Titel: Verliebt, verlobt, verheiratet

Autoren: Staindfan und Fee

E-Mail: ulrikewu@arcor.de

Kategorie: DGR

Rating: PG
Spoiler:
Anmerkung: Nuuuun, wie das so ist, müssen zu Gunsten der Shippigkeit manchmal die Fakten ein wenig leiden. In diesem Falle waren es die Kinder von Gill und Dave- Maddie stellten wir etwas älter ,da als sie ist, Piper wohl etwas jünger, und Kyd gab es noch gar nicht- alles, damit es besser in die Story passt. Die Wohn- und Drehorte liegen natürlich in natura nicht an der gleichen Stelle, in der ff jedoch schon, damit auch alles fein klappt. Alles andere was euch auffällt und nicht ganz so passt ist NATÜRLICH auch gewollt, und nur nicht hier erwähnt ;) WAS NICHT PASST WIRD PASSEND GEMACHT, und zwar von Staindfan und der Fee. Nun viel Spaß und Herzpochen.
Inhalt: Erst unglücklich verliebt, dann unglücklich verlobt, und dann unglücklich verheiratet --oder sehen nur WIR das so?? ;)
--da fragt man sich doch ob das noch ein das  noch Happy end nimmt, bei dem schlechten Timing unserer zwei Süßen.
Disclaimer: And der Stelle möchten wir noch einmal betonen, dass es sich hier um eine Fan*FICTION* handelt. Natürlich wollen wir hiermit niemanden verärgern oder gar Geld durch die Verwendung der bekannten Charaktere verdienen.
Datum:??-26.04.2004
Größe: 204 KB

 

Verliebt, verlobt, verheiratet

Er saß alleine am Frühstückstisch und blätterte die Zeitung bei einer guten Tasse Kaffee durch. Über die betriebene Politik konnte er nur den Kopf schütteln. Dieser Krieg musste doch nun wirklich nicht sein. Er persönlich engagierte sich ja gegen den Irakkrieg. Um sich auf bessere Gedanken zu bringen nahm er die Klatschseite hervor. Er schien diesmal nicht betroffen zu sein. Letzte Woche gerade hatte er ja über die Zeitung erfahren, dass Tea angeblich wieder ein Kind erwarten würde. Er selbst wusste davon zwar nichts, aber wenn diese Journalisten meinten... Tea hatte einfach ein wenig zugelegt, das kam bei Frauen nun mal von Zeit zu Zeit vor. Denn er wusste mit Sicherheit, dass Tea wenn kein Kind von ihm erwarten würde. Bei ihnen lief es in letzter Zeit nicht besonders rosig. Sie hatten seit Ewigkeiten nicht mehr miteinander geschlafen, was eher von seiner Seite her kam, dass sie jedoch fremdgehen würde, kam für ihn natürlich nicht in Frage. Dazu waren sie beide zu offen, so etwas würde in ihrer Ehe nicht in Frage kommen, dann eher die Scheidung. Sie hatten offen über ihre Probleme geredet und sich gegenseitig bestätigt, dass es nun mal in jeder Ehe eine Krise geben würde - und sie erlebten diese wohl gerade. Aber er war sich nicht sicher, ob es nur eine Krise war. Er hatte einfach keine Gefühle mehr für seine Frau. Es erschreckte ihn, er hatte anfangs auch versucht die Gefühle wieder herbei zu rufen, doch es gelang ihm einfach nicht, und mit Gewalt konnte es ja auch nicht funktionieren. Er hatte aber auch nicht das Gefühl, dass Tea sich besonders bemühen würde...
Er überflog die neusten Nachrichten, da blieben seine Augen plötzlich an einer Spalte hängen. Verlobt? Gillian Anderson... Gillian war verlobt??? Mit diesem Kerl, den sie gerade sechs Wochen kannte? Nie im Leben! Das konnte, durfte nicht sein... Oder doch? Sie war schon sehr lange alleine, jedoch hatte er nie daran gedacht, dass sich das in nächster Zeit ändern würde. Für ihn war es einfach ein fester Zustand, dass Gillian alleine und auch glücklich damit war. Gut, sie hatte erwähnt, dass sie sich ein Geschwisterchen für Piper wünschte, aber verlobt? Sie würde doch nach der Pleite mit Clyde nicht direkt wieder heiraten. Direkt? Nun gut, das war wirklich schon sehr lange her. Warum regte er sich auf? Sie hatte doch das Recht, glücklich zu sein. Aber warum dieser Kerl? Und wieso gerade jetzt? Er brauchte sie, seine Freundin, und wollte sie nicht mit diesem Kerl teilen. Weshalb hatte sie ihm nichts gesagt? Sie hatten sich in letzter Zeit viel zu selten gesehen. Nach dem Abschluss des Drehs für Akte X hatten sie sich so gut wie gar nicht mehr gesehen. Seitdem hatte sich alles verändert.
Er stand auf, legte die Zeitung aber nicht beiseite, und ging zum Telefon um ihre Nummer zu wählen. Zwar vernahm er ihre bezaubernde Stimme, doch leider nur auf den Anrufbeantworter. Er wollte gerade auflegen und es später noch einmal probieren, doch da hörte er wie die Hausgangstür aufging und er hörte Teas Stimme.
 „Hey Gill , ich bin’s David. Hab Euch lang nicht mehr gesehen. Wenn du morgen Zeit hättest, wie wäre es um zwei in unserer alten Mittagspausen- Bar? Ich bin da und warte. Falls du keine Zeit hast... dann ruf mich einfach noch mal an, ja?“ Er legte auf.


Ein Tag später bei Gillian zu Hause

Gillian war gerade von der Geburtstagsfeier eines Familienmitgliedes ihres Frischverlobten wiedergekommen.
Mit einem tiefen Seufzer ließ sie sich auf einen bequemen Sessel fallen. Die Rückreise hatte 3, 1/2h gedauert und war ziemlich strapaziös gewesen.
Draußen waren es 25°C,aber Gillian kam es noch viel wärmer vor.
Ihr Verlobter war geradewegs ins Bad verschwunden, um zu duschen. Gillian bekäme eine Dusche jetzt sicher auch gut, aber sie hatte so ein Gefühl von Schwäche. Als bestünde ihr Körper komplett aus Stahl, den sie nicht vermochte von der Stelle zu bewegen.
 „Kann ich mir ein Eis kaufen gehen, Mummy?“, fragte Piper, als sie munter an ihrer geschafften Mutter vorbei rannte.
 „Ich bin auch gleich wieder da“, versprach sie.
 „Hast du dir denn auch deinen Schlüssel eingesteckt?“
 „Ja, hab ich. Bitte, bitte Mummy! Darf ich?“
 „Na gut, aber pass auf, dass du...“
*KNALL* - schon war die Tür zu.
Gillian zuckte zusammen.
Es war ein äußerst stressiger Tag und sie vermochte solche lauten Geräusche heute einfach nicht zu ertragen.
Jetzt fehlte nur noch das typische, nervige Telefonklingeln.
Das wäre dann wirklich zuviel für ihre Nerven gewesen.
Darum hielt es Gillian zwangsweise für nötig, ihren Arm kurz zu betätigen um den Anrufbeantworter abzuhören bevor sie das Telefon für eine nicht absehbaren Zeitraum außer Gefecht setze würde.
*PIEP*
“Neue Nachrichten wiedergeben. Nachricht 1: “Hey Gill, ich bin’s David. Hab Euch lang nicht mehr gesehen- wenn du morgen Zeit hättest, wie wäre es um zwei in unserer alten Mittagspausen- Bar? Ich bin da und warte. Falls du keine Zeit hast... dann ruf mich einfach noch mal an, ja? Nachricht -Ende“
*PIEP*

Ohne sich zu bewegen schaute Gillian auf die alte Wanduhr neben sich >14.44Uhr<
Sie ließ ihren Kopf in ihre stützenden Hände sinken und verweilte so für kurze Zeit.
Sie wollte es ja noch nie wahrhaben aber es bedurfte wirklich nur der Kleinigkeit eines Anrufes von David und schon schlug ihre berechtigte Trägheit in nervöses hin &her wuseln um.
Sie brauchte also auch nicht wirklich darüber nachzudenken ob sie hingehen würde.
Natürlich würde sie gehen!
Sie hatte ihre Gedanken an David zwar in letzter Zeit weitestgehend verdrängt und hatte beschlossen vergangene Zeiten ruhe zu lassen aber es gab da etwas wie eine mystische Kraft, die ihr in solchen Situationen keine Wahl ließ.

Diese Grübeleien waren aber schnell wieder verworfen als sie einen weitere Blick auf die Uhr warf
>1.46Uhr<!!
Die Zeit schien geradezu zu rennen und wenn sie es überhaupt noch rechtzeitig schaffen wollen würde, dann musste sie sich sputen.

Erst einmal musste sie schnellstens diese Nachricht löschen! “Nachricht gelöscht“ *PIEP*
Dann fiel ihr ein das sie das Auto beim derzeitigen Stau sicher nicht gebrauchen können würde. Also musste sie es zu Fuß schaffen.
Normalerweise lief sie im Schritttempo ca.20 Minuten bis in ihre Mittagspausen-Bar, aber wen sie rennen würde könnte sie trotzdem noch rechtzeitig ankommen. Sie hatte zwar einen mittellangen, schwarzen Rock an, aber da musste sie jetzt durch.

Schnell schnappte sie sich noch ihr Handy und packte es in ihre, noch vom Geburtstag gepackte, Umhängetasche. Mit der würde es sich zwar schlecht rennen lassen aber ihre Sachen jetzt noch umzupacken, das würde sie niemals schaffen.
Also riss sie die Tür auf und machte sich auf ihren Weg.

Eben gerade noch in ihrem Sessel, rannte sie mittlerweile 8Minuten den überfüllten Fußgängerweg entlang.
Wollen all diese Leute nur bei diesem Wetter hier in der Stadt? -dachte sich Gillian.

Während sie nun versuchte irgendwie durch die Massen zu kommen musste sie die ganze Zeit verkrampft ihre Tasche festhalten die jeden Moment von ihrer Schulter zu rutschen drohte.
Nach weiteren 6 Minuten sprinten konnte es nicht mehr weit sein. Und tatsächlich konnte sie ihr ziel schon bald in nicht all zu großer Entfernung sehen.

Doch was war das dort vor ihr? Ungefähr 300 Meter vor ihr war es so gut wie menschenleer!
Doch Gillian brauchte nicht weit zu gehen, da erkannte sie die Ursache.
 
Dort war ein Hydrant kaputt und das Wasser würde im Umkreis von 4 Metern jeden klitschnass machen.
Aber egal wo sie hinsah, es gab wohl keine andere Möglichkeit als direkt unter dem Wasser durchzurennen.
Sicher sie hätte ebenso gut wieder zurückrennen und eine andere Straße nehme können, aber dafür war sie jetzt einfach schon zu nahe dran und ein Blick auf die Uhr verriet ihr das sie bereits 2 Minuten zu spät war.
Sie hatte also nicht wirklich eine Wahl.
Gillian atmete einmal tief durch und _______*platsch* -rannte durch den dick tropfeigen Platzregen.
Pitschnass rannte sie also weiter.
Gott sei Dank hatte sie es gleich geschafft- nun waren es nur noch wenige Meter.
Rund um die Bar schien es auch leer zu sein, das gab Gillian zu hoffen das sie dort wenigstens gut vorankommen würde.
Kurz vor ihrem ziel gab sie also noch mal so richtig Gas!
Sie rannte so schnell sie konnte, da sie ja wusste, dass sie eh schon zu spät war.
In ihrem Eifer rannte sie beinahe an der Bar vorbei & das wäre sie auch aber
*PENG*
war sie in jemanden rein gerannt der gerade aus der Bar raus kam.
Es war DAVID! *g*


Etwas benommen brachte sie nur ein  „´Tschuldigung" hervor, ohne den Menschen ihr gegenüber genauer zu betrachten. Sie zupfte ihr Shirt zu Recht. Es war klitsch nass.
Na super dachte sie- sie hatte sich ja ausgerechnet für das weiße entscheiden müssen!
 „Hey!" riss ihr Gegenüber sie aus ihren grummeligen Gedanken.
 „Ich sagte doch es tut mir leid!" fauchte sie ein wenig, sich immer noch dem Shirt widmend, ohne aufzuschauen. Es war einfach nicht ihr Tag! Nicht ihr Tag? Das war untertrieben- es war nicht ihr Jahr- wohl nicht einmal ihr Leben!
 „Gillian", grinste David sie an.
Erst jetzt erkannte sie diese sanfte Stimme. Sie blickte auf. Schon die Vorahnung wen sie da gerade wohl angefaucht hatte ließ peinliche Röte in ihr aufsteigen.
 „Oh, David-! Es- es tut mir wirklich Leid?" grinste sie ihn an.
 „Was bist du auch so stürmisch und läufst fremden Männern geradewegs in die Arme?" kam es von ihm zurück.
 „Fremde Männer? Mit fremden Männern verabrede ich mich nicht in einem Café mein lieber" lächelte sie und strich ihr nasses Haar zurück.
 „Ich bin aber froh, dass du gerade mir in die Arme gelaufen bist und eben nicht einem Wildfremden. Ich dachte schon du kämst vielleicht nicht mehr und hättest die Nachricht gar nicht gehört" sagte David und setzte sich langsam in Bewegung. Gillian folgte ihm.
 „Doch, ich bin grad zurückgekommen, mit Julian... und da hab ich deine Nachricht gehört. Du hattest verdammtes Glück weißt du, denn ich war so erschöpft, dass ich eigentlich nur noch ins Bett fallen wollte!"
 „Aber für mich hast du dich dann doch noch aufgerafft? Du hättest es ja auch einfach verschieben können" sagte David- und deinen geplanten Nachmittag im Bett mit Julian verbringen können sprach er in seinen Gedanken mürrisch weiter.
Als wenn ich eine Entscheidung gehabt hätte dachte Gillian ,sobald du dich meldest lasse ich alles andere stehen und liegen, das ist nicht steuerbar, denn glaub mir, wäre es das, ich würde das kleine Knöpfchen finden und es abstellen.
"Ach Blödsinn, ich freu mich dich zu sehen- und hätte ich es verschoben... dann hättest du das nächste mal keine Zeit mehr und so weiter!" antwortete sie. David legte seine Hand auf ihren Rücken um sie in die Richtung zu schieben in die er gehen wollte. Gillian schaute gar nicht erst auf die Straße- sie ließ sich von David führen und redete mit ihm, während sie auf- und in seine Augen schaute.
"Ja, als wir noch zusammen gedreht haben, da war es doch einiges leichter" gestand David.
Sie gingen über die Straße.
Immer noch schaute Gillian in seine Augen während sie ihm antwortete- sie konnte nicht anders, diese Augen hatten sie schon immer fasziniert. Und da sie sie in letzter Zeit so selten zu Gesicht bekam... so wollte sie sich diese Augen genau einprägen. Sie hatten etwas so sanftes. Selbst wenn David gereizt war- seine Augen sprachen immer ganz andere Bände!
"Das stimmt. Aber ich hatte manchmal doch das Gefühl es war dir ein wenig ZU viel, mich JEDEN Tag zu sehen, hmm?" Sie blickte ihn auffordernd an, dennoch mit einem leichten Grinsen auf dem Gesicht.
"Niemals Gillian. Nein, mal ganz ehrlich, ich konnte von vielen Menschen genug haben, nur von dir nicht. Also- man, das hat sich ja jetzt bombig angehört" er lachte selber erst mal laut heraus, Gillian war auf Grund dieser Antwort ein süßes Lächeln zu entlocken.
"Du weißt wie ich das meinte" Sprach er weiter "Hey, sogar Tea konnte ich in meiner zickigen Phase nicht ertragen, aber du- wir zwei sind uns wohl einfach so ähnlich, da kann ich ja nie was gegen dich haben, weil ich sonst ja automatisch was gegen mich haben müsste- und das wäre ja blöd...." Er sprudelte mehr als, dass er sprach.
Gillian lachte und klopfte ihm auf den Rücken.
"Schon in Ordnung, jetzt weiß ich also, dass ich dir nie auf die Nerven gegangen bin, gut zu wissen" Und das ist wirklich gut zu wissen, denn ich konnte auch nie genug von ihm bekommen. Von allem was er hat oder macht! Oh Gillian, du bist unverbesserlich! Du bist verlobt, er ist verheiratet, und du machst dir „Kleine -Mädchen –Illusionen“. Du vermisst einfach die Zeit mit ihm am Set, das ist alles! Schoss es ihr durchs Hirn.
Sie standen vorm Park.
David zeigte auf eine kleine Frittenbude. "Na, wollen wir unserem fünf Sterne Koch mal wieder einen Besuch abstatten?"
"Klar- Hey, schau mal, da ist noch eine Bank frei! Ich schnapp mir die Bank, mach mich breit, und du holst das Übliche?!"
David nickte und pilgerte in Richtung Imbiss. Gillian sprintete mehr oder weniger auf die Bank zu. Man bekam um diese Zeit seltenst eine freie Bank zu Gesicht. Es waren viel zu wenig Bänke in diesem Park! Oder einfach zu viele Leute die nie etwas zu tun hatten! Du hast doch grad auch nichts zu tun, also hör mal auf! Schalt sie sich selber. Die Sonne schien durch die Bäume, eine sanfte Brise ließ die Äste wanken. Es war so schön und ruhig hier. In der Drehpause war sie auch oft mit David hier hergekommen, aber wie gesagt- sie bekamen fast nie eine Bank. Das heute war fast ein historischer Tag, er sollte gefeiert werden! Sie erinnerte sich an das Picknick, dass sie letzten Sommer auf der Wiese veranstaltet hatten. David wusste, dass Piper an diesem Tag mit zum Set kommen würde und so hatte er als Überraschung einen Korb zusammengepackt und sie hatten es sich hier gemütlich gemacht. Gillian lehnte sich zurück und schloss die Augen. Die Sonne wärmte sie. Sie seufzte leise.
"Was denn? So müde?" Hörte sie David.
Sie öffnete die Augen, er stand vor ihr, mit den Currywürstchen und dem Nudelsalat in der Hand.
"Nein" sie lächelte- "es ist nur so entspannend hier!"
Er nickte zustimmend und reichte ihr die Currywurst. "Ich dachte mir den Salat teilen wir uns, der Chef hat ihn extra groß gemacht" zwinkerte David.
Gillian schob sich ein Stück Wurst in den Mund. Dann deutete sie auf die Flasche, die neben David auf der Bank stand. Sie wollte erst zu Ende kauen, der Höflichkeit halber. Doch dann dachte sie Ach was, vor David... und sie platzte heraus:
" Wow, heute sogar was zu Trinken dabei?" Sie studierte das Etikett genauer. "Wein? Rodriguez hat Wein in seinem Imbiss und ich wusste all die Jahre nichts davon?" Sie lachte, so weit das mit dem Würstchen im Mund ging.
"Erst mal Madame, hat deine Mutter dir nicht gesagt, dass man mit vollem Mund nicht spricht? Zweitens- ja, seit neuestem hat unser Chef sich auf die ganz edlen Kunden vorbereitet, und drittens gehören wir heute zu diesen edlen Kunden!" Grinste David sie an.
"Tut mir unheimlich leid!" Sagte sie und tat als würde sie sich unglaublich schämen. "Du kennst aber auch alle schlechten Seiten an mir" grinste sie. Und das ist es was ich so liebe- er kennt mich in und auswendig... und ich ihn...! Dachte Gillian.
Ja, du bist sogar mit einem Stück Currywurst im Mund unglaublich niedlich! Schoss es David durch den Kopf als er sie betrachtete.
"Und, was gibt es zu feiern?" Fragte Gillian nun nach.
"Erst einmal, dass wir heute eine Bank ergattert haben- das ist für mich fast schon ein göttliches Zeichen..."
Zusammen Film?
"Na ja, ob ich es ein göttliches Zeichen nennen würde... ich würde es- rein wissenschaftlich- einfach so erklären, dass..." Sie machte eine Pause als käme jetzt eine schwer nachvollziehbare, aufwendige Theorie- "wir einfach früher als sonst da sind, und die meisten Leute eben doch noch einem Job mit geregelten Arbeitszeiten nachgehen" Beendete sie, neckisch grinsend.
"Oh, rein wissenschaftlich also...! Diese Scully- Seite an dir werden wir wohl nie wieder weg bekommen, hmm?"
Kurz lag ein nachdenklicher Gesichtsausdruck auf ihr, dann nickte sie. "Ein wenig hat diese Figur mich, denke ich, doch beeinflusst, auch wenn ich das nie gedacht hätte. Aber nach all den Jahren vielleicht doch verständlich. Ich vermisse diese rationale Scully manchmal sogar" Gestand sie.
"Tust du?"
"Ja, tue ich. Und jetzt sag mir nicht, dass du deinen Fox so leicht aufgeben konntest!" Sie boxte ihm leicht in die Seite.
Sie kennt mich eben viel zu gut.
"Also, die Zusammenarbeit mit uns hat einfach so gut geklappt, deswegen konnten wir unsere Rollen so gut ausleben und- Hey, wir kamen verdammt gut an beim Publikum!" Grinste David und klopfte sich selbst auf die Schulter.
"Wohl war." Lächelte Gillian ihm als Antwort entgegen.
"Okay, nun zum Wein..." Sagte David.
Gillian hob aufmerksam den Kopf. Na Gläser scheint unser Chefkoch noch nicht zu besitzen.
"Nein, bevor wir den Wein trinken können muss ich überhaupt erst mal wissen ob wir auch einen Grund haben ihn zu trinken. Oder ob wir vielleicht mehrere Gründe haben." Sprach David in höchst rätselhaftem Ton.
Gillian zog eine Augenbraue à la Scully- Art hoch und blickte ihn verdutzt an. Dann machte sie die typische Handbewegung und sagte "Und weiter?"
"Um es kurz und schmerzlos zu machen..." Er machte eine Pause und schaute sie an.
Das macht er absichtlich! Er will, dass ich vor Neugierde platze! Und in Wirklichkeit ist es bestimmt gar nichts Aufregendes!
"WAS?"
David grinste breit "So ungeduldig?"
Sie piekste ihm in die Seite "Na los Monsieur!!!"
"Ich habe eine Anfrage erhalten - ein Drehbuch. Und - mir hat es gut gefallen. Und, ja, ich denke du würdest als weibliche Hauptrolle einfach perfekt passen! Ich habe das schon mal angesprochen, und man war sehr angetan von meinem Vorschlag. Es würde nur noch von dir abhängen- was meinst du, könntest du es noch mal mit mir aushalten?" Sprudelte er hervor.
Gillian sagte erst einmal nichts, ließ diesen Redeschwall erst noch einmal durch ihren Kopf laufen. Wieder mit David zusammen drehen? Natürlich!
"Wenn du nicht willst ist das natürlich voll okay- ich meine, ich hab ja auch erst überlegt, ob das so kurz nach Akte X gut wäre, aber- also..."
"Nein, grundsätzlich habe ich überhaupt nichts dagegen, das weißt du doch!"
"Aber?" Kam es schon enttäuscht von David. Aber sie möchte bitte erst lange Flitterwochen mit Julian planen- und an die nächsten Kinder denken...!
"Na ich möchte mir natürlich schon vorher das Skript durchlesen" antwortete sie grinsend. "Bei deiner Vorgeschichte als Schauspieler möchte ich nur sicher stellen, dass ich hinterher nicht in Foxy
Fantasy III auftauche"
Dafür erntete Gillian nun einen gaanz sanften Stoß in die Rippen. Sie lachte.
Das Skript ist mir völlig egal! Es könnte der letzte Müll sein und ich würde mitspielen! Aber wie wäre das wohl rüber gekommen, hätte ich sofort, freudig aufspringend und himmelhoch jauchzend ja geschrieen??? Verzweifelt, richtig! Und einsam! Und das bin ich ja nicht.... Nicht wirklich zumindest, nicht offiziell... ich meine...
David unterbrach ihre Gedanken. Die Gedanken an Julian. Indem er sie genau auf diesen ansprach.
"Sag mal, hat dein VERLOBTER nicht vielleicht etwas dagegen?" Fragte er.
Sie mochte es gar nicht, dass er das so betonte! Musste das denn sein? Es war schon so schwer genug für sie!
"Nein, warum sollte er? Ich meine, ich bin doch nach wie vor in der Lage mein Leben und meinen Job selber zu planen- oder was meinst du?"
"Ach, ich habe nur so Gerüchte gehört, dass Julian für Euch andere Pläne hat, nach der Hochzeit-, dass ihr zwei erst mal was ausspannt, du keine Angebote annehmen sollst..."
"DAVID!" Sie blickte ihn streng und eingehend an. "Seit wann bitte hörst DU auf Gerüchte?"
"Na ja, dank der Gerüchte Küche im Heralds habe ich erst über deine Verlobung erfahren" Antwortete er. Es stimmt also, sie ist verlobt und hat mir nichts davon gesagt. Danke! Da fühlt man sich doch richtig klasse. Die Klatschpresse weiß es sogar vor mir. Aber ich kann ihr nicht böse sein.
"Ich...ich -es tut mir leid. Es kam alles ziemlich plötzlich, weißt du. Wir waren im Urlaub- und dort hat er mir auch den Antrag gemacht.“ Antwortete Gillian entschuldigend. Es tat ihr wirklich leid. Wie musste David sich denn jetzt vorkommen? Aber sie hatte auch Angst gehabt es ihm zu sagen, war froh, dass es so jetzt raus war.
Ja, nach sechs Wochen macht dieser Gigolo dir einen Antrag und du nimmst an! SECHS Wochen! Das kann doch nicht gut gehen! Aber ich wünsche dir, dass du glücklich wirst, deshalb sage ich jetzt nichts weiter.
"Ich wollte nur sagen, dass es mich für dich freut" Antwortete David. "Also, dann gibt es mindestens eine Sache auf die man "anstoßen" sollte, und die andere- na die ist so gut wie klar, denn das Skript wir dich völlig überzeugen, glaub mir!"
Also öffnete er den Wein, hob ihn kurz hoch und sagte "Prost!" bevor er einen Schluck des Billigweines nahm.
Dann reichte er die Flasche an Gillian. Auch sie nahm einen Schluck. Sie verzog das Gesicht.
"Uummm, die Currywurst mag fünf Sterne haben, aber der Wein hier... für einen so freudigen Anlass nun wirklich nicht angemessen..." Sagte sie.
So freudig finde ich den Anlass gar nicht, dass meine beste Freundin sich verlobt hat, mit... diesem Kerl!!!
Bevor er irgendwie falsch reagieren konnte sagte er, einen Blick auf die Uhr werfend "Oh Gott, ich muss jetzt aber auch los, das hätte ich fast vergessen, tut mir leid! Den Wein lass ich mal bei dir" Zwinkerte er ihr zu.
Er nahm noch schnell einen Ordner aus seiner Tasche und übergab ihn Gillian. "Meldest du dich wenn du es durchgelesen hast?" Fragte er.
Gillian nickte. Oh, so wichtig scheint der Anlass also doch nicht zu sein, dass wir vielleicht wieder zusammen arbeiten- ich dachte wir würden das etwas feiern....
Sie war ein wenig enttäuscht, aber sie konnte ja auch nicht wissen, dass David dachte das freudige Ereignis sei für sie natürlich die Verlobung und nicht die Zusammenarbeit....
Bevor David geradewegs den Park verließ, drehte er sich noch einmal um und rief ihr zu: "Das Shirt steht dir übrigens unglaublich gut!" Gillian konnte sein spitzbübisches Grinsen noch auf diese Entfernung erkennen.
Sie blickte an sich herunter. Es war immer noch nass. Und durchsichtig!





