Ich legte meinen Lieblingspulli auf all die anderen Klamotten und schloss den Koffer schließlich. Eigentlich konnte ich Packen schon beinahe zu meinen Hobbys zählen. Früher hatte ich das gehasst. Erst verstaut man alles in einer Tasche, um es nach höchstens 12 Stunden wieder auszuräumen. Es war auch nicht gerade meine große Leidenschaft, irgendwelche Anziehsachen zusammen zu legen… ganz im Gegenteil. Meistens kamen meine Sachen wieder total zerknüllt und unordentlich zu Hause an. Und weiter war es sehr bemerkenswert, mit welchen Gedanken ich versuchte mich von den letzten Tagen abzulenken. Drei Tage waren vergangen, seit wir das allerletzte Mal am Set waren, doch so ganz hatte ich noch immer nicht begriffen, dass es nun endgültig vorbei war. Vermutlich würde ich es wirklich erst verstehen, wenn ich Anfang Juli am Set auftauchte und außer mir niemand dort war. Niemand, außer vielleicht die Leute, denen es geht wie mir. Vermutlich hatte ich einfach zu viel Zeit damit verbracht, mich meinem zweiten ‚Ich', wie ich es zwischenzeitlich schon nannte, zu widmen. Vielleicht hätte ich es wie David machen sollen. Mich langsam davon lösen, aussteigen und immer wieder zurückkehren. Anstatt eine radikale Schocktherapie zu machen. Von heute auf morgen, einfach vorbei.
Ich hätte so Vieles in meinem Leben nicht tun dürfen. Die ganzen Geschichten von früher, meine Jungend…! Ich sollte nicht einmal anfangen, darüber nach zu denken. Denn ich würde sowieso, wie die ganzen letzten Tage auch, wieder beim letzten Drehtag landen, und schließlich dort, wo ich mit David geendet hatte.
Ich fragte mich immer wieder, was genau dieser Tag eigentlich gewesen war. Ein Tag voller Gefühle, zum Teil zurückgehaltener Emotionen und ich fragte mich wirklich ob wir alle noch hatten richtig denken können. Als ich das Set verlassen hatte, war ich fast geschlichen, hatte mich immer wieder umgedreht in der Hoffnung er würde mir hinterherkommen. Doch er war es nicht, der Moment, der wohl zu denen zählt, die mich in meinem Leben am meisten aus der Bahn geworfen haben, endete mit etwas, an das ich nicht denken wollte. Genau das machte es schlimm, so schmerzhaft daran zu denken, denn so sehr ich mir auch einredete, dass ich meine Gedanken nicht denken sollte, dass ich meine Gefühle nicht zu lassen konnte, es brachte nichts. Es endete immer in Vorwürfen, ob ich das richtige getan hatte. Ich hatte David seit drei Tagen nicht gesehen, nicht gesprochen und ich wusste, dass wir beide es nicht wollten. Auf einmal verstand ich den David Duchovny, der nach der siebten Staffel den X-Akten halb den Rücken zugekehrt hatte. Es war einfach zuviel des Guten gewesen, nicht nur der Erfolg, nicht nur immer das gleiche zu tun, sondern auch unsere Beziehung. Ich erschrak, als ich merkte, dass ich immer wieder die gleiche Bewegung durchführte. Ich schloss den Reißverschluss des Koffers, öffnete ihn kurz darauf wieder, schloss ihn wieder. War ich gerade dabei durchzudrehen???
Ich stieß die Luft aus, die ich Sekunden angehalten hatte, und warf schließlich den Deckel des Koffers mit aller Kraft zu. Warum währte das Glück im Leben immer nur ein paar Momente?
Warum war ich aufgesprungen, und vor ihm davongelaufen? Oh verdammt!
Meine Faust traf auf den Koffer und ich ließ mich hart aufs Bett fallen. Er offenbarte mir, dass ihm Téa eigentlich so gut wie egal war und dass sie in seinen Augen ein Biest war, dass er mich ihr gegenüber in Schutz nahm und was tat ich? Ich ließ ihn einfach zurück, alleine auf diesen Treppen sitzen. Er sah so enttäuscht aus, als er mich angesehen hatte.
Aber ich konnte einen dieser Tage, wie er selbst sagte, nicht einfach so ausnützen. Vermutlich hätte er es noch nicht einmal ernst gemeint und auf Mitleid musste ich mich nun wirklich nicht einlassen. Ja, genau… das war es. Vielleicht hatte ich ihm einfach Leid getan und er dachte, er würde mir damit einen Gefallen tun. Ich würde alles auf der Welt geben um ihm zu sagen, dass er das damit ganz bestimmt nicht getan hatte. Seither waren meine Gedanken absolut durcheinander, beinahe wirklich, als wäre ich dabei überzuschnappen.
Es war so, dass David mein letzter Gedanke war, bevor ich einschlief und der erste, wenn ich wieder aufwachte. Alles erinnerte mich an ihn. Ich wäre nicht verwundert, wenn ich sogar im Schlaf von ihm reden würde… aber soweit wollte ich es nun wirklich nicht kommen lassen.
Reisen war angesagt und das würde Abwechslung bringen. Abwechslung, Ablenkung und vielleicht eine Idee, wie ich mich davon komplett befreien konnte.
Doch diese war soweit entfernt wie meine Träume, die mich Nacht für Nacht heimsuchten, ja vielleicht waren es auch Tagträume und ich bemerkte nicht, dass ich nicht schlief. Ich bezweifelte zwar, dass ich wirklich etwas finden würde um mich abzulenken und ich wollte, wenn ich ehrlich war, auch nicht GANZ alleine weg von hier, doch wenn ich den Menschen mitnahm, den ich wollte, würde das ganze in einem Chaos enden und die Situation wäre verrückter als sie es jetzt war. Ich wollte weit weg von hier, soweit wie es ging und sollte mir mein Gesicht, oder das von David, Chris, dieser blöden Tussi von Téa Leoni oder sonst wem von einem Magazincover entgegenlächeln, hatte ich mir geschworen es sofort zu verbrennen. Plötzlich fiel mein Blick auf die Uhr. Es war Zeit zu gehen. Ich sprang auf, nahm den Koffer und ging langsam die Treppen hinunter. Eine seltsame, surreale Kälte durchfuhr mich, als ich durch das ruhige Haus ging. Irgendwie fühlte ich mich schuldig, wollte auf einmal zu Piper, sie mit mir nehmen und auf den Mond ziehen. Ich war vollkommen durcheinander, als ich das Haus verließ und die Kälte sich tiefer in meinem Herzen einnistete.
Vielleicht sollte ich auch gar nicht verreisen, einfach all meine Pläne über Bord werfen und ein paar weitere Tage zu Hause herum sitzen und mich fragen, wie viel ich in meinem Leben eigentlich noch falsch machen wollte. Oh nein, ein Psychologe würde mir jetzt bestimmt raten, mein Leben nicht zu sehr ins Negative zu ziehen und mir selbst keine Vorwürfe zu machen. Aber wem, Gott verdammt noch mal, sollte ich sie dann machen? David, der Mann aller Männer, hatte sich schließlich nicht benommen wie jemand der… jemand der einfach zu feige ist, sich auf etwas einzulassen, das… sinnlos ist?! Okay… jetzt war wirklich Schluss. Ich dachte solch unnützige Gedanken, die im Endeffekt weniger Sinn ergaben, als alles andere, was ich mir zuvor durch den Kopf hatte gehen lassen. Ein wunderschöner Urlaub stand vor mir, wenn er auch einsam war… ich würde ihn genießen.
Abrupt blieb ich stehen, drehte mich meiner Haustüre zu und überlegte, ob ich nun abgeschlossen hatte, oder nicht. Ein tiefer Atemzug und ich öffnete den Kofferraum meines Autos, um den Koffer, der inzwischen ziemlich schwer geworden war, durch den langen Weg vom Haus bis hierher, hinein zulegen.
Okay, dann überprüfen wir eben ein letztes Mal, ob mein Haus auch so verschlossen war, dass niemand, dem es nicht gestattet war, eintreten konnte.
Mein Schlüssel klimperte in meiner Tasche, während ich einmal ums Haus ging um festzustellen, dass ich doch tatsächlich, in aller Hektik und der Heftigkeit meiner Überlegungen, vergessen hatte, die Terrassentür zu schließen.
Ich schüttelte meinen Kopf, um mich selbst zu warnen, so ja nicht meinen kompletten Urlaub weiterzumachen und ging schließlich ins Haus, um die Tür von innen zu verriegeln.
"Jetzt aber los," sagte ich wie in Trance zu mir selbst und machte mich zurück auf den Weg zum Auto. Als ich das Telefonkästchen passierte, erschrak ich durch das plötzlich klirrende Geräusch und hielt inne.
Sollte ich wirklich ran gehen und riskieren aufgehalten zu werden?
"Nein, wirklich keine gute Idee."
Noch einen Moment starrte ich auf den Hörer um zu warten bis das Klingeln verstummte, der Anrufer jedoch war ziemlich hartnäckig, so das ich gegen meinen Willen herantrat und abnahm.
"Ja?" fragte ich leise und seufzte kaum hörbar.
"Gill? Ich bins."
"David?"
"Ähm…rufe ich irgendwie ungelegen an?"
"Nein, nein David, gar nicht, es ist nur…ach" Ich machte eine Handbewegung, die so aussah, als wolle ich etwas wegwerfen.
"Gill, was redest du da eigentlich??? Ich bin nicht David…" Plötzlich zuckte ich zusammen und spürte wie mein Blut in mein Gesicht schoss.
"Ich…ähm…ich…äh…" Erst jetzt bemerkte ich, wessen Stimme dies war und ich hätte am liebsten sofort aufgelegt und wäre weggerannt.
"Es...es tu…tut mir leid Clyde." Ich zitterte fast und ließ mich auf meine Couch nieder. Jetzt war es aus… ich begann jetzt schon seine Stimme zu hören.
"Ist alles okay bei Dir?"
Mein Blick hing wie gebannt an dem Bild fest, welches mir gegenüber an der Wand hing.
"Ähm, ja. Tut mir leid," oh, wow, ich konnte stolz auf mich sein. Ein GANZER zusammenhängender Satz.
"Es ist nur… ich… ich hatte eigentlich damit gerechnet, dass David anrufen würde, ich hatte ihn gefragt wegen des… Dings."
Sehr glaubwürdig. Clyde würde mich sofort durchschaut haben, dessen konnte ich mir sicher sein.
"Wegen des Dings?"
Seine Frage klang nicht nur skeptisch, sondern auch… ich weiß nicht genau was es war, aber es gefiel mir nicht. Ich nahm mir vor, ihn so schnell wie möglich los zu werden und von hier zu verschwinden.
"Ja, er hatte vor gehabt," ich sah mich um, was konnte man in seinem Urlaub noch dringend gebrauchen, "dieses… mein Mobiltelefon."
Ja, die rettende Lösung. Ich dankte Gott dafür, dass er mir diesen Gedanken geschickt hatte.
"Weißt Du," fügte ich hinzu, "ich hatte es aus Versehen in seinem... Auto liegen gelassen und ja. Ja, er wollte es mir heute noch vorbei bringen."
"War Euer letzter Drehtag nicht bereits vor drei Tagen, Gill?"
"Ja, doch… nur war bisher noch nicht die Gelegenheit dazu. Ich war etwas im Stress wegen des Packens."
Sehr glaubwürdig. Ich konnte mir sicher sein, dass Clyde sich seine eigenen Gedanken zu dieser Aussage machen würde, und mir gefielen sie ganz bestimmt nicht.
"Warum rufst du mich eigentlich an, Clyde?", fragte ich um alles möglichst schnell auf den Punkt zu bringen, doch zu meinem Entsetzen kam keine Antwort.
"Clyde?" Ein grausam tiefes Tuten erklang in meinem Ohr. Na wundervoll, er hatte aufgelegt. Ich schmiss den Hörer auf den Tisch, ohne darauf zu achten, wo er landete und sprang vom Sessel auf.
"Ruhig Gillian, ganz ruhig, er hatte sicher noch etwas zu erledigen und er ist sicher nicht auf irgendwelche Ideen gekommen…", redete ich mir ein und zuckte zusammen, als ich bemerkte, dass ich laut geredet hatte. Es war wirklich Zeit von hier zu verschwinden und das möglichst schnell, bevor ich noch jemand anders mit Quatsch zulabern konnte… das Dings, oh Gott…
Also stand ich langsam und gemächlich vom Sofa auf, um mich endlich in mein Auto zu setzen und Richtung Nirgendwo zu fahren. Am Besten an einen Ort, an dem mich niemand kannte.
Ich war etwas stolz, als ich letztendlich wirklich mein Haus verließ und meinen silbernen Porsche in der Morgensonne blitzen sah. Es war beruhigend zu wissen, dass ich mich in dieser Situation von allem lösen konnte. Ich meine während des Drehs war das kaum möglich gewesen. Ich hätte David Tag ein, Tag aus, sehen, und mit ihm klar kommen müssen. Da war mir diese Möglichkeit doch viel lieber… vor allem der Gedanken daran, fremde Kulturen zu erkunden, Sehenswürdigkeiten zu betrachten und vielleicht würde mir ja auch ein Duplikat von David über den Weg laufen.
Ich lächelte über den letzten Gedanken, stellte das Radio an, zündete den Motor und fuhr durch die Straßen L.A.'s, Richtung Flughafen.
Ich fühlte mich immer etwas seltsam, wenn ich neben so vielen Menschen ging. Ich hatte zwar eine Sonnenbrille an und meine Schildmütze tief ins Gesicht gezogen, dennoch konnte es noch vorkommen, dass mich irgendwer erkannte…und ich mochte nicht dran denken, was für Gerüchte ich jetzt fähig war in die Welt zu setzen. Ich bemühte mich einigermaßen unauffällig durch die Leute zu gelangen, um mein Gepäck kontrollieren zu lassen. Mich erwartete schon eine lange Schlange. Stöhnend sah ich auf die Uhr. Ich hatte noch sieben Minuten. Na wundervoll, irgendwie ging heute alles schief. Plötzlich wurde meine Aufmerksamkeit abrupt auf eine Melodie gelenkt, die ich von irgendwoher kannte. Sie drang laut aus den Lautsprechern und ich hätte am liebsten aufgeschrieen, warum mussten sie dieses VERDAMMTE Lied ausgerechnet jetzt spielen????
