Titel: Almost Heaven
Autor: Daisy (Yasi) & Rieke
Kontakt: ywollmarker@yahoo.de & RiekeX@gmx.de
Spoiler: -
Rating: NC-17
Kategorie: DGR
Disclaimer: Gillian Anderson, David Duchovny sowie alle anderen Personen in dieser Story gehören sich selbst. Uns ist bewusst, dass diese Personen real existieren. Die Handlungen und Dialoge sind teilweise frei erfunden. Totale Übereinstimmungen mit der Realität sind vermutlich nicht vorhanden, würde uns aber freuen. *g* Wir wollen mit dieser Geschichte niemanden angreifen, es ist vielmehr als Hommage gedacht.
Short-Cut: Gefühle kann man nicht steuern, seine Träume nicht kontrollieren. Zwei Seelen, die miteinander verbunden sind, suchen sich ihren eigenen Weg ins Herz.
Eine Ära ging zu Ende. Was bedeutet das Ende der X-Akten für David und Gillian? Wie wird ihr Leben nun weitergehen?
Anmerkung von Daisy:
Ich möchte mich auf diesem Wege ganz herzlich bei Rieke bedanken. Ich hatte schon lange mit dem Gedanken gespielt, meine eigenen Fanfics zu schreiben doch nun bin ich verdammt froh, dass Rieke diese Erste mit mir zusammen geschrieben hat. Ich hatte zwar alle Ideen im Kopf, doch ohne ihre Hilfe wäre diese Geschichte niemals zustande gekommen! Danke nocheinmal!
Ein weiterer Dank geht auch an Jessy und an Wod, da sie mich nun schon seit vielen Wochen in meinem verworrenen Denken unterstützen. Auch Mel und Manja möchte ich danken, sie haben mir immer wieder den nötigen Kick gegeben, wenn ich mal nicht weiterwusste. Danke auch Liesel, Moni und Eddy!
Und last not least an meine Mom und all meine Lieben DAGS, die auch nicht ganz unschuldig an dieser Story sind...
Anmerkung von Rieke: Ich möchte mich bei Daisy bedanken, dass sie mich diese FF mit ihr hat schreiben lassen. Dafür, dass sie meine ganze Kritik, die manchmal auf sie niederhagelte, ertragen hat und ich nie ein ärgerliches Wort dafür von ihr gehört habe. Danke J
Almost Heaven
26. April 2002; 17:48 Uhr; Akte X Set
"Cut", rief Chris.
Das war es also, der letzte Drehtag, die letzte Einstellung, die letzte Szene. Die Ära der X-Akten war zu Ende. David und Gillian machten sich auf den Weg zu ihren Wohnwagen. Ein trauriges Lächeln umspielte Davids Gesicht.
"Na, traurig?" fragte Gillian.
"Nein, eigentlich nicht, ich hab’s ja schließlich so gewollt. Aber dennoch...ach...ich weiß auch nicht. Hast du noch Zeit, mit mir einen Kaffee zu trinken?"
"Gern Dave, aber willst du nicht nach Hause?"
David verzog das Gesicht.
"Nein..."
27 min später; Charly‘s Café
Gillians Blick verweilte auf Davids Gesicht, der nun schon eine ganze Weile in seine Kaffeetasse starrte. <Er wird mir fehlen! Seine Witze, sein Humor. Einfach seine Gegenwart. Wie es wohl sein wird, ohne ihn? Ach vergiss es Gill, schließlich war er doch auch das letzte Jahr kaum anwesend am Set.>
"Woran denkst Du?" riss David sie aus den Gedanken. "Du starrst mich an, als wolltest du mich mit deinen Blicken durchbohren."
"Sorry, ich hab mir nur überlegt was wohl in deiner Tasse so interessant ist, da du so intensiv hinein starrst!"
"Ich war in Gedanken. Erinnerst du dich noch an die erste Zeit hier am Set, Gill? Anfangs, da konnte ich dich gar nicht ausstehen."
"Ich hab genervt." Gillian grinste.
"Ja, hast du. Aber mit der Zeit wurden wir Freunde, hab ich recht?"
"Stimmt, aber worauf willst du hinaus?"
"Ich hab mir nur gerade überlegt, wie anders jetzt alles werden wird, ohne - na ohne alles eben."
<Gott, kann er Gedanken lesen?> fragte sich Gillian. Da sie auch keine Antwort finden konnte, wechselte sie das Thema.
"Wann fängst du eigentlich mit den Dreharbeiten zu deinem neuen Film an? Wie hieß der gleich noch? Dark? überlegte sie laut. "Irgendwas mit dark."
"My Dark Places", half er ihr auf die Sprünge. "Wir fangen im Juni an zu drehen. Und wann fliegst du nach England?"
"In vier Monaten. Jetzt möchte ich erst mal ausspannen und ganz viel Zeit mit Piper verbringen."
"Ich vermisse die Kleine ein wenig. Ich hab sie die ganze letzte Woche nicht einmal am Set gesehen."
"Stimmt. Sie war nicht da. Clyde hatte sie die ganze Woche über. Er bringt sie erst Übermorgen Nachmittag. Das bedeutet, ich kann morgen auf der Abschlussfeier bleiben so lange ich will."
Stille.
"Dave?"
"Hm..."
"Kommt Téa morgen eigentlich mit zur Feier?" fragte Gillian vorsichtig.
"Ich weiß noch nicht, sie hat sich dazu noch nicht definitiv geäußert. Aber ich denke nicht, du kennst ja ihre Einstellung zu den X-Akten."
"Nun, ich kenne jedenfalls ihre Einstellung mir gegenüber." Sie senkte die Stimme so sehr, dass David sie kaum noch hören konnte.
"Du weißt ja, sie mag keine Konkurrenz", erwiderte David ebenso leise.
"Ach hör doch auf Dave, ich war doch niemals Konkurrenz für sie!"
"Nun, sie sieht das etwas anders."
"Mein Gott was erwartet sie denn?" fuhr Gillian genervt auf. "Wir sind jetzt seit neuneinhalb Jahren Partner - und Freunde. Da ist es doch normal, dass wir uns gut verstehen."
"Sicher, aber Téa denkt - zu gut!"
"Na dann wird sie ja wohl verdammt happy sein, dass ich bald nach England gehe", antwortete Gillian sarkastisch.
"Ja, vielleicht. Aber ich denke, du weißt, dass das nur auf sie zutrifft."
David senkte seinen Kopf und sah etwas nachdenklich auf die marmorierte Tischplatte vor sich.
"Na, dass hoff ich doch."
Es war typisch Gillian, ihn auf diese Weise aufheitern zu wollen. Er wusste, dass er nicht der einzige war, der darunter litt, dass sie nach London gehen würde. Sie waren sieben Jahre lang mehr als 12 Stunden am Tag beieinander gewesen und selbst die letzten beiden Jahre hatten sie einander noch oft genug zu Gesicht bekommen. Aber jetzt war das vorbei.
"Wie lange hast du vor, dort zu bleiben?"
"Eigentlich möchte ich mich nicht wirklich festlegen. Ich werde so lange dort bleiben, wie ich Spaß daran habe, das Stück vorzuführen. Aber keine Sorge", sie griff etwas unsicher nach seiner Hand, "ich werde dazu keine neun Jahre brauchen."
Eine kleine, etwas dickere Person trat an ihren Tisch und wedelte hektisch mit ihrem kleinen Notizblock vor ihren Gesichtern herum.
"Was darf ich ihnen zu trinken bringen?"
Ihre Stimme war mit Ungeduld unterlegt, und ihr Blick deutete an, dass sie es wirklich verdammt eilig hatte.
"Zwei Kaffee, nur mit Milch bitte."
Davids Stimme hatte wieder etwas an Kraft gewonnen, und er begann sogar ein wenig zu lächeln, als er sah, wie die Bedienung, als sie ihre Bestellung aufgegeben hatten, wieder davon eilte.
"Du kannst mich ja auch mal besuchen kommen, sofern Téa ihr Einverständnis gibt."
"Na auf alle Fälle. Mein Interesse, dich einmal auf einer Theaterbühne zu sehen ist riesig."
"Hm", war alles, was David von ihr hörte. Gillian sah aus dem Fenster, neben dem sie saß und betrachtete den hellsten, leuchtenden Stern am Himmel.
"Es wird eine Umstellung sein, denke ich. Ich darf meinen Text nicht mehr vergessen, muss versuchen, äußerst deutlich und langsam zu sprechen und natürlich muss ich mich davon abhalten, mittendrin loszulachen."
"Ich weiß, wie schwer dir das fallen wird."
Sie warf ihm einen deutlich genervten Blick zu, hätte nicht ein Lächeln ihre Lippen umspielt, hätte er sich womöglich sogar bei ihr entschuldigt.
Er hatte nicht vorgehabt, sie zu beleidigen.
"Miss…, Sir…", die Dame von eben war mit zwei Jumbo-Tassen voll Kaffee zurückgekehrt und stellte eine davon vor Gillian, die andere vor David ab.
David nickte freundlich, griff sogleich nach seiner Tasse und nahm einen kräftigen Schluck.
"Wie verläuft Téas Schwangerschaft?"
Wow, ein wirklich abrupter Themawechsel.
"Gut, bisher… sagen zumindest die Ärzte."
"Und du willst mir wirklich nicht sagen, was es wird?"
Gillian versuchte einen äußerst bettelnden Blick aufzusetzen, der David anscheinend jedoch kein bisschen beeindruckte.
"Nein, du wirst es sehen, wenn er… oder sie, auf der Welt ist. Solange wirst du dich noch gedulden müssen."
"Okay, ich werde meine Neugierde zügeln, versprochen."
Auch sie griff nun nach ihrer Tasse und leerte sie, wie es schien, mit einem einzigen Zug.
"Du hattest wohl wirklich Durst, was? Wusstest du, dass sich Kaffee nicht wirklich dazu eignet, seinen Durst zu stillen?"
Er erhielt als Dankeschön für seine Aufklärung einen Tritt gegen sein Schienbein und warf beinahe seine Tasse zu Boden.
"Für was war das denn?" fragte er gespielt ernst.
"Dafür, dass du meinst, manchmal meinen Vater mimen zu müssen."
Er tat es Gillian gleich und leerte seine Tasse.
"Hey", sie versuchte wiederum nach seinem Schienbein zu treten, er wich jedoch früh genug aus und grinste sie herausfordernd an.
"Und für was wäre das nun gewesen, Gill?"
"Dafür, dass du versucht, mir das schnelle Kaffeetrinken abzugewöhnen und es dir selbst aneignest."
Er konnte nicht anders, und brach in schallendes Gelächter aus. Gillian saß ihm etwas hilflos gegenüber und fand die Situation vorerst keineswegs so lustig wie er, bis sie schließlich in sein Lachen mit einstimmte.
"Okay… okay, du hast gewonnen."
"Tu ich das nicht immer?"
Es gehörte zu seinen Lieblingsaktivitäten, sie zu necken. Er tat es, wann immer sich ihm die Gelegenheit bot.
"Also, ich werde jetzt gehen."
David griff nach seiner Jacke, die er neben sich abgelegt hatte und zog sie sich über.
"Sehen wir uns morgen bei der Abschlussfeier?"
Gillian nickte.
"Wirst du mich heute Abend noch anrufen?"
Er stand auf und machte sich auf den Weg zur Theke, um der "freundlichen" Bedienung den genau stimmenden Betrag für die Kaffee zu zahlen und anschließend das Café zu verlassen.
"Sicher, wenn du es möchtest."
Gillian folgte ihm, lehnte sich neben ihm gegen die Theke und hielt wiederum Ausschau aus dem Fenster, um den leuchtenden Stern zu finden.
"Ja, das möchte ich."
Ihre Stimme wurde zu einem leisen Flüstern, dass ihn nachdenklich machte. Sie würden sich morgen das letzte Mal sehen. Das letzte Mal für eine eventuell lange Zeit.
"Ich werde dich anrufen", brachte er als Bestätigung hervor und legte eine
5-Dollarnote vor sich auf den Tresen. Es war mehr, als die beiden Kaffee zusammen kosten würden, aber er wollte gehen.
Gleicher Abend; 22:31 Uhr
Gillian lag schon im Bett und wollte gerade das Licht ausmachen, als das Telefon läutete.
"Hallo?"
"Na Prinzessin, hast du schon auf meinen Anruf gewartet?"
"Hi Dave." Etwas anderes fiel Gillian im Moment nicht ein. Sie hatte sich zwar gewünscht, dass er sie anrufen würde, doch eigentlich hatte sie nicht wirklich damit gerechnet.
"Was machst du gerade Gill?"
"Ich wollte gerade das Licht ausmachen und schlafen. Was machst du denn Dave? Wo bist du eigentlich?" Irgendwie hatte Gillian das Gefühl, Wasser plätschern zu hören.
"Na, ich liege in der Badewanne und..."
"In der Wanne? Um diese Zeit?"
"Na ja, früher kam ich nicht dazu. Jetzt liege ich entspannt hier. Ich hab nur etwas zuviel Schaum erwischt, also kann ich meinen ach so perfekten Körper gar nicht sehen."
"Willst du mich anmachen David?"
"Immer doch, das weißt du! Hast du nicht Lust rüberzukommen und mir den Rücken zu schrubben?"
"Ach natürlich, und was sagen wir dann Téa, wenn sie mich bei dir in der Wanne erwischt?"
"Nun, wir könnten ganz leise sein, oder?" Gillian konnte Davids Gesicht richtig vor sich sehen, das Grinsen, das er jetzt mit Sicherheit im Gesicht hatte. Doch sie kannte David gut genug um zu wissen, dass er nur versuchte, sie aufzuheitern.
Er wußte schließlich, dass sie ihn vermissen würde. Also ging sie auf das Spiel ein.
"Ich hätte da einen besseren Vorschlag. Steig aus der Wanne und komm du rüber zu mir, dann versprech ich, dir den Rücken zu schrubben."
David lachte auf. Gillian verstand es eben, ihn aufzuheitern. Plötzlich hörte er vor dem Badezimmer ein Geräusch. Das konnte nur Téa sein.
"Gill, wart mal kurz, nicht auflegen, ja?"
David hatte sein Handy schnell unter das Handtuch geschoben, das neben ihm am Beckenrand lag.
Genau im richtigen Augenblick.
"Honey, hattest du nicht gesagt, du kommst auch gleich ins Bett? Was MACHST du also jetzt hier?"
"Ah, ich hab beschlossen, noch schnell ein Bad zu nehmen. Ich dachte nicht, dass du auf mich warten würdest. Das hast du schon sehr lange nicht mehr gemacht Téa!"
"Und mit wem hast du gerade gesprochen?" Téa sah ihn argwöhnisch an.
"Mit mir selber. Wie du siehst liege ich alleine hier drinnen! Ich hab mir nur vorgestellt, dass eine wunderschöne Frau mir mal eben den Rücken schrubbt."
"Das ist süß Honey, wirklich. Ein wunderschönes Kompliment. Mach schnell und komm dann ins Bett, ja?" Téa drehte sich mit einem Lächeln um und verließ das Badezimmer.
Gillian hatte diese Unterhaltung natürlich mit angehört und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Ihr war vollkommen klar, das David dabei nicht unbedingt an Téa gedacht hatte.
"Gill, bist du noch da?"
"Hm", gluckste sie ins Telefon.
"He, lach nicht, das war jetzt echt knapp. Was denkst du, was Téa jetzt für eine Szene gemacht hätte, wäre ihr klar gewesen, dass ich mit dir telefoniere!"
"Selber Schuld lieber David. Aber nein, du hast ja recht. Wir sollten wohl besser aufhören bevor Téa es sich anders überlegt und doch noch zu dir in die Wanne steigt."
"Gott, kannst du dir vorstellen, wie eine schwangere Frau hier noch reinpassen soll?" David lachte, dachte einen Moment nach und sagte dann zu Gillian. "Wir sehen uns also morgen auf der Feier?"
"Ja Dave, ganz bestimmt. Gute Nacht."
"Nacht Prinzessin. Ah - und Gill..."
"Ja?"
"Du BIST eine wunderschöne Frau."
Bevor Gillian noch etwas erwidern, konnte hatte David schon aufgelegt.
27. April; 20:43 Uhr; Akte X Abschlussfeier:
"Du bist spät dran", begrüßte David Gillian.
"Tja, ich stelle mich eben den Reportern da draußen und komme nicht durch den Hintereingang geschlichen." In ihren Augen blitzte es angriffslustig.
"Du siehst verdammt toll aus", lenkte er ab. Er war jetzt nicht in der Stimmung mit ihr zu diskutieren.
Gillian lächelte. Sie verstand, dankte David für das Kompliment und vergaß ihre Sticheleien.
"Wo ist Téa?"
"Zuhause. Also Gill, was willst du trinken?"
Während sie darüber nachdachte, sah sie, dass die Gläser der meisten Gäste eine seltsam grüne Flüssigkeit enthielten.
"Was ist das für ein grünes Zeug?"
"Ich glaube nicht, dass das was für dich ist. Nicht dein Geschmack." Er hielt ihr sein Glas hin, welches ebenfalls mit grüner Flüssigkeit gefüllt war.
"Lass mich wenigstens erst mal probieren."
Sie nahm ihm das Glas ab, trank einen Schluck und gab es ihm zurück.
"Du hast recht, lieber etwas anderes. Und da du meinen Geschmack so gut zu kennen scheinst, darfst du mir holen, was du willst."
"Zu Befehl. Siehst du den Tisch in der Ecke? Setz dich doch schon mal da hin."
Worüber denkst du nach, Schatz? fragte Mitch seine Frau.
"Ach nichts, ich... Weißt du, ich beobachte Dave und Gillian jetzt schon eine Weile. Zuerst haben sie da ganz hinten in einer Ecke gesessen und haben geredet. Irgendwie sahen sie dabei so ernst aus. Doch jetzt tanzen sie schon eine ganze Weile miteinander. Sieh sie dir doch mal an!"
Mitch schaute zur Tanzfläche.
"Ja, sie tanzen. Und?"
"Ja aber, siehst du denn nicht wie? Das sieht aus als wären sie ein Paar, eine komplette Einheit. Schau doch mal in Gillians Gesicht. Dieses Lächeln... Und David erst. Diesen zufriedenen Ausdruck hab ich schon lange nicht mehr gesehen. Das letzte Mal als ich ihn so sah, das war... ja, das war als wir gerade die Szene aus "All things" gedreht haben. Der Abend, an dem er plötzlich am Set auftauchte, obwohl er gar nicht hätte kommen müssen. Erinnerst du dich daran? Damals hat er stundenlang mit Gillian rumgescherzt und zu guter Letzt sind die beiden dann händchenhaltend zusammen abgezogen. Damals hatte er den gleichen, zufriedenen Ausdruck wie jetzt!"
Mitch sah nocheinmal zu den Beiden auf der Tanzfläche. "Hm, ich weiß was du meinst. Aber für mich ist das normal, die Beiden benehmen sich doch fast immer so, wenn sie zusammen sind."
"Ich weiß, aber hast du bei David denn in letzter Zeit mal diesen Ausdruck gesehen wenn er mit Téa zusammen war?"
Mitch grinste.
"Nein, denn Gott sei Dank hab ich Téa in letzter Zeit überhaupt nicht gesehen!"
4 Stunden später:
"Gill, David, ich wollte mich nur von euch verabschieden." Kim beugte sich runter zu Gillian und gab ihr einen Kuß auf die Wange.
"Du willst schon gehen?"
"Ja, es ist spät geworden. Ihr Beide seid fast die letzten. Nacht."
Gillian und David sahen sich um. Es stimmte, es waren höchsten noch zehn Personen hier.
"Dave, willst du auch nach Hause gehen?" Gillian sah David fragen an.
"Nein Gill. Ich würde mich lieber noch weiter mit dir unterhalten. Außer natürlich, du willst gehen..."
"Nein, will ich nicht."
Einige Minuten schwiegen beide. Es war kein störendes Schweigen, jeder ging einfach seinen eigenen Gedanken nach. Doch dann packte David Gillian am Handgelenk.
"Lass uns von hier verschwinden."
Gillian stand auf. "Und wo gehen wir hin?"
"Lass uns an den Strand fahren. Es ist dunkel, nur wir beide. Komm schon Gill!"
20 Minuten später gingen sie Hand in Hand am Wasser entlang. Gillian hatte ihre Schuhe ausgezogen, die sie jetzt in der einen Hand trug. Sie fröstelte leicht.
"Ist dir kalt?"
"Ein wenig, ja."
David blieb stehen, zog seinen Pullover aus und gab ihn Gillian, die sich dafür bedankte. David ließ sich einfach in den Sand fallen. Gillian überlegte nicht lange und setzte sich neben ihn.
"Dave?"
"Hm.."
"Ich weiß, es geht mich nichts an und wenn du nicht antworten willst, dann mußt du auch nicht... Was ist los mit dir und Téa?"
"Wieso denkst du, dass irgendetwas "los" ist?"
"Gott, David, ich kenn dich doch! Seit wir angefangen haben für "The Truth" zu drehen, bist du immer so lange wie möglich am Set geblieben. Bevor du vor zwei Jahren ausgestiegen bist, war das ganz anders. Damals konntest du nie schnell genug wegkommen."
David veränderte seine Position. Er legte sich nun ganz in den Sand, verschränkte seine Hände unter dem Nacken und schloß die Augen.
"Ich weiß nicht was los ist. Die Luft ist einfach raus. Schon seit langem! Téa nörgelt ständig an mir rum, ihr gefällt dies nicht, ihr gefällt jenes nicht. Es gibt Momente, da kotzt sie mich richtig an. Erinnerst du dich an die Zeit, als sie jedem, auch denen die es gar nicht hören wollten, immer wieder gesagt hatte, sie wäre froh, dass ich diese blöden X-Akten endlich hinter mir gelassen hatte. Jetzt hat sie anscheinend ihre Meinung geändert, sagt sie zumindest. Sie behauptet, sie wäre froh, dass ich für diese letzte Folge zurückgekehrt bin. Mich stinkt das an. Das einzige worüber sie wirklich froh ist, ist die Tatsache, dass ich nicht mehr jeden Tag zu Hause bin. Langsam hab ich das Gefühl, da gibt es einen Anderen."
Gillian legte sich nun ebenfalls nach hinten, drehte sich zu David und sah ihn an. Er hatte seine Augen immer noch geschlossen.
"Ist es das, was dir zu schaffen macht? Dass du denkst, sie hätte einen anderen?"
"Nein."
David drehte sich auf die Seite, stütze seinen Kopf mit der Hand ab und sah jetzt Gillian direkt in die Augen.
"Nein, eigentlich ist mir das ziemlich egal. Ich würde es nur gerne wissen, wenn es so wäre. Dann könnten wir ganz einfach einen Schlussstrich ziehen und die Sache beenden."
"Willst du das denn, die Sache beenden? Dave, ihr bekommt gerade ein zweites Kind, schon vergessen?"
"Das hab ich nicht vergessen. Ich wünschte nur, es wäre nicht so." David hob seine Hand und streichelte zärtlich über Gillians Wange.
"Tust du mir einen Gefallen Gill? Hältst du mich wohl einen Moment fest?"
Gillian lächelte. David brauchte sie mal wieder! Sie umschlang ihn mit ihren Armen und David ließ seinen Kopf mit einem Seufzer auf ihrer Schulter ruhen.
Nach einer halben Stunde, in der beide kein Wort gesprochen hatte, hörte Gillian auf, durch Davids Haare zu streicheln.
"Dave, mir schläft mein Arm ein."
David richtete sich auf und zog Gillian mit sich auf die Beine.
"Lass uns nach Hause fahren. Es ist schon spät."
Bei den Autos angekommen, umarmte David Gillian und drückte sie fest an sich.
"Danke Gill! Danke für deine Freundschaft und dafür, dass du immer für mich da bist, wenn ich dich brauche. Ich weiß, es ist nicht immer leicht mit mir und manchmal, da hab ich verdammte Schuldgefühle, weil ich dich vor zwei Jahren im Stich gelassen habe."
"Scht...ist schon ok. Ich hab dich auch lieb." Gillians Worte waren nicht mehr als ein Flüstern, doch David hatte sie verstanden.
Er hob den Kopf, sah ihr in die Augen und dann küsste er sie sanft auf den Mund.
Gillian ließ es geschehen.
Als David sich von ihr löste, küsste er sie noch einmal sanft auf die Nasenspitze.
"Ich weiß Gill. Gute Nacht."
Mit diesen Worten drehte er sich um, stieg in seinem Wagen und fuhr davon.
09. Mai; 13:47 Uhr; Davids Haus:
"Téa! Téa?"
Sämtliche Zimmertüren des Hauses öffnend, suchte David nach seiner Frau. Bisher hatte er nur West friedlich schlummernd in ihrem Bett vorgefunden. Die kleine brauchte ihren Mittagsschlaf, deshalb schloss er diese Tür wieder und rief Téas Namen von da an etwas leiser als vorher. Eigentlich hätte er erst in zwei Stunden hier sein sollen. Er hätte heute einen Interviewtermin für irgendeine Zeitung gehabt, aber der Reporter war anscheinen krank geworden oder konnte, aus welchen Gründen auch immer, nicht kommen. Jedenfalls war er nicht aufgetaucht und einen Anderen hatte die Zeitung auch nicht geschickt. Doch das alles war so kurzfristig gewesen, dass David erst von seinem Agenten darüber aufgeklärt wurde, als er schon am vereinbarten Treffpunkt angekommen war. Also war er wieder nach Hause gefahren. Verwundert zog er die letzte Tür zu. Téa war nicht da, obwohl sie heute Morgen noch geklagt hatte, sie fühle sich überhaupt nicht wohl und würde den ganzen Tag zu hause bleiben. Was hatte das zu bedeuten? Und warum hatte sie West hier ganz allein gelassen? Kopfschüttelnd ging David in die Küche, wo Blue und George schwanzwedelnd auf ihn zukamen. Nachdem David die Hunde ausgiebig begrüßt hatte, setzten sich diese bettelnd vor ihren Fressnapf. Wieder hatte David Grund zur Verwunderung. Die Beiden waren noch nicht gefüttert worden. Was war hier los? Nun gut, er würde warten bis Téa zurückkommt. Es gab sicherlich eine plausible Erklärung für alles. David machte sich daran die Fressnäpfe zu füllen und stellte eine neue Schüssel Wasser auf den Küchenboden. Sich selbst goss er ein Glas Mineralwasser ein und verließ die Küche wieder. Im Wohnzimmer machte er es sich in einem großen Sessel gemütlich. Sein geistesabwesender Blick schweifte durch den großen Raum. Plötzlich stutzte er. Auf dem kleinen Tisch in der Ecke, auf dem das Telefon stand, lag sein Terminkalender. Er hatte ihn vorhin, bevor er weggefahren war, überall gesucht, aber er war definitiv nicht dort gewesen wo er jetzt lag. Wie war er dahin gekommen? David stand auf und ging zu dem kleinen Tisch, um den Terminkalender dorthin zu bringen, wo er hingehörte. Er nahm ihn an sich und schlug die Seite mit dem heutigen Tag auf. Unter dem Eintrag, der den Interviewtermin auswies, gab es nur noch einen Eintrag: 20:30 Uhr - Kino H. P. Einen Moment lang starrte David ratlos auf den Eintrag. Er hatte völlig vergessen was das heißen sollte. Dann fiel es ihm wieder ein. Natürlich, die Premiere des neuen Harry Potter Films. Das war ja heute. Er hatte vorgehabt, sich diesen Film gemeinsam mit Téa anzusehen, aber sie hatte ihm unmissverständlich klargemacht, dass sie kein Interesse daran hatte. Er hatte wenig Lust sich den Film alleine anzusehen, aber die Karten waren bezahlt, und eigentlich wäre es gar nicht schlecht wieder mal auszugehen. Nur würde er alleine ins Kino gehen müssen, es sei denn...
"Anderson." Am Telefon meldete sich eine Kinderstimme.
"Piper? Bist du’s?"
"Erraten. Und wer ist am anderen Ende?"
"Oh, sorry. Hier ist Onkel David. Ist deine Mutter da?"
"Hi David. Tut mir leid, Mom ist nicht da."
"Wann kommt sie denn zurück?"
"Wusste sie nicht."
"Na dann. Eingentlich kann ich das auch mit dir besprechen."
"Schieß los."
"Gillian sagte, ihr beide wollt heute ins Kino."
"Ja, wir wollen uns den neuen Harry Potter Film ansehen. Ich freu mich schon den ganzen Tag darauf."
"Bist du auch so ein großer Harry Potter Fan?"
"Ja. Du etwa auch?"
"Sicher. Eigentlich wollte ich mir den Film mit Téa ansehen. Aber sie will nicht mit mir hingehen..."
Piper kürzte Davids Erklärung ab, indem sie ihm ins Wort fiel.
"Und jetzt willst du mit uns ins Kino. Richtig?"
"Kannst du Gedanken lesen?"
"Ich übe noch dran."
"Jedenfalls hast du recht. Natürlich nur, wenn ihr mich auch dabei haben wollt."
"David. Klar kommst du mit uns. Mom hat sicher nichts dagegen. Im Gegenteil."
"Dann wäre ja alles geklärt. Soll ich euch abholen kommen."
Keine Antwort.
"Piper? Bist du noch da?"
"Ja, ja, ich bin noch da. Ich hab nur nachgedacht. Was hältst du davon, wenn wir Mom ein bisschen austricksen."
"Austricksen? Wie?"
"Ganz einfach. Du holst uns nicht ab. Ich sag Mom nicht, dass du angerufen hast, und wir beide fahren wie geplant allein zum Kino. Und da treffen wir dich dann ganz zufällig. Damit tricksen wir nicht nur Mom, sondern auch die Medienfutzies aus, die da mit Sicherheit rumhängen werden."
"Du denkst auch an alles."
"Einer muss doch auf Mom aufpassen."
"Piper, du bist super. Also, wir sehen uns heute abend."
