Autor: Daisy + XMyselfX

E-Mail: ywollmarker@yahoo.de + XMyselfX@t-online.de

Rating: PG-13, leicht NC-17

Kategorie: MSR, DGR, Humor

Spoiler: All Things, Je Souhaite, Per Manum, Fight Club, Never Again, The ghosts who stole christmas, ansonsten keine, die uns bewusst wären, einfach nur eigene Erzeugungen. Diese Geschichte handelt nachdem William schon gezeugt wurde, aber sicher noch bevor Scully wusste, dass sie schwanger ist.

Short-Cut: Scully hat Zoff mit Mulder, nimmt eine Woche Urlaub und begegnet David - himself... Aber auch Mulder macht die Bekanntschaft einer kleinen, rothaarigen Lady...

Disclaimer: Ich weiß, weder Mulder noch Scully gehören mir, auch David und Gillian nicht und auch alle anderen Personen in dieser Geschichte sind nur geliehen... Ebenso sind sämtliche Handlungen erfunden und nichts in dieser Geschichte entspricht der Wahrheit, außer vielleicht die Sache mit dem "One-Night-Stand" zwischen Scully und Mulder *smile* Die hier verwendeten Gerüchte, wie alle anderen Gerüchte dieser Welt auch, entsprechen ebenfalls nicht der vollkommenen Wahrheit und tauchen in unserer Geschichte nur deswegen auf, weil sonst der Sinn verloren gehen würde.

Erklärung von Daisy:
Diese Geschichte fiel mir ein, weil ich mich immer gefragt habe, was Mulder wohl dazu veranlasst hat, Scully zu sagen, dass er nicht riskieren könne, sie zu verlieren. Zu diesem Zeitpunkt wussten WIR ja von diesem One-Night-Stand der beiden noch nicht wirklich, wir haben ihn nur vermutet. Bestätigt wurde uns das doch erst, nachdem Scully festgestellt hat, dass sie schwanger ist!
Na ja, und so was kommt dabei heraus, wenn man mit einem anderen DAGS endlose Gespräche führt - das geht an Dich XMyselfX *g* Ganz herzlich möchte ich mich auch bei Rieke bedanken, die uns wieder einmal mit wichtigen Infos versorgt hat! *g*

Erklärung von XMyselfX:
Ein herzliches Dankeschön an Daisy, die mich freundlicher Weise um meine Unterstützung gebeten hatte und ich somit Teil-Autor dieser Story sein durfte. Es hat wirklich absolut viel Spaß gemacht, vor allem dass ich irgendwann selbst keinen Durchblick mehr hatte, wer nun wer ist und wer mit wem Zeit verbringt *lol*





Verwirrungen



Washington D.C.
FBI-Gebäude, Freitagnachmittag:


Es war einfach zu viel. Der Tag hatte so gut begonnen und nun das.
"Mulder mir reicht's".
"Ich… äh… Scully."
Weiter kam Mulder nicht. Er hatte Scully wohl wirklich am falschen Tag erwischt… aber anders war es ihm nicht möglich gewesen.
"Es reicht mir einfach… ich habe keine Lust mehr, ständig vor den Kopf gestoßen zu werden. Tun Sie, was Sie nicht lassen können… aber ich werde nicht mitkommen."
Mit diesen Worten griff Scully hektisch nach ihrer Jacke, warf dabei beinahe den Stuhl um und zog schließlich die Tür hinter sich zu, als sie den Raum verlassen hatte.
Mulder saß da, etwas erstaunt, wie Scully sich doch von der einen Minute, in der sie seine verständnisvolle Partnerin war, zur anderen, in der sie stürmisch wie eine Furie das Büro verließ, verändern konnte. Oh ja, Mr. Ich-habe-einen-Oxford-Abschluß-in-Psychologie hatte wieder genau das richtige Profil erstellt. Eigentlich hätte er wissen müssen, dass Scully ausrasten würde. Aber nein, er musste es ihr genau am Freitagmittag mitteilen. *Hey, wir beide werden ein schönes Wochenende in England verbringen.* Er könnte sich selbst in den Hintern treten. Hatte er gedacht, sie würde ihm bei diesen Worten um den Hals fallen? Vermutlich dachte sie, er wolle wieder nach Kornkreisen Ausschau halten, die sowieso nicht echt waren.
Er sollte Scully inzwischen eigentlich besser kennen und hätte vorhersehen müssen, dass sie aus dem Büro stürmen würde und wohl ein paar Tage nicht gut auf ihn zu sprechen wäre. Konnte er nicht allmählich lernen, auf sein ICH zu hören? Dass ICH, dass Scully auch von einer anderen Seite kannte. Die Seite in ihr, die versuchte, ein wenig Privatleben zu haben.
Er holte tief Luft und ließ den Kopf hängen. Vorbei, seine Planung war zerstört. Zerstört wie eine Sandburg im Wasser.
Mulder stand auf, ging zur Tür um Scully zu folgen und hielt inne, als er nach dem Knauf der Türe griff.
>Sie wird dich verdammt noch mal in den Hintern treten und dich aus ihrer Wohnung werfen<
Der Mann in seinem Kopf hatte wohl Recht. Würde er jetzt bei ihr auftauchen… er wollte sich nicht mal vorstellen, was sie ihm antun würde. Also wandte er sich seinem Schreibtisch zu und sah auf die Akten. Einen großen Berg Akten, den er bis nächste Woche bearbeitet haben sollte. Okay, der Tag war sowieso erledigt, warum also nicht? Es gab keine besser Art seine Gedanken zu verdrängen, als in alten, eingestaubten Akten zu blättern und die Berichte zu sortieren. Wunderbar, die perfekte Aufgabe für einen einsamen Freitagnachmittag, an dem Scully sauer mit ihm war.

2 Stunden später,
Scullys Appartement:


Als Scully schließlich in ihrer Wohnung eintraf, hatte sich ihre Wut über Mulder keineswegs verflüchtigt. Er hatte mal wieder - ohne sie vorher zu fragen - Tickets für einen Flug nach London bestellt. > Dieses mal nicht! Dieses Mal kann er alleine nach seinen grauen Männchen jagen. Es ist Wochenende. <
Scully hatte, nachdem sie aus Mulders Büro gestürmt war, bei Skinner eine Woche Urlaub beantragt. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen als sie daran dachte, was Mulder Montag wohl dazu sagen würde, wenn er davon erführe.
"Was soll's, " sagte sie zu sich selbst, "schließlich kann ich doch immer noch machen was ich will."

Washington D.C, Georgetown
Scullys Appartement, gleicher Abend:


Mulder hatte, nachdem er über 10 Minuten geläutet hatte, seinen Schlüssel für Scullys Wohnung genommen und sich selbst eingelassen. Scully war nicht da. Er wanderte in die Küche, das Schlafzimmer, sogar ins Bad. Nein, Scully war eindeutig nicht hier. Es war ordentlich wie immer und kein Hinweis deutete auch nur im Entferntesten darauf hin, wo Scully sein könnte. Mulder war perplex. Scully flippte doch sonst nie so aus wenn er mal wieder ihr Wochenende verplante. In letzter Zeit hatte sich ihr Verhältnis um 180 Grad verändert… gebessert, um genau zu sein. Mulder war sich darüber bewusst, dass das mit dieser einen Nacht in seinem Appartement zu tun hatte. Er hatte sie gewollt, hatte sie so sehr gewollt. Er lächelte, als er daran dachte, wie schön es gewesen war. Er wusste, auch Scully hatte es gefallen.
Seufzend setzte er sich auf die Couch und schaltete den Fernseher ein. Gut, wenn sie nicht hier ist, dann würde er eben auf sie warten. Irgendwann musste sie ja schließlich wieder nach Hause kommen...

Über den Wolken von L.A,
zur selben Zeit:


Scully hatte nicht lange nachgedacht. Sie war vom Appartement aus geradewegs zum Flughafen gefahren und hatte den ersten Flug genommen, den sie gekriegt hatte. Nun war sie auf dem Weg nach L.A. Noch hatte sie keine Ahnung, was sie dort eigentlich machen sollte.
Die Stewardess brachte ihr den bestellten Kaffee. Einen Moment lang schloss Scully die Augen. Sie dachte an Mulder, an die Nacht vor einigen Wochen, in der sie in Mulders Wohnung eingeschlafen war. Mulder hatte sie zugedeckt und auf der Couch schlafen lassen. Er selbst war zu Bett gegangen. Als Scully erwachte war es schon nach zwei Uhr morgens gewesen. Sie erinnerte sich daran, wie sie zu Mulder ins Schlafzimmer gegangen war um sich zu vergewissern, dass er auch wirklich dort war. Er hatte so friedlich ausgesehen. Als sie sich zu ihm aufs Bett gesetzt hatte und als sie ihm über die Wange gestrichen hatte, war er aufgewacht. Er hatte sie angesehen mit einem Ausdruck den - ja, den sie einfach nicht sofort deuten konnte. Irgendetwas war anders gewesen in jener Nacht und als er sie danach zu sich runter gezogen hatte, da hatte sie ihn nicht aufgehalten, hatte sich nicht gewehrt.
Sooft zuvor hatte sie darüber nachgedacht, wie es denn sein würde, mit Mulder zu schlafen. Doch nicht einmal in ihren kühnsten Träumen hatte sie sich ausgemahlt, wie zärtlich er sein würde. Es war einfach wunderschön gewesen.
Die Angst, die sie zuvor immer davon abgehalten hatte, diesen letzten Schritt zu tun, war ganz plötzlich verschwunden. Sie wusste, es war richtig gewesen, weil der Zeitpunkt einfach gekommen war. Sie bereute nichts. Das Wichtigste aber war, dass sich nichts zwischen ihnen geändert hatte. Die tiefe Freundschaft und die Vertrautheit, alles war noch immer da.
Doch jetzt brauchte sie eine Pause, eine Auszeit. Obwohl sie - ohne es aussprechen zu müssen - darüber übereingekommen waren, dass es sich dabei um eine einmalige Nacht gehandelt hatte, irgendwie wollte sie dennoch mehr. Ja, sie wollte Mulder.

Washington D.C.
Scullys Appartement, nächster Tag:


Mulder war beim Fernsehen auf Scullys Couch eingeschlafen. Als er heute Morgen aufgewacht war, war Scully immer noch nicht zu Hause. Langsam begann er sich wirklich Sorgen zu machen. Um sich etwas abzulenken beschloss er, zu den Long Gunmen zu fahren.

L.A. Malibu
gleicher Morgen:


Scully hatte sich ein Zimmer in Malibu genommen. Nach einem ausgiebigen Frühstück schlenderte sie nun durch die Straßen. Obwohl Scully relativ wenig Fern sah erkannte sie dennoch einige Stars. Gerade erst war ihr Jack Nickolson auf der 5th Avenue entgegengekommen und kurz davor war sie fast mit Andi Garcia zusammengestoßen.
Um 11 Uhr gönnte sie sich eine Pause und ging in ein kleines Cafe. Sie hatte eingekauft. Oh Gott und WAS sie alles gekauft hatte. Rote Unterwäsche zum Beispiel, hatte sie noch nie besessen. Bis heute. Und einige Röcke, kürzer als sie sie normalerweise trug.
Nachdem die Kellnerin ihre Bestellung aufgenommen hatte, sah sie sich etwas in dem Cafe um. Ihr Blick blieb an zwei wahnsinnig, ausdrucksstarken Augen hängen, deren Farbe nicht fest zu legen war. In einem Moment schienen sie grün zu sein, im anderen braun. Als sie sich schließlich auf die gesamte Person konzentrierte, durchfuhr sie eine geballte Ladung von Wut. Es konnte doch wohl nicht wahr sein. Ihr Kopf legte sich schief und sie sah etwas ungläubig in seine Richtung.
Er stand auf, nahm seine Tasse vom Tisch und kam zu ihr herüber.
"Hey, na, wie geht`s?"
Er lächelte sie etwas schief an und setzte sich schließlich neben sie.
"Sehr witzig. Woher wussten Sie, wo ich bin?"
"Also eigentlich bin ich rein zufällig hier, du weißt schon… Erholung von......"
"Erholung? Seit wann haben Sie denn Erholung nötig? Sind Sie denn sonst nicht richtig verbissen darauf, zu arbeiten? Und nach dem, was Sie sich gestern Abend geleistet haben… ich denke Sie wissen, dass ich äußerst wütend war und jetzt, da Sie einfach hier auftauchen, als seien Sie mir hinter her gereist, bin ich bestimmt nicht besser auf Sie zu sprechen."
"Gestern? Also, soweit ich weiß haben wir uns gestern doch überhaupt nicht gesehen, meine Liebe." Warum zum Teufel siezte Gillian ihn eigentlich?
"Oh Mulder… was soll dass denn? Haben Sie irgendetwas Besonderes vor?"
"Äh, " er sah sie etwas unsicher an und stellte seine Tasse zurück, die er eben an seinen Mund gesetzt hatte, um einen Schluck zu nehmen, "Mulder? Bist du nun wieder soweit, mir einen neuen Spitznamen zu verpassen?"
"Wollen Sie, dass ich Sie wieder alleine hier sitzen lasse, wie gestern? Wenn dass nicht Ihrem Plan unterliegt, hören Sie besser auf, sich über mich lustig zu machen."
"Hey…, " er hob entschuldigend seine Hände in die Höhe und sah sie bettelnd an, "es ist doch nicht irgendetwas Negatives zwischen uns passiert, von dem ich nichts weiß, oder Gill?"
"Haben Sie in den letzten paar Stunden meinen Namen vergessen? Wir arbeiten zufällig zusammen. Ich bin keine von den Frauen, mit denen Sie freitagabends Spaß am Telefon haben."
"Okay… okay. Ich muss wohl irgendetwas getan haben, was dich zutiefst verletzt hat. Lass mich überlegen, okay?"
"Nun hören Sie schon auf damit. Haben Sie im Büro einen Schlag auf den Kopf bekommen? Sie erinnern sich nicht zufällig daran, dass Sie mal wieder Tickets bestellt haben und mir mein Wochenende verplanen wollten?"
Er trieb sie noch in die Verzweiflung, was hatte er nun wieder vor? Manchmal dachte sie, dass ihn das Psychologiestudium deutlich geschädigt hatte.
"Also, Gill… am Besten du…, " sie unterbrach ihn barsch, in dem sie ruckartig aufstand und in ihren Taschen nach ihrem Geldbeutel suchte.
"Verdammt, mein Name ist nicht Gill, " gab sie leise genervt zurück, während sie in ihre Suche vertieft war.
"Also gut, wie soll ich dich dann nennen?"
Scully legte eine 5 Dollarnote auf den Tresen und verließ hektisch das Cafe. Sie eilte die Straße hinauf, zurück zu ihrem Auto, stieß unterwegs gegen sämtliche Passanten, die ihr anschließend gehässige Blicke zuwarfen und leise vor sich hinmeckerten.
Als sie an den Geschäften angelangt war, die sie vorher während ihres Kaufrausches passiert hatte, spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter, die sie daran hinderte, weiter zu gehen.
"Was denn noch?"
"Ich glaube hier liegt irgendein Missverständnis vor… sag mir deinen Namen."
Sie wandte sich ihm zu, sah genervt in seine Augen und erkannte darin diesen schuldbewussten Blick, der jedes Mal eine gewisse Art von Mitleid in ihr hervorrief.
"Also, okay… dann mache ich das Spiel eben mit. Ich bin, " sie suchte in ihrer Innentasche nach ihrem Ausweis, vergeblich… wie sie feststellte, "Special Agent Dana Scully, vom FBI und… ich kann diesen verdammten Ausweis gerade nicht finden, aber Sie wissen ja, wie das Ding aussieht, nicht?"
Er schien sprachlos zu sein und sah sie etwas überrascht an.
"Du bist also Dana Scully, ja? Und… du kannst dich bestimmt auch an meinen Namen erinnern, oder?"
Scully schloss genervt ihre Augen, massierte schließlich ihre Schläfen und stellte ihre Einkaufstüten zwischen ihre Beine.
"Sicher kann ich Ihnen sagen, wie Sie heißen. Ich kann Ihnen jede Kleinigkeit über Sie erzählen, wenn Sie das möchten. Ihr Name ist Fox Mulder, Sie sind am 13. Oktober geboren, haben in Oxford Psychologie studiert und wohnen in einem kleinen aber feinen Appartement in Alexandria, zufrieden?"
Ihr gegenüber schien er noch immer sprachlos zu sein, drehte sich einmal im Kreis und sah sie schließlich wieder an.
"Du meinst das vollkommen ernst, oder? Ich meine, dass ist nicht eines der Spielchen, die dich manchmal überfallen?"
"Oh nein, dass ist mein absoluter Ernst, Mulder. Und wenn Sie mich nun entschuldigen würden, ich habe besseres zu tun, als mich von Ihnen auf den Arm nehmen zu lassen."
"Nein, warte… ich, ich bin nicht Mulder."
"Sicher… ganz bestimmt. Vermutlich sind Sie einer von diesen außerirdischen Kopfgeldjägern, die wohl wieder mal, aus einem bestimmten Grund, hinter mir her sind, was?"
"Nein… ich, ich habe absolut keine Ahnung wovon du… Sie sprechen. Ich… mein Name ist David… David Duchovny und ich wohne weder in Alexandria, noch habe ich einen Abschluss in Psychologie und in Oxford habe ich auch nicht studiert."
Scullys Blick wurde nun etwas unsicher, und als sie sich *David* genauer betrachtete, fiel ihr auf, dass er Klamotten trug, die ihr zuvor an Mulder nie aufgefallen waren.
"Sie… dass ist wirklich die Wahrheit, oder?"
"Ich glaube ich habe nie etwas so ernst gemeint."
Scully lächelte sachte.
"Sie… Sie sehen aber genau so aus wie er, " dass Erstaunen in ihrer Stimme war nicht zu überhören.
"Ja, und Sie sehen genau so aus wie Gill."


