahnung, woher er weiß, wo wir sind." sagte ich kurz und knapp und entschied, dass ich es auch nicht erfahren würde, wenn ich weiter hier im Wind stehen bleiben würde.
"Ich werde mit ihm sprechen. Kommst du mit?" Ich blickte zu Mulder auf, doch Bill schüttelte leicht den Kopf.
"So viel Platz haben wir nicht." warf er ein und Mulder nickte leicht.
"Ich gehe in unsere Kajüte und lege Joy hin. Geh du und sprich mit Skinner." machte er mir verständlich und ich sah ihn unsicher an. Fox nickte mir jedoch auffordernd zu und so folgte ich schließlich Bill, der mich zur Brücke brachte, wo ich mit steifen Fingern nach dem Telefonhörer griff.
"Sir?" fragte ich leicht unsicher und sofort vernahm ich die vertraute Stimme unseres Vorgesetzten.
"Scully?" erkundigte er sich.
"Ja, ich bin es. Woher wissen sie, wo wir uns aufhalten?" stellte ich ihm gleich die erste Frage.
"Diese drei Chaoten, die Mulder häufig um Rat fragt, wenn er die neueste Verschwörungstheorie bestätigt haben will, haben mir gesagt wo ich sie finde. Wie geht es ihnen?" fragte er und ich musste mir bei der Beschreibung unserer drei Freunde ein Lachen verkneifen.
"Wir sind in Ordnung." sagte ich rasch.
"Hören sie, Scully. Es hat sich etwas ergeben. Ich habe keine Ahnung, was genau eigentlich geschehen ist, aber sie werden gemerkt haben, dass sie offenbar jemanden sehr verärgert haben. Die Anklage lautet Mord." begann er und ich wollte gerade ansetzten, um etwas zu erwidern, als der Assistent Director auch schon weiter sprach: "Ich weiß, dass das Quatsch ist. Aber es lässt sich nicht das Gegenteil beweisen. Ich konnte jedoch erreichen, dass die Anklage fallengelassen wird. Aber nur unter der Bedingung, dass sie beide beim FBI kündigen und Washington D.C. verlassen." meinte er und ich schluckte.
Washington verlassen? Aber warum, und wohin?
"Scully? Sind sie noch dran?" erkundigte Skinner sich.
"Ja. Ja, ich bin noch dran, Sir. Sagen sie, wer hat ihnen dieses Angebot gemacht?" wollte ich rasch von ihm wissen.
"Ein Mann, von dem ich denke, dass sie ihn beide kennen. Er gehört zu dieser Organisation hinter der sie und Mulder schon seit Jahren her sind." antwortete Skinner.
"Wer sagt uns, dass sie nicht im Hafen auf uns warten und sich holen, was sie wollen?" zweifelte ich.
"Die haben offensichtlich rausgefunden, dass ein Medikament für Mulder aus dem geheimen Lager entwendet wurde und brauchen Mulder offensichtlich nicht mehr." erwiderte unser Vorgesetzter. "Übrigens, wie geht es Mulder?"
"Gut, zumindest im Moment. Aber ich habe keine Ahnung, wie es in einem Jahr aussieht, oder in Zwei." meinte ich und fuhr mir mit der linken Hand in einer verzweifelten Geste durch die Haare. Ich wusste, das war unsere Chance, endlich wieder ein normales Leben zu bekommen, doch wusste ich nicht, in wie weit wir diesem Angebot trauen konnten.
"Warum müssen wir weg aus D.C.?" verlangte ich zu wissen.
"Sie sind einfach zu Nahe am Geschehen, wenn sie dort bleiben." war alles, was Skinner auf meine Frage antwortete. Natürlich war das nur eine Vermutung, aber ich musste zugeben, sie klang einleuchtend.
"Ich kann das nicht alleine entscheiden. Die X-Akten sind Mulders Leben. Kann ich sie später zurück rufen?" sagte ich schließlich.
"Tun sie das. Überlegen sie es sich in Ruhe. Ich hoffe nur, dass sie die richtige Entscheidung treffen." stimmte er zu.
"Bis später, Sir, und danke für die Nachricht." verabschiedete ich mich und auch Skinner verabschiedete sich.