Meine nächste Frage lautete: Warum war die Musik überhaupt so laut? Ich meine, in Normalfällen verstand man kaum ein Wort und heute? Man musste schreien, um Leuten, neben den man stand, zu sagen, was man wollte. Auch die Dame mir gegenüber schrie, zumindest dachte ich das. Vielleicht war es auch nur eine genervte Wiederholung ihrer Frage, die sie mir eben schon einmal gestellt hatte.
"Raucher oder Nichtraucher?"
"Fensterplatz… Hauptsache Fensterplatz," brachte ich hervor und warf einen äußerst genervten Blick auf die Boxen.
"Sagen Sie," meine Stimme vibriert, "könnten Sie vielleicht veranlassen, dass die Musik einen Touch leiser gespielt wird?"
Der Blick meines Gegenübers traf mich hart und ich wäre zu Boden gegangen, hätte es sich um einen Faustschlag gehandelt.
"Tut mir wirklich Leid… ich, bin gerade nicht ich selbst."
Vermutlich hatte ich es nun geschafft, mich vollkommen lächerlich zu machen. Heute war mir alles egal.
Ich legte meinen Koffer auf das Laufband, nahm meine Bordkarte entgegen, begab mich zu meinem Terminal, das gerade geschlossen werden sollte und machte die Stewardessen auf mich aufmerksam, indem ich wild mit meinen Händen in der Luft fuchtelte oder winkte, wie auch immer und schaffte es, sie aufzuhalten.
"Sie sind wohl etwas spät dran, was?"
Eine blonde, nett lächelnde Dame öffnete die Tür zum Gang ins Flugzeug wieder.
"Ja, tut mir leid."
Ich lächelte nett zurück und betrat schließlich den dunklen Tunnel. Das Bordpersonal folgte mir in die Maschine und die Töne von "Walking in Memphis" verklangen allmählich.
Etwas erschöpft ließ ich mich auf meinen Platz fallen. Ich saß am Fenster, was meiner verträumten Stimmung nur allzu gut tat, meinem Verstand wahrscheinlich nicht. Aber das war auch nicht sonderlich wichtig. Ich konnte nicht in Versuchung geraten. Ich streckte mich und sah zum Fenster hinaus. Dutzende Flugzeuge, kleine Busse, Gepäckfahrzeuge und das übliche Durcheinander eines Flughafens spiegelten sich darin wider. Ich wollte endlich abheben, um ganz sicher zu sein, dass mich keiner mehr aufhalten konnte wegzufliegen. Plötzlich wurde ich durch ein Geräusch neben mir aufgeschreckt. Ich fuhr hastig herum und blickte in Richtung Augen einer Frau, die soviel in und um ihr Gesicht herum hängen hatte, dass sie beinahe wie mumifiziert wirkte. Eigentlich hatte ich ja vorgehabt ihr in die Augen zu sehen, doch diese waren von einer dicken schwarzen Sonnenbrille verdeckt. Sie hatte eine Art Hut auf, dessen Krempen weit von ihrem Kopf abstanden. Dieses etwas wirkte fast wie ein UFO, das… ich schüttelte den Kopf. << denkt ja nicht an UFOs, sonst…>> weiter kam ich nicht, denn die Dame ließ sich heftig in den Sitz fallen und ihr komischer Hut, hätte mir fast die Augen ausgestochen. Erst jetzt bemerkte ich, dass sie ein Tuch umhatte, das sie fast bis zu ihrem Mund hochgezogen hatte. Im Gegensatz zu dem Rest ihres Körpers, wirkte ihr Bauch auffallend dick. Sie sah lächerlich aus, wirklich lächerlich.
Ich versuchte das Grinsen, das meine Mundwinkel umspielte, schnellstmöglich loszuwerden und räusperte mich, um nicht laut los zu lachen. Genau so etwas brauchte ich zur Ablenkung. Ich hoffte still, dass diese Dame den ganzen Flug über so verdeckt blieb, und immer, wenn ich einen Blick in ihre Richtung werfen würde, würde ich an alles andere denken, als an… das, was ich seit meiner Abfahrt vergessen wollte.
Gerade als ich wieder aus dem Fenster sehen wollte, um sie nicht zu auffällig anzustarren, vernahm ich ein genervtes "Uhm," was wohl irgendwo unter dem Tuch hervorkam.
Meine Aufmerksamkeit galt wieder jener Person neben mir, die langsam begann sich zu entschleiern. Ihre Augen ruhten auf mir, und ich bekam etwas Angst davor, dass sie gleich ein Messer ziehen würde, um auf mich einzustechen… stattdessen zog sie an dem Tuch, das den Hut auf ihrem Kopf festhielt und nahm diesen schließlich ab. Ich hob langsam meine Augenbrauchen an, ich hoffte, meine Vermutung würde sich nicht bestätigen.
Die blonden Haare, die zum Vorschein kamen waren zersaust und sahen ziemlich unordentlich aus. Ich musste mir ein weiteres Lachen verkneifen.
Die Hand der Dame fand langsam ihren Weg Richtung Brille, die sie umfasste und schließlich abnahm und ja, in dem Moment bestätige sich die Vermutung, die ich hatte… und es sollte einer der schrecklichsten Flüge meines Lebens werden.
"Was tust du denn hier?"
Eigentlich hatte ich nicht vorgehabt, so gehässig zu klingen, aber momentan konnte ich wirklich alles andere gebrauchen als ausgerechnet sie neben mir sitzen zu haben.
Ihr Blick richtete sich plötzlich so stark auf mich, dass ich nicht anders konnte und anfing zu lachen. Diese Augen, wie sie mach anstarrten, als hätte ich ihr eben erzählt ich sei ein mutierter Dackel aus dem Weltall.
"Was zum Henker…? Du bist doch nicht, die von der ich denke, dass du es bist?" Ihr Gesicht wirkte entsetzt.
"Nun, ich fürchte doch.", stotterte ich halb und holte immer wieder tief Luft, um mit dem Lachen aufzuhören.
"Und warum nimmst du dir keinen Privatjet?", sagte sie abwertend. Privatjet? Ja, schwamm ich denn in Geld?
"Ähm… Téa, ich habe keinen Privatjet.", konterte ich gelassen.
"Ach, ich wusste es doch. Geizig ohne Ende." Ihre wilden Augen betrachteten mich voller Hass.
"Hey, nun mal langsam, ich habe wohl genau das gleiche Recht hier in diesem Flugzeug zu sitzen wie du. Oder anders gesagt: Warum nimmst du dir denn keinen Privatjet?" Uh, Gillian, jetzt hast du sie an der falschen Stelle getroffen.
"Sag, mal hast du sie eigentlich noch alle? Ich bin doch nicht so abgehoben, dass ich mich von der Welt abkapseln muss, nur weil mich jemand um ein Autogramm fragen könnte?!" Wer fragt dich schon nach einem Autogramm? , fragte ich mich innerlich, wollte es eigentlich sagen, doch schollt mich eine Sekunde später wieder. Ganz ruhig bleiben, ich hasse sie, gut und schön, aber das muss nicht jeder wissen.
"Téa, ich bitte dich. Uns starren schon alle an", sagte ich schließlich um das ganze zu beenden. Selbst wenn das nicht so war, war es mir auch egal, Hauptsache sie schwieg endlich. Aber ich kannte Téa Leoni wohl schlecht. Ihr schien es wohl Spaß zu machen, mich vor allen Leuten zu demütigen…
Dies war erst der Anfang eines sehr langen Fluges und ich war mir sicher, dass Téa einige Gemeinheiten einfallen würden, um mich in diesem Flugzeug so unbeliebt wie möglich zu machen, was sie wohl, in meiner Sympathieleiste, einen weiteren Punkt fallen ließ.
"Hast du denn was dagegen angestarrt zu werden?"
Ich verdrehte meine Augen und wäre am Liebsten aufgestanden um die Stewardess um einen anderen Sitzplatz zu bitten. Aber nein, wenn hier jemand den Platz wechseln würde, dann Téa, ich hatte schließlich zuerst an diesem Platz gesessen.
"Weißt du, manchmal frage ich mich wirklich, wie kindisch man sich als erwachsene Frau benehmen kann und meine Frage wird jedes Mal durch dich beantwortet."
Sie holte tief Luft und sah aus wie einer dieser Fische, die man in jedem beliebigen Aquarium finden konnte.
"Und? Lieber kindisch als einen solch hinterhältigen Charakter zu haben und sich an Männer anderer Frauen ran zu machen!"
Mein Blick traf zu erst sie und schließlich sah ich mich im Flugzeug um. Nun waren wirklich alle Blicke auf uns gerichtet, nachdem Téa ihren letzten Satz mit einer solchen Kraft in ihrer Stimme gesagt hatte, dass ich erwartete, dass sogar der Pilot jeden Moment aus seiner Kajüte kommen würde.
Die meisten Leute waren genervt von unserer lauten Unterhaltung, einige schüttelten über die letzte Bemerkung ihre Köpfe, andere vertieften sich wieder in ihre Zeitungen.
"Ich… ich habe ganz bestimmt noch in keiner Sekunde meines Lebens einen verheirateten Mann begehrt!" gab ich zurück, auch wenn es gelogen war. Ich wusste zu gut, warum ich in diesem Flugzeug saß, aber Téa hatte davon (hoffentlich) keinen Schimmer. Außerdem musste ich die Sympathie der Fluggäste zurück gewinnen, ansonsten würden morgen wohl sämtliche ‚Nettigkeiten' über mich in der Zeitung zu finden sein.
Ich atmete ganz langsam aus und wendete mich dem Fenster zu. Am besten war es wohl ich sagte nichts mehr, denn auch Téa hatte sich weggedreht und starrte jetzt wie besessen auf die Schuhe eines alten Mannes, der in der Reihe neben uns saß. Gott sei Dank hatte ich ja mein schönes Fenster. Eigentlich ist es nichts besonderes aus dem Fenster eines Flugzeuges zu sehen, vor allem wenn man schon so oft geflogen ist wie ich, aber trotzdem liebe ich es die Wolken vorbeirauschen zu sehen und ab und an dem Boden, der fast aussieht wie die Seite eines Altanten, einen faszinierten Blick zu schenken. Am liebsten hätte ich Téa noch irgendetwas an den Kopf geworfen, aber die liebe Gillian muss diesmal die Klappe halten, ich konnte ihr ja schlecht verbieten mit mir in einem Flugzeug zu sitzen, obwohl mir solch eine Regelung im Moment ziemlich zu Gute käme…
Andererseits wäre ich dann kein Deut besser als sie. Ich würde mich in meinem Sitz einfach ganz klein machen, versuchen, sie nicht zu berühren und es somit vielleicht schaffen, dass sie vergessen würde, dass ich überhaupt neben ihr sitze. Irgendwie jedoch fiel mir das von Zeit zu Zeit immer schwerer. Téa saß breitbeinig, wie ein ungehaltener Cowboy neben mir, hatte sowohl die äußere, als auch die innere Armlehne für sich eingenommen und blätterte in einer Zeitschrift. Oh, was musste ich da sehen? Sie blätterte nicht nur darin, sondern füllte für sich einen Test aus, der als "Wie bin ich wirklich?" benannt war.
Dafür brauchte sie nun wirklich nicht eine solch bescheidene Zeitschrift, dass konnte ich ihr genau so gut sagen.
Ganz einfach Besitz ergreifend, unheimlich zickig, launisch, bestimmend, mürrisch, arrogant… und ich könnte die Liste um noch einige Wörter erweitern.
Konnte ich wirklich so großes Pech haben und ausgerechnet die Platzkarte neben ihr erwischen?
Ich schüttelte geistesabwesend meinen Kopf und stützte ihn in beide Hände. Verzweiflung überkam mich. Einerseits würde ich so vielleicht in meinem Urlaub auf David treffen.
TUUT! Ich konnte die laute Sirene in meinem Kopf förmlich hören!
Das Schrillen, dass mich darauf aufmerksam machte, dass ich ihn 1. gar nicht sehen wollte und 2. er nur aufgrund seiner ach so perfekten Frau auftauchen würde. Und wenn es etwas gab, was ich noch mehr hasste als Téa, war es Téa und David Arm in Arm zu sehen. Es machte mich depressiv, und zog meine Laune zum Nullpunkt.
Warum hatte ich ihn damals gehen lassen? Wie hatte ich nur so verdammt dumm sein können? Ich könnte, anstatt Mrs. Téa Leoni, jetzt Davids Frau sein, mit ihm Kinder haben…
Nein, nein. Hatte ich mir nicht heute Morgen vorgenommen mir keine weiteren Vorwürfe zu machen? Und überhaupt, hatte ich mir nicht auch vorgenommen nicht mehr über David und mich nachzudenken? Dieser Teil meines Lebens war gestorben!
Ich lehnte mich in meinem Sitz zurück und holte tief Luft.
"Ma'am?" Ein leichtes Tippen auf meine Schulter ließ mich aufschrecken.
"Hm?" Ich klang wohl etwas verschlafen… vielleicht auch etwas mürrisch…genervt, wie auch immer, auf alle Fälle sah Téa etwas herablassend auf mich ab.
"Ihr Essen."
"Ja, sicher… selbstverständlich." Die Stewardess, die wohl immer ein Lächeln parat hatte, nahm ein Tablett von ihrem Wagen und stellte es, nachdem ich das Tischen ausgeklappt hatte, darauf. "Danke," bekam ich noch heraus und schon machte sich die Dame daran, die Personen hinter uns zu bedienen. Eigentlich fand ich keinen großen Gefallen daran, das Essen im Flugzeug zu genießen. Es schmeckte so künstlich und erinnerte mich irgendwie an Astronautenkost. Ein wenig Herumstochern in den Nudeln, ein Bissen vom Käsebrötchen, ein Schluck Wasser und schon fühlte ich mich voll bis oben hin. Der Nachteil daran, wenn man sich hauptsächlich von Tofu, Joghurt und dergleichen ernährte. Wenigstens war mein Essen zu Hause gesünder als der Kram hier. Ich nahm die Serviette vom Tablett und begann, kleine Männchen daraus zufalten. Eine sehr gute Beschäftigung, wenn einem langweilig war. Erstein Männchen mit Hut, dann das Häuschen dazu, ein Flugzeug… alles, was ich noch vor kurzem versucht hatte Piper bei zu bringen. Ein etwas seltsames Geräusch ließ mich aufblicken, und ich sah in Téas Gesicht. Sie war etwas rot angelaufen und hustete ununterbrochen. Ihre Arme hatte sie nach oben gestreckt, ein klein wenig zumindest, und sie versuchte sich zwischendurch immer wieder selbst auf den Rücken zuklopfen.