Washington D.C.
Scullys Appartement, gleicher Abend:


Mulder war vor einer Stunde von den Long Gunmen wieder direkt zu Scullys Wohnung gefahren. Nicht einmal diese drei Verrückten hatten ihn davon ablenken können, immer wieder an Scully zu denken.
Als er ihre Wohnung betrat, merkte er sogleich, dass sie noch immer nicht zurückgekommen war. Am Morgen hatte er sein Glas auf dem Tisch stehen und seinen Pullover auf dem Sessel liegenlassen Alles lag noch immer genauso da. Wäre Scully in der Zwischenzeit hier gewesen, dann hätte sie diese Sachen sicherlich weggeräumt. Wo zum Teufel war sie nur? Bei ihrer Mutter? Mulder überlegte gerade ob er Mrs. Scully anrufen sollte als er sah, dass das Licht auf Scullys Anrufbeantworter blinkte.
> Scully wird mich dafür killen < dachte Mulder, aber dennoch hörte er die Nachricht ab.
Hay, hier ist Dana Scully, 202-555-6431. Ich bin im Moment leider nicht zu Hause. In dringenden Fällen rufen sie bitte auf meinem Handy unter 202-555-3561 an oder hinterlassen sie eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter.....Piep....*

"Hallo Dana, hier ist deine Mutter. Ich hab schon lange nichts von dir gehört und wollte nur einmal fragen, ob es dir gut geht. Melde dich wieder einmal bei mir."
Nun war ihm jedenfalls klar, dass sie nicht bei ihrer Mutter sein konnte.
Mulder ging in die Küche und holte sich eine Tiefkühlpizza aus dem Eisschrank. Gut, er würde sich hier nicht wegbewegen bis Scully endlich nach Haus käme.......


L.A. Malibu,
zur selben Zeit:


Scully warf einen letzten Blick in den Spiegel. David hatte gesagt, er würde sie kurz vor acht Uhr abholen. Jetzt war es 19.30 Uhr.
Der Nachmittag war wirklich toll gewesen. Nach dem sie diese… Sache einigermaßen geklärt hatten, hatte David sie mit in eines dieser großen Filmstudios genommen. Danach waren sie in einem etwas abseits gelegen Park spazieren gegangen und zu guter Letzt hatte er sie in ihr Hotelzimmer gebracht. Er hatte versprochen, ihr heute einen unvergesslichen Abend zu schenken.
Scullys Gedanken schweiften zurück zu Mulder. Was er wohl gerade machte? Irgendwie hatte sie ein schlechtes Gewissen. Sie wusste - tief in ihrem Inneren - das sie Mulder liebte. Aber dennoch, sie hatten keine Beziehung, jedenfalls nicht in der Art, wie andere eine Beziehung führten. Bei ihnen war das alles viel komplizierter und doch, andererseits, so einfach. Scully wusste, was Mulder für sie empfand. Diese drei kleinen Worte, dieses "Ich liebe dich", das brauchte ihr Mulder gar nicht zu sagen. Sie WUSSTE es, wusste es schon seit langer Zeit. Ihre Beziehung ging weit tiefer, ging weit über das Normale hinaus. Wenn Mulder Hilfe brauchte, dann war sie immer für ihn da. Sie war seine Vertraute, seine Freundin, sein Licht in der Dunkelheit. Auch Mulder war immer an ihrer Seite, seit vielen Jahren schon. Er stand neben ihr am Grab ihrer Schwester, war bei ihr, als Emily starb. Als sie Krebs hatte, da war er an ihrem Bett zusammengebrochen. Sie hatte es damals gespürt, Mulder brauchte sie. Sie konnte ihn nicht alleine lassen, schon viel zu oft war er verletzt und enttäuscht worden. Er hatte niemanden mehr, niemanden außer ihr.
Ring, ring, ring
Scully schreckte aus ihren Gedanken hoch und ging zur Tür.
"Hallo, " gab er mit einer etwas belegten Stimme von sich, als er sie sah und blickte etwas verlegen zu Boden.
"Sind Sie bereit dazu, sich weiteren Fragen zu stellen und das Geheimnis hinter dem Geheimnis aufzudecken?"
Scully lachte leise, nahm ihre Strickjacke, zog diese über und trat nach draußen.
"Ja. Ich habe die ganze Zeit überlegt, wie so etwas möglich sein kann. Ich meine Mulder und ich haben vor längerer Zeit, " sie unterbrach sich selbst, "ich denke dass ist jetzt egal. Ich… ich bin mir nur noch immer nicht ganz sicher, ob Sie wirklich nicht Mulder sind, der so versucht, mich wieder friedlich zu stimmen."
"Ehrlich gesagt, " er ging voraus und schlenderte Richtung Aufzug, "geht es mir nicht anders. Wissen Sie, Gill hat öfter solche merkwürdigen Ideen, die einen im Nachhinein denken lassen, wie blöd man eigentlich ist, dass man auf so etwas hereinfällt. Und diese Sache ist wirklich etwas… verdreht. Absolut unglaublich, wenn ich ehrlich bin. Würde ich irgendwem davon erzählen, würde ich wohl nicht viel mehr zu hören bekommen, als *Bist Du denn total verrückt?*"
Scully lachte wiederum und folgte David in den Aufzug.

Washington D.C.
Scullys Appartement, 2 Stunden später:


Mulder schaltete frustriert den Fernseher ab. Verdammt, wo steckte Scully bloß? War sie wieder entführt worden? Nein, dass konnte nicht sein. Irgendwie hätte er bestimmt Anzeichen dafür gefunden. Aber wo konnte sie stecken?
Mulder fing an in der Wohnung auf und ab zu gehen. Er erinnerte sich plötzlich an so viele wunderbare Momente, die er mit Scully erleben durfte.
Er liebte diese Frau, mehr als er jemals zuvor einen anderen Menschen geliebt hatte.
Tief in sich drinnen da wusste er, dass auch Scully ihn liebte. Er hatte dass schon vor dieser Nacht in seinem Appartement gewusst. Er erinnerte sich an den Abend, als sie ihn fragte, ob er bereit sei, seinen Samen für eine künstliche Befruchtung zur Verfügung zu stellen. Und er erinnerte sich an ihr Gesicht, als er ihr die Antwort auf diese Frage gegeben hatte. Mein Gott, ein Kind mit Scully. Mulder war sich sicher, das wäre wunderschön gewesen. Es tat ihm wirklich leid, dass es nicht geklappt hatte. Denn wenn doch, dann hätte er endlich wieder eine Familie gehabt, obwohl - irgendwie hatte er die auch jetzt. Scully war seine Familie.

Mulder ging in Scullys Schlafzimmer und setzte sich aufs Bett. Er mochte dieses Bett, hatte selbst schon einige Male darin geschlafen. Die Regierung hatte ihm Scully bereits zweimal weggenommen, einmal als sie ihr den Krebs gegeben hatten und ein zweites mal, als sie sie in die Antarktis gebracht hatten. Aber jedes Mal hatte er sie wieder zurückbekommen.

> Okay Mulder, vielleicht warst du wirklich wieder etwas voreilig gewesen diese Flugtickets einfach zu bestellen. < Doch eigentlich hätte es ja nur eine Überraschung für Scully werden sollen. Es gab gar keinen Hinweis auf Entführungen in England. Er hatte Scully einfach nur übers Wochenende nach London einladen wollen. Es hätte so was wie eine Überraschung werden sollen. Das allerdings war wirklich ganz schön daneben gegangen.


L.A. Malibu,
Restaurant, etwa zur gleichen Zeit:



"David, das Essen war wirklich fabelhaft. Aber ich kann einfach nicht mehr."

Scully legte die Kuchengabel nieder.

"Ach kommen Sie schon Dana, eine Erdbeere noch. Kommen Sie schon, hier..."

David nahm ihre Gabel, stach in eine Erdbeere und führte sie an Scullys Mund.

" Okay, eine für mich..."

Scully nahm die Erdbeere in ihren Mund.

"Gut, und noch eine für... Ihren Partner... Mulder." Irgendwie hatte David noch immer das Gefühl, Gillian spiele nur ein Spiel mit ihm. Wie auch immer, ihm gefiel das.

Scully hatte ihren Mund wieder geöffnet, doch als David das Wort Mulder aussprach, da schloss sie ihn wieder.
David sah sie nachdenklich an.

"Was für Probleme haben Sie eigentlich mit ihm?"

"Ach, eigentlich ist es ja gar nicht so schlimm. Er hat nur die Angewohnheit, Dinge über meinen Kopf hinweg zu entscheiden. Er sagt mir nie vorher Bescheid, stellt mich immer vor vollendete Tatsachen. Das bringt mich manchmal zur Raserei."

"Aber ansonsten verstehen Sie sich gut mit ihm?"

"Ja, sehr gut sogar. Wir sind jetzt schon seit sehr vielen Jahren Partner. Er hat mir oft in schwierigen Situationen beigestanden, genauso wie ich ihm. Ach vergessen Sie es, dass werden Sie vermutlich sowieso nicht verstehen."

Scully überlegte einen Augenblick, dann sah sie David direkt an.

"Wie ist das eigentlich bei Ihnen? Ich weiß eigentlich gar nichts von Ihnen. Jetzt haben wir einen ganzen Tag zusammen verbracht, es war lustig und sehr nett. Aber über sich selbst haben Sie so gut wie nichts erzählt. Ich will nicht unverschämt klingen, aber irgendwie würden mich schon ein paar Dinge interessieren. Immerhin sehen Sie aus wie mein Partner, " sie lächelte, sah auf ihren Teller, um anschließend ihren Blick zurück zu seinen Augen wandern zu lassen.
"Mit wem haben Sie mich heute Morgen verwechselt?"

"Sind Sie sich sicher, dass Sie sich meine komplette Lebensgeschichte anhören wollen?"

"Also… dass hatte ich damit weniger gemeint."

"Ach ja? Und… was genau würden Sie dann gerne hören?"

"Erzählen Sie einfach, was Sie für wichtig halten. Dinge, die nicht zu sehr ins Private fallen… die Sie allen Frauen über sich erzählen würden."

David lachte und nippte an seinem Wein.

"Nun gut. Ich habe Sie heute Morgen mit einer Arbeitskollegin verwechselt. Wir kennen uns schon seit einer ziemlich langen Zeit und… was die Sache zwischen uns beiden wohl noch unglaublicher macht, sie ist nicht nur meine beste Freundin. Sie ist meine Vertraute, die Person, ohne die ich nicht leben kann."

"Sie beide sind ein Paar?"

"Nein… nein, wohl genau so wenig, wie Sie und Ihr Partner. Ich… eigentlich zählt dass zu den letzten Dingen, die ich einer hübschen Frau erzähle, die ich kennen lerne, aber ich bin verheiratet."

"Oh, " dieses Wort hatte eigentlich nicht zu enttäuscht klingen sollen, aber irgendwie tat es dass trotzdem. Nicht, dass sie enttäuscht sein müsste, dass hier war schließlich NICHT Mulder. Absolut nicht. Nein… keineswegs. Nur verlor Scully hin und wieder dieses Wissen. David sah einfach genau so aus, er redete wie Mulder und irgendwie ähnelte sogar sein Charakter Mulders. Auch wenn ihr jetziger Gegenüber wohl nicht so besessen von der Arbeit war und nicht einfach Dinge entschied, die nicht nur ihn betrafen.
"Und… wie lange sind Sie schon verheiratet?"

"Dass ist nicht so sonderlich wichtig. Wir haben eine kleine Tochter zusammen, darauf bin ich stolz."

Scully nickte etwas betroffen, ließ ihren Kopf sinken und nahm die Serviette von ihrem Schoß.

"Ich sollte Ihnen hier wohl wirklich nicht von meiner Familie erzählen, Gill mag dass auch nicht."

"Ach nein?"