Mit einem leichten Kribbeln im Bauch und dem daraus folgendem Grinsen machte sich dann auch Gillian auf den Weg nach Hause. Während sie gemütlich die etwas leereren Strassen entlang schlenderte, genoss sie für einen Moment einfach ihr Dasein. Das sie David die  Verlobung verschwiegen hatte war falsch, das wusste sie.
Aber das war vergangen und  irreparabel- sie hatte nicht vor sich DARÜBER den Kopf zu zerbrechen. Nein. Sie war im Gedanken schon am Filmset mit David und trank einen Pausenkaffe.
Sie sog die Gerüche der Umgebung in sich auf und fühlte sich vollkommen belebt. Die anhaltende Sonne ließ alles in einem angenehmen Licht erscheinen - nicht zu grau - nicht zu grell. Sie verschwendete keinen Gedanken mehr an die vergangenen, stressigen Tage - sie war einfach glücklich. Mit einer unfassbaren inneren Ruhe schloss Gillian dann schließlich die Tür zu ihrer Wohnung auf. Sie öffnete die Tür langsam und achtete beim Zufallen darauf, dass es kein unangenehmes Geräusch verursachte. Sie gab einen befreienden Seufzer von  sich und blickte auf
„JULIAN?"
Ihr Verlobter saß wartend auf dem Sessel auf dem sie heute auch schon einmal gesessen hatte und blickte sie erwartungsvoll an.
 "Wo warst du?" - fragt er mit einem erwartungsvollen Ton und betonte dabei jedes der drei Worte aufs Schärfste. So als ob er mit einem kleinen Kind reden würde das gerade unerlaubt weggewesen war.
„Hast du hier die ganze Zeit nur auf mich gewartet? "
„WO WARST DU?" -wiederholte sich Julian und war aus seinem Sessel aufgestanden.

Mit einemmal schien alle Harmonie pure Illusion und Gillian kam sich vor wie eine vorab für schuldig erklärte Angeklagte.
„Ich........... David -„
„-Du hast dich also mit David getroffen? "unterbrach Julian sie.
„Ja, erhatte eine Nachricht auf dem AB hiterlassen. Mir fehlte die Zeit um -"
„- Um anzurufen oder nur mal schnell einen Zettel zu schreiben? "
„Julian. Müssen wir jetzt  streiten? Was bringt uns das denn das jetzt? Es tut mir leid, hörst du? Es war falsch von mir; ich wäre an deiner Stelle sicher auch sauer. Aber jetzt bin ich wieder da, und meine Fehler kann ich nicht rückgängig machen. Ich hätte wenigstens anrufen sollen...“
„Gillian, du hast wie immer recht. Jetzt bist du schließlich wieder da- also warum rege ich mich auf?" Julians Tonfall war plötzlich total umgeschlagen.

Das verwirrte Gillian. Was ist nur mit ihm los?
Julian kam langsam auf sie zu. Mit einem beständig-überzogenem Grinsen im Gesicht welches Gillian eine Gänsehaut über den ganzen Rücken bescherte, eine der unangenehmen Art.
Als er bei ihr angelangt war, blieb er nicht stehen, sondern machte ein/zwei schritte mehr um dann, hinter ihr stehend, seine Arme um sie zu legen.
Gillian wusste nicht wie sie jetzt reagieren sollte.

 Sie hatte gerade einen nahezu perfekten Nachmittag mit David verbracht. sie war von Grund auf glücklich zu Hause angekommen und nun befand sie sich in der Umarmung ihres Verlobten den sie für einen unbestimmten Zeitraum total vergessen hatte.
„Wir sollten uns wirklich nicht streiten", hauchte  Julian und küsste Gillians Hals.
 Oh mein Gott! dachte Gillian.
 Sie wusste genau das, dass jetzt nicht der richtige Moment war um zimperlich mit so was zu sein aber noch mehr wusste sie, das dies jetzt nicht richtig war.
Es war nicht das was sie wollte. Zumindest jetzt.
Es war zuviel der Gefühle für heute.
„Nein. Das sollten wir nicht.", sagte Gillian und drehte sich um sich so langsam aus Julians Umarmung zu lösen.
 Gillian konnte ihn nicht ansehen, sie konnte sich sein Gesicht schon genauestens vorstellen:
 Wut, Verwirrung und Enttäuschung.
„ Na  gut, wie du willst."
Und sie hatte Recht. an Julians Tonfall war dies klar und deutlich zu hören.
„Sag mir bescheid wenn du aus der Pubertät raus bist!" Gillian schaute nun auf. In ein eiskaltes, verärgertes Gesicht.
„Du musst selber wissen was du willst und was du nicht willst", sagte  er, während er sich seine Lendejacke vom Kleiderständer nahm. Er zog sie sich an während Gillian überhaupt nicht mehr wusste was sie sagen sollte. Sie fühlte sich total überwalzt und hilflos. Julian kam auf sie zu und flüsterte:
"Aber Gillian, erwarte nicht von mir, das ich dass verstehe."  
Kurz schaute er sie noch einmal mit Genugtuung an und ging dann zur Tür raus um sie kräftig zuzuhauen.

Ist der Kerl jetzt total durchgeknallt? War die einzige Frage die ihr durch den Kopf schoss.
 Gut, er konnte wütend sein, weil sie nicht einmal einen Zettel hinterlassen hatte als sie sich mit David getroffen hatte, aber DAS hier?! Hatte sie in seine Arme zu springen wann wer wollte? Wann bitte lebten sie denn??? , dass die Frau sich ihrem Manne gefälligst unterzuordnen hatte? Sie stand da wie ein Fisch der im trüben Wasser nach Luft schnappte. Völlig aus der Fassung. Er war Südländer dieses Macho-Gen schien da in den Genen serienmäßig inklusive zu sein!  
 Julian war eifersüchtig, gut, das wäre noch nachzuvollziehen. Doch musste er nicht mit ihr reden wie mit einer Angestellten! Und dann- nur weil er grad Rattig war sollte sie bitte hörig sein und...
 „Mum? “ Piper stand im Wohnzimmer, Gillian hatte gar nicht bemerkt, dass sie reingekommen war.

„Hmm Schatz?“
„Habt Ihr Euch gestritten?“
Gillian schüttelte den Kopf.
„Nichts Schlimmes“ - antwortete sie.
Doch das entsprach nicht ganz der Wahrheit, denn sie war in diesem Moment so wütend wie lange nicht mehr. Als ob Julian ihr langsam sein wahres Gesicht zeigen würde, die teuflische Fratze die er vorher so schön versteckt hatte...
Gut, ich sollte es jetzt auch nicht dramatisieren dachte Gillian sich und beruhigte sich langsam wieder.
„Gehen wir nachher trotzdem ins Kino?“ - hakte Piper nach.
„-Klar Süße! War doch versprochen, hmm? Und weißt du auch schon was du sehen willst?“
 „Den Film mit Leo!“ -quietschte sie ein wenig vor lauter Aufregung.
 Gillian huschte ein Lächeln auf das Gesicht. Nun war also ihre Tochter in dem Alter in dem man für Stars wie Leonardo di Caprio schwärmt. Das ging doch schneller als sie erwartet hatte.
 Doch die Jugend von heute entwickelte sich sowieso viel schneller als das damals der Fall war... Als ich  in ihrem Alter war, war für mich noch das wichtigste, dass meine Barbie auch das schönste Kleid und vor Allem den hübschesten Ken hatte...Und jetzt geht es wieder darum... ist ja grausam!
Diese Gedanken galten der Party heute Abend. Sie wusste noch nicht was sie anziehen wollte.... Und den passenden Adonis als Begleitung hätte sie ja eigentlich, doch so wie Julian sich vorhin aufgeführt hatte... wusste sie nicht ob sie mit ihm hingehen würde.
Pipers fragende Blicke holten sie zurück.  
 „Ähm, ja klar, den können wir gucken. Und danach kommt dann Granne vorbei. Willst du bei ihr schlafen oder soll sie zu uns kommen?“
„Ich will zu Granne, dann kann ich wieder mit Geena spazieren gehen.“
Gillian nickte. „Na dann pack am besten schon mal deine Sachen zusammen, hmm? Und ich koch uns was Leckeres. Spezielle Wünsche? „
 Piper nickte eifrig, holte tief Luft und setzte zum Sprechen an.
 Doch da unterbrach Gillian sie schon
„ Ah, ich nehme an mit Pfannkuchen kann ich dich heute glücklich machen?“ Fragte sie lächelnd.
Piper nickte erfreut und rannte in ihr Zimmer.  
 Gillian stellte sich in die Küche. Die Wut über Julian kam wieder in ihr hoch. Das kann ich jetzt echt nicht gebrauchen! Nicht noch ein Magengeschwür! Dachte sie sich.
Und so schlichen sich Schutzmaßnahme ihres Geistes- die Gedanken an den schönen Nachmittag zur Hintertür wieder zurück in ihren Kopf, und der Ärger war vergessen.
Pfeifend rührte sie also den Teig für die Anderson- Pfannkuchen.   




Bald waren die Pfannkuchen fertig gewesen.
Sie waren ihr wirklich gut gelungen!
Als Gillian dann auch den Tisch gedeckt hatte rief sie Piper zum Festmahle.
Piper kam geradezu aus ihrem Zimmer gestürmt. Der Geruch war schon durch die Wohnung geschlichen und sie war sehr hungrig.
“Hei!”, sagte Gillian als ihre Tochter an ihr vorbeizischte, “Nicht so schnell junge Dame.”
“Ich haabe aaber Huunger!!“, betonte Piper, um die deutlichen Missstände ihres Magenfüllstandes klarzumachen.
“Na gut.“ sagte Gillian und setzte sich zu Piper an den Tisch.
Kaum, dass Gillian sich gesetzt hatte, fing Piper auch schon an ihren Teller leer zu putzen.
“Es schmeckt dir wohl huh?“
“Uhouhhhmmmm.“ kam es nur aus Pipers vollgestopftem Mund.
“Na dann ist ja gut.“
Nun fing auch Gillian an sich mit ihren 2 Pfannkuchen zu befassen.
*uurnngk* ließ sich das Runterschlucken von Piper problemlos vernehmen.
Sie war schon fertig mit ihren 3Pfannkuchen.Ihr Gesichtsausdruck allerdings wies auf einmal Spuren von Unsicherheit auf und es stellte sich ein mysteriöses Schweigen ein. Das schien Gillian jetzt nicht besonders logisch.
“Was ist los Schatz?“
“Uhhhhhm, nix nix...“
Eine Weile lang haftete ein zweifelnder Blick an Gillians Gesichtszügen -aber schließlich aß sie einfach weiter ihre Pfannkuchen.
“Mom, warum habt ihr vorhin über David gestritten? Hat er was Böses getan?“
*uurnngk*- Nun musste Gillian schlucken; das kam dann doch sehr plötzlich.
 “Nein!“, brach es aus Gillian heraus. Als ihr dann bewusst wurde, dass sie sich im Ton um einiges vergriffen hatte wiederholte sie “Nein, David hat nichts falsches getan. Er...er...wir-„
“Warum hat sich Julian denn dann vorhin so über dich geärgert?“
Gillian stockte für einen Moment der Atem. Was sollte sie ihrer Tochter jetzt erzählen?
Sie konnte ihr wohl schlecht erzählen dass ihr zukünftiger Stiefvater mit gutem recht eifersüchtig auf ihren Kumpel David war.
Gillian konnte keine Worte finden. Sie konnte dazu ja kaum klare Gedanken fassen, wie also sollte sie dazu auch noch die richtigen Worte finden?...“Ich will nicht das Julian auf David sauer ist!”, schmollte Piper.
“Ich habe David schließlich lieb, und wen es nichts gibt weshalb man auf ihn sauer sein dürfte, dann soll Julian ihn auch nicht beschimpfen.“
“Schatz, Julian hat David nicht beschimpft”, sprach Gillian ruhig auf ihre aufgebrachte Tochter ein.
“Aber...-aber...“stotterte Piper mürrisch.
“Wir sollten jetzt....”- “Kann David heute nicht mit ins Kino kommen? Ich habe ihn schon soooo lange nicht mehr gesehen!“
“ich bin mir nicht sicher...”- “seit ihr nicht mehr zusammen arbeitet hat er uns soo lange nicht mehr besucht!!! Und wenn Julian was dagegen hat dann rufe ICH halt an und frage David ob er mitkommen will!“, sagte Piper während sie demonstrativ aufstand um sich in ihr Zimmer zum Telefon zu begeben.“ Und mir ist es völlig egal was Julian davon hält!!“, brüllte Piper aus dem Wohnzimmer während sie die ersten tasten auf dem Telefon tippte.





Gillian bewegte sich langsam in Richtung Diele und streckte ihren Kopf fragend in Pipers Richtung.
„Hmm?“
 Diese hielt Gillian mit ausgestrecktem Arm den Hörer entgegen
„David will mit dir reden!“
Gillian nahm den Hörer, während sie Piper nur noch Fluchs in ihrem Zimmer verschwinden sah, mit einem kleinen Kinderstrahlen auf dem Gesicht.
 „Ja?“
„Hey Gillian! Das nenne ich mal wieder Seelenverwandtschaft, hmm?“ hörte sie Davids Stimme am anderen Ende.
 „Seelenverwandtschaft in wie fern?“ lautete Gillians Frage.
 „Na ich wollte heute auch mit Maddie in Plötzlich Prinzessin“, “ Plötzlich Prinzessin?“ fragte sie noch einmal nach.
 „Ja, wieso, weißt du nichts davon?“ klang Davids irritierte Stimme in ihr Ohr.
 „Doch doch!“ antwortete sie schnell, und ein Grinsen schlich sich auf ihr Gesicht als Piper den Kopf aus ihrer Zimmertür streckte um ihre Mutter telefonieren zu hören.
„Ich wusste nur noch nicht genau was Piper sich denn letztendlich ausgesucht hatte- es standen so einige Filme in der engeren Wahl „ zwinkerte sie Piper zu.
„Na ich freu mich dann schon! Soll ich euch abholen oder wollen wir uns am Kino treffen?“  
„Ich erwarte dich um 18.00 Uhr vor unserer Tür.“ war Gillians Antwort, und David konnte ihr Grinsen durch das Telefon spüren. Er liebte es.
„Alles klar- bis nachher meine Gute!“ 
„Jap! Bis dann!“
 
„Aha, doch lieber Anne Heatheway statt Leo?“ fragte sie ihre Tochter mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht.  
Sie war durchschaut.  
Mit einem, ein wenig verschüchtert, angehauchten Lächeln erwiderte Piper:
„Den Film wollte ich auch vielleicht gucken! Und ich will, dass David mitkommt!“ 
Gillian nickte, ging auf Piper zu und nahm sie auf den Arm. „Na dann suchen wir dir für heute Abend mal ein richtig schönes Outfit raus, hmm?“ grinste sie.  
Piper hüpfte von ihrem Arm. „Mu-um! Überleg DU lieber was du heute anziehst!“ ,ief sie lachend und verschwand wieder in ihrem Zimmer.  
Schlagfertig dachte Gillian mit Stolz. Doch, ich hab meine Kleine richtig gut hinbekommen.
Mit einem zufriedenen Lächeln also machte sie sich auf den Weg in ihr Zimmer.  
Die Auswahl des passenden Outfits fiel ihr nicht all zu schwer. Es war nur ein normaler Kinobesuch mit  Dave an ihrer Seite. Irgendwelche Fans würden sie wohl eher erkennen, wenn sie in voller Montur erscheinen würde.
Also schlüpfte sie in ihre beigefarbene Kordhose und zog ein schwarzes einfaches Top mit einer weißen Bluse darüber.
Zufrieden betrachtete sie sich im Spiegel.
Sie fühlte sich eigentlich total gut heute, und deshalb hatte sie nicht das Geringste an sich auszusetzen- sie sah einfach gut aus. Zur Krönung schnappte sie sich noch den Hut, den sie auf dem letzten Trödelmarkt gefunden hatte.
Trödelmärkte sind einfach genial! Man findet die klassischsten Klamotten, wenn man nur richtig stöbert. Julian ging nicht gerne mit, er konnte noch nicht einmal verstehen warum sie immer dort hin wollte.
„Was willst du zwischen alten stinkigen Sachen finden, was du in Geschäften nicht finden kannst?“ schoss es ihr wieder durch den Kopf. Na genau das Prachtexemplar hier! dachte sie. Rosa Filz mit einer tiefen Krempe und einer fliederfarbenen angenähten Rose daran. Dieser Hut war einfach ein Schmuckstück! Ausgefallen, und er erfüllte den Zweck, dass man sie nicht direkt darunter vermuten würde.  
 
Julian- Da sie nicht noch mehr Zoff riskieren wollte, nahm sie sich schnell einen Stift zur Hand.
 
Hey Schatz! Bin mit Piper, Maddie und David im Kino.
Vor der Party komme ich aber wieder.

Gillian


Sie hoffte ihn so wieder ein wenig zu besänftigen. Auch wenn sie sich keiner Schuld bewusst war- sie würde sowieso wieder den versöhnenden Schritt gehen müssen, also warum nicht gleich und sich so viel nervigen Ärger ersparen?
Sie legte den Zettel auf den Tisch in der Eingangshalle und machte sich wieder auf den Weg in die Küche, um ein wenig Proviant für den Kinobesuch einzupacken.  
 



Allerdings fand sie nicht all zu viel.
Sie mussten sich also doch zur Abwechslung mal ganz klassisch Popcorn kaufen.
Das hatte ja schließlich auch irgendwie Tradition.
Da fiel Gillian auf wie lange sie schon nicht mehr im Kino gewesen war.
Sie musste schon seit mindestens 3/4 Monaten nicht mehr im Kino gewesen sein.
Na toll, jetzt gehst du nur wegen einem Typen ins Kino! Wie alt bist du eigentlich? dachte sie sich.
“Mu-um! Können wir endlich los? Wir haben nur noch 30 Minuten! Was zu Essen können wir uns doch dann dort kaufen!”
 “Du hast Recht Schatz. Wir sollten uns wirklich beeilen. Nimm doch einfach den Autoschlüssel und setz dich schon mal ins Auto und suche schöne Musik aus, ich komme sofort, o.k.?”, sagte Gillian und warf Piper den Schlüsselbund zu.
Ohne was zu sagen lief Piper mit dem Schlüssel schmollend aus dem Zimmer.
Gillian starrte ihr für einen Moment hinterher.
Ihre Tochter schien sich wirklich schon sehr darauf zu freuen und konnte den Gedanken zu spät zu kommen nicht ertragen.
Ha! Ich gehe nicht nur aus eigennützigem Zweck ins Kino. Schließlich bin ich ja erst durch Piper drauf gekommen, schmunzelte Gillian voller Zufriedenheit in sich hinein.

Obwohl. Sie hat das alles organisiert ohne mich zu fragen. TÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜT TÜÜÜÜÜT* -konnte man die Autohupe von unten hören.
Gillian schaute auf ihre Uhr: nur noch 25 Minuten!
Schnell machte sie sich aus dem Staub und schloss die Wohnung ab.
Immer noch ein bisschen wirr in Gedanken begab sie sich zum Auto.
Sie fragte sich ob das alles wirklich so richtig war.
Es waren nur kurze, aufblitzende Gedanken. Wie eine vorbei huschende Sternschnuppe oder ähnliches.
Insofern schlugen sie Gillians gute Laune nicht wirklich an.
Trotzdem wurde sie enorm nervös. Auf dem weg die Treppe runter hätte sie sich vor Stolpern beinahe überschlagen.
>Was hast du denn? DU weist doch genau das es das ist was du willst< dachte sie sich.
Aber die Nervosität ließ nicht von ihr ab.
Als sie die Autotür öffnete und sich platzierte verlor sie prompt das Gleichgewicht und landete mit dem Kopf auf Pipers Schoß.
Diese gab ihr grummelig den runtergefallenen Hut wieder und verdrehte die Augen unverkennbar deutlich.
“Ich sage nichts mehr. Nur das uns die Zeit davon rennt.”
“Jaja, du hast ja völlig recht” stimmte Gillian ihrer Tochter zu während sie ihr über den Kopf wuselte und gleichzeitig den Zündschlüssel drehte.
Piper zog prompt den Kopf zurück und schenkte ihrer Mutter ein giftigen Blick.
Doch Gillian war mit ausparken beschäftigt. Es war wieder ganz schöner Betrieb auf den Straßen.
“Du hast ja noch gar keinen Radiosender raus gesucht.”
“Na ich dachte wir hören sowieso wieder Radiohead”, sagte Piper ein wenig heiterer und mit etwas Humor während sie am Radio nach einem vernünftigen Sender suchte. Sie suchte und suchte. Es ertönten Lieder von wirklich jeder Musikrichtung. Klassik, Pop, Rock usw.!