"Was wollte er denn?" fragte Bill, als ich den Hörer aufgelegt hatte.
Ich schüttelte den Kopf und verließ die Brücke.
Nur fünf Minuten später betrat ich ein wenig ratlos unsere Kajüte. Fox saß auf dem Bett, neben Joy und hielt ein Spielzeug fest, wonach sie eifrig griff.
Gespannt blickte er mich an, als ich auf ihn zutrat.
Ich setzte mich ihm gegenüber und sah ihn ernst an.
"Was?" fragte er und seine Schultern sackten entmutigt nach vorne.
"Skinner hat ein Angebot bekommen, das uns betrifft." begann ich vorsichtig.
"Und? Wird er uns verraten?" Seine Stimme war rau und ich sah, wie er nervös schluckte. Deutlich konnte ich die Angst, dass er sich all die Jahre in unserem Vorgesetzten getäuscht haben könnte, in seinen Augen lesen.
Langsam schüttelte ich den Kopf.
"Nein, das ist es nicht. Wir haben die Möglichkeit endlich wieder ein normales Leben zu führen, aber nicht in D.C. und wir müssen beide beim FBI kündigen." klärte ich ihm über das Gespräch auf.
"Wer hat Skinner dieses Angebot gemacht?" verlangte Mulder zu wissen und zog erstaunt seine Augenbrauen hoch.
Ich musste leicht lächeln, als mir auffiel, dass ich beinah die selbe Frage gestellt hatte.
"Irgend jemand vom Konsortium. Ich weiß nicht wer, Skinner hat es nicht gesagt. Offensichtlich bist du wertlos für sie, jetzt wo wir das Heilmittel haben." gab ich wieder, was Skinner nur kurz vorher zu mir gesagt hatte.
"Woher wissen sie, dass wir es haben?" wollte Mulder erstaunt wissen.
"Ich weiß es nicht, Fox, aber offensichtlich haben sie es heraus gefunden, und sie wollen die Anklage auf Mord fallen lassen, wenn wir beim FBI kündigen." sprach ich und sah, dass er nachdenklich nickte.
"Als ich damals das Implantat gefunden habe, kam nur wenig später der Krebskandidat auf mich zu und gab mir zu verstehen, dass sie es mir überlassen hätten. Dass sie mich nicht aufgehalten hätten, obwohl sie es gekonnt hätten. Vielleicht war es hier genau so. Vielleicht hätten sie die Jungs aufhalten können, haben es aber aus irgend einem verdrehten Grund nicht getan." überlegte er laut.
"Was könnte das für ein Grund sein?" wollte ich wissen. Ich fuhr mir mit den Händen über das Gesicht und warf Joy einen Blick zu, die glücklich an ihrem Stoffigel saugte.
"Ich weiß es nicht. Vielleicht wollen sie noch irgend etwas anderes von uns, vielleicht haben sie auch einfach die Schnauze voll. Ich habe keine Ahnung, aber ich denke, wir sollten die Chance nutzten, die sich uns bietet." antwortete Mulder und ging vor mir in die Hocke.
"Du willst wirklich die X-Akten aufgeben? Bist du dir da ganz sicher?" fragte ich verblüfft.
"Dana, du und Joy, ihr bedeutet mir so viel mehr als diese Akten. Ich will nicht, dass ihr euer Leben lang auf der Flucht seid, nur weil ich diese Akten nicht aufgeben kann. Ich würde es mir nie verzeihen, wenn euch etwas zustoßen würde. Lass uns das Angebot annehmen. Wir kündigen beim FBI und gehen weg von D.C.. Wir können nach San Diego gehen, wenn du möchtest, dann sind wir bei deinen Brüdern." meinte er sanft und streichelte eine Haarsträhne hinter mein Ohr.
"Nein, nicht San Diego. Nicht Kalifornien. Lass uns irgendwo anders hingehen. Wir finden schon was." erwiderte ich und griff nach seiner Hand.
"Gut, dann nicht Kalifornien. Was hältst du von Oklahoma?" fragte er und ich nickte leicht. Warum nicht. Oklahoma war so gut wie alle anderen Staaten.
