Disclamer ( Dimenti ): Die Charaktere Mulder und Scully gehören Chris Carter und 1013 Productions, diese Geschichte möchte
das Compyright nicht verletzten.
Genauso ist das Lied 10 kleine Negerlein nicht meines und irgendwo habe ich ansatzweise die Story von Aghata Christie
"geklaut".
Autorengelaber: Ich hoffe, euch wird diese Geschichte gefallen... Irgendwie hat sie was Lustiges, aber es ist auch eine
MSR. Also wer nicht möchte, daß Mulder und Scully zusammenkommen, sollte dies hier lieber nicht lesen...
Würde mich freuen, wenn ihr mir schreibt, wie ihr sie findet :) SFrahm500@aol.com
10 kleine Negerlein
"Bringen Sie uns bitte noch eine Flasche dieses köstlichen Weines, Herr Ober?!" fragte Mister Morris halblaut mit einem
Nicken in Richtung Küche den Ober. Als dieser eine zustimmende Kopfbewegung machte, drehte sich Morris wieder zu seinen
Gästen. Er war schon "leicht" angetrunken. Warum mußte dieser Wein doch auch so verdammt gut schmecken?! Aber was ist schon
dabei, ein leidenschaftlicher Weintrinker zu sein! Was soll's, dachte er und fing schon leicht grölend wieder an, sich in
das Gespräch der anderen einzumischen.
"... So ist's! Ich sage immer: Ein Sportwagen kann von mir aus jede Farbe haben, wenn es nur rot ist!" verkündete Morris
laut, als der Kellner die bestellte Weinflasche mit einem überlegenen Seitenblick auf diesen auf den Tisch stellte. Nach
dem Öffnen schenkte er die unhöflich hingehaltenen Gläser voll und entfernte sich wieder vom Tisch. Als Morris gerade sein
Glas erhob, um einen weiteren Schluck zu trinken, hielt er plötzlich inne und lauschte. Die anderen, nun aufmerksam
gewordenen Gäste blickten ihn verwundert an. Er fing sich auch den Blick des einzigen anderen Besuchers des Lokals ein. Es
war ein gut gekleideter, wichtig aussehender Herr mit auffällig angegrautem Schnurrbart.
"Hören Sie das Lied meine Herren? 10 kleine Negerlein. Mein Lieblingslied als Kind!" grölte er zu seinem Tischnachbarn
gewandt. "Machen Sie das wohl etwas lauter der Herr?" schrie er nun in Richtung des Kellners. "Warten Sie, daß kann ich
noch!" Als wenige Sekunden später die Vormelodie verklungen war, die erste Strophe anfing und die Musik lauter wurde, stand
Morris lachend auf und fing mit wilden Gesten an zu singen.
"10 kleine Negerlein... die tranken ein Glas Wein! Das erste, das verschluckte sich, da waren's nur noch neun! Neun
kleine Negerlein, die schliefen in der Nacht... eines wachte nicht mehr auf, da waren's nur noch acht. Acht kleine
Negerlein, die suchten Rote Rüben. Eines blieb allein' zurück, da waren's nur noch sieben. Sieben kleine Negerlein, die
trafen eine Hex'. Sie winkte einem mit der Axt, da waren's nur noch sechs! Sechs kleine Negerlein die gingen ohne Strümpf'.
Eines auf die Schlange trat, da waren's nur noch fünf! Fünf kleine Negerlein, die irrten in der Tür. Eines in die Falle...
fiel, da w-waren's nur noch vier! V-Vier kleine Negerlein, die hörten das Geschirei. Der Möwen und sie folgten ihm, da
waren's nur noch drei... Drei kleine Negerlein, die trieben Wilderei... eines... eines fraß ein wilder Bär, da waren's nur
noch zwei! Zwei kleine Negerlein, die letzten des Vereines. Die gingen auf einander los, da gab es nur noch eins! Ein
kleines Negerlein, das fürchtete sich sehr. Nahm einen Strick und hing sich auf, und dann gab's keines mehr!" Er machte
eine tiefe Verbeugung und einige seiner Gäste lachten, als sich ihr Gastgeber wieder hinsetzte, um den Rest seines Glases
mit den Worten "10 tranken ein Glas Wein!" in einem Schluck auszutrinken. Einige dagegen zogen eine Grimasse in seine
Richtung. Morris grinste und fing wieder an zu lachen. Auf einmal stockte er. Er faßte sich an seinen Hals und fing
erbärmlich an zu husten. Als er nach einem scheinbaren Kampf gegen's Ersticken regungslos am Boden lag herrschte ein Moment
Stille... und nur die Musik war zu hören, die laut aus den Boxen drang "Love me Tender..."
"So ein Clown!" sagte einer der Gäste verächtlich. Viele andere lachten. Doch alle starrten Morris an.
Als er sich nach einer schier endlosen Minute immernoch nicht regte, stürzte einer der teilweise nervös gewordenen Leute
zu ihm hin um nach ihm zu sehen.
Blaß drehte er sich wieder zu den anderen. "Der Clown... ist tot!"
Scully saß mit den Beinen hin,- und her baumelnd auf Mulders Schreibtisch. Da sein Stuhl nahezu schon in Akten und Müll
versank, hielt sie es für angebrachter, sich stattdessen auf den Tisch zu setzen, der aus unerklärlichen Gründen fast
freigeräumt war, um auf Mulder zu warten. Lässig blätterte sie in einer Akte, als er eintrat und sie komisch anschaute.
"Guten MORGEN Mulder... Haben sie gut geschlafen?" begrüßte sie ihn mit feierlichem Unterton. Er sagte kein Wort.
"Stimmt etwas mit meiner Frisur nicht oder warum starren Sie mich so an?"
Mulder schmunzelte. "Nein, nein! Ihre Frisur sieht perfekt... und schön aus wie immer..." sagte er als er auf sie
zutrat.
"Aber?" konterte sie.
"Aber? Naja..." er schaute an ihr herunter. "Sie haben eine Laufmasche!" Er grinste breit, als Scully zu ihren Beinen
hinunterschaute.
"Wo denn Mulder?!"
Dieser konnte sich Lachen nicht verkneifen. "Sie klingen ja richtig panisch... Sieht Ihnen gar nicht ähnlich!" er
schaute sie belustigt an.
"Manchmal sind Sie ein richtiges Ekelpaket! Müssen Sie mich schon so f... so spät am Morgen mit Ihren Scherzen quälen?!"
"Wieso Scherz?! Was kann ich dafür, wenn Sie Ihre Brille vergessen?!" Dana schaute ihn beleidigt aber unverständlich an.
Mulder umrundete noch einmal den Tisch - er war inzwischen auf Scullys Rückenseite "gedackelt" - und blickte sie grinsend
an. Dann griff er sanft nach ihrem Bein, drehte es etwas zur Seite.
So etwas macht man aber nicht Mulder! Dachte Scully schmunzelnd aber zufrieden, als Mulder sanft über eine Stelle an
ihrem Bein strich. Tja, da war wirklich eine Laufmasche!
Nach etwa einer Minute blickte Scully Mulder schief an. "Eigentlich gefällt es mit ja, mir von IHNEN mein Bein massieren
zu lassen... Könnten Sie es bitte trotzdem wieder loslassen?! Wir müssen leider arbeiten, obwohl ich mir auch etwas weitaus
Schöneres vorstellen könnte, als in diesen Akten zu blättern..." Zarghaft und etwas beschämt zog Mulder seine Hand zurück.
Er grinste. "Was denn zum Beispiel?" fragte er, während er sie imitierte, indem er eine Augenbraue hochzog, wie sie es kurz
zuvor auch getan hatte.
"... Aber wir müssen ja leider irgendwie unser Brot verdienen!" sagte sie schnippisch mit Nachdruck.
"Was denn zum Beispiel?" wiederhohlte Fox unnachgiebig.
Nach zwei bis drei Denksekunden antwortete sie. "Mittagessen zum Beispiel!" sie grinste.
"Jetzt schon? Ich habe gerade erst gefrühstückt!" Er schaute auf seine Uhr. Fast 13.00 Uhr... Ach genau... Er hatte doch
verschlafen... Verlegen stimmte er ihr zu und lud sie zum Essen ein, wobei Scully ihm die Einzelheiten ihres neuen Falles
erläuterte.