"Bye Onkel David."
"Bye."
Gleicher Abend 19:21 Uhr
vor dem Beginn des Films:
"Mom, Mom, da hinten ist David!" Piper sprang aufgeregt auf und ab.
"Was? Wo?" Gillian war mit ihren Gedanken ganz wo anders gewesen.
David hatte die Beiden bereits entdeckt und kam mit einem Lächeln auf sie zu. Bei ihnen angekommen, umarmte er zuerst Gillian und beugte sich dann runter zu Piper, um auch sie zu umarmen und ihr einen Kuss zu geben.
"Hey, ich freu mich total euch hier zu sehen. Hab mir schon Sorgen gemacht, ich müßte mir den Film ganz alleine ansehen." David stand seine Freude wirklich ins Gesicht geschrieben.
Gillian sah ihn verwundert an. "Du bist alleine hier?"
"Ja, bin ich. Also was ist? Haben die beiden Damen etwas dagegen, wenn ich mich ihnen anschließe?"
Noch bevor Gillian etwas antworten konnte, sagte Piper: "Natürlich nicht Onkel David, sehr gerne. Aber nur, wenn du uns danach auch noch zum Essen begleitest."
David lächelte Piper verschwörerisch zu. Die Kleine war wirklich auf Draht..
"Natürlich, gerne. Gill, du hast doch nichts dagegen, oder?"
"Nein hab ich nicht. Im Gegenteil..."
Gleicher Abend, 22:53 Uhr:
Lachend kamen die drei aus dem Kino heraus. Während Piper und David die spannendsten Szenen des Films diskutierten bemerke Gillian, dass ihr Magen knurrte.
"Leute, ich hab Hunger!"
David unterbrach seine Unterhaltung mit Piper.
"Ich auch! Wo soll‘s hingehen?"
"Zum Chinesen" rief Piper sofort. Dabei strahlte sie über das ganze Gesicht und sprang vor Aufregung in die Höhe.
"Einverstanden Gill?" David drehte sich zu ihr hin.
"Okay, mir ist alles recht. Ich komm überall mit hin." Sie lächelte ihre Tochter an und sah dann zu David.
"Ach ja?" grinste dieser mit einem Blitzen in den Augen und griff nach ihrer Hand "das lass ich mir nicht zweimal sagen, meine Liebe!"
Plötzlich ließ Gillian unvermittelt seine Hand los und ging einige Schritte seitwärts von ihm weg. David sah erschrocken zu ihr hin. Ihr Gesichtsausdruck war plötzlich hart geworden.
"Gill, hey, ich meinte das nicht..."
Er sah sie nur heftig den Kopf schütteln und schwieg sofort. Seine Kiefermuskeln spannten sich an. Da spürte er, wie Piper an seiner Hand zog. Er sah zu ihr hinunter und folgte ihrem Blick geradeaus in die Menge. Es standen noch mehrere Kinobesucher vor dem Haupteingang des Kinos. Außerdem erblickte er schließlich ein Kamerateam, das Reaktionen zu dem neuen Film aufnahm. Schnell sah er wieder zu Gillian und bemerkte, dass auch sie die Menge genau im Auge hatte. Jetzt erst fiel ihm ihre Nervosität auf. Schließlich drehte Gillian ihren Blick und traf den seinen. Er hielt ihren Blick für einige Sekunden und las darin alles, was in dem Moment in ihr vorging. Ihre Suche nach Abstand eben hatte nicht ihm gegolten. Das waren die Schuld. Sie wollte hier weg, so schnell wie möglich, und das wollte er auch.
"Kommt", sagte er leise und wandte sich nach links, um die Straße zu überqueren.
"Wang Chung ist nur ein paar Straßen weiter, da können wir zu Fuß hin gehen."
Damit zog er Piper auf die Straße, Gillian folgte.
"Wollen wir nur hoffen, dass sie uns nicht hinterherlatschen" murmelte sie düster.
14. Mai, Jay Leno:
Gillian bei einem Interview:
Leno: "Wie ist ihr Verhältnis zu David jetzt?"
Gillian: "Gut, denke ich. Wir haben uns in den letzten Jahren sehr gut verstanden. Jetzt da die X-Akten geschlossen sind, sehen wir uns natürlich nicht mehr so oft."
Leno: "Stört sie das?"
Gillian: "Er fehlt mir schon ein wenig. Als mein Freund. Am Set, da konnte man immer mit ihm lachen."
Leno: "Aber letzte Woche, da waren sie doch mit ihm bei der Premiere des neuen. Harry Potter Films."
Gillian: "Nein, ich war nicht MIT ihm dort. Ich wusste nicht einmal, dass er vorhatte hinzugehen. Wir trafen uns zufällig."
Leno: "Aber danach sah man sie doch zusammen mit ihrer Tochter Piper beim Betreten des Chinarestaurants Wang Chung. War das auch ein Zufall?"
Gillian: "Nein, natürlich nicht. Aber was war schon dabei. Wir waren jahrelang Arbeitskollegen. Meine Tochter liebt David. Sie hat ihn gefragt ob er mitkommen möchte und er tat es. Das war alles."
Leno: "Wie verstehen sie sich eigentlich mit Téa? Soviel ich weiß gab es da einige Unstimmigkeiten zwischen ihnen?"
Gillian: "Stimmt die gab es. Aber das ist lange her. Es ist jetzt nicht mehr wichtig ob ich sie mag, oder sie mich. Wir sehen uns so gut wie nie. Ich habe mein Leben, sie hat ihres."
Leno: "David hat gestern in einem Interview gesagt, sie sind für ihn die beste Freundin die er sich nur wünschen kann. Er wird sie vermissen, wenn sie nach London gehen."
Gillian: "Das hat er gesagt? Nun, das finde ich niedlich."
Leno: "Denken sie, er wird sie da drüben besuchen?"
Gillian: "Sollte er? Ich weiß es nicht."
David schaltete den Fernseher ab. Ja, es war eine gute Idee von Piper gewesen, Gillian mit dem Treffen bei der Kinopremiere auszutricksen. Er wusste, wie sehr Gillian es verabscheute, die Presse anzulügen. Das verabscheute sie fast genauso sehr wie peinliche Fragen über ihr Privatleben. Gill! Gott, seit diesem Abend hatte er sie nicht mehr gesehen und auch nicht mir ihr telefoniert. Er vermisste sie, mehr als er sich eigentlich eingestehen wollte. Ein paar Mal war er nahe dran gewesen sie anzurufen, hatte es aber dann doch sein lassen. Doch er wusste, lange würde er es nicht mehr aushalten.
20. Mai; 14:22 Uhr; Disneyland; Orlando:
"Mom, Mom, da ist Onkel David!" Piper hüpfte aufgeregt auf und ab.
"Wo? Was zum Henker..." Piper hörte nicht mehr was ihre Mutter noch sagte, sie war schon unterwegs in Davids ausgebreitete Arme. David fing sie auf und wirbelte sie durch die Luft.
"Hey meine kleine Prinzessin." David stellte Piper wieder auf den Boden, die ihn nach dieser Begrüßung überglücklich anstrahlte. Dann wendete er sich an Gillian, die gerade bei ihm angekommen war.
"Hey Gill, was treibt euch beide denn an einem Montag ins Disneyland? Mein Gott, freu ich mich, dich zu sehen! Ich denke, das waren die längsten eineinhalb Wochen meines Lebens! Ich hab dich übrigens bei Jay Leno gesehen, letzte Woche. Tolles Shirt, was du da anhattest! Neu? Wie geht’s euch denn? Was habt ihr denn die letzten eineinhalb Wochen gemacht? Vor drei Tagen wollt ich dich schon fast anrufen, aber dann....."
"Dave, stop! Halt doch mal die Luft an." So viele Fragen auf einmal! Laß mich doch erst mal zu Atem kommen und vor allem: laß dich umarmen. Du hast mir nämlich auch gefehlt" fügte sie leise hinzu.
Sie umarmte David und sah ihn mit unverhohlener Freude an, konnte aber ihre Überraschung, ihm hier über den Weg zu laufen, nicht verbergen.
"Um deine Fragen zu beantworten, Piper hat mich so lange genervt herzufahren, bis ich nachgegeben habe, ich freue mich auch dich zu sehen, das Shirt war nicht neu, uns geht es gut und die letzte Frage habe ich vergessen. Wo hast du Téa und West gelassen?"
"Sie sind zu Hause geblieben."
"Dann erkläre mir doch bitte mal, was ein erwachsener Mann wie du, in Disneyland zu suchen hat. Noch dazu ohne Frau und Kind."
"Darf ich denn nicht auch mal was Verrücktes tun?" Um den anderen Leuten nicht im Weg zu stehen, setzten die drei sich wieder in Bewegung. Langsam schlenderten sie den Weg entlang. "Eigentlich hatten wir vorgehabt, zu dritt in Urlaub zu fahren", begann David wieder. "Aber Téa fühlte sich nicht besonders gut. Die Schwangerschaft, sagt sie. Du verstehst das sicher besser als ich. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass da noch was anderes ist. Irgendwie ist es eben nicht mehr wie früher zwischen uns, das sagte ich dir ja bereits. Wir schweigen uns nur noch an. Und wenn ich mit ihr darüber reden möchte, weicht sie mir aus. Du kannst dir sicher denken, dass die Stimmung zu hause dadurch ziemlich frustrierend ist. Ich musste einfach mal da raus, etwas ganz Albernes, Kindisches tun. Um mich selbst auf andere Gedanken zu bringen. Und dann kam mir die Idee, hierher zu fahren. West hätte ich natürlich liebend gerne mitgenommen, aber sie wollte bei der Mama bleiben."
Gillian hatte ihm während der ganzen Zeit, die er redete aufmerksam zugehört. Sie fühlte, dass es ihm guttat, ihr all das anzuvertrauen. Auch war ihr der traurige Ton seiner Stimme, als er von Téa redete nicht verborgen geblieben, genauso wie der leichte Anflug eines Lächelns als er seine Tochter West erwähnte. Sie suchte nach einem Weg, dieses Lächeln in sein Gesicht zurückzubringen.
"Was sagt West eigentlich dazu, dass da bald ein neues Baby sein wird?"
"Oh, sie findet es toll. Sie freut sich riesig darauf, einen neuen Spielkameraden zu bekommen."
Endlich lächelte David wieder. Gillian wusste, dass er seine Tochter über alles liebte.
"Das ist schön", stimmte sie zu. "Piper liegt mir auch schon seit Jahren in den Ohren, dass sie sich ein kleines Geschwisterchen wünscht. Sie erzählt mir jede Weihnachten und an ihrem Geburtstag, das ihr größer Wunsch ein Bruder oder eine Schwester ist. Leider bin ich nicht in der Lage, ihr diesen Wunsch zu erfüllen." Sie seufzte.
David beugte sich zu Gillians Ohr hinunter und flüsterte:
"Das muss ja nicht immer so bleiben."
"David!" gespielt übertrieben warf sie ihm lachend einen entrüsteten Blick zu.
"Mom!" Piper, die dem Gespräch der Erwachsenen nicht zugehört hatte, sondern sich nur auf ihre Umgebung konzentrierte, zog am Arm ihrer Mutter.
"Da vorne ist die Wasserrutsche. Fährst du mit mir Wasserrutsche? Und kommt Onkel David auch mit? Bitte, bitte!"
Gillian blickte auf zu David und grinste ihn an.
"Du hast es gehört."
"Auf zur Wasserrutsche!"
Gillian, Piper und David quetschten sich gemeinsam in eines der Boote. Piper lachte ausgelassen. Sie war ganz aufgeregt.
Die Fahrt begann. Zuerst ging es kurze Zeit gerade aus, dann begann die Bergfahrt. Langsam wurde das Boot nach oben gezogen. Dann kam die erste Kurve und es ging etwas bergab. Piper kreischte aufgeregt. Sie sah so glücklich und lebensfroh aus, dass David sich von ihr anstecken ließ und ebenfalls die merkwürdigsten Laute ausstieß. Vergessen waren seine trüben Gedanken, er fühlte sich einfach nur frei und glücklich.
"Uh, wow, mega!" schrie er und riß seine Arme in die Luft als es wieder nach oben ging.
Auch Gillian lachte. Auf dem Gipfel angekommen fingen Gillian und Piper plötzlich gleichzeitig an zu schreien. Da sah auch David, dass es nun noch steiler nach unten ging. Das Boot senkte sich langsam nach vorne und zischte dann rasend schnell los. David ließ ein Tarzan-Gebrüll los, wärend Gillian und Piper vor Vergnügen quietschten und kreischten. Unten kam von beiden Seiten eine riesige Wasserwelle auf sie heruntergeprasselt. Piper die vorne saß, bekam eine volle Ladung ab, während sich Gillian fest nach hinten presste. David hielt sie an sich und duckte seinen Kopf in ihren Nacken. Doch es nützte beiden nicht viel und beim Aussteigen waren sie alle drei pudelnass. Zum Glück war es ein sonniger und recht warmer Maitag, und die drei lachten ausgelassen auf dem Weg zur nächsten Imbissbude...
31. Mai:
David musste mal wieder raus. Er hielt die Spannung zu Hause einfach nicht mehr aus. Gott sei Dank war Freitag, und so hatte er die Möglichkeit, sich das Lakersspiel anzuschauen. Er unterrichtete Téa von seinem Vorhaben und brauste los. Während der Fahrt zum Stadion wurde ihm bewußt, dass er Gillian schon seit fast zwei Wochen nicht mehr gesehen hatte. Er vermisste sie so sehr! Aber er konnte und wollte sie auch nicht anrufen, einfach weil er dachte, es wäre besser so.
Nicht besser für ihn, aber besser für sie beide. Er war sich darüber im Klaren, dass er- über kurz oder lang - seine Gefühle nicht mehr zurückhalten konnte. Er wollte Gillian so sehr, wollte ihre Haut spüren, wollte sie berühren, wollte... Ein lautes Hupen riss ihn aus seinen Gedanken. Ups, fast wäre er bei rot über die Ampel gefahren! Er versuchte sich besser auf den Verkehr zu konzentrieren und kam einige Minuten später beim Stadion an. Nachdem er sich was zu trinken besorgt hatte, nahm er Platz und wartete darauf, dass das Spiel begann.
10. Juni; 17:46 Uhr; Altes Akte X Set:
Gillian streifte langsam zwischen den Wohnwagen umher. Die Menschen, die diesen Ort jetzt bevölkerten, waren viel zu sehr mit anderen Dingen und sich selbst beschäftigt, um sie zu bemerken. Sie setzte sich auf eine der Trittstufen vor der Tür des Wohnwagens, der so viele Jahre lang ihr kleines Reich gewesen war und der nun jemand anderem als "zweites Zuhause" diente. Alles hier war so vertraut und doch fremd. Es war erst ein paar Wochen her, seit sie das letzte Mal hier gewesen war, doch es kam ihr vor, als lägen Jahre dazwischen. All die vertrauten Geräusche, die vertrauten Gesichter waren fort und durch andere, neue ersetzt worden. Ob es denen eines Tages auch so gehen würde wie ihr jetzt? Dass sie diesen Ort, an dem sie jahrelang wie selbstverständlich gearbeitet und gelebt hatten, einmal ganz anders betrachteten. Neun Jahre lang, bis zu 18 Stunden am Tag arbeiten, das überhaupt ertragen zu können, hatte schon etwas mit Sucht zu tun. Sie fragte sich ob das, was sie jetzt hier drehten, auch so langlebig sein würde wie die X-Akten, aber wer konnte das vorher schon wissen. Gillian schloss die Augen und genoss den lauwarmen Wind, der ihr ins Gesicht wehte. Ihre Gedanken schweiften weit in die Vergangenheit zurück. Bis hin zu jenem Tag, an dem sie das erste Mal das Set, damals noch in Vancouver, betreten hatte. Es war anfangs alles so neu und aufregend gewesen. Sie war eine junge, talentierte Schauspielerin, die kein Mensch kannte auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft. Und heute? Ja, heute. Gillian war so sehr in Gedanken versunken, dass sie die herannahenden Schritte nicht hörte. Plötzlich spürte sie wie sich eine Hand auf ihre rechte Schulter legte. Erschrocken sah sie auf und blickte in ein wohlbekanntes lächelndes Gesicht.
"David, hast du mich erschreckt. Was machst du hier?"
"Das Gleiche könnte ich dich fragen." Er setzte sich zu ihr.
"Ich war gerade in der Nähe. Eigentlich wollte ich gar nicht hierher, aber ich konnte nicht anders. Nenn es Heimweh, wenn du willst." Ihr Lächeln war voller Wehmut.
"Ich weiß, was du meinst, geht mir genauso."
Eine ganze Weile saßen die beiden einfach nur so da und schwiegen, ohne dass es ein peinliches Schweigen gewesen wäre. Sie wussten beide, wie viele Erinnerungen dieser Ort jeweils im anderen wachrief.
"Hast du Hunger?" brach David unvermittelt das Schweigen.
"Jetzt wo du es sagst, ja."
"Hast du Lust auf Chinesisch? Ich lade dich ein."
"Na, da sage ich doch nicht nein."
Sie standen von ihrem doch recht unbequemen Sitzplatz auf. David legte Gillian freundschaftlich den Arm um die Schultern und führte sie zu ihren Autos zurück.
29 Minuten später:
"David, das kannst du doch niemals alles aufessen!"
"Wetten?"
Eine Weile beobachtete Gillian ihn, wie er mit vollem Genuß sein Essen in sich hineinstopfte. Als sich der Teller vor ihm schließlich fast geleert hatte, lachte sie auf.
"Dave, ok, du hast mich überzeugt! Ich wußte ja schon immer, das du ein Vielfraß bist!"
"Na es kann sich ja nicht jeder nur von Salat ernähren so wie du!"
"Ich esse auch noch andere Sachen, weißt du?"
Glücklich sah David zu Gillian hinüber. Er war einfach nur happy. Wieder
einmal hatte er Gillian einfach so - ganz zufällig - getroffen und wieder einmal wurde ihm bewußt, wie sehr er ihre tägliche Nähe vermißt hatte.
"Wie geht’s dir eigentlich Dave?"
David hatte nicht die geringste Lust, jetzt über seine Probleme zu sprechen. Dazu genoss er das Zusammensein mit Gillian viel zu sehr.
"Es geht Gill, wirklich." Er griff über den Tisch um ihr eine dieser widerspenstigen Haarsträhnen aus dem Gesicht zu streichen. "Und selber?"
"Uh, ich kann nicht klagen. Ich genieße meine Freiheit und die Zeit, die ich mit Piper verbringen kann."
"Wo ist Piper eigentlich?"
"Zuhause. Sie meinte, an einem Tag wie diesem, da ist es schöner im Schatten zu liegen als in der prallen Sonne durch die Stadt zu wandern."
"Sie ist ein so liebes Mädchen. Was sagt sie eigentlich dazu, dass ihr in Kürze nach England geht?" Fragend blickte David in Gillian Augen.
"Sie ist ein wenig aufgeregt, aber ich denke, sie freut sich schon darauf. Wie geht’s Téa und West?"
"Nächste Frage!"
"Was?"
"Gill bitte, ich will jetzt nicht über Téa reden. Ich will den Moment hier genießen. Mit dir." Etwas leiser fügte er hinzu "Ich hab dich so vermißt!"
Die Bedienung kam, um den Tisch abzuräumen. Beide schwiegen einen Augenblick, dann sagte Gillian:
"Du fehlst mir auch David. Aber damit müssen wir wohl leben, nicht?"
"Warum? Warum müssen wir das?" Verwirrt starrte er Gillian an.
"Weil... weil... David, ob es dir gefällt oder nicht, du bist nunmal verheiratet.
Da gelten andere Regeln. Du kannst das nicht ändern, nur weil irgend etwas nicht nach deinem Geschmack läuft. Du hast Verantwortung!"
"Und wenn ich nun nicht verheiratet wäre? Was wäre dann? Hätte ich dann die Chance, dich sehen zu können, wann immer ich möchte?"
Verlegen blickte Gillian zu Boden. Dieses Gespräch hier sollte eigentlich gar nicht stattfinden.
"Komm schon Gill, ich will eine Antwort. Ich glaube, die verdiene ich!"
"Ja Dave. Gut, wenn du nicht verheiratet wärst, dann... nun ja... Okay, gut, dann wäre das kein Problem, aber..."
"Stopp! Mehr wollte ich gar nicht wissen Gill. Danke." David grinste sie an.
Gillian grinste zurück. David hatte es mal wieder geschafft, eine ernste Situation in eine komische zu verwandeln.
"Du, langsam muss ich wirklich gehen. Piper wird schon auf mich warten..."
15. Juni, Gillians Haus:
Das Telefon läutete grade, als Gillian aus der Dusche kam. Es war David.
"Gill, Gill, das Baby ist da! Es ist vor einer Stunde zur Welt gekommen. Es ist ein Junge wiegt 3,45 kg und hat ganz blonde Haare und blaue Augen. Er ist süß."
"He, gratuliere Dave. Wo bist du?"
"Noch im Krankenhaus."
"Warst du dabei?"
"Nein, diesmal nicht. Téa wollte es nicht, keine Ahnung warum. Aber ich hab draußen gewartet."
"Ich freu mich für dich Dave, ganz ehrlich."
"Danke. Ich geh jetzt gleich wieder rein. Ich wollt dir eben nur kurz Bescheid geben. Ich muß noch schnell meine Eltern und die von Téa anrufen."
"Das hast du noch gar nicht gemacht?" Gillian war erstaunt.
"Nein, noch nicht. Zuerst wollt ich dich anrufen. Verrückt, nicht?"
"Ach Dave, verrückt warst du doch schon immer. Pass auf dich auf und gib dem Baby einen Kuß von mir, ja? Bye"
18. Juni; 13:14 Uhr; Innenstadt Los Angeles:
Die Sonne brannte unbarmherzig auf die staubigen Straßen der Stadt. Vor Hitze flimmerte der Asphalt. Gillian, die gerade aus einem der zahllosen Verwaltungsgebäuden kam, fühlte sich geblendet. Sie öffnete ihre Tasche und suchte nach ihrer Sonnenbrille. Hinter ihr kam ein groß gewachsener Mann aus demselben Gebäude, das sie soeben verlassen hatte. Er erkannte sie sofort.
"Hey Gill."
"Dave, hey. Na so ein Zufall. Wie geht's dir?"
"Danke gut, du siehst aber auch blendend aus."
"Ja, ich genieße meine Freiheit."
"Das ist schön. Und Piper? Wie geht's ihr?"
"Bestens. Téa, West und Kyd auch?"
Er bestätigte das mit einem Kopfnicken.
"Miller. Wir nennen ihn Miller. Kyd ist eigentlich zum wegwerfen."
"Okay, Miller."
Dann entstand eine Pause im Gespräch, da keiner von beiden so recht wusste, was er sagen sollte.
"Dave", brachte Gillian schließlich hervor, "es war schön dich getroffen zu haben. Aber ich muss jetzt wirklich weiter. Sonst wird mein Auto noch abgeschleppt." Sie grinste ihn an. "Ich stehe im Halteverbot."
"Was dagegen, wenn ich dich bis dahin begleite?"
"Nicht das Geringste."
Gillian war gerade in Begriff sich erneut zu verabschieden. Sie hatten ihr am Straßenrand geparktes Auto erreicht. Während sie ihre Handtasche nach dem Autoschlüssel durchwühlte, ließ David, der neben ihr stand, seinen Blick durch die Fensterscheibe ins Innere des Wagens driften. Er wollte sie noch nicht so schnell wieder gehen lassen und suchte nach einer Möglichkeit sie zurückzuhalten. Da fiel sein Blick auf etwas wovon er hoffte, dass dies die Möglichkeit bot.
"Was ist das?" Er deutete mit einem neugierigen Kopfnicken auf ein dickes Bündel Papier auf dem Rücksitz.
"Das? Ach, das ist ein Drehbuch für eine Rolle, die man mir angeboten hat. Ich weiß noch nicht recht, ob ich annehmen oder ablehnen soll."
"Traust du dich mittlerweile, deine Drehbücher im dunkeln zu lesen?" Unwillkürlich musste er daran denken, welche Angst sie manchmal vor den Drehbüchern zur Serie gehabt hatte. Sie las sie nie Abends oder gar Nachts. Sobald es dunkel wurde, rührte sie sie nicht mehr an. Und wenn es sich dann doch nicht vermeiden ließ, sie zu lesen, wenn es draußen schon dunkel war, hatte sie überall das Licht angemacht und Piper und ihre Hunde zu sich geholt. David grinste.
"Dieses schon, es ist eine Lovestory." Sie grinste ebenfalls, da sie genau wusste, woran er gedacht hatte.
"Darf ich mal sehen?"
"Du weißt, dass ich das eigentlich nicht darf."
"Komm schon, ich werde es schon nicht verraten." Er sah sie mit diesem Dackelblick an, den er immer aufsetzte, wenn er sie zu etwas überreden wollte. Dazu machte er Geräusche, wie ein winselnder Hund. Gillian lachte laut auf. Es sah zu komisch aus.
"Na gut, aber nur weil du es bist."
David ließ das Drehbuch sinken. Er hatte es kurz durchgeblättert. Das, was er gelesen hatte, war absolut nicht schlecht. Er konnte sich Gillian sehr gut in der Rolle dieser Sara Hallion vorstellen.
"Und wer soll die männliche Hauptrolle übernehmen?"
"Soviel ich weiß ist George Clooney dafür im Gespräch."
"Wow", war alles, was David dazu rausbrachte.
"Ja genau, wow! Ich würde liebend gerne einen Film mit George machen. Schon allein um festzustellen, ob er wirklich so unwiderstehlich ist, wie man ihm nachsagt."
David verspürte einen leisen Stich in seinem Herzen. War das Eifersucht?
"Und wann willst du diesen Film denn drehen? Ich dachte eigentlich, du hattest vor, mit Piper ein wenig Urlaub zu machen und dann nach London zu gehen?"
"Nun, das werde ich auch machen. Ich denke, die Dreharbeiten beginnen irgendwann im Juli. Joel hat gesagt, es würde nicht länger als eineinhalb Monate dauern. Dann hab ich immer noch den halben August und den halben September um mit Piper was zu unternehmen. Nach London fliege ich dann eben erst am 20. September."
"Ich verstehe." David war in seinen Gedanken schon ganz wo anders. Eine verrückte Idee hatte sich in seinem Kopf eingeschlichen.
"Dave, tut mir leid, aber ich muß jetzt wirklich. Ich muß zu Piper."
Sie umarmte David kurz und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
"Wir sehen uns, ja?"
"Natürlich Prinzessin, pass auf dich auf. Bye"
19. Juni; 15:18 Uhr; Joel Schumachers Büro:
"Mr. Schumacher, David Duchovny ist da."
"Soll reinkommen."
"David."
"Hallo Joel. Danke dass du so schnell Zeit für mich gefunden hast."
"Nun, du hast am Telefon gesagt, es sei wichtig."
"Nun ja...", David setzte sich und schaute etwas verlegen zu Boden. "Ich habe gestern zufällig Gillian getroffen. Sie sagte mir, sie hätte ein Drehbuch von dir gekriegt, irgendeine Liebesgeschichte."
"Hm... ja und?"
"Nun sie meinte auch es sei geplant, George Cloony für die männliche Hauptrolle zu gewinnen. Also was ich nun fragen wollte... hm, ich meine... also... hat er schon zugesagt?"
"Nein, er hat abgesagt."
"Hm, also... na ja... wie..."
"David, Mann, so kenne ich dich gar nicht. Warum sagst du nicht einfach was du willst? Du willst die Rolle, hab ich recht?"
David wurde rot.
"Um genau zu sein, ja. Ich will die Rolle."
"Warum? Du und Gillian, ihr habt euch seit fast neun Jahren täglich am Set gesehen. Soviel ich weiß, warst du verdammt froh als du von der Serie ausgestiegen bist. Warum in aller Welt willst du nun einen Film mit ihr drehen?"
"Okay Joel, die Sache ist ganz einfach: Ich war es leid, immer nur Mulder zu sein. Ich wollte raus aus der Serie, weil ich Filme machen wollte. Evolution war da genau meine Kragenweite. Und Full Frontal war auch okay. Aber jetzt sehne ich mich nach einer richtigen Liebesgeschichte. Und wenn ich Gillian richtig verstanden habe, dann IST das eine! Ich mag Gillian, wir sind gute Freunde geworden, und ich hätte verdammt viel Spaß daran, diesen Film mit ihr zu machen."
"Mal ehrlich David, hast du das Drehbuch gelesen?"
"Ein kleines Stück, ja."
"Und du denkst also nicht, wenn ihr beide diesen Film zusammen machen würdet, dass das dann automatisch jeder mit Mulder und Scully vergleichen würde?"
Über Davids Gesicht huschte ein Lächeln.
"Nein, ganz sicher nicht. Außerdem, du bist doch der Regisseur, oder. Wenn einer das hinkriegt, dann du!"
"Okay David, lass mich darüber nachdenken. Ich gebe dir in den nächsten Tagen Bescheid."
26. Juni; 11:53 Uhr; Davids Haus:
Das Telefon klingelte. David, der geistesabwesend genau daneben gestanden hatte, zuckte bei dem Geräusch erschreckt zusammen. Wo war er nur wieder mit seinen Gedanken gewesen? Es klingelte noch einmal und David, der sich langsam wieder beruhigte, nahm den Hörer ab.
"Duchovny."
"Hey David, Joel hier. Du hast die Rolle. Gillian Anderson wird die weibliche Hauptrolle spielen. Wir haben uns entschlossen, das Experiment zu wagen. Zufrieden?"
"Yep. Danke Joel."
Lächelnd legte David den Hörer auf. Er würde diesen Film also mit Gillian drehen! Gill. Vier Tage hatte er jetzt nichts mehr von ihr gehört. Viel zu lange.
"Schatz, wer war am Telefon?"
Téa war unbemerkt näher gekommen.