"Nie gelernt, dass man beim Essen nicht schlingen soll?" Und sogleich tat mir diese Bemerkung auch schon wieder leid, ich konnte sie hier schließlich nicht ersticken lassen, auch wenn sie es untergewissen Umständen verdient hätte. Also drehte ich sie dem Gang zu und begann wie wild auf ihren Rückeneinzuhämmern. Hey, dass machte wirklich Spaß. Vermutlich hatte sie noch Tage danach deutliche Handabdrücke von mir. Als sie sich schließlich energisch zu mir herum wandte und ihre Ellenborgen meine Hände trafen, hielt ich in meinen Bewegungen inne und lächelte.
"Wieder alles okay?" Sie stand hektisch auf, schlug sich dabei ihren Schenkel am ausgebreiteten Tischchen an und eilte, wie ich vermutete, auf die Toilette. "Dann eben nicht!" rief ich ihr hinterher und schnappte mir die Zeitschrift, die sie vorher gelesen hatte. So lange sie nicht auf ihrem Platz war, hatte sie bestimmt auch nichts dagegen, wenn ich in ihren Sachen blättern würde, obwohl ich mir sicher war, dass dieses Magazin nicht wirklich ihr gehörte, vermutlich ein Geschenk der Fluggesellschaft an Leute, die pünktlich im Flugzeug waren. Ein weiteres Lächeln huschte über mein Gesicht, ich lehnte mich entspannt zurück und begann zu lesen. So konnte der Flug gerne weiter gehen.
Ich schreckte angespannt hoch und klammerte mich entsetzt an die Sessellehne. Wo war ich? Ich zuckte zusammen, als ich merkte, dass meine Ohren zu waren und mich ein erschreckender Schwindel erfasste. Für einige Sekunden starrte ich nur gegen die Lehne des Sitzes vor mir und kam mir dabei vor als würde ich die gewöhnliche Übelkeit einer Schwangerschaft erleben und plötzlich begann ich zu grinsen. Einmal ein Leid, dass sie erleben durfte und von dem ich los war. Ich sah auf den Sitz neben mir, Moment, wo war Téa eigentlich? Ich musste wohl eingeschlafen sein. Die Zeitschrift in der ich zuvor geblättert hatte lag durcheinander auf dem Boden. Ich hatte sie vor Schreck wohl eben fallen gelassen…aber warum hatte sie sie sich nicht zurückgeholt? Ich hatte doch geschlafen und mein Magen sagte mir, dass wir gerade landeten. Téa Leoni konnte doch nicht den ganzen restlichen Flug auf der Toilette verbracht haben. Es sei denn sie wäre mit ihrem hochschwangeren Bauch in der Tür stecken… nein, so etwas wäre mir sicher aufgefallen. Eigentlich wollte ich aufstehen, doch kurz darauf ertönte der Lautsprecher: "Liebe Fluggäste, bitte schnallen sie sich an, wir setzen zur Landung an" Huch, sehr früh bemerkt mein lieber Pilot, taten wir dies nicht schon seit fünf Minuten? Ich schüttelte den Kopf und lehnte mich im Sessel zurück. Sie würde schon wieder auftauchen und selbst wenn nicht, es wäre nicht mein Problem und wenn ich ehrlich war, wäre es mir auch ganz lieber… nein, Gillian, du wirst jetzt auf gar keinen Fall böses über sie denken. Sie ist nur eine arme, schwangere, zickige… wundervolle Frau, die rein zufällig von demjenigen schwanger ist… nicht an ihn denken, ich bin ihm Urlaub!!!!
weiter gehen.
Ich warf einen kurzen Blick zum Fenster raus und vernahm, dass wir dem Erdboden wieder näher kamen, danach bückte ich mich und hob die Zeitung auf. Ich versuchte vergeblich, die verknickten Seiten wieder gerade zu streichen und legte das Magazin schließlich zurück in Téa's Sitz.
Irgendwie war ich ein klein wenig nervös. Nicht wegen des Fluges, sondern viel mehr deswegen, dass Téa noch immer nicht zu sehen oder zu hören war. Mein Blick wanderte durchs Flugzeug und blieb an dem Herren, der einen der Sitze neben uns hatte, hängen.
Ich räusperte mich leise.
"Entschuldigen Sie," der Mann sah in meine Richtung und lächelte nett, "haben Sie zufällig die Dame gesehen, die hier neben mir saß?"
Er warf einen Blick den Gang runter, Richtung Toiletten.
"Nein, tut mir leid. Ich sah sie das letzte Mal, als sie diesen Hustenanfall hatte und seither ist sie verschwunden. Ich hoffe, sie versucht nicht gerade, ihr Baby selbst auf die Welt zu bringen."
Ich lachte… ich lachte wirklich laut und schnallte mich los.
"Ich gehe lieber mal nachsehen, ihr ist alles zu zutrauen, obwohl sie ein wenig früh dran wäre."
Ich konnte nicht glauben, was ich da gerade tat. Meine Hand drückte den Knopf, der den Gurt löste und vorsichtig ging ich zwischen den Sitzen entlang, hielt mich an deren Lehnen fest und hatte bereits nach wenigen Schritten die Toilette im Blick.
Ich kam mir irgendwie dämlich vor, aber bevor die Frau meines besten Freundes in einer Toilette verscholl, hatte ich doch die Pflicht nach ihr zusehen, selbst wenn ich dabei durchs halbe Flugzeug flog und mir alle Knochen brach, liebe deinen Nächsten… so schwer es dir auch fällt…
Ich schaffte es letztendlich mich an dem Türknauf der Toilette zu klammern und daran zu rütteln. Sie war verschlossen. Sollte ich nach ihr rufen? Und was wenn sie nicht darin war? Meine Güte, wo sollte sie eigentlich sonst sein, sie war ja wohl kaum aus dem Flugzeug gesprungen, obwohl…?
"Téa, bist du da drin?", fragte ich vorsichtig.
Keine Antwort
Eigentlich wollte ich zurück zu meinem Platz gehen, als auf einmal eine Stimme auf der Toilette drang, eine männliche Stimme.
"Uh, warum hast du keine Zeit? Warum kannst du dich nicht mit mir zeigen, du dumme Kuh! Steh wenigstens zu deinen privaten Vorzügen!"
"Zu meinen privaten Vorzügen? Hast du sie noch alle?"
War das etwa… nein… nein, ich schüttelte meinen Kopf, um die Gedanken, die eben in mir aufsprudelten, zu vertreiben. Okay, es war eine weibliche Stimme, aber es waren schließlich sehr viele Frauen an Bord, einfach zu viele, um jetzt gleich eine Vermutung aufzustellen.
"Ob ich sie noch alle habe?"
Er war aufgebracht, hielt sich aber unter Kontrolle und flüsterte diesen Satz beinahe.
"Ja verdammt. Glaubst du, ich kann dich einfach bei der Hand nehmen, mit dir aus dem Flugzeug gehen und so tun, als sei die Welt in Ordnung?"
Ich griff zurück zum Türknauf, denn im selben Moment durchfuhr ein kräftiger Ruck das Flugzeug. Es war wohl besser, anderen nicht zuzuhören, wenn sie über ihre Probleme miteinander redeten. Aber andererseits, war eine Flugzeugtoilette auch nicht der beste Ort dafür.
"Du sagst du liebst mich… wie groß kann die Liebe sein, wenn du es nicht mal schaffst, dich im Ausland mit mir zu zeigen. Glaubst du etwa, du wirst am Flughafen bereits erwartet?"
"Nein, dass werde ich nicht. Aber es gibt genug Menschen die mich kennen, die wissen wer ich bin und vor allem die wissen, dass ich liiert bin! Neben mir…," der Rest ging im Lärm, den das Flugzeug verursachte unter. Konnten die beiden da drin nicht zu ihrer vorherigen Lautstärke zurückkehren?
Langsam wurde ich mir regelrecht sicher, dass das darin Téa war… aber passte sie mit ihrem Bauch wirklich zusammen mit einer anderen Person in diese enge Kabine?
Mein Ohr legte sich, beinahe automatisch, auf das kühle Material der Toilettentür und ich lauschte wieder.
"… wenn das Baby da ist. Jetzt sehe ich keine Chance, einfach alles liegen zu lassen… ich kann vorerst nicht arbeiten… er besorgt Geld…"
Konnten die denn die Turbinen der Maschine nicht so bauen, dass diese weniger Krach verursachten. Ich verstand die Hälfte der Unterhaltung gerade mal so und ich hätte wirklich Interesse daran gehabt, den Rest auch gehört zu haben.
Eine Hand umgriff fest meine linke Schulte und drehte mich in die Richtung, aus der ich angefasst worden war.
"Ma'am, Sie sollten sich besser auf ihren Platz setzen, wir landen gleich!"
Die Stewardess sah mich kritisch an und warf schließlich einen Blick zur Tür.
"Ich," meine Stimme vibrierte von den Bewegungen der Maschine, "ich muss wirklich dringend auf die Toilette. Aber im Moment ist leider besetzt. Ich warte hier nur."
"Setzen Sie sich lieber und gehen dann auf die Toilette, wenn wir gelandet sind. Am Flughafen gibt es bestimmt genug davon."
Ich holte tief Luft, warf noch mal einen Blick zurück zur Tür und folgte anschließend der Stewardess, die genau dann gekommen war, als es spannend wurde.
Tausende Gedanken gingen mir durch den Kopf. Wenn das in der Toilette wirklich Téa war, und dessen war ich mir zwischenzeitlich ziemlich sicher, begannen sich die Wege plötzlich zu ändern… meine Einstellung gegenüber der freundschaftlichen Beziehung zu ihrem perfekten Ehemann. Ich meine wenn sie das Recht hatte, eine Affäre mit einem anderen Kerl einzugehen, warum sollte ich dann so vernünftig sein und es nicht auch tun? So groß konnten ihre Gefühle David gegenüber doch gar nicht sein, als dass ich Rücksicht nehmen musste. Meine rechte Hand legte sich über meine Augen und ich holte so tief Luft, dass ich kurz husten musste. Es war nicht so, dass ich Téa jemals verstanden hätte, aber in diesem Moment erschien es mir, als wüsste sie nicht, wie gut sie eigentlich dran war. Immerhin sah David nicht nur verdammt gut aus, er hatte auch eine besondere Art von Charakter… zumindest in meinen Augen. Schließlich kannte ich ihn schon um einiges länger als Téa und eine Beziehung hatte ich auch mit ihm… kurz, okay... aber dafür umso intensiver.
Ein starkes Rumpeln durchfuhr die Maschine und ich zuckte. Verdammt, meine Neugierde würde mir eines Tages mein Leben kosten, aber in diesem Moment, gestand ich mir selbst ein, war mir das egal. Ich würde alles dafür aufs Spiel setzen, zu wissen, mit wem Téa in dieser Toilette war, um meines besten Freundes Willen. Ja. Definitiv. Nur für ihn. Ich konnte nicht zulassen, dass er auf diese Art betrogen wurde.
Schnell erhob ich mich aus meinem Sitz und ließ mich in den von Téa fallen, dadurch hatte ich einen besseren Blick auf die Toilette und mir konnte so gut wie nicht entgehen, wenn sich die beiden Turteltauben endlich dazu entschlossen, dieses verdammte Klo zu verlassen. Es hatte sich zwischenzeitlich eine solche Spannung in mir aufgebaut, dass es mir unheimlich schwer fiel, still zu sitzen.
Ich hob meinen Kopf, als ich ein leises "Kling" vernahm und sehen konnte, dass so eben die Lichter "fasten your seat belts" erloschen.
Automatisch erhob ich mich aus meinem Sitz, griff nach meinem Handgepäck, das ich oberhalb unserer Sitze verstaut hatte und hielt meinen Blick stetig in Richtung Toilette gerichtet.
Leider hatte ich eines nicht bedacht. Téa und ich befanden uns nicht vollkommen alleine in dieser Maschine. Und aus diesem Grunde, würde mir wohl die Möglichkeit entgehen, je zu erfahren, wer de geheime Liebhaber von Téa Leoni ist. Verdammt… zick andere Fluggäste standen ebenfalls auf, um sich wieder ihrer Sachen anzunehmen und innerhalb weniger Sekunden sah ich außer vielen, sich schnell bewegenden Köpfen gar nichts mehr. Keine Chance. Ich konnte mich recken und strecken so viel ich wollte und kurz versuchte ich sogar, mich auf den Sitz zu stellen um so eventuell über alle hinweg sehen zu können, aber als ich einen Fuß bereits auf dem Polster hatte, kam erneut diese ach so freundliche Stewardess und wies mich zurecht, mich einzureihen und das Flugzeug zu verlassen.
Unterwürfig kam ich ihrer Aufforderung nach, ließ den Kopf enttäuscht hängen, und ging mit Gänseschrittchen den anderen nach.
Es erschien wie eine halbe Ewigkeit, als ich wieder einen einigermaßen freien Blick auf die Toilette hatte, leider zu spät. Vermutlich war Téa mit ihrer Affäre längst verschwunden und wie groß war die Chance, dass ich sie auf dieser göttlichen Insel erneut treffen würde?!? Eigentlich konnte ich mir verbieten, überhaupt darauf zu hoffen, solch ein Glück zu haben.
Aber Gott schien einen äußerst freundlichen Tag zu haben… oder ich hatte irgendwas getan, dass ihn ein Auge zukneifen ließ und mir die Möglichkeit bot, doch noch hinter Téas Geheimnis zu kommen. Denn als ich in etwa zehn Metern Entfernung sah, wie sich die Tür der Toilette öffnete und Téa heraustrat, schickte ich ein Stoßgebet gen Himmel. Oh danke… danke, danke, danke. Diese Freude hielt allerdings nur wenige Sekunden an… genau bis dahin, als ich feststellte, dass Téa alleine war.
Nun gut, wenigstens hatte ich nun wieder ein Teil des Puzzles in den Händen und das zweite würde sich, aufgrund des ersten, auch wieder finden lassen.