Jeder Titel nur für Millisekunden.
“You got to...“tönte kurz ein Lied aus den boxen.
“Hey! Das waren U2! Könntest du das bitte lassen?!” ermahnte Gillian ihre immer noch vom Radio unbefriedigte Tochter.
Doch Piper suchte immer noch weiter.
Allerdings war nicht viel Zeit vergangen, da fand sie einen Sender der ihr wohl zu gefallen schien:
“David Duchovny,why wont you love me,why wont you love me..“
Piper musste breit grinsen und begann prompt mitzusingen.
Gillian war verwirrt. “Dir gefällt der Song?“
Weiter singend und vor Freude in ihrem sitz hüpfend nickte Piper heftig mit dem Kopf.
Ein zweifelndes “Aaaaha...” kam aus Gillians Mund als ihre Tochter das Radio noch viel lauter drehte.
“Komm Schatz, ja, mach wenigstens ein bisschen leiser, die Leute denken noch wir sind verrück.”
Wieder ohne Worte deutete Piper auf die linke Straßenseite.
Sie hatten das Kino schon erreicht.
Als Sie dann schließlich eingeparkt hatte, wollte Piper aber nicht aussteigen.
“Kann ich das Lied nicht noch zu Ende hören?“

“In Ordnung. Ich hole uns schon mal die Karten und du kommst nach wenn das Lied zu Ende ist.”

Als Gillian dann schließlich die Karten hatte war von ihrer Tochter weit und breit nichts zu sehen.
Gillian schaute sich ausgiebig um aber konnte ihre Tochter einfach nicht erblicken.
“Na toll!” dachte sie sich und machte sich auf den weg das Kino zu verlassen.
Doch schon kurz nachdem sie ein paar Schritte gegangen war, wurde sie angehalten.
Zwei Hände legten sich plötzlich von hinten um ihre Augen, so, dass sie nichts mehr sehen konnte.
Eigentlich wäre es sowieso klar gewesen wer es ist und Gillian hätte sich nur umdrehen brauchen und sagen müssen „Hallo David.”
Aber das wollte sie nicht. In der Gewissheit, dass es David war verweilte sie für einige Momente in ihrer Position und sog seinen Geruch in sich auf.
Sie genoss einfach nur wie er sanft ihre Haut berührte und bewegte sich kein bisschen.
Der Moment kam ihr vor wie eine Ewigkeit.
“Na willst du denn gar nicht raten Mum?”, riss Pipers Stimme sie aus ihren Gedanken.
Gillian musste kurz, leise seufzen Sie hätte ruhig noch weiter so dastehen können.
Langsam drehte sie sich um.
“Hi.” Sagte David, genau so leise wie Gillian geseufzt hatte.

Der Moment schien nicht im Geringsten an Funkensprühen und Anspannung verloren zu haben.
Nachdem sich David und Gillian für einen Moment nur schweigend angesehen hatten fiel Gillian auf das sie ich gar nicht begrüßt hatte.
Na toll! Bravo -Du hast es nicht mal fertiggebracht “hi” zu sagen, dachte sie sich was zur Folge hatte das sich ihre Wangen merkbar rot färbten.
“Da-ad! Können wir jetzt endlich rein gehen? Wahrscheinlich läuft die Werbung schon!”, sagte Daves Tochter.
“Hm?....Ehm ja-eeh. Natürlich Spatz-geht einfach vor. Ihr wisst sicher besser in welches Kino wir müssen.”
Und schon rannten die beiden Rabauken los.
Gillian und David folgten ihnen langsam.
Noch ein wenig von ihren Gedankengängen verwirrt verlor Gillian kurz das Gleichgewicht und stieß etwas unsanft an Davids Schultern.
“Oh-ehm-hhhnmmmmkrrrrhhm”, probierte Gillian ihre verlorengegangene Stimme wieder zu erlangen.
“Tut mir Leid ich...”
“Schon in Ordnung, ist doch überhaupt nichts passiert”, sagte David sanft als er kurz seinen Arm um Gillians Schulter legte um ihr wieder etwas Gleichgewicht zu geben.
Daraufhin sah Gillian zaghaft zu ihm auf und blickte ihn mit nun hochroten Wangen an.
“Was mach ich denn bloß”, tadelte sich David in Gedanken.
Langsam ließ er seinen Arm wieder von ihrer Schulter gleiten um dieser peinlichen Situation ein Ende zu machen. Doch ohne dass er es beeinflussen konnte, blieb er, bis sein Arm etwa in Höhe ihrer Hüfte war, in Berührungskontakt mit ihr.
Gillian jagte das, einen stillen Schauer über den Rücken doch sie wagte nicht ein Wort zu sprechen.
Mit der Weile waren sie auch schon in ihrem Kinosaal angelangt und die beiden Mädchen deuteten auffällig auf die beiden Plätze die Gillian und David zustanden. Anscheinend war die Werbung wohl gerade vorbei und der Film begann gerade.
Also nahmen sie Platz und schauten den Film.
Oft mussten sie lachen und die Anspannung hatte sich schnell gelöst.
Teilweise kamen den Beiden wirklich fast die Tränen vor Lachen und alle störenden Gedankengänge waren verflogen.

Als der Film dann zu Ende war verließen sie den Saal und begaben sich auf den Weg zu ihren Autos.
“Es war wirklich ein guter Film”, sagte David und die beiden Kinder stimmten ihm sofort zu.
“Ja, es war ein schöner Abend”, stimmte auch Gillian zu.
Als sie draußen angelangt waren wollte sie sich eigentlich gerade verabschieden...
“Na dann kommt mir ja gut zu Hause an!”, scherzte David und kniff Piper die Nase.
Doch als er Gillian sich perplex umschauen sah wusste er schon fast was passiert sein würde.
“Hier stand vorhin doch noch das Auto oder Piper?” fragte Gillian langsam um sich zu vergewissern das sie sich jetzt nicht täuschte.
“Ja aber wo ist es hin?”
Auch David schaute sich um und brauchte nicht lange um des Rätsels Lösung zu finden.
Ein Parkverbotschild!
Er hob den Arm und deutete darauf.
Gillian verfolgte seine Geste und sah das Schild.
“Oh nein! Bitte nicht!” platzte es aus ihr heraus.
“Ich fürchte schon” sagte David einfühlsam und betrachtete die aufgelöste und extrem beunruhigte Gillian besorgt.
“Das kann doch nicht wahr sein. Ich bin wirklich zu blöd. Julian wird ausrasten!”
Gillian ließ, hilflos wie sie sich vorkam, ihr Gesicht in ihren Händen versinken.
“Das wird er nicht.“, sagte David ruhig und legte seine rechte Hand auf ihre Schulter.
Gillian atmete tief aus und sagte während sie ihren Kopf schüttelnd hob:
“Du kennst Julian nicht - er war schon die letzten Tage so schlecht drauf.
Er wird mir die Hölle heiß machen...“
Gillian stiegen Tränen in die Augen.
Sie wollte David von so was eigentlich gar nicht erzählen.
Sie biss sich auf die Unterlippe und drehte sich noch mal zu Strasse.
Das kann doch gar nicht war sein...dachte sie sich. Der Tag verlief doch bisher so gut.
Noch gerade eben saßen sie im Kino und lachten aus Leibes Seele.
Und nun stand sie hier und erzählte David von ihrem Verlobten der oft zur Überreaktion neigte.
David sah zu Piper, sie sah nicht weniger besorgt aus.
Er umarmte Piper um sie etwas zu beruhigen.
Als Gillian das sah, wie einfühlsam er mit Piper umging, konnte sie die Tränen nicht mehr zurückhalten.
Ihr war das zwar schon einmal passiert, aber bei dem Gedanken an Julians Reaktion darauf drehte sich ihr der Magen um.
Dann auch noch zu sehen wie verständnisvoll und ruhig David mir dem ganzen umging, brachte sie wieder zurück zu ihren Gedanken darüber, wie viel lieber sie doch jetzt mit DAVID, GEMEINSAM nach hause fahren würde.
Sie wollte auch Piper diesen Streit ersparen. Sie wollte sie nicht noch einmal miterleben Lassen wie Julian ihre Mutter anbrüllte.
Sie beschloss David zu fragen ob Piper heute nicht bei ihm übernachten könne.
Einen Moment probierte sie sich zusammenzureißen und probierte es so schnell wie möglich über die Lippen zu bringen:
“Würde es euch große Umstände machen wenn Piper heute bei euch schläft, David?”
Sie probierte keinen Laut von sich zu geben doch sie musste einfach schluchzen.
Es war nicht zu überhören und David drehte sich instinktiv schlagartig um als er nur Gillians labile Stimme vernahm.
Es brach ihm fast das herz Gillian so zu sehen.
“Piper macht mir doch keine Umstände Gillian” betonte David um ihr wenigstens diese Angst zu nehmen.
“Ich meine es wäre ja auch nur eine Nacht und mor…”-, weiter kam Gillian nicht. Es waren einfach zu viele Emotionen und sie gegen die Tränen kam sie einfach nicht mehr an.
Nun wusste David ihr nicht mehr anders zu helfen als sie fest in seine Arme zu nehmen.
Er hielt sie so fest er konnte und strich ihr mit der Hand zur Beruhigung sanft über den Rücken.
Allerdings bewirkte dies das Gegenteil und nach einem tiefen schluchzen umfasste nun auch Gillian David so fest sie konnte.
Bleib bei mir. Ich will nicht das du zu diesem Typen gehst und er dich Fertigmacht dachte sich David die ganze Zeit.

Als Gillian sich allmählich wieder beruhigt hatte löste sie sich aus Davids Umarmung.
“Und es macht euch wirklich nichts aus?”
“Nein” sagte David leise und strich Gillian eine Träne aus dem Gesicht.
“Tea ist diese Woche in New York wegen eines Filmcastings und ich würde Piper doch jeder Zeit mit zu uns nehmen.”
“Danke”, sagte Gillian verlegen.
“Und was ist jetzt mit dir?”, fragte David besorgt.
“Mit mir?”
David nickte.
“Ich werde dann wohl nach Hause gehen und Julian davon berichten müssen das- das”
Gillian stotterte bei der Vorahnung die sie so hatte.
“Das wir heute wohl noch unser Auto, woher auch immer,  abholen müssen. Ich glaube ich rufe ich gleich mal an ob er mich abholen könnte.”
Gillian holte das Handy raus und wählte die Nummer ihrer Wohnung.
“Und?”
“Bis jetzt geht keiner ran.”
Gillian ließ es noch eine weile klingeln doch es war wohl keiner da.
“Wo könnte er denn sein?”
“Tja, wenn ich, dass nur wüsste...”, sagte Gillian und legte auf um es noch einmal zu probieren.
“Er ist einfach so weg?”
Gillian wusste nicht recht was sie daraufhin antworten sollte.
>Nein. Wir haben uns gestritten weil er ahnt dass ich für dich mehr empfinde als für ihn. Deswegen sitzt er jetzt wahrscheinlich in einer Bar und lässt sich zulaufen. < hätte Gillian eigentlich antworten müssen.
Anstatt dessen ignorierte sie Davids frage vorsorglich lieber.
“Er ist wohl nicht da.”
Für einen Moment war wieder Stille.
“Kann Gillian nicht auch einfach mit zu uns kommen, Daddy?”, meldete sich nun Davids Tochter zu Wort.
“Ich bin müde und möchte endlich nach Hause.”
“Ich auch.“ ,sagte Piper.
Gillian schaute von ihrer Tochter auf zu David.
“Um ehrlich zu sein, mir geht es nicht viel anders...und eigentlich will ich dich jetzt auch nicht so allein nach Hause laufen lassen.”
“Ich bin doch schon groß”, scherzte Gillian genauso müde.
“Was sagt du- soll ich dich nach Hause fahren oder kommst du mit zu uns?”

Gillian dachte nach. Hatte sie wirklich Lust, jetzt nach Hause zu gehen, auf Julian zu warten, um dann wieder mit ihm zu streiten? Dafür war der Abend bis dahin zu gut verlaufen. Wieso ihn jetzt versauen? Sie schwieg, nickte Dave dann aber doch zu.
"Ich denke, dann quartieren wir zwei uns wirklich heute Nacht bei euch ein, wenn das in Ordnung ist?"
"Na klar" antwortete Dave erleichtert, dass er Gillian noch ein wenig länger um sich haben durfte. Der Abend war noch nicht vorbei. Hoffentlich würde Julian sich nicht noch melden.
David ging vor zu seinem Auto. Auf der Fahrt kamen von hinten immer wieder erfreute, gluckernde Geräusche- Maddie und Piper verstanden sich prächtig und hatten eine Menge Spaß. Gillian lächelte verzückt, als sie immer wieder einen Blick in den Hinterspiegel warf. David schaute sie so wenig wie möglich an. Sie war sich noch nicht bewusst, in wie weit ihre getroffene Wahl richtig, und in wie weit falsch war.
David bog in die Einfahrt ein. Gillian war lange nicht mehr hier gewesen, und blickte sich um. Piper und Maddie rannten an ihr vorbei.
“Daad, Schlüssel!" Rief Madeleine David noch zu.
Er kramte in seiner Manteltasche und warf ihn ihr zu.
Als die beiden das Haus betraten war von Piper und Maddie keine Spur mehr.
Suchend blickten beide sich um.
 „Wir sind alt geworden“, stellte David belustigt fest.
Seufzend verdrehte Gillian ihre Augen, konnte dann jedoch nur noch bestätigend nicken. Erschöpft ließ sie sich auf das Sofa fallen, während David auf Maddies Zimmer zusteuerte.

Er lugte in das Zimmer und fragte:
„Na, was haltet ihr davon wenn wir uns heute Abend mal- so ganz ungesund- Pizza kommen lassen?„ Gillian vernahm ein freudiges Johlen als Antwort.
David nahm den Hörer und setzte sich zu ihr auf die Couch.  
„Du hast doch nicht etwa deine Liebe für die Pizza in der Zwischenzeit verloren, oder doch?“
„Du meinst, weil ich davon vielleicht noch mehr Schwimmringe bekommen könnte?“ grinste Gillian David provozierend an.
Davids Blick haftete kurz auf ihr, dann piekste er mit seinem Finger Fluchs in ihre Seite.
Gillian giekste erschrocken auf.
„Da ist auf jeden Fall noch Platz für eine Hawaii!“ Stellte David fest.
Gillian lachte. Er erinnerte sich tatsächlich an ihre Lieblingspizza. Eigentlich kein Wunder. In all den Jahren der Zusammenarbeit... wie oft hatten sie da schon zusammen Pizza bestellt? Und es blieb eigentlich immer wieder bei der Hawaii. 
Ihr kam in den Sinn, wie wenig Julian und sie eigentlich voneinander wussten - zumindest im Gegensatz zu dem, was David alles von ihr, und sie von ihm, wusste.
Bevor sie wieder zurück in diese melancholische Haltung fallen würde, verdrängte sie jeglichen Gedanken an Julian. Jetzt nicht. Sie war bei David und würde sich von Julian jetzt nicht schon wieder alles vermiesen lassen.
„Für die Kinder eine Margherita, oder?“ fragte sie David.
Diese Frage hörte sich verdammt komisch an. Sie passte nicht in die  Situation, fand sie...  
Es  hörte sich so an, als säße ein Ehepaar auf der Couch und rede über seine Kinder... jedoch war dies hier wirklich nicht der Fall!...  
Meine Güte, wieso machte sie sich bloß immer über so etwas Gedanken? Sie war, was Dave betraf, immer hoch sensibel, so schien es. Er hatte ihre Aussage sicher als überhaupt kein bisschen komisch empfunden... Sie hingegen war immer so nervös irgendetwas Falsches zu sagen, was David falsch interpretieren könnte, oder ihre Gefühle verraten könnte. Welche Gefühle es waren -  sie war sich selber nicht ganz im Klaren darüber- jedoch sollten sie sicherlich nicht geäußert werden, da sie verlobt und David verheiratet war. Auch wenn sie immer noch in David verliebt wäre... sie müsste es endlich schaffen dieser Gefühle Herrin zu werden und sich nicht immer von ihnen so verwirren zu lassen!!!
 David hatte die Bestellung schon aufgegeben, während Gillian die ganze Zeit in ihren Gedanken war.
 
                                                                                                                                                                                       Er legte das Telefon wieder auf die Station. Als er wieder kam, hielt er in der einen Hand eine Flasche Wein, in der anderen zwei Gläser.  
“ Der Richtige? „ fragte er nur.
 Gillian drehte ihren Kopf in seine Richtung und betrachtete die  Flasche. Zufrieden nickte sie.  
 “ Nicht, dass du denkst ich möchte die trunken machen um dich besser verführen zu können„
 Na ich wünschte es wäre so dachte Gillian.
 “ Aber ich habe nichts anderes mehr im Haus... ich habe total vergessen einzukaufen, und den O-Saft sollten wir vielleicht doch lieber den Kindern lassen, oder was meinst du?”
 Mit einem charmanten Lächeln erwiderte Gillian  
“ Ich denke du hast vollkommen Recht! Mit einem Bisschen Wein schwinden mit Sicherheit auch meine Falten dahin..." tat sie vorwurfsvoll und blickte David mit ihrem Hundeblick an.  
 “ Hey, das ist nicht fair...“ Wollte David sich wieder rechtfertigen. Doch Gillian unterbrach ihn lachend.
 “ War doch nur ein Scherz, ich habe dir doch längst verziehen... wie könnte ich denn auch nicht? “
 David füllte die Gläser. “ Na dann...  “
 Er reichte Gillian ein Glas, erhob seines und sprach :  
 “ Auf die wunderschöne, junge, attraktive Frau, die hier ohne auch nur den geringsten Anschein einer Falte vor mir sitzt  und mir ihr bezauberndes Lächeln schenkt, was ich in letzter Zeit viel zu sehr vermisst habe"  
 Sein Grinsen ließ Gillian zweifeln, wie hoch sie den Wahrheitsgehalt seiner Worte nun einschätzen sollte. Bevor sie sich für das Kompliment jedoch nur im Geringsten bedanken konnte, klingelte es auch schon an der Tür.  
 Piper und Maddie kamen aus dem Zimmer gerauscht.  
 " Daddy, darf ich bezahlen?" Bettelte Maddie.                                                                                                      
 David stellte sein Glas auf den Tisch, griff in seine Hosentasche und übergab Maddie sein Portemonnaie. 

Madeleine kam mit zwei Riesenpizzas von der Tür zur Couch gewankt, stellte einen Karton ab und gab den anderen an Piper weiter.  
 “ Dürfen wir bei mir im Zimmer essen? Ich will Piper meine Fotos zeigen von... “
 “Klar Süße, kein Problem." antwortete David und gab ihr einen Klaps auf den Po nach dem Motto - nun mach dich schon weg.
 “Ich denke ich ruf noch mal kurz zu Hause an. "sagte Gillian und stand auf um zum Telefon zu gehen. Nach einer Minute kam sie kopfschüttelnd wieder und setzte sich neben David.  
“ Ich frag mich ja wirklich wo er ist! “ murmelte Gillian.
 “War der Streit so schlimm, dass du dir Sorgen um ihn machen musst?“ fragte David fürsorglich.
  Gillian schüttelte schwach den Kopf.  
 “Nein, es... es war kein wirklicher Streit- also eigentlich schon, aber...  na ja, ich denke es geht hier einfach nur um wesentliche Dinge...“ stotterte sie mehr oder weniger.
 “ Was ist denn genau passiert? Hey, du kannst mir doch alles sagen, und wir reden darüber- ich will nicht, dass du dir deinen hübschen Kopf den ganzen Abend zermarterst. " grinste David sie an.
 Gillian lächelte zurück.  
“Ach, es... so schlimm war es nicht " log Gillian.  
“ So angespannt wie du heute wirkst... glaube ich dir das aber gar nicht “antwortete David und schüttelte dabei langsam seinen Kopf.
Gillian fühlte sich ertappt. Aber was sollte sie tun? Sie konnte ihm schlecht erzählen, dass Julian eifersüchtig auf ihn war. Und das- vielleicht- mit Grund. Aber David zu sagen wie er sie in letzter Zeit behandelte fiel ihr auch nicht gerade leicht.  
“Es ist nur... er regt sich über jede Kleinigkeit auf, ist eigentlich dauerhaft unausgelastet und lässt es an mir aus ”gestand Gillian die Spitze des Eisberges.
  David schenkte Wein nach.
“ Hey Süße, ich sollte wohl wirklich mal ein Wort mit deinem Gatten... " 
 “Verlobten!" unterbrach Gillian ihn harscher als sie eigentlich gewollt hatte. Erschrocken schaute sie David an.
  "Ähm, wartest du mal kurz... ich... muss" - sie grinste- “mir mal das Näschen pudern. “und stand geschwind auf.  

 Meine Güte, musste das denn sein? Wie hat er das jetzt wohl aufgefasst? So wie sie es eigentlich auch meinte, nur nicht sagen, geschweige denn sich selbst eingestehen konnte? , dass sie im Begriff war den größten Fehler ihres Lebens zu begehen- zum zweiten Mal???
Sie hoffte durch die kleine Pause die sie sich durch ihren Toilettenaufenthalt erhascht hatte, die Atmosphäre und das Thema ihrer Unterhaltung wieder in eine andere Bahn lenken zu können. Sie schaute auf die Uhr- schon 22.00!
Leise öffnete sie die Tür zu Maddies Zimmer. Die beiden lagen neben den Pizzakartons und  schliefen. Lächelnd schlich sie auf die Zwei zu und legte erst Madeleine, dann Piper in das Bett. Sie schliefen weiter als Gillian langsam aus dem Zimmer zurück zu David schlich.
 “Ich hab die Zwei ins Bett gelegt." fing sie das Gespräch neu an.
 David nickte nur.  
 “Gillian, ich möchte dich wirklich nicht drängen aber vielleicht hilft es dir wenn du mir sagst
  was dich bedrückt.“ Er  blickte sie direkt, intensiv an.
 Gillian konnte diesem Blick gar nicht ausweichen.  Sie schaute kurz zur Seite, doch auch dort verfolgte sie Davids durchbohrender Blick. Ein kurzes verkrampftes Lächeln huschte über ihr Gesicht. Dann seufzte sie nur kurz und lehnte sich zurück gegen die Couch. Sie wollte nicht darüber sprechen. Sie wollte noch nicht einmal darüber nachdenken. Und wenn sie schon alleine, mit sich, nicht damit klar käme, wie sollte sie es dann David erklären?
 David legte seine Hand auf ihre Schulter und zog sie näher zu seiner Seite. Ihr Kopf fiel widerstandslos auf seine Schulter. Lautlos fingen Tränen an sich ihren Weg über Gillians Gesicht zu bahnen.
 Ohne jegliches Schluchzen fing sie unkontrolliert an zu weinen. David streichelte ihr sanft an Schulter und Arm entlang.
 Er wartete. Er wusste, jetzt wo ihr Widerstand gebrochen war, würde sie ihm ihre Seele offenbaren.  
 Gillian schaute nicht auf.
“ Ich...weißt du, ich habe einfach Angst, dass ich das Falsche mache.  “
 David unterbrach sie nicht, er nickte nur, so, dass sie merkte, dass er sie verstand.
 “ Es geht ja nicht nur um mich, es geht auch um Piper. Eigentlich hat sie nichts gegen Julian, aber in letzter Zeit scheint ihre Abneigung doch  größer  zu  werden. Ich habe nie erwartet, dass sie noch einmal so ein Vertrauen zu jemandem fassen könnte wie es bei dir der Fall war. Sie schaute kurz zu David hoch und lächelte ihn mit ihren verweinten Augen an -aber- ich möchte nicht, dass sie unglücklich ist, weißt du? Es ist nur, weil sie das Gefühl hat, dass wir uns streiten und Julian gemein zu mir wäre....” 
 „Ist er es?“,  kam es zu seiner eigenen Überraschung von David.
 „ Wir... ich habe das Gefühl, dass es nicht an ihm liegt...  ich ...  ich bin mir nicht sicher mit ihm, weißt du? Und ich habe Angst, dass ich heirate und es wieder falsch ist. Und- es ist falsch, glaub mir.”
 “Dann  lass  dir  Zeit, sag ihm was du fühlst und...  “
 “Das ist es ja- für ihn kann es nicht schnell genug gehen, er meinte wenn ich ihn jetzt nicht heiraten wolle würde ich ihn nicht genug lieben. Nur das Problem ist- vielleicht hat er Recht.  “
 “Du  liebst ihn nicht?" In  Davids Stimme schwang ein hoffnungsvoller Ton mit, den er schleunigst zu unterdrücken  versuchte.  
 “Ich weiß nicht, ich weiß gar nichts mehr. Ich weiß nur, dass ich mit Clyde schon einen großen Fehler gemacht habe damals.”
 
