Autor: Babs
Kontakt: BabsOdi@portrait-ideen.de
Spoiler: 1. und 2. Staffel
Rating: NC-17
Kategorie: DGR, Gillian POV
Short-Cut: Warum David und Gillian nie ein Paar wurden…
Anmerkung der Autorin:
Obwohl ich kein Fan von DGR-Stories bin, weil ich nicht daran glaube, ist mir diese Geschichte lange im Kopf herumgespukt. Ich habe ein Buch genommen und versucht, die Story, abgesehen von der Romanze und der Reihenfolge, wann Gillian ihr Kind kriegt und heiratet, so realistisch wie möglich zu gestalten. Einige Episoden sind auch wirklich so passiert (z.B, als Gillian am Set einschläft).
Ansonsten: absolute NC-17- Warnung, es kommt ziemlich viel Sex vor!
Ich hoffe, euch gefällt die Story und freue mich auf Feedback!!
Babs
Abenteuer Akte X
Verdammt, ich hatte die Rolle! Ich hatte die Rolle!! In dem Moment, als mir dieser blonde, gutaussehende Mann mit dem breiten Lächeln den Vertrag hinschob, hätte ich ihm glaube ich die Zunge bis zur Gurgel in den Hals gesteckt, wären da nicht diese beiden Typen von den Fox-Studios gesessen und hätten mich misstrauisch gemustert.
Mit zitternder Hand unterschrieb ich, bevor ich überhaupt alles genau durchgelesen hatte. Ich wußte nur eins: Das war meine große Chance. Ich hatte gerade meinen 24. Geburtstag gefeiert und ein paar Gläschen zuviel getrunken. "Ihr werdet schon sehen, ich krieg diese Rolle! Ich komm groß raus!", tönte ich großspurig.
Meine Freunde lachten mich aus. "Du als FBI-Agentin? Mensch, Gilly, da mußt du dich aber richtig in Schale werfen!" "Na und, glaubt ihr, das kann ich nicht?", lachte ich.
Und jetzt das. Dieser Chris Carter mit seiner großartigen Idee eines völlig neuen Serien-Konzepts hatte diese Typen von Fox echt überredet, mich als Scully einzusetzen. Der Vorname meiner neuen Rolle gefiel mir: Dana. Ein wunderschöner Name.
Chris schob mir einen riesigen dicken Ordner hin. "In 2 Monaten beginnen die Dreharbeiten in Vancouver. Du mußt auch ein paar äußerliche Veränderungen vornehmen. Außerdem wirst du am Drehort wohnen müssen." Diese ganzen Sachen hörte ich nur wie aus weiter Ferne. Ich war wie in einem Rauschzustand, schwebte über der Szene und war überwältigt vor Glück. Meine Endorphine spielten total verrückt!
"...und das wird dein Partner sein: Gillian, das ist David Duchovny.", sagte Chris. Langsam hob ich meinen Blick und war irgendwie plötzlich hellwach. "Hallo, Gillian." David hielt mir seine Hand hin, die ich ergriff und gleichzeitig stand ich auf.
Groß. Schlank. Dunkle Haare, die so dicht und weich aussahen, daß man am liebsten sofort seine Hände darin vergraben hätte. Seine Augenfarbe war nicht leicht zu definieren, irgendwie grün... oder vielleicht doch braun? Sein Gesicht war schmal, er hatte eine ziemlich große Nase, die aber nicht entstellend wirkte, nein eher markant. Ein ausgeprägtes Kinn mit einem Schatten von Bartstoppeln. Dann diese Lippen. Ziemlich voll, fast weiblich. Als er lächelte glaubte ich, es ginge die Sonne auf. "Hallo", hauchte ich und er ließ meine Hand los. "Ich hoffe, wir werden gut zusammenarbeiten. Wie ich hörte, hast du noch nicht viel Dreherfahrung?" Da hörte ich ihn zum erstenmal, diesen leicht überheblichen Ton.
In diesem Augenblick jedoch war ich nur berauscht von seinem blendenden Aussehen und kam mir auf einmal unendlich dumm, klein und hässlich neben ihm vor. Wie war Chris Carter nur darauf gekommen, daß wir ein attraktives Paar abgeben können? Wollte er eine Witzfigur aus mir machen?
Ich riß mich zusammen und nahm den Drehbuch-Stapel auf. "Ich freue mich auch", sagte ich, ohne David in die Augen zu sehen. "Ich bin überzeugt, daß ich diesen Job gut bewältige."
Die Fox-Bosse warfen Chris einen zweifelnden Blick zu, doch dieser grinste nur und nahm mich zur Seite. "Keine Angst, Gillian, David hat zwar Filmerfahrung, aber ich habe ein echt gutes Gefühl, daß du das Ideale Gegenstück zu ihm bilden wirst! Lies dir nur die Drehbücher durch und vertraue mir, ok?"
Er wirkte so überzeugend, daß ich mich langsam wieder zu freuen begann.
2 Monate später
"Verdammt, Gillian, was ist nur mit dir los?" Chris’ ungeduldige Stimme hinter mir ließ mich zusammenfahren. Bisher hatte er mich noch nie angeschnauzt. Wir lagen gut im Zeitplan, aber alle waren nervös, denn unsere Pilotfolge sollte besonders gut werden.
Ich stand klatschnass im ströhmenden Regen und hatte nun nach meinem fünften Anlauf noch immer nicht meinen Text fehlerfrei hinbekommen. David stand vor mir und starrte mich an. Seine Augen schienen sich direkt in mein Innerstes zu bohren, als wollte er seine Gedanken direkt in meinen Kopf übertragen wie ein Vulkanier oder sowas. Das machte mich nur noch nervöser und ich war überzeugt, daß ich es nicht schaffen würde.
"Nochmal!" brüllte Chris. "Action!"
Ich begann. Scully sollte voller Zweifel und Ungläubigkeit auf Mulders wilde Theorien reagieren. Sie fror so schrecklich und war entsetzlich müde. Genau wie ich. Schon nach 2 Sätzen verhaspelte ich mich wieder und sah genau in Davids Gesicht, daß er meinen Part ebenso wie seinen in- und auswendig konnte. Er half mir mit Mundbewegungen nach, doch ich konnte nicht anders, ich kicherte hyterisch los.
David packte mich an den Schultern. "Verdammt, reißt du dich jetzt mal zusammen, Gillian? Soll das etwa professionell sein?" "Ich habe meinen Text gelernt, vielen Dank!", fauchte ich ihn an. Er starrte mich noch eindringlicher an. "Du fängst jetzt nochmal an! Und dann packst du diese verfluchte Szene und wir können endlich schlußmachen, ist das klar?" Unsere Blicke klebten sekundenlang aneinander und ich hätte ihm am liebsten ins Gesicht gespuckt.
"Action!", brüllte Chris unerbittlich. Und plötzlich, ich wußte nich woher, war sie da - diese Chemie. Sie schien mich zu durchströhmen, sie erfasste David und mich gleichzeitig. Ich sah im in die Augen und ich WAR Scully. Alle um uns herum waren verschwunden und wir standen alleine auf diesem nächtlichen Friedhof. Und da kam er, der Text, wie selbstverständlich. Er sprudelte aus mir heraus als hätte ich nie etwas anderes sagen wollen. "Cut!", kam der Ruf und David lächelte mich an. Auch ich lächelte. Und dann war es plötzlich wieder vorbei.
"Gute Nacht!", rief David und drehte sich ohne ein weiteres Wort um und ließ mich stehen. "DAS war es!", Chris kam auf mich zu und reichte mir ein Handtuch. "Genau das war es!" Er strahlte. Ich war verwirrt, wußte aber, was er meinte. Langsam ging ich zu meinem Wohnwagen.
Nachdem ich mich geduscht und umgezogen hatte, überfiel mich eine fürchterliche Müdigkeit. Alle Glieder waren mir so schwer als hätte ich Tonnengewichte daran. An Schlaf war jedoch nicht zu denken! Ich war innerlich aufgewühlt und fragte mich: Wie hatte David das geschafft? Oder hatte es garnicht an ihm gelegen? Ich hatte das Bedürfnis, es ihm zu erzählen. Rasch kämmte ich meine Haare durch, die nun leuchtend rot gefärbt waren und nahm meine Jacke.
Es regnete noch immer, so zog ich mir die Kaputze über den Kopf. Leicht nervös klopfte ich an die Tür von Davids Wohnwagen. Nach einem Weilchen öffnete er. Ein erstaunter Bick. "Was willst du?", fragte er, keine Miene verziehend. "Ich... äh, darf ich mal reinkommen?" Er zögerte. Ich sah ihm an, daß er nein sagen wollte. Gerade beschloß ich, wieder zu gehen, als er einen Schritt zur Seite machte. "Mußt dir ja nicht den Tod holen", brummelte er.
Sein Trailer war penibel aufgeräumt und sah gemütlich aus. Von einem tragbaren Cassettenrecorder tönte leise Soul-Musik. "Darf ich mich setzen?" Ich war irgendwie nervös. Er machte eine Bewegung und setzte sich ebenfalls. Eine Weile starrte ich vor mich hin und wußte plötzlich garnichtmehr, wieso ich hier saß. "War ein irrer Dreh, nicht wahr?", sagte ich schließlich. Er antwortete nicht gleich, dann holte er tief Luft und sagte: "Gillian, paß mal auf. Es mag dir komisch vorkommen, aber in den nächsten Monaten werden wir Tag für Tag zusammen arbeiten, stundenlang. Du hast ja inzwischen gemerkt, wie anstrengend das ist. Ich möchte einen guten Job machen und ich lege viel Wert auf Perfektion. Du solltest dich mehr auf deine Rolle und deinen Text konzentrieren. Ich halte es außerdem für besser, wenn wir privat nicht verkehren."
Peng. Da hatte ich es. Eine eiskalte Abfuhr. Ungerührt und kühl sah er mich an. Ich hielt diesem Blick nicht stand und wurde ein bißchen rot. Dann sagte ich so fest ich konnte: "Ich habe mich vorbereitet, David! Ob du es glaubst oder nicht. Ich packe diesen Job, aber wie jeder andere hier muß ich mich mit diesem Drehablauf erst vertraut machen. Und, verflucht ja, ich kann mir diese langen Sätze nunmal nicht so schnell merken!" Ich wagte einen Blick in sein Gesicht und sah ein Lächeln. "Ich habe im Gefühl, daß diese Serie was Großes werden könnte", sagte er. "Wenn du es willst, kann ich dir helfen bei deinen Texten. Ich habe ein paar Geheimtips, damit ich mir alles besser merken kann." Ich lächelte zurück und einen kurzen Augenblick hatte ich das Gefühl, daß wir vielleicht doch Freunde werden könnten. Doch der war schnell vorbei.
David stand auf und sagte: "Ich werde jetzt schlafen gehen, morgen fahren wir raus zum Drehen, es wird ein langer Tag. Wenn du in den Drehpausen Zeit hast, werden wir alles zusammen durchgehen. Gute Nacht." Unmißverständlich hielt er die Tür auf und während ich an ihm vorbeiging, fiel mein Blick auf die Kühlschranktür. Ein Zettel klebte daran und drauf stand in großen roten Lettern: "An Perrey denken". Rasch verließ ich den Wagen.
Die Wochen vergingen und ich schien in einer anderen Welt zu versinken. Tag für Tag brütete ich über meinen komplizierten Texten, übte Szenen mit David, drehte und drehte und fiel abends wie tot ins Bett. Ich weinte oft, wenn ich nicht einschlafen konnte, niemanden hatte, mit dem ich quatschen oder mal ein Glas trinken konnte.
In Vacouver in der Künstlerkantine saß ich ab und zu und wurde neugierig beäugt. Ich vermißte meine Freunde und meine Familie und telefonierte so oft mit meiner Mutter wie schon seit Jahren nicht.
Die Einschaltquaoten der Serie waren miserabel und ab und zu verirrten sich ein paar Journalisten zu uns, um dann David zu interviewen, der ja immer so viel zu sagen hatte. Zusammen mit Chris machte er sich wichtig, manchmal hatte er Tage und bevormundete nicht nur mich, sondern die gesamte Crew.
Er war gut, darin bestand kein Zweifel und er hatte Star-Potential. Aber er war ein gnadenloser Egomane.
Ich hatte versucht, herauszufinden, wer diese geheimnisvolle Perrey war, um ihn wenigstens ansatzweise zu verstehen. Einer der Art-Directors, Clyde Klotz, ein fröhlicher Typ mit langen Haaren erzählte mir schließlich ein paar Dinge über David.
Perrey sei seine Freundin in New York, er selbst erzähle selten etwas über sie, aber seine Telefonrechnung sei unglaublich hoch. Er hätte mit niemandem aus der Crew näheren Kontakt außer wenn es um die Arbeit ging und ansonsten saß er in seinem Trailer, schrieb irgendwas oder stritt mit den Fox-Studios über die fehlende Promotion für die Serie.
"Ich sag dir, Gillian, Chris hat mit ihm einen echten Glücksgriff getan. Er ist so ein verdammter Perfektionist, daß er so tut, als sei die Show sein Baby!"
"Aber wieso kapselt er sich so ab? Vor allem vor mir?", wollte ich wissen. Clyde seufzte. "Ich glaube, er hat so einen Tick, sich nie mit Schauspiel-Kollegen einzulassen!" Ich mußte lachen. "An sowas hatte ich jetzt aber nicht gedacht!" Auch Clyde grinste und legte mir den Arm um die Schulter. "Komm, Kleine, ich lade dich zu einem Glas Wein ein!"
Das tat mir gut und ich nickte froh.
Eis
"Diese Folge ist mir sehr wichtig, Leute und ich will, daß ihr es gut macht!" Chris war sehr angespannt und diskutierte mit David Nutter, der diesmal Regie führen sollte. "Wir werden mehr Action haben, es wird sicher anstrengend! Wichtig ist die Schlüsselszene zwischen Mulder und Scully, als sie sich gegen ihn wendet. Also, strengt euch an, ihr beiden!", wandte er sich an David und mich. Ich hatte einen echt schlechten Tag, wollte heim und litt außerdem an Schnupfen. Wir hatten schon 2 Tage in der Halle gedreht, in der die Kulisse zu dem Eiscamp stand und da die Techniker mit Kunstschnee arbeiteten, war es verflucht kalt da drin.
David saß in seinem Stuhl wie immer mit seinem Text auf den Knien. Er trug einen weißen Pullover und eine Jeans und wußte wahrscheinlich garnicht, wie umwerfend gut er aussah. Ich seufzte tief und ließ mich auf einen Stuhl neben ihn fallen. Doch, er wußte es und tat nur so als wüßte er es nicht. "Text intus, Gillian?", murmelte er, ohne mich anzusehen. "Wieso fragst du mich das immer?", fauchte ich und schneuzte in ein Taschentuch. Er sah auf und musterte mich. "Du siehst nicht gut aus. Solltest nochmal in die Maske, die Ränder unter den Augen wegschminken lassen." Dann wandte er sich wieder seinem Text zu.
Ich begann schon wieder zu kochen. "Oh, vielen Dank, Mr. Duchovny, Sie haben wirklich ein Riesen-Talent einen aufzubauen!", schnappte ich. Ich sah ihn grinsen und wurde noch wütender. "Was ist jetzt komisch, ha?" Ich merkte, wie ein paar Jungs neugierig herschauten. David beugte sich vor. "Ihr Frauen seid manchmal ja so durchschaubar. Eine Bemerkung übers Aussehen, und schon seid ihr auf 180!" Ich stand auf und sah auf ihn hinunter. "Oh, ja, der Herr ist ja immer wie aus dem Ei gepellt. Könnte ja ein Fotograf in der Nähe sein, wie? Außerdem kannst du mich ruhig direkt anreden, ich sehe hier sonst keine Frau!" David holte gerade Luft für eine Erwiederung, da kam Chris zu uns.
"Also, David? Gilly? Auf zur Schlüsselszene! Und macht es gut!"
Ich war ja so sauer. Ich wollte nichtmehr. Ich fragte mich, war es das wert, für die paar Zuschauer jede Woche? Wohin würde mich das führen? Doch meine Wut auf David und der Frust waren gut für die Szene.
