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Abyss
Manu
Kainz2@gmx.at
Scully POV
PG-13
keine
Gehören nicht mir sondern CC, Fox.
Nach Mulders Beerdigung trifft Scully in ihrer Verzweiflung und Trauer eine katastrophale Entscheidung. Doch dann geschieht etwas, das sie an ihrer Wissenschaft zweifeln lässt. Wird sie dadurch wieder auf den rechten Weg geleitet oder bestimmt doch der Abgrund ihr Schicksal?



Abyss


Dunkle Wolken ziehen auf - verhüllen die letzen wärmenden Strahlen der Sonne. Der letzte Funke des Lichts ist verschwunden, konnte der Dunkelheit nicht länger Einhalt gebieten. Alle Wärme und Liebe wich und zurück bleibt bloß Kälte und Dunkelheit.
Nichts scheint es mehr wert zu sein, weiter auf dieser kargen, dunklen und lieblosen Welt zu bleiben. Jede Freude und jedes Fünkchen Glück ist meinem Geist entflohen, flüchtete sich an bessere, liebendere Orte. Kummer und Trauer sowie auch Angst und Hass vernebeln meinen Geist, drüben meine Sinne. Wo ist das Licht nur hin? Wo ist die Liebe und Wärme, die ich im Hintergrund doch immer wahrzunehmen vermochte?

Doch ehe ich diese Gedanken zu Ende denken kann, ist mir die Antwort längst bewusst. Sie sind weg - mit ihm gegangen.

Ich habe ihn entgültig verloren und mit ihm einen Teil von mir. Freude, Glück, Hoffnung und Liebe waren für immer mit ihm entschwunden, mir einfach entrissen worden, ohne mein Wohlwollen. Doch nun ist alles egal, was würde es noch bringen, es würde hier und jetzt sowieso enden. Ich will und kann so nicht weiter machen, nicht weiter diesen endlosen Weg beschreiten, den Weg den wir so lange von den schweren Steinen und Felsen befreit hatten und uns immer weiter vorankämpften. Ohne ihn habe ich keine Kraft mehr diese Dinge, die mir vor kurzem noch so leicht und gewichtlos erschienen, zu beseitigen.
Der Weg ist für mich nun vom Nebel umschlungen, Nebel, der mir den weiteren Verlauf des Weges erschweren oder gar verhindern würde. Doch es ist mir gleich - egal was weiter mit dem Weg geschehen wird, wer ihn weiter beschreiten wird, ich weiß, ich werde ihn nie wieder betreten.
So verliert er für mich alle Bedeutung, denn nur mit ihm ist es wert, weiter zu gehen, nicht aufzugeben. Er gab mir immer Mut - mit seiner Zuversicht und seiner Aufgeschlossenheit schaffte er es oft mühelos voranzukommen - und auch wenn es mal nicht weiter ging, und etwas den Pfad versperrte, so verlor er nie seinem Glauben; den Glauben daran es zu schaffen, wie weit der Weg auch noch sein würde.
Doch hier ist mein Weg zu Ende. Zu sehr schmerzt der Gedanke, mich ewig in dieser lieblosen Welt weiterzubewegen - ohne ihn - ohne meinen Antrieb, meine Kraftquelle. Zu verbunden fühle ich mich ihm - dem gespannten Faden, der uns noch immer zwischen den Welten verbindet - standzuhalten. Und es ist mir bewusst, würde der Faden entgültig reißen, so würde auch ich in Tausend Stücke zerspringen, mein Geist für immer in ruheloser Besinnungslosigkeit versinken.

So bin ich geradewegs gezwungen, dem ein Ende zu setzen, meinen Geist ebenfalls seiner Bestimmung, der Freiheit freizugeben, wieder mit ihm in Verbindung zu setzen - in einer ewigen Verbindung, deren Ende durch nichts erfolgen kann.
Zum ersten Mal bin ich mir auch gewiss, das richtige zu tun, mit Zuversicht sagen zu können, dass ich nichts Falsches tun werde, so wie auch er es immer tat.

Desolat starre ich auf meine Kette in der Hand, die ich abgelegt hatte. Fast mein ganzes Leben über hat sie mich begleitet, mich beschützt. Sie war immer mein Talisman - mein Hoffnungsschimmer in der Not und meinen Verbindung zu Gott. Doch nun kann selbst sie nichts mehr bewirken - meine wunde Seele heilen.