"Joel Schumacher. Das war die Zusage für die Hauptrolle in seinem neuen Film. Ich bin dabei."
"Welcher Film? Du hast mir gar nicht gesagt, dass er dir ein Drehbuch angeboten hat? Was ist das für ein Film?"
Verlegen antwortete David:
"Nun ja, das ist alles so schnell gegangen. Es ist eine Liebesgeschichte."
"Und wer wird deine Partnerin sein?"
"Gillian."
"Gillian? Du meinst NICHT Gillian Anderson, oder?"
Téas Stimme klang etwas hysterisch.
"Doch, genau die." David blickte auf und schaute seiner Frau in die Augen. Er sah das Donnerwetter sofort auf sich zukommen. Und er täuschte sich nicht.
"David, sag mal SPINNST du? Du willst mir doch jetzt nicht sagen, du drehst einen Film mit IHR? Oh nein, ich habe das jetzt ganze sechs Jahre durchgemacht. Dieses ewige Gillian hier, Gillian da. Jetzt reicht es! Du wirst diesen Film NICHT mit ihr machen, ist das klar!"
"Téa, das einzige was klar ist, ist, dass ich mir von dir ganz sicher nicht vorschreiben lasse, wann, was und mit wem ich Filme machen werde! Verstanden? Außerdem...was willst du denn? Das ist doch DIE Gelegenheit zu beweisen, dass ich wirklich ein guter Schauspieler bin. Jeder der sich diesen Film ansehen wird, wird da sofort nach einer Parallele zu Mulder und Scully suchen. Aber die werden sie nicht finden!"
"Lass diese blöde Ausrede sein!" fauchte Téa ihren Mann mit funkelnden Augen an. "War das Gillians Idee?"
"Nein, Gillian hatte damit rein gar nichts zu tun!"
"Ja? Und das soll ich glauben? Hältst du mich für so dämlich? Oh nein, David. Das werde ich nicht zulassen. Auf keinen Fall!"
Téa schnaubte verächtlich.
"Und was denkst du, kannst du dagegen machen?"
"Das wirst du schon sehen."
Gleicher Abend; David Lettermann Show:
"Okay, Téa. Jetzt haben wir erst mal genug über diesen Film geplaudert. Also sag uns: wie geht’s dem neuen Baby?" David Lettermann grinste Téa von seinem Platz hinter dem großen Schreibtisch aus an.
"Gut, danke. Er ist ein kleiner Schatz." Für die Fernsehkameras und für den Eindruck, den sie bei den Zuschauern hinterlassen wollte, legte sie ihr Glückliche-Mutter-Gesicht auf.
"Wie kommt ihr damit zurecht, zweifache Eltern zu sein?"
"Eigentlich ganz gut. Was ich mir allerdings wünschen würde, ist, dass ANDERE David in Ruhe lassen würden. Ich würde mir wünschen, er würde in nächster Zeit keinen neuen Film machen."
"Hat er das den vor? Davon weiß ich ja noch gar nichts!"
"Ja, das hat er vor. Nein, eigentlich hat Gillian Anderson das vor! Sie hat ihn überredet, einen Film mit ihr zu drehen. Sie denkt wohl, neun Jahre Akte X sind nicht genug!"
"Wie? David dreht einen Film mit Gillian? Wow!"
"Nicht wow. Ich finde es Scheiße. Diese Frau sollte endlich begreifen, dass David nicht ihr Eigentum ist! Er ist mit mir verheiratet. ICH bin die Frau mit der er schläft!"
"Harte Worte, Téa."
"Hart? Vielleicht. Aber es ist wahr. Sie hat es geschafft, mich am Akte X Set rauszuekeln. Aber in meiner Ehe, da wird ihr das nicht gelingen! Dafür werde ich sorgen!"
Gillian schaltete geschockt den Fernseher aus. Was zum Teufel hatte das zu bedeuten? Sie griff nach dem Telefon.
"Duchovny."
"Dave, ich habe gerade Lettermann geschaut. Kannst du mir mal erklären, wovon in aller Welt Téa da redet?"
"Tut mit leid, Gill, damit hatte ich wirklich nicht gerechnet. Sie hat mir heute angedroht, es nicht auf sich beruhen zu lassen. Aber das? Ich..."
"Dave, David, WAS will sie nicht auf sich beruhen lassen. Ich verstehe kein Wort!"
"Hör zu Gill, ich komme jetzt sofort rüber zu dir. Ich glaube ich muss dir da etwas erklären."
"Also... David?" Mist, er hatte schon aufgelegt.
Gillian stand auf und ging in die Küche um sich etwas zu trinken zu holen. David würde in ca. 15 Minuten hier sein. Hoffentlich hatte er eine gute Erklärung für diesen Blödsinn. Moment mal, der Film. Natürlich! Das Drehbuch, das Joel ihr gegeben hatte. Könnte es sein das es darum ging? Sie wusste, George Cloony hatte die Rolle abgelehnt. Aber - wieso sollte David jetzt auf einmal diese Rolle haben?
<Schon gut, Gill, beruhige dich. David wird gleich hier sein, dann wird er es dir schon erklären.>
48 Minuten später:
"Gut, Dave. Bis hierher hab ich das ja verstanden. Und keine Angst, ich bin dir nicht böse. Im Gegenteil, ich find's toll, diesen Film mit dir zu machen. Erinnerst Du dich noch an das Interview, das ich vor Jahren mal mit dir gemacht habe? Damals hab ich dich gefragt, ob wir nicht mal zusammen einen Film drehen könnten. Doch ist dir überhaupt klar worum es hier eigentlich geht? Du hast nur einen kurzen Blick in das Drehbuch geworfen. Dave, in dem Film... also... da sind auch Sexszenen drinnen."
Verschmitzt grinste David sie an. "Denkst du, ich bin nicht mehr in der Lage diese Sexszenen zu drehen? Damit habe ich doch mehr als genug Erfahrung."
"David! Hör auf! Lass dieses Grinsen sein. Und - nein - lass auch diesen Hundeblick sein! Aufhören, hörst du!" Gillian pustete los.
"Dave?"
"Hm..."
"Mir ist es egal ob Téa auf dich sauer ist. Das ist dein Problem, nicht meines. Schließlich hast du sie geheiratet! Aber - warum? Warum warst du scharf drauf diese Rolle zu kriegen? Komm, sag es mir."
"Natürlich wegen der Sexszenen, was denkst du denn?" David versuchte so unschuldig wie möglich dreinzuschauen, was ihm allerdings gar nicht gelang.
"Du bist verrückt, weißt du das?"
"Ja, verrückt nach dir!" David versuchte, Gillian an sich zu ziehen.
"David, nicht, lass das! Das hatten wir doch schon einmal. Und was ist dabei rausgekommen? Nichts."
"Nichts? Das stimmt doch nicht Gill. Du weißt doch, du bedeutest mir verdammt viel. So verdammt viel."
Gillian berührte sanft Davids Wange.
"Das weiß ich. Ja. Und du bedeutest mir auch so viel! Aber das geht jetzt nicht. Wir können nicht..."
"Psst..." David legte einen Finger auf Gillians Mund. "Sag jetzt nichts. Lass es einfach zu."
Er beugte sich vor und küsste Gillian sanft auf den Mund. Ein Kribbeln durchjagte ihren Körper. Ja, sie wollte ihn auch! Ihre Küsse wurden leidenschaftlicher. Erst nach einer kleinen Ewigkeit lösten sich die Beiden wieder von einander. Gillian sah David in die Augen.
"Dave, ich denke, du solltest jetzt gehen. Es ist besser so."
"Bist du dir da sicher? Willst du wirklich, dass ich gehe?"
"Nein, ich will nicht, dass du gehst. Aber trotzdem solltest du es tun. Ich will dir auch morgen noch in die Augen sehen können, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. Du bist verheiratet, Dave. Und du bist gerade zum zweiten Mal Vater geworden. Vergiss das nicht!"
Gillian brachte David noch zur Tür. Dort angekommen, nahm er sie noch einmal fest in die Arme. Gillian gab ihm einen leichten Kuss auf die Wange.
"Ich gehe Gill, weil du denkst es ist besser so. Ich denke aber nicht, dass wir es dadurch aufhalten werden! Gute Nacht. Ich ruf dich morgen an!"
"Nacht Dave."
27. Juni; 16:28 Uhr; Dunkens Bar
David legte die Zeitung beiseite. Er hatte genug. Es war die sechste Zeitung an diesem Tag, in der wilde Spekulationen zu Téas gestrigem Auftritt bei Lettermann standen. Dem aber nicht genug, gab es da auch noch ein Foto von David, als er gestern Abend Gillians Haus verließ. Ja, bei solchen Storys da war die Presse immer schnell zur Stelle. Mit Téa hatte David noch nicht gesprochen. Gestern Abend, als er von Gillian nach Hause gekommen war, hatte sie schon geschlafen. Und heute Morgen war sie ganz zeitlich mit den beiden Kindern zu ihren Eltern gefahren. Für ihn hatte sie nur einen Zettel hinterlassen, dass sie vorhabe, eine Woche wegzubleiben und sie hoffe, er sei bis dahin zur Vernunft gekommen. David hatte schon fünfmal versucht, Gillian zu erreichen. Aber sie hob nicht ab.
Am gleichen Abend gegen 20:11 Uhr legte er frustriert den Hörer auf. Verdammt. Inzwischen hatte er sicher schon 100 mal bei Gillian angerufen! Er griff nach seiner Jacke und stand auf. Ganz gleich wie viele Reporter vielleicht auch vor ihrem Haus sein würden, er mußte da jetzt hin. Gerade als er sein Haus verlassen wollte läutete das Telefon.
"David, ich bin's, Gillian."
"Verdammt, wo hast du den ganzen Tag gesteckt. Ich hab 100 mal versucht dich zu erreichen!"
"Sorry, ich bin weggefahren. Ich... ich dachte es ist besser so."
"Wo bist du?"
"In Vancouver. In dem alten Motel, wo wir anfangs unsere Zimmer hatten. Ich habe nachgedacht."
"In dem alten Motel? Aber warum denn? Du hast doch ein Haus dort. Was bitte machst du also in diesem Motel?"
Gillian überhörte diese Frage einfach.
"Dave?"
"Ja Gill?"
"Wo bist du?"
"Zu Hause. Ich wollte jetzt gerade zu dir rüber schauen. Téa ist für einige Tage zu ihren Eltern und ich... verdammt Gill, es war ein scheiß Tag!"
"Würdest du herkommen David?"
"Ist das dein Ernst?" fragte David erstaunt.
"Ja. Ich... du hattest recht gestern. Wir können es nicht aufhalten. Und - ich will es auch gar nicht aufhalten. Ich will das du herkommst, Dave, hierher zu mir. Schenk mir wenigsten eine Nacht. Vielleicht wird’s dann leichter für uns beide."
Stille.
"Dave?"
"Du willst wirklich, dass ich komme?" noch immer ungläubig fragte David noch einmal nach.
"Ja."
"Okay, ich komme so schnell ich kann. Lauf nicht weg! Ach ja und Gill..."
"Hm..."
"Ich freue mich schon auf dich. Danke."
Motel in Vancouver; ein paar Stunden später:
David lief durch den Flur des Motels und suchte Gillians Zimmernummer. Endlich fand er die Tür mit der richtigen Zahl, die Gill ihm öffnen würde. Er klopfte. Nichts rührte sich. Er klopfte noch einmal etwas lauter und legte sein Ohr lauschend an die Tür. Jetzt hörte er Schritte näherkommen.
"Wer ist da?" drang Gillians Stimme zu ihm.
"Ich bin's. David." Er sprach in sehr gedämpftem Tonfall. Immerhin bestand auch hier die Gefahr, das jemand ihn erkannte.
Gillian öffnete die Tür und ließ David eintreten. Lächelnd registrierte er, dass sie mit nichts weiter bekleidet war als einem Bademantel. Sie nahm das kleine Schild "bitte nicht stören" von seinem Platz, um es draußen an die Tür zu hängen. Als sie die Tür wieder geschlossen hatte, lächelte sie David verführerisch an.
"Ich habe auf dich gewartet."
David ging auf Gillian zu bis er direkt vor ihr stand.
"Ich bin so schnell hergekommen wie ich konnte."
Er legte die Arme um ihre Taille und zog sie an sich. Gillian lehnte ihren Kopf an seine Brust, schloss die Augen und genoss das Gefühl von ihm gehalten zu werden. Seine Hände streichelten ihren Rücken, wanderten zum Gürtelband ihres Bademantels. Ganz langsam löste er den Knoten mit dem sie das Band zusammengebunden hatte. Während seine Hände unter den Mantel über ihre nackte Haut glitten, hob sie den Kopf und sah David in die Augen. Sein Gesicht kam näher und schon legten sich seine heißen Lippen auf ihre. Mit sanftem Druck presste sein Mund ihre Lippen auseinander und ihre Zungen berührten sich. Der Kuss wurde zunehmend heftiger. Inzwischen waren Davids Hände auf ihren Schultern gelandet. Vorsichtig schob er den Mantel nach hinten, so das dieser über ihre Arme nach unten rutschte. Er landete lautlos auf dem Boden. Gillian machte sich ihrerseits daran ihn von seinen Kleidern zu befreien. Zuerst das T-Shirt, die Jeans und schließlich seine Boxershorts. Ohne den Kuss zu unterbrechen, hob David Gillian hoch und trug sie zum Bett. Sanft legte er sie dort ab und rollte sich auf sie. Seine Lippen ließen von ihrem Mund ab, um über ihre Wange, ihr Kinn, ihren Hals zu ihren Brüsten zu wandern. Seine Zunge liebkoste ihre Brustwarze, während seine Hand zwischen ihre Schenkel glitt. Zärtlich streichelten seine Finger die warme, feuchte Stelle. Gillian seufzte tief. Davids Mund kehrte zurück zu ihren Lippen und küsste sie wieder. Er zog seine Hand von ihrem Platz an Gillians Unterleib zurück, was dieser ein Geräusch des Bedauerns entlockte. Doch dann spürte sie wie sich sein hartes Glied an die Innenseite ihrer Schenkel drückte. Und dann war er bei ihr. Langsam, damit er ihr nicht wehtat, drang er immer weiter in sie ein. Gillian stöhnte laut auf. Davids Mund entfernte sich wieder von ihren Lippen. Lächelnd sah er Gillian in die Augen, sein Blick von Verlangen verschleiert. Ebenso war ihr Blick voll von Begehren, auch sie lächelte. In diesem Moment war es ganz egal, was Morgen sein würde. Störende Gedanken gab es nicht mehr. Es war richtig, hier zusammen zu sein. Dies war der Anfang einer Nacht voll ekstatischer Leidenschaft.
Der nächste Morgen kündigte einen Tag voll Sonnenschein an. Strahlendblauer Himmel leuchtete durch das Fenster ins Motelzimmer. Gillian saß auf der Bettkante und zog sich an. Hinter ihr lag David noch schlafend im Bett. Gerade wachte er auf. Er murmelte ein verschlafenes "guten Morgen" und sah dann Gillian zu wie sie sich anzog und anfing ihre Sachen zusammenzupacken.
"Wieso packst du?"
"Ich fahre nach Hause."
"Warum so eilig? So schnell schon willst du mich verlassen." Er grinste.
"Dave, wir haben einen Fehler gemacht. Einen großen Fehler. Ich will nicht, dass noch mehr passiert."
"Du wolltest doch, dass ich herkomme."
"Ja, weil ich dachte... ach, ich weiß auch nicht mehr, was ich gedacht habe."
"Und jetzt?"
"Nichts. Wir werden es bei diesem einen Mal belassen. Es wird nicht wieder vorkommen."
"Aber du willst es doch auch."
"Es spielt keine Rolle was ich will. Denk doch auch mal an Téa. Dave, du bist verheiratet."
"Das hast du gestern auch schon gewusst."
"David!" So langsam verlor sie die Geduld. "Ich kann das einfach nicht."
Sie nahm ihre Sachen, die inzwischen fertig gepackt waren und verließ das Zimmer.
1. Juli; Davids Garten:
Es war herrliches Wetter, der Himmel war wolkenlos und die Sonne wärmte. Alle Leute schienen heute besonders guter Laune zu sein. Jeder, dem David heute morgen begegnet war lächelte fröhlich. Nur ihm selbst war überhaupt nicht nach Lachen zumute. Und dieses Wetter hier passte so gar nicht zu seiner Stimmung. Ihm war nach Regen, grauem Himmel und Gewittersturm. David war allein zu Hause, was ihm eigentlich ganz recht war. Er wäre anderen mit seiner miesen Stimmung doch nur auf die Nerven gegangen. Aber so hatte er auch keine Ablenkung. Ablenkung von Gillian. Ablenkung von den immer wiederkehrenden Gedanken an sie und an die Nacht mit ihr.
David saß, mit seinem Laptop auf den Knien, im Garten. Er hatte gehofft, wenn er an seinem Drehbuch weiterschreiben würde, würde ihn das auf andere Gedanken bringen, aber er konnte sich einfach nicht auf den Text konzentrieren. Schon nachdem er nur eine halbe Seite geschrieben hatte, stellte er den Laptop wieder beiseite. Es hatte ja doch keinen Sinn. Statt also zu arbeiten, verbrachte er einige Zeit damit, das schnurlose Telefon, welches vor ihm auf dem Tisch lag, anzustarren. Gillian wollte nicht mit ihm reden. Das war David klar geworden, nachdem er bereits zum siebten mal versucht hatte sie anzurufen. Entweder nahm sie ab und legte sofort wieder auf ohne ein Wort zu sagen, oder sie ließ sich von Piper verleugnen. David fühlte sich so elend wie lange nicht mehr. Er musste von diesen Gedanken wegkommen. Er brauchte jemanden, der ihn dazu brachte nicht mehr an Gillian zu denken. Er griff nach dem Telefon und wählte eine Nummer in New York.
"Duchovny."
Am anderen Ende der Leitung meldete sich eine reife Frauenstimme.
"Hi Mom, ich bin’s, David."
"Dave, hi, wie geht’s dir?"
"Gut, danke. Wie geht’s dir?"
"Mir geht’s gut, aber bist du sicher, dass bei dir alles okay ist?"
Der Ton seiner Stimme hatte David verraten.
"Mom. Es geht mir gut."
"Du klingst aber eher nach dem Gegenteil. Was ist los?"
David wurde klar, dass er seiner Mutter nichts vormachen konnte. Sie durchschaute ihn jedesmal.
"Bitte lass uns nicht darüber reden. Was machst du gerade?"
"Ich habe gerade Zeitung gelesen. Von dir steht auch was drin. Diese Zeitungsleute scheinen sehr verärgert über dich zu sein."
"So, was ist es diesmal? Was ist das überhaupt für ein Artikel?"
"Von der Premiere von diesem neuen Film mit Jennifer Aniston, Good girl. Sie schreiben, du hättest ihnen Interviews verweigert und wärst nicht mal bereit gewesen stehen zu bleiben, um ein Foto von dir machen zu lassen. Und dein Begleiter Ben Stiller ebenso."
David erinnerte sich wie Ben vor ein paar Tagen bei ihm aufgekreuzt war. Er hatte David trübsalblasend, seinen schwermütigen Gedanken an Gillian nachhängend, vorgefunden und ihn dann kurzerhand mit ins Kino geschleift. ‚Du brauchst ein bisschen Abwechslung‘ , hatte er gesagt.
David erinnerte sich auch noch an das Gespräch mit Ben nach der Premiere:
"David?"
"Ehh, was hast du gesagt Ben?"
"Meine Güte Dave, du solltest mal ne Auszeit nehmen! Ich wollte nur wissen, warum du nicht mit deiner reizenden Frau zu dieser Premiere wolltest?!" Der Vorhang von Good Girl hatte sich vor etwa zehn Minuten geschlossen und die beiden verließen kurzentschlossen den Saal. Die folgende After Show Party konnten sie sich mit ruhigem Gewissen entgehen lassen.
"Ach so, ja, Tea. Nein, ich glaube sie hatte keine Lust." Er fragte sich, was Gill wohl gerade tun würde. Dachte sie vielleicht gerade an ihn? Wäre doch immerhin möglich.
"Du glaubst? Und weißt du was ich glaube? Ich glaube, du solltest dir mal etwas mehr Zeit für deine Familie nehmen."
"Ben, du brauchst dir wirklich nicht meinen Kopf zu zerbrechen. Glaub mir, es war nur eine chaotische Woche." Und der Kandidat bekommt die Waschmaschine, rief sich sein Verstand an den rechten Platz. Chaotisch? Nun ja, das war nicht so ganz das richtige Wort dafür, doch welches Wort war richtig? Gill hätte ja auch mal anrufen können, oder? Aber was hatte er erwartet, von ihr zu hören? Er wusste es selbst nicht.
Plötzlich kamen ungefähr ein halbes Dutzend Reporter auf sie zu, die Dave so sehr versucht hatte zu meiden. Nein, er hatte wirklich nichts gegen Reporter. Selbst mit den aufdringlichsten ihrer Sorte konnte er ziemlich professionell umgehen. Aber in seiner momentanen Lage, war er wirklich nicht in der Stimmung auf ihre neugierigen Fragen zu antworten.
"Mr. Duchovny. Nur eine Frage: Wie ist es zum zweiten Mal Vater geworden zu sein?" Dave winkte mit der rechten Hand ab. "Kein Kommentar." Eigentlich hasste er diese zwei Worte. Und noch schlimmer war es, wenn er sie sagen musste. Es war wie verhext, mussten die Reporter auch gerade jetzt auftauchen? Er würde sich doch verplappern, was Gill angeht. Denn das wäre ganz sicher die nächste Frage gewesen.
Und da huschte Gill schon wieder in seinen Gedanken herum. Er musste hier weg, ganz schnell raus aus dem Blitzlichtgewitter!
"David?"
"Mom, du weißt doch wie lästig diese Leute sein können. Außerdem wollen sie im Moment doch sowieso immer nur eins von mir wissen. Was macht das Baby. Ben geht es genauso. Er ist auch vor kurzem Vater geworden. Uns gehen diese ständigen Fragen danach so langsam tierisch auf die Nerven. Und außerdem waren wir doch da, um uns den Film anzusehen. Es ging da schließlich überhaupt nicht um uns.
Du verstehst das doch, Mom?"
"Natürlich, war der Film denn gut?"
"Er war nicht schlecht."
2. Juli; 18:01 Uhr; Davids Haus
"Mist."
Es war bereits sechs Uhr Abends und David hatte den ganzen Tag nichts anderes getan als vor sich hinzustarren. Fünf Tage waren vergangen, seit Gillian in Vancouver die Zimmertüre hinter sich zugemacht hatte. Fünf Tage, in denen er nichts von ihr gehört hatte, fünf Tage, an denen er unaufhörlich an sie gedacht hatte. Sie hatte natürlich recht, das wusste David! Er war wirklich verheiratet und Téa würde es niemals akzeptieren, ihn mit einer Anderen teilen zu müssen. Dennoch wusste David irgendwie, das Gillian ein verdammt wichtiger Teil seines Lebens war, das war sie schon die letzten neun Jahre gewesen. Doch abgesehen von der Affäre, die sie zu Beginn der Serie gehabt hatten, war es nichts anderes als eine tiefe, aufrichtige Freundschaft gewesen. Da war diese Spannung zwischen ihnen gewesen, die, die eben für ihre Rollen so unsagbar wichtig gewesen war. Doch wie David sich nun eingestehen mußte: es war bei dieser Freundschaft nur deshalb geblieben, weil Gillian trotz all ihrer Späße und Neckereien immer eine gewisse Distanz gewahrt hatte. Und diese Grenze hatten sie nun überschritten. Ja, er konnte Gillian verstehen. Schon einmal nach ihrer Scheidung hatte er ihr zu verstehen gegeben, dass er die beendete Affäre gerne wieder aufnehmen würde. Doch sie hatte ihm unmißverständlich klargemacht, dass sie an einer solchen Art von Beziehung keinesfalls interessiert sei. Andererseits, Gillian hatte ihn schließlich angerufen und gesagt, dass er zu ihr fahren sollte! David stand auf.
"Jetzt reicht es, ich muss mit ihr reden!"
Gillians Haus; 18:39 Uhr:
Gillian lag in einem Liegestuhl auf ihrer Veranda. Sie hatte die Augen geschlossen und bemühte sich krampfhaft, nicht an David zu denken. Aber das war sinnlos. Jedesmal und wie von ganz alleine schlich er sich immer wieder in all ihre Gedanken ein. Sie sah sein Gesicht vor sich, sah seine Augen. Sie hatte das Gefühl, immer noch seine Hände auf ihrem Körper zu spüren. Gillian hatte immer noch ein schlechtes Gewissen wegen dem, was vor fünf Nächten mit ihnen passiert war. Aber... sie hatte es so sehr gewollt! Nachdem David bereits zehn Minuten lang an ihrer Haustüre geläutet hatte gab er es auf. Sie musste zu Hause sein, schließlich war ihr Auto da. Er ging rund ums Haus. Da sah er sie auf der Terrasse liegen. Einen Moment blieb er stehen um dieses Bild in seinem Herzen einzufangen. Die Sonne ließ ihr Haar noch roter erscheinen. Gillian strahlte eine unheimliche Ruhe aus. David lächelte, dann ging er langsam auf sie zu.
"Gill?"
Erschrocken blickte Gillian zu ihm auf. "Verdammt Dave, verschwinde, ich will dich nicht sehen!"
"Das werde ich nicht machen. Wir müssen reden." Etwas leiser fügte er hinzu: "Bitte."
Gillian schloß für einen Moment die Augen. David hatte ja recht. Sie MUSSTEN wirklich miteinander reden.
"Gut, dann setz dich hier neben mich."
"Gill es tut mir leid, wenn ich dich verletzt haben sollte. Es tut mir leid, wenn du den Eindruck gewonnen hattest, es ging mir um eine schnelle Nummer. Ich hatte wirklich nicht vor dir weh zu tun! Erklär mir nur eines: warum hast du mich angerufen und gesagt, dass ich zu dir kommen soll?"
"Weil es genau das war, was ich gewollt habe! Ich habe darüber nachgedacht und mir wurde klar, dass du wirklich recht hattest. Es wäre nicht zu vermeiden gewesen. Doch als es dann passiert war, also... am nächsten Morgen, da fühlte ich mich so... ich fühlte mich so..."
"Benutzt?"
"Nein, schmutzig!"
"Du solltest dich nicht schmutzig fühlen Gill, dafür gibt es doch gar keinen Grund!"
"Da bin ich mir nicht so sicher Dave. Ich möchte dir nur eine Frage stellen: warum war es so wichtig für dich, Sex mit mir zu haben?"
David sah Gillian erstaunt an. "Gill, das war doch nicht SEX! Das war doch viel mehr. Wir haben miteinander geschlafen. Für mich ist das ein großer Unterschied. Du weißt, du bedeutest mir verdammt viel!"
"Aber nicht genug."
"Ach komm, sei jetzt nicht unfair! Das ist nicht wahr! Sag mir, was du von mir erwartest, sag mir, was ich dir geben kann, was ich für dich tun kann, damit du glücklich bist." David sah, wie sich in Gillians Augen schon einige Tränen bildeten. Er hob seine Hand und wischte sie zärtlich weg. "Was möchtest du, dass ich tue, Gill, sag es mir, und ich werde es tun."
Gillian griff nach Davids Hand, hielt sie fest und sah ihm jetzt direkt in die Augen.
"Du kannst nichts tun David. Wir befinden uns ganz einfach in einer verzwickten Situation. Du bist mit Téa verheiratet und wenn du ehrlich zu mir bist, ehrlich zu dir selbst bis, dann wirst du zugeben, dass du sie trotz allem liebst. Ihr habt zwei wunderbare Kinder.
"Es stimmt schon, ich liebe sie aber... Gill, dich brauche ich doch auch."
"David, es ist aber ein Unterschied zwischen Liebe und Brauchen!"
"Aber so hab ich das doch nicht gemeint. Ich..."
"Scht... sag jetzt nichts David, ich... ich bin dir ja auch gar nicht böse. Ich bin nicht weggegangen weil ich sauer auf dich war, ich war sauer auf mich selbst, weil ich es doch eben so sehr gewollt hatte wie du!"
"Was werden wir jetzt machen?" Fragend schaute David sie an.
"Nichts. Ich denke, vielleicht ist es besser, es einfach dabei zu belassen. Wir hatten eine wunderschöne Nacht zusammen und diese Erinnerung, die bleibt uns doch erhalten. Lass uns einfach nicht mehr darüber reden. Unsere Freundschaft ist mir verdammt wichtig Dave, und als "Freund", da will ich dich um nichts auf der Welt verlieren! Du hast gefragt, was ich von dir erwarte. Nun, genau das! Bleib mein Freund. Bitte!"
Ein Lächeln huschte über Davids Gesicht. Er beugte sich vor, um Gillian auf die Stirn zu küssen.
"Freunde also?"
"Ja, die besten Freunde!"
"In Ordnung. Und, als Freund, kann ich dich da jetzt darum bitten, mit mir jetzt Abendessen zu gehen?"
"Wohin?"
"Was hältst du von Chinesisch?" David setzte seinen berühmten Dackelblich auf.
"Okay, gib mir zwanzig Minuten."
Während Gillian im Haus verschwand, lehnte sich David zurück auf die Liege. Gott sei Dank, er würde sie nicht verlieren! Er hatte solch große Angst, sie wolle ihn nicht mehr sehen.
Freunde also, das war es, was er ihr versprochen hatte. Auch wenn es nicht das war, was er sich von ihr erhofft hatte, aber - damit konnte er leben! David lächelte. Es würde nicht leicht werden, aber er würde es versuchen.
