Titel: Fate and Elevator Rides
Datum: 19.05.2001
Autorin: SonjaK
Spoiler: Rain King, The Movie, Beyond The Sea
Kontakt: dianalesky79@yahoo.de
Kategorie: Crossover, Challenge response, Romance, Angst, Ironie
Rating: TH (= total harmlos *lol*)
Short-Cut: X-Files meets Stargate.
Disclaimer: Weder
die Charaktere von Akte X noch die von Stargate gehören mir,
aber ich spiele doch so gern mit ihnen [mit einigen von ihnen
noch lieber als mit andren... 0;-)], und darum hab ich sie mir
heimlich ausgeborgt, als ihre eigentlichen Besitzer nicht zu
Hause waren. Ich bring sie aber unversehrt zurück,
versprochen... ;-P
Notiz der Autorin: Es begann harmlos genug mit einem Telefonanruf, im Laufe dessen ich von meinem Creative Equal auf die neueste Challenge aufmerksam gemacht wurde. Trotz diverser unvollendeter FanFics konnte ich einfach nicht widerstehen, meinen Senf dazuzugeben. Kitty, 1000 hugs fürs Anstacheln!! Die Begegnung zwischen den Mailpartnern wird sich bald auch in der Realität ereignen, hoffe ich.
Besondere Grüße auch an meine kleine Schwester für die hilfreiche Kritik, was die Charaktere von Stargate betrifft. Rena, guck dir die Szenen genau an, dann weißt du, was ich meine. Ohne dich wären Jack und Sam nicht das, was sie sind.
@ Cat: Du weißt, was mir diese Fic bedeutet, denn wenn ich sie nicht geschrieben hätte, müsste ich mein Leben ohne dich fristen. Das wäre nicht auszudenken, oder?? Also: Sie ist dir gewidmet, Honey!!
Und jetzt viel Spaß!!
![]() |
Der Wald war dicht genug um ihn für eine weitere Minute vor der Blicken der Wachen zu verbergen, aber es würde knapp werden wenn er auch nur ein paar Meter weiterging. Also holte Mulder sein Mobiltelefon aus der Tasche und tippte eine Nummer ein, die sich aus Sicherheitsgründen nicht im Speicher befand. Eine vertraute Stimme meldete sich: Mulder, bist dus?
Wer sonst
ruft auf dieser Leitung an? Hör mal, bist du sicher, dass das
funktioniert?
Natürlich.
Langley hat alles mindestens zehnmal überprüft, und deine
Tarnung ist auch wasserdicht. Oder denkst du, wir würden dich da
ohne Sicherheit reingehen lassen?
Nein, aber
ich wollte nur nochmal ganz sicher gehen.
Scully
bringt uns um wenn dir was passiert, und darauf können wir alle
gut verzichten.
Okay, das
beruhigt mich. Mulder musste ein Lächeln unterdrücken; es
war nur natürlich, dass die Gunmen nichts davon hielten, den
Zorn seiner Partnerin auf sich zu ziehen.
Okay,
Byers, ich geh jetzt rein.
Viel
Glück. Meld' dich, wenn du wieder da bist, und vergiss nicht,
dass du uns einen Artikel versprochen hast.
Der bärtige Mann
legte den Telefonhörer auf und drehte sich zu seinen beiden
Freunden um. Das war Mulder. Er geht jetzt rein.
Hoffentlich
geht das gut., unkte Frohike mit sorgenvoller Miene. Ich
habe keine Lust, Scully mitzuteilen, dass ihr Partner bei einem
illegalen Einsatz von Airforceleuten erschossen worden ist.
Das kann
gar nicht schief gehen., betonte Langley bestimmter, als er
sich fühlte. Er war sich ganz und gar nicht sicher, ob diese
ganze Sache eine gute Idee war, aber was konnte er schon tun? Als
Mulder vor einigen Tagen zu ihnen gekommen war und von
ungewöhnlichen Aktivitäten im Cheyenne Mountain erzählt hatte,
über die er von einem angeblich zuverlässigen Informanten
unterrichtet worden war, hatten sie alle drei gewusst, dass
nichts und niemand ihn davon abhalten würde, in die gesicherte
Station der Airforce, die sich in diesem Berg befand,
einzudringen, und es war ihnen sicherer erschienen Mulder zu
helfen, indem sie ihm eine neue Identität und einige
Zugangscodes beschafften. So stiegen die Chancen, dass ihr Freund
das Unternehmen überlebte, um einige Prozentpunkte, und
außerdem hatte er versprochen, bei Erfolg einen Artikel über
seine Erlebnisse in der geheimen Basis für die nächste Ausgabe
des Einsamen Schützen zu schreiben. Also hatten sie
all ihre Quellen angezapft und aus Special Agent Fox Mulder einen
hochrangigen Mitarbeiter des Pentagon gemacht, dessen
Geheimhaltungsstufe hoch genug war, in eine Hochsicherheitsanlage
der Airforce zu gelangen. Nun konnten sie nichts mehr tun außer
zu hoffen, dass alles gut ging, und die ganze Angelegenheit vor
Scully geheimzuhalten, was in Anbetracht der engen Beziehung
zwischen den Agenten nicht einfach werden würde. Byers hatte
schon gemutmaßt, dass Scully misstrauisch werden würde, wenn
Mulder mal zwei Nächte hintereinander nicht anrief und sie
weckte. Natürlich hatte er sich gehütet, das vor Frohike zu
äußern, denn jeder von ihnen wusste, dass dieser nur zu gern
diesen Part übernommen hätte.
Während seine drei Freunde sich ihre eigenen Gedanken machten verließ Mulder endlich den Schutz der Bäume und begab sich auf die Straße, die direkt zum Eingang des Berges führte, in dem er Antworten zu finden hoffte. Er vertraute den Gunmen, dass sie die nötigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen hatten, und die Leichtigkeit, mit der er die Wachposten am Tor passierte, schien ihm recht zu geben. Seine Ausrede, sein neuer Fahrer habe nicht die nötige Sicherheitsstufe, um ihn den Rest des Weges zu fahren und er habe nicht auf einen anderen warten wollen, hatte man ihm ohne weiteres abgenommen; offenbar passierte so etwas nicht zum ersten Mal.
Er wurde zu einem
Lift geführt, wo ihn der Wachposten allein lassen musste, da er
sich nicht zu weit vom Eingang entfernen durfte, und nachdem er
versichert hatte, dass er bestimmt allein den Weg zu General
Hammond wer das auch immer sein mochte finden
würde, wurde auch kein Begleiter für ihn gesucht. Offenbar war
es von Vorteil, Major Carter zu kennen. Das war eine seiner
Tarnungen für Notfälle gewesen, und wenn er auch nicht wusste,
wer diese Major Carter war, so hatte die Erwähnung ihres Namens
ihm doch geholfen, dieses Hindernis zu überwinden. Langley hatte
herausgefunden, dass sie im Pentagon gearbeitet hatte, und einen
Bekannten auf einer Base zu haben war immer gut, wie sich hier
nur einmal mehr zeigte. Innerlich bedankte sich Mulder bei der
ihm unbekannten Frau, als er in den Lift stieg und auf gut Glück
den Knopf für das unterste Level drückte. Seiner Erfahrung nach
waren dort die wirklichen Geheimnisse eines Stützpunktes
untergebracht, und es gab keinen Grund anzunehmen, dass es hier
anders sein sollte.
Er war noch keine
drei Etagen tiefer gefahren, als sich die Tür des Aufzugs
öffnete und ein Mann einstieg. Er nickte Mulder knapp zu, als
grüße er automatisch jemanden, den er sich nicht genauer
angesehen hatte, aber dann hob er den Kopf und sah sein
Gegenüber genauer an. Mulder versuchte so auszusehen, als
gehöre er hierher. Dieser Soldat mit dem angegrauten Haar konnte
schließlich nicht jeden Menschen auf dem Stützpunkt kennen;
dazu war dieser viel zu groß. Anscheinend spielte Mulder jedoch
nicht überzeugend genug, denn anstatt den Kopf wieder zu senken
erkundigte sich der Mann in einem neutralen Tonfall: Kenne
ich Sie?
Ich wüsste
nicht woher., entgegnete Mulder, der sich sehr wohl bewusst
war, dass er jetzt genau nach Plan spielen musste, wollte er
nicht entdeckt werden.
Ich nehme
nicht an, dass Sie allzu oft aus Ihrem Berg heraus und ins
Pentagon kommen.
Nicht, wenn
es sich vermeiden lässt., erwiderte der Mann. Die
Luft dort stinkt mir zu sehr nach Schleimern.
Oh, wunderbar;
hier hatte er gleich seine erste Herausforderung: Einen
Bürokratenhasser. Und ausgerechnet er, der sich selbst zu diesen
Menschen zählte, sollte nun einem Airforcemann vorspielen, sein
eigener schlimmster Feind zu sein. Wie reagiert man auf so
eine Beleidigung? Ach, ich machs einfach wie Kersh...,
legte sich der Agent seine Strategie zurecht.
Das mögen
Sie so sehen, Mr...
ONeill,
Colonel ONeill, unterbrach ihn der Mann steif.
Colonel,
aber wenn es uns nicht gäbe, hätten Sie bestimmt kein so hohes
Budget. Und damit das so bleibt, gibt es meinesgleichen, die
dafür sorgen, dass auch wirklich die Leute was vom Kuchen
abbekommen, die effektiv arbeiten.
Soll das
schon wieder so eine Inspektion werden? Der Ton des
Colonels wurde gereizt. Langsam habe ich die Nase voll von
euch; ihr rennt hier herum und steht im Weg, und wenns hart
auf hart kommt, vermasselt ihr alles. Ich bringe Sie am besten
zum General, damit Sie sich auf dem Weg nicht verlaufen.
Das hatte Mulder gerade noch gefehlt; wie sollte er sich umsehen
oder auch nur seine Tarnung aufrecht erhalten, wenn er wirklich
dem General gegenüberstand?
Ich... Ich
würde mich lieber zuerst allein hier umsehen; das ist wesentlich
aufschlussreicher als eine Führung. Wenn er darauf
hereinfällt, dann ist er wirklich...
Mulder kam nicht
mehr dazu, seinen nicht besonders freundlichen Gedanken zu Ende
zu bringen, denn in dem Moment, in dem der Colonel einen
Etagenknopf drückte, kam der Lift zu einem plötzlichen Halt,
bei dem beide Männer um ihr Gleichgewicht zu kämpfen hatten.
Verdammt, nicht schon wieder., knurrte der Colonel
und drückte auf den Knopf für die Sprechanlage. Simmons,
was zum Teufel ist da schon wieder los?, erkundigte er sich
scharf, und eine verzerrte Männerstimme, die nichtsdestotrotz
eindeutig eingeschüchtert wirkte, antwortete: Tut mir
leid, Sir, ich weiß es auch nicht. Major Carter hat einen neuen
Naquada- Reaktor getestet, und plötzlich waren alle Aufzüge
blockiert. Soweit ich das sehe, hängen Sie irgendwo zwischen der
5. und der 6. Ebene fest. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie lange
es dauern wird, bis der Strom wieder da ist.
Dann
schaffen Sie mir Major Carter her, verdammt nochmal! ONeill
wurde zunehmend ungeduldiger, denn sein Instinkt sagte ihm, dass
mit diesem Mann neben ihm etwas nicht stimmte. Er war nicht
arrogant genug für einen Spitzel des Pentagon, und ONeill
wollte verdammt sein, wenn er nicht herausfand, wer der Kerl
wirklich war. Nur würde das schwer zu bewerkstelligen sein, wenn
sie zusammen in einem Lift feststeckten. Es sei denn, er wendete
eine seiner Black- Ops- Techniken an, aber das könnte
einigermaßen peinlich werden, sollte sich am Ende herausstellen,
dass der Mann doch für das Pentagon arbeitete.
Eine neue Stimme
aus dem Lautsprecher erforderte seine Aufmerksamkeit: Colonel?
Es tut mir leid, ich hatte nicht damit gerechnet, dass der
Testlauf alles außer Kraft setzen würde; es läuft gerade noch
die Notstromversorgung. Hätte ich das gewusst...
Schon gut,
Carter. Bringen Sie nur diesen verdammten Fahrstuhl wieder zum
Laufen; wir unterhalten uns dann, wenn ich hier raus bin.
Ja, Sir.
Trotz der Verzerrungen war ein Hauch von Lachen in der weiblichen
Stimme zu hören, und Mulder fragte sich, was das zu bedeuten
hatte. War diese Frau offenbar seine Bekannte
aus dem Pentagon amüsiert über die Tatsache, dass ihr
Vorgesetzter im Fahrstuhl feststeckte, oder war es einfach Teil
eines Spiels, das diese beiden spielten? Anscheinend letzteres,
denn als die Verbindung unterbrochen wurde, drehte sich der
Colonel zu Mulder um und sagte mit einem Hauch von Stolz in der
Stimme: Das ist typisch Sam; es vergeht kein Monat, in dem
sie nicht etwas Großes erfindet und auf dem Weg dorthin die
halbe Basis lahmlegt. Ich wette, in ein paar Minuten hat sie den
Fehler gefunden und wir sind hier raus.
Als trainierter
Agent sah Mulder sofort die Möglichkeit, den Colonel davon
abzuhalten, weitere unangenehme Fragen zu stellen, und er hakte
nach: Sind Sie sicher, dass das so schnell geht? Dieser
Simmons hat doch gesagt, die ganze Stromversorgung sei
lahmgelegt.
ONeill warf
ihm einen ungnädigen Blick zu. Natürlich bin ich sicher.
Sam Carter ist mit Sicherheit die einzige, die das hier wieder in
den Griff bekommt. Und wenn es etwas länger dauert, dann hätte
jemand anderer garantiert noch länger gebraucht.
Mulder war sich
nun sicher, dass er sein Gegenüber am Haken hatte. Sie
halten ziemlich viel von ihr, was?
Natürlich
tue ich das. Sie ist ein guter Soldat und eine brillante
Wissenschaftlerin. Man kann sich auf sie verlassen, egal was
passiert.
So eine
Frau kenne ich auch... Mulder beschloss, nicht zu
erwähnen, dass er laut seiner Tarnung die Frau kannte, von der ONeill
so sehr schwärmte, denn er ahnte schon, dass das unangenehme
Folgen haben würde. Schließlich wäre er auch nicht begeistert,
wenn jemand aus Scullys Vergangenheit bei ihm auftauchen würde.
Statt dessen würde er das Thema einfach auf unverfängliche
Weise weiterverfolgen, und was eignete sich da besser als ein
Gespräch unter Männern? Natürlich musste er dazu auch etwas
beisteuern, und genau das gedachte er zu tun.
So? Ich
dachte nicht, dass es im Pentagon solche Leute gibt.
Wunderbar;
jetzt hättest du dich fast verraten. Aufpassen, Mulder!
Ich kenne
sie auch nicht aus dem Pentagon; sie arbeitet beim Geheimdienst.
Fast die Wahrheit; unsere Arbeit grenzt schon hart an die des
Geheimdienstes; ganz abgesehen davon, wie oft wir gegen
ihn arbeiten...
Und?
Sie ist
Physikerin. Aber wenn sie im Außendienst tätig ist, würde ich
ihr nicht in die Quere kommen wollen.
Carter ist
auch Physikerin; Astrophysik. Sagen Sie, seit wann sind Sie
eigentlich beim Pentagon?
Kann er das
Thema nicht mal fallen lassen?
Seit sieben
Jahren.
Dann
könnten Sie Carter noch kennen. Sie hat dort mal gearbeitet.
Und ich
dachte, Sie halten nichts von unseren Leuten.
Sie ist
anders. Aber vielleicht wissen Sie das ja selber? Die
Stimme des Colonels hatte einen winzigen bedrohlichen Unterton
angenommen, der einem weniger aufmerksamen Beobachter nicht
aufgefallen wäre. Mulder dagegen entging er nicht, und ihm war
klar, dass er jetzt lieber nichts falsches sagen sollte. Wie
sollte er da nur am besten wieder rauskommen?
Na ja, ich
bin ihr vermutlich ein paarmal begegnet, aber ich sehe sie nicht
vor mir. Schlechtes Personengedächtnis. Könnten Sie sie mir
kurz beschreiben?