Mulder und Scully saßen zusammen mit 3 anderen Personen in einem Eiscamp fest. Ein unbekannter Parasit ging um. Wer war infiziert? Die Szene war gespenstisch. David und ich schrien uns an und ich konnte meinen gesamten Frust hineinlegen. Chris war begeistert und die Szene war schnell im Kasten.
Als nächstes sollten Mulder und Scully gegenseitig auf den Erreger untersuchen. In der Kammer war schummriges Licht und nur ein Kameramann und Chris waren bei uns.
Ich zog David das Shirt von hinten herunter. Ich fuhr ihm mit der Hand über den Nacken und den oberen Rücken. Er stand nur da mit hängenden Armen und irgendwie lag eine Spannung in der Luft. Mein Herz klopfte und fast schon erwartet ich, den Parasiten zu entdecken.
Dann war David an der Reihe. Er faßte nach meiner Schulter, drückte meinen Kopf nach vorne. Mit langsamen, fast zarten Bewegungen strich er mir die Haare aus dem Nacken und augenblicklich bekam ich eine Gänsehaut. Jeder im Raum schien die Luft anzuhalten als er seine langen Finger an meinen Hals legte und darüberstrich. Ich hörte fast mein Herz klopfen als ich mich umdrehte zu ihm, doch mein Text kam wie von selbst aus mir heraus.
An diesem Tag lief es sehr gut. Chris war hochzufrieden und schien die schlechten Quoten, die er am Morgen erfahren hatte, schon wieder vergessen zu haben.
Als ich aus der Halle schlich, um einen Kaffee trinken zu gehen, hielt mich David plötzlich am Arm fest. Ich erwartete irgendwelche Belehrungen oder sonst einen Vortrag, aber er sah mich freundlich an. "Das war sehr gut, Gillian. Ich bin beeindruckt. Ich wußte, daß du die Richtige bist!" Ich war verwirrt? "Du wußtest?" "Ja, ich habe dich beim Casting gesehen. Ich machte Chris darauf aufmerksam, sonst hätte er dich womöglich garnicht bemerkt. Es war in deinen Augen... ich weiß nicht. Ich kannte das Drehbuch und ich wußte gleich, daß du es sein mußt."
Ich wußte nicht, was ich davon halten sollte. Ich versuchte zu lächeln, doch irgendwie war ich zu ausgelaugt. "Danke", sagte ich darum nur und ließ ihn stehen.
Das Wochenende rückte näher und ich saß bei ausnahmsweise schönem Wetter vor meinem Trailer, Clyde neben mir. Er war mir inzwischen ein echter Freund geworden, kam oft Abends auf einen Drink vorbei, ermutigte mich, wenn ich mal wieder total down war, nahm mich öfters in den Arm und ich spürte, daß er gerne mehr gehabt hätte. Ich zauderte jedoch, obwohl auch ich körperliche Nähe vermißte. Ich hatte Angst, daß ich Clyde nur ausnutzen wollte und wartete bis ich mir mit meinen Gefühlen im Klaren war.
"Gillian?" Erstaunt fuhr ich hoch, denn es war Davids Stimme. Er kam um die Ecke, auf dem Gesicht ein Lächeln. "Hier sind 2 Leute vom TV-Guide. Sie wollen Fotos machen!" Er nickte Clyde zu, der misstrauisch dreinsah. Ich wurde ganz aufgeregt. "Cool, ich komme!", rief ich. David zögerte kurz, dann meinte er: "Willst du dich nicht umziehen?" Ich schluckte und sah an mir hinunter. "Was ist damit nicht okay?" Ich trug eine bequeme blaue Hose und darüber hing eine taubenfarbene Bluse. "Na, vielleicht ein bißchen mehr Scully-Like!", meinte David. Clyde schnaufte. "Gillian kann verdammt nochmal anziehen was sie will!", knurrte er und ich sah erschrocken zu ihm rüber. Wollte er jetzt mit David Streit anfangen?
David blieb gelassen und starrte auf ihn hinunter "Bist du jetzt neuerdings für unsere Garderobe zuständig oder eher für das, was darunter ist?", giftete er. "Hey, hey, mal langsam!", mischte ich mich ein, als Clyde hochfuhr. "Clyde, es ist okay, er hat Recht. Ich ziehe mich jetzt um, okay?" Ich sah vom einen zum anderen und verschwand dann rasch im Trailer.
Als ich in der Halle eintraf, hatte der Fotograf für die Session schon alles vorbereitet und David trug tatsächlich einen Mulder-Anzug. Es lief alles sehr entspannt ab und irgendwann mußten wir schrecklich lachen, weil der Fotograf komische Verrenkungen von uns verlangte. Ich wünschte mir heimlich, als ich in Davids hübsches Gesicht sah, es könnte immer so sein. Ich wußte jedoch, es war eine Illusion, David akzeptierte mich nicht und mäkelte an mir herum und behandelte mich wie eine dumme Anfängerin. Da ich wirklich so unsicher war, ließ ich es mir gefallen, aber ich wußte, daß ich das nicht lange durchhalten konnte, denn ich war nunmal kein Mensch, der die Schnauze hielt.
Als ich am Abend in meinem Trailer saß und fern sah und genau wußte, daß David nebenan wieder über seiner klappernden alten Schreibmaschine hockte, weil er Computer hasste, klingelte das Telefon. "Steven, hey! Daß du dich meldest!" Ich freute mich. Steven Williams, ein großer scharzer Mann war schon länger ein guter Freund aus LA, er war selbst Schauspieler und interessierte sich sehr für meine Karriere. "Hey, Gillian, wie geht’s? Ich schaue jede Woche eure Show! Du machs deine Sache sehr gut!" "Da bist du einer von 20 der so denkt, schätze ich!", seufzte ich. "Gilly, du klingst müde. Ist es sehr anstrengend?" "Ach, Steve, ich hasse diesen Trailer-Park, es ist so trostlos! Und dann dieses Wetter!!" "Ich rufe dich an," meinte Steve, "weil ich dir mein Haus in Vancouver anbieten will. Was hältst du davon?" "Ist das dein Ernst?", flippte ich aus. Ein richtiges, gemütliches Haus!! "Ja", lachte Steve, "ich werde die nächsten Monate hier zu tun haben und es steht sowieso leer. Ich gebe dir nur kurz die Adresse".
Überglücklich suchte ich einen Zettel, bedankte mich tausendmal bei Steve und lief dann los um Clyde zu suchen, um ihm die Neuigkeit zu überbringen. Plötzlich stieß ich mit jemandem zusammen. "Hoppla!", natürlich David, das roch ich sofort. Unglücklicherweise roch er immer so verdammt gut! "Hi, ich hab’s eilig", meinte ich und wollte weiter. "He, Augenblick! Ich habe die ersten Abzüge der Fotos gefaxt bekommen!" Er hielt mir ein paar Blätter unter die Nase, doch ich konnte in der Dunkelheit nichts erkennen.
"Ich sehe nichts", sagte ich rasch. "Dann gehen wir doch schnell rein", lächelte David. Ich blickte zu ihm hoch. Oft, sehr oft hasste ich es, daß ich meistens zu allen Leuten hochblicken mußte. Bei David störte es mich besonders. "Ich will zu Clyde", sagte ich fest. "Zu Clyde, aha", David trat einen Schritt zur Seite. "Dann bitte". "Was soll das schon wieder heißen, zu Clyde, aha! Nich jeder verzichtet freiwillig auf jeden persönlichen Kontakt, wie Mister Intellektuell! Ich umgebe mich eben gerne mit normalen Menschen, David! Wieso besucht dich eigentlich nichtmal »denk an Perrey«?" Das war gemein, aber es war mir einfach herausgerutscht.
Davids Blick wurde sofort hart. Er schluckte und ich war versucht, mich zu entschuldigen. Ich erwartete eigentlich, daß er mich jetzt stehenließ, doch dann sagte er leise: " Perrey hat leider gerade ein Projekt, bei dem sie nicht wegkann. Wir telefonieren ja jeden Tag, aber.." er brach ab und ich nahm seine Hand. "David..." Er machte sich schnell los. "Also, ich zeige dir die Bilder dann morgen." Rasch ging er davon und ich ärgerte mich über mich selbst. War er doch sensibler als ich dachte?
Der falsche Wohnwagen
Als ich von Clyde zurückkehrte, war ich bester Hochstimmung. Wir hatten 2 Flaschen Wein geleert, viel gelacht und Clyde beneidete mich ernsthaft um "mein" Haus, in das ich schon am Wochenende gleich umziehen wollte. Es lag nicht weit von der Halle, so würde es mir auch nicht schwerfallen, jeden morgen pünklich zum Dreh zu kommen. Summend und ein bißchen taumelnd ging ich zu den Trailern, riß die Tür auf und ließ mich auf die Couch fallen. Sofort fielen mir die Augen zu und ich war gerade am eindösen, als ich ein Geräusch hörte.
Erschrocken fuhr ich auf und sah im Halbdunkel eine große Gestalt vor mir stehen. "Wer ist da?", hörte ich Davids Stimme und dann flammte auch schon das Licht auf. Ich kniff meine Augen zusammen und sah mich verstört um. Ich hatte den Wohnwagen verwechselt! David stand nur mit einem knappen schwarzen Slip vor mir und sah sauer aus. "Gillian? Ist was?" Ich war so herrlich bedöselt im Kopf, ließ meinen Kopf von unten nach oben über seinen Körper wandern. Die schmalen Fesseln, die langen Waden und sehnigen Schenkel. Die schlanken Hüften, der muskulöse Bauch. Die leicht behaarte und breite Brust. Die langen Arme, die kräftigen Schultern. Schließlich traf ich auf seine Augen. "Fertig jetzt? Wieviele Punkte bekomme ich?", meinte er selbstsicher. Ich stand auf und wankte auf ihn zu.
Dicht vor ihm blieb ich stehen. Ohne meine hochhackigen Schuhe, die Scully immer trug, reichte ich im gerade bis zu den Schultern. Sein Duft war umwerfend, leicht nach After-Shave, Duschlotion, Schlaf, Männlichkeit. Ich atmete tief ein. Dann streckte ich die Hände aus und fuhr ihm mit den Fingerspitzen über die Brust nach oben und legte dann sachte meine Handflächen auf seine Haut. Ich mußte einfach. Ich spürte seinen Herzschlag, der leicht beschleunigt schien. Ich fühlte seinen Atem auf meinem Haar und sah, wie er schluckte und sein Adamsapfel auf und ab ging. Dann hob ich den Kopf und sah ihm ins Gesicht.
"Gillian, was machst du da? Geht ins Bett!", raunte er. Was hatte er wohl gerade geträumt? Ich wußte, was ich tat war ein großer Fehler. David sehnte sich furchbar nach seiner Perrey und vergrub sich in die Arbeit. Er mied mich und die anderen Mädchen am Set, weil er treu sein wollte, dessen war ich mir sicher. Aber mein Verstand war benebelt. Clyde hatte mich geküßt heute Abend. Ich war verwirrt. David war so wahnsinnig sexy. Und irgendwie wollte ich ihm die letzten Wochen heimzahlen.
Immer in Erwartung, daß er mich wegstoßen würde, fuhren meine Hände weiter. Über seine Brustmuskeln, die Brustwarzen, die hart waren. Seine Seite, seine Taille seinen Rücken. Meine Lippen streiften nun seine Brust und er sog scharf die Luft ein. Da ich so dicht vor ihm stand, merkte ich, daß er bereits erregt war. Mister Intellektuell! Dachte ich bei mir.
In meinem Kopf summte es, und obwohl er nichts tat um mir entgegen zu kommen, mußte ich einfach weitermachen. Ich trat noch näher an ihn heran und seine Erektion stieß gegen meinen Bauch. Ich presste mich dagegen, ließ meine Hände über seinen glatten Rücken kreisen. Sein Herz schlug noch schneller und sein Atem ging heftiger. "Gillian, bitte", sagte er schwach.
Es lag nun in meiner Hand, das wußte ich. Ich wußte, er würde nicht widerstehen, er würde an mir seine Sehnsucht stillen. Aber was würde ich davon haben? Seine Verachtung. Gerade als ich mich losreißen wollte, schlang er seine Arme um mich und zog mich vollends zu sich her. Er beugte sich hinunter und küßte mich. Oh Gott, diese Lippen. Genau der richtige Druck um mir die Knie weichwerden zu lassen! Ich ergab mich vollkommen seinen Zärtlichkeiten, ließ seine Zunge in meinen Mund eindringen, erwiederte hungrig seinen Kuß.
Während er mit geschickten Händen mein T-Shirt abstreifte, erkundete er meinen Körper. Ich wurde fast ohnmächtig vor Lust, als er nach meinen Brüsten griff und mit dem Daumen meine Brustwarzen erhärten ließ. Seit Wochen hatte ich darauf gewartet! Er riß mir den BH förmlich herunter, machte sich dann an meiner Hose zu schaffen. Er schob mich dabei vor sich her und schien immer noch härter zu werden. Seine Lippen auf meinem Hals, meiner Brust. Seine Hand zwischen meinen Beinen.
Ich stieß schließlich gegen die Spüle und David faßte mir unter den Po und setzte mich darauf. Ich war inzwischen vollkommen nackt und versuchte mir diese Situation klarzumachen, in der ich mich gerade befand. Ich wollte mit David Duchovny, meinem Kollegen in dieser neuen Serie bumsen. Ich würde noch eine Weile mit ihm arbeiten müssen. Ich wußte, er würde niemals eine Beziehung mit mir eingehen. Verflucht, was tat ich nur?!
"Warte!" rief ich, als ich sein hartes Glied an meinem Schenkel spürte. Keuchend hob er den Blick. "Was?", krächzte er. "Ich... ich weiß nicht, ob das hier richtig ist!", sagte ich kleinlaut. Ob Gott, diese Funken, die seine grünen Augen jetzt versprühten. Seine Lippen wurden schmal. "Was treibst du für ein Spiel, Gillian? Was verdammt, soll das?" Auweia, das war wohl der falsche Zeitpunkt gewesen. Ich holte gerade Luft für eine Erwiederung, da zog er mich mit einem Ruck zu sich her. Erschrocken spürte ich, wie er meine Beine noch mehr auseinanderdrückte. Und schon stieß er hart in mich, so daß ich entsetzt aufschrie.
Seine Arme hielten mich fest wie ein Schaubstock. Verdammt, er war groß. Er war tierisch erregt. Ich hatte keine Chance. Nachdem er ein paarmal hart in mich gestoßen hatte und spürte, daß er mir wehtat, hielt er sich plötzlich zurück und wartete ein paar Sekunden. Er keuchte, sein Herz raste. Meins auch. Ich hatte Angst bekommen. Ich spürte seine Lippen über meinen Hals gleiten und seine Finger zärtlich über meine Wirbelsäule fahren. "Laß dich fallen, entspann dich", flüsterte er in mein Haar. " Wir bringen das gemeinsam zu Ende."
Ich hatte schon Tränen in den Augen und verfluchte mich selbst. Was hatte ich erwartet? David war über Wochen abstinent gewesen. Er vermißte seine Freundin. Ich hatte ihn ja angemacht. Ich versuchte, mich zu entspannen und mich auf seine Hände zu konzentrieren. Er küßte wieder meinen Busen und ich merkte, wie sich auch mein Unterleib lockerte. Er zog sich ein wenig zurück um dann wieder sachte einzudringen. Ich mußte aufstöhnen und öffnete mich ihm noch ein wenig mehr. Die Arme fest um seinen Hals geschlungen suchten wir einen gemeinsamen Rhytmus und fanden ihn schließlich. Ich schaffte es, meine Gedanken auszuschalten und meine Energie nach unten fließen zu lassen. David konnte es verdammt gut. Er beherrschte sich, obwohl ich das Pochen in seinem Penis spürte und wartete, bis sich mein Lust langsam steigerte.
Ich stöhnte lauter und vergrub meine Hände in seinem wundervollen Haar. Er hielt mich fest, völlig umschlungen und dosierte seine Stöße genau im richtigen Tempo, genau dem richtigen Druck, oh mein Gott, es war wahnsinn.