Ich kehrte wieder an den See zurück, an dem Ort an dem wir fast die ganze Nacht auf einem Felsen am seichten Rand verbracht hatten. Dort, wo ich auch meinen Queegqueg verloren hatte.
So stehe ich nun hier am Abgrund, verlassen und allein. Nie hatte ich diese Möglichkeit auch nur in Betracht gezogen, hier mal zu stehen. Doch alles hatte sich verändert. So sehe ich keine andere Möglichkeit mehr als das zu tun, wofür ich hier her gekommen bin.
Ich schließe meine Augen, lasse den Wind, der dem Steilhang entlang weht, durch meine Haare wehen, lausche den Geräuschen um mich herum und lasse meinen Geist treiben.
Doch dann höre ich eine Stimme dicht hinter mir - fern und zugleich nah ruft sie meinen Namen.
Schlagartig öffne ich meine Augen, da ich erkannt habe, dass es die Stimme meines Partners ist, die Stimme von Mulder.
Ich drehe mich sogleich um und muss erkennen, dass niemand da ist, ich mich wohl doch getäuscht haben muss.
Wieder trete ich an den Rand des Abgrunds; meines Lebens, fest entschlossen und gewiss das jetzt zu Ende zu bringen. Doch warum kommen in mir plötzlich Zweifel auf? Warum fühle ich mich plötzlich so, als würde ich den falschen Weg einschlagen, eine falsche Entscheidung treffen? Lässt mich etwa diese Stimme zweifeln, eine Erscheinung, die doch nur meiner Fantasie entsprungen und nicht real zu sein scheint?
Doch dann höre ich sie wieder - wie sie leise und besorgt meine Namen ruft. Und diesmal spüre ich auch eine tiefe endlose Wärme um mich, wie sie mein Herz und meinen Geist berührt.

Er ist es!! Es ist Mulder. Oder bilde ich mir das nur ein; nein, ich weiß was ich gehört habe.

Er scheint mich zu rufen, sich sehnend an mit wendend - mich schon erwartend! Ich bin doch schon bereit, bereit alles hinter mir zu lassen, mich in die Arme des Ungewissen, der Hoffnung zu begeben um an den Ort zu gelangen, an dem du schon weilst. Ich endlich wieder bei dir sein kann und Glück und Freude zu mir zurückfinden.
"Dana, bei meiner Seele, meinen Geist, du darfst das jetzt nicht tun! Die Zeit, in der wir wieder zueinander finden, wieder vereint sein werden, ist noch nicht gekommen. Doch glaub mir, sei dir gewiss, sie wird kommen. So höre auf mich und geh unseren Weg weiter, denn das letzte was ich will ist, dass der Weg, den wir uns so hart erkämpft haben, der unser ganzes Leben bestimmt hat, unpassierbar wird und "sie" gewonnen haben. Denn dann war mein ganzes Leben umsonst und all das, was wir für die Wahrheit geopfert haben vergebens.
Und außerdem, wer soll sonst meine Fische füttern?"
Doch ich kann die Stimme nicht lokalisieren - höre sie überall. Tränen wandern meine Wangen hinunter und ich kann es nicht glauben was gerade zu geschehen scheint.
Doch plötzlich - sich drehend und umschauend rutsche ich unerwartet aus und fliege über die Kante in die Schlucht. Doch jetzt erst erkenne ich, dass es falsch ist und ich einen großen Fehler begangen habe - der jetzt wohl nicht mehr zu verhindern ist. Wie sehr wünsche ich diesen Tag von neuem beginnen zu können - neue, bessere Entscheidungen zu treffen und keinen so schrecklichen Fehler zu begehen. Doch nun scheint alles zu spät zu sein. Sekunden werden zu Stunden und Stunden zu Tage - mein Leben scheint an mir vorbei zu ziehen und dann wird auch noch meine Kette durch den Windstoß aus meiner Hand geschleudert, und die ich nicht mehr zu erreichen vermag. Nun ist wirklich alles zu Ende.
Dann schlage ich hart auf einem kleinen Vorsprung auf, den ich zuvor, als ich runterblickte gar nicht bemerkt zu haben schien und dann umschlingt mich eine tiefe Dunkelheit.