"Zwei Todesfälle. Beide in einem Gasthaus hier in Washington. Außer dem Gebäude und der "Tatwaffe": Gift gibt es keine
näheren Zusammenhänge zwischen den Opfern was Alter oder Geschlecht angeht..."
"Und wer waren die beiden?"
"Toni Morris Anfang 30, ein leidenschaftlicher Weintrinker, und Stella Roberts, mitte 50, Engargierte Hausfrau. Mister
Morris wurde Zyankali in sein Weinglas geschüttet und Mrs Roberts hat auf irgendeinem Wege Kalium Zyanid zu sich genommen.
Genaugenommen ist beides aber das SSelbe Gift." Scully zeigte Mulder ein paar beschriebene Blätter und einige Fotos.
"Ach, ist dort nicht auch dieser neue 10er Block in der Nähe, wo in den letzten drei Tagen zwei der Gebäude "Opfer" von
Bombenattentaten geworden sind? Fragte Mulder sichtlich interessiert.
"Sie und Ihr Scharfsinn! Und..."
"Und was?" unterbrach Mulder sie.
"Ich habe Hunger, wo bleibt das Essen?" lächelnd schaute sich Scully um.
"Was haben die Morde mit den Häusern zu tun?" Mulder schaute sie mit festem Blick an.
"Also wenn Sie die Morde an Toni Morris und Stella Roberts meinen... Nun ja, beide Opfer haben jeweils in einem der
eingestürzten Häuser gewohnt."
"Und Sie denken, daß dort ein Zusammenhang besteht?!"
"Anzunehmen wäre es... trotzdem nicht! Ich denke eher, daß Sie glauben, daß es so ist!" Mulder wollte gerade zu einer
Antwort ansetzen, als das Essen serviert wurde. "Danke" sagten beide fast synchron.
Beide aßen und sagten nichts. Plötzlich kam Scully ein Gedanke!
"Mulder!" Sie blickte ihn schief an. Dieser hob den Kopf und richtete seinen Blick, der bis eben noch seinem Teller
Spaghetti gegolten hatte, und schaute sie an. "Ja?"
"Woher wußten Sie eigentlich, daß ich eine Laufmasche habe?" Mulder machte ein Unschuldsengelchen-Gesicht. "Naja, ich
habe sie doch gesehen."
"Wie denn, wenn sie auf der ihnen abgewandten Seite meines Beines war?"
John Gordon McAdams hatte eine kleine Party veranstaltet und viele seiner alten Offiziers-Kollegen eingeladen. Er
unterhielt sich gerade mit einem alten Kameraden als plötzlich eine betrunkene Stimme rief "Hilfe! Wir haben keinen
einzigen Tropfen Alkohol mehr im Haus!" Eine leise Musik begleitete diese Rufe "...Acht kleine Negerlein, die suchten Rote
Rüben. Eines blieb allein' zurück, da waren's nur noch sieben..."
Kurz darauf beschlossen McAdams' Gäste, noch welchen zu besorgen und ihren alten "Kumpel" - "Krüppel" wie sie ihn wegen
seines steifen Beines nannten, wenn er nicht dabei war - sein kaputtes Bein schonen zu lassen. "Bringt mir aber etwas
Whisky mit!" Hatte dieser verlangt, bevor alle aus seiner Tür verschwunden waren.
"So, jetzt kann die Party richtig losgehen!" sagte einer der Gäste - der sich den Haustürschlüssel von McAdams
mitgenommen hatte, um nicht klingeln zu müssen. Sie hatten eine ganze Tüte voll mit Wein, Schnaps und anderem Zeug
eingekauft. Jedem das seine, jeder Wunsch war befolgt worden und so konnte jeder das trinken, was er am liebsten mochte.
Auch eine kleine Flasche Whisky war dabei.
Die Leute traten lachend ein und brachten erstmal die Getränke in den Kühlschrank, bevor sie sich auf die Suche nach dem
"Krüppel" machten. Arthur sah ihn als erster. John saß auf dem Balkon und regte sich nicht.
"Du wirst doch nicht etwa beleidigt sein, daß wir dich alleine hier gelassen haben oder John?!" Er ging um den
Schaukelstuhl herum, auf dem McAdams saß.
Ein Schrei. Arthur kam ins Wohnzimmer zu den anderen gelaufen. "Der Krüppel... ich meine... John... er ist..." "Nun
setze dich doch erstmal. Was ist denn mit John?" Arthur setzte sich. "Er... er ist..." eine Träne schimmerte in den sonst
so gelassenen Augen des ehemaligen Offiziers "...er ist tot!"
"FBI? Was haben Sie denn damit zu tun?" Officer Lorenz schaute Mulder und Scully, die gerade dabei waren, ihre Ausweise
wieder einzustecken, verwundert an.
"Wir ermitteln in zwei anderen Morden..." "Und was machen Sie dann hier?" Unterbrach Lorenz Scully. "... und wir
vermuten, daß dieser Mord von dem selben Täter begangen worden ist." fuhr diese unbeirrt fort.
"Auf Grund von was?" Lorenz kratzte sich an seinem auffälligen, grauen Schnäuzer.
"Die anderen beiden Opfer wohnten in den beiden zerstörten Gebäuden dieses Häuserblocks... Und ich habe die Vermutung,
daß dieses auch nicht mehr lange stehen wird..." meldete sich Mulder zu Wort.
Lorenz erklärte ihnen etwas mürrisch, was vorgefallen war.
"Dieser Mord hebt sich von den anderen beiden ab..." sagte Scully skeptisch, als sie wieder mit Mulder unter vier Augen
reden konnte. "McAdams ist erstochen worden und nicht vergiftet. Ich denke, Lorenz hat Recht und wir sollten ihn in Ruhe
seine Untersuchungen fortfahren lassen."
"Das tun wir doch... wir werden uns nur ein ganz klein wenig einmischen..." Mulder blickte zum Spurensicherheitsteam
hinüber, das eifrig dabei war, nach weiteren Spuren oder Hinweisen zu suchen.
"Ich wette mit Ihnen, daß dieses Haus auch bald einstürzen wird!" mit diesen Worten verließ Mulder das Haus und wenig
später kam auch Scully hinterher. "Was läßt Sie da so sicher sein?" fragte diese, als beide bei ihrem Wagen angekommen
waren.
"Ist es nicht merkwürdig, daß drei Leute aus dem gleichen Häuserblock in einer Woche ermordet werden?!" "Ok, Sie haben
Recht Mulder, es ist seltsam... Aber was, wenn das alles nur Zufall ist?!"
"Zufall!" sagte Mulder verächtlich, als er in das Auto stieg. "Sie wissen doch, wie ich dieses Wort hasse... Und
vorallem wie selten es doch vorkommt in der Praxis!" Scully warf ihm einen genervten Blick zu und setzte sich neben ihn auf
den Beifahrersitz. "Ok, lassen Sie uns nun zu diesem Gasthaus fahren..." Mulder startete den Wagen.
Wenig später waren sie bei dem Gasthaus angekommen, da es nur zwei Straßen weiter war. "... doch eines verstehe ich
nicht Scully! Wieso schlief Mrs Roberts in diesem Gasthaus, wo sie doch nur zwei Straßen weiter wohnte?!" Scully wußte
keine Antwort und beide betraten das Haus. Der Ober wollte sie zu seinem Tisch geleiten, als beide etwas erwidern wollten.
Mulder ließ Scully reden. "Wir sind von FBI und würden Ihnen gerne ein paar Fragen stellen, was die beiden Morde in den
letzten fünf Tagen angeht..." Der Kellner machte ein nervöses aber leicht betroffenes Gescicht und führte sie in einen
Nebenraum, nachdem er einem der anderen Kellner gesagt hatte, sie müssten einen Moment ohne ihn auskommen.
"Aber was hat das FBI damit zu tun?" fragte er schließlich etwas verunsichert. "Ich habe der Polizei alles gesagt, was
ich weiß!"
"Wir sind unabhängig davon auf diese Fall gestoßen..." sagte Mulder ruhig. "Waren Sie der einzige Kellner an diesem
Abend?"
Die Befragung brachte nicht viel außer dem Grund, weshalb Mrs. Roberts diese Nacht hier im Gasthaus verbracht hatte. Sie
war dort seit kurzem angestellt und der Besitzer bestand diesmal darauf, daß sie hier übernachtete, weil sie schon ziemlich
früh - vor den eigentlichen Öffnungszeiten - sehr wichtige Gäste erwarteten, die allerdings doch nicht gekommen waren.