Gillian war, nachdem sie dies gesagt hatte, etwas erleichtert.
Dass sie David nicht sagen konnte wie sie sich fühlte hatte sie doch mehr belastet als sie gedacht hatte.
Sie war so froh jetzt in seinen Armen liegen zu können und ihm zu erzählen, was sie bedrückte.
 „Ich könnte noch…“ ewig so liegen bleiben, wollte David gerade sagen bevor sein Verstand ihm die Stimme raubte.
“Hm?”, fragte Gillian müde ohne sich nur einen Millimeter zu bewegen.
David fehlten die Worte. “Ich…“- > würde gerne jeden Abend hier mit dir die Kinder ins Bett bringen, Pizza essen, und zusammen einschlafen.
Bis, dass der Tod uns scheidet. >NEIN! < David hätte viel zu sagen, aber es erschien ihm einfach nicht richtig.
Er würde diese Situation nicht mehr auf die Reihe bekommen wenn er sich dort nicht schnell raus reden würde, das war ihm klar.
“Ich könnte dir noch das Bett neu beziehen wenn du was dagegen hast in Teas Bettwäsche zu schlafen. ”,brachte David mit Mühe hervor
Na toll, das hört sich an als denke ich sie sei total verklemmt dachte David.
Doch Gillian unterbrach seine innerliche Verzweiflung. Sie hob nun doch ihren Kopf um
David wirklich richtig zu verstehen.
“Ich darf in Teas Bett schlafen?”
“Ja. Also natürlich nur wenn du möchtest.”
Sie konnte es immer noch nicht so recht fassen und betrachtete David weiterhin.

David war wieder innerlich gefesselt, war er zu weit gegangen ihr anzubieten im Bett seiner verreisten Ehefrau zu schlafen?
Neben ihm...er hatte sich nur aus der kniffligen Situation retten wollen. Seiner Worte war er sich wohl zu spät bewusst geworden.( Anm: Bin ich doch glatt dafür!)
Zu seiner Erleichterung machte sich auf Gillians Gesicht ein Hauch eines Grinsens bemerkbar:
Was sollte ich den dagegen haben mit dir in einem Bett zu schlafen?
Oh mein Gott!
“Habe ich das jetzt gedacht oder gesprochen?”
“Was?”
Gillian war unendlich erleichtert.
“Ach nichts...ehm...das mit der Bettwäsche ist schon in Ordnung. Ich bin sowieso schon ziemlich müde.”
“Du hattest ja auch einen anstrengenden Tag”, sagte David verständnisvoll.
Gillian seufzte nur kurz.
“Ich würde sagen, ich lege ich dir ein Handtuch bereit, du gehst dich waschen und legst dich dann besser gleich hin. Du kannst jetzt sicher etwas Schlaf gebrauchen.”
“Da hast du Recht!”
“Du kannst dir auch ganz sicher etwas zum Schlafen aus Teas Schrank nehmen- such dir einfach was bequemes raus”, versicherte David während er aufstand. “Ich sehen noch mal nach den Beiden” sagte Gillian und deutete auf die Tür von Madeleines Zimmer.
David nickte und machte sich auf ein Handtuch zu holen.

Ganz vorsichtig öffnete Gillian die Kinderzimmertür.
Die beiden schliefen total ruhig und zufrieden in Madeleines Bett. Es war ein süßer Anblick den Gillian noch eine Weile auf sich wirken ließ. Piper schien nichts von ihrem Gespräch gehört zu haben; das beruhigte sie ungemein. Sie wüsste nicht was sie tun würde wenn Piper jetzt verstört vor ihr sitzen würde und nach Antworten fragen würden.
David kam mit einem weißen Handtuch in der Hand zurück.
Als er nun auch das Kinderzimmer betrat wurde er auch gleich von dieser ruhigen, friedlichen Atmosphäre angesteckt.
Zufrieden sah er das Gillian wohl wieder etwas beruhigter war.
“Hier ist dein Handtuch” flüsterte er ihr leise zu.
Gillian zeigte keine Reaktion. Er hatte wohl zu leise gesprochen.
“Gillian?”, probierte er es erneut.
“Hm?”
“Hier”, schmunzelte David.
“Danke.”
Bevor sie das Zimmer verlassen hatten blieb Gillian noch mal stehen.
“Und aus welchem Schrank sollte ich mir noch mal was nehmen?”
“Warte...” David trat aus dem Zimmer und deutete auf einen Schrank den man von ihnen aus schon im Schlafzimmer erblicken konnte.
“Der da?”
“Mhm.”
“O.K.”
“Na dann...Ich gehe dann unten ins Bad”, sagte David und machte sich auf in den gut ausgebauten Keller.




Gillian ging in das Bad und schloss die Tür hinter sich zu.
Sie lehnte sich kurz mit dem Rücken an die Tür und verweilte mit einem leisen Seufzer für einige Sekunden dort. Dann ging sie zum Spiegel und knipste das Licht an. Als sie sich betrachtete erschrak sie.
Sie sah ja furchtbar aus! Leichenblass! Das musste am grellen Licht liegen- schnell schaltete sie es wieder aus. Oder war sie wirklich so blass? Hatte sie ein schlechtes Gewissen?
Was mache ich denn auch hier? Schoss es ihr durch den Kopf.
Aber Julian war ja selber Schuld- und, was würde sie schon erwarten wenn sie jetzt noch nach Hause ginge? Nein, sie hatte sich nichts vorzuwerfen. Bei weitem nicht.
Jetzt fiel ihr erst auf, dass sie gar keine Zahnbürste hatte.

Sie öffnete also wieder die Tür und schlich, barfuss und ganz leise, hinunter in den Keller.
Da sie den Lichtschalter nicht fand, tastete sie sich an der Treppe entlang und stand unten im dunklen.
Doch als sie vor dem Bad stand schien ein kleiner Lichtstrahl in die Diele- die Tür stand einen Spalt auf. Von Innen hörte sie Gurgelgeräusche. David putzte sich die Zähne- gut, dann würde er wohl nicht nackt dort drinnen stehen. So hoffte sie zumindest, als sie die Tür ein wenig weiter öffnete und hinein lugte.
 Er war nicht nackt.
Jedoch trug er auch nicht wirklich viel.
Nur seine Boxershorts, die ziemlich weit unten hingen.
 David stand mit dem Rücken zu ihr. Sie öffnete die Tür ganz und ging in das Bad.
Als David kurz in den Spiegel sah, erschrak er völlig, als er ihr Gesicht darin erkannte. “Gott Gillian!“ Nuschelte er, mit dem ganzen Zahnputzschaum im Mund.
Dabei spuckte er Gillian ein wenig an, was ihm furchtbar peinlich war.
 Schnell spülte er den Mund aus und wand sich ihr wieder zu. Sie grinste ihn nur entschuldigend an, weil sie ihn nicht so hatte erschrecken wollen.
David fuhr mit seiner Hand über die Stelle an der sie seine Schaumattacke getroffen hatte um es von ihrer Kleidung zu wischen. “Tut mir Leid, ich spucke nicht jeden an, aber- meine Güte hast du mich erschreckt!“ Lachte er.
Auch Gillian musste lachen.
 Er war einfach zu süß.
“Bist du extra runter gekommen um mich zu erschrecken? Schleichst du dich häufiger aus dunklen Kellern an wehrlose Männer heran?“ Grinste er Gillian auffordernd an.
“Ich hab keine Zahnbürste“ Lächelte Gillian.
“Oh! Klar, Moment, ich schau mal nach...“ Und er bückte sich um im Schränkchen zu wühlen.
Dabei rutschten die Boxershorts nur noch ein Stück tiefer herab und saßen noch enger als zuvor.
Gillian konnte ihren Blick bei besten Willen nicht abwenden, aber warum auch- er konnte ihren lechzenden Blick ja nicht sehen.
David stellte sich wieder auf, in der Hand hielt er eine kleine Kinderzahnbürste.
 Eine Pinke Zahnbürste in Form eines Dinosauriers. Wie eine Trophäe hielt er sie hoch, Gillian entgegen.
“Taddaaah, ein pinker Dino von Maddie- sonst haben wir leider keine mehr“
Skeptisch betrachtete Gillian den Dino. “Das meinst du nicht ernst?“ Kam es ihr über die Lippen.
David nahm seine Zahnbürste in die andere Hand. “Du kannst auch gerne meine haben“ Grinste er sie an.
Gillians Hand schnellte nach vorne. “Nein, schon okay, ich denke der pinken Dino und wir werden gut miteinander auskommen“ Erwiderte sie lächelnd.
Sie bestrich die Zahnbürste mit Zahnpasta und putzte sich die Zähne mit der kleinen Zahnbürste.
David beobachtete sie dabei.
Es war kein weltverändernder Moment, aber er hatte sie noch nie bei so etwas “primitiven“, natürlichen, gesehen. Wie wenn sie ihre Zähne putzte! Und – er wusste nicht warum- aber es faszinierte und entzückte ihn.
Gillian spürte wie David sie betrachtete und sie drehte sich um. Ihr Grinsen wurde breiter, sie stemmte einen Arm in die Hüfte.
“Wfs?“ Entkam es ihr. Sie tat ihr bestes um nicht den gleichen Fehler wie David gerade zu machen und ihn anzuspucken. Er lächelte nur und antwortete: “Du siehst einfach süß aus mit diesem Dino“
Bevor Gillian antworten konnte fuhr er fort “Ich geh schon mal nach oben, ja?“ Gillian nickte.
Er ging also und sie putzte sich die Zähne zu Ende.

Danach wollte sie sich umziehen, doch fiel ihr jetzt erst auf, dass sie sich gar keine Klamotten geholt hatte.
 Sie schlich also wieder leise nach Oben, an dem Kinderzimmer vorbei. Dann klopfte sie ganz sanft an die Schlafzimmertür.
 David öffnete und blickte sie fragend an.
“Ich hab nur... nichts zum Schlafen“ flüsterte sie. David machte eine Geste, dass sie hereinkommen sollte. Dann öffnete er den Schrank und deutete ihr, sie solle sich etwas nehmen.
Irgendwie fühlte Gillian sich aber nicht wohl dabei, in Teas Sachen zu schlafen.
Sie schaute David kurz an und fragte: “Kann ich vielleicht auch was von dir haben? Ich meine nur weil...“ Setzte sie zur Erklärung an während sie spüren konnte wie ihren Wangen anfingen zu glühen.
David schüttelte den Kopf. “Nein, ich meine, natürlich, ist doch gar kein Problem!“
Er öffnete die andere Seite des Schrankes und nahm eine Boxershorts und ein T-Shirt heraus. Gillian lächelte. “Danke“
Dann ging sie ins Bad um sich umzuziehen. Zum Glück schien er verstanden zu haben, dass sie sich in Teas Sachen unwohl fühlen würde. Aber David verstand sie eigentlich immer. Er hatte diese sensible Ader, die sie noch nie zuvor bei einem Mann in diesem Maße erlebt hatte.

Sie tapste wieder in das Schlafzimmer. David lag im Bett. Gillian war ein wenig unschlüssig, doch dann zog David die Decke auf ihrer Seite weg, deutete darauf und sagte “Ich roll mich auch ganz nach rechts!“
“Haha!“ Entkam es Gillian. Es war ihr ein wenig peinlich, dass er ihre Unsicherheit spürte. Deshalb ging sie nun umso entschlossener auf das Bett zu. So entschlossen, dass sie über das auf dem Boden liegende Kabel der Stehlampe fiel. Mit einem heftigen Ruck zog sie den Stecker aus der Steckdose, das Licht erlosch.
Sie fiel – aber recht weich- auf das Bett.
David fasste mit dem rechten Arm zu der Lampe auf seiner Seite und knipste das Licht an.
 Jetzt erst realisierte Gillian, das sie auf David gefallen war und immer noch auf ihm lag.
Er grinste frivol zu ihr herauf “Naaa Mrs. Anderson, immer so stürmisch?“
Sie rollte sich schnell von seinem Körper herunter, nahm das Kissen und warf es nach ihm. David lachte.
“Pssst.“, versuchte Gillian ihn zu ermahnen, “die Kinder.“
David lachte eher noch lauter als es aus ihm hervorkam “Wer macht denn hier den Krach? Ich hab die Lampe nicht umgeschmissen“.
Gillian öffnete beleidigt den Mund und ging in Angriffsposition über. Nun nahm sie David sein Kissen unter dem Kopf weg und drückte es sanft auf sein Gesicht. “Ha, jetzt schweigst du!“
David nahm das Kissen von seinem Gesicht und war wieder etwas ruhiger. Er schaute Gillian ins Gesicht.
“Du hast Recht, wir sollten leise sein und vielleicht auch schlafen- denn ich denke nicht, dass die zwei uns morgen lange schlafen lassen, oder?“ Gillian nickte zustimmend. Sie nahm sich das Kissen und fläzte sich auf ihre Seite.
“Gute Nacht“ Sagte David leise, nachdem er das Licht wieder ausgeknipst hatte. “Hmmm.“ Seufzte Gillian aus der Tiefe ihres Kissens hervor.
Sie schlief sehr schnell ein und merkte nicht, dass David noch ein wenig aufrecht im Bett saß und sie beim Schlafen beobachtete.
Dann strich er ihr sanft über die Haare und legte sich ebenfalls hin. Wie er ihr versprochen hatte rollte er sich auf seine Seite- auch wenn er sich gerne ein wenig an sie gekuschelt hätte, nur um besser einschlafen zu können. Denn das Bedürfnis, sie in den Armen zu halten, hatte er schon.



Es war ca. eine Stunde vergangen, da wachte David wieder auf.
Er schaute auf die Uhr und sank mit einem stummen Seufzer resigniert in sein Kissen zurück. Denn er hatte schon so eine Vorahnung dass er eine ganze Nacht im gleichen Bett mit Gillian nicht ganz einfach durchziehen könnte.
Für einen Moment wünschte er sich einfach nur mit aller Kraft das dies nicht wirklich wäre und er nur träumte.
Er wartete kurz, doch es wurde ihm all zu schnell klar das es nicht so war.
Innerlich hatte er gehofft das ihm genau dies, mitten in der Nacht aufzuwachen, nicht passieren würde.
Mit der ernüchternden Feststellung, dass er diese Nacht wahrscheinlich keinen tiefen Schlaf mehr finden würde, drehte er seinen Kopf zu Gillian welche anscheinend friedlich, fest eingekuschelt unter ihrer Decke lag.
Da machte sich ein lächeln über Davids Gesicht breit. Er brauchte sie nur ansehen, wie sie dort lag, und schon musste er lächeln.
Er lächelte nicht bewusst. Es war einfach beruhigend das sie hier bei ihm, so ruhig und sorglos lag. So als ob sie bei ihm ihre nagenden Sorgen tatsächlich für eine Weile vergessen könnte.
Nachdem David sie so für eine Weile stumm betrachtet hatte merkte er das seine Decke nicht dort war wo sie sein sollte.
Er hatte sie wohl irgendwie von sich weg befördert und sie somit direkt ans Bettende, mittig zwischen sich und Gillian zusammen gerollt.
 Nicht, dass er sie wirklich bräuchte - wenn er es sich so überlegte war ihm sogar tierisch warm, obwohl er nur die Boxershorts trug!
Außerdem merkte er nun auch dass er durstig war.
 Wieder fiel sein Blick auf Gillian.
 Ihm war klar das all dies: seine Aufregung, seine Probleme Schlaf zu finden, letztendlich darauf zurückzuführen waren das dieses zauberhafte, wunderschöne Geschöpf neben ihm lag und er jetzt erst recht bemerkt hatte das er mehr sein wollte als nur ein guter Freund.
Nicht das es so war das er mit seiner Freundschaft zu ihr unzufrieden war. Schließlich kannte er wirklich keine Frau zu der er eine so enge, freundschaftliche Beziehung hatte wie zu Gillian. Doch spätestens als er merkte, dass ihm diese Freundschaft mehr wert war als sein Ehe mit Tea begann das hin -und- her der Gefühle.
 Dass ihm so etwas wie das hier, wie an diesem Abend passieren würde hatte er schon so oft still für sich gehofft, das ihn der Moment an sich wahrscheinlich einfach zu sehr überwältigte als dass er ruhig einschlafe könnte.
Beim Dreh der Serie hatten sie schon ähnliche Szenen gedreht und er dachte damals schon das ihn seine Gefühle mit voller Wucht überkommen hätten. Doch das hier, es war- es war- einfach um so vieles größer.
Er könnte jeden Moment als er selbst, in seinem eigenen Leben die Arme um sie legen, ihren Herzschlag spüren und ihren Geruch in sich aufnehmen. Und er wusste, dass es wirklich das war was er wollte.
Er konnte sich nicht erinnerte wann er das letzte mal etwas so sehr wollte wie sich ihr in diesem Moment auf die zärtlichste Weise zu nähern und so zu verweilen bis sie aufwachte.
Aber er konnte es nicht. Die ganzen Auswirkungen dessen und die damit verbundenen Komplikationen ihrer Beziehung würde er nicht so einfach verantworten. Würde Gillian wach sein und ihm in irgendeiner Weise bestätigen das es genau das war was auch sie wollte, er wüsste nicht mal ob er es dann täte.
Vielleicht.
 Aber darüber nachzudenken würde wohl nichts bringen und somit entschied er sich erst einmal seine Augen von ihr abzuwenden und sein Gefühlschaos wieder ein bisschen runter zu kurbeln.
Doch allein weg drehen schien leider nichts zu helfen.
Er hatte zwar nicht mehr die Art von Reiz wie als wenn er sie direkt neben sich liegen sah, aber nur zu wissen das es so war, konnte er nicht ertragen.
Also beschloss er nach kurzer Überlegung in die Küche zu gehen um etwas zu trinken und anschließend kurz ins Bad zu gehen und sich das Gesicht mit kaltem Wasser zu waschen. Das würde ihm zwar beides nicht viel beim einschlafen helfen, aber die Hoffnung diese Nacht noch einmal tiefen Schlaf zu finden hatte er schon so gut wie aufgegeben.

Als er dann fast einen halben Liter kühles Mineralwasser intus hatte war jeder Durst gestillt und er machte sich auf den Weg ins Bad. Während er sich durchs Haus bewegte achtete er peinlich genau darauf keinen einzigen Mucks von sich zu geben um niemanden zu wecken.
Doch leider knarrte die Diele zum Bad doch zu sehr und es wäre zu riskant gewesen sich darauf zu bewegen weil er damit ganz sicher Gillian aufgeweckt hätte.
 Also beschloss er sich mit dem Wasserhahn in der Küche zufrieden zu geben um unnötige Lärm zu vermeiden.

Zurück auf dem Weg ins Schlafzimmer begann Davids Herz wieder unkontrolliert schneller zu schlagen.
Sich auf den Weg zurück ins Schlafzimmer zu machen wäre ja nichts besonderes, aber sich auf den Weg in ein Schlafzimmer zu machen wo sie, Gillian, neben ihm liegen würde, löste unzählbare Hormonausstöße in seinem Organismus aus.
Als er die Tür langsam öffnete schien ihn das Gefühl schier zu überwältigen, zudem er noch Bedenken haben musste, dass Gillian mittlerweile nicht vielleicht selbst aufgewacht sei. Diese Situation würde ganz sicher auf ein für beide unangenehmes Ende dieser Nacht hinauslaufen und ihr Umgehen miteinander verkomplizieren.
Ganz langsam nur wagte er sich durch die Tür zu gehen um sich für jede Folgesituation bereit zu halten.
Und - sie schlief. >Gott sei Dank! < dachte sich David.
Behutsam und enorm beruhigt ging er aufs Bett zu und legte sich wieder hin.
Er merkte das er im Vergleich zu vorhin als er aufgewacht war deutlich ruhiger war und zugleich müder als vorhin.
Seines Befindens glücklich und zufrieden schlief er demnach auch bald ein.

Am frühen Morgen, gegen 6, wachte dann Gillian auf.
Um erst einmal richtig wach zu werden streckte sie ihre Arme und Beine etwas.
Zu ihrem Erschrecken stieß sie hinter sich sogleich an etwas großes, Weiches an. Gillian war noch nicht wieder ganz bei sich und musste erst einmal ihre Gedanken ordnen.

David, welchem sie einen etwas unsanften Stoß zugefügt hatte grummelte kurz etwas Unverständliches und rollte sich danach auf die andere Seite und rückte seiner Bettpartnerin somit ein beachtliches Stück näher.
Da wurde Gillian mit einem mal klar wo sie eigentlich war.
Sie war allerdings wenig beruhigt. Höchstens das sie David aufgeweckt haben könnte ließ sie kurz erstarren.
Sie probierte also krampfhaft sich nicht zu bewegen um nicht noch einmal zu riskieren ihn zu wecken.
Zusätzlich bemerkte sie dass sie ein beachtliches Stück ihrer Betthälfte vor sich sah. Sie schloss daraus, dass sie sich größtenteils auf Davids Betthälfte befinden dürfte.
Er musste nach ihrem Gefühl geradezu unglaublich nahe an bei ihr liegen. Wenn sie sich konzentrierte konnte sie sogar seinen Atem im Nacken spüren.
Es war ihr jedoch nicht unangenehm. Sie fühlte sich gut behütet in seiner Nähe, was ihr Unbehagen verschaffte. Denn so wohl wie gerade hatte sie sich lange nicht mehr gefühlt.
Sie überdachte die Situation in der sie sich gerade befand und wieder kamen die Schuldgefühle zurück. Sie beschloss gerade leise aufzustehen und sich anzuziehen, vielleicht ein kleines Frühstück vorzubereiten, um danach mit Piper aufzubrechen, als David sich wieder grummelnd bewegte. Jetzt spürte sie seinen Körper direkt an ihrem, und sein Arm schlang sich um ihren kleinen Körper.
Ihr Atem stockte.
David schien jedoch immer noch zu schlafen.
Wahrscheinlich dachte er an Tea, unbewusst hatte er dabei den Arm um Gillian geschlungen, denkend sie wäre seine Frau...
 Gillian versuchte ihren Arm zu heben und Davids Arm zurück zu heben. Doch da sein Arm sie völlig bedeckte, wäre ihr dieser Versuch wohl nicht gelungen ohne ihn zu wecken. Also fand Gillian sich mit der – für sie nicht unangenehmen Situation ab.
Nach einer kurzen Zeit schloss auch sie wieder ihre Augen.