War es verboten, so positiv zu denken? Ich schüttelte den Kopf, um mir die Antwort darauf selbst zu geben.
Mir durfte jetzt nur eines nicht passieren und dass war, Téa aus den Augen zu verlieren. Also drängte ich ein wenig in der Reihe, zwängte mich an drei vor mir stehenden Fluggästen vorbei und verließ ein paar Meter hinter Téa die Maschine.
Sie ging zielstrebig durch die Hallen des Flughafens, in Richtung Gepäckannahme und verweilte am Rande des Bandes, auf dem die Koffer schön aneinander gereiht ihre Runden fuhren um nach und nach vom Besitzer genommen zu werden.
Natürlich, daran hatte ich jetzt überhaupt nicht mehr gedacht. Meine Koffer. Ich war so in meinen Plan vertieft, dass ich wohl alles vergessen würde. Ich schnappte mir einen der herumstehenden Gepäckwagen und versuchte, mich so im Gedränge zu verstecken, dass ich Téa sehen konnte, sie aber mich nicht.
Ein paar Minuten später zerrte Téa ihre drei Koffer vom Band, legte sie ordentlich aufeinander auf ihren Wagen und setzte ihren Weg fort zum Ausgang des Flughafens. Mein Blick hing erneut an ihr und ich hoffte, mein letzter Koffer würde bald auftauchen, dass ich Téa nicht wieder verlor.
Ich stellte mich kurz auf die Zehspitzen, erforschte die sämtlichen Packstücke, die auf dem Band lagen und entdeckte endlich meine Reisetasche.
Meine Hand schnellte nach vorn, um den Herrn, der vor mir stand, zur Seite zu drängen, dann griff sie nach dem Halter des Koffers, zog ihn vom Band und warf ihn regelrecht auf den anderen Koffer, der bereits auf dem Wagen lag.
Schnellstmöglich zwang ich mich durch die Menge hinter mir, gab darauf Acht, keinen meiner Koffer zu verlieren und erblickte im letzten Moment Téa, die durch die Türe schritt und hoffentlich mit aller Gemütlichkeit draußen nach einem Taxi suchte.
Bei meinem heutigen Glück war ich mir sicher, noch rechtzeitig nach draußen zu kommen, um meinen Plan weiterhin zu verfolgen. Und tatsächlich stand Téa gelangweilt vor einem Taxi, betrachtete ermüdend den Fahrer, wie er ihr Gepäck in den Kofferraum lud und anschließend den Wagen zurück in den dafür vorgesehenen Wagenständer schob und schließlich mit aller Gemütlichkeit in das Auto einstieg.
Wieder überlegte ich nicht lange, ging zu dem nächsten Taxi und wies den Fahrer an, dem Taxi, in dem Tea saß, nachzufahren.
Für einen Moment hatte ich wirklich das Gefühl zu weit zu gehen, aber was war, wenn meine Intuition der Realität entsprach und hier tatsächlich etwas geschah, das sprichwörtlich nicht zu geschehen hatte? Nun gut, vielleicht war ich auch von meiner Abneigung gegenüber Téa geblendet, aber hier stimmte irgendetwas nicht, das war mir in diesem Moment vollkommen klar.
Das Taxi von Téa schien ziemlich schnell zu fahren. Es bog regelrecht rücksichtslos in die vielen Kurven ein, die es nahm und der Fahrer meines Taxis hatte eindeutig Probleme ihm zu folgen. Ich kam mir in diesem Moment fast vor wie eine Detektivin. Ganz ruhig, und wen verfolgst du? Die Schwerverbrecherin Téa Leoni, die wegen Zickigkeit und Doofheit zur Todesstrafe verurteilt werden soll? Wow, was für ein brisanter Fall, ich glaube ich hätte lieber Verstärkung anfordern sollen…
"Sagen Sie Mam, wer ist das da vorne? Versucht der ne Rallye zu fahren? Wissen Sie ich mache das nicht mehr länger mit, bei dieser Geschwindigkeit, auf diesen engen Straßen kann ne ganze Menge passieren, wissen Sie?" Der Fahrer schien väterlich klingen zu wollen, kam aber eher verärgert rüber und ich fragte mich, ob ich meine Detektivkarriere nicht doch lieber an den Nagel hängen sollte.
"Es tut mir Leid, Sir, aber mir bleibt leider nichts anderes übrig, ich bin…von der Polizei und ich ähm… verfolge gerade eine Verdächtige...genau…" Oh mein Gott, Gillian Leigh Anderson, was zum Henker tust du da wieder? Du hast wohl doch zu lange FBI-Agentin gespielt. Ich hätte mir am liebsten selbst eine reingehauen und wirklich: Ich hatte meine Detektivkarriere beendet und war schlagartig zur Polizei übergewechselt…
"Meine Güte? Hätten Sie das nicht früher sagen können? Sind sie eigentlich verrückt?"
Uh, gut, verlang bloß nicht meinen Ausweis, sonst werd ich aus dem Wagen springen müssen und du hast das hier alles umsonst gefahren, denn mein Geld werde ich auch mitnehmen.
"Also, wissen Sie, es ist nicht gerade gut, wenn man vielen Leuten von polizeilichen Ermittlungen erzählt. Ich dachte mir, es wäre besser Sie würden ohne Nerven an diese Fahrt herangehen.", meinte ich überrascht gelassen, "Aber bitte richten Sie ihre Augen auf die Straße, wir wollen doch nicht riskieren, dass mein Verdächtiger uns entwischt."
"Ja, wie Sie wünschen Detective oder sind Sie Leutenant oder Sheriff?" Er klang aufgeregt, klasse, jetzt brauchte ich ihm nur noch zu sagen, dass er dort eine Schauspielerin verfolgte, die vermutlich Ehebruch beging…nein, ich ging zu weit, die mit einem Mann auf einer Flugzeugtoilette eine verdächtige Unterhaltung geführt hatte.
"Ich bin Leutenant.", sagte ich ohne nachzudenken, welchen Rang ich jetzt genau einnahm.
Er antwortete mir nicht darauf und ich war wirklich glücklich darüber, ich wollte von der Polizei wieder zur Schauspielerei wechseln…
Téas Taxi hielt kurz darauf einfach mitten auf der Straße an. Ich fragte mich wo wir uns befanden. Ich hatte nicht die geringste Ahnung.
"Also, das macht dann…"
Er kam nicht mehr dazu zuende zu sprechen, da ich auf die Anzeige sah, schnell das Geld aus meiner Tasche kramte und ihm reichte. Hoffentlich machte sich Téa bis dahin nicht aus dem Staub.
"Danke, es war eine sehr angenehme Fahrt."
Er sah auf das gerundete Geld, das dachte ich damals zumindest…
"Der Rest ist für Sie.", sagte ich schnell, nichtsahnend wie viel Geld ich mal wieder aus dem Fenster warf.
"Ja…aber…könnte ich noch Ihren Ausweis…"
Nein, sagte ich innerlich und meine Schritte waren so schnell, dass ich die Worte, die er mir hinterher schrie, bevor er weiterfuhr, nicht mehr verstand. Stattdessen war ich voll auf Téa fixiert, die gerade um eine Ecke gebogen war.
Irgendwie befürchtete ich einen Moment lang, dass sie mich entdeckt hatte und hinter der Ecke auf mich warten würde, um mir ihre immer korrekte Meinung zu sagen. Deswegen schlenderte ich ihr hinter her, warf ein paar kurze Blicke in die Schaufenster der Geschäfte, die… etwas heruntergekommen wirkten und tat so, als führte ich nichts Böses im Schilde.
Ich hielt die Luft an, als ich schließlich um die Ecke bog und feststellte, dass meine Befürchtung um sonst war. Ja, ich glaube Téa hatte dieses Gefühl verloren, dass automatisch in einem aufkam, wenn man beobachtet wurde.
Sie stieg etwas tollpatschig die Treppen empor, die in ein Hotel führten und ich folgte ihr. Oh ja, jetzt war ich so nah dran, mein Ziel zu erreichen. Erneut drang dieses unheimlich Gefühl in mir hoch… reine Neugierde und ich freute mich auf den Augenblick, in dem ich David offenbaren konnte, dass Téa fremd ging, er sich von ihr trennen sollte und wir somit eine absolut neue und perfekte Beziehung zueinander aufbauen konnten. Alle Gedanken die ich heute Morgen über David hatte, lagen tief in mir vergraben und ich hoffte, sie würden es bleiben. Ab jetzt war es mir wieder gestattet, auf recht unfreundschaftliche Weise über David und mich nachzudenken. Ja, ich konnte jetzt über uns nachdenken so viel ich wollte und… und ich könnte mir den Hals umdrehen, dafür, dass ich ihn vor einigen Tagen einfach so auf den Stufen der Kantine hatte sitzen lassen und… ihn nicht geküsst hatte.
Meine Zähne knirschten, als ich fest auf sie biss und sich ein tiefer Atemzug in meinem Brustkorb ausbreitete.
Ob Téa da drin wohl schon mit dem Einchecken fertig war?!?
Nun, ich musste es wohl riskieren und nachsehen, ich konnte schlecht vor dem Hotel stehen bleiben, mit offnem Mund an David denken und warten, bis ich die Grenze Unverschämtheit erreicht hatte und sie wieder rauskam…
Ich atmete einmal tief durch und schluckte hart. Ich konnte jetzt ein unangenehmes Gefühl nicht unterdrücken, das langsam und qualvoll meinen Nacken hinaufwanderte. Ich fühlte mich so ertappt, so, als hätte mir jemand genau in diesem Moment sämtliche Kleidung vom Leib gerissen. Wieder kam der Gedanke in mir hoch, den ich schon die ganze Zeit versuchte zu unterdrücken, was war, wenn sie keine Affäre hatte? Wenn ich hier meine Urlaubszeit gnadenlos gesagt vergeudete? Ich schüttelte energisch den Kopf. Ich tat dies hier alles für David, nur für David. Er hatte schließlich ein Recht darauf zu erfahren, was seine hochschwangere Frau mit einem unbekannten Mann in einem Urlaubsparadies wie Rhodos trieb. Und ich hatte mir hiermit selbst die Aufgabe erteilt mein krankes Hirn zu befriedigen indem ich ihr eine Affäre anhängte. Es tat wirklich gut das zu tun, wirklich gut mir Hoffnungen zu machen, wo vielleicht gar nichts war. Garnichts? Hier musste etwas sein!
Ohne nachzudenken, was ich als nächstes tun sollte, schnappte ich meinen Koffer und meine Reistasche und schleppte sie geradeaus auf den Eingang des Hotels zu. Was jetzt passieren würde war mir vollkommen egal. Hauptsache ich war endlich weg von dieser dummen Straße, endlich weg von den Blicken anderer Leute, die mich erkennen könnten, die erkennen könnten, was ich hier trieb.
Langsam setze ich meine Füße auf den grauen Teppichboden, der in der Hotelhalle ausgelegt war. Mir war trotz der Hitze die draußen herrschte unangenehm kalt. Der Ventilator an der Decke drehte sich so schnell, dass es unglaublich war, dass er nicht längst aus der Verankerung sprang und einen der Hotelgäste enthauptete. Nun, es gebe das so eine Kandidatin…nein, Gillian…nein, sie muss nicht sterben, das schaffst du auch anders…hoffentlich…
Ich ging an ein paar ausgesessenen Sesseln vorbei, die einen kleinen Holztisch umrundeten. Rechts von ihnen befand sich ein großer Fernseher, dessen untere Bildhälfte nur noch aus Flöhen bestand, oberhalb von ihnen sah man ein paar Tennisspieler, die verschwitzt hin- und herhüpften.
Die Halle war, bis auf zwei Kinder, die unter dem Holztisch mit ein paar Plastikfiguren spielten, leer. Von Téa war also weit und breit nichts zu sehen, danke Gott, dass du mir so gnädig bist!
Auf einmal trat ein Mann aus einer Hintertür und lenkte meinen Blick zu der Rezeption, die aus einem marmorähnlichen Gestein, das jeder noch so ahnungslose Urlauber als Fälschung erkannt hätte, und aus einem großen Regal, in dem die Post der Hotelgäste abgelegt wurde und die Schlüssel aufgehängt wurden, bestand. Der Mann beugte sich weit über das Gestein und sah mich an, wollte mir offenbar direkt in die Augen sehen, doch ich sah ein gutes Stück weiter nach links, wo ich einen Ständer mit Urlaubskarten entdeckte. Vielleicht würde ich später eine davon Piper und meinen Eltern schicken, natürlich nur, wenn sie schöner waren, als die Einganshalle…
"Hey Miss, was stehen Sie da so einsam und verloren? Kann ich Ihnen vielleicht helfen?" Die Stimme des Rezeptionsmanns drang an mein Ohr und diesmal sah ich ihm in die Augen. Er war ein kleiner, dicklicher Grieche, der offenbar versuchte mit seinem Scharm zu spielen, während er mit den Augen zwinkerte. Nein, danke mein Lieber, ich bin vergeben, dachte ich, nein… na ja, so gut wie…nein…innerlich…
Sollte ich ihm vielleicht mal antworten??? Ich ging langsam zu ihm rüber, sah mich immer wieder um, ob nicht auf einmal doch Téa auftauchte, doch es kam niemand. Kein Wunder, so wie es hier aussah. Was hatte sich diese Frau nur dabei gedacht?
"Na, Sie sehen aber müde aus. Einen langen Flug gehabt?"
"Ähm…ja, ich komme aus den Staaten." Ich wusste nicht recht, wie er auf mich reagieren würde, offenbar hatte er keinen Schimmer wer ich war und das war verdammt gut so.
"Und ich würde gerne ein Zimmer bei Ihnen buchen, jedoch hätte ich vorher noch gerne das Gästebuch." Uh, was dachte ich mir wieder dabei?? Das Gästebuch? Es fehlte nicht viel und der Typ würde mich für eine Geheimagentin halten.
"Selbstverständlich Miss.", sagte er jedoch grinsend und händigte mir sofort ein großes Lederbuch. Ich beugte mich darüber und blätterte darin. Es dauerte eine Weile, bis ich in den unordentlich eingetragenen Daten, den heutigen Tag fand. Angespannt überflog ich die Zeilen und hätte am liebsten die Hände zusammengeklatscht, als ich Téa im dritten Stock entdeckte, na bitte, sie hatte sich sogar mit ihrem richtigen Namen angemeldet, wie dumm von ihr, wie gut für mich…
"Ist evtl. noch ein Zimmer im dritten Stock frei, vielleicht in der Nähe von Zimmer Nr. 13?"