Okay. Sie
ist zierlich, blond, kurze Haare, große blaue Augen, und
eigentlich lächelt sie immer.
Mulder bemühte
sich um einen neutralen Tonfall. Ach ja, genau. Ich
erinnere mich. Samantha Carter. Captain der Airforce, nicht wahr?
Major. Sie
ist inzwischen befördert worden. Wann sind Sie ihr begegnet?
Daran
erinnere ich mich nicht mehr. Es muss wohl auf einer der großen
Veranstaltungen gewesen sein, oder bei irgendeiner Konferenz.
Wenn ich mich richtig entsinne, habe ich sie sogar mehrmals
getroffen.
ONeills
Gesicht wurde finster, und Mulder beschloss, ihn schnell ein
wenig zu beruhigen. Nicht, dass ich jemals mit ihr
ausgegangen wäre; daran würde ich mich sicher erinnern.
Schon in dem
Moment, als die Worte heraus waren, wusste Mulder, dass er einen
schweren Fehler gemacht hatte. ONeill schien sich innerhalb
von einer Sekunde von einem friedlichen, wenn auch misstrauischen
Colonel der Airforce in einen Psychopaten zu verwandeln, und
Mulder wünschte sich plötzlich, irgendwo in Deckung gehen zu
können, was in dem engen Lift natürlich unmöglich war. Was
wollen Sie damit sagen?, knurrte der Colonel, und Mulders
Gehirn rotierte auf der Suche nach einem Ausweg aus seiner Lage.
Na ja, ich
meine, dass ich mich sicher erinnern könnte, wenn ich jemals den
Mut gehabt hätte, eine Frau wie sie um ein Date zu bitten.
Puh,
anscheinend war das gar nicht mal so schlecht...
ONeill
nickte. Geht mir genauso., gab er einigermaßen
versöhnt zu. Sie ist irgendwie zu gut, um wahr zu sein.
Dann
sollten Sie sie erst recht fragen, bevor jemand anderer Ihnen
zuvorkommt. In seinem Kopf hörte Mulder die spöttische
Stimme seiner Partnerin: Mulder, wann hatten Sie das letzte
Mal ein Date? Er versuchte, sie zu ignorieren, denn allein
der Gedanke an ihre Stimme weckte eine ganz und gar
unprofessionelle Sehnsucht in ihm.
Wie meinen
Sie das? Wieder war Misstrauen in der Stimme des Colonels
zu hören, und Mulder beeilte sich, seine Worte zu erklären:
Allein Ihre Reaktion darauf, dass ich sie kenne zeigt doch,
dass Sie etwas für sie empfinden, und bei einer attraktiven Frau
wie sie es ist sind Sie mit Sicherheit nicht der einzige, der
sich für sie interessiert.
Woher
wollen Sie wissen, was ich...
Mulder unterbrach
ihn: Das ist offensichtlich. Sie mögen ja nicht allzu viel
vom Pentagon halten, aber es gibt dort durchaus trainierte
Beobachter, und ich bin zufällig einer davon. Allein der Ton, in
dem sie eben mit ihr gesprochen haben, sagt alles. Also, warum
bitten Sie sie nicht mal um ein Date und finden heraus, ob sie
dasselbe fühlt?
Wenn Sie
wirklich so schlau wären wüssten Sie auch, dass es gegen die
Regeln ist, wenn ein CO was mit seinem untergeordneten Offizier
hat.
Ist das
alles? Wollen Sie wirklich nur was mit ihr haben? Dann haben Sie
recht, und es wäre keinen Verstoß gegen die Regeln wert, aber
sollte da mehr sein und ich habe stark den Eindruck, dass
da mehr ist dann sollten Sie es sich zweimal überlegen,
ob Sie die Regeln Ihrem Glück im Weg stehen lassen wollen.
Wenn du doch nur immer so schlau gewesen wärst...
Der Colonel sah
Mulder mit wachsendem Interesse an. Und das sagt mir
ausgerechnet ein Kerl aus dem Pentagon, der die Regeln erfunden
hat.
Wenn der
wüsste...
Nein, das
sagt Ihnen der Kerl, mit dem zusammen Sie im Lift feststecken und
der ganz genau weiß, wovon er spricht. Wir haben nämlich
ziemlich ähnliche Regeln.
Und das ist
ein Problem für Sie?
Allerdings.
Aber das gehört nicht hierher. Sie wollen doch, dass sie Sie
gern hat; dann müssen Sie ihr schon sagen, dass Sie sie
mögen.
So einfach
ist das aber nicht Selbst wenn wir mal für einen Moment die
Regeln vergessen bleibt immer noch die Tatsache, dass wir Freunde
sind, und das kann ich unmöglich riskieren. Wie sollte sich eine
intelligente, hübsche Frau wie sie ausgerechnet in einen alten
Idioten wie mich verlieben? Nein, wenn ich eine Andeutung mache
verliere ich auch noch ihre Freundschaft, und das könnte ich
einfach nicht.
Sieht hier
irgend jemand eine Parallele? Mulder brachte seine innere
Stimme mit einen heftigen Kopfschütteln zum Schweigen und
erwiderte: Sind Sie sich da sicher? Vielleicht denkt sie
dasselbe über Sie. Es soll schon Fälle gegeben haben, in denen
zwei Freunde jahrelang umeinander herumgekreist sind, weil keiner
den ersten Schritt machen wollte, da sie nicht die Freundschaft
des anderen riskieren wollten. Am Ende kann es sogar vorkommen,
dass einer von ihnen sich mit einem Ersatz für das
zufriedengibt, was er glaubt, niemals haben zu können, und beide
sind für den Rest ihres Lebens unglücklich. Ich wette,
du denkst jetzt nicht an Holman und Sheila.
Aber was,
wenn wir doch nur Freunde sind? Zumindest aus ihrer Sicht?
Dann wird
sie Ihre Gefühle verstehen und weiter Ihre Freundin bleiben, da
bin ich sicher. Außerdem, wer weiß? Ich habe einmal jemanden
sagen hören, dass die besten Beziehungen, diejenigen, die
andauern, der Freundschaft entspringen. Es kann passieren, dass
man eines Morgens aufwacht und den einstigen Freund mit ganz
anderen Augen sieht, als ob jemand einen Schalter umgelegt
hätte. Und dann ist die Person, die man erst nur als Freund
gesehen hat, auf einmal die einzige, mit der man sich vorstellen
kann, den Rest seines Lebens zu verbringen.
ONeill
schaute Mulder überrascht an als könne er nicht glauben, dass
diese Worte aus dem Mund eines Bürokraten gekommen sein sollten.
Von wem ist das?, erkundigte er sich.
Von einer
guten Freundin. Sie hat mit diesen Worten eines der tragischen
Liebespaare zusammengebracht, von denen ich eben gesprochen habe.
Hätte sie das nicht getan, wären die beiden heute noch
unglücklich, und das wäre eine echte Tragödie. Er
weiß ja nicht, in welchem Ausmaß...
Jack ONeill wehrte sich dagegen es zuzugeben, aber dieser Mann aus dem Pentagon begann ihm sympathisch zu werden. Offensichtlich wusste er ganz genau, wovon er sprach, und ONeill hätte gern gewusst, ob er mit dieser Vermutung recht hatte. Sprechen Sie aus Erfahrung?, erkundigte er sich, und Mulder sah so schuldbewusst aus, dass der Colonel wusste, er hatte ins Schwarze getroffen. Der Agent überlegte einen Moment lang, ob er lügen sollte, besann sich dann aber eines besseren. Gerade hatte er das Vertrauen seines Gegenübers gewonnen, und er konnte es sich nicht erlauben, diese kleine Sicherheit wieder zu verspielen. Also entschloss er sich, die Wahrheit zu sagen. Könnte man so sagen, ja.
Und? Ich
meine, wie ist es ausgegangen? Mulder versuchte krampfhaft,
nicht daran zu denken, wie sich Scullys Lippen bei dieser
Frage zu einem leichten Lächeln verziehen würden, und schon gar
nicht daran, wie sich diese Lippen auf seinen anfühlten. Keine
Ablenkung jetzt, dies ist eine Situation, in der es leicht um
Leben und Tod gehen könnte.
Ich habe gerade noch mal die Kurve gekriegt. Es stand schon ein anderer in den Startlöchern als mir endlich klarwurde, dass ich sie verlieren werde, wenn ich ihr nicht die Wahrheit sage. Sie hätte sich fast einen Ersatz gesucht.
Wäre es
indiskret, wenn ich Sie nach den Details frage? Ich könnte ein
paar Ideen brauchen.
Es wäre
indiskret, und ich glaube auch nicht, dass meine Geschichte Ihnen
bei Ihrem Problem weiterhelfen wird, da sich die beiden
betreffenden Frauen nicht ähnlich sein dürften. Mulder
sah die Enttäuschung in den Augen des anderen und fuhr fort:
Aber ich werde es Ihnen trotzdem erzählen, und wenn es
allein deshalb ist, dass ich nicht genug davon bekommen kann, von
ihr zu sprechen., gab er zu und begann, dem ihm eigentlich
vollkommen fremden Mann zu erzählen, wie Scully von einem
Fremden immer wieder anonym Rosen und Karten bekommen hatte, bis
sie schließlich einen Hinweis auf den Spender fand und sich mit
dem Unbekannten treffen wollte. Mulder war zuerst nur
eifersüchtig gewesen, aber als das Treffen immer näher rückte
war ihm klargeworden, dass er dieses Mal nicht so viel Glück
haben musste wie früher, wenn jemand mit Scully ausgegangen war.
Womöglich traf sie dieses Mal den Mann, der sie ihm, Mulder,
wegnehmen würde, ohne dass sie jemals ahnte, wie sehr er sie
liebte. Also hatte er seine Beziehungen spielen lassen und den
Rosenkavalier eine halbe Stunde vor dem geplanten Treffen durch
einen Cop, der ihm noch einen Gefallen schuldete, vorläufig
festnehmen lassen, um dann selbst zum vereinbarten Treffpunkt zu
gehen. Er hatte es nicht über sich gebracht Scully zu sagen, was
er seinen Rivalen angetan hatte, aber er hatte sie auch nicht
angelogen und behauptet, dass die Rosen von ihm seien. Statt
dessen hatte er sie um ein Date gebeten, und die Tatsache, dass
sie ohne zu zögern oder einen weiteren Gedanken an ihre
eigentliche Verabredung mit ihm gekommen war, ließ ihn mutig
genug werden, noch an diesem Abend den entscheidenden Schritt zu
tun. Als Scully einige Tage später nicht ganz zufällig erfahren
hatte, was mit ihrer ursprünglichen Verabredung geschehen war,
war sie viel zu glücklich, als dass sie Mulder noch ernstlich
hätte böse sein können.
Als Mulder
geendet hatte, lachte der Colonel Tränen. Er konnte es nicht
glauben, was dieser Bürokrat alles auf sich genommen hatte, um
die Frau seiner Träume für sich zu gewinnen. Ausgerechnet ein
Mann aus dem Pentagon, wo die meisten unsinnigen Regeln erfunden
wurden, ließ seinen Widersacher festnehmen; das konnte doch
wirklich nicht wahr sein.
Und sie war
niemals wütend darüber?, wollte er wissen.
Nein,
glücklicherweise nicht. Das wäre mir sicher nicht besonders gut
bekommen. Anfangs habe ich ja noch gefürchtet, dass sie nochmal
darauf zu sprechen kommt, aber inzwischen sind wir seit fast
sechs Monaten zusammen, und sie hat noch nichts gesagt, also
glaube ich, ich bin aus dem Schneider.
Sechs
Monate wären auch ein bisschen lang, nur um Sie in Sicherheit zu
wiegen. Er zögerte einen Moment lang, bevor er
weitersprach: Haben Sie es jemals bereut?
Nur, dass
ich nicht schon viel früher den Mut hatte, es ihr zu sagen. Sie
hatte es nicht verdient, so lange zu warten.
Vielleicht.
Ich habe zwar keinen Polizisten zur Verfügung, und wenn ich
herausfinden sollte, dass jemand ihr anonym Rosen in den Berg
schickt, müsste ich ihn selbst verhaften, aber vielleicht sollte
ich doch mal versuchen herauszufinden, was sie denkt...
Weiter kam er
nicht, denn mit einem Ruck fiel der Lift ein Stück in die Tiefe,
bevor er sich fing und langsam wieder aufwärts fuhr. Zwar nicht
die Richtung, in die sie ursprünglich gewollt hatten, aber die
beiden Männer dachten ganz und gar nicht daran, sich zu
beschweren.
Sehen Sie,
triumphierte ONeill mit einem stolzen Grinsen, ich
hab Ihnen doch gesagt, dass sie es schafft. In dem Moment
ging die Tür auf, und sie sahen sich einigen besorgten
Gesichtern gegenüber. Eines davon war von kurzem, blonden Haar
umrahmt und trug ein entschuldigendes Lächeln. Sir, sind
Sie in Ordnung? Ich hatte mir schon Sorgen gemacht...
Der Colonel
unterbrach die besorgte Frau: Schon gut, Carter. Wir leben
ja noch, und außerdem... wenn Sie endlich diesen verdammten
Reaktor fertig gebaut haben, könnte ich Ihnen vielleicht sogar
verzeihen. Carters Lächeln wuchs in die Breite. Ja,
Sir. sagte sie mit gespielter Förmlichkeit, und ONeill
trat zur Seite, um sie einen Blick auf ihren alten Bekannten
werfen zu lassen, den er nach ihrem Gespräch nicht mehr für
einen Rivalen hielt. Sehen Sie mal, wen ich Ihnen
mitgebracht habe. Alter Freund aus dem Pentagon, huh?
Samantha Carters
blaue Augen fixierten Mulder einen Moment intensiv, dann
schüttelte sie den Kopf. Tut mir leid, Sir, aber ich weiß
nicht, was Sie meinen. Ich habe diesen Mann noch nie gesehen.
ONeill runzelte die Stirn. Sind Sie ganz sicher?
Sie musterte
Mulder noch einmal genau, bevor sie antwortete: Absolut
sicher. Ich würde mich garantiert an ihn erinnern, wenn ich ihn
schon mal gesehen hätte. Sie verschwieg, dass sie nur
deshalb so sicher war, weil die Augen des Mannes sie auf eine
sonderbare Weise an die des Colonels erinnerten.
Wenn das so
ist... ONeill wandte sich an Mulder. Dieser glaubte,
in seinen Augen etwas wie Bedauern zu erkennen. Ich muss
Sie bitten, mitzukommen und mir keinen Ärger zu machen... Ich
hatte es geahnt, aber glauben Sie mir, ich habe wirklich gehofft,
mich zu irren., fügte er noch leise hinzu, bevor er Mulder
am Arm fasste und aus dem Raum führte.
**********
*Zum
letzten Mal, Jungs: Wenn einer von euch weiß, wo Mulder steckt,
dann raus mit der Sprache!
Frohike, Langley
und Byers sahen sich betreten an. Zwar hatten sie damit
gerechnet, sich früher oder später Scullys Zorn stellen zu
müssen, wenn Mulder nicht rechtzeitig zurück war, aber sie
hatten nicht erwartet, so schnell in diese Situation zu kommen.
Um sich ein wenig Freiraum zu schaffen, hatte der Agent nämlich
eine Woche Urlaub genommen, damit ihn während seines Alleingangs
niemand vermisste. Es war den drei Gunmen ein Rätsel, wie Scully
bereits nach sechs von sieben Tagen wissen konnte, dass Mulder
etwas passiert war, wenn er doch erst am folgenden Montag zurück
erwartet wurde. Allerdings traute sich keiner von ihnen, die
aufgebrachte Scully nach diesem unbedeutenden Detail zu fragen,
denn sie wirkte, als würde sie jeden erschießen oder
noch schlimmeres der nicht genau das tat, was sie
verlangte.
Äh, Agent
Scully... Wie immer war es Byers, der sich ein Herz fasste.
Er hatte seine beiden Freunde schon mehr als einmal mit Hilfe
seines Fingerspitzengefühls vor Scullys Zorn gerettet, und sie
waren ihm ehrlich dankbar, dass er auch dieses Mal wieder das
Wort ergriff: Mulder verfolgt eine Spur.