Sie war zwar nicht mehr müde, doch dieser gemütliche Augenblick, festgehalten von David... ließ sie wieder jegliche Gedanken vergessen und sie driftete ab in das Land der Träume.
Abrupt wurde sie von einem lauten Quietschen geweckt.
“Daaaaaddy !!!” Sie öffnete die Augen und sah Maddie vor dem Bett stehen, hinter ihr erkannte sie Piper, die ebenfalls das Zimmer betrat. Als sie immer noch Davids Arm spürte, erschrak sie. Doch auch David war von dem lauten Rufen seiner Tochter aufgewacht und bewegte sich nun. Er setzte sich im Bett auf. “Morgen mein Engel!” begrüßte er sie fröhlich. Maddie hüpfte in das Bett. Piper grinste ihre Mutter nur an und sagte “Hey Mom! Gut geschlafen?”
“Na, was haltet ihr alle von einem Frühstück im Bett?” fragte David auffordernd in Pipers Richtung. Piper nickte eifrig grinsend und schlug sich, über Gillian krabbelnd, ebenfalls ins Bett.
 “Na dann hol ich mal etwas womit wir das Bett Vollkrümeln können, hmm?” Und David pellte sich aus der Decke.
Gillian hoffte inständig, dass Piper die Situation nicht missverstanden hätte, doch nach ihrem Grinsen erriet sie, dass sie es wohl getan hatte.
Sie wollte es ihr erklären, aber nicht jetzt, nicht hier und vor Maddie. Außerdem widmeten die beiden sich gerade einem Finger- Klatsch- und Singspiel. Nach einer Weile rief David von draußen nach Gillian. Sie erhob sich also geschwind aus dem Bett und schlurfte in die Küche.  „Ich kann das nicht alles tragen.”, erklärte David und zeigte auf zwei voll gestellte Tabletts. Gillian nickte und nahm sich eines. Sie wollte David nicht sagen, dass sie die Idee im Bett zu frühstücken nicht ganz clever fand.
Nicht, dass sie nicht gerne mit ihm im Bett frühstücken würde... aber sie hatte Angst, dass das vor den Kindern doch komisch rüber kommen würde. Doch sie schien die Situation als einzige verfremdlicht zu finden.
Denn als sie wieder im Bett saßen, verlief alles ganz harmonisch, normal.

David und Gillian saßen außen, in der Mitte Piper und Maddie. Sie lachten, „Ich glaube hier drin kann man nicht mehr schlafen” und deuteten auf die vielen Krümel.
Gillian lächelte und wand sich an Piper.  „Denk ja nicht, dass das bei uns auch demnächst an der Tagesordnung stehen wird.”
 „Weiß ich schon, dafür bist du viel zu ordentlich.”, erwiderte Piper grinsend.
Auch David musste daraufhin grinsen und wand sich Gillian zu,  „Ah, auch privat eine kleine ordnungsfanatische Dana Scully?”
  „Na nicht ganz so schlimm” lachte sie, “aber auf Bröseln schlafen finde ich nicht gerade prickelnd...“
David konnte nicht anders, aber in dem Moment als Gillian diesen Satz von sich gab, schnellten Bilder durch seinen Kopf, wie Gillian und Julian im Bett lagen und...kein Wunder, dass sie da nicht gerne störende Brösel im Bett hat dachte David.
Bei ihm und Tea war dies seit längerem schon passé, aber eher von seiner Seite her- er hatte nicht mehr das Verlangen nach seiner Frau wie vor einigen Jahren... und es wurde immer schwächer....

 Gillian schaute auf den Wecker neben dem Bett. „Hey Piper, du bist doch nachher zu dem Geburtstag eingeladen, ich glaube wir müssen dann auch gleich mal los” .Piper nickte und sprang aus dem Bett heraus.
Maddie hüpfte hinterher und beide verschwanden wieder im Kinderzimmer.
 David war enttäuscht, er hatte sich auf einen netten Tag mit Gill gefreut.
 Aber, dass er das nicht erwarten konnte war ihm schon klar.
Auf einen Versuch ließ er es jedoch ankommen.  „Und, was meinst du, wenn du Piper zur Party gebracht hast, hättest du noch Lust auf ein Musical?”
Gillian blickte ihn fragend an. “Es ist nur, weil ich für Tea und mich Karten gekauft hatte, aber jetzt ist sie ja doch nicht da, und alleine will ich auch nicht geh”
 „Soso, Lückenbüßerin soll ich sein?” Lachte Gillian.
David wollte es gerade richtig stellen und holte entsetzt Luft, doch Gillian ließ ihn nicht zu Wort kommen.
“Nein, du weißt ja ich würde gerne, aber... ich sollte erst einmal mit Julian reden, ich glaube wir sollten da einiges klären” .David nickte verständnisvoll.
 Er verstand ihr anliegen, aber wirklich unterstützenswert fand er es nicht.
Seit Gillian mit Julian zusammen war- so war Davids Gefühl- hatte sie ihre lockere, unbelastete Art nach und nach immer mehr verloren. Sie machte sich ständig quälende Gedanken.
Er hatte Angst, dass Julian seine Gillian unterdrücken und ihr die Fröhlichkeit nehmen würde!
 Seine Gillian?
Er hatte kein Recht sie so zu nennen, schließlich war er nicht ihr Verlobter...
Gillian stand also auf, nahm ihre Klamotten und ging ins Bad um sich umzuziehen.


Als Gillian und Piper zu Davids Enttäuschung das Haus verließen, konnten beide nicht fassen was für ein Rummel an Paparazzia draußen lauerte. "OH MEIN GOTT" sagten Gillian und David zeitgleich.
Nicht, dass sie diese Situation nicht kannten, aber dieses Mal fühlten sich beide, unfreiwillig, wirklich bei etwas ertappt.
Sie waren für einige Sekunden wie erfroren mit hilflosen Gesichtern in der Tür stehen geblieben, bis sich David besann und Gillian sachte am rechten Arm aus dem Türrahmen zurück ins Haus zog.
 So konnte er danach die Tür schließen und diesem unangenehmen Aufblinken von unendlichen Blitzlichtern ein Ende machen.
Gillian konnte es noch immer nicht fassen und sank, an der Tür herunter rutschend, langsam zu Boden. Während sie ihr Gesicht mit ihren Händen verdeckte fragte sie sich warum sie das nicht hatte kommen sehen. Sie konnte
sich bildlich vorstellen wie Julian darauf reagieren würde.
 „Zum Glück haben wir wenigstens die Mauer ums Grundstück ziehen lassen,“ versuchte sich David
bewusst zu beruhigen.
Doch beide wussten, dass sie zu lange zu nah aneinander an einem Samstagmorgen ohne irgendwelche berufliche Hintergründe im Türrahmen gestanden hatten. David, der durch eine Gardine mit Rosenstickereien geschaut hatte und zusah wie sich die Horde der Pressefotographen immer mehr vergrößerte, wandte sich nun wieder der völlig verstörten Gillian zu.
 Er ging vor ihr in die Hocke und betrachtete sie wie sie kaum hörbar anfing zu schluchzen. "Gillian...”-fing er an und bedeckte ihre Hände mit seinen, „Ich kann euch gerne nach Hause fahren und da....”-"NEIN!" fuhr Gillian mit einem Mal hoch.
 "Das ist doch genau das was die wollen!"
David schaute sie mit einem herzzerreißenden, schuldbewussten Blick an.
Doch Gillian wollte und konnte ihm jetzt nicht in die Augen schauen. Zielgerichtet machte sie sich schnell auf zum Telefon und wählte eine Nummer.
 David blieb mit einem kleinen Stechen im Herz im Hausflur stehen und starrte benommen an den Ort wo Gillian und er gerade noch standen. In diesem Augenblick schien alles um ihn herum wie in Zeitlupe abzulaufen.
Er wollte erst gar nicht dran denken, was die Presse mit diesen Fotos wohl alles anstellen würde, sondern wie sehr ihn das in diesem Falle stören würde.
Das mit Tea und besonders Julian würde schon hart werden und ihm schnürte es die Kehle zu wenn er sich vorstellte wie Tea ihn, total außer sich vor Wut, am Telefon anbrüllen würde. Dennoch konzentrierten sich seine Gedanken eher auf etwas anderes.

 In den letzten paar Stunden war Gillian in seine Augen ein wenig in die Rolle seiner Ehefrau gerutscht und er hätte sie in dieser Rolle wirklich gerne öfter um sich gehabt.
 Und genau deshalb hatte er an der Tür auch erst eine Weile gebraucht um festzustellen in welcher brisanten Lage sie eigentlich waren.

In diesem Moment bereute er so stark wie nie zuvor Gillian nicht seine wahren Gefühle für sie gestanden zu haben. Gerade als er anfing, sich das alltägliche Eheleben mit Gill auszumalen, kam diese zurück in den Flur: "Piper packst du bitte schnell deine Sachen, Julian kommt gleich vorbei um
uns abzuholen."
Als David diese Worte vernommen hatte, war sein Tranceartiger zustand mit einem mal verflogen.
 "Aber ich habe doch gar nichts mitgenommen Mum."
 “Ach ja-richtig" erinnerte sich Gillian und fuhr mit ihrer linken Hand übers Gesicht als wolle sie wach werden. “Dann lass uns schon mal raus gehen. Julian müsste jeden Augenblick da sein."

 Abgesehen davon, dass er es für keine besonders gute Idee hielt sich frühzeitig den Fotografen auszusetzen, war David von der eisigen Kälte in Gillians Stimme erschrocken
"Wollt ihr nicht noch lieber für..."
 “- Nein, nein. Julian ist sicher gleich da."
 In diesem Moment ertönte von draußen eine Autohupe.
"Siehst du Schatz, das ist ganz sicher Julian" sagte Gillian und öffnete die Tür um Piper aus dem Haus zu schieben. Bevor diese aus dem Haus trat tauschte sie mit David noch einen verzweifelten Blick aus. David schaute verstört zu Gillian hoch die es anscheinend sehr eilig hatte ihn zu verlassen.
 Sie setzte ihre Sonnenbrille auf und probierte kurz zu lächeln als sie David ein letztes Mal ansah.
Doch da sie kurz davor war völlig in Tränen auszubrechen als sie diese Augen sah, machte sie sich geschwind auf den Weg zum Auto und zog beim Verlassen die Tür hinter sich zu.
Nun rutschte David innen an der Tür runter und vergrub stillschweigend sein Kopf in seinen Händen.

Als Gillian sich vorne auf den Beifahrersitz setzte sagte Julian, „Womit wir dann wieder bei unserem letzten
Gesprächsthema wären..."
  „Danke das du so schnell gekommen bist." sagte
Gillian zaghaft.  „Ach ist schon o.k." sagte Julian mit einem unangenehmen Unterton und räusperte sich während er den Sonnenschutz runter klappte um den Fotografen ein wenig Angriffsfläche zu nehmen.
 "Wie ich diese Kerle hasse!" schrie er und trat heftig in die Pedale.
 Normalerweise hätte Gillian das nicht einfach durchgehen lassen aber in dieser Situation traute sie sich keinen Mucks mehr von sich zu geben.

 Die ganze Fahrt verlief schweigend und als sie angekommen waren machte sie sich schnellstmöglich auf in die Wohnung wobei sie ebenfalls kein Wort wechselten.
Als sie dann drin waren, schmiss Julian unsanft die Tür ins Schloss und rief der schnell im
Zimmer verschwindenden Piper hinterher: "Und, war’s auch schön bei Onkel David Piper-Schatz?!"
 “Ja!" keifte Piper noch schnell zurück bevor sie im Zimmer verschwand.
Julian wollte hinter ihr her gehen doch Gillian hielt ihm am linken Handgelenk zurück.  „Lass sie."
 Julian blickte Gillian starr an. Er sagte nichts und schien sie einfach nur mit seinem Blick zu fragen was sie nun gedenken würde zu sagen.
 Weil sie das nicht aushielt setzte Gillian zum Versuch an: "Iiich...“ doch sie konnte es nicht.
 „Schon klar", sagte Julian. "Du warst von deinem Verlobten zutiefst enttäuscht, und da war der gute alte Dave ein willkommener Trost."
 Gillian konnte ihre Tränen nun nicht mehr zurück halten.
 „Gillian, ich bin mir im Klaren darüber, dass da was ist, zwischen dir und David, wovon du mir nichts erzählst. Und wenn du glaubst mich für dumm verkaufen zu können, dann hast du dich gewaltig geschnitten!
Wenn du mir etwas zu sagen hast was die ganze Sache betrifft wäre ich sehr erfreut, denn ich
wüsste wirklich zu gerne was in diesem Herz vor sich geht“, sagte Julian und deutete auf Gillians Brust.
“Julian, da war rein gar nichts! Aber es sollte dir zu denken geben warum deine Verlobte gestern nicht nach Hause kommen wollte, sondern es vorzog bei einem Freund zu schlafen.
Du kannst nicht alle Schuld immer nur bei mir suchen”, sagte Gillian und schaute ihm dabei undurchdringlich in die Augen.
Sie war es satt.
 Satt, dass Julian in letzter Zeit nie an sie dachte.
Dass er immer gleich ausrastete, ihr nicht wirklich zuhörte oder echtes Interesse für ihre Gefühle zeigte.
Denn wenn, dann hätte er schon vorher gefragt was mit ihr los sei, nicht erst jetzt, wo er sich wohl in seinem männlichen Stolz verletzt sah.
 „Wo bitte soll ich bei MIR die Schuld suchen, wenn DU dich in Davids Arme rettest???” Rief Julian erregt.
Gillian blieb ruhig in ihrem Ton. „Dann scheinst du vergessen zu haben wie es überhaupt dazu gekommen ist. Denk einfach mal an die letzten Wochen zurück, nicht nur an gestern. Es kommt ja nicht plötzlich etwas auf, das mich von dir wegtreibt, sondern ich denke da hat sich in der gesamten letzten Zeit etwas entwickelt, was unserer Beziehung nicht gerade gut getan hat.”
 „Oh wow, Gillian, krieg dich ein! Du hast gestern einfach ein wenig emotional reagiert.”
 „Meine Güte Julian, du warst noch nicht einmal in der Lage anschließend mit mir normal darüber zu reden! Du hast dich einfach aus dem Staub gemacht und meintest wohl es gäbe nichts mehr zu bereden. Und da meinst du habe ich Lust mitten in der Nacht, nachdem ich dich vorher nie erreicht habe, nach Hause zu kommen, um mich dann noch zusammenstauchen zu lassen?”
“Gillian- ich würde sagen wir vergessen das jetzt einfach einmal. Du sagst mir, dass so etwas peinliches nie wieder passiert und die Sache ist gegessen, in Ordnung? Ich habe einfach keinen Nerv mehr darüber zu diskutieren.” Sagte Julian und ging in das Wohnzimmer, wo er sich auf das Sofa setzte und den Fernseher einschaltete.

Gillian stand da wie ein begossener Pudel.
Das konnte doch einfach nicht wahr sein!
Er schien unfähig zu sein zu reden.
Es schien ihn nicht zu interessierten, was für Probleme die beiden hatten, und ob man sie nicht vielleicht versuchen sollte zu lösen!
 ER schien mit dem Ende dieses Gespräches zufrieden zu sein und ließ sie einfach so stehen!
Doch es war NICHTS geklärt!
Tränen bahnten sich abermals den Weg über Gillians Gesicht.
 Sie konnte einfach nicht glauben wie er sich verhielt.
Doch sie konnte jetzt nicht auch einfach davonrennen.
Sie machte wieder einen Ansatz, ging langsam ins Wohnzimmer und fing ruhig an: “Julian- wir-”
Doch Julian sprang vom Sofa auf. „Gillian, statt mich jetzt weiter zuzutexten solltest du vielleicht mal zu deiner Tochter gehen und ihr beibringen, dass sie so wie vorhin nicht mit mir umzugehen hat!”
Dann schnappte er sich seine Jacke, verließ das Haus und ließ die Tür laut ins Schloss fallen.

Nun war Gillian einem Wutanfall nahe, sie biss die Zähne aufeinander um nicht laut loszuschreien. Sie erkannte Julian nicht wieder.
Obwohl ihr langsam auffiel, dass seine exzentrischen Phasen und dieses nicht diskutieren wollen schon von Anfang an in ihrer Beziehung da waren, nur nicht ganz so ausgeprägt.

Sie hatte gedacht es würde sich zum Positiven entwickeln, wenn die beiden länger zusammen wären, erst einmal verheiratet.
Verheiratet?
 In dem Moment, als sie daran dachte, schüttelte sie sich, fing an zu zittern. Sie setzte sich aufs Sofa, vergrub ihre Hände in ihrem Gesicht und fing an zu weinen.
 Sie würde nicht noch einmal eine Ehe eingehen, von der sie nicht sicher war, dass sie ihr Leben lang halten würde. Würde ein Gespräch mit Julian überhaupt noch etwas bringen?
 Die Kluft schien heute so unüberwindbar geworden zu sein. In dem Augenblick als er auch noch Piper angriff war aus dem kleinen Spalt zwischen ihnen ein riesiger Abgrund geworden....
Piper!
 Sie ging hoch in Pipers Zimmer. „Süße, bist du fertig?”
Piper schaute auf und schaute Gillian an. „Mom, alles klar?”
Gillian nickte.
 Sie vermied es ihre Tränen wieder wegzuwischen, damit Piper nicht noch unberuhigter wäre.
 „Ja, alles in Ordnung.”
Piper rückte näher an ihre Mutter heran und umarmte sie.
 „Immer wenn ihr streitet weinst du.”
 „Piper, das wird schon wieder, hab du gleich mal Spaß auf der Party, mir geht es gut Süße, wirklich”.
Piper nickte und nahm ihre gepackten Sachen. Sie gingen zum Auto und fuhren los.
Gillian hielt vor einem Haus.
 Sie lächelte ihrer Tochter zu, „Ich nehme an du willst alleine rein?”
Piper grinste.
Sie öffnete die Tür, dann rutschte sie wieder zurück auf den Sitz und gab Gillian einen Kuss. Sie stieg aus. Bevor sie die Tür zuschlug steckte sie noch mal den Kopf ins Auto und smilte.
  „Lenk dich heut noch was ab- David wollte doch mit dir ins Musical”, dann schlug sie die Tür zu und ging auf das Haus zu.
Gillian wartete noch kurz, bis Piper im Haus war, dann fuhr sie. Sie ließ sich Pipers Worte durch den Kopf gehen und ein Lächeln zauberte sich auf ihr Gesicht.
Sie trat auf die Bremse und drehte um, fuhr in Richtung Davids Haus.


David, auf dem Rückend liegend in seinem schwarzen Anzug, auf dem Bett auf dem er vor noch nicht all zu langer Zeit mit der Frau lag die er liebte.
Die Umstände waren mit der Weile nicht mehr annähernd so wunderbar wie in dieser Nacht.
Seine Ehefrau hatte von dem, eh schon sehr unangenehmen Presseskandal Wind bekommen und war in diesem stillen Moment auf dem Weg zu David. Tea hatte nicht viel von ihrem Job geredet .Sie wirkte schon fast beängstigend verärgert über die „Sache mit Gillian “.
Hinzu kam, sie hatte sich damit zum Glück kurz gehalten, dass sie für die gewollte Filmrolle nicht angenommen worden war.
Merkwürdiger Weise wollte sie trotz allem heute Abend mit David in dieses Stück gehen: “Die Leute sollten vielleicht einmal im Monat den Eindruck gewinnen wir seinen glücklich miteinander. Schließlich sind wir verheiratet mein Güte!“
David wusste nur zu gut wie alles ablaufen würde wenn sie wieder da sein würde.
Es war so ernüchternd die gut nächsten 48 Stunden bis ins Detail voraussagen zu können.

Es machte ihn weniger wütend als doch traurig. Sie hatten wirklich schöne Zeiten gehabt die er nie vergessen könnte, aber am heutigen Tage spätestens war ihm klar geworden, dass es so auch nie wieder sein würde. Schlimm war außerdem noch, dass er schon gar keine Lust mehr hatte sich dafür einzusetzen etwas zu ändern.
Nicht, dass es ihm egal wäre, doch seiner Gefühle für Gillian bewusst wusste er, das es letztendlich nicht zum gewünschten Effekt führen konnte.
Er entsinnte sich wie er eigentlich vorhatte diesen Abend mit ihr zu verbringen und schrie innerlich „Verdammt“.
Selbst wenn mit ihr und Tea in die Oper gegangen wäre, er hätte sich amüsiert. Und wenn Tea noch soviel Stress gemacht hätte, allein Gillians Stimme zu hören oder in ihre bezaubernden Augen zu schauen um sich darin zu verlieren...
David schloss seine Augen und sah vor seinem inneren Auge die Frau der sein Herz nun unwiderruflich gehörte, wie er sie vor Tagen noch nahe bei sich liegen sah.
Er seufzte.
Genau in diesem Moment, wie sollte es anders sein, klingelte es an der Tür.
David konnte nicht anders als noch einmal tief zu seufzen.
Nach einem zweiten Klingeln ging er zur Tür.
„Schneller ging es wohl nicht?“ fauchte Tea unmittelbar nachdem David ihr die Tür geöffnet hatte.
Ihre gepackten Sachen feuerte sie erst mal in die Ecke mit einem Blumentopf der daraufhin prompt umfiel.
Mit ruhiger, eher enttäuschter Stimme fragte David:“Musste das denn jetzt sein?“
„Was erwartest DU denn in einer SOLCHEN SITUATION von mir?“
„Nun ich…“. „ Ich wird dir mal was sagen David, dass es bei uns nicht immer glatt läuft weis ich selbst, ich brauche es also nicht noch in den Zeitungen zu lesen.“
„Hör zu - ich denke auch nicht das wir im Beug auf die Presse in diesem Fall etwas zu lesen bekommen was der Wahrheit fern liegt, aber mir gibt das eher zu denken und ich gedenke nicht aus unsere Ehe ein Theaterstück zu machen in dem jeder brav seine Rolle spielt ohne ein Wort mit dem anderen zu wechseln.“
„Oh, wir sind heute wohl mal wieder ganz tiefgründig, hm? Und was hast du zur Verteidigung deiner Rolle zu sagen bevor ich mal nach den Kindern sehe?“
„Ich....“
„Weist du, eigentlich ist es mir egal, denn dein Verhalten ist unentschuldbar. Anscheinend bin ich ja auch nicht allein der Auffassung. Aber wenn du dich ausweinen möchtest weil du dich ungerecht behandelt fühlst, wie du es anscheinend tust, steht dir sicher eine gewisse Schnepfe zur Verfügung!“
Damit machte Tea auf ihrem Absatz kehrt und ging in den Dunklen Hausflur hinein.

Doch David hatte nicht vor diesen Kommentar durchgehen zu lassen.
Auf ihm sollte sie ruhig rumhacken, das war er bereits gewohnt, doch Gillian eine Schnepfe zu nennen ging eindeutig zu weit.
„Das wirst du zurücknehmen!“
„Du stellst Forderungen an mich?!“

Da klingelte es wieder an der Tür...
Beide schauten in Richtung Tür, beschlossen aber es werde schon nicht so wichtig sein.
David sah sich dazu verpflichtet Gillian zu verteidigen, denn SIE war schließlich nicht an den Problemen Schuld, die Tea und er hatten, nein, dank IHR hatte er sich die letzten Tage endlich mal wieder so richtig wohl gefühlt. akzeptiert und geliebt.
 Nicht, dass er wirklich dachte Gillian würde die Art von Gefühlen für ihn haben, die er ihr entgegenbrachte, aber geliebt- so wie er war.
Und Tea – sie wollte ihn nur noch zurechtbiegen, so, dass er in ihre kleine heile Welt passte!!!  „Ja, auch ich meine das Recht zu haben Forderungen zu stellen“, antwortete David.
Tea schritt langsam wieder die Treppe runter, auf ihn zu, schaute ihm dabei intensiv in die Augen.
 Es war ein kalter Blick, voller Hass.
David hätte nicht gedacht, dass die beiden sich je solche Blicke zuwerfen würden, und innerlich verdonnerte er sich selber dafür, dass er es so weit hatte kommen lassen.
  „Du mein lieber, hast niemanden der auf deiner Seite ist! DU hast all das hier “- sie fuchtelte mit den Händen zwischen den beiden rum-  „kaputt gemacht, und da meinst du auch nur IRGENDWELCHE Forderungen zu haben? Und dann auch noch in Hinsicht auf MISS ANDERSON!“
 Sie betonte mit Absicht Gillians Nachnamen, um zu zeigen wie sehr sie sie verabscheute. David schüttelte nur noch seinen Kopf. Hatte es überhaupt Sinn wieder eine Diskussion zu starten?
Wo sollte es enden? Er hatte kein Ziel vor Augen, warum also diskutieren?
 Die Vorstellung heute würde er auch so hinter sich bringen, und danach- wie es dann weiter gehen würde? Wie immer.
 Wie immer.
In seinen Gedanken hallten diese Worte wie ein weites Echo. Immer! Er wollte so nicht weiter leben, ohne Liebe! Er wusste, wenn Gillian frei wäre, ihn lieben würde, er würde Tea sofort verlassen. Aber so- unter diesen Umständen- konnte er wenigstens noch für seine Tochter da sein.