"Oder lieber Louisianna? Möchtest du gerne am Meer leben, Dana?" überlegte er. Ich lächelte, denn ich wusste genau, dass *er* gerne am Meer leben würde. Schließlich war er auf einer Insel aufgewachsen und ihm bedeutete das Meer sehr viel. Sicher, ich war auch am Meer aufgewachsen. Wir waren von einer Marine-Basis zur nächsten gezogen, und alle hatten sie am Meer gelegen, doch verband ich mit dem Meer immer Verlust, denn mein Vater war oft Monatelang nicht zu Hause gewesen und hatte die Zeit auf dem Meer verbracht. Trotzdem, es wäre schön am Meer zu leben.
"Louisianna klingt toll." antwortete ich und fuhr ihm mit gespreizten Fingern durch die Haare.
"Also wirst du Skinner bescheid geben? Wir werden beim FBI kündigen und uns in Louisianna ein nettes kleines Haus kaufen. Ich werde an einem Collage Psychologie oder über die Wissenschaft paranormaler Phänomene unterrichten und du..." Er sah mich nachdenklich an und ich legte meinen Kopf schief, neugierig, was er für mich geplant hatte.
"Willst du zu Hause bei Joy sein, oder willst du in einer Klinik arbeiten? Oder willst du unterrichten?" fragte er schließlich.
Ich lachte leise.
"Ich bin mir nicht sicher. Tatsächlich würde ich gerne unterrichten. Das würde mir gefallen, zumindest für eine gewisse Zeit. Wir werden sehen, was sich ergibt." sagte ich und erhob mich.
"Ich werde Skinner anrufen und ihm mitteilen, wie wir uns entschieden haben. Ich hoffe, dass wir damit keinen Fehler machen, dass wir nicht in eine Falle tappen." erklärte ich. Fox zuckte die Achseln. Er konnte diese Fragen, die mich belasteten auch nicht beantworten, doch ich wusste, er hatte recht. Wir konnten nicht ewig fliehen. Und ich hoffte, dass wir uns auf Skinners Hilfe und auf die der Jungs verlassen konnten, wenn es wirklich eine Falle sein sollte.
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Ich ging den schmalen Weg auf unsere Haustür zu, leise summend und in Gedanken bei einem kühlen Glas Eistee, das ich mir gleich auf der Terrasse gönnen würde. Dana und Joy würden sicher schon zu Hause sein und auf mich warten. Seit einem halben Jahr lebten wir nun in einem hübschen Haus in Weeks, Louisianna.
Es war heiß, mindestens dreiunddreißig Grad im Schatten, und Joy würde sich über ein kühles Bad in dem Pool, der zu unserem Haus gehörte sicher freuen. Vielleicht würde Dana sich zu uns gesellen und wir könnten, nachdem Joy und ich uns abgekühlt hatten noch eine kleine Runde zusammen im Wasser drehen.
Ich kramte nach meinem Haustürschlüssel und steckte ihn schließlich unter einigen Schwierigkeiten ins Schloss. Ich war so vollgepackt, denn für den Unterricht musste ich immer einen Haufen Zeugs mitnehmen.
Ächzend gab ich der Tür mit meinem Fuß einen Stoß, so dass sie hinter mir wieder ins Schloss fiel und ich lud die Bücher, die ich auf den Armen balancierte mit einem Krachen auf der kleinen Anrichte im Flur ab.
Ich wusste, Dana würde ihr Gesicht verziehen, angesichts der Unordnung, die ich machte, doch das störte mich im Augenblick wenig. Ich wollte nur noch raus, in meinen Liegestuhl, mit einem kühlen Getränk.
Nachdem ich die Post neben meinen Büchern aufgehoben hatte, Dana hatte die Angewohnheit, den Briefkasten zu leeren und die Post dann dort liegen zu lassen, bis ich sie nahm und durchsah, machte ich mich auf dem Weg durch unser Wohnzimmer in Richtung Küche.
Doch noch ehe ich die Tür zur Küche erreicht hatte, blieb ich wie angewurzelt stehen und blickte auf den beleibten Mann, der in einem unserer Sessel saß und mich grinsend ansah. Gott, ich hatte wirklich gehofft, ihn nie wieder sehen zu müssen.
"Mr. Mulder. Schön sie zu sehen." Er erhob sich und trat einen Schritt auf mich zu.