5. Juli; 16:07 Uhr; Davids Haus:
Schon als der Wagen in die Auffahrt vor dem Haus einbog, erkannte David ihn, an den Geräuschen die er von sich gab, als Téas. Gleich darauf hörte er auch schon wie die Tür aufgeschlossen wurde. Sie waren wieder da. David, der im Wohnzimmer gesessen hatte stand auf, um seine Frau und die Kinder zu begrüßen. Er war gerade im Flur angelangt, da stürmte West auch schon auf ihn zu. Er fing sie auf und drückte sie an sich.
"Hallo, meine Kleine. Wie war’s bei Oma und Opa?"
"Wie immer." Damit ihre Mutter nicht hörte was sie sagte flüsterte sie in Davids Ohr. Denn auch Téa war mittlerweile bei den beiden angekommen, Miller auf dem Arm. David ließ seine Tochter los und gab Téa einen Kuss auf die Wange.
"Hi Schatz. Hast du dich gut erholt?"
"Habe ich. Aber jetzt muss ich erstmal Miller ins Bett bringen. Er ist vor einer halben Stunde erst eingeschlafen. Sei du doch so gut und hol die Koffer aus dem Wagen."
Etwas Später saßen David und Téa im Wohnzimmer. West war von der langen Fahrt so müde gewesen, dass sie auf der Couch eingeschlafen war.
"Und was ist hier so alles passiert. Gibt’s was neues?" Ganz beiläufig stellte Téa ihre Frage in den Raum.
"Nichts Besonderes." Es klang so belanglos wie es klingen sollte. Er durfte sich auf keinen Fall irgendetwas anmerken lassen, was sie erkennen ließ, dass doch etwas passiert war. Etwas, das sie ihm sicher niemals verzeihen würde.
"Irgendwelche neuen Projekte in Aussicht?" Téa sah ihn mit diesem warnenden Blitzen in den Augen an, dass er sich fast nicht traute zu antworten. Denn seine Antwort würde ihr garantiert nicht gefallen.
"Ja, die gibt es. Es hat sich während deiner Abwesenheit nichts an meinen Plänen geändert."
"Heißt das, du wirst diesen Film mit Gillian drehen?"
"Ja, das werde ich."
Téas Miene verdunkelte sich schlagartig, ihre Augen funkelten ihn grimmig an.
"Du bist also immer noch nicht zur Vernunft gekommen."
"Halte mich für unvernünftig, ich werde den Film drehen. Mit Gillian."
"Oh nein, das wirst du nicht tun. Ich verbiete es dir."
"Von dir lasse ich mir gar nichts verbieten. Außerdem kannst du dagegen überhaupt nichts mehr tun. Die Verträge sind unterschrieben."
"Du willst also nicht auf mich hören. Na gut, du wirst schon sehen was du davon hast."
Zum Ende ihres Satzes hin schrie sie schon fast.
"Nicht so laut, du weckst West auf."
"Das ist alles was dir jetzt einfällt?"
David ging nicht weiter darauf ein. Er hob West von der Couch und trug sie zur Tür hinaus.
"Ich bringe sie in ihr Bett, da kann sie wenigstens ungestört schlafen."
Er verließ den Raum und trug West in ihr Kinderzimmer.
Nachdem Téa, die von der Autofahrt erschöpft war, ins Bett gegangen war, setzte sich David noch einmal ins Wohnzimmer um seine Gedanken zu ordnen. Es war soviel passiert in der letzten Zeit. Er war zum zweiten mal Vater geworden, keine
X-Akten mehr, die Streits mit Téa und vor allem, Gillian. Gillian. Und noch mal Gillian. Wie sollte es weiter gehen?
<Okay, gehen wir mal systematisch vor.>
Er versuchte, sich zu zwingen, in klaren und geordneten Bahnen zu denken.
<Also, wie ist die Situation? Ich liebe Gillian, sie liebt mich. Scheiße. Und ich darf es nicht. Warum nicht? Warum zum Teufel darf ich sie nicht lieben? Das Leben ist so ungerecht!>
Er schlug mit der Hand auf eins der Sofakissen.
<Nein, darüber denkst du jetzt nicht nach. Sei vernünftig, sie hat dir gesagt, dass wir Freunde bleiben, und das ist das Wichtigste. Okay, nächstes Thema.
Mit der Frau, die ich als einzige lieben sollte, streite ich mich die ganze Zeit. Aber sie hat mir zwei Kinder geschenkt, zwei wunderbare Kinder. Miller muss ich erst noch so richtig kennenlernen. Ich müsste mal so richtig Zeit mit ihm verbringen, ich habe ihn die letzten Tage nicht gesehen, und vorher war er im Krankenhaus.>
Aus dem Kinderzimmer ließ sich ein leises Weinen vernehmen. Téa hatte Miller heute nicht wie sonst in das große Ehebett gelegt, sondern in sein eigenes kleines Kinderbett. Sie hatte die Tür des Schlafzimmers zugemacht und ihrem Ehemann gesagt, er solle sich um ihn kümmern, solange er wach sei, damit sie in Ruhe schlafen könne. Er stand auf und ging ins Kinderzimmer. Er nahm Miller auf den Arm und wollte aus dem Zimmer gehen, damit West, die im selben Zimmer schlief, nicht aufwachte. Dann überlegte er es sich doch noch anders und ging zu Wests Bett, um ihr liebevoll über die Stirn zu streichen.
"Meine kleine Tochter, was täte ich nur ohne dich", murmelte er zärtlich.
David liebte seine Tochter wirklich über alles. Während er West noch einmal mit einem glücklichen Lächeln betrachtete, bewegte sich Miller in seinen Armen. Er riss seinen Blick von West los und setzte sich mit Miller auf den Arm in einen Lehnstuhl, der in der Ecke des Kinderzimmers stand. Sein Blick glitt hinunter zu Millers Gesicht. Sanft strich er ihm über die Wange, dann über die Haare. Miller hatte, wie West auch, blone Haare.
"Na mein Kleiner?"
Wieder erinnerte sich David an West, als sie so klein war wie sein Sohn jetzt. Er hatte es geliebt, sie in seinen Armen zu halten und er war einer der glücklichsten Menschen gewesen, wenn sie ihm ihr Lächeln geschenkt hatte. Auch Miller lächelte in diesem Moment zu ihm hoch. Doch aus ihm unbegreiflichen Gründen empfand David darüber nicht die gleiche Freude, wie damals bei West. Was war nur los mit ihm? Warum fiel es ihm diesmal so schwer, dieses Kind genauso sehr zu lieben wie West? Er hatte sich immer Kinder gewünscht, viele Kinder. Das war eines der Dinge gewesen, die ihn und Téa verbunden hatten. West war damals zwar nicht geplant gewesen, aber als Téa ihm gesagt hatte, dass sie schwanger ist, da waren sie beide außer sich vor Freude gewesen. Bei Miller war das irgendwie anders. Vielleicht lag es ganz einfach daran, dass er und Téa nicht mehr so glücklich waren wie am Anfang. Zu vieles hatte sich verändert, zu schnell hatte ihn die Realität eingeholt. Manchmal fragte sich David, ob es nicht doch viel zu überstürzt gewesen war, Téa nach nur vier Monaten zu heiraten. Vielleicht hätte er einfach warten sollen. Inzwischen war Miller in seinen Armen eingeschlafen. David stand auf und legte ihn wieder in sein Bett. Während er das Kinderzimmer verließ, fragte er sich nocheinmal, warum er für Miller nicht die selben tiefgehenden Gefühle aufbringen konnte, wie für West.
7. Juli, 23:39 Uhr
"So David, ich geh jetzt ins Bett. Gute Nacht."
Auf diesen Moment hatte David nur gewartet.
"Gute Nacht Téa, ich komm auch gleich." <Falls dich das interessiert>, fügte er in Gedanken hinzu. David sah auf den Telefonhörer hinunter, den er in seinen verschwitzten Händen hielt.
<So du Held, jetzt ruf sie doch einfach an! So schwer kann das doch wohl nicht sein!>
Schließlich raffte er sich auf und wählte Gillians Nummer. Nach drei Klingeltönen meldete sich ihre klare Stimme:
"Anderson?"
Pause.
"Hallo?"
"Hi, ich bins." Es war fast nur ein Flüstern.
"David! Alles klar bei dir?"
"Ja, ja. Wollte nur mal hören, was du so machst..."
"Nichts besonderes, ich lerne meine Rolle." Und nach einer kurzen Pause: "Was du ja hoffentlich auch tust!"
Keine Antwort.
"Dave?"
Er seufzte.
"Ja, ich habe mir sie auch schon angesehen. Gefällt mir, wirklich. Ist mal was leichteres als die X-Akten."
Gillian konnte richtig sehen, wie bei diesen Worten ein Lächeln seine Lippen umspielte. Doch sofort wurde er wieder ernst.
"Hör zu Gill, macht es dir wirklich nichts aus, dass ich die Rolle spiele? Ich will mich mit dir nicht auch noch verkrachen..." Und so leise, dass sie es kaum hören konnte, fügte er hinzu, "...das würde ich nicht ertragen."
Gillian holte tief Luft.
"Nein Dave, das ist schon ok, wirklich. Eigentlich freu ich mich, es macht mir nämlich sehr viel Spaß, mit dir zu spielen. Dann habe ich nur wahrscheinlich wieder das Problem, ernst zu bleiben", fügte sie mit einem Lächeln hinzu.
"Dave, ich möchte nur nicht, dass das... das irgendetwas kaputt macht. Nicht zwischen uns und auch nichts anderes. Überleg es dir gut, deine Ehe, deine Familie, dein ganzes Leben hängt davon ab!"
"Der Vertrag ist schon unterschrieben, das weißt du, gell?" kam er ihr dazwischen.
"Ja, aber irgendwas würde dir schon einfallen, ich kenn dich doch!"
"Ach ja? Aber meinst du nicht, unsere Freundschaft sollte über so etwas stehen, ebenso meine Ehe? Wenn man mit einer Kollegin einen Film macht, meine ich."
"Eine Kollegin?" Er konnte fast sehen, wie sie die Augenbraue hoch hob.
"Lass es ruhig eine Freundin sein, denke ich. Und Téa hat ja nicht einmal unrecht! Bei dem, was zwischen uns vorgefallen ist..." Gillian senkte unvermittelt ihre Stimme.
"Sie hat sich aber immer schon so angestellt!" erwiderte David. "Und es ist ja nicht nur das. Es läuft einfach generell nichts mehr zwischen uns. Ich weiß aber auch nicht, ob es viel anders zwischen uns liefe, selbst wenn ich den Film nicht mit dir machen würde..."
"Ach Dave! Was soll ich dazu sagen?" Gillian seufzte. "Ich will nur nicht... ach ich weiß auch nicht!"
"Hör zu, lass uns jetzt nicht weiter darüber nachdenken, ja? Ich weiß nur - und ich bin mir ganz sicher - dass ich diesen Film mit dir machen will. Ich muß ja schließlich auch ein bißchen an mich denken. Außerdem gibt’s so ja auch für Téa wieder Geld."
Gillian merkte, wie sich Davids Laune wieder hob, hörte sein Lachen.
"Ja, ja, schöne Ausreden!" Doch auch sie lächelte jetzt.
"Wir sehen uns ja dann in drei Tagen beim Dreh. Ich freu mich schon darauf!"
"Ja ich auch. Und lern bloß deinen Text! Ich habe keine Lust, den ganzen Tag an einer Szene zu drehen!"
"Ay Prinzessin, ich werde mein Bestes tun."
Wieder lachte Gillian.
"Okay, ich werd dann jetzt mal ins Bett gehen... schlaf schön, mein Kleines."
"Werd ich. Und du, schlaf auch gut, Dave. Bis in drei Tagen dann."
"Ja, bye Gill."
"Bye Dave."
9. Juli; 13:26 Uhr; Innenstadt von L.A:
David war gerade dabei, nach seinem Autoschlüssel zu kramen, als ein kleiner, silberner Porsche neben ihm hielt.
"Dave, wohin des Weges?"
"Gill, hey! Ich hatte eigentlich vor, ein wenig rauszufahren. Es ist so ein schöner Tag und..."
Ein Auto, das hinter Gillian anhalten musste, hupte laut.
"Wart mal kurz Dave, ich park schnell ein, ja?"
Während David seinen Autoschlüssel wieder einsteckte, stahl sich ein Lächeln auf sein Gesicht. Er freute sich so, Gillian hier zu treffen. Vielleicht konnte er sie sogar überreden, mit ihm einen schönen Nachmittag zu verbringen. Ihm war klar, dass er sie ab Morgen sowieso wieder täglich zu Gesicht bekommen würde, da der Drehbeginn ja für Morgen festgelegt worden war. Doch dies hier bot ihm die Gelegenheit, einen weiteren, privaten Augenblick mit Gillian zu genießen.
Als Gillian auf ihn zutrat umarmte sie ihn und gab ihm einen Kuss auf die Wange.
"So, jetzt nochmal von vorne Dave. Was hast du vor?"
"Ich dachte, ich fahr ein bisschen raus und genieße einen Nachmittag am Strand. Du?"
"Oh, ich muß nur schnell diese Briefe hier zur Post bringen."
Fragend blickte David in Gillians Augen. "Und danach? Wie kann ich dich dazu überreden, den Nachmittag mit mir zu verbringen?"
"Ist es dir denn nicht genug, dass wir uns ab morgen sowieso wieder jeden Tag sehen werden? Irgendwann wirst du noch mal genug von mir kriegen, sooft wie wir uns in letzter Zeit über den Weg laufen."
"Ich werde niemals genug von dir kriegen, das weißt du genau!" Davids Stimme war nicht mehr als ein Flüstern.
Verlegen blickte Gillian zu Boden. David hatte ihr doch versprochen, NUR ihr Freund zu sein! Als sie jedoch ihren Blick wieder auf sein Gesicht richtete, sah sie sein verschmitztes Grinsen. Er zog sie also wieder mal auf!
"Ich komme gerne mit, du brauchst mich gar nicht überreden. Piper ist bei einer Freundin. Nur muß ich zuerst eben noch zur Post. Was ist, kommst Du mit?"
Das ließ David sich nicht zweimal sagen. Er legte Gillian den Arm um die Schulter und sie machten sich auf den Weg.
Keiner der Beiden hatte den Starpaparazzo Giovanni bemerkt, der auf der anderen Straßenseite bereits vor einigen Minuten Stellung bezogen hatte. Er folgte ihnen bis zur Post und als sie danach beide in Davids Auto stiegen, blieb er ihnen dicht auf den Fersen. Das waren schließlich die Momente, in denen er das große Geld witterte. Er würde sich das nicht entgehen lassen...
Es war bereits nach 22 Uhr, als David Gillian endlich wieder bei ihrem Auto abgesetzt hatte. Nachdem sie am Strand in der Sonne gelegen hatten, haben sie noch in einem kleinen Restaurant am Stadtrand von L.A. zu Abend gegessen. Der Reporter war ihnen die ganze Zeit gefolgt, doch keiner hatte ihn bemerkt. Er war gut, verdammt gut. Das war sein Job.
10. Juli; 18:44 Uhr; Davids Haus:
Téa ging verschlafen und mit einem ziemlich grimmigen Blick durch die Küche. Sie hasste es Frühstück zu machen, und erst recht dann, wenn ihr lieber Mann sich einmal wieder breit auf seinem Bett ausstreckte und es vorzog weiter zu schlafen. Am liebsten würde sie sich ein Dienstmädchen einstellen, solch ein Mädchen für alles, dem man jede auch noch so blöde Aufgabe geben konnte, die einem gerade einfiel. Sie hatte so langsam genug von diesem "normalen" Leben. Wenn sie es sich leisten konnten, sich im Luxus zu mästen, warum taten sie das nicht einfach vollkommen? Geld genug hatten sie doch. Aber nein, das Geld, was sie brauchte um ihr Mädchen für alles durch das Haus zu jagen, landete natürlich in den Taschen von irgendwelchen Idioten, die Spenden an die Kinder in der Dritten Welt oder sonst was einsammelten. David war in dieser Beziehung mehr als großzügig. Téa ließ sich sauer auf einen Stuhl fallen. Miller und West waren Gott sei Dank in ihrem Zimmer und hatten schon gegessen. Der Stress fehlte ihr gerade noch. Nicht, dass sie etwas dagegen hatte Kinder zu haben, nein, sie liebte ihre Kinder, aber es ging ihr so verdammt auf die Nerven zu jedem Zeitpunkt parat zu sein, um ihnen irgendeinen Wunsch zu erfüllen. Das wäre es doch, ein Kindermädchen, aber nein, man kümmert sich ja selbst um seine Kinder… Téa schüttelte den Kopf. Sie wollte Luxus, verdammten Luxus und Aufmerksamkeit.
Plötzlich vernahm sie einen dumpfen Klatsch. Etwas war gegen das Terrassenfenster geknallt. Téa erhob sich mürrisch und ging zur Terrassentür. Als sie diese öffnete fiel ihr sofort ein Foto ins Auge. Warum blieb ihr das nicht mal am frühen Morgen erspart, diese dumme Sch... zu sehen? Wundervoller Beginn für einen Tag! Sie hob langsam die Zeitung auf und hätte sie dem Zeitungsjungen am liebsten wieder hinterher geschmissen. Warum lieferte dieser Typ solche Zeitungen eigentlich noch aus? Sie beschloss sich bei der Leitung zu beschweren. Gähnend ließ sie die Zeitung auf den Küchentisch fallen. Genau in diesem Moment traf sie der sprichwörtliche Schlag. In der Zeitung konnte sich doch nicht ein Artikel über die Personen befinden, von denen sie dachte, dass sie es waren? Nein, das war vollkommen unmöglich! Sie nahm die Zeitung in die Hand und betrachtete das Bild näher. Es war das, nachdem es aussah.
"DAVID!!!!!"
David drehte sich murrend auf die andere Seite. Er wollte noch nicht aufwachen und vor allem wollte er jetzt keinesfalls mit Téa diskutieren.
"David!!!! Du verdammter Bastard! Komm runter! Ich möchte eine Erklärung!", kreischte Téa ein zweites Mal hysterisch. Murrend erhob sich David und blinzelte zweimal in Richtung Uhr. <Was will sie bloß schon wieder?> fragte er sich, als er die Treppe runterging.
"Ich verlange eine Erklärung!"
Mit diesen Worten knallte Téa das Hochglanzmagazin vor David, der sich mit einem gebrummten <guten Morgen> an den Tisch gesetzt hatte. Der zuckte zusammen. Völlig geschafft hatte er sich erst mal an den Tisch gesetzt und ins Leere gestarrt. Aber Téa gönnte ihm keine Ruhe. Ihr Ton sagte ihm ganz deutlich, dass sie furchtbar wütend sein musste. David betrachtete die Titelseite des Magazins das vor ihm lag. Ein Bild von ihm und Gillian zierte das Cover, eines dieser gestellten Fotos die es haufenweise von ihnen gab. Darunter prangte in leuchtend bunten Großbuchstaben die Schlagzeile. "Verbotene Liebe?" Daneben stand, etwas kleiner geschrieben, ein kurzer Text mit dem Verweis auf eine Seite im Heft. David sah auf zu Téa und merkte, dass sie auf eine Antwort wartete.
"Du weißt doch, dass man nicht alles glauben darf was in solchen Magazinen steht. Für die ist das kleinste Gerücht schon eine Tatsache, auch wenn da überhaupt nichts dran ist."
"Du willst also behaupten, dass das alles völlig aus der Luft gegriffen ist?"
"Genau."
Téa blätterte eine Seite in dem Heft auf und funkelte David grimmig an.
"Und was hast du dazu zu sagen?"
David brachte kein Wort heraus. Er starrte fassungslos auf den insgesamt drei Seiten füllenden Artikel. Eine Schilderung darüber, wie er und Gillian den gestrigen Tag verbracht hatten. Natürlich war alles sehr übertrieben dargestellt. Neben dem Artikel gab es einige Fotos von ihnen, wie Gillian ihn umarmte und ihn küsste als sie sich getroffen hatten, dann wie sie zusammen am Strand lagen und wie sie im Restaurant aßen. Verdammt! Warum hatten sie nicht bemerkt, dass sie jemand verfolgt hatte.
"Jetzt erzähl mir bloß nicht, dass der Schreiber sich das alles nur ausgedacht hat. Und diese Fotos hier sind jawohl Beweis genug. Und sag nicht sie wären manipuliert. Ich erkenne eine Fälschung und diese Fotos hier sind so echt wie das Papier, auf dem sie gedruckt sind."
"Téa..." weiter kam er nicht.
"Du warst gestern nicht hier und ich weiß auch nicht wo du gewesen bist. Warst du bei Gillian?"
"Téa, das hat doch gar nichts zu bedeuten."
"Antworte mir! Warst du mit dieser Schlampe zusammen?"
Ihr Gesicht nahm langsam rote Farbe an und sie sah aus, als würde sie jeden Moment platzen.
"Ja! Ja ich war mit ihr am Strand und Abendessen, wie es hier steht. Aber..." Wieder wurde er rüde unterbrochen.
"Hast du mit ihr geschlafen? Sag mir ob da wieder was am laufen ist!"
"Und wenn ich dir sagen würde, dass da überhaupt nichts ist, du würdest mir ja doch nicht glauben."
"Wie soll ich es denn auch glauben, bei diesen Bildern."
"Téa, die sind doch ganz harmlos. Gillian ist eine Kollegin, eine Freundin, das weißt du und wir haben einen schönen Tag zusammen verbracht. Was ist daran so schlimm?"
"Was daran so schlimm ist?" schrie sie. "Alles, einfach alles!"
Er hasste es, wenn Téa solch einen Ton draufhatte. Und schon ging es weiter. Téa steigerte sich da immer mehr hinein.
"Es ist ja sowieso alles egal! Hast du sie auch noch gefickt, oder was? Oder warum verlierst du die Fassung? Einmal, einmal noch David und deine rothaarige Hure wird was erleben! Ich bringe sie um David, ich schwör‘s dir, ich bringe sie um!!!" Téa schwankte unsicher auf den Beinen und ihr Blick war schwarz, wie eine dunkle Höhle.
"Téa! Verdammt, halt doch endlich die Klappe! Ich... es... also..."
"So, ich soll also die Klappe halten? Wer betrügt mich den hier wie ein geiler Eber? Was hat diese Tussi, was ich nicht habe? Vakuum im Schädel? Weißt du eigentlich was du da machst? Wir haben Kinder, David! Willst du denen nicht ein Vorbild sein, willst du nicht, dass sie nur angemessene Leute kennen lernen? Und nicht solche Fick-Hasen, die…" Sie stockte und in diesem Moment ergriff David das Wort.
"Jetzt reicht es aber! Kannst du dich nicht einmal im Leben etwas gesitteter ausdrücken? Du beschimpfst mich, beschimpfst Gillian auf eine Art und Weise, die... verdammt, das ist unter jeder Kritik!"
David wollte hier raus. Er musste sich das hier nicht anhören. Doch leider hatte er nicht mit Téas Reaktion gerechnet. Völlig unkontrolliert machte sie einen Satz nach hinten, fuhr herum und ergriff eine Porzellanfigur die auf einem der Sideboards stand. Sie holte aus und schleudere die Figur in Davids Richtung. Dieser konnte sich in letzter Sekunde ducken, sonst hätte ihn das Geschoss gefährlich am Kopf getroffen.
"Halt den Mund du Trottel! Ich ruf sie an und ich werd sie blamieren und niedermachen vor allen, das schwör ich dir! Damit du siehst, was für eine dumme kleine Schlampe du dir geangelt hast! Ich glaube kaum, dass du mehr Hirn hast als sie!"
Sie griff nach einer weiteren Figur, bereit dazu, wieder nach ihm zu werfen. Doch diesmal war David schneller. Er schnellte nach vorn, ergriff ihr Handgelenk und hinderte sie so, einen weiteren Wurfversuch zu starten.
"Du wirst verdammt noch mal endlich die Klappe halten Téa! Und du wirst Gill nicht anrufen, verstanden! Du wirst GAR NICHTS TUN, kapiert!"
David lockerte seinen Griff auch jetzt nicht, als Téa versuchte, sich ihm zu entziehen. Im Gegenteil, er packte noch fester zu. Téas Mund entschlüpfte ein kleiner Schmerzenslaut, doch auch den ignorierte David und drängte sie in Richtung Wand. Er hatte sie jetzt so umfasst, dass sie sich einfach nicht mehr wehren konnte.
"Du wirst dich jetzt beruhigen Téa und wir werden in Ruhe darüber reden, verstanden? Wenn ich noch ein Schimpfwort über Gillian höre, dann dreh ich dir den Hals um, ich mein es ernst."
Ein Blick in Davids Augen genügte Téa, sie wusste, dass er nicht bluffte. Téa atmete tief durch. Leise, fast so als würde sie sich krampfhaft dazu durchringen, sagte sie:
"Es ist in Ordnung David. Aber ich möchte eine verdammt gute Erklärung. Und jetzt sag mir nicht, da ist nichts, denn das sieht man gut genug." Sie sah ihn mürrisch an, fast hätte David nicht loslassen wollen, doch schließlich rang er sich dazu durch, sie los zu lassen. Er trat langsam von ihr zurück.
"Ich werde NICHT sagen, da ist nichts. Natürlich IST da was, aber nicht das, was du denkst."
Téa wollte sofort wieder ansetzen, doch David schüttelte drohend seinen Kopf.
"Versuch es erst gar nicht. Gill ist meine Freundin, eine sehr gute Freundin. Das weißt du, denn das hab ich dir schon oft genug gesagt. Es wird Zeit, dass du das endlich mal begreifst. Wir haben uns gestern zufällig getroffen, und weil wir beide nichts anderes vor hatten, haben wir eben den Nachmittag zusammen verbracht. Im Grunde war es das aber auch schon. Das was hier in diesem Artikel steht, ist nicht ganz so passiert, wie es den Anschein hat."
"Diese Fotos lügen nicht David!"
"Wenn du damit meinst, ob ich mit ihr geschlafen habe, dann ist die Antwort NEIN! Ich habe gestern NICHT mit Gillian geschlafen! Du weißt doch, wie solche Artikel entstehen, du kennst doch die Presse!"
"Du hattest also keinen Sex mit ihr, wie? Gut, dann beweis es mir!"
Téa zog David an seinem T-Shirt zu sich heran und griff ihm mit der anderen Hand sofort in die Boxershorts. Sie bekam sein Glied zu fassen und begann sofort, ihre Hand auf und ab zu ziehen. David war von diesem Angriff so überrascht, er wusste einen Moment lang gar nicht, wie ihm geschah. Téa presste nun ihre Lippen hart auf seine und fuhr dabei weiterhin fort, ihre Hand zu bewegen. David wurde augenblicklich steif. Hier ging es nicht um Liebe. Das hier war ein Duell der Macht. Zumindest für David. Und es war Téa, die in diesem Moment die Macht in ihren Händen hielt. Sie kannte David lange und gut genug um zu wissen, was ihn scharf machte. Sie öffnete ihren Bademantel, ließ ihn zu Boden gleiten und stand nun völlig nackt vor ihm. Sie ließ sein Glied los und fing an, mit beiden Händen über ihre Brüste zu streicheln. Eine Hand bewegte sich aufwärts zu ihrem Mund, leckte an ihrem eigenen Finger nur um ihn dann sofort wieder zu ihrer Brust zu bewegen. David stand mit offenem Mund und Verlangen in den Augen vor ihr. Téa ging sogar noch weiter. Ihre Hand bewegte sich weiter nach unten, zu ihrer Mitte hin.
"Macht dich das geil David?" Sie fuhr sich selbst zwischen die Beine und ein Stöhnen entschlüpfte ihrem Mund.
Das war genug für David. Er zog an seiner Boxerschorts, griff nach Téas Hand und zog sie nach oben. Dann hob er sie hoch, presste sie mit roher Gewalt an die Wand und drang in sie ein.
"Ist es das was du willst Téa?"
David stieß hart in sie und Téa krallte sich an seinem Rücken fest.
"Ja, genau so Dave... ah... noch fester..."
David DACHTE nicht in diesem Moment, er vögelte sie einfach.
"Ah... ja... fick mich Dave!"
David ließ sofort von ihr ab. Er hasste es, wenn sie solche Ausdrücke gebrauchte. Erst in diesem Augenblick wurde ihm bewusst, was er gerade im Begriff zu tun gewesen war. Er hasste sich selbst dafür.
"Téa das ist nicht der geeignete Moment für eine schnelle Nummer. Oder vielleicht bin ich ganz einfach nicht der richtige Mann dazu. Ich werde jetzt nach oben gehen, mich duschen und dann werde ich in aller Ruhe mit dir reden, wenn du möchtest."
David drehte sich um, stieg die Treppe nach oben und ließ eine fassungslose Téa zurück. Téa brauchte einige Minuten, um sich wieder zu fangen. Dann verschwand sie Richtung Badezimmer. Gut, David war also nicht für einen schnellen Fick zu haben, alles klar. Doch sie wusste auch, wo sie den jetzt kriegen würde!
"Verdammt seist du Dave", sagte sie zu sich selbst und verließ zehn Minuten später ärgerlich das Haus.
David sah aus dem Fenster, Téa lief auf ihr Auto zu und brauste mit quietschenden Reifen davon. Na fein, Téa, lauf einfach davon... das konntest du ja schon immer gut... David rechnete nicht mehr damit, seine Frau so bald wieder zu sehen.
Umso überraschter war er, als sie eine knappe Viertelstunde später wutgeladen in der Tür stand.
"David, ich fahre für ein paar Tage mit den Kindern weg. Ich muss hier raus,
sonst werde ich noch verrückt."
David sah sie nur an. Es war also wie immer. Téa nahm immer die einfachste Lösung.
"Auch gut..." , dachte er sich"... habe ich wenigstens Ruhe um mich auf "Feelings" zu konzentrieren."
17. Juli; 14:59 Uhr; Bei den Dreharbeiten zu "Feelings"
"Und Cut. Okay Leute, das war’s für heute. Gillian, David, das war ganz großartig heute. Die letzte Szene heute, die habt ihr echt toll hingekriegt."