 Tea deutete diese Pause als Triumph, drehte sich mit einem Zischlaut um und wollte wieder die Treppe hoch gehen, als es direkt an der Tür klopfte. Wieder gingen beide Blicke in Richtung Tür. Irgend jemand von ihren Freunden, der den Code für das Tor vorne hatten, stand gerade jetzt vor der Tür.
Tea, die meinte das Streitgespräch gewonnen zu haben, erfreute sich bei dem Gedanken daran mitleidige, tröstende Worte von einem Freund zu bekommen, bei denen sie selber als das Opfer dastände.
David hingegen hatte keinerlei Lust nun irgendwelche dieser sogenannten Freunde zu sehen, die sich dazu verpflichtet sahen, nun, da Tea wieder da sein, mit den beiden etwas zu unternehmen, und während dessen irgendwelche kindischen Versöhnungshilfen zu geben! Er hasste dies jedes mal! Tea hatte also vergessen, dass sie nach oben zu Maddie gehen wollte, und ging die Treppe runter. Dave stand immer noch auf der Mitte der Treppe, als Tea die Tür erreicht hatte.
Sie schaute ihn an und zischte mit alarmierender Stimme :  „Würdest du vielleicht auch kommen?“
David atmete einmal tief ein und wieder aus, dann schlenderte er langsam die Treppe herunter, setzte schon einmal sein erfreutes Gesicht auf, um die vermeintlichen Gäste zu begrüßen. Tea öffnete die Tür. David stockte der Atem. Gillian!
 Sie wollte doch mitkommen!
Als Gillian Tea sah, erschrak auch sie. Sie hatte nicht gedacht, dass sie schon wieder da sei...
David hatte sie doch gefragt ob SIE heute mitkommen wolle, weil Tea noch weg sei!
Von ihrer Seite her ließ der Schock jedoch recht schnell wieder nach, sie lächelte freundlich und begrüßte Tea:
 „Hey Tea, schön dich mal wieder zu sehen“
Sie hatten sich immer geduzt, natürlich hatten sie nicht wirklich viel miteinander zu tun, aber unter Schauspielern...- da duzte man sich dennoch. Tea kniff die Augen zusammen und drehte sich wortlos um.
Nach ein paar Metern blieb sie stehen. Sie schaute David an, der jetzt fast an der Tür war und schrie laut los.  „DIESEM Weib gibst du unseren Code? Geht sie hier ständig ein und aus wenn ich nicht da bin oder was?“
Gillians Lächeln wandte sich automatisch in eine geschockte Mimik.
 Fragend blickte sie die beiden an, wollte erklären was los war, während Tea unterwegs war. Doch sie kam nicht zu Wort.  „Dass DU Schlampe dich noch hier her traust! Ich habe David immer gesagt, dass ich dich nicht leiden kann, wie du um ihn herumschwänzelt bist, schon immer! Und jetzt meinst du unser Glück zerstören zu müssen?!“
Tea wollte gar nicht mehr aufhören, dass Gillian doch David unterbrach sie harsch.
“Tea! Sag mal bist noch ganz frisch? Ich habe dir schon tausend mal gesagt nicht das Geringste mit UNSEREN Problemen zu tun hat. Du bist nur so fixiert auf dich selber, dass du DICH immer als Opfer siehst! Meinst du nur ICH sei am Scheitern unserer Ehe Schuld? Mit Sicherheit nicht! Denke mal über die letzten Jahre nach, wie sehr DU noch auf Kompromisse eingegangen bist oder Ähnliches! NICHTS hast du investiert, alles blieb an mir hängen! Aber, dass ich es irgendwann leid sein muss ist jawohl klar!!!“
David stockte als er sah, dass Gillian immer noch wie ein begossener Pudel im Regen vor der Tür stand, mit halb offenem Mund.
Er sah, dass sie gleich am liebsten den Rückweg antreten wollte, und er konnte es ihr nicht verübeln. Sie konnte ja nicht damit rechnen, in so ein Ehedrama zu platzen!
Es war seine Schuld!
Seine Schuld weil er das alles mit Tea nicht viel früher- vor Jahren schon- unterbunden hatte, weil er Gillian eingeladen hatte, und nun nicht einmal wusste was er machen sollte... Tea schaute David wieder an.
 „Du hast uns also aufgegeben?“ fragte sie in höchst Melodramen Ton.
  „Ich sehe schon lange keine Zukunft mehr für uns, Tea, aber mittlerweile liebe ich dich auch nicht mehr.“

Tea schluchzte ein wenig, und keifte wieder.
 „Und du willst mir sagen, dass dir dieses Weib nicht diesen Floh ins Ohr gesetzt hat? Sie war doch schon immer scharf auf dich!“
 „Tea, es geht doch gar nicht darum, dass du mich noch liebst, oder? DIR geht es um verletzten Stolz, die Presse- um alles, nur nicht um die Betroffenen, oder?“ Teas Schluchzen stoppte abrupt.
 „Ja, du hast Recht. Und ich habe ein Recht darauf an mich zu denken! Schließlich zerstörst DU alles! Aber wenn du es so willst, dann kannst du ruhig die Scheidung einreichen mein Lieber- ICH will dich nicht zwingen bei mir zu bleiben! Und wenn du meinst mit deiner Gillian das letzte Stück von Integrität aufgeben zu wollen...- dann nur zu. Ich halte dich jetzt nicht mehr von dummen Fehlern ab!“
 Sie grinste ein wenig, als habe sie es ihm jetzt so richtig gezeigt, und ging die Treppen hoch.

Diese Reaktion hatte David erwartet.
Dass Tea ihn nicht mehr liebte wusste er schließlich. Er war froh, dass nun alles ausgesprochen war.
Ja, er wollte sich von ihr scheiden lassen.

Er schaute wieder zur Tür. Er hatte nicht gewollt, dass Gillian alles mitbekommt und sich letztlich irgendwelche Vorwürfe machte! Sie stand im Türrahmen, sah so klein und zerbrechlich aus- uns so wunderschön.
Er grinste sie an, um die Spannung von eben ein wenig verfliegen zu lassen.
 „Ich denke, soeben ist die Karte wieder frei geworden, was meinst du, sollen wir doch noch los“?


Gillian konnte immer noch nicht so richtig fassen was gerade vor direkt ihren Augen abgelaufen war. Am meisten geschockt war sie von der Anzahl der Erwähnung ihres Namens. Alles was sie mitbekommen hatte schien ihr unmöglich, und es hatte ja nur einige Sekunden gedauert. Gerade deswegen war es noch schockierender.
Teas Eifersucht auf sie und David hätte sie nicht mehr überrumpeln können.
Gillian hatte schon ein/zwei Mal von dieser Art Eifersucht Wind bekommen aber sie hatte sich nicht viel dazu gedacht. Ein bisschen Eifersucht versinnbildlicht ja auf eine gewisse Art auch nur wie viel die Partner füreinander empfinden.
Teas Art und Weise David wie einen kleinen Idioten oder gar Angestellten anzukeifen konnte in Gillians Augen nicht unangebrachter, oder mehr, falsch sein.
Wie sie David so betrachtete wurde es ihr noch bewusster.
Davids Mund bewegte sich auf einmal, doch Gillian konnte seine Worte in den ersten paar Sekunden nicht vernehmen. Sie war wie benebelt und das einzigen woran sie noch denken konnte war einen Grund zu finden hier schnell wieder abzuzischen.
Durch einer beunruhigenden Stille nach Davids letzten paar Worten wurde Gillian wieder etwas klarer im Kopf, schüttelte diesen sacht um sich wieder auf das Gespräch mit David zu konzentrieren.
Allerdings war sie immer noch ziemlich verwirrt von der ganzen Situation in die sie innerhalb weniger Minuten geraten war. So antwortete sie nur mit einem kurzen :“Hmm?“, um deutlich zu machen das sie gerade nicht ganz bei sich gewesen war.
Dies war für David natürlich nicht sehr überraschend und er hatte das starke Verlangen was eben geschehen war rückgängig zu machen, jedenfalls was Gillians Anwesenheit anging.
Irgendetwas sagte ihm zwar das es falsch bzw. unnötig war sich zu entschuldigen, doch Gillians Verfassung verdeutlichte das er dieses Thema nicht so einfach verwerfen könnte um wie so oft so zu tun als wäre nichts gewesen. Er schaute sich noch mal über seine Schulter nach Tea um, welche allerdings schon längst einen Abgang gemacht hatte. Als er sich wieder Gillian zuwandte legte er eine Hand auf ihre nasse Schulter und sagte leise :“Hör zu Gillian....Es tut mir leid das du das mitbekommen hast. Ich möchte nicht, dass du dir wegen irgendetwas zu unrecht Vorwürfe machst. Wenn Tea so über dich denkt ist es zwar sehr schade aber.....“David machte eine Handbewegung als wollte er etwas verdeutlichen, doch die Worte gingen ihm aus.
Er seufzte lang und deutlich und legte sich dann seine in der Luft stehende Hand über die Augen um, wie eben noch Gillian, seine Konzentration wieder zu erlangen.
Doch leider wirkte sich diese Entscheidung entgegengesetzt aus.
Die leere in seinem Kopf schien ins Unendliche zu wachsen, so, dass David wieder, nur dieses mal fast unmerklich, seufzte. “Worauf wollte ich jetzt...?“ Gillian, die ihm in seiner halben Verzweiflung aufmerksam beobachtet hatte, legte ihre rechte Hand auf seine Hand, die nun etwas schwerer auf ihrer einen Schulter verweilte. “Das Theater?“, fragte Gillian leise und zögernd um ihm zu helfen wieder auf die richtige Bahn zu kommen. Außerdem wäre es nur unnötig wenn er sich nun weiter für Tea entschuldigen würde.
Es würde viel zu sehr in eine Richtung umschlagen die Gillian dazu zwingen würde, weiterhin im Unklaren zu bleiben ob sie nun wieder nach Hause oder mit David zum Theater fahren würde.

Als sie dass Theater erwähnte wurde David klar worum es eigentlich ging und warum Gillian gerade vor ihm im Regen stand. Es veranlasste ihn dazu kurz und leise in sich hinein zu lachen und seine Hand wieder vom Gesicht zu nehmen weil er sich vollkommen idiotisch vorkam.
Hätte er jetzt weiter über sich und Tea philosophiert hätte er Gillian, abgesehen davon dass sie wahrscheinlich noch eine halbe Ewigkeit im Regen gestanden hätte, in eine noch unangenehmere Situation gebracht in dem er ihr gesagt hätte wie viel sie ihm bedeutet. David wurde klar das er sich lieber beeilen sollte um nicht noch das Stück zu verpassen. Denn umziehen wollte er sich schon noch. “Komm doch erst mal rein.“ ,sagte er und zog Gillian an ihrer rechten Schulter durch die Tür rein ins Haus.
 „Ich beeile mich. Ich möchte mich nur noch schnell...“David hatte sich dem Flur zugedreht und wollte ihn entlang laufen, während er den Satz beendete. Doch dazu kam er nicht da Gillian, wissentlich was er vor hatte, die Hand, die sie gerade erst losgelassen hatte, ergriff.
  „...Umziehen? David, versteh mich bitte nicht falsch aber meinst du das wäre jetzt so eine gute Idee?“
 David warf ihr eine hundeartigen, verwirrten Blick zu.
  „Ich meine solltest du nicht...“Sie deutete mit ihrer freien Hand zwischen ihm und der Tür in die Tea verschwunden war hin und her. David schüttelte, nun eine Vorstellung davon habend was sie mit  „Gute Idee “ meinte, schweigend seinen Kopf um ihre Bedenken so schnell wie möglich zu verwerfen.
Kurz runzelte Gillian unbewusst ihre Stirn. Dann bekam Davids Gesichtsausdruck eine gewisse Ausdrucksstärke und Eindeutigkeit die ihr verriet das sie dieses Thema vorerst nicht berücksichtigen bräuchte.
Ganz innen drin schien ihr ein Stein vom Herzen zu fallen und die Last die ihr Teas Worte vorhin aufgelegt hatten war so gut wie aufgehoben.
„ Also gut. Na ja, und was die Kleidung betrifft hatte ich eigentlich auch vor in diesen Sachen zu gehen...“ David schaute, genau wie Gillian selbst an ihr herunter und stellte erst einmal fest das sie für einen Theaterbesuch recht normal und alltäglich gekleidet war. Also könnte er ebenso gut seine Jeans und sein schwarzes Hemd anlassen.
Also stimmte er ihr zu und griff nach seiner Lederjacke.
  „Okay. Ehm... ich würde dir echt gern noch was zu trinken zum aufwärmen anbieten aber....“
  „Schon klar. Ist vielleicht auch erst mal besser wenn...“
 „Genau.“, sagte David. Als die beiden aus der Tür gingen hatten beide ein gewisses Lächeln auf den Lippen weil sie sich, wie schon so oft, ohne Worte verstanden hatten.


Auf der Fahrt dort hin sprachen sie nicht viel miteinander.
Beide waren erschöpft. Von den letzten Tagen, allen Ereignissen, den Gedanken die sie sich zwangsweise machen mussten. Jetzt endlich abzuschalten war ihnen beiden mehr als lieb.

Als sie im Theater ankamen, waren sie ein wenig spät dran. Es war eines der alten Theater. Die Einrichtung aus den 60er Jahren. Es versprühte einen gewissen Charme. Vor allem als ein  „Guide“ kam und ihnen mitteilte, dass sie spät dran seien. Ob sie denn reserviert hätten? David zückte seine Karten. Der Mann schaute auf sie und nickte.
 Immerhin war es die VIP Longe. Er geleitete Gillian und David in den dunklen Saal, die Treppe herauf, leuchtete mit einer Taschenlampe den ganzen Weg aus und führte sie letztlich in eine Einbuchtung, in der nur sie beide saßen und einen wundervollen Blick auf die Bühne hatten, von da oben.
Erst jetzt fiel Gillian auf, dass sie gar nicht wusste um welches Musical es sich eigentlich handelte.
Beim Betreten des Theaters hatte sie in der Eile auch auf keine Plakate geachtet. Sie schaute sich die Akteure auf der Bühne an.
 „ Cats?“ fragte sie mehr feststellend.
David nickte.  „Magst du es nicht?“
 „Doch, wirklich! Sonst hätte ich es bestimmt nicht schon 6 mal angeschaut“, lächelte sie ihn an.
 „Oh“,  entkam es David.  „Na dann hoffe ich mal, dass du dich nicht langweilst. Aber... die anderen 6 male hast du es ja auch nicht mit mir geschaut“, er grinste sie spitzbübisch an.
 „Ich habe Cats nämlich noch nie gesehen. Tea ist leider nicht so einfach für Musicals oder Theater zu begeistern gewesen.“
David bemerkte gar nicht, dass er unterbewusst schon die Vergangenheitsform verwandte, als er über Tea sprach. Gillian hingegen fiel es auf.
 Aber wie sie es finden sollte wusste sie nicht.
Denn wie könnte sie sich daran erfreuen, dass Davids Ehe am Ende war? Dem entgegen könnte sie sich sehr wohl freuen, dass... er nun für sie da war.... Sie richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Bühne.
 In der Pause des Stückes stand sie schweigend auf und lehnte sich über den Vorsprung.
 Sie liebte es die Leute zu betrachten. David beobachtete sie dabei amüsiert. Doch plötzlich zog sie ruckartig ihren Kopf zurück und setzte sich wieder auf ihren Platz neben David.
 „Was?“ fragte dieser und schaute irritiert drein.
Gillian atmete tief durch. Eine kleine Pause, dann antwortete sie:  „Julian!“
David stockte der Atem, beim hören dieses Namens. Was wollte er gerade hier? Es war so schön mit Gillian alleine zu sein. Er stand auf und lehnte sich in die selbe Richtung wie Gillian zuvor, und erblickte Julian- mit einer Frau an seiner Seite.
Gillian sah seinen Blick und sagte: „Julian weiß eben wie man sich tröstet“, dass sie in diesem Moment nichts anderes tat, war Gillian nicht bewusst, denn sie war schließlich mit David da! Ihrem Freund. Ein langer und guter Freund...- den sie liebte, zugegebenermaßen. Aber diesen Gedanken schob sie wieder beiseite.
Der Vorhang ging wieder auf, die Musik fing an. “Grizabella the Glamourcat...:“
Gillian versank im Stuhl und ebenfalls wieder in ihren Gedanken.
David sah, dass sie das Stück nicht mehr genoss. Er genoss es ebenfalls nicht mehr, mit dem Gedanken an Gillians – noch- Verlobten zwei Logen weiter!
 „Sollen wir gehen?“ fragte er.
Gillian drehte langsam ihren Kopf zu ihm.  „Nein, müssen wir nicht. Ist schon wieder okay. Du hast Cats schließlich noch nicht gesehen- was- wie ich entsetzt mitteilen muss- eine Bildungslücke ist. Da hat Tea dir so einiges vorenthalten“ Wieder dieses Lächeln, das nur sie parat hatte.
David nickte.  „Aber... wir können es doch noch ein anderes mal schauen. Und dann inklusive Anfang. Was meinst du?“
Gillian war ihm so dankbar. Sie nickte und stand auf. Bald schon kam der Guide wieder und geleitete sie den gleichen Weg hinaus, den sie eine halbe Stunde zuvor hinein kamen.
Sie stiegen beide schweigend in das Auto und David fuhr so schnell los, dass die Reifen ein wenig quietschten. Nur weg von dem Theater. Von Julian.
 „Sollen wir noch irgendwo hingehen, einfach ein bisschen reden, vielleicht einen Wein trinken?“
Wieder nickte Gillian zustimmend. Doch dann meinte sie: „ Nicht- nicht irgendwohin- ich will nicht raus“
David verstand sie. „Zu mir können wir schlecht- zu euch... wohl auch nicht?“
 „Nein, besser nicht. Auch wenn ich nicht weiß ob Julian heute – oder morgen- noch kommen würde...ich weiß nicht ob es so gut wäre...“ Während Gillian noch überlegte, kam ihr ein Schild in die Quere. Sie deutete aus dem Autofenster.  „Wie wäre es mit dem Hotel da?“
David schaute über die Schulter, bremste, machte einen U-Turn auf der Straße und fuhr zurück, auf die Einfahrt des Hotels zu.


Man hatte die beiden ziemlich problemlos einchecken lassen. Gillian hatte sich dort schon einmal notniedergelassen.
Sie fand es sehr angenehm und  ruhig dort.

 Aufgrund der Umstände das Gillian dieses Hotel schon kannte wollte sie eigentlich die Einschreibung vornehmen, doch David nahm ihr auch diesen Aufwand ab. Während der Autofahrt konnte Gillian auch an David eine gewissen Beunruhigung feststellen. Natürlich wollte er einfach nur nett sein und
sie möglichst schnell wieder von den Sorgen mit Julian wegbringen, doch da musste noch etwas anderes gewesen sein.
Etwas, was ihm selbst noch zusetzte. Gillian musterte ihn also unbewusst die ganze Zeit über. Wie er Auto fuhr,
wie er einparkte, oder wie er beim einchecken sogar den Kugelschreiben fast in der Hand zerbrach weil er ihn so fest drückte.
David entging das ganze natürlich nicht aber er hielt es nicht unbedingt für notwendig, Gillian deswegen in ein
Gespräch zu verwickeln. Ein Gespräch über Tea und Julian welches dann unweigerlich zu einem “Gespräch“
über ihn und Gillian werden würde. Er war sich dessen bewusst, das er dem nicht, so wie bisher, aus dem Weg gehen könnte aber zwischen Tür und Angel wollte er nun wirklich nicht über solche Dinge reden. Er konnte allerdings auch nicht verdrängen das er soeben ein Hotelzimmer für eine Nacht gebucht hatte, in welchem er und Gillian heute Nacht schlafen würden. Gut das unsere Schlafräume wenigstens durch eine Wand getrennt sind, dachte sich David und schloss zerstreut die Tür auf.
Beide traten zögernd in das komfortable Appartement ein und sahen sich um.
Es war noch etwas schöner als das Zimmer, welches Gillian damals mit einer Freundin gemietet hatte.
Überall auf den Tischen und Festerbrettern standen riesige Körbe mit wunderschönen Blumen und zwischen den offenen Gardienen zum Balkon lies sich eine sternenklare Nacht erkennen.

David, der vergaß den Schlüssel aus dem Schloss zu nehmen, stand seit sie eingetreten waren wie angewurzelt da und starrte an einen Punkte auf der bläulichen Wand die sich gegenüber von ihm hinter einer, um einen Kamin angeordneten, Sitzecke befand.
Es muss so ziemlich das erste Mal gewesen sein, dass er Gillian nicht in die Augen sehen wollte.
Er befürchtete, sie könne daraus alles, was ihn in diesem Moment so angewurzelt da stehen ließ, lesen und ihn dazu bringen ihr alles zu erzählen. Alles über Tea, alles über seine Eifersucht auf Julian und vor allem alles über seine Liebe zu ihr, Gillian.
Diese war nun einfach nur froh das sie dort im Hotel eine Auszeit von allem nehmen könnte.
Sie war allerdings auch nur nicht eben so unruhig wie David, weil sie ihm noch immer von tiefstem Herzen dankbar war für sein Verständnis und seine Fürsorge. Sie hatte als erstes die Anlage angemacht und somit klassische Musik den Raum füllen lassen. Als sie sich wieder von der Anlage abwandte stand David immer noch unverändert dort wo er schon seit gut 3 Minuten stand.
Nun ergriff Gillian eine ernste Sorge und sie ging langsam auf David zu und suchte dabei geduldig den Blickkontakt mit ihm.
Als sie nur noch ca. 3 Meter voneinander entfernt standen, zerriss es David fast und er räusperte sich und sagte  „Sieht aus als wäre heut sternenklare Nacht huh?“ und ging auf den Balkon.
Gillian, die sich nun dort allein in der Mitte des Raumes, etwas sitzen gelassen und verwirrt vorfand, seufzte kurz und wandte sich unmittelbar danach wieder David zu, welcher nun in die Sterne starrend, allein auf dem Balkon stand. Gillian konnte und wollte ihm nicht gleich folgen.
Sie wusste zwar noch nicht genau weshalb er sich auf einmal etwas merkwürdig verhielt, aber dieses Bild von ihm wie er nachdenklich in die Sterne starrte wollte sie unbedingt in ihr Gedächtnis einbrennen.