Das dachte
ich mir bereits, als er sich heute nicht gemeldet hat und mich
über eine Stunde in diesem verdammten Restaurant warten ließ.
Frohike verkniff sich die Frage, was Mulder und Scully während
seines Urlaubes zusammen in einem Restaurant wollten, auch wenn
ihn die Neugier schier umbrachte. Aber er sagte sich, dass er,
wenn er den Mund hielt, vielleicht lange genug leben würde, um
es selbst herauszufinden.
Was mich
nun wirklich brennend interessieren würde ist, um was für eine
Spur es sich handelt und was ihr damit zu tun habt.
Na gut.
Aber ich glaube, es wäre besser, wenn Sie sich zuerst setzen.
Langley und Frohike unterstützten Byers Erzählung mit zustimmendem Nicken, besonders die Stelle, an der er erwähnte, dass sie versucht hatten, Mulder von seinem Vorhaben abzubringen. Scheinbar waren sie jedoch nicht wirklich überzeugend, denn kaum hatte Byers geendet, als Scully zornig aufsprang.
Ihr habt
Mulder für einen Artikel in eurer schmierigen Zeitung in die
Höhle des Löwen gehen lassen?, rief sie aufgebracht.
Ich kann es einfach nicht glauben. Warum habt ihr ihn nicht
davon abgehalten, wenn ihr wusstet, wie verdammt gefährlich es
ist? Scully wusste selbst, dass sie ungerecht war.
Schließlich hatte sie selbst mehr als einmal erfahren, wie
unmöglich es war, Mulder von etwas abzuhalten, was er wirklich
wollte, aber sie machte sich Sorgen um ihn und musste diese
irgendwie artikulieren. Da kamen ihr die Gunmen gerade recht;
immerhin hätten sie ihr ja früher sagen können, auf welchen
Abwegen sich Mulder nun wieder befand.
Ich bin
sicher, dass er in Ordnung ist., versuchte nun Langley, die
aufgebrachte Agentin zu beruhigen. Wahrscheinlich hat er
irgendeine heiße Spur gefunden, der er sofort nachgehen wollte,
und hat darüber vergessen, sich bei Ihnen zu melden.
Das glaube ich nicht. Scullys Stimme klang längst nicht mehr so wütend; ihre Besorgnis war deutlich zu hören. Diese Verabredung hätte Mulder nicht vergessen. Es war... Sie zögerte einen Moment und entschloss sich denn, den drei Männern zu vertrauen. Wir wollten gestern Abend unser sechsmonatiges Jubiläum feiern.
Ihre Worte hatten
eine ähnliche Wirkung, als sei der Zentralrechner auf dem
Schreibtisch explodiert. Man hätte eine Stecknadel fallen hören
können, und es dauerte eine ganze Weile, bis Frohike seine
Sprache wiederfand.
Dieser Mistkerl!, schrie er dann. Ich hab ihm noch vor zwei Wochen meinen ganzen schönen Plan dargelegt, wie ich an Sie rankomme, und dabei wusste er die ganze Zeit... Die Empörung verschlug dem kleinen Mann die Sprache aufs neue, und Byers nutzte die Gelegenheit, ihn zur Seite zu ziehen, um ihn zu beruhigen. Langley sah Scully an.
Sie haben
recht, es ist sehr unwahrscheinlich, dass er das vergessen
hätte, so sehr, wie er in Sie verliebt ist. Er hatte sogar eine
Überraschung für Sie, aber...
Du hast es
auch gewusst? Frohike machte sich aus Byers Griff los
und kam auf Langley zu. Wie schön, dass ich es jetzt schon
erfahre!
Beruhige
dich. Ich hab es nur gewusst, weil ich Mulder geholfen habe, die
Überraschung vorzubereiten. Ansonsten ist es geheim.
Außerdem,
mischte sich Byers ein, haben wir jetzt wirklich andere
Sorgen. Einen so wichtigen Termin würde Mulder niemals
vergessen, also ist höchstwahrscheinlich etwas schiefgegangen.
Und sollte das der Fall sein, müssen wir ihn schleunigst da
rausholen. Wer weiß, was das Militär mit Leuten anstellt, die
sie in ihrer Hochsicherheitsbasis erwischt haben.
Scully, der die
Methoden des Militärs seit frühester Kindheit vertraut waren,
schauderte bei diesem Gedanken, und sie wandte sich an Byers:
Ich muss alles wissen, was ihr ihm gesagt habt und was er
selbst wusste und vorhatte. Vermutlich ist er auf dem Stützpunkt
unter Arrest. Ich muss ihn da rausholen, bevor die auf die Idee
kommen, ihn zu liquidieren.
Aber das
ist viel zu gefährlich., protestierte Langley, doch Scully
brachte ihn mit einem Blick zum Schweigen. Was sollen wir
denn sonst machen? Herumsitzen und warten, bis sie ihn umbringen?,
fragte sie scharf, und die Männer schüttelten die Köpfe.
Sie haben recht. Jemand muss ihn da rausholen, aber zuerst
müssen wir mal herausfinden, ob er überhaupt drin ist. Am
besten, wir setzen uns mit seinem Informanten in Verbindung.
Er unterbrach Scully, die zum Protest ansetzen wollte, mit einer
Handbewegung. Vergessen Sies. Der Mann wird nicht mit
Ihnen reden. Das müssen Sie schon uns überlassen. Frohike, du
übernimmst das. Byers, du kriegst so viel wie möglich über die
Leute auf der Basis raus, damit wir im Notfall wissen, mit wem
wir es zu tun haben und eventuelle Schwachstellen finden können.
Und wir, er wandte sich wieder Scully zu, wir schauen
mal nach, was die einschlägigen Quellen noch so alles über den
Cheyenne Mountain zu sagen haben.
**********
***
Major Samantha
Carter starrte ihrem kommandierenden Offizier geradewegs in die
Augen. Sie wusste zwar nicht warum, aber ihr war durchaus klar,
dass dies ihn mit absoluter Sicherheit dazu brachte, ihr
zuzuhören, auch wenn er das gerade nicht wollte. Sir, ich
kann es mir zwar nicht erklären, aber ich weiß doch, dass der
Mann Sie in irgendeiner Weise enttäuscht hat. Nicht verärgert
verletzt oder enttäuscht. Und es ist Ihre Sache, wenn Sie
nicht darüber reden wollen, aber ich finde es nicht fair, dass
Sie ihn dafür bestrafen. Wahrscheinlich weiß er nicht mal, was
er falsch gemacht hat. Na gut, er ist vielleicht unbefugt hier
eingedrungen und hat vorgegeben, mich zu kennen, aber dann hätte
ich doch wohl viel eher das Recht, beleidigt zu sein als Sie.
Sie holte Luft um
weiterzusprechen, aber ONeill unterbrach sie: Major,
es ist mir egal, was er gesagt oder nicht gesagt hat. Es bleibt
die Tatsache, dass er hier eingedrungen ist und darum
festgehalten werden muss, bis wir herausgefunden haben, wer er
wirklich ist und in wessen Auftrag er handelt. Wir können
schließlich nicht jeden hier ungestraft herumspazieren lassen.
Aber genau
das sage ich doch die ganze Zeit: Wir müssen herausfinden, wer
er ist und was er wollte, und ich glaube, dass ich eine bessere
Chance hätte als Sie, den er schon einmal angelogen hat.
Immerhin hat er meinen Namen genannt, und ich wüsste zu gern,
wie er darauf kommt.
Vergessen
Sies, Carter. Sie gehen nicht da rein, und Sie werden ihn
auch nicht befragen.
Und warum
nicht? Ihre blauen Augen bohrten sich in seine braunen und
forderten unbarmherzig eine Antwort.
Weil er
gefährlich ist.
Wirklich?
Der Sarkasmus in ihrer Stimme war unverkennbar. Danach
sieht er aber ganz und gar nicht aus. Erstens ist er unbewaffnet,
zweitens eingesperrt, und drittens bin ich sehr wohl in der Lage,
auf mich aufzupassen, wie Sie inzwischen wissen müssten. Was ist
also der wahre Grund?
ONeill
zögerte. Er wusste nicht, was er ihr sagen konnte um sie
zufriedenzustellen, denn alles, was er anbieten konnte war das
alberne Gefühl, von dem Fremden verraten und um eine große
Hoffnung betrogen worden zu sein. Da er das seinem Major aber
unmöglich sagen konnte, schwieg er und hoffte entgegen seiner
Erfahrung, dass sie das Thema fallen lassen würde.
Wenn Ihnen
dazu nichts einfällt, kann ich ja wohl gehen, Sir. Die
Bestimmtheit, mit der sie seinen Befehl verweigerte, ließ den
Colonel erstarren. Er war es gewöhnt, dass sie ihm gehorchte,
wusste aber auch, dass sie dazu neigte, sich ihre eigene Meinung
zu bilden und seine Entscheidungen wenn nötig so lange aufs
hartnäckigste zu hinterfragen, bis er selbst bereit war
zuzugeben, dass er einen Fehler gemacht haben könnte. Nur, dass
er das in diesem Fall ganz bestimmt nicht tun würde. Anstatt die
Sache auf sich beruhen zu lassen, was in diesem Fall das beste
gewesen wäre, erwiderte er: Ich war immer der Ansicht, ich
wäre Ihr kommandierender Offizier.
Das brachte sie
für einen Moment aus der Fassung. Ja, und?,
erkundigte sie sich verständnislos.
Das setzt
auch voraus, dass Sie das tun, was ich Ihnen sage. Zumindest
dachte ich das., fügte er gespielt harmlos hinzu. Carter
erkannte, dass sie in eine Falle gegangen war und überlegte für
einen Sekundenbruchteil, bevor sie ruhig erwiderte: Das
stimmt, Sir. Allerdings nur so lange, wie ich annehmen kann, dass
die Anweisungen vernünftig sind und keinen persönlichen
Rachegefühlen entspringen, und das scheint mir hier der Fall zu
sein.
Sie sah ihm noch
einmal in die Augen, und er erkannte, dass es keinen Sinn hatte,
mit ihr zu streiten, besonders nicht, da sie recht hatte. Mit
allem nötigen Respekt, Sir, ich glaube, Sie handeln hier aus
einer anderen Motivation als der, die Geheimnisse des
Stützpunkts zu schützen. Ich werde jetzt zu ihm gehen und
herausfinden, ob ich nicht mehr aus ihm herausbekommen kann.
Damit drehte sie sich um und ging zur Tür. ONeill rief sie
noch einmal zurück: Carter? Sie drehte sich kurz um
und sah ihn fragend an, ohne Zweifel die Fortsetzung des Streits
erwartend. Seien Sie vorsichtig; ich habe keine Ahnung, was
er über Sie weiß, und vielleicht spielt er ein Spielchen mit
Ihnen.
Sam lächelte.
Das kann er gern versuchen, aber ich glaube nicht, dass ich
mitspielen werde.
Sie verließ den
Raum, während ONeill ihr kopfschüttelnd nachsah. Wann war
es eigentlich passiert, dass er sich von seinem Major in Frage
stellen ließ? Vermutlich in dem Moment, als sie sich ihm das
erste Mal mit blitzenden blauen Augen entgegengestellt und ihre
Meinung gesagt hatte.
Carter war
inzwischen im Zellenblock angekommen und ließ sich von einem
Wächter die Zelle aufschließen, in der nun schon seit vier
Tagen der Fremde saß, den der Colonel im Lift aufgegabelt hatte.
Sie fragte sich, was der Mann vorgehabt haben mochte und warum er
noch immer so beharrlich schwieg. Aber das ließ sich ja
vielleicht herausfinden. Sie betrat die Zelle und setzte sich
neben den Insassen aufs Bett. Hi., begann sie.
Mulder sah auf.
Er erkannte die Blondine wieder; es war Carter, die Frau, die
seine Tarnung hatte auffliegen lassen. Er war ihr nicht böse;
schließlich konnte sie nichts dafür, dass ausgerechnet sie ihm
über den Weg gelaufen war. Wenn der Colonel Sie schickt,
vergessen Sies. Ich werde ihm nichts sagen.
Carter musste
lächeln. Er hat mich nicht geschickt; ganz im Gegenteil.
Ich bin sicher, er ist nicht sonderlich begeistert, dass ich hier
bin, denn er hat mir verboten Sie aufzusuchen.
Und
trotzdem sind Sie gekommen? Ich denke, er ist Ihr direkter
Vorgesetzter.
Das
bedeutet nicht, dass ich nicht meine eigene Meinung haben
dürfte.
Nun musste auch
Mulder lächeln. Irgendwie erinnerte ihn die störrische Art der
Frau an Scully. Und was wollen Sie hier, wenn nicht für
ihn spionieren?, erkundigte er sich schnell, bevor er zu
sehr über seine Partnerin nachdenken konnte, die sich inzwischen
schreckliche Sorgen um ihn machen musste.
Ich will
wissen, wie Sie darauf gekommen sind, ausgerechnet mich als Ihre
Bekannte auszugeben. Der General hat mich danach gefragt, aber da
ich ihm leider keine Antwort geben konnte, möchte ich den Grund
von Ihnen hören.
Wenn das
alles ist... Es war ehrlich gesagt reiner Zufall. Irgendeine
Geschichte musste ich doch haben, und wenn ich schon im Pentagon
arbeite, muss ich schließlich auch darauf achten, die Leute zu
kennen, die gleichzeitig mit mir dort gearbeitet haben.
Wenn Sie
nicht behauptet hätten, mich zu kennen, wäre es gar nicht
aufgefallen., sagte sie nachdenklich. Es ist schon
seltsam, wie diese kleinen Dinge über das Leben der Menschen
entscheiden können.
Beantworten
Sie mir doch bitte auch eine Frage: Was passiert mit mir?
Das weiß
ich nicht. Sie werden hierbleiben, bis Sie uns gesagt haben,
warum Sie hergekommen sind und wer Ihnen geholfen hat, und was
danach geschieht, hängt vermutlich von Ihren Antworten ab.
Sie meinen,
ob ich ein russischer Spion bin oder ein Alien oder sowas?
Die
Freundlichkeit verschwand für einen Moment aus den Augen des
Majors, aber sie fing sich schnell wieder. Wie kommen Sie
auf Aliens?, fragte sie möglichst harmlos, und Mulder
nickte verstehend. Aha, da scheine ich einen Nerv getroffen zu
haben.
War eigentlich nur so ein Gedanke. Was sollten Sie sonst in einer geheimen Basis in einem Berg verstecken? Atomwaffen vielleicht? Denken Sie doch nur mal an Area 51. Carter schien erleichtert über seine Antwort. Offenbar hatte sie eine andere befürchtet, auch wenn sie das gut zu überspielen wusste.
Mit Area 51
würde ich das hier zwar nicht unbedingt vergleichen, aber Sie
haben recht: Heutzutage denkt jeder bei geheimen Projekten gleich
an Außerirdische.
Sie nicht?
Wissen Sie,
nicht alles Fremde muss gleich außerirdisch sein. Ich bin der
Meinung, dass eine ganze Menge dieser Geschichten pure Hysterie
ist. Die Menschen brauchen etwas, an das sie glauben können, und
so suchen sie im Weltraum nach Antworten.
Sie hatte nicht
damit gerechnet, dass ihre Worte eine solche Wirkung auf ihr
Gegenüber haben würden. Die Augen des Mannes verdüsterten
sich, und sein Gesicht nahm einen unendlich traurigen Ausdruck
an. Ich wünschte, es wäre bloße Hysterie.,
murmelte er mehr zu sich selbst.
Sam spürte, dass
ihn etwas bewegte, das tiefer ging, als in eine Militärbasis
einzudringen und Geheimnisse zu stehlen. Sie wusste nicht, was
sie sagen sollte, denn sie hatte das Gefühl, ein Eindringling zu
sein, der versuchte, ihm seine ganz private Trauer zu stehlen,
und so schwieg sie. Der Fremde fuhr fort: Als ich ein Kind
war, wurde meine Schwester von Außerirdischen entführt. Sie kam
nie mehr zurück, und ich versuche immer noch, sie zu finden,
auch wenn ich langsam einsehe, dass es aussichtslos ist. Und auf
dieser Suche haben sie mir die Frau genommen, die ich liebe. Ich
habe sie zurückbekommen, aber bis heute wissen wir nicht, was
sie ihr noch alles angetan haben außer sie mit Krebs zu
infizieren und unfruchtbar zu machen. Bitter schloss er:
Und wenn ich all dieses Leid betrachte, das ihr zugefügt
wurde, ihr und vielen anderen Frauen, dann wünsche ich mir
wirklich, es sei alles nur Hysterie.