Jetzt sah er mich auf einmal anders an, seine Augen verkleinerten sich. Er drehte das Gästebuch herum und starrte auf den Eintrag, den ich zuvor studiert hatte.
"Sind Sie Fan?" Er hatte sich auf einen Schlag verändert, und wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, er sah verärgert aus, verdammt verärgert. Auf einmal dachte ich wieder daran was er eben gesagt hatte. Fan? Na, aber bitte, denkt der etwa tatsächlich, ich würde…nein, ich doch nicht…
"Nein...nein...wissen Sie, ich bin eine gute Freundin von ihr und sie...sie hat...es gibt da so eine kleine Überraschung die ich ihr machen möchte und dazu wäre ich gern in ihrer Nähe. Sie kennt mich, keine Panik." Ich versuchte mein unschuldigstes Lächeln aufzusetzen. Jetzt hatte ich aber etwas gesagt, dass seine Worte bei weitem übertraf. Ich war also die Freundin von Téa Leoni, na ja, entspricht fast der Realität, na ja, aber wirklich mit einem sehr, sehr großen fast. Klappe! Ich war jetzt eine ihrer Freundinnen, also musste ich lernen damit umzugehen und der erste Schritt war: Schluss mit den Gedanken!!!
Erst nach meiner halben Selbstphilosophie bemerkte ich seinen skeptischen Blick, er kaufte mir dies offenbar nicht ab…
"Es ist aber leider kein Zimmer mehr frei.", sagte er leise, ich hatte fast das Gefühl, dass er mich anlog.
"Bitte, Sir, es ist mir wirklich wichtig..." Ich versuchte total verzweifelt zu klingen, doch ich hörte mich eher an, wie eine Gefangene die gezwungen wurde zu bitten, dass man sie von einer Klippe springen ließ.
"Miss, sind sie sich sicher, dass sie wissen, wer in Zimmer Nr. 13 eingezogen ist?" Meine Güte, wie dumm musste ich denn aussehen?? Ich kann lesen, mein Lieber. Na gut, wenn du es mir nicht so leicht machst, ich kann auch anders. Langsam hob ich meine Sonnenbrille an und beugte mich in seine Richtung.
"Und sind Sie sicher wer bald in Zimmer Nr.15 einziehen wird?" Wow, Gillian, das klang richtig cool, lobte ich mich selbst und grinste ihn verrucht an.
"Na…na gut, meine Güte, konnten Sie das nicht gleich sagen?" Er trat erschrocken einen Schritt zurück, kramte einen Kugelschreiber heraus und reichte diesen mir.
"Also, ich weiß ja wirklich nicht, was hier in letzter Zeit los ist, aber…könnten Sie mir vielleicht sagen…na ja, was mache ich?"
Ich sah beim unterschreiben verwirrt zu ihm auf. Was sollte das denn jetzt?
"Na ja, Sie wissen schon…erst Alessandro Nivola, dann Téa Leoni und jetzt Sie, Miss Anderson, ich meine…das kommt nicht so oft vor…dass…"
"Irgendwelche Prominente bei Ihnen buchen?", vollendete ich seinen Satz. Ja, was machte er, das würde ich selbst gern wissen. Bei mir lautete die Antwort: Was machte Téa, aber warum war sie eigentlich hier? Und warum dieser andere Typ? Ich kannte seinen Namen, aber ich musste mir ehrlich eingestehen, dass ich ihn noch niemals gesehen hatte. Nun…hey…ich bin so verdammt schlecht, natürlich, ich hatte ihn zwar nicht gesehen, aber gehört. Ich grinste und das fiel dem Rezeptionsmann offenbar ins Auge.
"Ist alles in Ordnung mit Ihnen, Miss Anderson?"
"Ähm…natürlich, sagen Sie...in welcher Etage hat Alessandro Nivola gebucht?" Er hob eine Augenbraue.
"In der dritten?" Er lachte laut, "Die dritte Etage, wirklich unheimlich, oder? Sagen Sie mal, Sie sagten eben, Sie seien eine Freundin von Mrs Leoni, eigentlich sind Sie doch verfeindet, oder sehe ich das falsch?"
Uh, Baby, eine verdammt gute Frage, ja, was soll ich jetzt bitteschön sagen, ohne, dass es morgen die Schlagzeile jeder Klatschzeitung wird? Hm…manchmal hasse ich es wirklich berühmt zu sein.
"Also, ich…ähm…wir sind total gute Freunde! Ich meine, am Anfang kannten wir uns kaum und sind deswegen aneinander geraten, aber, ich denke, das ist jetzt vorbei. Wir verstehen uns in letzter Zeit einfach unglaublich gut." Gillian, wenn der dir das jetzt abkauft, gewinnst du nächstes Jahr den Oscar! Er grinste breit.
"So ist das also! Na, das freut mich aber für Sie! Soll ich Mrs Leoni anrufen und ihr sagen, dass Sie angekommen sind?"
Ich fuhr erschrocken zurück, als sei ich aus einem Traum erwacht. Das war ich im Grunde auch, aus meiner eigenen dummen Phantasie, ich bin Téas Freundin, ja und demnächst schneit es auf der Sonne…
"Nein…bloß nicht…ähm, was ich damit sagen will, ich würde sie lieber überraschen." Ich legte den besten Marylin Monroe Augenaufschlag hin, den ich parat hatte und er schien es tatsächlich zu schlucken. Oscar-Jury, wo seid ihr???
"Nun gut, soll ich Ihnen das Gepäck auf's Zimmer bringen?"
"Nein, das geht schon so, danke." Ich lächelte und nahm den Zimmerschlüssel in Empfang. Bevor ich die Treppe hochging drehte ich mich noch kurz zu ihm um.
"Sagen Sie, gehören diese Kinder zu niemandem?" Ich war verwundert, dass man die beiden hier einfach so sitzen ließ.
"Ich weiß nicht, ich glaube die Mutter ist Einkaufen gegangen."
Ich nickte. Wo war ich hier bloß gelandet?
Es dauerte eine halbe Ewigkeit bis ich mein Zimmer fand, da die Zimmernummer abgefallen war. Auch an Téas Nr. 13 klebte nur noch die 3…
Ich schüttelte den Kopf und konnte mich gerade noch zurückhalten an der Zimmertür zu lauschen, bevor ich aufschloss und mein Gepäck einfach achtlos auf den Boden warf. Ich knallte die Tür zu und ließ mich auf mein Bett fallen.
Es war irgendwie seltsam. Hatte ich tatsächlich all meine Pläne über Bord geworfen, nur um dahinter zu kommen, ob Téa nun fremd ging oder nicht? Irgendwie musste etwas Schreckliches in den letzten Tagen passiert sein, dass ich mich so aus der Bahn werfen ließ. Zu Hause war ich doch noch fest davon überzeugt, hier her zu fliegen um einfach zu relaxen… mich in meinem wohlverdienten Urlaub in der Sonne zu aalen, Cocktails zu trinken und alles, was mich irgendwie an David, Téa oder sonst wen erinnert, zu verbrennen. Was war denn aus diesem Vorhaben geworden? Hing ich wirklich so sehr an David, dass ich das alles tat? Eigentlich hatte ich gedacht, ich hätte ihn überwunden. Immerhin waren es mehrere Jahre, seit wir uns das letzte Mal richtig geküsst hatten. Nun gut, mal abgesehen von den Küssen am Set… den Küssen zwischen Mulder und Scully und den Küssen die… die uns eigentlich gar nicht gestattet gewesen wären. Ja, wenn ich da nur zurück an den Dreh von Fight the Future dachte. Ich bekam jedes Mal Gänsehaut davon. An diesem einen Drehtag, an dem die Flurszene vor uns stand… hatten wir uns einfach geküsst um einmal dieses Gefühl zu bekommen, wie es wäre. Allerdings gefiel uns das Endergebnis nicht wirklich. Es hätte nicht zum Film gepasst. Aber… umsonst war es doch nicht.
Immerhin war die Hoffnung in mir aufgekommen, dass Téa dies alles sehen würde, sehen würde was zwischen David und mir für Gefühle vorhanden sind, was wir tun, wenn sie nicht dabei ist… leider Gottes hat sie entweder wirklich nichts davon mitbekommen, oder aber sie hat einfach beide Augen zu gedrückt. Wenn sie tatsächlich eine Affäre hätte, würde ich verstehen warum. Andererseits… David war ein Mann der nur schwer zu zügeln war. Ich denke ich brauche nicht zu erklären warum. Er konnte es sich leisten, sämtliche Frauen anzumachen um sie nach ein paar Tagen wieder fallen zu lassen. Zwischen ihm und mir war das allerdings immer anders gewesen. Wir respektierten uns und gaben uns Zuneigung und Verständnis. Er hatte immer zu mir gehalten und mich in jeder Hinsicht unterstützt. Vielleicht war das der Grund, warum ich mir immer und immer wieder neue Hoffnungen machte. Nun gut, nach dem letzten Ereignis hatte ich allen Grund dazu. Er wollte mich küssen, einfach so.
Ich glaube auf irgendeine Art und Weise waren David und ich einfach für einander bestimmt. Die Freundschaft zwischen Mulder und Scully hatte die Freundschaft von David und mir widergespiegelt. Vielleicht waren wir sogar Seelenverwandte die darauf warteten, wieder vereint zu werden. Aber würde es jemals so weit kommen? Bisher standen viel zu viele Hindernisse in unserem gemeinsamen Weg. Ich hatte Fehler gemacht, er hatte Fehler gemacht und wenn das so weiterginge, würden wir auf der Stelle treten.
Er fehlte mir. Ich hatte ihn drei Tage nicht gesehen und sofort brannte diese Sehnsucht in mir. Es war wirklich verzweifelnd, was er mir antat. Ich hatte versucht, andere Beziehungen aufzubauen, wirklich zu verstehen, dass David und mich nicht mehr als Freundschaft verband, aber alles war schief gegangen, weil ich ständig an ihn denken musste. Und jetzt?!?
Oh verdammt… jetzt verfolgte ich schon seine Frau, um ihm erklären zu können, dass sie eine Affäre hatte, zu hoffe, dass er sich von ihr trennte und alle Wege für mich offen waren. Irgendwie ließ ich mich gerade auf ein sehr niederes Niveau herab.
Aber jetzt konnte ich nicht mehr zurück. Nicht nachdem, was ich bereits alles auf mich genommen hatte. Zum Beispiel saß ich gerade ja in einem 2-Sterne Hotel, starrte an die Decke, an der der Putz bereits abbröckelte und hing meinen Gedanken nach.
Ob Téa wohl schon Besuch von dem mysteriösen Fremden hatte? Ob ich heute Nacht wohl irgendwelche hinweisenden Geräusche vernehmen… oh nein, nicht auch noch Gedanken dieser Art. Vermutlich waren die Wände hier wirklich sehr dünn, was mir meine "Arbeit" erleichtern würde. Ich bräuchte lediglich mein Ohr gegen die Mauer zu drücken, die mein Zimmer von Téas trennte und schon hätte ich kaum mehr Probleme, jedes einzelne Wort dass sie von sich gab zu verstehen.
Ja mein lieber David, ich denke, ich habe dir nach meiner Rückkehr einiges zu berichten. Ach was. Warum sollte ich so lange warten? Mein Handy befand sich in einer meiner Taschen und ich konnte es jeder Zeit zücken und ihm diese erfreuliche Nachricht mitteilen.
Nach einer halben Ewigkeit gelang es mir meine Gedanken abzustreifen und ich erhob mich aus dem Bett. Unendlich langsam ging ich auf den Schrank zu. Er war genau wie alles andere in dem Zimmer ziemlich alt. Vorsichtig öffnete ich ihn und hätte beinahe einen Schreikrampf bekommen als ich die Türen vollständig beiseite geschoben hatte. Der Schrank war nicht leer, sondern über und über mit alten Schuhen gefüllt, die meines Erachtens nach noch aus den Siebzigern stammen musste.
"Oh mein Gott.", sagte ich und ließ mich in einem hysterischen Lachkrampf gefangen zurück auf das Bett fallen.
Es erschien mir wie Stunden, in denen ich lachend auf dem quietschenden Bett lag und Tränen lachte. Nun gut, würden durch mein hysterisches Lachen Beschwerden eingehen, würde mir zwar eine Erklärung wegen dem Warum fehlen, denn vermutlich fanden die meisten Leute Schuhe aus den Siebzigern eher interessant als lachhaft… aber ich fühlte mich besser. Erleichtert, fröhlich und von allen Problemen die mir heute bereits begegnet waren erlöst. Unheimlich was Lachen alles bewirken konnte.
Ich schrak erst auf, als ich hörte, wie eine Tür in nächster Nähe meines Zimmers zugeworfen wurde. Sofort kehrte der Ernst, der meine Mission mit sich brachte, zurück und ich schlich auf Zehspitzen zur Tür um einen kurzen Blick in den Gang zu werfen.
Was ich sehen konnte zauberte sofort ein leicht fieses Lächeln auf mein Gesicht. Da ging Téa Leoni doch tatsächlich mit einem Mann durch den Hotelflur, einem eher großgewachsenen Mann, vielleicht groß, hellbraune kurze Haare. Ja, eigentlich genau der Typ zu dem die Stimme im Flugzeug passte. Aber, andererseits, wenn ich ihn mir von vorne vorstellte, schien er mir für meine "Freundin" viel zu gut auszusehen, ach, was redete ich da, dann sah David tausendmal zu gut für sie aus…
Nächster Punkt: Was sollte ich jetzt unternehmen? Die beiden waren gerade um die Ecke verschwunden und ich blickte etwas ratlos auf meine Klamotten hinab. Konnte ich ihnen so folgen? Ich rannte schnell in mein Zimmer zurück, streifte das erstbeste saubere T-Shirt über, das ich finden konnte, schnappte mir mein Handy und aus einem Drang hinaus einen Notizblock und rannte ihnen, so schnell ich konnte hinterher.