Mulder und Scully quartierten sich kurzerhand in eine Pension ein, die ebenfalls im 10-Häuser-Block lag. Mulder hatte
darauf bestanden, obwohl Scully es vorgezogen hätte, in diesem Gasthaus zu übernachten oder gleich wieder zurück zu ihrer
Wohnung zu fahren, obwohl sie schon etwas weiter weg war.
Da hier leider zur Zeit ein ungewöhnlicher Menschenandrang war, waren auch nur noch zwei Zimmer frei. Die Pension
bestand aus zwei Gebäuden... Eines der Zimmer befand sich in dem einen, das andere Zimmer in dem anderen Haus. Mulder
beschloß, sich in das Nebengebäude einzuquartieren, also blieb Scully in diesem und verabschiedete sich von ihm.
Was war das?! Dana schreckte auf. Gerade hatte sie so schön geträumt... und nun dieser Krach! Man könnte glatt meinen,
ein Haus würde gesprengt werden...
Und was war das schon wieder? Das Radio war angegangen... Und nun lief ein altes Kinderlied, welches sie schon seit
Jahrzehnten nicht mehr gehört hatte. "... Sieben kleine Negerlein, die trafen eine Hex', sie winkte einem mit der Axt, da
waren's nur noch sechs..."
"Was hat das schon wieder zu bedeuten?" nuschelte Scully verschlafen und stand auf, das Radio wieder auszumachen.
Auch Mulder war aufgeschreckt... Und auch sein Radio gab Laute von sich. "...Sieben kleine Negerlein..." Mulder
durchzuckte ein Gedanke. Einerseits mußte nun auch das Haus, in dem General McAdams gewohnt hatte, eingestürzt sein...
Anders konnte er sich diesen Krach nicht erklären... Andererseits... was hatte das Lied damit zu tun? Zuerst hatte er es
für unwichtig gehalten, als der Ober ihm erzählt hatte, daß er genau dieses Lied am fraglichen Abend hatte lauter stellen
sollen - auf "Anweisung" von Mister Morris! Doch nun wurde ihm einiges klar... Er griff zu seinem Handy, welches er neben
seinem Bett postiert hatte.
"Frohike? Sorry, daß ich dich schon so früh störe..."
"Macht nichts Mulder, ich war eh schon wach! Was gibt's denn? Irgendetwas Supergeheimes? Oder möchtest du die
Handynummer von Cindy Crawford haben?" unterbrach dieser ihn.
"Nichts von beiden. Ich brauche lediglich den kompletten Liedtext von..."
"Sag' nichts! 10 kleine Negerlein, habe ich Recht?"
"Ja, woher weißt du das?"
"Naja, Ihre charmante Partnerin hat mich eben ebenfalls drum gebeten..." es klopfte an Mulders Tür.
"Danke!" sagte Mulder knapp, legte auf und ging zur Tür. Es war Scully, wer auch sonst! Dachte Mulder sich.
"Guten Morgen Scully... Was verschafft mir schon die frühe Ehre Ihres Besuches?" Scully schmunzelte und hielt ihm ein
Blatt Papier unter die Nase. "Normalerweise sind Sie ja immer der, der die verrückten Vermutungen anstellt... trotzdem
glaube ich, daß dieses Lied etwas damit zu tun hat!"
"Sie sind gut! Ich nämlich auch!" Scully schien noch nichtmal überrascht und beide setzten sich auf Mulders Bett.
"Ich habe mir das hier eben schonmal durchgesehen..." sie deutete auf die ersten drei Strophen. "10 kleine Negerlein,
die tranken ein Glas Wein. Das erste, das verschluckte sich, da waren's nur noch neun!"
"Passt ziemlich genau auf Mister Morris!" konterte Mulder.
"Und hier: Neun kleine Negerlein, die schliefen in der Nacht, eines wachte nicht mehr auf... Welch seltener Zufall, daß
Mrs Roberts tatsächlich nicht mehr aufwachte... naja, und nun diese Strophe: acht kleine Negerlein, die suchten Rote Rüben,
eines blieb alleine zurück, da waren's nur noch sieben!" "Wie Arthur Brown schon sagte: Alle gingen los, um etwas zu
trinken einzukaufen... Nur McAdams blieb zurück! Ob die anderen nun Wurzeln suchten oder einkaufen waren..."
"Genau Mulder! Und jedes Mal, wenn er noch jemanden umbringt, jagt der Mörder dessen Wohnhaus in die Luft. Ich war ja
eben draußen... McAdams Haus ist vollkommen zerstört! Zum Glück haben wir es vorher räumen lassen... So war niemand mehr
drin!" Mulder blickte Scully überrascht an. "Daß ich eine solche Theorie aus Ihrem Munde hören darf!" Er grinste. Wir müssen die Leute der anderen Häuser warnen! Er...
"Oder Sie!" unterbrach Mulder sie.
"...Oder Sie, wird aus jedem Haus einen umbringen!"
"Der Meinung bin ich auch, doch wenn wir da rein spazieren und den Leuten sagen 'hey, es könnte sein, daß jemand Sie
umbringen möchte... Es könnte aber auch jemand anders aus diesem Haus sein...' dann würde eine Panik ausbrechen..."
"Sie haben Recht... das bedeutet: Schlaflose Nächte und wahnsinnig wachsam sein!" Scully warf sich nach hinten und lag
nun auf Mulders Bett. "Und dabei könnte ich mir was viel Schöneres vorstellen..." Mulder grinste sie an. "Frühstücken zum
Beispiel!" meinte Scully.
"Müssen Sie schon wieder was essen?!"
"Es ist sieben Uhr morgens Mulder, normalerweise habe ich um diese Uhrzeit schon was gegessen!"
"Was müssen Sie auch immer das letzte Wort haben?!" Mulder stützte sich auf seinen Ellenbogen und sah sie fasziniert von
der Seite an.
"Und was haben Sie nun schon wieder entdeckt?"
"Sie haben eine neue Strumpfhose an!"
"Oh Mulder!" Scully strich ihm sanft über seine Wange. "Sie wissen doch, daß ich mehrere habe... Sie haben mir doch
letztes Ostern erst zwei geschenkt..." beide grinsten.
Mulder empfand tiefes Wohlbehagen, als Scully neben ihm lag. Ob jetzt der richtige Augenblick da war, um es ihr zu
sagen? Er hatte es schon seit Jahren tun wollen...
"Scully..." Er nahm ihre Hand, setzte eine feierliche Miene auf und blickte ihr abwechselnd in die Augen und woanders
hin. "Ich..."
"Mulder?" sagte sie sanft.
"... Ich..." er suchte nach Worten.
"Tüüüt!" Beide schreckten auf und sahen zu Mulders Handy hinüber. "Tüüüt!" Mulder ließ Scullys Hand los, stand auf und
nahm sein Handy von einem kleinen Tisch. Als er sich wieder neben sie gesetzt hatte, drückte er auf die Abnehmtaste und
legte das Handy an sein Ohr.
"Mulder?!" sagte er mit hörbar enttäuschter Stimme und rieb sich seine Augen. "... Wo?... hm... Wir sind schon
unterwegs!"
"Was ist los Mulder?" Scully setzte sich aufrecht hin und sah ihren Partner erwartungsvoll an.
"Ein weiterer Mord, zwei Häuser weiter." Beide liefen zur Tür.
Alles war schon voller Polizisten, als Mulder und Scully vor Mister Rons Haustür ankamen.
"Wir haben sie gar nicht vorfahren hören!" begrüßte Mulder Officer Lorenz knapp.
"Wir wollten nicht allzuviel Aufsehen erregen und haben die Sirenen ausgeschaltet gelassen!" sagte dieser, nickte Scully
kurz zu und verschwand wieder im Getümmel der ungefähr 15 Leute, die alle möglichen Gegenstände sicherten, sich Notizen
machten oder einfach nur durcheinander liefen. Mulder blickte sich unsicher um. Draußen circa fünf Polizeiwagen, alles mit
Absperrbändern umrundet... Scully folgte seinem Blick durch das Gewirr aus Menschen.
"kein Aufsehen?!" sagte Mulder beim Eintreten. Sie gingen auf einen der Polizisten zu.
"Wer war das Opfer?" fragte Scully nach dem Aufblitzenlassen ihres FBI-Ausweises.