"Wo ist meine Frau?" verlangte ich zu wissen und sah mich wild im Wohnzimmer um.
"Ja, mir ist zu Ohren gekommen, dass Miss Scully und sie im Frühjahr geheiratet haben." meinte mein Gegenüber und lächelte noch immer.
"Dana?" rief ich und merkte, wie ich panisch wurde.
Ich bekam keine Antwort auf meinen Ruf.
"Bring sie rein." hörte ich wieder die kalte Stimme unseres ungebetenen Gastes und mein Magen krampfte sich zusammen, als mir klar wurde, was das bedeutete. *Die* hatten sie.
Tatsächlich trat nun ein großer, normal proportionierter Mann mit ausgedünntem blondem Haar und Bart aus der Küche und schob meine Frau vor sich her.
Dana hatte Joy an sich gedrückt und ihr Gesicht wirkte angespannt, was sicherlich an der Waffe lag, die sich in ihre Rippen bohrte.
Ich musterte sie eingehend, versuchte herauszufinden, wie es ihr ging, und konnte erleichtert feststellen, dass ihr nichts geschehen war.
"Was wollen sie?" fragte ich und wandte mich wieder dem dickeren Mann zu. Als er mir antwortete, fielen mir wieder einmal die schlechten Zähne auf, die mir entgegenstarrten.
"Wir wollen etwas von ihrem Blut." erklärte er. Ich runzelte die Stirn.
"Warum?" wollte ich wissen.
"Weil sie die Angewohnheit haben, zu verschwinden bevor wir mit unseren Untersuchungen fertig sind. Und es befindet sich etwas in ihrem Blut, was wir dringend brauchen." gab er zurück.
"Es befindet sich gar nichts in meinem Blut. Ich habe ein Gegenmittel bekommen und ihr schwarzes Öl hat sich daraufhin aus dem Staub gemacht." entgegnete ich.
"Das mag sein. Aber etwas in ihrem Blut geht anders mit dem Öl um, als es bei anderen Personen zu beobachten war. Und wir würden gerne wissen, warum." gab mir der Mann, dessen Namen ich nicht kannte, zu verstehen. Ich wusste nur, dass er sogar noch über dem Krebskandidaten gestanden hatte, in der Hierarchie des Konsortiums.
"Und was ist, wenn ich mich weigere?" erkundigte ich mich und warf einen Blick zu Dana und unserer Tochter rüber. Joy verfolgte das ganze mit einem großen Interesse und verzog nun, obwohl sie mit ihren neun Monaten noch kein Wort verstand das Gesicht und begann zu weinen. Schon öfter war mir aufgefallen, was sie für ein feines Gespür für Stimmungen besaß. Und sie reagierte sofort darauf, wenn die Stimmung schlecht war.
Verzweifelt versucht Dana sie zu beruhigen und wippte sie auf ihrem Arm leicht hin und her.
"Dann wird ihre Frau gleich ziemlich unangenehme Schmerzen haben." bekam ich die Antwort auf meine Frage.
Ohne noch ein Wort zu sagen, rollte ich meinen Ärmel hoch und trat auf den Mann zu.
"Fox!" rief Dana erschrocken aus, doch ich warf ihr nur einen kurzen Blick zu. Ich wusste, dieser Blick hatte ausgereicht, um ihr zu sagen, dass sie ruhig bleiben sollte.
"Wie viel Blut werden sie brauchen?" Ich blieb vor unserem Kontrahenten stehen.
"Zwei Liter werden reichen, denke ich. So können wir ein neues Projekt starten." erwiderte er, und ich konnte Dana im Hintergrund japsen hören.
"Sie sind verrückt. Zwei Liter sind viel zu viel." mischte Dana sich ein und wollte einen Schritt auf uns zu gehen, doch der Mann mit der Waffe, der hinter ihr stand, hielt sie zurück.
"Mrs. Mulder, ich bitte sie. Sie sind Ärztin und wissen, dass man für eine vernünftige Forschung schon einiges an Material benötigt. Und wenn wir damit arbeiten wollen, brauchen wir mehr. Er wird es überleben. Das ist doch immerhin etwas oder?" Wieder lächelte der beleibte Mann kalt und entblößte dabei seine braunen Zähne.