"Ahh, David, verdammt!", schrie ich auf und er verschloß meinen Mund rasch mit seine Lippen. Dann ließ auch er sich gehen, während ich mich in einem heftigen Orgasmus wand spürte ich, wie er sich heiß in mir ergoss. Dabei entfuhr auch ihm ein Stöhnen und sein gesamter Körper erbebte.
Nach einem Weilchen ließ er mich los und trat einen Schritt zurück. Er sah mich an, erhitzt, noch immer erregt, aber er lächelt nicht. Im Gegenteil, irgenwie lag eine Traurigkeit in seine Augen. Ich versuchte zu lächeln und ließ mich von der Spüle heruntergleiten. Ich wußte nicht, was ich sagen sollte, so suchte ich meine Klamotten und sammelte sie ein.
Ich spürte Davids Blick auf mir brennen. Nachdem ich mich einigermaßen angezogen hatte stand er noch immer nackt da und starrte mich an. "Warum, Gillian?", sagte er schließlich leise. "Warum machst du nur alles kaputt?" Ich ließ mich auf seine Couch fallen. Mein Körper bebte noch immer unter der langsam abebbenden Erregung und Davids Samen klebte zwischen meinen Beinen. "Es war schön", sagte ich. "Soll es mir jetzt leidtun?"
Ich hatte Angst davor, was er sagen würde. "Diese Produktion ist sehr wichtig für mich, verstehst du das?", begann er. "Sie ist meine und auch deine Chance, das solltest du dir mal klarmachen. Ich habe, genau wie wahrscheinlich du, 2000 Meilen von hier Menschen, die ich liebe und die ich nicht verletzen will. Ich will auch hier niemanden verletzen. Wir stehen hier unter einer enormen Belastung und wenn wir das ordentlich durchziehen wollen, müssen wir uns nunmal verdammt wie erwachsene Menschen benehmen!"
"Das war wohl gerade nicht erwachsen?", entfuhr es mir und ich sah ihn an, diesen wunderschönen, nackten Mann. Denn etwas anderes war David im Augenblick nicht für mich. Er ließ sich neben mich fallen und blickte mich ernst an. "Ich bin auch alleine, Gillian, genau wie du. Aber ich kann und will mich nicht mit dir einlassen!" " Du hast es aber getan", sagte ich. "Ja, das habe ich. Es tut mir leid. Ich gebe zu, es war schön. Wir haben es beide gebraucht, denke ich. Aber bitte, laß es zwischen uns, okay?" Er legte eine Hand auf meine Schulter und ich ließ meinen Kopf gegen ihn sinken. Seine Haut roch noch immer nach Sex und Schweiß und ich sog den Duft tief ein.
"Du wolltest mir die Bilder zeigen", lenkte ich plötzlich ab. Der Moment war vorbei und er stand auf. "Hier." Er griff nach den Faxblättern. "Ich gehe jetzt duschen und wenn ich rauskomme bist du weg, okay?" Ich nickte stumm.
Ich zog also in die Stadt. Chris war garnicht begeistert, denn er wollte mich nahe am Drehort haben. Dennoch überzeugte ich ihn, indem ich die Disziplin in Person war und mein Bestes gab.
Das Haus von Steven war wundervoll. Ein kleines, zweistöckiges Reihenhaus mit einer Dachterrasse. Dort saß ich oft nach Drehschluss, wenn ich zu aufgewühlt zum Schlafen war und starrte in den Himmel.
Clyde war oft bei mir. Ich schlief mit ihm. Ich weiß bis heute nicht, ob ich ihn je richtig geliebt habe, aber ich brauchte ihn, er war da, munterte mich auf, war zärtlich und vergötterte mich. Chris beäugte unsere Beziehung misstrauisch, sagte aber nichts.
Mit David lief es eigentlich wie immer. Manchmal war er verschlossen, manchmal war er ekelhaft, manchmal ein echter Goldschatz. Wir gaben unseren Figuren allmählig Charakter. Ich wußte inzwischen, wohin ich Scully führen wollte und mochte es, daß Chris mit seinem Skript darauf einging. Scully ließ sich nicht unterkriegen. Sie ließ nicht locker. Obwohl in dieser Zeit weder das FBI, noch Mulder ihr richtig trauten, blieb sie beharrlich auf ihrem Weg.
Wenn David und ich unsere Wortgefechte austrugen, bei denen ich immer geschickter und überzeugender agierte, waren wir Mulder und Scully.
Die Crew hielt manchmal den Atem an nach einer besonders guten Szene oder es gab spontan Applaus. Dann kam es vor, daß David mich kurz in den Arm nahm und an sich drückte. Es waren Augenblicke, die ich genoß.
An manchen Tagen tat mir alles weh vor Lachen, wenn alle entspannt waren, die Quoten nicht ganz so schlecht und ich einen Kicheranfall nach dem anderen bekam.
An anderen Tagen weinte ich mich in Clydes Armen in den Schlaf und wollte alles hinschmeißen.
In einsamen Nächten jedoch, wanderten meine Gedanken immer wieder hin zu diesem Erlebnis in Davids Wohnwagen.
Er war genau 8 Jahre älter als ich, hatte nur ein paar Tage vor mir Geburtstag. "Die zwei Löwen zerfleischen sich wieder", pflegte Chris zu sagen, wenn es wieder ganz schlimm war.
Ich wußte, David hatte viele Frauen gehabt. Ich fand ein paar Dinge raus über ihn, auch über die früheren Filme, die er gemacht hatte. Einmal wollte ich ihn damit ärgern, aber ich erwischte ihn auf dem falschen Fuß. Er keifte mich an, ich solle diesen kindischen Quatsch gefälligst seinlassen.
Ich wußte auch, daß er bekannt war als totaler Frauenheld. Ich wunderte mich im nachhinein, daß er dieser Perry so verbissen treu war. Na, vielleicht war sie ja seine große Liebe.
Mich wunderte dann jedoch, daß sie noch nie hier aufgekreuzt war!
Ich selbst war auch kein Kind von Traurigkeit, aber nicht gerade sexuell sehr erfahren. Tatsache war, daß ich noch nie so einen Orgasmus wie mit David erlebt hatte. Auch mit Clyde nicht. Fast hasste ich mich für solche Gedanken.
Ich saß auf der Terrasse und hielt eines der Bilder in der Hand, die mir David gegeben hatte. Mein Gott, wie winzig kann man sein? Ich fand mich geradezu lächerlich neben seiner großen Gestalt. Ich kritzelte gedankenverloren auf dem Blatt herum. "Du warst mein erster Orgasmus" schrieb ich quer über Davids Gesicht.
Mann, wie sollte das alles nur weitergehen?
Feuer
Wir drehten die Folge "Feuer". Am Set herrschte Aufregung ob der zwei englischen Gastdarsteller, Amanda Pays und Mark Sheppard. David war überhaupt nicht gut drauf. Sein Part war diesmal sehr sensibel, denn zum erstenmal erfuhr man etwas über Mulders Vergangenheit mit Frauen. Amanda sollte seine Ex spielen, die ihm das Herz gebrochen hatte. Mulder mußte es Scully gestehen. Es war sehr schwierig für David, das merkte ich. Dazu kam, daß er wirklich nicht sehr begeistert von Feuer war, wovor Mulder laut Drehbuch panische Angst haben sollte.
Ich fand das Drehbuch toll, denn Scully durfte einen Hauch von Eifersucht gegenüber der englischen Dame zeigen.
Mit Amanda verstand ich mich ausgezeichnet. Sie erinnerte mich an meine Kindheit in England und schon nach ein paar Sätzen mit ihr klang ich wie eine Dame aus Nord-London. Clyde, Chris und die andern aus der Crew amüsierten sich königlich darüber und nannten mich "her royal highness".
Ich verstand Davids miese Laune nicht, aber ihn zu fragen war ja sowieso zwecklos.
Die Pyrotechniker taten ihr bestes für die Feuer-Szenen und wir waren alle unheimlich aufgeregt. Sie hatten in der Halle einen Korridor konstruiert, durch den David rennen mußte. Die Wände und die Decke standen in hellen Flammen.
Atemlos sahen wir der Szene zu, dann stolperte David plötzlich und knallte gegen die Wand. Es regnete einige Funken von der Decke und Chris brüllte: "Komm sofort raus da!!"
Nach endlosen Sekunden, bei denen wir alle die Luft anhielten, hatten sie ihn rausgezerrt. Er hustete wie verrückt und hielt sich verkrampft die Hand. "Ruft schnell die Sanis!" schrie ich und war rasch bei ihm. Ich zog seine Hand zu mir her und sah die böse Verbrennung die er hatte. "Schnell, ein kaltes Tuch!" David sah mich merkwürdig an, dann schoben mich schon die Sanis weg.
Für diesen Tag waren die Dreharbeiten zu Ende.
Die Sanis fuhren David ins Krankenhaus. Chris meinte, wir könnten alle heimgehen, aber irgenwie waren wir zu aufgeregt. Ich unterhielt mich noch eine Weile mit Amanda. "David ist ein merkürdiger Mensch", sagte sie, "Ich meine, wenn er spielt kehrt er sein Innerstes nach außen! Man glaubt zu sehen, was er fühlt und denkt! Aber dann geht der Vorhang zu und er ist verschlossener als die Kronjuwelen." Ich mußte lachen. "Ja,", sagte ich gedankenverloren, "er ist wirklich ein merkwürdiger Mensch. Wir drehen hier jetzt schon seit 4 Monaten und er hat mich nicht einmal zu einem Drink eingeladen." Ich grinste Amanda an und die musterte mich neugierig. Oh, Engländer lieben Tratsch. "Ist er vielleicht schwul? Ich habe garkeine Frau bei ihm gesehen!"
Ich wußte nicht warum, aber ich wurde rot. "Die Kussszene mit ihm lief doch gut, oder?", neckte ich sie. Sie seufzte tief. "Wie man es nimmt. Chris mußte praktisch seine Arme nehmen und um mich legen, sonst hätte er mich nur angestarrt."
Ich war erstaunt. "Verstehe ich nicht. Sonst ist er doch nicht...." Ich biß mir auf die Zunge. Amandas braune Augen blitzten. "Sag schon, sag schon, ich behalte es auch für mich!", drängte sie. "Bis ich es dann in der SUN lesen kann, wie?", lachte ich. Auch sie lachte und fragte nichmehr weiter.
Da Clyde wegen des Unfalls und des weiteren Drehs am Morgen am Set bleiben musste, fuhr ich an diesem Tag alleine in die Stadt zurück. "Warte nich auf mich, Schatz", meinte er und küßte mich. "Ich weiß nicht, wie spät es hier heute wird!" "Geht okay!" Ich nickte allen zu und verschwand.
Ich schreckte hoch, als es an der Tür klopfte. Mann, ich war mal wieder auf der Couch eingeschlafen! Nach dem frühen Drehschluss hatte ich ein ausgiebiges, wundervolles Bad genommen und mich mal wieder so richtig verwöhnt. Daß ich dabei schon wieder an David dachte, ließ ich einfach zu.
Wieder klopfte es und ich rappelte mich auf. Ich trug nur Shorts und ein Spaghetti-Träger-Top, denn heute war ausnahmsweise ein schwühlwarmer Tag, einer der wenigen heißen Tage in Vancouver. Ich öffnete die Tür, Clyde konnte es ja nicht sein, denn der hatte einen Schlüssel. "David!" Ich rief es fast erschrocken aus. Daß er vor mir stand, brachte mich total aus dem Konzept. Ich fühlte mich plötzlich nackt in meinen leichten Klamotten.
"Darf ich reinkommen?", fragte er und ich trat rasch zur Seite. "Wieso bist du nichtmehr im Krankenhaus?", wollte ich wissen. Er antwortete nicht gleich, sondern sah sich im Haus um. "Wie hübsch es hier ist", sagte er anerkennend. "Du hast richtig Glück!" Ich nickte. "Setz dich doch, ich hole dir Wasser. Oder willst du lieber Kaffee?" David nickte und ließ sich auf die Couch fallen. Er trug andere Kleidung wie heute morgen so wußte ich, er war vorher im Wohnwagen gewesen und dann erst hergekommen.
"Am Set herrscht totale Aufregung", rief er in die Küche in der ich die Kaffemaschine befüllte. "Chris hat mich in den Wohnwagen verbannt und morgen ist auch Pause."
Ich kam zurück und zeigte auf seine bandagierte Hand. "Tut’s sehr weh?" Er nickte. "Ich habe eine Spritze bekommen, aber es pocht wie verrückt", meinte er. "Mulder hat sich echt in Gefahr gebracht", grinste ich. Auch er lächelte. "Ja, Chris nimmt uns verdammt hart dran." Eine Weile schwiegen wir vor uns hin.
"David", begann ich dann, "warum bist du hier?" Ich sah ihn an und er starrte auf seine Hände. Dann zuckte er die Schultern. "Ich schätze, daß mir irgendwie nach Gesellschaft war", sagte er dann. "Der Kaffee ist fertig!" Ich stand auf und hantierte in der Küche herum. In meinem Kopf drehte es sich. Verdammt, was wollte er? Ich dachte immer, daß ich mit der Situation umgehen konnte, aber jetzt war ich überfordert. Und ich wußte nie, wie nahe er mich ranließ.
Als ich mich mit den Tassen in der Hand umdrehte, stand er hinter mir und ich fuhr zusammen. Er hielt ein Blatt in der Hand. "Was ist denn das?", wollte er wissen und da waren wieder diese Funken in seinen Augen. Ich sah gleich, was er hatte. Das bekritzelte Fax. "Das ist die Wahrheit", sagte ich und ging an ihm vorbei um die Tassen auf den Tisch zu stellen. Mein Gott, wo war das Loch, in das ich mich verkriechen konnte???
David folgte mir. Ich flatterte davon und holte den Kaffee, Milch und Zucker. Da nahm David mich am Arm. Sah mir ins Gesicht. Was erblickte ich? Unsicherheit? Verlangen? Verwirrung? David hob seine Hand und berührte mein Gesicht. Strich sachte mich dem Daumen über meinen Wangenknochen. Meine Knie wurden weich und leicht begegnete ich seiner Berührung. Doch dann schaltete sich wieder mein Verstand ein. "Du solltest gehen", hörte ich mich sagen, obwohl mein Körper schrie: nimm ihn! nimm ihn!
Er sagte nichts. Seine Hand wanderte über meinen Hals hinunter über meine nackte Schulter. Eine Gänsehaut überzog mich augenblicklich. Er beugte sich hinunter und legte seine Lippen in meine Halsbeuge. Strich über meine Haut mit genau der richtigen Mischung aus Zärtlichkeit und Verlangen. Ich wurde augenblicklich weich. Meine Hände schlangen sich um seine Taille und ich zog ihn zu mir her.
David küsste mir den Spaghetti-Träger von der Schulter. Seine langen Finger strichen mir über die Arme. Er ging langsam in die Hocke und zog dabei das Top immer weiter herunter. Die Hände auf meinen Hüften liebkoste er meine Brust mit der Zunge und ich schloß aufstöhnend die Augen. Ich presste mich ihm entgegen und spürte wie die Feuchte zwischen meine Beine schoß. Alle Nervenbahnen schienen direkt von meinen Brustspitzen in den Unterleib zu führen und dieses Ziehen wurde beinahe unerträglich. Ich wühlte meine Hände in sein Haar und atmete abgehackt, glaubte, daß ich alleine von seinem Mund auf meinen Brustwarzen kommen würde.
Davids Finger hakten sich am Rand meiner Shorts ein und zogen sie langsam nach unten, zusammen mit meinem Höschen. Seine Lippen bedeckten meinen Bauch, meinen Schamhügel, gingen tiefer.
"David, David, was tust du nur?", hauchte ich mit rasendem Herzen, doch ich hatte schon längst verloren. Was immer seine Absicht war, warum er gekommen war, ich würde alles tun, was er wollte.
Als ich plötzlich seine Zunge an meinen Schamlippen spürte, knickten mir die Knie ein und ich sank zu Boden.