Carter hielt den
Atem an. Einerseits tat ihr der Mann leid, dessen Kummer sie
beinahe körperlich fühlen konnte, und andererseits schockierten
sie seine Worte. War es möglich, dass die Goauld ihm
begegnet waren? Oder sprach er von einer anderen außerirdischen
Rasse? Dass er seine Freundin zurückbekommen hatte, sprach gegen
die Goauld, die nicht dafür bekannt waren, einen Menschen
zurückzubringen, den sie einmal in ihre Gewalt gebracht hatten.
Entweder er wurde zum Wirt gemacht oder getötet. Allerdings...
Ihr kam ein schrecklicher Gedanke: Was, wenn die Frau, von der er
sprach, selbst einen Parasiten in sich trug? Vielleicht gab es
schon hunderte solcher inaktiven Wirte unter den Menschen, die
nur darauf warteten, den Befehl zur Vernichtung der Menschheit zu
bekommen? Keine besonders erfreuliche Vorstellung. Und wenn
andere Aliens damit zu tun hätten? Asgaard vielleicht? Nein, die
würden nicht einfach so Menschen entführen und nicht
wiederbringen oder ihnen etwas antun. Zwar hatte Thor zugegeben,
dass sie in der Vergangenheit durchaus Menschen in ihre Schiffe
geholt hatten, um sie zu untersuchen, aber niemals war jemand
dabei zu Schaden gekommen. Zumindest behauptete der Asgaard das.
Die Nox? Unmöglich. Tholaner? Kaum. Die waren zu arrogant um zu
glauben, dass sie von anderen Wesen etwas lernen konnten. Das
wäre ein typischer Colonel- Spruch...
Sam schüttelte den Kopf. Es brachte nichts, Mutmaßungen über Aliens anzustellen, über die sie nicht das geringste wusste, also entschloss sie sich, weiterzufragen: Und Sie sind sicher, dass es Außerirdische waren? Der Mann sah sie an. Wenn Sie mich für verrückt halten wollen, stellen Sie sich hinten an. Ich weiß, dass es welche waren.
Schon gut.
Ich muss einfach mehr Informationen haben, damit ich beurteilen
kann, ob ich Ihnen glaube. Sie sagten, Außerirdische haben Ihre
Freundin entführt?
Allerdings.
Das Gesicht des Mannes wurde wenn möglich noch trauriger. Sie
war die einzige, der ich vertrauen konnte, und darum haben sie
sie mir weggenommen. Aber wenigstens habe ich sie
zurückbekommen. Trotzdem wünschte ich, es sei niemals passiert,
obwohl es meine Theorie bestätigt hat.
Er wandte sich
ab, und Sam wusste, dass sie nicht weiterfragen durfte. Also
wechselte sie das Thema: Und weil Sie glauben, dass wir
hier Außerirdische haben, sind Sie hergekommen?
Ich hatte
gehofft, vielleicht meine Schwester wiederzufinden.
In einer
Regierungseinrichtung?
Sie würden
sich wundern, wenn Sie wüssten, was man noch so alles in
Regierungseinrichtungen finden kann und wo unsere saubere
Regierung überall ihre Finger im Spiel hat. Aber ich nehme an,
das wissen Sie bereits.
Carter lachte
freudlos. Glauben Sie etwa, ich wüsste alles, nur weil ich
hier arbeite? Sie irren sich, wenn Sie denken, dass man uns mehr
als unbedingt notwendig erzählt.
Scheint
mir, als sei das eine Spezialität der Regierung.
Bevor sie etwas
antworten konnte, kam der Colonel in die Zelle gestürmt. Erst
war er ein wenig erstaunt, dass Carter neben Mulder auf dem Bett
saß, doch dann fasste er sich und sagte: Carter, der
General will uns sehen. Ich vermute, es geht um die Berichte von
unserer letzten Außenmission., fügte er mit einem Blick
auf Mulder hinzu. Carter seufzte und stand auf. Anscheinend hatte
General Hammond die Berichte nicht zufriedenstellend gefunden,
und das bedeutete für sie eine weitere lange Nacht mit dem
Colonel, da sie die Hälfte seiner Berichte für ihn geschrieben
hatte und ihn natürlich jetzt nicht damit im Stich lassen
konnte. Sie würden also durcharbeiten müssen, während sich
Daniel dessen Berichte mit Sicherheit wie immer
mustergültig waren allein mit TealC den neuesten
Dracula- Film im Kino ansah.
Ich komme,
Sir. Sie wandte sich noch einmal an Mulder: Tut mir
leid, dass Sie umsonst hergekommen sind. Ich versichere Ihnen,
dass Ihre Schwester nie hiergewesen ist. Trotzdem wünsche ich
Ihnen wirklich, dass Sie sie irgendwann finden. Und vielleicht
haben wir ja noch einmal die Gelegenheit, uns zu unterhalten.
Würde mich freuen. Sie lächelte ihm aufmunternd zu und
verschwand. ONeill blieb noch einen Moment stehen und
musterte Mulder. Dieser schüttelte den Kopf. Ich weiß,
was Sie denken und warum Sie sie nicht zu mir lassen wollten,
aber ich habe ihr nichts erzählt. Sie sind ein Mistkerl, und Sie
haben mich hier eingesperrt, aber sie verdient es nicht, es auf
diese Weise zu erfahren. Ich bin noch immer der Ansicht, dass Sie
es ihr selbst sagen sollten. Bevor es jemand anderer tut.
ONeill
knurrte etwas Unverständliches und ging, die Zellentür hinter
sich zuschlagend. Er glaubte dem Gefangenen, aber das machte es
nur noch schlimmer. Es war schon unangenehm, jemanden einsperren
zu müssen, den man sympathisch fand, aber noch schlimmer wurde
es in seinen Augen dadurch, dass der Mann tatsächlich
Ehrgefühl bewies.
**********
*
Scully winkte
Byers noch einmal zu und verschwand dann in der Bar. Er hatte
darauf bestanden, sie zu fahren, da sie, wenn alles wie geplant
klappte, nicht mit ihrem eigenen Wagen zurückfahren würde.
Byers hatte einen Mann namens Daniel Jackson ausfindig gemacht,
der in der geheimen Basis im Cheyenne Mountain arbeitete und
gleichzeitig Zivilist war. Es sollte daher leichter sein, mit ihm
hineinzukommen als mit einem von den Militärangehörigen. Scully
strich sich noch ein letztes Mal das Haar zurecht und sah sich
dann im leicht dämmrigen Raum um. Einige Tische waren besetzt,
aber die kleine Bar war nicht überfüllt. Sie war nervös. Alles,
was du tun musst, ist diesen Mann zu finden, dafür zu sorgen,
dass er sich für dich interessiert und mit ihm zum Stützpunkt
zu fahren. Dort wirst du Mulder finden und ihr werdet wieder
verschwinden. Die können nicht zwei Regierungsangestellte auf
einmal liquidieren, also sollte Mulder sicher sein, wenn du da
bist. Und die Gunmen wissen schließlich auch über alles
Bescheid. An sich klang der Plan ganz einfach, aber Scully
konnte sich nicht beruhigen. Es behagte ihr nicht, einfach einen
fremden Mann in einer Bar anzusprechen, und sie war sich ganz und
gar nicht sicher, ob sie es überhaupt schaffen würde, ihn so
weit zu ermuntern, dass er den Versuch machte, sie mitzunehmen.
So etwas war noch nie ihre Art gewesen, und dass sie es für
Mulder tat, machte die Sache auch nicht besser. Schließlich war
Mulder der einzige, bei dem sie das Bedürfnis zu flirten
verspürte, und auch das konnte sie erst wirklich tun, seit sie
ein Paar waren. Energisch schob sie die Gedanken an ihn beiseite
und versuchte, unauffällig den Mann ausfindig zu machen, den sie
ansprechen musste.
Er saß in einer
Ecke der Bar, hatte ein Glas Saft vor sich und starrte ins Leere.
Zu Scullys Erleichterung sah er schon auf den ersten Blick
sympathisch aus, und dass er keinen Alkohol trank, verstärkte
diesen Eindruck noch.
Entschuldigung,
ist der Platz noch frei?, erkundigte sich eine weibliche
Stimme, und Daniel Jackson sah erstaunt auf. Er war es nicht
gewöhnt, dass ihn Frauen in der Bar ansprachen, und noch dazu
solche wie diese. Sie war rothaarig was ihm seit Hathor
eigentlich einen Schauer über den Rücken jagte , nicht
sehr groß und trug ein blaues Kleid, dessen Rock bis zum Knie
reichte. Daniel fand, dass sie aussah, als habe sie Klasse, und
er fragte sich, was sie ausgerechnet von ihm wollen konnte.
Normalerweise war es Jack, auf den die Frauen flogen, auch wenn
dieser eigentlich nichts tat, um sie zu ermuntern. Aber heute war
Jack nicht da; er musste zusammen mit Sam einige Berichte
überarbeiten, und Daniel langweilte sich ohne seine Freunde. So
kam ihm die Abwechslung gerade recht, und er erhob sich, um der
Frau den Stuhl zurechtzurücken. Sie setzte sich mit einem
dankbaren Lächeln.
Vielen
Dank; wissen Sie, ich habe eben erfahren, dass mein
Geschäftspartner mich versetzt, und ich wollte mich nicht allein
hinsetzen, denn die Kerle da hinten sind mir ganz und gar nicht
geheuer. Sie deutete in Richtung Theke, wo einige stabil
gebaute Männer in Lederjacken saßen, und Daniel nickte
verständnisvoll. Verstehe. Auf mich wirken die auch nicht
gerade vertrauenerweckend.
Ich
verspreche Ihnen auch, sofort zu gehen, wenn Ihre Verabredung
kommt.
Das klingt so
klischeehaft; ich könnte mich dafür selber ohrfeigen. Mulder,
dafür zahlst du!
Ich habe
gar keine Verabredung. Eigentlich wollte ich mit einigen Freunden
herkommen, aber zwei von ihnen müssen noch arbeiten, und der
dritte hat Zahnschmerzen.
Daniel musste bei
dem Gedanken an TealC, der zum ersten Mal in seinem Leben
Zahnschmerzen hatte, ein wenig lächeln, auch wenn ihm sein
Freund natürlich leid tat. Aber das Gesicht des Jaffa, als Janet
ihm erklärt hatte, dass auch Junior diese Krankheit
nicht würde heilen können und er wohl oder über einen Zahnarzt
aufsuchen musste, war einfach unbezahlbar gewesen. Er hatte
versprochen, es sich zu überlegen und gleich am nächsten Morgen
zum Zahnarzt zu gehen, aber ins Kino hatte er nicht mehr gehen
wollen, da er, wie er sagte, die Nacht besser mit Meditation
verbringen wollte, um sich vorzubereiten.
Daniel hatte sich
vorgenommen, dieses Mal nicht allein zu Hause herumzusitzen,
nachdem ihn alle versetzt hatten Janet war bei TealC
geblieben, um die Basis vor größeren Schäden zu bewahren, da
niemand sagen konnte, wie ein Jaffa auf Zahnschmerzen reagieren
mochte und sich auf einen langweiligen Abend in ihrer
Stammbar eingestellt. Und plötzlich begann der Abend, mit jeder
Minute besser zu werden. Nicht nur hatte die außergewöhnlich
schöne Frau, die sich ohne weiteren Grund zu ihm gesetzt hatte,
kein Date, nein, sie interessierte sich auch noch für
Anthropologie und Archäologie und schien auf beiden Gebieten
einiges Wissen zu besitzen, sodass Daniel nicht ausschließlich
selbst reden musste, um eine intelligente Konversation zu
garantieren. Er ließ der Schönheit zwischendurch immer wieder
die Möglichkeit, ihre eigenen Ansichten und Erfahrungen
mitzuteilen, und wenn er selbst redete, hing sie förmlich an
seinen Lippen. Nach einer Weile Daniel hatte gerade etwas
über ein besonders interessantes Artefakt erzählt, das sie auf
P3X1013 gefunden hatten stellte seine neue Bekannte eine
Frage: Könnten Sie mir das Artefakt vielleicht einmal
zeigen?
Sie klang
unschuldig, nicht wie jemand, der irgend etwas vorhaben könnte,
und in seiner arglosen Art sah der Archäologe auch nichts
Schlimmes in ihrer Bitte.
Ich würde
es Ihnen wirklich gern zeigen, aber... Nun ja, es befindet sich
auf einem militärischen Stützpunkt, und ich darf es nicht
entfernen.
Ihre Neugier
schien wenn möglich noch größer zu werden.
Was macht
ein wissenschaftlicher Fund von derartiger Bedeutung beim
Militär?, wollte sie wissen, und Jackson beeilte sich, ihr
eine Antwort zu geben, bevor sie auf die Idee kam, selbst
Vermutungen anzustellen, die möglicherweise gefährlich nah an
die Wahrheit heranreichen würden.
Nun ja, es
wurde auf militärischem Gelände gefunden, und darum wollen die
es nicht hergeben. Zumindest jetzt noch nicht. Es bedarf einer
Menge Überredungskunst, um solche Dinge zu erreichen, aber im
Laufe der Zeit kriegen wir es sicher da raus. Immerhin kann ich
rein, um es zu untersuchen.
Schade. Ich
hätte es mir zu gern selber angesehen; Sie haben so viel
darüber erzählt, dass ich es mir richtig vorstellen kann. Na
ja, aber wenn das Militär die Finger im Spiel hat, kann man
nichts machen.
Vielleicht
doch. Daniel hatte eine kühne Idee. Wenn das Artefakt
nicht aus dem Berg herauskonnte, musste eben sie...
Ich denke,
ich könnte Sie mitnehmen, vorausgesetzt, Sie interessieren sich
wirklich dafür.
Sie sah ihn
überrascht an. Natürlich tue ich das. Aber... geht das
denn so einfach?
Sicher.
Solange Sie mit mir zusammen sind, werden die schon keine
Probleme machen. Es sind schon öfter Experten hinzugezogen
worden.
Das strahlende
Lächeln der Frau belohnte ihn. Wirklich? Dann können wir
ja gleich losfahren.
In Ordnung.
Daniel stand auf, um zu zahlen; seine Begleiterin bestand zu
seiner Enttäuschung darauf, ihren Tee selbst zu bezahlen, aber
da sie mit ihm gehen würde, konnte das seine Stimmung nicht
trüben. Er dachte an seine Frau, die er so lange gesucht und nun
endgültig verloren hatte und spürte, dass sie ihm verzeihen
würde, wenn er sich ein wenig in die Unbekannte verliebte.
Schließlich war sie intelligent und freundlich; es war ja nicht
so, als wäre er auf ihr Aussehen hereingefallen... Nun ja,
jedenfalls nicht ausschließlich.
Dana so
hatte sie sich ihm im Laufe des Gesprächs vorgestellt, das, wie
er erst jetzt nach einem Blick auf die Uhr in seinem Wagen
feststellte, über drei Stunden gedauert hatte schwieg auf
dem Weg zur Basis die meiste Zeit, als könne sie nicht glauben,
dass sie gleich ein Artefakt von so großer Bedeutung für die
Geschichte der Menschheit sehen würde.
In Wahrheit
musste sich Scully zurückhalten, nicht triumphierend zu
lächeln. Es war das erste Mal, dass sie einen Mann in einer Bar
angesprochen hatte, und sie war ganz gut gewesen, wie sie fand.