Ungläubig schüttelte Dana ihren Kopf und ich ging langsam auf das Sofa zu.
"Also, worauf warten sie noch? Bringen wir es hinter uns, damit sie endlich unser Haus verlassen können." meinte ich, während ich mich hinsetzte.
"Da wir ja eine Ärztin da haben, schlage ich vor, dass sie die Blutentnahme vornehmen. Mein Kollege wird sich in der Zwischenzeit um ihr Kind kümmern." Der beleibte Mann wandte sich Dana zu, die erschrocken den Kopf schüttelte.
"Wagen sie es nicht, unser Kind anzurühren." fauchte sie und sie drückte Joy instinktiv fester an sich.
Sofort bohrte sich der Lauf der Waffe fester zwischen ihre Rippen und auch der Griff um ihrem Oberarm wurde stärker. Scully verzog ängstlich das Gesicht und warf mir einen hilflosen Blick zu.
Langsam löste der Mann, der hinter ihr stand, den Griff um ihren Oberarm wieder und langte nach Joy. Dana wandte sich ab, schob schützend ihren Körper vor unsere Tochter.
"Hören sie auf mit diesen Mätzchen und tun sie endlich was wir erwarten. Dann wird ihnen nichts zustoßen. Und ihrem Baby auch nicht." sagte der dickere Mann wieder.
"Dana, tu was er sagt. Nimm mir das Blut ab und dann werden sie einfach wieder verschwinden." bat ich sie leise.
"Fox... wir reden hier über zwei Liter. Das ist verdammt viel Blut." protestierte sie. Ich nickte.
"Setz Joy hier in ihren Stuhl und mach es. Bitte." sagte ich sanft. Ihr Blick bohrte sich in meinen und ich konnte die Angst deutlich darin erkennen.
Langsam setzte sie sich dennoch in Bewegung, ein Nicken von dem Anführer der Untergrundgruppe, zeigte dem anderen Mann, dass er ihr folgen sollte.
Der beleibte Mann ging zu Joys Stuhl hinüber und brachte ihn zum Sofa. Zögernd setzte Dana unsere Tochter dort hinein und gab ihr eines ihrer Spielzeuge in die Hand. Der größere Mann stellte sich hinter unser Baby und ich wusste, wenn wir nicht taten, was sie erwarteten, dann würde Joy leiden müssen.
Offenbar war das auch Dana klar, denn sie seufzte schwer.
"Leg dich hin. Vermutlich wirst du das Bewusstsein verlieren." meinte sie und holte einige Kissen und eine Decke heran.
"Wo sind die Sachen? Spritze, Desinfektionsmittel und Beutel?" wandte sie sich an den dickeren Mann.
Dieser deutete auf eine Tasche, die neben dem Sofa stand. Ich hatte sie bisher noch nicht gesehen.
Zwei Minuten später hatte sie die Nadel und die Einstichstelle auf meinem Arm desinfiziert und stach die Nadel vorsichtig in meinen Arm.
Geduldig sah sie zu, wie der Beutel sich langsam füllte. Als der erste Beutel voll war, griff sie nach dem Nächsten und wechselte sie rasch aus.
Ich wusste nicht, wie lange ich schon hier lag und der wievielte Beutel eigentlich mittlerweile an meinem Arm hing, als ich merkte, dass mir kalt wurde und ich mein Blut in den Ohren rauschen hörte. Die Decke verschwamm vor meinen Augen und auch ein heftiges Blinzeln machte sie nicht wieder scharf.
"Dana... ich…" begann ich einen Satz, schaffte es jedoch nicht ihn zu beenden.
"Sscht. Ganz ruhig, Fox. Mach die Augen zu. Du wirst gleich wieder aufwachen. Keine Angst." flüsterte sie mir ins Ohr und streichelte mir sanft durch die Haare. Gehorsam tat ich, was sie sagte und schloss meine Augen. Gut, die Decke drehte sich nicht mehr.
Nur noch entfernt nahm ich wahr, dass jemand meine Beine anhob, ich nahm an es war Dana, und mir einige Kissen darunter schob. Dann glitt ich in die gnädige Bewusstlosigkeit.