Er war über mir. Zerrte sich hastig das T-Shirt über den Kopf, wobei er kurz das Gesicht verzog, weil ihn seine Hand schmerzte. Ich nestelte unterdessen an seinem Hosenbund, öffnete die Hose und zerrte sie ihm nach unten. Nur noch die Boxershorts zwischen uns beugte er sich zu mir hinunter. Ich fühlte ihn, seine kräftigen Arme, die Brust in der sein Herz erregt hämmerte.
Doch er ließ sich wie immer Zeit. Voller Konzentration aktivierte er eine erogene Zone nach der anderen an meinem Körper. Ich wußte nicht, wie laut ich war, aber durch das offene Fenster konnten die Passanten sicher einiges hören. Egal. Jetzt. Hier. Der geilste Sex meines Lebens.
Davids Mund war wieder nach unten gewandert. Er schmeckte mich. Er machte mich total verrückt. Ich kam heftig. Und dann nochmal.
Er hob den Kopf und lächelte. Gott, für dieses Lächeln hätte ich meine Oma verkauft! "Jetzt bist du dran!", keuchte ich und richtete mich auf. Ich zerrte ihm seine Shorts über die Beine und starrte auf seine riesige Erektion. In seinem Blick sah ich animalisches Verlangen. Ich drückte ihn leicht nach hinten und schob mein rechtes Bein über ihn. Dann setzte ich mich auf ihn und nahm ihn Stück für Stück in mir auf. Ich sah, wie er genüßlich die Augen schloß und küßte ihn. Er richtete sich wieder auf und schlang seine Arme um mich. Eine Weile saßen wir völlig vereint, zitternd vor Erregung und lauschten unseren Herzschlägen.
Dann hob ich langsam meinen Unterleib und entließ ihn ein wenig, nur im ihn wieder völlig aufzunehmen. Er versenkte sein Gesicht an meinem Hals und stöhnte leise. Unsere Bewegungen wurden schneller, ebenso unser Atem und unser Herz. All unsere Sinne waren auf unseren Unterleib konzentriert, und alles um uns herum existierte nichtmehr.
Ich spürte ganz genau, als er sein Gehirn ausklinkte und seinem Körper die Kontrolle überließ. Seine Stöße wurden hektischer. Er stöhnte laut in mein Haar, er rief meinen Namen. Auch ich fühlte eine neue Welle anrollen, was ich nie für möglich gehalten hätte. David bäumte sich gegen mich und stimulierte genau mein Zentrum und lange Wellen die sich in meinem Unterleib ausbreiteten brachten mich fast um den Verstand. Er schrie fast auf als sein Samen aus ihm herausgeschleudert wurde und ich fühlte jede einzelne Kontraktion. Ich biß ihm ins Ohrläppchen, an dem ich gerade gesaugt hatte und er zuckte zusammen.
Während wir uns langsam beruhigten und ins Hier und jetzt zurückkehrten, hielten wir uns noch immer wie zwei Ertrinkende umklammert.
Wie lange saßen wir so da? Ich sog seinen intensiven Duft ein, zitterte noch immer ob dieses Erlebnisses gerade. Würde ich je wieder mit Clyde schafen können? fuhr es mir durch den Kopf. Da hörte ich leise Davids Stimme an meinem Ohr: "Jetzt tut auch noch mein Ohr weh." Ich hob meinen Kopf und sah ihn an. "Oh Gott, David!", rief ich aus, als ich Blut von seinem Ohrläppchen tropfen sah.
Ich ließ ihn aus mir herausgleiten, wenn auch widerwillig und stand auf. "Ich hole schnell was! Warte!"
Als ich zurückgelaufen kam, in der Hand Watte und Jod, saß er auf der Couch und hatte wieder seine Shorts an. "Ist schon in Ordnung, Gillian, danke", wehrte er meine Versuche ab, ihm das Ohr zu verarzten. "Tut mir wirklich leid", lächelte ich verlegen und plötzlich schämte ich mich ein bißchen, so nackt vor ihm. Rasch hob ich meine Sachen auf. "Ich dusche nur rasch, nimm dir doch einen Kaffee!", sagte ich und stob davon. Davids Blick konnte ich wie immer nicht ergründen.
Ein bißchen hatte ich ja Angst, er würde weg sein,wenn ich aus dem Bad kam, aber er saß am Tisch, fertig angezogen und hielt gedankenverloren die Kaffeetasse in der Hand. Ich setzte mich zu ihm und schenkte mir auch einen Kaffee ein.
"Was war das jetzt?", fragte ich schließlich nach einer halben Ewigkeit. "Sex", antwortete er lapidar. "Mehr nicht?", wollte ich wissen. Er sah mich an. "Was meinst du damit?" "Ich meine damit, daß du hierhergekommen bist wegen Sex?", ich schluckte meine aufkeimende Panik hinunter. Er lächelte rätselhaft und strich mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, ähnlich wie Mulder es gelegentlich bei Scully tat. "Eigentlich nicht, nein. Heute ging es mir beschissen, weißt du. Perrey hat nicht angerufen. Dieser dumme Unfall, die verpatzte Szene mit Amanda. Es ist komisch, Gillian. Ich mag dich. Aber du nervst mich auch. Du bist die Art von Mädchen, mit denen man als Kind Klingelputz machte oder Kirschen klaute. Du bist ein Kumpel. Aber ich habe auch Angst, daß alles auseinanderfällt, wenn ich mich zu sehr auf dich einlasse."
"Ach, und mit einem Kumpel hat man auch einen verdammt guten Fick?", sagte ich grob. "Gelegentlich". Er seufzte tief. "Ich hoffe, du bist mir nicht böse." "Immerhin hast du beim Orgasmus nicht Perrey geschrien", sagte ich ein bißchen bitter. David nahm meine Hand. "Freunde?" Ich senkte den Blick. "Ich rieche noch immer nach dir und meine Schenkel zittern. Es fällt mir schwer, darauf jetzt einzugehen", gestand ich. "Was ist mit Clyde?", fragte er plötzlich und ich zuckte zusammen. Ich berührte sein lädiertes Ohr. Dann sammelte ich mich. "Clyde ist das Beste, was mir je passiert ist. Er will mich heiraten, weißt du. Er passt auf mich auf. Aber du machst mir die Entscheidung nicht gerade leicht." "Clyde ist ein verdammt anständiger Kerl", sagte David. "Sowas läuft nicht massenhaft auf der Straße herum."
"Ich weiß aber nicht, ob ich einen anständigen Kerl will", sagte ich und fuhr mit der Hand Davids Schenkel hinauf. Er atmete schnell ein und stand dann auf. "Ich muß jetzt gehen", sagte er. "Wir sehen uns morgen." "Kein Abschiedskuß?", fragte ich und versuchte ein Lächeln. "Besser nicht. Gute Nacht, Gillian." Und weg war er.
Am nächsten Tag wurde ich krank. Ich habe keine Ahnung, wer von der Crew den Virus angeschleppt hatte, aber mindestens ein Drittel der Jungs und Mädels hingen über der Schüssel, inklusive Chris.
Ich spürte schon kurz nach dem Frühstück, wie sich mir plötzlich der Magen umdrehte und ich schaffte es gerade noch bis zur Kloschüssel. Die folgenden 24 Stunden verbrachte ich zwischen Klo, Bett und Eimer und fühlte mich so elend, daß ich am liebsten gestorben wäre. Clyde hatte sich zum Glück nicht angesteckt, ebenso David, wie ich von ihm erfuhr.
Clyde war bei mir und kümmerte sich liebevoll um mich, flößte mir Tee ein und brachte mir den Eimer, wenn es nichtmehr zum Klo reichte.
"Die Dreharbeiten sind für diese Woche ausgesetzt, kein Thema", erzählte er nach einem Telefonat mit Chris. "Davids Hand muß ja auch noch heilen und es laufen auch noch die Verhandlungen um die zweite Staffel."
Er tupfte mir die Stirn mit einem feuchten Lappen ab und ich sah ihn erstaunt an. "Zweite Staffel? Wirklich?" Er lächelte und küßte mir die Nasenpitze. "Ja! Weiß der Teufel, wie Chris und David das geschafft haben. Die Quoten von "Space" waren einfach grauenhaft!" Grinsend nahm er ein Heft auf und zeigte es mir. "Hier, schau, ein Interview mit David!" Es war das People-Magazine. Wie so hatten die mich nicht auch gefragt? "Hier steht auch was über dich...", begann Clyde. "Wie nett, daß ich auch erwähnt werde", meinte ich trocken und da mußte ich mich auch schon wieder würgend über den Eimer beugen.
David fragte nicht einmal nach mir und ich versuchte endgültg ihn mir aus dem Kopf zu schlagen. Als es mir endlich besser ging, rief ich ihn an. "Wie bist du nur davongekommen?", knurrte ich. "Keine Ahnung, pures Glück. Hast du schon von der zweiten Staffel gehört?" Er klang aufgekratzt. "Ja! Ist es durch?", fragte ich. "Und ob!", rief er, "Und das Beste ist: Perrey kommt her!" Ich mußte einen dicken Kloß hinunterschlucken, der sich in meinem Hals plötzlich festsetzte. "Wie schön", krächzte ich und beendete schnell das Gespräch.
Die Botschaft
Die nächste Folge, die wir drehten, war sehr anspruchsvoll. Ich kannte das Drehbuch und war sehr nervös, als es losging. Mein Part in dieser Folge war der Mittelpunkt. Scullys Vater starb in dieser Folge und ich hatte einige sehr emotionale Szenen. Jeden Abend übte ich, auf Kommando zu weinen, aber fast immer brauchte ich das Zwiebelspray, das ich immer bei mir hatte. Clyde lachte sich kaputt, als er mich mit verzerrtem Heulgesicht vor dem Spiegel sitzen sah.
Die Rolle des Luther Lee Boggs, ein irrer Massenmörder, spielte Brad Dourif. Dieser Mann war mir fast unheimlich, so gut war er. Seine dämonischen Augen verfolgten mich sogar im Traum. David hatte eine Szene, in der er angeschossen wurde. Er wurde von der Maske über und über mit Kunstblut besudelt und auf eine Krankenbahre geschnallt. Als ich so dastand, um mich herum alle hektisch und panisch, kamen mir wiklich die Tränen.
Chris lobte mich und ich hatte es schwer diese Episode abzuschütteln. Mulder und Scully nähern sich vorsichtig an, einmal streichelt Mulder Scully zart über die Wange. Ich starrte in Davids Augen und fragte mich zum tausendsten mal, warum das Schicksal es bestimmt hatte, daß sich unsere Wege je gekreuzt hatten.
Die Folge war halb abgedreht, als David Besuch bekam: Perrey Reeves, seine geheimnisvolle Freundin. Ich staunte, denn Perry war kein mondänes Vollweib, sondern eine sehr zierliche eher kleine Person mit einer sehr zurückhaltenden Art. Natürlich war es für sie auch merkwürdig in unsere kleine Akte-X-Familie einzufallen, da war ich mir sicher. Perry begrüßte auch mich freundlich und irgendwie konnte ich nun verstehen, wieso David so vernarrt in sie war.
Sie wußte ganz genau, was er wann brauchte, sie kannte ihn wahrscheinlich besser als seine eigene Mutter. Wenn sie in der Nähe war, war David vollkommen entspannt, lachte viel, war ausnahmsweise normal. Morgens kam er mit glänzenden Augen ans Set. Mit einem komischen Gefühl im Bauch dachte ich an den Sex mit ihm. Perrey hatte es gut...
Nach einer Woche reiste sie jedoch schon wieder ab. David hatte sich total mit Chris angelegt, weil er wollte, daß Perry eine Rolle in der nächsten Episode bekam. Perrey war nämlich auch Schauspielerin. Chris hatte aber seine eigenen Vorstellungen und das Casting war sowieso abgeschlossen.
"Mann, hat der sich aufgeführt", erzählte mir Clyde. "Ich dachte echt, er springt Chris an den Hals." "Wie hat Chris ihn beschwichtigt?", fragte ich neugierig und kuschelte mich an seine Schulter während ich Erdbeeren aus einer Schüssel naschte. "Er läßt ihn die letzte Folge der Staffel mitschreiben", erklärte Clyde und streichelte meinen Nacken. "Ich muß auch zugeben, daß er ein paar ganz brauchbare Ideen hat." Ich schnaubte. "Ja, ja, Mister Intellektuell!" Clyde sah mich erstaunt an und nahm mir eine Erbeere aus der Hand. "Ich dachte, es läuft ganz gut zwischen euch?" Ich seufzte tief. Wenn er wüßte... "Ja, tut es", antwortete ich ausweichend. Clyde ließ aber nicht locker. Er griff mir unters Kinn und drehte meinen Kopf zu sich her. "Was ist vorgefallen?" Ich senkte den Blick. "Es ist... weißt du, wir werden langsam bekannt. David wird bekannt, verstehst du? Er ist so versessen darauf jetzt Karriere zu machen, daß er sich mit allen Mitteln in den Vordergrund spielt. Die Serie heißt aber nicht Mulder, oder?"
Clyde nickte und streichelte von meinem Nacken hinunter zu meinem Rücken und ich entspannte mich. "Du hast recht. Aber ich bin sicher, nach dieser Folge.... mann, du warst so gut, Gillian!" Ich lächtelte und küßte ihn glücklich. "Wenn ich dich nicht hätte!" Er zog mich enger zu sich her und massierte mich weiter mit langsamen Bewegungen. "Du kannst mich immer haben, wenn du willst, Liebling! Wann heiratest du mich?", fragte er leise. Ich seufzte tief. "Wann können wir?"
Schwanger!
2 Wochen später ging es mir plötzlich wieder dreckig. Ich war nervös, hatte Kopf und Leibschmerzen und das Schlimmste: meine Periode ließ auf sich warten. Ich suchte innerlich nach allen möglichen Gründen und versuchte meinen Verdacht zu verdrängen. Nein, es war nicht möglich, ich nahm schließlich die Pille. Mir wurde morgens schlecht. Ich haßte jeden Menschen, der rauchte oder Kaffee trank.
Clyde bemerkte das alles sehr wohl. "Verdammt, Gillian, geh endlich zum Arzt: So kannst du nicht arbeiten!" Ich schob ihn von mir. "Ich bin nur müde, das ist alles!"
Als ich endlich einen Schwangerschafts-Test kaufte, war ich bereits 6 Wochen über Zeit. Ich übergab mich jeden morgen und begann langsam zu rechnen: Klar, diese verfluchte Magen-Darm-Grippe! Es war schließlich bekannt, daß die Pille nicht richtig wirken konnte, wenn man alles wieder von sich gab. Ich saß auf einem Stuhl im Wohnzimmer und starrte auf den Becher mit der klargelben Flüssigkeit. Darin lehnte ein Stäbchen, das sich langsam vollsog. Die Flüssigkeit passierte das Testfenster und ein deutlicher roter Streifen erschien. Ich hielt die Luft an. Das zweite Fenster: es wurde dunkel. Und ganz blass aber deutlich sichtbar erschien ein dünner rosa Streifen.
Mit zitternden Händen nahm ich nochmal die Gebrauchsanweisung in die Hand: 99% sicher. Roter Streifen = schwanger.
Wie betäubt starrte ich den Test an. Mein Herz raste. So viele Gedanken fluteten meinen Kopf, daß ich fast ohnmächtig wurde. Ein Kind? Ein Kind? Ich war 26 Jahre alt und stand am Anfang einer Karriere, einer Chance, die sich mir vielleicht nie wieder bot. Ich war ledig. Okay, verlobt, aber doch ledig. Und.....
Wie ein Schlag traf mich die Erkenntnis, als ich an David dachte. Kurz rechnete ich nach. Auch er kam in Frage als Vater!! Ich nahm den Teststab in die Hand. Diese zitterte so, daß ich fast den Urinbecher umgeworfen hätte. Dann legte ich mein Gesicht auf die Tischplatte und weinte leise.
"Ja, was ist?" Davids ungeduldige Stimme aus dem Inneren seines Wohnwagens ließ mich zögern, da riß er auch schon die Tür auf. "Ach du bist es! Komm rein!" Er trug nur eine Shorts und hatte feuchtes verstrubbeltes Haar. Hatte wohl gerade geduscht. "Wasser? Tee? Bier?", bot er an, doch ich schüttelte nur den Kopf und setzte mich auf seine Couch.