"Absolut nicht. Eigentlich sollte ich daran gewohnt sein. Es… es ist eine etwas schwierige Sache."

"Sie… Sie haben was miteinander?"

"Nein ich hab nichts mit ihr. Nicht mehr oder besser gesagt nicht so, wie Sie jetzt vielleicht denken. Ich hatte mal was mit ihr, aber das war lange vor meine Ehe. Unser Verhältnis ist gar nicht so leicht zu erklären."

David dachte einen Augenblick nach.

"Gill und ich sind einfach ein einmaliges Duo. Wir spielen zusammen in einer Serie mit, schon viele Jahre. In dieser Serie geht es unter anderem auch um die Freundschaft zwischen den beiden Personen, die wir spielen. Diese Serie heißt die X-Akten. Ich spiele einen Agenten namens Fox Mulder, Gillian meine Partnerin, Agent Dr. Dana Scully. Schauen Sie mich nicht so an Dana, dass stimmt wirklich. Wenn Sie mir nicht glauben, dann zeige ich Ihnen das Studio, das Set, Videokassetten, alles was Sie wollen. Genau aus diesem Grund war ich heute Morgen so erstaunt, als Sie mich Mulder genannt haben. Gillian weiß nämlich ganz genau, dass ich David bin, DAVID, nicht Mulder. Die Serie handelt von außerirdischen Phänomenen, Entführungen, um das Verhältnis zwischen Mulder und Scully und ums FBI. Es gibt da keine Bettszenen zwischen Mulder und Scully, verstehen Sie dass jetzt nicht falsch. Da war Magie, Vertrauen und...ja, sehr viel mehr als nur das Verlangen nach Sex. Das ganze war immer nur so gut wie Gill und ich uns unter Kontrolle hatten. Hört sich das für Sie jetzt sehr unglaublich an?"

David grinste Scully an.

"Nun ja, diese Sache mit der Fernsehserie, in der mein Name und der meines Partners auftauchen, die von derselben Sache handelt, an der wir arbeiten… die sogar unser Verhältnis, rein freundschaftlich wie Sie wissen, aufzeigt. Irgendwie… klingt das zu verrückt, als dass man es glauben könnte. Ich meine Mulder und ich sind zwei reale Personen und ich habe noch nie von dieser Serie gehört. Was die andere Sache betrifft, verstehe ich vollkommen, was Sie mir sagen wollen. Mir geht es mit Mulder genauso. Er ist ein Sturkopf, unverbesserlich, wenn er von etwas überzeugt ist, dann kann ihn nichts auf der Welt davon abbringen. Wenn ich aber jemanden brauche, auf den ich mich verlassen muss, jemanden, der für mich durchs Feuer gehen würde, dann ist er derjenige. Wir sind Freunde, nein, eigentlich viel mehr als das."

"Hatten Sie denn jemals eine Beziehung miteinander?"

David blickte interessiert in Scullys Augen. Ihre Augen, die einen ganz besonderen Glanz bekommen hatten, als sie von diesem Partner sprach. Er beneidete diesen Kerl.

"Nein, wir hatten keine Beziehung miteinander. Es… es gab da lediglich mal eine Sache die… die, nun ja… wir haben eine Nacht miteinander verbracht."

"Und warum ist es bei dieser einen Nacht geblieben?"

David war neugierig. In seiner Serie war das doch genauso.

"Ich weiß es nicht, ehrlich. Wir haben nicht darüber gesprochen, warum oder wieso es dabei geblieben ist. Aber ich denke, wir wollten es beide so..."

"Kommen Sie, dass stimmt doch nicht. Ich brauche Ihnen nur in die Augen zu sehen, wenn Sie von ihm erzählen. Da ist so viel mehr in Ihren Augen zu lesen, so viel Liebe..."

"Liebe? Ja, sicher. Aber Sie müssen auch noch tiefer schauen, dann finden Sie auch noch andere Dinge, Dinge die stärker sind, als diese Liebe. Dinge, die Mulder und mich davon abhalten, auf unsere Gefühle zu hören. Ich kann Ihnen dass einfach nicht erklären, David. Dass alles wäre viel zu kompliziert. Ich kann Ihnen nur soviel sagen, dass er und ich, wir beide, wir können nicht zusammen sein. Das ist einfach ganz unmöglich."

David konnte richtig fühlen, wie schwer das alles für Scully sein musste.

"Dana, jetzt hören Sie mir mal ganz genau zu, ja? Vergeuden Sie nicht die Zeit, die Sie mit ihm verbringen können. Wenn Sie ihn lieben und er Sie auch, dann sollten Sie beide dazu stehen. Sagen Sie es ihm. Verstecken Sie sich nicht hinter Sätzen wie: wir können nicht zusammen sein. Das ist Schwachsinn. Werfen Sie dass, was Sie mit ihm haben, nicht weg. Es ist schneller vorbei als Sie denken."

Scully musterte David genau. Diesen Gefühlsausbruch hatte sie nun wirklich nicht erwartet.

"Sprechen Sie da eventuell aus Erfahrung?"

"Ja, das tue ich. Ich habe Gillian geliebt, wissen Sie? Verdammt, ich hab sie so schrecklich geliebt. Und ich habe unsere Beziehung einfach beendet, habe sie einfach gehen lassen. Sie hat dann kurz darauf einen Anderen geheiratet. Das war ein Fehler. Die Ehe hat gerade mal zwei Jahre gehalten. Als ich dann wieder bei ihr auf der Matte stand, da hat sie mir einen Korb gegeben."

"Warum?" unterbrach Scully ihn.

"Weil ich mich falsch ausgedrückt hatte. Sie dachte, ich wollte bloß wieder eine Affäre mit ihr beginnen. Sie hat mich zum Teufel gejagt und mit jemandem anderen herumgeflirtet. Dass hat verdammt weh getan. Dann habe ich meine Frau kennen gelernt. Sie war so ganz anders als Gillian. Und SIE wollte mich. Ich hab sie nach nur drei Monaten geheiratet. Damals war es wohl wirklich so was wie Liebe. Doch dieses Gefühl ist verdammt schnell vergangen. Gillian und ich haben dann wieder zu einer ganz besonderen Art von Freundschaft gefunden. Doch im Grunde ist diese Freundschaft nur ein anderes Wort für Liebe."

"Dann lieben Sie also nicht Ihre Frau sondern Gill?"

"Ja ich liebe Gill, von ganzem Herzen. Sie nicht an meiner Seite zu wissen, als Freundin, dass würde mich um den Verstand bringen. Sie nicht berühren zu dürfen, und sei es nur, um ihr für einen Moment über den Rücken zu streicheln oder ihr eine widerspenstige Haarsträne aus der Stirn zu streichen - ohne dass könnte ich gar nicht mehr leben."

David lachte auf.
"Ich hör mich wohl ganz schön verrückt an, was? Nein, ich BIN verrückt. Ich sitze hier mit einer wunderschönen Frau und spreche mit ihr über meine Liebe zu einer Anderen. Vorausgesetzt Sie sind wirklich Dana Scully."

"Und ob ich dass bin… und wenn ich wirklich so aussehe wie sie… war es doch gar nicht so falsch, mit mir über Ihre Gefühle für sie zu sprechen. Übung macht den Meister. Vielleicht sollten Sie ihr das genau auf dieselbe Art sagen, wie mir eben. Ich meine… wenn Sie sie das nächste Mal sehen, tun sie, als sei sie ich… und alles wird Ihnen leichter fallen."



Washington D.C.,
Scullys Appartement, 3 Uhr Morgens:




Mulder verstand die Welt nicht mehr. Scully war immer noch nicht wieder zurückgekommen. Er hatte vorhin sogar ihren Schrank durchwühlt, nur um festzustellen, ob etwas fehlte und wenn ja, wie viel.
Er kannte Scullys Kleidung und er hatte schnell herausgefunden, dass sie genug mitgenommen hatte, um für einige Tage wegzubleiben. Doch eigentlich machte er sich viel mehr Gedanken, wo sie denn eigentlich hingegangen sein könnte.

Da er einfach nicht länger untätig herumsitzen konnte, entschied er sich, ein wenig spazieren zu gehen. Vielleicht kam ihm ja dann eine Idee, wohin Scully gefahren sein konnte...

2 Stunden später war Mulder in eine Bar gegangen nachdem er ziellos durch die Straßen gerannt war. Diese Bar kannte er gar nicht. Sie war klein und auch gar nicht sehr voll. Im Hintergrund spielte leise Musik, Sarah Mc Lachlan. Er musste lächeln. Es war eines von Scullys Lieblingsliedern.
Als er auf die Bar zuging blieb sein Blick an einem der Tische hängen. Er stoppte. Dort saß - mit dem Rücken zu ihm - eine kleine, rothaarige Frau. Scully? Nein. Oder doch? Mulder ging auf die Frau zu und legte ihr die Hand auf die Schulter....

Gillian zuckte zusammen und drehte sich um. Zuerst sah sie nur diese unglaublichen Augen, in denen sich gerade maßlose Enttäuschung ausbreitete. Dann erst sah sie den Rest dieses Mannes.

"Verdammt Scully, wissen Sie eigentlich, wie viel Sorgen ich mir in den letzten zwei Tagen um Sie gemacht habe? Ich bin fast verrückt geworden vor Angst, es könnte Ihnen wieder irgendwas passiert sein! Ich..."

Gillian unterbrach ihn.

"Verdammt David, was soll dieses Spiel? Was machst du hier und warum nennst du mich Scully? Ich hasse das, dass weißt du genau."

"David? Scully, ist ihnen nicht gut? Wer zum Teufel ist David?"

"Sehr witzig Dave, wirklich."

Gillian schnaubte verächtlich.

"Scully haben sie den Verstand verloren? Ich weiß, Sie sind sauer auf mich wegen Freitagnachmittag, aber können Sie diese David-Nummer nicht einfach lassen?"

Jetzt war es Gillian, die etwas irritiert aussah.

"Freitagnachmittag? Ähm… Dave, wir haben uns Freitag gar nicht gesehen. Du warst nicht am Set, wie schon die ganze letzte Woche nicht. Du hast doch um etwas Freizeit gebeten und die hast du gekriegt."

"Scully bitte, dass ist nicht mehr witzig. Was heißt, wir hätten uns Freitag nicht gesehen? Wir hatten Vormittag eine Besprechung mit Skinner und am Nachmittag sind Sie wütend aus dem Büro gestürmt, weil Sie dachten, ich hätte mal wieder ihr Wochenende verplant. Und was bitte meinen Sie mit Set?"

Mulder sah argwöhnisch auf das Glas vor Scully. Konnte es sein, das sie betrunken war und darum all diesen Müll daherredete?

"David, es reicht."

Gillian stand auf, legte 5 Dollar auf den Tisch und wollte in Richtung Ausgang stürmen. Auf halbem Weg hielt sie jedoch inne und drehte sich noch mal um.

"Weißt du Dave, ich bin für 2 Tage hier her geflogen um mir Klarheit in einer wichtigen Angelegenheit zu verschaffen. Ich wollte einfach in Ruhe nachdenken und DICH wollte ich hier ganz sicher nicht sehen."


Mulder war während ihrer Worte auf sie zugetreten und betrachtete sie nun erstmals von oben bis unten. Irgendwie war das hier doch alles verrückt. Scully behauptete ständig, er heiße David oder Dave. Abgesehen davon, dass diese Person hier wie Scully aussah, nein, einfach Scully sein musste - warum war sie so angezogen? Er kannte Scullys Kleidung, aber das hier... Scully würde niemals so etwas tragen, geschweige denn überhaupt kaufen.

"Okay, also noch mal von vorne: wir haben uns also Freitag NICHT gesehen?"

Gillian schüttelte den Kopf und ging zurück zu ihrem Tisch. Sie setzte sich wieder und deutete Mulder an, sich neben sie zu setzen.

"Nein haben wir nicht."

"Heißt das, Sie waren freitags nicht sauer auf mich wegen dieser Flugtickets?"

"Nein Dave, ich weiß nichts von Flugtickets. Ich war Freitag NICHT sauer auf dich, einfach weil ich dich gar nicht gesehen hatte."

Gillian verstand dieses Spiel zwar nicht, aber gut, David würde schon irgendwann zu einem Ende kommen.
"Heißt das, Sie haben auch Skinner am Freitag nicht gesehen?"

"Nein, ich habe Mitch am Freitag auch nicht gesehen. Dave, bitte."

Mulder verstand die Welt nicht mehr. Mitch?

"Scully, bitte..."

"David, zum letzten Mal: nenn mich nicht immer Scully."

Genervt schloss Gillian die Augen.

"Und wie bitte soll ich Sie dann nennen? Kathrin vielleicht?"

"David, ich heiße Gillian, schon vergessen? Du nennst mich meistens Gill oder gibst mir irgendeinen anderen verrückten Namen, dass hängt ganz von deiner Stimmung ab."

Mulder war sich inzwischen sicher, dass Scully nicht betrunken sein konnte. Doch irgendetwas stimmte hier ganz gewaltig nicht. Wenn Scully wirklich Scully wäre, dann wäre sie immer noch wütend auf ihn. Diese Person hier war jedoch lediglich genervt über seine Fragestunde. Wenn Scully wirklich Scully wäre, dann würde sie niemals so angezogen alleine in einer Bar sitzen.

"Gut, wenn Sie also Gillian sind und ich dieser David, wer bitte ist dann Scully? Anfangs sagten Sie, sie würden es hassen, wenn ich Sie so nenne."

Mulder, du bist ein Genie!

"Scully ist deine Partnerin bei den X-Akten, schon vergessen? Da ist dein Name Fox Mulder und ..."

"Also doch, ich hab´s ja gewusst."

Mulder grinste Gillian an.

"Dave, WAS hast du gewusst?"

"Na das Sie Scully sind."

Mulder, du bist wirklich ein Genie!

"David es reicht. Ich verschwinde. Ich bin zu diesen Spielchen nicht in der richtigen Stimmung."

Diesmal verschwand Gillian durch die Tür und ging auf ihr Auto zu.
Mulder überlegte nicht lange und verließ ebenfalls die Bar. Er sah gerade noch, wie Scully in ein Auto stieg und mit heulendem Motor davonbrausen wollte. Er stellte sich einfach mitten auf die Fahrbahn.
Gillian legte eine Vollbremsung hin und stieg aus.
"Verdammt noch mal Dave, was soll dass eigentlich? Hast du komplett den Verstand verloren? Ich hätte dich überfahren können, ist dir das klar? Was zum Teufel willst du eigentlich?"

Gillian sah ihn wütend an.

"Falls das ein Spiel ist Scully, dann spiel ich jetzt einfach mit, ja? Gut, Sie sind also Gillian und ich bin eben David. Was ist? Gehen wir zu Ihnen oder zu mir?"

Mulder hatte zwar nicht den blassesten Schimmer was hier eigentlich ablief, aber vielleicht wollte Scully ihn ja irgendwie...
Weiter kam er nicht mit seinen Gedanken, denn Gillian unterbrach ihn erstaunt.