Langsam schlug ich meine Augen wieder auf und blinzelte. Sofort erkannte ich Danas Gesicht über mir. Sie musterte mich besorgt und ich versuchte ein beruhigendes Lächeln zustande zu bringen.
"Eigentlich wollte ich ja mit dir und Joy in den Pool hüpfen und einen Eistee auf der Terrasse trinken. Irgendwie glaube ich allerdings nicht, dass ich dazu jetzt in der Lage bin." nuschelte ich und zauberte damit ein leichtes Lächeln auf ihr Gesicht.
"Nein, das schätze ich auch. Wie fühlst du dich?" erwiderte sie.
"Um zwei Liter leichter." scherzte ich und sie stupste mich sanft an der Schulter an.
"Ich habe hier etwas zu trinken für dich. Warte ich helfe dir dabei. Du solltest noch nicht wieder sitzen." sagte sie schließlich.
Sie half mir dabei, das Glas an meine Lippen zu setzen und hob leicht meinen Kopf an. Dankbar trank ich einige Schlucke und verzog dann mein Gesicht.
"Was ist das?" verlangte ich zu wissen und schob ihre Hand mit dem Glas zur Seit.
"Ich habe eine Tablette aufgelöst, die einige wichtige Dinge für deinen Körper enthält. Sie hilft dir, dass Blut schnell nachzubilden. Also trink es einfach." meinte sie und brachte das Glas wieder an meine Lippen.
"Gott, das schmeckt ja widerlich." stöhnte ich, nachdem ich das Glas leergetrunken hatte.
"Hast du jemals Medizin getrunken, die gut schmeckt? Frag Joy, selbst die weiß, dass es die nicht gibt, obwohl sie noch so klein ist." lächelte Dana und gab mir einen sanften Kuss auf die Nase.
Ich grinste und hob meinen Kopf, um unsere Tochter ansehen zu können, die mich mit offenem Mund anstrahlte.
Offenbar hatten meine beiden Frauen das geübt, während ich bewusstlos war.
"Wie war dein Tag heute?" erkundigte ich mich bei meiner Frau, nachdem ich meinen Kopf erschöpft wieder auf dem Kissen abgelegt hatte.
"Ach weißt du, so wie immer eigentlich. Der Mann, den ich sehr liebe, hat sich in Gefahr gebracht, weil er aus irgendeinem, mir vollkommen unbekannten Grund, an Größenwahnsinn leidet und glaubt, dass er unverwundbar ist, und ich musste mich in Schadensbegrenzung üben und ihn retten." erklärte sie.
"Was?" Ich sah sie entsetzt an. Größenwahnsinn? Was sollte das denn bedeuten.
Doch sie hatte sich dazu entschieden nicht weiter mit mir darüber zu diskutieren und beugte sich stattdessen zu mir runter und gab mir einen langen, liebevollen Kuss.
Wenn ich ehrlich sein sollte, dann hatte ich darauf spekuliert. Alle Fragen, die mich eben noch beschäftigt hatten, wie zum Beispiel >>was wollten diese Kerle eigentlich genau mit meinem Blut machen<< verschwanden aus meinem Gehirn und tief in mir wusste ich, es war mir egal, solange sie nie wieder hier auftauchen und mich und meine Familie belästigen würden.
Ich wusste nicht warum, aber ich war mir ziemlich sicher, dass wir jetzt endlich Ruhe vor dem Konsortium hatten.
Ich hoffte es, denn ich hatte mich verdammt schnell an das ruhige Familienleben mit Dana und Joy gewöhnt, und um nichts auf der Welt wollte ich das wieder hergeben.
Ihr merkt, der Schluss ist wieder Mal etwas kitschig geworden. Aus irgendeinem Grund kriege ich das nicht anders hin.
Ich würde mich über Feedback (Anmerkungen, konstruktive Kritik und natürlich Lob) wirklich sehr freuen.
APGAR-Test: Das ist ein Test, der direkt nach der Geburt, fünf und zehn Minuten nach der Geburt (also drei Mal) bei dem Säugling durchgeführt wird.
A steht für Atmung
P für Puls
G für Grundtonus
A für Aussehen
R für Reflexe
Die Kinder können bis zu zehn Punkte erreichen, und so wird schon mal grob geschaut, ob sie in Ordnung sind.