Eigentlich war es dumm von mir gewesen, ihnen nicht gleich hinterher zu gehen. Jetzt stand ich im Dunkeln, was den Ort betrag, an den die beiden sich begeben hatten. Ja, zu gerne hätte ich nun Mulders Kombinationsfähigkeiten. Wo kann man sich am besten zurückziehen, wenn man frisch verliebt ist?!? Hm, keine Ahnung. Auf jeden Fall nicht auf die Stufen einer Kantine, dachte ich etwas mürrisch.
Nun gut, vielleicht konnte mir der nette Rezeptionsmann weiterhelfen. Ich könnte ihm erneut ein umwerfendes Lächeln schenken, ihn einwickeln in meine Unschuld… ha, wenn der wüsste.
Langsam ging ich zurück in die Hotelhalle, schlenderte die Treppen hinunter und hielt den netten Herrn bereits in meinem Blick gefangen. Er schien mich jedoch erst zu bemerken, als ich vor lauter Übermut eine Stufe übersah und einen etwas größeren Schritt, wenn nicht sogar einen Stolperer tun musste, um nicht zu fallen.
Als hätte ich es geplant, kam er sofort hinter der Theke vor, um erschrocken meine Hand zu greifen und mich aus meiner etwas verkrampften Bewegung zu erlösen.
"Danke," sagte ich leise und lächelte.
"Alles in Ordnung Ms. Anderson?"
Ich nickte, strich mir über mein Shirt und atmete tief durch.
"Ich… nun ja," ich trat etwas näher an ihn heran, grinste noch immer und flüsterte leise, "im Vertrauen Sir, manchmal bin ich ein klein wenig tollpatschig. Vor allen Dingen dann, wenn etwas schief läuft."
"Etwas ist schief gelaufen? Ist es schlimm?"
Ich zuckte mit den Schultern."
"Nun ja. Ich… ich hatte Ihnen doch von dieser Überraschung für Mrs. Leoni erzählt, nicht?"
Er nickte gespannt und wartete auf meinen nächsten Satz.
"Ja, dass haben Sie."
"Ich… ich, sehen Sie, sie darf keines Falls wissen dass ich hier bin, sonst ist meine komplette Mühe im Eimer… aber, es gibt noch ein paar… Dinge, die ich herausfinden muss und… ich habe sie durch ein kleines Missgeschick ganz aus den Augen verloren. Ich… werde wohl die halbe Insel auf den Kopf stellen müssen, um sie wieder zu finden."
Etwas verwirrt sah ich ihm hinterher, als er sich von mir abwandte und zurück hinter die Rezeption ging. Er blätterte ein paar Papiere durch und sah anschließend wieder in meine Richtung.
"Pst," kam über seine Lippen und sein rechter Zeigefinger deutete mir, dass ich zu ihm kommen sollte.
"Eigentlich," sagte er, als ich endlich vor ihm stand und neugierig in seine Augen sah, "eigentlich darf ich dass hier unter keinen, und ich betone keinen, Umständen tun. Aber da ich das Gefühl habe, dadurch etwas Gutes zu tun, und einem unserer wichtigsten Gäste helfen zu können, verrate ich Ihnen, wo genau Mrs. Leoni sich gerade aufhält."
Ich räusperte mich."
"Sie… Sie wissen wo sie gerade ist?"
Meine Stimme zitterte und ein kleiner, überraschter Touch war unterlegt.
"Nun ja,… sie hat mich eben gefragt, wo man hier gut griechisch Essen gehen kann."
"Oh… und Sie haben ihr einen Tipp gegeben?"
Er nickte und leckte sich flink über seine Lippen.
"Oh ja, allerdings. Hilfsbereitschaft ist in meinem Beruf oberstes Gebot."
"Ja… da bin ich mir sicher."
Ein leises Lachen durchfuhr mich. Oh ja, am liebsten hätte ich ein lautes *Strike* gerufen. Ich hatte den Oscar wirklich verdient. Absolut.
"Ich habe sie zum Restaurant *Delphi* geschickt. Ich werde Ihnen ein Taxi rufen, dass sie dort hinbringt, wenn es recht ist?"
Absolut… auf der Stelle, ich… darf keinen Moment verpassen, in dem die beiden Verliebten ungestört sind.
"Ja, dass… wäre wirklich nett."
Erneut erschien das freundlichste Lächeln in meinem Gesicht, das ich je zu Stande gebracht hatte.
Ich marschierte schief lächelnd aus dem Hotel hinaus und wartete ungeduldig auf das Taxi. Auf einmal wurde ich unruhig, nicht weil das Taxi so lange auf sich warten ließ, nein, ich spürte irgendetwas, denn im Gegensatz zu Téa hatte ich meinen Verfolgungssinn nicht verloren. Mich beobachtete jemand. Schnell fuhr ich herum, blickte wie ein aufgescheuchtes Tier in meine Umgebung. Irgendwie gehörte Verfolgungswahn zur Berühmtheit…ganz ruhig, wer sollte mich hier schon beobachten, außer vielleicht ein Fan oder irgendjemand von der Presse, der sowieso nicht riechen konnte, dass Téa auch hier war. Diese Leute, ich nannte sie mit vorliebe lebende Wanzen, ahnten zwar eine Menge, doch nicht alles, das hatte ich in diesem Moment zumindest gedacht, nur der Himmel allein wusste, wie sehr ich mich täuschen sollte…
Kurz nachdem ich mich enttäuscht wieder umgedreht hatte, nur um festzustellen, dass ich niemanden finden konnte, fuhr das Taxi vor. Mit einem seltsamen Gefühl im Magen, stieg ich ein. Mir war eisig kalt, obwohl der Fahrer zu schwitzen schien. Gillian Anderson was ist nur mit dir los? Ja, das musste wohl der ausgefallenste Liebeskummer sein, den die Welt kannte, rede ich mir ein und schüttelte lächelnd den Kopf. Verfolgungswahn, Leichtsinn und Schüttelfrost, na klasse, die Tatsache, dass ich auch noch extrem anfällig für Peinlichkeiten aller Art war, ließ ich bewusst außen vor…ach sollte ich vielleicht auch noch beginnende Geisteskrankheit hinzuzählen???
Im Grunde genommen musste mir all das ja nicht wirklich peinlich sein. Ich machte mich höchstens vor mir selbst lächerlich. Oh ja. War es David wirklich wert, einen solchen Trubel zu veranstalten?
>Definitiv, meine Liebe<… aber er war doch auch nur ein Mann. Ein Mann wie alle anderen.
Das Auto bog mir höchster Geschwindigkeit in eine Kurve und kurz fragte ich mich, ob dies derselbe Fahrer war, der heute Mittag Téa vom Flughafen zum Hotel gebracht hatte. Er hielt sich ebenfalls an keine Geschwindigkeitsbegrenzung und fuhr wie bei einem Autorennen.
"Hey Sir…, ich würde bei dem Restaurant gerne lebend ankommen."
Ich konnte sehen, wie mich sein Blick durch den Rückspiegel traf und er lächelte. Gekonnt gespielt lächelte ich zurück, aus Angst, er würde sonst mit noch größerer Geschwindigkeit mich, sich selbst und alle anderen Autofahrer auf den Straßen Rhodos' zu gefährden.
Erleichtert und vermutlich leichenblass stieg ich aus dem Wagen, als der Taxifahrer endlich, ein paar Meter entfernt des Eingangs des Restaurants, hielt und für seine reife Vorstellung auch noch Geld kassierte.
Nun gut, ich konnte dass alles ertragen und würde bei meiner Heimfahrt darum bitten, nicht wieder diesen Straßenrowdy zu bekommen.
Nun gut, jetzt stand ich also hier und was nun, sollte ich einfach reingehen und mich nach Téa umsehen? Oder war es doch günstiger so zu tun als würde ich hier ganz normal essen gehen? Ich entschied mich für das erste und raste beinahe in das Restaurant, die Gäste in der Nähe des Eingangs warfen mir seltsame Blicke zu. Hier drinnen war es mir zum ersten mal an diesem Tag richtig brennend heiß. Die Luft war stickig und man konnte den Ventilator an der Decke förmlich heulen hören. Man spürte nicht mal, dass er lief, obwohl er sich fast schneller drehte, als der in meinem wundervollen Hotel.
Es war dunkel, schon fast zu dunkel, dennoch kam eine gewisse Romantik auf und ich fragte mich wie es wohl wäre, wenn David jetzt neben mir gestanden hätte. Ich stöhnte leicht sehnsüchtig auf, ja, David erwartete mich hier sicher nicht, aber dafür jemand, der sehr sehr viel mit ihm zu tun hatte…
Ich verwarf diesen Gedanken schnell wieder und sah mich, wie ich hoffte, unauffällig um. Es war ziemlich seltsam hier. Gefüllt bis unters Dach, ich hätte hier sowieso keinen Platz mehr gefunden. Die Leute blickten alle recht grimmig drein, starrten manchmal ihr Essen an, als sei es der Gast, der sie hierher begleitete, und ich fühlte mich noch unwohler, als zuvor an der Straße. Alle sahen mich an, das dachte ich zumindest und im Moment war es mir ziemlich egal ob Téa hier irgendwo war. Ich ging hastig auf eine Glastür zu, die offenbar auf eine Terrasse führte.
Danke Gott! Ich hätte dies fast laut ausgeschrieen, als ich so schnell ich konnte hinter einen großen Blumentopf huschte, der schon fast einen kleinen Garten enthielt. Ich spähte wie eine Wildkatze die auf ihre Beute wartete durch die Palmenblätter, die vor mir lagen. Ich konnte Téa von hier aus direkt ins Gesicht sehen, tat dies aber bewusst nicht, um ihren Verfolgungssinn nicht zur Rückkehr zu zwingen. Sie saß in etwas da, das von dem Stuhl bestimmt zehn Zentimeter abstand. Wohl extra angefertigt, damit sie sich während der Schwangerschaft nicht in stillose, nein eher un-Téa-artige Klamotten aus den Molligenversandhäusern quetschen musste. Es war schwarz und war mit irgendwelchen kleinen Steinen besetzt, die im Kerzenlicht seltsam schimmerten, so ähnlich wie die Augen einer Katze.
Ihr "Geliebter" saß ihr etwas angespannt gegenüber, fast wie ein Teenager beim ersten Date. Na, das konnte ja heiter werden…
Ich kramte meinen Notizblock heraus und notierte: Sie, ruhig, wirkt normal, nicht aufgeregt oder sonstiges (wann zeigt sie eigentlich Gefühle, wenn sie nicht gerade jemanden anschreit???), starrt auf seine Augen (wow…) Er, angespannt, scheint sehr aufgeregt, offenbar eine ungewohnte Situation,
scheinen sich nicht lange zu kennen, nicht auf diese Weise
Ich betrachtete das Geschriebene noch mal und grinste. Ich hätte es wegradiert, wenn ich es mit Bleistift geschrieben hätte, doch durch den Kugelschreiber entschied ich mich es stehen zu lassen. Irgendwie fand ich diese Situation unendlich amüsant. Hätte ich jetzt ein Tagebuch gehabt, hätte ich diesen Zettel wohl darin eingeklebt und sollte ich eines Tages wirklich so nennenswert sein, dass jemand mein Tagebuch veröffentlichen wollte, hätte man mich wohl für verrückt abgestapelt und mir alle meine Titel aberkannt, die ich bis dahin vielleicht erworben hätte…Ach, es war so schön verrückt zu sein!
Plötzlich richteten sich meine Gedanken auf etwas ganz anderes, etwas viel interessanteres als die niemals stattfindende Zukunft meiner selbst. Téa begann zu reden.
Ich beugte mich so weit nach vorne, dass ich fast aus meinem Versteck geflogen wäre.
"Weißt du, es ist wirklich nicht so, als hätte ich etwas gegen dich, das weißt du.", hörte ich ihre Worte. Sie klangen wirklich nett, vielleicht sogar sympathisch, doch so sehr ihr Mund lächelte, so kalt waren ihre Augen.
"Téa, ich denke nicht, dass du wirklich verstehst was ich fühle."
Natürlich versteht sie das nicht du Trottel, sie hat keine Gefühle, huch, ein kleiner Ausrutscher meinerseits.
"Ich verstehe alles, glaube mir. Ich habe nur Schwierigkeiten damit es auszudrücken." Huch, seit wann das denn Mrs Leoni? Dafür kannst du aber verdammt gut wütend werden…aber na ja, Liebe ist ja auch eine sehr schwierige Angelegenheit, besonders dann, wenn man ein Herz aus Stein hat.
Auf einmal fuhr ich erschrocken zusammen. Nein, bitte, warum muss so was immer ausgerechnet mir passieren????
Ich… ich könnte mich wirklich ohrfeigen dafür, dass ich mein Handy einpacken musste.
So schnell es ging griff ich in meine Tasche, suchte das verdammte Ding, dass sich, wie üblich in solchen Situationen, in der hintersten Ecke finden ließ und nahm ab, ohne dem Display, das die Nummer des Anrufers deutlich anzeigte, auch nur einen kurzen Blick zu schenken.
"Ja?" … ein wenig kam ich mir vor wie Scully im Kinofilm, als sie in dieser Kühlkammer festsaß.
Nun gut, Ms. Anderson, jetzt hieß es, den 7. Sinn zu benutzen, um dem Anrufer (… der sich bisher übrigens noch immer nicht zu erkennen gegeben hatte…) und dem Gespräch von Téa und ihrem "Freund" zuhören zu können.
"Weißt du eigentlich wer ich bin?", hörte ich diesen Typen sagen, dessen Namen ich schon fast
wieder vergessen hatte.
"Hi, ich bin's David.", hörte ich auf einmal aus der Hörmuschel und ich hätte fast mein Handy fallen gelassen. Nein bitte, das ist nicht wahr…
"Hi Dave.", flüsterte ich in das Handy und hoffe er würde mich hören.
"Natürlich weiß ich das und ich sehe es nicht gerne, wenn du frech wirst…Was verlangst du eigentlich von mir?"
"Ich wollte eigentlich nur wissen, was du gerade machst, ich vermisse dich, irgendwie." Äh, was wie, wo? Wie konnte dieser Typ Téa vermissen?
"Hey, du Trottel, sie sitzt doch direkt vor dir."
"Wer? Gillian ist alles okay mit dir?" Oh nein, bitte. Erst jetzt bemerkte ich erschrocken, dass es eben David gewesen war, der gesprochen hatte und noch dazu, dass ich laut geredet hatte.