"Ähm... Thomas Ron, er war 45 Jahre alt. Scully blickte ihn skeptisch aber erwartungsvoll an. "a-ach so..." er blätterte
in einigen Zetteln herum. "E-er war Butler und n-nicht verheiratet. Wir ver-vermuten, daß er keine engeren Angehörigen
hatte... N-naja, m-man kann sich ja auch irren!"
"Auf Grund von was vermuten Sie das?"
"Na-Naja, wir konnten kein Foto oder sonst etwas finden, was darauf hindeutet..."
"Vielleicht war ja auch einfach der Fotoapparat kaputt!" Mulder und Scully ließen nach einem knappen "Danke" den
stotternden Polizisten stehen nachdem sie ihm den Stapel Zettel aus der Hand genommen hatten und blickten sich selbst noch
einmal um.
Mulder schaute auf einen Zettel und anschließend auf eine große Blutlache am Boden. "Er ist mit einer Axt erschlagen
worden" sagte er zu Scully und deutete erst auf die Blutlache und dann auf eine schon in Plastik verpackte Axt. Sie blickte
sich um. Irgendwas schien ihre Aufmerksamkeit zu erregen... Jedenfalls ging sie zielstrebig auf einen kleinen Tisch mit
einem Kassettenrecorder darauf zu. Sie zog einen Gummihandschuh aus der Tasche, von welchen sie bei Ermittlungen immer ein
bis zwei bei sich hatte. Nachdem sie ihn sich übergestreift hatte, drückte sie auf die Stoptaste. Anscheinend war dem Gerät
bisher noch keine Aufmerksamkeit zugekommen, denn die Rücklauftaste war noch immer gedrückt obwohl die Kassette scheinbar
schon lange zurückgelaufen war.
Mulder hatte Spurensicherheitszeug besorgt und untersuchte ersteinmal alle Knöpfe gründlich auf Fingerabdrücke. Auf der
Rücklauftaste fand er einen leicht verschmierten und auf der Abspieltaste einen gut erkennbaren. Er steckte sich die beiden
"Abzüge" in seine Manteltasche.
"Mulder was machen Sie da?!" zischte Scully ihn an.
"Ich traue Lorenz nicht und halte es für besser, sie selber zum Untersuchen zu bringen." Nach einem leicht bösen Blick
auf diesen drückte Scully die Abspieltaste und wenig später erklang ein Lied aus den beiden Lautsprechern. Scully und
Mulder schauten sich an.
"...da waren’s nur noch neun. Neun kleine Negerlein, die schliefen..." Scully brachte nach einem kurzen Griff in ihre
Tasche einen Zettel zum Vorschein und las die vierte Strophe mit.
"Sieben kleine Negerlein, die trafen eine Hex‘. Sie winkte einem mit der Axt, da waren’s nur noch sechs..." Mulder
drückte auf die Stoptaste.
"Eine Axt!" sagte er knapp und drehte sich zum Gehen.
Als auch Scully vor dem inzwischen von Schaulustigen bedrängten Gebäude ankam, blickte sie ihn fragend an. "Ich werde
diese Fingerabdrücke untersuchen lassen, versuchen Sie herauszufinden, wer als nächstes dran ist!" Mulder ließ Scully mit
ihren Gedanken ihn aufzuhalten alleine, stieg in sein Auto und fuhr los. Sie verschränkte die Arme vor der Brust.
"Sicher Mulder, wie Sie möchten!" murmelte sie, als sie langsam wieder in Richtung Tatort ging. Sie zog wieder den
Zettel hervor und las die nächste Strophe. "Sechs kleine Negerlein, die gingen ohne Strümpf‘. Eines auf die Schlange trat,
da waren’s nur noch fünf."
"...und so vermuten wir, daß der Mörder nach einem ganz bestimmten Prinzip tötet. Nämlich nach den Strophen des Liedes
"10 kleine Negerlein..." tippte Scully in ihren Laptop ein, als es an ihrer Tür klopfte. Sie stand auf und öffnete. Sie
war nicht sonderlich überrascht, daß Mulder vor ihr stand " aber erfreut.
"Ich habe die Fingerabdrücke analysieren lassen... Dreimal dürfen Sie raten, von wem sie stammen..." sagte Mulder
während er eintrat.
"Vom Opfer nehme ich an!", erwiderte Scully, die, Mulders Gesichtsausdruck nach zu urteilen, schon wieder an ihren
Worten zweifelte.
"Lorenz!" sagte er schnell.
"Lorenz?! schoß Scully hervor. Sie war sichtlich überrascht.
"Jip, Lorenz! Also entweder stammen sie von schlampiger Polizeiarbeit..."
"Was Sie nicht glauben..." deutete sie seine Gesichtszüge.
"Was ich nicht glaube...2, bestätigte er, "Oder hier ist ganz schön was faul!" Mulder schaute ihr in ihre klaren, blauen
Augen. "und was hat sich bei ihnen so... ergeben?"
"Nicht viel... Oder haben Sie eine Ahnung, woher der Killer eine Schlange nehmen soll?"
"Wieso Schlange?!"
"Sechs kleine Negerlein, die gingen ohne Strümpf‘. Eines auf die Schlange trat, da waren’s nur noch fünf." Zitierte
Scully die fünfte, inzwischen auswendig kennende, Strophe des beliebten Kinderliedes.
"Naja... Woher schon. Entweder direkt aus einem Ei oder aus einer Zoohandlung!"
"Sie und Ihr Scharfsinn!" sie setzte sich auf einen Stuhl und Mulder tat es ihr gleich. "Ach... Was war das eigentlich,
was Sie mir sagen wollten, als der Anruf wegen Mister Rons Tod kam?" sie rückte mit ihrem Stuhl an seine Seite.
"Ach..." er spielte etwas nervös mit einem Zipfel seines Hemdes rum. "Nicht so wichtig!"
"Sind Sie sich da ganz sicher?!" sie wollte nicht aufgeben... Er sah so bedrückt aus, als er ihr das sagen wollte...
N-Naja... eigentlich..." er sah zu ihr auf. "Ich wollte Ihnen..." er schaute wieder zu seinen Händen, die nach den
ihren griffen. "...ähm..."
"Sie sind doch sonst nicht so schüchtern... ich werde Ihnen schon nicht den Kopf abreißen." Sie streichelte sanft seine
Hände und ihr Lächeln machte ihm Mut. "Jetzt oder Nie!" sagte er sich und setzte zum entscheidenden Satz an.
Vorher war es still gewesen " bedrückend still... doch jetzt kam es ihm vor, als würde sein Herzschlag ihm das
Trommelfeld zerreißen.
"Krach!!!" Vor Schreck hatte Mulder sich mit seiner Hand gegen’s Kinn gehauen. "Thomas Rons Haus!" Scully sah Mulder an,
als er schon aufsprang, um nach draußen zu hetzen.
Draußen angekommen, sahen beide erstmal nicht viel mehr als eine große Staubwolke, die langsam verflog. Sie rannte
mitten hinein, um sich davon zu überzeugen, daß es wirklich Thomas Rons Haus war, obwohl keiner von beiden auch nur im
geringsten daran zweifelte.
"Die Leute werden mißtrauisch, schauen Sie sie sich doch an..." sagte Scully als der Staub etwas verflogen war und sie
zu den Menschen hinüberschaute, die teilweise in Bademänteln schauten, was los war. "Wenn das so weiter geht, werden die
anderen Häuser bald leerstehen! Manche sind schon in "frühzeitigen Urlaub" auf und davon!"
Mulder schaute zu den wild durcheinanderredenden Leuten hinüber. Sie hatte ja Recht, aber was konnten Sie tun?!
Emily Branders stapfte, den Mund zu einer schnippischen Schnute verzogen, zurück zu ihrem Haus. Sie kam dabei auch an
zwei der anderen zerstörten Gebäude vorbei.
"Die ganze Generation taugt nichts! Absolut nichts!" zischte sie in Richtung eines der verkohlten, dem Erdboden
gleichgemachten Häuser. Was war das? Irgendwo mußte sie mit ihrer rosa Plüschpantoffel hängengeblieben sein... ihre
Versuche, sich zu befreien schlugen fehl, also schlüpfte sie kurzerhand aus der Pusche raus und ging ein Fuß barfuß, der
andere immer noch in einer Pantoffel steckend zu ihrer Wohnung zurück "Sündig!" vor sich hin murmelnd. Für sie war es
vollkommen klar; von der Presse her wußte sie bisher nur von zwei der Morde; die beiden hatten sich selbst gerichtet!