Mulder würde überrascht sein, denn er hatte immer durchblicken
lassen, dass er ihre Fähigkeiten in allen Gebieten sehr hoch
einschätzte, aber das Aufreißen von Männern zählte in seinen
Augen absolut nicht dazu. Wahrscheinlich würde er sie die
nächsten zehn Jahre damit aufziehen, dachte sie, aber wenigstens
würde sie dafür sorgen, dass er lange genug lebte, um das zu
tun. Sie lehnte den Kopf an die Wagentür und sah unauffällig
ihren Begleiter an. Er wirkte so jung und ehrlich, absolut
arglos. Und doch arbeitete er in einer Militärbasis, die eines
der bestgehüteten Geheimnisse der Vereinigten Staaten
beherbergen musste. Fast tat er ihr leid, denn sie war sich
darüber im Klaren, dass sie den armen Jungen anders
konnte sie ihn nicht bezeichnen ausnutzte, vielleicht
sogar mit seinen Gefühlen spielte. Scully war nicht blind
(zumindest wenn es nicht um Mulder ging), und sie hatte die
Blicke bemerkt, die er ihr zuwarf wenn er glaubte, sie sehe nicht
hin. Es ging ihr gegen den Strich, ihm wehtun zu müssen, aber es
gab nun einmal keine andere Möglichkeit. Wahrscheinlich wäre es
ihr wesentlich leichter gefallen, wenn er ein Ekel gewesen wäre
und versucht hätte, sie abzuschleppen. Das jedoch lag diesem
Daniel Jackson fern; sie zweifelte nicht einen Augenblick daran,
dass er ihr wirklich nur ein Artefakt zeigen wollte, um ihr eine
Freude zu machen in der Hoffnung, dass sich aus ihrer ersten
Begegnung mehr entwickelte.
Tut mir
ehrlich leid, aber wenn es hier nicht um Mulder ginge, würde ich
das niemals tun. Sie wusste, dass sie mit hoher
Wahrscheinlichkeit niemals die Gelegenheit bekommen würde, ihm
diese Worte wirklich zu sagen, aber sie nahm sowieso nicht an,
dass er ihr geglaubt hätte.
Hey,
aufwachen, wir sind da.
Jacksons sanfte
Stimme riss sie aus ihren Gedanken, und sie sah sich blinzelnd
um. Sie hatte gar nicht bemerkt, dass sie schon ganz nah an dem
bewachten Tor waren, das noch vor wenigen Stunden als
unüberwindbares Hindernis zwischen ihr und Mulder gestanden
hatte. Scully hielt den Atem an. Nun kam es darauf an, wie hoch
die Sicherheitsstufe ihres Begleiters war und ob der Wachposten
es zulassen würde, dass eine Fremde den Berg betrat.
Guten
Abend, Doktor Jackson. Der Posten salutierte, obwohl
Jackson keinen militärischen Rang innehatte. Scully nahm das als
ein gutes Zeichen, denn sie wusste, wie eigen Angehörige des
Militärs gegenüber Zivilisten waren. Zwischen diesen Gruppen
herrschte oft eine unüberbrückbare Arroganz.
Guten
Abend, Lieutenant Walters. Daniel bemerkte den fragenden
Blick des Mannes und deutete auf Scully: Sie ist eine
Freundin von mir, eine bekannte Archäologin, und ich habe sie
gebeten, einen Blick auf die Fundstücke zu werfen, mit denen wir
uns gerade befassen.
Der Posten
nickte; es war nichts Neues für ihn, dass Daniel Jackson die
verschiedensten Experten hinzuzog, wenn es um die
Entschlüsselung neuer Artefakte ging, und da die neuesten
Mitbringsel noch nicht freigegeben waren, den Berg zu verlassen,
war es nachvollziehbar, dass der Archäologe sich seine Hilfe
hierher holte. Wenn es ihn gewundert haben sollte, dass Jackson
die Frau so spät am Abend mitbrachte, so sagte er sich, dass sie
auf diese Weise wahrscheinlich weniger von den streng geheimen
Vorgängen auf dem Stützpunkt mitbekommen würde. Dafür sprach
auch, dass in den nächsten Stunden weder Teams zurückerwartet
wurden noch Missionen beginnen sollten. Es versprach eine ruhige
Nacht zu werden, die sich hervorragend dazu eignete, Fremde
herzubringen, wenn es schon nicht zu vermeiden war. So nickte er
nur kurz auf Jacksons Erklärung und winkte den Wagen dann durch.
Erst als sie den
Posten passiert hatten und außer Sichtweite waren, stieß Scully
den Atem wieder aus, den sie angehalten hatte. Daniel sah sie von
der Seite an.
Ich dachte
wirklich, er würde mich nicht durchlassen., erklärte sie,
und der Archäologe nickte. Wäre es Simmons gewesen,
hätten wir Schwierigkeiten bekommen können, denn der will auf
gar keinen Fall den geringsten Fehler machen. Er fürchtet
schlechte Publicity bei Colonel ONeill. Kein Wunder, wenn
er versucht, an Sam heranzukommen... Er brach ab, als er
Scullys verständnislosen Blick bemerkte. Samantha Carter.
erklärte er. Simmons hat ein Auge auf sie geworfen, nur
ist sie leider absolut tabu für jeden hier auf dem Stützpunkt,
da auch ONeill sie mag, und der ist so etwas wie das
heimliche Idol aller. Sich an Sam heranzumachen würde bedeuten,
so ziemlich alle ungeschriebenen Gesetze zu brechen, die wir hier
haben. Aber was rede ich; das alles interessiert Sie
wahrscheinlich gar nicht. Er parkte den Wagen in einem
parkhausähnlichen Gewölbe, und sie stiegen aus.
Am besten,
wir gehen in mein Büro. Dort habe ich die gesamten Artefakte,
die bei dieser Untersuchung gefunden wurden, und Sie können
jedes davon sehen, wenn Sie wollen.
Scully rechnete
sich aus, dass sie im Büro des Archäologen um diese Zeit
wahrscheinlich allein sein würden, was es ihr leichter machen
dürfte, ihn loszuwerden und sich auf die Suche nach Mulder zu
begeben, also nickte sie zustimmend und folgte ihm in den Lift,
nicht ahnend, dass sie mit demselben Aufzug fuhr, in dem sich vor
wenigen Tagen Mulders Glück auf radikale Weise gegen ihn
gewendet hatte.
Der Korridor, in
dem die Büros der Wissenschaftler lagen, war, wie um diese Zeit
nicht anders zu erwarten, ausgestorben. Nur ein einziger
Fähnrich begegnete ihnen, und der war auf dem Weg zu seinem
Quartier, um sich schlafen zu legen und bemerkte nicht einmal,
dass Doktor Jackson eine Fremde bei sich hatte. Außerdem war das
nichts Erstaunliches bei ihm, denn wenn sich zufällig ein
Außerirdischer auf den Stützpunkt verirrte, konnte man davon
ausgehen, dass Jackson ihn unter seine Fittiche nahm, und wenn
man es gewöhnt war, ihn mit seltsam aussehenden Wesen mit blauer
Haut oder Indianern und Tieren reden zu sehen, dann fiel eine
attraktive junge Frau ganz sicher nicht auf.
Das Büro war
dunkel, und auch nachdem Daniel Licht gemacht hatte, lagen ein
paar Winkel noch immer im Schatten. Alle verfügbaren Flächen
waren mit Artefakten und Notizen bedeckt, und die Wände waren
unter einer Last von Zetteln kaum mehr zu erkennen. Das geordnete
Chaos des Wissenschaftlers erinnerte Scully auf rührende Weise
an Mulder, und sie bekam ein schlechtes Gewissen, als sie von
hinten an Jackson heranschlich, der gerade an seinen Schreibtisch
getreten war, um ihr die Gegenstände zu zeigen, wegen denen sie
hergekommen waren, und ihn mit einem schnellen Hieb auf den
Hinterkopf zu Boden schickte. Dann sah sie sich rasch im Büro
nach etwas um, mit dem sie ihn fesseln konnte, und nachdem er gut
verschnürt und geknebelt war, verstaute sie den inzwischen
wieder Erwachten in einem der Schränke, den sie zu diesem Zweck
erst leerräumen musste. Glücklicherweise fielen die
aussortierten Gegenstände in dem allgemeinen Durcheinander gar
nicht auf, und Scully rechnete nicht damit, dass jemand den
Unterschied bemerken würde. Mit einer letzten gemurmelten
Entschuldigung schloss sie die Schranktür und verließ das
Büro, nachdem sie sich durch einen vorsichtigen Blick auf den
Flur versichert hatte, dass dieser leer war.
**********
Endlich. Das war der letzte. Sam Carter klappte aufatmend den Ordner zu, in den sie bis eben noch Verbesserungsvorschläge gekritzelt hatte. ONeill sah von seinem eigenen Ordner auf und fuhr sich mit der Hand durch die Haare. Wirklich?, erkundigte er sich mit sichtlicher Erleichterung. Er hatte die letzten Stunden damit verbracht, in den vom General beanstandeten Berichten die Verbesserungen vorzunehmen, die Carter ihm vorgeschlagen hatte. Er war ihr dankbar für die Hilfe, auch wenn er ein schlechtes Gewissen hatte, weil sie sich für ihn die Nacht um die Ohren schlug, anstatt mit Daniel im Kino zu sitzen, und nahm sich vor, sie dafür in nächster Zeit zu entschädigen.
Gott sei
Dank; ich dachte allmählich, das hört nie mehr auf.
Sie lächelte,
ein Schleier aus Müdigkeit über ihren sonst so klaren blauen
Augen. Ich bin fertig. Das heißt für Sie, noch mindestens
einen Bericht zu verbessern.
Aber nicht
mehr heute. Ich bin erledigt. Das bisschen Arbeit schaffe ich
auch noch morgen, besonders, nachdem Sie mir souffliert haben.
Dafür haben Sie noch was gut.
Ich werd
Sie bei Gelegenheit daran erinnern. Sie stand auf und
gähnte. Sie haben recht, heute Nacht wird das nichts mehr.
Gehen wir schlafen.
Auch der Colonel
stand auf, und gemeinsam verließen sie sein Büro, ohne sich um
den Stapel leerer Keksschachteln zu kümmern, der zwischen den
erledigten Berichten auf dem Schreibtisch thronte. Das hatte Zeit
bis morgen. Jetzt, um ein Uhr in der Nacht, war es nur noch Zeit,
ins Bett zu gehen.
Außer ihnen
beiden war niemand auf dem Korridor zu sehen. Wer sollte auch
mitten in der Nacht etwas bei den Büros zu suchen haben? ONeill
konnte sich niemanden vorstellen, der außer ihm um diese Zeit
Berichte schrieb. Deshalb stutzte er auch, als er weiter vorn im
Gang eine Gestalt um die Ecke verschwinden sah. Zwar bewegte sie
sich nicht etwa auffällig, aber um diese Uhrzeit war es schon
verdächtig, sich nur auf diesem Korridor aufzuhalten. Ein kurzer
Blick zu Carter verriet ONeill, dass sie die Person auch
bemerkt hatte und ebenso überrascht war wie er. Sie deutete mit
einer stummen Handbewegung an, leise zu sein, und ohne ein Wort
zu wechseln bewegten sich die beiden Offiziere zum Ende des
Ganges, wo die Gestalt verschwunden war. Carter vergewisserte
sich, dass ONeill sich direkt hinter ihr befand, und trat
dann mit einem schnellen Schritt auf den angrenzenden Gang.
Nichts. Der Korridor war verlassen. Carter spürte die Hand des
Colonels auf ihrem Arm und sah ihn an. Er deutete auf eine halb
offene Fahrstuhltür, und nachdem sie sich mit einem Blick
verständigt hatten, betraten sie beide gleichzeitig den Lift, wo
ihnen eine beiden Offizieren vollkommen unbekannte Frau
entgegensah. Sie schien nicht minder überrascht zu sein als
Carter und ONeill, dessen Misstrauen sofort erwachte, hatte
er doch erst vor wenigen Tagen eine sehr ähnliche Szene erlebt.
Darf ich
fragen, was Sie hier machen?, fragte er ruhig, aber sein
Tonfall ließ keinen Zweifel daran, dass er keine Lüge
akzeptieren würde.
Scully wusste,
dass es keinen Zweck hatte, sich etwas auszudenken, denn sie
hatte keine Geschichte für den Fall, dass man sie erwischen
würde. Dazu war die Zeit zu knapp gewesen, und so war sie in der
Hoffnung hergekommen, dass sie entweder Mulder finden oder
immerhin durch ihre Anwesenheit und die Drohung, durch die Gunmen
an die Öffentlichkeit zu gehen, sein Leben würde schützen
können. Also erwiderte sie den direkten Blick des Colonels
mit militärischen Rängen hatte sie Erfahrung, und
deshalb wusste sie auch gleich, an wen von den beiden sie sich
wenden musste und erwiderte: Ich bin Special Agent
des FBI, und ich möchte Ihren Vorgesetzten sprechen. Es
war klar, dass eine Basis von dieser Größe nicht von einem
Colonel geleitet werden konnte, also musste es hier mindestens
einen General geben, und mit dem gedachte sie sich zu
unterhalten.
Ich
fürchte, da müssen Sie bis morgen warten., entgegnete der
Colonel, mühsam ein Lachen unterdrückend. Der General
schläft um diese Zeit. Wie sind Sie überhaupt hier
reingekommen?
Sir,
unterbrach ihn die blonde Frau, den Rangabzeichen nach Major,
sollten Sie sich nicht zuerst ihren Ausweis ansehen? Wenn
sie wirklich vom FBI ist, dürfte das den General interessieren,
und...
Sie haben
recht, Carter. Also, können Sie sich ausweisen?
Scully zog
wortlos und langsam ihren Ausweis aus der Tasche, damit der
Colonel einen Blick darauf werfen konnte. Er nickte. Okay,
Dr. Scully...
Agent
Scully., verbesserte sie ihn. Ich bin zwar Ärztin,
arbeite aber vorrangig als Special Agent.
ONeill
verdrehte die Augen. Diese Antwort erinnerte ihn an etwas, woran
er lieber nicht denken wollte. Seine erste Begegnung mit Carter
war ähnlich verlaufen, und noch heute schauderte er beim
Gedanken an das alberne Kräftemessen, das er damals angefangen
hatte.
In Ordnung,
Agent Scully. Wie sind Sie hier reingekommen?
Ich habe
einen Ihrer Mitarbeiter überredet, mich mitzunehmen. Da fällt
mir ein... Man sollte den Mann befreien. Mir blieb leider nichts
anderes übrig, als ihn im Schrank einzusperren.
Welcher
Idiot war so dämlich... ONeill unterbrach sich.
Nein, sagen Sie es nicht, lassen Sie mich raten. Daniel,
richtig?
Wenn Sie
Daniel Jackson meinen, haben Sie recht. Er war so freundlich, mir
ein sehr interessantes Artefakt zu zeigen.
Hätte ich
mir auch denken können. Carter, holen Sie ihn da raus.
Sind Sie
sicher, Sir?
Er sah sie scharf
an. Natürlich bin ich sicher. Glauben Sie, dass ich nicht
mit einer FBI- Agentin fertig werde? Nun gehen Sie schon, oder
wollen Sie Daniel noch länger in dem verdammten Schrank schmoren
lassen? Und wenn Sie schon mal unterwegs sind, wecken Sie doch
auch gleich General Hammond. Ich glaube allmählich, dass ihn die
Sache interessieren wird.
Ja, Sir.
Carter eilte davon, und Scully musterte ihren Wärter, der der
blonden Frau kurz hinterhersah, bevor er seine Aufmerksamkeit auf
sie richtete. Sie hätte versuchen können, ihn zu
überwältigen, und möglicherweise hätte sie sogar eine Chance
gehabt, wenn sie das Überraschungsmoment ausgenutzt und ihre
Karatekünste angewendet hätte, aber sie sah keine
Notwendigkeit, ihr Leben und das ihres Partners auf diese Weise
zu gefährden. Vermutlich würde man auf sie schießen, und es
wäre dumm gewesen, das zu riskieren, nachdem sie bereits
erreicht hatte, was sie wollte: Man würde sie mit dem General
sprechen lassen, und das war ihre beste Chance, Mulder hier
herauszuholen.
ONeill
führte sie aus dem Aufzug heraus und in ein großes Büro, das
ganz offensichtlich seinem Vorgesetzten gehörte. Er deutete auf
einen Stuhl, und sie setzte sich, um ihn nicht misstrauisch zu
machen. Das letzte, was jetzt passieren durfte war, dass sie den
Colonel verärgerte. Er war ihr Schlüssel zum General, und
dieser wiederum war ihre Chance, Mulder zu retten. So lief das
eben beim Militär. Scully wusste, dass sie ihre Karten geschickt
würde ausspielen müssen, damit es nicht aussah, als versuche
sie, den General zu erpressen. Es musste wie ein fairer Handel
rüberkommen, damit er sein Gesicht vor seinen Leuten wahren
konnte. Andernfalls hätte er keine Möglichkeit, als sich zu
weigern, wenn er weiterhin von seinen Untergebenen akzeptiert
werden wollte.