Ohne Umschweife sagte ich: "David, ich bin schwanger." Tick, tick, tick... einen Augenblick hörte man nur das Geräusch seines Weckers auf der Kommode. Dann setzte er sich neben mich und nahm meine Hand. "Gillian! Was für Neuigkeiten! Bist du Glücklich?" Glücklich! Fast hätte ich geweint. "Ich... ich denke ja!", brachte ich hervor. "Aber..." "Aber? Was sagt Clyde? Ihr wolltet doch heiraten, hast du gesagt!" Meine Augen waren auf seine nackte Brust geheftet.
"Ja... er weiß es noch garnicht." David zog erstaunt seine Hand zurück. "Was? Wieso?" Ich blickte in sein Gesicht und langsam schien es ihm zu dämmern. "David, es ist möglich", sagte ich nur und nun kullerte doch eine Träne über meine Wange.
David atmete heftig. Er setzte mehrfach zum Sprechen an, brachte aber nichts heraus. "Bist du sicher?", meinte er schließlich. Männer! Fuhr es mir durch den Kopf. Erst gedankenlos ihren Samen verteilen und dann panisch werden! "Ich bin ganz und garnicht sicher, David. Sicher ist nur der positive Test. Nachdem du bei mir warst, hatte ich diese Grippe. Die Pille konnte nicht wirken. Oder glaubst du etwa, ich hätte es darauf angelegt?" David knetete seine Hände. Er knetete sie so verbissen, daß seine Knöchel knackten. Er sagte so lange nichts, bis ich ihn schließlich wieder ansah. "David?", fragte ich erschrocken als ich sah, daß ihm die Tränen herunterliefen. Ohne einen Laut von sich zu geben weinte er vor sich hin.
Dann begann er zu reden: "Weißt du was, Gillian? Ich hatte immer ganz genaue Pläne. Die Schule, das Studium. Immer wollte ich der Beste sein. Ich dachte immer, wenn ich der Beste sein würde, käme Dad vielleicht wieder zurück, irre, nicht? Ich wollte Professor werden, wie meine Mum. Ich wollte eine nette Frau finden, ein Haus kaufen und der beste Vater von mindestens 3 Kindern sein!" Er schniefte und sah mich schließlich an. "Dann erfasste mich irgendwie diese Schauspielerei. Die Mädchen kamen. Sie hatten an mir einen Narren gefressen und ich nütze es weiß Gott aus. Ich wartete aber immernoch auf die Richtige. Ich machte ein paar schlechte Filme und erntete die Verachtung meiner Mum. Weißt du eigentlich, daß ich vor jeder Premiere Angst hatte, meine Mum würde kommen?", er lachte bitter auf. "Ich spüre ganz genau, daß diese Show was besonderes ist. Seit ich hier mitarbeite, bin ich froh, meine Dissertation hingeschmissen zu haben. Das hier ist der große Wurf, ich weiß es!"
Er griff wieder nach meiner Hand. "Auf die richtige Frau warte ich aber noch, Gillian." Ich schluckte und wischte meine Tränen weg. Wie konnten einem schlichte Worte so weh tun? "Und Perrey?", brachte ich heraus. David ließ sich zurückfallen. "Ich liebe Perry, wirklich. Aber ich weiß nicht, ob sie und das hier zusammenpassen. Eine weitere Staffel ist geplant. Verdammt, weitere 10 Monate an denen wir nur telefonieren oder uns kurz sehen. Ist das eine Beziehung?" Mit beiden Händen fuhr er sich über die Augen.
"Soll ich dieses Kind nicht bekommen?", fragte ich, "Die schmeißen mich doch bestimmt aus der Show!" David sah mich an. "Es könnte doch auch von Clyde sein, oder?" Ich senkte den Blick und fühlte mich wie eine Schlampe. "Ja", sagte ich nur. "Möchtest du es bekommen?", fragte er weiter. "Ja", sagte ich fest. David legte den Arm um mich. "Ich verspreche dir, Gillian, du bleibst in der Show. Wenn du die Kraft aufbringst, das durchzuziehen. Chris steht hinter dir. Und du hast auch Clyde. Und mich." Er küsste sachte mein Haar, doch ich zuckte zurück. "Solange ich dich nicht als Vater in die Pflicht nehme, was?"
"Ich werde dazu stehen, wenn du es willst. Und wenn es wirklich von mir ist", sagte er, doch er klang resigniert. Nein, das wollte ich nicht. Aber Clyde ein Kukuksei unterschieben, war das fair? Mein Gott, dies war die schwerste Entscheidung meines Lebens. Aber ich war kein Mensch, der mit Lügen leben konnte.
"Ich werde mit Clyde reden", sagte ich fest und stand auf. "Aber du mußt mir eines sagen, David: Was ist es, das du für mich fühlst?" "Ich liebe dich. Aber wie eine Schwester. Ich weiß, ich hätte nicht zu dir kommen sollen. Aber es... nun ja... es war sehr schön mit dir." "Weiß es Perrey?", fragte ich. David zuckte die Schultern. "Vielleicht. Ich habe ihr nichts gesagt." "Warst du ihr sonst immer treu?", bohrte ich weiter. "Ja, das war ich. Aber als du hier gesessen hast, war meine Kraft schon ziemlich aufgebraucht!"
Ich beugte mich schließlich zu ihm hinunter und küßte ihn zart auf die Lippen. Sog noch einmal seinen Duft ein. "Bitte, sag Chris erstmal nichts. Ich werde selbst mit ihm reden". David nickte und streichelte meine Wange. "Du schaffst das", lächelte er.
Es wurde alles viel, viel schwieriger als ich es mir vorstellte.
Als ich nämlich heimkam, stand Clyde vor mir mit seiner gepackten Tasche. Ich hatte ihn noch nie so wütend gesehen! "Ach, da bist du ja!", fuhr er mich an. "Kann ich mich ja noch persönlich verabschieden!" "Was... was ist los?", rief ich. Er musterte mich. "Wo kommst du her? Wo warst du?" "He, langsam, Clyde! Seit wann Kontrolle?" Ich wurde leicht wütend, denn ich hasste Szenen, bei denen ich nicht wußte, um was es ging.
"Hast du dir wieder einen Orgasmus geholt?" Clyde ließ seine Tasche fallen, griff in die Jacke und zog ein zerknittertes Blatt heraus. Das warf er mir vor die Füße. "Ich hätte es wissen sollen!", rief er mit erstickter Stimme. Mensch, noch einen heulenden Mann würde ich nicht aushalten! Ich griff nach dem Blatt und faltete es auseinander. "Du warst mein erster Orgasmus" quer über Davids Gesicht geschrieben. Ich sah Clyde an.
"Du treibst es mit ihm!", schrie er, "Verdammt, Gillian, ich wollte dich heiraten!" Seine Lippen zitterten, aber mir war das alles jetzt zuviel. Er hatte ja vollkommen recht. Ich war mies. Und ich fühlte mich mies. Trotzdem mußte es jetzt raus. "Clyde, ich bin schwanger", sagte ich wie kurz zuvor zu David. "Und? Freut sich David? Wann läuten die Hochzeitsglocken? Mann, was für eine PR! Gratuliere!" Er griff nach seiner Tasche und wollte an mir vorbeistürmen. Ich fasste ihn am Arm. "Es kann auch dein Kind sein!"
Er riß sich los und blitzte mich an. "Wie schön! Es kann! Vielleicht werden es auch Zwillinge! Eins von ihm, eins von mir! Hast du dich wenigstens gewaschen, bevor du zu mir gekommen bist?" Klatsch! Ich hatte ihm ins Gesicht geschlagen. Ich bebte vor Wut. "Verdammt! Was soll das? Nennst du das Toleranz? Nennst du das Gleichberechtigung? Was seid ihr Männer doch für tolle Hechte, wenn ihr so viel wie möglich eurem wertvollen Erbgut verteilt! Was sind wir doch für Schlampen, wenn wir es wagen, einen anderen Mann auch nur anzusehen! Wohnt David etwa hier? Geht er hier ein und aus? Gut, es ist passiert, aber hast du überhaupt gefragt, warum? Nein, dich interessiert doch nur dein verletzter Stolz! Hör mal, glaubst du, das ist leicht für mich? Ich bin schwanger, ich erwarte ein Kind! Ich fliege vielleicht aus der Show! Ich weiß nichtmal sicher, wer der Vater ist..." Ich brach schließlich zusammen und schluchzte haltlos.
"Verschwinde, Clyde ich werde das hier schon allein schaffen!" Weinend warf ich mich auf die Couch. Nach endlosen Minuten fühlte ich schließlich seine Hand auf meinem Rücken. Schweigend massierte er mich und ich schaffte es, mich zu entspannen. Oh Gott, wenn Clyde mich sitzen ließ, saß ich echt in der Scheiße. David hatte vollkommen recht, ich machte alles kaputt.
3 Wochen später saß ich in diesem Büro. Ich zusammen mit Chris Carter, Clyde, David und 2 arroganten Mieslingen von den Fox-Studios. Ich fühlte mich einmal mehr wie Scully, die sich vor einem FBI-Konsortium rechtfertigen mußte. Eine kleine Frau unter lauter mächtigen Männern. Ich hatte die Katze endlich aus dem Sack gelassen, nachdem Clyde mich wochenlang bedrängt hatte. Er war nicht gegangen. Er hatte nach einer Weile beschlossen, zu mir zu halten. Ich mußte ihm aber versprechen, daß ich mich nichtmehr mit David einlassen durfte. Nun, ich dachte, das war sowieso erledigt. Clyde war eben ein anständiger Kerl.
Aber der Gang nach Kanossa blieb mir nicht erspart und Chris hatte erstmal getobt. Und das meine ich wörtlich. Er war außer sich. Schmiß mir alles mögliche an den Kopf, bis David ihn schließlich bremste. "Meinst du nicht, daß das reicht? Siehst du nicht, wie fertig Gillian ist?" Clyde, der auch dabeistand, starrte David stumm an und legte den Arm um meine Schulter.
Chris beruhigte sich schließlich. Er rief die Fox-Bosse an. Ich hatte keine Ahnung, was nun auf mich zukam, aber ich war entschlossen nicht zu flennen, wenn sie mich rauswarfen. Sie konnten ja Perrey als Davids Partnerin einsetzen, dachte ich giftig.
Chris überraschte mich aber einmal mehr. Er hatte sich zusammen mit David etwas ausgedacht.
"Hier", begann er und schob einen Stapel Papiere über den Tisch. "Mister Duchovny und ich haben ein Konzept ausgearbeitet, wie wir Miss Andersons Schwangerschaft integrieren können. Um ehrlich zu sein, Mr. Duchovnys Idee ist genial!" Er grinste sein gewinnendes Grinsen. Ich wurde etwas sauer, denn mir hatte wieder mal niemand etwas gesagt. War ich überhaupt einmal gefragt worden, ob ich dieses Konzept gut finden würde? Es ging um mein Kind!
Die Fox-Typen würdigten das Buch keines Blickes. Sie starrten mich an und einer von beiden, er hieß, glaube ich, Walters, sagte: "Wir zahlen Miss Anderson noch bis zum Ende des Jahres. Dann wird ihr Vertrag liquidiert. Wenn sie die Klauseln gelesen haben, Miss Anderson wissen sie, daß dies durchaus rechtens ist."
"Moment!", donnerte jetzt David dazwischen, "Ich kenne zufällig alle Klauseln auswändig! Und dazu gehört auch, daß alle Darsteller bis zum Finale der Show verpflichtet worden sind! Lesen sie das Konzept!" Er schlug auf den Tisch.
Walters seufzte. "Mister Carter, nächste Woche fängt das Casting für die neue Partnerin an. Hier ist eine Liste...." Chris sprang auf. "Ich werde alles hinschmeißen, wenn sie Gillian rauswerfen!" Ich wußte genau, daß er es ernst meinte. Er hatte schon so viele Ideen für die Story zwischen Mulder und Scully und er war nicht bereit, diese aufzugeben. Lieber stoppte er die Produktion.
"Die Show ist nicht sehr erfolgreich, Mr. Carter. Die letzten Quoten..." Jetzt rief wieder David dazwischen. "Wir haben unsere Fans! Die Show wird schon als Kult bezeichnet! Das Öffentliche Interesse nimmt jede Woche zu!"
Walters sah ihn gelangweilt an. Dann flüsterte er kurz mit seinem Kumpel. "Wir würden uns kurz beraten", meinte dieser dann.
Wie kleine Schulkinder warteten wir alle gespannt vor der Türe. Die drei Männer standen um mich herum und ich trat von einem Bein auf das andere. "Es wird gutgehen!", meinte Chris leise. "Ziehst du das durch, Gillian?" "Ich hätte doch mal gerne das Skript gesehen," wagte ich zu sagen. David faßte nach meiner Schulter. "Das ist deine einzige Chance. Wenn du aussteigen willst, dann sag es jetzt!" Clyde fuhr dazwischen und zog sie von ihm weg. "Sie wird schon das Richtige tun!", fauchte er ihn an.
Endlich ging die Tür auf. Und ein neues Kapitel begann.
Steven
Nachdem die Arbeiten zur 1. Staffel beendet waren, hatten wir 2 Monate Drehpause. Ich wollte die Zeit nutzen, mir eine eigene Wohnung zu suchen. Schließlich konnte ich in Stevens Haus nicht einfach ein Kinderzimmer einrichten und außerdem hatte ich mit großer Freude erfahren, daß Steven nach Vancouver zurückkehren wollte - er hatte eine Rolle in der Show bekommen als Nachfolger von Mulders Informant Deep Throat: Mr. X.
Ich freute mich riesig. Steven um mich zu haben gab mir große Sicherheit. Seit ich ihn bei einem Casting kennengelernt hatte, war er immer ein guter Freund und Helfer in der Not gewesen. Wäre er nicht schon glücklich verheiratet, ich hätte ihn mir sofort unter den Nagel gerissen! Allerdings wollte ich nicht an die Gesichter meiner Familie denken, die sie wohl gemacht hätten: ich mit einem schwarzen Hühnen, fast doppelt so groß wie ich!
David war schon am letzten Drehtag nach Los Angeles abgereist - in die Arme seiner Perrey, wie ich gehässig dachte. Ich war sauer, weil er sich nicht verabschiedet hatte. In manchen Nächten, in denen ich in Clydes Armen schlief, mußte ich an David denken - und daß das Kind vielleicht seines war. Wenn ja, würde mich immer etwas mit ihm verbinden, ob er wollte oder nicht.
"Gilly!" Steven breitete seine langen Arme aus und ich ließ mich direkt hineinfallen. Gott, tat das gut ihn zu sehen! "Wie geht’s dir meine Kleine?", fragte er, "Du bist ja drauf und dran ein Star zu werden!" Ich lachte leise und löste mich von ihm. Er musterte mich eine Weile, dann meinte er: "Sei mir nicht böse, aber wenn ich jetzt sage du siehst gut aus, würde ich lügen!" Ich wußte, ihm entging einfach nichts. Als ich nicht gleich antwortete, begann er durch das Haus zu wandern. "Mannomann, du hast wirklich gut darauf aufgepasst! Hier sieht es besser aus als vorher!" "Komm, ich mach uns einen Kaffee", sagte ich rasch und ging in die Küche.
Eigentlich war ich mitten im Umzug, aber da ich ja keine Möbel mitnahm, hatte ich den Rest meiner Sachen schnell eingepackt. Steven stellte seinen Koffer ab und zog seinen Mantel aus, dann nahm er ein paar Tassen aus dem Schrank und stellte sie auf den Tisch.
"Wo ist denn dein Zukünftiger, Clyde, nicht war?" Ich seufzte. "Er ist für ein paar Tage in LA, Dinge regeln! Wir wollen schnell heiraten!" Ich stellte die Kaffeekanne auf den Tisch und setzte mich zu ihm. Eine Weile sagten wir nichts, dann meinte er: "Gilly, ich will dich nicht überfahren. Aber wenn du dein Herz ausschütten willst, ist das der beste Moment." Ich sammelte mich eine Weile, drehte meine Tasse in den Händen und starrte aus dem Fenster. Ich wußte, würde ich erstmal anfangen, kämen sofort die Tränen.