Welch ein Glück, daß sie ihre Wohnungstür offengelassen hatte... denn im Treppenhaus bemerkte sie, daß sie ihren
Schlüssel drinnen liegen gelassen hatte. Als sie beim Eintreten ungefähr zum 50. Mal "Sündig!" murmelte bemerkte sie einen
Schatten, der durch ihre Wohnzimmertür fiel, außerdem vernahm sie eine sanfte Melodie "...sechs kleine Negerlein, die
gingen ohne Strümpf‘. Eines auf die Schlange trat, da waren’s nur noch fünf..." Sie schloß die Haustür hinter sich und ging
leicht ängstlich, aber überwiegend neugierig auf den Schatten zu.
"Hallo?" fragte sie leicht schnippisch. Sie ging um die Ecke...
Jemand packte sie und rammte ihr etwas spitzes in den Arm. Sie schrie, doch niemand hörte die alte Dame, denn alle
anderen aus diesem Haus standen noch immer vor dem frisch eingestürzten Gebäude. Emily erhaschte einen kurzen Blick ins
Gesicht ihres Angreifers... dann verschwand er wieder. "Wo hatte sie diesen auffällig grauen Bart nur schon mal gesehen?!"
war ihr letzter Gedanke auf ewig.
"...Sie muß umgebracht worden sein, als vorhin alle vor M. Rons "Haus" gestanden haben..." Mulder bückte sich, um sich
die Leiche genauer anzusehen. "Würden Sie bitte diesmal die Autopsie durchführen Scully?" er schaute sie an.
"Aber natürlich!" sagte sie leicht genervt mit einem kleinen Seufzer. "Wie Sie wollen! Wer ist eigentlich das Opfer?"
Mulder blätterte zwischen einigen losen Zetteln herum und las ihr dann ein paar Zeilen von einem vor.
"Die Tote heißt Emily Branders, Alter 66. Gewicht 64 kg, Größe 1,62 m. Die Todeszeit ist zwischen 22.50 Uhr und 23.00
Uhr. Das ist jetzt circa eine Stunde her. Äußerlich scheint sie keine Verletzungen zu haben. Die vorläufige Vermutung zur
Todesursache ist injiziertes Gift, neben ihr wurde eine leere Spritze gefunden..." Scully machte eine Pause und betrachtete
Emilys Leiche. Sie sah friedlich aus, wie sie da lag... doch nicht mehr lange, dachte sie. "Ich fange jetzt mit dem
Y-Schnitt an..." diktierte Scully in den kleinen Rekorder während sie nach dem Skalpell griff.
"Ich komme!" Mulder setzte sich in seinem Bett auf und stand dann ganz auf, um die Tür zu öffnen.
Scully platze ins Zimmer und wedelte mit einem Stück Papier. "Das hier ist der Autopsiebericht von Emily Branders. Sieht
so aus, als ob unser Mörder von seiner Mordmethode abweicht..."
"Wieso, Emily war doch barfuß! er grinste.
"Ihr wurde Chloral injiziert..."
"Ist das nicht das Zeug, das man in die Cornflakes tut?"
"Extrem schnell wirkendes Gift. Jetzt frage ich mich: Wo bleibt die Schlange?
"Naja, bei McAdams war es doch auch so, daß niemand suchen sondern kaufen ging... und erst recht nicht Rote Rüben
sondern Alkohol... Es könnte wieder im übertragenen Sinne gemeint sein. Ob das Gift nun von einer Schlange oder einer
Spritze stammt... ist das nicht egal?! Hauptsache es wird injiziert..."
"Sie haben mal wieder Recht Mulder!" Scully setzte sich auf einen Stuhl. "Haben Sie das Gebäude gestern noch räumen
lassen?"
"Klar... Aber das kann so nicht weiter gehen!
"Ganz meiner Meinung!"
"Wir müssen die anderen Gebäude auf Bomben untersuchen lassen..." nach einem kurzen Telefonat beschlossen beide, noch
mal nach dem einstürzgefährdeten Gebäude zu schauen. Sie kamen gerade rechtzeitig, um zu sehen, daß Officer Lorenz das Haus
betrat.
"Ist der lebensmüde?!" fragte Scully. Doch es war eher eine schreiende Aussage als eine Frage... Sie rief ihm etwas
hinterher, doch er schien sie nicht gehört zu haben.
Mulder wollte ihm schon hinterher, doch Scully zerrte ihn von dem Gebäude weg... und 5 Sekunden später passierte es.
Unter lautem Krachen, herumfliegenden Teilchen, einer Explosion und einer riesigen Staubwolke brach das Gebäude in sich
zusammen.
Beide blickten wie erstarrt auf das, was von dem Gebäude noch übrig geblieben war.
Mulder riß sich aus Scullys Griff los. "Wir hätten ihn aufhalten können!" Er stapfte apathisch davon und reagierte auf
keinen von Scullys Rufen.
Mulder stand am Fenster und blickte sehnsüchtig zu Scullys hinauf, welche aber wahrscheinlich noch gar nicht oben war.
Plötzlich vernahm er ein Lied. Wo kam es nur her?
"...Fünf kleine Negerlein, die irrten in der Tür. Eines in die Falle fiel, da waren‘ nur noch vier..."
Gerade als er vom Fenster wegtreten wollte, sah er einen Schatten in Scullys Zimmer und warf kurz darauf einen ehe
zufälligen Blick nach unten. Scully? Wer war dann in ihrem Zimmer gewesen? Er rief nach ihr, doch sie hörte ihn nicht. Also
sprintete er zur Tür und die Treppen runter. Als er vor Scullys Außentür stand, kam er nicht weiter... Er hatte ja keinen
Schlüssel... Nach einigen vergeblichen Versuchen, irgendwie das Glas zum Bersten oder die Tür zum Aufgehen zu bringen, ging
sie auf einmal von der anderen Seite auf und Mulder rannte in eine ältere Dame rein. Sie hätte fast das Gleichgewicht
verloren, doch das interessierte Mulder nicht. Er wollte nur zu Scully. Zu ihr, um sie vor "ihm" oder "ihr" zu beschützen.
Im Rennen rief er der Frau noch kurz eine Entschuldigung zu. Blickte sich aber kein einziges Mal um.
Ein Schrei! Mulder machte sich Vorwürfe... er würde zu spät kommen... Er wagte nicht zu atmen, als er um die Ecke in
Scullys Zimmer bog... Um so erleichterter war er, als er sie am Boden kauern sah. Er stürzte zu ihr hin und nahm sie in den
Arm.
"Mulder..." sie löste sich aus seiner Umarmung und suchte seinen Blick. "...als ich meine Tür aufschloß, hat sich etwas
um meine Kehle gelegt... Eine Hand. Eine kalte Hand! Und dann habe ich geschrien..."
"Und die Hand?"
"Es... es war keine Hand! Es war Tang! Jemand hat mir feuchten Tang in den Türrahmen gelegt... eines in die Falle
fiel... Die Falle war ich, ich!" Mulder wußte nicht, was er sagen sollte also nahm er die leicht zitternde Scully wieder in
den Arm und strich sanft über ihr rötliches Haar. Es war äußerst selten, daß Mulder sie so außer sich sah... Er tat es auch
äußerst ungern.
"Er will uns beide umbringen!" sagte Scully, nachdem sie sich wieder gefangen hatte und sich auf einem Stuhl
niedergelassen hatte.
Anne Armstong saß im obersten - im Dritten - Stock eines der vier noch stehenden Gebäude des 10er- Blocks. Sie war auf
ihrem Balkon und las Zeitung. Anne war nicht gerade furchtlos, was die Morde anging... Eher sogar ziemlich nervös und
angespannt. Sie würde das Haus gerne verlassen... Einfach weg von hier! Doch sie hatte niemanden, zu dem sie hätte gehen
können... Also blieb sie und versuchte, ihre Angst irgendwie zu überspielen. Sie hatte sich das Radio angemacht und suchte
nun nach einem einigermaßen interessanten Artikel. Auf einmal horchte sie auf. Dieses Lied...
"...Vier kleine Negerlein, die folgten dem Geschrei. Der Möwen und sie folgten ihm, da waren’s nur noch drei..."
Armstong mußte unbewußt lächeln. Dieses Lied hatte sie schon ewig nicht mehr gehört. Sie stand auf und drehte die Musik
lauter... Danach hielt sie nach einigen Vögeln Ausschau und lehnte sich leicht über die Balkonbegrenzung hinaus... sie
übersah den Schatten, der ihr folgte...