"Zu dir? Wohin zu dir?"

"Okay, Scully, steigen Sie ein. Ich zeige es Ihnen."

Mulder ging um den Wagen herum und setzte sich hinters Lenkrad. Gillian blieb also gar nichts anderes übrig, als auf dem Beifahrersitz Platz zu nehmen. Kaum hatte sie die Wagentüre geschlossen, da fuhr Mulder auch schon los.

Während der Fahrt sagte keiner ein Wort. Als Mulder vor seinem Appartement stehen blieb blickte Gillian ihn erstaunt an.

"Du hast hier ein Zimmer genommen? Das sieht gar nicht aus wie ein Hotel."

"Das ist auch keines. Kommen Sie."

Mulder nahm die verwunderte Gillian bei der Hand und ging mit ihr in sein Appartement. Als sie beide eingetreten waren, schloss er die Türe hinter sich.

"Nun Scully, werden Ihre Erinnerungen jetzt wieder wach?"

Gillian blieb vor Erstaunen wie gebannt mitten im Raum stehen. Das hier war eindeutig Mulders Appartement. Genauso nachgestellt wie im Studio, doch das hier war echt, eindeutig echt.

"Seit wann hast du dieses Appartement schon Dave?"

"Dass ist doch egal, " sagte er etwas gleichgültig.

Gillian musste sich setzen. Als sie auf der Couch Platz genommen hatte legte sie den Kopf zurück und atmete zweimal ganz tief durch.

"Irgendetwas läuft hier total verkehrt. Ich war immer der Meinung, ich würde dich kennen Dave, aber ich habe irgendwie das Gefühl, als sähe ich dich heute zum ersten Mal."

"Nun dann sind wir schon zwei, Scully. Mir geht's mit Ihnen nämlich genauso."

Langsam hatte Gillian das Gefühl verrückt zu werden. Das hier war doch David, oder etwa doch nicht?

"Sagen Sie mal, heißen Sie WIRKLICH Mulder?"

"Ja ich bin Mulder, aber langsam frag ich mich wirklich, ob Sie auch wirklich Scully sind."


L.A. Malibu,
2 Stunden später:



Nachdem David Scully nach Hause gebracht hatte, war er geradewegs zu Chris Carter gefahren. Als dieser ihm die Tür geöffnet hatte, hielt David es nicht für wichtig, erstmal einzutreten, sondern begann sofort mit seinen Beschuldigungen.

"Chris, warum verdammt noch mal hast du uns immer in dem Glauben gelassen, dass Mulder und Scully... ach was red ich, die ganzen X-Akten, aus deiner Erfindung stammen? Du hast uns angelogen und ich will verdammt noch mal den Grund dafür wissen."

"Bist du betrunken David, oder was soll das?"

Chris verstand kein Wort von dem was David da von sich gab.

"Ich spreche davon, dass Mulder und Scully wirklich existieren, ebenso die X-Akten und... ach, alles was wir bisher gedreht haben, all das gibt es wirklich."

"David, alles mal der Reihe nach, okay? Komm rein, setzt dich erst mal und dann fang ganz von vorne an."

Chris war sich ganz sicher, David war verrückt geworden. Seine bisherigen Aussagen klangen ziemlich verwirrt und er behauptete, Akte-X stamme nicht aus seiner Erfindung? War er gegen ihn aufgehetzt worden?

David setzte sich Chris gegenüber und fing in ruhigerem Ton an, Chris die Sache zu erklären.

"Ich war heute Morgen in einem Cafe und da saß eine Frau. Zuerst dachte ich es sei Gillian, also hab ich mich zu ihr gesetzt. Als ich merkte, dass sie sauer auf mich ist und mich Mulder genannt hat, da hab ich zuerst gedacht, dass sei wieder eines ihrer kleinen Spielchen. Nach kurzer Zeit hab ich aber festgestellt, dass sie wirklich NICHT Gillian ist. Sie heißt - und jetzt pass gut auf Chris - Dana Scully, arbeitet beim FBI in Washington und hat einen Partner namens Fox Mulder. Sie arbeitet mit diesem Mulder in einer Abteilung, die sie die X-Akten nennt. Ihr Vorgesetzter heißt Walter Skinner und..."

Weiter kam David nicht. Chris war in schallendes Lachen ausgebrochen.

"David... ich kann es nicht glauben... da hat dich Gillian aber ganz schön erwischt, was?"

Chris konnte vor Lachen kaum weiter sprechen.
"Gillian hat dir also gesagt, sie ist Scully und du hast nicht gemerkt, dass sie dich an der Nase herumführt? Ich finde das genial."

David verzog genervt seinen Mund.

"Chris, ich sag dir, dass ist nicht Gillian, ganz sicher nicht. Glaub mir doch, wenn einer das weiß, dann doch wohl ich."

"David, Dave, hör mal zu. Natürlich war das Gillian, wer sonst? Sie hat dich einfach veräppelt und du bist drauf reingefallen, das ist alles. Montag wird sie sich königlich darüber amüsieren."

Chris konnte es einfach nicht fassen, das David Gillian so auf dem Leim gegangen war.

"Und ich sag dir, das war NICHT Gillian. Was ist, soll ich es dir beweisen?"

"Nur zu David. Du wirst sehen das ich Recht habe."

Chris war mit David losgefahren. Nach kurzer Zeit hielt David vor einem Hotel in Malibu und stellte den Motor seines Autos ab.

"Komm schon, jetzt werden wir ja sehen ob ich Recht habe."

David ging voraus bis er vor Scullys Zimmertüre stand und klopfte an.

Scully war gerade im Begriff gewesen ins Bett zu gehen, als es an ihrer Tür klopfte. Komischerweise wusste sie ganz genau, dass das noch einmal David sein würde.

"Haben Sie etwas vergessen David?" sagte sie, als sie die Türe öffnete.

"Nein Dana, ich möchte Sie nur jemandem vorstellen. Jemand der denkt, ich sei nicht mehr ganz richtig im Kopf. Dana, das hier ist Chris. Chris... Dana."

Chris lachte, gab Scully die Hand und schloss dabei die Türe hinter sich.

"Hallo Gill. Mein Gott, diesmal hast du wirklich einen Clou gelandet. Gratuliere."

"Hi Chris, freut mich auch, aber ich bin nicht Gillian. Ich bin Dana."

Ein fragender Blick in Davids Augen sagte ihr sofort, dass Chris ihr genauso wenig glaubte, wie David es Anfangs getan hatte.

"Okay, ich sehe schon, Sie glauben mir auch nicht. Was kann ich tun um Sie davon zu überzeugen, dass ich die Wahrheit spreche? Ach, ich weiß was: rufen Sie doch beim FBI in Washington an, nein, rufen Sie gleich Director Skinner an und fragen Sie ihn nach mir."

Chris dachte einen Moment nach. Gut, er würde ihr Spiel mitspielen. Scheinbar hatte sie vor, David noch länger an der Nase herumzuführen.

"Gut, sag mir seine Nummer."

Schon nach dem zweiten Klingeln hob Skinner ab. Als Chris ihn nach Dana Scully fragte, bekam er nur die Antwort, dass diese für eine Woche Urlaub genommen hatte und dass, wenn es wichtig wäre, er gerne die Nummer von ihrem Partner, Agent Mulder haben könne.
Jetzt wurden zum ersten Mal auch in Chris Zweifel wach. Er hatte definitiv eine Washingtoner Telefonnummer gewählt. Mit einem kurzen Seitenblick auf Davids triumphierendes Gesicht kam ihm ein wirklich guter Gedanke.

"Okay, bis hierher hab ich ja mitgespielt. Jetzt reicht es aber. Im Moment bin ich mir noch nicht sicher, ob du David einfach nur reinlegst, oder aber ob ihr Beide hier mit mir ein Spiel treibt. Ich…"

David unterbrach ihn.

"Verdammt Chris, ich hab dir die Wahrheit gesagt."

"Gut, dass werden wir gleich feststellen. Soviel ich weiß gibt es einen einzigen Unterschied zwischen Gillian und Scully. Wenn diese Gill hier also wirklich nicht Gillian ist, dann werden wir das sofort wissen. Also Gill, zeig mir deinen Knöchel."

Dana blickt ihn verwundert an.

"Meinen Knöchel?"

"Oh Gott ja, " entfuhr es David.

Das er daran selbst noch nicht gedacht hatte.

"Dana, Gillian hat eine Tätowierung auf ihrem Knöchel, 2 kleine Schildkröten. Was Chris meint ist, dass wir in der Serie diese Tätowierung niemals benutzt haben. Ich denke er will Ihren Knöchel sehen als Beweis, dass Sie nicht Scully sind. Er denkt wohl, dann wäre alles klar."

"Ich verstehe."

Scully lächelte David an, dann wandte sie sich an Chris.

"Hier bitte, mein Knöchel hat kein Tattoo. Ich hasse diese Dinger nämlich. Hab mir mal eines machen lassen, in einem Anflug von...hm, ja geistiger Umnachtung würde ich sagen, aber das ist schon lange wieder entfernt worden."

Ungläubig starrte Chris auf den Knöchel. Da war absolut kein Tattoo, auch keine Narbe, die erklären würde, warum dieses Tattoo plötzlich nicht mehr da war, wo es eigentlich sein sollte.

"Oh mein Gott, oh mein Gott, oh mein Gott. Du... Sie sind ja wirklich nicht Gillian."

"Das hab ich doch gesagt." antworteten David und Scully wie aus einem Mund.

Chris musste sich setzen. Fassungslos starrte er immer noch Scully an.

"Und Sie arbeiten wirklich beim FBI in Washington? Bei den X-Akten?"
"Ich denke das hat David ihnen schon gesagt, oder?"

"Hat er, ja. Aber ich hab mir wirklich gedacht, dass das hier einer von Gillians Scherzen ist. Doch inzwischen glaube ich wirklich, Sie sind nicht sie. Nein, ich weiß, Sie sind nicht sie. Können gar nicht sie sein. Wow, David.
Weißt du, eigentlich solltest du Gill jetzt anrufen und sie bitten hier her zukommen. Denn wenn wir ihr das Montag erzählen, dann glaubt sie uns das niemals."

Chris fand die Idee großartig.

"Kann ich nicht Chris. Ich habs heute morgen schon bei ihr versucht, aber ich hab nur mit Piper gesprochen, die gesagt hat, Gill wäre übers Wochenende weggefahren."

Als Chris sich eine Stunde später verabschiedet hatte, blieb David noch bei Scully. Er fühlte sich zu ihr einfach so sehr hingezogen. Im Stillen dachte er, dass läge daran, dass sie Gillian so ähnlich war.

"Das war also der Mann, der dafür verantwortlich ist, dass Ihr Leben und das Ihres Partners verfilmt wird."

"Nun ja, scheint nett zu sein… und vielleicht ist das alles nur eine einfache Anreihung von Zufällen, wirklich große Zufälle. Es würde sich beinahe lohnen, darüber eine X-Akte anzulegen."

David lachte leise, was sich mehr nach einem Schnauben anhörte, und nahm neben Scully auf der Couch platz.

"Über was denken Sie gerade nach?"

Scully stand auf, ging Richtung des großen Fensters und blieb davor stehen.

"Ich denke dass wir beide, nein… eigentlich wir vier, uns all unsere Probleme selbst zuzuschreiben haben. Es wäre doch eigentlich so einfach, die Wahrheit, nach der wir alle so verbissen suchen, preis zu geben. Ich kenne Ihren Grund… ich meine warum sie Gill nicht sagen, was Sie für sie empfinden. Aber was mich betrifft, ist es einfach nur Angst… Angst verletzt zu werden."

"Sie haben Angst davor, dass Mulder Sie verletzen könnte?"

"Nein, nicht Mulder, " sie lächelte sachte und zog den Vorhang beiseite, "Mulder wäre der letzte Mensch auf Erden, der mich in irgendeiner Form verletzen würde. Es… ach, vergessen Sie es am Besten."

Scully konnte hören, wie David ebenfalls aufstand, und sich hinter sie stellte.

"Dann sollten Sie es ihm sagen. Es sind nur drei Worte… drei einfache Worte, die die meisten Menschen in sämtlichen Sprachen sagen können."

Scully lachte ein weiteres Mal und wandte sich David zu.

"Sie sagen dass so einfach… ich meine warum tun Sie es denn nicht? Es ist doch auch nicht richtig, einem Menschen seine Gefühle vorzuenthalten, nur weil man verheiratet ist."

"Also dass Sie so etwas sagen, hätte ich nun wirklich nicht gedacht. Sie sehen für mich zu… anständig aus, als dass Sie verheirateten Männern sagen, sie sollen ihrer besten Freundin ihre Gefühle offenbaren."

"Das hat doch gar nichts mit anständig zu tun… es geht hierbei doch nur um die Wahrheit, um den inneren Druck, der einen irgendwann in die Verzweiflung treibt."

David streckte seine Hand aus und strich Scully sachte über ihre Wange. Ihre Blicke trafen sich und beide versuchten gegenseitig im Blick des anderen zu lesen.
Was ihnen im Normalfall bei ihren eigentlichen Partnern gelang, missglückte hier. Scully schüttelte kaum sichtbar ihren Kopf und strich sich nervös eine Haarsträhne hinters Ohr. David tat es ihr gleich, strich auf der Seite, auf der seine Hand ruhte, beinahe wie in Zeitlupe, eine widerspenstige Strähne des roten Haars aus ihrem Gesicht.
Er trat einen Schritt näher an sie heran, betrachtete ihr komplettes Gesicht bis ins Detail genau und flüsterte leise.

"Sie sehen ihr so verdammt ähnlich."