Aber ich mußte mich endlich einmal ausquatschen!
Ich sah Steven schließlich in seine dunklen Augen und schon zitterte mein Kinn. "Laß dir Zeit, Kleines", sagte er warm.
Ich hatte mich schließlich soweit gesammelt, daß ich leise reden konnte. "Ich bin schwanger, Steve. Im September kommt das Kind." "Hey! Wie wundervoll!", rief Steven aus. "Man sieht ja noch garnichts!" Er musterte mich lächelnd. "Was ist mit der Show?", fragte er dann. "Alles soweit geregelt. Ich darf bleiben", meinte ich. "Freut sich Clyde?" "Oh ja!" Ich senkte den Blick wieder. "Ich warte auf das große Aber!", sagte er leise.
Wieder bildete sich ein Kloß. "Das Kind könnte auch von einem anderen sein", presste ich heraus. Jetzt war er doch einigermaßen entsetzt. Er trank ein paar Schluck Kaffee und verarbeitete die Nachricht. "Ein Ausrutscher?", fragte er dann vorsichtig. Ich nickte langsam. "Ein ziemlich großer Ausrutscher." Wieder entstand eine Pause. "Es ist David, dieser Mistkerl!", entfuhr es mir dann und ich heulte los. Steven legte den Arm um mich und streichelte meinen Rücken. "Wieso Mistkerl? Hat er dich verführt und dann hängenlassen?"
Ich mußte lächeln. So konnte man es nicht gerade bezeichnen. Ich begann ihm alles zu erzählen, wie es zu der Misere gekommen war. Details ließ ich natürlich aus. Erst jetzt merkte ich wieder, wie sehr mich Davids eindeutige Abfuhr schmerzte. Als ich geendet hatte und in mein Kleenex schneuzte, schwieg Steve wieder eine Weile. Ich wußte genau, er gehörte nicht zu diesen Macho-Typen, die eine Frau vorschnell verurteilten, wenn sie sich in Schwierigekeiten gebracht hatte.
Schließlich fragte er: "Liebst du Clyde?" "Ja!", rief ich fast zu schnell aus. "Ich... ich brauche ihn!", fuhr ich fort. "Ich kann nicht ohne ihn sein. Ich möchte, daß er der Vater des Kindes wird." "Und David? Liebst du ihn?", bohrte Steven weiter.
"Er ist gut im Bett", war alles, was mir spontan einfiel. "Scheint mir auch so", knurrte Steve und klang ein bißchen verstimmt. Ich sah ihn an. "Auch du hältst mich für mies, oder?", wieder kamen mir die Tränen hoch. "Das mit David war vor Clyde! Ich habe mich danach für Clyde entschieden! Das mit der Schwangerschaft war nicht geplant!", ich brach schluchzend ab und Steve nahm meine Hand. Ich hatte nicht ganz die Wahrheit gesagt, aber das war mir ganz egal. "Gillian, ich halte dich nicht für mies und das weißt du. Ich kenne dich. Ich weiß auch, daß du das Kind nicht geplant hast. Trotzdem habe ich das Gefühl, daß das mit David noch nicht ausgestanden ist!"
Oh, wie recht er hatte! Ich sagte jedoch nichtsmehr, sonder heulte mich in seinen starken Armen aus.
Die Drehpause verging wie im Flug und ich war mit der neuen Wohnung beschäftigt. Sie war nicht so schön wie Steves Haus aber wir hatten genug Platz und es lag in der Nähe des Drehortes. Je näher der Tag des Drehbeginns rückte, desto nervöser wurde ich. Clyde merkte das und versuchte mich zu beruhigen: "Keine Angst, Gilly, ich pass auf dich auf! Chris hat mir den neuen Drehplan gegeben und du mußt nur drei Tage in der Woche arbeiten! Du bekommst keine anstrengenden Parts und kannst Pause machen sooft du willst!"
Ich warf mich sofort in seine Arme. Das schlechte Gewissen bohrte tief in meinen Eingeweiden. Niemals könnte ich ihm sagen, daß ich einzig wegen David so nervös war!
Die zweite Staffel
Der erste Drehtag kam. Meine Schwangerschaft konnte man schon deutlich sehen und ich fühlte mich unförmig und häßlich. Mein Selbstbewußtsein war bei null angelangt und ich stopfte den ganzen Tag Essen in mich hinein. Clyde sah mich öfters vielsagend an, sagte aber nichts. Mein Gott, konnte ein Mensch so auseinander gehen? Trotzdem war Essen das einzige, was mich einigermaßen beruhigte. Die Kostümdesigner konnten garnicht so schnell weite Klamotten bestellen, wie ich zunahm.
David war einsilbig wie immer am Set aufgetaucht, unter dem Arm einen riesigen Stapel Blätter mit neuen Ideen und Vorschlägen, die er Chris und Frank unterbreiten wollte. Ich erfuhr von Clyde, daß die Fox-Bosse ihn als Co-Autor vermehrt einsetzen wollten, aber es war noch nicht sicher, ob er es machte. Einer seiner Lieblingssprüche war nämlich: "Ich mache immer nur eine Sache, und die richtig!" Klugscheißer.
Mit mir redete er nur kurz bevor wir die erst Episode drehten. "Wie geht’s dir, Gillian?" Niemals nannte er mich Gilly. "Ach ganz gut." Ich kaute an einem Schokoriegel und grinste etwas verlegen. "Die hier machen’s leichter." "Kann man sehen", erwiederte er und sein Blick glitt über meinen Kugelförmigen Körper. Oh Blitzschlag, komm von oben und puste ihn weg! dachte ich voller Wut. Doch dann grinste er gewinnend und nahm mich kurz in den Arm. In den Augenwinkeln sah ich Clyde und sein Blick gefiel mir ganz und garnicht.
Das Drehbuchkonzept hatte Mulder und Scully getrennt und Mulder bekam einen neuen Partner: Alex Kycek, gespielt von Nicolas Lea. Wir kannten Nicholas aus einer früheren Folge und freuten uns, daß er nun fest zum Cast gehören sollte. Nicolas sah gut aus, hatte Charme und lief im Gegensatz zu David jedem Rock hinterher. Er ließ nichts anbrennen und in sportlicher hinsicht begann er sich bald ständig mit David zu messen.
David ließ sich darauf ein, es war aber nicht einfach. Bevor Nic am Set erschien, war er schon 10 Meilen gelaufen und schien erst richtig munter zu werden. Er war ständig in Bewegung und es war ihm garnicht angenehm, daß er, gezwängt in einen Anzug nur brav Mulder hinterherlaufen sollte.
Die wenigen Parts, die ich zu spielen hatte, waren nicht sehr anspruchsvoll. Ich hatte wenige gemeinsame Szenen mit David und Clyde paßte auf wie ein Schießhund, daß ich keine Sekunde länger wie vereinbart drehte. Irgendwie fühlte ich mich mehr und mehr ausgeschlossen. Ich kannte das Drehbuch sehr wohl, es war genau auf meinen Geburtstermin abgestimmt.
David lief zur Höchstform auf. Er genoß auch die wachsende Publicity um seine Person und machte sich wahnsinnig wichtig. Mehr als einmal fragte ich mich, ob ich nicht besser ausgestiegen wäre!
Als der September und der Geburtstermin nahte, war schließlich auch in die Öffentlichkeit gesickert, daß ich ein Baby erwartete. Ich war unglaublich erstaunt über die Resonanz, die darauf folgte. Berge von Päckchen und Briefe trafen bei uns zu Hause ein. Da ich mehr Zeit hatte als sonst, versuchte ich alle diese liebe Post zu beantworten. David hatte wohl recht gehabt. Es ging steil nach oben.
Piper Maru
"Muß das wirklich sein?", weinte ich. Oh Gott, ich war am Ende! Bereits seit 12 Stunden lag ich in den Wehen und hielt es nichtmehr aus. Clyde war kreidebleich, weil er seit Ewigkeiten nichts gegessen hatte und ich wünschte mir, ich wäre nie schwanger geworden! "Ja, Miss Anderson, es ist besser so! Es geht nicht voran und dem Baby geht es immer schlechter. Ich rate ihnen dringend zu einem Kaiserschnitt." Ich war einfach zu fertig zu widersprechen, zumal mich wieder eine heftige Wehe überrollte. "Machen sie, was sie wollen!", schrie ich und krallte mich an Clydes Hand fest.
Als ich langsam wieder zu mir kam, saß er neben meinem Bett. Wie benebelt sah ich, daß er ein Bündel im Arm hielt. Er hatte Tränen in den Augen. "Unsere Tochter, Gilly! Schau, wie wunderschön sie ist!" Ich hatte einen schreckliche trockenen Mund und war noch müde und benebelt. Dieses Bündel interessierte mich überhaupt nicht. Dennoch schaffte ich es, mich etwas aufzurichten und sah in das Gesicht des Babys. Dann in Clydes glückliche Augen. Und ich mußte weinen. "Ich habe noch nie so etwas wundervolles gesehen!", flüsterte ich und streckte meine Arme aus. Clyde legte das kleine Mädchen in meine Arme und ich starrte sie voller Erfurcht an. Sie war wach und voller Aufmerksamkeit musterte sie mich. Ganz vorsichtig streichelte ich die kleine Wange und war überwältigt, wie weich ihre Haut war. "Willkommen, mein Schatz!", sagte ich leise. "Willkommen bei uns!" Ich drückte sie an mich und sog ihren süßen Duft ein. Sie gluckste leise. Clyde setzte sich aufs Bett und legte den Arm um uns beide. "Ich habe sie bereits gebadet", sagte er stolz. "Wir haben uns sehr gut verstanden."
Ich beugte mich vor und küßte ihn zärtlich auf den Mund. "Sie hat deine Augen", sagte ich. "Findest du?", er musterte das Baby, das alles zu verstehen schien. Sie hatte tatsächlich Züge von Clyde, fand ich. "Und deine Haare", sagte er dann und strich zart über den blonden Flaum auf ihrem Köpfchen. "Sie ist perfekt!", nickte ich und nahm eines der winzigen Händchen in meine Hand. Alles an ihr war unglaublich weich und zerbrechlich, wie ich fand. Würde ich das alles schaffen? Muttersein und hart arbeiten? Es mußte klappen. Und ich hatte Clyde an meiner Seite.
"Gillian? Gilly, hörst du mich?" Irgendein Störenfried schüttelte mich an der Schulter und ich brummelte widerwillig. "He, Gilly, du kannst aufstehen!" Langsam öffnete ich meine Augen und fuhr hoch. Um mich herum stand die gesamt Crew: Kameraleute, Chris, Scriptgirls, Beleuchter, David und Sheila Larken, die Scullys Mutter spielte. "Gut geschlafen?", lächelte sie. Oh Mann, ich lag in meinem Krankenausbett am Set und war glatt eingeschlafen! Jetzt lachten alle und ich wurde feuerrot. Gerade 10 Tage war es her, daß ich meine kleine Piper bekommen hatte.
Laut Vertrag mußte ich zum Dreh, obwohl ich mich sehr gerne noch ein bißchen erholt hätte. Immerhin hatte ich einen Kaiserschnitt hinter mir! Clyde ermutigte mich und meine Schwester reiste an, um ein paar Wochen auf Piper aufzupassen; sie hatte gerade Schulferien. Sie war total versessen auf die Kleine und genoß es, beim Dreh zuschauen zu dürfen.
Ich stand vom Bett auf und konnte garnicht lachen. "Sorry, Piper hat heute Nacht wenig geschlafen", murmelte ich und wollte vom Set flüchten, bevor die anderen meine Tränen sahen. Ich stieß gegen David. "He, alles klar?", fragte er und das erstaunte mich. Er hatte sich bisher zu Piper nicht geäußert, lediglich eine Glückwunsch-Karte von der Crew mit unterschrieben.
Stumm ging ich an ihm vorbeit. "Wo ist Clyde?", rief ich in die Runde. Die Jungs zuckten die Schultern. "Ich glaube, er hat ’ne Besprechung mit Frank", meinte einer. Noch bevor ich den Wohnwagen erreicht hatte, in dem Piper schlief und versorgt wurde, liefen mir die Tränen in Ströhmen herunter. Ich konnte sie einfach nicht aufhalten, sie liefen und liefen. Zoe, meine Schwester, lümmelte vor dem Fernseher herum, Piper schlief friedlich in ihrem Bettchen. "He, Gilly, was ist los?", rief Zoe und sprang auf. Ich suchte nach der Kleenex-Box und ließ mich auf die Couch fallen. "Nichts, Kleine, nur die Heultage!", schniefte ich. "Komm, hol dir ein Eis in der Kantine! Laß mich ein bißchen alleine!" Ich gab ihr 10 Dollar und Zoe sprang begeistert davon. Sie liebte es, am Set herumzustöbern und war, glaube ich, ein bißchen in Nicholas verliebt.
Verdammt, wieviel Tränen kann ein Mensch vergießen? Andere Mütter ließen sich nach der Geburt wochenlang verwöhnen, standen erst mittags auf und trafen sich in Stillgruppen. Was hatte ich hier zu suchen? Wie sollte ich das alles durchstehen? Wieder folgte ein Sturzbach. Warum war Clyde nicht da?
Plötzlich klopfte es leise an der Tür. "Gillian? Bist du da?" David? Wieso kam er ausgerechnet jetzt an? "Nein!", rief ich, doch er öffnete die Tür und kam herein. Ich wandte mich mit meinem verheulten Gesicht rasch ab.
David blieb an der Tür stehen und drehte ein kleines Päckchen in den Händen. Würde ich ihn nicht besser kennen, ich würde sagen, er war unsicher. "Ich wollte dir nur was geben", sagte er leise und kam ein paar Schritte näher. Dann fiel sein Blick auf die schlafende Piper und ein Lächeln glitt über sein Gesicht, das ich bei ihm noch nie gesehen hatte. Er beugte sich über sie und betrachtete sie minutenlang versonnen. "Die ganze Unschuld der Welt und der ganze Sinn des Lebens liegt in so einem Kindergesicht, findest du nicht?", philosophierte er.
Ich putzte meine Nase. "Willst du mir jetzt deine neuesten Gedichte vortragen?", keifte ich und wußte, ich hatte eigentlich keinen Grund, gemein zu sein.
David setzte sich neben mich und reichte mir das Päckchen. "Ich wollte dir einfach nochmal persönlich zu deinem Kind gratulieren. Und dir sagen, daß ich es dir hoch anrechne, daß du heute hier bist." Ich konnte nichts sagen, ich heulte wieder los. Ich trug noch immer dieses unförmige Nachthemd vom Dreh und es war mir ganz egal. "Willst du es nicht aufmachen?", drängte David.
"Laß mich in Ruhe! Hau ab!", rief ich in mein Taschentuch. "Dir ist doch dieses Kind vollkommen egal! Ich bin dir egal! Alles was dich interessiert, ist die Show! Und daß sie weitergeht! Daß sie dich zum Superstar macht! Traum aller Frauenherzen!" Ich warf das Päckchen auf den Boden.
Ich hörte David tief einatmen. Ich wußte, ich hatte ihn verletzt. Doch alles, was mich im Augenblick interessierte, war mein Elend und mein Selbstmitleid. "Nun, mit den Frauenherzen, da irrst du dich wohl, Gillian. Perrey hat nämlich gestern mit mir Schluß gemacht. Am Telefon." Ich schrak zusammen. Mit allem hatte ich jetzt gerechnet, aber damit nicht. Ich vergaß kurz mein Geheule und sah ihn an. Er sah wirklich verletzt aus. Verletzt und hilflos.
"Außerdem bist du mir nicht egal und das weißt du ganz genau. Glaube ja nicht, daß ich nicht oft daran denke, daß dieses Kind meine Tochter sein könnte! Ich möchte aber, daß du glücklich bist! Und ich weiß, Clyde macht dich glücklich, dich und Piper. Du denkst, ich bin ein egoistischer Eisklotz. Ich bin aber ein Mensch, der keine Lust hat, sein Innenleben vor jedem hergelaufenen Reporter auszubreiten. Du weißt genausogut wie ich, daß die einem schnell alles im Mund herumdrehen!" Er legte leicht seine Hand auf meinen Rücken und wie automatisch ließ ich mich gegen seine Schulter sinken.