 Nach diesem bezaubernden Moment ging Gillian dann aber doch ebenfalls auf den durch Säulen geschmückten Balkon.
 Ihr Blick war wie auch alles andere direkt auf David gerichtet um ihn indirekt zur Rede zu stellen.
 David ging auf ihrer Aufforderung ein und verlor sich, sobald sich ihre Blicke trafen, in ihren besorgten Augen.
Sie wiederum verlor sich in den seinen, und so standen sie wie in Trance, beide einfach für eine Weile da und sahen einander in die Augen.
David , der merkte das er den Tränen gefährlich nahe war, gewann dadurch als erster “Bewusstsein“ wieder zurück und senkte in leichtem Scharm seinen Blick kurz auf einen Punkt auf dem Fußboden und tätigte dann den Versuch ein Gespräch anzufangen.
“I-Ich....Es tut mir Leid Gillian..“ - schüttelte er leicht den Kopf – “Ich schätze ich bin einfach nur..- das ganze hat mich wohl mehr mitgenommen als ich mir anfangs eingestehen wollte.“
Gillians Augen suchten verzweifelt den Blickkontakt zu seinen wieder aufzubauen, doch sie ließen es nicht zu.
“David. -“ begann Gillian, die mit der Weile den Tränen auch langsam näher kam, und nahm sanft seine linke Hand in ihre rechte.
 “Ich wollte nicht das du das von Tea und mir so krass mitbekommst und dir vielleicht später Vorwürfe machst.“ “Darüber hatten wir doch schon geredet David, es ist o.k., mach dir um mich mal keine Sorgen.
“ Aber “- Davids Stimme senkte sich-“ es ist doch offensichtlich das du bereits genug eigene, persönliche Probleme hast...“
 Er hob langsam seinen Kopf wieder als könne er in ihren Augen eine Bestätigung für seine Worte finden. Gillian, die nun endlich seinen Blickkontakt wiedererlangt hatte, konnte diesem nun kaum standhalten und biss sich nervös auf ihre Unterlippe.
“Und die ganze Situation hier.“ - David gestikulierte um sie beide herum und blieb mit seinem Blick in den Bäumen vorm Balkon hängen – “Sollte es nicht anders sein? Ich meine, wir konnten nicht mal zu einem von uns nach Hause gehen verdammt!“

 „Es sollte so vieles im Leben anders sein David" lächelte Gillian schwach.
Eine solche Altfrauenweisheit von seiner Gillian? Das erschien so untypisch. Gillian war alles, aber mit Sicherheit nicht oberflächlich. Er schaute sie an. Sie war einfach müde, sah ausgemergelt aus. Er wollte mit ihr reden, ihr sagen wie viel sie ihm bedeutete, aber nicht heute, nicht jetzt.
Es war definitiv der falsche Augenblick.
 Er wollte nur an sie denken. Und alles was sie jetzt brauchte war er. Er als Freund. Als Freund, der eine Schulter zum Anlehnen anbietet, nicht weitere Komplikationen verursacht.
Und er wollte, dass es ihr besser ging. Also schlenderte David auf das Bett zu und setzte sich. Die Matratze sank unter ihm zusammen.
Gillian beobachtete ihn ruhig.
David lächelte-  „Na komm", sagte er und klopfte auf die Mulde neben sich-  „setz dich zu mir."
Gillian folgte seiner Aufforderung.
Und sie gab sofort ihrem Verlangen nach, sich an Davids Schulter zu lehnen. David hingegen musste sich bemühen, sie nicht in den Arm zu nehmen, zu streicheln. Doch er wusste, würde er damit anfangen, könnte er nicht aufhören, und würde unüberlegte Dinge tun. Auch er war zu müde, zu erschöpft. Kontrolle hatte er nur in diesem Moment noch.
Schweigend saßen sie beide nebeneinander, aneinander gelehnt, in Gedanken versunken.
So merkte David nach einer kurzen Weile auch, dass Gillian nicht nur in Gedanken, sondern auch in den Schlaf gesunken war. Ihr Kopf rutschte langsam tiefer. Er hielt ihren Kopf mit seiner Hand. Er passte in seine große Hand. Er fühlte sich so schwer an. Als könnte er die Sorgen fühlen, die ihren Kopf füllten. Sanft bettete er Gillian auf die Matratze, zog die Decke hervor, und deckte sie mit dieser zu. Auch in diesem Moment musste er mit sich selber kämpfen. Warum nicht neben sie legen? Wenn sie schlecht träumte, könnte er sie trösten. Aber nein, er schalt sich selbst für seine törichten Gedanken. Es würde nicht gut gehen. Er war zu aufgewühlt. Also warf er einen letzten Blick auf Gillian, wie sie nun schon etwas entspannter ausschaute. Er hoffte sie träumte gut, würde wenigstens in ihren Träumen nicht weiter geplagt. werden. Dann schritt er durch die dünne Wand, die die beiden Zimmer voneinander trennten, und legte sich auf sein Bett. Er zog sich nicht aus, deckte sich nicht zu. Legte sich nur auf das kalte Bett. Seine Gedanken galten Gillian. Er wollte ihr sagen was er für sie empfand. Vielleicht morgen.

David erwachte. Hatte er geträumt? Oder hatte es tatsächlich geklingelt?
Wo war er überhaupt. Er erinnerte sich. Das Hotel. Gillian nebenan.
 Ob sie wach war? Ob sie jetzt reden könnten? Er lauschte. Sie schien mit jemandem zu reden. Vielleicht hatte sie schon Frühstück bestellt. Sofort hellwach, mit neuer Hoffnung, stieg er aus dem Bett, strich kurz über seine Kleidung, die noch ein wenig zerknittert war, und schlich langsam in Gillians Raum. Sie saß auf dem Bett.
Gillian war gerade dabei ihr Handy auf den Nachttisch zu legen. Dann schlug sie die Decke beiseite und raffte sich auf.
Müde rieb sie sich die Augen. Doch sie schien munterer als gestern Abend zu sein: Nicht nur physisch schien es David, sondern auch psychisch.
Sie lächelte wieder.  „Das war Piper.“ sagte sie auf Davids ungestellte Frage.
 „Sollen wir sie vielleicht abholen?“ fragte er.
 „Nein, Julian hat sie schon heute morgen abgeholt. Wir- wir wollen noch einmal über alles reden, in Ruhe.
Piper hat ihn mir gerade gegeben, er meint, es sei einfach alles schief gelaufen in letzter Zeit....“
 Sie hielt inne.
  „Aber es sei noch nicht zu spät die Kluft zu überbrücken“ ,vollendete sie den Satz mit einem glücklichen Lächeln.
David wollte etwas sagen- das wollte er wirklich, doch kein einziges Wort fiel ihm ein!
Kein Wort, das in diesem Moment Sinn gemacht hätte.
Gillian wollte zu Julian zurück? Und er dachte... der gestrige Abend- das gemeinsame Beisammensein mit ihm hätten das Lächeln verursacht.
Julian!
 Wie hasste er diesen Namen!
Er hatte das Gefühl an diesem Namen zu ersticken, obgleich er ihn nicht einmal aussprach, nur dachte.
Julian!
Gillian schien Davids Stummheit nicht wirklich wahr zu nehmen und sprach weiter:
 „Ich habe das Gefühl, Piper hat unter der Situation mehr gelitten als sie zugab... : Sie hat sich schließlich an Julian gewöhnt, und dann... der ewige Streit mit ihm... ich denke es tut auch ihr gut wenn wir uns alle wieder zusammenraufen. Was meinst du?“
Es war mehr eine rhetorische Frage, aber natürlich erwartete sie Davids Zustimmung.
Was sollte er auch anderes sagen?
Er nickte wortlos. Schüttelte dann unmerklich gedankenverloren noch einmal den Kopf.
Besser für Piper? Niemals!
Er hatte die beiden doch schon zusammen gesehen... Das war kein herzliches Verhältnis.
 Doch momentan schien Gillian den Durchblick bei allem verloren zu haben.
Sie war selber verloren, in dieser verworrenen Welt. Wie ein kleines Kind, das seine Mutter verloren hatte.
Besser für Piper?! Sie dachte an alle, nur nicht an sich. Oder doch?
Wollte sie wirklich zu Julian zurück?
 „Ich denke wir sollten dann mal“, schlug Gillian vor.
Wieder nickte David. „Natürlich“.
Er öffnete die Tür, ließ Gillian vorgehen.
Als sie schon einmal den Flur entlang lief, schaute er sie an, wie sie sich von ihm entfernte. Julian! Dieser verhasste Name! Er schloss die Tür hinter sich, dachte nicht einmal mehr an seine Jacke im Zimmer.
Sein einziger Gedanke galt Julian- er verdiente Gillian gar nicht!
Julian kannte sie nicht einmal. Nicht die wahre Gillian. Nicht so wie er sie kannte und liebte.
Julian! Sie hatte sich entschieden, für ihn!

Er fuhr sie also nach Hause. Während Fahrt hatte David kein Wort mehr gesagt. Es war einfach alles zu verwirrend für ihn, zu unwirklich.
Nicht das er sich Hoffnung gemacht hätte Gillian würde auch nur annähernd so viel für ihn empfinden wie er für sie, aber diese Nacht und überhaupt, die ganzen letzten Wochen hätten in seiner Vorstellung einfach nie darin geendet, das Gillian zurück zu Julian fährt, sich mit ihm versöhnt und er selbst dem Ärger mit Tea ein Ende machen würde.
David fragte sich, wie das mit den Kindern werden würde.
Je näher sie Gillians Wohnung kamen, desto mehr fühlte David die Leere in seinem Inneren.
Sie schien sich, wie ein schwarzes Loch, unendlich auszudehnen.
Er fühlte sich wie betäubt als sie bei Gillian angekommen waren.
Das einzige, was er noch unter Kontrolle hatte, waren seine Tränendrüsen die sich entleeren wollten.
Um dies zu verhindern atmete er tief ein und seufzte um seine Emotionen anders los zu werden.
Gillians Anwesenheit hatte er bei seinem Versuch der Selbstbeherrschung völlig vergessen.
Als er jedoch nach seinem tiefen Seufzer den Kopf fallen ließ und in dieser Position kurze Zeit verweilte, machte sich Gillian wieder bemerkbar:
 „ David? “
David riss ruckartig den Kopf hoch, so, dass er nun von Gillians klaren, blauen Augen förmlich durchbohrt wurde.
 „Hmm? “,gab er nur leise von sich.
Gillian sagte nichts und sah ihn einfach nur an.
Sie konnte sich noch gut an letzte Nacht erinnern.
An seine Worte.
Daran, wie er sie, trotz all seiner Ermüdung und Ruhelosigkeit tröstete und sie später offensichtlich auch in` s Bett legte. Gillian fragte sich oft woher er all diese  Kraft nahm. In diesem Moment, an diesem Ort, in diesem Auto konnte sie mehr Erschöpfung als je zuvor in seinem Gesicht lesen.
Sie überlegt was sie sagen oder fragen könnte um ihm zu helfen. Sie hatte das Gefühl ihm eine rettende Hand reichen zu müssen, die sie selbst brauchte um nicht abzustürzen.
Diese Stille machte David noch mehr fertig.
Er senkte seinen Kopf wieder um der Situation ein wenig an Realität zu nehmen.
Doch er hatte nicht einmal mehr eine Gedankenwelt in die er sich zurückziehen konnte.
Der heutige Morgen und die Situation jetzt schien jeden Funken Hoffnung in ihm zu zerstören.
Plötzlich merkte er wie Gillian ihn leicht umarmte.
Ihr waren einfach keine Worte eingefallen, die, die momentane Situation erleichtern oder auch nur beschreiben hätten können.
Eine Stimme tief in ihr drinnen schien ihr zu sagen das da nichts wahr, was sie hätte tun können.
Nichts, außer ihm das Stück Geborgenheit zu geben, mit welcher er ihr gestern Trost gespendet hatte.
Doch dieser Tag schien so weit entfernt zu liegen von allem Vorherigen.
Julians Anruf hatte sie zweifellos überrascht, doch er hatte sie auch erfreut.
Zwar nicht im ersten Moment, aber als er sich aus tiefstem Herzen für alles entschuldigte, ihr sagte, dass er ohne sie nicht mehr sein wolle und sie noch mal über alles vernünftig reden sollten, hatte er Gillians Herz wieder mit einer ihr inzwischen fast unbekannten Zuversicht gefüllt.
Dies war eine Zuversicht auf eine glückliche Zukunft mit Julian und Piper.
Sie hatte diesen Traum wohl doch nicht komplett aufgegeben und war überrascht wie gut es sich anfühlte einen festen Boden unter den Füßen zu haben.

Die Nacht davor hatte sie nie angenommen, das es so kommen würde.
Sie hätte nie gedacht, das diese Art von Sicherheit sie wieder von ihren Gefühlen David gegenüber hätte ablenken können. David hasste diesen Augenblick und alles was mit ihm zu tun hatte.
Vielleicht hätte ich es einfach nie so weit kommen lassen dürfen. -schnellte es ihm durch den Kopf.
Er blockte Gillians Umarmung insofern ab, das er sie nicht ansatzweise erwiderte.
Normaler Weise hätte er nichts lieber getan als sie festzuhalten, und sich zu bitten nicht zu gehen.
Er hätte sie gebeten bei ihm zu bleiben und sonst wo mit ihm hinzufahren nur weg von allem anderen.
Diese Umarmung war für ihn ein Abschied.
Wenn sie gehen möchte weil es sie glücklich macht, soll sie es tun. -dachte er.
Es sollte nur so schnell wie möglich passieren.
Er wollte diesen unbeschreibbaren Verlust nicht noch länger hinziehen und lehnte sich zurück in seinen Sitz, so, dass sich Gillian wieder von ihm lösen musste.
Für sie war es keineswegs ein so endgültiger Abschied von ihm, wie es David selbst empfand.
Sie hatte einfach nur wieder ein Ziel vor Augen, von welchem sie nicht mehr ganz sicher war, ob sie es hätte je aus den Augen lassen dürfen.
Mit diesem Gefühl das richtige zu tun vergaß sie allerdings auf das zu hören, was ihr Herz ihr schon seit Jahren leise zuflüsterte.
In der letzten Zeit hatte sie öfter auf diese Stimmer gehört, als ihr bewusst wahr.
Doch dieser Stimme zu glauben zog jedes mal früher oder später negative Folgen nach sich, die ihr zuviel Kraft nahmen. Der Wunsch diese fehlende Kraft wiederzugewinnen, ließ sich nun so handeln.
 

Seit Gillian nach Hause gekommen war, hatten sich die Umstände
schlagartig verändert. Es war als hätte sie die Tür geöffnet und eine Art neues Leben hätte begonnen.
Julian und Piper hatten Plätzchen für sie gebacken und sie wärmstens
empfangen.
Nachdem Piper ihre Mutter eine Weile fest durch geknuddelt hatte, war Julian in langsamen Schritten auf sie zugegangen und kurz vor ihr stehen geblieben.
Er hatte sich für alles Geschehene aus tiefstem Herzen entschuldigt.

Während Julian redete, schienen seine Worte wie ein starker Sommerregen. Wie dicke , kräftige Regentropfen, die sekundenschnell alle Kleidung durchnässen ohne, dass man es so wirklich bemerkt. So drangen
Julians Worte in Gillians Verstand und setzten ihn sogar fast lahm.
All die Einsicht und Reue die ausdrückten wie viel sie Julian immer
noch bedeutete, ließen Gillian wieder die Gutherzigkeit ihres Gegenüber erkennen.
Sie hatte ja selbst ihre Phasen gehabt, dachte sie bei sich.
Und da sie sich kaum noch an all die unangebrachten Kommentare oder ähnliches erinnern konnte war es als würde ein staubtrockener, überbewirtschafteter Boden endlich wieder gedüngt.
Denn zum genaueren Selbstbetrachten und Analisieren war Gillian in letzter Zeit nun wirklich nicht gekommen , somit war das einzige dessen sie sich sicher war die Tatsache, dass sie dieser Bodenlosigkeit nicht mehr ertragen konnte. Dieses ständige Wechselbad der Gefühle hatte sie geschlaucht und emotional zu einer Art verschrecktem Kaninchen gewandelt das froh war endlich wieder Unterschlupf zu finden.
Davids Nähe hat mir innerlich wohl mehr zugesetzt als ich gedachte hatte.
In dieser verwirrenden Feststellung gefangen, hatte Gillian gar nicht bemerkt das Julian inzwischen ausgeredet hatte und nervös auf ihre Reaktion wartete.
Sich aus ihren Gedanken entwirrend, gab Gillian einen erleichterten Seufzer von sich und ließ sich in Julians erst zögernde, dann stärkere Umarmung sinken.


David saß also an der Bar und trank zu dem demütigen Klang von Mick
Jaggers “ Loosing my touch “ seinen Martini.
Nach all den Wochen der Zusammengerissenheit und der Selbstmotivation hatte er wirklich das Gefühl gehabt, sein Leben wieder in den Griff bekommen zu haben.
Falsch.
Er hatte sich mit Aktivitäten wie joggen und Yoga in Wirklichkeit nur über die Runden gebracht.
Sein ganzes, mit mühe aufgebautes, Kartenhaus, vor seinen Augen zusammenstürzen zu sehen, hätte er nicht ausgehalten.
Also war er nicht zur tatsächlichen Trauung erschienen.

Vor zwei Tagen hatte er noch das Gefühle gehabt, das nichts und  Niemand seine Energien hätte umstürzen können. Er hatte sich fest vorgenommen zur Trauung zu erscheinen und Gillian alles Gute für ihre zweite Ehe zu
wünschen.
Es wünschte sich ja schließlich nur das sie glücklich würde, und hatte , nach ca. 2 Wochen ohne jeglichen Kontakt mit ihr , entschieden das Gillian auch ohne ihn, schon ihren Weg ins Glück finden würde. Schließlich hatte er den besten beweis dafür selbst erlebt!
An diesem einen Morgen nach dieser ganzen absolut verwirrenden und schmerzhaften Zeit war es letztendlich Julian, zu dem es Gillian zog.
Er hatte sich nun schon innerlich darauf vorbereitet und war bis gestern Abend noch der Meinung gewesen, sich mit dem Gedanken an Gillians Hochzeit abgefunden, ja sogar angefreundet zu haben.
 Er hatte sich bewusste gemacht, das es nicht nur das beste für Gillian, sondern auch das beste für ihn sein würde. All diese Auf und Ab` s  und die immer wieder aufkommende, schreiende Hoffnung auf die Erfüllung seines naiven Traums auf eine Zukunft mit Gillian an seine Seite waren zuviel als das er es noch hätte ertragen können.
Er konnte seine Zeit sinnvoller verbringen als schon längst geplatzten Träumen hinterher zu rennen.
Die Zeit seinen Hobbys und Talenten widmend, hatte er seit langem mal wieder das Gefühl ein zufriedenstimmendes, erfülltest Leben zu führen.


Gillian und Julian waren in ihren Flitterwochen -ganz traditionell- nach Venedig geflogen. Gillians Mutter nahm so lange Piper zu sich- schließlich sollte das frisch vermählte Paar die süße Zeit vollkommen auskosten können.
Und Gillian wollte diese Zeit auskosten. Nach so einer langen Zeit voller unerfüllter Liebe und Träumen wollte sie nun wieder ganz aufblühen können- mit Julian an ihrer Seite. Entspannen, turteln, all das hatte sie sich "vorgenommen" für die zwei Wochen Venedig.
Julian hatte sich um alles gekümmert. Er hatte das Hotel ausgesucht- es war eine wirklich traumhafte Suite, die Honeymoon suite, und sich einige Reiseziele ausgesucht. Nun saßen sie beide also in einer der Gondeln, Gillian lag in Julians Armen. Beide schwiegen
 Julian hatte seine Augen geschlossen, er schien vollends glücklich und zufrieden zu sein, mit Gillian in seinem Arm. Gillian betrachtete ihn- er hatte ein Seliges Lächeln auf seinem Gesicht.
Eigentlich war sie auch glücklich, hier bei Julian im Arm zu liegen, endlich wieder die Ruhe und Liebe vom Anfang zu spüren... aber dennoch fehlte ihr etwas.
Und sie konnte die Gedanken nicht abschütteln, die sie seit dem Tag ihrer Trauung durch den Kopf schossen: Wieso war David nicht gekommen?
Sie hatte sich schon gewundert, dass er sich all die Zeit nicht mehr gemeldet hatte, seit dem Morgen nach dem Musicalbesuch. Wollte er Julian und Gillian die Zeit lassen sich wieder zu finden?
 Wenn ja, warum war er dann nicht zur Hochzeit erschienen?
Und da es ihr besonders bei David wichtig gewesen war, dass er kam, schickte sie im eine Einladung per Post und eine per Mail.
Als er nicht geantwortet hatte, hatte sie ihn angerufen.
Er sagte er habe vergessen zu antworten, würde aber natürlich auf jeden Fall kommen.
Sie hatte das Gefühl tiefe Trauer in seiner Stimme zu hören, die er vor ihr verbergen wollte.
 Er schien immer noch nicht mit der neuen Situation klar zu kommen, dass er und Tea nun getrennte Wege gingen. Sie wollte ihn trösten, fragte ob sie sich treffen könnten. Doch David sagte er habe überhaupt keine Zeit, aber auf der Hochzeit würde er Gillian ja bewundern können.
Doch er kam nicht. Es war der wichtigste Tag, und ihr Freund war nicht da. Als sie den Gang zum Altar hinunter schritt, schaute sie in das kleine ausgewählte " Publikum "- doch nirgends war David.
Bis zum Schluss dachte sie er würde sich nur verspäten, und sie schaute immer wieder auf die große mächtige Eingangstür der Kirche, statt auf ihren Bräutigam- doch er kam nicht. Und es kam auch kein Lebenszeichen von ihm, den ganzen Tag nicht.
Nun waren sie und Julian schon eine Woche in Venedig, und sie hatte immer noch nichts von David gehört. Obwohl Julian und sie vereinbart hatten die Handys zu Hause zu lassen, konnte Gillian es unter diesen Umständen natürlich nicht. Jeden Tag schaute sie auf das Display, doch keine Nachricht von David. Sollte sie ihm eine schicken? Dafür war sie eigentlich zu verletzt.
Sie erwartete eine Entschuldigung von ihm, sah keinen Grund sich bei David zuerst zu melden. Was war bloß los? Die Bilder von ihrem letzten Treffen zogen wieder an ihr vorüber- er war so herzlich gewesen. Mehr als das. Liebevoll wie nie zuvor.
 Er hatte sie getröstet, sie hatte sich so unglaublich wohl gefühlt.
Bei den Gedanken verspürte sie dieses Gefühl von besagtem Abend wieder.

Wieso hatte sie es bis dahin nicht verspürt? War sie doch in den Armen ihres Mannes in einer Gondel, beobachtet von dem Gondolieri, der die beiden verzückt beobachtete, was Gillian in diesem Moment unglaublich störte. Sie schaute zur Seite.
Julian öffnete die Augen wieder und gab ihr einen Kuss. Gillian lächelte.
"Ach mein Schatz, es ist so wunderschön hier mit dir", flüsterte Julian ihn ins Ohr.
Gillian nickte und gab ihm als Antwort auch einen Kuss. Dieses küssen- statt- Antworten- Spiel war doch sonst eher Sache der Männer- wenn sie einem nicht sagen wollen oder können, dass sie dich nicht lieben, küssen sie dich statt dessen.
Da war es also wieder, die Gefühlsleere.
Warum bloß?
 Gillian erschrak vor sich selber. Es lag einfach an der Enttäuschung, dass David nicht gekommen war, mehr nicht, redete sie sich ein.
Es hatte sie einfach zu sehr aus der Bahn geworfen.
Sie wollte nach Hause, die ganze Sache klären!
Nur wie sollte sie das Julian erklären?
Dass sie auf die Flitterwochen verzichten mussten, weil sie David zu Rede stellen wollte?
Wohl eher nicht.

Abends hatte sie sich einen guten Plan zurecht gelegt.
Julian kam wieder sehr verführerisch nah an sie herangerückt, und auch wenn sie eigentlich nicht in der Stimmung war, schlief sie mit ihm, um ihn nicht schlecht zu stimmen...
Julian schlief danach also ein, Gillian lag noch etwas wach und grübelte.
Was war nur mit ihr los?
 Kamen etwa wieder die Zweifel auf?
Die hatte sie doch abgelegt, in dem Moment als sie sich entschieden hatte Julian doch zu heiraten. Aus welcher Stimmung heraus hatte sie diese Entscheidung getroffen?
 Und war sie von ihrem Herzen oder von ihrem Kopf getroffen worden?
Sie war sich nicht sicher.
Sie war sich bei gar nichts mehr sicher.