Beide bedankten sich gleichzeitig, wie aus einem Munde, was alle drei zum lachen brachte.
"Okay, dann geht nach Hause und vergesst nicht - morgen drehen wir dann die Szene auf dem Boot."
David legte den Arm um Gillians Schulter als sie zu ihren Wohnwagen gingen. Aus den Augenwinkeln heraus konnten sie sehen, wie Joel bei zwei Presseleuten stehenblieb. Die beiden schwirrten schon den ganzen Tag am Set herum.
"Gill, was machst du heute Abend noch?"
"Nichts. Ich werde ein Bad nehmen und dann ins Bett fallen. Du?"
"Nun vielleicht könnte ich dieses Bad mit dir zusammen nehmen?"
"Spinnst du schon wieder rum Dave? Du wirst das schön bleiben lassen! Du wirst jetzt nach Hause fahren und die Stille deines Hauses genießen. Oder mach was immer du willst!"
"Huch, bist du aber heute gemein. Einen armen Mann einfach in ein leeres Haus gehen zu lassen. Da frag ich mich ernsthaft, ob ich mich nicht darauf freuen sollte, wenn Téa mit den Kindern am Wochenende wieder zurückkommt!"
Als er spürte wie Gillian sich unter seinem Arm verkrampfte wusste er sofort, dass er das falsche gesagt hatte.
"Gill komm schon, so habe ich das nicht gemeint. Das weißt du!"
"Ja, das weiß ich. Sorry."
"Schon gut, ist eben nicht immer ganz so leicht, hm?"
Gillian stimmte David in Gedanken zu. Seit ihrem Gespräch über die Nacht in Vancouver hatte sich David wirklich bemüht, ihr nicht mehr zu nahe zu treten. Irgendwie hatten sie es geschafft, ihr früheres freundschaftlichen Verhältnis wieder aufzubauen. David scherzte mit ihr, lachte mit ihr und brachte sie mit vielen kleinen freundschaftlichen und manchmal auch anzüglichen Bemerkungen immer wieder dazu, herzhaft zu lachen.
20:19 Uhr; Gillians Haus
Gillian lag gemütlich in der Badewanne. Sie hatte die Abendausgabe der US neben sich und dachte über den eben gelesenen Artikel nach. Die beiden Reporter heute am Set hatten wirklich ganze Arbeit geleistet. Der Artikel war sehr gut geworden. Was Gillian jedoch am meisten beeindruckt hatte, war die Beschreibung der Beziehung zwischen ihr und David.
<Viele werden bei diesem Film versuchen, eine Verbindung zwischen den Personen Mulder und Scully zu finden. Die einzige Verbindung die man hier allerdings finden wird, ist die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern Gillian Anderson und David Duchovny. Explodierende Blicke, zärtliche Berührungen, das Gefühl, dass die Beiden etwas verbindet, das man nicht in Worte fassen kann, ganz so, als wäre es nicht von dieser Welt. Man bekommt den Eindruck, als würden sie sich bei jeder Berührung des Anderen verbrennen. Doch was am meisten auffällt ist das gegenseitige Vertrauen, ihre Verbundenheit und - ja, es hat den Anschein, als wären sie einfach sehr glücklich. Darum ist für uns klar: alle diejenigen, die sich bei
Akte X als sogenannte DAGS geoutet hatten, werden von diesem Film begeistert sein. Und nicht nur die...>
Gillian schreckte aus ihren Gedanken hoch als es an der Haustüre klingelte. <Shit, der Pizzaservice!> Sie hatte doch extra gesagt, die sollen erst in 50 Minuten liefern. Schnell glitt sie aus der Wanne und schlüpfte in ihren Bademantel. Dann eilte sie zur Tür.
"Dave, was zum... machst DU denn hier? Ich hab dir doch gesagt ich will..."
"Ein Bad nehmen hast du gesagt, ich weiß. Du hast auch gesagt, ich dürfte nicht mit dir in die Wanne. Aber du hast nicht gesagt, dass du niemanden zum Abtrocknen brauchst. Außerdem - ich hab Gringel dabei. Du LIEBST Gringels!"
David setzte seinen berühmten Hundeblick auf. Bis jetzt hatte der noch immer funktioniert. Gillian lachte.
"Komm schon rein du Verrückter."
Kaum hatte sie die Tür hinter sich geschlossen, da umarmte sie David auch schon.
"Danke Prinzessin. So und nun schwirr ab ins Bad, ich warte auf der Couch auf dich!"
"Ach, ich dachte du willst mich abtrocknen?" neckte Gillian ihn.
"Pass auf was du sagst. Noch einmal und ich tue das wirklich."
"Gill?"
"Hm..."
"Das war heute wirklich ein schöner Abend, so ruhig und gemütlich. Danke, dass du mich nicht rausgeworfen hast. Ich weiß, ich kann manchmal ein ganz schönes Ekel sein."
"Du bist kein Ekel. Nur manchmal, da bist du ganz schön hartnäckig."
"Aber das gefällt dir doch, oder?"
"Nicht immer..."
David beugte sich runter zu Gillian, die ihren Kopf auf seinen Schoß gebettet hatte. Er gab ihr einen Kuss.
"Es ist schon nach 2:00 Uhr. Ich sollte dann wohl besser gehen."
"Warum bleibst du nicht einfach hier heute Nacht?"
"Wow, ist das dein Ernst?" Fragend blickte David auf Gillian.
Die richtete sich auf.
"Dave, ich liebe deine Gegenwart und ich hasse es alleine zu schlafen. Das weißt du. Ich biete dir hier nicht, an bei mir zu übernachten um hemmungslosen Sex mit dir zu haben. Ich will ganz einfach nur, das du mich festhältst heute Nacht.
Ginge das?"
"Na dann gib mir deine Hand Prinzessin und lass uns ins Bett gehen."
Gillian löschte das Licht und ging neben David die Treppe nach oben.
"Obwohl Gill - hemmungslos hört sich auch gar nicht so schlecht an..."
"Dave, halt die Klappe!"
Nun verstand Dave die Welt nicht mehr. Okay, jedesmal, wenn man diese Worte von jemandem hört, dann denkt man: oh Gott, was ist denn Schlimmes passiert? Nein, so war es heute mal ausnahmsweise nicht. Im Gegenteil, womit hatte er diese Nacht verdient? Obwohl er ganz genau wusste, wie er diese Nacht zu interpretieren hatte, so war da dennoch ein wohliges Gefühl in seiner Herzgegend. Und wenn er ehrlich zu sich war, dann sehnte er sich nach genau diesem Gefühl, denn es wurde ihm schon seit langem verwehrt. Zu lange.
Gill wollte, dass ER sie hielt, dass ER es war, mit dem sie heute Nacht einschlafen würde. Es waren SEINE Arme, die ihr heute Nacht das Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit geben sollten. Und das machte ihn unheimlich glücklich. Es sagte so viel mehr als Sex.
Als er aus ihrem Badezimmer kam, saß sie schon zugedeckt auf ihrem Bett und wartete ungeduldig auf ihn. Geblendet von diesem wunderschönen und bezaubernden Augenblick zugleich, blieb er in der Tür stehen, und knipste fast wie in Trance das Licht im Badezimmer aus.
"Wenn du lieber im Stehen schlafen willst – was mir übrigens neu wäre - dann sag das lieber jetzt, denn ich möchte wirklich schlafen." Ein leichtes Lächeln huschte über Daves Gesicht. Alles, was du willst, dachte er bei sich und schlüpfte zu ihr unter die Decke, sein Gesicht zu dem Ihren gewendet.
Für einen kleinen Moment sahen sie sich in die Augen und lasen jeweils die Gedanken des Anderen.
"Halt mich fest, Dave", bat Gill kaum hörbar. Er zögerte nicht lange und tat, wie ihm befohlen. Vorsichtig legte er seinen linken Arm auf ihre Taille, von wo dann schließlich seine Hand zu ihrem Rücken wanderte und etwas mehr Druck ausübte. Sie kuschelte ihren Kopf unter sein Kinn ganz dicht an seinem Hals. So, dass er ihren warmen Atem spüren konnte.
Nur einen Moment später legte auch sie ihren Arm auf den kleinen Knick seiner Taille. Das war alles, was sie wollte. Sie konnte ihn riechen, fühlen und wenn sie wollte auch sehen. Doch dazu waren ihre Augen schon zu schwer. Ihre Müdigkeit lies es noch gerade so zu, dass sie bemerkte, wie er seinen anderen Arm ganz vorsichtig unter ihren Kopf schob und sie anschließend auf seine Brust legte. Dann verfiel sie in einen äußerst zufriedenen Schlaf.
David hingegen konnte sich nicht so schnell von diesem Augenblick verabschieden. Ständig hatte er sich gefragt, was wohl in Gill vorgehen würde. Was der Grund war, wieso sie ihn bat, sie diese Nacht zu halten. Für ihn gab es zu keinem Zeitpunkt eine Sekunde des Zögerns. Es war selbstverständlich, dass er für sie da sein würde. Sie war doch alles, was er wollte. Und wenn es sie glücklich machen sollte, nicht mit ihm zu schlafen, dann würde er das eben akzeptieren müssen. Schon allein aus dem Grund, dass sie dieser Gefallen, oder wie man das auch nennen soll, glücklich macht. Nur fragte er sich häufig, ob sie so wirklich glücklich ist.
Aber jetzt gerade, in diesem Moment, schien sie von ganzem Herzen glücklich zu sein, und das freute ihn. Schließlich war sie seine Prinzessin. Und er fand seine innere Ruhe und verfiel dem süßen Schleier der Nacht.
Die nächsten Tage vergingen wie im Flug. Gillian und David verbrachten die meiste Zeit am Set, gingen anschließend noch mit der Crew etwas trinken oder machten es sich in einem der Trailer gemütlich, um sich auf den nächsten Drehtag vorzubereiten. Fast hätte David vergessen, dass seine Frau nur vorübergehend verreist war. Als Téa dann schließlich wieder vor der Tür stand freute David sich zwar wahnsinnig West und Miller wiederzusehen, wusste aber nicht so recht, wie er sich seiner Frau gegenüber verhalten sollte.
Da Téa jedoch so tat als wäre nie etwas zwischen ihnen gewesen, entschloss er sich den Kindern zu Liebe auf ihr Spielchen einzugehen und tat so, als hätten die häßlichen Vorfälle zwischen ihnen niemals stattgefunden.
7. August, 0:03 Uhr, Davids H aus:
RING RING RING.
David schreckte aus dem Schlaf hoch und griff nach seinem Telefon auf seinem Nachttisch. Téa drehte sich mit einem Murmeln auf die andere Seite.
"Hallo?" Wer konnte das sein, um diese Zeit?
"Happy birthday, Dave!"
"Gott, bist du verrückt? Weißt du eigentlich, wie spät es ist?"
"Natürlich, drei Minuten nach Mitternacht? Ich wollte die Erste sein, die dir gratuliert! Was ist, hab ich‘s geschafft?"
"Ja, allerdings."
"Was? Ich hab dich doch nicht etwa geweckt, oder?"
"Honey, wer ist das?" Téa war nun doch aufgewacht und blickte David fragend an.
"Mein verrückter Bruder. Wer, denkst du, könnte sonst um diese Zeit hier anrufen?" Mit diesen Worten stand David auf und maschierte aus dem Schlafzimmer. Téa grunzte etwas unverständliches und schloss wieder die Augen. Diese Duchovnys waren wirklich alle verrückt!
"Gill, bist du noch da?"
"Natürlich lieber Bruder..."
David lächelte. Erst jetzt wurde ihm bewußt, das er ganz schön unfreundlich geklungen haben musste.
"Sorry Prinzessin, aber ich konnte Téa wohl schlecht sagen das du das bist. Tut mir übrigens leid, dass ich dich vorhin so angefahren habe. Gill?"
"Ja?"
"Ich freu mich wirklich verdammt über deinen Anruf. Das war total süß von dir."
"Weißt du, ich wollt dir einfach eine Freude machen. Du hast noch den ganzen Tag Zeit um zu feiern, aber ich wollte eben die Erste sein, die dir gratuliert."
"Wo bist du eigentlich Gill?"
"Ich liege zu Hause im Bett, warum?"
"Nein, lass mich die Frage anders formulieren: warum schläfst du um diese Zeit noch nicht? Solange wir noch gedreht haben war es ja klar, dass du um diese Uhrzeit noch munter bist, aber jetzt hast du doch frei?"
"Ich hab ja auch schon geschlafen aber ich hab mir meinen Wecker auf Mitternacht gestellt um dich anrufen zu können."
"Gott Gill, das ist verdammt süß von dir."
"Ich weiß...."
"Prinzessin?"
"Ja?"
"Was wirst du an deinem Geburtstag eigentlich machen? Hast du schon Pläne?"
"Ja, natürlich. Piper hat gesagt, sie würde mir zu Mittag etwas selbstgekochtes servieren. Ich hab zwar keine Ahnung, ob ich das überleben werden aber wenn ja, dann treff ich mich am Abend mit einigen Freunden im "Waterloo."
"Dann hast du ja mehr geplant als ich. Ich hab eigentlich gar nichts vor."
Gillian zog erstaunt die rechte Augenbraue in die Höhe. Sie wußte zwar, das David und Téa Probleme hatten, aber sie hatte sich gedacht,dass sie zumindest an seinem Geburtstag irgendetwas tolles machen würden.
"Das tut mir jetzt aber leid für dich Dave. Hätte ich das vorher gewußt, dann hätte ich für heute keine Pläne gemacht. Jetzt kann ich diese aber leider nicht mehr ändern, tut mir leid!"
David lächelte. Wie gut es doch tat, Gillian zur Freundin zu haben.
"Macht nichts, Kleines. Es reicht schon, dass du so lieb an mich gedacht hast. Das bedeutet mir unheimlich viel!"
"Ich weiß, Dave. Hör mal, lass uns jetzt Schluß machen. Ich melde mich in den nächsten Tagen mal bei dir, in Ordnung?"
"Okay, Gill und nochmals danke. Schlaf schön."
9. August; 0:03 Uhr; Gillians Haus:
RING RING RING.
Gillian schreckte auf und sah auf die Uhr. Noch während sie die Treppen hinunter stolperte und versuchte, ihren Bademantel anzuziehen, wußte sie, das konnte jetzt nur David sein, der da an der Haustüre klingelte.
"Dave was..." war alles was sie rausbrachte, nachdem sie die Türe geöffnet hatte.
David hatte sie sofort in seine Arme gezogen und sie auf den Mund geküsst. Ganz automatisch öffnete Gillian ihre Lippen und ließ Davids Zunge herein. Sie erwiderte seinen Kuss.
Erst nach fünf Minuten trennten sich die beiden voneinander.
"Gill, bevor du jetzt wie eine Verrückte zu wüten anfängst - happy birthday! Alles, alles Liebe, Prinzessin. Ach ja, und dieser Kuss eben - das war nur ein Geburtstagskuss, alles klar. Also: bin ich der Erste?"
"Der Erste, der mich küsst. Das ist jetzt nicht dein Ernst oder?"
"Nein Dummchen, der Erste, der dir gratuliert."
Gillian löste sich aus Davids Umarmung, griff nach seiner Hand und zog ihn zu sich ins Haus rein.
"Du BIST der Erste ja. Komm, lass uns anstoßen."
Gillian ging in die Küche während David im Wohnzimmer auf sie wartete. Kurz darauf kam Gillian mit einer Flasche Champagner und zwei Gläsern zurück.
"Champagner? Bist du dir da sicher?"
"Bin ich, ja. Wenigstens zu meinem Geburtstag sollte ich doch einen kleinen Schluck vertragen. Hier, mach du die Flasche auf. Ich bin aus der Übung."
Nachdem David die Flasche geöffnet und eingeschenkt hatte, hielt er sein Glas in Richtung Gillian.
"Auf dich, Prinzessin. Darauf, dass wir noch sehr viele Geburtstage miteinander feiern werden. Prost!"
"Prost."
Nachdem David einen Schluck getrunken hatte, stellte er sein Glas ab und sah Gillian an.
"Ich hab übrigens noch was für dich. Hier." Damit zog er ein kleines Päckchen aus seiner Tasche und überreichte es Gillian.
"Was ist das?"
"Machs auf, dann weißt du‘s!"
Mit einem Glitzern in den Augen öffnete sie das Päckchen.
"Oh Gott, David, du bist verrückt!"
"Dreh es um, da steht noch eine Gravur auf der Rückseite."
Mit Tränen in den Augen wendete Gillian ihr Geschenk. David hatte ihr ein goldenes Herz geschenkt, an einer wunderschönen Kette. Nun las sie die Gravur: Maybe there is hope. David
Sie blickte zu David auf. Es war nicht notwendig ihn zu fragen, was diese Worte zu bedeuten hatten. Doch David dachte anscheinend, ihr trotzdem etwas erklären zu müssen.
"Gill, dieses Herz soll dich an die vergangenen Jahre erinnern, an unsere gemeinsame Arbeit, an Mulder und Scully. Und an mich. Ich hoffe, diese Worte treffen auch auf uns Beide zu."
"Scht..." Gillian verschloss Davids Lippen mit einem Kuss. Nach einigen Sekunden löste sie sich wieder von ihm.
"Danke."
"Okay Gill. Ich werde jetzt gehen." Damit stand David auf.
"Warum? Du bist doch gerade erst gekommen?" Fragend blickte Gillian ihn an.
"Ich muss gehen, denn wenn nicht, dann werde ich mich bald nicht mehr beherrschen können, Gill. Ich hab dir versprochen, NUR dein Freund zu sein. Freunde küssen sich aber nicht so, wie wir das gerade gemacht haben. Ich würde in spätestens fünf Minuten über dich herfallen, und das wollen wir doch nicht, oder?"
Darauf wusste Gillian keine Antwort, also begleitete sie ihn zur Tür. David umarmte sie noch einmal kurz, dann drehte er sich um und ging. Gillian zögerte nur fünf Sekunden, dann öffnete sie die Tür und rief David nach:
"Dave, ich denke JA! Es gibt Hoffnung."
17. August
Es war Drehpause, David hatte nichts zu tun und war mal wieder allein in dem großen Haus. Tèa war mit den Kindern weggefahren. Wohin, das wusste David nicht. Als er sie danach fragte, hatte sie nur gesagt irgendwohin. Das war das Letzte was sie zu ihm gesagt hatte, bevor sie davongefahren war.
Und Gillian? Gillian war für ein paar Tage nach London geflogen, um dort ein paar Dinge zu klären. Sie würde zwar heute schon zurückkommen, aber bis dahin würden noch einige Stunden vergehen. Da David in dem leeren Haus langsam die Decke auf den Kopf fiel, beschloss er, etwas zu unternehmen.
Er setzte sich in sein Auto und fuhr los. Allerdings hatte er keine Ahnung wo er hinwollte. Er fuhr einfach drauf los und ließ sich mit dem Strom der anderen Verkehrsteilnehmer treiben. Irgendwann bemerkte er, dass er sich in der Nähe des Strandes befand. Kurz entschlossen parkte er den Wagen und ging zu Fuß weiter. Eine Weile spazierte er am Strand entlang. Das Rauschen der Wellen, die sich am Ufer brachen, war unglaublich beruhigend.
Irgendwann verspürte er Durst und hielt Ausschau nach der nächsten Gelegenheit, etwas zu trinken zu bekommen. Er fand eine kleine Bar und trat ein. Es war nicht viel los. Die Gäste, die an den kleinen Tischen oder an der Bar saßen waren mit einem Blick überschaubar.
Plötzlich stutzte David. War das da hinten in der Ecke nicht Téa? Er wollte schon auf sie zugehen um sich zu vergewissern, als er feststellte, dass sie nicht allein war. Ein Mann, der David völlig unbekannt war, saß neben ihr am Tisch. Jetzt drehte sie ihm ihr Gesicht zu und David konnte nun klar erkennen, dass es sich hier tatsächlich um Téa handelte. Was tat sie hier? Noch dazu mit einem wildfremden Mann? David ging etwas in Deckung, damit er nicht gesehen werden konnte. Die Szene, die sich nun vor Davids Augen abspielte, erlebte er wie in Zeitlupe. Dieser Mann nahm Téas Hand in die seine, führte sie an seinen Mund und drückte vorsichtig einen Kuss darauf. Währenddessen sah Téa ihn mit einem Blick an, der auf David wie ein Schlag in die Magengrube wirkte. Er kannte diesen Blick. Ein Blick aus dem Verliebtheit sprach. Es war schon sehr lange her seit sie ihn das letzte Mal so angesehen hatte. Mit einem Mal hatte David das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. Er machte auf dem Absatz kehrt und lief zurück nach draußen. Erst als er wieder am Wasser war blieb er stehen. Er hatte es doch gewusst, hatte es geahnt, aber es nun mit eigenen Augen zu sehen traf ihn schlimmer, als er es für möglich gehalten hätte. Die Liebe zwischen ihnen war zwar schon lange abgekühlt, aber sie war immer noch seine Frau.
David war zurück zum Auto gegangen und fuhr jetzt Richtung Innenstadt. Er hatte schon wieder keine Ahnung, wo er eigentlich hin wollte. Er wusste nur definitiv, dass er nicht nach Hause wollte. Téa eben mit diesem Typen zu sehen, hatte ihm doch mehr zugesetzt als er gedacht hatte.
Sein Handy klingelte und er konnte nur hoffen, dass das jetzt nicht Téa war, die ihm beim Verlassen der Bar vielleicht doch noch gesehen hatte. Ein Blick auf sein Display sagte ihm aber, dass es Gill war.
"Ja."
"Dave, ich bin‘s, alles in Ordnung mit dir?"
"Klar, warum nicht. Wieso fragst du?" David war nicht sehr freundlich.
"Keine Ahnung. Ich saß gerade hier und trank Kaffee, als ich plötzlich so ein Gefühl hatte, dass irgendwas mit dir nicht stimmt. Ist wirklich alles in Ordnung?"
Gillian klang wirklich besorgt.
"Klar doch, wenn man davon absieht, dass ich dieses Miststück gerade dabei erwischt habe, wie sie mich betrügt!" David schnaubte verächtlich.
"Was? Redest du von Téa?"
"Von wem wohl sonst."
"Was ist passiert Dave?"
"Vergiß es, ja?!" Wütend knallte David sein Handy auf den Beifahrersitz. Er hatte jetzt nicht die geringste Lust zu reden, nichteinmal mit Gillian.
Zirka eine halbe Stunde später war seine Wut verflogen. Er hatte seinen Wagen auf der Straße zu seinem Haus einfach auf einem Parkplatz abgestellt, saß hinter dem Lenkrad und dachte nach. Jetzt musste er fast lächeln. Warum ging ihm das eigentlich so nahe. Eigentlich sollte er doch froh sein, dass Téa einen Anderen hatte!
Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass er Gillian eben einfach aus der Leitung geschmissen hatte. Das war nicht fair gewesen. Sie konnte schließlich nichts dafür. Er musste sich entschuldigen und jetzt, da er sich beruhigt hatte, würde es gut sein, wenn er mit jemanden reden konnte. Er startete sein Auto, wendete und fuhr zu Gillian.
Gillian machte sich Sorgen um David. Sie lief nun schon seit über einen halben Stunde in ihrem Wohnzimmer auf und ab. David hatte nicht nur wütend, sondern auch sehr verletzt geklungen. Sie war wirklich besorgt.
Es klingelte.
Gillian eilte zur Tür und riss sie auf. Als sie David da so stehen sah, sagte ihr ein Blick in seine Augen, dass er sich zwar beruhigt hatte, aber immer noch verletzt war.
Sie zog ihn mit sich nach drinnen und umarmte ihn.
Lange standen sie einfach nur so da, die Arme um den anderen geschlungen. Nach einer kleinen Ewigkeit gab David sie frei und ging Richtung Couch.
Gillian verschwand kurz in der Küche und kam einige Sekunden später mit einer Whiskeyflasche und einem Glas für David zurück.
Nachdem David einen kräftigen Schluck genommen hatte, lächelte er sie an.
"Danke, das hab ich jetzt gebraucht."
"Willst du mir denn nicht sagen, was eigentlich passiert ist?"
Als David mit seinem Bericht fertig war fuhr er sich mit den Händen durch die Haare und lachte.
"Ich bin wirklich ganz schön verrückt, was? Statt mich zu freuen, werde ich wütend und flippe fast aus."
"Was genau hat dich eigentlich so wütend gemacht Dave?"
"Wie... was? Sag, hast du mir überhaupt zugehört?"
Gillian lächelte. "Klar hab ich das. Genau darum meine Frage. Bist du wütend, weil du denkst Téa würde dich betrügen oder bist du wütend, weil dein Ego verletzt ist?"
"Gill ich..."
Gillian unterbrach ihn.
"Nein Dave, verdammt noch mal, lass mich ausreden. Ich verstehe einfach nicht, was das ganze eigentlich soll. Seit Monaten sagst du, Téa und du, ihr hättet Probleme. Du hast gesagt, es wäre dir egal, wenn da ein anderer wäre, du würdest es nur gerne wissen um einen klaren Schlußstrich ziehen zu können. Doch was WEISST du nun eigentlich. Gar nichts! Du hast deine Frau beobachtet, wie sie mit einem anderen in einer Bar gewesen ist. Na und? Jetzt denk doch einmal nach Dave! Wie oft in den letzten Monaten waren wir beide zusammen unterwegs und haben gemeinsam irgendwo gesessen. Wenn Téa da jedesmal so ein Drama daraus gemacht hätte, wenn sie uns gesehen hätte oder davon erfahren hätte... ich meine, es war doch bei uns überhaupt nichts dabei, wieso sollte es bei ihr anders sein. Du sagtest immer, sie engt dich ein, aber jetzt bist du derjenige, der sich wie ein Irrer anhört. Dave, du hast sie ja nicht mit einem Anderen im Bett erwischt, sie war doch lediglich etwas trinken, ich bitte dich! Du hörst dich an, als wärst du paranoid!"
Nach einer kurzen Pause fuhr Gillian fort:
"Wenn du meine Meinung hören willst, dann ist ganz einfach dein Stolz verletzt. Dein Ego! Du, der einmalige und wunderbare David Duchovny, DER Star, stellt plötzlich fest, dass seine Frau auch mit anderen Männern etwas trinken geht."
David war sprachlos. Mit allem hätte er gerechnet, aber diese Reaktion hatte er nicht erwartet. Vielleicht hatte Gillian recht. Vielleicht steigerte er sich wirklich nur in die ganze Situation hinein. Sie waren NUR etwas trinken gewesen.
Aber vielleicht war es gerade das. Wenn er sie mit diesem Typen im Bett erwischt hätte, hätte er Klarheit gehabt, aber so...
"Gill? Ich werde jetzt gehen, es gibt da einiges über das ich nachdenken muss."
21. August, 16:23 Uhr
Innenstadt von L.A.
Clyde hatte Piper vor einer Stunde abgeholt, um sie für eine Woche mit zu ihrer Großmutter zu nehmen. Gillian war sofort danach losgefahren, da sie vorhatte, einige Besorgungen zu machen.
Das meiste war schnell erledigt gewesen, jetzt wollte Gillian nur mehr zu Victoria’s Secret, um sich neue Unterwäsche zu kaufen.
Doch schon kurz nach dem Betreten des Geschäftes stoppte sie. Das konnte doch nicht wahr sein!
Vor ihr, an einem der Kleiderständer, stand Téa, zusammen mit einem Mann und dieser Mann war ganz eindeutig NICHT David! Sollte Dave doch recht gehabt haben?
Noch während Gillian darüber nachdachte, was sie jetzt tun sollte, sah sie, dass Téa sie entdeckt hatte. Flucht war jetzt also nicht mehr möglich.
Gillian sah, wie Téa ihrem Begleiter etwas zuflüsterte und sich danach beide in ihre Richtung bewegten.
"Hi Gillian" Téa lächelte.
"Auch hi." Gillian fühlte sich nicht sehr wohl.
"Darf ich dir Harry vorstellen. Harry Flink, Gillian Anderson."
Nach der Begrüßung meinte Gillian: "Ich will euch wirklich nicht länger aufhalten... ähm, stören. Ich..."
"Du störst gar nicht Gillian, wirklich. Harry und ich haben uns nur zufällig getroffen. Er ist ein alter Schulkollege von mir und ich war so nett, ihm bei der Suche nach einem Geschenk zu helfen. Wir haben gefunden was wir gesucht haben und Harry muss jetzt auch wirklich weiter. Aber was ist mit dir? Hast du Zeit, um mit mir noch einen Kaffee zu trinken?"
In diesem Augenblick fragte sich Gillian, ob Téa einen Sonnenstich hatte oder ob Klone vielleicht doch existierten. Seit ihrem ersten Treffen mit Téa war diese noch niemals so freundlich zu ihr gewesen, geschweige denn, dass sie mit ihr etwas trinken wollte.
Doch Gillian musste sich eingestehen, sie war neugierig geworden.
"Ich habe Zeit, ja."
"Na dann los..."
Zehn Minuten später saßen sich Téa und Gillian in Dunkans Bar gegenüber, jede eine Jumbo Tasse Kaffe vor sich. Téa redete, unaufhörlich lächelnd. Sie schien glänzende Laune zu haben. Nicht die kleinste Anfeindung gegenüber Gillian war bisher über ihre Lippen gekommen. Sie redete und redete wie ein Wasserfall über belanglose Dinge, wie den gerade hinter ihr liegenden Einkaufsbummel. Über die vielen Touristen, die L.A. zu dieser Jahreszeit heimsuchten. Über den ihrer Meinung nach viel zu heißen Sommer. Und über Miller. In den höchsten Tönen schwärmte sie von ihrem Sohn. Er sei das liebste und süßeste Kind überhaupt. Gillian fragte sich warum Téa ihr all das erzählte. Diese Freundlichkeit passte irgendwie nicht. Gillian selbst sagte nicht viel, da es gar nicht so einfach war, Téas Redefluß zu unterbrechen. Sie erwiderte hier und da etwas oder gab Antwort wenn Téa ihr eine direkte Frage gestellt hatte. Doch sie hörte sehr genau zu. Mit der Wachsamkeit einer Katze die auf der Lauer liegt, wartete sie darauf, dass doch noch mögliche Hintergedanken bei Téa zum Ausdruck kamen. Irgendwann war Téa beim Thema Männer angekommen. Männer im ganz allgemeinen und im besonderen Sinn.