Schließlich brachte er sein Gesicht wieder vor das ihre, beugte sich ihr langsam entgegen und strich mit seinen Lippen sanft über die ihren.
Kurz entfernte er sich von ihr, sah sie an… und sie war wunderschön. Sein Daumen strich über ihre Wange und als sie ihre Augen noch immer nicht öffnete, kehrte er zurück. Küsste sie… lediglich ein paar Sekunden.
Er entwich ihr ein paar Millimeter, konnte ihren regelmäßigen Atem spüren und beobachtete das Spiel ihrer Zunge, die schnell vom einen Mundwinkel zum anderen ihre Lippen befeuchtete.
Scully berührte ihn schließlich vorsichtig am Bauch. Strich mit ihren Fingerspitzen langsam aufwärts Richtung Brust und hielt dort inne.
Sie hielt ihre Augen weiterhin geschlossen, versuchte irgendwelche klaren Gedanken zu fassen und umfasste letztendlich seinen Nacken, um seine Lippen dort hin zu bringen, wo sie vor ein paar Sekunden verweilt hatten.
Diesmal jedoch war es anders. Als sich ihre Lippen trafen spürte sie dieses wohlige Kribbeln in ihrer Bauchgegend. Und als sie seine Zunge wahrnahm, die langsam, kaum spürbar über ihre Unterlippe strich, öffnete sie ihren Mund gemächlich und spürte ihn. Er berührte ihre Zunge so kurz, dass sie sich fragte, ob es Wirklichkeit oder Fiktion gewesen war. Dann jedoch wiederholte er diese Aktion und sie kam ihm entgegen, bis sie sich aneinander gewöhnt hatten und sich, einen weiteren Augenblick, wild duellierten.
Sie standen da… ein paar Sekunden, Minuten… vielleicht waren es Stunden, und ernährten sich von der Leidenschaft des jeweils anderen.
Scully spürte endlich, wie seine beiden Hände ihre Taille umfassten, sie durch den Seiden-Pyjama liebkosten und streichelten.
Sie machte ihre Hände von seinem Nacken los, fuhr zurück zur Brust, suchte blind nach den Knöpfen seines Hemdes und machte sich daran zu schaffen.
David zog sie ein weiteres Stück näher an sich heran, presste ihren Unterleib gegen den seinen und zog sie Schritt für Schritt Richtung Bett, das wenige Meter von ihnen entfernt war.
Kurz bevor sie es erreicht hatten, glitten seine Hände mit äußerster Vorsicht langsam unter das Oberteil ihres Schlafanzuges und berührten die weiche Haut ihres Bauches.
Er setzte sie vorsichtig ans Ende des Bettes und wartete, bis sie zurückgerutscht war, um sich hinzulegen und tat es ihr dann gleich, in dem er sich neben sie platzierte, ohne sich auch nur eine Millisekunde von ihr zu trennen.
Scully hatte es schließlich auch geschafft, die komplette Knopfreihe seines Hemdes zu öffnen und spielte mit seinen Brusthaaren, ließ ihre Finger über seine Brust kreisen, fuhr tiefer zu seinem Bauch, streichelte ihn und wurde von Augenblick zu Augenblick noch leidenschaftlicher.
Sie spürte, wie David vorsichtig ihre Brüste streifte und beugte sich ihm entgegen…
Endlich beendeten sie ihren, beinahe unendlich langen Kuss. David strich mit seiner Zunge über ihren Hals, küsste sich langsam den Weg hinab, bis er an ihrem Dekollete inne hielt und an Scullys Pyjama-Oberteil zerrte, um es letztendlich über ihren Kopf zu ziehen.
Er küsste sich seinen Weg weiter nach unten.
Scully hielt sein Hemd in ihren Händen, wartete, bis er sich so kurz von ihr löste, dass sie ihn kaum vermisste, es jedoch schaffte, ihm sein Hemd zu entledigen und freute sich, als sie seine warme Haut auf der ihren spürte.
Er würde sie verrückt machen, wenn dass so weiterginge. Sie zog David wieder zu sich und sie versanken erneut in einem unendlich langen, leidenschaftlichen Kuss.
Davids Hand begann, von ihrem Hals, über ihre Brüste… weiter hinunter über ihren Bauch, Richtung Leistendgegend, sich ihren Weg zu bahnen… verursachte bei Scully Gänsehaut und einen kurzen Schüttelfrost.
Scully streichelte seinen Rücken, hielt ihn bei sich und nahm sich im selben Augenblick vor, ihn nie wieder gehen zu lassen.
Als Davids Hand dort angekommen war, wo sie ursprünglich hinwollte, folgte sein Kopf… Küsse pflasterten den Weg dorthin.

"Mulder."

Es war ein so leises Seufzen, nicht mehr als ein leidenschaftliches, forderndes Flüstern, dennoch verursachte es so viel. David stoppte auf der Stelle, Scullys Augen öffneten sich ruckartig und sie nahm ihre Hände von ihrem Gegenüber, genau wie er zur gleichen Zeit ihren Körper verließ und sich auf seine Knie setzte.
Sie brummte kurz, als seine Küsse endeten und seine Hand die Stelle verließ, an der sie zuletzt geruht hatte, setzte sich dann jedoch ebenfalls aufrecht hin und versteckte ihren Kopf in ihren Armen, die über ihre Knie gelegt waren.

"Tut mir leid… ich… ich dachte für einen Moment du wärst er."

Er strich über ihren Unterarm und wartete, bis sie aufsah.

"Es ist okay. Ich… hatte auch für einen Moment, " er lachte leise…, "vergessen, dass du… Scully bist, nicht Gillian."

"Es war nur einfach zu schön. Ich meine seit ich diese Nacht mit Mulder hatte, warte ich darauf, dass es wieder passiert, auch wenn ich es mir selbst nicht eingestehen möchte…."

Er legte ihr seinen Finger auf den Mund und zischte ein leises "Sshht."

"Es ist okay… es ist wirklich okay. Es… ist ja nicht all zu viel passiert. Wir sollten uns wohl mal ein Herz fassen, wenn die richtigen Personen in der Nähe sind, was?"

Sie nickte ihm zu, griff sich das Oberteil des Schlafanzugs, das auf dem Boden neben dem Bett gelandet war, und zog es sich wieder über.

"Und wie geht es jetzt weiter?"

Sie zuckte mit den Schultern, brachte ihre Haare in Ordnung, indem sie sie mit ihren Fingern etwas zerstruppelte und dann leicht durchfuhr.

"Ich denke, ich werde morgen zurück nach Washington fliegen… und mit Mulder reden. Er hat es verdient… wie beide haben dass. Wir sollten nicht länger warten, bis der andere diesen Schritt tut, sondern einfach, wenn auch nur ein einziges Mal, auf unser Herz und das Bauchgefühl hören."

"Dass klingt gut, vielleicht sollte ich mir daran ein Beispiel nehmen, " David holte tief Luft und stand auf, "dann sollte ich jetzt wohl gehen, hm?"

Wieder nur ein leichtes Nicken von Scully, die verträumt vor sich auf die Bettdecke starrte.

"Okay."

Sie beobachtete, wie David nach seinem Hemd griff, es sich anzog und mindestens genau so verträumt wie sie begann, die Knöpfe seines Hemdes zuzuknöpfen. Er drehte sich und ging auf die Tür zu. Bevor er diese öffnete, drehte er sich Scully zu und lächelte sie wiederum an. Ein Lächeln, das sie aufbauen sollte, wie Scully wusste.

"Weißt du, ich… ich denke ich werde dich morgen zum Flughafen bringen, wenn das okay ist?"

"Mehr als okay. Wirklich lieb von dir."

Diesmal erwiderte sie Davids Lächeln, stand auf, ging zu ihm und gab ihm scheu einen Kuss auf die Wange.

"Danke. Ich denke du hast mir geholfen, mein Leben zu ändern."

David zwinkerte ihr zu, strich ihr ein weiteres Mal eine Haarsträhne hinters Ohr und berührte seicht ihre Wange.

"Ich denke wir haben uns gegenseitig geholfen, unsere Leben zu ändern."

Schließlich wandte er sich der Tür zu, öffnete diese, trat hinaus in den Gang und ließ Scully alleine zurück.



Alexandria, Mulders Appartement
etwa zur gleichen Zeit:




"Also, irgendwie ist die Sache doch total unglaublich."

Mulder sah Gillians Blick, der totale Faszination ausstrahlte.

"Ja, einfach zu unglaublich. Ich bin mir zwar inzwischen wirklich sicher, dass Sie nicht Scully sind, aber… es gibt da ein paar andere Theorien, die ich habe."

"Theorien? Tut mir wirklich leid, aber… es ist zu fantastisch, als dass man irgendwelche Theorien entwickeln sollte. Ich meine Sie sehen aus, wie mein bester Freund und ich gleiche Ihrer besten Freundin. Ich würde sagen ein klarer Fall von Zufällen."

Gillian kicherte die ganze Zeit über und das war eindeutig ein Unterschied zu Scullys Lachen… ja, darüber würde er eine Millionen-Wette abschließen.

"Sie sind sicher, dass sie aus L.A. kommen und nicht in irgendeinem Genlabor gezeugt wurden? Ich meine Sie sind kein außerirdischer Klon meiner Partnerin, die während wir uns hier unterhalten, sämtliche Experimente und Versuche über sich ergehen lassen muss?"

Nun stoppte Gill ihr Kichern und sah ihn etwas entgeistert an.

"Dass… dass ist nun aber nicht Ihr Ernst, oder?"

Mulders Gesicht verzog keine Mine, absolut ernstbleibend nickte er.

"Oh, " sie gähnte, "dann sind Sie paranoid."

"Ich bin nur vorsichtig. Ich habe so etwas einfach schon zu oft erlebt, wissen Sie?"

Mulders Blick musterte sie nochmals. Es konnte doch nicht sein. Sie sah absolut identisch wie Scully aus. Keinen noch so kleinen Unterschied.

"Wenn Sie so skeptisch sind, dann sollte ich…," er unterbrach sie.

"Ich bin keineswegs skeptisch, eigentlich ist dass Ihre Rolle… ich, ich meine die meiner Partnerin."

"Aber in diesem Fall sind Sie es. Glauben Sie, mir ist so etwas schon mal passiert? Ich meine dass ich dem Ebenbild meines Arbeitskollegen in einer Stadt am anderen Ende der USA begegne? Wie hoch stehen die Chancen, dass so etwas passiert? Eine Millionen zu eins? Glauben Sie, dass ist überhaupt schon einmal passiert?"

Mulder musste über die Faszination seines Gegenübers Lachen.

"Ich… ich denke nicht, nein. Andererseits… kann ich mir nicht vorstellen, dass wir die einzigen Menschen sind, von denen es Doppelgänger gibt."

"Okay, erzählen Sie mir ein wenig über ihre Partnerin. Ich meine wenn ich schon so aussehe wie sie, würde ich gerne ein wenig mehr über sie erfahren. Wie ist sie so? Können Sie sie mir nicht vorstellen? Es wäre einfach fantastisch, ihr mal gegenüber zu stehen."

Okay, von Augenblick zu Augenblick wurde Mulder klarer, dass das wirklich nicht Scully war. Er hatte Scully bisher erst ein paar Mal so viel und so schnell reden hören und dass war, als sie in diesem Schloss Geister gejagt hatten. Ja, nur ein einziges Mal.

"Ich weiß leider nicht, wo sie sich zurzeit aufhält. Sie… ist verschwunden. Scheint, als sei sie verreist. Ein paar ihrer Klamotten fehlen in ihren Schränken."

"Sie kennen sich in ihren Schränken aus? Ist da vielleicht mehr zwischen Ihnen beiden, als nur reine Freund- und Partnerschaft?"

"Nun ja… eigentlich, eigentlich weiß ich nicht so recht, was ich Ihnen darauf antworten soll."

Wieder brach sie in Gelächter aus.

"Also Mulder, wenn Sie es nicht wissen, wer denn dann?"

"Sehen Sie, diese Sache… diese Beziehung zwischen Scully und mir ist fantastisch. Es ist so viel mehr, als nur reine Partnerschaft… aber diese Sache, die privat zwischen uns steht, ist undefinierbar. Aber wir haben nichts miteinander… nicht wirklich."

Er fühlte sich ein klein wenig unbehaglich. Es konnte sich schließlich doch um einen Klon von Scully handeln und würde er ihr hier seine komplette Geschichte erzählen, könnte das ungeahnte Folgen haben. Er könnte sowohl Scully, als auch sich selbst in größte Gefahr bringen.

"Nicht wirklich? Ich weiß nicht so ganz, was ich mir darunter nun wieder vorstellen darf… oder soll."

"Ich, wir sollten das wohl besser lassen."

"Nun kommen Sie schon… haben Sie beide irgendwelche Probleme?"

"Sehen sie, ich… eigentlich bin ich nicht einer von denen, der seine privaten Probleme mit jeder beliebigen Person bespricht. Ich habe dafür besondere Menschen, die ich kenne, denen ich vertraue, die verstehen wie ich fühle, denke und handle. Und ich bin mir nicht sicher, ob sie zu diesen Personen gehören. Ich meine, ob sie mein Problem überhaupt verstehen, oder ob sie es einfach nur lächerlich finden."

Gillian sah ihn mit einem vertrauensvollen Blick an, griff nach seiner Hand und strich anschließend sanft darüber.

"Manchmal tut es gut, mit Menschen zu reden, die alles rein objektiv sehen."

Es kam ihm vor, als hätte Gillian gerade eine Wendung von 180 Grad durchgemacht. Sie sah ernst auf ihn, in ihrem Blick lagen Vertrauen, Wissen und Geborgenheit. Keine Spur mehr von diesem endlosen Lächeln, das in ihrem Gesicht zu sehen war, seit er sie getroffen hatte.

"Ich denke zwischen Scully und mir, " begann er, "gibt es eine besondere Art der Verbundenheit. Eine Art Seelenverwandtschaft. Als sie mir vor 7 Jahren zugeteilt wurde, habe ich ihr misstraut, ihr oft unterstellt, sie würde mich lediglich überwachen und sich ihre Notizen über mich machen, um sie denen zu übergeben. Scully jedoch… hat die Seiten innerhalb kürzester Zeit gewechselt. Sie war genau so sehr an der Wahrheit interessiert, wie ich selbst. Je mehr Zeit ich mit ihr verbrachte, desto näher kamen wir uns… rein psychisch. Sie unterstützte mich auf jede Art und Weise, in der man einen Menschen unterstützen kann. Sie hielt die Wahrheit zurück, die wir beide kannten, um mir zu helfen. Ich verdanke ihr so viel."

Endlich holte er Luft und sah Gillian an, die wie gebannt da saß und noch immer seine Hand in der ihren hielt. Sie hatte das Gefühl, als würde Mulder ihr gerade ihre und Davids Rolle in ihrer Serie beschreiben.

"Weiter… erzählen Sie weiter."

"Und aus dieser Situation heraus, ist wohl das passiert, was nicht hätte passieren sollen. Ich… ich will damit nicht sagen, dass es ein Fehler war, aber… es war einmalig und genau das macht es so schwer. Wir waren noch nicht einmal in der Lage, darüber miteinander zu sprechen, armselig, nicht wahr?"

Ein kurzes Lächeln huschte über sein Gesicht und sie wusste, dass dies ein Mann war, dessen Gefühle echt waren. Man konnte sie ihm beinahe ansehen.

"Sie… Sie beide haben miteinander geschlafen?"

Er nickte etwas unsicher.

"Ja. Es war so plötzlich, dass ich am nächsten Morgen nicht sicher war, ob es nicht doch nur ein Traum war. Alleine die Tatsache, dass ich alleine in meinem Bett lag, ließ mich so unsicher sein. Sie war einfach gegangen. Vermutlich um es uns beiden zu ermöglichen, darüber nachzudenken. Es war schön. Es war einfach perfekt und… ich weiß nicht, warum wir nicht in der Lage sind, diese Sache zu klären. Wir sprechen sonst auch über alles miteinander, nur haben wir mit privaten Dingen wohl ein kleines, aber sicheres, Problem."