Wie ich seinen Geruch liebte! "Es tut mir leid, David. Ich werde mich zusammenreißen." "Das brauchst du nicht", flüsterte er und strich über meinen Rücken. "Nimm dir soviel Zeit wie du brauchst." "War es wegen DREI?", fragte ich nach einer Weile. DREI war eine Episode, die gedreht wurde, als ich noch im Krankenhaus lag. In dieser Folge ließ Mulder sich mit einer Frau ein, die in einem Fall sogar unter Verdacht stand. Ich wußte, daß David die Story nicht mochte und Mulders Verhalten total uncharakteristisch fand. Chris dachte, er wäre versöhnlicher, wenn er Perrey verpflichtete, die besagte Frau zu spielen. Laut Clydes Berichterstattung war das Ganze ein Disaster gewesen. David hatte totale Hemmungen, gegenüber Perrey souverän zu agieren. Perrey machte ihre Sache sehr gut, aber die ganze Crew merkte, unter welchen Spannungen das Paar in letzter Zeit litt.
Bei einer leidenschaftlichen Kußszene zwischen David und Perrey stieß sie ihn gar von sich und rief: "Jetzt kannst du mir plötzlich die Zunge in den Hals stecken, ja?" Alle hatten die Luft angehalten wie David reagieren würde, doch er nahm nur sein Hemd und verließ das Set.
Als Clyde mir das alles erzählte, war ich ein bißchen schadenfroh, daß es ohne mich doch nicht so gut lief, aber jetzt tat David mir leid.
Wieder spürte ich eine Parallele zwischen unserer Rolle und der Realität. Mulder glaubte, Scully verloren zu haben. Er wußte nicht wo er stand, war verloren und verwirrt. Ebenso ging es uns jetzt. David war alleine. Sein Halt, den er immer in Perrey gehabt hatte, war nun verloren. Er wußte nicht, ob Piper seine Tochter war oder Clydes. Ich war im Zweifel, ob ich weiter in der Show bleiben konnte. Alles war wieder unsicher.
"Ich werde einen Vaterschaftstest machen lassen", sagte ich nach einer halben Ewigkeit. David sah mich an. "Bist du sicher?", fragte er. "Ich muß es wissen. Schon wegen Clyde." "Was sagt er dazu?" Ich zuckte die Schultern. "Er sagt nichts, er ist total vernarrt in Piper. Um ehrlich zu sein, ich glaube, sie ist sein Fleisch und Blut." Seufzend lehnte David sich zurück. "Ja, ich wünsche es für ihn und für dich", sagte er leise. "Wirklich?", wollte ich wissen, "Hast du dir nie ein kleines bisschen gewünscht, es wäre deins?" Seine grünen Augen sahen mich traurig an. "Vielleicht. Aber es hätte alles verkompliziert, glaubst du nicht? Wir können nie ein Paar sein." "Und warum nicht?", entfuhr es mir und ich hätte mir am liebsten die Zunge abgebissen. "Merkst du es nicht selbst? Gillian, im Grunde deines Herzens kannst du mich doch garnicht leiden!"
Ich mußte grinsen. Trotz allem mußte ich grinsen. Er hatte recht. Es gab so viele Eigenschaften an ihm, die mich nervten, daß ich auf die, die ich mochte, garnicht kam. Auch er grinste jetzt. Dann sagte ich impulsiv: "Es gibt aber schon etwas, das ich an dir mag." Und dann küßte ich ihn. Er ließ es geschehen und schon nach Sekunden begann mein Puls sich zu beschleunigen. Ich suchte seine Zunge, fuhr ihm mit der Hand über die Brust und fühlte sein Herz. Doch dann packte er mein Handgelenk und wich zurück. "Nein, Gillian!" Sein Atem ging schnell und ich wußte, was sein Körper wollte. "Bitte nutz jetzt meinen Zustand nicht aus." Er stand rasch auf und stieß an der Tür prompt mit Clyde zusammen.
"Ach?", meinter dieser. "Hoher Besuch?" Sein Blick war voller Misstrauen. "Hallo, Clyde, auch erfreut dich zu sehen", sagte David leichthin. Ich sah ihm aber an, daß er ebenso erschrocken war wie ich. Clyde spürte das.
"Und was verschafft uns die Ehre?", fragte er. Hastig hob ich das Päckchen auf. "Hier, er hat ein Geschenk für Piper gebracht!" "Ja, und ich muß los. Bis dann!" Schnell verließ David den Wohnwagen und Clyde kam zu mir, setzte sich neben mich.
"Ich hörte, du hattest einen kleinen Zusammenbruch", sagte er und sah kurz zu unserem schlafenden Töchterchen hin. "Oh, die Heultage! Die Hormone spielen verrückt. Es ist nicht so einfach", gab ich zu. Er nahm mich in den Arm. "Wir werden den Drehplan kürzen", sagte er. "Nein! Nicht noch mehr Kürzungen! Ich wollte in der Show bleiben und jetzt muß ich da eben durch!" "Meine tapfere Scully!", witzelte Clyde und küßte mich. "Ich wollte dich eigentlich holen. Sie wollen weitermachen." "Ich komme gleich! Suchst du mal eben Zoe?" Ich stand auf und verschwand im Bad.
Irgendwie, ich weiß nichtmehr wie, brachten wir den Dreh zu "one breath" zuende. Diese Episode war ein Meilenstein in der Serie und die Stimmung am Set war merkwürdig ehrfürchtig. Alle wußten, daß David und ich tiefe Krisen durchstehen mußten und David spielte seinen von Trauer und Wut zerfressenen Mulder so gut wie nie. Kurz bevor ich meine Szene hatte, in der ich wieder aufwachte, brach Mulder in seiner Wohnung völlig verzweifelt zusammen. Wir wußten nicht, was wir sagen sollten, aber David weinte wirklich. Keiner sprach ein Wort während Chris gnadenlos die Kamera laufen ließ und diesen Moment festhielt. Als er endlich "Cut!" rief, blieb David zusammengekauert sitzen und rührte sich nicht.
Schließlich trat ich vor und zog ihn auf die Beine. Ich traute mich nicht, ihn in den Arm zu nehmen, wegen Clyde. Er nickte mir jedoch nur dankbar zu, wischte sich übers Gesicht und verließ das Set.
Ganz allmählich erholten wir uns wieder und fanden in den Dreh-Alltag zurück. Ich hatte noch viele Krisen, aber irgendwie stand ich es durch. Nicht unwesentlich dazu bei trug der plötzlich aufkeimende Erfolg unserer Show. Die Journalisten und Fotografen standen inzwischen Schlange. Die Post häufte sich. Ich war überwältigt. "Meine Berühmtheit!", neckte mich Clyde immer wieder. Wenn ich Zeit hatte, liebte ich es, Fanpost zu beantworten oder im Internet nach skurrilen Seiten zu stöbern. Und es gab eine ganze Menge! Die Mädchen waren wie besessen von David und widmeten ganze Foren seinen Hobbies und Vorlieben.
Sie spekulierten über eine private Affäre zwischen uns oder Mulder und Scully. Wir selbst wußten ja nicht, was Chris mit uns vorhatte, aber wir vermuteten, er würde dem üblichen Serien-Konzept folgen und die beiden im Bett landen lassen irgendwann.
Als David sich zumindest nach außen wieder von seinem Kummer um seine zerbrochene Beziehung gefangen hatte, ging er geradezu in Wettstreit mit Nicholas, wer die meisten Bräute abschleppte. Hemmungslos schlief er sich durch die Crew und ich sah manch verheultes Gesicht am Set. Ich wußte aber nie, ob wegen Nicholas oder wegen David. Wahrscheinlich wegen beiden!
Ich fand das Verhalten der beiden abscheulich und sagte es ihnen auch. Doch sie lachten nur. In dieser Zeit verstand ich mich aber sehr gut mit David, denn er war meistens gut drauf. Jaja, sexuell ausgeglichen, dachte ich oft.
Wir hatten ein Kindermädchen für Piper eingestellt, sie hieß Claire. Selbst mit ihr schlief Nicholas und ich hatte deswegen einen ordentlich Disput mit ihm. Er lachte mir jedoch ins Gesicht und ich konnte mich nur ärgerlich abwenden.
Hochzeit
Die Hochzeit zwischen Clyde und mir schob sich immer weiter hinaus. Wir machten keine Pläne, hatten keinen Termin. Meine Mutter fragte oft, wenn sie mich besuchte, denn sie war vernarrt in Clyde. Ich konnte es ihr nicht sagen. Ich hatte Angst. Angst, die falsche Entscheidung zu treffen. Schließlich sollte es ja ein Bund fürs Leben sein. Eines Abends als er gerade Piper ins Bett gebracht hatte, beschloß ich, die Sache mal wieder aufzugreifen. Aber eine schwierige Unterredung stand mir bevor. Es mußte aber sein.
"Schläft sie endlich?", fragte ich lächelnd. Er nickte und küßte mich aufs Ohr, was mich erschaudern ließ. "Clyde, ich muß mal mit dir reden", sagte ich dann und bat ihn, sich zu mir zu setzen. Er sah mich fragend und etwas unsicher an. Ich holte tief Luft. "Ich habe beschlossen, einen Vaterschaftstest durchführen zu lassen." Puh! Es war heraus. Clyde schluckte schwer. Eine Weile sagte er nichts. Dann meinte er: "Ich dachte immer, du bist so sicher, daß sie mein Kind ist!" Warum hatten verletzte Männer immer etwas von jungen Hunden?
"Ja... bin ich ja auch! Aber ich möchte es schwarz auf weiß!" "Du denkst immernoch an David", stellte er fest. "Clyde. Ich habe mein Versprechen gehalten, okay? David ist Geschichte. Aber ich will einfach einen richtigen Schlusstrich ziehen! Ein für allemal! Vorher kann ich dich nicht heiraten!" Glaubte ich meine eigenen Worte? Ich wußte es nicht. "Gilly, willst du mich wirklich heiraten? Sieh mir in die Augen und sag, daß du mich liebst!" Er war sehr ernst. Ich schluckte einen Kloß hinunter. "Ich möchte nur mit dir zusammensein. Ich liebe dich, ja", sagte ich leise, aber konnte ihn nicht dabei ansehen.
"Und was ist, wenn Piper Davids Kind ist? Kannst du mir das auch sagen, Gilly?" Ich kämpfte mit meiner Fassung. Ich hörte an seinem Tonfall, daß er noch immer verletzt war. Und daß er mir nicht glaubte, daß ich ihn liebte. "David wird nie ein Vater für Piper sein!", rief ich heftig. Ich wollte nicht weinen. Dennoch stahl sich eine Träne aus meinem Auge. "Also gut, mach den Test", sagte Clyde schließlich. "Wenn aber David der Vater ist, möchte ich ihm gerne in die Eier treten!" Er grinste gequält. Doch, ich liebte ihn. Ich strich ihm eine lange Strähne aus dem Gesicht und küßte ihn mit all meiner Zärtlichkeit. "Eigentlich habe ich dich doch garnicht verdient!", hauchte ich und knabberte an seinem Ohrläppchen. Er schloß die Augen und seufzte genüßlich. "Da ist was dran!", antwortete er und zog mich an sich.
Unsere Hochzeit wurde viel größer als wir es geplant hatten. Zum Neujahr, so dachte ich, wäre es praktisch, denn da feierte sowieso jeder. Clyde und ich fanden einfach kein Ende bei der Gästeliste und so luden wir fast die ganze Crew ein! Dann natürlich Clydes und meine Familie, die auch nicht klein war. Zur Gelegenheit wollte wir gleich Piper taufen lassen, und ich bat Chris, Taufpate zu stehen. Er war überrascht und erfreut und sagte zu.
Es gab auch eine ganze Menge Publicity um unsere Hochzeit. Clyde war das eher unangenehm, denn die Reporter waren natürlich nur an mir und Akte X interessiert. Ich versuchte, geduldig und freundlich zu bleiben, aber bei der Feier blieben die Fotografen draußen.
David kam nicht. Ich versuchte, meine Enttäuschung hinunterzuschlucken, aber er blieb stur bei seinem Grundsatz, "keinen sozialen Kontakt" mit mir zu pflegen. Lächerlich angesichts dessen, daß er in mir drin gewesen war!
Beim Ja-Wort mußte ich weinen und auch meine Mutter schluchzte. Ich umarmte Clyde stürmisch, flüsterte ihm Zärtlichkeiten ins Ohr, als könnte ich so unser Band noch verstärken. Ich war in diesem Augenblick ganz sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben!
In der Zeit nach unserer Hochzeit war ich sehr glücklich. Der Vaterschaftstest hatte ergeben, daß Clyde eindeutig Pipers Papa war. Wir waren jetzt eine richtige Familie! Ich sagte es aber nicht David. Sollte er doch kommen, wenn er es wissen wollte!
Ich spielte so gut wie nie und unsere Popularität steigerte sich sprunghaft Woche für Woche.
David war wie im Höhenrausch. Er sah sich schon bei der Oscar-Verleihung und war überzeugt, daß er nun auch im Kino den ganz großen Wurf machen würde! Ich fand ihn schrecklich eingebildet. Er machte sich einen Spaß daraus, daß ihn die Mädchen vergötterten und erzählte jedem Jouralisten andere, unwahre Geschichten. "Die sind ja so dämlich!", pflegte er zu spotten, "Glauben jeden Bockmist!" Chris rügte ihn mehr als einmal und mir legte er auch nahe, mit meinen Bemerkungen vorsichtig zu sein. Der Ruhm hatte auch seine Schattenseiten.
Golden Globes
Gegen Ende der Dreharbeiten zur 2. Staffel beriefen Chris und Frank eine Versammlung ein. Chris strahlte noch breiter als sonst und verkündete: "Akte X, David und Gillian sind für Golden Globes nominiert!" Ein paar Sekunden sagte keiner was. Dann brach frenetischer Jubel los! Wir schrien und klatschten und David schloß mich in seine Arme, küßte mich und flüsterte: "Ich wußte es! Ich wußte es!"
Wir reisten also nach LA. Clyde war begeistert, beschloß aber daheim bei Piper zu bleiben. "Dieser Trubel, weißt du", meinte er und ich verstand. Er ließ sich nur äußerst ungern mit mir ablichten und gab nie Interviews. Es war einfach nicht sein Ding. Ein kleines bißchen enttäuscht war ich schon. Aber ich freute mich auf LA und war schrecklich aufgeregt. Clyde mußte versprechen, daß er alles im Fernsehen verfolgen würde.
David reiste ebenfalls ohne Begleitung und Chris bestand darauf, daß wir als harmonisches Duo auftreten mußten. Mir war das mehr als unangenehm und David hatte auch keine große Lust dazu. Schon im Flieger zankten wir die ganze Zeit und im Hotel, als wir zwei Zimmer nebeneinander bekamen, verzog ich mich ohne ein weiteres Wort.
"Gillian, jetzt beeil dich, verdammt!" Schon seit geraumer Zeit hämmerte David an meine Tür, aber ich war so nervös und korrigierte schon zum x-ten mal mein Makeup. Ich war auch unsicher wegen meines Kleides, meiner Frisur, einfach allem. "Komm jetzt endlich, Mann!", rief er zornig. Ich holte nochmal tief Luft und riß dann die Tür auf. Für ein paar Sekunden starrten wir uns sprachlos an. David trug einen schwarzen, hochgeschlossenen Anzug, keine Krawatte, ein weißes Hemd dazu. Er sah so unverschämt gut aus, daß ich nur glotzen konnte. "Gillian, du bist wunderschön!", rief er aus und musterte mich.
Ich wurde rot. Ich trug ein goldfarbenes langes Kleis mit einem großzügigen Dekollete und mein Haar fiel in großen Locken auf meine Schultern. Wir beide sahen so Mulder- und Scully- untypisch aus, daß wir schließlich loslachen mußten. "Ob die uns überhaupt erkennen?", fragte ich David und nahm seinen angebotenen Arm. "Wenn nicht, machen wir hier inkognito einen drauf!", lachte er.