"Bist du eigentlich immer noch solo?" fragte Téa unvermittelt. Doch bevor Gillian antworten konnte fuhr Téa fort:
"War da nicht mal was mit diesem Journalisten? Letztes Jahr? Ist da noch was oder war das nur eine Erfindung der Presse?"
"Solo." antwortete Gillian knapp, ohne näher auf die anderen Fragen einzugehen.
"Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es ist allein zu sein."
"Ich hab Piper."
"Ja sicher. Aber sehnst du dich nicht manchmal nach der Liebe eines Mannes?"
"Klar, aber es ist doch auch ganz schön, frei und ungebunden zu sein."
"Schätzchen, diese Ausreden kenne ich. Eigentlich heißt das einsam und allein."
Gillian hasste es, wenn jemand wie Tèa sie "Schätzchen" nannte. Aber sie wollte die gelöste Stimmung in der Téa sich offenbar gerade befand nicht zerstören, außerdem, das musste sich Gillian eingestehen, hatte sie recht.
"Männer gibt es nun mal nicht gerade im Supermarkt zu kaufen."
"Nein, das nicht. Aber für jemanden wie dich sollte es doch nicht so schwer sein einen Mann zu finden."
"Einen Mann nicht. Aber einen geeigneten Mann." Das erste Mal seit sie hier saßen grinste Gillian.
"Nun..." Tèa sah sich um und deutete auf einen Mann der allein an einem der Tische saß. "Wie gefällt dir der?"
Gillian folgte Téas deuten und schüttelte kichernd den Kopf.
"Nicht mein Typ."
"Was ist mit dem?" Tèa hatte einen weiteren Mann ausgespäht.
"Das ist nicht dein Ernst!" Gillian hätte beinah laut losgelacht bei der Wahl, die Téa getroffen hatte. Doch sie schaffte es, das in ein leises Glucksen umzuwandeln.
"Nein." Tèa stimmte in Gillians Kichern mit ein.
"Wer ist dann dein Typ?" Téa ließ nicht locker.
"Schwer zu sagen. Er sollte sein wie... hmm...?
"Was ist mit David?"
"Dave?" Irgendwie hatte Gillian das Gefühl das sie jetzt vorsichtig sein musste.
"Ja. Mein Mann. Ist er dein Typ?"
"Téa was soll die Frage?" In Gillian wurde die Katze wieder wachsam.
"Ich will nur wissen wie du David findest."
"Einfach so?"
"Würdest du nicht wissen wollen wie dein Mann bei anderen Frauen ankommt?"
"Wenn du das so siehst..."
"Ja, so sehe ich das. Also los."
"Nun, er ist dein Mann."
"Lassen wir das jetzt mal außen vor. Was wäre wenn er zu haben wäre?"
"Wenn er frei wäre? Hmm... na ja, er... er sieht gut aus, er ist witzig, wir kennen uns sehr gut und er... er ist mein bester Freund."
"Würdest du ihn nehmen wenn er frei wäre? Wenn er dich auch wollen würde, meine ich."
"Er ist aber nicht frei." Gillian hatte absolut gar keine Lust auf diese Frage zu antworten. "Und außerdem muss ich jetzt gehen. Ich hab noch einen Termin." Gillian sah auf die Uhr. Sie hatte eigentlich gar keinen Termin, aber sie wollte sich nicht länger ausfragen lassen, schon gar nicht von Tèa und dann auch noch über David.
"Na schön, dann will ich dich nicht länger aufhalten."
Gillian verabschiedete sich von Téa, stand auf, zahlte ihren Kaffee und verließ dann die Bar. Téa blickte ihr mit einem verschlagen Lächeln hinterher. Sie hatte genug gehört, und diese Flucht sagte ihr übriges.
Vor der Bar atmete Gillian tief durch. Sie hätte sich denken sollen, worauf Téa hinaus wollte. Hatte sie sich jetzt verraten? Téa würde diese Geschichte sicher nicht dabei belassen, irgendetwas hatte sie bestimmt vor...
Hör‘ auf dir Gedanken zu machen, sagte sie sich selbst und machte sich auf den Weg nach Hause. Aber wie sollte es weiter gehen? Der Dreh war zu Ende und bald würde sie in London sein, weit weg von David. Er würde sein Leben mit Téa weiter leben und sie musste ihn endlich vergessen. Wenn das nicht so verdammt schwer wäre... nach dem Ende der X-Files hatte sie sich schon einmal darauf vorbereitet David nicht mehr jeden Tag zu sehen... aber diesmal wirkt es so endgültig.
London war nun mal weit weg...
Es war Zeit das alles hinter sich zulassen. Sie würde in London noch einmal neu anfangen... weit weg von David.
27. August; 3:32 Uhr; Gillians Schlafzimmer:
Gillian wälzte sich unruhig im Bett hin und her. Sie hatte David jetzt schon seit einer Woche nicht mehr gesehen. Jede Nacht sah sie ihn im Traum wieder vor sich. So auch heute Nacht. In ihrem Traum hatte sie ihn zum Essen eingeladen, um ihn etwas von seinen trüben Gedanken abzulenken. Jetzt, nach dem Essen saßen sie gemütlich bei einem Glas Mineralwasser in ihrem Wohnzimmer. Gillian hatte ihren Kopf gemütlich auf Davids Schulter plaziert. Für einige Minuten sagte keiner ein Wort. Dann fing David langsam an mit seinen Fingern über Gillians Arm zu streichen. Nach einer Weile fragte Gillian David:
"Dave, wenn du keine Lust mehr hast heute Abend nach Hause zu fahren, dann bleib doch einfach hier."
"Denkst du denn, das wäre eine gute Idee?" fragte David leise.
"Nun", antwortete Gillian mit einem verschmitzten Grinsen. "Es wäre ja nicht das erste Mal, dass du meine Couch in Anspruch nimmst, oder?"
David ging darauf ein.
"Ach, du hast gemeint, ich soll auf der Couch schlafen. So wie Mulder?"
"Ja, genauso wie Mulder."
"Also ich hab da eindeutig eine bessere Idee." David nahm die verdutzte Gillian auf den Arm und trug sie ins Schlafzimmer.
"Dave, lass mich runter, lass mich sofort runter... DAVID!!!!"
Sanft legte er Gillian aufs Bett. Mit einem Ausdruck in den Augen den Gillian nicht so recht deuten konnte, beugte er sich zu ihr runter. Er strich ihr mir der Hand über die Stirn und sah ihr tief in die Augen.
"Gill ich würde wirklich gerne die Nacht über hier bleiben. Aber mit Sicherheit nicht auf deiner Couch, das weißt du genau! Und du weißt auch, ich würde nichts machen, was du nicht auch möchtest. Dazu respektiere ich dich viel zu sehr! Also sag mir ganz einfach WAS du möchtest."
Gillian schaute ganz tief in Davids Augen, denn in seinen Augen hatte sie schon immer so viele unausgesprochenen Dinge sehen können. Das, was sie da sah ließ sie für einen Moment die Augen schließen. Dann sagte sie mit zittriger Stimme: "Küss mich einfach Dave!"
Unendlich langsam beugte David sich zu ihr runter. Ganz zärtlich berührte er Gillians Lippen mit seinen - einige Sekunden nur. Dann sah er ihr wieder tief in die Augen.
"Hast du das so gemeint?"
Und wieder beugte er sich herab und seine Lippen fanden die ihren. Diesmal war der Kuss viel intensiver, leidenschaftlicher. Als ihre Zungen sich berührten durchströmte Gillian ein wohliges Kribbeln am ganzen Körper. Langsam begann David mit seiner linken Hand über ihren Arm zu streicheln, dann über ihren Bauch, ihre Hüften, ihre Oberschenkel. Gillian seufzte.
"Oh Gott, David."
Gillian zerrte an seinem T-Shirt und wanderte schließlich mit ihrer Hand unter dieses. Mit ihren Händen strich sie über seinen Bauch bis zu seiner Brust. Dann wanderte ihre Hand wieder abwärts bis zu seiner Hose.
"Jesus, Gill, wenn du jetzt nicht aufhörst, dann garantiere ich für nichts..."
RING, RING, RING.
Gillian schreckte aus ihrem Traum hoch.
"Was zum Teufel...?"
Das Telefon neben ihrem Bett läutete unerbittlich weiter.
RING, RING.
"Ja?"
"Gill, hey ich bin's David. Ich weiß es ist spät, sorry, aber ich kann irgendwie nicht einschlafen. Du hast dich solange nicht mehr gemeldet und ich hatte solche Sehnsucht danach, deine Stimme zu hören. Hab ich dich geweckt?"
"David, verdammt ja, hast du. Macht nichts, ehrlich. Ich hatte nur gerade einen wahnsinnig schönen Traum."
"Wovon hast du geträumt Gill?"
Gillian lehnte sich wieder zurück ins Bett.
"Von dir und mir, David."
Auch David machte es sich nun in seinem Bett gemütlich. Er liebte ihre Stimme, wenn sie so verschlafen und rauchig klang.
"Und was genau hast du da geträumt? War's ein unanständiger Traum?"
"Kommt darauf an was du unter unanständig verstehst. Definiere mir das doch mal, Dave!"
David überlegte kurz und sagte dann mit einem Grinsen:
"Definition unanständig, hm... sagen wir mal so: unanständig ist das, was Mulder von Scully träumen würde, wenn er sich vorher eines seiner Videos angeschaut hätte, du weißt schon, die, die ihm ja gar nicht gehören."
Gillian schloss die Augen.
"Und warum denkst du, ich sollte solche Träume von dir haben?"
"Nicht von mir Gill, von uns! Also, war es so ein unanständiger Traum?"
Gillian hörte an seiner Stimme, dass David das jetzt sehr gut gefallen würde. Sie lächelte und dann kam ihr ein verrückter Gedanke.
"Nein Dave, tut mir leid dich enttäuschen zu müssen, der Traum war nicht unanständig. Nicht so wie du denkst. Er war - hmmm - komisch."
"Komisch?"
Stille.
"Gill?"
"Hm, ja ich bin noch da. Ich hab geträumt, wir sind auf einer Party und du hattest zu viel von der Torte gegessen. Du weißt schon, das war eine dieser Torten mit dem rosa Marzipan drauf, eine wie du sie so gerne ißt. Ich hatte mich über dich geärgert und da hab ich dich geschubst und du bist in die Torte gefallen. Dein ganzes Gesicht war voll rosa Marzipan und weißer Creme. Ich hab gelacht, denn du sahst einfach zu komisch aus. Und dann hast du einfach ein Stück der Torte genommen und mir ins Gesicht geworfen. Das war einfach - hm... komisch und dann..."
"Gillian Leigh Anderson" unterbrach David sie, "lüg mich nicht an! Ich weiß, DAS hast du ganz sicher nicht geträumt. Du würdest es niemals komisch finden, wenn ich dir eine Torte ins Gesicht werfen würde. Und du hättest dich auch niemals so enttäuscht angehört als du abgehoben hast. Du wärst mir dankbar gewesen, wenn ich dich aus so einem Traum gerissen hätte. Ja genau, dankbar!"
"Du bist dir da aber sehr sicher, Dave. Aber gut, dann sag du mir doch was ich deiner Meinung nach geträumt habe."
David machte es sich noch bequemer.
"Also gut. Ich glaube dein Traum sah so aus: Du hattest mich zum Essen eingeladen und danach saßen wir gemütlich bei dir auf der Couch. Dein Kopf war natürlich auf meiner Schulter plaziert, oder?"
Verdammt, warum kennt David mich eigentlich so gut!
"Natürlich." hauchte Gillian ins Telefon. "Und weiter?"
David überlegte kurz. Dann sagte er:
"Ich hab angefangen, mit meinen Fingern über deinen Arm zu streicheln. Das gefiel dir und du fragtest, ob ich nicht bleiben möchte. Natürlich wollte ich bleiben, also hob ich dich einfach hoch und trug dich ins Schlafzimmer. Stimmt's bis hierher Gill, soll ich weitermachen?"
Gillian hatte die Augen noch immer geschlossen. Übers Telefon hört sie eine Tür zuschlagen. Oder hatte sie sich das nur eingebildet?
"Dave, was machst du gerade?"
"Na ich telefoniere mit dir, oder? Ich liege auf meinem Bett, alleine, und versuche deinen Traum nachzuvollziehen. Soll ich weitermachen?"
Wieder hatte Gillian das Gefühl eine Tür gehört zu haben. Egal, dachte sie sich, David soll jetzt nur nicht aufhören!
"Ja, mach weiter."
"Okay: ich hab dich also ins Schlafzimmer getragen. Du hast natürlich protestiert. Würdest du doch machen, oder? Na jedenfalls, ich legte dich ganz vorsichtig aufs Bett und beugte mich zu dir runter. Ich berührte dein Gesicht und schaute dir in die Augen. Ich sagte dir, ich würde wirklich gerne die Nacht über hier bleiben. Das weißt du doch genau, oder? Und du weißt auch, ich würde nichts machen, was du nicht auch möchtest, oder? Dazu respektiere ich dich viel zu sehr! Also sag mir ganz einfach WAS du möchtest. Du schautest mir ganz tief in die Augen, denn da hast du schon immer so viele unausgesprochenen Dinge sehen können. Das was du da sahst ließ dich für einen Moment die Augen schließen. Dann sagtest du mit zittriger Stimme:
"Küss mich einfach Dave! - Gill?"
"Mach weiter David, bitte!"
"Gut. Unendlich langsam beugte ich mich zu dir runter. Ganz zärtlich berührte ich deine Lippen - einige Sekunden nur. Du weißt ich liebe deine Lippen! Dann sah ich dir wieder tief in die Augen. Ich wollte wissen, ob du das so gemeint hast. Meine Lippen berührten wieder die deinen. Diesmal war der Kuss viel intensiver, leidenschaftlicher. Unsere Zungen berührten sich - wie schon so oft! Ein Kribbeln ging durch meinen Körper. Langsam begann ich mit meiner rechten Hand..."
"Mit deiner linken Hand Dave."
"Gut, mit meiner linken Hand über deinen Arm zu streicheln, dann über deinen Bauch, deine Hüften, deine Oberschenkel... Du zerrtest an meinem T-Shirt und wandertest schließlich mit deiner Hand darunter. Du strichst mir über den Bauch bis zu meiner Brust. Ich liebe das Gill! Dann wanderte deine Hand wieder abwärts bis zu meiner Hose. Ich stoppte dich für einen Moment und sagte dir, dass wenn du jetzt nicht aufhörst, ich für nichts garantieren kann..."
RING, RING, RING.
Gillian schreckte hoch. Was zum Teufel war das jetzt wieder?
"Warte mal einen Moment Dave. Nicht auflegen, ja?"
RING, RING.
Gillian stolperte die Treppe hinunter zur Haustüre. Wer zum Henker konnte denn das um diese Nachtzeit sein. Sie öffnete die Türe. Vor ihr stand David.
"Aber", stotterte sie, "du warst doch gerade noch daheim im Bett und... Dummkopf, natürlich, die Tür."
"Nun ja, das war gelogen Gill. Ich hab mich einfach ins Auto gesetzt und bin hierher gefahren. Also die Frage ist jetzt nur, lässt du mich rein, damit wir dieses Telefongespräch beenden können oder wäre es dir lieber, wenn ich wieder fahre?"
Gillian überlegte nicht mal zwei Sekunden.
"Komm rein Dave."
Kaum hatte David die Tür hinter sich geschlossen, zog Gillian ihn auch schon zu sich runter. Zuerst küsste sie seine Stirn, dann seine Nase und schließlich seinen Mund. Fordernd stieß sie mit ihrer Zunge gegen seine Lippen. David öffnete diese und liebkoste ihre Zunge. Gillians Hände wanderten von seinen Schultern hinab zu seinem Po und presste sich noch fester gegen ihn. Sofort spürte sie seine Härte, die gegen sie drückte. Ihre Hände wanderten nach vorne zu seinem Hemd. Als sie versuchte es aufzuknöpfen, hielt David inne. Er löste seine Lippen von ihren und sah ihr in die Augen. Dann hob er sie hoch und trug sie nach oben ins Schlafzimmer. Oben angekommen, legte er Gillian aufs Bett und entledigte sich selbst seines Hemdes. Ohne den Blick von ihr abzuwenden kroch er neben sie. Er zog sie an sich und begann wieder sie zu küssen. Erst nach einer halben Ewigkeit hielt er inne.
Bis jetzt hatte er vermieden, seine Hände mit ins Spiel zu bringen. Auch Gillian hatte sich darauf beschränkt, ihm zärtlich über die Haare und sein Gesicht zu streicheln. Doch nun wanderten ihre Hände tiefer.
"Gill halt, warte einen Moment. Bevor wir wieder einen Fehler machen sag mir: willst du das wirklich?"
"Nicht reden David, bitte..."
"Doch, wir müssen reden! Du hast mir gesagt wir sollten NUR Freunde sein. Ich hab dir versprochen, das zu akzeptieren. Nicht weil ICH das so wollte, sondern weil DU mich darum gebeten hast. Jetzt liegst du hier und sagst mir, ich soll weitermachen. Das genau ist es, was ich auch möchte. Aber ich will nicht, dass du morgen früh einfach wieder verschwindest und mir noch einmal sagst, dass du mich nie wieder sehen willst."
Gillian lächelte.
"Dave, ich werde morgen früh nicht verschwinden. Es ist mein Haus hier, mein Schlafzimmer, schon vergessen?"
"Du weißt genau was ich meine!" David gab Gillian einen leichten Kuss auf die Wange.
"Ja das weiß ich, und natürlich erinnere ich mich, was ich gesagt habe. Verdammt Dave, die Grenze zwischen einer Beziehung und unserer Freundschaft ist verdammt dünn. Im Grunde besteht diese Grenze doch nur aus Sex. Sex ist es, was unsere Freundschaft von einer Beziehung trennt!" Gillian machte eine kurze Pause.
"Ich heiße es zwar noch immer nicht richtig, Dave, aber ich will dich. Ich will dich so sehr. Ich kann nicht schlafen, ohne an dich zu denken, ich kann nicht arbeiten, ohne an dich zu denken und ich kann noch nicht einmal eine verdammte Stunde überstehen, ohne an dich zu denken! Bitte Dave, schlaf mit mir..."
David hatte genug gehört. Er küsste Gillian mit einer Intensität, die ihn beinahe selbst erschreckte. Er liebt diese Frau so sehr, Gott, warum konnte er ihr das nicht einfach sagen. Seine Lippen wanderten an ihren Hals. Seine Hände umfassten ihre Brüste. Sogar durch den seidenen Pyjama konnte er spüren, wie ihre Brustwarzen sich verhärteten. Sanft strich er darüber und hörte Gillian leise aufstöhnen. Seine Hände ließen von ihren Brüsten ab, jedoch nur, um ihr die Sachen auszuziehen. Sobald das geschehen war, wanderten seine Hände sofort wieder an diesen Platz. Er drehte ihre Nippel zwischen seinem Daumen und dem Zeigefinger. Dann brachte er auch seinen Mund mit ins Spiel. Er saugte an den steifen Nippeln was Gillian wieder einen zufriedenen Seufzer kostete. Nach einer Weile zog es David noch weiter an ihr hinunter. Er strich mit seinen Fingern über ihr Höschen, steckte ganz sanft seinen Zeigefinger an der linken Seite darunter. Er spürte ihr Schamhaar und die Wärme, die davon ausging. Unendlich langsam streifte er ihr den Slip ab, wobei er bewundernd auf das schaute, was darunter zum Vorschein kam. Dann wanderten seine Lippen zu ihrem Bauchnabel, weiter über ihre Hüften. Er küsste sich den Weg hinunter bis zur Innenseite ihrer Schenkel. Gillian bog sich ihm entgegen. David machte das verdammt gut!
"Dave, bitte... ich... ah."
Nun war Davids Zunge an ihrer intimsten Stelle angekommen. Gillian streckte sich ihm völlig entgegen, hoffend, er würde noch weiter gehen. Ihr anfängliches leises Stöhnen wurde lauter. Davids Zunge leckte über ihre Scheide, sein Finger berührte ihre Klitoris. Er stieß seine Zunge für einen kurzen Moment in sie, nur um dann wieder sanft über ihre Schamlippen zu streichen. Er änderte die Bewegung seiner Zunge, mal kreisend, mal saugend, mal schneller, mal langsamer. Als er merkte, dass Gillian kurz davor war zu kommen, ließ er von ihr ab und küsste sich seinen Weg wieder nach oben.
"Du schmeckst so gut, Gill" sagte David zwischen zwei Küssen.
Doch nun war Gillian an der Reihe. Sie drehte David etwas zur Seite um ihn nun ihrerseits ebenfalls verwöhnen zu können. Sie wusste noch sehr genau, dass David das immer am besten gefallen hatte. Zuerst fuhr sie mit ihrer Hand über seine harte Erektion, dann begann sie Küsse auf seinem Schaft zu platzieren. Dann nahm sie ihn ganz in den Mund. David beugte sich ihr entgegen und stieß einen Laut aus, der sich irgendwie wie Gill anhörte. Die eine Hand immer noch um seinen Penis fing sie an, mit der anderen sanft über seine Hoden zu streicheln. Sie wusste, David liebte das. Es dauerte nicht lange, da versuchte David, sie nach oben zu ziehen.
"Gill hör auf, ich bin kurz davor... ich... ah... bitte..."
Gillian ließ von seinem Glied ab und arbeitete sich wieder nach oben. David wollte sie zur Seite drehen um sich auf sie zu legen aber Gillian schüttelte den Kopf. Sie blieb oben, küsste noch einmal Davids Brustwarzen. Sie konnte sein Glied jetzt unter der richtigen Stelle ihres Körpers spüren. Ganz langsam ließ sie ihn in sich hinein gleiten, den Blick nicht von Davids Augen nehmend. Sie wollte ihn sehen. Sein Gesicht strahlte, als sie anfing, sich auf und ab zu bewegen, langsam zuerst, dann immer schneller. Gillian genoss dieses intime Gefühl, ihre Blicke verschmolzen miteinander. David konnte bis in Gillians Seele sehen, so wie sie in seine. Sie ließ ihre Bewegung noch schneller werden und Davids Hand fand seinen Weg hinunter zu Gillians Klitoris. Er stand kurz davor zu kommen, doch er wollte, dass sie zugleich kamen. Mit sanften Kreisen umspielten seine Finger die Stelle während er sich mit jedem Stoß noch weiter in sie hinein drückte. Dann spürte er, wie von Gillian ein Zittern ausging, und da wusste er, er brauchte nicht mehr zu warten. Noch drei weitere Stöße und David entleerte sich in sie. Ohne den Augenkontakt auch nur eine Sekunde unterbrochen zu haben näherten sich Gillians Lippen wieder denen von David. Nach einem leidenschaftlichen und dennoch zärtlichen Kuss glitt Gillian von David hinunter und legte sich neben ihn in seine ausgebreiteten Arme. Es dauerte nicht lange und beide waren eingeschlafen. Völlig vergessen lag der Hörer immer noch neben dem Telefon.
5. September; 10:44 Uhr; Waldweg nahe Los Angeles:
David rannte und rannte, ohne dabei auf den Weg zu achten. Außer ihm war sowieso kein Mensch hier unterwegs. Er hatte sich diesen Waldweg zum trainieren ausgesucht, weil der Weg sehr gut zum laufen geeignet war und weil ihn hier niemand störte. Dazu kam der belebende Duft der Bäume, und nicht zu vergessen die frische Luft. David hatte sich vorgenommen demnächst wieder an einem Triatlon teilzunehmen. Er trainierte in jeder freien Minute. Entweder schwamm er, fuhr Rad oder lief. Heute war Laufen an der Reihe.
"Hoppla, passen Sie doch auf wo Sie hinlaufen."
David beachtete die kleine Person, die er beinahe umgerannt hätte gar nicht. Er wollte schon eine Entschuldigung murmeln und weiterlaufen als er die Stimme erkannte.
"Gill?"
Sie sah zu dem Mann auf, der nun vor ihr stand und lächelte überrascht.
"David?"
"Gill, was tust du den hier? Ich dachte ich wäre der einzige der diesen Weg kennt."
"Da hast du dich geirrt. Ich habe ihn auch schon entdeckt. Schön hier, nicht?"
"Ehrlich gesagt habe ich nicht darauf geachtet ob es hier schön ist."
"Ich weiß, ich weiß, du trainierst. Wie läuft's denn? Steht vor mir der neue Iron Man?"
"Nein, ganz sicher nicht." David lachte. "Um auf Hawaii zu gewinnen musst du ein Hochleistungssportler sein. Ich bin nur Hobbysportler. Mir reicht es, wenn ich ankomme."
"Und was hält der Hobbysportler davon mal eine Pause einzulegen? Da vorne ist eine Bank. Setzt du dich zu mir und leistest mir eine Weile Gesellschaft?"
"Für dich tue ich doch alles."
Sie setzten sich und genossen die Schönheit und die Geräusche des Waldes um sie herum. David betrachtete Gillian, die mit geschlossenen Augen tief ein- und ausatmete. Wie wohl er sich in ihrer Gegenwart doch immer fühlte. Wie sie so dasaß, sah sie wunderschön aus. Eigentlich sah sie immer wunderschön aus. Und diese Ruhe die sie ausstrahlte! David dachte daran, wie es früher zwischen ihnen war. Warum haben wir damals, im ersten Jahr, unsere Affäre eigentlich beendet? Warum hab ich sie damals eigentlich gehen lassen? Mein Gott, war ich dumm. Ich liebe sie doch, hab sie damals schon geliebt! Ich muß ihr das jetzt endlich sagen. Es macht mich einfach verrückt! Gillian öffnete die Augen und sah den versonnenen Blick mit dem David sie anlächelte.
"Was ist?" fragte sie lachend.
Sie bekam keine Antwort, merkte nur das Davids Blick auf einmal sehr ernst wurde. Ihr Lachen war verflogen. Sie fragte sich was in seinem Kopf vorging. Er sah Gillian tief in die Augen.
"Du hast damals - als ich Téa geheiratet habe - der Presse gegenüber gesagt, du hattest immer das Gefühl, ich wäre auf der Suche nach... irgendetwas. Und du dachtest, das hätte ich damals bei Téa gefunden. Du hast dich geirrt, Gill. Das was ich gesucht hatte, das habe ich schon viel früher gefunden. Nämlich damals, als ich mit dir zusammen war. Ich liebe Dich, Gill!"
Jetzt wurde Gillian zornig.
"Ach Dave das ist doch Blödsinn und das weißt du auch. Denn wenn das so gewesen wäre, warum hast du dann diese Affäre beendet, ha? ICH war es NICHT die wollte, dass es zu Ende ist, weißt du noch? Jetzt sitzt du hier und willst mir allen Ernstes einreden, du LIEBST mich? Verdammt Dave, lass das sein!"
"Lass es einfach sein", fügte sie nochmals etwas leiser hinzu und blickte zu Boden.
"Warum? Warum sollte ich das tun? Es ist die Wahrheit und - verdammt noch mal - du weißt das auch Gill!"
"Ach, weiß ich das? Nein mein Lieber! Das WAS ich weiß ist folgendes: dir geht’s verdammt dreckig weil du denkst, Téa hätte einen Anderen. Du fühlst dich hintergangen und alleingelassen. Und nun denkst du, das einfachste wäre, mir zu sagen, du liebst mich! Dann würde ich dich wieder in die Arme nehmen, dich küssen und schließlich würden wir ein weiteres Mal im Bett landen. Das hat dir damals ja schließlich immer gefallen, soweit ich mich erinnern kann! Und morgen früh oder wann auch immer du deine Meinungsverschiedenheit mit Téa geklärt hast, dann bist du wieder weg. Dann gehst du einfach zu ihr zurück und läßt mich wieder allein.
Oh nein David, das hast du bereits einmal mit mir gemacht. Hast du überhaupt mal darüber nachgedacht, wie ICH mich damals gefühlt habe! Nein, bestimmt nicht."
"Aber du hast doch damals auch gesagt es wäre das beste es zu beenden. Du hast nie gesagt, dass du es nicht gewollt hast," fügte David kleinlaut hinzu.
"Verdammt!"
Gillian stand auf und begann vor der Bank hin und her zu gehen.
"Natürlich hab ich das nie gesagt. Hätte ich mich denn noch lächerlicher machen sollen? Ich hab dich damals wirklich geliebt, Dave. GELIEBT! Verstehst du das? Du hast mir mein Herz gebrochen als du gegangen bist. Und du hast dich niemals gefragt, wie beschissen es danach für mich gewesen ist, dich jeden Tag am Set wiederzusehen, mit dir zusammenarbeiten zu müssen." Nun stand auch David auf. Er ging auf Gillian zu.
"Das ist nicht war, ich HABE darüber nachgedacht. Aber du hast mir doch immer den Eindruck vermittelt, daß alles sei okay. Alles sei vorbei. Du hast gesagt, es geht dir gut! Du warst genau so distanziert und abweisend wie Scully zu Mulder."
"Dave, Scully und Mulder existieren nicht, das sind ERFUNDENE Figuren von Chris."
"Das stimmt nicht Gill, und das weißt du doch ganz genau! Scully und Mulder sind das, wozu WIR die Beiden gemacht haben. Und abgesehen davon, du hast mir niemals gesagt, dass du mich liebst! Woher hätte ich es also wissen sollen, hm?"