Scullys Gedanken
wurden jäh unterbrochen, als die Tür aufging und ein Mann
hereinkam, gefolgt von Daniel Jackson und Major Carter. Der
Colonel nahm Haltung an.
General
Hammond, Sir. Wir haben ein Problem. Ein weiterer Eindringling
wurde auf dem Stützpunkt aufgegriffen, und diesmal ist es jemand
vom FBI.
Diesmal? Was
hat Mulder denen erzählt, wer er ist? Scully starrte
angestrengt in Richtung der noch im Schatten stehenden Gestalt
des Generals. Sie musste sein Gesicht sehen, um ihn einschätzen
zu können. Jetzt kam es drauf an.
Stimmt das?,
erkundigte sich der Mann im Schatten und trat in das erleuchtete
Büro. Scully warf nur einen Blick auf ihn und schnappte nach
Luft. Das... das konnte nicht...
Scheinbar dachte
der General das gleiche, denn er stand wie erstarrt im Eingang,
unfähig, sich zu rühren. Es dauerte eine lange Zeit, bis er
einen Laut herausbrachte.
Starbuck.,
flüsterte er dann tonlos, bevor er zusammensackte.
ONeill
hörte Hammond ein Wort sagen, das wie Starbuck
klang, bevor er zusammenbrach. Sofort waren er und Carter beim
General und halfen ihm auf, um ihn zu einem Stuhl zu führen, auf
den er sich schwer fallen ließ. Er war totenblass geworden, und
ONeill wurde klar, dass er seinen Vorgesetzten noch nie so
verstört gesehen hatte. In dem Moment, als der General
zusammengebrochen war, hatte niemand mehr auf die Gefangene
geachtet, die jetzt mit einem erstickten Aufschrei aus dem Raum
lief. Jack!, hörte ONeill Daniels warnende
Stimme, und er griff automatisch nach seiner Waffe, um die
Flüchtende aufzuhalten, aber der General winkte ab. Lassen
Sie sie gehen., forderte er mit schwacher Stimme. Sie
wird nicht weglaufen; aber sie braucht einen Moment für sich
allein.
Woher...
Woher kennen Sie diese Frau, Sir?, sprach Carter die Frage
aus, die alle drei Anwesenden gleichermaßen bewegte.
Das ist
eine lange Geschichte. Ich hatte gehofft, sie niemals erzählen
zu müssen.
Es sieht so
aus, als sei es jetzt soweit., mischte sich ONeill
ein. Bei allem nötigen Respekt, Sir, aber diese Agentin,
ob vom FBI oder sonstwoher, läuft jetzt unbeaufsichtigt auf dem
Stützpunkt herum. Denken Sie nicht, dass wir da ein Recht haben
zu erfahren, wer sie ist?
Hammond nickte
nur. Setzen Sie sich., forderte er die drei
Mitglieder von SG-1 auf, und diese gehorchten, ohne jedoch ihre
Augen von ihm zu lösen.
Der Colonel
hat recht., begann Hammond. Jetzt, da sie hier ist,
kann ich es nicht länger verschweigen. Agent Dana Scully ist
meine Tochter.
Was?
ONeill konnte es nicht fassen. Sie haben eine
Tochter? Ich dachte immer, Sie hätten einen Sohn.
Das habe
ich auch. Um genau zu sein habe ich zwei Söhne und zwei
Töchter, und ich bin verheiratet. Als man mir jedoch das
Kommando über diese Basis übertrug war es klar, dass ich meiner
Familie nichts davon sagen durfte. Das geht Ihnen allen so.
Einstimmiges Nicken in der Runde.
Meine
Familie stand mir sehr nahe, und mir war klar, dass ich dies
alles nicht lange vor ihnen würde verheimlichen können.
Unglücklicherweise war das auch meinen Vorgesetzten bewusst, und
so forderte man mich auf, meine Familie zu verlassen. Das hätte
ich nicht tun können. Niemals hätte ich mich freiwillig von
Maggie und den Kindern getrennt, also versuchte ich, das
Schlimmste zu verhindern und mein Doppelleben geheimzuhalten.
Meine Frau hat gespürt, dass etwas nicht stimmte, aber sie hat
nie gefragt, denn sie wusste, ich würde nichts sagen dürfen und
wollte mich nicht zwingen, sie zu belügen. So ging es noch eine
Weile gut, aber dann fanden sie heraus, dass meine jüngste
Tochter für das FBI arbeitete und somit eine große Gefahr
darstellte. Sie war erst kurz zuvor in den aktiven Außendienst
versetzt worden, und man fürchtete, dass sie bei ihrer Arbeit an
einem Projekt mit Namen X-Akten zufällig auf etwas stoßen
könnte, das sie auf die Spur unserer Arbeit führte. Man drohte
mir, sie alle zu liquidieren, da ich inzwischen zu wichtig für
das Programm geworden war, um von ihnen entbehrt zu werden. Und
weil ich meine Familie schützen wollte, habe ich beschlossen,
statt ihrer selbst zu sterben. Man gab mir ein Medikament, das
einen Herzinfarkt vortäuschte, und so starb ich eines Nachts,
nachdem Maggie und ich Dana besucht hatten. Ich hatte keine
Ahnung, dass es an jenem Tag geschehen würde, sonst hätte ich
mich anders verabschiedet. Da ich Angehöriger der Navy war, war
es ein leichtes dafür zu sorgen, dass meine Leiche eine
Seebestattung erfuhr, was eine nachträgliche Autopsie unmöglich
machte. Seitdem bin ich hier unter dem Namen, den man mir gleich
zu Beginn der Tarnung halber gab, und habe meine Familie nie
wiedergesehen. Ich kann nur hoffen, dass sie mir das Leid
verzeihen, das ich ihnen zugefügt habe, um sie zu beschützen.
Eines Tages stellte sich heraus, dass mein jüngerer Sohn Charles
zu den Eingeweihten des Programms gehörte, und ich beschloss,
ihn wiederzusehen. Er hat lange gebraucht, meine Entscheidung zu
verstehen, aber inzwischen weiß er, dass ich nichts schlechtes
für meine Familie wollte. Er erzählt mir von seiner Tochter,
die ich vor meinem Tod nie gesehen habe, und weil sie
mich nicht kennt, kann ich sie manchmal treffen. Zwar bin ich
nicht mehr für sie als ein Freund ihres Vaters, aber ich habe
wenigstens die Möglichkeit, einen Teil meiner Familie zu um mich
zu haben. Ich hatte nicht geglaubt, Dana jemals wiederzusehen.
Bis jetzt. Hammonds Stimme brach, als er diese letzten
Worte sprach, und er vergrub das Gesicht in den Händen. Carter
machte den beiden anderen Männern ein Zeichen, den Raum zu
verlassen und dem General einen privaten Moment zu gewähren, und
sie folgten ihr ohne Einwände. Vor der Tür blieben sie stehen.
Und was
machen wir jetzt?, wollte ONeill wissen.
Zuerst
müssen wir diese Frau finden. Sie muss zutiefst verstört sein,
schließlich hat sie jahrelang geglaubt, ihr Vater sei tot.
In Ordnung.
Carter, Sie übernehmen das. Ich denke nicht, dass sie jetzt in
der Verfassung ist, Daniel gegenüberzutreten.
Der Major nickte
und eilte den Flur hinunter in die Richtung, in der die Agentin
verschwunden war. Der Colonel sah ihr nach und wandte sich dann
an Daniel: Und wir beide versuchen nochmal, etwas aus dem
ersten Eindringling herauszubekommen. Vielleicht ist er ja etwas
gesprächiger, wenn wir ihm sagen, dass Agent Scully hier ist.
Woher
wollen wir denn wissen, ob er sie kennt?, erkundigte sich
der Archäologe.
Das wissen
wir nicht, aber wir vermuten es stark. Zumindest tue ich das. Es
wäre in meinen Augen ein seltsamer Zufall, wenn innerhalb von
wenigen Tagen zwei Leute vollkommen unabhängig voneinander hier
eindringen. Mein Instinkt sagt mir, dass da ein Zusammenhang
besteht. Und ich bin sicher, dass unser Freund das bestätigen
wird.
Samantha Carter
eilte den nur durch die Notbeleuchtung spärlich erhellten
Korridor entlang, auf der Suche nach der Frau, von der sie nun
wusste, dass sie die Tochter des Generals war. Ihre Gedanken
rasten. Wie wäre mir zumute, wenn Mom plötzlich vor mir
stünde und ich entdecken müsste, dass mein ganzes Leben eine
einzige Lüge war? Würde ich sie nicht hassen müssen? Oder
wäre ich froh, dass sie wieder bei mir ist? Sie wusste es
nicht und musste einsehen, dass eine solche Situation für sie
unvorstellbar wäre. Ist sie das nicht auch für Agent Scully?
Eine der
Bürotüren stand halb offen, und Carter ging hinein, denn ihr
Instinkt sagte ihr, dass sie Scully dort finden würde.
Tatsächlich saß die Agentin dort in einem schwarzen Bürostuhl,
die Knie angezogen und die Arme darauf verschränkt. Leise trat
Carter auf sie zu und legte ihr vorsichtig, um sie nicht zu
erschrecken, die Hand auf die Schulter. Agent Scully?
Diese sah auf,
und Carter war überrascht, keine einzige Träne in ihren Augen
zu sehen. Sie war überzeugt, dass sie, wenn sie auch nicht
gerade leicht in Tränen ausbrach, in einer ähnlichen Situation
nicht so ruhig geblieben wäre.
Ich kann
mir vorstellen, wie Ihnen zumute ist. Meine Mutter ist gestorben,
als ich zwölf Jahre alt war, und wenn sie plötzlich wieder vor
mir stünde...
Das ist es
nicht., unterbrach Scully sie leise. Ich hatte die
ganze Zeit geglaubt, dass er tot ist, und jetzt muss ich
feststellen, dass er uns alle angelogen hat. Schlimmer noch, er
hat meine Mutter betrogen, die ihn geliebt hat. Sie liebt ihn
noch immer, und er hat sie einfach aufgegeben und betrogen.
Das glaube ich nicht. Als Sie weg waren, hat er uns die ganze Geschichte erzählt. Man hat ihn vor die Wahl gestellt, seine Familie zu verlassen oder sie in Lebensgefahr zu bringen; ihm wurde damit gedroht, Sie alle aus dem Weg zu schaffen, wenn er sich nicht von Ihrer Mutter trennt, und um sie zu schützen, hat er beschlossen, selbst zu sterben.
Das ändert
doch nichts. Er hätte die Stellung aufgeben können.
Natürlich.
Aber um welchen Preis? Denken Sie, die hätten ihn gehen lassen,
wenn er ihnen so viel wert war, dass sie dafür eine ganze
Familie beseitigt hätten? Ich kann Ihnen nicht vorschreiben, was
Sie über Ihren Vater denken, aber in meinen Augen war er immer
ein wunderbarer Mann, der alles getan hat, um seine Teams zu
schützen, sei es vor Gefahren auf Missionen oder vor den
Angriffen des Pentagon. Er hat niemals auch nur einen von uns im
Stich gelassen, und ich bin mir sicher, dass er auch seine
Familie nie im Stich gelassen hätte, hätte er die Wahl gehabt.
Der Major
schwieg, denn sie wusste, dass Scully jetzt wahrscheinlich nicht
darüber sprechen wollte, und schon gar nicht mit einer
vollkommen Fremden. So blieb sie einfach neben ihr stehen und
wartete, dass die andere etwas sagen würde. Als sie das nach
einigen Minuten noch immer nicht tat beschloss Carter, die Frage
zu stellen, die ihr die ganze Zeit über auf der Seele brannte:
Was wollten Sie denn hier, wenn Sie nicht erwarteten, Ihren
Vater zu treffen? Scully, der nun inzwischen so ziemlich
alles egal war, sah auf und antwortete: Ich habe meinen
Partner gesucht. Agent Mulder ist vor einigen Tagen hier
eingedrungen weil er hoffte, Informationen über jemanden zu
finden, der ihm sehr nahe steht, und man muss ihn erwischt haben.
Carter lächelte.
Der Colonel würde staunen, wenn er erfuhr, dass sie das Rätsel
gelöst hatte, das ihm bereits mehrere schlaflose Nächte
beschert hatte.
Allerdings,
den haben wir hier. Vorausgesetzt, er ist ein großer,
gutaussehender Mann mit braunen Augen.
Gegen ihren
Willen breitete sich ein leichtes Lächeln auf Scullys
Mundwinkeln aus. Ja, das ist er.
Er hat von
Ihnen gesprochen. Das heißt, wenn Sie die Frau sind, die er
beinahe verloren hätte.
Ein weiterer
Schatten zog über Scullys Züge; sie nickte nur, und Carter
spürte, dass sie damit ein weiteres Tabuthema ansprach.
Er muss
Ihnen einiges bedeuten, wenn Sie für ihn in einen
Hochsicherheitsstützpunkt eindringen.
Was würden
Sie mit einem Mann machen, der Sie am Tag Ihres sechsmonatigen
Jubiläums versetzt?
Ich würde
ihn umbringen.
Sehen Sie,
und dazu musste ich ihn erst mal finden. Da sie nicht
darüber reden würde, wie sehr Ahab sie verletzt hatte und wie
durcheinander sie jetzt war, musste sie ihre Mauern wieder
aufbauen, und das ging am besten mit Humor, der zwar noch etwas
künstlich wirkte, was sich aber in den nächsten Minuten
erfahrungsgemäß bessern würde.
Carter fiel noch
etwas ein: Sagen Sie mal, hat der General Sie vorhin
Starbuck genannt?
Warum?
Die Mauer war schon beinahe wieder errichtet; ihr Ton hörte sich
schon gewohnt kühl an.
Weil ich
diesen Namen kenne.
Jeder, der
Moby Dick gelesen hat, kennt ihn.
Nein, ich
meine, er kommt mir bekannt vor. Ich kenne jemanden aus dem
Physikforum im Internet, der ihn verwendet. Eine Frau, die mir
bei der Lösung einiger Probleme geholfen hat, für die ich
allein Tage gebraucht hätte.
Was?
Scully wirkte plötzlich alarmiert. Ihr Internetname ist
nicht zufällig Major Mason?
Doch,
warum? Im ersten Moment wirkte Carter verdutzt, dann
erhellte sich Ihr Gesicht: Sie sind Starbuck. Darauf wäre
ich im Leben nicht gekommen. Ich dachte immer, es wäre eine
hauptberufliche Forscherin, keine Bundesagentin mit einem Hang
zur Physik.
Ich habe
Physik studiert, aber da ich bei meiner Arbeit mit Mulder die
meisten physikalischen Gesetze glatt vergessen kann, wollte ich
meine Kenntnisse etwas auffrischen. Das waren also echte
Probleme? Ich war immer der Meinung, jemand stellt sie ins Forum,
um die Leute zu testen.
Einige
schon, natürlich, aber ein paar waren echt und haben mir
schlaflose Nächte bereitet. Die stelle ich dann dort hinein, um
sicherzugehen, dass ich nicht zu einseitig an die Sache
herangehe.
Was war
denn beispielsweise echt?
Na, der
Molekularbaustein, der in der Schwerelosigkeit...
In dem Moment
betrat ONeill den Raum, gefolgt von...
Mulder!
Scully unterbrach Carters wissenschaftliche Ausführung sehr zur
Erleichterung des Colonels, der schon mit einem längeren Vortrag
gerechnet hatte, und eilte auf ihren Partner zu.
Scully! Was
zum Teufel tust du hier? Mulder ignorierte die beiden
Offiziere und nahm sie in die Arme. Sie ließ es sich einen
Moment lang gefallen, dann machte sie sich jedoch abrupt los und
trat einen Schritt zurück.
Was hätte
ich denn tun sollen?, fauchte sie. Abwarten, bis man
dich vor ein Militärgericht stellt, oder schlimmeres? Ich hoffe,
du hast mehr von deiner Partnerin erwartet.