 Sie fing leise an zu weinen, schlug die Hände verzweifelt vor ihr Gesicht.
Julian wachte auf.
Er schaute sie besorgt an.

 „Was ist denn los mein Schatz?"
Gillian zuckte zusammen. Sie schaute ihn an, wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.  „Es... es ist nur, dass ich Piper mehr vermisse als ich gedacht hätte."
Julian nahm sie in seine Arme und tröstete sie. „Morgen rufst du sie an, und in einer Woche sind wir ja wieder zu Hause mein Schatz, dann unternehmen wir drei ganz viel gemeinsam, hmm? Und bis dahin werde ich dich einfach noch etwas ablenken..."
Er grinste sie an und küsste sie. Gillian drehte ihren Kopf zur Seite. Sie hätte sich mehr Einfühlungsvermögen von ihm erhofft. Dann eben noch deutlicher!
 „Julian, Liebling- nicht jetzt... ich... ich vermisse sie wirklich sehr! In der letzten Zeit- weißt du, sie war immer für mich da, und ich für sie- ich war so froh, dass wir eine so intensive Beziehung zueinander aufbauen konnten. Und, dass es letztlich auch mit dir so gut klappte..."
Julians Gesicht verzog sich.  „Weißt du Gillian, manchmal habe ich das Gefühl, dass du deine Tochter immer noch vor mich stellst. Sie ist Priorität bei dir- selbst in unseren Flitterwochen. ICH war doch auch immer für dich da mein Schatz- falls du dich erinnern möchtest. Das ist zumindest mitunter ein Grund weshalb wir zwei geheiratet haben, oder? Kannst du dich nicht in diesen zwei Wochen nur auf uns zwei konzentrieren?"
Jetzt schaute er sie wieder liebevoll an, küsste sie erneut.
Langsam wurde sie wütend.
Gut, vielleicht erschien es ihm übertrieben, aber konnte er ihre Gefühle nicht einfach ernst nehmen? Dass Piper nicht der Hauptgrund war konnte er schließlich nicht wissen!
Sie schob ihn ein wenig von sich weg und schaute ihn intensiv an.
  „Julian, ich möchte wirklich wieder nach Hause. Es tut mir sehr Leid, aber wir können doch auch dort noch eine ruhige romantische Woche verbringen, als Familie, oder nicht?"
Julian schnaubte leise, drehte sich auf die Seite und grummelte noch ein: „Wenn du meinst, dann buche ich morgen eben Rückflüge", hervor!
Gillian wollte sich eigentlich bedanken, dachte aber in diesem Moment: Warum sollte ich mich bedanken? Ich bin zwar seine Frau, werde aber wohl weiterhin frei entscheiden können oder nicht?
Dennoch hatte sie ein schlechtes Gewissen.
Dass sie Piper vermisste stimmte zwar, aber das erste Ziel war wohl doch eher David. Sie fühlte sich verräterisch, konnte sich selber einfach nicht verstehen. Sie erhoffte sich eine Klärung ihres Gemütszustandes nach einem Gespräch mit David.


Mick Jagger verstummte langsam aus den Boxen, und es ertönte "Bridges" von Tracy Chapman.
Was war das hier bloß für ein verfluchter Laden? Konnte nicht eine etwas andere Musik gespielt werden? Was dachten sich die Besitzer eigentlich?
Er blickte sich um, und es saßen hier wirklich nur Leute, die scheinbar wie er verlassen und einsam waren, nur hier her kamen um ihren Frust runter zu spülen. Und dann auch noch diese Musik! Was das hier eine Art Kamikaze-Bar? Oder war das nur eine Geschäftstaktik?
Die Leute immer mehr runterziehen, durch destruktive Musik, auf, dass sie sich einen nach dem anderen reinzogen? Bei ihm schien es gewirkt zu haben.
Wieder erhob sich automatisch seine Hand, und ebenso automatisch entkam seinem Mund  „Noch einer", sein wievielter es war, daran konnte er sich beim besten Willen nicht erinnern. Es waren zu viele, das wusste er.
Aber er hoffte auch noch auf die Phase des absoluten Vergessens.
 Die Phase in der alles negative auf der ganzen Welt in ihm Hochbrodeltee, diese hatte er schon hinter sich. Nun sollte es doch langsam besser werden. Doch mit jedem Martini sank diese Hoffnung auf Besserung.
Und dann diese verdammte Musik!

"All the bridges that you burn
Come back one day to haunt you
One day you’ll find you’re walking lonely
Baby I never
ment to hurt you
Sometimes the best intentions
Still don’t make things right
But all my ghosts they find me
Like my past they think they own me
In dreams an dark corners they surround me
Till I cry I cry
Let me take this time to set the record straight
Let me take this time to take it all back
Let me take this time to tell you how I felt
Let me take this time to try and make it right
But you can walk away
Be all alone
Spend all your time
Thinking about the way things used to be
If love feels right
You work it our, You don’t give it up
Baby
Anybody tell you that
Anybody tell you that
Anybody tell you that
You should take some time maybe sleep on it tonight
You should take some time baby heed the words I say
You should take some time think about your life
You should take some time before you throw it all away
I
ain’t got the time to sit here and wait around
But I got the time if you say I’m what you want”

War
das mal wider ekelhaft passend. Das hatten diese Liedtexte hinterhältig immer an sich, genau auf die eigene Situation zu passen. Es reichte ihm. Er holte eine Münze aus seinem Portemonnaie und wollte gerade zur Jutebox torkeln um irgendein aufmunterndes inhaltlich hohles Lied aufzulegen, als sein Handy klingelte.
Er sah auf den Display und ließ sich wieder zurück auf den Hocker fallen.
"Gillian Handy"


David starrte noch einen Moment aufs Handy, ließ dann seinen rechten Arm, der nun wieder auf dem Tresen ruhte, das Handy zu seinem rechten Ohr hochführen und nahm dann das Gespräch an : “ Gill -? “ * düd-düd-düd-....*
„Verdammt!“, fluchte David lauthals und haute sein Handy etwas unsanft auf den Tresen, woraufhin der Kellner ihm einen giftigen Blick zuwarf.
Dieser Kerl war ihm schon die ganze zeit auf die Nerven gegangen!
 Es schien gerade so, als sei SEIN einziges Problem der perfekte Glanz seiner Gläser. Außerdem hatte er zu jedem dieser mental-fertigmachenden Lieder sanft mit dem Kopf gewackelt, was David sogar noch nervte, wenn er konzentriert auf sein Glas starrte. Völlig entnervt haute er etwas mehr Geld als nötig auf den Tresen und verließ diesen elenden Schuppen.
Als er dann nach Hause fuhr –hatte er die ganze Zeit über nach einem kompatiblen Radiosender gesucht.
Vergebens.
Als er dann endlich zu Hause ankam, trat er sich weder die schlammigen Schuhe vor der Tür draußen ab, noch dachte er daran sie überhaupt aus zu ziehen. Statt dessen schmiss er entschlossen die Tür hinter sich zu. Verdammt –das tat gut, dachte er kurz bei sich bevor er die weiß angestrichen Holztür wieder öffnete, um sie ein weiteres Mal ,zu, zu Hauen.
 Und er konnte sich beim zweiten Mal auch nicht verkneifen der Tür ein triumphierendes, aber auch lallendes  „HA! “ entgegen zu schreien.
Mit einem zufriedenen Grinsen drehte er sich weg von der Tür und ließ seine Blick von der links liegenden Küche ,über den direkt vor ihm liegenden, dunklen Flur wandern. Mit einem mal war sein emotionales Hoch, das er vom Tür zu werfen hatte, wieder verschwunden.
Denn in all der Dunkelheit und dem hohen Alkoholanteil im Blut(?) hatten es Davids Phantasie und Verstand leicht ihm etwas vorzugaukeln.
Vor seinem inneren Auge liefen Bilder aus alten Zeiten ab.
 Er sah Szene aus heißen Sommertagen an denen er und die Familie vom Baden am Pool wieder rein ins Haus gingen um Dinge wie Erdbeershake und Wasserreis zu essen.
Außerdem erinnerte er sich an die Zeit in der er und Tea noch in der Planung waren das Haus einzurichten. Er erinnerte sich daran wie sie damals voller Zuversicht und Liebe für einander gewesen waren.

Ohne es zu merken rutschte David bei jeder weiteren Gedanken ein Stück weiter die Tür hinab an die sich sein geschwächter Körper fast automatisch gelehnt hatte. Als David drauf  und dran war in der Hocke zu sitzen wurde er sich dann plötzlich seiner Position bewusst und nachdem er sich einen Moment verwirrt umgeblickt hatte, stand er mit einem etwas zu kräftigen Schwung auf und ging auf die Glastür zu, die ins ebenfalls stockdustere Wohnzimmer führte.
Vom Kräftigen Schwung das Gleichgewicht verlierend stieß David mit seinem Kopf unsanft gegen die Glastür.  „Verflucht!“, entkam es ihm undeutlich bevor er nach dem Knauf der Tür griff, und sie öffnete.
Als er die Tür dann wieder schloss, musste er zu seinem Ärgernis feststellen das seine Zusammenprallaktion einen unschönen Sprung in der Tür hinterlassen hatte. „So eine Scheiße!“, fluchte er wieder und schlug mit seine offenen Handflächen auf die Tür.
Als er danach seinen Kopf wieder gegen die Tür lehnte und einige Male tief Luft holte, vernahm er hinter sich ein leises Schluchzen.
 David drehte sich schlagartig um, woraufhin er abermals stolperte und sich nur mit Mühe durch die Rückseite der Couch wieder stabilisieren konnte. Sein Blick fiel auf eine Person die zusammengekauert auf seinem Sofa saß und von der er sich nun einbildete zwischen den nun etwas lauteren Schluchzern, ein schüchternes, sehr kurzes Lachen zu hören zu können.
 „Gillian! Wie....“

 „Oh David, tut mir leid, aber was du da veranstaltest sieht einfach göttlich aus!" Sie stand auf und ging auf ihn zu, stützte ihn und führte ihn zu Couch.

David konnte immer noch nicht glauben, dass sie tatsächlich da war.
Aber so viel hatte er noch nicht getrunken, als, dass er Halluzinationen hätte.
Wortlos saß er einen Augenblick da und schaute sie an. Er wollte nachdenken und Worte finden.
 Jedoch wusste er nicht einmal wofür er Worte finden wollte, so durch den Wind war er.
Gillian fühlte sich unwohl.
 „Tut mir leid, dass ich hier einfach so herkam, aber du gingst nicht ans Handy, da wollte ich einfach mal so nachschauen ob du da wärst... und als du es nicht warst.. na ja, ich wollte nicht wieder nach Hause fahren, also beschloss ich hier zu warten.... Der Schlüssel ist immer noch an seiner üblichen Stelle" grinste sie.
David nickte nur.
Die übliche Stelle, ja, da lag er seit Jahren.
Warum war sie hier?
 Eigentlich war es ihm egal.
Sie saß neben ihm.

 Es war schön.
Doch dann fiel im wieder der Grund ein, weshalb er in dieser Bar war, weshalb er sich auf diese zerstörerischen Lieder betrunken hatte... Julian.
 Julian UND Gillian.
 „Was willst du hier?" fragte er. Er konnte sich noch nicht ganz deutlich artikulieren, auch war er nicht so klar im Kopf, als, dass ihm auffallen konnte, dass eine andere Wortwahl und ein anderer Ton vielleicht weniger verletzend gewesen wären.
Gillian zuckte innerlich zusammen.
Was ich hier will?
Aber dann besann sie sich, nicht ebenfalls verletzend zu werden.
 Erstens hätte keiner der beiden etwas davon und zweitens war David offensichtlich zu betrunken um zu bemerken, dass er sie gerade anfuhr.
Sie wollte unbedingt mit ihm reden, aber so wie David aussah, müde, Augenringe die wirklich nicht mehr schön waren, und eine Alkoholfahne, die sie fast schon anekelte, war sie nicht gewillt mit ihm ein klärendes Gespräch zu führen.
 „Nun David, ich wollte mit dir reden, wir haben uns lange nicht gesehen; aber in deinem momentanen Zustand..." David öffnete den Mund, wollte Einspruch erheben, sah aber selber ein, dass er zu nicht mehr viel in der Lage war. Also nickte er.
Gillian schaute ihn noch einmal an- er meinte im fahlen Licht in traurige Augen zu blicken- und raffte sich dann langsam auf um zu gehen.
 „Geh nicht Gillian... ich meine" er stockte.
Sie drehte ihren Kopf zu ihm und schaute ihn fragend an, „Hmm?"
 „Lass uns reden- nicht jetzt, aber... ich lege mich kurz hin, dann geht es mir wieder gut und wir können reden" Er wollte auf keinen Fall, dass sie ging. Sie war schließlich zu ihm nach Hause gekommen, das hatte sicher seinen Grund, und er wollte mit ihr reden, wenn sie jetzt gehen würde...
Gillian nickte zu seiner Erleichterung.  „So lasse ich dich sowieso nicht gerne alleine. So kenne ich dich ja gar nicht David", fügte sie vorwurfsvoll hinzu.
David trank gerne mal etwas und war angeheitert, aber das hier sah aus wie das Produkt von typischem Frusttrinken, er war total am Ende.
David rollte sich auf dem Sofa zusammen.
 „Hey hey hey " kam es von Gillian
 „Nicht hier. Ich bring dich ins Bett und mache dir noch einen Tee."
David grinste.
 Zu mehr war er nicht in der Lage.
 Sie bringt mich ins Bett? In seinem Kopf war die Vorstellung von der kleinen Gillian, wie sie ihn auf ihren Armen ins Bett trug- wie auf dem einen Zeitungscover einst... das Grinsen wurde breiter.
Gillian ging nicht darauf ein, sondern zog ihn an seinem Arm hoch und schob ihn vor sich her.

Im Schlafzimmer angekommen, dem Schlafzimmer in dem sie vor nicht all zu langer Zeit die Nacht nebeneinander verbracht hatten, schlug sie schnell die Decke beiseite, und David ließ sich hineinplumpsen.
Sie deckte ihn gerade noch zu, da vernahm sie schon Schnarchgeräusche.
Sie musste unwillkürlich lächeln, wie er dort zusammengerollt lag und schnarchte.
Sie schlich aus dem Zimmer, obwohl sie sicher war, dass ihn so schnell nichts mehr wecken würde, und ging in die Küche, machte sich selber einen Tee.
Dann setzte sie sich wieder auf das Sofa und machte sich Gedanken über das Gespräch, das noch fällig war.
Wie würde es verlaufen, worauf würde es hinauslaufen? Sie konnte sich kein Bild davon machen.
Was sollte sie groß planen?
Auch ihre Augen fielen langsam zu, und so schlief sie auf dem Sofa ein.

3.24 Uhr
David wachte auf. Er versuchte sich zu erinnern.
 Da war doch etwas, das spürte er ganz genau.
 Ja! Da war es wieder, Gillian!
Sie wartete auf ihn- hoffte er. Er schaute auf die Uhr. Schon halb vier?
Hoffentlich hatte sie es sich nicht anders überlegt und war schon nach Hause gefahren.
 Er schleuderte die Decke von sich und stand schwungvoll auf.
Sein Kopf fühlte sich noch etwas dick an, aber er konnte wieder klar denken und auch ohne Wanken laufen.
 Er pirschte also durch den dunklen Flur- er wollte kein Licht anmachen, dafür waren seine Augen noch nicht vorbereitet- und in Richtung Wohnzimmer.
 Erleichtert seufzte er auf, als er Gillian dort liegen sah.
Am liebsten würde er sie so liegen lassen und sie anschauen, doch er wollte die nächtliche Atmosphäre noch für ihr Gespräch nutzen.
Er wusste warum sie da war.
Was genau sie nun bereden würden, oder was sie, oder er damit bezweckten, darüber war er sich nicht klar, es war ihm aber auch egal.
Er stupste sie sanft an, flüsterte „Gill?"
Sofort öffnete Gillian ihre Augen.  „Oh", entkam ihr nur, und sie richtete sich auf.
 „Wie geht es dir?" fragte sie vorsichtig an.
David lächelte.  „Wieder gut", und er nickte zur Bestätigung seiner Worte.
Er setzte sich neben sie. Beide blickten sich an und lächelten um die peinliche Stille auszugleichen.
 „Wieso warst du nicht auf der Hochzeit?" ,platzte Gillian heraus. Gut, sie hatte diplomatischer vorgehen wollen, aber Gefühle ließen sich nun mal nicht so gut planen wie ein taktischer Feldzug.
David senkte seinen Kopf.
Er wollte ihr am liebsten sagen: Weil ich ihn hasse, deinen EHEmann! Doch hatte er dazu wohl kein Recht.
Vor allem nicht mehr jetzt, als Freund hätte er vorher etwas sagen können, doch jetzt...
Gillian wurde wütend. Jetzt schwiegt er einfach? Was soll denn, dass!?

 „David, was ist los? Ich verstehe dich einfach nicht! Ich dachte du hättest dich für mich und Julian gefreut.
Die Woche in der ich in diesem tiefen Loch war- du warst so lieb zu Piper und mir, und dann?
Dann hältst du es nicht mal für nötig mir Bescheid zu geben, dass du nicht zu der Hochzeit erscheinst? Verdammt, du kannst vielleicht auch mal an die Gefühle anderer denken, wenn du solche Spielchen machst!" giftete sie ihn an. Dieses Gefühlschaos in ihrem Herzen erreichte ihren Höhepunkt.
 „ Ich mache Spielchen?" kam nun laut von David zurück.
 „Du sitzt hier und sagst etwas über verletzte Gefühle?" Er lachte.
 „Gillian, du bist es die geheiratet hat und somit ein Riesen Loch verursacht hat in dem eine ganze Existenz verschwinden konnte!"
 Verdammt!
Hatte er das gesagt? Dieser scheiß Alkohol!
 Im selben Moment als die Worte seinen Mund verlassen hatten wollte er schnell noch nach ihnen greifen und sie daran hindern zu Gillian zu dringen.
Doch es war zu spät.
Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich. Sie starrte ihn an.
 „Wie- wie meinst du das?" fragte sie verwirrt.
David stand auf.
 „Ach, ist doch egal. Es tut mir leid, dass ich nicht auf deine Hochzeit gekommen bin, aber nun bist du doch glücklich verheiratet. Und überhaupt- solltest du nicht gerade jetzt mit deinem Gatten die Flitterwochen genießen?" stichelte er.
Gillian kniff ihre Augen zusammen. „Es ist NICHT egal David! Wie meintest du das eben?"
David wollte sich nicht die Blöße geben- nicht so.

  „Wo ist Julian überhaupt, warum bist du hier, nicht bei ihm?"
 „Ich antworte auf deine Frage, wenn du meine beantwortest!" sagte Gillian und stand auf, stand nun vor ihm und schaute nach oben, ihm direkt in die Augen.
David schüttelte den Kopf, drehte sich um und ging.
Was hatte er da bloß ins Rollen gebracht?
 „Hey!" Gillian rannte hinter ihm her, nahm seinen Arm, so, dass David sich umdrehte.
 Nun blickte sie ihn wieder liebevoll an.
Er sah nur die Umrisse von ihr, da das Licht immer noch aus war.
Doch er meinte eine Spiegelung in ihren Augen erkennen zu können- sah er Tränen?

Was war nur los mit ihnen? Er wollte sie nur in den Arm nehmen, ihr all seine Gefühle für sie mitteilen, sie küssen... aber sie war nicht Sein.
 „David" flüsterte sie.  „Warum ich hier bin..."
Er schaute sie fragend an.
 „Ich wollte dich sehen, ich meine..", sie verstummte wieder. Was wollte sie ihm sagen? Er zitterte.
Jetzt wo sie bei ihm war, war sie sich sicher.
Wusste warum ihre Gefühle so verrückt spielten.
 Sie gehörte zu David.
Und ihr Herz hatte den Fehler den sie begangen hatte schon viel früher festgestellt als ihr Verstand.
 Ihr war alles egal.
Sie würde alles aufs Spiel setzen... sie musste es sagen, wollte sich nicht länger weiter quälen.
 „David, als du für mich da warst, habe ich die Zeit so genossen wie nichts anderes zuvor. Aber ich dachte, dass es daher käme, weil Julian und ich zu dieser Zeit so große Probleme hatten."
David nickte, Gillian fuhr fort.
 „Dann änderte sich alles, ich hatte das Gefühl mit Julian könnte es doch gut gehen- ich wollte einfach wieder ein Leben, ein Leben mit sicherer Liebe, verstehst du?" Sie schluchzte leise.
Julian schien sie nicht glücklich zu machen.
 „Julian war so liebevoll",  fing sie wieder an- und wiederum war David verwirrt. Wollte sie sich nun nur bei ihm entschuldigen, dass sie Julian wählte, weil sie wusste, dass David sie liebte?
 „Und dennoch fühlte ich mich nicht wohl bei ihm, war nicht so glücklich...", sie stockte wieder, vergewisserte sich dass er sie ansah. "... nicht so glücklich wie ich es in deiner Gegenwart bin" beendete sie.
 Es war gesagt.
Was sich nun entwickelte hing völlig in der Luft. Davids Augen weiteten sich. Hatte sie das gerade wirklich gesagt? War das ein Liebesgeständnis?

Als von David nichts kam, außer einem leisen Schlucken, drehte Gillian sich um und ging in Richtung Tür.
Es war falsch, ganz sicher, dachte sie, während sie nur noch schnellstens wegrennen wollte.
Doch als sie an der Tür angekommen war, spürte sie Davids Arm.
Er hielt erst sanft ihren Arm fest, legte dann seinen anderen Arm um ihre Hüfte und drehte sie zu sich, ganz nah an ihn heran. Er hielt den Blickkontakt, Sekunden verstrichen, in denen keiner der beiden es auch nur wagte zu atmen. Dann zog David sie noch näher an sich heran, so, dass sie mit ihrer Brust seinen Bauch berührte, er spürte ihre Wärme.
Nach all den Gefühlen wie Verlust und Unsicherheit, waren sie beide an einem Punkt angekommen, an dem es sich diese quälende Kälte, die sich mit der Zeit um ihre Herzen geschnürt hatte, abgesprengte.
David beugte sich zu ihr herab, ganz langsam, schaute ihr dabei immer in die Augen. Er hatte sich nicht geirrt, sie liebte ihn. Und er liebte sie.
Obwohl sich Gillians Augen begannen mit Tränen zu füllen, konnte er in ihren Augen lesen, dass sie sich jetzt genauso sicher war wie er.
Ihr absolut ehrliches Lächeln ließ David eine Gänsehaut über den Rücken laufen. Er war so gefesselt vom Moment, dass er fürchtete jeden Augenblick erstarren zu müssen.
Von diesem Gedanken etwas erschrocken überbrückte er den letzten Abstand zwischen seinen und Gillians Lippen und alle Gefühle der Unsicherheit oder Angst waren verflogen.
Er konnte spüren wie sich Gillian unter seinen Händen entspannte und sich nachdem sie anfangs etwas zu zögern schien, ganz auf den Kuss einließ.
Beide hatten im anderen endlich die Antwort auf so viele ungestellte Fragen gefunden, die sie früher nachts um ihren Schlaf gebracht hatten.
Doch statt Ungewissheit empfanden beide nun Geborgenheit und Sicherheit.
Und obwohl sich beide von einer überwältigenden Erleichterung beflügelt fühlten, brauchte es seine Zeit bis beide dieser unfassbaren Situation tatsächlich bewusst wurden.
Bis dahin bahnten sich die Freudentränen den Weg über ihre Gesichter.
Erst jetzt wurde ihnen klar, wie viel Kraft es geraubt hatte, sich selbst zu belügen, und sie wussten das in ihrer gemeinsamen Zukunft der Schlüssel zu dieser lang gesuchten, und herbeigesehnten Wärme war, ohne die sie von nun an nie wieder leben wollten.