Das Lied war längst verklungen, als jemand nach ihren Beinen griff und sie unter Schreien über das Geländer warf.
Mulder und Scully sahen noch Reste von Staub und Dreck, die leise auf sie herrunterieselten als sie das Haus erreichten.
"Welch ein Glück, daß diese Häuser einen so großen Garten haben! Ansonsten hätte das Nachbargebäude auch noch was
abbekommen... und dann wäre außer der Pension nicht mehr viel übrig geblieben von diesem Block!"
"Mal davon abgesehen, daß es sowieso fast leer ist... Nur einer der Polizisten ist geblieben!" Sprach Scully ihren
ersten Gedanken aus.
"Wissen Sie, was ich mich frage Scully?!"
"Sie werden es mir bestimmt gleich mitteilen..."
"Wen er aus den letzten Häusern umbringen will... Der Polizist hat gesagt, daß ihm das Risiko bekannt ist, er wird
wachsam sein und außerdem hat er ja eine Waffe... Und in der Pension... Ich meine, außer uns, dem Portier und einer älteren
Dame ist dort niemand mehr... Andererseits heißt die drittletzte Strophe: 3 kleine Negerlein, die trieben Wilderei. Eines
fraß ein wilder Bär, da waren's nur noch zwei. Wo sollte er oder sie einen Bären herbekommen?"
"Bestimmt nicht aus einer Zoohandlung!" meinte Scully. "Ich wüßte auch im übertragenen Sinne nicht, wie er es hinkriegen
könnte..."
"Und die hier: Zwei kleine Negerlein, sie letzten des Vereins. Sie gingen auf einander los, da gab es nur noch eines.
Plus die letzte: Ein kleines Negerlein, das fürchtete sich sehr. Nahm einen Strick und hing sich auf, und dann gab's keines
mehr. Wer von uns beiden würde den anderen umbringen, indem wir aufeinander losgehen und sich danach selber aufhängen?"
Scully hatte ihm die ganze Zeit brav zugehört. Zuckte nun die Schultern und ging zu der Toten, um die schon einige Leute
herumliefen und dabei waren zu überlegen, wie man sie am besten auf die Trage heben könnte..
"Anne Armstong. Sie hatte sich als Psychologin einen Namen gemacht... sie war 43 Jahre alt und unverheiratet. Sie ist
anscheinend aus dem dritten Stock "geflogen"" Scully deutete dorthin, wo mal Armstongs Balkon gewesen sein muß.
"Wie passt das zusammen Scully: diese Frau "segelt" aus dem dritten Stock... Dabei heißt die Strophe doch "sie hörten
das Geschrei. Der Möwen und sie folgten ihm..." Scully schaute ihn an und überlegte ein paar Sekunden.
"So schwer ist das gar nicht. Nehmen wir mal an, da haben Vögel geschrien. Möglicherweise Möwen... Und jemand hat ein
wenig nachgeholfen, daß sie ihnen etwas zu weit folgt, beziehungsweise, daß sie selbst Vogel spielt..."
"Diesmal sind Sie aber besser Scully!" Mulder lächelte. "Wissen Sie, was ich mich frage?!" Scully schaute ihn mit
verschränkten Armen an. "Warum er inzwischen immer schneller tötet. Am Anfang waren es noch zwei Morde innerhalb von drei
Tagen. Und jetzt sind es drei Tote an einem Tag!" Beide schauten sich eine Weile ratlos an.
"Tja..." meldete sich Mulder wieder zu Wort. "Vielleicht hat er Angst, geschnappt zu werden..."
"Oder..." Scully tippte sich mit einem Finger leicht an ihre Unterlippe. "Was wäre, wenn er so schnell tötet... weil er
befürchtet, daß sonst alle Leute, die er umbringen möchte, ausgezogen sind, wenn er sich nicht beeilt..."
William Henry Blow verließ sein Haus. Obwohl er Polizist war und eine Waffe trug, hatte er ein mulmiges Gefühl, weil er
der letzte Bewohner aus diesem Gebäude war. Er war ein Schreibtischhengst und fragte sich bloß, nach welchem Prinzip der
Mörder tötete... und warum auch die Häuser dran glauben mußten...
Blow ging die Straße entlang, an den vielen schon zerstörten Gebäuden vorbei. Auf einmal hörte er einen ohrenbetäubenden
Lärm. Wie eine Explosion. Er hätte vor Schreck fast das Gleichgewicht verloren und drehte sich blitzschnell um.
"Oh mein Gott!" Er sah eine riesige Staubwolke auf ihn zukommen - aus der Richtung, wo mal sein Wohnhaus gestanden
hatte... Er ging erst langsam rückwärts, drehte sich dann um und rannte los. Er bemerkte nicht, daß er von einer Melodie
begleitete wurde.
"...Drei kleine Negerlein, die trieben Wilderei. Eines fraß ein wilder Bär, da waren's nur noch zwei. Er übersah
ebenfalls die Augen, die auf ihn gerichtet waren... kalte, in Stein gehauene Augen.
Und zu spät merkte er, daß sein Fuß sich verkarkt hatte und die Augen auf ihn zukamen...
Mulder und Scully hörten die Schreie, doch die beiden FBI-Agenten konnten nichts mehr für Blow tun.
Sie waren vom Krach des Einsturzes wieder mal aus ihrem kurzen Schlaf geweckt worden und sind sofort raus gerannt. Nun
sahen Sie auf die blutige Leiche von Blow hinab.
"Eine Falle - eine ganz primitive Falle. Ein Seil am Boden, oben verbunden mit einer Statue. Als Mister Blow stolperte,
wurde er erschlagen..." Scully machte eine Pause und schaute auf ihren Laptop, auf das, was sie eben in ihren Bericht
geschrieben hatte. Dann blickte sie auf einen Zettel, der vor ihr lag und las leise für sich die drittletzte Strophe des
beliebten Kinderliedes.
"Drei kleine Negerlein, die trieben Wilderei. Eines fraß ein wilder Bär, da waren's nur noch zwei." Sie legte den Zettel
wieder bei Seite und tippte ein paar weitere Worte in ihren Computer. "Die Statue: Ein Bär!"
Mulder und Scully hielten es für sicherer, beide in einem Apartment zu übernachten, also kam Mulder mit seinen
wichtigsten Sachen zu Scully rüber und baute sich auf der kleinen, harten Couch ein Lager. Er war es zum Glück gewohnt,
unter solchen Bedingungen zu schlafen... Sonst hätte er sich beschwert, wie hart das Sofa doch sei...
Scully mußte schon längst schlafen... doch Mulder konnte einfach nicht... er war nervös.
Eher zufällig griff er mit seiner Hand unter das Sofa und war umso überraschter, einen Walkman darunter hervorzuziehen.
Er setzte ich auf, drückte die Abspieltaste und war überrascht aber erfreut, Elvis zu hören.
Gerade als ein Lied fast zuende war, ging die kleine Lampe aus, die kurz zuvor das Zimmer noch schwach erhellt hatte.
Nach ein paar Versuchen, sie wieder anzuschalten, war sein erster Gedanke Stromausfall. Er drehte den Walkman etwas lauter
und "watschelte" zu Scullys Zimmertür... um nach ihr zu sehen.
Doch auch Scully war aufgewacht und hatte den Stromausfall bemerkt. Sie saß kerzengerade auf dem ungemütlichen Bett, als
sie leise Schritte vernahm... Sofort griff sie nach ihrer Waffe und zielte auf die Tür, die langsam geöffnet wurde. Sie
konnte in der Dunkelheit nicht viel erkennen... vernahm aber leise Klänge von Musik.
"Bleiben Sie, wo Sie sind!" forderte Scully nervös.
Mulder sah und hörte außer seiner Musik nicht viel... Er übersah sogar Scullys Schattenfigur. Er hatte seinen Blick auf
das Bett gerichtet, welches aussah, als würde sie noch immer ruhig schlafen. Auf einmal wechselte das Lied... und Mulder
hörte eines, daß er eigentlich nie wieder hören wollte... es begann gleich bei der vorletzten Strophe. "Zwei kleine
Negerlein, die letzten des Vereines, sie gingen auf einander los..." Er war unbewußt immer weiter vorgeschritten und hatte
Scullys erneute Rufe nicht gehört...