Damit wandte sie
sich wieder Carter zu, und die beiden Frauen vertieften sich
erneut in ihr Gespräch über physikalische Rätsel und deren
Lösungen.
ONeill
wandte sich an Mulder: Das ist sie also? Nicht gerade
erfreut, Sie wiederzusehen, was?
Mulder zuckte
verständnislos die Achseln. Ich weiß nicht, was mit ihr
los ist., entgegnete er leise.
Ich schon.,
mischte sich Daniel ein, der hinter ONeill den Raum
betreten hatte. Sie hat eben erst erfahren, dass ihr Vater,
von dem sie glaubte, er sei tot, hier als unser General arbeitet.
Das hat sie wahrscheinlich nicht so einfach weggesteckt.
Der Colonel warf Jackson einen vernichtenden Blick zu, während
Mulder blass wurde. Unter diesen Umständen war es kein Wunder,
dass Scully nichts von ihm wissen wollte. Er wusste, wie sehr sie
ihren Vater geliebt und wie stark sie unter seinem Tod gelitten
hatte, und es musste die Hölle für sie sein, zu erfahren, dass
der Held ihrer Kindheit sie und ihre Familie betrogen hatte. Und
ich Idiot gehe in diesen verdammten Berg, ohne ihr etwas davon zu
sagen. Jetzt muss sie doch denken, dass sie auch mir nicht mehr
trauen kann.
Ohne zu zögern ging er zu den beiden Frauen und schob Carter zur Seite. Scully, wir müssen reden.
Ich wüsste
nicht, worüber. Nachdem der General weiß, dass man sich auf
mein Wort verlassen kann, wird er uns sicher gehen lassen, und
damit ist die Sache erledigt.
Aber dazu
müssen Sie erstmal mit ihm sprechen., warf Carter ein.
Kommen Sie, wir gehen zu ihm und klären das. Damit
schob sie die beiden Agenten aus dem Büro und in den nächsten
Aufzug. ONeill wollte ihnen folgen, aber der Major stellte
ihm unauffällig ein Bein, sodass er es nicht zur Kabine
schaffte, bevor die Tür zuging und die Agenten verschwunden
waren. Als er sich umdrehte, um sich ärgerlich zu erkundigen,
was das nun wieder sollte, sah er nur noch Carters Rücken, und
dann war sie auch schon um die Ecke gebogen. Verärgert rannte ONeill
hinterher, nur um sie an einer der Hauptkonsolen einzuholen, wo
sie ihm bereits mit einen triumphierenden Lächeln entgegensah.
In diesem Moment ging der Alarm los.
Begreifen mischte
sich in die verständnislosen Züge des Colonels. Sie haben
den Strom abgestellt?, herrschte er Carter an. Was
zum Teufel sollte das?
Die zwei
müssen miteinander reden, und zwar möglichst schnell. Sonst
geht womöglich ihre Beziehung kaputt. Also habe ich dafür
gesorgt, dass sie die Gelegenheit dazu haben., verteidigte
sie sich mit einem Anflug von Trotz in ihren großen blauen
Augen, und einen Moment später stahl sich ein Lächeln auf ONeills
Gesicht. Sie sind unmöglich, Carter., rügte er.
Ich weiß.,
gab sie schlicht zurück. Kommen Sie, wir sagen dem General
Bescheid, dass die beiden auf dem Weg zu ihm sind und mit einiger
Verspätung ankommen werden.
Sie drehte sich
um und ging voran, gefolgt von ONeill, der sie beeindruckt
anstarrte. Er hätte schwören können, dass er einen Hauch von
Feuchtigkeit in ihren blauen Augen gesehen hatte.
**********
Als sich die
Aufzugtür hinter ihnen geschlossen hatte, lehnte sich Scully an
die Wand, möglichst weit entfernt von Mulder. Sie wollte nicht
in seiner Nähe sein und war erleichtert, dass sie jetzt nur noch
ein Gespräch mit dem General sie weigerte sich, an ihn
als ihren Vater zu denken von der Freiheit trennte und sie
dann nach Hause und in ihr Bett konnte, wo sie sich endlich
würde gehen lassen können. In dem Moment fühlte sie einen
scharfen Ruck, der sie von den Füßen schleuderte. Der Aufzug
schien ein Stück in die Tiefe zu fallen, um sich anschließend
wieder zu fangen. Bevor Mulder, der mühsam das Gleichgewicht
bewahrt hatte, ihr aufhelfen konnte, kam sie allein wieder auf
die Beine.
Nicht schon
wieder!, knurrte der Agent, und sie sah ihn fragend an.
Der Fahrstuhl ist stecken geblieben. So fing auch alles an.
Ich bin mit diesem Colonel im Lift gefahren, als der plötzlich
stecken blieb. Er hat mich ausgefragt, und kaum waren wir wieder
draußen, da hat Major Carter meine Geschichte aufgedeckt. Die
Ironie dabei war, dass sie für die Panne überhaupt erst
verantwortlich war.
Scully nickte
nur, nahm seine Worte zur Kenntnis, reagierte aber nicht.
Scully,
bitte. Keine Reaktion.
Verdammt,
ich weiß, dass ich dir hätte sagen sollen, wo ich hingehe, aber
ich wollte einfach nicht, dass du dir Sorgen machst. Du hättest
mich nicht gehen lassen, weil es Wahnsinn war, und dann hätte
ich dir ins Gesicht sagen müssen, dass ich trotzdem gehen werde.
Wäre das besser gewesen?
Ich weiß
es nicht. Mulder atmete auf. Wenigstens redete sie mit ihm.
Ich weiß
es nicht, weil du mich nicht gefragt hast. Verdammt, ich bin kein
kleines Kind mehr, das man beschützen muss. Und genau das
versuchst du die ganze Zeit. Ich bin nicht aus Glas, kapierst du
das, Mulder? Ich gehe nicht kaputt, wenn man mir die Wahrheit
sagt! Eine barmherzige Lüge, war es das, worum es dir ging?
Lügen wir sie an, damit sie nicht aus ihrem goldenen Käfig
heraus muss? Genau das hat mein Vater auch getan, und ich kann
dir sagen, ich habe es verdammt satt! Und wenn du nicht in diesen
verfluchten Berg gegangen wärst, hätte ich nie erfahren, dass
er uns alle betrogen hat und könnte ruhig weiter in der
Gewissheit leben, dass er tot ist und bei uns geblieben wäre,
wenn er gekonnt hätte. Ich hätte niemals aus meiner kleinen
Illusion aufwachen müssen! Ahab. Wäre. Noch. Tot!!
Scullys Stimme
war immer lauter geworden, bis sie den letzten Satz herausschrie.
Erschüttert sah Mulder sie an. Er hatte immer geglaubt, sie zu
kennen, aber jetzt sah er eine Seite an ihr, die ihm gänzlich
neu war. Er hatte sie wütend gesehen, verzweifelt und traurig,
aber noch nie alles auf einmal, und die Kraft ihrer Gefühle
berührte ihn bis ins Innerste. Es gab nichts, was er hätte
sagen können, denn er wusste, dass er teilweise auch Schuld an
ihrem momentanen Zustand hatte. Sie hatte recht: Er hatte sie
beschützen wollen, hatte nicht gewollt, dass sie sich Sorgen
machte, aber vor allem hatte er nicht vor der Wahl stehen wollen,
ob er auf sie hörte oder nicht. Deshalb hatte er nichts gesagt
und war einfach verschwunden. Um ihr nicht weh zu tun hatte er
genauso gehandelt wie ihr Vater. Und das hatte sie nur noch mehr
verletzt.
Scully, du
hast recht. Mulder trat auf sie zu und zog sie in seine
Arme. Als habe der Ausbruch ihre Kräfte erschöpft, ließ sie es
geschehen und fiel schwer gegen seine Brust. Mulder hielt sie und
strich über ihren Rücken. Du hast recht, ich wollte
nicht, dass du dir Sorgen machst. Aber der eigentliche Grund,
warum ich dir nichts gesagt habe, ist der, dass ich feige war.
Das erregte ihre Aufmerksamkeit. Sie hob den Kopf und sah ihn aus
Augen an, in denen ungeweinte Tränen schimmerten.
Ja, ich war
feige. Ich wusste, wenn ich dir sage, was ich vorhabe, würdest
du alles tun, um mich davon abzuhalten. Du hättest mich gebeten,
nicht zu gehen, und ich hätte mich entscheiden müssen. Ich
hätte wählen müssen zwischen der Chance, eine Spur zu Samantha
zu finden, und dir. Darauf wäre es hinausgelaufen: Wer ist mir
wichtiger, du oder sie? Und vor dieser Wahl hatte ich Angst. Ich
habe befürchtet, dich zu wählen und meine Schwester zu
verraten. Denn genau das wäre passiert. Wenn du mich gebeten
hättest, wäre ich nicht gegangen. Um das zu verhindern, musste
ich es dir verschweigen. Das war mein Grund, und nicht, dass ich
geglaubt hätte, du seist schwach oder bräuchtest meinen Schutz.
Ich war derjenige, der schwach war, nicht du.
Mulder schwieg.
Es gab nichts mehr zu sagen, er hatte die Karten auf den Tisch
gelegt; jetzt lag es bei ihr: Würde sie ihm glauben?
Die Tränen
bahnten sich nun doch einen Weg über Scullys Wangen, sie konnte
nicht das geringste dagegen tun. Sie schlang ihre Arme um Mulder,
erwiderte endlich seine Umarmung und vergrub ihr tränennasses
Gesicht an seiner Brust.
Hör auf,
dir die Schuld zu geben., bat sie mit durch den Stoff
seines Hemdes gedämpfter Stimme. Es ist nicht alles deine
Schuld. Es war mein Vater, der mich betrogen hat, nicht du.
Langsam sollte ich ja wissen, dass du losrennst, sobald du eine
Spur zu Samantha witterst. Sie löste sich von ihm und
wischte über ihr Gesicht, um die Tränen loszuwerden, bevor sie
Mulder wieder ansah. Bitte versprich mir, dass du nie
wieder allein gehst. Wir sind Partner, und ich will mit dir
gehen, auch wenn ich vielleicht nicht immer mit dem Weg
einverstanden bin.
Mulder erwiderte
ihren Blick ernst. Es wird verdammt schwer werden, das
durchzuhalten; du weißt, dass ich es gewöhnt bin, meine eigenen
Wege zu gehen und auf mich allein gestellt zu sein. Ich kann dir
nicht versprechen, dass ich nicht manchmal den Versuch machen
werde, allein loszustürmen, aber wenn ich merke, dass es soweit
ist, sage ich dir Bescheid. Das verspreche ich dir. Scully
nickte. Sie wusste, dass dies mehr war, als Mulder jemals einem
Menschen versprochen hatte, und ihr war auch klar, was dieses
Versprechen für ihn bedeutete. Einen größeren Vertrauensbeweis
konnte er nicht geben, und sie war glücklich, diejenige zu sein,
die ihn bekam. Der Kummer über Ahabs Verrat blieb, aber jetzt
wusste sie, dass sie nicht allein damit war, und die Last, Mulder
nicht trauen zu können, war auch von ihr genommen. Sie umarmte
ihn kurz, bevor sie sich auf die Zehen stellte, um ihn zu
küssen.
Erleichterung
durchflutete Mulder, als er die Lippen seiner Scully endlich
wieder spürte. Einen Moment lang hatte er befürchtet, alles
ruiniert zu haben, und er nahm sich vor, nie wieder ohne sie zu
gehen, wenn es das war, was sie wollte. Er legte einen Arm um
ihre Taille und vergrub die andere Hand in ihrem Haar, um sie so
dicht wie möglich an sich ziehen zu können. Die ganze Welt
schien ihm plötzlich unwichtig und weit weg, wie immer, wenn er
Scully in den Armen hielt.
Erst eine
verzerrte Stimme aus der Gegensprechanlage holte das Paar wieder
in die Realität zurück. Alles okay bei Ihnen da drin?,
erkundigte sich Carter, wobei sie ONeill einen
vernichtenden Blick zuwarf, da dieser sich ein ziemlich
anzügliches Wackeln mit den Brauen nicht verkneifen konnte und
sie damit beinahe zum Lachen gebracht hätte.
Ja, wir
sind in Ordnung. Trotzdem wäre es nett, wenn Sie uns endlich
hier rausholen., kam Scullys Antwort ein wenig atemlos.
Carters Blick wurde regelrecht triumphierend. Wir sind
gleich soweit. Es gab einen kleinen Ausfall der Generatoren, die
die Aufzüge versorgen. Keine Ahnung, was mit den Dingern los
ist.
ONeill hob
eine Braue, und Carter zuckte entschuldigend die Achseln. Was
hätte ich denn sonst sagen sollen?, fragte sie mit
Unschuldsmiene, nachdem sie die Leitung unterbrochen hatte.
Tut mir leid, Leute, aber ich wollte nicht, dass Sie im
Streit den Berg verlassen, und darum musste ich Sie leider im
Lift einsperren. Ich glaube nicht, dass das ratsam gewesen
wäre. Dem Colonel blieb nichts anderes übrig, als ihr
zuzustimmen. Er drehte sich um und wollte gerade in Richtung
seines Büros gehen, wo er den Ausgang des sicher sehr
persönlichen Gesprächs zwischen Hammond und seiner Tochter
abwarten wollte, bevor er sich von den Agenten verabschiedete,
aber Carter trat ihm in den Weg. Ich glaube, Sie haben noch
etwas, das Sie Agent Mulder zurückgeben sollten. ONeills
Blick war ein einziges Fragezeichen und mindestens genauso
unschuldig wie ihre Miene eine Minute zuvor.
Ich glaube,
nach der Versöhnung wird er es dringend brauchen.
Na gut.
Resigniert zog der Colonel eine kleine Schachtel aus der Tasche
und legte sie in Carters ausgestreckte Hand. Geben Sies
ihm. Ich brings einfach nicht übers Herz; ich habe fast
gehofft, ich könnte ihn behalten.
Wem hätten
Sie ihn denn schenken wollen? warf Daniel mit einem Blick
auf den schlichten Goldring ein, den Carter aus der Schachtel
gezogen hatte, um ihn zum ersten Mal von Nahem zu betrachten.
Das weiß
ich doch noch nicht, aber immerhin hätte ich schon mal einen
gehabt, wenn die passende Frau auftaucht. Außerdem war es meine
Pflicht, den Gefangenen zu durchsuchen und eventuell gefährliche
Gegenstände zu konfiszieren.
Er ist
wunderschön., murmelte Carter ehrfürchtig. Wirklich
wunderschön. Aber für mich wäre er nichts; ich würde einen in
Weißgold vorziehen. Daniel warf dem Colonel einen
vielsagenden Blick zu, und dieser gab ein drohendes Knurren in
Richtung des respektlosen Archäologen ab. Nichtsdestotrotz
würde es ihm nun wesentlich leichter fallen, den Ring seinem
rechtmäßigen Besitzer wiederzugeben...
**********
Nachdem sie einige Minuten reglos vor der geschlossenen Tür gestanden hatten, schüttelte Scully den Kopf. Mulder, ich kann da nicht reingehen.
Doch, ich
weiß, dass du das kannst. Wenn du ihm jetzt nicht
gegenübertrittst, bekommst du wahrscheinlich nie wieder die
Gelegenheit dazu, und ich bin mir sicher, dass du das irgendwann
bereuen würdest. Du musst ja nicht mir ihm reden, wenn du nicht
kannst. Er zögerte einen Moment, unsicher, ob er
weitersprechen sollte. Dann fuhr er fort: Ich kann auch
mitkommen, wenn du möchtest.
Erst schwieg
Scully, dann nickte sie. Das wäre mir wirklich lieber.
Sie schob ihre Hand in Mulders und klopfte entschlossen an die
Bürotür.
Auf Hammonds
Aufforderung hin betrat sie den Raum, noch immer Mulders Hand
haltend. Der General sah ihr mit einer Mischung aus Erwartung und
Trauer entgegen und sagte dann: Ich bin froh, dass du dich
entschlossen hast, mich anzuhören. Es wäre schrecklich für
mich, wenn du mich dafür hassen würdest, was ich getan habe,
ohne meine Gründe zu kennen. Dann wandte er sich an
Mulder: Ich würde gern mit meiner Tochter allein sprechen,
wenn es Ihnen nichts ausmacht.