David stand verdammt nah bei Gillian. Das machte ihr irgendwie Angst, also setzte sie sich wieder nieder. Sie dachte einen kurzen Augenblick nach, dann sah sie David an und sagte etwas ruhiger:
"Das stimmt David, gesagt hab ich dir das nie. Aber - wenn du denkst, Mulder und Scully sind das, was wir aus ihnen gemacht haben, das, was WIR fühlen und denken, nun - warum hat Mulder dann immer gewusst, dass Scully ihn liebt? Und warum wußte Scully das er sie liebt? Die Beiden haben sich das doch auch niemals wirklich gesagt. Und weißt du was: ich hab damals diese Beziehung mit Clyde doch nur begonnen, weil ich dachte, es würde dich vielleicht stören. Ich dachte wirklich, dass - wenn ich dir nicht gleichgültig wäre, dann müßtest du eifersüchtig sein. Ich dachte, vielleicht begreifst du dann, dass ich dir doch etwas bedeute! Aber nein! Da kam nichts von deiner Seite, absolut gar nichts! Und dann hast du dich das erste Mal mit Téa verabredet. Danach warst du so ganz anders als vorher. Du hast viel mehr gelacht, warst lustiger, fröhlicher. Damals habe ich eingesehen, dass es nur MEIN Wunschdenken gewesen ist, dass du MICH lieben könntest. Du warst glücklich mit ihr."
"Ja, ich WAR glücklich mit ihr, das stimmt. Weil ich eben auch glücklich sein wollte. Und vor allem wollte ich dich aus meinem Kopf, aus meinem Herzen rausbekommen. Ich dachte doch, ich hätte dich verloren! Mir ist damals sehr schnell klargeworden, dass ich einen riesengroßen Fehler gemacht habe, als ich dich gehen ließ. Als du dich damals von Clyde getrennt hattest, da war ich so glücklich. Dummerweise hatte ich mir damals wirklich eingeredet, du würdest nun wieder zu mir zurückkommen. Aber du bist nicht zurückgekommen. Du hast mir mit gar nichts zu verstehen gegeben, dass du mehr für mich empfindest. Als ich Téa kennengelernt hab, da hab ich mich plötzlich nicht mehr so schlecht gefühlt. Denn SIE hatte ja Interesse an mir. SIE hat mich nicht abgewiesen! Sie war so ganz anders als du. Ich hab mich da sofort mit all meinen Gefühlen hineingestürzt. Weißt du eigentlich warum ich dir damals nicht persönlich gesagt habe, dass ich sie heiraten werden? Ich hatte Angst davor! Angst, in deinen Augen zu lesen, das wäre das was du von mir willst, Angst zu sehen, dass du dich darüber freuen könntest."
David blieb vor Gillian stehen und kniete sich zu ihr runter. Er nahm ihre Hand in seine und sagte ganz leise:
"Gill, verdammt ich habe einen großen Fehler gemacht damals. Heute habe ich nicht mehr die leiseste Ahnung was ich damals eigentlich genau erwartet habe. Ich hab mich zum Affen gemacht und ich war verdammt sauer auf mich selbst. In der Nacht bevor ich Téa gefragt habe ob sie meine Frau werden will, da hab ich von DIR geträumt. Ich bin aufgewacht und war sauer. Sauer auf dich, weil ich dachte, dass du mich doch gar nicht haben willst. Sauer auf mich, weil ich eben so viel für dich empfunden habe und so dumm gewesen bin, dich gehen zu lassen. Und sauer auf Chris, weil er dich damals als meine Partnerin ausgesucht hatte. Egal, irgendwie war ich sauer auf die ganze Welt!"
David schaute Gillian einen kurzen Moment lang in die Augen. Dann legte er den Kopf in ihren Schoß und schloss die Augen. Gillian begann reflexartig Davids Kopf zu streicheln. Sie konnte noch immer nicht verarbeiten, was er ihr da gerade gesagt hatte. Das meiste davon war auch völlig unwichtig. Wichtig war einzig und allein, dass er gesagt hat, er liebe sie! Unablässig kreisten ihre Gedanken nur noch um diesen einen Satz. Er liebt mich.
"Dave?"
Keine Antwort.
"David. Komm, sie mich an!"
David hob langsam seinen Kopf und sah Gillian an. Das was sie da in Davids Augen lesen konnte war unendlich viel Schmerz, Trauer und... Liebe. Gillians Zorn war wie weggeblasen. Zärtlich berührte sie seine Wange, strich mit den Fingern darüber, wanderte weiter zu seinen Lippen und dann wieder zurück zur Wange. David stoppte ihre Berührung indem er ihre Hand mit seiner festhielt.
"Nicht Gill, lass gut sein. Es...es tut mir leid. Du musst jetzt nicht..."
"David, sieh mich an. Komm schon SIEH MICH AN!"
David suchte Gillians Augen.
"So, und nun sag mir: was siehst du Dave?"
"Ich, also, oh Gott!"
Was David da sah, das war der gleiche Schmerz den Gillian zuvor in seinen Augen gesehen hatte, die gleiche Trauer. Trauer um all die verlorenen Jahre. Doch er sah da noch etwas... Liebe, unendlich viel Liebe!
"Mein Gott Gill, was ich da sehe - in deinen Augen - verdammt war ich dumm. All diese vergeudeten Jahre! Ich liebe dich, hörst du, ICH LIEBE DICH!"
"Ich liebe dich auch, Dave, so stark..."
Gillian beugte sich hinab und küsste David. Nach einer Ewigkeit, die doch nicht lange genug war beendete Gillian den Kuss.
"Es geht nicht. Ich kann nicht. Ich muss gehen."
Sie lief davon, ohne sich noch einmal umzudrehen. David sah ihr hinterher. Er spielte mit dem Gedanken ihr zu folgen, aber er wusste, dass sie jetzt allein sein wollte. Nun er würde ihr die Zeit geben darüber nachzudenken. Er stand auf, um sein Lauftraining fortzusetzen. Er rannte in die entgegengesetzte Richtung in die Gillian geeilt war.
13. September; Gillians Haus:
In den letzten Stunden hatte Hektik die Vorherrschaft im Hause Anderson eingenommen. Jetzt legte sich langsam wieder Ruhe über die Zimmer. Alles war reisefertig gemacht, die Koffer gepackt. Gillian saß allein in ihrem Schlafzimmer, umgeben von vollgestopften Koffern, die sie, nicht ohne sämtliche Kraftreserven zu mobilisieren, hatte schließen können. Piper war unterwegs um sich von ihren Freunden zu verabschieden. In einer Stunde würden sich Gillian und ihre Tochter auf den Weg zum Flughafen machen. Dort würden sie das Flugzeug besteigen, das sie nach London bringen sollte. Alles würde anders werden. Sie würden es vermissen, ihr altes Leben. Gillian sah sich im Haus um. Es gab nichts mehr zu tun, alles war erledigt. Als sie am Telefon vorbei kam blieb sie nachdenklich stehen. David. Sie musste ihn anrufen. Ihm wenigsten "auf Wiedersehen" sagen. Er wusste noch gar nichts davon, dass sie schon heute fliegen würden. Ursprünglich war vorgesehen, dass sie erst in einer Woche nach London gehen würden. Nachdem sie den Hörer abgenommen hatte wählten ihre Finger ganz automatisch Davids Nummer.
"Duchovny" piepste eine Stimme ins Telefon.
"Hi West, Tante Gillian ist hier, ist dein Daddy auch da?"
"Ja."
"Gibst du ihn mir bitte mal?"
"Daddy, Tante Gill ist am Telefon" brüllte West in Richtung ihres Vaters.
David ließ sein Buch sinken und nahm ihr den Hörer aus der Hand
"Hi Gill!"
"Dave... ich... ich wollte mich nur verabschieden."
"Verabschieden, warum?"
"Na, ich fliege nach London, schon vergessen?"
"Wann? Doch nicht heute, oder? Du sagtest doch, du würdest erst in einer Woche fliegen?" David war erstaunt und es breitete sich augenblicklich ein beunruhigendes Gefühl in seiner Magengegend aus. Gillian KONNTE einfach nicht heute schon fahren. Er hatte doch noch gar keine Gelegenheit gehabt, ihr...
"Doch Dave, ich fliege heute. In zwei Stunden um genau zu sein. Ich bin eigentlich schon auf dem Weg zum Flughafen, aber ich konnte ja kaum abfliegen, ohne dir wenigstens Bescheid zu geben." Jetzt war Gillian sich plötzlich gar nicht mehr so sicher, ob es wirklich richtig war, zu fliegen.
"Verdammt Gill! Da sagst du mir erst jetzt Bescheid? Warum hast du nicht schon gestern oder vorgestern angerufen?"
"Ich... ähm Dave... also.."
David würde wütend. "Ich kann dir sagen, warum nicht Gill. Weil du Angst hattest, ganz große Angst. Genau, das ist es. Du wußtest genau, ich könnte dich aufhalten zu gehen!"
Gillian schloß die Augen. Natürlich hatte David recht, sie hatte wirklich Angst gehabt. Angst davor, dass ihre eigene Courage sie verlassen könnte, wenn er sie wieder umarmen oder küssen würde.
"Dave, egal was du denkst, du hättest mich nicht aufhalten können. Ich fliege und zwar heute. Ich ruf nur an, um dir auf Wiedersehen zu sagen. Das mache ich hiermit. Wenn du ein Problem damit hast, dann ist das deine Sache. Bye"
Mit Tränen in den Augen legte sie den Hörer auf. SO hatte sie sich dieses Gespräch nicht vorgestellt.
77 Minuten später; Flughafen L.A.:
David rannte durch die Eingangshalle. Er hatte erst nachdem Gillian aufgelegt hatte, wirklich realisiert, dass sie gerade dabei war, aus seinem Leben zu verschwinden. Er hatte sie am Telefon nicht so anfahren wollen. Er hatte ganz einfach furchtbare Angst, sie zu verlieren.
Wieder einmal verfluchte er Téa, die weggefahren war, und ihn mit West und Miller zu Hause gelassen hatte. Er hatte auf die Schnelle keinen Babysitter auftreiben können, also hatte er die beiden Kinder einfach ins Auto gepackt und war losgefahren. Er MUSSTE Gillian einfach noch einmal sehen... Ganz hinten sah er Gillians rote Haare leuchten. Sie beugte sich gerade runter zu Piper. Er beschleunigte seinen Schritt und es war ihm relativ egal, wie das für die anderen Wartenden aussehen musste.
"Gill!"
Gillian hob den Kopf.
"Onkel David!" Piper war schon auf den Weg in seine ausgebreiteten Arme. Er gab ihr einen Kuss und stellte sie wieder auf den Boden. Dann wandte er sich Gillian zu.
"Gill, es tut mir leid, dass ich dich vorhin am Telefon so angefahren habe. Ich hab das nicht so gemeint..."
Erstaunt blickte Gillian zu David. Doch die Freunde über das unerwartete Vergnügen, ihn hier zu sehen, stand ihr ins Gesicht geschrieben.
"Was machst du denn hier?"
"Ich wollte mich von dir verabschieden" Viel leiser fügte er noch hinzu "und ich wollte dich wenigstens noch einmal in die Arme nehmen."
In Gillians Augen bildeten sich bereits die ersten Tränen. Genau das war es gewesen, was sie zu vermeiden versucht hatte. David nahm sie fest in die Arme. Ganz nah an sich gedrückt hielt er sie fest. Auch über seine Wangen liefen die Tränen. Er wusste, er hatte kein Recht, sie zurückzuhalten, kein Recht, ihr zu sagen, dass sie nicht gehen sollte. Er kämpfte mit sich selber einen der härtesten Kämpfe in seinem gesamten Leben . Ihr jetzt NICHT zu sagen, dass er sie liebte, das ließ ihn innerlich fast zerbrechen. Langsam hob er den Kopf und blickte ihr tief in die Augen.
"Ich wünsch euch einen guten Flug, Prinzessin. Pass auf dich auf und...vergiss mich nicht!"
David gab ihr einen zärtlichen Kuss, beugte sich noch einmal zu Piper, die ebenfalls ihre Tränen nicht zurückhalten konnte und versuchte, ein Lächeln zustande zu bringen.
"Alles Gute." Mit diesen Worten drehte er sich um und ging zurück zu seinem Wagen, in dem er seine beiden Kinder gelassen hatte.
Gillian stand wie versteinert da. Das, was David ihr nicht gesagt hatte, was sein Herz gebrochen hatte, das hatte sie dennoch unausweichlich in seinen Augen lesen können. Sie wusste, was es für ihn bedeutet hatte, ihr diese Worte NICHT zu sagen.
Als David kurz darauf zu Hause ankam, stand Téas Wagen bereits in der Einfahrt. Er brachte die Kinder ins Haus und auf Téas Frage, wo er denn gewesen sei, bekam sie nur eine wütende Antwort:
"Jetzt nicht! Ich bin einfach nicht in der Stimmung, mich mit dir zu unterhalten."
Er verzog sich ins Schlafzimmer, schloss die Türe von innen ab, warf sich aufs Bett und ließ seinen Tränen wieder freien lauf...
Das Klingeln des Telefons weckte David aus seinem unruhigen Schlaf. Er wusste zunächst nicht was los war, doch dann schreckte er hoch. Gillian... sie ist in London. Ein Blick auf seine Uhr verriet ihm, dass es bereits morgen war. Er musste eingeschlafen sein. In Gedanken griff er nach dem Telefonhörer. "Ja?"
"David? Ich bin’s..."
Es war Gillian. Sofort war er hellwach.
"Ich wollte dir nur sagen, dass wir gut angekommen sind. Und ich wollte mal hören, wie’s dir so geht."
"Wie soll es mir gehen, Gill? Ich meine, du bist einige tausend Meilen entfernt... und du fehlst mir einfach..."
"Du fehlst mir ja auch, David. Deshalb rufe ich an, einfach um deine Stimme zu hören...um mit dir zu reden."
David spürte wie sich sein Hals zuschnürte. Was sollte er ihr sagen?
Ich liebe dich so sehr, komm zu mir zurück???
"Ja...es ist schön deine Stimme zu hören, Gill. Geht es euch gut in London?"
"Wir kommen zurecht, David. Die Proben fangen bald an, es gibt viel zu tun...
und ich wünsche mir so sehr dass du jetzt hier wärst fügte sie in Gedanken hinzu.
"Na dann...David...ich werde mich wieder melden, ja? Wir müssen jetzt erst mal in Ruhe alles auspacken."
"Ja, macht das. Und Gill?" Nein, er würde ihr nicht sagen wie miserabel er sich fühlte und dass er sich nichts sehnlicher wünschte, als in den nächsten Flieger zu steigen "passt auf euch auf, ok?"
"Kay...mach‘s gut, David."
25. September; Pipers 8. Geburtstag
Gillian wollte gerade Piper wecken, als es an der Türe läutete. Da Piper noch fest schlief und von dem lauten Geräusch nichts mitbekommen zu haben schien, schlich Gillian auf Zehenspitzen wieder aus dem Kinderzimmer. An der Wohnungstür angekommen spähte sie durch das kleine Guckloch in der Tür. Sie erblickte einen Mann in dunkler UPS Uniform, der ein Paket in den Händen hielt. Gillian öffnete die Tür und nahm dem freundlich lächelnden Mann das Paket ab. Erst nachdem der Bote wieder gegangen war betrachtete Gillian das Paket genauer. Es war an Piper adressiert, was heute an ihrem Geburtstag nichts Ungewöhnliches war. Es würde ein Geschenk für sie sein. Doch als Gillian die Handschrift, in der die Adresse geschrieben war erkannte und mit einem Blick auf den Absender die Bestätigung fand, begann das Paket in ihren Händen zu zittern. Es kam von David. Gillian atmete tief durch und ermahnte sich selbst: Gill, reiss dich zusammen. Es ist nur ein Paket. Das kann so nicht weitergehen, dass du dich selbst davon so durcheinander bringen lässt. Das muss ein Ende haben. Du wirst ihn vergessen. Sie riss ihre Augen von der Schrift los und stellte das Paket auf einen Tisch, wo sie bereits mehrere Geschenke aufgebaut hatte.
"Mom?" Eine verschlafen aussehende Piper stand im Türrahmen. Gillian lief fröhlich lächelnd auf ihre Tochter zu und nahm sie in die Arme.
"Alles Gute zum Geburtstag, mein Mäuschen."
Über die Schulter ihrer Mutter hinweg erspähte das Mädchen die Geschenke. Neugierig betrachtete sie die bunten Päckchen und machte sich gleich daran alles auszupacken. In Windeseile hatte sie Schnüren durchtrennt, Papier abgewickelt und die tollsten Sachen zutage befördert.
Im Laufe des Nachmittags stand das Telefon kaum still. Piper nahm fröhlich alle Gratulationen und Glückwünsche entgegen. Gegen Abend hatte sie mit allen Freunden, Verwandten und Bekannten telefoniert. Außer einem. David hatte nicht angerufen. Piper wusste woran das lag. Sie wusste viel mehr als ihre Mutter sich hätte denken können. Deshalb beschloß Piper ihn eben selbst anzurufen. Schließlich hatte sie einen Grund. Sie wollte sich bei ihm für sein Geschenk bedanken. Nachdem sie kurz darüber nachdachte wie spät es jetzt in Los Angeles sein würde und feststellte, das es dort später Vormittag war, suchte sie Davids Nummer heraus.
"David Duchovny", unterbrach eine Stimme das Tuten im Telefonhörer.
"Vielen Dank für das schöne Geburtstagsgeschenk!" flötete Piper einfach ins Telefon.
"Piper?" kam es vom anderen Ende der Leitung.
"Wer den sonst?" fragte sie grinsend zurück.
"Happy Birthday! Ich wünsch dir alles Gute."
Piper und David telefonierten noch eine ganze Weile miteinander. Sie unterhielten sich immer noch, als Gillian ins Zimmer kam.
"Mit wem telefonierst du?" fragte sie flüsternd.
Piper legte eine Hand auf die Hörmuschel.
"Mit David. Er würde auch gerne mit dir reden", konfrontierte sie ihre Mutter frei heraus.
"Ich aber nicht mit ihm." Und damit war sie schon wieder zur Tür hinaus.
"Mom will nicht mit dir sprechen." Piper klang als wolle sie sich für ihre Mutter entschuldigen.
"Ist schon okay, heute ist ja auch dein Tag." David versuchte Gillians Abweisung leicht zu nehmen, schon allein wegen Piper, doch innerlich schmerzte es ihn über die Maßen, dass Gill jetzt nicht einmal mehr mit ihm reden wollte. Kurz danach verabschiedeten sich David und Piper voneinander und beendeten ihr Telefonat. David blieb starr vor dem Telefon sitzen. Was war nur los? Warum musste einfach alles schieflaufen? Seit gestern war David allein. Ganz allein. Gill war fort. Und nun waren auch Téa und die Kinder fort. Doch dieses Mal würden sie nicht zurückkommen. Es war ein Abschied für immer gewesen. Wie ein Film lief die gleiche Szene immer wieder vor Davids innerem Auge ab. Immer wieder durchlebte er das Gespräch, das er und Téa gestern geführt hatten und das sich als ihr letztes erwiesen hatte.
"David, ich muss mit dir reden", hatte Téa angefangen. Wenn eine Frau mit einem solchen Satz ein Gespräch beginnt, dann kann das nichts Gutes heißen.
"Was gibt’s?"
"Du wirkst in letzter Zeit sehr häufig abwesend. Meinst du ich hätte das nicht bemerkt? Eins ist klar, deine Gedanken sind schon lange nicht mehr hier bei mir. Aber jetzt ist es extrem. Sag mir wohin sie wandern."
David erschrak innerlich. Seit Gillian fort war glitten seine Gedanken immer öfter in ihre Richtung. Er hatte gedacht er hätte diese Phasen vor Téa verbergen können. Wusste sie doch etwas?
"Ich weiß gar nicht, was du meinst", log David.
"Bitte lass diese albernen Spielchen und versuch es zur Abwechslung mal mit der Wahrheit."
"Was den nun wieder für Spielchen?" David versuchte es damit sich dumm zu stellen.
"Okay, wenn du es mir nicht sagen willst, dann werde ich dir sagen wo deine Gedanken sind. Sie sind in London. Bei Gillian."
Sie sah ihren Ehemann herausfordernd an. Sie wusste genau, dass sie den Nagel auf den Kopf getroffen hatte.
"Wie kommst du darauf?"
"David bitte, mach mir nichts vor. Sag mir endlich klipp und klar, dass du sie liebst."
"Gillian ist eine Kollegin, eine gute Freundin. Wir haben fast ein ganzen Jahrzehnt unseres Lebens zusammen gearbeitet. Natürlich denke ich da ab und zu an sie. Aber das heißt doch nichts."
"David, jetzt sei endlich einmal ehrlich zu mir und auch zu dir selbst. Du liebst Gillian. Immer wenn du von ihr sprichst bekommst du glänzende Augen und deine Stimme verändert sich, das kannst du nicht leugnen. Unsere Ehe existiert doch nur noch auf dem Papier. Wir lieben uns doch schon lange nicht mehr."
David sah nun endlich ein, dass dies der Augenblick der Wahrheit war.
"Du hast recht, ich... ich liebe dich nicht mehr. Ich liebe Gillian."
Téa schien dieses Geständnis heute nicht das geringste auszumachen. Im Gegenteil, sie schien geradezu erleichtert.
"War’s das jetzt?"
David wollte sich schon von der Couch erheben doch Téa hielt ihn zurück.
"Ich habe dir ebenfalls etwas zu sagen."
"Ich höre."
Tèa stand von ihrem Stuhl auf und begann im Zimmer auf- und abzuwandern, als müsste sie erst über ihre nächsten Worte nachdenken. Schließlich blieb sie neben der Couch stehen und sah David direkt in die Augen.
"Miller ist... er... er ist nicht dein Sohn. Du bist nicht sein Vater."
Téa begann mit Erklärungen über das Wer und Warum, doch David war plötzlich wie im Nebel. Téas Worte hatten ihn wie ein Schlag ins Gesicht getroffen. Von ihrem folgenden Redeschwall bekam er so gut wie nichts mit. Wie ein unaufhörliches Echo hallte es immer wieder durch seinen Kopf. ‚Nicht dein Sohn, nicht sein Vater‘. Dass da ein Anderer war, das hatte er geahnt, ja, er hatte ihn sogar gesehen. Diese Tatsache ließ David jetzt, da er endlich Klarheit hatte, mehr oder weniger kalt. Aber das dieser Andere der Vater von Miller sein sollte, was bedeutete, dass diese Beziehung schon mindestens ein Jahr alt sein musste und dass ihm seine Frau erst jetzt, drei Monate nach der Geburt von Miller, mitteilte dass sein Kind gar nicht sein Kind war, war im Augenblick zu viel für David.
"... und deshalb werde ich die Scheidung beantragen."
Téas letzter Satz vertrieb den Nebel in Davids Kopf. Sie sah ihn an, als erwarte sie eine Antwort von ihm, doch David war im Augenblick nur zu einem Kopfnicken in der Lage.
30. Oktober; 16:17 Uhr; Probe im West End Theater:
Im großen Saal des Theaters herrschte gespannte Athmosphäre. Nur die Scheinwerfer auf der Bühne waren angeschaltet. Dunkelheit legte sich über die Sitzreihen, wo bei der Vorstellung das Publikum Platz nehmen würde. In einer der hinteren Reihen, lag Piper über fünf Sitzplätze ausgestreckt, auf dem Bauch, die Ellenbogen auf die Polsterung gestützt, den Kopf auf die Hände gelegt. In dieser Position wurde sie von den übrigen Personen in dem großen Raum nicht gesehen. Sie hätte eigentlich gar nicht hier sein dürfen, denn der Premierenabend rückte immer näher. Alle wurden aufgeregter und zu viele Zuschauer wirkten jetzt störend. Also hatte man für die, die nichts mit der Sache zu tun hatten, ein Zuschauverbot verhängt. Aber Piper hatte sich trotzdem unbemerkt hereingeschlichen. Auf dem Boden unter den Sitzen hatte sie eine Tüte mit verschiedenen Süßigkeiten platziert, die sich mehr und mehr leerte. Durch die Ritze zwischen den Sessellehnen vor ihr spähte sie auf die Bühne, wo Gillian und zwei weitere Darsteller, ein Mann und eine Frau, probten. Immer wieder unterbrochen von den lauten Kommentaren des Regisseurs, der einige Sitzreihen vor Piper ungefähr in der Mitte des Saales saß. Um ihn herum eine Handvoll gelangweilt blickende, sich ungeheuer wichtig vorkommende Personen. Während die Szene auf der Bühne lief, rief der Regisseur Dinge dazwischen wie: "Lauter, die Empore hört dich nicht." oder "Größer, die letzte Reihe sieht deine Gestik nicht".
Sie hingen jetzt schon seit geraumer Zeit an einer Szene fest. Piper hatte nicht mitgezählt, doch hatten sie sie bestimmt schon über ein Dutzend Mal gespielt. Nie ohne einen Fehler zu machen. Hier hatte der männliche Hauptdarsteller seinen Einsatz verpaßt, dort die Nebendarstellerin sich im Text verhaspelt oder Gillian einen plötzlichen Lachanfall nicht mehr unter Kontrolle bekommen. Immer wieder wurden sie angewiesen das Ganze noch mal von vorne zu spielen. Doch irgendwann hatte der Regisseur genug. Als gerade wieder jemand Schwierigkeiten mit seinem Text hatte, platzte im der Kragen. Er ließ die Szene anhalten, stand von seinem Platz auf und brüllte durch das Theater:
"Von erfahrenen, hochbezahlten Schauspielern, wie ihr es seit, erwarte ich mehr als das Niveau einer Schulklasse bei der Weihnachtsaufführung! Lest euch die Ankündigungen in der Zeitung durch." Er nahm eine Zeitung, die auf dem Platz neben ihm gelegen hatte und las daraus vor. "Einige gefeierte, hochkarätige Schauspieler konnten für die Inszenierung gewonnen werden. Glanzvolle Namen wie Gillian Anderson garantieren Klasse und sorgen schon jetzt für ein ausverkauftes Haus." Mit voller Wucht schleuderte er die Zeitung wieder auf den Sitz. "Ich sehe hier bisher nichts Hochkarätiges auf der Bühne. Keine Schauspieldiamanten. Nur einfache Kieselsteine. Wenn ihr so grottenschlecht spielt wie eben, werden euch dieselben Presseleute in der Luft zerreißen. Ihr seit hier nicht in irgendeinem kleinen Provinztheater, ihr seit in London. Und für London reicht das, was ihr mir in den letzten Stunden geboten habt nicht!"
Mit einem von diesem Wutausbruch hochroten Kopf, setzte sich der Regisseur erst einmal wieder hin und atmete tief durch. In normalem Ton fuhr er fort:
"Noch einmal von vorne. Zeigt mir endlich, dass ihr zurecht engagiert worden seit."
Nachdem sie die Szene zwei weitere Male, diesmal fehlerfrei, durchgespielt hatten richteten sich die Augen der Darsteller erwartungsvoll auf den Regisseur.
"Warum nicht gleich so." Er lächelte versöhnlich.
Ein dumpfer Schlag ließ alle Anwesenden die Köpfe in die Richtung drehen aus der das Geräusch gekommen war. Es musste von den hinteren Sitzreihen herrühren. Aber dort bewegte sich nichts. Als sie schließlich lange genug in den dunklen Saal gestarrt hatten, ohne dass sich etwas tat, kündigte der Regisseur eine Pause an. Die Darsteller gingen von der Bühne, und die wichtigtuenden Menschen um den Regisseur verließen mit ihm den Saal. Ohne entdeckt worden zu sein, lag Piper ganz still unter den Sitzen. Sie war bei dem Versuch nach einer Süßigkeit aus ihrer Tüte zu angeln von ihrem Platz herunter gerollt und unsanft auf dem Boden gelandet.
Das war die Ursache des Geräusches von vorhin gewesen. Wehgetan hatte sie sich dabei nicht, sie würde höchstens ein paar blaue Flecken davontragen. Sobald keiner außer ihr mehr im Saal war, krabbelte sie auf allen Vieren zwischen den Sitzreihen hindurch. An deren Ende angekommen richtete sie sich wieder zu ihrer vollen Größe auf und lief zur Tür hinaus. Sie fand ihre Mutter in deren Garderobe vor einer Tasse Kaffee sitzend. Piper setzte sich neben sie.
"Hi Mom."
"Hi, wo kommst du den jetzt her?"
"Na von draußen. Ich habe einen Schlag gehört und wollte mal nachsehen ob alles in Ordnung ist."
"Du hast das gehört?" Gillian sah ihre Tochter mit hochgezogener Augenbraue an. "Sag mal, Piper. Kann es sein, dass du die Ursache für das Geräusch kennst? Dass du die Ursache bist?"
Das kleine Mädchen sah ertappt weg und musterte angestrengt einen Punkt an der Zimmerdecke.
"Wie schaffst du es nur immer wieder da rein zu kommen?"
Piper grinste über das ganze Gesicht, gab aber keine Antwort auf die Frage, sondern lenkte das Gespräch in eine andere Richtung.
"Dein Chef ist vorhin ganz schön laut geworden. Ist er jetzt böse auf euch?"
"Nein, er ist nur gereizt. Das ist ganz normal so kurz vor der Premiere. Er möchte, dass alles Perfekt ist, wenn es soweit ist. Und das wollen wir doch auch. Außerdem hatte er recht. Wir waren heute wirklich nicht gut."
"Jeder hat doch mal einen schlechten Tag. Morgen seit ihr wieder besser."
"Hoffen wir‘s."
27. November; 23:39 Uhr; West End Theater; Gillians Garderobe
Auf dem Gang hörte Gillian Schritte näher kommen. Sie hatte sich nach der Vorstellung in ihre Garderobe zurückgezogen, die sie mit Blumengeschenken vollgepackt vorgefunden hatte. Sie hatte gerade die Glückwunschkarte einiger ihrer deutschen Fans gelesen, die extra angereist waren, um sie im Theater bewundern zu können. Nach einem Klopfgeräusch öffnete sie die Tür. Ein riesiger, wunderschöner Blumenstrauß wogte ihr entgegen.