"David, sorry, es tut mir echt Leid."
"Das ist mir scheiß egal. Das müsstest du eigentlich wissen.", hörte ich wieder Téas Typen und bemerkte meine in diesem Moment eindeutig fehlenden IQ-Punkte…
"Ist alles okay mit dir?"
"Weißt du, im Grunde genommen fühle ich mich irgendwie… zu unreif dafür."
Oh Gott… hatte das Téa gerade wirklich gesagt?!? Zu unreif. Mir gegenüber sollte sie auch mal diese Unterwürfigkeit ausprobieren.
"Gill?"
Meine Aufmerksamkeit glitt zurück zu dem Mann, dem meine Gedanken 24 Stunden am Tag gehörten.
"Ja, es ist alles okay", gab ich leise von mir und rückte noch dichter hinter diesen Baum.
"Ich finde dass nicht okay. Es ist wirklich erniedrigend, wenn einem dass eine Frau sagt, die zehn Jahre älter ist." Seine Stimme wirkte verdammt betrübt und er tat mir fast leid, ach was, wenn er sich mit so was einließ, selbst schuld.
"Gillian? Kommt mein Anruf irgendwie ungelegen?"
"Du verstehst aber auch gar nichts, ich bin doch auch nur ein Mensch. Ist dir eigentlich klar, dass alles was du sagst in dieser Situation merklich ungelegen wirkt?" Téa schien rot anzulaufen.
"Ähm, ja Dave, also eigentlich ist der Anruf schon okay…nur…weißt du, es ist nur ungelegen, wenn man sich die Situation ansieht." Oh mein Gott, jetzt gab ich schon ähnliche Antworten wie Téa, Gott hilf mir hier raus.
"Meine Güte weißt du eigentlich wie sehr du einem auf die Nerven gehen kannst? Du bist hier das einzige was ungelegen wirkt. Und die Situation? Die könnte doch nicht besser sein, oder?" Er hob den Ton an und ich fragte mich, ob Dave noch dran war.
"Also, in was für einer Situation sind wir denn eigentlich?", kam auf einmal wieder David und ich musste lachen, wenn ich mir vorstellte, dass dies ebenso gut Téa hätte sagen können.
"Pah, die Situation könnte nicht schlechter sein. Uns starren schon alle an."
"Na ja, weißt du Dave, ich fühle mich irgendwie beobachtet…", uh ja, das traf es ganz gut.
"Ach ja? Du fühlst dich also beobachtet, ja? Vielleicht sollten wir dann einfach irgendwo hingehen, wo wir Ruhe haben."
Es war kein Wunder, dass die beiden von sämtlichen Leuten angestarrt wurden, selbst ich, die alles genauestens beobachtete, ging darin unter.
Ich holte Luft und versuchte mich in Luft aufzulösen, als sich die beiden von ihren Plätzen erhoben.
"Soll ich mich vielleicht eher später melden? Irgendwie scheint es mir, als hättest du deinen Kopf bei etwas absolut anderem."
"Die Idee ist wirklich nicht schlecht, " hörte ich nun Téa sagen.
"Ähm… nun ja, nicht dass du denkst, ich wolle dich loshaben."
… obwohl ich dass momentan, eine winzige Sekunde lang wirklich wollte. Ich würde auffliegen, wenn sich die beiden in meine Richtung bewegen würden.
"Versteh mich nicht falsch, ich bin wirklich gerne in deiner Nähe aber… vielleicht sollten wir erstmal Abstand nehmen."
Nun gut, die alte Téa war zurück. Das kalte Glitzern in ihren Augen, das unechte Lächeln auf den Lippen.
"Also, ähm, Gillian, ich ruf dich dann später noch mal an. Vielleicht morgen, es gibt da eigentlich auch noch etwas, über das ich wirklich dringend mit dir reden wollte."
"Darüber können wir uns später noch Gedanken machen. Wir sitzen hier zusammen fest, du kannst keinen Rückzieher machen.", hörte ich Téa kreischen.
"Also, gut Dave, es tut mir ehrlich Leid…"
"Das ist schon in Ordnung. Ich bleibe noch hier, aber wenn das noch eine Sekunde so weiter geht, dann, dann wirst du mich anders kennenlernen.", sagte der Typ mit zitternder Stimme und erhob sich.
"Ja, ja, schon klar, Gill. Ich werd das auch überleben.", sagte Dave, er klang enttäuscht und ich hätte am liebsten begonnen zu heulen. So ein verdammter Mist.
"Gut, wenn du das meinst. Aber, ich sage dir, wenn du damit anfängst wirst du tot sein, egal was du jetzt denkst."
"Bye Dave", sagte ich leise und beobachtete wie die Szene vor mir zu eskalieren begann, na klasse.
"Bye Gill." Er klang bedrückt und meine Stimmung sackte in Minuszahlen.
"Droh mir noch einmal und…ach, vergiss es." Er stürmte von der Terrasse. Téa stöhnte und knallte ihre Faust auf den Tisch. Ich drückte den Ausknopf des Handys und kramte meinen Notizblock raus. Es endet in einem Desaster schrieb ich und meinte damit sowohl das Abendessen als auch das Gespräch mit David.
Als ich wieder aufsah, konnte ich gerade noch eine davon eilende Téa sehen, entgegen meiner Richtung.
Als ich mir sicher war, dass keiner von beiden, auch wenn er mir im Grunde genommen egal gewesen wäre, da er keine Kenntnis von mir hatte, zurück kommen würde, erhob ich mich und versuchte mich etwas zu entspannen. Ja, es war doch sehr interessant gewesen. Téa einmal von einer anderen Seite und jemand, der ihr Parole lieferte.
Als ich schließlich meinen Blick von dem Tisch löste, an dem beide zusammen gesessen hatten, stieß ich beinahe mit einem freundlichen Kellner zusammen, der um das Wohl der Gäste des Restaurants sehr besorgt sein musste.
Er gab etwas von sich, dass wohl griechisch sein musste und ich zuckte unwissend mit den Schultern und versuchte ihm deutlich zu machen, dass ich nichts von dem verstand, was er mir zu sagen versuchte.
"Sie kommen aus den Staaten?" fragte er schließlich und ließ das glänzende Weiß seiner Zähne aufblitzen.
"Ja, richtig erraten. Sieht man mir das an?"
"Nein, nicht… nicht wirklich. Eigentlich habe ich nur kombiniert?"
Ich hob fragend meine Augenbrauen und sah ihn auffordernd an.
"Ich hab gesehen, wie sie die beiden Personen an dem Tisch beobachtet haben. Und… aus deren wirklich nicht zu überhörender Unterhaltung ging hervor, dass sie Englisch sprechen…"
"Äh… ja, genau. Dass ist vollkommen richtig. Ihr Englisch ist aber auch sehr gut."
Irgendwie musste es mir gelingen, ihn von dieser Vermutung abzubringen, ich hätte die beiden belauscht. Also wechselte ich ungestüm das Thema.
"Ich bin in den USA geboren, wissen Sie. Hier kommt mir meine Muttersprache sehr gelegen, Mam."
"Könnten Sie mir vielleicht sagen, wo ich mir hier ein Taxi rufen kann? Ich bin wirklich müde und würde gerne zurück in mein Hotel."
Er nickte, legte sich dieses typische Kellnertuch zurück über seinen rechten Arm und wies mich an, ihm zu folgen.
Ich lag total erschöpft und teilweise auch genervt auf meinem Hotelbett und wurde wahnsinnig von dem lauten Quietschen, das ich bei jeder Bewegung zu hören bekam. Es kam mir fast vor wie das Heulen meiner selbst, denn ich hatte heute wirklich nicht viel normales, sinnvolles getan, nein, ich hatte alles in den Sand gesetzt, was sich hatte in den Sand setzen lassen. Und dort wurde nun der Rest meiner Vernunft von reißenden Wellen verschluckt. Ich stand fassungslos am Strand, wollte mich bewegen, alles noch retten, doch sobald ich beim Wasser angekommen war, hineingriff, konnte ich nur noch spüren wie der mit Wasser vermischte Sand durch meine Finger rann, wild frei, so als wolle er von mir loskommen, so als wolle mein Verstand sich endlich von meinem Körper trennen.
Plötzlich zuckte ich zusammen, ich hätte beinahe aufgeschrieen und hatte alle Mühe mich auf dem Bett zu halten. Mein Strand wurde von einem beißenden Signalhorn durchrüttelt, das sich beim zweiten Hören als mein geliebtes Handy entpuppte. Wann bitte hatte ich es wieder angeschaltet?
Stöhnend wälzte ich mich zu dem Nachtschränkchen und knallte meine Handfläche ungelenkig darauf und das Handy und so ungefähr zehn duzend andere Dinge, segelten auf den Boden. Uh, klasse, jetzt wurde ich auch noch zum Trampeltier.
Ich schwang mich nach unten, fischte mein Handy unter dem Bett hervor, stieß mir beim hochkommen den Kopf am Bett an und landete aufgebraust wieder auf der Matratze.
"Hallo?", stöhnte ich in hinein, doch es kam keine Antwort. Doch wieder ein Klingeln, das sich direkt in mein Trommelfell bohrte, ich hatte nicht abgehoben, noch besser. Hastig drückte ich den Knopf und wiederholte meine unglaublich freundliche Begrüßung ein zweites Mal:
"Hallo?"
"Gill?"
> Oh Gott, ich weiß, du hast mir heute schon ein paar Mal unter die Arme gegriffen… aber bitte, habe Nachsicht mit mir. <
"Hey Mom, " wow, ich hatte es geschafft und klang wieder frisch und fröhlich, wie ich es meist tat.
"Ist alles okay bei dir?"
"Ob… ob alles okay ist? Ja, mir geht's bestens. Ich… ich probiere hier gerade die Hotelbetten aus… du kennst doch meine Leidenschaft dafür. Nur, habe ich die Vermutung, dass es die Matratzen nicht lange aushalten werden."
Ich hörte sie kurz lachen.
"Wir haben uns Sorgen gemacht, weil du nicht in deinem Hotel angekommen bist. Wo steckst du denn?"
"Ich… Mom, ich habe ein anderes Hotel gefunden. Es gab eine kleine, spontane Planänderung. Ich hatte nicht daran gedacht, euch zu benachrichtigen. Tut mir leid."
"Du bist in einem anderen Hotel? Aber… es gibt kein besseres als jenes, in dem du eigentlich hättest einchecken sollen."
"Nun ja Mom, hier… ist es eigentlich auch ganz okay."
"Und wo genau bist du?"
Oh nein Mom, ich war mir sicher, sie wollte das überhaupt nicht wissen.
"Weißt du, hier… hier ist alles etwas einfacher. Die Bedienung hier ist perfekt, nun gut, die Taxifahrer lassen vielleicht etwas zu wünschen übrig, aber… der Hotelier ist wirklich fantastisch."
Ich war inzwischen vom Bett aufgestanden und lief nervös im Zimmer auf und ab. Ich gestikulierte mit meinen Händen, als würde meine Mutter direkt vor mir stehen. Es musste mir einfach gelingen überzeugend zu wirken. Immerhin musste ich ihr nicht sagen, dass dies hier ein heruntergekommenes, 2-Sterne Hotel war, in dem man befürchten musste, von Kakerlaken verspeist oder von Ratten angegriffen zu werden. Dass der Ventilator wohl in den nächsten Tagen einen Toten fordern würde und… dass Téa direkt im Zimmer neben an wohnte. Letzteres würde meiner Mom wohl die größten Sorgen bereiten.
Vielleicht sollte ich ihr von den Schuhen erzählen? Ja… sie liebte Schuhe aus den 70ern und ich… ich könnte sagen, dass das ein Geschenk des Hauses an besondere Gäste sei… dann würde sie mich vermutlich für verrückt erklären und sofort hier herausholen.
"Sag mal Gillian, stimmt irgendetwas nicht? Du redest so schnell…" Ihre Stimme klang verdammt besorgt. Ich konnte sie ja irgendwie verstehen, ich selbst zweifelte momentan an meinem Verstand…
"Mom, es ist echt alles okay. Weißt du, ich dachte mir, ein wenig Abwechslung schadet nicht. Ich fühle mich hier total wohl ehrlich. Du braucht dir keinen Sorgen zu ma…"
"Du verdammter Wichser. Hau endlich ab! Du weißt, ich habe genug von dir! Fick doch deine Tunte bis sie umfällt!" Ich zuckte zusammen. Was? Huch, ich hatte die Zimmertür offen gelassen und eine drahtige Frau mit fettigen Haaren war wohl gerade dabei ihren Ex vor die Tür zu setzen.
"Gillian? Was um Gottes Willen war das denn?" Uh, Mom, warum legst du eigentlich nie zur richtigen Zeit auf?
"Mom, ähm…weißt du…ich…ähm…ich gucke gerade Fernsehen." Was ich eigentlich schlecht konnte, da ich gar keinen Fernseher hatte. Danke Gott, dass das Bildtelefon noch nicht im Umlauf ist.
"Wirklich? Das hörte sich aber ziemlich echt an."
"Ach, Mom, du kennst doch diese Reality-Shows. Das zieht die Leute an." Wow, die wurden aber auch immer realer. Jetzt schickten sie schon Schauspieler vor die Zimmertüren ihrer Zuschauer…
"Und warum musst du dir so einen Quatsch ansehen Gillian? Ich dachte du findest das lächerlich."
"Mom, ich bin hier auf einer Insel. Da gibt es nicht so viele Programme." Und wieso hatte dann mein anderes Hotel 216?
"Also, na ja, wenn du meinst…"
"Hey, du Trottel, da hinten im Zimmer wohnt Gillian Anderson. Also schrei hier nicht so rum, sonst hört sie das noch!" Ach du meine Güte, diese Shows erwähnten mich ja sogar, sollte ich mich jetzt geehrt fühlen???
"Gillian? Was bitte ist das für eine komische Show? Wieso reden die von dir?"
"Ach, weißt du, die wird direkt im Hotel gedreht." Oh mein Gott, wo ist hier die nächste Brücke von der ich runterspringen kann?
"Heißt das, dass du in dieser Show mitspielst?"
Ich schwöre Herr, ich werde von nun ab jeden Sonntag in die Kirche gehen, beten bevor ich schlafen gehe, ein Kreuz um den Hals tragen und dich nie wieder lächerlich heißen, nur hilf mir hier heraus.