Plötzlich zerriß ein Schuß das Lied, welches leise weiterlief und traf Mulder. Scully konnte nicht genau ausmachen,
wohin oder wen sie getroffen hatte... es war zu dunkel. Aber Tatsache war: Sie hatte getroffen.
Mulder war unter einem lauten Aufschrei zusammengebrochen. Er war wie benebelt und blieb regungslos liegen.
Scully ging vorsichtig auf die am Boden liegende Person zu. Als sie sie fast erreicht hatte, ging das Licht wieder an...
und sie sah Mulder dort liegen... wie tot. Mit einem Aufschrei stürzte sie zu ihm runter... Sie kam aber nicht dazu, ihn
auf das Ausmaß der Verletzung zu untersuchen... Sie spürte eine Pistole im Genick.
"Keine Bewegung!" sagte eine ihr bekannte Stimme. Scully erhob sich langsam und drehte sich dann um...
"Officer Lorenz?!" sie war wie erstarrt als sie ihn vor sich sah.
"Ja Miss Scully!" Er hatte einen Strick in der einen, ihre Pistole, die sie beim Anblick Mulders fallengelassen hatte,
in der anderen Hand.
"Wie...wie..." sie schaute ihn wie entgeistert an.
"Ich habe Ihnen eine kleine Geschichte zu erzählen... setzen Sie sich, es könnte etwas dauern!" Scully war wie erstarrt
und rührte keinen Muskel.
"Setzen Sie sich!" zischte er sie an. Langsam, mit weit aufgerissenen Augen, den Blick auf Mulder setzte sie sich auf's
Bett.
"Sie möchten sicher wissen, wie ich diesen kleinen "Haussturz" überleben konnte... Nun, es war ganz einfach!" Er legte
Scullys Waffe neben Mulder auf den Boden. "Wissen Sie, ich habe da drinnen einfach mein kleines Bömbchen angestellt und bin
so schnell wie möglich zur Hintertür raus!"
"Warum... warum t-töten Sie? U-und warum nach den Strophen eines Kinderliedes?" brachte Scully mit zitternder Stimme
hervor. Sie war den Tränen nahe... Wie hatte sie bloß auf Mulder schießen können?!
"Nun ja... ich besitze, schon seit meiner Kindheit her, ein seltsames Zusammenkommen zweier Eigenschaften... Oder sagen
wir eher Bedürfnissen. Ich wollte Gerechtigkeit! Nichts strebte ich mehr zu, als der Gerechtigkeit und nichts erregte mich
mehr als Ungerechtigkeit! Andererseits..." er machte eine kurze Pause. "...verspürte ich die Lust zu töten! Sicher, es gab
ja diese kleinen Experimente mit Kleintieren und so... doch auf die Dauer wurde mein Bedürfnis größer, meine Fantasien
wuchsen ins Unendliche! Ich verlangte nach großen Opfern... nach vielen Toten! Ganz klar, ich ging zur Polizei! So konnte
ich beide Bedürfnisse unter einen Hut bringen. Ich schoß eben lieber zweimal zuviel als einmal zu wenig und stempelte es
später als... Notwehr ab. Eines Abends lief ich fröhlich nach Hause... und pfiff dabei unbewußt ein Lied. 10 kleine
Negerlein! Und so kam mir diese Idee! Doch natürlich durfte kein Unschuldiger sterben... Sie wissen ja, mein
Gerechtigkeitssinn! Also werde ich Ihnen mal etwas erzählen, was Sie wahrscheinlich noch nicht wissen!" Er räusperte sich.
"Jedes meiner Opfer hat sich eines ungesühnten Verbrechens schuldig gemacht. Fangen wir mit Toni Morris an. Er hat die
Geschwister Jane und Jeniffer Thomas absichtlich überfahren! Er wurde wiederrechtlich freigesprochen! Es war leicht, das
Gift in sein Glas schütten zu lassen. Sie kennen ja bereits den Kellner, der übrigens inzwischen über alle Berge auf und
davon ist! Ich weiß von ein paar kleinen und großen Dingern, die er so gedreht hat. Naja, jedenfalls hatte ich ihn in der
Hand und konnte ihn jederzeit auffliegen und einbuchten lassen. Und so tat er mir diese kleine... Gefälligkeit. Er
verheimlichte Ihnen übrigens auch, daß ich am fraglichen Abend auch im Lokal gewesen bin... Es war mir ein besonderes
Vergnügen, Mister Morris beim Sterben zuzusehen! Und dann... Ach ja. Mrs Roberts!" Scully wurde immer kleiner auf ihrem
Bett, als Lorenz ihr erzählte, daß Mrs Roberts und Mr. Ron - sie haben mal zusammen bei einer Mrs Slim gearbeitet - ihre
Hausherrin aus Geldgründen umgebracht haben und McAdams seinen Adjutanten und Geliebten seiner Frau auf dem Höhepunkt
seiner Karriere als Offizier vorsätzlich in den Tod geschickt hatte.
"...Und die alte Emily Branders. Sie hatte sich den Tod von James Jonathon Branders, ihrem Neffen, zuzuschreiben. Ich
habe den Bericht des Falles gelesen und kann die Zeilen mittlerweise auswendig!" Immernoch saß Scully wie versteinert da
und hörte Lorenz bedrückt zu.
"Jonathon war ein mieser Schüler, seine Eltern waren tot und Emily hat sich seiner angenommen. Sie schickte ihn aufs
Internat, und als er zum dritten Mal von dort ausbrach sagte er, daß wenn er noch einmal in das Internat zurückmüsse, er
sich umbringen würde. Emily antwortete darauf "Dann häng' dich eben auf!" Und was passierte... Er ging in die Schule zurück
und hängte sich auf. Sie kam mit einer geldstrafe davon..."
"Und... und was werfen Sie uns vor?" sie wurde leiser, während sie sprach. "Mir... und Mulder?"
"Dazu kommen wir noch Miss Scully! Bleiben wir in der Reihenfolge! Der nächste Tote, Sie wissen ja, war ich! Und wie ich
schon sagte, entkam ich der Explosion durch die Hintertür." Er wirkte leicht herablassend und strolchte immerzu um sie
herum. "Und dann kam Armstong! Es war mir ein leichtes, mich in ihre Wohnung zu schleichen und sie übers Geländer zu
befördern. Sie hatte damals, als sie noch Ärztin war und bevor sie Psychologin wurde, bei einer ihrer Operationen
gepfuscht! Der Patient - Don Handers - starb unter ihrer Hand!" Scullys Herz umgab einen Schleier tiefen Hasses, und sie
hätte Lorenz am liebsten eine reingehauen... Doch man sah an seinen durchtrainierten Armen förmlich die Muskeln spielen...
und so ließ sie es bleiben.
"Ach und Blow!... Er war ein Schreibtischhengst, ein ganz netter Kerl. Irgendwie könnte man seinen Tod bedauern... doch
er hat ihn verdient! Vor zwei Jahren war er noch ein recht guter Außendienstpolizist. Bei einem Einsatz aber ist er auf ein
Kind gestoßen. Es stand im Dunkeln und hielt ihm eine Spielzeugpistole entgegen. Unser Blow fand dies so echt, daß er
geschossen hat. Ken Fallers ist nach vielen Qualen im Krankenhaus gestorben."
"Hören Sie auf!" Scully konnte dies nicht länger über sich ergehen lassen und sprang wütend aber ängstlich auf.
"Was denn?! Jetzt kommen wir doch erst zum interessanten Teil! Sie wollten doch unbedingt wissen, was ich Ihnen
vorwerfe!" grob stieß er sie zurück aufs Bett und legte den geknüpften Strick, mit dem er die ganze Zeit rumgewedelt hatte,
neben sie. Er fuhr fort. "Ihr totes Schätzchen da..." er deutete auf den reglosen Körper von Mulder. Diese Worte trafen.
Scully gab einen gequälten Laut von sich und hielt sich die Ohren zu. "MulderMulderMulder!" war das einzige, was sie in
diesem Moment denken wollte, doch Lorenz stellte sich mit einem erhabenen Blick vor sie und schrie sie an.
"Erheben Sie sich Angeklagte!" sie fühlte sich wirklich schon wie eine Verdächtige auf der Anklagebank.
"Was werfen Sie Mulder vor?" eine Träne schimmerte in ihrem Augenwinkel.
"Keine Zeit, das alles aufzuzählen!" war seine knappe Antwort. Langsam stand sie auf und blickte auf ihre Füße hinunter.