"Du warst großartig!" Hinter den Blumen kam David zum Vorschein.
"Dave!" Mit leuchtenden Augen strahlte sie ihn an. "Sind die schön. Danke!"
Sie nahm ihm die Blumen ab und stellte sie in eine Vase. Jemand hatte in weiser Voraussicht dafür gesorgt das reichlich Blumengefäße vorhanden waren.
"Schön dich zu sehen. Warum hast du mir nicht gesagt das du kommst."
"Ich wollte dich überraschen."
"Wie geht es Téa, West und Miller?"
"Gut, soweit ich weiß."
"Soweit du weißt?" Gillian sah David verständnislos an.
"Wir haben uns getrennt." David sah Gillians fragenden Blick und fügte schnell hinzu: "Sie hat mich verlassen, das hatte nichts mit dir zu tun."
"Wirklich nicht? Lass mich raten. Sie hat das mit uns herausbekommen und ist dann gegangen."
"Nein. Sie... sie hat einen Anderen. Und das schon ziemlich lange. Er ist Millers Vater. Und nun hat sie festgestellt, dass sie lieber mit ihm die Kinder großziehen will."
"Das tut mir leid. Ich weiß wie sehr du West liebst."
"Mir tut es aber nicht leid, Gill. Verstehst du nicht, was das für uns beide bedeutet? Du hast mir mal gesagt, du würdest mit mir zusammensein wollen, wenn Téa und die Kinder nicht wären. Gill, ich liebe nur dich. Jetzt gibt es kein Hindernis mehr."
"Und jetzt denkst du, du tauchst einfach hier auf und schon falle ich in deine Arme."
"Ja! Ja, so ungefähr habe ich mir das vorgestellt."
"Dave, sei ehrlich, du willst doch nur das ich den Seelentröster für dich spiele. Deine Frau hat dich verlassen, du bist einsam und nun kommst du wieder bei mir angekrochen."
"Nein, hörst du mir überhaupt zu? Ich liebe dich!"
"Ja, bis morgen früh vielleicht und dann bist du wieder weg, so wie immer."
"Verdammt noch mal Gillian. Was willst du eigentlich von mir hören?" Er atmete tief durch und fügte zusammenhanglos hinzu: "Warum bist du vor mir nach London geflohen?"
"Dave, ich bin nicht vor dir geflohen. Mein Engagement hier stand schon lange fest, das weißt du."
"Es kam mir aber so vor, als seist du wegen mir schon so früh abgereist."
"Das ist Unsinn und das weißt du auch."
"Warum bist du so abweisend zu mir. Was habe ich dir getan?"
"Dave, es ist viel passiert seit ich hergekommen bin."
"Das hört sich an als hättest du auch einen Anderen."
"Nein, das ist es nicht. Ich brauche einfach mal Zeit für mich."
"Gill, das klingt wie aus einem billigen Kitschroman. Willst du mich wirklich mit diesen alten Klischees abspeisen?"
"Lass mich einfach in Ruhe, Dave. Ich bin bisher auch sehr gut ohne dich ausgekommen."
"Gill!"
"Es gibt einen kleinen Presseempfang im Foyer, bei dem ich anwesend sein muss. Ich will sie nicht länger warten lassen."
Gillian schlug David die Garderobentür vor der Nase zu, als sie davoneilte. Er wollte die Tür schon wieder öffnen und ihr folgen, doch jemand hielt ihn zurück.
"Warte!"
David drehte sich nach der Stimme um und war erstaunt als Piper, die sich im Raum versteckt und alles mitangehört hatte, vor ihm stand.
"Sie wird gleich zurückkommen. Sie hat etwas vergessen."
"Ich würde dich sofort heiraten", erklärte Piper voll Ernsthaftigkeit, auf Davids Schoß sitzend.
"Danke, das ist lieb von dir." Er seufzte. "Warum ist deine Mutter nicht auch so vernünftig wie du?"
"Sie ist zu stolz. Sie will nicht zugeben, dass sie dich braucht. Man musst ihr einfach klar machen, dass du sie liebst. Und, das ist noch wichtiger, das sie dich auch liebt."
"Seit wann bist du denn so ein Experte?" David schien belustigt.
Statt eine Antwort zu geben grinste Piper David schief an. Mit einem Ruck sprang sie von seinem Schoß.
"Achtung, sie kommt!" Piper zog sich in eine dunkle Ecke des Raumes zurück, ohne dass David ihr mit den Augen folgen konnte. Er wunderte sich noch wo sie so schnell hin verschwunden war, als Gillian durch die Tür hereinkam.
"Dave, was willst du denn immer noch hier?"
"Irgendwie habe ich mir unser Wiedersehen anders vorgestellt."
Er stand auf und ging auf sie zu.
"Du hast mir so wahnsinnig gefehlt. Nur für dich bin ich den weiten Weg von L. A. nach London geflogen. Habe alles in Bewegung gesetzt um an Theaterkarten ranzukommen. Es war nämlich schon ausverkauft, weißt du. Und ich habe halb London nach dem schönsten Blumenstrauß den ich finden konnte abgesucht. Bekomme ich nicht wenigstens einen Kuss für meine Mühen?"
Direkt vor ihr stehend, streckte er seine Hände nach ihr aus.
"Bitte lass mich los, Dave."
Er dachte nicht daran ihrer Bitte nachzukommen.
"Komm schon, Gill. Nur ein kleiner unbedeutender Kuss."
Sein Mund kam dem ihren gefährlich nahe.
"Bitte, hör auf."
"Dann sag mir, dass du nicht willst, dass ich dich küsse", verlangte er, keinen Zentimeter zurückweichend.
"David!"
"Sag es mir."
"Dave, das ist doch kindisch."
"Du kannst es nicht." Er spürte ihren warmen Atem in seinem Gesicht. "Du schaffst es nicht!"
"Bitte geh jetzt." Gillians Atem wurde schwerer, ihre Stimme leiser. Sie konnte nur noch auf Davids Mund starren, krampfhaft bemüht das Zittern in ihrem Inneren zu unterdrücken.
"Bist du ganz sicher?"
"Geh."
David tat wie ihm gesagt. Er war jetzt sicher, dass sie nicht wollte was sie sagte. Ohne ein weiteres Wort ließ er sie einfach stehen und verließ den Raum.
Gillian verharrte einen Moment regungslos an dem Platz, an dem David sie zurückgelassen hatte. Hinter ihr war die Wand nur ein kleines Stück entfernt. Sie ließ sich mit dem Rücken dagegen fallen und rutschte dann an der Wand entlang bis sie auf dem Boden saß. Ihr Gesicht in den Knien vergraben verweilte sie so bis sie eine helle Kinderstimme über sich vernahm.
"Mom, du bist ein Idiot." Piper sah ernst auf ihre Mutter herunter. "Ich kann es nicht anders sagen, du bist ein Idiot", wiederholte sie, wie um sich selbst zu bestätigen.
Gillian blickte auf.
"Warst du die ganze Zeit hier?"
Piper nickte.
"Warum sagst du David genau das Gegenteil von dem was du willst? Er liebt dich! Und ich weiß, dass du ihn auch liebst, also wo ist das Problem?"
Mit einem Ausdruck voll ungläubiger Überraschung sah Gillian ihre Tochter an.
"Hast du etwa gedacht ich wüsste das nicht?" Piper grinste schelmisch. "Schließlich habe ich Augen im Kopf."
"Ach, Schatz", Gillian seufzte mutlos. "Das ist alles nicht so einfach."
"Natürlich ist es das", gab Piper energisch zurück. "Du liebst ihn und er liebt dich. So einfach ist das." Sie ahmte den Seufzer ihrer Mutter nach. "Warum sind Erwachsene nur immer so grausam kompliziert."
Gillian lächelte über den Überzeugungswillen ihrer Tochter. Schließlich gab sie sich geschlagen.
"Du hast recht. Ich bin ein Idiot."
Sie breitete die Arme aus, um Piper hinein zu lassen und drückte ihre Tochter an sich.
Sie löste sich fünf Minuten später von Piper.
"Kleines, ich muss da jetzt raus, die Presse wartet."
"Schon klar Mom, ich warte hier."
David war schon auf dem Weg aus dem Theater als er plötzlich stehenblieb und sich umdrehte. <Piper hatte recht. Ich muss sie davon überzeugen, dass ich sie liebe. Ich hab sie zu oft unbeabsichtigt verletzt, ich muss ihr beweisen, dass es mir ernst ist.> Also ging David zurück ins Theater.
Gillian stand inmitten einer Menge Reporter und versuchte mit einem Lächeln all ihre Fragen zu beantworten. Sie erstarrte für einen Moment, als einer der Reporter sie darauf ansprach, dass er David vorhin aus ihrer Garderobe hatte kommen sehen. Seine Frage war , warum David denn hier gewesen sei. Noch bevor Gillian antworten konnte, war David schon neben sie getreten.
"Ich denke, diese Frage würde ich gerne selbst beantworten."
David strahlte eine ungeheure Gelassenheit aus. Gillian kannte David gut genug um schon vorher zu wissen, dass sie mit dem, was jetzt kommen würde, nicht einverstanden sein wird. Sie hatte verdammt recht damit.
"Ich kam von L. A. nach London geflogen um Gillian zu besuchen. Wir sind seit über neun Jahren die besten Freunde und ich vermisse sie. Ich denke, es wird jedem von ihnen hier bekannt sein, dass meine Frau und ich uns scheiden lassen. Gillian ist zwar nicht der Grund für diese Scheidung aber dennoch, ich liebe sie. Ja, ich liebe Gillian Anderson. Ich David Duchovny liebe Gillian Anderson.
Aus diesem Grund bin ich heute hier."
Blitzlichter flammten auf. Ganz viele Blitzlichter.
Gillian starrte David nur ungläubig an. Das konnte er doch jetzt nicht wirklich getan haben! Wie konnte er nur!!! All ihre Liebe zu David war in diesem Moment wie weggeblasen. Ihre Beziehung so in der Öffentlichkeit breitzutreten, hatte er den Verstand verloren?!
Hasserfüllt blickte sie David an.
"Du bist verrückt, Dave. DU BIST GANZ EINFACH VERRÜCKT! Das wars. Ich will... ach vergiss es!" Wütend und mit Tränen in den Augen drehte sie sich um und lief davon.
Sie ließ einen komplett verstörten David inmitten all dieser Reporter zurück.
Erst jetzt kam David in den Sinn, was er da gerade getan hatte. Oh Gott, er hatte alles zerstört.
Er hatte Gillian verletzt. Mit hängenden Schultern ließ er die Presse hinter sich und schlich aus dem Theater.
Ja, das WAR eine Sensation für die Presse!
Er wusste nicht wie lange er ziellos durch London geirrt war, aber irgendwann stand er plötzlich vor seinem Hotel. Verstohlen blickte er nach allen Seiten, konnte aber nirgendwo jemanden von der Presse entdecken. Schweren Herzens ging er in die Hotelbar und bestellte sich einen Gin. Nachdem er den sechsten Drink intus hatte, spürte er plötzlich eine Hand auf seiner Schulter.
"David?"
Es war Winona Ryder, eine seiner alten Freundinnen.
"David", wiederholte Winona "Was ist los?"
Eigentlich hatte David daran gedacht, sich in Selbstmittleid zu ertränken. Doch plötzlich war er froh, Winona zu sehen. Es dauerte nicht lange und er erzählte ihr die ganze Geschichte, von Anfang an. Einfach alles. Winona hörte ihm einfach nur zu.
Inzwischen waren in Gillians Garderobe ihre Tränen versiegt. Piper strich ihr immer noch beruhigend über die Haare. Doch sie sagte nichts. Was hätte sie auch schon sagen können, ein kleines Mädchen. Piper hatte Davids Rede von vorhin mitbekommen. Sie hatte sich aus der Garderobe geschlichen und hatte von dort alles mit angehört. Sie konnte zwar nicht begreifen warum David es ihrer Mom unbedingt so hatte begreiflich machen wollen, doch irgendwie verstand sie es auch. Doch ihre Mom jetzt hier so zu erleben, das brach ihr fast das Herz.
"Mom, bitte. Bitte sieh mich an."
Gillian blickte ihrer Tochter in die Augen. "Was?"
"Mom, David hat einen Fehler gemacht, gut, das geb ich zu. Aber darum geht’s doch hier gar nicht! Wichtig ist doch bloß, WAS er gesagt hat. Er liebt dich Mom. Er liebt dich wirklich. Er hatte nicht vor dich zu verletzen, das weiß ich einfach." Piper machte eine kurze Pause.
"Eigentlich ist das da alles meine Schuld. Ich habe David vorhin gesagt, dass er dir klarmachen muss, dass er dich liebt."
"Was hast du ihm gesagt?" Gillian verstand ihre eigene Tochter nicht mehr.
"Mom, ich habs dir vorhin schon gesagt und ich sags dir jetzt noch einmal: du bist ein Idiot! Ein ganz verdammt großer Idiot, wenn du David jetzt einfach so gehen läßt. Du liebst ihn doch auch, und wer liebt der muss verdammt noch mal auch verzeihen können. Ja, genau."
"Pip, wo hast du eigentlich all diese Ausdrücke her?" Ihre Tochter hatte es wirklich geschafft, ihr wieder ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
"Mom, das ist jetzt total unwichtig! Wichtig ist nur, dass du David findest."
"Du meinst also ich soll ihm hinterherlaufen, wie ein treudoofer Hund?"
"Mom, du kannst einen wirklich wahnsinnig machen. Liebst du ihn nun oder nicht?"
Piper baute sich vor ihrer Mutter auf und stemmte die Hände in die Seiten.
"Ich liebe ihn." Es war nur ein kaum hörbares Flüstern aber Piper hatte gute Ohren.
"Worauf wartest du dann noch? Los hinterher." Zu ihren Worten machte sie Bewegungen als wolle sie ein Tier verscheuchen.
"Piper!" Jetzt hatte die Kleine ihre Mutter endlich dazu gebracht in schallendes Gelächter auszubrechen.
"Husch, husch. Raus mit dir." Piper zog Gillian, die sich vor Lachen kaum noch halten konnte zur Tür.
"Moment, mein kleines Fräulein." Schlagartig wurde sie wieder ernst. "Ich habe dir zwar erlaubt heute länger aufzubleiben, damit du die Vorstellung sehen kannst, aber die ist jetzt vorbei. Du müsstest längst im Bett sein. Es ist schon nach Mitternacht."
"Ja, ja, ich weiß." Piper gähnte demonstrativ. "Ich lass mich von Cindy heimfahren. Okay?"
"Okay. Gute Nacht, mein Schatz."
"Nacht Mom. Und jetzt sieh endlich zu, dass du zu David kommst."
Noch bevor Gillian irgendwas erwidern konnte, war Piper schon aus der Tür und auf dem Weg zu Cindy.
Winona hatte es letztendlich geschafft, David davon zu überzeugen, dass es besser wäre, sich hinzulegen. Sie umarmte ihn um ihn abstützen zu können.
"Danke dir, Nonna, danke dass du mir zugehört hast." David beugte sich zu ihr herab und gab ihr einen leichten Kuss auf den Mund.
Genau in diesem Augenblick kam Gillian in die Bar.
Sie hatte es endlich geschafft das richtige Hotel zu finden. Jetzt starrte sie entsetzt auf die Szene die sich da vor ihr abspielte. Als David sie erblickte schüttelte sie nur den Kopf, drehte sich um und verschwand in Richtung Ausgang.
Winona hatte Gillian ebenfalls gesehen. Jetzt gab sie David einen Schubs.
"Lauf ihr nach, David. Lass sie nicht einfach so verschwinden. Sie ist schließlich hierher gekommen. Los, geh schon."
David rannte auf die Straße, soweit das eben in seinem Zustand überhaupt möglich war. Doch irgendwie hatte er das Gefühl, dass er in dem Moment, als er in Gillians Augen gesehen hatte, schlagartig nüchtern geworden war.
"Gill warte! Gillian, bitte bleib stehen."
Gillian drehte sich um. Die ganze Farbe war ihr aus dem Gesicht gewichen.
"Dave, nein, lass mich einfach gehen. Vergiss einfach, dass ich gekommen bin."
Traurig schüttelte sie den Kopf.
"Nein, ich lass dich jetzt nicht einfach so gehen. Ich will es dir wenigstens erklären dürfen."
Bitter lachte Gillian auf. "Erklären? Was? Mein Gott Dave, ich habe doch Augen im Kopf. Ich hab doch gesehen was los war! Vor einigen Stunden hast du noch der Presse erklärt, du liebst mich und jetzt küsst du deine alte Flamme. Du hast dich wieder einmal sehr schnell getröstet und ich hab mich wieder einmal vollkommen lächerlich gemacht."
"Gill, bitte! Komm, setzt dich hier mit mir auf diese Bank, bitte!"
"David, ich werde jetzt gehen. Einmal ist Schluß! Du kannst nicht mit mir machen, was du willst!" Sie hatte große Mühe, das Zittern aus ihrer Stimme heraus zu halten.
"Gillian!"
Verzweifelt trat David auf sie zu und hielt sie an beiden Armen fest.
"Hör mir wenigstens eine Minute lang zu!"
"Lass mich SOFORT los, du tust mir weh!" Ein bedrohlicher Unterton schlich sich in Gillans Stimme.
Doch David ließ sie nicht los. Zumindest aber lockerte er seinen Griff ein wenig, denn in seiner Verzweiflung hatte er wirklich etwas zu fest zugepackt.
"Gill hör zu, es ist nicht so, wie du denkst. Es ist ÜBERHAUPT NICHTS passiert!"
"Jetzt klingst DU wie aus einem kitschigen Roman David."
Ihr verächtlicher Ton tat ihm in der Seele weh.
"Es ist mir egal wie es sich anhört", erwiderte er verächtlich, "wichtig ist nur, dass ich mich gerade vorhin vor der ganzen Presse für die ganze Welt zum Affen gemacht habe, weil deine Tochter mich überzeugt hatte, dass ich nicht das Liebste und Wichtigste, was ich auf der Welt habe, einfach gehen lassen kann, und als ich merkte, dass ich es noch mehr verdorben habe, bin ich durch London geirrt, bis ich vor meinem Hotel stand. Dann habe ich versucht, mich in der Bar abzuregen - ich weiß, dass ist nicht die beste Lösung, aber verdammt Gill, ich KONNTE NICHT MEHR! Dann kam zufällig Nonna herein und hat mich da wie einen begossenen Pudel gefunden und ich hab ihr einfach mein Herz ausgeschüttet. Irgendeiner muß mir doch mal zuhören wenn du es schon nicht tust, Gill!"
Plötzlich klang er müde, unendlich müde. Er holte tief Luft.
"Wir haben uns gerade darauf geeinigt, dass ich mich ins Bett legen soll, obwohl ich sowieso kein Auge zugetan hätte... Ich gab ihr zum Dank und zum Abschied einen raschen Kuss auf den Mund. Als Freund. Ich war einfach total fertig mit den Nerven und dankbar, dass mir endlich jemand zugehört hat. Dass ich mal mein Herz ausschütten durfte."
Bevor Gillian irgend etwas erwidern konnte, fügte er noch hinzu:
"Und das hatte überhaupt nichts damit zu tun, dass ich dich fallenlassen oder zu einer anderen rennen würde und dich nur wieder aufsuchen würde, wenn ich keine andere hätte. Du wolltest mir ja nicht zuhören Gill! DU hast mich weggeschickt und wolltest mich nicht sehen, nicht bei dir haben, nachdem ich extra aus L.A. hierher zu dir geflogen bin."
Er schloß die Augen. Das war zuviel, einfach zuviel. Er konnte nicht mehr. Es war ihm so nach weinen zu Mute, aber selbst das brachte er nicht mehr fertig. Er war einfach zu erschöpft.
David ließ müde die Schultern hängen und löste seine Hände vollständig von Gillians Armen. Den Blick hielt er auf die Straße gesenkt.
Gillian war völlig sprachlos. Sie war immer noch wütend, verdammt, sie würde sich nicht ständig verletzen lassen! Aber seine Worte hatten sie tief in ihrem Innersten berührt und es brach ihr fast das Herz, ihn so niedergeschlagen zu sehen. Doch sie wollte, nein, sie KONNTE jetzt nicht nachgeben! Sie musste zunächst einmal daran denken, sich selbst zu schützen.
"David", sagte sie ruhig, "ich werde jetzt gehen. Ich hoffe, du verstehst das. Ich möchte, dass du jetzt in dein Zimmer gehst und versuchst, zu schlafen und dass du mich erst mal in Ruhe läßt. Ich kann es nicht ertragen, noch einmal von dir verletzt zu werden. Also, keine Anrufe, keine Besuche und auch sonst nichts. Verstanden?!"
Mit diesen Worten drehte sie sich um und verschwand. Sie versuchte mit aller Kraft einen geraden Gang zu bewahren und durch keine Bewegung und keinen Ton das Schluchzen zu verraten, dass in ihr emporkroch. David blieb wie gelähmt am selben Platz sitzen und starrte hinter ihr her. Sein Kopf war jetzt ganz leer und er starrte einfach nur in die Nacht hinaus. Er wusste nicht, wieviel Zeit vergangen war, bis er sich endlich in sein Hotelzimmer schleppte, wo er sich lange im Bett hin und her wälzte, bis er am frühen Morgen schließlich in einen unruhigen Schlaf fiel.
16. März 2003; 15:07 Uhr; Portafino, Florenz:
Gillian saß in einem Liegestuhl in der Sonne als der Kellner auf sie zutrat.
"Signora, è arrivata una lettera per lei"
"Grazie". Gillian nahm den Brief entgegen. Sie wusste, dass dieser Brief nur von David sein konnte. Sie öffnete ihn und begann zu lesen.
Liebste Gillian,
ich weiß, ich hab dir versprochen, mich nicht bei dir zu melden. Es waren für mich die längsten und schwersten zwei Monate meines Lebens.
Die Scheidung von Téa ist durch. Wir haben uns darauf geeinigt, uns das Sorgerecht für West zu teilen. Ich denke, sie ist mit ihrem neuen Leben sehr zufrieden. Es gab zwar einige ganz hässliche Artikel in einigen Zeitungen, aber auch das hat sich inzwischen gelegt.
Ich vermisse dich so sehr, Gillian. Ich weiß, ich habe einen großen Fehler gemacht, dir in London vor all diesen Leuten eine Liebeserklärung zu machen. Doch ich hatte so große Angst, ich könnte dich verloren haben.
Ich weiß nicht, ob du mir das jemals verzeihen kannst aber bitte versuch es! Ich weiß von Chris, dass du für den Akte X-Film unterschrieben hast. Ich auch. Wir werden uns also am Set sowieso über den Weg laufen.
Ich will mich dir nicht noch einmal aufdrängen, ich werde dich nicht wieder bloßstellen und ich werde mich auch ganz sicher nicht wieder so zum Trottel machen wie in London. Das verspreche ich dir!
Ich möchte nur, dass du weiß, dass sich an meinen Gefühlen für dich absolut nichts geändert hat. Ich liebe dich, Gill!
Du fehlst mir ganz schrecklich. Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an dich denke und mir wünsche, du wärst hier bei mir. Am meisten allerdings, da vermisse ich dein Lachen, deine Freundschaft. Du warst so lange Zeit mein bester Freund....
Wenn du keine Liebe mehr für mich empfindest, dann muss ich das akzeptieren, vielleicht aber gelingt es dir wenigstens, wieder mein Freund zu sein!
Ich hoffe, es geht dir gut und du bist glücklich in Italien.
Hätte ich heute drei Wünsche frei, dann wären die Antworten darauf ganz einfach:
1. Komm mit Piper zu mir zurück
2. Liebe mich
3. Heirate mich!
Ich liebe dich!
Dein David
Gillian ließ den Brief sinken. Die Tränen rannen ihr unaufhörlich über das Gesicht. Einige Zeit saß sie nur da und dachte über Davids Worte nach. Sie hatte diesen Monat in Italien sehr genossen. Das Zusammensein mit Piper, die Sonne, die einsamen Abende auf der Terrasse ihres Bungalows. Sie war aus London geflohen, als ihr die ganzen Presseberichte und die immer wiederkehrenden Artikel über Davids Scheidung und sein Auftauchen bei der Premiere zuviel geworden waren. Doch ganz plötzlich da wusste sie, jetzt war es Zeit zurückzufahren. Zurück zu David...
19. März; Amerika, Davids Haus
David schloß die Tür hinter sich. Das Joggen hatte ihm gutgetan. Die letzten Monate waren wirklich nicht einfach gewesen. Er hatte sich zu Hause vergraben und sich in seinem eigenen Selbstmittleid gesonnt.
Es war der richtige Zeitpunkt, als Chris ihn wegen des neuen Akte X-Film angerufen hatte. Er hatte sofort zugesagt, ohne überhaupt das Drehbuch zu kennen. Er musste lächeln, als er an Chris Gesicht dachte. Chris war wirklich überrascht gewesen, dass er das Drehbuch zuerst überhaupt nicht lesen wollte. Es hatte ihn aus seiner Lethargie gerüttelt.
Gillian hatte, als ihr Flieger gelandet war, Piper zu ihrem Kindermädchen gebracht und war sofort zu David weitergefahren. Sie hoffte, ihn zuhause anzutreffen.
Sie fühlte sich frei, glücklich und unbeschwert. Die Zeit hatte für sie gearbeitet, hatte sie erkennen lassen, dass ein Leben ohne David für sie einfach nicht lebenswert war. Sie wollte die letzten Monate nicht missen, aber sie wusste auch, dass der Zeitpunkt gekommen war, um David zu sagen, wie sehr sie ihn liebte.
Ring, ring, ring.
David stellte sein Mineralwasser auf den Tisch und ging zur Tür um zu öffnen.
Das erste was er sah, waren ihre Augen, ihr Mund. Ihr Lächeln. Oh Gott, Gillian! Gillian war wieder da und sie lächelte! Sie war wieder da, sie war zurück und sie war hier, bei ihm. Halleluja!!!!
"Gill, seit wann..."
Weiter kam David nicht mehr. Gillian umarmte ihn einfach. Und dann küsste sie ihn. Küsste ihn, als wolle sie nie wieder aufhören. Ihre Hände lagen um seinen Hals, ihr Mund war auf seinem. David konnte sein Glück noch gar nicht fassen. Er hörte kurz auf sie zu küssen, hielt sie ein wenig von sich weg, nur um ihr nochmals in die Augen schauen zu können. Was er darin las, das war Liebe. Doch er wollte es ganz genau wissen.
"Was ist passiert?"
Gillian strich ihm mit ihrer Hand über die Wange. "Ich bin nach Hause gekommen, Dave. Nach Hause zu dir! Ich liebe dich und ICH war der verdammte Idiot, nicht du! Darum ist die Frage wohl eher die, ob DU MIR verzeihen kannst? Ich brauche dich, ich will mein Leben nicht ohne dich leben. Gott, ich liebe dich so sehr!"
Das war alles was David wissen wollte. Er zog Gillian wieder an sich und unter Küssen schlossen sie die Türe hinter sich.
24. März, Oscarverleihung
Gillian schritt neben David über den roten Teppich. Als die Presse die Beiden bemerkt hatte, da vergaßen diese für einige Augenblicke sogar, nach den richtigen Stars dieser Oscarnacht Ausschau zu halten. Gillian und David, zusammen Hand in Hand, mit einem glücklichen Lächeln, das war DIE Sensation.
Doch die ganz große Überraschung kam dann erst eine Stunde später.
Gillian schritt langsam auf der Bühne nach vorne. Man hatte sie aufgefordert, den Oscar für den besten ausländischen Film zu übergeben.
David saß unten im Publikum und wieder einmal dachte er daran, wie wunderschön Gillian doch war. Sie hatte ein ganz schlichtes, schwarzes, tief ausgeschnittenes Kleid an, das ihren schlanken Körper perfekt zur Geltung brachte. Sie sah glücklich aber trotzdem ein wenig nervös aus. David fragte sich warum...
"Meine Damen und Herren, ich wurde gebeten, heute hier den Oscar für den besten ausländischen Film zu übergeben. Bevor ich das jedoch mache, bitte ich sie, ihnen vorher kurz eine kleine Geschichte erzählen zu dürfen."
Etwas verlegen blickte Gillian zu Boden.
"Als ich vor über einem halben Jahr in London auf der Bühne stand, kam mein bester Freund und Serienpartner David Duchovny nach London. Er hatte die Kühnheit besessen, mir vor der Presse und Kollegen auf einer Pressekonferenz eine Liebeserklärung zu machen. Soweit ich informiert bin, hat die Presse ja auch hier in Amerika genügend darüber berichtet. Ich habe David damals zum Teufel geschickt, einfach weil er mich in aller Öffentlichkeit ausgetrickst hatte. Und das, obwohl er eigentlich ganz genau wusste, dass ich mein Privatleben niemals in die Öffentlichkeit zerren wollte. Ich habe hier jetzt nicht vor, es ihm heimzuzahlen, aber ein klein wenig werde ich seine - mit Sicherheit in Kürze eingetretene Verlegenheit - ganz sicher genießen.
David hat mir gesagt, er habe Drei Wünsche: Der erste war der, dass ich zu ihm zurückkommen sollte. Nun, ich bin da. Der zweite war der, dass ich ihn lieben sollte. Nun das tue ich, von ganzem Herzen. Und der dritte Wunsch, hm, nun ja, er meinte, er würde mich gerne heiraten. Dave, die Antwort darauf ist ja. Ja, ich will dich heiraten, weil ich dich liebe. Du bist mein bester Freund, mein Vertrauter, mein Licht in der Dunkelheit."
David stand auf und ging unter tobendem Applaus auf die Bühne. Dort angekommen, wirbelte er Gillian durch die Luft und küsste sie.
Ja, diesmal hatte die Presse ihre Story bekommen...
Ende