Es fehlte nicht viel und ich hätte mich auf die Knie sinken lassen.
"Ähm, nicht wirklich, Mom. Es… ich habe nur etwas unterschrieben, das dem Showleiter gestattet, meinen Namen zu verwenden, wenn ich schon einmal hier bin."
Ich presste das Handy mit meiner Schulter gegen mein Ohr und machte mich erst einmal auf den Weg zur Tür, um diese zu schließen. Wer weiß, welcher Gesprächsstoff mir sonst noch entgegenkommen würde…
"Du unterstützt so was? Warst du bisher nicht immer der Meinung, dass das alles nur gestellt wäre und es reine Geldmacherei sei?"
"Ja… nun, dass hier ist etwas anderes Mom. Es… es… es unterstützt ein gewisses Projekt und ich dachte, ich… würde nichts Falsches tun, wenn ich mich daran beteilige, weißt du?"
"Oh."
Hatte sie eben *Oh* gesagt? *Oh* war aus dem Munde meiner Mutter so viel, wie ein eindeutiges *Ich weise dich in eine geschlossene Anstalt ein, ziehe dir eine Zwangsjacke über und stecke dich in eine Gummizelle*… und dass konnte ich nun wirklich nicht gebrauchen.
"Es ist wirklich alles okay Mom. Ich… ich rufe dich in den nächsten Tagen noch mal an und… erzähle dir, wie es hier so ist, okay? Das Wetter ist übrigens perfekt… etwas zu heiß… aber das wird sich legen. Und… ach Mom?"
"Hm?"
Nun gut, sie bevorzugte es wohl nun, nicht mehr als zwei Silben von sich zu geben… kam mir sehr gelegen.
"Ich habe gerade gesehen dass es schon nach neun Uhr ist… weißt du, in diesem Hotel hier sollte man das Abendessen bis spätestens 22 Uhr erledigt haben",… > und vermutlich bekomme ich nun nur noch die Reste vom Vortag, < hätte ich beinahe hinzugefügt, biss mir aber rechtzeitig auf die Zunge und stieß einen kurzen Schmerzenslaut aus.
"Ah."
Meine Zähne knirschten… wollte sie mich in den Wahnsinn treiben?
"Mom, " gab ich etwas wütend von mir, "könntest du damit bitte aufhören?"
"Okay Liebes, dann wünsch ich dir guten Appetit und noch einen schönen Abend. Und melde dich… du weißt dass dein Vater und ich uns um dich sorgen."
Ich nickte lautlos und setzte mich zurück aufs Bett.
"Ja Mom, werde ich. Sag Grüße an alle und… sobald ich wieder zu Hause bin werde ich bei euch vorbei kommen." Ich war etwas erleichtert, als ich merkte, dass sie aufgelegt hatte. Meine Güte, was für Anrufe standen mir eigentlich noch bevor? Ich war mir sicher, dass meine Mutter Verdacht geschöpft hatte. So, wie ich sie kannte, würde sie bestimmt gleich zu meinem Vater rennen und ihm mitteilen, dass mit mir etwas nicht in Ordnung war. Ich konnte in diesem Moment alles gebraucht, nur nicht noch einen Anruf.
Entschlossen schaltete ich das Handy entgültig aus. Mich sollte heute niemand mehr stören, niemand, selbst wenn mir der Präsident der Vereinigten Staaten mitteilen wollte, dass ich ab heute seinen Platz einnehmen würde, mir war es egal, das hatte auch noch bis morgen Zeit.
Hastig sprang ich, nachdem ich noch einmal auf die Uhr gesehen hatte, unter die Dusche. Ich konnte so nicht beim Abendessen aufkreuzen…Offenbar hatte mein lieber Rezeptionsmann seinen Gästen mitgeteilt wer in seinem Haus Einzug genommen hatte, oder war meine Tür so weit offen gewesen? Oder spionierte mir am Ende noch jemand hinterher? Ich verwarf diesen Gedanken sofort wieder. Ich würde hier einen ruhigen Urlaub verbringen, Téa existierte ab heute nicht mehr für mich, schwor ich mir.
Drrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrriiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinnnnnnnnnnnnnnnnnnnggggggggggggg
Ich fuhr vollkommen erschrocken hoch und glaubte das Ende aller Tage wäre gekommen, bis ich endlich bemerkte, dass mein Zimmertelefon klingelte. Wollte mich vielleicht irgendwer in die Verzweiflung treiben?!?
Mein Körper sagte mir, dass es irgendwann mitten in der Nacht sein musste… aber mein Blick auf die Uhr verriet, dass wir 8 Uhr morgens hatten. Ach du meine Güte, ich würde heute Abend recht früh todmüde ins Bett fallen.
Meine Hand suchte blind im Dunkel des Zimmers nach dem Telefon, fand es schließlich und nahm sich des Hörers an.
"Ja bitte, " fragte ich etwas verschlafen.
"Ms. Anderson, ein Gespräch für Sie."
"Wer…," nun gut, in Kürze fiel mir wieder ein, in welchem Hotel genau ich gestern abgestiegen war und hier hielt man es wohl nicht für unbedingt nötig, einem vorher den Namen des Anrufers mitzuteilen und den Gast zu fragen, ob er ihn überhaupt annehmen wollte.
Ich zuckte die Schultern und vernahm schließlich ein durchgehendes, leises Rauschen.
"Hallo?"
Nach einer halben Ewigkeit, meldete sich schließlich eine raue, männliche Stimme, die mir unbekannt war… zumindest auf die Schnelle.
"Hören Sie. Es gibt ein paar Dinge, die wir unbedingt klären müssen."
Sofort wandelten meine Gedanken zu David… aber er konnte dies unmöglich sein. Erstmal würde ich seine Art zu sprechen sofort erkennen und weiter hätte er nicht den Mut, mich um diese Uhrzeit aus meinen Träumen zu reisen… Träume, die nur von ihm handelten.
"Dinge die wir… mit wem spreche ich denn?"
Ich setzte mich im Bett auf, lehnte mich gegen die Lehne des Bettes und strampelte mich von der Decke frei… hier drin herrschte unheimlich Hitze.
"Ich habe einige Fotos in meinem Besitz, an denen Sie eventuell hohes Interesse finden könnten."
"Ach ja? Was für Fotos denn?"
Oh ja, ich hatte gestern kurz entschlossen den Beruf des Leutenantes übernommen und solch mysteriösen Anrufe, bei denen man von illegalen Bildern benachrichtigt wurde, gehörten wohl dazu.
"Fotos die Sie und ihren Kollegen in einer ziemlich eindeutigen Situation zeigen."
In einer ziemlich eindeutigen… was sollte dass denn jetzt???
"Sicher. Davon gibt es einige. Gehen Sie in einen Supermarkt und Sie werden etliche davon finden. Wir zusammen im Bett, nackt versteht sich… ein Kuss hier, ein Kuss da… wie wir uns total verträumt ansehen und ich in seinen Armen liege…"
"Hören Sie auf damit!"
Es durchfuhr mich eine schreckliche Gänsehaut. Auf der Stelle war mir klar, dass das hier niemand war, der das alles zum Spaß machte. Er meinte es todernst und er schien nicht sonderlich viel Geduld zu haben.
"Was für Bilder also?" fragte ich noch einmal.
"Nun, wissen Sie, ich habe einiges gesehen. Ich weiß, wovon Sie träumen Ms Anderson." Seine Stimme klang seltsam, so als rede er durch ein Taschentuch oder ähnliches und mir wurde unendlich mulmig zumute. Konnte es tatsächlich sein, dass dieser Typ mich verfolgte?
"Ach, wirklich? Hat ohne meines Wissens ein Mensch die Fähigkeit des Gedankenlesens erworben?" Ich versuchte möglichst amüsiert zu klingen und schielte hinüber zu meinem Handy. Ich griff danach und schaltete es wieder ein, warum wusste ich nicht.
Die Antwort war ein schiefes, schon fast hysterisches Lachen.
"Wissen Sie, in meinem Beruf lernt man das mit der Zeit, in meinem Beruf lernt man sie bloß anzusehen und dann zu wissen, was Sie als nächstes tun werden. Sie sind nicht allein auf dieser Welt, glauben Sie mir, wenn nicht jemand anders, dann können Sie sich sicher sein, dass einer von uns, immer bei Ihnen ist." Ich bemerkte, dass ich anfing zu zittern.
"Hören Sie mir zu, was auch immer Sie in Ihrem Besitz haben, mir ist das so ziemlich scheiß egal.", rang ich schließlich aus mir heraus, "Machen Sie damit was Sie wollen, wenn Sie denken, ich fühle mich jetzt bedroht, dann muss ich Ihnen gestehen, dass Sie kläglich versagt haben." Mein ganzer Körper zitterte, ich hatte Mühe den Hörer in der Hand zu behalten und ich war mir sicher, dass ich diesmal nicht gerade ruhig geklungen hatte.
"Schauspieler neigen dazu sich selbst etwas vorzuspielen.", war seine Reaktion, "Ich kann Sie in Schwierigkeiten bringen Ms Anderson, ich werde Sie in Schwierigkeiten bringen. Drehen Sie sich um, vielleicht stehe ich direkt hinter Ihnen." Ich weiß nicht, was mich in diesem Moment packte, doch ich fuhr fast in Panik herum, sprang auf durchsuchte die Vorhänge, jede Nische meines Zimmers in der sich jemand aufhalten könnte.
"Na..na, ruhig bleiben, ich knall Sie schon nicht ab, dafür können Sie mir viel zu viel Knete einbringen. Setzen Sie sich und bleiben Sie ruhig, Sie werden schon sehen, was Sie davon haben. Und grüßen Sie Téa schön von mir und ach, David wird gleich anrufen, nicht, dass Sie sich erschrecken."
"Hören Sie ich…" In diesem Moment bemerkte ich, dass der Spinner aufgelegt hatte. Ich atmete tief durch.
"Ruhig bleiben, ruhig bleiben. Ich war in einem Restaurant, er könnte dort gewesen sein und gesehen haben, dass Téa auch hier ist. Er stand vor dem Hotel, hat gesehen wie erst Téa und dann ich es verlassen haben. Ganz gewöhnlich. Und David wird nicht anrufen." In diesem Moment klingelte mein Handy.
Sollte ich wirklich rangehen? Was, wenn das der nächste Verrückte sein würde, der mir mit weiß Gott was drohen wollte?
Ich setzte mich in die hinterste und dunkelste Ecke des Zimmers, außer Acht gelassen, das dort womöglich tausende von achtbeinigen Viechern herumkrabbeln würde und sah schließlich auf den Display des Handys, das ich in meiner Hand hielt.
Wow, es gelang mir nicht wirklich, meinen Köper dazu zu bringen, zu zittern aufzuhören. Und trotz der Hitze, die ich vorher empfand fröstelte ich nun. Diese Situationen bewegten mich dazu, es zu hassen, ein Star zu sein. Verdammt noch mal. Was bildeten sich diese Typen eigentlich ein… durch solchen Mist zerrissen sie Familien.
Verdammt, ich sollte wirklich ran gehen. Denn auf dem Display leuchtete in schwarzer Schrift auf grünem Hintergrund der Name "David".
Automatisch drückte ich schließlich die Annahmetaste und gab ein etwas eingeschüchtertes "Hey" von mir.
"Alles klar bei dir? Ich habe mir wegen gestern wirklich Sorgen um dich gemacht."
Nun gut… sollte ich ihm die Wahrheit sagen oder ihn lieber nicht unnötig Angst bereiten. Unnötig? War das auch der Grund, warum ich noch immer zusammengesunken in der Ecke saß und den Raum nicht aus den Augen ließ?
"Ähm ja, Dave, ist alles in Ordnung hier."
Er würde es an meiner Stimme merken. Er würde es an meiner Stimme merken. Ich war mir sicher, dass er mir anmerken würde, dass etwas nicht stimmte.
"Ehrlich gesagt, glaube ich dir dass nicht wirklich. Du… klingst etwas bedrückt."
Bedrückt? Eher gedrückt… und zwar fest gegen die Wand, an der ich mich gerade entlang schlich.
"Nein, wirklich alles okay. Ja. Glaubst du dass es im Paradies etwas geben könnte, dass mich bedrücken würde?"
"Ich weiß es nicht… aber… ich würde es gerne herausfinden."
"David? Was soll dass heißen?"
"Das heißt dass ich in Kürze bei dir sein werde?"
Hatte ihn der Wahnsinn gepackt? Er konnte nicht einfach hier her kommen. Einfach über meinen Kopf hinweg entscheiden mich in meinem Urlaub zu besuchen. Er konnte das nicht, weil direkt neben mir seine Frau wohnte und er sich wohl verdammt noch mal den Kopf darüber zerbrechen würden, warum Téa und ich in einem 2-Sterne Hotel wohnen, das total heruntergekommen ist… und er konnte es nicht, weil ich gerade eine Drohung bekommen hatte, von jemandem, der uns auffliegen lassen konnte. Er konnte einfach nicht hier her kommen. Und außerdem: Woher wusste er eigentlich "wohin" er kommen sollte????
"Nein David, dass… geht nicht. Hier ist alles überfüllt… alles ausgebucht." "Ich bin mir sicher, dass die noch ein kleines Plätzchen für mich finden werden."
Inzwischen hatte ich die Badezimmertür erreicht, der einzige Ort, an dem ich noch nicht nachgesehen hatte, ob sich jemand darin befand. Leicht stupste ich die Tür an, griff nach rechts um das Licht anzuknipsen und sah… nichts und niemanden. Toll!
"Ich… lass es einfach, okay? Es wäre vermutlich nicht so gut… wenn die uns auch noch in unserem Urlaub gemeinsam sehen."
"Die?"
Perfekt Gill, jetzt hast du es ihm direkt auf einem silbernen Tablett serviert.
"Ich… es… also weißt du… es gibt da etwas, dass…"
"Ich bin schnellstmöglich bei dir… bis nachher, Gill."
"N E I N!"
Doch vergeblich, ich hielt das Telefon fest in meiner rechten Hand, presste es gegen mein Ohr und hörte lediglich das Belegtzeichen. Er hatte aufgelegt, ohne dass ich ihn warnen konnte. Dieser verdammte Mistkerl musste sich irgendwo in Davids Nähe aufhalten. Und vielleicht steckte Dave somit in Gefahr…