Langsam öffne ich meine Augen und blicke mich um. In scheine in einer kleinen Hütte zu sein und liege in einem Bett, dessen Laken schon etwas zerfetzt sind. Die Hütte ist nicht besonders groß und nur einfache, lebensnotwenige Dinge liegen herum, sowie Töpfe, ein Messer und ein paar Teller, die schon ziemlich alt wirken. Ich richte mich auf und versuche aufzustehen, doch da ertönt plötzlich eine Stimme: "Na, schon wach? Ich frage mich wahrhaft, was eine so hübsche junge Dame da oben zu suchen hatte." sagt ein älterer Mann lachend, der gerade die Hütte betreten hat. Er hatte schon fast eine Glatze und sein dicker, grauer Schnurrbart kräuselte sich, als er lachte.
"Äh, bitte was?", gebe ich etwas verwirrt zur Antwort.
Wo bin ich bloß und was ist geschehen?
Langsam kommt die Erinnerung zurück.
"Ich habe sie dort oben gefunden, bewusstlos am Boden liegend auf einem kleinen Vorsprung. Ich frage mich was sie da oben wollten, es ist gefährlich da oben und nicht gerade ein guter Platz zum Ausruhen." sagt er jetzt schon etwas ernster.
Ich stehe auf und bemerke, dass ich meinen Mantel mit dem Dienstausweis und die Pistole nicht bei mir habe.
"Wo ist mein Mantel und meine Pistole?"
"Ich..."
"Hören Sie, ich bin FBI-Agentin und dienstlich hier. Ich bin Ihnen dankbar, dass Sie mir geholfen haben, aber geben Sie mir jetzt meinen Mantel und meine Waffe zurück!" unterbreche ich ihn.
Wortlos geht er zu einem Schrank, holt meine Jacke und meine Pistole heraus und reicht sie mir etwas pikiert.
Dann gehe ich schweigend aus der Hütte und denke über mein weiteres Handeln nach.
Inzwischen kann ich mich bereits wieder an alles erinnern - was ich beinahe getan hätte.
Ich frage mich, ob das alles nur ein Traum gewesen ist oder ob es real war. Hat Mulder wirklich zu mir gesprochen?
Ich greife an meinen Hals, versuche mein Kreuz zu finden, doch es ist nicht da. Ich muss es wirklich verloren haben, als ich in die Schlucht stürzte.
Betrübt komme ich zu dem Entschluss, dass ich das alles nur geträumt zu haben scheine - ich einsehen muss, dass Mulder tot ist und er demnach auch nicht zu mir sprechen kann, auch nicht durch ein "Astralwesen", oder wie er es genannt hätte. Das war meine wissenschaftliche Erkenntnis.
So gehe ich zurück zu meinem Auto, dass ich unten am See geparkt hatte und fahre nach Hause. Während ich so nachdenke kommt mir mein Vorhaben bestürzend und furchtbar dumm vor. Versuche mir einzureden, dass ich unter Drogen oder einem Halluzinogen stand, ich nicht ich selbst war, doch vergebens. Ich muss einsehen, dass dieser unüberlegte Gedanke doch meinem Geiste entsprungen war. Meinem geschwächten und betrübten aber doch wachen Geiste.
Zu Hause endlich angekommen öffne ich die Türe und werfe mich erschöpft auf mein Bett.
In Gedanken versunken schaue ich an die Decke, doch dann wandert mein Blick unwillkürlich zu meinem Nachtkästchen.
Fassungslos und verwirrt starre ich auf meine Kette mit dem Kreuz, wie sie daliegt, so als läge sie schon immer hier, hätte es nie einen anderen Platz für sie gegeben.
Dann blicke ich geradeaus auf Mulders "I want to believe" Poster, das ich mir als Andenken nach seinem Tod an meiner Wand angebracht hatte und muss einsehen, dass es doch übernatürliche Dinge geben muss, Dinge die unsere Vorstellungskraft bei weitem übersteigen und deren Existenz wir immer zu leugnen versuchen.
Und wieder erfüllt mich diese unsagbare Wärme und ich fühle seine Aura, so als läge er direkt neben mir, als könne ich seinen Atem in meinem Nacken spüren und er würde mich jeden Moment anlächeln und sagen: Ich liebe dich!
Und seit langem erfüllt mich dieser Gedanke wieder mit Freude und Hoffnung und sogar ein Lächeln wandert über mein Gesicht, bevor ich meine Augen schließe und beruhigt einschlafe.

ENDE