"Dana Kathreen Scully! Ich beschuldige Sie des Mordes an Melissa Scully, Ihrer Schwester!" Scully zuckte bei diesen
Worten unwillkürlich zusammen. Sie hatte keine Kraft mehr, etwas gegen Lorenz zu unternehmen, in gewisser Weise wollte sie
es auch nicht. Sie fühlte sich schuldig an Mulders Tod... und sie wollte in gewisser Weise dafür bestraft werden. Sie stand
stumm da und hörte brav zu, was er ihr zu sagen hatte.
"Haben Sie etwas zu Ihrer Verteidigung vorzubringen?"
"Ich... ich bin un..."
"Schweigen Sie!" fiel er ihr ins Wort. "Sie haben Ihre Schwester erschießen lassen... Sie hatten doch die Warnung
bekommen, umgebracht zu werden... Und Sie haben sie einfach so in ihr Verderben laufen lassen!" Er machte eine kurze Pause.
"Dana Kathreen Scully! Ich verurteile Sie hiermit zum Tode durch den Strang!" Er nahm den Strick wieder hoch und wedelte
ihr damit vor der Nase herum. Als sie weiterhin schwieg, ging er einen Schritt zur Seite und deutete in Richtung Pistole.
"Oder bevorzugen sie die da?!" Scully wollte nicht weinen, nicht vor ihm... trotzdem suchte sich eine Träne langsam ihren
Weg über ihre Wange. Lorenz blickte sie mit wilden Augen an und drückte ihr den Strick in die Hand. Zu ihrer eigenen
Verwunderung nahm sie ihn an.
"Ich werde gleich die letzte Kapsel Kalium Zyanid einnehmen. Denn auch ich, darüber sind wir uns beide im klaren, habe
den Tod verdient!" er griff in seine Tasche und holte eine kleine Fernbedienung hervor. "Ich lasse Ihnen die Ehre, das
Nachbargebäude und alle Sachen Ihres Partners zu... zerstören!" Lorenz hielt ihr die Bedienung, wo nur ein einziger kleiner
roter Knopf drauf war, entgegen. Sie regte keinen Muskel - stand nur da.
"Dann eben nicht!" Er drückte selber auf den Knopf. Im Gleichen Moment konnte man unter einer riesigen Explosion Glas
bersten und Stein brechen hören. Da diese beiden Häuser dichter zusammenstanden als alle anderen, bekam auch dieses Gebäude
eine Ladung herumfliegender Stückchen ab. Scully kauerte leise wimmernd auf dem Boden und hielt sich die Ohren zu. Sie
konnte trotzdem noch hören, wie Lorenz wie im Rausch unter den Geräuschen von springendem Glas "Boum! Boum!" schrie und
dann lachte.
"Stehen Sie auf! Jetzt ist erst das interessante Sprengkörperchen an der Reihe! Scully stand langsam wieder auf - den
Strick fest umklammert. Officer Lorenz zog eine zweite Fernbedienung aus der Tasche. Sie glich der anderen aufs Haar - die
gleiche schwarze Eigenkonstruktion - nur mit der kleinen Ausnahme, daß der Knopf nicht rot sondern grün war.
"Wenn ich diesen hier betätige..." er deutete auf den Knopf. "... dann wird hier irgendwo im Haus eine Bombe aktiviert,
die wiederum in zehn Minuten explodieren wird! Ich lasse Ihnen aber noch fünf Minuten mehr - werde es mir im Nebenzimmer
bequem machen und kurz vor Einnahme meiner Kapsel draufdrücken!" er wandte sich zum Gehen. "Ich schlage vor, was wir jetzt
zu tun haben, tun wir beide für uns alleine!"
"Und... und wenn ich's nicht tue?"
"Wenn Sie es nicht tun meine Liebe... machen sie sich schon mal darauf gefaßt, den Rest Ihres Lebens im Knast zu
verbringen... schauen Sie sich doch mal um. Ein toter FBI-Agent. Daneben Ihre Waffe übersäht mit Ihren Fingerabdrücken!" Er
hielt ihr seine Hand, mit welcher er die Waffe angefaßt hatte, vor die Nase. Er hatte Handschuhe an, was ihr vorher noch
nicht aufgefallen war.
"Oder möchten Sie, daß ich Ihnen behilflich bin?" Er nahm ihr den Strick aus der Hand und legte die Schlinge um ihren
Hals. Sie ließ es einfach mit sich geschehen. "IchwerdebaldwiederbeiIhnenseinMulder" dachte sie und schloß mit leicht
zitternder Unterlippe die Augen.
Mulder war zwar noch leicht benebelt, doch er spürte den stechenden Schmerz in seiner Schulter genau. Wer hatte auf ihn
geschossen?! War sein erster Gedanke. Dann öffnete er seine Augen. Oh Gott! "Scully!" schrie er gequält. Ein erstauntes
aber überglückliches "Mulder?!" kam zurück. Lorenz hatte sich blitzschnell umgedreht. Mulder sah die Waffe neben sich. Er
zögerte nicht lange und schoß auf diesen. Unter einem Aufschrei fiel Lorenz zu Boden, die Fernbedienung rutschte über den
Boden und er blieb nach einigen Sekunden still liegen. Scully war eine Sekunde wie erstarrt. Mulder! Ihr Partner... er
lebte. Dieser hielt sich die Schulter. Als sie sich wieder gefasst hatte, nahm sie sich die Schlinge vom Hals und stürzte
erleichtert zu Boden - zu Mulder.
"Mulder... Sie... Sie leben ja?!" die letzten beiden Worte waren eher ein Flüstern. Sie war ganz verwirrt.
"Haben Sie auf mich geschossen?" sie nickte stumm und fiel ihm erstmal um den Hals, darauf bedacht, nicht an seine Wunde
zu stoßen.
"Ein Glück, daß Frauen nicht schießen können!" er grinste leicht und Scully fing herzhaft an zu weinen. Vor Freude und
Erleichterung - und weil sie sich von den erschreckenden Worten Lorenzs "befreien" wollte.
"Mulder... ich dachte... dachte Sie wären tot!" Scully küßte ihn auf die Stirn. Sie sah ganz verweint aus.
"Scully..." er klang ernst, und es schien ihm nichts auszumachen, daß sie ihn angeschossen hatte und er nun blutend da
saß - doch sie kannte ihn besser. "Was... was ich schon öfter versucht habe, Ihnen zu sagen..." er schaute sie nicht an.
Eben noch dachte er, es wäre der richtige Moment gekommen um es ihr zu gestehen - seine Liebe! Stille trat ein, Scully
wartete mit einem leichtem Lächeln auf den Lippen.
"Ich... ich..." sie hatte so eine Ahnung, was er sagen wollte... das selbe, was sie ihm eigentlich schon seit Jahren
hatte sagen wollen...
"Mulder..." er war froh, daß sie etwas sagte. "Ich... wissen Sie... ich hatte Sie schon aufgegeben... u-und mich...
auch. Mir kam mein Leben sinnlos vor, als ich sie da so liegen sah - wie tot... und... und wenn Sie nicht wieder
aufgestanden wären..." sie weinte immernoch und er griff nach ihrer Hand.
"Ich... Ich..."
"Ich liebe Sie!" beendete Mulder den Satz, den beide schon lange versuchten auszusprechen. Nach einem kurzen Moment der
Verwunderung zog Scully ihn zu sich heran und küßte ihn. Der Schmerz, der seine Schulter durchzuckte war ihm egal... wenn
er nur mit ihr zusammensein konnte! Als sich ihre Lippen wieder trennten, schauten sich beide noch einen Moment tief in die
Augen. Danach machte sich Scully daran, seine Wunde zu verarzten - so gut es ging mit den hier gegebenen Mitteln. Sie warf
dem reglosen Körper von Lorenz einen kurzen Blick zu. Er würde nie wieder irgendjemandem etwas tun!
"Dana?!" flüsterte Mulder und sie drehte sich ihm wieder zu. "Du weißt, daß es jetzt einen anderem Schluß für das 10
kleine Negerlein Lied gibt... er grinste, doch sie schaute ihn nur fragend an. "Ein kleines Negerlein verliebte sich so
sehr! Es führt den Helden zum Altar, und dann gab's eines mehr!" "Mal schauen, wie lange es dauert, die 10 kleinen
Negerlein wieder vollzubekommen!" meinte Scully schmunzelnd.
Ende
- by Svenja Frahm -