Es macht mir
etwas aus., antwortete Scully für ihren Partner. Mulder
ist der wichtigste Mensch in meinem Leben, und ich will das hier
nicht ohne ihn tun. Ich weiß nicht einmal, ob ich es könnte.,
wiederholte sie Mulders Worte, die er vor einer Ewigkeit
jedenfalls kam es ihr so vor in einem dunklen Flur an sie
gerichtet hatte. Dann, als sei es ihr eben erst eingefallen:
Aber das kannst du natürlich nicht wissen. Der
General zuckte kaum merklich zusammen, als er die Spitze hinter
ihren Worten erkannte, und nickte dann. In Ordnung. Wenn es
dir so wichtig ist, soll er meinetwegen bleiben. Er deutete
auf die Sitzgruppe, die in einer Ecke seines Büros stand, und
seine Tochter, die ihm in diesem Moment wie eine vollkommen
Fremde vorkam, setzte sich wortlos, gefolgt von ihrem Partner,
der ihre Hand noch immer nicht losließ. Hammond selbst nahm den
beiden gegenüber Platz. Nach ein paar Minuten unbehaglichen
Schweigens begann er: Ich weiß nicht, was ich dir sagen
soll. Wahrscheinlich hasst du mich jetzt, und glaub mir, das kann
ich verstehen. Es gibt Momente, da hasse ich mich selbst, aber
dann denke ich wieder daran, warum ich mich so entschieden habe:
Man hat mich vor die Wahl gestellt, deine Mutter zu verlassen und
aus eurem Leben zu verschwinden oder zuzusehen, wie sie euch
beiseite schaffen. Ich war ihnen viel zu wichtig geworden, als
dass sie mich hätten gehen lassen, und weil ich es weder deiner
Mutter noch euch Kindern antun konnte, euch ohne Grund zu
verlassen, habe ich mich entschlossen, zu sterben. Ich dachte
mir, das wäre für euch alle leichter zu ertragen als wenn ich
euch verlassen hätte, ohne einen Grund nennen zu können. Du
musst mir glauben, dass ich euch alle immer geliebt habe. Ich
liebe euch noch immer, und es ist das schlimmste für mich, euch
nicht sehen zu können.
Und weil du
uns so sehr liebst, hast du uns alle angelogen. Wir haben um dich
getrauert; Mom tut es noch immer. Der Gedanke, dass du die ganze
Zeit hier gesessen und sie getäuscht hast, macht mich krank.
Scully hatte so leise gesprochen, dass selbst Mulder, der direkt
neben ihr saß, Mühe hatte, sie zu verstehen. Trotzdem hatte ihr
Vater offenbar genau verstanden, was sie meinte.
Dana, ich
wollte euch nicht anlügen. Aber um euch zu schützen, hatte ich
keine Wahl. Ich verstehe, dass es dir wie Verrat vorkommen muss,
aber das war es nicht.
Ich habe
während der letzten Jahre genug Verrat erlebt um einen zu
erkennen, wenn ich ihn sehe. Ich weiß nicht, ob ich dir das
jemals verzeihen kann, aber besonders schlimm finde ich, was du
Mom angetan hast. Sie liebt dich noch immer, das solltest du
wissen. Wie soll ich ihr jemals wieder entgegentreten mit dem,
was ich jetzt weiß? Was soll ich sagen, wenn sie mir erzählt,
wie sehr ihr einander immer vertraut habt? Du hast nicht nur ihr
wehgetan, sondern auch mir. Sogar Mulder hast du betrogen: Ich
war bereit, an das Unglaubliche zu glauben, daran, dass ich im
Moment deines Todes eine Vision hatte. Was soll ich jetzt
glauben? Mulder weiß, was ich dadurch durchgemacht habe, bis ich
mir selbst eingestehen konnte, was ich gesehen hatte, und nun war
es auch nur eine weitere Lüge. Sie spürte, wie Mulder
ihre Hand leicht drückte, und erwiderte die Geste. Major
Carter hat mir gesagt, du seist in ihren Augen ein Mensch, der
niemanden im Stich lässt. Ich weiß es besser, und ich bin froh,
dass ich diejenige bin, die es erfahren hat, und nicht Mom.
Damit ließ sie Mulders Hand los und stand auf. Ich werde
jetzt gehen. Sie verließ den Raum; Mulder wollte ihr
folgen, aber der General hielt ihn zurück. Bleiben Sie
noch einen Moment., bat er, und Mulder setzte sich zögernd
wieder hin.
Ich weiß,
dass das alles sehr schwer für Dana ist, und ich bin froh, dass
Sie da sind, um ihr beizustehen. Wir haben uns niemals wirklich
kennengelernt, aber sie hat ihrer Mutter und mir sehr viel von
Ihnen erzählt. Ich hatte immer das Gefühl, dass Sie ihr guttun.
Natürlich macht es mich traurig, dass sie mich nicht verstehen
kann, aber das habe ich auch nicht erwartet. Wie könnte sie
auch?
Ich bin
sicher, dass sie es tun wird, wenn sie Zeit hatte, sich über
ihre Gefühle klar zu werden. Scully liebt Sie, das weiß ich,
und nichts wird das ändern können. Vielleicht wird sie Sie
nicht mehr so sehr verehren wie früher, und ihre Bewunderung
könnte auch kleiner geworden sein, aber nicht ihre Liebe. Sie
wird heilen.
Die Augen des
älteren Mannes nahmen einen feuchten Schimmer an. Gott,
das hoffe ich. Nur werde ich nicht dasein, um ihre Heilung zu
sehen. Ich weiß, dass ich nicht mehr das Recht habe, Ihnen das
zu sagen, aber ich wünsche mir, dass Sie für Dana da sind, wenn
sie heilt, wenn sie beginnt zu verzeihen, falls sie das kann.
Machen Sie mein kleines Mädchen glücklich.
Das werde
ich, weil ich sie liebe, Sir., erwiderte Mulder ernst und
stand auf. Ich sollte besser nach ihr sehen. Hammond
nickte und begleitete ihn zur Tür. Danke., sagte er
noch und sah dann dem Mann hinterher, der den wichtigsten Platz
im Herzen seiner geliebten Tochter eingenommen hatte. Er selbst
würde dort nie mehr derselbe sein, und diese Gewissheit machte
ihn traurig. Er würde nicht dabei sein, wenn sie diesen Mann
heiratete und dass das eines Tages geschehen würde,
dessen war er sich sicher und mit ihm eine Familie
gründete. Es war ein schwerer Verlust, den er zu tragen hatte,
seit er sich entschieden hatte, seine Familie zu verlassen, aber
er musste damit leben, und solange sie dadurch sicher waren,
lohnte es sich. Wenigstens war er in ihren Augen kein Verräter
geworden, und sie konnten ihn in liebevoller Erinnerung behalten.
William Scully schämte sich, seiner jüngsten Tochter diese
Möglichkeit genommen zu haben. Aber er hatte den Preis gezahlt.
Sie würde irgendwann glücklich werden, und er hatte die Chance
verwirkt, daran teilzuhaben. Mit einem schweren Seufzer schloss
er die Bürotür, bevor er sich auf seinen Stuhl fallen ließ und
das Gesicht in den Händen vergrub. Tief in seinem Innern wusste
er nun endlich, warum ihm SG-1 so am Herzen lag. Das Team war ihm
in Ermangelung seiner eigenen zu einer Familie geworden, sie
waren seine Söhne und seine Tochter. Manchmal erinnerte ihn Sam
Carter sogar an seine wirklichen Töchter. Sie hatte die gleiche
tiefe, unbestechliche Intelligenz und Ehrlichkeit wie Dana und
den Ungestüm, den er in Melissa gesehen hatte. Aber auch diese
Erkenntnis, die er in all seinen Jahren in dieser Einrichtung
vergeblich gesucht hatte, brachte dem einsamen Mann heute Nacht
keine Linderung für seinen Schmerz.
**********
Es würde hart
werden, und sie wusste es, aber sie musste es tun. Dana Scully
betrat das Büro des Mannes, der sie hergebracht hatte, aus einer
Eingebung heraus. Irgendwie ahnte sie, dass sie ihn hier finden
würde. Tatsächlich. Daniel Jackson saß an seinem Schreibtisch
und las in einem Bericht. Scully trat ein, und der Archäologe
sah auf.
Ach, Sie
sinds. Ich dachte, Jack wäre zurück. Wollen Sie mich
wieder niederschlagen?
Trotz des Ernstes
seiner Worte lächelte er. Scully schüttelte den Kopf.
Ich möchte
mich bei Ihnen entschuldigen. Ich habe Sie ausgenutzt, um auf den
Stützpunkt zu kommen. Sie müssen mir glauben, das ist sonst
wirklich nicht meine Art, und ich fühle mich schrecklich, weil
ich Sie niedergeschlagen habe.
Daniel
schüttelte den Kopf. Schon gut. Ich habe schon härtere
Schläge überlebt. Nur gut, dass sie kein Goauld
ist. Außerdem kann ich Sie verstehen. Wissen Sie, ich
habe vor einiger Zeit meine Frau verloren, und als man sie mir
weggenommen hat, hätte ich alles getan, um sie zu finden. Ich
hätte dasselbe getan, wenn ich die Möglichkeit gesehen hätte,
Sharee wiederzubekommen.
Trotzdem
tut es mir leid. Wahrscheinlich hätte ich nicht so ein
schlechtes Gewissen, wenn Sie nicht so freundlich zu mir gewesen
wären. In meinem Beruf kommt es schon mal vor, dass man Menschen
täuschen muss, aber bei Ihnen tat es mir leid.
Wirklich,
es ist okay. Ich bin froh, dass Sie Ihren Freund wiedergefunden
haben, und wenn mein Kopf herhalten musste, um Sie beide wieder
zu vereinen, dann war es das Opfer wert. Er wechselte das
Thema: Was werden Sie jetzt tun?
Wahrscheinlich
verschwinden wir hier in der nächsten halben Stunde. Wenn ich
mich nicht bei meinen Kontaktmännern melde, könnte es hier
einige ziemlich unerfreuliche Szenen geben. Außerdem möchte ich
nicht länger als unbedingt nötig hierbleiben.
Verstehe.
Haben Sie nochmal mit dem General gesprochen?
Ja. Aber
das ändert nichts. Sie klang, als wolle sie nicht darüber
sprechen, und so ließ Daniel das Thema fallen und sprach das an,
was ihn während der letzten Stunde beschäftigt hatte: Sie
haben wirklich eine Menge Ahnung von Archäologie.
Nein, das
schien nur so. Ein Freund hat mir einen Schnellkurs gegeben.
Außerdem war ich bereits an mehreren Ausgrabungsstätten,
beispielsweise auf Yucatan und auch in Afrika, wo wir
Ermittlungen angestellt haben. Das hat sehr geholfen.
Sie haben
mich getäuscht, und ich bilde mir ein, einiges zu wissen.
Ich bin
sicher, Sie sind ein wirklicher Experte. Scully lächelte.
Manchmal arbeite ich als forensische Pathologin; das ist
ein wenig wie Archäologie. Zumindest, wenn die Leichen, die ich
untersuche, schon ein paar Monate alt sind. Daniel verzog
angewidert das Gesicht. Da lob ich mir richtige
Ausgrabungen; die Leichen, die man dabei findet, sind schon weit
über die stinkende Phase hinaus.
In dem Moment
steckte Mulder den Kopf zur Tür herein. Tut mir leid, wenn
ich störe, aber wir sollten langsam gehen. Die Nacht ist bald
vorbei, und wenn uns hier zu viele Leute sehen, könnte es
Komplikationen geben.
Scully nickte und
verabschiedete sich von Daniel. Dieser bemerkte noch: Schade,
dass Sie TealC nicht kennengelernt haben. Ich bin sicher,
er hätte Ihnen gefallen.
Vergessen
Sies, Daniel. Carter war unbemerkt hereingekommen.
Wenn ich sie aus dem Forum einigermaßen richtig
einschätze, würde sie gar nicht an ihn glauben. Agent Scully
ist eine bodenständige Realistin.
Dem kann
ich nur zustimmen., erwiderte Mulder und griff wieder nach
Scullys Hand, um sie aus dem Büro zu führen. Carter schloss
sich ihnen an, und auf dem Korridor trafen sie auch noch ONeill.
Ich begleite Sie raus. Nicht, dass unser übereifriger
Posten Sie jetzt noch erschießt.
Sie kamen an den
Aufzug, und ONeill griff nach Carters Arm. Diesmal
kommen Sie mit. Es ist mir zu riskant, in das Ding zu steigen,
wenn Sie draußen sind. Sie warf ihm einen unschuldigen
Blick zu, folgte ihm und den Agenten jedoch ohne Widerrede. Auf
dem Weg nach oben bemerkte Carter, sie habe sich wirklich
gefreut, ihre Chatbekanntschaft endlich persönlich getroffen zu
haben. Ich finde, wir sollten unsere Mailadressen
austauschen; dann kann ich Sie direkt fragen, wenn ich wieder mal
ein Problem habe, das eine andere Sichtweise verlangt.
Scully nickte, und ONeill verdrehte die Augen. Nicht
genug, dass Sie unsereins die ganze Zeit mit Ihren Theorien
nerven; jetzt verbreiten Sie die auch noch übers Internet. Na
ja, wenigstens laufe ich dort nicht Gefahr, darüber zu stolpern.
Carter lächelte strahlend. Sir, ich wusste nicht, dass ich
Sie damit nerve. Ich war immer der Meinung, dass Sie es mögen,
wenn ich Ihnen etwas erkläre.
Regel No.
1, Carter: Wenn ich jemandem etwas erkläre, ist er hinterher
klüger und kommt sich nicht wie ein kompletter Idiot vor. Aber
davon einmal abgesehen, ja, ich mag es, wenn Sie mir etwas
erklären.
Niemand kam dazu, etwas zu erwidern, denn der Aufzug hielt auf der obersten Ebene der Basis, und sie stiegen aus. Carter und ONeill begleiteten die Agenten nach draußen, wo die Frauen sich noch einmal in eine intensive wissenschaftliche Diskussion vertieften und sich anscheinend gar nicht voneinander trennen konnten. ONeill nutzte die Zeit, Mulder unauffällig den Ring zurückzugeben. Viel Glück., wünschte er, als der andere das kleine Kästchen in seine Tasche steckte. Mulder lächelte. Das wünsche ich Ihnen auch. Warten Sie nicht zu lange. Inzwischen hatten sich auch Scully und Carter verabschiedet, und die Agenten gingen in Richtung Wald davon, wo Mulders Wagen noch immer gut versteckt warten musste, da ihn inzwischen niemand von der Basis gefunden hatte.
Die beiden
Offiziere sahen ihnen nach, und der Colonel bemerkte versonnen:
Sie haben wirklich gute Arbeit geleistet, Major. Die halbe
Stunde im Aufzug hat ihnen beiden gutgetan. Ich muss zugeben, ich
hätte niemals gedacht, dass Sie so gut darin sind, Leute zu
verkuppeln.
Carter sah auf
ihre Schuhspitzen. Ach, wissen Sie, Sir, manchmal wünschte
ich mir, jemand würde es mir leichter machen und mich
verkuppeln. Eigentlich habe ich nur das getan, von dem ich mir
wünsche, dass es mal jemand für mich tut.
Vielleicht
sollte ich mal mit Daniel reden., murmelte ONeill,
bevor sie zusammen wieder zur Basis gingen und im Lift nach unten
fuhren. Sie waren gerade dabei, Mutmaßungen über den Ausgang
von TealCs ersten Zahnarztbesuch anzustellen, der ihnen
heute Mittag bevorstand, als plötzlich...
Carter, was
zum Teufel ist das jetzt schon wieder?
Tut mir
leid, Sir, ich habe keine Ahnung. Diesmal habe ich wirklich
nichts gemacht. Wie könnte ich auch von hier aus?
Na
wunderbar., knurrte ONeill. Mit Ihnen hier drin
und einer Panne da draußen kann es Stunden dauern, bis die den
Lift wieder in Gang kriegen. Wir können es uns also genauso gut
gemütlich machen.