"Ich denke es ist normal. Ich meine eine solche Aktion verändert Beziehungen. Man weiß Dinge, die einem vorher unklar waren. Man weiß, wie der andere auf bestimmte Berührungen und Küsse reagiert, ich denke, Sie und Ihre Partnerin haben dass vorher nicht übereinander gewusst."

Mulder lachte auf. Es tat gut, ihn Lachen zu sehen, dachte Gillian. Ja, es ließ ihn sympathischer wirken und man sah ihm nicht sofort an, dass er für die Regierung arbeitete. In Momenten wie diesen war er wirklich wie David, ihr David!

"Ja, vermutlich haben Sie Recht. Und sehen Sie, ich… ich hatte eigentlich vorgehabt, sie zu überraschen. Ich hatte Flüge nach London gebucht. Ich dachte, Scully und ich würden uns ein schönes Wochenende in Großbritannien machen. Ich hatte gehofft, dass wir uns so über unsere Gefühle füreinander klar werden würden. Dass wir in einer Suite in einem Nobelhotel, im Bonzenviertel von London eine weitere, schöne Nacht miteinander verbringen können. Sie… Scully hat wohl irgendwas in den falschen Hals bekommen und gedacht, ich würde sie auf eine weitere Jagd nach kleinen, grauen Männchen schleppen. Als ich zu ihr nach Hause kam, war sie weg… einfach weg und ich habe keine Ahnung, wo sie ist. Ich saß die letzten Tage in ihrem Appartement, dachte, sie würde wieder kommen und alles wäre gut. Aber, sie ist nicht bei ihrer Mom, wie ich es vermutet hatte. Sie ist, spurlos verschwunden und ich mache mir Sorgen… ich mache mir Sorgen und Vorwürfe, dass ich ihr nicht einfach die Überraschung verraten habe. Ihr die Tickets, mit einer roten Schleife umbunden, überreicht habe mit den Worten *Ich hoffe wir haben ein schönes Wochenende*. Vielleicht hätte sie mir einen ihrer wirklich skeptischen Blicke zugeworfen, aber sie wäre bestimmt nicht einfach verschwunden, ohne mir zu sagen, wohin sie ist. Ich meine wir befinden uns in einer Art Beziehung, in der sie mir schuldig ist, zu sagen, wo sie ist… verdammt noch mal, ich mache mir Sorgen um sie."

Mulder biss sich fest auf seine Zähne, wobei seine Wangenmuskeln deutlich hervortraten.

"Ich denke, Ihre Partnerin wird dasselbe tun, wie Sie. Sie denkt darüber nach. Sie ist an einen Ort gefahren, an dem sie nicht gestört werden kann, an dem Sie sie nicht beeinflussen können und vielleicht wird sie sich über ihre Gefühle für Sie klar. Vielleicht kommt sie zurück und sie sieht alles in einem anderen Licht. Wissen Sie, Dinge erscheinen einem an anderen Orten oft viel klarer, als wenn man sich in gewohnter Umgebung befindet. Deswegen bin ich hier in Washington D.C. Ich muss mir auch klar werden, was ich will."

Mulder nickte stumm und versuchte, die ansteigenden Tränen zu verdrängen.

"Ja, Sie… Sie haben vermutlich Recht. Vielleicht saßen wir einfach zu dicht beieinander, um uns wirklich klar zu machen, was wir einander bedeuten, welche Gefühle wir füreinander haben und… welche Entscheidung die Richtige wäre."

Wieder vernahm Gillian ein leises Lachen.

"Nun aber genug von mir und Scully… was… was für Probleme haben Sie denn?"

"Oh nein mein Lieber. So geht das nicht. Das läuft hier nicht ab wie dieses *Ich sage Dir, welche Probleme ich habe und als Gegenleistung erzählst Du mir all Deine Sorgen*-Verfahren. Ganz und gar nicht."

Er stieß sie sanft in die Seite und forderte sie somit auf, ihm dass zu erzählen, was er hören wollte.

"Sie haben mir gerade meine eigene Geschichte erzählt."

"Ich habe was?"

Okay, Gillian verstand es, sich in manchen Dingen noch komplizierter als er auszudrücken.

"Nun ja, David, der mit dem ich Sie verwechselt habe, und ich… wir führen eine ähnlich komplizierte, freundschaftliche Beziehung wie Sie und Ihre Partnerin. Der einzige Unterschied ist… dass Dave verheiratet ist und das macht die Sache um einiges komplizierter, wie Sie sich denken können."

"Dass… tut mir leid. Und Sie haben sich in ihn verliebt?"

Wieder fiel Mulders Blick auf seine Hand, die noch immer mit der von Gillian verstrickt war.

"Das war durchaus eine lange Zeit vorher. Wir arbeiten schon eine ziemlich lange zusammen und anfangs… anfangs hatten wir eine Beziehung miteinander. Wir trennten uns, aufgrund unseres Arbeitsverhältnisses. Wie dumm von uns, ich weiß. Ein paar Monate später lernte ich meinen heutigen Ex-Mann kennen, habe ihn geheiratet und als David nach der Scheidung ankam und mir den Vorschlag machte, ob ich nicht eine Affäre mit ihm führen wolle, hatte ich einige Zeit wirklich genug von ihm. Okay, er war nach meiner Scheidung immer für mich da, er hat mich aufgebaut, sich sorgevoll um meine Tochter und mich gekümmert aber… diese Sache mit der Affäre war nun wirklich zu viel. Es dauerte einige Zeit, bis wir wieder eine freundschaftliche Beziehung aufbauen konnten, die vielmehr beinhaltete, als man sich vorstellen kann. Ich bekam Hoffnung darauf, dass wir es doch schaffen würden, wieder eine Beziehung zueinander aufzubauen, ich meine ich liebte ihn. Ich liebte ihn die ganze Zeit über. Eines Tages hat er dann ganz plötzlich eine andere geheiratet und Sie können sich nicht vorstellen, wie gerne ich ihm den Hals herumgedreht hätte. Ich hatte Angst, ihn wieder zu verlieren und diesmal endgültig. Aber es änderte sich nichts zwischen uns. Unser Verhältnis veränderte sich nicht. Wie genießen es richtig, unanständige Dinge am Filmset zu tun… ich, ich weiß, was ich ihm bedeute… aber all dem steht seine Frau im Weg."

Gillian lächelte kurz.

"Eigentlich habe ich meine Entscheidung schon vor Jahren getroffen. Ich war bisher nur zu feige, David die Wahrheit zu sagen. Es… er weiß natürlich, was ich empfinde, aber wir sind uns nicht im Klaren darüber, wie wir weitermachen sollen. Schließlich setzt er damit seine Familie aufs Spiel. Er hat eine Tochter, eine Frau… ich bin mir nicht sicher, ob ich das alles kaputt machen will, verstehen Sie?"

"Ja, ich denke schon. Ich würde Ihnen wirklich gerne einen hilfreichen Tipp geben, aber wie Sie sehen, befinden wir uns beide in einer zwiespältigen Situation, derer wir uns nur entledigen können, wenn wir eine ins Gewicht fallende Entscheidung treffen, die unser beider Leben verändern könnte, nicht?"

Gillian nickte zustimmend und verstärkte den Griff um seine Hand.

"Ja, Sie haben Recht. Sie haben vollkommen Recht. Ich denke wir beide sind wirklich feige. Feige, unser Leben zu ändern. Feige, eine Entscheidung zu treffen, die reif ist… die alles besser macht. Wir machen uns unser Leben selbst so kompliziert, dass wir manchmal im Kreis gehen. Sie wissen schon, zwei Schritte vor, drei zurück… wir treten einfach auf der Stelle und kommen nicht voran."

"Genau, und deswegen sollten wir der Sache ins Auge fassen. Mut ergreifen und dass tun, was wir schon längst hätten tun sollen."

Gillian nickte zustimmend und versuchte, äußerst entschieden zu wirken. Nein, eigentlich brauchte sie nicht so zu wirken, sie war es einfach.

"Wow, wirklich Gillian… Sie hatten Recht. Ich fühle mich, als hätten Sie mir all die Last von den Schultern genommen. Oh… wollen Sie etwas trinken? Tee vielleicht?"

Endlich entließ sie seine Hand aus ihrem festen Griff und lehnte sich entspannt auf Mulders Sofa zurück.

"Gerne. Ich denke wir können beide eine kleine Stärkung gebrauchen. Hätte wirklich nicht gedacht, dass es dermaßen anstrengend sein kann, sich über ein und dasselbe Problem zu unterhalten."

Ihr Lächeln kehrte langsam in ihr Gesicht zurück, von Müdigkeit unterlegt.

"Ich werde uns Tee kochen, den trinken wir dann in Ruhe und dann werde ich Sie zurück in Ihr Hotel bringen, okay?"

"Das klingt wirklich gut. Ja."

Mulder stand auf, sah sie noch einmal an, bekam ein Lächeln geschenkt, und verschwand schließlich in seiner Küche. Er konnte es kaum erwarten, auf Scully zu treffen. Vielleicht gelang es ihm ja, die beiden Tickets und die Hotelbuchung zu verlegen… einfach auf ein anderes Wochenende. Im Moment konnte er sich nichts Schöneres vorstellen, als mit Scully in einem Bett zu liegen und all das nach zu holen, was sie die 7 Jahre, die sie sich kannten, verpasst hatten. Er würde ihr all seine Gefühle, Gedanken und Wünsche offenbaren und ihr nie wieder irgendetwas vorenthalten. Gillian hatte ihm die Augen geöffnet, hatte ihm klar gemacht, dass es falsch war, vor seinen eigenen Gefühlen davon zu laufen und man sich nicht zu viel Zeit lassen sollte, schließlich wusste man nie, was kommen würde. Oh ja… was war, wenn Scully in den letzten Tagen einen anderen Mann kennen gelernt hatte… ihn heiraten würde? Er schnappte zwei Teebeutel aus seinem Schrank, warf diese in zwei Tassen und stellte den Wasserkocher an.
Oh nein, solche Gedanken waren jetzt wirklich verdammt unpassend. Scully war niemand, die sich einfach auf einen Kerl einließ, den sie gar nicht kannte. Außerdem war sich Mulder sicher, dass sie ihn genau so liebte, wie er sie. Nur was war, wenn er einfach zu lange damit gewartet hatte, ihr dass zu sagen? Vielleicht glaubte sie, es gäbe keine Chance, diese eine Nacht zu wiederholen… schließlich hatte er seitdem keinen weiteren Versuch gemacht, ihr körperlich näher zu kommen, mal abgesehen davon, dass sie öfter miteinander abends bei ihm saßen und Videofilme ansahen, die keinesfalls ihrem Geschmack unterlagen… meistens. Er schlug die Hände vors Gesicht und könnte sich selbst Ohrfeigen. Was, wenn er alles aufs Spiel gesetzt hatte? Und warum? Nur weil er dachte, er würde damit diese Freundschaft aufs Spiel setzen. Aber würde man ihn vor die Wahl stellen, Scully als Freundin oder als Frau neben sich zu wissen… er würde sich eindeutig dafür entscheiden, Scully zu lieben, eins mit ihr zu sein. Ja, zweifelsohne. Es würde ihn keine Sekunde kosten, diese Entscheidung zu treffen.

Seine Gedanken wurden unterbrochen, als der Schalter des Wasserkochers auf aus sprang und er das Blubbern des Wassers vernahm.
Etwas verwirrt, und noch immer nachdenklich, nahm er die Kanne, goss das Wasser über die Beutel, nahm die beiden Tassen und ging zurück zu Gillian. Darauf konzentriert, nicht das Wasser über die Ränder schwappen zu lassen, ging er vorsichtig zurück auf seinen Platz, stellte die Tassen auf den Tisch und sah zu Gillian.

"Bin leider kein Meister, im Teekochen… normal kümmert sich Scully darum."

Als er Gill letztendlich genau betrachtete, bemerkte er, dass sie eingeschlafen war. Noch immer dieses glückliche Lächeln im Gesicht.
Er legte seinen Kopf schief, lächelte zurück, als ob sie es sehen könnte und stand wiederum auf. Leise schlich er Richtung Schlafzimmer, öffnete die Tür, schlug die Decken seines Bettes zurück und knipste die Nachttischlampe an.

Gill hatte sich keinen Millimeter gerührt, als er zurückkam. Langsam näherte er sich ihr, fasste unter ihre Beine und ihren Oberkörper, nahm sie auf den Arm und trug sie mit äußerster Vorsicht in sein Bett, um sie, nachdem er sie abgelegt hatte, zuzudecken.
Seine Hand fasste sachte in ihr Gesicht, strich über ihre Wange, berührte ihre Haare. Es fühlte sich gut an. Als sei es ein Traum… sie sein Engel und er derjenige, der das Glück auf Erden hatte, sie hier bei sich zu haben.
Wieder biss er auf seine hintersten Zähne, überlegte, seinen Gedanken, die ihn durchfuhren, nachzugeben.
Wie von alleine beugte er sich zu ihr hinunter, gab ihr einen Kuss auf die Wange und strich daran entlang, bis er sich über ihren Lippen befand. Ein kurzes Zucken ließ ihn in den Genuss kommen, sie für einen Moment lang zu küssen.
Sie bewegte sich leicht unter ihm, begann nach kurzer Zeit, diesen Kuss zu erwidern, ihre Hände umfassten ihn, zogen ihn näher zu sich.
Sie öffnete ihren Mund, nur um ihn zu necken… ihre Zunge blieb aus, bis er schließlich die Initiative ergriff und ihr seine Zunge entgegen kommen ließ. Es war das Feuerwerk aller Gefühle, so etwas mit ihr zu teilen. Sein Körper erwachte aus seiner Erstarrung und seine Hände begannen, sie zu berühren. Er berührte sie beinahe, als hätte er Angst, sie verletzten zu können.
Gillian rutschte zur Seite, zog Mulder mit sich und lächelte unter ihrem Kuss, als er endlich neben ihr lag. Sie drehte ihn auf den Rücken, legte sich auf ihn und bedeckte ihn mit äußert fordernden Streicheleinheiten.
Schließlich setzte sie sich auf ihn, platzierte ihren Hinten dort, wo er es am Liebsten hatte und küsste ihn noch immer.
Mulders Hände legten sich schließlich auf ihre Schenkel, streichelten sie voller Leidenschaft und fuhren hoch zu ihrer Hüfte, um sie zu bewegen. Momentan gab er sich einfach diesem Gefühl hin und ihm war wirklich absolut egal, dass sie beide noch vollkommen bekleidet waren.
Er küsste ihren Hals und als er sich sicher war, dass sie nicht still sitzen würde, wenn er seine Hände von ihrem Hintern nehmen würde, glitt er unter ihr Oberteil, ihren Rücken entlang und wieder zurück. Ein leises Stöhnen entwich ihr. Ihm gefiel dieser Ton… dieses Geräusch und er drehte sich mit einer solchen Geschwindigkeit, dass sie vom einen zum anderen Moment die Positionen getauscht hatten und er nun über ihr lag.
Beide verfielen erneut in einen unendlich langen Kuss, und gaben sich diesen unglaublichen Gefühlen hin, den anderen so nahe zu spüren.
Ihre Körper pressten sich erneut gegeneinander, bewegten sich rhythmisch, rieben aneinander.
Mulder hatte sich so lange gewünscht, Scully wieder so unter sich liegen zu haben, sie zu küssen und ihr zu zeigen, dass er sie liebte.
Zwischen einem Keuchen und einem weiteren Stöhnen formte Mulder schließlich die Worte mit seinen Lippen und unterlegte sie schließlich mit seiner Stimme, zwar leise, aber dennoch bestimmt.