Von der Veranstaltung, die im großen Stil mit vielen Promis abgehalten wurde, waren wir tief beeindruckt. Wir zeigten uns gegenseitig die anwesenden Stars. "George Clooney!", flüsterte mir David zu. "Bei dem mußt du aufpassen, ein echter Frauen-Vernascher!" "Ich denke, neben dir bin ich relativ sicher!", grinste ich. Ich konnte es einfach nicht glauben. Wir gehörten jetzt dazu! Ich wurde von Leuten gegrüßt, die ich aus Zeitschriften kannte. David wurde von Fotografen belagert, doch stets griff er nach mir, legte seinen Arm um mich und präsentierte uns gemeinsam.
Als schließlich tatsächlich unsere Namen als Gewinner genannt wurden, starrten wir nach vorne und rührten uns nicht. "David Duchovny und Gillian Anderson!", wiederholte der Moderator. Das Scheinwerferlicht erfaßte uns. David nahm meine Hand und zog mich mit sich. Und dann standen wir oben.
Wenn ich heute das Bild unserer ersten Preis-Entgegennahme anschaue muß ich an zwei begossene Pudel denken. Wir schauen so verdattert aus der Wäsche, daß uns sicher alle für ziemlich minderbemittelt hielten. Als schließlich der Preis an uns übergeben wurde und wir auch noch ein paar Worte sagen sollten, schob ich David ans Mikro, wobei das Publikum amüsiert lachte. Er fand natürlich die richtigen Worte. Dann gesellte sich Chris zu uns und wir badeten im begeisterten Applaus.
Bei der anschließenden Party wurde es spät. Ich merkte jetzt erst, wie sehr ich mein Sozialleben vernachlässigt hatte in letzter Zeit. Mein Gott, früher war kaum eine Woche vergangen ohne Party! Aber ich war jetzt Mutter und zu 90 Prozent meiner Zeit mit Drehen beschäftigt. Ich trank und lachte und plauderte und fühlte mich wunderschön, begehrt, kurz wie ein echter Star.
Ich erkannte Leute. Wurde selbst erkannt. Es war wie ein Traum. Ein paarmal verlor ich David aus den Augen, doch immer wieder stöberte er mich auf. Es war schließlich 3 Uhr morgens, als er meinen Arm nahm und meinte: "Wir sollten gehen. Du weißt, daß wir schon morgen wieder abfliegen!" "Spielverderber!", säuselte ich kichernd, "Immer wenn’s am schönsten ist!" Ich lehnte mich gegen ihn und er führte mich raus zur Limo. Mann, es war stark wenn man sich nichtmal um ein Taxi kümmern mußte!
Im Auto kicherte ich weiter. "Quentin Tarrantino! Kannst du dir das vorstellen? Ich qusatsche ihn voll und er hat keinen Schimmer wer ich bin!" David lachte. "Ja, ich glaube ein paar einzelne Leute kennen unsere Show noch nicht." Bedöselt lehnte ich mich an ihn. "Warum riechst du nur so verdammt gut, mhhh?", schnurrte ich und vergrub meine Nase an seinem Hals. Er schien sich ein bißchen zu verkrampfen, aber ich genoß den Moment. Meine Hand landete wie zufällig auf seinem Oberschenkel und ich ließ meine Zunge über seinen Hals zu seinem Ohr gleiten.
Ich wußte nicht, wieviel er getrunken hatte, aber sicher nicht genug, um keinen klaren Gedanken mehr fassen zu können. Tatsache war, daß er mich nicht an meinen Annäherungen hinderte, im Gegenteil, er bog seinen Kopf nach hinten und spreizte die Beine leicht, um mir besseren Zugang zu gewähren.
Der Chauffeur schielte bestimmt in den Rückspiegel, aber für uns war er garnicht vorhanden. Meine Hand war schließlich oben angekommen und ich ließ meine Finger zwischen seine Beine gleiten. Durch den dünnen Stoff der Hose fühlte ich seine Leiste und fuhr ihm daran hinunter zu seinen Hoden. Jetzt entfuhr ihm ein leichtes Stöhnen und er wandte mir sein Gesicht zu. Augenblicklich verschlangen wir uns in einem Kuss, der mir fast den Rest meiner Sinne raubte. Meine Hand erkundete weiterhin die nun bestimmt heißeste Stelle seines Körpers und ich fühlte, wie er immer Härter wurde. "Gillian....", hauchte er in meinen Mund und wir schreckten hoch, als der Fahrer heftiger als nötig bremste. "Regent’s Hotel!", sagte der Mann laut und David griff in seine Tasche, zog einen Hunderter heraus und reichte ihn nach vorne. "Gut gefahren, vielen Dank." Er klopfte dem Mann auf die Schulter und zwinkerte und der verstand. Ich war mir sicher, er hatte einige Geheimnisse, die er für sich behalten mußte!
David nahm meine Hand und zog mich hinter sich her. Ich war nicht nur betrunken, sondern absolut scharf und ich wußte, wo es enden würde. Nicht einen Gedanken verschwendete ich an die Folgen, ich ließ mich einfach treiben. Hastig suchte David vor der Zimmertür seinen Schlüssel und ich lehnte lasziv gegen die Wand, fraß ihn fast auf mit Blicken.
Kaum waren wir drinnen, umfaßte er mich stürmisch und fuhr mit seinen Händen über meinen Körper, während er an meinem Hals saugte. Ich presste mich gegen seinen Unterleib und zerrte an seiner Anzugjacke. Rasch ließ er mich los, um sie sich aufzuknöpfen. Ich ging kichernd durch das Zimmer, torkelte ein wenig und stütze mich schließlich auf den Tisch. "David, bist du sicher, daß wir das tun sollten?", sagte ich und schaffte mir dadurch nur ein schwaches Alibi.
Plötzlich war er hinter mir und schlang seine langen Arme um mich. Er presste seinen harten Unterleib gegen meinen Po und bedeckte meinen Hals mit gierigen Küssen. "Das ist mir jetzt vollkommen egal, okay? Sei einfach still!" Ein bißchen erschrocken war ich schon über seine Grobheit, besonders, als er keine Anstalten machte, mich loszulassen, sondern mit der einen Hand unter mein Kleid fuhr und es hochzog. Dann zerrte er meine Strumpfhose mitsamt meinem Slip herunter. "David....", protestierte ich schwach, doch er war so schnell, daß ich garnicht zum Nachdenken kam. Während er mit seiner Zunge die empfindliche Haut hinter meinem Ohr, meinem Hals und am Ansatz des Schlüsselbeins erkundete, öffnete er seine Hose und sie fiel zu Boden. Seine Shorts folgten.
Seine Schenkel pressten von hinten gegen meine. Und dann spürte ich seine Erektion, groß und heiß gegen meinen Po drücken. Keuchend suchte er zugang, ich spürte selbst in meinem Rücken seinen trommelnden Herzschlag und dann war er schon in mir. Ich schrie leise auf, aber er ließ nicht locker, fuhr mit seiner Hand in meinen Ausschnitt und suchte meine Brust. Dabei war er so hektisch, daß er mir fast das teuere Kleid zerriß.
Ich hatte so etwas noch nie erlebt. Es erregte mich mehr als ich je geglaubt hatte. Er stieß in mich und unwillkürlich beugte ich mich über den Tisch, um ihm bessern Zugang zu gewähren. Seine Hand wanderte nach unten und er suchte meinen Punkt, fand ihn. Ich stöhnte auf, hielt mich verkrampft an der Tischkante fest. Es war eine unglaubliche Mischung aus beihnahe Schmerzen und unglaublicher Lust. Seine Stöße wurden tiefer, schneller. Seine Hand, seine Finger, seine Lippen, sein Glied. Meine Knie knickten ein, als mich die Welle erfaßte und ich schrie, wand mich, wollte, daß es niemals aufhörte. Auch David kam heftig, unterdrückte aber ein lautes Stöhnen, indem er sein Gesicht in meinem Haar vergrub. Dann sackte er über mir zusammen, keuchend, schwitzend.
Ich ließ meinen Kopf auf die Tischplatte sinken und spürte, wie sein heißer Samen meine Beine hinunterlief. Nur widerwillig entließ er mich seiner Umklammerung und richtete sich auf. Zitternd blieb ich über den Tisch gebeugt stehen und spürte, wie er mein Kleid hinunterzog. Dann nahm er sachte meinen Arm und zog mich hoch. Augenblicklich ließ ich mich in seine Arme fallen. Wir beide wußten, es war eine Sache ohne Zukunft. Dennoch schien es ein Band zwischen uns zu geben, daß uns immer wieder zueinander hinzog, ich wußte nicht, was es war. "Komm, duschen wir", sagte David schließlich und führte mich ins Bad. Dort streifte er mir zärtlich das Kleid ab, viel mehr trug ich ja nichtmehr. Er entledigte sich seines Hemdes, dann schob er mich in die Duschkabine.
Unter dem warmen Wasserstrahl nahm er eine Duschlotion und seifte mir den Körper ab. Seine langen Finger strichen geschickt über meinen Rücken, ich entspannte mich und schloss die Augen. Dann drehte er mich zu sich um. Küßte mir ein paar Tropfen von der Nase und reichte mir die Lotion. Nun seifte ich ich ihn ab, erkundete mit den Handflächen jeden Millimeter seines schönen Körpers. Auch zwischen seinen Beinen wusch ich ihn und merkte, daß er schon wieder auf meine Berührungen reagierte. "Jetzt darfst du wählen", lächelte er. "Was du willst. Ich bin dein ergebener Diener." "Also gut", lächelte ich.
Wir trockneten uns ab und ich führte ihn, nackt wie wir waren, zum Bett. "Leg dich hin, ich komme gleich zu dir", sagte ich leise. Er gehorchte, Begehren in seinen Augen.
Rasch ging ich zu seinen Schuhen und zog die Schnürsenkel heraus. Dann öffnete ich den Kühlschrank und wühlte darin herum. Ich fand schließlich, wonach ich suchte.
Als ich zu David zurückkehrte, sah er mich gespannt an. "Jetzt kommt doch hoffentlich keine Sado-Maso-Gillian ans Licht?", grinste er. Ich lächelte geheimnisvoll. "Das habe ich in 9 1/2 Wochen gesehen!" Ich sah, wie er schluckte, als ich die Schnüsenkel nahm und seine Hände oben ans Bettgestell fesselte. Dann nahm ich ein Tuch und verband ihm die Augen. Ich sah, wie seine Erregung zunahm, ebenso wie meine, als ich ihn so auf dem Bett liegen sah, vollkommen ausgeliefert. "Was hast du bloß vor?", flüsterte er. "Wart’s ab!"
Ich griff in den Eiswürfeleimer und nahm eine Handvoll heraus. Die ließ ich langsam auf Davids Körper fallen. Er atmete erschreckt ein und eine Gänsehaut überzog ihn. Oh, wie machte mich dieser Anblick an! Dann nahm ich den Honigspender. Ganz langsam ließ ich die süße dicke Flüssigkeit auf seine Brust tropfen, seinen Bauch, sein Geschlecht, seine Schenkel. Dann war ich über ihm. Und leckte langsam und genüßlich den Honig auf, Zentimeter für Zentimeter. David stöhnte. Er wand sich. Ich zitterte vor Verlangen, doch ich zügelte mich. Meine Zunge glitt über seinen wundervollen Bauch, der sich in seinem hektischen Atem hob und senkte.
Dann gelangte ich tiefer. Auf der Spitze seines Gliedes hing ein Tropfen. Ich lutschte ihn weg. "Oh, Gott, Gillian, was tust du?", entfuhr es ihm. Ich machte weiter. Seinen Schaft hinunter, seine Hoden, über die Innenseite seiner Schenkel. Er wand sich stöhnend unter meinen Lippen und ich befürchtete fast, er würde sich nichtmehr lange zurückhalten können.
Darum wanderte ich wieder nach oben und küßte seine geöffneten Lippen. Gierig suchte er meine Zunge, zerrte an seinen Fesseln.
Zwischen meinen Beinen pochte es. Ich wollte ihn so sehr. Unvermittelt ließ ich ihn los, so daß er verwirrt den Kopf hin und her drehte. Dann stellte ich mich auf das Bett mit gespreizten Beinen, so daß ich direkt über ihm war. Ich genoß den Anblick einen Moment. Dann ließ ich mich niedersinken und nahm ihn so schnell auf in mich, daß er vollkommen überwältigt aufschrie. Er explodierte in einem Orgasmus, er hatte keine Chance. Ich spürte seinen pulsierenden Penis in mir und obwohl ich keine Zeit gehabt hatte, zu kommen, war ich tief befriedigt.
Ich sah auf David hinunter, den ich schließlich besiegt hatte. "Mach mich los, Gillian, sofort!", rief er keuchend und trat mit den Beinen unter mir, als wolle er sich befreien. Ich zog ihm die Binde von den Augen und sah seinen Blick. Tiefste Verwirrung und Hilflosigkeit sah ich darin. Nichts war mehr übrig vom überlegenen Frauenheld David. "Gott, ich liebe dich, Gillian!", entfuhr es ihm und ich war sicher, in diesem Augenblick meinte er es so.
Ich stieg von ihm herunter und machte ihn los. Er rollte sich ein wie ein kleines Kind. Ich nahm ihn in die Arme und drückte meinen Kopf gegen seine Schulter. "Das wird nichts", flüsterte ich. "Du weißt doch, ich kann dich nichtmal leiden!" Er lachte leise und schlang nun seinerseits einen Arm um mich.
"Wir haben doch ein Kind gemacht", sagte er. Ich seufzte tief. Ich wollte den Moment nicht zerstören, aber ich sagte: "Das Kind ist von Clyde." Ich spürte, wie er kurz die Luft anhielt. Eine Weile sagte er nichts. Dann meinte er, und seine Stimme zitterte leicht: "Schade." Auch das meinte er so.
Nie wieder in den ganzen 9 Jahren in denen die Show lief erlebte ich David so offen. Natürlich gingen wir, zurück in Vancouver, wieder unsere eigenen Wege. Wir redeten auch nichtmehr von dieser Nacht, aber ich dachte oft daran. Ich fragte mich warum ich ausgerechnet bei ihm alle meine Hemmungen verlor.
Ich blieb noch 2 Jahre mit Clyde zusammen, doch dann konnte ich nichtmehr. Ich konnte ihm keine Gefühle vorgaukeln, die ich nicht empfand. Es tat sehr weh, vor allem wegen Piper, aber es mußte sein. Und ich glaube, auch ihm war es irgendwann zuviel, immer nur zu geben.
Dazu kam, daß die Crew 1998 nach LA umzog und Clyde sich aus der Produktion zurückzog. Ich schrieb das Scheitern meiner Ehe ganz alleine mir zu.
David traf Tea und alles wurde anders. Er war sowas von vernarrt in sie, daß ich manchmal dachte, er hätte den Verstand verloren. Ich mochte Tea nicht besonders, aber sie war genau die Richtige für ihn. Sie war die Mama für seine Kinder, sie gab ihm Geborgenheit und ein Zuhause.
Ich bedauerte oft, daß David es nicht schaffte, ein Freund für mich zu sein. Seine Oberlehrer-Art machte mich mehr als einmal irre. Es gab viel Streit, viele Tränen, aber trotz allem auch viele wundervolle Stunden. Es war eben ein Teil meines Lebens.
Als er die Serie verließ, weinte ich ehrliche Tränen. Jeder Abschied war so schwer für mich, aber der von ihm besonders. Denn ich wußte, er würde keinen "Sozialen Kontakt" pflegen.
Ganz unten in meiner Nachttischschublade hatte ich jedoch etwas aufbewahrt, das ich ab und zu in die Hände nahm und lächelnd betrachtete.
Das zerknitterte Fax mit zwei sehr jungen Menschen in schicken Anzügen darauf. Sie versuchten, besonders grimmig dreinzuschauen. Die Frau reichte dem Mann gerade bis zu den Schultern. Und quer über das Gesicht des Mannes stand geschrieben:
»Du warst mein erster Orgasmus!«
Ende