"Ich liebe dich."

Mulder beendete den Kuss, sah Gill in die Augen und räusperte sich.
Sie wollte schnellstmöglich zu ihm zurückkehren, nahm sein Gesicht in ihre Hände und zog ihn näher.

" Scully, langsam… wir…, " er verschluckte sich.

"Oh verdammt."

Sie vergrub ihr Gesicht in ihren Händen, die sie vorhielt und schüttelte den Kopf.

"Wir wollten gerade nicht dass tun, was ich glaube, was wir tun wollten, oder?"

Mulder zuckte mit den Schultern.

"Ich glaube wir haben uns von unseren Gefühlen übermannen lassen. Äußerlich sehen wir schließlich genau so aus, wie die Personen, die wir ursprünglich gerne in dieser Situation hätten."

Gillian lachte wieder, wie sie es beinahe den ganzen Abend getan hatte und zog Mulders Hemd zu recht.

"Dann geh ich wohl besser in mein Hotel zurück."

Sie war im Begriff aufzustehen, er hielt sie jedoch am Arm zurück.

"Nein, bleib hier. Ich werde auf der Couch schlafen."

"Ich… ich werde ziemlich früh aufstehen müssen… immerhin fliege ich morgen nach L.A. zurück."

"Dass ist okay, ich… ich werde dich begleiten."

Sie sah ihn entsetzt an.

"Du willst mit mir nach L.A. fliegen? Bist du etwa doch…?"

"Nein, ich würde nur gerne meinen Doppelgänger kennen lernen… oder glaubst du, er ist auch unterwegs?"

"Nein, dass denke ich nicht."

Sie kicherte wieder leise und zog die Decke über sich, nachdem Mulder aufgestanden war.

"Ich muss ihm sagen, was er verpasst, wenn er sich nicht für dich entscheidet."

Er stimmte in ihr Kichern mit ein und so saßen sie eine Weile nebeneinander, wie kleine Kinder und warteten auf den nächsten Morgen.



L.A. Airport
11.36 Uhr:




Scully ging langsam neben David her, der ihr freundlicher Weise den Koffer abgenommen hatte und diesen jetzt hinter sich herzog. Bisher herrschte Stille am Flughafen. Hin und wieder wurden verschiedene Terminals aufgerufen und Abflüge durchgegeben, oder Namen von Menschen durchgesagt, die von jemandem erwartet wurden.
David blieb an ein paar Stühlen stehen, die vollkommen leer waren und setzte sich.

"Ich denke, hier ist es bequemer zu warten."

Scully nickte ihm zu und setzte sich schließlich neben ihn.

"Hast du… hast du inzwischen eine Entscheidung getroffen?"

David warf ihr einen kurzen Blick zu.

"Weißt du, ich denke ständig daran, was gewesen wäre, wenn du gestern Gillian gewesen wärst. Ich meine ich hätte mit ihr geschlafen, und dabei keine Sekunde einen Gedanken an meine Frau verschwendet… eigentlich sagt dass doch schon alles aus, nicht wahr?"

Scully nickte ihm zu.

"Ja, dass stimmt. Du solltest auf alle Fälle mit Gillian darüber sprechen. Ich bin mir sicher, dass Ihr Euch noch nicht darüber unterhalten habt, was passiert, wenn du dich für sie entscheidest, oder? Ich meine ob sie das überhaupt möchte."

"Ja, damit hast du vollkommen Recht. Ich sollte keine Entscheidung treffen, bevor ich nicht mit Gillian darüber gesprochen habe, obwohl ich mir sicher bin, dass ich nicht so weiter machen kann. Es ist einfach falsch, eine andere Frau zu begehren, obwohl man verheiratet ist. Ich sollte mich in jedem Fall von Téa trennen. Nicht für Gillian… einfach für mich selbst."

"Du bist auf dem richtigen Weg."

David sah sie an und irgendwie hatte er das Gefühl, dass er sie vermissen würde. Er wusste nicht wirklich warum, aber es war ein seltsamer Gedanke zu wissen, dass jemand Dinge über ihn wusste, die er bisher in seinem tiefsten Inneren verschlossen hatte und sich selbst geschworen hatte, sie nie irgendwem zu erzählen.

"Ich hoffe, ich war dir eine ebenso große Hilfe, eine Entscheidung zu treffen. Ich meine immerhin war das der Grund, warum du hierher gekommen bist, nicht?"

"Mir fällt diese Entscheidung jedoch um einiges leichter als dir. Ich werde gleich heute Abend noch zu Mulder fahren und mich dann in Ruhe mit ihm über die Dinge unterhalten, über die wir bisher geschwiegen haben. Diese Nacht, die wir gestern beinahe miteinander verbracht hätten, hat mir die Augen geöffnet und ich weiß jetzt ganz genau, was mir Mulder bedeutet."

"Das klingt gut. Er ist ein wirklicher Glückspilz, weißt du dass?"

Scully sah ihn etwas misstrauisch an, warf einen Blick auf ihre Uhr und stand auf.

"Ich denke, ich muss jetzt gehen."

David nickte, stellte sich neben sie und nahm sie in die Arme, ein letztes Mal.

"Pass auf dich auf. Vielleicht triffst du ja eines Tages noch mal die Entscheidung, hier her zu kommen, um nachzudenken und ich hoffe du weißt, dass ich dir auch dann zur Seite stehen werde."

Sie nickte stumm und löste sich aus der Umarmung, um ihm einen leichten Kuss auf die Wange zu geben.




zur gleichen Zeit,
am selben Ort:




Es war ein seltsames Gefühl hier neben Gillian zu gehen. Wenn er neben sich sah, war es im Grunde genommen eigentlich wie immer, zumindest hätten das die anderen gedacht… nur er und Gillian wussten, dass es nicht so war.

"Ich… ich denke ich sollte doch nicht mitkommen."

Gillian war ein paar Schritte weitergegangen, hielt jedoch sofort in ihrer Bewegung inne und sah fragend auf Mulder.

"Was?"

"Nun ja, es gibt bestimmt einen Grund dafür, warum ich und David uns bisher nie begegnet sind. Vielleicht bringt es Unglück, wenn man diese Einemillionen-zu-Eins Möglichkeit nutzt."

"Unglück? Du meinst alles passiert aus einem bestimmten Grund und es war kein Zufall, dass ich genau zu der Zeit in Washington war, als es deine Partnerin nicht war?"

Er nickte, ließ sich etwas erschöpft gegen die Säule, neben der er gestanden hatte, fallen und seufzte leise.

"Genau das."

"Dann wirst du also den nächsten Flug zurück nach Washington nehmen?"

Ein weiteres Nicken.
Mulder stellte seine Reisetasche neben sich ab und ließ sich an der Säule hinab gleiten.

"Ich sollte mich eher darauf vorbereiten, was ich alles mit Scully zu besprechen habe. Vielleicht sollte ich mir Notizen machen. Du kennst das bestimmt," seine Hände fuhren über sein Gesicht und Gillian hatte das Gefühl, er wolle sich durch diese Geste des sorgenvollen Blicks entledigen, "jetzt fallen mir tausend Dinge ein, die ich ihr sagen möchte, die sie wissen sollte und stehe ich letztendlich vor ihr, ist mein Kopf wie leergefegt."

Gillian trat vor ihn, ging vor Mulder in die Hocke und nahm ihn kurz in die Arme.

"Ich bin mir sicher, du wirst die richtigen Worte finden. Und wenn nicht, dann improvisiere einfach, ich weiß einfach, dass du diese Chance nicht vertun wirst. Außerdem glaube ich, dass Scully schon alleine durch eine Umarmung oder einen Kuss von deinen Gefühlen überzeugt sein wird."

Wieder bekam sie dieses Lächeln geschenkt, dass so hilflos und überhaupt nicht überzeugt von der ganzen Sache, wirkte.
Gillians Hand fuhr durch Mulders Haare und verweilte dort. Irgendwie fühlte es sich an, wie die Mähne ihres Pferdes. Der Gedanke ließ sie auflachen und Mulder schenkte ihr einen noch unsichereren Blick.

"Was ist?"

Seine Stimme war rau und langsam befürchtete sie, er würde doch wieder den Kürzeren ziehen, wenn er Scully sah.

"Nichts… nichts. Absolut nichts. Es… ich dachte nur eben daran, wie verdammt merkwürdige unsere Situation ist. Nicht nur, dass wir beide jeweils einen Doppelgänger haben, sondern auch noch dieses Schicksal, keine glückliche Beziehung mit denen führen zu können, die wir lieben."

"Nun ja, dass sollte sich eigentlich in den nächsten Tagen ändern, " er hielt kurz die Luft an und sah ihr dermaßen intensiv in die Augen, dass sie eine kurze Gänsehaut durchfuhr.
"Gill?"

"Ja?" es war ein einfaches Flüstern.

"Wenn… wenn es weder David noch Scully gäbe, glaubst du, dass dann wir beide…, " Mulders Finger zeigte abwechselnd auf Gillian dann auf ihn selbst und er schluckte kräftig.

Gills Hand bewegte sich erneut durch seine Haare, anschließend stellte sie sich aufrecht hin und griff nach ihrem Koffer.

"Darüber sollten wir nicht einmal eine Millisekunde nachdenken."

Sie stand mit dem Rücken zu ihm, hob ihre Hand kurz an, um ihm ein letztes Mal zuzuwinken und ging dann Richtung Ausgang.

Seine Augen hingen an ihr und folgten ihr, bis sie schließlich durch eine Menschenmenge ging und er sie verlor. Er sah nicht mehr, dass sie stehenblieb und sich nocheinmal umdrehte.

Mulder fühlte sich absolut hilflos und beschämt. Er hatte das sonderbare Gefühl, dass er wieder alles vermasseln würde, wie er das bisher auch getan hatte. Vermutlich sollte es zwischen Scully und ihm einfach nicht klappen und vielleicht war das gut so. Bisher hatte er sie durch seine Anwesenheit immer nur in Schwierigkeiten gebracht oder verletzt. Wegen ihm war sie entführt worden, nur um seine Suche nach der Wahrheit zu beenden. Sie konnte sich ihren größten Wunsch nicht erfüllen und keine Kinder mehr bekommen. Es war einfach alles viel zu deprimierend und… viel zu verzwickt, als dass er sich jetzt einfach ein Herz fassen konnte um Scully die Wahrheit zu sagen. Vielleicht sollte er all seine Gefühle verdrängen und ein Leben lang unglücklich sein.

Mulders Kopf sank auf seine Knie. Ein sachtes Streicheln im Genick ließ ihn ein paar Minuten später zusammen zucken und aufsehen.

"Nicht in Selbstmitleid verfallen… nicht jetzt, okay? Bitte. Du musst es ihr sagen. Du machst dich nur selbst dadurch kaputt. Ich weiß, dass du Angst davor hast, dass du denkst, du könntest sie verlieren, aber dass stimmt nicht. Liebe ist um einiges stärker als alles andere, was es an Gefühlen auf dieser Welt gibt."

Ihre Hand fand erneut, wie auch am gestrigen Abend, seine Wange und fuhr zärtlich darüber.

"Und nun geh zurück nach Washington."

Gillian half ihm, vom Boden aufzustehen, nahm in ein letztes Mal in die Arme und ging.



L.A. Airport,
2 Stunden später:




Mulder hielt sich an den Zeitschriftenständen am Flughafen auf und vertrieb sich somit die Zeit, bis zu seinem Abflug. Natürlich war alles nur Ablenkung. Seine Gedanken gehörten weiterhin Scully und Gillians letzten Worten.
Er dachte kurz daran, wie er sich als Teenager danach gesehnt hatte, endlich Verantwortung zu übernehmen, seine eigenen Entscheidungen treffen zu können und all dass würde er jetzt gerne zurück geben. Es war verdammt schwierig. Ginge es hier alleine um ihn, hätte er vermutlich keine Probleme damit, dass zu tun, was er für richtig hielt.
Aber es betraf auch Scully und deswegen hatte er sich vorgenommen, wirklich alles mit ihr zu besprechen. Nicht lediglich nur diese Sache mit seinen Gefühlen, dass er sie liebte und sie nie wieder in seinem Leben missen möchte, sondern auch seine Ängste und Sorgen, die auftreten könnten, würden sie sich für ein gemeines Leben entscheiden.
Mulder war sogar mehr als nur fest entschlossen, genau dies zu tun.

Er griff blind nach irgendeinem Heft, schlug es auf und ließ seinen Blick gedankenverloren darauf ruhen.

"David?"

Mulder reagierte nicht sofort, erst nachdem er durch ein leichtes Tippen darauf aufmerksam gemacht wurde, dass er gemeint war, wurde seinem benebelten Hirn klar, dass ihm diese Stimme verdammt bekannt vorkam.

"Gill? Du bist noch immer hier? Ich dachte du seiest schon längst auf dem Weg nach Hause und… ich, ich bin nicht David."

Er lies seine Hände sinken und formte erneut das Lächeln, dass Gillian so an ihm gefallen hatte.

"Wie… du bist nicht David?"

Er schüttelte energisch seinen Kopf und betrachtete sie genau.

"Moment mal… du, du hattest vorher doch noch etwas anderes an."

Seine Gegenüber schien ziemlich irritiert zu sein, legte besorgt eine Hand auf seine Brust und drückte sanft dagegen.

"Geht's dir nicht gut?"

Mulders Augen schlossen sich kurz, er durchging alle Gedanken die sich im Moment in seinem Kopf bewegten und lachte nun.

"Ich… ich habe die Vermutung, wir halten uns gegenseitig für die, die wir gar nicht sind."

Nun kam ihm ein unsicheres, scheues Lächeln entgegen und schließlich nahm Scully ihn in die Arme.

"Mulder? Was… was tun Sie denn hier?"

Er erwiderte ihre Umarmung und musste sich zurückhalten, nicht all seinen Gefühlen platz zu machen und sie nicht zu fest zu drücken.

"Die Frage müsste eher heißen, was Sie denn hier tun?"

"Nun ja… ich denke Sie können sich bestens an Freitag erinnern," sagte sie, nachdem sie sich aus seiner Umarmung gelöst hatte und nun etwas kritisch in seine Augen sah, "und ich bin hier her gefahren, um einzukaufen und… um mir über ein paar Dinge klar zu werden."

"Oh wirklich? Und Sie… Sie kennen David, ja?"

Scully nickte überrascht.

"Sie etwa auch?"

"Nein, nicht wirklich… ich habe in den letzten paar Tagen nur erfahren, dass ich ihm sehr ähnlich zu sein schein und wir uns wohl gleichen, wie ein Ei dem anderen. Ihre Reaktion eben hat das übrigens bestätigt."

Scully schient etwas sprachlos zu sein. Dann verstand sie.

"Dann gehe ich mal davon aus, dass Sie, rein zufällig versteht sich, Gillian getroffen haben?"

"Ja, höchstpersönlich und Sie glauben gar nicht, wie ähnlich Sie beide sich sehen."

"Oh doch. Es war reines Chaos, Mulder. Ich meine erst einmal hat David dass abbekommen, was Sie eigentlich verdient hätten und glauben Sie nicht, dass das ausbleibt, nur weil wir uns zufällig hier am Flughafen in L.A. treffen und feststellen müssen, dass Sie meiner Doppelgängerin begegnet sind und ich Ihrem."

"Ja… da ging es mir ähnlich. Sie haben die beste Entschuldigungsrede Ihres Lebens verpasst, ich denke, Sie wären dadurch weich geworden und äußerst friedlich, mir gegenüber."

Mulder war selbst nicht so ganz davon überzeugt, was er eben sagte. Denn Scully stand ihm gegenüber, die Hände vor der Brust verschränkt und ihr mehr kritischer, als skeptischer Blick ruhte auf ihm.

"Was… was ist denn?"

Ihr Kopf nickte zu seiner rechten Hand. Etwas ungläubig sah er an sich herunter und stellte fest, dass er noch immer diese Zeitschrift in den Händen hielt und ja, dann fiel sein Blick auf das Cover.

"Sie gehen wohl wieder ihrer Lieblingsbeschäftigung nach, was?"

"Nein, absolut nicht. Es ist...reiner Zufall."

Seine letzten Worte waren stark betont.

"Oh, dann ist es wohl auch Zufall, dass sich zick weitere Magazine dieser Art in Ihren Schubladen in Ihrem Appartement, sowohl auch in denen Ihres Büros befinden, was?"

Er zuckte nervös mit den Schultern, legte eilig den *Playboy* zurück ins Regal und ging mit Scully Richtung Terminal.



Zur gleichen Zeit,
Gillians Haus, Malibu:




David stand nervös vor Gillians Haustür, drehte die Rose, die er hinter seinem Rücken hielt, nervös hin und her und brach dabei beinahe den Stil.
Er war kurz zu Hause gewesen, hatte ein paar Sachen geholt und sie danach in ein Hotel gebracht… nun ja, zumindest hatte er das vorgehabt. Aber irgendetwas in ihm drängte ihn gerade zu, zu Gillian zu fahren und ihr zu sagen, dass er es vollzogen hatte. Er hatte Téa gesagt, dass es nur eine Frau gab, mit der er momentan sein Leben verbringen wollte und dass das keineswegs sie war. Zum Dank für seine Ehrlichkeit hatte er eine Vase in den Weg geworfen bekommen, die augenblicklich in tausend Stücke zerbrach. Ja, Téa verstand es, auszurasten und sie verstand es auch, Männer ihr unterwürfig zu machen. Aber nicht heute, nicht, wenn es um Gillian ging.

Und nun stand er hier und nichts rührte sich. War Gillian vielleicht ausgegangen? Er warf einen Blick durch das Fenster in den Gang und sah so viel er erwartet hatte… gar nichts.

"Dave?"

"Gill!"

"Suchst Du etwas?"

Er zuckte zusammen, sah in Gillians funkelnde Augen und lächelte sie an.

"Ich glaube, ich habe gerade genau das gefunden, wonach ich gesucht habe."

"Ach ja? Und die hier ist wohl für mich, hm?"

Er nickte und streckte ihr die Rose entgegen.

Gillian nahm sie freudig an, trat an ihm vorbei, um die Tür zu öffnen und bat ihn herein.
Sein Blick wanderte erst einmal durch die gewohnte Umgebung. Er war schon öfter hier gewesen, doch schien sich seither einiges verändert zu haben.

"Bist du zufällig hier, oder gibt es einen bestimmten Grund, der dich zu mir führt?"

Gillian ging voraus ins Wohnzimmer, machte an der Theke, die sich zwischen Wohnzimmer und Küche befand, halt, schenkte sich O-Saft in ein Glas und drehte sich anschließend wieder zu David.

"Auch durstig?"

Er stand etwas hilfesuchend inmitten des Wohnzimmers, seine Hände in den Hosentaschen vergraben und nickte ihr zu, nachdem sie ihm die Frage gestellt hatte.

Also füllte Gillian ein weiteres Glas mit der orangenen Flüssigkeit, ging auf die schwarze Ledercouch zu und setzte sich.

"Hier, bitte."

David setzte sich neben sie, nahm ihr das volle Glas ab und nippte sofort daran.

"Weißt du, ich habe in den letzten Tagen etwas nachgedacht… über uns und meine Gefühle. Und ich denke, dass das alles etwas schwerwiegend geändert hat."

"Ach ja?"

Reine Neugierde war in Gillians Augen zu finden und David grinste mit gesenktem Kopf, so dass sie es nicht sehen konnte.

"Ja. Absolut. Ich muss gestehen, dass ich etwas Hilfe hatte. Jemand hat mir gezeigt, wie wichtig du mir bist, was du mir bedeutest, und was ich eigentlich in meinem Leben haben will."

Gillian befeuchtete mit einer flinken Zungenbewegung ihre Lippen und David überflutete ein Déjá-Vu. Jedoch blieb ihm nicht all zu lange Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, wo er diese Szene schon einmal erlebt hatte, denn Gillian durchbohrte ihn beinahe mit ihrem Blick und sah in neugierig an. Er nahm ihr das Glas ab und stellte es zusammen mit dem seinen auf den Glastisch.

"Ich…," er stotterte kurz, fand aber sofort den Faden wieder, "ich war eben zu Hause und habe mit Téa darüber gesprochen. Ich habe ihr gesagt, dass es seit langem nur einen Menschen gibt, mit dem ich wirklich gerne meine Zeit verbringe und mit dem ich mir vorstellen kann, den Rest meines Lebens zu verbringen."

Gillians Herz zog sich etwas zusammen. David wusste, dass sie es hasste, wenn er über seine Frau sprach. Warum tat er es ausgerechnet heute? Heute, wo sie doch vorgehabt hatte, reinen Tisch zu machen. Ihm zu sagen, was sie empfand und was sie eigentlich wollte.

David griff zitternd nach Gillians rechter Hand und legte diese in seinen Schoß, um sie sanft zu drücken und zu streicheln.

"Ich habe Téa gerade mitgeteilt, dass ich vorerst in ein Hotel ziehen werde. Dass ich vorhabe mich von ihr zu trennen. Meine Gefühle für sie waren wohl immer reine Einbildung, weil ich nicht das bekommen konnte, was ich eigentlich wollte."

"David… du sagtest doch eben…," er unterbrach sie, bevor sie weiter sprechen konnte, in dem er ihr einen Finger auf die Lippen legte und über diese strich.

"Du weißt, dass ich dich liebe, oder? Und du weißt, dass ich nur dann richtig glücklich bin, wenn wir zusammen sind. Und, wenn du jetzt sofort keine Entscheidung treffen willst… oder kannst, dann werde ich warten."

Sie nahm ihre freie Hand, die, die David nicht in der seinen hielt, und griff David sanft ins Gesicht. Es fühlte sich gut an… das Kratzen des 3-Tage-Bartes an ihrer weichen Haut.

"Also eigentlich, " sie überlegte kurz, ob sie David diese unglaubliche Geschichte von seinem Doppelgänger, den sie getroffen hatte, erzählen sollte. Sie entschied jedoch, dass das noch Zeit hatte und sie sich erstmal über die wichtigen Dinge mit ihm unterhalten sollte, "eigentlich denke ich nicht, dass ich Zeit brauche, um darüber nach zu denken. Ich meine alles hat eine zweite Chance verdient und wir haben damals einfach zu unüberlegt gehandelt, als wir uns trennten… ich denke auch wir sind dieser Chance würdig."

David umgriff ihre Taille, zog sie eng zu sich und hielt inne, bevor ihre Lippen sich trafen.

"Ich… ich will wirklich nicht deine gute Laune verderben, aber es gibt da etwas… was ich mit der Falschen begonnen hatte, und jetzt gerne mit der Richtigen beenden würde."

Gillian sah ihn fragend an und verstand nicht ganz, was er ihr damit sagen wollte. Sprach er von Téa? Dann jedoch huschte ein kurzes Lächeln über ihr Gesicht und eine Vermutung tat sich in ihr auf. Es wäre zwar alles noch unglaublicher aber… was ist heut zu Tage schon normal?

"Ich will ebenso wenig deine gute Laune verderben und ebenso wenig die Pläne, die du heute noch mit mir hast… aber mir geht es genau so."

Auch David hatte jetzt so ein Vermutung.

"Ist es möglich, dass du jemanden namens Mulder getroffen hast?" fragen blickte es Gillian an. Diese lächelte und antwortete leise.

"Und gehe ich recht in der Annahme, dass du ein Gespräch mit einer kleine, rothaarigen Person namens Scully hattest?"

David nickte, schüttelte dann seinen Kopf. "Darüber sollten wir später reden." Er beugte sich vor und küsste sie, lange und ausgiebig. Er genoss es, ihre Zunge zu spüren, die freudig seinen Mund erkundete und lächelte schließlich. Ihre Blicke trafen sich.

"Ich denke, du solltest dich daran gewöhnen… dass könnte Tagesordnung werden."

"Na dass hoffe ich doch."

Erneut trafen sich ihre Lippen lange und ausgedehnt. Gillian stieß David etwas von sich, ohne jedoch den Kuss zu unterbrechen, stand auf und zog ihm am Hemdkragen mit sich.

Ihre Zungen tanzten weiterhin den Tanz der Liebe, als sie ihn mit sich nahm, die langen Treppen empor, hinauf in ihr Bett.



Georgetown, Scullys Wohnung
23.11 Uhr:




"Wow, " Mulder holte tief Luft, "ich denke das war wirklich ein ausgiebiges Gespräch."

Er hörte Scully lachen, deren Kopf auf seinem Bauch ruhte.

"Ja, " sagte sie etwas außer Atem und drehte sich so, dass sie ihm in die Augen sehen konnte.

Mulders Hand fand ihr Haar, dass zerstruppelt auf seiner Brust ausgebreitet war und wickelte es um seinen Finger. Danach streichelte er über ihre Wange und genoss es, sie so zu berühren. Es war fantastisch.

"Auf all das habe ich bisher freiwillig verzichtet. Ich könnte mich selbst dafür in den Hintern treten."

Er vernahm ein weiteres Scully-Lachen, wie er es zuvor nie gehört hatte und zog sie neben sich. Für einen Augenblick fanden seine Lippen die ihren.

Scullys Hand wanderte von seinem Bauch über seine nackte Brust, hinauf in seine Haare.

"Ich liebe dass, weißt du?"

Er nickte stumm und zog die Decke etwas höher, um sie beide damit zu bedecken.

"Ich glaube dass habe ich in den letzten Jahren mitbekommen."

Plötzlich hielt sie in ihrer Bewegung inne, legte ihren Kopf auf seiner Schulter ab und zeichnete seine Narbe auf der anderen Seite nach.

"Die letzten Tage waren wirklich verrückt. Ich meine wie wahrscheinlich ist es, dass uns so etwas noch einmal passiert?"

Mulder brummte leise.

"Ich denke die Chancen stehen schlecht, dass wir unsere Doppelgänger noch einmal treffen. Wir sollten die Hoffnung darauf aufgeben. Auch wenn es bestimmt interessant wäre, zu viert Essen zu gehen."

Langsam fuhr er ihren Köper entlang. Berührte ihr Gesicht, ihren Hals, ihre Brüste, ihren Bauch und verweilte dort.

"Aber wenigstens hat sich etwas geändert. Ich meine vielleicht hätten wir ohne ihre Hilfe nie dass getan, was wir, letztendlich, getan haben."

"Oh, Sie sprechen in Rätsel, Miss Scully."

Scully entfuhr ein Kichern und einen Moment lang dachte Mulder an Gillian. Genau so hatte es sich bei ihr auch immer angehört.
Dann bewegte er sich ruckartig, so dass das Bett einen quietschenden Ton von sich gab, unter die Decke und küsste ihren Bauch. Er hörte ihr Seufzen, das eher bettelnd als glücklich klang und sah kurz unter dem Betttuch hervor.
Wieder dachte er daran, wie viel Glück er doch hatte. Sie hatte ihre Augen geschlossen, beide Hände lagen ausgestreckt neben ihr, ihr Haar war wild durcheinander und ihre Wangen waren mit einem leichten Rot unterlegt.

"Mach weiter, " sagte sie bittend und drückte seinen Kopf zurück auf ihren Bauch, wo er erneut einen Kuss platzierte.

"Du kannst heute wohl gar nicht genug kriegen, was?"

Scully ließ ihre Hände über Mulders muskulösen Oberarme gleiten, zu seinem Rücken, den sie liebte, kraulte ihn dort kurz und packte ihn schließlich am Genick, um ihn zu sich zurück zu bringen. Er bewegte sich nicht, sah ihr in die Augen und sie erwiderte seinen Blick. Es schienen Minuten zu vergehen, bis er sich endlich ein paar Zentimeter nach vorn beugte und ihre Lippen mit seiner Zunge leckte, bis sie ihren Mund öffnete und ihm seine Zunge entgegenbrachte. Sie schmeckte noch immer nach ihm.

Er begann erneut, wie er es auch schon vor wenigen Minuten getan hatte, ihren Körper zu erkunden, streichelte über jede Stelle, die er erreichen konnte und küsste sie.
Mulder konnte sich vorstellen, sein Leben lang hier mit Scully im Bett zu liegen, sie zu berühren und zu küssen, ihre empfindlichsten Stellen ausfindig zu machen, sie zum Keuchen und Stöhnen zu bringen und ja… all dass herauszufinden, was er bisher noch nicht über sie wusste.

Er erlag ihrem fordernden Streicheln und ihren bettelnden Küssen und Geräuschen und legte sich auf sie. Es war das zweite Mal innerhalb einer Stunde, in der sie wild übereinander herfielen und Sex miteinander hatten.



Ende



Na, hat`s euch gefallen??? Wir betteln um Feetbeck.......egal an wen von uns beiden. Noch ein kleines Dankeschön an den lieben Chris Carter. Ohne ihn gäbe es keinen Mulder und keine Scully....wie verdammt langweilig wäre das Leben dann doch.......*lol*